The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Caleb

      “Ich will einfach nicht das Gefühl haben, dass ich mit dir schlafen muss, um dich überhaupt zu sehen. Wenn dir das nicht liegt, können wir es auch sein lassen.” Caleb zuckte kurz mit den Schultern. Das war der Punkt gewesen, der ihm in ihrer kurzen Trennungsphase am ehesten aufgefallen war, als er noch davon ausgegangen war, dass Richard absolut keine Gefühle für ihn hatte. Richard war gut im Bett und wahrscheinlich hatte das ihre komische Affäre zusammengehalten, aber…das konnte nicht alles sein. Sicher würde es zwischen ihnen nie eine Art Hollywood-Romanze geben. Caleb erwartete keine Rosen und Überraschungsdates, aber zumindest etwas Zeit wie heute. Einfach zusammensitzen, weil man es mochte, mit dem jeweils anderen Zeit zu verbringen.
      “Du vergisst immer, deine wundervolle Zurückhaltung zu erwähnen. Die mag ich am liebsten an dir”, antwortete Caleb amüsiert, als Richard seine Vorteile aufzählte. Oder zumindest das, was er für seine Vorteile hielt. Cal konnte nicht behaupten, dass auch nur einer dieser Punkte der Grund war, warum er jetzt hier saß. Er mochte seinen Humor, leider, und die seltsam, so gar nicht zu ihm passen wollende fürsorgliche Art, die viel zu selten durchblitzte. Aber er hatte wirklich nicht vor, Richard noch mehr Stichpunkte für zukünftige 'Ich-bin-so-toll'-Listen zu liefern, also schwieg er.
      “Ich bin das zweitälteste von vier Geschwisterkindern”, begann er, während er sein Glas losließ und seine Hände stattdessen unter seine Beine schob, um nicht anzufangen, zu gestikulieren. “Du weißt, dass ich Violine spiele, aber ich mag Musik generell und vertrage keine Stille. Ich habe in den letzten 8 Jahren 107 Shows im West End gesehen, manche davon zugegebenermaßen doppelt. Ich mag den Winter, wenn es draußen richtig schneit und Horrorfilme, sonst würde ich dich wahrscheinlich nicht aushalten.” Er zwinkerte Richard kurz zu. Das alles sollte sich eigentlich nicht wie eine dieser furchtbaren Vorstellrunden in der Schule anfühlen, aber wenn Richard schon mal fragte, wollte er sich die Chance nicht entgehen lassen. Richard sollte wissen, auf wen er sich einließ.
      “Mein Fahrstil ist vielleicht etwas übervorsichtig und ich bin meistens zu faul zum Kochen, aber dafür kann ich dir die Position und Funktion jeden einzelnen Steines in diesem Raum aufzählen, ohne aufstehen zu müssen, was oft irgendwie das einzige ist, was andere Menschen von mir wollen. Worüber ich mich wahrscheinlich nicht beschweren sollte, weil ich generell gerne meine Ruhe habe.” Cal machte eine kurze Pause, bevor er entschied, dass das fürs Erste reichen müsste. Das war sicher nicht alles, was er war und ganz bestimmt nicht das Glorreichste, aber irgendwie das, was ihm am wichtigsten war. “Fragen? Anmerkungen?”
    • Richard

      Dass Caleb seine Vorstellungsrunde so schrecklich ernst nahm, fand Richard auf einmal gleichzeitig so lächerlich und süß, dass er aufhörte, zu grinsen, und sich wieder zurücklehnte, während er zuhörte. Allgemein nahm er dieses Date wohl ziemlich ernst. Richard fand die Gesamtsituation, sich nach den letzten Monaten nun „kennenlernen“ zu wollen, zu seltsam, um sich richtig darauf einzulassen, und er hatte das Gefühl, sowieso nichts ernsthaftes beitragen zu können, aber jetzt wollte er sich irgendwie bemühen. Wenn Cal schon seine Stichpunkte aufzählte und sich mit jedem Wort ein neuer Witz eröffnete, den Richard reißen könnte…
      „Wie alt bist du?“, fragte er als erstes, ein wenig irritiert. Ezra war doch nie im Leben der Älteste von vier Geschwistern, oder? Eigentlich hatte Richard Caleb auf jeden Fall jünger geschätzt, als sich selbst, und die Frage war spätestens dann wieder aufgewühlt worden, als Ezra so einen Aufstand im Café gemacht hatte. Grundsätzlich fragte Richard sich, für wen Ezra sich eigentlich hielt, aber vielleicht hatte er ja so einem „der Ältere hat das Sagen“ Komplex. Oder er herrschte einfach allgemein gern über andere. Wenn er etwas kompetenter unterwegs wäre, wäre das Richard auch nicht so ein Dorn im Auge.
      „Und warum Violine? Hast du dir einfach aus Prinzip das teuerste Instrument ausgesucht?“, schmunzelte er. „Und bist du dir sicher, dass du auf Dates mit mir gehen willst, wenn du gern deine Ruhe hast?“ Ihr vorheriges Arrangement hatte jedenfalls weniger Gespräche beinhaltet, auch wenn es nicht besonders ruhig zugegangen war.
      „Meine einzige Anmerkung ist, dass sich schlechte Ernährung auf die Psyche auswirkt. Mach damit, was du willst“ Irgendwann sollte Richard sich vielleicht mal eine Überzeugungstaktik überlegen, was Sport und Kochen anging, bevor der Grund für das Ende ihr Beziehung nicht er war, sondern ein frühzeitiger Tod. „Und bitte nimm mich niemals mit zu irgendeinem Musical, einer Aufführung oder sonst etwas, wo verkleidete Menschen herumtänzeln, sonst erschieße ich mich“ Er lächelte.
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    • Caleb

      "31", antwortete Caleb mit einem kleinen Blinzeln. "Ich werde im September 32, wenn ich es noch so weit schaffe." Das war es irgendwie gewesen, als er gemeint hatte, dass Richard ihn kaum kannte. Sie wussten nicht mal wirklich die, naja, Basisdaten des jeweils anderen. Welcher normale Mensch hatte keine Ahnung, wie alt eine Person genau war, mit der er schon mehrfach geschlafen hatte? Im Nachhinein kam ihm irgendwie alles an ihrer Beziehung ein wenig so vor, als hätte jemand in seiner Wohnung alle Möbel einen Zentimeter nach links geschoben - es war immer noch seine Wohnung, die er so eingerichtet hatte, wie er wollte, aber irgendwie fühlte sich alles ein wenig falsch an.
      "Ich war jung und konnte meine Eltern nicht leiden. Eine Violine ist der perfekte Schnittpunkt zwischen einem teuren Instrument und einem furchtbaren Ton, wenn ein Anfänger spielt. Ich bin ihnen damit so lange auf die Nerven gegangen, bis sie die Noten irgendwann wie Musik angehört haben und mir bewusst geworden ist, dass ich eigentlich echt gerne spiele." Was...irgendwie ein Eigentor gewesen war. Er hatte nicht ernsthaft vorgehabt, ein neues Hobby für sich zu entdecken, aber es war seltsam befriedigend gewesen, ein Stück fehlerfrei spielen zu können und auch heute war es immer noch schön, sich in den Noten zu verlieren und das Denken einfach auszuschalten.
      "Oh, ich werde dich auf jeden Fall irgendwann mal in ein Musical mitzerren. Das einzige, was ich mir schöner vorstelle, als ein Musical zu sehen, ist dich leiden zu sehen, während du ein Musical siehst. Wenn du nett bist, lasse ich dich sogar mitbestimmen, was wir schauen. Wenn nicht, wird es was von Disney. Oder irgendwas richtig Kitschiges." Caleb erwiderte das Lächeln ohne zu zögern. Tatsächlich legte er keinen sonderlich großen Wert darauf, dass Richard seine Hobbys teilte - solange er ihn damit mit dem Sport in Ruhr ließ - aber die Vorstellung war wirklich verlockend. Ob er zwischendurch vor Frust weinen würde? Würde er bis zur Pause warten, um mit Cal Schluss zu machen, oder würde er das zwischen den ersten beiden Liedern tun?
      "Und ich bin mir sicher, dass ich die Dates will", griff er die Frage, die Richard eben gestellt hatte, auf, während er wieder nach seinem Glas griff. Leider fiel ihm gerade kein neutraler Weg ein, um Richard irgendwie zu vermittelt, dass er eine Ausnahme von dieser Regel war. Dass er ihn nie gestört hatte, weil er sich für ihn nie verstellt hatte. "Bist du dir noch sicher, dass es das ganze betteln wert war?"
    • Richard

      Richard konnte seinen dezenten Schock schlecht verbergen. Caleb war also tatsächlich älter als er. Nicht irgendwo zwischen 25 und 28.
      „Hah…“, war seine einzige Antwort darauf. Mehr wollte er garnicht dazu sagen. Es war ja auch völlig egal. „Wir können fast zusammen feiern, mein Geburtstag ist… im August“, fügte er dann hinzu, weil es ihm spontan einfiel. Jetzt mussten sie nur noch dafür sorgen, dass Cal es ‚so weit schaffte‘.
      „Überkompensierst du irgendwas damit? Du offenbarst dich langsam als ziemlich kitschig“, meinte Richard etwas skeptisch. Hatte er Caleb vollkommen falsch eingeschätzt? Wie konnte jemand, der Freude im Allgemeinen zu hassen schien, auf Disney Musicals stehen? Das war ja ein Alptraum. „Oh nein, du müsstest mich schon erpressen oder mir irgendwas echt Gutes im Gegenzug bieten, damit ich mir das antue“, lachte er. Da würden ihm allerdings ein paar Sachen einfallen. Es gab bei ihm immer eine Liste mit unerfüllten Wünschen, egal aus welcher Kategorie. Für manches würde er sich sogar zu jedem Musical mitschleppen lassen ohne sich ein einziges Mal zu beschweren.
      „Das kommt drauf an, ob du mir gleich erzählst, dass du Puppen sammelst und was deine liebste Soap Opera ist“, beantwortete Richard die Frage mit verzogenem Gesicht. Allerdings sagte Caleb heute auch allerhand interessante Sachen.
      „Aber ich finde es gut, dass du so überzeugt von mir bist. Ich hatte ja mal gesagt, du sollst aufpassen, dass du dich nicht in mich verliebst. Hab ich übertrieben? Du hast verloren“, grinste er. „Oder, eigentlich hast du gewonnen. Glückwunsch. Auf dutzende Dates und darauf, dass du garnicht genug von mir bekommen kannst“ Er hob kurz sein Glas, bevor er einen Schluck trank. Ah, der Abend wurde immer besser, je weiter sie sich vom Thema Andrew entfernten.
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    • Caleb

      Das entlockte Caleb tatsächlich ein kleines Lachen. "Nein. Also, ja, ich kompensiere damit wahrscheinlich so einiges, aber ich brauche manchmal einfach irgendwas, was so dämlich ist, dass man leicht dabei abschalten kann. Andere Leute schauen Trash TV, damit sie runterkommen, ich suche mir das sinnloseste Musical raus, das ich finden kann. Deshalb mag ich Horrorfilme auch so gerne, die haben den selben Effekt." Puppen hatte er hingegen irgendwie nie gemocht und Soap Operas waren zu lang, um irgendetwas außer frustrierend zu sein. Er mochte Trash ab und an, aber nicht, wenn er sich über fünf Staffeln mit mehreren hundert Folgen hinweg zog.
      "Mhm, das ist seltsam. Ich kann mich irgendwie daran erinnern, dass ich dir zwei mal gesagt habe, dass ich genug habe, bevor du so sehr gebettelt hast, dir noch eine Chance zu geben, dass ich aus Mitleid nachgegeben habe." Caleb zog gespielt nachdenklich die Augenbrauen zusammen. War er verliebt? Er wusste es selbst nicht so richtig. Richard zu verlieren hatte weh getan und er hatte ihm gefehlt, aber das alles als Liebe zu bezeichnen, selbst im Scherz, kam ihm irgendwie zu viel vor. Wahrscheinlich war es mehr ein...Schwarm mit der Chance auf mehr? Andererseits war es nicht so, als ob Caleb irgendwelche Referenz-Beziehungen gehabt hätte, die er mit dieser hier vergleichen könnte.
      "Klopf dir nicht zu früh auf die Schulter und nimm das nicht zum Anlass, dir weniger Mühe zu geben. Dünnes Eis und so." Er stützte seine Unterarme auf den Tisch und lehnte sich grinsend etwas nach vorne um zu vermeiden, dass der Nachbartisch ihre Konversation mithören konnte. "Obwohl es tatsächlich irgendwie ganz nett war, dich auf Knien betteln zu sehen. Ich muss einen ziemlich guten Eindruck bei dir hinterlassen haben. Selbst wenn ich verloren haben sollte habe ich das Gefühl, dass du das hier deutlich mehr brauchst, als ich, Liebling." Was immer noch nicht so richtig in seinen Kopf rein wollte, wenn er ehrlich mit sich selbst war.
    • Richard

      „Manche Leute gehen joggen, um runterzukommen“, fügte Richard hinzu. Würde er das Thema so schnell fallen lassen? Nein. Aber Caleb war gut darin, ihn abzulenken. Okay. Er konnte auch manchmal einstecken, so war es nicht. Er konnte ja selbst kaum fassen, dass er verzweifelt genug für die Aktion gewesen war. Er würde es allerdings auch nochmal tun, falls Caleb beschloss, aufzustehen und ihn alleine sitzen zu lassen.
      „Zwei Mal? Kam mir deutlich öfter vor“, murmelte er also. Ja, in seiner Erinnerung hatte es sich ziemlich gezogen. Sonst wäre er wohl kaum auf die Knie gefallen, wenn es nicht notwendig gewesen wäre. Die Aussage mit dem Mitleid war trotzdem hart. Egal wie unrealistisch sie war.
      „Hab ich überhaupt eine Chance, wenn du nur aus Mitleid drei Dates und eine Beziehung angeboten hast?“, fragte er schmunzelnd. Dummerweise konnten sie beide einander nichts mehr vormachen. Ja, Caleb hätte sich vielleicht lieber bemüht, über ihn hinwegzukommen, und Richard hätte es lieber gehabt, wenn Caleb vor seiner Tür gesessen hätte, aber letztendlich waren sie trotzdem hier. Verzweifelt, armselig und mitten in einem ‚Realität verdrängen‘ -Marathon. Und offenbar 24/7 angeturnt.
      Richard war geneigt, sich Caleb ebenfalls entgegen zu lehnen und ihn zu küssen. Aber er wollte es nicht zu weit treiben. Er konnte hier keinen ersten Schritt mehr machen. Cal war sein persönliches Reh im Scheinwerferlicht.
      Er lehnte sich ihm trotzdem entgegen, mit Sicherheitsabstand.
      „Ich brauch es wirklich… sehr, sehr dringend“, raunte er als Antwort. Das Spiel würde er jedes Mal gewinnen. In manchen Situationen musste ein Mann sich fügen und auf die Knie gehen. „Falls du gerne auf mich herab siehst, fallen mir noch ein paar andere Positionen ein, in denen das möglich ist“ Und damit ließ er sich wieder zurück gegen die Rückenlehne der Bank kippen. „Nach dem dritten Date natürlich. Dünnes Eis“, lächelte er.
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    • Caleb

      "Nach dem dritten Date", stimmte Caleb zu, während er versuchte zu ignorieren, wie schnell sein Herz schlug. Er hatte eventuell verdrängt, wie heiß es klang, wenn Richard ihm die richtigen Sachen zuraunte. Am liebsten hätte er diese kleine Beichte direkt ins Ohr geflüstert bekommen, aber...vielleicht würden sie da irgendwann noch hinkommen. Er stellte es sich zumindest deutlich schöner vor, gesagt zu bekommen, wie sehr Richard auf ihn stand, als immer nur das standardmäßige 'Du bist so heiß' zu hören.
      "Hey, ist das die Lernkurve, die ich so vermisst habe? Du kannst deine Ideen bis dahin ja schon mal sammeln." Er hätte nachgegeben. Irgendwie traf ihn die Erkenntnis, wie ein Schlag. Wenn Richard hier und jetzt vorschlagen würde, dass sie zu ihm fahren und ins Bett springen sollten, wäre sein erster Instinkt, nachzugeben. Er würde sich am nächsten Morgen absolut selbst hassen und wahrscheinlich seine Wohnung für die nächsten Wochen nicht verlassen, aber sämtliche Rationalität schien sich immer zu verabschieden, wenn er mit Richard flirtete. Obwohl er froh war, dass sie wieder flirteten. Das fühlte sich deutlich natürlicher an, als zu Streiten.
      "Also", setzte er zu einem Themenwechsel an, während er seinen Kopf auf seine Hand stützte. Irgendwie mussten sie wieder weg von dem Thema, bevor das Date doch so enden würde, wie all ihre Treffen zuvor. "Was hast du in den letzten zwei Wochen so gemacht? Außer keinen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, wie man sich richtig entschuldigt? War irgendwas spannendes dabei?" Das war...neutral genug und ein ziemlich okayer Weg um herauszufinden, ob er der einzige war, der die letzten zwei Wochen damit verbracht hatte, in Selbstmitleid zu ertrinken, oder? Vielleicht ein bisschen offensichtlich. Und irgendwie hoffte Caleb ein bisschen zu sehr darauf, dass Richard ihm gleich nicht von tausenden Partys erzählen würde, auf denen er mit 'irgendwem' rumgemacht hatte. Obwohl er ein bisschen neidische Unzufriedenheit gerade wohl gut gebrauchen könnte.
    • Richard

      „Wenn du mich so nett drum bittest“, grinste Richard. „Ich glaube aber nicht, dass ich noch viel sammeln muss. Ich hab genug Ideen, was ich mit dir anstellen kann. Ich nehme an… du willst sie nicht hören? Erst nach dem dritten Date?“ Es war viel zu unterhaltsam, Caleb zu triezen. Richard konnte ihr Date noch so sehr genießen und er würde dennoch nicht aufhören, darauf herumzuhacken. Hoffentlich verstand Caleb so viel Spaß. Irgendwie war es noch lustiger, dass er das Thema so schnell wechseln wollte. Aber…
      „Oh, ich war zuhause“, sagte Richard. „Die paar Tage in Russland waren die pure Sklaverei. Wir haben kaum geschlafen. Ich musste mich davon erholen“ Ja, das. Das war der einzige Grund, wieso er sich aus dem Bett bewegen hatte können.
      „Apropos. Ich hab mein gesamtes Wissen über Entschuldigungen gechannelled, als ich mich bei Andrew und Ezra entschuldigt habe, also glaub nicht, ich hätte es nicht versucht. Hab ich wirklich. Aber es hat absolut nichts gebracht“, kam er schließlich noch auf seine Verteidigung zurück. Caleb sollte zumindest seine Seite hören. Er hatte es versucht. Die beiden hatten ihm eben absolut kein Stück entgegen kommen wollen, wie war das Richards Schuld? Außerdem waren Ezras Gründe für seine Abgeneigtheit gegen Cals und Richards Beziehung völlig bescheuert. Er hatte absolut kein Recht, sich so einzumischen. Richard verstand auch langsam den… Doppelstandard, aber er sah ja ein, dass er sich selbst nicht hätte einmischen sollen.
      „Nur auf meine Knie bin ich nicht gefallen, das war für dich reserviert“, fügte er hinzu. Zu tief wollte er auch wieder nicht in das Thema hineinrutschen.
      „Und was hast du so gemacht, außer jede Nacht wegen mir wachzuliegen?“ Er lächelte. Natürlich wäre es besser, wenn Cal im positiven Sinne wegen ihm wachliegen würde, aber man musste ja irgendwo anfangen.
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    • Caleb

      "Wenn du so weiter machst, wird es erst das fünfte Date", antwortete Caleb mit einem kleinen Lächeln. Das würde sie wahrscheinlich beide fertig machen - was nicht gerade für sie sprach - aber vielleicht würde es auch irgendwie...helfen? Zumindest versuchte er, sich das selbst einzureden. Er brauchte jemanden, der ihm zuhörte, weil er...er war und nicht jemanden, der nur artig nickte in der Hoffnung, ihn so schneller ausziehen zu können. Es war verdammt schwer einzuschätzen, wo Richard auf dieser Skala lag.
      "Ich habe natürlich die Tage genutzt, um weiter an dich zu denken. So viel Ego bekommt man nicht in einer Nacht durchdacht", antwortete Caleb sarkastisch, auch, wenn das eigentlich so ziemlich der puren, erbärmlichen Wahrheit entsprach. Aber es war schön zu wissen, dass er offensichtlich nicht der einzige gewesen war, der sich die letzten Tage kaum bewegt hatte. Noch schöner zu wissen, dass Richard offenbar nicht unterwegs war, um irgendeine andere Person anzuflirten und jetzt nur hier saß, weil das nicht funktioniert hatte. Irgendwie hätte Cal ihm das fast zugetraut. War er nicht selbst irgendwie diese 'andere Person' gewesen?
      "Ich hatte schon gehört, dass es nicht so gut gelaufen ist", merkte Caleb an, während er wieder anfing, mit seinem Glas zu spielen. "Ich hatte irgendwie gehofft, dass sich das alles ausdiskutieren lässt. War im Nachhinein wahrscheinlich eine furchtbar dämliche Idee. Tut mir leid." Wahrscheinlich hatte das alles sogar noch schlimmer gemacht, indem es den Streit zwischen den dreien nochmal neu angefacht hatte. Cal hätte Richard einfach so eine zweite Chance geben sollen, ohne Ezra und Andrew mit rein zu ziehen. Dann hätte es zwar zwischen Cal, Ezra und Andrew gekracht - was ihm jetzt wohl auch noch bevorstehen würde, da machte er sich nichts vor - aber wenigstens hätte ein vorhersehbarer Streit vermieden werden können.
      "Kann ich dich auf ein Glas Wein einladen, oder so?", fragte er schließlich, während er kurz auf die Getränkekarte zwischen ihnen tippte. Wenn sie schon wieder zurück auf das Thema Andrew kamen, wurde es wohl langsam Zeit für etwas mit ein wenig Prozent.
    • Richard

      „Ich hab doch garnichts getan“, sagte Richard etwas empört. „Ist es ein Verbrechen, dass ich mit der Person schlafen will, die ich mag? Oder stört es dich, wenn ich es mir vorstelle?“ Er blinzelte unschuldig. Außerdem konnte Cal das unmöglich wirklich wollen, oder? Nicht, dass Richard sexsüchtig war, aber sie konnten doch perfekt noch parallel ihre kleinen Dates haben. Wieso musste sich das ausschließen? Tatsächlich ging es ihm nichtmal nur um Sex! Was war mit allem anderen? Küssen zum Beispiel? Die Regeln waren sehr unklar. Caleb hätte sich schon mehr Gedanken machen sollen, wenn er so strikt sein wollte.
      „Und… eine kleine Frage zwischendurch; Wieso lässt du dir von deiner Familie überhaupt etwas vorschreiben? Ich meine, Ezra kann mich nicht leiden, klar, aber wenn er lieber streitet, als zu akzeptieren, dass du eigene Entscheidungen treffen kannst, hat er echt ein Problem. Und nur zur Erinnerung… das kannst du. Allgemein“ Es war schließlich nicht nur Ezra, Caleb schien sich auch seltsam an seine Eltern gekettet zu haben. Wusste er überhaupt, was freier Wille war?
      „Ich bin vielleicht nicht das beste Vorbild was gute familiäre Beziehungen angeht, aber ich kann dir sagen, dass man an irgendeinem Punkt einfach drauf scheißen und sein Leben leben muss, auch wenn man idealerweise lieber eine Familie hätte, die einen einfach akzeptiert“ Wenn es etwas gab, über das Richard absolut ungern redete, waren es seine Eltern, aber Caleb schien in einer ähnlichen Situation zu stecken wie er damals, auch wenn… es zugegebenermaßen wohl verzwickter war, wenn man für seine Eltern arbeitete, die zusätzlich illegal unterwags waren.
      “Jedenfalls interessiert es mich nicht, ob die beiden mich mögen oder mir verzeihen oder was auch immer, sondern du. Mich interessiert auch nur, wenn dich etwas stört“ Urgh, das Thema hörte einfach nicht auf, ihn wütend zu machen. Innerlich könnte er bereits wieder kochen, wenn er daran dachte.
      „Wein klingt gut. Und Popcorn, oder was auch immer die da an dem Tisch links hinter dir essen“, antwortete Richard, sah über Calebs Schulter hinweg und kniff die Augen etwas zusammen. Dann sah er den Blonden wieder an, „Nur um es mal erwähnt zu haben, ich interessiere mich selten für das Leben anderer Menschen“ Es gab wirklich kaum jemanden, dem er freiwillig Ratschläge oder Hilfe anbieten würde, aber ihm wurde langsam bewusst, dass es in Beziehungen so ein eigenartiges Konzept von ‚gemeinsamem Glück‘ gab, und wenn Caleb mit Arschlöchern klarkommen musste, musste Richard es automatisch auch. Er konnte garnicht anders, als sich einzumischen. Selbst wenn er nur zusehen müsste wäre es eben schmerzhaft anzusehen.
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    • Caleb

      "Weil das letzte mal, als ich mich nicht um meine Familie gekümmert habe, unsere jüngste Schwester gestorben und mein Bruder abgehauen ist. Ich weiß, dass meine Familie ziemlich gestört ist, aber ich würde dieses Erlebnis trotzdem ungerne wiederholen." Er war sich seltsam sicher, dass Richard keine ernsthafte Antwort von ihm erwartet hatte und wenn, dann wahrscheinlich keine so...deprimierende. Aber so war es halt. Es ging Caleb nicht um Akzeptanz, oder Anerkennung - er wollte nur Niamh und Ezra nicht verlieren, was sowieso schon ein viel zu schwieriger Balanceakt war. Und es war alles seine Schuld. Alles seine- Stopp.
      Caleb zwang sich, einmal durchzuatmen, während er den Kellner mit einem kleinen, wohlgeübten Lächeln auf den Lippen näher winkte, um zwei Gläser Rotwein zu bestellen, einfach, um seinem Kopf kurz etwas zu geben, was ihn aus den Selbstvorwürfen reißen würde. Er hatte das alles oft genug mit seinem Therapeuten durchgekaut - eine...leicht abgespeckte und weniger kriminelle Variante, zumindest. Er war selbst nur ein Kind gewesen. Es war nicht seine Schuld, auch, wenn es sich so anfühlte. Er musste nur sicherstellen, dass Niamh und Ezra sicher und glücklich waren, dann würde schon alles irgendwie gut werden.
      "Meine Eltern sind nicht die Art von Eltern, mit denen man einfach den Kontakt abbricht, sie überall blockiert und umzieht." Caleb hielt seinen Blick fest auf die Getränkekarte zwischen ihnen gerichtet. Eine nette Karte. Dunkel, mit weißer Schrift und kleinen Verzierungen am Rand. Er versuchte, sie sich irgendwie einzuprägen, während er überlegte, wie man das Leben mit seinen Eltern möglichst treffend zusammenfassen könnte.
      "Ich warte jetzt schon tagtäglich darauf, dass sie irgendjemanden schicken, der mich in den nächsten Flieger zurück nach Dublin zerren, weil ich schon zu lange weg war und sie jemanden brauchen, der sichergehen kann, dass niemand einen verstecken Stein zu kritischen Verhandlungen mitbringt. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn ich versuchen würde, den Kontakt abzubrechen. Ich gehe nicht davon aus, dass ich das sonderlich lange überleben würde. Du ziehst mit, oder du wirst zur Schwachstelle und damit zu einem Problem, das gelöst werden muss. Ich lehne mich schon so weit aus dem Fenster, wie ich kann, aber...es ist nicht leicht." Was ziemlich untertrieben war. Aber so lief es bei ihnen eben. Auch jemand, der bis zum Hals in illegalen Machenschaften verstrickt war, brauchte jemanden, auf den man sich verlassen konnte und wenn nicht die eigene Familie, wer dann?
    • Richard

      „Oh“, sagte Richard, seine Stimme sofort eine Oktave tiefer und dann erstmal stumm. Zumindest fiel ihm prompt Ezras Aussage ein, dass Richard nicht wusste, was genau zu Calebs psychischen Problemen geführt hatte. Er stand immer noch zu seiner Antwort, dass es ihn nichts anging, und irgendwie änderte es jetzt auch nichts, darüber Bescheid zu wissen, außer dass er mehr Verständnis für Calebs freiwillige Versklavung hatte. Das Thema sah kompliziert aus. Und Caleb hatte sich noch dazu ziemlich unklar ausgedrückt. Er hatte sich nicht um seine Familie gekümmert und darum war eine gestorben und der andere weggelaufen? Huh? Richard fiel kein einziges sinnvolles Szenario ein, das das erklären konnte, aber es war auch nicht sein Platz, nachzufragen oder es irgendwie zu erraten.
      „Tut mir leid“, sagte er nur. Eigentlich klang das alles für ihn nach einem noch besseren Grund, um alles daran zu setzen, unterzutauchen und sich nie wieder bei seiner Familie blicken zu lassen. Aber er konnte wohl einfach nicht nachvollziehen, wie es Caleb damit ging. Ein bisschen nervte es Richard. Für ihn wirkte das so, als wären Cals Eltern das größte Problem, das sich ihrer Beziehung in den Weg stellte. Was, wenn sie ihn echt zurück nach Dublin zerrten? Oder sich genauso wie Ezra einmischen wollten, weil sie etwas gegen Richard hatten? Dass er ein Held war, konnte ihnen kaum gefallen. Und außerdem schien jeder einzelne in Cals Familie ihn zu stressen und auszunutzen. Ugh. In solchen Fällen brauchte man einen Auftragsmörder seines Vertrauens. Aber Caleb schien ja zu wollen, dass alle lebendig und glücklich waren und harmonisierten. Etwas unrealistisch, wenn man Richard fragte.
      War es unsensibel, Caleb einfach nochmal zu fragen, wieso er nicht alles versuchte, um seiner Familie zu entkommen? Wer wollte mit dem ganzen Stress schon leben? Die Nachteile waren ganz offensichtlich überwiegend. Verdammtes dünnes Eis. ‚Schon mal überlegt, deine Eltern ermorden zu lassen?‘ Das konnte er kaum fragen.
      „Kriegst du eigentlich bezahlten Urlaub?“, fragte er also, nachdem ihm nichts anderes einfiel.
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    • Caleb

      Die Frage kam dermaßen aus dem Nichts und war dabei so abwegig, dass sie Caleb tatsächlich direkt aus der aufsteigenden Panik, in die er sich selbst reinredete, zog. Er blinzelte kurz vollkommen irritiert. “Ich habe Vertrauensurlaub. Ich kann mir freinehmen, so oft ich will, aber ich bekomme dafür kein Urlaubsgeld, oder so”, erklärte er, ein wenig überfordert. “Ich habe aber sowieso nicht so extrem viel zu tun. Meistens muss ich nur Entscheidungen von anderen Leuten abnicken, oder eben nicht. Niemanden interessiert es so wirklich, ob die Läden gut laufen, oder nicht, solange man sie nicht mit irgendwas illegalem in Verbindung bringen kann.” Immerhin war das der Sinn und Zweck hinter dem Ganzen. Ein paar Läden für Steine, um Geld zu waschen und Spuren zu verwischen. Daher hatte Cal auch die Aufgabe bekommen, sie zu verwalten. Er konnte dabei nicht viel falsch machen.
      Obwohl er sich wahrscheinlich nicht beschweren konnte. Er mochte diese logische Arbeit. Auf Tabellen starren, Zahlen ermitteln, an Stellschrauben drehen. Das war alles so herrlich langweilig, dass es ihn fantastisch ablenken konnte. Es lag ihm, aus irgendeinem Grund. Die Läden waren mittlerweile profitabel genug, um sich ein kleines, monetäres Polster aufzubauen, falls seine Eltern es sich doch irgendwann anders überlegen und ihn von dem allgemeinen Konto abschneiden sollten. Strenge Eltern erzogen eben vorsichtige Kinder.
      “Wie schaffst du das eigentlich mit deinem Job als Held und MLO? Weiß das Dezernat davon, oder wie findest du für beides genug Zeit?” Zugegeben, Caleb hatte keine genaue Vorstellung, was bei MLO alles ablief, aber er konnte sich durchaus vorstellen, dass es bestimmte Überschneidungen zum Dezernat gab. Arbeiteten sie irgendwie inoffiziell zusammen, oder so? Eigentlich interessierte es Caleb nicht so sehr, aber er war froh, das Thema von seinen Eltern weg lenken zu können. Bei all den Problemen, die er hatte, war das sein größtes, weshalb er es am allerliebsten ignorierte. Auch, wenn sich das irgendwann rechen würde. Spätestens, wenn das zwischen Richard und ihm tatsächlich was ernstes werden würde, wahrscheinlich. Aber bis dahin konnte seine Familie gerne irgendwo im hinteren Eck seines Kopfes ein kleines Camp des ungelösten Traumas eröffnen.
      “Wie bist du überhaupt bei MLO gelandet?”, schob er hinterher. Warum Richard beim Dezernat war, hatten sie immerhin schon mal geklärt.
    • Richard

      „Klingt langweilig. Was machst du die ganze Zeit, wenn du nicht arbeitest?“, fragte Richard und verschränkte seine Arme entspannt, während sie weiter auf ihren Wein warteten. „Ab und zu ne Pause zu haben ist ja schön, aber ich wüsste nicht, wie ich jeden Tag rumkriegen soll, wenn ich nicht zum Arbeiten gezwungen werde. Auch, wenn ich momentan mehr zu tun hab als noch letztes Jahr, als ich vollzeit bei MLO war. Da hatte ich nur einen Chef an der Backe, jetzt sind es zwei“ Er zuckte leicht mit den Schultern. Außerdem hatte MLO den Vorteil, dass es verdammt viel internationale Arbeit gab und die Wochenenden, die er woanders verbrachte, dafür in mehr Urlaubstagen resultierten. Wenn man die allgemeine Lebensgefahr und die nichtsnutzigen Kollegen ignorierte, war es ein gemütlicher Job.
      „Ich mache beides Teilzeit-mäßig. Mein Sergeant weiß drüber Bescheid. Ich bin auch über mein altes Dezernat zu MLO gekommen, mehr oder weniger weil ich auf ein paar Informationen gestoßen bin, die ich nicht haben hätte sollen, und da haben sie wohl beschlossen, sie stellen mich lieber ein als mich zu erschießen“ Er lächelte. „Jedenfalls hätte ich diese ganze… Halb-Halb Geschichte einfach nicht anfangen sollen. Das war hauptsächlich wegen Voldemort“ Er würde nicht schon wieder anfangen, von Andrew zu sprechen, dann kamen sie von dem Thema heute garnicht mehr weg. „MLO zahlt besser, ich hab eine deutlich bessere Position und bis vor kurzem hatte ich die Aussicht den Laden zu schmeißen. Eigentlich brauche ich was stärkeres als Wein, wenn wir noch länger über meine Arbeit reden wollen“, gegen Ende murmelte er mehr zu sich selbst. Gab es eigentlich irgendein Thema, das einen von ihnen nicht in Depressionen warf? Sie hatten nicht viel gemeinsam, so viel war Richard klar. Bis vor kurzem hatte es aber auch noch nicht so viele bedrückende Themen gegeben.
      „Du hast also quasi unbegrenzten Urlaub. Frage. Wieso hockst du dann in London und machst dir nicht eine schöne Zeit in Spanien oder so?“, fragte er. „Wenn ich die Chance auf Arbeit im Ausland hab, melde ich mich sofort freiwillig. Alles ist besser, als hier ständig eingeregnet zu werden“ Er hätte umziehen sollen. Aber er war verdammt hoffnungslos und hatte sich nie überwinden können… mit Andrew abzuschließen.
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    • Caleb

      Caleb nickte zwischendurch kurz ein wenig abwesend, als Richard von seiner Arbeit erzählte, während er immer noch versuchte, damit klar zu kommen, wie schnell diese alberne Frage nach seinem Urlaub ihn aus seiner kleinen Spirale des Selbsthasses gezogen hatte. Es war nichts vollkommen Neues - er zog sich selbst ab und an aus einem Tief, indem er irgendetwas vollkommen zufälliges machte - aber es brauchte trotzdem immer einen Moment, um diesen plötzlich Gefühlsumschwung zu verarbeiten. Gerade war er zum ersten mal wirklich froh, dass Richard gerne über sich selbst sprach. Die kleine Erwähnung von Andrew als 'Voldemort' entlockte Cal sogar ein kleines Lachen.
      "Ich lese viel, wenn ich nicht arbeite. Sonst halt das übliche - versuchen, den Schlafrythmus irgendwie in den Griff zu bekommen, Hobbys nachgehen, einfach nichts tun. Und falls es doch langweilig werden sollte, babysitte ich meine Neffen, um mich selbst daran zu erinnern, wie viel schlimmer das alles wäre, wenn ich Kinder hätte." Er liebte seine Neffen, absolut. Er war nur auch immer froh, wenn Niamh oder John am Ende vorbeikamen, um sie wieder einzusammeln. Die beiden hatten deutlich zu viel Energie. Ezras Kinder schienen deutlich ruhiger zu sein, allerdings war er sich ziemlich sicher, dass er nach dem heutigen Abend nicht unbedingt sehr oft Babysitter spielen würde.
      "Warum sollte ich Geld ausgeben, um traurig und alleine im Ausland zu sitzen, wenn ich das selbe gratis hier machen kann?", fragte er, während ein Kellner - die Kellnerin von vorhin unterhielt sich gerade zwei Tische weiter mit einem jungen Pärchen - ihnen ihre Gläser mit dem Wein auf den Tisch stellte. Caleb bedankte sich kurz, bevor er wieder zu Richard sah. "Ich bin ein bisschen durch die Gegend gereist, aber irgendwie fand ich es furchtbar deprimierend, das alles alleine zu machen. Und ja, ich weiß, ich habe unfassbares Glück, dass du jetzt hier bist und so weiter und so fort." Er verdrehte kurz die Augen, um seinen Sarkasmus zu unterstreichen, konnte aber ein kleines Lächeln nicht unterdrücken. "Wenn wir jetzt aufstehen und zum Flughafen fahren würden - wo würdest du hinfliegen wollen?"
    • Richard

      Er grinste. „Ich wollte gerade sagen, dass du mich ja in den Urlaub mitnehmen kannst“, sagte er. „Schön, dass ich dich langsam garnicht mehr dran erinnern muss, was für ein Segen es ist, mich in deinem Leben zu haben“
      Die Betonung lag dennoch auf ‚mitnehmen‘, da Richard einerseits keinen ‚Vertrauensurlaub‘ bekam und andererseits auch nicht unbedingt genug Geld, um tatsächlich ohne Budgetplanung herumzureisen. Man merkte es ihm vielleicht nicht an, aber er war etwas Spar-versessen. Sein Auto war nicht gekauft, es war ein Dienstauto. Die Wohnung dagegen hatte er gekauft, wodurch er nun einen Kredit abbezahlte und sich irgendwann jede Menge Geld ersparen würde. Außerdem wurde jeder Auslandsaufenthalt von MLO finanziert, und da er dadurch meistens tolle Hotels und Resorts von Innen zu sehen bekam, war auch das Bedürfnis nach privaten Reisen nicht besonders hoch. Alles in allem hatte er sich ein vernünftiges Polster angespart und nicht vor, unverantwortlich mit seinem Geld zu werden. Aber Caleb und er hatten definitiv eine Differenz in ihrer Liquidität. Zu ein paar Einladungen würde er schon nicht Nein sagen, wenn es Caleb seine Begleitung wert war.
      „Ist das ein Angebot?“, fragte er spaßhalber, bevor er kurz mit Caleb mit dem Wein anstieß und einen Schluck trank, un Zeit zu überlegen zu haben. „Also, ich fände Hawaii nett. Oder die Malediven. Oder die Karibik?“ Eigentlich zählte er nur auf, was ihm am teuersten vorkam. „Ich hätte gerne einen Strand, wo ich den ganzen Tag Getränke zu meiner Strandliege bestellen kann, und dann am Abend irgendwelche Strandbars… und gutes Essen. Und ein schickes Hotel, damit wir es bequem die ganze Nacht treiben können, nachdem du es nicht aushalten wirst, wenn du mich stundenlang halbnackt siehst“ Er trank noch einen Schluck Wein. Ja, das klang eigentlich ganz nett. Er hätte kein Problem damit, nochmal zwei Wochen lang nicht zu arbeiten.
      „Bitte sag mir, das war eine ernst gemeinte Frage“, murmelte er schließlich.
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    • Caleb

      "Naja, es könnte ein Angebot werden? Irgendwann?", antwortete Caleb vorsichtig. Womit er wahrscheinlich schon viel zu weit gegangen war. Heute morgen hatte er sich noch überlegt, ob er Richard überhaupt eine zweite Chance geben sollte und jetzt phantasierten sie über einen gemeinsamen Urlaub. Wie schaffte Richard es immer wieder, ihn so leicht für sich zu gewinnen? Caleb kam sich beinahe schlecht vor, während er von seinem Wein trank. Er hatte keine Ahnung, wie er das alles Andrew und Ezra erklären sollte. Wie sollte er ihnen jetzt noch glaubhaft vermitteln, dass Richard auch gute Seiten an sich hatte? Aber ihn wieder heimlich zu daten war definitiv keine Option.
      "Ich versuche immer, Hotels zu vermeiden. Zu viele Steine, die ich nicht abschirmen kann." Er zuckte kurz mit den Schultern. Er war sicher gegangen, dass die Mauern seiner eigenen Wohnung dick genug gewesen waren, um die meisten Alltagssteine seiner Nachbarn abzuschirmen. Seine eigenen konnte er tolerieren. Aber in einem Hotel wusste er nie, wie stark die Steine im Nebenzimmer waren und es gab nichts anstrengenderes, als selbst im Schlaf mit den ganzen Gefühlseindrücken konfrontiert zu werden. "Aber ich gehe davon aus, dass du keine Probleme mit Ferienhäusern haben wirst." Eigentlich hatten die ihm unabhängig von den Steinen sowieso immer besser gefallen, weil man dort weiterhin seinen eigenen Rhythmus beibehalten konnte. Kein Frühstück, das nur bis 9 dauerte, keine Zimmerreinigung, die störte.
      "Obwohl ich eigentlich immer mal in den Norden wollte. Die Fjorde sehen und die Nordlichter und so." Was wahrscheinlich weniger ein Entspannungsurlaub werden würde, aber Caleb wollte vor allem die Nordlichter trotzdem irgendwann mal sehen. Was...auch der einzige Grund war, warum er nie alleine gefahren war. Was, wenn die Nordlichter wirklich so beeindruckend aussahen, wie auf den Fotos und er niemanden hatte, mit dem er darüber reden konnte?
      "Die Karibik soll aber auch wirklich schön sein. Strandurlaub ist natürlich immer super." Er trank gedankenverloren einen Schluck Wein. Eigentlich hörte sich Strandurlaub gerade wirklich nicht schlecht an. Einfach mal weg von all dem Drama und ein wenig in der Sonne liegen, während die Welt um einen herum nicht mehr existierte. Er sah kurz wieder zu Richard. "Oh. Und ich kann dir ohne Shirt natürlich nicht widerstehen, oder was auch immer du jetzt von mir hören wolltest?"
    • Richard

      Irgendwann… Caleb hing wirklich unglaublich an seiner kleinen ‚3 Dates‘ Idee. Wenigstens schien er sich selbst auf die Urlaubsplanung einzuschießen. „Ferienhaus, hm? Gegen mehr Platz und mehr Optionen hab ich nichts“, antwortete er. Nope, dann hatten sie noch das Sofa, vielleicht eine Kücheninsel, eine Terrasse… ein privater Jacuzzi oder Pool? Richard verzog nur ganz leicht das Gesicht, als Caleb von Fjorden anfing. Klar, schön, aber kalt und… nicht entspannend. Man musste seine Action wohl im Urlaub suchen, wenn man langweilige Jobs hatte.
      „Okay, das ist ein Deal, solange das Ferienhaus die ekelhafte Kälte irgendwie wettmachen kann. Du weißt schon, mit einem Kamin, vielleicht hausgemachtem Punsch und anderen Sachen, die dir einfallen, damit es warm bleibt. Und du darfst dich absolut nicht beschweren, dass irgendetwas zu anstrengend ist“ Richard durfte sich von seinen Kollegen oft genug anhören, dass sie schon ‚zu lange unterwegs waren‘, wie kalt es war und wieviel lieber sie jetzt zuhause wären.
      „Ich will garnichts von dir hören, ich warne dich nur vor“, konterte er schließlich. „Du konntest nicht einmal deinen armseligen Diebstahl durchziehen, weil du zu angeturnt warst“ Er zuckte mit den Schultern. Er war selbst zwar ganz offensichtlich auch nicht gut darin, Caleb zu widerstehen, was er sich spätestens eingestehen hatte müssen, als er nicht mehr aufhören konnte, an ihn zu denken, aber zumindest tat er nicht so, als könnte er es. Das war dann wohl Calebs Ego. Sie ergänzten sich ja doch wunderbar!
      „Ich verurteile dich nicht. Wie könnte ich? Ich verstehe sehr gut, dass du mir nicht widerstehen kannst. Das ist ein Fluch, weißt du? Die Schlange, die immer ansteht, um mich ins Bett zu bekommen… Das kann anstrengend werden. Aber ich nehm‘s dir nicht übel. Für dich lasse ich mich auch darauf ein“ Er stützte sich auf dem Tisch ab. „Und wenn du dein Ego schützen musst, und wir es deshalb erst nach den Dates tun, ist es auch okay“ Er lächelte. „Auch, wenn wir beides parallel machen könnten. Aber, ich versteh das! Wirklich. Ist in Ordnung. Wir müssen uns alle mal was selbst beweisen“ Zu viel?
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    • Caleb

      "Oh, ich bin mir ziemlich sicher, dass dir genug Sachen einfallen würde, die uns warmhalten und keine davon würde 'mehr Kleidung' sein", antwortete Caleb flach. Obwohl das...nicht die schlechteste Vorstellung war. Zugegeben, Sex hatte bei seiner bisherigen Urlaubsplanung nie eine Rolle gespielt, aber bisher hatte es dafür ja auch irgendwie nie einen Grund gegeben. Je länger sie darüber sprachen, desto besser gefiel ihm die Idee, einen Tag im Urlaub einfach nur dafür zu nutzen, im Bett zu bleiben und miteinander zu schlafen, so, wie sie es im Hotel gemacht hatten. Etwas anstrengend, aber wenigstens war das eine der seltenen Gelegenheiten gewesen, bei der Caleb sogar am Abend danach noch durchgeschlafen hatte. Obwohl Richards abschließender Kommentar fast schon Grund genug für eine Kreuzfahrt war, bei der er ihn irgendwo auf dem offenen Meer über Bord stoßen könnte.
      "Ah. Sicher. Ich bin wirklich froh, dass du neben der ganzen Schlange an Leuten noch Zeit für mich über hast. Gott, jetzt fühle ich mich fast ein bisschen schlecht. Vielleicht sollten wir für heute Schluss machen, damit du zu deinen ganzen Bewunderern zurück kannst, bevor sie sauer auf mich werden." Caleb war sich noch nicht ganz sicher, ob er lachen, oder weinen sollte. Richards Selbsteinschätzung gehörte irgendwie studiert. Wenn es nicht irgendwie ein wenig zu seltsam wäre, wäre es fast beeindruckend.
      "Das hat nichts mit meinem Ego zu tun. Ich-" Caleb zuckte kurz mit den Schultern. "Wie gesagt, ich möchte nur weg von diesem Gefühl, mit dir schlafen zu müssen, damit du dich für mich von deinen Verehrern losreißen kannst. Fühlst du dich nicht furchtbar seltsam dabei?" Es war der Druck, der ihm nicht lag. Die Vorstellung, dass Richard ihn am Ende des dritten Dates furchtbar langweilig finden und nichts mit ihm zu tun haben wollte, war irgendwie immer noch besser, als der Gedanke daran, dass Richard einfach nur eine weitere Person in Calebs Leben war, die sich nur für einen körperlichen Aspekt von ihm interessierte und nicht für ihn als Person. "Sex ist eben nur schön, wenn er keine Voraussetzung ist."
    • Richard

      Zu viel. „Du nimmst mich zu ernst“, seufzte er und lehnte sich wieder zurück. „Okay, ich meine es ernst, aber ich rede auch gerne nur mit dir, klar? Warum wäre ich sonst hier? Denkst du nicht, ich könnte mir einfach irgendwen anderen suchen, wenn es mir darum ginge?“ Klarerweise wollte Richard den hammer Sex nicht aufgeben, aber sie würden dabei sicher nicht so harmonisieren, wenn sie nicht auch so ganz gut klarkommen würden. Ja, Caleb hatte seine… Probleme, aber wer hatte die nicht. Das war Richard von Anfang an egal gewesen. Jetzt nervte die Geschichte mit seiner Familie ihn maximal, aber wie Caleb damit umging war immer noch seine Sache. Ansonsten verstanden sie sich doch ganz gut, oder? Mal abgesehen von Cals Überempfindlichkeit heute. Die wohl ein wenig Richards Verschulden war.
      „Ich fühle mich übrigens kein Stück seltsam dabei. Die ganze Sache zwischen uns hat eben mit Sex angefangen. Ich finde es eher seltsam, darauf jetzt zu verzichten. Nicht furchtbar, nur seltsam. Ich meine, wir werden nach diesen drei Dates ja auch weiter auf Dates gehen, nur dass es nicht mehr so angespannt ist, und darauf freue ich mich. Ich finde das alles eben ein wenig unnatürlich, nachdem wir uns schon kennen. Aber ich mache es ja mit“ Wie oft würden sie das noch durchkauen? „Ich versteh ja irgendwie, dass du mir nicht vertraust, aber versuch es wenigstens“, murmelte er und verzog das Gesicht leicht.
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