The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Caleb

      Langsam bekam Caleb tatsächlich ein ziemlich gutes Gefühl dafür, was genau bei Richards Arbeitgeber abging. Offensichtlich war er nicht der einzige, der sich täglich seine eigene Verschwiegenheitspflicht vor Augen führen musste. Wahrscheinlich sollte er Ezra beizeiten doch mal ein paar gezieltere Fragen stellen. Obwohl Richard mindestens genauso viel zu reden schien, wie sein Bruder. Wenigstens war seine Erklärung einleuchtend. Caleb war fast ein wenig erleichtert darüber, dass Richards Schweigen nichts mit ihm zu tun hatte.
      “Ich kann dich beruhigen. Steine zu stehlen ist eigentlich nicht ganz mein Ding, wie du vielleicht gemerkt hast.” Obwohl er Richard die Bedenken nicht verübeln konnte. Er selbst wäre wahrscheinlich ähnlich misstrauisch, wenn die Situation umgekehrt wäre und eigentlich war ihm das Misstrauen weitaus lieber, als der überraschend offene Satz am Ende seines kleinen Monologs, der Cal unfreiwillig zum Lachen brachte.
      “Oh, bild dir nichts drauf ein. Ich war betrunken und mein letzter One Night Stand war sechs Jahre her. Oder sieben?” Er zuckte kurz mit den Schultern. Ab einem gewissen Zeitpunkt kam es eh nicht mehr darauf an. “Es war einfach nett, mal eine Nacht nicht alleine zu verbringen.” Und vielleicht hatte diese seltsame Sympathie auch dafür gesorgt, dass er geblieben war, aber er würde wahrscheinlich eher Richards Vorschlag mit dem Selbstmord annehmen, als das zuzugeben. Dann könnte er ihm auch direkt ins Gesicht sagen, dass er wahrscheinlich bei dem kleinsten Flirt direkt wieder einknicken würde. Weshalb sich das Gespräch gerade in eine höchst unglückliche Richtung entwickelte.
      “Dass du nicht mein Typ bist, macht das ganze eigentlich nur noch schlimmer.” Sein Blick rutschte unvorteilhafterweise nun doch ein wenig tiefer, zu Richards durchtrainierten Armen. Langsam hatte er das furchtbare Gefühl, dass er selbst eigentlich gar nicht mehr so richtig wusste, was sein Typ war. Er blinzelte kurz, bevor er sich wieder auf sein Gesicht konzentrierte. “Ich hab nicht mal eine Ausrede.” Er konnte nicht anders, als ein wenig zu lächeln. Irgendwie war diese ganze Situation bizarr.
      “Aber es war…wirklich gut.” Gut genug, dass die Nacht praktisch durchgehend immer wieder durch seinen Kopf geisterte, wenn er sich gerade nicht ablenken konnte.
    • Richard

      Calebs Lachen war erschreckend süß. Auf seine eigene Hexen-Gremlin-Art. Irgendwie eine Schande, dass er ständig aussah, als würde er am liebsten alle im selben Raum und dann sich selbst erschießen. "Die sechs oder sieben Jahre hast du dir aber nicht anmerken lassen", murmelte Richard ein wenig gegen seinen eigenen Willen. Gleichzeitig fragte er sich langsam wirklich, wie alt Caleb nun war. Er konnte kaum älter als sieben- oder achtundzwanzig sein. Oder schätzte Richard ihn falsch ein? Sechs, sieben Jahre ohne Sex und dann war das letzte Mal ein One Night Stand? War er überhaupt jemals in einer Beziehung?
      Aber Richard konnte ihn kaum aus dem Nichts fragen, wie alt er eigentlich war. Außerdem hatte er fast Angst vor der Antwort. Wenn Caleb in seinen Dreißigern war, musste Richard wirklich mal hinterfragen, was er selbst falsch machte, da er definitiv älter aussah als der Blonde.
      Das war allerdings nicht lange wichtig, da er Calebs Blicke von der Seite ganz deutlich spüren konnte. Wie lange wollte er noch darauf bestehen, dass er nicht sein Typ war? Richard drehte den Kopf in Cals Richtung und fing seinen Blick auf. "Was ist? Wenn du mich nicht anstarrst, weil du mich heiß findest, muss ich davon ausgehen, dass du mich abstoßend findest und deshalb nicht wegsehen kannst", sagte er provokativ. Caleb konnte über Richards Persönlichkeit sagen was er wollte, aber er wusste selbst ganz genau, dass er gut aussah. Er ging nicht nur ins Fitnessstudio, weil eine gewisse physische Stärke definitiv von Vorteil in seinen Jobs war. Gut, die originale Motivation war mal wieder jemand dessen Namen mit 'A' anfing, aber viele Menschen standen auf Muskeln ('A' offenbar nicht so), und das hatte sich in den letzten zehn Jahren bewährt. Er konnte Cal nicht verübeln, dass er ihn ständig anstarrte, als hätte er einen Gott vor sich stehen.
      "Es war gut?", fragte er etwas ungläubig. Nur gut?
      "Das war's? Wenn es 'gut' war, wieso empfindest du es dann als notwendig, das zu sagen? Du kannst ruhig alle Adjektive verwenden, die dir in den Sinn kommen", neckte er Caleb. "Ich geb dir ein paar Beispiele. Umwerfend. Überwältigend. Atemberaubend. Göttlich." Er überlegte. "Bewusstseinsverändernd. Fulminant. Berauschend. Soll ich weitermachen? Oh, ich rede übrigens von mir. Du warst mittelmäßig, aber gern geschehen" Er grinste Caleb an. Ja, das war's mit den Komplimenten, irgendwie musste er seine Ehrlichkeit vor fünf Minuten ja wettmachen. Auf der anderen Seite…
      Nach kurzem Schweigen sprach er weiter. "Aber, ich begeistere andere gern. Fühlt sich gut an. Ich mein nur… Vielleicht hilft dir das ja mit deinen… Depressionen und dem Zeug" Das Grinsen war ihm leider längst aus dem Gesicht gewichen und auch, wenn er nicht gerade seine Intention zu verstecken versuchte, war er vermutlich doch deutlich einfacher zu durchschauen, als er es wollte.
      Aber es war ihm gerade irgendwie fast zu peinlich. Nach einem eindeutig zu langen Blickaustausch stand er mit einem Ruck auf. Er nahm sich den Bademantel vom Kleiderhaken und öffnete die Tür. "Du solltest nicht zu lange bleiben. Alles über 15 Minuten ohne Pause trocknet dich nur aus" Was eigentlich bloß ein Tipp hatte sein soll, klang so erschreckend sexuell, dass Richard langsam an seiner Selbstkontrolle zweifelte. Er bettelte ja fast schon darum, dass Cal ihm nachlief. Was stimmte nur nicht mit ihm?
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    • Caleb

      "Ist ein bisschen wie bei einem Unfall. Man kann halt nicht wegsehen", stimmte Caleb trocken zu, bevor er...nicht mehr so recht wusste, was er sagen sollte. Vor allem, als ihm mehr und mehr bewusst wurde, dass Richard die kleine nicht endenwollende Aufzählung offenbar ernst meinte. Er öffnete den Mund leicht zur Antwort und schloss ihn wieder, ohne was gesagt zu haben. So viel Selbstbewusstsein war definitiv beneidenswert und wahrscheinlich höchst ungesund, aber das war ja nicht sein Problem.
      Was sehr wohl sein Problem war, war die Tatsache, dass selbst dieser kleine, absolut schräge, Vortrag - und die kleine Spitze am Ende - nicht dabei half, die ganzen Gedanken zu stoppen, die durch seinen Kopf rasten. Richard war furchtbar, aber leider lagen ein paar der Adjektive nicht so weit von der Wahrheit entfernt, wie Cal es gerne hätte. Was wahrscheinlich fast schon der Beweis dafür war, dass sich 'Depressionen und das Zeug' nicht durch eine durchaus überdurchschnittlich gute Nacht vertreiben ließen. Irgendwas in Cals Kopf konnte gerade einfach nicht richtig laufen.
      Er sah Richard immer noch ein wenig überfordert hinterher, als selbiger aufstand und ihm einen abschließenden Tipp gab, der ihm im Anbetracht der Umstände ein wenig Farbe auf die Wangen zauberte. Er bildete sich die Spannung nicht ein, oder? Den Blick, der ein wenig zu lange hängen blieb, aber der sich seltsamerweise nicht schlecht anfühlte? Bei Richard musste irgendwas genauso schief laufen, wie bei ihm. Wer außer ihnen kam überhaupt auf die vollkommen bescheuerte Idee, einen gemeinsamen One Night Stand nochmal so anzusprechen?
      "Richard." Caleb wusste selbst nicht ganz, was in ihn fuhr, als er aufstand und Richard am Handgelenk zurück hielt. Vielleicht könnten sie das ja dann morgen auf der Heimfahrt analysieren. Offenbar waren sie zu normalen Themen ja nicht in der Lage.
      "Du bist mit Abstand die anstrengendste Person, die ich kenne", informierte er ihn, bevor er den wahrscheinlich größten Fehler des Abends beging, indem er sich auf die Zehenspitzen stellte und ihn küsste.
    • Richard

      Hah. Offenbar hatte Richard sich erbärmlich genug verhalten. Calebs Beleidigung vor dem Kuss turnte ihn außerdem bloß an, was vielleicht der Schlüssel zu dem Problem war, dass er die Finger nicht von ihm lassen konnte. Ein wenig zu begeistert von dem plötzlichen Hautkontakt, ließ er den Bademantel wieder fallen und legte beide Hände an Cals Hüfte, bevor er ohne zweimal darüber nachzudenken in die Knie ging, Cal hochhob und ihn gegen die Holzwand drückte. Es war wirklich unglaublich unpraktisch, dass er so klein war, aber dafür hatte Richard einen guten Grund um so etwas zu tun. Er küsste ihn intensiv, wanderte mit den Lippen irgendwann seinen Hals entlang und vergaß völlig, dass sie sich in einem öffentlich zugänglichen Raum befanden. Es tat zu gut, die verdammte Spannung, die sich den ganzen Tag zwischen ihnen gestaut hatte, mit einem Mal loszuwerden. Oder, zumindest war Richard am besten Weg sie loszuwerden, bis er plötzlich eine weitere Präsenz neben sich wahrnahm und den Kopf hob. Ah.
      Er stand einen Moment angewurzelt da und ließ Caleb nicht los, zu überrascht von dem alten Mann im Bademantel, der plötzlich neben ihm aufgetaucht war. Er sah nicht unbedingt amüsiert aus, aber das war vermutlich besser, als wenn er die Show genossen hätte. Richard setzte Cal endlich wieder ab und hob seinen Bademantel vom Boden auf. Er sagte nichts zu dem Mann, nickte ihm nur kurz zu und zog Caleb an ihm vorbei aus der Sauna raus. Ehrlich gesagt hätte er ihm viel lieber eine Standpauke gehalten, ob er sich nicht in irgendeinem anderen scheiß Bereich in diesem Hotel aufhalten konnte, oder ob er nicht sah, dass sie hier beschäftigt waren. Auf der anderen Seite war das fast ein größerer Abturn als die Leiche, die simultan wieder in Richards Kopf aufploppte. Was widerrum gerade wirklich von Vorteil war, weil sie jetzt wohl im Bademantel zurück auf irgendein Zimmer gehen mussten und es nicht gerade einfach war, da eine Erektion zu verstecken.
      Richard warf Caleb ein kleines Lächeln zu. "Hm, so dringend wie der Kerl in die Sauna wollte, hätten wir auch einfach weitermachen können", meinte er gut gelaunt, drehte sich dann aber um und lief voraus. Dann sah er nochmal über die Schulter. "Du kommst doch mit auf mein Zimmer, oder?"
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    • Caleb

      Zum Glück schien er die Situation nicht falsch eingeschätzt zu haben. Im Gegenteil, Caleb bildete sich fast ein, dass Richard ein wenig erleichtert war, als er ihn küsste. Auf jeden Fall küsste er sehr enthusiastisch zurück. Cal schnappte kurz nach Luft, als er hochgehoben und gegen die Wand gedrückt wurde. Er wusste jetzt schon, dass das wahrscheinlich einer der Momente sein würde, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen würden. Fuck. Warum musste es sich auch so verdammt gut anfühlen?
      Cal stieß ein sanftes Stöhnen aus, als Richards Lippen seinen Hals erreichten. Er schob eine Hand in seine Haare und - blinzelte kurz irritiert, als Richard stoppte. Er brauchte eine Sekunde, um zu realisieren, dass sie tatsächlich immer noch in der Sauna waren und ihre Privatsphäre damit...nicht gegeben war. Gut, wenigstens wäre eine Klage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses mal was anderes auf seinem Lebenslauf, aber er war trotzdem froh, als Richard ihn wieder absetzte und so eine größere Auseinandersetzung verhinderte. Er griff nach seinem eigenen Bademantel, warf dem älteren Herren, der gerade wahrscheinlich weitaus mehr Action mitbekommen hatte, als in den letzten zwanzig Jahren, einen entschuldigenden Blick zu und folgte Richard nach draußen.
      Die vergleichsweise kalte Luft auf den Fluren half dabei, zumindest wieder ein kleines bisschen klarer zu denken. Mit jedem weiteren Schritt wuchs in Caleb das Gefühl, einen unglaublichen Fehler zu machen. Das hier war kein dämlicher One Night Stand mehr, den man einfach vergessen konnte. Er wusste genau, auf wen er sich einließ. Leider wusste er auch genau, auf was er sich einließ und das war absolut verlockend. Wie viel würde ein einzelner Nachmittag schon ändern? Sie mussten es ja niemandem auf die Nase binden. Er konnte sich sowieso nicht vorstellen, dass Richard irgendwo mit ihm angeben würde.
      "Wenn du so darauf bestehst", antwortete Cal also mit einem kleinen gespielten Seufzen, während er fühlen konnte, wie sein Herzschlag nochmal einen Zahn zulegte. Er war vollkommen verloren.

      Richards Zimmer war ähnlich kitschig eingerichtet, wie seines. Offenbar hatte das Hotel keine Kosten und Mühen gespart, um jedem einzelnen Gast den Valentinstag aufzuzwängen. Zum Glück war er nicht wegen der Deko hier.
      Caleb wartete kaum ab, bis die Tür hinter ihnen wieder ins Schloss gefallen war, bevor er Richard erneut küsste, diesmal etwas fordernder, als eben noch. Er schob seine Finger unter den Bademantel, während er ihn in die Richtung des Betts schob. Seine Fingerspitzen wanderten kurz über Richards Rücken, bevor er den Bademantel schlicht ganz von seinen Schultern schob. Jetzt gerade wollte er nichts sehnlicher, als jedes bisschen Hautkontakt, das er kriegen konnte.
      "Du bist dir im Klaren darüber, dass das eine absolut furchtbare Idee ist, oder?", fragte er atemlos zwischen zwei Küssen, kurz, bevor sie das Bett erreicht hatten. Im Grunde war jetzt eh alles zu spät - aber im Gegensatz zum letzten mal wusste Richard diesmal auch, wen er sich ins Bett holte. Auch, wenn ihn das nicht sonderlich zu stören schien.
    • Richard

      Oh, langsam aber sicher fiel Richard wieder ein, was genau diese eine Nacht so einprägsam gemacht hatte. Caleb matchte seine Energie perfekt, oder umgekehrt, und irgendwie war die leichte unterschwellige Aggression, die wohl aus ihrem erwiderten Hass entsprang, ziemlich heiß. Dass Caleb ihm direkt wieder um den Hals fiel, als die Tür sich schloss, lies Richard unter den Küssen ein wenig grinsen. Es war verrückt, dass man jemanden gleichzeitig so wenig ausstehen und doch so gern ins Bett kriegen wollte. Die Kombination war erschreckend passend und sie hatten einander da wohl irgendwie gefunden. Nicht jeder konnte die Grenzen zwischen abstoßend und anturnend so leicht verschwimmen lassen.
      Trotzdem, oder gerade deshalb, hatte Cal absolut recht. Was, wenn sie jedes Mal so endeten, wenn sie sich sahen? Offensichtlich hatte das Universum ja auch beschlossen, dass ihre Wege sich nicht nur einmal kreuzen würden. Und… noch viel schlimmer… was, wenn Richard das hier wiederholen wollte? Was wurde das dann? Eine körperliche Beziehung mit einem Kriminellen? Aber nicht nur irgendeiner, es war Ezras Bruder. Noch tiefer konnte Richard kaum sinken.
      "Grauenvoll", stimmte er hastig zu, bevor er seine Arme fallen ließ um den Bademantel loszuwerden. Den Gefallen tat er Caleb auch gleich, bevor er sie beide schwungvoll herumdrehte und den Blonden aufs Bett stieß. Er ließ sich über ihn fallen, führte die beinahe ungeduldigen, verschlingenden Küsse fort und ließ eine seiner Hände über Calebs Brust bis hinunter in seine Badehose streifen.
      Schlechte Idee hin oder her… Darüber konnten sie sich auch morgen Gedanken machen. Oder einfach nie. Vielleicht konnten sie so tun, als würde das alles hier in einem Paralleluniversum stattfinden, das mit ihrem wahren Leben nichts zu tun hatte.
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    • Caleb

      Das alles war absolut verrückt. Die Alarmsirenen in Calebs Kopf schienen sich aktuell auf ein Konzert einzustimmen, aber er ignorierte sie gekonnt. Richards Berührungen fühlten sich viel zu gut an, um sich irgendwelche Gedanken zu machen, die ihm deutlich machen könnten, dass das hier nicht gut enden würde. Er hatte noch sein ganzes restliches Leben Zeit, sich selbst Vorwürfe zu machen - jetzt gerade konzentrierte er sich nur auf das kribbelnde Gefühl, das Richards Finger auf seiner Haut hinterließen. Sein Herz schlug wie wild, als er Richard in den nächsten Kuss zog. Seine Finger waren zumindest schon mal auf dem richtigen Weg. Auch, wenn Cal was anderes im Kopf hatte.
      Er deutete Richard mit einem kleinen Stoß an, die Positionen zu tauschen - das einfache hochheben zum Manövrieren würde wohl etwas einseitiges in ihrer kleinen Affäre bleiben - und küsste sich seinen Weg über Richards Hals und Brust hinab. Er war nicht aus der Übung - das würde implizieren, dass er überhaupt je irgendeine Art von Übung besessen hatte. Alles was er vorzuweisen hatte, war eine ungefähre Idee und einen Haufen Enthusiasmus, aber das würde reichen müssen. Mehr als einen blöden Spruch konnte er sich eh nicht einfangen und das war ein seltsam beruhigender Gedanke.
      Die Badehose loszuwerden war noch das einfachste. Der nächste Schritt ließ ihn deutlich nervöser werden. Er strich ein paar mal mit seinen Fingern über Richards Erektion, bevor er ihm einen kurzen Blick zuwarf. "Ich fürchte, ich bin offen für Tipps", merkte er an, lehnte sich über ihn und nahm die Erektion in den Mund. Es war nicht sein erster Blowjob, er hatte ein kleines bisschen Ahnung, aber das half nicht mal ansatzweise, seinen Puls zu beruhigen.
    • Richard

      Er ließ Caleb ohne zu Zögern machen und stützte sich entspannt auf den Unterarmen auf, um Caleb mit den Augen zu folgen. Es erklärte sich recht schnell von selbst, was er vorhatte. Erst dachte Richard sich dabei überhaupt nichts, Einwände hatte er natürlich keine. Und dann zögerte Caleb. Und plötzlich fielen Richard diese 'sechs, oder waren es sieben?' Jahre ein, und er hoffte irgendwie, dass, wer auch immer Cals letzter One Night Stand gewesen war, hilfreiches Feedback gegeben hatte, denn er hatte diese 'erster Blowjob' Erfahrung schonmal gemacht und es gab wirklich nichts einprägsameres, als mit Zähnen befriedigt zu werden.
      Seelisch bereitete Richard sich deshalb schon aufs schlimmste vor, aber vielleicht war das wirklich ein einzigartiges Trauma. Von einem sollte man wohl nicht aufs andere schließen. Viele Tipps hatte Cal nicht nötig.
      Er entspannte sich etwas und ließ die Schultern wieder lockerer, nachdem er nun doch nicht aus Panik jede kleinste Bewegung beobachte musste. Stattdessen strich er Caleb sanft durch die Haare, und gab sich dem angenehmen Gefühl hin. "Verschieben wir das Feedback auf später, ich hab gerade keine Anmerkungen", murmelte er und biss sich leicht auf die Unterlippe, während er Caleb zusah. Diesen Mund, der sonst nur sarkastische Sprüche ausstieß, mal bei was anderem zu beobachten, war an sich schon erotisch genug, dass die mangelnde Technik kein großes Problem war. Und die konnten sie, wenn sie das wirklich wiederholen würden, später noch immer besprechen. Dass Caleb lernwillig war, war eigentlich Richards größter Segen. Hey, vielleicht bekam er irgendwann noch den besten Blowjob auf dem Planeten.
      Dass er von dem Tempo nicht kommen würde, war ihm gleich klar gewesen, und er hatte keine Lust, Caleb zu überfordern, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatten, also ließ er diese entspanntere Sequenz eine Weile zu, bis er merkte, das sich das eine oder andere leise Stöhnen über seine Lippen schlich, und er definitiv mehr wollte. Das war sein Zeichen, Caleb an den Schultern zu sich hoch zu holen, ihn wieder zu küssen und zu etwas anderem zu motivieren. "Du, oben? Ich meine, du sitzt gerade perfekt", schlug er zwischen Küssen leicht grinsend vor, seine Hände auf dem direkten Weg zu Cals Hintern.
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    • Caleb

      Es war nicht so schlecht, wie er befürchtet hatte. Zumindest schien Richard keine Einwände zu haben, also musste Cal irgendwas richtig machen, auch, wenn er sich sicher war, dass es noch deutlich Luft nach oben gab. Das leise, unglaublich heiße, Aufstöhnen verbuchte er auf jeden Fall als kleinen Erfolg. Der Kuss danach schien das ganze zu bestätigen.
      Caleb stieß ein zustimmendes Summen aus, als Richard die Positionen vorschlug. Er war so unglaublich angeturned, dass ihm im Grunde egal war, was sie taten, solange er Richard innerhalb der nächsten zwei Minuten in sich spüren würde. Was ihn direkt vor das nächste Problem stellte.
      “Hast du zufällig ein Kondom?” Er warf Richard einen fragenden Blick zu. War er der Typ Mensch, der immer ein Kondom im Portemonnaie hatte? Caleb war in der Hinsicht zumindest nicht sonderlich gut vorbereitet. Obwohl er mittlerweile schrecklicherweise einen Punkt erreicht hatte, an dem ihn das auch nicht mehr aufhalten würde. Warum auch? Eine Schwangerschaft war eh ausgeschlossen und Richard kam ihm zu penibel vor, um sich über irgendwelche Krankheiten Sorgen machen zu müssen. Trotzdem riet ihm der letzte rationale Teil seines Hirns dazu, vorsichtig zu sein. Obwohl- wenn das Hotel schon so viel Wert auf Romantik legte, zog sich das Thema vielleicht durch.
      Cal zog auf gut Glück an der kleinen Schublade des Nachttischchens und stieß ein kleines, amüsiertes Lachen aus. "Oh. Nevermind. Das Hotel schein die Romantik ernst zu nehmen." Es gab nur ein Kondom und kein Gleitgel, aber so feucht, wie er aktuell war, dürfte das das geringste ihrer Probleme sein. Er streifte Richard das Kondom über, bevor er sich Gedanken über die ganzen tatsächlichen Probleme mit der Situation machen konnte und positionierte sich breitbeinig über ihm. Er stieß ein sanftes Stöhnen aus, als er ihn in sich einführte, vorsichtig und langsamer, als ihm lieb war und lehnte sich für einen Kuss nach vorne, während er mit den Hüften immer tiefer sank.
      Das langsame Tempo wurde zügig von einem deutlich schnelleren Takt abgelöst. Cal brauchte nicht lange, um den Winkel zu finden, der sich am besten anfühlte, während er sich wieder aufsetzte und mit seinen Händen über Richards Brust und Bauch strich. Sein Atem ging nur noch stoßweise, während das Stöhnen zunahm. Er hielt den Blickkontakt mit Richard, während er eine Hand zwischen seine eigenen Schenkel schob, um sich selbst zu massieren, in der Hoffnung, dass es ungefähr so erotisch aussah, wie es sich anfühlte. Das alles fühlte sich generell sehr viel besser an, als es sollte. Cal stöhnte erneut auf, als er seine freie Hand auf Richards Oberschenkel stützte und sich etwas nach hinten lehnte, um ihm einen besseren Blick auf die kleine Show zu gönnen. Das hier war auf jeden Fall besser, als die ganzen Fantasien, die ihm in den letzten Wochen durch den Kopf gegangen waren.
    • Richard

      Ha. Hoch sollen die Deko-Expert*innen dieses Hotels leben, die einen Schritt weiter gedacht hatten. Richard war so völlig im Tun versunken, dass sein Gehirn bei der Frage nach einem Kondom plötzlich wie leer gefegt war. Kondom? Was war das nochmal?
      Richard wäre vermutlich bereit gewesen, zum nächsten Supermarkt zu laufen, wenn er ehrlich war, denn er hatte definitiv nicht damit gerechnet, mit seinem Partner auf dieser Mission zu schlafen, sodass er vorgesorgt hätte. Aber das Problem hatte sich ja schnell gelöst, wenn auch auf seltsame Art. Es war ja nicht so, als würden sie sich in einer Honeymoon Suit aufhalten. Aber das würde er jetzt nicht länger hinterfragen. Er war deutlich zu eingenommen von Calebs zunehmendem Enthusiasmus. Das Gefühl, langsam tiefer in ihn einzudringen, machte Richard leicht wahnsinnig und er musste sich deutlich in Geduld üben, dafür war das schnellere Tempo gleich mehr sein Fall. Caleb zu beobachten, wie er sich völlig gehen ließ und Richards Erektion wie ein Mittel zum Zweck verwendete, war so heiß, dass er auf einmal Angst bekam, nie etwas besseres zu erleben.
      Er genoss den Anblick eine Weile, bis ihn das Gefühl irgendwann leicht überwältigte und er sich ganz auf den Rücken fallen ließ. „Fuck, wenn du so weiter machst, komme ich“, presste er hervor, was eine etwas unnötige Warnung war, weil das nicht hieß, dass sie für heute fertig wären. Es brauchte schon mehr als eine Waldwanderung im Starkregen, um ihm seine Libido zu nehmen. Sie würden sich sowieso bis morgen in diesem Hotel aufhalten, da konnten sie es auch ausnutzen. Das Bett war riesig, das Badezimmer ebenso, und sie hatten eine Unmenge gratis Kondome. Noch eindeutiger konnte man ihnen kein Zeichen geben, dass sie es hier besser bis zum Sonnenaufgang trieben.
      Richard strich mit beiden Händen über Cals Schenkel bis zu seinem Hintern und gab letztlich doch dem starken Verlangen nach, ihn am Hals zu sich herunter und in einen Kuss zu ziehen, während er ihn in den Bewegungen ablöste und von unten in zunehmender Geschwindigkeit in ihn stieß. Zwischen den Küssen stöhnte er Caleb leise gegen die Lippen und er versuchte sein Tempo nicht unregelmäßiger werden zu lassen.
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    • Caleb

      "Das ist das Ziel, oder?"Calebs kleines Grinsen wurde von einem erneuten Aufstöhnen unterbrochen, als Richard mit seinen Fingern über seine Oberschenkel strich. Das alles sollte sich nicht so verdammt gut anfühlen. Vielleicht waren die sechs bis sieben Jahre ohne Sex doch ein bisschen zu viel gewesen und er war einfach nur verzweifelt nach jeder kleinen zärtlichen Berührung. Er hoffte es fast ein bisschen, obwohl es darauf auch nicht mehr ankommen würde.
      Cal stieß einen schwachen Protestlaut aus, als Richard ihn zu sich hinab zog und wieder ein wenig die Führung übernahm, konnte sich allerdings nicht beschweren. Der Rhythmus seiner Bewegungen war fast ein wenig überwältigend und die Küsse nahmen ihm vollkommen den Atem. Es war leicht, mit Richard in einen gemeinsamen Takt zu fallen. Irgendwie beruhigte es Cal zu wissen, dass sein Partner dem Höhepunkt offenbar nah war, er selbst hatte nicht das Gefühl, noch lange durchhalten zu können. Aber das war okay. Der Tag war noch lange nicht vorbei und wenn er sich eine Sache über Richard gemerkt hatte, dann, dass er wirklich viel Durchhaltevermögen besaß. Cals Vorstellungen waren deutlich über die erste Runde hinausgegangen und er wusste immer noch nicht, wie sie morgen früh über diese Situation denken würden, also wollte er die Zeit nutzen, in der sie noch zu angeturned von einander waren, um klar denken zu können.
      Er stützte sich mit einer Hand auf Richards Brust ab, während er seinen Rhythmus hielt und sich in den nächsten Kuss hineinfallen ließ. Er war selbst ein bisschen davon beeindruckt, dass er es überhaupt noch schaffte, sich halbwegs zu koordinieren, nachdem seine Gedanken immer zusammenhangloser wurden. Er biss Richards sanft auf die Unterlippe, bevor er seinen Mund von ihm löste, um nach Luft zu schnappen. Er war auf eine gute Art und Weise hoffnungslos überfordert, während er merkte, wie er dem Orgasmus in großen Schritten näher kam.
      "Oh fuck", stöhnte atemlos, bevor sein kompletter Wortschatz durch ein lustvolles Stöhnen abgelöst wurde. Seine eigenen Finger wurden schneller, er hatte das Gefühl, dass sich alles in ihm irgendwie zusammenzog, während er versuchte, seinen eigenen Höhepunkt möglichst in die Länge zu ziehen. Vielleicht hatte Richard mit seiner kleinen Beschreibung des letzten One Night Stands eben doch nicht vollkommen daneben gelegen.
    • Richard

      Es war fast unmöglich, nicht simultan mit Caleb zu kommen, wenn Richard jedes Zucken seiner Muskeln mitbekam. Noch besser wäre es nur gewesen, dieses langgezogene, laute Stöhnen direkt an seinem Ohr zu haben. Aber sobald Richard wieder koordiniert seine Arme bewegen konnte, zwang er Caleb zu sich herunter um seinen heißen Atem im Gesicht zu spüren und ihn wieder mit Küssen zu verschlingen. Und dann ließ er seinen Kopf zurück fallen und atmete mit geschlossenen Augen tief durch. Seine Brust hob und senkte sich in einem Ausmaß, als wäre er einen Marathon gelaufen, und er wusste, dass er bloß so überanstrengt war, weil Caleb seine ganze Lebensenergie beanspruchte. Richards Herz klopfte wie verrückt bei dem Gedanken, dass er in den nächsten Stunden so viel hiervon haben konnte, wie er wollte. Und gleichzeitig gab es kaum etwas furchtbareres, als das Bewusstsein darüber, wie sehr ihn das freute. Sie waren wirklich ein grauenvolles Pärchen, aber der Sex machte es irgendwie wett. Wenn sie es wirklich schafften, einander zukünftig aus dem Weg zu gehen — und Richard war sich nicht sicher, wie er das fand — dann galt es heute keine Zeit zu vergeuden.
      Nachdem er sich etwas erholt hatte, rollte er Caleb von sich herunter und schindete ein wenig Zeit, indem er sich zwischen dessen Beine legte und ihn mit dem Mund befriedigte. Oder, zumindest langsam wieder in Fahrt fahrte, während er sich selbst auf die nächste Runde vorbereitete.

      Und so vergingen die Stunden. Es musste etwa ein Uhr Nachts sein, als Richard langsam zu müde war, um sich noch richtig zu bewegen. Sie hatten etliche Pausen gemacht, aber auch so etwa jede anatomisch mögliche Position ausprobiert, die ihnen eingefallen waren. Vor etwa zwei Stunden hatte es schonmal ein provisorisches Ende gegeben, dass allerdings mit ihnen beiden in der riesigen Regendusche und der nächsten Runde im Stehen geendet hatte. Dann waren sie wieder im Bett gelandet, und Richard war sich sicher, dass er irgendwann mal eine Viertel- oder halbe Stunde auf Caleb liegend eingeschlafen war, aber jetzt war er wirklich an seinem absoluten Limit angekommen. Und zumindest wusste er nun, dass es existierte.
      Eigentlich wäre eine zweite, beziehungsweise nun vierte Dusche an diesem Tag wirklich notwendig, aber er war nun zu lange regungslos am Rücken gelegen und war sich nicht sicher, ob seine Beine noch funktionieren würden. Das wurde also auf morgen verschoben.
      „Hey“, murmelte er, bevor er einfach wortlos einschlief. „Theoretisch zählt der Tag morgen noch zu dieser Mission dazu, also weck mich bloß nicht auf. Ich hatte seit einer Ewigkeit keinen Urlaubstag mehr und hier gibt‘s im Preis inkludierte Massage-Pakete“ Sein rauer Stimmton musste Cal langsam glauben lassen, dass er im Schlaf redete. „Wenn‘s dir nichts ausmacht, fahre ich erst am Nachmittag zurück“ Er drehte den Kopf herum und blinzelte doch nochmal, auch wenn es langsam unglaublich anstrengend war. Caleb sah heiß aus. Völlig zerstört, aber heiß, weil Richard wusste, wessen Verdienst das war. Er lächelte leicht. „Wahrscheinlich muss ich dich sowieso zum Auto tragen, also hast du nicht viel mitzureden“, neckte er ihn.
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    • Caleb

      Wie um alles in der Welt hatte er es geschafft, jahrelang auf das alles hier zu verzichten? Caleb hatte sich nie übermäßig viele Gedanken um Sex gemacht - er hatte weitaus größere Probleme im Leben - aber jetzt hatte er das ungute Gefühl, dass ihm dieses Thema öfter durch den Kopf geistern würde, als ihm lieb war und wahrscheinlich würde nicht mal das beste Sex-Toy irgendwie aushelfen können. Zumindest schien er in den letzten Stunden so ziemlich alles nachgeholt zu haben, was ihm bisher an Erfahrung gefehlt hatte. Ein Fakt, der sich immer noch zu surreal anfühlte, um ihn irgendwie rational verarbeiten zu können. Generell fühlte sich alles so an, als wäre sein Hirn in Watte gepackt worden. Sämtliche tieferen Gedanken hatten sich spätestens in der Dusche verabschiedet.
      Er wusste nur noch, dass er vollkommen fertig war. Wahrscheinlich gab es keinen einzigen Muskel in seinem Körper, den er morgen nicht schmerzlich spüren würde. Der letzte Orgasmus hatte ihm Tränen in die Augen getrieben, die er nur halbherzig wegwischen konnte, während er versuchte, halbwegs dem zuzuhören, was Richard gerade sagte. Was schwierig war, weil seine Stimme so unfassbar heiß klang, dass er sich kaum auf die Worte konzentrieren konnte. Ob er selbst auch so heiser klang?
      Caleb räusperte sich kurz, bevor er zu Richard sah. Der Anblick sorgte für ein seltsam warmes Gefühl in seiner Brust. "Ich würde dir ja den Gefallen tun und einfach zurück auf mein eigenes Zimmer gehen, um dich nicht wach zu machen, aber ich glaube, ich kann mich wirklich nicht mehr bewegen." Und er war definitiv ein bisschen heiser. Wundervoll. Er konnte nur hoffen, dass sich seine Stimme bis morgen wieder erholt hatte und er nicht so tun musste, als ob er erkältet wäre, wenn ihn jemand anrief.
      Obwohl morgen - oder eher heute - ewig weit weg zu sein schien. Außerdem klang es furchtbar final. Die Mission wäre beendet, er hätte Zeit, sich von dem Tag zu erholen und dann...dann musste er wohl irgendwie darauf hoffen, Richard nochmal zufällig über den Weg zu laufen, auch, wenn er es sich wahrscheinlich nicht wünschen sollte. Obwohl das alles eigentlich absolut nichts mit ihm zu tun hatte. Ezras Beziehung und Richards kleiner Manipulationsversuch interessierten ihn eigentlich kaum. Gott, er quatschte sich das alles wieder schön.
      "Wenn du mir dein Handy gibst, tipp ich meine Nummer ein." Er sprach es aus, bevor er zweimal darüber nachdenken konnte und streckte Richard seine offene Hand entgegen. "Ich gehe davon aus, dass man die Adjektive vom letzten mal übernehmen kann und du auch nicht willst, dass das was einmaliges bleibt?" Er wusste selbst nicht ganz, welche Gefühlslage er hatte, als er Richard entgegen sah. Er war zu müde, um sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob das eine gute Idee war, oder nicht. Morgen war noch genug Zeit, um das alles zu bereuen.
    • Richard

      Er sah Caleb einen Moment stumm an, sein Mund leicht offen aber die Worte kamen ihm nicht über die Lippen. Richard hatte schon bei ihrem ersten Treffen überlegt, nach Cals Nummer zu fragen, und das war bloß von dem Diebstahl vereitelt worden. Aber, jetzt war es doch irgendwie Schicksal, oder? Nur hatte er wirklich nicht damit gerechnet, dass Caleb derjenige sein würde, der diesen Schritt machte. Ob sie sich nun auf etwas körperliches einigten oder Richard beide Augen zudrücken und den Blonden doch besser kennenlernen wollte, es stand wohl fest, dass sie sich wiedersehen würden.
      „Ah- mein Handy ist in meinem Rucksack“, antwortete er endlich. Was nach der Schweigeminute irgendwie wie eine Ausrede klang. „Du kannst es rausholen, wenn du aufstehen willst?“, hing er lächelnd an. „Ich will mich nicht mehr bewegen. Morgen ist auch noch ein Tag. Aber es ist in der kleinen Tasche ganz vorne“ Richard rollte sich zur Seite und zog sich die zerknüllte Decke über den Körper. Er spürte sein Herz wieder etwas schneller schlagen, obwohl er längst entspannt war. Und das konnte kein gutes Zeichen sein, aber er konnte den kleinen Schwall an Freude auch nicht ignorieren. Dass sie einander öfter sehen würden musste zwar top-secret behandelt werden, um die Scham die mit der Sache einherging in Grenzen zu halten, aber es hieß auch, dass sie noch ein paar persönliche Rekorde sprengen konnten und Richard aus der Beziehung wahrscheinlich als Sex-Addict herausgehen würde. Aber das war okay, wenn man jemanden hatte, der dem Tempo nachkommen konnte, oder?

      Richard war so schnell eingeschlafen, dass er sich garnicht daran erinnern konnte, überhaupt das Licht ausgeschaltet zu haben. Und als er am Morgen aufwachte, war es… kaum mehr Morgen. Gemischte Gefühle machten sich in ihm breit, je mehr er zu Sinnen kam. Caleb. Ein unglaublicher Lover. Leider auch der Bruder des Kerls der ihm seine erste Liebe weggeschnappt hatte. Und ein Krimineller. Die Waage kippt sehr in Richtung ‚Ganz schlechte Idee‘, aber bevor Richard eine Entscheidung treffen könnte, kamen ihm ständig Bilder der letzten Nacht in den Sinn. Allerdings war diese Sache zwischen Caleb und ihm definitiv eins dieser Dinge, über die man nicht nachdenken sollte, weil da nichts Gutes dabei herauskam. Er musste sich hier ein wenig in seiner Ignoranz üben. Solange sie ihre Beziehung nicht in die Öffentlichkeit trugen sondern einfach Spaß daran hatten, dürfte nichts dagegen sprechen. Man lebte ja auch nur einmal. Und heute standen haufenweise Gimmicks aus dem Wellnessangebot am Programm, die diese ‚feel-good‘ Einstellung unterstützen würden. Richard hatte sein Leben bisher wirklich unglaublich ernst genommen, vielleicht war es mal an der Zeit, etwas nicht ganz so schlaues zu tun, einfach weil er konnte.
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    • Caleb

      Okay. Nein. Offensichtlich hatte sein Verlangen nach einer Wiederholung Grenzen und eine davon war, jetzt aufzustehen, um das Handy zu holen. Richard schien dem Vorschlag nicht abgeneigt zu sein und das war die Hauptsache. Seine Handynummer würde schon nicht weglaufen.
      "Morgen ist auch noch ein Tag", wiederholte er zustimmend, während er nach seiner Decke griff. Er wollte nicht darüber nachdenken, was für ein Tag morgen sein würde. Aber hey, jetzt gerade waren sie einer Meinung und niemand wusste von ihrer schrägen Beziehung zueinander. Über alles andere würde er sich erst Sorgen machen, falls es Konsequenzen geben würde und das würde hoffentlich noch lange dauern.

      Caleb realisierte erst, dass er irgendwann eingeschlafen sein musste, als er aufwachte. Es war ungewöhnlich, dass er tatsächlich durchgeschlafen hatte und nicht wie sonst mitten in der Nacht aufgewacht war, um sich erfolgreich wachzudenken und von einem erneuten Einschlafen abzuhalten. Sowas gelang ihm normalerweise nur, wenn er vorher Alkohol getrunken hatte. Wie viel schlimmer würde diese Affäre werden, wenn sie sich am ende noch positiv auf seinen Schlafrhythmus auswirken würde?
      Er ignorierte den beinahe etwas peinlichen Muskelkater, als er sich vorsichtig aufsetzte und zu Richard sah, der immer noch schlief. Oh. Da kamen die Bedenken, die er gestern so wundervoll ausgeblendet hatte. Schön. Was machte er hier überhaupt? Das alles war mit Abstand das Dümmste, was er je getan hatte. Wenn sie nicht so abartig gut im Bett miteinander funktionieren würden, hätte er wahrscheinlich keine Sekunde gezögert, Richard für den Rest seines Lebens aus dem Weg zu gehen und diese Erkenntnis über sich selbst ärgerte Caleb fast mehr, als alles andere. Wirklich alles sprach gegen Richard. Er war ein Held, er war nicht gut auf Ezra zu sprechen, er hatte nicht unbedingt den einfachsten Charakter. Aber wenigstens sorgten die Küsse dafür, dass Cal sich ein kleines bisschen wertgeschätzt fühlte.
      Caleb biss sich auf die Unterlippe und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Wahrscheinlich sollte er einfach duschen gehen und sich was frisches anziehen. Er konnte immer noch entscheiden, was er tun würde, wenn er sich wieder halbwegs menschlich fühlte. Er schlug vorsichtig seine Decke zurück und wollte gerade aufstehen und eine Notiz auf dem kleinen Notizblock auf dem Schreibtisch hinterlassen, um Richard mitzuteilen, dass er wieder in seinem eigenen Zimmer wäre, als selbiger sich im Bett rührte. Caleb hasste sich selbst dafür, dass ihn das irgendwie zum Lächeln brachte.
      "Morgen. Ich wollte dich nicht aufwecken", grüßte er leise, während er nach seinem Bademantel griff, der so ziemlich das einzige Kleidungsstück war, das er gerade zur Verfügung hatte. Vielleicht hätte er eine der Pausen gestern nutzen sollen, um seine Sachen einfach rüber zu holen. "Ich wollte duschen, mir was anziehen und dann vielleicht mal ins Hotelrestaurant. Treffen wir uns da?" Er durchquerte den Raum hin zu Richards Rucksack und zog sein Handy aus der Tasche, um es ihm zum entsperren entgegen zu halten. "Du könntest mir schreiben, wenn du fertig bist."
    • Richard

      Richard war zu müde und verwirrt von seinem Gefühlszustand, um richtig auf Calebs Worte zu reagieren, aber er nahm das Hand entgegen, entsperrte es und gab es zurück. Dann streckte er sich langsam und setzte sich seufzend auf. Stimmte ja, er hatte gestern kaum etwas gegessen, weil er anderweitig beschäftigt gewesen war. Bei dem Gedanken hörte er seinen Magen wie aufs Zeichen knurren.
      „Gute Idee“, stimmte er zu und wartete darauf, dass Cal seine Nummer eingetragen hatte. Unterdessen fragte Richard sich, wie es dazu kam, dass er dem Blonden plötzlich ein Stück weit vertraute. Naja, er würde ihm nicht seine Nummer geben, wenn er den Stein geklaut hatte und gerade am Fluchtweg war, oder? Außer es war ein Ablenkungsmanöver… Aber irgendwie bezweifelte Richard das. Er verließ sich heute mal auf sein Bauchgefühl, auch wenn ihn dieses in erster Linie in dieses Schlamassel geführt hatte.

      Nachdem er geduscht und sich einen schwarzen Trainingsanzug angezogen hatte, schnappte er sich die wichtigsten Dinge aus seinem Rucksack und tippte Cal am Weg zum Aufzug eine kleine Nachricht, dass er nun am Weg war. Unsicher, ob sie jetzt auf einem Emoticon Level waren, schrieb er so nüchtern und trocken wie irgend möglich. Im Endeffekt war es ja auch nur eine Information, dass sie sich jetzt im Restaurant treffen konnten. Irgendwie seltsam, dass sie sich wohl entschlossen hatten, diesen Hotelaufenthalt gemeinsam zu verbringen, anstatt einander bis zuletzt aus dem Weg zu gehen. Vielleicht war es der intensive Stress-Relief gestern Abend, aber Richard war allgemein recht entspannt und gut drauf. Bei ihm äußerte sich das zwar eigentlich nicht in Lachen und Lächeln, sondern mehr in einem selbstgefälligen Grinsen und übermäßigem Necken, aber mal sehen, welche Seiten Caleb an ihm herausbringen konnte.
      Mit den Händen in den Hosentaschen stand er am Eingang des Restaurants und wartete.
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    • Caleb

      Wenn er verschlafen war, war Richard fast niedlich. Caleb nahm das Handy wieder an sich und tippte seine Nummer ein. Für eine Sekunde überlegte er, ein kleines Herz hinter seinen eigenen Namen zu tippen, dann beließ er es doch bei einem schlichten “Cal”. Wahrscheinlich sollte er es nicht übertreiben. So klar wie ihr Verhältnis gestern Abend noch gewirkt hatte, momentan kam mit jeder verstrichenen Minute die Unsicherheit zurück. Deshalb war Caleb Beziehungen immer aus dem Weg gegangen. Nicht, dass sie in einer romantischen Beziehung stecken - oder auch nur Daten - würden, aber irgendwie änderte das erschreckend wenig.
      Er reichte Richard das Handy zurück, ignorierte das Stechen in seinen Muskeln, das mit der Bewegung kam und verabschiedete sich mit einem kleinen “bis gleich”, um zurück auf sein Zimmer zu gehen.

      Sein eigenes Handy explodierte fast mit Nachrichten, als er es kurz antippte, bevor er in die Dusche springen konnte. Er seufzte kurz und entschied sich dafür, die Nachrichten und verpassten Anrufe einfach zu ignorieren. Er würde sich schon irgendwie damit befassen, wenn er nochmal Langeweile - oder Zeit - hatte. Ein vollkommen nutzloser Vorsatz. Sobald er aus der Dusche kam, ertappte er sich selbst dabei, wieder nach dem Handy zu greifen, um wenigstens die dringendsten Nachrichten abzuarbeiten. Was nicht gerade einfach war.
      Niamhs Nachrichten befassten sich mit irgendwas, was sein Vater ihm wohl geschrieben hatte. Der Chatverlauf mit seinem Vater war so durcheinander, dass Caleb beim Durchlesen am liebsten mit dem angeschalteten Föhn in seiner Hand zurück unter die Dusche gesprungen wäre. Und all das, nur, damit Caleb irgendwann realisierte, dass er wieder nur benötigt wurde, um in irgendeiner Verhandlung dafür zu sorgen, dass niemand bedrohliche Steine bei sich trug. Sein Leben wäre um einiges einfacher, wenn seine Familie einfach direkt zum Punkt kommen würde, ohne so zu tun, als würden sie sich dabei auch nur im entferntesten um ihn kümmern. Er tippte eine kurze Nachricht an Niamh zurück und legte das Handy wieder beiseite. Wenigstens machte er sich jetzt keinen Kopf mehr um die letzte Nacht mit Richard.
      Er ignorierte die prompte Nachricht seiner Schwester und warf stattdessen einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel. Pullover, Jeans, leichte Ringe unter den Augen - alles in allem irgendwie besser, als er nach der Nacht gedacht hätte. Das einzige, was ihm jetzt noch im Weg stand, war der Muskelkater, der jede Bewegung begleitete, aber den würde er schon überleben. Er schnappte sich gerade seine Zimmerkarte, als Richards Nachricht auf seinem Handy aufploppte.

      Cal hatte keine Ahnung, wie er Richard grüßen sollte, als er vor dem Hotel Restaurant auf ihn traf. Es war fast ein wenig so, als ob sich das, was auch immer zwischen ihnen lief, resetet hatte, sobald er das Zimmer verlassen hatte. Er war sich ziemlich sicher, dass ein Kuss nach Richards mehr als klinisch neutralen Nachricht absolut zu viel wäre, auch, wenn ein ganz leises Stimmchen in seinem Kopf die Nähe wollte. Er grüßte schlussendlich nur mit einem kleinen "Hey".
      Wahrscheinlich wäre es gut, wenn sie einfach irgendwelche Grundregeln für die Zukunft festlegen würden, einfach um diese leichte Nervosität zu umgehen. Auch, wenn er keine Ahnung hatte, wie genau er das ansprechen sollte. Aber er hatte ja noch ein kleines bisschen Zeit, bis sie wieder zurück fahren würden.
      "Ist das deine Vorstellung von bequem, oder hast du gleich noch vor, Sport zu machen?", fragte er mit einem kleinen Blick auf Richards Trainingsanzug.
    • Richard

      Waren sie wieder beim Verarschen angekommen? "Bequem", antwortete Richard knapp. "Ich trage so oft Anzüge, dass mich außerhalb meiner Arbeit keiner mehr dazu bekommt, was anderes als Jogginghosen zu tragen" Auch wenn er eigentlich ganz glücklich über die einheitliche Arbeitskleidung war, die sie sowohl im Dezernat als auch bei MLO ein bisschen weniger wie ein Deppenverein wirken ließ. Und die Anzüge waren schließlich auch keine gewöhnlichen, sondern durchaus angepasst an die Tatsache, dass sie oft körperliche Arbeit erledigen mussten. Trotzdem war gemütlich was anderes. "Wieso, stehst du auf High End Fashion?", fragte er Cal mit einem Grinsen über die Schulter, während er einen freien Tisch suchte.
      Er setzte sich letztlich in einer Raumecke an einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen, weil er sich sicher war, dass sie in den nächsten Minuten den Elefanten im Raum ansprechen mussten. Da nun schon wieder Mittag war, bestellte Richard sich gleich etwas zu essen. Und weil er gestern weder zu Mittag noch zu Abend gegessen hatte, wurde das einiges. Die Trüffelpasta lächelte ihn seit gestern schon an, und dazu bestellte er einen Caesar Salad, als Vorspeise eine Gemüse Buillon und da kam bestimmt noch eine Nachspeise dran, wenn er sich die Karte so ansah. Er müsste sich später nur zwischen Tiramisu und Bananenschnitte entscheiden. Oder auch nicht.
      Sobald sie alleine waren, überlegte er, wie er das Thema nun ansprach. Eigentlich wollte Richard bloß klären, dass sie, falls sie das alles wiederholten, ihre Beziehung geheimhielten. Wenn Ezra davon erfuhr, war Richard derjenige, der Job wechseln musste. Und außerdem… wollte er irgendwie wissen, wie Caleb zu der Sache stand. Ob sie sich überhaupt wiedersahen war eine Frage, aber die andere war, ob sie es beim Körperlichen beließen oder auf Dates gehen wollte. Die realistisch betrachtet wohl auch im Bett enden würden. Richard hatte Caleb bei ihrem ersten Treffen aber überraschend sympathisch gefunden und er war immernoch ein Fan davon, wie ungekünstelt sie miteinander reden konnten. Irgendwie schienen sie gut zusammen zu passen, und gleichzeitig überhaupt nicht. Oder… vielleicht waren konstante Streitereien und dezentes Mobbing auch einfach etwas, das für Richards Liebesleben bestimmt war. Vielleicht war das genau der Grund, weshalb er sich in Calebs Nähe ganz wohl fühlte. Aber das war alles unwichtig, wenn Caleb das nicht auch dachte. Also musste er wohl gerade heraus fragen.
      "Und, was machen wir jetzt?", fragte er ganz direkt. Dass sie sich wiedersehen würden war irgendwie im Nummerntausch impliziert gewesen, oder? "Gehen wir zukünftig mal ins Kino oder bleibt es bei Stundenhotels?" Er lächelte leicht.
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    • Caleb

      “Ich hab zu viel Zeit in oversized Shirts verbracht, um mir keine Gedanken über meine Kleidung zu machen”, antwortete Caleb knapp. Außerdem machte Niamh sich immer Sorgen um seine geistige Gesundheit, wenn er mal nicht top gestylt aussah und das konnte er sich sparen. Obwohl er nicht so tun konnte, als ob er nicht bei jedem kleinen Problem am liebsten in einem übergroßen Pullover versinken würde.
      So, wie jetzt gerade.
      Caleb hatte die Menükarten nur halb gelesen und sich einfach irgendwas ausgesucht, was halbwegs essbar wirkte, als Richard sich entschloss, wohl direkt das anzusprechen, was ihnen beiden durch den Kopf ging. Was jetzt? Caleb hatte selbst keine Antwort auf diese Frage. Zumindest keine befriedigende. Es passte zwischen ihnen, irgendwie. Es war seltsam und wahrscheinlich alles andere, als eine Disney-Film-Romanze, aber er konnte nicht so tun, als ob es überhaupt keine Chemie zwischen ihnen geben würde. Aber wollte er das? Es gab so vieles, was zwischen ihnen stand - ihre Vorgeschichte, Richard und Ezras gegenseitige Abneigung, ihre Berufe - dass selbst der sexuelle Teil zwischen ihnen eigentlich schon einen Schritt zu weit ging. Es half auch nicht sonderlich, dass Richard so wirkte, als wäre er mit beiden Optionen zufrieden. Was, wenn sie am Ende vollkommen andere Vorstellungen hatten?
      “Ich-” Caleb stockte, während er überlegte, was er antworten sollte. “Ich weiß es nicht”, gab er schließlich zu, während er begann, mit der Serviette auf seinem Platz zu spielen.
      “Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du so ein Dating-Typ bist und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich einer bin. Mal ganz davon abgesehen, dass wir höllisch aufpassen müssten, dass niemand davon erfährt.” Was ein weiterer Punkt war, der absolut gegen eine mögliche feste Beziehung sprach. Wer wollte schon mit jemandem zusammen sein, dem er nicht direkt der ganzen Welt präsentieren konnte? Eigentlich reichte doch schon der Fakt aus, dass er überhaupt so lange darüber nachdenken musste, oder? Wenn man vollkommen für eine Beziehung war, dann würde man nie auf den Gedanken kommen, das ganze abzuwägen.
      “Hast du dir etwas anderes vorgestellt?”, fragte er. “Bist du überhaupt schon genug über Andrew hinweg für irgendwas anderes?” Er warf ihm einen kleinen, vielleicht etwas zu kritischen Blick zu. Aber die Frage war berechtigt, nicht?
    • Richard

      Das war nicht nicht gut. Richard war davon ausgegangen, dass Caleb schon für sie entscheiden würde, wie es weiterging, weil er selbst nur in dem Fall für Dating offen gewesen wäre, wenn Cal es wollte. Also… sollten sie jetzt positive und negative Aspekte abwägen, oder was? Natürlich hatte er kein Problem damit, eine rein sexuelle Beziehung mit ihm einzugehen, denn Richard hatte nicht das Gefühl, dass er sich unbeabsichtigt unsterblich in Caleb verlieben würde. Geschweige denn in irgendjemanden jemals. Aber er war auch offen dafür, ihn kennenzulernen, weil er noch nie jemanden getroffen hatte, wie ihn. Und ja, vielleicht konnte das ja gut enden. Auch wenn natürlich klar dagegen sprach, mit dem Caleb verwandt war. Ob Richard da drüber hinweg kommen konnte…? Zugegeben, der größte Teil seiner Abneigung bestand darin, dass er ausgerechnet mit Andrew zusammen war. Und damit hatte sich vielleicht ein Teil von Calebs Frage schon beantwortet.
      Richard öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Was vermutlich schon genug sagte. Aber er wollte sich erklären.
      "Es ist nicht so, als wäre ich nicht darüber hinweg, dass zwischen uns nichts läuft. Ich bin viel eher nicht darüber hinweg, dass ich jahrelang so viel geistige Energie verschwendet hab und er jetzt sowieso mit einem Verbrecher zusammen ist. Kurzgesagt… ich empfinde nichts für ihn, ich werde meinen Groll nur nicht los"
      Zu dem Schluss war er vor einer Weile schon gekommen, auch wenn es völlig irrelevant war, weil er ja niemanden datete. Was sich jetzt vielleicht ändern könnte. Dann musste er gegen diesen Groll wohl arbeiten. "Aber, abseits davon halte ich auch nicht viel von altmodischem Dating und den ganzen Regeln die damit einhergehen", fügte er hinzu. "Ich denke, wir könnten… viel Spaß zusammen haben. Das reicht mir. Egal wie du es nennen willst" Wenn Caleb das jetzt beleidigte oder überforderte, dann waren sie sowieso nicht füreinander geeignet.
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