The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Milo

      "Ich bin gerne peinlich und uncool." Milo lachte kurz, während er Aaron sanft ein wenig von sich weg schob, um sich drehen und ihn zurück umarmen zu können. "Wäre ja furchtbar, wenn Wy sich zu sicher fühlt." Das gehörte irgendwie dazu, wenn man ein älteres Geschwisterkind war, oder? Wofür hatte man jüngere Geschwister, wenn man sie nicht ärgerte? Obwohl Aaron das vielleicht ein wenig anders sah. Oder er machte sich immer noch zu viele Sorgen darüber, was Wyatt von ihm dachte, was ihn irgendwie noch sympathischer machte.
      Das Schlimme war, dass Milo nicht wusste, was er machen würde, wenn Wyatt und Aaron nie auf einen grünen Zweig kommen würden. Er wollte jemand sein, der sich ohne zu zögern auf die Seite seiner Familie stellen würde, aber er hatte das Gefühl, dass er Aaron brauchte. Außerdem war Wyatt nicht sein Sohn, den er irgendwie mit einem neuen Elternteil überraschte, sondern sein Bruder, der in ein paar Jahren weitestgehend selbstständig durch die Welt laufen würde und alt genug war, um damit klar zu kommen, nicht 24/7 Milos Aufmerksamkeit zu bekommen.
      "Ich frage Wyatt morgen aus, was sie alles gemacht haben und dann leite ich es an dich weiter, wenn du willst. Ich denke, sie werden irgendwelche Trinkspiele spielen und haben wahrscheinlich langsam das Level erreicht, bei dem man jeden Scheiß unfassbar witzig findet. Solange gleich niemand im Bad landet und die Pizza wieder hochwürgt, ist mir das relativ egal." Er löste eine Hand aus der Umarmung, um Aaron eine der wind- und mützenzerzausten Haarsträhnen hinters Ohr zu streichen.
      "Womit sie nicht alleine sein müssen. Ich kann ein bisschen Rum in den Tee kippen, wenn du willst." Er grinste leicht, während er sich an die Küchentheke lehnte und Aaron dabei mit sich zog. War es normal, auf dem zweiten, furchtbaren Date schon so aneinander zu hängen?
    • Aaron

      Den Test hatten sie vermutlich bestanden. Aaron lächelte zufrieden vor sich hin, als Milo sich umdrehte, um ihn richtig zu umarmen. Gut, Aaron hätte vermutlich nicht damit leben können, wenn Milo ein großes Problem mit zu viel Körperkontakt hatte. Auch wenn er irgendwie ein wenig so wirkte, als müsste es so sein. Etwas distanziert, und doch eigenartigerweise vollkommen offen für alles, das Aaron sagte und tat. Er brummte kurz zufrieden auf und ließ sich die Haare glatt streichen. Dann hob er den Kopf, als Milo sich wieder an die Küchentheke lehnte. „Das fühlt sich verboten an“, sagte er belustigt. Es war unfassbar schwer, Milo nicht zu küssen. Aber es war auch unfassbar schwer, den richtigen Moment zu finden und sich zu überwinden.
      „Alkohol, wenn ein Haufen Teenager anwesend sind, die auch betrunken sind?“, schmunzelte er. Vielleicht war er zu sehr in der Jobrolle, sobald die Kids aus dem Jugendzentrum um ihn herum waren. Trotzdem waren Milo und er gerade irgendwie die Verantwortlichen… „Einer von uns sollte wohl noch Autofahren können“, seufzte er. „Beim nächsten Mal, wenn wir alleine sind, sollten wir mal eine Flasche Wein aufmachen, oder so. Oder wir gehen aus. Gehst du gerne in Pubs oder Bars oder war das eine Ausnahme?“ Aaron lächelte. „Oder wir gehen tanzen. Oder Cocktails trinken. In jedem Fall sollte es was sein, wo wir nur die Verantwortung für uns selbst tragen“, lachte er.
      Aaron legte kurz seine Hand an Milos Wange, bevor er von ihm abließ und seine Teetasse sowie einen Muffin in die Hände nahm. „Also dann, it takes two, also schnapp dir deine Snacks“, sagte er und nickte zur anderen Tasse, dann ging er vor ins Wohnzimmer und stellte seine Sachen auf dem Couchtisch ab. Vielleicht brauchte er dann doch noch eine Decke. Ob nun mit oder ohne Alkohol, mit oder ohne Verantwortung für Halbstarke, es war bisher ziemlich gemütlich. Die Pizza war gut gewesen, alle schienen sich unter Kontrolle zu haben, mit Milo zu reden war wundervoll und Filme und Videospiele mit Muffins und Tee klangen nach einem Traum, vor allem wenn sie dabei zusammen unter einer Decke sitzen konnten. Das war einer dieser Momente, in denen Aaron hoffte, dass die Zeit nicht zu schnell verstrich. Sobald das hier vorbei war und er wieder zuhause saß, würde er es schrecklich vermissen.
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    • Milo

      "Ich war zu Studienzeiten oft feiern. Das hatte dann gegen Ende irgendwann abgenommen, als ich mich tatsächlich aufs Lernen konzentrieren musste. Aber ich denke, wir könnten das nochmal wiederbeleben." Milo lächelte leicht, während er Aaron hinterher sah. Ob Aaron bewusst war, wie einfach er ihn um den Finger wickeln konnte? Einmal kurz kuscheln und schon wollte Milo ihn am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Er musste sich selbst einen kleinen Ruck geben, um nicht zu sehr ins Tagträumen zu rutschen.
      "Der beste Snack ist schon von selbst auf dem Weg ins Wohnzimmer", informierte er ihn mit einem kleinen Zwinkern, bevor er nach seiner eigenen Teetasse griff. Sie mussten definitiv feiern gehen und Zeit für ein Date finden, bevor doch noch jemand mit etwas mehr Zeit auf die Idee kommen würde, ihm Aaron wegzuschnappen.


      Wyatt

      Falschendrehen verlor nach und nach ein wenig an Reiz, als ihnen die Ideen ausgingen. Der Punsch war mittlerweile leer, aber sie hatten ja zum Glück noch Bier im Kühlschrank und diverse andere Getränke in einem Schrank im Wohnzimmer, die eigentlich nicht für den Geburtstag vorgesehen waren, aber...wenn einer von ihnen Milo und Aaron ablenken würde, würden sie da sicher auch irgendwie dran kommen.
      "Ich bin so froh, dass wir keinen Punsch mehr haben", merkte Emma an, während sie ihren Becher wieder vor sich auf den Boden stellte. Sie hatte lieber getrunken, als draußen einmal über den Fußgängerweg zu lecken, was zugegebenermaßen auch furchtbar widerlich war. Wys Glas war ebenfalls schon leer, allerdings unabhängig von den Aufgaben. Er merkte, dass seine Gedanken langsam wunderbar träge wurden.
      "Heißt aber auch, dass man die Pflichten jetzt annehmen muss", kommentierte er mit einem kleinen Lachen. Immerhin hatten sie dadurch jetzt auch keine richtige Strafe mehr, wenn man etwas nicht tat, oder? Obwohl ihnen da wahrscheinlich auch irgendwas anderes einfallen würde. Aber mit ein bisschen Druck war es spannender, oder?
      "Genau", stimmte Emma zu, während sie Fingerpistolen in Wys Richtung machte, innehielt und kurz zu aussah, als ob sie selbst nicht so richtig wusste, was sie gerade gemacht hatte. Sie räusperte sich, während sie die Flasche wieder vor sich auf den Boden legte und sie leicht unkoordiniert drehte. Wyatt lehnte sich zurück, während die Flasche sich leicht auspendelte und schlussendlich auf Jude zeigte.
      "Ohhhhh, darauf hatte ich gehofft!" Emma grinste breit und lehnte sich Jude leicht entgegen. "Weißt du, ich glaube, ich habe da einen durchgehenden roten Faden für deine Pflichten gefunden! Erst der Kuss, dann der Klamottentausch und so. Die nächste mögliche Stufe kann ja nur ein klassisches 7 Minutes in Heaven sein! Du nimmst übrigens Pflicht, falls du das noch nicht wusstest." Ihre Augen leuchteten ein wenig, während Wyatt neben ihr unfreiwillig auflachen musste.
      "Bro, du hast wirklich einen Lauf", kommentierte er, während er die Flasche von Emma an Jude weiter reichte. "Viel Glück."
    • Jude

      Jude hatte es definitiv im Gedächtnis abgespeichert, was Emma gesagt hatte. Dass sie mehr über Männer nachdenken würde, wenn sie sich mehr Mühe geben würde. Außerdem hatte ihre Antwort auf die Frage auch ein weih Sicherheit gegeben, dass sie zumindest nicht auf Wyatt oder Lucas oder irgendjemanden sonst stand. Wenn das nicht eine Aufforderung an Lucas gewesen hatte sein sollen. Aber der Wurf mit der Flasche sprach dagegen, oder? Obwohl, naja, Frauen. Wahrscheinlich machte es eh keinen Sinn, wenn Jude darüber länger nachdachte. Er würde sich einfach… Mühe geben! Und seine Chancen abwägen.
      Gerade sah es gut aus. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er meinen, Emma versuchte mit der Aufgabe einfach selbst dazu zu kommen, die 7 Minuten im Himmel mit ihm zu verbringen! Und wo sie gerade dabei waren…
      „Und wo ist der Himmel?“, fragte er und drehte die Flasche. Während er sich aufsetzte, merkte er, dass ihm etwas schwindlig war, und auf einmal machte es mehr Sinn, dass er so viele Gedankenknoten machte seit Emma seine letzte Frage beantwortet hatte. War er immer so verzweifelt, wenn er betrunken war? Mann. Aber was hatte er schon zu verlieren. Single sein war langweilig.
      „Im Gästezimmer, oder-“ Er kam nicht wirklich dazu seinen Satz zu beenden, weil er sehr fokussiert auf die Flasche war, die sich elends langsam weiter drehte, und schließlich liegen blieb, der Deckel weit von Emma entfernt. Sie zeigte auf Lucas. Schon wieder. „HÄ?!“
      Diesmal war er wirklich etwas frustriert und er konnte es dank dem Alkohol auch nicht verstecken. Er warf Emma einen fragenden Blick zu, ob er das jetzt echt durchziehen musste, wenn es für sie alle hier die langweiligsten sieben Minuten werden würden. Aber Kaias dämonisches Grinsen im Augenwinkel verriet ihm schon irgendwie die Antwort darauf. Also stand er nur mit einem genervten Grummeln auf. Gut, die Chance, dass es genau die eine von fünf Personen traf, die er wollte, war ziemlich gering gewesen, aber trotzdem… Von allen hier kannte er Lucas auch noch am wenigsten! Das wurde bestimmt seltsam. Falls Jude überhaupt im Himmel ankam. Als er aufstand, taumelte er einen Schritt zur Seite. Woah. Alles drehte sich. War in dem Punsch echt nur Rum gewesen?
      „Schön, also… Schrank? Zimmer? Wo sollen wir hin?“, fragte er an Wyatt gerichtet. Der Schrank war die typische Wahl nicht? Lucas und er waren aber genau das Paar, das darin wahrscheinlich am absolut wenigstens Platz hätte. Außerdem würde man durch die Türen alles durchhören, was ihn mit Emma gestört hätte, deshalb hätte er das Gästezimmer vorgeschlagen. Oder den Schrank im Gästezimmer, weil mit einem Mädchen quetschte er sich da gern rein.
      „Ich bin für den Schrank“, sagte Kaia sofort.
      „Der… hier?“, fragte Jude skeptisch und zeigte auf den Schrank in Wyatts Zimmer. „Da passen wir zusammen nichtmal rein“
      „Ihr seid nicht Hulk 1 und Hulk 2, also…“ Kaia zog eine Augenbraue hoch. „Oder willst du mehr Privatsphäre?“ Sie grinste.
      „Yup, genau das ist es“, antwortete er monoton.
      „Tja, also es muss ein Schrank sein, sonst macht das keinen Sinn. Außer es gibt hier ne enge, dunkle Abstellkammer“ Sie zuckte mit den Schultern. Vermutlich musste sich Judes Glück einfach manchmal ausbalancieren.
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    • Lucas

      Es traf schon wieder ihn. Super. Lucas presste die Lippen aufeinander, während er versuchte, möglichst neutral zu bleiben. Was einfacher wäre, wenn er die Zeit seit ihrem Kleidertausch nicht damit verbracht hätte zu überlegen, wie es gewesen wäre, wenn er, statt Wy Jude hätte küssen müssen, was Gedanken waren, die er nicht haben wollte und die ihm ernsthaft Sorgen bereiteten. Aber bisher war die Vorstellung, Jude zu küssen irgendwie das schlimmste gewesen, was er sich vorstellen konnte. Er hatte nicht geahnt, dass es noch schlimmer kommen könnte.
      Emmas amüsiertes Auflachen neben ihm riss Lucas wieder aus seinen Gedanken zurück ins hier und jetzt. Er könnte einfach Nein sagen. Gut, sein Becher war leer, aber ihnen würde schon irgendeine andere Strafe einfallen, oder? Obwohl das super weird wäre. Er hatte ja strenggenommen keinen Grund, um Nein zu sagen. Er würde einfach nur sieben Minuten mit Jude auf engstem Raum verbringen. Sie würden sich anschweigen und darauf hoffen, dass die anderen sich so sehr langweilen würden, dass sie das ganze nach zwei Minuten abbrachen. Eigentlich war das eine der einfachsten Pflichten, die sie hätten kriegen können.
      "Ich denke, in den Schrank müsstet ihr reinpassen", stimmte Wyatt zu, während er einen Arm ausstreckte, um Jude zu stützen, der bereits ziemlich schwankte. Lucas selbst war auch nicht mehr nüchtern. Wahrscheinlich war ihm auch deshalb plötzlich so warm.
      "Wir haben sonst nur noch den Speicher, der ist dunkel, aber nicht eng. Die anderen Schränke sind zu vollgestellt. Aus meinem können wir wenigstens schnell ein paar Klamotten raussortieren", erklärte Wyatt weiter, während er ebenfalls aufstand. Er sah auch nicht mehr ganz so sicher auf seinen Beinen aus, aber er ging einigermaßen gerade zum Schrank. "Wenn wir meine Winterjacken rausnehmen, solltet ihr locker reinpassen."
      "Ich finde es super, dass du dir so viel Mühe für die beiden gibst", merkte Emma mit einem Grinsen an, das ein wenig zu fröhlich aussah, gemessen daran, dass sie Schuld an dieser ganzen Misere war. Lucas musste dringend seine Freundschaften überdenken, egal, wie lange er sie schon kannte.
      Er seufzte, bevor er aufstand, um zum Schrank zu gehen, aus dem Wyatt gerade ein paar Jacken und Hemden zog, die er aufs Bett warf. Oder es zumindest versuchte. Die meisten Teile flogen ein bisschen am Ziel vorbei. "Ich finde es eher ein wenig schräg, dass du dir so viel Mühe gibst", merkte er an. "Das wird für uns alle super langweilig." Zumindest hoffte er das. Sein Puls sagte ihm gerade etwas vollkommen anderes, während er sein Handy zückte, um einen Timer zu stellen. Aber es würde nichts passieren. Was sollte schon passieren? Sicher erwartete man von sowas irgendwie immer, dass das Pärchen sich küsste, oder so, aber sie waren beide Männer. Das würde einfach zu nichts führen.
      "Wir können ja in der Zwischenzeit schauen, ob es noch Muffins gibt, wenn es zu langweilig werden sollte", mischte sich Emma wenig hilfreich ein. "Wir bringen euch auch welche mit."
      Lucas warf ihr einen wenig beeindruckten Blick zu, bevor er kurz zu Jude sah und dann zu dem Schrank. Es würde wirklich ein wenig eng werden. Sie waren zwar keine Hulks, aber...groß. Leider würde ihnen diese Beschwerde nur offenbar nicht helfen. Er atmete nochmal kurz durch, bevor er in den Schrank stieg und den Timer startete.
    • Jude

      Ja, danke Wyatt. Hätten sie nicht alle sagen können, dass Jude nochmal drehen sollte? Er seufzte, als Emma ebenso begeistert davon aussah, wie Kaia, und musste sich wohl irgendwie eingestehen, dass sie die Aufgabe nicht gewählt hatte, um selbst mit Jude in den Schrank zu steigen. Selbst dann wäre es ihm noch deutlich lieber gewesen, die Flasche hätte auf sie gezeigt. Immerhin war sie hier die einzige Person, mit der das Spaß machen hätte können. Bei allen anderen war es ziemlich bedeutungslos. Aber vermutlich sollte er sich nicht beschweren, wenn die Mädchen sich über das alles irgendwie… freuten. Noch schadenfroher konnte kaum jemand sein, aber Jude würde ihnen trotzdem nicht die Stimmung versauen, es waren ja nur sieben Minuten und er hatte nachher noch die Chance, es allen mit ein paar fiesen Aufgaben heimzuzahlen. Man konnte sich auf viele Arten Mühe geben, da musste Emma eben mal genauer sein.
      „Na schön, wünscht uns viel Spaß und bringt mir zwei Muffins mit, ich hab Hunger“, sagte er also und stieg über die Klamotten drüber, um Lucas in den Schrank zu folgen. Es sah nicht unbedingt geräumig aus, und sobald Lucas drin stand, war es auch nicht besser.
      „Pass auf, dass er dich nicht isst, Lucas“, grinste Kaia. Gott, das Mädchen war besoffen.
      Jude ignorierte sie gekonnt, stellte sich Lucas gegenüber in den Schrank und fragte sich sofort, ob sie jetzt sieben Minuten dämlich herumstehen sollten oder sich lieber hinsetzten. Trotzdem zog er die Schranktüre erstmal zu und war sofort in völlige Dunkelheit gehüllt. Nur ein kleiner Lichtstrahl fiel zwischen den Türen hindurch, und Jude hoffte, dass seine Augen sich schnell daran gewöhnten, weil es doch irgendwie seltsam war, den eigenen Atem so laut zu hören und nichts zu sehen. Die anderen waren draußen tatsächlich deutlich dumpfer zu hören, aber immernoch verständlich, und das Gespräch schien jetzt echt Richtung Muffins zu gehen.
      Jude blinzelte. Er wusste nicht so ganz, worüber er reden sollte, sein Gehirn war wie leer gefegt von der Dunkelheit und dem Alkohol.
      „Weißt du, ich hatte echt gehofft, dass die Flasche auf Emma zeigt“, flüsterte er also seine Beichte. „Irgendwer sollte mal einen Weg erfinden, um Flaschendrehen zu manipulieren. Vielleicht gibt‘s nen Stein, mit dem das geht“ Er schwieg kurz. „Oh, äh, ihr seid nur Freunde, oder? Und Wyatt und Emma auch? Ich will mich nicht einmischen, also…“ Was redete er da eigentlich? „Sorry, ich kann nicht mehr klar denken wegen dem Punsch und meine Freundin hat vor zwei Wochen Schluss gemacht“, flüsterte er etwas hektischer. Und mit wem redete er eigentlich?!
      „Lucas?“ Jude streckte kurzerhand einen Arm aus um sicherzugehen, dass er keine Selbstgespräche führte, und überschätzte den Abstand zwischen ihnen, weshalb er Lucas unabsichtlich kurz schlug. „Oh, sorry“ Er stieß Luft aus und versuchte, sein Lachen zu unterdrücken, was eigentlich völlig sinnlos war, weil sie ja nicht verstecken spielten.
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    • Lucas

      Das war ungefähr so eng, wie er es sich vorgestellt hatte und das obwohl Lucas sich schon an die Schrankwand hinter ihm drückte, um so viel Abstand wie möglich zu haben. Es war furchtbar dunkel und er konnte Jude mehr spüren, als sehen, was irgendwie unangenehm war. Ihm wollte auch nichts einfallen, was er sagen könnte, um die Situation irgendwie besser zu machen, während er gegen die Dunkelheit anblinzelte. Zum Glück fing Jude an zu reden, bevor es noch schlimmer wurde, auch, wenn das Thema nicht sonderlich gut war.
      Er würde lügen, wenn er behaupten würde, nie daran gedacht zu haben, mit Emma auszugehen. Die Stimmung zwischen ihnen war nie sonderlich romantisch gewesen, aber sie kannten sich schon ewig, sie war seine beste Freundin und irgendwie hätte das Sinn ergeben, oder? Sollte man nicht seine besten Freunde daten und so? Aber am Ende hätte es sich irgendwie einfach nur furchtbar falsch angefühlt. Egal, wie oft er versucht hatte, sich das alles rational einzureden, er war nie über die freundschaftlichen Gefühle hinausgekommen. Er wusste, wie sich ein Crush anfühlte und das war es nicht. Leider arbeiteten seine Gefühle in der Hinsicht seit Jahren vollkommen gegen ihn, seit ein Mitschüler aus seinem Sportkurs scherzeshalber mit ihm geflirtet und die Erinnerung daran ihn in seine Träume verfolgt hatte. Judes Lachen hatte deprimierenderweise einen ganz ähnlichen Effekt.
      Lucas wurde aus seinen eigenen, alkoholversetzten Gedanken gerissen, als Judes Hand ihn irgendwo zwischen Wange und Auge traf. “Hey”, beschwerte er sich knapp, während er nach Judes Handgelenk griff und es festhielt, um einen weiteren Schlag zu verhindern.
      “Ich glaube nicht, dass Wyatt Interesse an ein Date mit ihr hat und ich auch nicht”, antwortete er. Dass er selbst eher dazu geneigt war, Jude um ein Date zu bitten, als Emma, musste er ja nicht wissen. “Aber ich kann dir nicht versprechen, dass sie zusagen wird. Sie datet nicht oft”, fuhr er fort, ohne selbst wirklich zu wissen, was er sagte, oder…wieso. Eigentlich stimmte das nicht ganz. Emma erzählte ab und an von Dates, fand allerdings immer irgendwas, was sie an ihren Dates kritisieren konnte, bis sie beschloss, ihnen einen Korb zu geben. Er hatte nie mitbekommen, dass sie je in einer ernsthaften Beziehung gesteckt hatte. “Aber vielleicht hast du ja Glück.
      Langsam gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit um sie herum. Jude hob sich als blasser Schatten von der Schrankwand hinter ihm ab, aber seine Gesichtszüge konnte er nicht deuten. Dafür wurde es vor dem Schrank etwas leiser. Wahrscheinlich hatten die anderen tatsächlich beschlossen, in die Küche zu gehen, als innerhalb der ersten Minute kein Geschrei von ihnen zu hören gewesen war.
      “Ich würde Magnete empfehlen, wenn du die Flasche manipulieren willst. Nicht so stark, dass sie sofort anhält, aber stark genug, dass sie bei der Person stoppt, die du willst. Du musst es nur hinbekommen, die Magnete unauffällig zu platzieren.” Obwohl es sicherlich auch einen Stein dafür geben würde. Irgendwas, mit dem man kleine Objekte bewegen konnte, ohne sie berühren zu müssen. Apropos. Lucas ließ Judes Handgelenk los, als ihm auffiel, dass er es immer noch festhielt. Stattdessen griff er nach einem der Hemden, die zwischen ihnen hingen und fing an, die Ärmel zu verknoten.
      “Denkst du, wir bekommen es irgendwie koordiniert, uns zu setzen?”
    • Jude

      „Alles klar“, antwortete Jude nachdenklich. Sie datete also nicht oft. Vermutlich hohe Ansprüche. Das war okay, Jude gab sich normalerweise viel Mühe. Er konnte nur keine Gedanken lesen, und ehrlicherweise hatte er manchmal auch ein Problem damit den Raum zu lesen, aber er versuchte es wenigstens, und das musste doch für irgendwas herhalten? „Danke für den Tipp“ Es war eigentlich kein richtiger Tipp gewesen, mehr eine Warnung, aber es half Emma etwas einzuschätzen. Und dass weder Lucas noch Wyatt auf sie standen gab Jude schon mal den Free Pass, so viel zu flirten wie er wollte.
      „Und ich hab leider keine Magnete dabei, aber ich merks mir fürs nächste Mal“, schmunzelte er. Darauf wäre er nicht gekommen. Kam ihm als Vorhaben auch ein wenig unrealistisch vor, oder? Die Magneten mussten genau so stark sein, dass sie auf größere Entfernung funktionierten und trotzdem nicht sofort aneinander klebten, wenn es keinen Widerstand gab. Für sowas musste man schon ziemlich motiviert sein. Da war Jude eher geneigt, Emma ganz direkt nach einem Date zu fragen. Irgendwie musste er es ihr vorher noch schmackhaft machen, aber es gab andere Wege als sieben Minuten im Himmel, um jemanden dazu zu bringen, einen als potentiellen Crush zu sehen.
      Jude ließ seinen Arm neben sich fallen, als Lucas scheinbar endlich merkte, dass er ihn noch festhielt. Irgendwie war Lucas schon davon ausgegangen, dass er bloß sichergehen wollte, dass Jude ihn in den nächsten sechs Minuten nicht nochmal schlug. Fair.
      Langsam gewöhnten seine Augen sich auch an die Dunkelheit, weshalb er Lucas Umrisse erkennen konnte, und wie er irgendetwas mit einem von Wyatts Kleidungsstücken anstellte, das Jude etwas hypnotisierte. „Huh? Oh. Klar, irgendwie… Wir müssten nur ganz an der Wand runter rutschen und die Beine anziehen“, murmelte er während er rechts und links den Abstand zum Kasten abtastete. Das Problem war eher, dass sie sich nicht wirklich wie Papier zusammenklappen konnten und auch mit angezogenen Beinen Platz brauchten. Würde schon gehen.
      Jude ließ sich langsam an der Wand runtergleiten. Das funktionierte leider nicht ganz wie in einem Comic, also musste er fürs Balancieren seine Arme abstützten und trat Lucas doch noch unabsichtlich gegen sein Bein, bevor er beide Beine an sich ziehen konnte. Viel Platz war da aber wirklich nicht mehr. Lucas würde ihn wahrscheinlich gleich zertrampeln.
      „Jetzt du“, sagte Jude dennoch. Er würde jetzt sowieso kaum mehr hoch kommen. „Eigentlich könnten wir kurz die Tür öffnen, wenn alle weg sind“, überlegte er laut. Wozu machten sie es sich so schwer? Musste man ein Spiel echt so ernst nehmen, wenn es eh zu nichts führen würde?
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    • Lucas

      Wäre er komplett nüchtern, wäre das alles gar kein Problem. Er musste ja nur ein wenig runterrutschen und versuchen, dabei Jude nicht zurück zu treten. Leider merkte Lucas die Schwierigkeit mit dem Gleichgewicht, sobald er ein wenig in die Knie ging. Er schaffte es, irgendwie runter zu kommen, ohne um sich zu treten, schlug dafür allerdings sein Schienbein gegen Judes Knie. Er würde diesen Schrank eindeutig mit ein paar Flecken verlassen. Was wohl tatsächlich vollkommen unnötig war, jetzt da Jude nochmal erwähnte, dass sie den Schrank theoretisch sogar einfach öffnen könnten.
      Lucas griff erneut über sich, um das nächste Shirt zu verknoten. Er würde wahrscheinlich nicht mitbekommen, wie Wyatt auffallen würde, dass er sämtliche Shirts und Hemden wieder entknoten durfte, aber er stellte sich sein verwirrt-genervtes Gesicht irgendwie unterhaltsam vor. Hoffentlich war er wirklich unter Zeitdruck, wenn er das nächste mal ein Hemd brauchte. Als Rache dafür, dass Lucas sich jetzt sieben Minuten mit seinem eigenen Kopf und Jude, der irgendwie in ebendiesen Kopf eingezogen war, auseinandersetzen durfte.
      "Willst du den anderen einen Streich spielen?", fragte er, während er sich das dritte Hemd vornahm. "Wir könnten einfach gehen. Ins Nebenzimmer, oder auf den Speicher, oder so. Dann schauen wir, wie lange die anderen brauchen bis sie realisieren, dass wir nicht mehr im Schrank sind. Oder wir verstreuen noch ein paar Klamotten und tun so, als wären wir einfach plötzlich verschwunden." Warum waren Klamotten bei ihnen so ein durchgehendes Thema? Lucas konnte ab und an immer noch Judes Waschmittel riechen, wenn er sich bewegte und er hatte das Gefühl, dass es ihn langsam verrückt werden ließ. Es fühlte sich so an, als ob Jude viel näher wäre, als er eigentlich war. Also zumindest, bevor sie in dem Schrank gelandet waren.
      "Oder wir bleiben einfach hier sitzen, wenn du dir nicht vorwerfen lassen willst, dass wir die Pflicht theoretisch abgebrochen haben", fügte er hinzu, während er versuchte, seine Beine nicht zu sehr an Judes zu drücken. Er hatte keine Ahnung, wie Jia und Kaia reagieren würden. Er konnte sich nur vorstellen, dass Emma das offiziell als Fail titulieren würde. Wenigstens würden sie Wyatt damit wahrscheinlich zum Lachen bringen.
    • Jude

      „Ein Streich, bei dem sie denken, wir machen echt im Schrank rum?“, fragte Jude, leicht skeptisch gegenüber der Idee. Wenn die anderen allerdings dachten, sie wären im Schrank eingeschlafen, dann würden sie keine zwei Sekunden warten um sie aufzuwecken. Also war das Endergebnis ziemlich klar, nicht? Aber hey, vielleicht war das eine gute Rache an Emma und ihrer Idee, von der sie immernoch so begeistert gewesen war, als die Flasche auf Lucas gezeigt hatte. Oder… es interessierte sie überhaupt nicht, was irgendwie wahrscheinlicher war. Warum würde sie schon eifersüchtig werden, wenn das Ganze ihre Idee war? Ugh, Gedankenknoten.
      „Naja, es gibt keine Alkohol-Strafe mehr, also…“, überlegte er. Aber Emma und Kaia würde sicher was Neues einfallen. Schlimmstensfalls wurden sie für eine zweite Runde im Schrank eingesperrt, sodass sie garnicht abbrechen konnten. „Eh, ich hab ne bessere Idee, ich lasse Emma einfach genau das Gleiche machen, wenn sie dran ist. Nur, mit wem… Ich kann nicht mich nehmen“, sprach er seine Gedanken aus. Den nächsten Gedanken hiet er zurück. Er konnte auch nicht Lucas oder Wyatt nehmen, weil er schließlich nicht wollte, dass sich irgendjemand von den Dreien doch nochmal überlegte, ihrer Freundschaft ein Level Up zu geben. Und mit Kaia oder Jia wäre es kaum eine Strafe, die würden wahrscheinlich freiwillig bis morgen hier drin sitzen bleiben.
      „Okay, wenn die Flasche auf Kaia zeigt, dann geb ich ihr und Wyatt dieselbe Aufgabe. Er hat sich auch zu sehr ins Zeug gelegt, um den Schrank freizuräumen, wenn du mich fragst. Und wenn sie auf Emma zeigt, brauch ich was anderes, also raus mit den Ideen. Wenn sie auf Wyatt zeigt, kommt er auch mit Kaia in den Schrank. Oh, aber wahrscheinlich würde er sich die Haare ausreißen, wenn es mit Jia wäre. Ah, nein, ich wollte Kaia bestrafen, nicht Jia. Ich kann Emma nichtmal mit jemand anderem Kleidung tauschen lassen, weil sie das wahrscheinlich kaum beeinflussen würde. Ugh, keine Ahnung. Vielleicht nochmal das mit dem Asphalt ablecken, weil es jetzt keine Straf-Option mehr gibt? Aber ich will auch nicht, dass sie mich hasst“ Sie hatten ja noch locker 4 Minuten, um sich etwas zu überlegen.
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    • Lucas

      Jude redete wirklich viel. Lag das am Alkohol, oder war er immer so aufgedreht? Lucas schlang seine Arme um seine Knie und lehnte sich nach vorne, während er ein wenig überfordert zuhörte. Offenbar war der Rotschopf auf etwas praktischere Rache aus, auch, wenn Lucas nach den ersten paar möglichen Kombinationen, die Jude runterratterte, nicht mehr mit dachte, sondern nur noch nickte. Irgendwie schien Jude ja von selbst auf eine mögliche Lösung gekommen zu sein.
      “Du könntest mehr nervend, als gemein sein und sie für die nächsten zwei Stunden in Reimen sprechen lassen, oder so”, merkte er an, als Jude offenbar noch eine Pflicht für Emma suchte. Falls diese nach dieser Aktion überhaupt noch mutig genug sein sollte, Pflicht zu wählen. Wahrscheinlich würde sie für den Rest des Abends bei Wahrheit bleiben und auf leichte Fragen hoffen. Warum auch immer sich Jude überhaupt rächen wollte. Gut, die anderen hatten vielleicht ein bisschen zu viel Freude daran gehabt, sie in den Schrank zu stecken, aber nach den ganzen lauten Gesprächen, Lachen und Alkohol fühlte sich das hier irgendwie wie eine kleine Pause an. War es uncool, eine Nachtwanderung vorzuschlagen? Lucas hatte das Gefühl, dass er frische Luft brauchte.
      “Solltest du eigentlich wieder daten, wenn deine Freundin gerade erst Schluss gemacht hat?”, fragte er schließlich. Jude schien nicht sonderlich traurig darüber zu sein, aber irgendwie kam es Lucas trotzdem komisch vor, dass man sich direkt nach zwei Wochen in eine neue Beziehung stürzen wollte. Entweder war seine letzte Beziehung nicht sonderlich gut gewesen, oder er brauchte Emma als Trostpflaster, was eine Vorstellung war, der Lucas nicht weiter nachgehen wollte. Er schob den Gedanken daran in die selbe Ecke, in die er die Stimme geschoben hatte, die ihm sagte, dass er Jude einfach küssen sollte. Das war schließlich Teil des Spiels, oder? Sie würden drüber lachen, oder er würde mit einem Typen aneinandergeraten, den er kaum kannte, weshalb es nicht schlimm wäre, ihn zu verlieren. Er müsste sich nur nach vorne lehnen, um-
      Lucas ließ seine Knie los und setzte sich wieder aufrecht hin, um seinen Abstand zu Jude wieder zu vergrößern. Er hatte keine Ahnung, wo diese Gedanken herkamen, aber er hasste sie. Er konnte nicht auf Jude stehen. Sie waren beide Männer. Sie waren beide hetero, egal wie penetrant diese Gedanken sich in seinem Kopf hielten. Er konnte gar nichts anderes sein. Das lag wahrscheinlich alles nur am Alkohol. Warum zogen sich diese sieben Minuten eigentlich so lange?
    • Jude

      Jude schwieg mit einem Mal. Die Idee war gut. Wieso fiel ihm so etwas nie ein? Reimen war absolut harmlos und irgendwie süß. „Mache ich“, stimmte er also gleich zu. Er hing noch kurz an dem Gedanken fest, als Lucas plötzlich seine Ex ansprach.
      „Oh… ich weiß nicht“ Das war kompliziert. Er mochte Nataly, sie war nett und richtig hübsch und Jude mochte es auch irgendwie, dass sie so furchtbar besitzergreifend und obsessiv gewesen war. Das Problem war wohl, dass sie gewollt hatte, dass er genauso ist. Besitzergreifend. Oder naja, zumindest verliebt, vielleicht. Aber er hatte sie nicht wirklich als die höchste Priorität gesehen oder so, auch wenn er gerne mit ihr zusammen gewesen war. Wahrscheinlich hatte sie das einfach gemerkt. Jude hatte darüber in den letzten zwei Wochen ein wenig nachgedacht. Er war noch nie wirklich verliebt gewesen, er hatte bloß Spaß an Beziehungen. Es war irgendwie nett, sich die Mühe zu machen, und jemanden zu haben, der so an einem hing. Aber letztendlich hatte er am Ende von einer Beziehung nie wirklich getrauert, sondern nur etwas frustriert überlegt, was er hätte besser machen können. Aber Gefühle konnte man wahrscheinlich nicht vortäuschen.
      „Ähm… es war nicht so ernst“, antwortete er also. Er musste Lucas nicht gleich alles erklären. Das ließ ihn vermutlich sowieso wie ein Arschloch aussehen. „Und wenn man nicht dated, findet man ja nie die richtige Person“ Er zuckte mit den Schultern und lächelte leicht, auch wenn Lucas es vermutlich nicht sehen konnte. Es war nunmal nicht so, als würde die richtige Person plötzlich genau vor einem landen. Man musste halt suchen. Jude hatte nichts gegen diesen ganzen „Für immer“ Gedanken. Irgendwann zu heiraten und den ganzen Kram. Zumindest kannte er es nicht anders und alle schienen ganz zufrieden damit zu sein. Irgendwann würde er sich schon dafür bereit fühlen, aber vermutlich nicht in den nächsten drei Monaten, und deshalb konnte er in der Zwischenzeit ja alle möglichen Leute daten um etwas Spaß zu haben, oder? Und vielleicht traf er auf magische Weise ja doch die richtige Person und heiratete nächstes Jahr. Vermutlich nicht. Aber vielleicht schon, und vielleicht war es Emma.
      „Keine Sorge, ich würde sie nicht ausnutzen, oder so“, sagte er anschließend schnell, weil Emma und Lucas ja immernoch Freunde waren und naja, wahrscheinlich war die Skepsis gerechtfertigt. „Außerdem weiß sie es vermutlich, Nataly war ja dabei, als wir uns letzten Monat zufällig getroffen haben“ Jude war ohnehin niemand, der andere manipulieren konnte. Manchmal war er auch unbeabsichtigt zu transparent. Trotzdem sollte er Lucas wahrscheinlich nicht sagen, dass sein Hauptgrund für Dating war, einfach Spaß haben zu wollen, wenn sein nächstes „Ziel“ eine seiner Freunde war.
      Jude setzte sich etwas auf, langsam wurde es ungemütlich, so eingequetscht zu sein. Ob er irgendwie seine Beine ausstrecken konnte? Aber der Schrank war nichtmal lang genug dafür. Er müsste sie schon nach oben ausstrecken, pft. Hatte er schon jemals sieben Minuten lang so starr irgendwo gesessen?
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    • Lucas

      "Also datest du einfach durch die Gegend und hoffst, versehentlich jemanden zu treffen, den du magst?", fragte Lucas ein wenig irritiert. Gut. Wenn man genauer darüber nachdachte, funktionierte Dating so wahrscheinlich irgendwie auch, aber er selbst war bisher noch nie mit jemandem ausgegangen, nur weil es ja zufällig passen könnte. Okay, gut, er war sowieso noch nie mit jemandem ausgegangen, weil die wenigen Mädchen, die ihn um ein Date gebeten hatten ihn nie wirklich interessiert hatten und er unmöglich die Leute fragen konnte, die ihn interessierten. Wie Jude. Was wieder ein vollkommen abwegiger Gedanke war.
      "Oh. Ich mach mir keine Sorgen um Emma. Sie wirkt niedlich, aber sie kann ziemlich gut auf sich selbst aufpassen. Ich müsste mir wahrscheinlich eher Sorgen um dich machen, falls du sie irgendwie verarschen solltest." Er hatte oft genug mitbekommen, wie schnell sie Leute fallen gelassen hatte, wenn ihr irgendetwas komisch vorgekommen war. Emma war in der Hinsicht immer etwas kompliziert gewesen. Er hatte es auf ihre seltsame Beziehung mit ihren Eltern geschoben, auch, wenn Lucas das nie laut aussprechen würde. Ehrlich gesagt war ihm das auch vollkommen egal, solange sie beide zusammenhalten würden und das hatten sie bisher immer.
      "Ich glaube, die sieben Minuten müssten gleich rum sein", wechselte er schließlich das Thema zu etwas weitaus neutralerem. Es dürfte nicht mehr zu lange dauern und er meinte auch, die anderen bereits wieder auf dem Flur hören zu können. Das alles zog sich sowieso schon viel zu lang. Langsam wünschte er sich irgendwie auch, dass Emma an seiner Stelle hier sitzen würde. Wenigstens würden seine Gedanken kann nicht in so komische Richtungen wandern. Wahrscheinlich sollte er wirklich von Alkohol auf Wasser wechseln und auf das Beste hoffen. "Spürst du deine Beine noch? Ich glaube, meine sind eingeschlafen."
    • Jude

      „Yup“, antwortete Jude ehrlich. Wie denn sonst? „Du nicht?“, fragte er deshalb verwirrt. „Oder datest du nur Leute, auf die du schon ewig stehst? Ich weiß nicht, ob ich die Geduld hätte. Ich frag lieber gleich nach nem Date“ Emery war allerdings auch irgendwie so. Er hatte noch nie jemanden gedated, und er sagte immer, dass er nicht mit jemandem ausgehen würde, bei dem er sich selbst nicht vorher schon sicher war, Gefühle für die Person zu haben. Also…. vermutlich würde er nur Freunde daten. Aber das war irgendwie scheiße, oder? Wenn es dann nicht klappte. Dann verlor man nicht nur seine Beziehung sondern auch eine Freundschaft, die man vorher schon gehabt hatte.
      „Oh, ähm, falls du überhaupt Leute datest, ich meine, ist ja deine Sache“, sagte Jude daraufhin, weil er sich erinnerte, dass es auch nicht wirklich Emerys Lieblingsthema war. „Ich werde Emma jedenfalls nicht verarschen, also sag bloß nichts in die Richtung zu ihr. Und… ich spüre meine Beine. Sie tun weh“ Er wurde gegen Ende etwas weinerlich. Lucas Handy klingelte passenderweise sofort und Jude ging davon aus, dass es sein Wecker war, weshalb er ohne zu Zögern die Hand zur Seite streckte und die Tür aufstieß, bevor er sich seitlich aus dem Schrank und auf den Parkettboden kippen ließ. Dann breitete er sich etwas aus und blieb erstmal kurz am Boden liegen, die Beine ausgestreckt und seine Füße noch im Schrank.
      „Ah… Viel besser“, stöhnte er. „Wenn die Flasche in der nächsten Runde nicht auf Kaia oder Wyatt zeigt, verzeih ich es dem Universum nicht“
      Und die anderen… waren noch immer in der Küche? Hatten sie es die Treppen nicht mehr hochgeschafft? Sie hatten alle relativ viel getrunken, also… Kaia hatte sogar ihre Solidarität mit Jia aufgegeben. „Ugh, ich will gerade keine Treppen gehen“, beschwerte er sich.
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    • Lucas

      "Nicht wirklich", antwortete Lucas knapp, als Jude ihn nach seinen nicht vorhandenen Dates fragte. Vielleicht sollte er sich eine Scheibe von ihm abschneiden und es einfach versuchen. Vielleicht kamen die Gefühle ja später irgendwann von alleine, wenn er sich genug anstrengte. Auch, wenn das jetzt schon irgendwie unrealistisch klang. Vor allem, wenn das mit den Gefühlen vorm Daten definitiv funktionierte. Halt nur nicht bei den Leuten, bei denen Lucas es wollte.
      Zum Glück erlöste der Timer sie von weiterem Smalltalk über Dates. Lucas blinzelte gegen das Licht an, als Jude umgehend die Tür aufstieß und sich aus dem Schrank fallen ließ. Er selbst stand vorsichtig auf. Seine Beine waren definitiv eingeschlafen und begannen sofort, unangenehm zu kribbeln. Lucas streckte sich kurz, bis etwas in seinem Rücken unschön knackte, bevor er Jude einen leichten Tritt in die Seite verpasste.
      "Du musst keine Treppen laufen, wenn du nicht willst. Aber ich würde vom Boden aufstehen", merkte er an, bevor er über Jude hinweg stieg, um nach der Wasserflasche zu greifen und seinen Becher neu aufzufüllen. Alkohol hatte sich definitiv für ihn erledigt. Er trank ein paar Schlücke, bevor er den Becher zurück auf den Boden stellte und sich in Wyatts Zimmer umsah. Er war nicht oft hier gewesen, vielleicht zwei, oder drei mal. Wyatt traf sich lieber Außerhalb, damit Milo ihn nicht ständig im Blick hatte und es war etwas fairer, sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Was auch bedeutete, dass das hier die erste Gelegenheit war die er hatte, um sich wirklich umzuschauen.
      "Denkst du, Wy hat irgendwas weggeräumt, was wir nicht sehen dürfen?", fragte er, während er wahllos eine der Schubladen an Wyatts Schreibtisch rauszog. Stifte, ein Headset, ein paar Würfel, Schlüssel, alles normales Zeug. Er verzog kurz enttäuscht das Gesicht, bevor er die Schublade wieder schloss, mit einem Ohr stetig lauschend, ob die Treppe knarrte. Er wollte Wy nicht bloßstellen, oder so, aber er fand es einfach interessant, in die Köpfe anderer Menschen zu blicken. War Wy jemand, der Sachen wegräumte, wenn Freunde vorbeikamen? Peinliche Hobbys, Stofftiere, alte Fotos? Oder war er ein offenes Buch?
    • Jude

      "Zum Beispiel?", fragte Jude, nachdem er sich mit einem übertrieben Schmerzlaut auf die Seite gerollt hatte. Was sollte man schon verstecken? Zigaretten? Alkohol? Das würde er wenn dann vor Milo verstecken und war nicht sonderlich interessant. Jude setzte sich schmunzelnd auf, als er hörte, wie Lucas durch Wyatts Schubladen kramte. "Was soll er denn vor uns verstecken?" Pornos würden es im 21. Jahrhundert ja wohl nicht sein. Jude konnte sich außerdem nichts vorstellen, das er selbst vor anderen verstecken würde. Aber wenn er jemals bei Lucas vorbeikam, würde er definitiv dessen Schreibtischladen durchsuchen. Er schien nichts brauchbares zu finden, bevor die anderen die Treppen wieder hoch kamen, und Jude fragte sich, wie gut Lucas und Wyatt wohl befreundet waren, dass Lucas dachte, er würde etwas vor ihm verstecken. Vielleicht hatte Jude einen anderen Zugang dazu, weil er sich mit seinem besten Freund ein Zimmer teilte. Dinge zu verstecken war nahezu unmöglich, wenn man nicht gerade Zeug unter seine Matratze stopfte, und was würde das wohl sein? Höchstens doch noch irgendwelches altmodisches pornografisches Zeug, und danach wollte man kaum suchen.
      Aber... Wyatts Freunde wussten von seiner Prothese, oder? Ging es überhaupt, sowas vor seinen Freunden zu verstecken? Noch dazu war der Unfall nicht lange her, oder? Sogar Jude wusste davon, und das nur weil er sich mal an Wyatts Bein abgestützt hatte, das sich wenig nach Bein angefühlt hatte.
      "Hier ist dein Muffin", sagte Jia, nachdem die Tür aufging und die vier wieder ins Zimmer kamen. Die Jüngere hielt ihm den Schokomuffin entgegen.
      "Ich wollte zwei", sagte Jude als er ihn entgegen nahm.
      "Sorry, mehr konnte ich vor Kaia nicht retten", sagte sie und ließ sich neben ihn auf den Boden fallen.
      Jude zuckte mit den Schultern und biss in die Süßspeise. "Das wird die Rache später nur noch besser machen", murmelte er. Jude wartete, bis alle wieder am Boden saßen, bevor er die Flasche drehte.

      Kaia

      Wahrscheinlich hätte sie nicht nachgeben und mittrinken sollen. Kaia hatte keine Ahnung mehr, wieviel Pizza und wie viele Muffins sie verdrückt hatte, wie viele Gläser Punsch sie geleert hatte, oder wie oft sie sich beim Treppensteigen an Jia festgehalten und sie beide fast in den Tod gerissen hatte. Aber es fühlte sich gut an. Sehr gut. Ihr war warm und alles drehte sich, aber gerade noch so, dass ihr nicht schlecht wurde und sie circa einen klaren Gedanken pro Minute fassen konnte. Alles war unheimlich witzig, und sie konnte nicht aufhören daran zu denken, dass Jude und Lucas im Schrank rummachten, auch wenn es super unrealistisch war. Aber immernoch besser als Judes offensichtliches Geflirte mit Emma.
      Zurück im Zimmer ließ sie sich gegenüber von Jude auf den Boden sinken und grinste ihn an. "Wie wars?", fragte sie schelmisch.
      "Langweilig und eng, aber ich hab ne Überraschung für dich", antwortete er und Kaia folgte mit den Augen der Länge seines Arms bis zu seiner Fingerspitze, die auf die Wasserflasche in ihrer Mitte zeigte. Der Deckel sah in ihre Richtung. Oh, komm schon. "Du hast Emma angestachelt, darum kannst du gleich als nächstes in den Schrank. Gemeinsam mit Wyatt, sorry Bro"
      "Hey, ich nehme aber Wahrheit", wandte Kaia schnell ein. Es gab keinen besonderen Grund, wieso sie nicht mit Wyatt in den Himmel wollte. Sie wollte bloß nicht, dass er dann anfing, sich zu beschweren, und sie beide zur Zielscheibe dafür machte, bis morgen Früh damit verarscht zu werden, dass zwischen ihnen etwas lief. Was bei Junge-Mädchen-Pairings eben immer passierte. Es war eine Sache, Jia reinzulegen, aber eine andere, den Witz nicht unter Kontrolle zu haben. Besonders, wenn Wyatt sich dann, wie absolut jeder Jungen jemals, lautstark darüber beschwerte, weil er halt kindisch war, so wie alle, und bloß in keine Gerüchte mit einem Mädchen verwickelt werden wollte, das er nicht mochte. Kaia seufzte und sank tiefer an der Wand herunter.
      "Ich durfte es mir auch nicht aussuchen. Ist das neue Spiel nicht 'Pflicht oder Pflicht'?", widersprach Jude schmunzelnd.
      Kaia warf Wyatt von der Seite einen skeptischen Blick zu und weigerte sich, aufzustehen, bevor er es tat.
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    • Lucas

      "Zum Beispiel irgendein Hobby, das ihm peinlich ist", antwortete Lucas, während er mit den Schultern zuckte. "Vielleicht spielt er Mundharmonika, oder so." Obwohl es wahrscheinlich nicht viel brauchte, um in Wyatt irgendwie ein peinliches Gefühl heraufzubeschwören. In der Hinsicht war er Emma ein wenig ähnlich - zu versessen darauf, cool zu wirken um zuzugeben, dass sie beide einfach vollkommen normale Menschen waren. Was ihre Spieleabende meistens sehr unterhaltsam machte. Lucas war froh, dass er die Phase in seinem Leben hinter sich gelassen hatte.
      Er gab seine kleine Suche auf, als er auch in der zweiten Schublade nichts fand und die Stimmen auf der Treppe lauter wurden. Als sich die Tür öffnete, stand er bereits wieder neben Jude. Er blieb noch kurz an die Wand gelehnt stehen, als sich die Flasche wieder drehte, einfach, um wieder ein Gefühl in seine Beine zu bekommen, bevor er doch langsam auf den Boden zurück rutschte, gerade zeitig genug, um ein kleines Lachen zu unterdrücken, als die Flasche auf Kaia deutete.
      Gut, die Wahrscheinlichkeit, dass Jude jemanden erwischte, dem er eins auswischen wollte, war relativ hoch gewesen, aber er schien begeistert zu sein, Kaia erwischt zu haben. Wahrscheinlich, weil er bei ihr zumindest keine Angst haben musste, es sich mit ihr zu verscherzen, anders als bei Emma, die neben ihm ein kleines Lachen ausstieß.
      "Oh, landen wir jetzt alle irgendwann im Schrank?", fragte sie. Mittlerweile konnte man ihr den Alkohol ein wenig anhören. "Ich glaube, ich hab vorher noch nie in einem Schrank gesteckt. Warst du schon mal in deinem eigenen Schrank, Wy?"


      Wyatt

      "Beim Aufbau", antwortete Wyatt knapp auf Emmas Frage, während sein Blick immer noch an Kaia hing. Eigentlich war das wirklich nichts schlimmes. Außer mit Jia war er mit jedem hier einigermaßen gut befreundet. Kaia war jetzt vielleicht nicht im engeren Kreis, aber sie war cool. Wenn sie nicht gerade panisch versuchte, nicht mit ihm im Schrank zu landen, zumindest. Was auch immer daran so schlimm wäre. Es würde nicht anders werden, als bei Lucas und Jude - sie würden sich sieben Minuten verrenken, um Platz zu haben und miteinander reden, bis der Timer ablief und sie sich darüber beschweren könnten, dass ihnen die Beine eingeschlafen waren. Es gab deutlich bessere Sachen, die man auf seinem Geburtstag machen konnte, aber wenigstens war es nicht Jia.
      Das war auch der Gedanke, an dem Wy sich festhielt, während er aufstand, kurz sein Gleichgewicht suchte und dann Kaia eine Hand entgegenstreckte, um ihr aufzuhelfen. "Je schneller wir drin sind, desto schneller sind wir auch wieder raus", informierte er sie. Außerdem konnte er Jude ja die Freude nicht nehmen, nachdem er selbst sieben Minuten in den Schrank gesteckt und danach nicht mal einen zweiten Muffin bekommen hatte. Das wäre irgendwie grausam, oder nicht?
      "Aww, du siehst begeistert aus, Wy", kommentierte Emma amüsiert und erhielt als Antwort einen genervten Blick.
      "Das ist halt das Spiel", verteidigte er sich. "Außerdem habe ich eindeutig nicht mehr die Energie, mir irgendeine neue Strafe auszusuchen, wenn sich einer von uns weigern sollte." Sie könnten den Punsch einfach durch Bier ersetzen, aber der Alkoholpegel wirkte durch die Bank durch relativ hoch, also war das wahrscheinlich keine gute Idee. Wyatt hatte nichts gegen Betrunkene, aber er wollte ihnen ungerne die Haare halten, während sie sich in die Toilette übergaben. Also blieb ihnen nur noch übrig, nicht mehr zu kneifen. Logisch, oder?
      Wenigstens war der Schrank von eben noch relativ leer. Auch wenn Wyatt jetzt erst realisierte, dass er die ganzen Sachen, die er eben rausgeholt hatte, gleich wieder reinhängen durfte. Ugh.
      "Ich stelle den Timer für euch. Ich habe die sieben Minuten eh noch drin", bot Lucas an, während er bereits auf sein Handy tippte.
      Wy nickte kurz zum Schrank, bevor er zu Kaia sah. "Nach dir."
    • Kaia

      Oh. Er machte garkein Drama daraus. Kaia griff nach kurzem Zögern nach Wyatts Hand und ließ sich von ihm hochziehen, dann ging sie etwas schwankend zum Schrank und blinzelte irritiert, als ihr die verknoteten Hemd-Ärmeln auffielen, bevor sie sich in den Schrank stellte, ganz an die Wand. Sie sagte nichts, bis die beiden Türen wieder zufielen, und Judes nervtötendes Lachen dumpf wurde.
      „Tja, du… hättest den Schrank wohl nicht so hilfsbereit ausräumen dürfen“, schmunzelte sie. „Das hat dich zum Ziel gemacht“ Wenigstens war es kein Hinterhalt um sie beide zu verkuppeln. Kaia kannte Jude und er hatte sich wohl gedacht, das wäre für Kaia noch die größte Überwindung von allen. Obwohl er da unrecht hatte, sie kannte Lucas schließlich noch weniger. Vielleicht steckten die ja jetzt unter einer Decke.
      “Wenigstens kannst du dir sicher sein, dass er mir eins auswischen will, weil er dich sonst mit Jia hier reingezwungen hätte. Uhm… übrigens machst du nen guten Job, netter zu ihr und Aaron zu sein“ Sie nickte, auch wenn Wyatt es nicht sehen konnte. Es war irgendwie unangenehm, in die Dunkelheit hinein zu reden, vor allem wenn einem schrecklich schwindlig war. Sie hatte das Gefühl, in einer Achterbahn zu sitzen. Hoffentlich sah sie bald wieder etwas mehr. Bis dahin…
      „Ich muss mich hinsetzen“, warnte sie sogleich vor und ließ sich vorsichtig an der Kastenwand herunter. Es war eine Herausforderung, das Gleichgewicht zu behalten, aber wenigstens hatte sie diese Aufgabe scheinbar kurzzeitig etwas ausnüchtern lassen. Sie seufzte laut, als sie endlich saß, weil das unheimlich anstrengend gewesen war, und dafür hatte sie noch immer das Gefühl, dass die Welt sich drehte.
      „Ugh, irgendwie bin ich fast froh, dass es keinen Straf-Punsch mehr gibt“, murmelte sie.
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    • Wyatt

      Oh, Dunkelheit half absolut überhaupt nicht, wenn man gut angetrunken war. Wyatt hatte das Gefühl, dass der Schrank sich drehte, sobald die Türen hinter ihnen geschlossen wurden. Er lehnte sich an die Seite des Schranks und schloss die Augen, was absolut nichts brachte. Was auch? Die Augen zu schließen machte den Raum schließlich nicht heller!
      "Ich nehme an, dass es uns erwischt hat, weil die Flasche auf dich gezeigt hat", antwortete er, während er seine Hände flach an das Holz hinter sich drückte, in der Hoffnung, sich irgendwie zu stabilisieren. "Wenn sie auf Jia oder mich gezeigt hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich mit ihr hier drin. Obwohl...ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Jude ihr das antun würde." Jia hatte mit der ganzen Situation immerhin wenig zu tun gehabt und er wusste nicht, ob Jude es auf einen Streit mit ihr ankommen lassen wollte. Zumal er sich selbst deutlich mehr gewährt hätte, wenn er mit ihr in den Schrank gemusst hätte. Wenigstens schien er sie bis jetzt dafür ziemlich effektiv zu ignorieren, wenn er nach Kaias Lob ging.
      "Nach der ganzen Pizza und den Muffins als Grundlage bin ich überrascht, dass du den Alkohol überhaupt spürst", zog Wy sie mit einem kleinen Lachen auf, während er sich selbst die Schrankwand runter rutschen ließ, um sich zu setzen. Was ebenfalls nicht dabei half, den Schwindel irgendwie zu vertreiben. Wenn der Schrank nicht in der Wand verankert wäre, würde er davon ausgehen, dass die anderen ihn gerade auf die Seite kippten.
      "Wie gefällt es dir bis jetzt?", fragte er schließlich, weil es das erste war, was ihm in den Kopf kam. "Die Feier an sich, meine ich. Nicht den Schrank. Der Schrank ist irgendwie ein bisschen weird und unaufgeräumt, aber ich hab nicht damit gerechnet, dass der heute noch relevant wird." Wie sollte er auch? Der Schrank war fast so alt, wie er selbst und bisher von allem, was nicht Kleidung war, verschont geblieben.
      "Ich war mir ein bisschen unsicher, was ich machen soll und das mit der Übernachtungsparty kam mir irgendwie am sinnvollsten vor." Was ihn nicht davor bewahrt hatte sich selbst einzureden, dass es irgendwie kindisch war. Aber er hatte es irgendwie immer gemocht, die Nächte mit seinen Freunden durchzumachen. Wurde das irgendwann cringe? Eigentlich konnte er sich nicht vorstellen, dass sein Freundeskreis ihn dafür aufziehen würde, aber, naja, seinen letzten Freundeskreis hatte er ja offenbar auch nicht richtig eingeschätzt und wenigstens war Kaia wahrscheinlich betrunken genug, um ihm die Wahrheit zu sagen.
    • Kaia

      Kaia stieß belustigt Luft aus und fing dann leise an zu lachen, weil Wyatt vollkommen recht hatte. Natürlich war sie hier drin, weil die Flasche auf sie gezeigt hatte. Ihre Gedanken waren wirr. Jude konnte sich schließlich nicht aussuchen, auf wen die Flasche zeigte, oder? Obwohl Kaia bei ihm nicht mehr vieles wundern würde.
      Als Wyatt sich ebenfalls setzte, merkte Kaia, dass der Platzmangel garnicht so schlimm war. Wenn sie ihre Beine an ihren Körper pressen würde, müsste sie Wyatt nichtmal berühren, aber das tat sie nicht. Wahrscheinlich hatte sie dafür auch gerade nicht genug Körperspannung übrig, wenn sie ehrlich mit sich war.
      Sie lächelte, als Wyatt fragte, wie es ihr gefiel, und kurz wollte sie tatsächlich antworten, dass der Schrank ganz ordentlich wirkte und die verknoteten Hemden was her machten. „Ich mag es. Ich versteh noch nicht ganz, wieso du mich eingeladen hast, und Jude, und Jia, okay Jude verstehe ich wohl irgendwie weil ihr ein Gehirn zu teilen scheint, aber ich dachte du willst mit uns allen so wenig wie möglich zu tun haben. Naja, jedenfalls bin ich ein großer Fan von Pizza, Muffins und Alkohol. Und deine Freunde sind nett“ Sie lächelte ins Dunkle, während sie einfach alles aussprach, was ihr in den Sinn kam, nicht dass das für sie eine Seltenheit war. Langsam sah sie nun Wyatts Umrisse, was ein kleines Bisschen mit dem Schwindel half.
      „Ich war noch nie auf einer Übernachtungsparty. Also, nicht, seit ich 10 war oder so und das gilt kaum als Party. Nur Klassenfahrten und wenn alle außer Haus sind, schlafen meine Brüder, meine Cousine und ich manchmal im Wohnzimmer. Aber es ist cool, finde ich, war ne gute Idee. Vor allem, weil dein Bruder so gechillt damit ist, dass wir uns total ansaufen“ Sie lachte leise. „Den Schrank finde ich auch gut“, fügte sie leiser hinzu. „Brauchst du morgens ne kleine Challenge und verknotest deshalb deine Klamotten?
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