The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Caleb

      Oh. Für einen Moment war Caleb vollkommen sprachlos. Das klang irgendwie fast zu schön um wahr zu sein. Wahrscheinlich, weil es nicht wahr war, sondern Richard ihm einfach das sagte, was er hören wollte - dass sich jemand aufrichtig für ihn interessierte. Was seinerseits unfassbar erbärmlich war, oder? Schlimmer war nur, dass es irgendwie fast funktionierte. Caleb konnte fühlen, wie sein Herz ein bisschen schneller schlug, während seine Gedanken in eine vollkommen andere, viel schönere Realität abdrifteten, wo sie das hier auch vollkommen ohne Streit hätten haben können. Eine ganz normale Beziehung, in der sie einfach glücklich miteinader waren. Aber leider war das ja nicht mehr möglich.
      "Sicher", antwortete er, bevor er irgendetwas unsagbar dummes tun oder sagen konnte. Sie standen sich deutlich näher, als ihm lieb war, aber er wollte nicht derjenige sein, der einen Schritt zurück gehen würde. "Du kennst mich nicht mal. Dich hat doch außer dem Sex nie was an mir interessiert! Denkst du wirklich, dass ich dir das abnehme? Ich weiß, dass ich es dir viel zu einfach gemacht habe, aber ich besitze tatsächlich sowas, wie eine Lernkurve." Er stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus. Das alles war wirklich zu viel für ihn. Er wusste nicht, ob er weiter lachen, oder anfangen zu weinen sollte. Wahrscheinlich war beides nicht sonderlich gut.
      "Wie lange wird es diesmal dauern, bis du mir erzählst, dass du doch noch auf Andrew stehst und wie sehr du Ezra hasst? Einen Monat? Zwei? Glaubst du ernsthaft, dass ich das nochmal mit mache? Dass ich meine Freundschaft mit den beiden für dich aufs Spiel setze?" Was der einzige Gedanke war, an den er sich gerade klammerte, um halbwegs bei Verstand zu bleiben. Ezra würde ihn hassen, wenn er Richard verzeihen würde und wahrscheinlich...würde er sich auch ein bisschen selbst hassen, egal, wie abgeklärt und erwartungslos er in die Beziehung hineingehen würde.
    • Richard

      Das funktionierte alles nicht. Was hatte er erwartet? Sowas lag ihm nicht. Er musste das so machen, wie er es konnte.
      „Das macht mich irre“, stieß er genervt aus. „Was meinst du mit ‚du kennst mich nicht‘?! Haben wir in den letzten Monaten kein Wort miteinander gewechselt? Okay, schön, du kennst mich auch nicht. Dann wolltest du auch nur Sex, oder nicht? Warum stört es dich dann, dass ich auf Andrew stehen könnte? Ist das dann nicht völlig egal?“, fuhr er Caleb an. Das lief gut für eine Entschuldigung. „Ich sagte, ich will mit dir zusammen sein. Rede ich chinesisch? In dem Satz steht nirgendwo ‚aber lass uns Andrew für einen Dreier dazu holen‘. Ich will nichts von ihm!“ Richard wollte ihm höchstens gern ebenfalls eine reinhauen, als Dankeschön dafür, dass er zwei Wochen lang das Gefühl hatte zu sterben, wenn er niesen musste.
      „Und Ezra ist verdammt nervig, daran kann nichtmal Gott persönlich was ändern. Tut mir ja leid, dass dein Bruder ZUM GLÜCK das Gegenteil von dir ist“, fuhr er fort. „Glaub mir, Ezra wäre für mich Grund genug, dass ich jetzt um keinen Preis hier stehen würde, wenn es mir das nicht irgendwie wert wäre. Ich- ich-“ Auswendig lernen schien ihn nicht weit zu bringen, vielleicht würde Improvisation es jetzt tun. Richard ließ vom Türstock ab, denn er hatte nun für das gesamte Gespräch unvermeidbarerweise auf Caleb herab gesehen. Also ging er auf die Knie. Er sank so schnell auf den Boden, dass er kurz das Gefühl hatte, das Gleichgewicht zu verlieren, tat es aber nicht. Er starrte einen Moment auf Calebs Schuhe bevor er den Blick hob und sein Ego herunterschluckte.
      „Ich mag deinen Pessismus und dass du Menschen nicht ausstehen kannst und offenbar trotzdem so viel Empathie aufbringen kannst, dass dich alles entweder in eine Panikattacke schickt oder dich in die nächste Bar bringt, um dich ins Koma zu trinken. Wirklich. Ich weiß vielleicht nicht viel über dich, und über deine Eltern will ich sowieso nichts wissen, aber ich mag, was ich bisher gesehen hab, auch wenn ich deinen Bruder hasse. Tut mir leid. Ich glaube auch nicht, dass er mich besonders leiden kann“ Richard blinzelte kurz, als er das Klacken einer Tür zu seiner Seite hören konnte und vermied es, den Kopf zu dem Nachbarn zu drehen, der gerade seine Wohnung verließ.
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    • Caleb

      Okay. Das half Calebs genereller Überforderung gerade absolut überhaupt nicht. Er hatte das Gefühl, dass er überhaupt nicht richtig zuhörte, während er noch verarbeitete, dass sich Richard soeben vor ihm auf die Knie geschmissen hatte. Ob er es doch irgendwie ernst meinte? Das alles war ein bisschen viel dafür, dass Richard ihn bloß wieder ins Bett bekommen wollte, oder? Aber was würde die Antwort auf diese Frage an der Gesamtsituation ändern? Es war aus zwischen ihnen. Daran durfte er nichts mehr ändern.
      "Er hat auch wirklich allen Grund, dich zu hassen", antwortete Caleb. "Du hast-" Er stockte, als sich die Tür zur Wohnung neben ihm öffnete und sein Nachbar auf den Flur hinaus trat. Der Mann, etwas älter als Caleb, zog die Tür hinter sich zu, richtete seine Jacke und stockte, als er sie sah, offenbar etwas überfordert mit der Situation.
      "Hey", grüßte Caleb knapp, was den Mann aus seiner Starre zu reißen schien. Er nickte ihnen kurz zu, bevor er offensichtlich entschied, dass er nichts mit alledem zu tun haben wollte und er das Treppenhaus ansteuerte. Super. Verdammt guter erster Eindruck. Wahrscheinlich durfte er jetzt wegen dieser furchtbaren Affäre mit Richard auch noch umziehen.
      "Komm rein." Caleb trat einen Schritt zurück und hielt Richard die Tür auf. Eigentlich war er ziemlich froh darum gewesen, Richard nicht in seiner Wohnung zu haben, aber lieber so, als dass gleich der nächste Nachbar vorbeikommen, oder sich jemand über den Lärm beschweren würde.
      "Ich wollte nicht nur Sex", griff er ihren Streit wieder auf, als er die Tür hinter Richard ins Schloss fallen ließ, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, ihn ins Wohnzimmer einzuladen, oder so. "Ich mochte dich, so abwegig das auch klingt und ich war dumm genug mir einzureden, dass es irgendwie funktionieren könnte. Dann magst du Ezra eben nicht. Na und? Ich bin davon ausgegangen, dass man sich als erwachsene Person ja auch einfach zusammenreißen und zivil miteinander umgehen kann, aber offensichtlich ist das zu schwer für dich. Aber du hattest ja auch nichts zu verlieren, oder?" Weil er sich vollkommen alleine in ihre Beziehung hineingesteigert hatte. Weil Richard offensichtlich nicht mal realisiert hatte, dass er Cal mögen könnte, bis sie sich getrennt hatten. War er ihm so selbstverständlich gewesen?
      "Ezra war außer sich, als ich ihm von uns erzählt habe und er hatte recht. Du hast von Anfang an versucht, ihre Beziehung zu manipulieren. Andrew hat uns erzählt, dass du ihn auf der Weihnachtsfeier geküsst hast. Wenn dir wirklich etwas an mir liegt, entschuldigst du dich bei den beiden und lässt uns dann in Ruhe. Warum sollte ich dir noch eine Chance geben?"
    • Richard

      Richard stand wie befohlen auf und war sofort wieder zwei Köpfe als Caleb. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass das nicht half. Aus seiner Perspektive konnte er den Blonden auch manchmal garnicht ernst nehmen. Obwohl… gerade nahm er ihn doch ziemlich ernst. Nach all dem wollte er ihn immer noch nicht zurück?! War es wirklich so furchtbar gewesen, einen Fehler zu machen und etwas dummes zu sagen? Er hatte- Oh.
      „Okay, erstens kann ich mich an die gesamte Willkommensfeier kaum erinnern, weil ich komplett betrunken war, und das würde ich nie tun, wenn ich einigermaßen klar im Kopf bin“, verteidigte er sich. Er wusste ja, dass Andrew nichts von ihm wollte. Er war eben frustriert und besoffen gewesen. Das konnte Andrew doch nicht ernsthaft so fertig gemacht haben, dass er es allen erzählen musste?
      Richard musste das vielleicht nochmal kurz überdenken. Er konnte das alles nicht wirklich nachvollziehen, aber wenn es Caleb ihm gegenüber positiver stimmte…
      „Schön, ich entschuldige mich bei beiden, aber glaub nicht, dass ich es dabei belasse“, drohte er, obwohl das vermutlich keine Drohung sein sollte. Außerdem sagte er gerade alles, um sich Sympathien zu sichern, und dachte kaum darüber nach, sich tatsächlich bei den beiden zu entschuldigen. Was war das hier, seine persönliche Entschuldigungs-Parade?
      Er seufzte angestrengt und sah sich kurz die Decke an, ungläubig dass er heute so viel aussprach, das er sonst nichtmal denken wollte. Er sah Caleb wieder an. „Es tut mir leid, dass ich gesagt habe, ich hätte nichts zu verlieren. Und dass ich Andrew auf der Willkommensfeier angemacht habe, auch wenn wir uns da noch nicht einmal kannten. Es tut mir auch leid, dass ich versucht habe, Ezra zu manipulieren, auch wenn wir uns da noch nicht kannten. Ich weiß, ich hab mein ganzes Leben lang ungefragt an Andrew geklebt, und ich fand es erschreckend, dass er auf einmal jemanden findet, den er über seine eigene Arbeit stellt, weil ich dachte, dass das der Grund ist, wieso ich keine Chance bei ihm hatte“
      Ew. Wo kam das jetzt her? Er stoppte kurz, weil sich das gerade mehr nach Therapiesitzung anfühlte als nach Entschuldigung. Er hatte noch nie so viel über diese Dinge geredet, und jetzt kam auch noch ungewollt etwas aus ihm raus, das er so meinte.
      „Jedenfalls… könnte ich Andrew sowieso nicht mehr ausstehen, so wie er jetzt ist. Aber ich mag dich, und ich habe etwas zu verlieren, und ich will einfach nur…“ Ja, was wollte er eigentlich? Seine Gefühle in Worte zu fassen war nie Richards Stärke gewesen, aber gerade hatte er das Gefühl, seine Gefühle gleich auszukotzen. Ihm stiegen langsam Tränen in die Augen, teils aus Frust, teils aus… irgendeinem Grund, den er nicht betiteln konnte.
      „Du bist der einzige Mensch, der mich nicht unglaublich anpisst, und ich verbringe gern Zeit mit dir, egal wie“, sagte er etwas leiser und konzentrierte sich aktiv darauf, dass seine Stimme nicht anfing, zu zittern. „Ich meine das ernst, ich mache was auch immer du willst, damit du mir noch eine Chance gibst“ Er schluckte. „Bitte?“
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    • Caleb

      Wenn ihm irgendwann mal jemand gesagt hätte, dass ihn jemand wegen einer Beziehung anbetteln würde, hätte Caleb die Person für vollkommen durchgedreht gehalten. Er war niemand, dem man nachlief, dafür war er viel zu pessimistisch, viel zu unscheinbar. Was offenbar alles Eigenschaften waren, die Richard mochte, so seltsam es auch klang. Obwohl er selbst Richard ja auch gemocht hatte. Wahrscheinlich waren sie einfach beide vollkommen durchgedreht und reif für eine Anstalt.
      “Der Fakt, dass wir uns damals noch nicht kannten, macht das alles nicht besser”, merkte er an, während er Richard kritisch musterte. Es war irgendwie frustrierend. So, als würde Richard ihm zwar zuhören, ihn aber nicht richtig verstehen wollen. Caleb wäre auch dann nicht beeindruckt gewesen, wenn er irgendjemanden, den er nicht kannte, auf der Party geküsst und versucht hätte, seine Beziehung zu manipulieren.
      Das Problem war nur, dass er ihm glauben wollte. Er wollte Richard glauben, dass er so sehr an ihm hing, dass er vor ihm auf die Knie fiel, um nach einer zweiten Chance zu fragen. Vor allem, nachdem er selbst ja auch irgendwie sowas wie eine zweite Chance bekommen hatte, nachdem er bei ihrem ersten One Night Stand versucht hatte, ihm den Stein zu stehlen. Richard hatte damals auch allen Grund gehabt, ihm nicht mehr zu vertrauen und hatte sich trotzdem auf ihn eingelassen. Genau so, wie Caleb schonmal ignoriert hatte, dass Richard versucht hatte, sich zwischen Ezra und Andrew zu drängen und jetzt damit leben musste, dass seine Beziehung zu den beiden litt.
      Irgendwie drehten sich seine Gedanken im Kreis. Er wusste selbst nicht mehr, ob er für oder gegen Richard argumentierte, während er ihn ansah und versuchte, irgendeine Entscheidung zu treffen. Caleb hin immer noch an ihm. An den wenigen stillen Momenten zwischen ihnen, wenn er sich dazu hinreißen gelassen hatte, Hoffnung auf eine normale Beziehung zu entwickeln. An geteilten Zigaretten und Regenschirmen.
      “Ich kann das nicht.” Caleb hatte das Gefühl, vollkommen neben sich zu stehen, als er die Worte aussprach. So, als würde er gar nicht mehr selbst entscheiden, was er sagte. Aber Ezra war ihm zu wichtig, um Richard noch eine Chance zu geben. Oder? Egal, wie gut Richard darin war, ihm genau das zu sagen, was er hören wollte. Warum hätte ihn die Erkenntnis, dass er Cal mochte, nicht einfach drei Wochen früher treffen können?
      “Es ist wirklich besser, wenn du jetzt gehst.”
    • Richard

      „Okay, es macht es nicht besser“, stimmte Richard zu. „Dass ich das nicht nochmal machen würde, versteht sich von selbst“ Er konnte sich vielleicht an seine eigenen Gedankengänge an dem Abend nicht mehr richtig erinnern, aber der Schlag in die Magengrube war noch zwei Tage später spürbar gewesen. Insofern hatte er Andrew wohl wirklich zu sehr mit der Sache schockiert, wenn er sich derartig wehrte. Das Ganze war aber sowieso eine Verletzung von Richards Ego gewesen, also nein, er würde es nicht nochmal machen.
      Sein Mund fiel etwas auf und er starrte Caleb sprachlos an, als er schon wieder damit anfing, dass er gehen sollte. Oh, nein. Das war definitiv nicht etwas, wo Richard sich damit abfinden würde, dass er ‚nicht bekam was er wollte‘.
      „Ich denke, es ist besser, ich bleibe“, widersprach er ungläubig. „Du… du… willst mir ernsthaft sagen, dass du meine Entschuldigung nicht annimmst? Ich will wirklich nichts von Andrew, meinetwegen lächle ich Ezra auch an, wenn ich ihn sehe, solang ich Ohrstöpsel benutzen darf, wenn er redet“ Richard verzweifelte langsam etwas. „Ich verstehe nicht… warum das alles jetzt so ein Problem ist, obwohl du wusstest, worauf du dich einlässt. Weil dein Bruder mich nicht leiden kann? Das reicht?“ Richard stieß frustriert Luft aus. „Du gibst mir nichtmal die Chance, mich bei ihm zu entschuldigen, bevor du mich gleich aus der Tür trittst“
      Er legte seine Hände an seinen Hinterkopf und starrte erneut einen Moment lang an die Decke. Er dachte nach. Was zur Hölle könnte Caleb von ihm wollen? Er hatte Richard bestohlen und ihn danach von seinen schlechtesten, genervtesten Seiten gesehen und wollte trotzdem mit ihm zusammen sein, und jetzt, nur weil sein Bruder sich beschwerte, war es für immer aus? Richard hatte vieles gesagt, das er nicht hätte sagen sollen, aber Caleb schien ihm ja auch nicht glauben zu wollen, dass er es bereute.
      „Ich weiß nicht, was ich noch machen soll“, murmelte er. Er ließ die Arme zu seinen Seiten fallen. „Vielleicht hast du recht und du hast einfach was besseres verdient“ Er zuckte mit den Schultern. Klar, jemand der besser darin war, seine Gefühle auszudrücken oder so, falls es das war, das Caleb wollte. In jedem anderen Lebensbereich konnte er kaum was besseres finden als Richard.
      Er war kurz davor, sich umzudrehen und aus der Tür zu gehen. Ganz kurz. Ihm fiel nunmal nichts mehr ein, das er sagen könnte. Er konnte nicht nachvollziehen, wieso Caleb so stur war. Er verstand, was er falsch gemacht hatte, aber nicht wieso es für Caleb ein Dealbreaker war. Er hatte vielleicht ein paar heftigere Fehler gemacht, als so mancher anderer, aber sagte man nicht, dass Menschen eben Fehler machten und man ihnen vergeben sollte, oder so? Sagte man das nicht?
      Trotzdem weigerte sich etwas in Richard, es hierbei zu belassen. Vielleicht war er selbst krankhaft stur. Ja, ziemlich sicher sogar. Er konnte sich nicht mit dem Gedanken abfinden, Caleb nie wieder zu sehen. Er war sich nunmal genauso sicher, dass er niemanden finden konnte, den er so aushielt wie Caleb, wie dass der Blonde niemanden finden konnte, der besser war, als Richard. Irgendetwas sagte ihm, dass diese Beziehung auf mysteriöse Art und Weise funktionieren konnte.
      Und damit… „Ich setze mich jetzt… hier hin“, warnte er vor und ließ sich auf die Knie nieder, gleich vor der Türe. „Ich will nicht gehen“ Er hielt den Blick auf seine eigenen Hände gerichtet, die etwas verkrampft auf seinen Oberschenkeln lagen.
      „Ich will, dass du mir sagst, was du von mir willst, damit du mir noch eine Chance gibst“, sagte er stur. „Ich weiß, ich hab dich verletzt, und das tut mir leid. Ich bin… nicht gut darin, Beziehungen zu führen“ Er schluckte. „Und ich weiß auch nicht, was ich noch sagen oder tun soll, darum wäre es nett, wenn du mir sagst, was du von mir willst, damit ich es machen kann. Bis… bis dahin bleibe ich hier sitzen, sorry“ Er sah nicht mehr auf, weil er das Gefühl hatte, Calebs wütendes Gesicht würde gerade etwas in ihm auslösen, das er lieber nicht aus dem Käfig holen wollte. „Bitte gib mir noch eine Chance, Cal“, murmelte er.
      Selbst wenn er jetzt noch eine Chance bekam, hatte er das Gefühl, nie wieder irgendjemandem in die Augen sehen zu können. Er hatte das armseligste Stadium seines Lebens erreicht, und das binnen nur ein paar Minuten. Wenn er das nochmal machen musste, würde er sich wahrscheinlich vorher eher von einer Brücke stürzen.
      “Es tut mir leid, bitte verzeih mir“
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    • Caleb

      Aufgeben. Richard sollte aufgeben, nach Hause gehen und Caleb die Zeit geben, über all das hier nachzudenken. Aktuell hatte er das Gefühl, zu ersticken. Natürlich war das alles ‘nur wegen Ezra’. Er war seine Familie. Familie stand immer an erster Stelle und er hatte ihn schon mal verloren. Er wollte das nicht nochmal riskieren. Da war es doch egal, wie schlecht es ihm selbst bei der Entscheidung ging, oder? Er würde irgendwann darüber hinwegkommen und wahrscheinlich furchtbar erleichtert darüber sein, weiteren Herzschmerz durch Richard vermieden zu haben. Denn da würden sie immer wieder enden. Keiner von ihnen beiden war wirklich beziehungsfähig. Und trotzdem.
      “Ich-” Caleb stockte. Eigentlich konnte Richard nichts tun, was ihn irgendwie umstimmen würde, solange er nicht zufälligerweise die Zeit zurückdrehen konnte. Was passiert war, war passiert und irgendwas davon würde immer bleiben, selbst wenn diese Beziehung wider erwartend irgendwie funktionieren sollte. Sie waren sowieso von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Aber Richard würde nicht hier sitzen, wenn es ihm nicht wirklich ernst wäre, oder? Und war es nicht gerade das, was Cal immer gewollt hatte? Jemanden, der sich ernsthaft für ihn interessierte?
      Caleb seufzte, während seine eigene Überforderung ihn langsam, aber sicher zum nächsten Nervenzusammenbruch führte. Es war unfair. Alles, was er haben wollte, fühlte sich zum greifen nah an, aber er wusste, dass es nicht funktionieren würde. Er würde sich zwischen Richard und Ezra entscheiden müssen, was objektiv betrachtet so lachhaft einfach war, wenn seine Gefühle ihm nicht im Weg stehen würden. Wollte er weiterhin einfach am Rand stehen, während alle anderen um ihn herum jemanden fanden, mit dem sie glücklich wurden? Wäre er ernsthaft glücklich, wenn er mit Richard zusammen wäre? Oder würde er die ganze Beziehung nur damit verbringen, sich zu fragen, wann der nächste Streit kam? Die nächste Trennung? Das nächste gebrochene Herz, ohne dass ihn jemand auffangen würde?
      “Ich will, dass du dich aufrichtig bei Ezra und Andrew entschuldigst”, wiederholte Caleb, während er überfordert seine Arme um sich selbst schlang. “Ich will-” Was noch? Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte mal gefragt worden war, was er wollte und noch weniger daran, die Frage mal ehrlich beantwortet zu haben. Außerdem kam ihm nichts von dem, was er wirklich wollte, irgendwie realistisch vor. Es gab keine Lösung, mit der sie alle glücklich waren. "Ich will keinen Sex ohne Gefühle mehr. Ich will...Dates und einfach eine normale, langweilige Beziehung, ohne Drama. Ich möchte kein Trostpreis sein, an den du nur denkst, wenn du jemand anderen nicht haben kannst. Aber das bekommen wir nicht hin." Das war nicht ihr Stil, die Chance hatten sie verpasst.
      "Ich kann das nicht mehr." Caleb presste die Lippen aufeinander, während das altbekannte Gefühl, gleich losheulen zu müssen, in ihm aufstieg.
    • Richard

      Er konnte noch so fit sein, aber Richard war nicht für das am Boden sitzen gemacht. Seine Knie taten weh. Umso mehr kam es ihm wie eine Erlösung vor, als Caleb hoffentlich zu dem Satz ansetzte, den Richard hören wollte. Oder, naja, zu den Dingen, die er tun sollte. Er hob den Blick und wartete ab, was jetzt kam. Das mit dem Entschuldigen hatten sie ja bereits geklärt. Gut, offenbar musste Richard das wirklich machen. Das würde ja super laufen. Wenn Andrew ihm nicht vor Calebs Augen vergab, würde er ihm später selbst mal eine reinhauen.
      Eine langweilige Beziehung ohne Drama… diese paar Worte hörten sich mal so überhaupt nicht nach Richards Lifestyle an. Aber das war okay. Irgendwie war das ja wohl eh, was er wollte, auch wenn er es nicht gleich… langweilig genannt hatte. Eine Beziehung musste nicht langweilig sein, oder? Eigentlich könnte er gut damit leben, wenn es so war, wie vorher, nur mit mehr Dates. Sex ohne Gefühle ging ja nicht mehr, nachdem sie… beide… Gefühle entwickelt hatten. Vielleicht sollte Richard auch an seiner automatischen Abneigung gegen diese Worte arbeiten.
      „Das ist kein Trostpreis, ich hab dich nur zu spät kennengelernt“, sagte Richard ernst. Hätte er mit Achtzehn die Wahl zwischen einem neurotischen Workaholic mit heimlicher Kitsch-Ader und einem suizidgefährdeten Gremlin gehabt, hätte er auch den Gremlin gewählt. Abgesehen davon, dass er nie eine Wahl gehabt hatte, weil seine innere Homophobie jede Freundschaft mit Andrew zerstört hatte. Und… Andrew mochte ihn einfach nicht. Richard hatte zu spät realisiert, dass er Andrew eigentlich auch nicht richtig mochte. Er war eben… da gewesen, zum richtigen Zeitpunkt. Das war‘s. Caleb war zum denkbar falschesten Zeitpunkt da und Richard stand trotzdem unheimlich auf ihn. Das war Schicksal.
      Seine Stirn legte sich langsam in Falten, als aus Calebs nervösem Herumgeschaukle plötzlich ein Gesichtsausdruck wurde, der ‚ich heule gleich‘ schrie. Verdammt, das ganze Casual-Sex Thema hatte ihn wahrscheinlich mehr mitgenommen, als Richard gedacht hatte. Manche Menschen waren dafür wohl einfach nicht geeignet.
      Er stützte sich auf und stand langsam auf, bis er wieder über Caleb türmte und er Richard wieder ein bisschen an einen psychisch kaputten Chihuahua erinnerte.
      „Wir können auf Dates gehen, wann immer du willst“, versicherte Richard ihm. Er wusste nicht genau, ob es seine Chancen wieder verschlechtern oder verbessern würde, wenn er Caleb auf irgendeine Art berührte. Leider war das sein Instinkt, den er jetzt herunterschluckte „Und… ich schwöre dir, du bist nicht die 2. Wahl“
      Richard hob doch eine Hand und strich Caleb kurz über den Oberarm. „Falls du jemals einen persönlichen Koch oder Fitness Trainer haben wolltest, solltest du das jetzt auf die Liste setzen, bevor du es irgendwann bereust“, murmelte Richard um ihn etwas aufzulockern.
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    • Caleb

      Er konnte ihm alles erzählen. Caleb würde erst wissen, wie ernst Richard es tatsächlich meinte, wenn er sich nochmal auf ihn einlassen würde, was definitiv falsch war, aber so unglaublich verlockend klang. Es würde keine gute Beziehung werden, aber wenigstens wäre er ein bisschen glücklich, oder zumindest abgelenkt genug von all den anderen Dingen im Leben, die ihn runter zogen, um sich nicht ganz so furchtbar zu fühlen. So war es vorher auch gewesen. Er hatte gewusst, dass es falsch war, sich auf Richard einzulassen, aber wie konnte er widerstehen, wenn er sich immer ein wenig leichter gefühlt hatte, wenn er mit ihm zusammen war?
      "Ich würde eher dich und dann mich selbst erschießen, als auch nur daran zu denken, mit Sport anzufangen", antwortete er trocken, während Richards Hand an seinem Arm eine Gänsehaut auslöste. Er wollte sich instinktiv in die kleine Geste hineinlehnen, zwang sich aber selbst dazu, einfach stehen zu bleiben. Zum Glück hatte der Pullover lange Ärmel.
      "Aber ich will von vorne anfangen. Mindestens drei Dates, bevor ich auch nur daran denken, wieder zusammen im Bett zu landen. Falls wir es überhaupt bis dahin miteinander aushalten." Was bei einer normalen Datingsituation wahrscheinlich verschwindend gering war, aber es wäre albern so zu tun, als ob sie sich vorher noch nie gesehen hätten. "Es müssen keine außergewöhnlichen Dates sein. Ich möchte einfach nur nicht wieder sofort in das alte Schema zurückfallen", erklärte er, um...warum überhaupt? Es war nicht so, als ob er sich irgendwie erklären müsste. Richard hatte ihn darum gebeten ihm zu sagen, was er wollte und das würde er auch bekommen und wenn es ihm doch zu viel war, sollte es eben doch nicht sein.
      "Das ist deine letzte Chance. Wenn du das nächste mal einen Sitzprotest in meinem Flur anfängst, gehe ich einfach und kündige den Mietvertrag, wenn es sein muss. Dann kannst du sitzen, so lange du willst." War es nicht schon ein schlechtes Omen, dass Caleb jetzt schon über ihr nächstes Beziehungsende nachdachte? Aber all die Leichtigkeit, die er sonst um Richard herum gefühlt hatte, schien er in dem Taxi in Russland zurückgelassen zu haben. Jetzt gerade fühlte er sich einfach müde.
      "War es das? Bist du jetzt glücklich?"
    • Richard

      „Vielleicht würdest du weniger daran denken, dich selbst und andere zu erschießen, wenn du mit dem Sport anfangen würdest“, warf Richard ein. Er ließ seine Hand fallen. Wenigstens sah Caleb nicht mehr so verzweifelt aus. Es war ein unangenehmes Gefühl, zu wissen, dass Richard der Gründ für die Verzweiflung war. Sie hatten zwar nicht sehr gut in ihre Situationship gestartet, aber es hätte wenigstens Spaß machen sollen. Und nicht so enden.
      „Du hast mich schon ziemlich lange ausgehalten, ich bin optimistisch“, sagte er und zuckte mit den Schultern. Außerdem war es interessant, dass Caleb bereits wieder von Sex sprach. Gut, das war auf jeden Fall ein Pluspunkt zwischen ihnen, der auch auf Richards Liste ganz weit oben stand, aber drei Dates waren nun wirklich keine große Herausforderung, vor allem weil Caleb keine Zeitabstände genannt hatte. Was, wenn sie einfach mal Freitag, Samstag, Sonntag durch-dateten?
      War er jetzt glücklich? Richard scheiterte, sein Grinsen zurückzuhalten. „Ja“
      Er hatte heute ein Ziel gehabt und das hatte er erreicht. Auch wenn er jetzt vor Andrew und Ezra auf dem Boden kriechen musste. Ein kleiner Verlust im Vergleich dazu, was er gewonnen hatte. „Das war übrigens kein Sitzprotest. Es kam mir nur falsch vor, dass du aus meiner Perspektive immer so klein und niedlich aussiehst. Das hat mich von meiner Entschuldigung abgelenkt. Okay, das zweite war ein Sitzprotest“
      Ja, und jetzt? Sollte er gehen? Irgendwie wollte er schonmal fragen, was Caleb für ein Date in den Sinn kam, aber dann dachte er, dass er das alles vielleicht besser der Reihe nach anging und zuerst Andrew und Ezra anpeilte. Das hieß dann wohl, er sollte gehen.
      „Keine Ahnung, ob du mitkommen und zusehen willst, aber ich würde Andrew dann mal anrufen und sehen, ob er überhaupt rangeht, damit ich meine Entschuldigung schedulen kann“, meinte er während er seinen Hoodie zuzippte und sich bereit machte, wieder in die Kälte hinaus zu seinem Auto zu gehen. „Dann… ruf ich dich an, sobald ich was weiß, oder so“
      Das war ein wenig seltsam. Es fühlte sich zwischen ihnen definitiv nicht an, wie vorher. Vermutlich brauchte das eine Weile. Trotzdem war es irritierend und Richard hatte eine seltsame Skepsis in sich, dass Caleb ihn überhaupt nochmal kontaktieren würde nachdem er seine Wohnung verlassen hatte. Vielleicht änderte er seine Meinung. Dann musste Richard sich wohl wirklich einen nächsten Sitzprotest überlegen.
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    • Caleb

      "Das...ist ein interessanter erster Satz, nachdem ich dir gerade gesagt habe, dass du nur eine Chance hast." Caleb war weder klein, noch niedlich, Richard war einfach absurd groß und durchtrainiert. Was offensichtlich doch voll Cals Typ war, egal, wie oft er sich eingeredet hatte, dass es nicht so war. Es war frustrierend, aber damit musste er sich jetzt wohl abfinden. Immerhin hatte er, aus welchem Grund auch immer, zugestimmt, es nochmal mit Richard zu versuchen, was er irgendwie jetzt schon bereute.
      "Mach das", antwortete er, als Richard offenbar den Schwung seiner ersten Entschuldigung nutzen wollte, um genau so bei Andrew und Ezra weiter zu machen. Caleb musste dafür nicht unbedingt dabei sein, er würde so oder so erfahren, wie es gelaufen war und er wusste selbst nicht, ob er hoffen sollte, dass sie Richard vergeben würden, oder nicht. Was eigentlich auch nicht wirklich Punkt seiner Voraussetzung für die zweite Chance gewesen war. Wenigstens würde sich Richard bei ihnen - hoffentlich - von Anfang an mehr Mühe geben und es nicht erst mit der furchtbarsten Entschuldigung der Welt versuchen. Wahrscheinlich sollte er Ezra trotzdem vorwarnen, auch, wenn der ihn für vollkommen verrückt halten würde. Nicht ganz unberechtigt.
      "Dann...sehen wir uns." Caleb warf ihm das höflichste Lächeln zu, das er zustande brachte, bevor er kurz zur Tür nickte.

      Er wusste immer noch nicht ganz, was gerade passiert war, als er es fünf Minuten später endlich schaffte, den Blick von der Tür, die er hinter Richard geschlossen hatte, zu lösen und ins Wohnzimmer zurück zu gehen. Das alles war absolut durcheinander und er hatte keine Ahnung, wie er sich gerade fühlen sollte. Glücklich? Genervt? Momentan war da irgendwie nur Panik, wenn er daran dachte, Ezra anzurufen und ihm zu erzählen, was wohl auf ihn zu kam. Es half absolut nicht, dass sein Lieblingsbruder sich natürlich genau diesen Tag ausgesucht hatte, um ihm nach ihrer Funkstille anzubieten, vorbei zu kommen. Caleb las die kleine Nachricht zwei mal, bevor er tief durchatmete und auf Ezras Kontakt tippte, um ihn anzurufen.
      "Hey!", meldete Ezra sich, vielleicht eine Spur zu fröhlich.
      "Hi."
      "Und? Hast du Lust, vorbei zu kommen?" Caleb war für eine Sekunde irritiert, bevor ihm bewusst wurde, dass es für Ezra natürlich so wirken musste, als ob er wegen seiner Nachricht anrief.
      "Oh. Ähm. Gerne. Ich...Ich wollte nur..." Er hätte sich vielleicht Stichpunkte machen sollen, oder so.
      "Cal? Alles okay?"
      "Ja. Ich bin nur etwas...durcheinander. Richard stand gerade vor der Tür", überwand er sich schließlich. Es half ja sowieso nichts, um den heißen Brei zu reden.
      "Oh. Wirklich alles okay? Er hat dich nicht irgendwie bedrängt, oder so?" Ezra klang ernsthaft alarmiert. Was die ganze Sache nur noch schlimmer machte.
      "Nein." Also. Doch. Schon irgendwie, aber Cal hatte ja freiwillig nachgegeben. "Er...er wollte offensichtlich eine zweite Chance."
      "Du hast das Abgelehnt, oder? Cal? Du hast nein gesagt, richtig?", fragte Ezra, während man Kinderlachen im Hintergrund hören konnte. Gott, bei dem ganzen Durcheinander hatte Caleb die Kinder vollkommen vergessen.
      "Ich hab ihm gesagt, dass er sich erst bei Andrew und dir entschuldigen soll. Ich weiß auch nicht, ich war irgendwie vollkommen überfordert und-"
      "Durchatmen, Cal. Atme einmal tief durch." Wenigstens klang Ezra weniger wütend und mehr besorgt. "Weißt du was? Ich komme morgen früh einfach direkt bei dir vorbei und dann schauen wir zusammen, was wir machen, okay?"
      "Nein, ich...ich komme selbst damit klar. Ich wollte euch nur vorwarnen." Caleb kniff die Augen zusammen. Er musste Ezra definitiv noch nicht erzählen, dass er der zweiten Chance gar nicht so abgeneigt gewesen war. Das hatte Zeit bis nach der Entschuldigung, nicht? Er musste ja erst mal selbst mit seinen Entscheidungen klar kommen.
      "Okay", antwortete Ezra, wenig überzeugt. "Pass nur bitte auf dich auf und stell nichts dummes an. Und komm mal vorbei. Einfach so. Wir müssen ja nicht über ihn reden. Wir, ähm, also, Andrew und ich haben uns dazu entschieden, die Kinder zu adoptieren und müssen jetzt nach einem neuen Haus schauen und Budgetieren und so. Vielleicht lenkt dich das ja ein bisschen ab."
      "Oh. Das freut mich für euch." Caleb hasste sich selbst dafür, wie teilnahmslos er klang. Er freute sich wirklich. Er hatte nicht viel von den Kindern gesehen, aber sie wirkten niedlich. Er war nur gerade mit seiner eigenen Gefühlslage dermaßen ausgelastet, dass neue Eindrücke einfach keinen Platz mehr hatten. "Wir können und da ja nochmal abstimmen", schob er nach. "Ich, ähm, bis...bis dann."
      "Bis dann."
      Caleb starrte kurz auf das Handy in seinen Händen, bevor er den Blick hob und wieder zum Fernseher sah. Okay. Jetzt musste er nur irgendwie sortieren, was er wollte. Er seufzte, bevor er nach der Fernbedienung griff und seinen Film fortsetzte.
    • Richard

      Die Kombination aus Calebs gezwungenem Lächeln, der seltsamen Stimmung und Richards absolut peinlicher Entschuldigung, wirkte erst im Auto so richtig. Er musste eine Weile sitzen und durch die Windschutzscheibe starren. Er konnte nicht glauben, was er alles gesagt hatte. Dass er sich tatsächlich wie ein trotziges Kind auf den Boden gesetzt und gebettelt hatte. Dass Caleb ihm bestimmt drei Mal gesagt hatte, er wollte nichts von ihm und dass er gehen sollte, aber er so hartnäckig geblieben war, dass er letztlich doch bekommen hatte, was er wollte, auch wenn es sich nun irgendwie falsch anfühlte. Als hätte Cal das am Ende nur gesagt, um ihn endlich loszuwerden. Hätte sich jemand bei ihm vor die Tür gesetzt und zu betteln, wäre Richards Geduldsfaden auch gerissen. Außer es wäre Caleb gewesen. Das hätte er genossen. Und wie.
      Richard seufzte, drehte die Heizung wieder eine Spur herunter und parkte aus. Er konnte sowieso nicht in die Zukunft sehen, also musste er das jetzt Schritt für Schritt angehen. Über die Freisprechanlage seines Autos rief er Andrew an. Die Wahrscheinlichkeit, dass er ranging, war hoffentlich nicht allzu gering, nachdem sie Kollegen waren. Und Richard behielt Recht.
      „Hallo“, kam es ihm unfreundlich entgegen. Noch genervter hätte man ein einziges Wort wohl nicht aussprechen können.
      „Hi“, sagte Richard. Er wollte am liebsten gegen den nächsten Baum fahren. „Hör mal, ich fände es gut, wenn wir uns demnächst treffen könnten um über… den Vorfall im Krankenhaus zu reden, und alles davor“
      „…“
      „Andrew?“
      „Wieso? Ich hab keine Zeit für sowas“
      Richard presste die Lippen zusammen. Klar, er hatte damit rechnen können. „Weil ich mich entschuldigen will. Ich seh ein, dass ich mich falsch verhalten habe. Können wir das bitte in Person besprechen?“ Er konnte den irritierten Blick fast durchs Telefon spüren.
      „Ist das dein ernst?“
      „Denkst du, ich würde aus Spaß anrufen?“
      „Wenn du direkt wieder unfreundlich wirst, kannst du es vergessen“
      Verdammt, dieser anstrengende Spinner! „Nein, tut mir leid. Sag mir bitte, wann Ezra und du ein paar Minuten dafür Zeit haben“ Wie schnell konnte er von hier aus eigentlich zur nächsten Brücke fahren?
      „Ja… schön… ich schreib dir. Ich muss ihn erst mal fragen“
      „Danke“
      Kotz, würg, brech. Wenn Caleb es sich danach anders überlegte, konnte er was erleben.
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    • Ezra

      Calebs Anruf war nicht unbedingt das, was er gerade brauchen konnte. Er war halbwegs darauf vorbereitet gewesen, ihn auf einen Kaffee einzuladen und so zu tun, als ob nichts passiert wäre, während er ihm von den Kindern erzählte, oder davon, dass sie ein neues Haus suchten, oder den neusten Promi-Tratsch, oder über das letzte Buch, was er gelesen hatte, oder sonstwas. Irgendetwas ungezwungenes, nettes. Er hatte nicht damit gerechnet, sich gleich wieder den Kopf über Richard zerbrechen zu dürfen, der es offenbar eiliger gehabt hatte, als gedacht. Zumindest hatte Ezra keine Zeit mehr gehabt, Andrew vorzuwarnen, bevor auch sein Handy geklingelt hatte.
      Entweder hatte Richards Obsession einfach die Person gewechselt, oder er versuchte, über Cal irgendwie in ihrem Leben zu bleiben. Ezra wusste nicht, welches Szenario schlimmer war, aber Caleb tat ihm auf jeden Fall leid, auch, wenn es nicht gerade ideal war, dass er Andrew und ihn gleich mit ins Chaos gezogen hatte. Dafür hatte er wenigstens angeboten, zu babysitten, als sie Richard angeboten hatten, sich Sonntags in einem Café in der Nähe zu treffen. Ezra war ein wenig erschrocken darüber gewesen, wie müde sein Bruder ausgesehen hatte, als er ihm die Tür geöffnet hatte. Caleb war schon als Kind immer etwas wehleidig gewesen, aber offenbar hatte sein Level an Selbstmitleid über die letzten Jahre noch etwas zugenommen. Aber er versicherte, dass es ihm gut ging und sie hatten nicht genug Zeit, um das zu hinterfragen. Sie mussten los und Niko hatte in Caleb offenbar schon ein neues Opfer gefunden, das er auf seinem niedlichen Englisch-Russisch zutexten konnte.

      “Ich hoffe, dass er sich wenigstens kurz fasst”, murmelte Ezra, als Andrew sein Auto parkte. Es war ein wirklich schöner Sonntag,sonnig, wolkenlos und überraschend warm, was ihm irgendwie unpassend vorkam. Sie sollten jetzt mit den Kindern auf dem Spielplatz sein und nicht hier sitzen und sich mit furchtbaren Menschen befassen müssen.
      Wenigstens war das Café angenehm belebt. Ungefähr die Hälfte der Tische war bereits mit anderen Leuten besetzt, die sich unterhielten, tratschten und lachten. Die Tische waren liebevoll mit einzelnen Blümchen geschmückt worden, die zum Frühling passten, während sich grüne und gelbe Servietten abwechselten. Wie schon das Wetter, sah auch das Café viel zu fröhlich aus. Sie steuerten einen der leeren Tische am Rand mit grünen Servietten an, aus dem simplen Grund, dass Max ebenfalls immer zu grün tendierte und das bestimmt ein gutes Zeichen war, auch, wenn der kleine Junge gerade nicht dabei war.
      “Ich freue mich auf den Sommer”, seufzte Ezra, während er Andrew die Getränkekarte zuschob und das kleine Dekoblümchen zur Seite stellte.
    • Andrew

      "Ich auch", murrte Andrew während er Ezra zum nächsten Tisch folgte. Er hatte absolut keine Lust auf diese ganze Vorstellung. Natürlich entschuldigte Richard sich nur, um es Caleb recht zu machen. Warum musste der sie da mit reinziehen? Andrew brauchte keine Entschuldigung von Richard, er brauchte es, dass Richard auf eine Insel zog und nie zurück kam. Aber scheinbar wurde man ihn einfach nie wieder los, wenn man unglücklich genug gewesen war, ihm einmal zu begegnen.
      Andrews Stimmung ging seit seinem Anruf den Bach runter. Sie hatten viel zu tun. Er musste sich mit seinen neuen Aufgaben zurechtfinden, sie suchten nach einem Haus und auch wenn sie nun vier Arme für die Kinder hatten, waren es trotzdem drei kleine Kinder, die viel Aufmerksamkeit brauchten. Aber statt ihnen mal etwas Eingewöhnungszeit zu gönnen, beschenkte das Universum sie mit einem Psychopathen, der sie in seine Pläne zog, ein neues Opfer um den Finger zu wickeln. Mal ehrlich, was stimmte mit Caleb nicht? Andrew hatte sich mit der Situation abgefunden, nachdem Caleb mit Richard abgeschlossen hatte. Er hatte Andrew sogar leid getan, weil er sich einreden wollte, dass das alles einfach nur ein seltsamer Zufall war und Caleb ein zu schwaches Selbstbewusstsein hatte, um sich von jemandem abzuwenden, der ihm offenbar Aufmerksamkeit schenkte. Es war mehr als offensichtlich, dass Richard ihn ausnutzte, vor allem nachdem er nun akzeptieren musste, dass Ezra und Andrew sich nicht trennen würden.
      "Ich kann nicht behaupten, dass ich mich auf den Sommer freue, aber ein Sprung auf zwei Monate in die Zukunft wär mir trotzdem recht", murmelte er und warf einen schnellen, uninteressierten Blick auf die Karte. Er nahm sowieso den Espresso. Er war heute alles andere als aufgelegt, irgendetwas Neues zu probieren und nichtmal die Kuchenvitrine sprach ihn an. Er wollte das alles bloß hinter sich bringen und seine schlechte Stimmung der letzten zwei Tage wieder loswerden, bevor er die Kinder unabsichtlich zum Weinen brachte.
      Andrew rollte fast automatisch mit den Augen, als sein guter Blick auf den Eingang ihm erlaubte, Richard sofort zu sehen, als er die Tür öffnete. Er sah aus, wie immer. Deutlich zu sportlich angezogen, nicht gestylt, und trotzdem könnte man ihm glauben, dass er nachher ein Date hatte. Nur das altbekannte Grinsen fehlte, das Andrew immer die Straßenseite wechseln lassen wollte.
      Der Dunkelhaarige zog den Sessel neben Andrew zur Seite und setzte sich. "Hab gehört, der Karottenkuchen ist gut", übersprang er die Begrüßung. Andrew konnte nicht anders, als sofort die Stirn zu runzeln und so vermutlich für den Rest dieses kleinen Treffens auszusehen.
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    • Ezra

      Ezra war gerade drauf und dran, Andrew den Sommer zumindest ein bisschen schmackhaft zu machen - lange Abende, die man draußen sitzen kann, Eis essen, mit den Kindern schwimmen gehen - als Richard reinkahm und sich auf den Stuhl neben Andrew setzte. Es war überraschend, wie krass Menschen sofort die Stimmung verändern konnten. Richard, zum Beispiel, war unfassbar gut, sofort jegliche Freude aus seiner Umgebung zu ziehen und selbst das freundliche Café ein wenig trist wirken zu lassen. Das perfekte Gegenteil zum typischen 'Lächeln, das den Raum zum strahlen brachte', was ihn leider als Mordopfer disqualifizierte. Wäre auch zu einfach gewesen.
      "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nicht hier sind, um Tipps über Kuchen auszutauschen", antwortete Ezra knapp. Eigentlich...wollte er gar nicht hier sein, aber nach Calebs kleiner Erklärung, was passiert war, hatte er schlicht befürchtet, Richard gar nicht mehr los zu werden, wenn sie das Treffen ablehnen würden. Außerdem hatte er irgendwie das Gefühl, es später zu bereuen, wenn er Cal mit der ganzen Situation alleine lassen würde. Er hatte selbst nicht sonderlich begeistert geklungen, als er von Richards Entschuldigung erzählt hatte, was das einzige war, was Ezra irgendwie hoffen ließ, dass Cal doch noch zur Besinnung kam und Richard einfach fallen ließ. Ghosting war heutzutage doch sowieso salonfähig, oder nicht?
      Zum Glück folgte Richard sofort ein Kellner, der ihre Bestellung aufnahm und wieder hinter die kleine Theke verschwand, hoffentlich nicht zu verstört von der komischen Energie zwischen ihnen, aber es war vollkommen unmöglich, irgendwie sympathisch wirken zu wollen, solange Richard in der Nähe war. Je länger Ezra darüber nachdachte, dass Richard es geschafft hatte, sich wieder zurück in ihr Leben zu wieseln, desto wütender wurde er.
      "Wir gehen, sobald wir ausgetrunken haben", informierte er ihn, bemüht, möglichst ruhig zu klingen. Es brachte nichts, wenn sie sich in einem Café stritten. "Also denke ich, dass du ungefähr 15 Minuten hast." Vielleicht ein bisschen weniger, wenn Andrews Kaffee und der Tee, den Ezra sich bestellt hatte, nicht ganz so heiß ankamen. Hoffentlich weniger.
    • Richard

      Die Stimmung war mies, war wohl zu erwarten gewesen war. Innerlich verfluchte Richard Calebs seltsame Vernarrtheit in seine Familie ein wenig. Wer brauchte schon den Segen von irgendjemanden, an den man bloß durch seine Geburt gebunden war? Richard fraß seine eigene Wut darüber, mit diesen zwei Idioten an einem Tisch gelandet zu sein, in sich hinein, und reagierte auf Ezras Ablehnung zum Kuchen einfach nicht. Fünfzehn Minuten, hm? Das Problem war, dass niemand das hier lieber als Richard in zwanzig Sekunden verpacken wollte. Nur ging das nicht. Caleb wollte, dass er sich ehrlich entschuldigte, und zu Richards Vorteil sollten die beiden ihm dabei auch noch vergeben, oder sowas ähnliches. Eigentlich reichte es ihm auch, wenn sie Caleb sagen würden, er ‚hätte es versucht‘ und ihm zumindest so viel anrechneten. Hauptsache, Caleb hatte nicht mehr das Gefühl, Ezra würde ihn köpfen, wenn er wieder mit Richard zusammen kam.
      Am liebsten hätte er Ezra direkt gesagt, dass er das ganze nicht einfacher machte, wenn er so negativ war, aber dann konnte er wohl auch gleich wieder gehen. Andrew ignorierte ihn derweil gekonnt, das war auch nicht optimal.
      „Okay“, sagte er also und nickte und versuchte, seine Fingernägel in nicht seinen Unterarm zu bohren. Diesmal hatte er wenigstens einen Plan. Jetzt wusste er jedenfalls, was Caleb von ihm hatte hören wollen.
      „Ich fange mal… mit der offensichtlichsten Sache an“ Er sah Ezra an, was allgemein schon eine dezente Übelkeit aufkommen ließ, aber er bemühte sich, ernst auszusehen. „Ich hätte keine Geschichte darüber erfinden sollen, dass Andrew und ich je gedated hätten. Das war dumm und es tut mir leid. Ich hätte einfach akzeptieren müssen, dass ihr ein Paar seid, und dich wie einen normalen Kollagen sollen“ Richard spürte eine Gänsehaut am ganzen Körper. Tatsächlich bereute er die Aktion kein Stück, weil es unglaublichen Spaß gemacht hatte, Ezra zu verarschen. Ob er nun Andrews Freund war oder nicht, er war einer der nervigeren Individuen mit denen Richard sich abgeben musste und er war absolut ungeeignet für seinen Job. Das rechtfertigte in seinen Augen absolut alles, was er in Oslo gesagt hatte. Allerdings würde Ezra kaum ein gutes Wort für ihn bei Caleb einlegen, wenn er das nicht ansprach. Es war erschreckend einfach gewesen, ihn zu manipulieren, und alleine deshalb war diese Geschichte sicher ein Dorn in seinem Auge. Richard ließ sich nicht von seinen aufgestellten Nackenhaaren beirren und fuhr fort. Er drehte sich leicht zu Andrew. „Ich hab auf der Willkommensfeier eindeutig eine Grenze überschritten, weil ich frustriert und betrunken war. Ich wollte dich nicht… überraschen. Und ich gehe zwar davon aus, dass unsere Prügeleien in der Schule mehr Schaden angerichtet haben, als das, aber äh… tut mir leid. Beides, eigentlich. Ich war immer eifersüchtig, darum hab ich Streit angefangen“ Das war zwar zehn Jahre her, aber besser man nahm seine Entschuldigungen vor Mr. Law-and-Order sehr genau.
      „Auch die Provokation im Krankenhaus war unsensibel, weil du schon fertig genug warst“ Richard nickte leicht und versuchte, möglichst einsichtig zu klingen. „Jedenfalls lasse ich euch beide zukünftig in Ruhe. Ich will nur, dass Caleb weiß, dass ich es ernst nehme. Meinetwegen müssen wir uns abgesehen von der Arbeit nie wieder sehen“ Das entsprach wohl ihrer aller Wunsch.
      Richard schwieg kurz, bevor Andrew sich doch noch entschied, heute ein Wort zu sagen. Er drehte sich zu Richard herum. „Weißt du, eigentlich ist mir das alles völlig egal, und meinetwegen kannst du so viele Menschen ausnutzen wie du willst, aber muss es unbedingt Ezras Bruder sein? Wieso nicht jede andere x-beliebige Person?“
      Ah. „Ich mag ihn“, antwortete Richard ohne Umwege. „Ich fände es auch besser, wenn er nicht mit Ezra verwandt wäre. Leider wusste ich das nicht. Das ist wohl Karma“
      Andrew stieß ein Lachen aus. „Karma? Ja, meins. Du bist mein verdammter Fluch. Wenn du nicht so ein nervtötendes Arschloch wärst, hätte ich ja kein Problem mit dir“ Andrew wurde ein wenig lauter, während er sich selbst in seine Wut hineinsteigerte und Richards Augen glitten kurz zu Ezra rüber, wie zu einem Herrchen, das seinen Hund kontrollieren sollte. „Aber du hast dir das verdammte Ziel gesetzt, mein Leben anstrengender zu machen, als es sein muss, was?! Ich hab genug zu tun, ohne mich mit deinem scheiß Drama auseinanderzusetzen! Wenn dir irgendetwas leid tut, dann tu mir den Gefallen, such dir ein neues Opfer und lass meine zukünftige Familie in Ruhe, ja? Ich hab keine Lust, dich an Weihnachten einzuladen“ Andrew spuckte ihm die Worte mehr oder weniger ins Gesicht und Richard wusste erst nicht wirklich, was er darauf sagen sollte. Huh. Das stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht. Und er war noch davon ausgegangen, Ezra würde sein größtes Hindernis werden.
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    • Ezra

      Zum Glück sprach Richard sich direkt aus, statt alles unnötig in die Länge zu ziehen und sie alle drei tatsächlich 15 Minuten leiden zu lassen. Immerhin etwas. Der kleine Lichtblick in all dem Drama, auch, wenn es das alles irgendwie nicht erheblich besser machte. Ezra wollte gerade ansetzen, was zu sagen, als Andrew ihm zuvorkam und eigentlich genau das Ansprach, was er auch im Kopf gehabt hatte, weshalb Ezra nicht viel mehr tun konnte, als zuzuhören und leicht zustimmend zu lächeln. Was genau Richard mit seinem Leben anstellte konnte ihn nicht weniger interessieren. Cal war der einzige Haken an der ganzen Sache.
      "Wenn dir wirklich was an Caleb liegt, dann tu ihm den Gefallen und schlag dir die Beziehung aus dem Kopf." Das wäre so oder so die einfachste Lösung. Richard würde sicher schnell irgendjemand anderen finden, dem er auf die Nerven gehen könnte und Cal würde irgendwann darüber hinwegkommen. "Du kannst noch so oft betonen, dass es dir leid tut, am Ende wirst du ihn genau so manipulieren, wie du es bei uns versucht hast und das hat er nicht verdient." Zumal Ezra nicht wissen wollte, was das mit Cals sowieso schon angeknackster Psyche anstellen würde. Ein wenig Liebeskummer wäre deutlich besser, als andauernde psychische Belastung.
      "Ich weiß nicht, was er an dir gefunden hat und es ist mir aufrichtig egal, aber für mich wirst du immer eine furchtbare Person bleiben. Zieh ihn da nicht mit rein." Obwohl es wahrscheinlich schwer war, in diesem Fall an Richards gesunden Menschenverstand zu appelieren. Er schien ja keinen zu besitzen. Blöderweise handelte es sich bei ihnen allen nur um erwachsene Menschen, weshalb sie keine andere Wahl hatten, als alles auszudiskutieren. Es wäre deutlich einfacher, wenn er Cal einfach sagen könnte, dass er die Finger von Richard lassen sollte und sich das Thema damit erledigt hätte, egal, wie oft Richard noch versuchen würde, sich zu entschuldigen.
      "Misch dich in irgendeine andere Familie ein und zieh die ins Unglück, oder hör einfach generell auf, andere mit dir runter zu ziehen und arbeite an dir selbst, oder so. Interessiert mich nicht, aber hör auf, mit seinen Gefühlen zu spielen."
    • Richard

      Okay, das war‘s mit der Geduld. Die Entschuldigungstour war offiziell vorbei und Richard musste sich sein ungläubiges Lächeln nicht länger verkneifen. Es war offensichtlich, dass die beiden ihm keinen Millimeter entgegen kommen wollten, ob sie ihm die kleine Rede nun abkauften oder nicht.
      Er lehnte sich zurück und verschränkte locker die Arme. „Wow, ihr habt ja ganz schön viel dazu zu sagen, wen Cal daten darf und wen nicht“, fing er an. „Uhm… ich hab nur ein paar Bedenken… wer zur Hölle hat euch gefragt?“ Er lachte leicht. Das war alles so unfassbar verrückt.
      „Findet ihr‘s nicht ein bisschen heuchlerisch? Dass sich keiner in eure Beziehung einmischen darf, aber ihr wollt darüber bestimmen was andere tun?“ Richard gab sein Bestes, für das Nachstehende Ezras Stimme zu imitieren: „A-aber das ist nicht dasseeeelbe! Nein? Also, ich fand es auch nicht geil, dass jemand, den ich mag, mit einem Kriminellen ausgeht. Ich darf dazu nichts sagen, aber wenn Cal mit einem Helden Slash Agenten ausgehen will, der kochen, putzen und seine Möbel aufbauen kann, viel verdient, ein Hammer Auto fährt und nicht nur gut aussieht, sondern gut im Bett ist, dann sind Einwände okay? Die Logik würde ich gerne verstehen“ Er grinste. „Führt das gerne aus“
      „Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber mir ist auch völlig egal wen Caleb dated und was er mit seinem Leben anstellt. Das ist nicht mein Problem. Ich will nur nicht, dass du irgendeine Rolle dabei spielst“, murrte Andrew.
      „Er könnte es deutlich schlechter treffen“, meinte Richard schulterzuckend. „Außerdem solltet ihr vielleicht mal ein bisschen an seine Intelligenz appellieren. Vor kurzem hat er mich erst dran erinnert, eine ‚Lernkurve‘ zu besitzen. Vielleicht sollte er euch auch daran erinnern. Wir sind beide in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen“
      Andrew seufzte angestrengt und massierte seine Stirn mit zwei Fingern, offenbar gab er gleich auf.
      „Ezra, hast du deinen Bruder in eurer innigen geschwisterlichen Beziehung mal gefragt, was er davon halten würde, wenn du ab sofort über sein Liebesleben bestimmst? Ich bin sicher, das fand er toll“, sagte Richard. „Wer mag das nicht?“
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    • Ezra

      Okay, Ezra hatte wirklich keine Ahnung, wie Cal auf Richard stehen konnte. Es fiel ihm ja nicht mal leicht, den Typen irgendwie auf ein neutrales Beziehungslevel zu heben und er schaffte es sonst immer, sich mit wirklich jedem anzufreunden. Richard hatte es derweil tatsächlich geschafft, auf einer Stufe mit Nadia und Jelena zu stehen, die beide aktiv versucht hatten, ihn umzubringen. Mehrmals. Fast schon ein bisschen beeindruckend. Ezra spielte kurz mit dem Gedanken, Richards kleine, selbstverliebte Aufzählung noch um diesen Punkt zu ergänzen, bevor er ihn verwarf.
      "Weißt du, Richard, das ist vielleicht das erste mal, dass ich dir zustimme. Es ist das selbe. Wenn ich ein toxisches, selbstverliebtes Arschloch wäre, wäre ich dir absolut dankbar, wenn du Andrew vor mir warnen würdest, weil mir mehr daran gelegen ist, dass es ihm gut geht, als meinen Willen durch zu setzen. Der feine Unterschied ist, dass ich mir bei dieser Warnung keine Lügen aus dem Ärmel schütteln muss. Mir war immer schon bewusst, dass Kriminalität keine gute Laufbahn ist und ich habe damit aufgehört, als Andrew und ich angefangen haben zu daten, weil er mir das wert war. Du warst vorher schon ein Arschloch und hast offenbar keinerlei Absicht, das auch nur ansatzweise zu ändern." Ezra presste seine Lippen aufeinander und zwang sich, kurz durchzuatmen, bevor er der Versuchung erliegen konnte, Richard mit der Blumenvase neben ihm zu erschlagen. Es half, dass der Kellner diesen Augenblick wählte, um ihnen mit leicht irritiertem Blick ihre Getränke zu bringen. Ezra bedankte sich knapp und wartete, bis er wieder außer Hörweite war, bevor er fortfuhr.
      "Ich muss Cal nicht fragen, was er davon halten würde. Ich weiß, dass er nicht wollen würde, dass ich mich einmische. Ich weiß aber auch, dass er viel zu schnell nachgibt, um seine Ruhe zu haben und es meistens später bereut. Deshalb appeliere ich ja eher an dich, als an ihn. Eine gute Karriere, ein tolles Auto und Kochfähigkeiten ersetzen keinen guten Charakter und es tut mir aufrichtig leid, dass dir das offenbar nicht bewusst ist." Auch wenn Ezra sich nicht sicher war, ob es irgendwas geändert hätte, wenn Richard weniger wie er selbst gewesen wäre. Er hätte die nette, auf Kuchen hinweisende Nummer wahrscheinlich bis zum Ende ihrer Konversation durchziehen können und wäre Ezra trotzdem kein Stück sympathischer gewesen.
    • Richard

      „Vielleicht ergänzen wir uns aber einfach gut, schonmal daran gedacht?“, fragte Richard und nahm einen Schluck von der hausgemachten Limonade, die er bestellt hatte. Irgendwie… war er langsam sehr unbeeindruckt. Er könnte auch einfach gehen. Scheinbar machte es ja keinen Unterschied, ob er länger diskutierte, oder nicht. Naja, er würde noch für seine Limo zahlen und dann nachhause fahren. Und sich einen neuen Plan überlegen, um Caleb zurückzubekommen, der nicht seinen psychotischen Bruder beinhaltete.
      „Oder hältst du Caleb für einen Engel, der nur Pech im Leben hatte? Er ist ziemlich zynisch. Und ich bin mir sicher, dass einer von euch beiden adoptiert wurde“ Das Gespräch führte zu nichts, aber Richard würde auch nicht hier sitzen und schweigen, wenn es dasselbe Endergebnis hätte. „Ich finde es überraschender, dass er dich leiden kann, als mich, wenn ich ehrlich bin. Du bist wie einer dieser… quietschenden elektronischen Hunde auf dem Jahrmarkt, der jedes Elternteil fast in den Selbstmord zwingt“ Er lachte leicht.
      „Pass auf was du sagst“, kam es plötzlich von der Seite mit einem Blick, dem nurnoch der Laserstrahl fehlte. Richard schnalzte mit der Zunge.
      „Du kannst mir nicht erzählen, dass du den Gedanken nicht auch schonmal hattest. Das ist die einzige Ähnlichkeiten zwischen den beiden! Beide sind wie kleine Hunde, nur dass einer deine Ohren explodieren lässt und der andere lieber in Selbstmitleid ertrinkt“ Richard stoppte kurz, bevor er sich nochmal an Ezra richtete. „Hey, vielleicht hilft es dir ja zu wissen, dass ich mein Bestes gebe, das mit dem Selbstmitleid zu stoppen. Wir hatten Spaß. Wusstest du, dass Caleb lachen und Spaß haben kann und tatsächlich noch einen anderen Blick drauf hat als ‚Erschieß mich‘ und ‚Ich erschieße dich‘? Es ist süß. Ich würde ihn nicht absichtlich depressiver machen, als er schon ist“ Und das war vermutlich das einzig ernste, das er heute von sich gegeben hatte.
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