The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Die Aussicht auf den Spielplatz schien Max nicht ganz so zu begeistern, wie die Idee mit dem Museum und den Dinos, aber er machte sich trotzdem anstandslos auf den Weg, um Niko zu wecken, als ob der Museumsausflug schneller kommen würde, je eher sie den Spielplatz abhaken konnten. Ezra musste fast ein bisschen lachen, als Max mit einem hilflos verschlafenen Niko an der Hand zurück ins Wohnzimmer kam und fordernd auf das Frühstück deutete.
      "Lass ihn doch erst mal wach werden", schlug Ezra vor, während er das Bügeleisen aussteckte und zwei Shirts für die Jungs zur Seite legte. Max presste beleidigt die Lippen aufeinander, während Niko seinen Teddy an sich drückte und offensichtlich versuchte zu verarbeiten, dass er bis gerade noch selig geschlafen hatte und jetzt plötzlich wach war.

      Der restliche Morgen verlief dafür recht ruhig. Ezra wartete, bis Andrew im Bad fertig war, bevor er Niko und Max durch die Morgenroutine half und am Ende war Niko doch so begeistert von der Idee, zum Spielplatz zu gehen, dass er Ezra mit den Schuhen in der Hand folgte, so, als wolle er sofort los.
      "Wir müssen noch die Tasche packen, Niko. Entspann dich", lachte er, während er dich zu dem kleinen Jungen hinabbeugte und ihm die Schuhe abnahm. "Fünf Minuten, okay?", fragte er und stellte die Schuhe zur Seite. Niko nickte eifrig, auch, wenn er wahrscheinlich nicht viel verstanden hatte, und rannte los, um Max auf die Nerven zu gehen. Was auch immer die beiden gestern für eine Auseinandersetzung gehabt hatten, schien vergessen zu sein. Dafür durfte sich Ezra jetzt seiner ganz eigenen Auseinandersetzung stellen. Er atmete kurz durch, bevor er zu seinem Freund sah.
      "Andrew", begann er ernst, "Ich möchte, dass du dir darüber im Klaren bist, dass wir mit den Kindern auf einen Spielplatz gehen. Sie werden rennen, sie werden stolpern, sie werden fallen. Oft, wahrscheinlich. Das ist kein Grund, sich Sorgen zu machen, okay?" Er warf Andrew einen eindringlichen Blick zu, in der Hoffnung, dass er seinem Freund gerade nichts neues erzählte. Aber nach dem kleinen Nervenzusammenbruch gestern wollte er ihn wenigstens Vorwarnen. "Im Gegenteil, wenn einer von den beiden fällt, machst du erst mal gar nichts. Ich weiß, dass das schwer klingt, aber in 90% der Fälle stehen Kinder wieder auf und spielen weiter, als ob nichts passiert wäre. Wir gehen erst zu ihnen, wenn sie von sich aus anfangen zu weinen." Das gehörte halt zum Kind-sein dazu. Auch, wenn Ezra sich deutlich mehr Sorgen um Niko, als um Max machte. Aber gerade Kleinkinder schienen sowieso zum Großteil aus Gummi zu bestehen. Er wollte nur einen möglichst ruhen Tag haben.
    • Andrew

      Andrew war sich nicht sicher, ob er seine Zeit vor dem Spiegel nutzte, um sich abzureagieren, oder mental eine hypothetische Rede vorzubereiten, die er Ezra über die Kinder später halten könnte. Es war irgendwie beides. Er war zerrissen. Wie entschied man sich in so einer Situation nur? Alles war für ihn zu Beginn dieser Phase, für die Kinder verantwortlich zu sein, völlig klar gewesen, aber jetzt…
      Andrew kümmerte sich, nachdem er sich angezogen hatte, selbst um Elli. Er zog ihr eins der neuen Outfits an, die sie gestern gekauft hatten, und unterdrückte den Schwall an Emotionen, als er merkte, wie süß sie daran aussah. Dann klemmte er ihr eine winzige Haarspange in ihre dünnen, braunen Haare. Eigentlich sollten alle drei Kinder mit ihren ausgewachsenen kurzen Haaren mal zum Friseur. Andrew zog ihr die kleinen Frosch-Schuhe an, dann einen Pullover und eine Jacke darüber. Heute wurde der Kinderwagen für Elli und Niko eingepackt, die Babyschale für das Auto, eine riesige Wickeltasche und… Max war wieder einmal das unkomplizierteste Kind.
      Andrew saß gerade mit Elli auf der Couch und verbrachte zwei Self-Care Minuten damit, ihre Nase zu stehlen und in ihrem Lachen zu schmelzen, während Ezra Nikos Schuhe anzog, bis Ezra dann zu ihm kam und etwas zu ernst aussah. Andrew sah zu ihm auf. Oh. Er nickte.
      „Okay“, sagte er. Eigentlich wusste er das. Kinder waren unglaublich ungeschickt. 90% der Zeit musste man sie vor sich selbst retten und Andrew war noch nie so in Alarmbereitschaft gewesen, wie bei diesen drei, aber… wenn Ezra das sagte…
      „Ich hab trotzdem einen Erste-Hilfe-Kasten dabei“, murmelte er dann. Aber das war ja auch notwendig, oder? Selbst, wenn sie nur ein Pflaster brauchten. „Aber ich halte mich zurück“ Er war etwas unsicher, ob er ruhig bleiben konnte, wenn er irgendeinen Sturz mitansehen musste, der deutlich brutaler aussah als er letztlich vielleicht war. Also, was wenn da eine Gehirnerschütterung vorlag und das Kind trotzdem lachend weiterlief? Sollten sie dann nicht… trotzdem ins Krankenhaus? Ezra wusste das… vermutlich besser als er, nachdem er sich um Liz gekümmert hatte. Trotzdem hoffte Andrew, dass niemand hinfiel.
      Andrew stand auf und küsste Ezra kurz. „Sieh mich nicht so ernst an, ich bin nicht verrückt. Ich weiß, dass nicht alles gleich eine tödliche Verletzung ist. Du machst mir mehr Sorgen, als die Kinder“, murmelte er. Sie wollten doch heute entspannen und die Kinder Spaß haben lassen, nicht? Er war ausnahmsweise selbst mal etwas lockerer, als die letzten Wochen. Hoffentlich hatte er seinen ganzen Stress gestern Abend nicht einfach auf Ezra übertragen.
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    • Ezra

      Der Erste Hilfe Kasten war etwas too much, aber Ezra wollte ihn Andrew nicht ausreden. Wenn er dadurch etwas beruhigter wäre, konnte Ezra wohl ein Auge zudrücken. Obwohl eigentlich nicht viel passieren konnte. Liz war immer schon ein ziemlich wildes Kind gewesen und bei ihr hatte er auch nie mehr als ein Pflaster und ein Eis zum trösten benötigt. Niko würde überleben. Max war sowieso unproblematisch und Elli würde wahrscheinlich nur im Sandkasten sitzen, wenn sie nicht schon auf dem Hinweg im Kinderwagen einschlafen würde. Die drei waren wirklich überraschend pflegeleicht. Ein besseres Trio hätten sie gar nicht erwischen können. Wenn Max nur ein bisschen lockerer und mehr Kind sein würde.
      "Du bist ein bisschen verrückt", ward Ezra ein, während er Daumen und Zeigefinger knapp übereinander hielt. "Das macht deinen Charme aus." Er stahl sich einen weiteren Kuss von Andrew. "Und du musst dir um mich absolut keine Sorgen machen. Steve hat mir eben eine Liste mit Ärzten geschickt, die mit MLO zusammenarbeiten, da ist bestimmt einer bei, der mich nochmal durchcheckt und dir versichern kann, dass mir nichts fehlt." Und dann würde Andrew vielleicht endlich durchatmen können. Dann musste nur noch sein Arm heilen und Ezra wäre nicht mehr ganz so nutzlos. Alles würde sich schon irgendwie finden. Er müsste es nur noch überstehen, die Kinder abzugeben, an die er sich jetzt schon viel zu sehr gewöhnt hatte und die er am liebsten nie wieder hergeben wollte.
      "Also. Spielplatz?", fragte Ezra mit Blick auf Niko, der mit riesigen Augen zurückstarrte und wild zu nicken begann. Offensichtlich hatte er sich das Wort schon mal gemerkt. "Der nächste ist die Straße runter ums Eck", informierte Ezra Andrew, während er sich erneut zu Niko herunterkniete, um ihm in die Jacke zu helfen. "Er ist ein bisschen kleiner, aber jetzt um die Zeit dürfte da eh nichts los sein."
    • Andrew

      „Wenn ich nicht ein bisschen verrückt wäre, wären wir unausgeglichen“, stimmte Andrew letztlich zu. Wenn einer von ihnen tollpatschig war, musste der andere eben übervorsichtig sein? nicht? Auch, wenn Andrew nie der übervorsichtige Typ gewesen war. Scheinbar bezog sich das bei ihm ausschließlich auf geliebte Menschen, und nicht sich selbst. Irgendwer musste ja das Böse aktiv fernhalten. In die Rolle fühlte er sich hineingeboren. Seltsamerweise freute er sich auch sehr auf den Arztbesuch. Jemand, der mit MLO vertraut war. Das war deutlich angenehmer. Vielleicht hatte er oder sie auch Zugang zu nützlichen Steinen.
      Andrew trug Elli in den Flur und setzte sie neben Niko in den Kinderwagen, während er gleich sagte: „Sehr gut, dann gehen wir zufuß“ Vielleicht waren diese Kinder ja auch genau, was Ezra und er brauchten, um wieder aktiver zu werden, aber auf eine… ungefährliche Art. Vielleicht war Andrew auch so erschöpft, weil er das letzte halbe Jahr viel zu wenig Sport gemacht hatte und es nicht mehr gewohnt war, so lange auf den Beinen zu sein.
      Das Wetter war gut für April, es hielt sich stabil zwischen bewölkt und sonnig, und es war nicht zu kalt, auch wenn die Kinder weiterhin in ihren neuen Sachen eingepackt blieben. Niko schien war schon beim Anziehen seiner Jacke und Haube völlig begeistert gewesen und damit hatte sich für Andrew auch der ganze Stress des Shoppingausflugs gelohnt. Max war wohl… nicht leicht zu begeistern, wenn er sich mit anderen Dingen als Dinosauriern beschäftigen musste, aber dafür hatte er seinen Spaß daran, am Wegrand ein paar Blumen abzuflücken und Ezra regelmäßig in die Hand zu stecken, damit er sie nicht tragen musste. Andrew… war schon wieder überfüllt mit Emotionen. Was war das nur? Er wollte… unbedingt mehr von diesen Ausflügen haben. Er hatte sich nie für einen Familienmenschen gehalten, aber wenn es so war, wollte er es unbedingt. Andrew machte zwischendurch einen Stopp, um Ezra ein paar Blumen abzunehmen und sie Niko in die Hände zu drücken, der sie hoffentlich nicht an Elli weiterreichte, weil sie derzeit alles in ihren Mund steckte.

      Am Spielplatz angekommen wurde Niko wieder freigelassen, und ja, es sah tatsächlich aus wie die Freilassung eines wilden Tiers, als quer über den Spielplatz stürmte und sofort hin fiel. Andrews Gesicht verzog sich etwas, während es jede Willenskraft brauchte, die er hatte, um Niko nicht wieder auf die Beine zu stellen und bestenfalls an eine Leine zu hängen. Aber er stand tatsächlich schnell wieder auf.
      „Ah, ich kann das kaum mitansehen“, murmelte Andrew, als der Junge auf den kleinen Kletterturm zulief. Sie konnten ihn jedenfalls definitiv nicht aus den Augen lassen.
      Andrew sah im Augenwinkel einen Sandkasten, den er anschließend mit Elli ansteuerte. Von da aus hatte er einen guten Blick auf den Kletterturm und die Schaukeln. Max trottete etwas langsamer hinter Niko hinterher, hoffentlich fand er sich auch noch etwas zu tun, das ihm Spaß machte.
      Andrew kniete sich vor den Sandkasten und hielt Elli fest, während er sie mit den Schuhen in den Sand stellte. Er wusste, dass kleine Kinder diesen Kram mochten, aber er selbst hatte für Sand absolut nichts übrig und musste sein Grauen davor überwinden, dass der ganze Sand später in im Haus landete.
      „Na? Willst du dich hinsetzen?“, fragte er und verstand Ellis wippende Knie als ein Ja, also ließ er sie in den Sand runter. „Oh, schau mal, da hat jemand eine Schaufel vergessen“, sagte er und beugte sich zur anderen Seite, um eine kleine grüne Schaufel aus dem Sand zu ziehen und sie Elli zu reichen, die sofort damit auf dem Sand herumschlug. Andrew nahm sie wieder ab.
      „Nein, guck mal, du musst die Schaufel in den Sand schieben“, sagte er und demonstrierte das Verfahren, bevor er die Schaufel zurückgab und Elli sofort den Spaß daran erkannte, ihre eigenen Beine einzugraben. Andrew lachte. Ja, der Sand landete definitiv später im Haus.
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    • Ezra

      "Man gewöhnt sich dran", antwortete Ezra mit einem kleinen Schmunzeln, während Niko sich wieder auf die Beine stellte und wie erwartet nahtlos weiter lief. Ezra hatte ein wenig gehofft, dass Niko sich etwas ungefährlicheres, wie die Schaukeln, oder die kleinen Wippfiguren aussuchen würde, aber er schien geradewegs den Kletterturm anzusteuern. Zum Glück war Max ihm schon auf den Fersen, also würde wahrscheinlich nichts schlimmeres passieren.
      Woran Ezra sich wahrscheinlich auch viel zu schnell gewöhnen könnte, war der Anblick von Andrew und Elli im Sandkasten. Er hatte jetzt schon Tränen in den Augen, wenn er an den ganzen Sand dachte, der nachher in der Wohnung liegen würde, aber einen Tod musste man sterben und die beiden sahen einfach viel zu niedlich zusammen aus. Elli war konzentriert dabei, sich selbst einzugraben, während Andrew neben ihr wieder demonstrierte, dass er das hübscheste Lachen des Planetens besaß. Er konnte nicht anders, als kurz sein Handy zu zücken und zumindest ein paar kleine Fotos von den beiden zu machen, bevor er das selbe bei Max und Niko tat, die gerade die Rutsche an der Spitze des Kletterturms ansteuerten. Eigentlich war das dämlich. Wenn die Kinder nicht mehr da wären, könnte er sich die Bilder wahrscheinlich jahrelang nicht mehr anschauen, ohne direkt zu heulen. Aber er musste diesen Moment einfach festhalten.
      Da sie tatsächlich noch vollkommen alleine waren, schob Ezra den Kinderwagen schlicht zur den paar Bänken, die an der Seite des kleinen Spielplatzes standen, bevor er eine der Blumen, die Max gesammelt hatten mitnahm und kurz Andrew und Elli ansteuerte. "Pass auf, dass sie sich nicht bis Australien durchgräbt. Sie hat ihren Reisepass nicht dabei", scherzte er, bevor er Andrew das Blümchen hinters Ohr steckte und ihm einen kleines "Du machst das großartig" ins Ohr flüsterte. Dann drückte er ihm einen Kuss auf die Wange und ging zum Kletterturm, um Niko am Ende der Rutsche abzufangen. Der kleine Junge zischte ihm freudig quietschend in die Arme, bevor er sich sofort los riss, um nochmal zu klettern. Max folgte und sah alles andere als begeistert aus, als Niko schon wieder zum Klettern ansetzte.
      "Ich bleibe hier stehen. Du kannst auch gerne was machen, was dir gefällt", versicherte Ezra mit einem kleinen Lächeln. Max sah ihm unsicher entgegen, bevor er zögernd die Schaukel ansteuerte. Was ein ziemlich gutes Zeichen war, nicht? Wenigstens schien er ihnen einigermaßen zu vertrauen, auf seine Geschwister aufzupassen. Zumindest für die nächsten Tage, bis er das Vertrauen wieder vollkommen verlieren würde, wenn sie die drei abgaben.
    • Andrew

      Tat er das? Machte er das alles gut? Konnte man das als getarnte Zustimmung, die Kinder zu adoptieren, sehen? Vermutlich nicht. Andrew sollte sich darauf nichts einbilden. So eine Entscheidung musste man wohl oder besprechen, vermutlich mehrmals. Alleine schon deshalb, weil es mit Sicherheit einen Umzug bedeuten würde. Und, naja, eine komplette Änderung ihres Lebens. In jedem Bereich.
      Trotzdem war es schön zu hören, dass er sich aus objektiver Sicht nicht völlig dämlich anstellte und alles falsch machte, denn den Großteil der Zeit fühlte es sich irgendwie so an.
      Andrew genoss die Zeit am Spielplatz mehr, als er erwartet hätte. Ezra und den Kindern einfach nur zuzusehen, wie lachten, und miteinander redeten, oder es versuchten, das reichte ihm völlig, um sich auf einmal friedlich zu fühlen. Wenn es doch nur einfach so bleiben könnte, ohne dass sie irgendetwas tun oder ändern mussten. Die Kinder bedeuteten zwar Arbeit, aber im Momenten wie jetzt hatte Andrew das Gefühl, viel entspannter zu sein, als er es jemals war. Er hatte seine ganze Welt im Blick.

      Die Entspannung wich etwas, als Andrew am nächsten Tag den vierten Anruf der Sozialarbeiterin ignorierte, Ezra erzählte, es sei Spam, und sie langsam wie Kindesentführer dastehen mussten. Er knirschte mit den Zähnen, während er auf der Couch saß und krampfhaft überlegte, wie lange er das Gespräch noch rauszögern konnte, ohne dass Helden an ihrer Tür auftauchten.
      „Ezra, ich geh kurz zum Laden gegenüber und kaufe Zahnpasta nach“, sagte er letztlich und stand auf. „Ich bin in fünfzehn Minuten wieder da“ Wie gut, dass ihnen tatsächlich die Zahnpasta ausging. Er brauchte einfach nur einen ganz kurzen Zeitraum, in dem er alleine war, um einen Anruf zu machen. Bisher hatte er es ja erfolgreich geschafft, Ezra und die Kinder eben keine Sekunde lang alleine zu lassen. Nun musste es sein.
      Er schnappte sich seinen Mantel und die Schuhe und lief aus dem Haus. Sobald er die Treppen runter war und ein wenig Distanz zwischen Haus und sich gebracht hatte, wählte er die Nummer seiner Cousine. Es brachte ja doch nichts, sie war die einzige Person mit mehr als einem Kind, die er kannte. Und außerdem… seine einzige Familie.
      „Andy! Wie geht‘s dir? Ist alles okay? Du rufst selten an, wenn kein Feiertag ist!“
      Andrew presste schuldbewusst die Lippen zusammen. Er musste sich da immernoch bessern. „Hi, Amy. Alles ist okay. Wie geht‘s dir?“, fragte er. So recht wusste er noch nicht, wie er das Thema nebensächlich anschneiden sollte.
      „Oh- Das ist gut. Uns geht es super, die Kinder haben noch Osterferien und wir machen morgen einen Ausflug in ein Aquarium- Josh, Josh, bitte- Tut mir leid, Andrew, warte. Joshua, ich telefoniere, frag deinen Dad ob er dir den Apfel schneidet. Also, alles ist gut, nur der normale Stress“ Amelia lachte. Ja, der normale Stress. Was sie nicht sagte. Anstatt wie üblich etwas genervt von ihrer Unaufmerksamkeit zu sein, musste er lächeln.
      „Wie geht‘s den Kindern in der Schule?“, fragte er.
      „Oh, naja… Bei Alex läuft es zumindest super. Ich hatte ein bisschen Angst, dass Jake ihn vom Lernen abhält, aber die beiden treffen sich sogar und machen brav Hausaufgaben. Sam ist… ein bisschen zu fokussiert auf sein nächstes Fußballspiel. Oh, übrigens hört er nicht mehr auf von dem Spiel zu schwärmen, zu dem ihr mit ihm gegangen seid. Naja, die Noten lassen zu wünschen übrig. Und Kian hat seit einem Monat Therapie. Wir sehen mal, wie das läuft. Josh geht‘s gut, er schlägt sich auch toll in der ersten Klasse. Andy, seit wann fragst du nach deinen Großneffen und unterbrichst mich nichtmal?“
      Andrew schwieg für einen Moment. Er hatte vergessen, dass Josh gleich alt war, wie Max. „Ich muss dich was fragen“, sagte er.
      „Oh. Ja?“
      „Wie kommst du damit klar, vier Kinder zu haben?“
      Amy zögerte und Andrew befürchtete schon, zu unsensibel gewesen zu sein. „Meinst du, zeitlich? Oder mental? Oder körperlich? Weißt du, da gibt es Ebenen. Ich glaube, ich hab mir mehrfach den Rücken ausgerenkt, als ich die Jungs schlafend aus dem Auto in die Wohnung tragen musste, weil bei vier Kindern kann George nicht alle übernehmen. Zeitlich ist alles in Ordnung, seit alle vier zumindest im Kindergarten waren. Das unterschiedliche Alter war anfangs schwierig. Ähm… sonst… ich denke, man gewöhnt sich an die Müdigkeit. Und alles gleicht sich aus, wenn man zusammen Spaß hat. Meine Jungs sind sehr gute Unterhalter, nicht nur im negativen Sinne, mir geht es hauptsächlich so gut, weil ich sie habe. Und ich wusste schon, als Sam noch ein Baby war, dass es mir das alles völlig wert ist, weil ich ihn lieb habe“
      Andrew stand mittlerweile vor dem Regal mit der Zahnpasta in der Drogerie und bewegte sich nicht mehr. Er starrte die verpackten Kinderzahnbürsten an und fragte sich, ob Amy Gedanken lesen konnte, weil diese Antwort unglaublich ausführlich und auf den Punkt getroffen war.
      „Und woher weißt du, dass du nicht alles falsch machst und ungeeignet bist als Mutter?“, murmelte er.
      „… Andy, bitte… frag Leute sowas nicht einfach und lern dich netter auszudrücken, ja? Und niemand weiß das. Man tut einfach, was man kann. So richtig falsch machst du die Dinge wohl erst, wenn dein Kind unglücklich ist. Oder wenn es andere Kinder schlägt, das ist auch nicht gut. Und jetzt… frag ich trotzdem ganz dreist, wieso du mich angerufen hast. Du musst nicht antworten, aber es interessiert mich. Ich bin für euch da, wenn ihr Hilfe braucht“
      Andrew seufzte. Es gab keinen Grund, irgendetwas vor ihr geheimzuhalten, weil sie sowieso in Liverpool war und wohl die letzte wäre, die Ezra unabsichtlich vor ihm einweihen würde. „Ich war vor zwei Wochen in Russland, arbeitsbedingt. Ich hab einen neuen Job. Ezra und ich arbeiten da zusammen. Jedenfalls gab es dort einen Unfall und ein Haufen Kinder wurden evakuiert und weil ich eben da war, bin ich zu einem der Aufpasser geworden. Die Kinder sind jetzt bei Ezra und mir und ich… will sie… irgendwie nicht wieder hergeben“ Raus war es.
      „… Und wie sieht Ezra das?“
      „Das hab ich ihn noch nicht gefragt. Er wollte immer Kinder, ich nicht, und wir hatten diverse… Diskussionen deshalb und ich fühl mich wie ein Idiot, dass ich nach all dem so schnell meine Meinung geändert hab, denke ich. Und es wäre kompliziert. Und plötzlich. Wir müssten umziehen… und, naja, das einzig gute ist der neue Job, weil ich gerade befördert wurde. Ich weiß nicht, Amy, ich weiß einfach nicht, wie ich ihn so etwas fragen soll. Vielleicht denkt er, das ist seine einzige Chance, mit mit eine Familie zu haben, und deshalb sagt er sofort Ja ohne darüber richtig nachzudenken. Und vielleicht ist es auch die einzige Chance, das war alles so ein riesen Zufall“
      „Du denkst, du wirst nie wieder ein Kind so mögen, wie diese? … Ich weiß schon, dass du nicht unbedingt der typische Kindergärtner wärst, Andrew, und auch wenn du dich vor deinen Neffen immer ein bisschen geekelt hast — ja, ich hab das gesehen — warst du immer lieb zu ihnen und sie mögen dich alle vier. Du bist nicht unfähig, was Kinder angeht, du musst dich nur ein bisschen öffnen. Und du wirst die Kinder ja jetzt nicht mögen, weil sie perfekt sind, sondern weil du viel Zeit mit ihnen verbracht hast und sie einfach dafür magst, wie sie sind. Sonst solltest du sie jedenfalls nicht adoptieren. Aber sowas ist nicht auf einen einzelnen Zeitpunkt beschränkt. Wenn du jetzt das Gefühl hast, du traust dir das zu, wird es in zwei Jahren nicht plötzlich anders sein“
      „… Aber ich will keine anderen Kinder adoptieren“
      „Ich meine ja nur, dass Ezra das vermutlich auch versteht, und wenn nicht, solltest du es ihm sagen. Dass deine Fähigkeit, ein Kind zu mögen, nicht auf zwei Wochen deines ganzen Lebens beschränkt ist“
      Das machte Sinn. Es war sowieso seltsam, wie schnell er sich an die drei gewöhnt hatte, nachdem er sich so lange nicht zugetraut hatte, sich um Kinder zu kümmern. Nichtmal ein Haustier hatte er sich zugetraut. Und bisher war trotzdem alles gut gegangen und sie wuchsen ihm immer mehr ans Herz. Das… lag sicher nicht daran, dass die Kinder perfekt für ihn waren, sondern einfach daran, dass er Kinder vielleicht allgemein etwas mehr mochte, als er von sich erwartet hatte, und dass er garnicht so unfähig war, auf sie aufzupassen, wie er gedacht hatte.
      „Danke, Amy“, sagte er plötzlich und griff nach der Zahnpasta, die er üblicherweise kaufte.
      „Wie heißen die Mäuse denn und wie alt sind sie?“
      „Max ist 6, Niko ist 4 und Elli ist 8 Monate alt“
      „Ein… Baby? Du willst ein Baby adoptieren? Haha! Andy, du bist mir wirklich ein Mysterium. Ich hoffe, es klappt alles, und ich darf die Kleinen kennenlernen“
      Andrew schmunzelte. „Ich hoffe auch“
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    • Ezra

      "Oh. Okay?" Ezra sah ein wenig irritiert auf, als Andrew verkündete, dass er kurz einkaufen gehen würde. Eigentlich brauchte er keine Zeitangabe, aber er sah trotzdem auf die Uhr um abschätzen zu können, ab wann er sich offensichtlich Sorgen machen durfte. Er saß bei Elli auf dem Boden und hatte bis gerade mit ihr gespielt. Die Blumen, die Max gestern gepflückt hatte, standen in einer kleinen Vase auf dem Tisch, außer eine, die er zwischen ein paar Büchern daneben am pressen war. Max hatte gestern abend vollkommen ungläubig zu ihm gesehen, als er ihm erklärt hatte, dass die Blume so nicht verwelken und immer hübsch aussehen würde, damit sie immer ein kleines Andenken an ihren Tag auf dem Spielplatz hätten. Wie ein kleiner Beweis dafür, dass die Kinder tatsächlich da gewesen waren und er sie sich nicht nur eingebildet hatte. Seit dem sah Max alle paar Stunden zu den vier schweren Büchern, die Ezra gestapelt hatte, gerade so, als ob er erwartete, dass sie anfangen würden zu leuchten, wenn die Blume fertig gepresst war. Was nicht passieren würde. Max würde die gepresste Blume nie zu Gesicht bekommen - der Vorgang dauerte ein paar Wochen.
      Er wusste nicht genau, was es gewesen war, vielleicht der Anblick von Andrew und Elli im Sandkasten, aber Ezra konnte irgendwie an nichts anderes mehr denken, als den Fakt, dass er die Kinder wirklich nicht abgeben wollte. Es war natürlich vollkommen irrsinnig. Sie müssten umziehen, Nadia lief irgendwo immer noch frei herum und drei Kinder waren für zwei Wochen vielleicht eine nette Abwechslung, auf Dauer aber wahrscheinlich doch anstrengender, als er dachte. Außerdem wollte Andrew keine Kinder, was wohl der wichtigste Punkt war. Ezra konnte sich noch so sehr einreden, dass sie bestimmt irgendwo ein anderes Haus oder eine Wohnung finden würden, Nadia sich wahrscheinlich gar nicht mehr für sie spezifisch interessierte und seine kleine Familie absolut perfekt wäre und sich nie gegenseitig auf die Nerven gehen würde, aber das änderte nichts an Andrews Einstellung. Obwohl Andrew ja eigentlich nie wirklich gesagt hatte, dass er keine Kinder wollte, oder? Hatte er nicht eigentlich eher nie über sie nachgedacht? Er stellte sich so unfassbar gut mit den dreien an! Vielleicht...vielleicht würde er seine Einstellung ja doch noch irgendwie ändern.
      Max riss Ezra aus seinen Gedanken, als er ihn am Ärmel zog und auf den Fernseher deutet, wo die neuste Doku gerade ihr Ende fand. Irgendwann würden ihnen die Dokumentationen über Dinosaurier ausgehen. Zumal Ezra jetzt schon auffiel, wie oft sich die Informationen wiederholten. Max hielt ihm fordernd die Fernbedienung entgegen.
      "Wir können euch nicht den ganzen Tag fernsehen lassen", merkte Ezra an, während er ihm die Fernbedienung aus der Hand nahm und den Fernseher, begleitet von einem kleinen Protestlaut des Ältesten, ausschaltete. "Lass uns was anderes finden, was wir zusammen machen können, okay?" Ezra rappelte sich auf und sah sich kurz im Wohnzimmer um. Die Malbücher lagen immer noch auf dem Tisch und er hatte noch ein Kartenspiel, aber das war irgendwie nichts, was er machen wollte. Und dann traf ihn plötzlich die Erleuchtung.
      "Sollen wir was zusammen lesen? Ich hab noch ein paar von meinen alten Kinderbüchern im Regal." Gut, es waren nicht tatsächlich seine alten Kinderbücher - die hatte er natürlich nicht mitgenommen, als er von zuhause abgehauen war - aber er hatte mal in einem angetrunkenen Anfall von Nostalgie ein paar der Bücher nachgekauft, die er als Kind gelesen hatte. Emotionaler Wert halt. Zumal es ihm immer schon schwer gefallen war, sich von Büchern zu trennen. "Ich hab Dedektiv-Geschichten, Piraten oder eine Fantasy-Welt im Angebot."
      Max legte kurz nachdenklich den Kopf schief, bevor er einen Finger hochhielt. Ezra nickte kurz, bevor er rüber zum Regal ging, um die entsprechenden Bücher rauszuziehen. Er hatte die Kinder- und Jugendbücher damals nach ganz oben sortiert, weil er nicht vorgehabt hatte, sie tatsächlich nochmal zu lesen. Wahrscheinlich sollte er das Regal irgendwann umräumen, bevor Max irgendwann doch lesen konnte und sich eines von den falschen Büchern schnappte. Warte. Nein. Die Gefahr würde ja sowieso nicht bestehen.
      Max suchte sich nach kurzer Diskussion mit Niko eines der Bücher aus und kletterte neben Ezra aufs Sofa, als er sich setzte. Es war noch ziemlich früh. Niko war immer noch im Schlafanzug. Aber das störte niemanden, als er auf Ezras Schoß kletterte, um sich das Cover des Buches anzusehen. Vielleicht war lesen auch gar nicht so schlecht für ihn. Der kleine Junge schien englisch recht schnell zu lernen, aber solange er hier war, konnten sie ihm ja noch ein paar Vokabeln mit auf den Weg geben.
      Ezra legte seine Arme um das Kleinkind und klappte das Buch auf, dann räusperte er sich und begann vorzulesen, während er mit den Fingern seines eingegipsten Arms die Wörter entlang fuhr um Max zu zeigen, wo er dran war. Er hatte keine Ahnung, wie gut der Junge lesen konnte, oder ob er überhaupt englische, beziehungsweise lateinische, Buchstaben verstand, aber vielleicht half ihm das ja irgendwie. Und es war immer noch besser, als sich eine Dokumentation nach der anderen anzusehen, oder?
    • Andrew

      Als Andrew wieder zurück in die Wohnung kam, hatte er einen Anblick vor sich, bei dem er am liebsten taktlos herausgeschrien hätte, was er eben mit Amy besprochen hatte. Aber das ging nicht, er musste wenigstens warten, bis er mit Ezra alleine war, und er musste… es ganz sanft anteasern. Er legte die Zahnpasta ins Badezimmer und kam zurück, um sich Elli zu schnappen und zu den Dreien auf die Couch zu setzen. Die Kinder waren ruhig und aufmerksam, während Ezra vorlas, sogar Niko. Und Andrew konnte es ihnen nicht verdenken, er wollte selbst jedes Wort in sich aufsaugen, das Ezra aussprach. Er lehnte sich zurück und setzte Elli auf seinen Schoß. Bis zum Ende des kurzen Kinderbuchs war sie eingeschlafen. Vermutlich, weil sie gerade alles hatte, was sie wollte. Und Andrew auch.
      "Ezra, ich hab überlegt, ob wir heute Abend vielleicht irgendwen zum Babysitten finden", murmelte er, als das Buch zugeklappt wurde. Er war sich noch nicht sicher, wem er die Kinder am ehesten anvertraute. "Ada wird es alleine dann mit Liz vielleicht ein bisschen viel, aber ich könnte Thomas und Steve fragen? Oder Caleb? Jedenfalls würde ich gerne mit dir essen gehen, oder so. Irgendetwas entspanntes, vielleicht zum Italiener"
      Das Ziel war eine ruhige Atmosphäre, damit er Ezra auf die Kinder ansprechen konnte und er Zeit hatte, wirklich darüber nachzudenken. Auch wenn die Zeit ein Witz war. Andrew würde das Thema nicht jetzt schon aufrollen, wenn er nicht den Druck spüren würde, dass sie sich unbedingt mit einem Waisenhaus in Verbindung setzen mussten. In wenigen Tagen so eine Entscheidung zu treffen war völliger Wahnsinn, aber er hatte keine Wahl, als Ezra in diesen Stress mitzunehmen.
      "Ist das okay? Ich finde, wir sollten mal wieder zu zweit sein", sagte er und küsste seine Wange. Ja, einmal zu zweit sein, was vermutlich ein rares Ereignis werden würde, wenn Ezra ihm mit der Adoption zustimmte. Zumindest ging es als gutes Argument durch, selbst wenn Ezra nicht wusste, was ihn erwartete.
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    • Ezra

      Dafür, dass Max nicht sonderlich überzeugt vom Lesen gewesen war, war er mit Begeisterung dabei. Jedes mal, wenn Ezra eine Seite umschlug und mit Niko die kleinen Abbildungen an den Seitenrändern oder unter den Absätzen durchging, wurde Max am Rande seines Sichtfeldes ungeduldig, weil er offenbar wissen wollte, wie es wieter gehen würde. Selbst als Andrew wieder zurück kam, war Ezra nicht mal eine kleine Umarmung vergönnt - Max schien vollkommen in dem kleinen Fall der Kinder-Dedektivgruppe versunken zu sein und wollte eine Lösung haben.
      Wenigstens konnte Max sich am Ende freuen - er hatte den Täter im letzten Drittel erraten und damit tatsächlich recht gehabt. "Geht euch schon mal für das Museum fertig machen, mhm?", schlug Ezra vor, bevor Andrew ihn ansprach. "Oh! Sicher!", stimmte er freudig zu. Vielleicht hatte sich Andrew ja doch etwas von dem angenommen, was er ihm vorgestern gesagt hatte und begann, sich weniger um sie zu stressen und mehr auf sich selbst zu achten! Vorausgesetzt, er würde bei dem Essen nicht plötzlich seinen Laptop zücken und Ezra einen Vortrag über Erste Hilfe halten, oder so.
      "Ich, ähm, Steve und Thomas haben bestimmt Zeit." Hoffte er zumindest. Der Kontakt zwischen Caleb und ihm hatte sich in den letzten Tagen auf ganze zwei Nachrichten beschränkt und er käme sich irgendwie furchtbar vor, wenn er ihn erst wieder anschreiben würde, wenn er etwas von ihm wollte. Ezra war sich immer noch nicht ganz sicher, was er von der ganzen Situation halten sollte, weshalb er irgendwie einfach generell vermieden hatte, darüber nachzudenken.
      "Soll ich sie anschreiben, oder möchtest du fragen? Thomas freut sich bestimm, wenn du dich nochmal meldest." Zumindest mehr, als Steve sich über eine Nachricht von Ezra freuen würde. "Vielleicht sollten wir dann auf dem Rückweg kurz zwischenstoppen und ihnen was als Dankeschön mitbringen. Eine Flasche Wein, oder so was in der Art."
    • Andrew

      Andrew nickte. Er hatte vergessen, dass Ezra deutlich weniger Zeit gehabt hatte, um die Sache zwischen Cal und Richard zu verarbeiten. Allgemein… irgendetwas zu verarbeiten, weil er die meiste Zeit im Koma gelegen hatte. Andrew lehnte sich zurück und sah den Jungs kurz hinterher, als sie in Richtung Badezimmer liefen, und sich hoffentlich tatsächlich die Zähne putzten. Dann wählte er Thomas Nummer. Serena hatte ihn mehrfach als Babysitter, zumindest bei der Arbeit, eingesetzt, also würde das schon klappen, und sie waren dann ja zu zweit.
      „Andrew… Hi“, klang es durch das Telefon. „Was gibt es?“ Hatte Thomas immer so skeptisch geklungen?
      „Ich rufe nicht wegen der Arbeit an“, entwarnte Andrew also gleich. „Ich wollte fragen, ob Steve und du heute Abend spontan Zeit haben, auf die Kinder aufzupassen. Ezra und ich wollen essen gehen, wir brauchen eine Pause, und ich vertraue dir, dass du drei Kinder für zwei Stunden oder so am Leben halten kannst“
      „O-oh! Ich muss Steve fragen, ob das für ihn klar geht, aber ich kann sonst auch alleine auf sie aufpassen, das macht mir nichts aus. Um wieviel Uhr denn? Soll ich nach der Arbeit zu euch fahren?“
      „Das wäre super. Es ist wirklich nicht viel Arbeit, die Kinder werden sowieso müde sein, weil wir einen Ausflug machen, und Elli schläft normalerweise schon um circa Sieben, aber wir schieben das Bett vielleicht noch ins Schlafzimmer, damit ihr fernsehen könnt, oder so“
      „Alles klar, ich hab in letzter Zeit öfter auf meine Nichten aufgepasst, das kriege ich schon hin. Dann bin ich vermutlich um kurz nach Fünf bei euch“
      Und damit hatte sich das Gespräch auch schnell und effizient erledigt. Andrew wusste ja, wieso er Thomas immer um die wichtigen Dinge bat. So unkompliziert war sonst niemand. Er wandte sich zu Ezra.
      „Also, dann reserviere ich um Sechs einen Tisch“, stellte er fest. Wenn sie etwas früher da waren, wäre es sicher kein Problem. Er überlegte kurz. „Und… was hältst du von dem Italier, wo unser erstes Pre-Date war?“
      Es war nicht wirklich ihr erstes Date gewesen, aber zumindest das erste Restaurant, in dem sie gemeinsam gegessen hatten, seit sie zusammen waren, genau als sie vom Flughafen nachhause gefahren waren. Und genau dort hatten sie ihr erstes Gespräch über Kinder gehabt, das mäßig gut verlaufen war. Es erschien Andrew als gute Gelegenheit, diesen Ort mit einem besseren Gefühl zu verlassen. Hoffentlich.
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    • Ezra

      Das Gespräch anzuhören - oder zumindest Andrews Seite der Unterhaltung - war überraschend traurig. Kein 'Hey, wie geht es dir?', kein Smalltalk, direkt formlos zum Punkt. Obwohl Thomas Andrew wahrscheinlich auch lange genug kennen musste, um daran gewöhnt zu sein. Wenigstens schienen sie so schnell zu einer Einigung zu kommen, also konnte Ezra sich wahrscheinlich nicht beschweren.
      "Das klingt nach einer absolut perfekten Idee", stimmte er mit einem Lächeln zu. Das klang tatsächlich nach einer traumhaften Pause in all dem Stress. Er drückte Andrew einen Kuss auf die Lippen. "Ich gehe nach den Kindern schauen, während du reservierst. Ich habe die Befürchtung, dass Max sich extra beeilt, um schneller ins Museum zu kommen." Er lachte leicht, bevor er Andrew noch einen zweiten Kuss auf die Lippen hauchte und das Bad ansteuerte. Alles, außer einen Vortrag über Sicherheit. Andrew konnte heute abend alles machen, außer sich selbst zu stressen.

      Max war im Museum positiv überfordert. Während sie darauf warteten, dass die nächste Führung los ging, zog er Ezra an der Hand von einem Dino Skelett zum nächsten und tippte auf die kleinen Infotafeln, damit er sie vorlesen konnte. Ezra ließ sich bereitwillig einspannen und war jedes mal beeindruckt, wenn Max einen Dino richtig identifizieren konnte. Niko schien weniger begeistert und ließ sich ein wenig an Andrews Hand hängen, aber wenigstens quengelte er nicht.
      Sie hatten spontan noch einen Platz in einer Kinderführung speziell für den Dinosaurier Teil des Museums bekommen, die von einer jungen Frau gehalten wurde, die ihren Job wirklich gut machte. Max hatte Niko direkt mit zu den anderen Kindern nach vorne gezogen, was Ezra die Gelegenheit gab, wieder nach Andrews Hand zu greifen.
      "So hatte ich mir unser obligatorisches Museumsdate eigentlich nicht vorgestellt", scherzte er leise, während die Kinder staunend ein Fossil betrachteten. "Ich bin davon ausgegangen, dass wir uns nach fünf Minuten langweilen, einen Magneten im Souvenierladen klauen und lieber feiern gehen, oder so." Obwohl die aufrichtige Freude auf Max' Gesicht deutlich schöner war als alles, was er sich hätte vorstellen können
    • Andrew

      Mittlerweile war Andrew so gewöhnt daran, zu jedem Zeitpunkt mindestens zwei Kinder an sich hängen zu haben, dass es ihm seltsam vorkam, wenn er beide Hände frei hatte, weil Max Niko hinter sich herzog. Ein witziger Anblick, wo es normalerweise genau anders herum war, außer Max wollte seine Geschwister von Ezra und ihm wegzerren, was… glücklicherweise nicht mehr so oft vorkam. Der Museumsbesuch schien ihn endgültig um den Finger gewickelt zu haben. Elli hatte er ausnahmsweise mal anders herum eingespannt, damit sie ebenfalls die Dinos ansehen konnte, während sie mehr oder weniger an Andrews Brust gefesselt war. So war es aber immer noch besser, als den ganzen Tag einen Kinderwagen herumzuschieben. Auch, wenn sie die Wickeltasche nicht loswurden. Andrew war trotzdem zufrieden. Wunschlos glücklich konnte man fast sagen, denn in seinem Kopf machten sich ausnahmsweise kein Warnsignale breit oder Hintergedanken an die Arbeit.
      Ezra brachte ihn erst wieder ein wenig in die Realität, als er sich, vermutlich nur im Scherz, etwas beschwerte. Da erinnerte sich Andrew ganz plötzlich eine Zweifel bezüglich des Gesprächs, dass er am Abend führen wollte. Jetzt nur keine kalten Füße bekommen. Natürlich hätte Ezra es sich anders vorgestellt, so lange waren sie noch nicht einmal zusammen. Aber, es gab sicher Paare, die nach einem halben Jahr Kinder bekamen, oder? Gewollt oder ungewollt. Gut, diese Kinder waren wahrscheinlich vermutlich nicht zu dritt und eins davon war bereits Sechs. Aber… Andrew musste es sich ja irgendwie schönreden, damit er keine Panik bekam, dass Ezra plötzlich sagte 'Klar wollte ich Kinder, aber doch nicht jetzt gleich'. Oh Mann. Andrew konnte sich diese Worte haargenau in Ezras Stimmton vorstellen.
      Er lächelte also gezwungen auf seinen Scherz. "Wir können ja trotzdem mal wieder feiern gehen…", versuchte er zu entschärfen, auch wenn es jetzt wohl einfach rüberkam, als hätte er den sarkastischen Unterton nicht kapiert. "Also, ich meine, Babysitter finden sich ja anscheinend schnell", fügte er hinzu. Toll, spoilerte er jetzt das Gespräch ein paar Stunden im Voraus? Themenwechsel.
      "Denkst du, Thomas und Steve kriegen das hin? Mit drei Kindern. Thomas meinte, er hat zwei Nichten, die nur ein bisschen älter sind als Elli, und auf die hat er aufgepasst, aber er kommt mir so… schwach vor. Nicht böse gemeint. Aber Max kann ihn wahrscheinlich herum kommandieren, glaubst du nicht?" Der Sechsjährige war tatsächlich recht willensstark.
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    • Ezra

      Wenn es nicht langsam ein bisschen bedenklich wäre, wäre es fast süß, dass Andrew immer noch versuchte, alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Neun Jahre lang wurde man nicht für voll genommen und plötzlich legte er jedes einzelne Wort auf die Goldwaage. Ezra musste fast ein bisschen lachen. Es war seltsam, wie weit sie in den letzten Monaten gekommen waren und wie sehr sich alles geändert hatte. Mittlerweile kam es ihm fast surreal vor, dass ihre Beziehung damit gestartet hatte, dass er vor Andrew weggelaufen ist.
      "Ich glaube, ich kann für eine Weile aufs Feiern verzichten", merkte Ezra an, während sich die kleine Gruppe langsam durch das Museum bewege, die Kinder vorweg und die Eltern hinterher. Sie schienen zu den jüngeren Erwachsenen zu gehören. Die meisten anderen waren entweder ebenfalls in kleine Privatgespräche vertieft, oder lauschten mit ihren Kindern der Führung. Außer ihnen gab es nur ein anderes Pärchen, das ein Baby dabei hatte, welches gerade fröhlich versuchte, seiner genervten Mutter die Brille zu klauen. Mit einer Party konnte das alles wirklich nicht mithalten, aber irgendwie war es seltsam entspannend. Nach den ganzen Trubel der letzten Wochen brauchte Ezra keine laute Musik, Alkohol und verpassten Schlaf. Zumal er wegen der Medikamente sowieso nichts alkoholisches trinken durfte.
      "Ich wäre enttäuscht, wenn Max sie nicht rumkommandieren würde, wenn ich ehrlich bin", antwortete er nach einer kurzen Pause, ohne Max und Niko aus den Augen zu lassen, während die junge Frau vom Museum das erste Skelett ansteuerte und dabei erklärte, wie alt es war. Viel zu alt, als dass Ezra es sich irgendwie vorstellen könnte, aber er konnte sich vage daran erinnern, mal ein Fossil mitgehen gelassen zu haben. Was gerade wahrscheinlich nicht der beste FunFact war.
      "Mir ist es lieber, dass Max sich durchsetzt, als dass er verschreckt in einer Ecke sitzt und weint", fuhr er fort. "Thomas und Steve sind erwachsen. Die schaffen das schon. Sonst ist Ada ja noch da, um die beiden zu babysitten." Und wenn Thomas schon ein bisschen Vorerfahrung hatte, würde er das bestimmt spielend leicht hinbekommen. Max würde wahrscheinlich eh den ganzen Abend nichts mit ihnen zu tun haben wollen und Niko war leicht zu beschäftigen. Elli war sowieso so niedlich, dass man ihr alles verzeihen würde und Andrew und er mussten den Abend ja nicht zu lange ausreizen.
      "Du wirst schon sehen. Heute abend wird super entspannend", versprach Ezra, während die Museumsangestellte sie um eine Wand herum führte und sie vor der lebensgroßen T-Rex Animatronic stehen blieben. Der T-Rex bewegte den Kopf leicht von links nach rechts und stieß einen Schrei aus, der eines der Kinder wohl so sehr erschreckte, dass es spontan in Tränen ausbrach. Der zugehörige Vater bahnte sich sofort seinen Weg nach vorne, um das Kind hochzuheben und, gefolgt von mitfühlenden Blicken, mit sich zurück in die hinteren Reihen zu nehmen. Max sah derweil aus, als ob alle seine Wünsche gleichzeitig in Erfüllung gegangen wären. Er drehte sich strahlend zu Andrew und ihm um, während er auf den Dino zeigte. Ezra musste ein kleines Lachen unterdrücken, während er bestätigend nickte. Alleine dafür hatte sich der Ausflug doch schon gelohnt, oder?
    • Andrew

      Gut, wenigstens hatte Ezra sein Babysitter-Kommentar auch erstmal nur auf die nächsten Tage bezogen. Andrew war zu paranoid. Wie sollte Ezra schon auf die Idee kommen, dass er etwas anderes meinte? Dass er schon die nächsten paar Jahre für Babysitter in Betracht zog? Auf der anderen Seite sollte er selbst vielleicht nicht so zuversichtlich bei der Sache sein. War es eigentlich seltsam, dass Ezra garnicht hinterfragte, wie lange die Kinder bei ihnen bleiben würden? Hatte Andrews ‚Organisatorisches kann dauern‘ Argument, alle sofort überzeugt?
      Er versuchte, den kleinen Ausflug zu genießen, wurde die schiere Angst vor dem Gespräch aber nicht mehr los. Was wenn es Ezra wirklich einfach zu früh für Kinder war oder er sich diese ganz spezifischen drei Kinder nicht vorstellen konnte, zu adoptieren? Andrew hatte nie gedacht, dass dieser Gedanke ihm das Herz brechen könnte, aber hier war er nun. Trotzdem würde er Ezra nicht über so eine Sache verlieren. Wenn es nichts wurde, dann musste Andrew sich damit irgendwie abfinden. Er würde zwar für immer mit einem schlechten Gewissen leben, aber… zumindest hatte er immernoch Ezra und diese ganze Sache war ohnehin so verrückt, dass er ihm bei jeder Entscheidung Verständnis entgegen bringen müsste.
      Max war zum Glück so begeistert von den Dinosauriern, dass auch Ezras Aufmerksamkeit auf dem Jungen lag. Je länger die Führung dauerte, desto mehr Angst bekam Andrew jedoch, weil einfach alles so perfekt verlief. Keiner weinte, alle waren zufrieden, Max sah endlich mal wunschlos glücklich aus und Ezra lachte. Alle waren wunderbar in seinem Sichtfeld und hatte Spaß und je schöner der Anblick wurde, desto schlimmer sah es in Andrews Kopf aus. Er wollte sich das alles einprägen. Zumindest die Erinnerung an diesen Tag wollte er behalten. Und wenigstens hatten sie den Kindern ein paar schöne Tage beschert und ihnen viele Sachen gekauft, und bestimmt konnten sie im Waisenhaus zusammen bleiben…

      Man konnte sich ganz leicht in Panik hineindenken, wenn man nur die eigenen Schwachstellen gut genug kannte. Andrew hatte akzeptiert, dass diese Kinder neben Ezra eine neue Schwachstelle geworden waren. Und sein Gehirn ließ ihm damit keine Ruhe.
      Nach dem Museum stoppten sie noch bei einem Mexikaner für ein frühes Abendessen und die Jungs durften sich jeder eine bunt gemixte, mild gewürzte Burrito Bowl zusammenstellen, während Elli nebenher mit Guacamole gefüttert wurde und Andrew versuchte, seine Snack-Quesadillas nicht auf ihren Kopf fallen zu lassen. Und nach einem kleinen Spaziergang ging es anschließend wieder nachhause, wo sie auf Thomas und Steve warteten, um ihnen eine kleine Einführung zu geben und zum Italiener fahren zu können. Die Kinder wurden bereits soweit bettfertig gemacht, wie es ging, damit sie später keine Arbeit mehr hatten, und Andrew duschte schnell, bevor ihre Babysitter kamen, und er Ezra ins Badezimmer lassen konnte. Er zog sich einigermaßen schick an. Zwar verließ er das Haus nie ohne ein schnelles Styling, aber er hatte trotzdem nie so schrecklich ausgesehen wie in den letzten zwei Wochen, darum musste er zu seiner Geheimwaffe greifen: Dem Concealer und der Buntfaltenhose. Er suchte sich eine seiner Uhren aus, die er aus Sicherheitsgründe lange nicht getragen hatte, und gab Thomas selbstständig eine… Na schön, vielleicht doch etwas zu detaillierte Einführung, wo er ja mal dabei war.
      „Eigentlich haben alle etwas gegessen, aber wenn Elli nochmal Milch will, dann-“
      „Ich weiß, wie man Milch anrührt und warm macht, und ich hab einen Zehnjährigen Bruder, also mach dir keine Gedanken. Wir beschäftigen uns schon irgendwie, vielleicht lern ich sogar ein bisschen Russisch“, unterbrach Thomas ihn. Die Selbstsicherheit gefiel Andrew. Damit war er schon in einer Thematik etwas beruhigter.
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    • Ezra

      Der Tag war bisher ein voller Erfolg gewesen. Das Museum war tatsächlich ziemlich interessant gewesen und sie hatten Max wenigstens nochmal lachen gesehen, bevor... Nein. Sie müssten umziehen, Nadia war noch da draußen und Andrew würde sich sicher nicht für längere Zeit mit drei Kindern rumschlagen wollen. Ezra schob sämtliche kleine Hoffnungsfetzen, die durch seinen Kopf huschten, entschieden zur Seite. Wenigstens konnten sie dem Waisenhaus ein paar Tipps zu den Kindern mitgeben. Wenn es sich denn schlussendlich doch irgendwann melden würde. Ezra rechnete eigentlich jeden Tag damit, wollte Andrew aber nicht darauf ansprechen, aus Angst, dass sein Freund selbst zum Hörer greifen würde, um die Dinge zu beschleunigen.
      "Gibt es sonst noch irgendwas, auf das wir achten müssen?", riss Steve ihn aus seinen Gedanken. Sie standen ein wenig Abseits von Andrew, der Thomas gerade nochmal erklärte, wie man Milch warm machte, was wohl ziemlich überflüssig zu sein schien, aber Ezra wäre momentan irritiert, wenn sein Freund mal nicht alles übererklären würde. Er selbst schüttelte kurz mit den Kopf.
      "Die drei sind lieb. Eigentlich. Max redet nicht, aber das liegt nicht an euch, das macht er bei uns auch nicht und er ist ein wenig überfürsorglich, wenn es um seine Geschwister geht. Niko ist in dem Alter, in dem er entweder mehr Energie hat, als möglich sein sollte, oder schläft und Elli unterscheidet sich momentan wahrscheinlich nicht sonderlich von jedem anderen Baby. Entspannt euch, schaut euch irgendeinen Film an, oder so. Bedient euch am Kühlschrank, fühlt euch wie zuhause und lasst euch nicht von Max einschüchtern." Er lächelte, während er zu dem Jungen sah, der im Türrahmen stand und sie alle zutiefst kritisch beobachtete. "Ihr schafft das schon", versicherte Ezra Steve, ließ ihn stehen und kniete sich zu Max runter, der ihn beinahe vorwurfsvoll ansah, während er ein Dino-Plüschtier, das er sich im Souvenirshop ausgesucht hatte, an sich drückte.
      "Wir sind nur kurz weg, okay? Wir kommen heute abend wieder. Thomas und Steve sind super nett und lassen euch bestimmt viel länger wach bleiben, als wir es tun", versprach er lächelnd, während er Max aufmunternd über den Arm strich. "Aber nur, wenn ihr auch lieb seid und nichts anstellt. Also pass ein bisschen auf Niko auf", fügte er schließlich mit einem kleinen Lachen hinzu. Max nickte viel zu erst, bevor er Ezra nach kurzem zögern die wohl kürzeste Umarmung der Welt gab, um sich sofort demonstrativ umzudrehen und zurück zu seinen Geschwistern zu gehen. Ezra sah ihm kurz ein wenig überfordert hinterher, bevor er sich aufrappelte und zu Andrew ging, um nach seiner Hand zu greifen. Am liebsten hätte er Max und seine Geschwister spontan doch noch mitgenommen. Thomas und Steve konnten ja auch einfach...auf die Wohnung aufpassen, während Ezra so viel Zeit mit den dreien verbrachte, wie er konnte, bevor er sie nie wieder sehen würde.
      "Ich glaube, die beiden haben alles im Griff und wir kommen zu spät zu unserer Reservierung, wenn wir jetzt nicht los gehen", merkte Ezra an, bevor er seine Gedanken laut aussprechen konnte. Nein. Heute Abend ging es nur um sie beide. Darum, ein wenig Luft zu schnappen, bevor sie sich zurück in ihren chaotischen Alltag stürzen würden und vielleicht um eine PowerPoint über Alltagssicherheit. Zum Glück hatte Andrew keinen Laptop dabei.
    • Andrew

      Andrew wurde erst aus seiner Erklärung gerissen, als Ezra ihn ansprach. Vermutlich hatte Thomas einfach nicht gewusst, wie er ihn stoppen sollte. Andrew nickte langsam.
      „Äh, ja, und vergesst nicht, das Babyphone anzuschalten, wenn ihr Elli ins Bett legt“, sagte er als letzten Hinweis, bevor er sich von Ezra zur Tür ziehen ließ. Er hatte bereits seine Schuhe an und schnappte noch seine Jacke, als Niko plötzlich wieder an seinem Bett hing und etwas besorgt zu ihm hoch sah, während Max versuchte ihn an seinem Shirt wieder wegzuziehen. Andrew verharrte kurz, während sein Gesicht sich unbemerkt verzog, dann ging er nochmal in die Knie und drückte Niko. „Wir sind in ein paar Stunden wieder da“, sagte er und strich Niko ein paar Mal über den Rücken. Er strich auch Max kurz durch die Haare bevor er sich umdrehte und zum Gehen zwang. Es waren wirklich nur ein paar Stunden und Andrew hatte kein schlechtes Gefühl dabei, die Kinder kurz bei Steve und Thomas zu lassen, aber er verkraftete diese Blicke nicht. Die einem alles sagten, was man wissen musste. Dass diese Kinder Angst hatten, wieder und wieder im Stich gelassen zu werden.
      Erst als sie im Auto saßen, brachte Andrew es zustande, sich wieder mehr auf Ezra zu fokussieren. Der Abend war vorrangig für das Kindergespräch freigehalten, aber sie sollten die Zeit definitiv auch nutzen, um etwas zu entspannen und Zeit zum reden zu haben. Es gab mehrere Dinge, die vielleicht nochmal angesprochen werden sollten, und weder in Max Nähe noch in ihrem Bett wirklich ein geeignetes Gesprächssthema gewesen waren. Sie brauchten wirklich etwas Zeit alleine.
      „Hat Max dich vorhin umarmt? Ich hab‘s im Augenwinkel gesehen. Oder hat er einen Fussel von deiner Schulter gewischt?“, schmunzelte Andrew und warf Ezra beim Fahren einen kurzen Blick zu. „Er ist sonst nur okay mit Körperkontakt, wenn er total müde ist, hab ich das Gefühl“
      Andrew konnte nicht verhindern, dass er bei dem Gedanken immer gleichzeitig auch inständig hoffte, dass das nur eine Vertrauenssache war, und er nicht früher geschlagen oder misshandelt wurde, was zu der Distanziertheit geführt hatte. Sowas hatte Andrew immer wieder mitbekommen. Aber er sollte sich vermutlich nicht so viele Gedanken machen, denn der Tod seiner Eltern und dann das brennende, einstürzende Haus waren wahrscheinlich auch genug Trauma, um ein paar Verhaltensstörungen hervorzurufen. Und, naja, immerhin kannten sie sich erst zwei Wochen, die Skepsis konnte also noch immer im normalen Bereich liegen. Niko war vermutlich einfach ein Sonderfall, und Elli eben… ein Baby.
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    • Ezra

      "Ich glaube, er wollte mich mit seinem Dino erschlagen und war einfach etwas unkoordiniert", antwortete Ezra mit einem kleinen Lachen, während er imaginären Staub von seiner Jeans wischte. Es war süß gewesen. Am liebsten würde er aussteigen und den Jungen sofort nochmal umarmen, obwohl das wahrscheinlich eher den Effekt haben würde, dass Max sich zurückzog. Andrew hatte recht, er schien von Körperkontakt - oder Kontakt jeglicher Form - nicht sonderlich begeistert zu sein. So vollkommen im Gegensatz zu Niko und Elli, die sich an alles klammerten, was sich bewegte.
      "Wahrscheinlich haben wir mit dem Museum einfach einen Nerv getroffen und er wusste nicht so ganz, wie er sich für den Tag bedanken sollte", erklärte er schließlich deutlich ernster. "Er ist in der Hinsicht ja etwas eigensinnig. War er von Anfang an so, oder hat er sich das bei dir abgeguckt, als du dich alleine um sie kümmern musstest?", fragte er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. Dafür nutzte er die nächste rote Ampel, um sich zu Andrew rüber zu lehnen und ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken. Eigenwillige Art hin oder her, er liebte seinen Freund und die drei Kinder waren ihm jetzt schon viel zu wichtig, auch wenn er weiterhin versuchte, jeden Gedanken in diese Richtung irgendwie zu unterdrücken.
      "Oh, ich habe übermorgen übrigens meinen nächsten Arzttermin", wechselte er das Thema. Irgendwie. Ganz gewechselt war es ja nicht, immerhin benötigte er den Arzt nur, weil er die Kinder gerettet hatte. "Ich hatte Steve gefragt, ob er jemanden empfehlen kann und er hat offensichtlich direkt rumtelefoniert und geschaut, wann bei wem der nächste Termin frei ist und so. War eigentlich gar nicht meine Absicht. Entweder hat er absurd viel Mitleid mit mir, oder er will sich schon mal bei dir beliebt machen." Er lachte kurz. Wahrscheinlich war beides nicht der Fall. Steve nahm einfach seine Arbeit zu ernst, oder hatte zu viel Langeweile. Aber solange er einen Vorteil daraus ziehen konnte, wollte Ezra sich nicht beschweren. Er musste Thomas nur warnen, falls sein Freund in die selbe Workaholic-Richtung abdriftete, wie Andrew früher. Ob das Thomas überhaupt stören würde?
    • Andrew

      „Nennst du mich eigensinnig? Ich liebe Körperkontakt. Deinen, jedenfalls“, protestierte Andrew. Und innerlich hoffte er, dass er nicht wirklich etwas mit seiner abweisenden Art auf Max abgefärbt hatte. Er hatte eigentlich versucht, möglichst offen mit den Kindern zu sein, weil die ja für das alles überhaupt nichts konnten. Gut, anfangs hatte er sich etwas gegen die Verantwortung gewehrt… Vielleicht nahm Max ihm das ja noch übel. Sollte er vielleicht anfangen und ihn mal etwas öfter umarmen? Würde das helfen? Andrew hatte Umarmungen als Kind nicht leiden können. Vielleicht mussten sie sich irgendwie an ein Verhältnis herantasten.
      Andrew nickte begeistert über die neue Information über den Arzttermin. Wenn er nicht ohnehin Ezras Chauffeuer sein müsste, hätte er schon darauf bestanden, unbedingt mitgehen zu wollen. Wenn es bei MLO einen fähigen Arzt gab, wollte er auch hören, was der zu sagen hatte. Und er würde mit etwas Nachdruck auf ein paar neue Methoden bestehen, die den Heilungsverlauf ankurbelten.
      „Das erinnert mich an unser Gespräch vorgestern. Ich sollte Harald nochmal fragen, ob er sich je Gedanken gemacht hat, die Firma technologisch auszubauen. Ich will Thomas wieder als Kollegen haben. Steve ist auch gut, aber Thomas kennt mich eben besser“, meinte er nebenbei. Ja, Thomas hatte ihm sein Leben immer deutlich leichter gemacht. Je schneller sie wieder zusammen arbeiten konnten, desto besser.

      Andrew parkte in einer Seitengasse nahe des Italieners. Ihr Tisch war an einem Fensterplatz im ersten Stock, eine ruhige Ecke, in der sie hoffentlich ungestört reden konnten, ohne das Gespräch von irgendwelchen Sitznachbarn aufgezwungen zu bekommen. Sie nahmen Platz, bestellten ihre Getränke, und Andrew kippte sofort wieder zurück in seine Nervosität. Er hatte sich nicht wirklich einen Game Plan überlegt. Sollte er es hinter sich bringen oder das Thema Kinder fürs Ende aufheben, damit sie nicht über vollen Tellern diskutieren mussten? Andrew konnte nach den letzten Tagen nicht einmal garantieren, dass er nicht losheulen würde. Er hatte kein Vertrauen mehr in seine Fähigkeiten, seine Gefühle zu kontrollieren, nicht nach gestern Abend. Vielleicht sollte er langsam einsteigen.
      „Hast du nochmal mit Caleb geredet?“, fragte er. Andrews Meinung zu der ganzen Sache hatte sich nicht geändert, aber er hatte das Gefühl, dass sie ihr Gespräch trotzdem gezwungenermaßen kurz gehalten hatten. Auch, wenn es vermutlich nicht mehr viel zu bereden gab.
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    • Ezra

      Ezra stieß ein kleines Seufzen aus, als Andrew das erste Gespräch des Abends begann und damit direkt eine der tausend Sachen ansprach, die Ezra seit Vorgestern durch den Kopf gingen. Obwohl sie sonst wahrscheinlich wirklich keine Zeit für solche Gespräche hatten. Die Kinder waren wundervoll, aber zeitaufwändig und es war definitiv besser, wenn sie nichts von fragwürdigen Affären innerhalb ihres Freundeskreisen mitbekommen würden.
      “Er hat mich gestern kurz gefragt, wie es mir geht und ich hab relativ knapp geantwortet.” Er presste kurz die Lippen aufeinander, während er versuchte zu formulieren, was sich in seinem Kopf innerhalb der letzten Stunden zusammengesetzt hatte. “Ich weiß immer noch nicht so wirklich, was ich von alledem halten soll. Offensichtlich ist die ganze komische Beziehung zwischen ihnen ja vorbei und Cal tut es wohl aufrichtig leid, aber…” Ezra zuckte genervt mit den Schultern. “Irgendwie fühlt es sich seltsam an, über das alles einfach so hinweg zu gehen. Ohne Konsequenzen. Obwohl Cal eigentlich sowieso noch was bei mir gut hat, weil ich damals einfach abgehauen bin. Ich habe das Gefühl, dass sich das irgendwie ausgleichen sollte, auch wenn es zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind. In meinem Kopf ist das trotzdem so eine ‘ich habe was falsch gemacht, du hast was falsch gemacht also sind wir quitt' Sache.” Wie fasste man eine jahrelange Beziehung zwischen Geschwistern so zusammen, dass sie für einen Außenstehenden Sinn ergab?
      “Ich glaube, ich muss ihn einfach nochmal anrufen, oder so. Es ist sowieso so schräg, dass ich meine Geschwister mag. Ich habe meine halbe Kindheit damit verbracht, mich mit ihnen zu streiten, und plötzlich kommen sie mir gar nicht mehr so furchtbar vor.” Nicht unbedingt die idealen Geschwister vielleicht, aber wenigstens wollte er sie nicht mehr erwürgen, wenn er sie sah. Entweder war das geistiges Wachstum, oder Altersmilde. Er tippte auf letzteres, während ihn die gesamte Situation einfach furchtbar überforderte.
      “Ich glaube, ich muss da einfach nochmal in mich gehen. Wie läuft es mit Godwins Zusatzaufgaben?”, fragte er zurück, um das Thema zu wechseln. Die ganze Geschichte mit seinen Geschwistern musste er irgendwie mit sich selbst ausmachen, genauso, wie Andrew wahrscheinlich Richards Übergriffigkeit mit sich selbst ausmachen wollte. Selbst als Paar konnte man sich wohl nicht alle Probleme teilen, auch, wenn Ezra noch so gerne eine Allgemeinlösung finden würde. Irgendwas, was den ganzen Stress verschwinden ließ. Sie waren nicht mal ein halbes Jahr zusammen. Sie sollten immer noch in der Phase stecken, in der alles wunderbar und einfach wirkte…und in der man vielleicht spielend leicht mit drei zusätzlichen Kindern klar kommen würde, wenn man sie versehentlich viel zu lieb gewonnen hatte. Sie sollten sich nicht mit dem Rest der Familie und wohl verdienten, aber schlecht getimten Beförderungen auseinandersetzen müssen.
      “Warte, vergiss die Frage. Arbeit ist so ein blödes Thema”, beschloss Ezra, während er über den Tisch hinweg nach Andrews Hand griff. Er wollte einfach abschalten und einen stressfreien Abend genießen. “Wie geht es dir, Darling? Ist alles okay, oder wird es langsam zu viel?”
    • Andrew

      Andrew zögerte, bevor er doch noch aussprach, was er sich eben gedacht hatte. "Ich weiß, dass du das wahrscheinlich genauso wenig hören willst, wie ich, aber vielleicht wusste Caleb anfangs nichtmal, dass Richard derselbe Richard ist, von dem wir damals im Auto gesprochen haben, und er wusste definitiv nichts von der Sache bei der Willkommensfeier. Und ähm… auch wenn Richard schon immer ein überheblicher Arsch war, war er meistens einfach nur nervig. Ich will Cal nicht verteidigen, weil ich es ziemlich persönlich genommen habe, dass er Richard vor mir verteidigt hat und meinte, ich bin nicht besser als er, aber im Endeffekt sind sie beide erwachsen. Vielleicht… musst du die Entschuldigung einfach annehmen und das alles auf Calebs Unwissenheit schieben. Er würde sicher nicht nochmal was mit Richard anfangen, wenn er jetzt von diesen Sachen weiß"
      Zumindest war es das, was Andrew seinen Seelenfrieden gab. Wäre Caleb nicht Ezras Bruder, und Ezra würde nach all den Jahren plötzlich wieder den Drang verspüren, eine enge Beziehung zu seinen Geschwistern zu haben, dann könnte Andrew mit der Sache auch abschließen indem Cal für immer bei ihm unten durch war. Aber er musste damit irgendwie ins Reine kommen. Schließlich sollte die Stimmung zwischen ihnen nicht für immer furchtbar sein. Allerdings hatte er gegenüber Ezra den Vorteil, zweimal die Gelegenheit gehabt zu haben, Richard zu schlagen, und das hatte ihm mit der Verarbeitung definitiv geholfen.

      "Und mir… mir geht es gut. Oder, ehrlich gesagt bin ich ziemlich gestresst" Andrew bemühte sich aktiv, ehrlich zu sein, und nicht zu untertreiben. Eine seltsame Umstellung. "Ich freue mich über den Job, aber Harald ist der schlechteste Einweiser auf dem Planeten. Aber ich hab sowieso vor, alles auf meine Art zu machen, sobald ich kann. Jedenfalls… ist das nicht der einzige Grund" Er zögerte und strich sich über die Oberschenkel, bevor er auch mit der zweiten Hand nach Ezras griff.
      "Ich liebe dich und ich liebe es, mit dir zusammen zu wohnen und dich jeden Tag zu sehen und Zeit mit dir zu verbringen", fing er nervös an. "Und die letzten zwei Wochen waren unglaublich anstrengend, vor allem die Zeit, als du im Krankenhaus warst, weil ich dich, ob ich will oder nicht, wirklich als Unterstützung in meinem Leben brauche, egal wie. Ich mache mir zwar selbst Stress, weil ich dich am liebsten jede Sekunde im Auge behalten würde, damit nicht nochmal so etwas passieren kann, aber mir geht es wirklich tausend Mal besser, wenn du einfach nur in meiner Nähe bist. Ich hab in den letzten Tagen gemerkt, dass ich mir viel mehr zutraue, wenn du dabei bist. Und, also… sich zwei Wochen lang um Kinder zu kümmern und sie erfolgreich am Leben zu halten… ist kein Vergleich damit, es über Jahre hinweg zu tun, aber ich hätte es mir nicht zugetraut und es war… trotzdem anstrengend, aber in der Sekunde, in der du mir wieder mit allem geholfen hast, hat es auf mich… so machbar gewirkt, sich auch auf lange Zeit um Kinder zu kümmern. Ich dachte immer, ich wäre furchtbar mit Kindern, und sie kosten zu viel Geld, aber ich glaube mir hat nur die Geduld für alles gefehlt, und dank dir hab ich die mittlerweile. Und was das Geld angeht, ist die Beförderung eigentlich das beste, was passieren hätte können. Das… das heißt nicht, dass es keine Hürden gäbe, weil wir zum Beispiel umziehen müssten, und Nadia ist immer noch frei, und als Chef werde ich nicht gerade weniger zur Zielscheibe werden, aber ich… Warte, vielleicht sollte ich anders anfangen. Ist es verrückt, die Kinder zu adoptieren? Drei Kinder, nachdem wir nichtmal ein halbes Jahr zusammen sind, und nur eins davon kann unsere Sprache, will sie aber nicht sprechen?"
      Andrew hatte längst wieder vergessen, was er zu Beginn seiner Rede gesagt hatte. Er hätte sich einen Plan zurechtlegen sollen. Das war alles völlig chaotisch. "Ich will nicht, dass sie in irgendeinem Waisenhaus ohne Eltern leben müssen. Alleine wäre ich sicher echt ungeeignet, mich zu kümmern, weil ich, wie du schon sagtest, eigensinnig bin und wahrscheinlich würden die Kinder mich immer für total langweilig halten, aber du kannst das super. Du… ich weiß, du wolltest unbedingt Kinder, aber wenn es dir zu früh ist, oder die Situation zu seltsam und unpraktisch, versteh ich das auch, und äh… Amy meinte, ich soll dir vielleicht noch sagen, dass du nicht überschnell zustimmen sollst, falls du denkst, dass das die einzige Chance ist, Kinder zu adoptieren"
      Okay. Noch was? Nein, das war es vermutlich. Andrew wusste selbst nicht, ob er über das alles so schnell hinwegkommen könnte, wenn Ezra Nein sagte, und ob er dann demnächst bereit wäre, irgendwelche anderen Kinder zu adoptieren, die er nicht kannte, während er immer die Drei im Hinterkopf hatte, die er zurückgelassen hatte, aber… Wenigstens war er dem gesamten Thema zu jetzigem Stand nicht mehr so abgeneigt.
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