The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Steve

      Einen trinken gehen. Steve war sich nicht mal ganz sicher, ob er mit dem Champagner in seinem jetzigen Glas zurecht kam. Immer, wenn er an Alkohol dachte, wanderte sein Kopf automatisch zu dem letzten mal zurück, als er betrunken gewesen war und mit Thomas geschlafen hatte. Was zwar ein Ausrutscher mit einem unglaublich gutem Ende gewesen war, ihm allerdings trotzdem den Spaß am Trinken etwas nahm. Silvester hatte er sich auch schon relativ gut zurückgehalten - er hatte kein Problem mit Alkohol, aber de erste Assoziation wurde er trotzdem nicht los.
      "Ich fürchte, da werde ich keine sonderlich große Hilfe sein. Mein Freundeskreis ist relativ klein und weit verteilt", entschuldigte sich Steve mit einem kleinen Lächeln, als James vorschlug, Aaron einfach zu verkuppeln. "Und meine Kollegen will ich niemandem antun." Und...viel mehr Menschen kannte er nicht. Thomas hatte immer schon zu den wenigen Freunden gehört, die er überhaupt außerhalb eines Online-Chats sah. Er hatte natürlich ein paar Freunde, die ebenfalls Schwul, oder Bi waren, aber die meisten von ihnen lebten nicht mal ansatzweise in der Nähe und mit den wenigen Kollegen, die er gut genug kannte, um Rückschlüsse auf ihre Sexualität ziehen zu können, wollte er nicht unbedingt viel Zeit verbringen. All seine anderen Bekanntschaften waren hetero, und/oder bereits vergeben.
      "Aber dafür kenne ich einen kleinen Pub in London, der sich vielleicht ganz gut eignen würde", schob er hinterher. Zumindest konnte er mit einer Information dienen. Außerdem war der Pub nicht sonderlich weit weg von seiner und Thomas' Wohnung und sie könnten ihre Couch zur Not als Übernachtungsplatz anbieten. Nach dem kurzen Gesamteindruck der Anwesenden war Steve wirklich gespannt auf ihre jeweiligen Partnerinnen. So verkehrt konnten sie auf jeden Fall nicht sein. Er hoffte nur, dass er selbst einen ähnlich netten Eindruck hinterließ.
    • Thomas

      „Hey, das klingt gut. Dann zwingen wir Aaron einfach, irgendjemanden anzusprechen“, warf Leo etwas zu begeistert ein und sein Bruder lächelte beschämt. „Okay, ich meine, das können wir gerne machen, aber ich weiß garnicht, ob eine Beziehung zeitlich gerade überhaupt in mein Leben passt“, erklärte er. War das ein Rückzieher?
      „Kennst du bei der Arbeit niemanden, den oder die du kennenlernen willst?“, fragte Thomas interessiert, weil ihm bei der Aussage sofort ein gewisser Held in den Sinn kam, der seit seiner Beziehung plötzlich sehr viel Zeit für diese Beziehung übrig hatte. Es ging ja nur darum, die richtige Person zu finden, dann ließ sich das schon irgendwie einbauen. Vielleicht traf er ja auch wen, der dasselbe studierte? Aaron wirkte gerade zumindest ein wenig pessimistisch.
      „Ich meine… Nein, nicht wirklich. Die meisten meiner Kollegen — und es sind nicht viele, kleine NGO und so — sind vierzig plus. Und in der Uni hab ich nicht wirklich die Zeit, mich mit irgendwem zu unterhalten — abgesehen davon sind die meisten auch zwischen achtzehn und zweiundzwanzig oder so etwas“
      Hm… okay… das Problem wurde Thomas gerade klarer. James löste ihn ab: „Deshalb musst du rausgehen und Leute in Pubs treffen. Das ist jetzt fix“
      „Na schön. Dann schreiben wir uns einfach mal an einem Wochenende zusammen, ja? Kommendes?“
      Thomas warf einen prüfenden Blick zu Steve. Dann sagte er sofort: „Ich guck zuhause mal auf den Kalender und melde mich, ob das geht“ Jede weitere Party würde ausführlich mit Steve besprochen werden, vor allem der Fluchtplan falls es zu viel wurde. Das lag in dem Fall nichtmal an den Leuten… aber anstrengend war das alles ja trotzdem. Signalisierend setzte Thomas sich etwas auf. „Übrigens, wir müssen dann auch los“ Er lächelte, stand auf und wartete auf Steve.
      „Oh, okay. Habt ihr noch was vor?“ James, halte doch mal die Klappe. Ja, einen Filmabend, na und?
      „Mhm. Ich hab einem Kollegen versprochen, mich nochmal zu melden und ihn vom Computer aus zu unterstützen“ An der Ausrede hatte er ganze anderthalb Minuten gefeilt.
      „Alles klar. Ich denke, wir verstecken uns hier noch, oder?“, fragte Leo in die Runde und bekam nachdrückliches Nicken und Raunen zur Antwort, das Thomas leicht lachen ließ.
      „Habt einen schönen Abend“, verabschiedete er sich und stellte sich mental schonmal drauf ein, sich noch von der restlichen Familie, oder naja, zumindest dem Hochzeitspaar zu verabschieden.
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    • Steve

      Jetzt war Steve fast ein kleines bisschen froh darüber, dass Thomas so lange an Leona gehangen und seine Übergangsphase zu ihm relativ kurz gewesen war. Hätten seine Cousins ihn auch Zwangs-Verkuppelt, wenn Thomas heute alleine aufgekreuzt wäre? Aaron wollten sie ja offensichtlich möglichst schnell an einen Freund bekommen. Bei dem Gedanken musste Steve fast ein wenig lachen. Er konnte sich die Nachrichten, die er in diesem Falle von Thomas bekommen hätte, schon bildlich vorstellen. Ein abgesagter Gaming-Nachmittag, weil seine Cousins ihn zu einem Blind-Date zwangen, auf das er keine Lust hatte. Ob er sich in diesem Falle doch früher oder später unglücklich in seinen besten Freund verliebt hätte? Darüber wollte er gar nicht nachdenken. Steve war das hier und jetzt deutlich lieber.
      Dafür warf er Thomas ein kleines Lächeln zu, als selbiger aufstand, um sich zu verabschieden. Er folgte seinem Beispiel und verabschiedete sich mit einem kleinen "War wirklich schön, euch kennen zu lernen. Wir sehen uns ja dann" in die Runde, bevor er Thomas hinaus in den Flur folgte. Offensichtlich war die soziale Batterie aufgebraucht. Sehr aufgebraucht, wenn er an Thomas' relativ unkreative Ausrede dachte. Die hoffentlich wirklich nur eine Ausrede war. Wenn er zuhause den Laptop aufklappen würde, würde Steve wahrscheinlich den W-Lan Router aus dem Fenster schmeißen. Oder ihn zumindest ausschalten.

      "Ich kann verstehen, warum du dich auf Feiern immer zu deinen Cousins geflüchtet hast", merkte Steve an, als sie endlich im Taxi saßen. Aus eigener Erfahrung hatte er damit gerechnet, dass es noch einiges an Zeit kosten würde, sich von jedem zu verabschieden, aber Thomas' Familie schien nicht unter dem 'oh du gehst gerade? Lass mich dir meine halbe Lebensgeschichte erzählen' Fluch zu leiden, der sich durch seine eigene Familie zog. Er war ausgesprochen dankbar dafür.
      "Ich hoffe nur, dass sich dein Cousin jetzt nicht zu seinem Outing gezwungen fühlt. Obwohl es fast ein bisschen so klang, als wäre er begeistert darüber, sich mit eurer Familie anlegen zu können." Eigentlich hatten beide seine Cousins ziemlich streitlustig geklungen. Offensichtlich schien die jüngere Generation in diesem Punkt weit mit den werten der Älteren auseinander zu liegen. Er lachte kurz, während er nach Thomas' Hand griff. Es fühlte sich mittlerweile so unglaublich normal an, seine Hand zu halten, selbst, wenn Steve nie übermäßig anhänglich gewesen war.
      "Alles okay bei dir?", fragte er schließlich etwas ruhiger. Es waren doch relativ viele unterschiedliche Eindrücke in recht kurzer Zeit gewesen, die da auf sie eingeprasselt waren. Steve hoffte nur, dass die guten überwogen.
    • Thomas

      Nach dieser Familienfeier würde Thomas nie wieder ein Problem mit PDA haben. Als erstes Anzeichen dessen setzte er sich im Taxi hinten auf den Mittelsitz und lehnte für einige Minuten den Kopf an Steves Schulter. Er war unglaublich… nein, nicht müde, einfach nur leer. Das alles hatte ihn völlig ausgenommen. Aber je länger sie fuhren, desto mehr spürte er, wie sich ein lebensnotwendiges Energielevel wieder einpendelte.
      Thomas nickte bloß leicht und murmelte ein langezogenes „Mhmmm“ auf Steves Worte, bis er ihn dann fragte, ob es ihm gut ging. Dann hob er den Kopf. „Ja. Es war kein… extremes Disaster. Ich will trotzdem erstmal nicht mehr drüber nachdenken“ Zumindest, bis seine Mutter mit Tränen in den Augen vor seiner Tür stand und ihm einen regenbogenfarbene Kuchen vor die Nase hielt. Aber bis dahin brauchte er eine Pause von dem ganzen Thema… Zu viel darüber nachzudenken, dass er sich vor Menschen outen und dann deren Reaktion jedes Mal abwarten musste… konnte ihm auch nicht gut tun. Erstmal wollte er einfach seine Beziehung ein wenig genießen. Denn Thomas fühlte sich endlich wieder so wohl in Steves Nähe, wie als sie nur Freunde gewesen waren. Und das war eigentlich alles, was er brauchte.
      „Oh, ich hab heute übrigens nichts mehr vor“, klärte er Steve endlich auf, als ihm seine Ausrede wieder einfiel. „Ich dachte mir nur wir waren lange genug anwesend. Eine gesellschaftlich akzeptable Zeitspanne“, murmelte er. Er sah zu Steve hoch. „Und ich wollte auch nicht meinen ganzen Samstag da verschwenden. Ich verbringe den Abend lieber mit dir allein. Unter der Woche sind wir auch immer so verdammt müde nach der Arbeit und ich glaube, ich bin bei den letzten drei Filmen vor dem Ende immer eingeschlafen“ Was nicht heißen sollte, dass er jetzt drei Filme nachholen wollte. Aber sie hatten schließlich selten Zeit und Energie, um wirklich… Beziehungszeug zu machen, oder? Wann war eigentlich ihr letztes Date gewesen? Thomas würde weder die Hochzeit, noch Silvester bei Andrew, noch das Essen bei Steves Eltern als Date betrachten.
      „Wir sollten auch mal wieder ausgehen. Alleine mein ich, nicht diese Pub-Geschichte“, stellte er fest. Dann lehnte er den Kopf wieder an Steve und sah aus dem Fenster. „Aber es gibt auch andere Dinge, die wir machen könnten“, sagte er leise.
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    • Steve

      "Ich bin irgendwie davon ausgegangen, dass du nichts mehr vor hast. Wenn du jetzt noch den Laptop ausgepackt hättest, hätte ich dir Cola drübergekippt." Steve schaffte es, einen Tonfall zu treffen, bei dem nicht ganz klar wurde, ob er scherzte, oder es ernst meinte. Ganz davon abgesehen, dass ihnen ihre Jobs schon die meiste Zeit unter der Woche weg nahmen, verstand er nicht, wieso Thomas immer noch so versessen darauf war, außerhalb seiner Arbeit für Andrew zu arbeiten, mit dem er beruflich praktisch nichts mehr zu tun hatte. Gut. Zugegeben...vielleicht müsste Thomas ein bisschen weniger für ihn tun, wenn Steve selbst seinen Job ein wenig ernster nehmen würde, aber darum ging es nicht.
      "Ein Date?", fragte er ein wenig überrascht, als Thomas vorschlug, aus zu gehen. Es war...viel zu lange her, dass sie auf einem offiziellen Date gewesen waren, aber irgendwie hatte es sich einfach nicht mehr ergeben. Zwischen ihrer generellen Abneigung, das Haus zu verlassen und dem Alltagsstress war der Teil ihrer Beziehung irgendwie einfach untergegangen. Die einzige Frage war, was sie machen wollten. Irgendwie hatte er zeitgleich tausende und keine einzige Idee. Kino wäre irgendwie langweilig, weil sie zuhause nichts anderes taten, als Filme und Serien zu sehen. Picknick würde bis zum Sommer warten müssen. Museen waren...wahrscheinlich eher nicht so ihr Ding. Welche anderen Standard-Dates gabe es, bei denen sie sich nicht irgendwie unwohl fühlen würden?
      Zum Glück schien Thomas nicht auf eine Antwort von ihm zu warten, denn er lehnte seinen Kopf an und sprach sofort weiter. Was Steve dezent verwirrte. "Wie zum Beispiel?", fragte er, während er dem Drang widerstand, sein Handy zu zücken und nach Inspiration für ihr nächstes Date zu suchen. Stattdessen drückte er Thomas einen Kuss aufs Haar und folgte seinem Blick aus dem Fenster. Wahrscheinlich lagen Thomas' Gedanken irgendwo zwischen einem weiteren Film, oder einem neuen Spiel. Was in Anbetracht ihrer letzten Wochen bei weitem nicht so aufregend war, wie ein Date. Oder meinte er was anderes? Irgendwann musste er Ezra und Andrew dringend mal danach fragen, wie sie es schafften, scheinbar immer die Gedanken des jeweils anderen lesen zu können. Entwickelte sich sowas nach zehn Jahren automatisch?
    • Thomas

      Steve klang ehrlich verwirrt und zauberte Thomas damit ein belustiges Lächeln auf die Lippen. Vermutlich überlegte er gerade, was sie abseits von Fernsehen und Zocken denn sonst noch für Hobbys hatten. Was er ihm nicht verübeln konnte, denn ihre Beziehung war schon ziemlich jugendfrei, was wohl einfach an ihrer schier endlosen Awkwardness lag. Aber das war okay, Thomas könnte sich keinen besseren Partner wünschen. Nach heute fühlte er sich zumindest doch irgendwie erleichtert. Er musste nicht mehr darüber nachdenken, wie er seiner Familie erklärte, dass er mit einem Mann zusammen war. Jetzt konnte er in aller Ruhe darauf warten, dass sie sich damit abgefunden hatten, was mit ihm nichts mehr zu tun hatte. Er konnte sich ganz auf seine awkwarde Beziehung mit dem süßesten, verständnisvollsten, lustigsten Typen einlassen, den er je getroffen hatte.
      Thomas hob den Kopf wieder und warf Steve kurz den amüsierten Blick zu, der sich schon eine Weile in seinem Gesicht gefestigt hatte, und dann küsste er ihn. Sollte der Taxifahrer doch denken was er wollte. Thomas setzte nach ein paar Sekunden und einem Luftzug immer wieder neu zu dem Kuss an. Anders konnte er Steve die Frage auch nicht beantworten.
      Als er irgendwann das Gefühl hatte, genug war genug (denn es gab noch einen Unterschied zwischen PDA und Erregung öffentlichen Ärgernisses), ließ er von Steve ab und sagte: „Ich glaube es gibt auch nichts besseres, als einen Anzug auszuziehen, oder?“ Er blinzelte unschuldig. Ja, langsam gingen ihm der Kragen seines Hemds und der verdammte Gürtel wirklich auf die Nerven. Wenn es nicht nach seinen Finanzen ginge, würde er den Anzug zuhause ja mit einer Schere von seinem Körper schneiden. So oder so würde er ihn nicht lange anbehalten, wenn er zuhause durch die Türe kam.
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    • Steve

      Oh. Oh. Steve schnappte unfreiwillig nach Luft, als Thomas sich ihm für den Kuss entgegen lehnte und ihm bewusst wurde, was genau sein Freund gemeint hatte. Dates waren nicht der einzige Teil ihrer Beziehung, der irgendwie ein bisschen untergegangen war. Was nichts schlimmes war. Im Gegenteil - Steve war irgendwie froh darum, dass Sex nicht der Mittelpunkt ihrer Beziehung war. Das machte die Momente, in denen Thomas ihn so intensiv küsste, noch schöner.
      Er musste leicht gegen Thomas' Lippen lachen, als sich selbiger ein wenig zurücklehnte, um sich über den Anzug zu beschweren. Zugegeben, er hatte sich auch darauf gefreut, aus seinem Anzug raus zu kommen, auch, wenn der Kontext ein anderer gewesen war. Aber er wollte sich nicht beschweren.

      "Und dann?"
      "Nichts 'und dann'. Und dann hatten wir ein vollkommen normales Wochenende."
      Ezra stieß ein frustriertes Seufzen aus und ließ sich auf seinem Stuhl zurückfallen. "Du kannst doch nicht aufhören, wenn es gerade spannend wird."
      Steve presste seine Lippen zusammen, während er versuchte, nicht unbedingt das erste zu sagen, was ihm durch den Kopf schoss. Oder das zweite. Oder dritte. Ezra hatte bereits den halben morgen in seinem Büro verbracht und es ziemlich effektiv geschafft, ihm die Energie, die er übers Wochenende gesammelt hatte, wieder komplett zu entziehen, indem er gefragt hatte, wie die Hochzeit gelaufen war. Steve hätte das alles nie erwähnen sollen. Eigentlich hatten Ezra und Andrew nur für ein wenig Papierkram bei ihm vorbeigeschaut, aber die Konversation zwischen ihnen war entgleist, sobald der Blonde den Mund geöffnet hatte. Spätestens, als Ezra sich auf einen der leeren Stühle vor Steves Schreibtisch fallen gelassen hatte, hatte er sämtliche Hoffnung auf einen ruhigen Montag aufgegeben. Seine flehenden Blicke in Andrews Richtung waren ebenfalls fehlgeschlagen - Steve war sich nicht ganz sicher, ob Andrew einfach nicht verstanden hatte, was er von ihm wollte, oder ob er sich ebenfalls viel zu sehr für Thomas' und sein Privatleben interessierte - also hatte er sich seinem Schicksal einfach ergeben.
      "Ich will auch wirklich nicht unhöflich sein-" Doch. irgendwie schon. "-aber ich hab echt viel zu tun. Also..." Steve warf ihnen ein knappes, bemüht höfliches Lächeln zu, bevor er fast ein bisschen hilflos auf seinen Computer deutete, der mittlerweile knappe 20 unbeantwortete Mails für ihn bereit hielt. Arbeit, sicher, aber wenigstens musste er beim Hotel buchen nicht zusammenfassen, wie das Outing seines Freundes gelaufen war.
      "Irgendwas, wobei wir helfen können?", fragte Ezra fröhlich, während er sich wieder nach vorne lehnte, auf der Tischplatte abstützte und zu Steves Desktop sah.
      Steve blinzelte kurz. Wie konnte man so energiegeladen an die Arbeit gehen? "Nicht wirklich, denke ich? Soweit ich es mitbekommen habe, wird momentan geprüft, welche Aufgaben ihr übernehmen könnt. In der Zwischenzeit habe ich nur-" Er schielte selbst kurz auf seinen Posteingang, "-zwei Buchungen für Zugkarten, eine Mail, die garantiert nicht an mich gehen sollte, einen verlorenen Stein in einem Wald und eine Beschwerdemail über eine verlorene Kaffeetasse."
      "Dabei kann ich tatsächlich helfen."
      "Bei der Kaffeetasse?"
      "Bei dem Stein. Obwohl-" Ezra zog kurz die Augenbrauen zusammen, als ob er sich selbst nicht ganz sicher war, ob er bei der Kaffeetasse nicht auch aushelfen könnte, bevor er blinzelte und kurz den Kopf schüttelte. "Ist ja auch egal. Der Stein. Ich kenne jemanden, der da aushelfen könnte. Mein Bruder gehört zu diesen Leuten, die Steine fühlen können. Super freaky, wenn du mich fragst, aber echt praktisch, wenn du einen Stein verloren hast. Ich wette, der könnte wunderbar aushelfen."
      Steve blinzelte. "Ähm." Steve sah ein bisschen hilflos zu Ezra, bevor sein Blick zu Andrew weiter wanderte. "Äh. Ich denke, das könnte funktionieren? Vielleicht?", fragte er unsicher, während er schon den Stapel an Papierarbeit vor sich sah, die das alles mit sich bringen würde. "Die Sache ist nur, dass dein Bruder nicht bei uns arbeitet. Also, wir können natürlich Hilfe annehmen, aber wir können ihn nicht alleine losschicken, müssten das ziemlich schnell über die Bühne bekommen und wenn ich mich richtig erinnere, habt ihr euch die nächsten Tage freigenommen."
      "Valentinstag", erklärte Ezra mit einem Lächeln. "Aber ich bin mir sicher, dass sich jemand finden lässt, der mit ihm geht. Er ist-" Er stockte kurz, während er offensichtlich das richtige Wort suchte, um seinen Bruder zu beschreiben, "-pflegeleicht", endete er schließlich, selbst nicht ganz überzeugt. "Nicht?", fragte er in Andrews Richtung, während Steve es mit dem nächsten 'Hilfe' Blick versuchte.
    • Andrew

      Andrew versuchte angestrengt, Steves Blicken auszuweichen. Er wusste, dass Ezra keine Ruhe geben würde, bis er jedes kleinste Detail über seine und Thomas Beziehung wusste und wenn er ehrlich war… interessierte es ihn langsam auch ein wenig. Vor allem die Tatsache, dass Thomas nicht wusste, dass sie alle bei der selben Organisation arbeiteten. Das war doch furchtbar, konnte Steve nicht langsam mal seine Verschwiegenheitserklärung brechen und es ihm erzählen? Aber Ezra schien sich ja mehr dafür zu interessieren, wie weit die zwei in ihrer Beziehung nun schon gegangen waren. Was… wirklich ziemlich aufdringlich war und Steve tat ihm leid, denn er wusste vermutlich (hoffentlich) nicht einmal von dem Gespräch an Silvester. Andrew wollte Thomas nur helfen, er brauchte aber auch nicht unbedingt jedes Detail seines Sexlebens. Ezra schien sich dagegen ein wenig verantwortlich zu fühlen, wenn Andrew das interpretieren sollte. Wie eine Mutter, die wissen wollte, wie es ihrem Kind in der Schule ging. Irgendwie süß und doch… einfach echt aufdringlich.
      Als Ezra ihn plötzlich ansah, war Andrew kurz verwirrt. "Hm? Oh. Oh, ja, absolut… total pflegeleicht", winkte er die Frage ab. Es war ihm ehrlich gesagt absolut egal, ob und wie Caleb in diese Organisation verwickelt war, denn MLO schien bei Kriminellen ja sowieso keine Grenze zu ziehen. Außerdem konnte er mit seinem kleinen Talent da wohl echt aushelfen und wenn Ezra dachte, er konnte die Beziehung zu seinem Bruder verbessern, wenn er ihn an seinen Arbeitsplatz holte, dann konnte Andrew damit schon umgehen. Auch wenn Cal ihm irgendwie ein Mysterium war, er hatte auch noch nie sehr viel mit ihm gesprochen.
      Aber war das jetzt sein Problem? Nein. Ezra hatte ihn überredet, sich die Tage über Valentinstag freizunehmen und damit ging ihn MLO diese Woche recht wenig an.
      "Du wirst schon wen finden. Die Frage ist nur, ob Cal überhaupt Lust hat, sich auf so etwas einzulassen", fügte Andrew in Steves Richtung hinzu, bevor er wiederum Ezra einen fragenden Blick zuwarf. War Cal nicht eher der 'mich interessiert überhaupt nichts, macht den Kram alleine' Typ?
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    • Ezra

      "Ach, er wird schon aushelfen, wenn ich ihn darum bitte", winkte Ezra ab, auch, wenn er sich dabei nicht ganz so sicher war, wie er tat. Immerhin tröstete das langsame wieder-herantasten nicht darüber hinweg, dass er die letzten dreizehn Jahre keinen Kontakt zu Caleb und Niamh gehabt hatte. Er hatte keinen Plan, wie viel geschwisterliches Selbstverständnis er noch von den beiden erwarten konnte, vor allem, weil ihr Verhältnis zueinander auch davor stets von ihren Eltern überschattet worden war.
      Trotzdem rechnete er sich zumindest eine kleine Chance aus, an Cals Gewissen zu appellieren. Er hatte keinerlei Bedenken, dass Caleb einen wundervollen und vor allem schnellen Job abliefern würde. Sie würden Steve eine Sorge abnehmen und vielleicht genug Sympathiepunkte sammeln, um weiterhin über den Klatsch und Tratsch seines Lebens geupdatet zu werden. Egal, wie oft er dabei auch hilfesuchend zu Andrew sah, der sich mit seinen Fähigkeiten, die Blicke zu ignorieren, definitiv mehr zu Valentinstag verdient hatte, als Schokolade und Frühstück im Bett. Gut, Ezra musste seinen Freund noch davon überzeugen, ihm die Planung für ihr Valentinstags-Date zu überlassen, aber das würde er bestimmt auch noch irgendwie hinbekommen.
      "Okay", stimmte Steve wenig überzeugt zu, während sein Blick immer noch an seinem Computerbildschirm hing. "Tu das. Dann suche ich schon mal die Unterlagen dafür raus, schätze ich."

      "Nenn mir einen guten Grund, warum ich dir helfen sollte." Cals Stimme klang relativ leise aus dem Telefon. Er hatte sein Handy wohl auf Lautsprecher gestellt und war irgendwo in seiner Wohnung unterwegs.
      "Weil es deine Pflicht als älteres Geschwisterkind ist", antwortete Ezra, während er die Kaffeemaschine einschaltete, die mit Andrew bei ihm eingezogen war, und sich danach daran machte, den Wasserkocher aufzufüllen.
      Caleb stieß am anderen Ende der Leitung ein Lachen aus, bevor er offenbar nach dem Handy griff. Seine Stimme war deutlich lauter zu hören, als er wieder sprach. "Du hast sämtliche Geschwister-Gefallen schon aufgebraucht, bevor du überhaupt richtig reden konntest."
      "Aber als liebevoller, überfürsogrlicher, wundervoller Bruder gewährst du mir doch sicher noch einen Gefallen. Außerdem weiß ich genau, dass du dich jetzt auch fragst, wo der Stein ist." Ezra grinste, während er zwei Tassen aus dem Küchenschrank zog.
      "Warum sollte mich das interessieren?", fragte Caleb zurück. "Ich weiß nicht mal, was der Stein kann."
      "Ich kann dich tippen hören. Googelst du gerade den Wald?"
      Die Tippgeräusche stoppten. Caleb schwieg einen Moment zu lange. "Ich weiß ehrlich nicht, warum ich dir überhaupt eine Nummer gegeben habe. Wir hätten uns einfach weitere Jahrzehnte anschweigen können."
      Ezra konnte nicht anders, als aufzulachen. Es war unglaublich seltsam, seine Geschwister irgendwie wieder in seinem Leben zu haben, aber er hatte es sich deutlich schlechter vorgestellt. Offensichtlich war er nicht der Einzige gewesen, der in den letzten Jahren ein wenig an sich selbst gearbeitet hatte. "Ich schicke dir noch die Kontaktdaten weiter, bevor du mich blockierst. Bye!" Er gab Caleb nicht die Chance zu reagieren, bevor er auflegte. Immer noch grinsend schob er sein Handy zurück in seine Hosentasche, füllte eine Tasse mit Kaffee, die andere mit Wasser und einem Teebeutel und ging zurück zu Andrew ins Wohnzimmer.
      "Cal hilft aus", verkündete er, als er die Kaffeetasse vor Andrew auf den Wohnzimmertisch stellte und sich zu ihm aufs Sofa setzte. "Zum Glück ist er Single und nicht für den Valentinstag verabredet. Was mich zum Thema bringt." Er rutschte etwas näher an Andrew heran. "Du lässt mich den Valentinstag planen, richtig? Ich hab schon die perfekte Idee."
    • Richard

      In letzter Zeit kam es Richard eindeutig zu oft vor, dass er zum Babysitter auserkoren wurde. Was sollte das immer? Aus unerklärlichen Gründen wurden ihm ständig die Neulinge aufgehalst. Und nicht nur, dass er wenige bis gar keine Informationen über gewisse Missionen und Mitarbeiter bekam, bis es fast schon zu spät war, er musste natürlich immer an den beschissensten Tagen arbeiten. Valentinstag? Im Ernst? Was, wenn er er ein Date gehabt hätte? Wer auch immer ihn für diese Mission eingeteilt hatte, erlaubte sich echt was. Der sollte sich ihm mal unter die Augen trauen. Soweit Richard wusste, hatte sich das halbe Dezernat außerdem freigenommen, nicht zuletzt Andrew und Ezra. Was war MLO bloß für ein Haufen Luschen? Vielleicht sollte er dankbar sein, dass er meistens die Neuen einarbeiten musste, da bestand zumindest noch die Hoffnung, dass sie seine Mordlust nicht verstärkten. Vielleicht konnte er ausnahmsweise ja mal mit jemandem arbeiten, der seinen Job ernst nahm. Der erste Eindruck war jedenfalls gut gewesen, als Richard die Mail bekommen hatte: Wen auch immer er heute als Aufpasser begleiten musste, wurde nur wegen seiner speziellen Fähigkeiten angeheuert. Was… nicht viel hieß, vor allem bei MLO, wo niemand aus anderen Gründen angestellt wurde. Aber es handelte sich hier um einen verlorenen Stein, das war also doch eine recht anspruchsvolle Aufgabe, die schnell erledigt werden musste. Was die angeheuerte Person zumindest schonmal einigermaßen kompetent machen musste.
      Im besten Fall konnte Richard heute Nacht wieder in einem schicken Hotel übernachten und sich eine Massage gönnen. Kurzurlaub sozusagen. Es könnte schlimmer kommen, richtig?

      Nein. Es könnte absolut nicht schlimmer kommen. Wenn er sagte, dass die wichtigen Informationen aus Sicherheitsgründen oft erst im allerletzten Moment eintrudelten, war das nicht gelogen. Heute trudelte die wichtigste Information nämlich in äußerst familiärer Zwergenform in Richtung seines Autos ein. Richard war so überfordert, das sein Körper keine eindeutige Reaktion erlaubte. im Endeffekt tränten ihm dann ein wenig die Augen vor Wut. Er brauchte eine verdammte Gehaltserhöhung.
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    • Caleb

      Calbes Tag begann um genau 3:46 Uhr morgens, als ihn die laute Musik eines vorbeifahrenden Autos auf der Straße vor seiner Wohnung aus dem Schlaf gerissen und seine sich im Kreis drehenden Gedanken ein erneutes Einschlafen effektiv unmöglich gemacht hatten. Nachdem auch intensives an-die-Decke-starren nicht geholfen hatte, hatte er sich aus dem Bett gerollt und in Arbeit gestürzt, so dass er nach dem Klingeln seines eigentlichen Weckers nicht viel mehr tun musste, als sich die dunklen Ringe unter den Augen zu überschminken und sich einzureden, dass der Tag schon nicht so schlimm werden würde. Immerhin hatte er etwas zu tun, was ihn nicht sofort verzweifeln ließ. Ezras kleine Bitte war überraschend gewesen und nichts, was Caleb überhaupt je in Erwägung gezogen hätte, aber einen Stein irgendwo im Nirgendwo zu finden klang genau nach dem kleinen, schnellen Erfolgserlebnis, das er gerade bitter nötig hatte. Er konnte sein Selbstwertgefühl immerhin nicht nur darüber aufbauen, Sean im Memory zu schlagen. Erstens wurde das schnell langweilig, zweitens hatte die Geduld seines vierjährigen Neffen bestimmt auch irgendwo ein Ende.
      Das einzige, was ihm zu schaffen mache, war, dass er nicht alleine arbeiten würde. Zwar war es irgendwie nachvollziehbar - Ezra konnte ihm nicht mal genau sagen, für wen er arbeitete - allerdings hatte Cal noch nie etwas für Teamwork übrig gehabt. Er arbeitete alleine, wo ihn niemand ablenken, oder auf Fehler hinweisen konnte. Er brauchte niemanden, der ihm im Weg stand, oder ihm die Ohren damit vollheulen könnte, dass er gerade den wohl kommerziellsten Tag des Jahres verpasste und er viel lieber bei seinem Partner war.
      Mit jeder roten Ampel, an der er stoppte, kam Caleb die Idee, Ezra auszuhelfen, irgendwie blöder vor. Vielleicht hätte er den ganzen Aufwand vermeiden und doch wieder Memory mit seinem Neffen spielen sollen. Wenigstens hätte er sich dann nicht mit dem londoner Pendlerverkehr herumschlagen müssen.
      Unter diesen Umständen war es fast schon bewundernswert, dass der Tiefpunkt seines Tages offensichtlich noch nicht erreicht worden war. Nein, der Tiefpunkt wartete auf dem Parkplatz, hatte einen Namen und einen Gesichtsausdruck, der ihn so wirken ließ, als ob man ihm soeben gegens Schienbein getreten hätte. Was Caleb ihm nicht verübeln konnte. Er hatte selbst das Gefühl, kurz vorm Schlaganfall zu stehen, als er Richard sah.
      "Das ist ein Scherz, oder?", grüßte er wenig begeistert mit verschränkten Armen. Er konnte immer noch umdrehen und gehen, nicht? Er musste den restlichen Tag nicht damit verbringen, sich mit Richard auseinander zu setzen und immer wieder die Bilder ihres One Night Stands vor seinem inneren Auge ablaufen zu sehen. Er hatte definitiv besseres vor, als das. Das einzige Problem an der Sache war, dass er sich gerade aktiv dazu bringen musste, gleichmäßig zu atmen und nicht zu hyperventilieren und jede kleine Bewegung drohte, eben diese Bemühung zu ruinieren. Also blieb er stehen. Unglücklich, schlecht gelaunt und definitiv nicht gedanklich bei dem überdurchschnittlich guten Sex, vor ihrem kleinen Desaster.
    • Richards

      Als er Cals seltsam vertraute Stimme nach den paar Wochen wiederhörte, und er ausgerechnet etwas so bescheuertes sagte, legte sich ein kleines ungläubiges Grinsen auf Richards Lippen. „Wenn es ein Scherz ist, dann ein verdammt schlechter. Wer zur Hölle hat dich empfohlen? Und weiß die Person, dass du Steine lieber stiehlst als zurückgibst?“ Richard seufzte frustriert auf, stieg zurück in sein Auto ein und wartete stumm darauf, dass Cal einfach einstieg. Oder auch nicht. Vielleicht würde er einfach abhauen, das würde Richard ja nicht in ein schlechtes Licht stellen, sondern ihn. Das einzige Problem wäre dann wohl, dass er den dämlichen Stein irgendwie alleine finden musste. Und nachdem er seit etwa fünf Minuten dank einer Mail das eingegrenzte Gebiet kannte… würde er heute Nacht kaum in einem bequemen Hotelbett schlafen, sondern sich durchs Unterholz quälen. Zum Glück hatte er an Taschenlampen gedacht, man konnte sich ja nie auf andere verlassen.
      Er ließ das Fenster am Beifahrersitz herunter und lehnte sich vor, sodass er Caleb sehen konnte. „Steigst du ein oder was? Entscheide dich“, fragte er genervt. Er war sich mittlerweile garnicht mehr sicher, was er an Cal gefunden hatte. Gerade sah er nur einen blonden Winzling der ihm ähnlich auf den Arsch ging wie ein anderer blonder Winzling. Kriminelle noch und nöcher. Was, wenn Cal den Job auch nur angenommen hatte, um den Stein am Ende mitgehen zu lassen? Ha! Nur über Richards Leiche.
      Es war eigentlich eine Schande, denn für solche Zwecke könnte Cal sein Talent tatsächlich sinnvoll nutzen. MLO hatte ein frequentes Problem mit verloren gegangenen Steinen, weil die Vollpfosten alle nicht wussten, wie man seine Steine richtig verstaute, ohne sie überall fallen zu lassen. Und, ja, Cal war jetzt vielleicht hier, aber Richard kaufte es ihm einfach nicht ab. Das war sicher nur eine Masche um sein Leben als Elster weiterzuführen.
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    • Caleb

      Sein Psychologe würde ihn hassen. Das war ein neues Tief. Caleb presste die Lippen aufeinander und überlegte, was er tun sollte. Was wäre schlimmer? Richard den kompletten Tag ertragen, oder sich die Blöße geben müssen, den Job abzubrechen und Ezra erklären, warum? Es reichte ihm schon, wenn sich Niamh Sorgen um seine geistige Gesundheit machte, er brauchte keine zusätzlichen SMS von Ezra, die zweifelsohne seinen Männergeschmack kritisieren würden.
      Es half nicht, dass Richard ihm keinerlei Zeit gab, das alles irgendwie ordentlich zu durchdenken. Schlimmer war, dass Cal beinahe automatisch auf den fordernden Ton reagierte und die Tür zum Beifahrersitz öffnete. Er saß bereits, als er realisierte, dass weggehen wahrscheinlich die richtige Reaktion gewesen wäre.
      "Ich stehle nur von unsympathischen Menschen", antwortete er knapp, während er sich an seine Tasche klammerte, als würde sein Leben davon abhängen. Das alles war eine reine Katastrophe. Im Nachhinein war es irgendwie furchtbar logisch gewesen, dass seine Begleitung definitiv nicht umgänglich sein würde - sofern er Ezra richtig verstanden hatte, war er durch Andrew an seinen neuen Job gekommen und da war es nicht unwahrscheinlich, mit mehr als einem Held zu tun zu bekommen. Aber warum ausgerechnet Richard? Warum nicht eine halbwegs naive Person, die er irgendwie los werden könnte? Vielleicht sollte er einfach Richard und Ezra vermeiden und sich bei voller Fahrt aus dem Auto schmeißen.
      "Ich bin übrigens absolut in der Lage, das alleine zu machen. Keine Ahnung, was du großartig beitragen möchtest, aber du kannst von mir aus auch einfach hier bleiben." Caleb hielt den Blick stur geradeaus auf die Armatur des Autos gerichtet, während er sprach. Richard anzusehen würde die Situation irgendwie nur noch realer machen, als sie eh schon war. Er hoffte nur, dass dieser beschissene Stein groß genug war, um sich leicht und unkompliziert aufspüren zu lassen. Offenbar hatte sich das ganze soeben von einem langweiligen Trip in eine Mission gewandelt, bei der jede Minute zählte - nicht wegen dem Stein, sondern wegen Cals eigener Psyche.
    • Richard

      Super, damit war ihr Schicksal wohl besiegelt. Er schnalzte einmal kurz etwas genervt mit der Zunge, fuhr dann aber sofort vom Parkplatz. Je schneller sie ankamen, desto schneller konnten sie anfangen. Und die fast zweistündige Fahrt war wirklich schon deutlich schlimm genug, da mussten sie nicht noch unnötig lange gemeinsam im Auto sitzen.
      "Nachdem der Stein zu der Organisation gehört, bei der ich arbeite, muss ich also damit rechnen, dass du ihn stiehlst? Super, damit hast du uns beide noch tiefer in die Scheiße geritten", erwiderte Richard genervt. "Jetzt kann ich dich erst recht nicht aus den Augen lassen", murmelte er. Nach einigen unangenehm stillen Sekunden schaltete er das Radio ein, das sich automatisch mit seinem Handy verband und Musik aus seiner App abspielte. Damit konnten sie wenigstens das ganze Valentinstagsgeschwafel aus dem Radio vermeiden. Im Augenwinkel sah er dabei, wie Caleb sich an seine Reisetasche klammerte.
      "Willst du die nicht auf den Rücksitz legen, oder so?", brummte er. "Oder ist dir kalt?" Warum interessierte ihn das überhaupt. Sollte der Arsch doch zu Tode frieren. "Du kannst die Heizung rauf drehen, wenn du willst"
      Das Auto hatte sogar Sitzheizung. Richard hatte sich vor drei Jahren über die Firma einen BMW M5 CS gekauft, weil… wieso sollte er das nicht ausnutzen? Das Auto sah perfekt nach Businesslimousine aus, war aber weitaus mehr sein Geschmack. Eine schöne Mischung aus sportlich und klassisch. Ja, vielleicht war er manchmal ein wenig Status-versessen, aber er brauchte schließlich auch ein Auto, das sich gemütlich fahren ließ und ihn auf solchen Missionen nicht zusätzlich in den Wahnsinn trieb.
      Sobald er den Tempomat einschalten konnte, musste er quasi nichts mehr tun, als lenken. Was ihm erschreckend viel Zeit gab, über diesen verdammten Zufall nachzudenken. Wie konnte es sein, dass ausgerechnet Cal gerade in seinem Wagen saß? Manchmal wollte Richard wirklich an Verschwörungen glauben. Und in seinem beruflichen Umfeld tendierte man schnell mal dazu. So unpraktisch das jetzt aber auch war, anschweigen konnten sie sich bis morgen wohl kaum, oder? Wenn Caleb ihm einfach eine gute Entschuldigung vorspielen könnte, würde das alles etwas leichter machen. Die Nacht war ja super gewesen, ungezwungen und heiß, aber Richard war kein Trottel, der sich bestehlen ließ und das einfach vergaß. Das Vertrauen war damit absolut dahin, was keine ideale Grundlage für Zusammenarbeit war. Naja, eigentlich war ja auch geplant gewesen, dass sie sich nie wiedersahen… Und Richard konnte zwar hoffen, dass Caleb nie wieder einen Auftrag von MLO annahm, aber verlassen konnte er sich darauf nicht. London war anscheinend nicht groß genug, um seine One Night Stands zu vergessen.
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    • Caleb

      Eigentlich war ihm alles andere, als kalt. Im Gegenteil, bei der Hitze, die ihm gerade in die Wangen stieg, war Caleb sich nicht ganz sicher, ob er nicht kurz vor einer Panikattacke stand. Atmen. Nach vorne schauen. Wenigstens wusste Richard offenbar selbst, wie unsympathisch er war. Caleb hielt an seiner Tasche fest und ignorierte den Vorschlag, sie auf die Rückbank zu legen.
      “Ich werde den Stein schon nicht mitgehen lassen. Erstens tu ich das alles als Gefallen für meinen Bruder und zweitens befürchte ich, dass ich dich dann gar nicht mehr loswerden würde und das möchte ich zu gerne vermeiden.” Was wahrscheinlich ein Wunsch war, den sie beide hatten, auch wenn er tatsächlich begann, mit dem Gedanken zu spielen, den Stein mitzunehmen, wenn er ihn fand. Für Richard wäre das vielleicht blöd, aber Cal sah im Grunde keine Nachteile für sich selbst. Ezra wäre vielleicht ein bisschen enttäuscht und sein eigenes Ego wäre ein bisschen angekratzt, wenn er den Job nicht ordentlich durchziehen könnte, aber das war es fast wert, nur, um Richard ein wenig von seinem hohen Ross zu stoßen.
      Das einzig beruhigende an der Situation war der Fakt, dass Caleb sich nicht mehr selbst vorwerfen musste, dass er nicht einfach den Stein genommen hatte und in der Nacht abgehauen war - spätestens jetzt wäre der Diebstahl eh aufgeflogen. Ein schwacher Trost, aber besser, als gar nichts.
      “Was übrigens nicht erklärt, was du hier machst. Ist das Gehalt als Held so schlecht, dass du nebenbei noch Babysitten musst?” Er traute es sich, Richard einen kurzen, kritischen Seitenblick zuzuwerfen. Er kam ihm auf jeden Fall nicht wie ein Mensch vor, der aus reiner Nächstenliebe Steine sammelte, die andere Leute verloren hatten. Eigentlich kam er ihm eher wie jemand vor, der die Leute, die die Steine verloren hatte zusammenschreien und dazu bekommen würde, sie selbst zu suchen, was ein ungewöhnlich beruhigender Gedanke war, weil er absolut nichts attraktives an sich hatte. Vielleicht würde er diesen Tag und die Rückfahrt morgen doch überleben, ohne sich aus dem Fahrzeug werfen zu müssen.
    • Richard

      Fast hätte Richard das Lenkrad im Schock herumgerissen und den Wagen links in die Leitplanke hinein gelenkt. Vielleicht war es auch weniger Schock und mehr ein tiefes Bedürfnis, schnell zu sterben. Hatte Cal gerade gesagt, er tat seinem Bruder einen Gefallen? Konnte es sein, dass das alles hier garnicht so ein großer Zufall war, sondern einfach nur unfassbares Pech?
      "Nein, du Schlaumeier, aber jetzt weiß ich wenigstens, wieviel dir über den Job hier gesagt wurde. Nichts", murmelte er. "Aber schön, dass wir uns einig sind: Mehr als Babysitten ist das nicht und darum wäre es nett, wenn du eher weniger als mehr Probleme machst" Er war deutlich zu überqualifiziert für diesen Schwachsinn, aber auf der anderen Seite… gab es bei MLO zu 90 Prozent nur Leute, die zu unterqualifiziert wären, also konnte man wohl nichts dran ändern. Und jetzt nochmal zum Anfang. Bruder? Calebs Bruder bei MLO? Blond, klein, nervig, kriminell?
      "Sag mal, wie heißt dein Bruder?", fragte er schließlich und hatte im selben Moment schon Panik vor der Antwort, die er sich ganz genau vorstellen konnte. Wenn er tatsächlich mit Ezra verwandt war, musste Richard sie beide wirklich irgendwie in einen tödlichen Unfall verwickeln und alle Beweise, dass sie sich kannten, vernichten. Wie tief konnte man eigentlich sinken? Wenn das hier vorbei war musste er verhindern, dass Caleb jemals wieder bei MLO arbeitete. Wenn… Ezra oder Andrew herausfanden, was zwischen ihnen gelaufen war… Ja, dann gab es keine Alternative zu Selbstmord. Auf irgendeine Weise beziehungstechnisch mit den beiden verbunden zu sein, wäre definitiv sein Ende.
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    • Caleb

      Die Frage war eindeutig nicht, wie viele Probleme Caleb machen würde, sondern wie viele Richard verdient hatte. Caleb war in dieser Hinsicht absolut flexibel unterwegs. Ein Mord an Valentinstag hatte doch fast schon etwas poetisches an sich, oder? Wenn er nur tief genug in seinen Kontakten kramte, fand er bestimmt jemanden, der ihm noch einen Gefallen schuldete und wusste, wie man eine Leiche verschwinden ließ. Im Zweifelsfall würde Niamh ihm aushelfen müssen.
      Obwohl Caleb merkte, wie die Panik langsam ein wenig nachließ. Offensichtlich waren sie zumindest in der Lage, sich einigermaßen zivilisiert miteinander zu unterhalten, keiner von ihnen hatte bisher den One Night Stand angesprochen und er war langsam wieder in der Lage, klare Gedanken zu formen. Er würde Richard einfach bestmöglich ignorieren, diesen blöden Stein finden und dann Dublin die nächsten Jahre nicht mehr verlassen, egal, wie sehr seine Familie ihn darum bitten würde.
      "Ezra", antwortete Caleb, als Richard sich nach seinem zweitliebsten Lebensproblem erkundigte. "Du kennst ihn bestimmt. Er ist-" Cal zögerte kurz, als er überlegte, wie er seinen Bruder möglichst treffend beschreiben sollte und endete bei einem spitzen "-schwer zu ignorieren." Extrem schwer, selbst, wenn er über zehn Jahre nichts von sich hören ließ. Zumindest nicht bewusst. Obwohl ihn das eigentlich nie gestört hatte. Im Gegenteil, er überließ seinen Geschwistern gerne das Rampenlicht, wenn er einfach nur seine Ruhe haben konnte. Leider schien das nur irgendwie nie so Hand-in-Hand über die Bühne zu gehen, wie er es gerne hätte. Aber wenigstens musste er sich nicht mit seinen eigenen Problemen auseinandersetzen, wenn-
      "Warte." Caleb blinzelte kurz, als etwas in seinem Kopf klickte. Eine ganz ähnliche Autofahrt, wie diese, mit einem vollkommen irrational verärgerten Ezra und einem irritierten Andrew und ein entscheidender Name, der zwischendurch gefallen ist. "Bist du derjenige, der versucht hat, sich in seine Beziehung einzumischen?" Oh, da verschwanden die klaren Gedanken wieder, übergangslos abgelöst von einer Mischung aus Abscheu, Panik und Selbsthass. Wundervoll. Einfach wundervoll.
    • Richard

      Obwohl er nichts anderes erwartet hatte, setzte Richards Herz doch kurz aus, als er Ezras Namen aus Calebs Mund hörte. ‚Schwer zu ignorieren‘ traf es noch nicht einmal. Der Blonde suchte ihn in seinen Alpträumen heim. Und offensichtlich auch seine gesamte Familie im wahren Leben.
      Dass Cal allerdings auch Richards Namen schon einmal in anderen Kontexten gehört hatte, kam unerwartet. Hatte Ezra die Sache mit Andrew so belastet, dass er sich schon bei seinen Geschwistern ausheulen musste? Richard war davon ausgegangen, dass die beiden das ganz diskret sofort bei ihrer Ankunft in London wieder geregelt hatten. Die beiden Idioten waren ja wie füreinander gemacht, vermutlich konnten sie die Gedanken des jeweils anderen lesen…
      „Einmischen ist vielleicht ein bisschen übertrieben“, erwiderte er abwehrend. Allerdings war es das überhaupt nicht. „Ich wollte ihn nur ein bisschen nerven. Es gibt kaum jemanden, den ich auf dieser Welt weniger leiden kann. Oh, warte, doch. Offenbar muss seine ganze Familie sich diese unterste Stufe teilen“ Richard schwieg kurz. Warum wollte er sich überhaupt vor Caleb verteidigen wenn er ihn im selben Satz sowieso wieder beleidigte? „Und du musst zugeben, die beiden kleben so ekelhaft aneinander, das kann man sich garnicht ansehen. Und ich muss es mir im halbwöchentlichen Takt geben. Manchmal würde ich gern die beiden und anschließend mich selbst erschießen“ Genau in diesem unpassenden Moment tönte plötzlich eine, wie immer unmenschlich, laute Verkehrsmeldung aus seinem Radio und unterbrach sowohl seine Tirade als auch die Musikapp, und zwei Sekunden später schaltete sich automatisch das Radio ein.
      „Es ist 9 Uhr 30 und Sie hören jetzt LOVE von Nat King Cole, einen Song den sich die liebe Marie gewünscht hat, die mit ihrem Liebsten einen gemütlichen Morgen im Bett verbringt! Enjoy!“
      Das konnte doch nicht wahr sein.
      „L- is for the way you look at me“
      Bitte nicht.
      „O- is for the only one I see“
      Richard prügelte mit dem Finger schon beinahe auf die Taste des Radios ein, damit seine Bluetooth Musik zurückkam. „Die Scheiße stellt sich immer automatisch um“, fluchte er. Konnte heute irgendetwas mal nicht schief gehen?
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    • Caleb

      Ezras Reaktion - und ihrem kleinen Geschwister-Gossip Chat danach - nach zu urteilen, hatte Caleb eher unter-, als übertrieben, aber es machte wirklich keinen Sinn, seine Zeit mit Diskussionen zu verschwenden. Was passiert war, war passiert und es war wirklich leicht zu beschließen, dass es einfach nicht nochmal passieren würde. Er würde den kleinen Zwischenfall und den heutigen Tag mit in sein Grab nehmen, es einfach totschweigen, bis er sich selbst nicht mehr sicher war, ob er Richard überhaupt je begegnet ist, oder ob er sich das alles nur eingebildet hatte.
      "Bist du einfach nur neidisch, gegen Glück allergisch, oder hasst du die beiden nur, weil Andrews Niveau beim Dating offenbar weit über deiner Person liegt?", erkundigte sich Caleb im gezwungenen Plauderton und versuchte dabei zu ignorieren, dass Richard...irgendwie ein wenig Recht hatte. Es war furchtbar irritierend, die beiden nur noch im Doppelpack zu erleben. Er hatte Ezra sein halbes Leben lang nicht gesehen und wusste mehr über seinen Freund, als über ihn. Er konnte nur erahnen, was Ada die letzten Jahre hatte durchmachen müssen. Kein Wunder, dass sie nicht sonderlich begeistert über Ezras Partnerwahl war. Womit sie irgendwie nicht ganz alleine war.
      "Und überhaupt- Andrew?" Er warf Richard einen beinahe fassungslosen Blick zu, während selbiger mit dem Radio beschäftigt war, das fröhlich den wohl unpassendsten Soundtrack zu der aktuellen Situation vor sich hinspielte. Genervt schob er Richards Hand zur Seite, um selbst durch die Einstellungen zu tippen. Wenigstens musste er nicht darauf achten, das Fahrzeug zu steuern. "Er ist nett, aber er ist so unfassbar langweilig. Warum zur Hölle steckst du deine ganze Energie darein, seine Beziehung kaputt zu machen? Das lohnt sich nicht mal ansatzweise." Langsam hatte er die furchtbare Vermutung, dass niemand in dieser furchtbaren Situation auch nur den Hauch eines guten Männergeschmacks besaß - er selbst eingeschlossen. Er hatte nichts gegen seinen Schwager in Spe, aber wenn man Ezras sehr ausführlichen Erzählungen glauben durfte, war es wahrscheinlich spannender, Farbe beim Trocknen zuzuschauen, als sich mit Andrew zu unterhalten.
    • Richard

      „Wo liegt dein Niveau dann, wenn du mit mir geschlafen hast und er mit deinem Bruder?“, gab Richard zurück und ließ seine verkrampfte Hand endlich vom Radio wegdrängen. „Ich kann immernoch nicht fassen, dass er mit diesem kriminellen Zwerg zusammen ist. Aber das hat mir zumindest die Augen geöffnet: Andrew ist ein Vollidiot. Und ich anscheinend auch. Hat dir schonmal jemand gesagt, dass dein Bruder und du einen Wettkampf um ‚wer nervt mehr?‘ nur unentschieden verlassen könntet?“
      Wenn sie ehrlich waren, hatten sie alle einen grauenvollen Geschmack. Caleb inkludiert, da er ja offenbar nur wegen dem verdammten Stein mit Richard geschlafen hatte, was einfach nur gegen ihn sprach. Er hätte viel mehr haben können, als die eine Nacht. Obwohl der Gedanke Richard nun irgendwie anekelte, jetzt wo er wusste, mit wem er verwandt war.
      „Und nur damit du es weißt“, setzte er an und bereute es schon während des Sprechens. „Ich kenne Andrew seit einer Ewigkeit und er ist erst so richtig langweilig geworden, seit er mit deinem Bruder herumhängt. Er ist so verweichlicht“ Richard verzog das Gesicht. „Das macht Liebe mit einem. Unnötige, gehirnversiffende Scheiße ist das“
      Alles was er wollte, war zu vergessen, was in den letzten zehn Jahren passiert war. Einfach zurückgehen, irgendetwas richtig machen. Aber das ging nicht. Darum musste er nach vorne sehen und das ließ sich alles leichter ertragen, wenn er Andrew einfach ein bisschen hasste. Aus dem Weg gehen konnte er ihm ja schlecht. Ezra hatte allerdings tatsächlich Hass verdient, er war nicht nur völlig nutzlos und unattraktiv und hatte Andrew in keinster Weise verdient, er war auch noch derjenige, der Andrew in kriminelle Aktivitäten hineingezogen und sich den Platz bei MLO einfach erschummelt hatte. Die beiden widerten Richard endlos an.
      „Kannst du nicht über irgendetwas anderes reden? Oder die Klappe halten“, murmelte er. Das Thema machte ihn einfach nur fertig. Es verfolgte ihn echt in jede kleinste Nische seines Lebens, hm? Warum musste er mit dem Bruder des Kerls im Auto sitzen, der ihm Andrew weggenommen hatte?
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