The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Ezra

      "Kriminalität lohnt sich nicht, wenn man keinen attraktiven Helden hat, der einem nachläuft", antwortete Ezra, bevor ihm selbst bewusst wurde, was er sagte. War es okay, weiterhin zu flirten? Er hatte versucht, es irgendwie zu vermeiden, aber mit Andrew zu flirten war irgendwie immer schon ein Bestandteil ihrer Beziehung gewesen. Obwohl es nicht gelogen war. Ohne Andrew würden die Einbrüche nur halb so interessant sein - vor allem jetzt, wo er Nadia als Messlatte hatte. Ein Einbruch in eine kleine Stadtvilla würde ihm jetzt im Vergleich wahrscheinlich wie ein kleiner Ausflug in einen Park vorkommen. Was vielleicht auch nicht ganz verkehrt wäre, wenn er so darüber nachdachte...
      "Ich weiß es nicht", antwortete er schließlich ehrlich, während er mit der Menükarte spielte. "Ich schätze, ich muss abwarten, was meine Geschwister vorhaben und versuche einfach irgendwie durch zu kommen, bis Ada mit ihrem Studium durch ist und wir uns die Haushaltskosten aufteilen können." Viele Alternativen hatte er nicht und irgendwie war ihm das auch egal, solange er darauf bauen konnte, sich ab und an mit Andrew auf einen Kaffee zu treffen. Die harte Realität würde ihn schon irgendwann einholen, aber noch konnte er sie ein wenig vor sich her schieben und ignorieren, also tat er das auch.
      "Hast du deine Kollegen eigentlich mal angeschrieben?", fragte er schließlich, während er seinen Blick wieder hob. "Du hast doch bestimmt noch Kontakt zu ein paar von ihnen. Vielleicht haben sie was neues zu Nadia und Jelena herausgefunden." Was genau sie mit den beiden Damen machen würden, war sowieso ein Thema, bei dem Ezras Gedanken anfingen, sich im Kreis zu drehen. Sie hatten unglaubliches Insider Wissen über die beiden, aber weder jemanden, mit dem sie es teilen konnten, noch irgendwelche Beweise. Es war verdammt gefährlich, einfach eine Behauptung über eine Politikerin eines fremden Landes aufzustellen, ohne sie irgendwie nachweisen zu können. Wenn Jelena schlau war, was das Haus in Russland nun komplett gereinigt. Ein unglücklicher Brandunfall und nichts mehr. Aber vielleicht konnten sie wenigstens den richtigen Leuten helfen, die richtigen Beweise zu finden. Vorausgesetzt, das Dezernat war nicht allzu versessen darauf, jeden Helden rauszuwerfen, der sich zu sehr mit den Steinen befasste.
    • Andrew

      Oh Gott. Wie hatte Andrew das jahrelang übergehen können? Jetzt gerade wäre ein kleines bisschen von dieser Superkraft des Nichts-Checkens sehr hilfreich. Auch wenn die Chance bestand, dass Ezra nur scherzte, und das tat er gerade bestimmt, machte es jetzt doch etwas mit Andrew, Komplimente aus dessen Mund zu hören. Zumindest konnte er sich nun nicht mehr sagen, dass Ezra ihn bloß verarschen wollte. Ungewollt blieb Andrews Gesichtsausdruck in einer Mischung aus Schock und Peinlichkeit hängen. Er brauchte einige Sekunden um sich aus dieser Trance zu reißen. Dann lachte er leicht. "Da musst du dir wohl einen anderen suchen"
      Hatte er… das gerade wirklich gesagt?
      Eine Wand, um seinen Kopf dagegen zu rammen, wäre das einzige, das ihn jetzt noch retten konnte. Stattdessen wandte er den Blick ab, um Ezra seine enorme Reue nicht sehen zu lassen, was vermutlich noch mehr nach hinten los ging. Flirten war deutlich einfacher, wenn man es nicht wollte. Er blinzelte. Dann brachte er sich endlich dazu, Ezra wieder anzusehen. "Vielleicht… hast du ja Glück und du kannst du fortan von dem Vermögen deiner Schwestern leben. Die Kreditkarte hast du ja, du musst nur herausfinden, wieviel da drauf ist" Andrew lächelte schief. Aber er schaffte es gerade selbst noch nicht einmal, über seinen letzten Satz hinwegzukommen. Mann, sie mussten endlich diesen Stein holen, damit er aufhören konnte, so viel Schwachsinn zu reden.
      "Ich habe Thomas geschrieben. Der… lebt jetzt irgendwie bei einem Freund auf der Couch, weil er sich getrennt hat und bei seiner Mutter ausgezogen ist, nachdem wir nach Polen geflogen sind. Ich hab das Gefühl, sein Chaos kommt fast an meines ran" Aber auch nur fast. Zumindest hatte er noch einen Job.
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    • Ezra

      Die Ablehnung war spürbar. Flirten schien also keine Option mehr zu sein. Ezra würde wirklich besser auf das aufpassen müssen, was er sagte. Er musste sich nicht unbedingt immer wieder beweisen, dass Andrew definitiv nicht auf ihn stand. Was kein Vorwurf war, nur bloße Enttäuschung und ein bisschen Herzschmerz. Er bemühte sich trotzdem, die Situation irgendwie zu überspielen und sich nichts anmerken zu lassen.
      "Niamh hat genug Geld für die halbe Nachbarschaft, aber ich glaube nicht, dass sie begeistert von der Vorstellung ist, mich mit durchs Leben zu ziehen." Obwohl er definitiv gewillt war herauszufinden, was sie für ihn als Maximum auf der Kreditkarte hinterlegt hatte. Wenn man genug Geld besaß, verlor man irgendwann den Bezug dazu, wie viel angemessen war, nicht? Zumindest war es bei seinen Eltern immer so gewesen. Vielleicht würde er wirklich zumindest ein paar Monate auf Kosten der Familie leben können, wenn er ihnen dafür eine nette Karte zu Weihnachten schickte, oder so.
      "Oh. Gut zu wissen, dass andere auch Pech im Leben haben", kommentierte Ezra weiter, als Andrew von seinem Kollegen erzählte. "Ich meine, tut mir leid für ihn, aber...vielleicht ist es ganz gut, dass er ausgezogen ist?" Er hatte ihn zwar nur ein mal kurz getroffen, aber Thomas war ihm definitiv wie jemand vorgekommen, der alt genug war, um auf eigenen Beinen zu stehen. Obwohl bei seinem Job das Geld da wahrscheinlich seinen Teil für beigetragen hatte, dass er noch bei seinen Eltern gelebt hatte. "Denkst du, er kommt irgendwie an mehr Infos über Jelena und Nadia ran? Vorsichtig, damit es nicht auffällt und wir ihn mit reinziehen?", fragte Ezra schließlich, während er sich ein wenig in Andrews Richtung neigte, damit man sie nicht zufällig hören konnte. Eigentlich wollte er wirklich mit dem ganzen Thema abschließen, aber irgendwie reizte es ihn auch herauszufinden, wie die beiden Frauen so schnell an die Steine kamen und was ihr großer Plan war. Einfach nur Politiker zu töten schien seltsam flach. Nur wollte er ungerne irgendjemand anderen mit in die ganze Sache reinziehen und zur Zielscheibe machen.
    • Andrew

      "Hey, da hänge ich mich dran. Vielleicht können wir ihr einen imaginären Stein auf den Fiji Inseln einreden und da ein paar Wochen bleiben", warf Andrew ein. Wenn Ezras Familie so viel Geld hatte, sollte man sich da vielleicht doch noch etwas einschleimen… Zu John hatte er zumindest einen halbwegs guten Draht gehabt. Aber es wirkte nicht unbedingt so, als hätte er die Kontrolle darüber, wo das Geld hin floss. Langsam machte sich eine Ehrfurcht davor in Andrew breit, dass Ezra seine Moral über dieses Vermögen gestellt hatte. Aber vielleicht sprach da auch nur jahrelange Armut aus ihm.
      "Ich kann ihn ja mal fragen. Nein sagen wird er bestimmt nicht, nachdem er endlich diesen Control Freak losgeworden ist. Seine Freundin meine ich", stimmte Andrew zu. Vielleicht fand Thomas ja irgendetwas, dass ihnen ein wenig Frieden schenken konnte. Wie etwa, dass irgendjemand den beiden bereits auf der Spur war und sie ganz seelenruhig die Rettung der Welt jemand anderem überlassen konnten. Oder… es wurde alles nur schlimmer, weil sie etwas rausfanden, dass sie garnicht wissen wollten oder sollten. "Aber das mache ich frühestens Morgen. Wir konzentrieren uns erstmal auf diesen Stein", sagte er dann noch. Nachdem er schon seine privaten Anliegen opferte, um Ezra nicht abzulenken, würde er bestimmt nicht noch ein Thema ausgraben. Ein Schritt nach dem anderen.

      Nach ihrem Kaffeekränzchen, wobei das Wort Date immernoch in Andrews Kopf schwirrte, spazierten sie noch eine Weile durch die Stadt. Irgendwie wurde das Ganze zu einer Prokrastination, weil sie beide ganz genau wussten, was am Ende des Tages auf sie warten würde. So oder so hatte Andrew jedoch noch einiges von Paris gesehen, sollte sein Leben in ein paar Stunden enden. Gegen Abend kam jedoch eine spürbare Nervosität auf. Anstatt sich in ein Restaurant zu setzen und weiter die Normalität walten zu lassen, schien es ihm angebrachter, sich einfach im Hotel etwas zu Essen zu bestellen. So konnten sie in aller Ruhe und Privatsphäre ausflippen.
      Dass sie verschiedene Zimmer hatten, war ja irgendwie klar gewesen. Polen war bloß ein Buchungsunfall gewesen. Aber gerade wollte Andrew wirklich nicht alleine in seinem Zimmer sitzen, sich gestresst Essen in den Mund schieben und auf den Tod warten. Als sie ankamen, ging er also automatisch mit zu Ezra. Vor der Tür meinte er nur kurz: "Wir sollten noch einmal über den Plan gehen… oder?" Eine super Ausrede, aber die brauchte er vermutlich gar nicht. Trotzdem war es noch leicht befremdlich, sich dem Blonde jede Sekunde des Tages aufzudrängen. Andrew war immer oft alleine gewesen und hatte damit kein Problem, aber gerade konnte er sich nichts Schlimmeres vorstellen. Glücklicherweise konnte man beim Zimmerservice Ratatouille bestellen. Irgendwie bekam er also doch noch sein volles Paris-Programm.
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    • Ezra

      Wenigstens war Paris...okay. Es schwirrten viel zu viele Gedanken durch Ezras Kopf, um es wirklich genießen zu können, aber es könnte deutlich schlechter sein. Das Wetter war schön, die Straßen waren belebt und er schaffte es, den ganzen restlichen Tag nicht versehentlich zu flirten. Wenn er heute Abend noch überlebte, konnte er sich eigentlich nichts besseres mehr wünschen.
      Niamhs Kreditkarte musste noch für ein Set dunkler Kleidung herhalten, sonst war für heute Abend alles vorbereitet. Es blieb ihnen nur noch übrig, zu warten. Was das Schlimmste war, was Ezra sich vorstellen konnte, weshalb er unfassbar erleichtert war, als Andrew vorschlug, dass sie den Plan nochmal zusammen durchgehen könnten. Wenigstens musste er die Zeit nicht alleine überbrücken. Sicher, es würde nichts romantisches zwischen ihnen laufen, aber Ezra bildete sich ein, dass sie zumindest soetwas wie Freunde waren. Zumindest verbrachte er gerne Zeit mit Andrew, auf welche Art und Weise auch immer.
      "Natürlich", antwortete er also, während er sein Zimmer aufschloss und Andrew die Tür aufhielt. Eigentlich war ihr Plan ziemlich simpel und ein ziemliches Glücksspiel, was nie gut endete, aber eine Alternative hatten sie nicht. Ezra setzte sich auf das Bett und hielt Andrew die kleine Karte vom Zimmerservice entgegen. Eine kleine Vermutung, aber langsam konnte er den Brünetten einschätzen.
      "Cal hat irgendwie Zugang zu den Kameras bekommen. Wir schulden ihm jetzt-", Er pausierte kurz, um seinen Chatverlauf durchzuscrollen, "Zwei Croissants und ein Dankesbrief in Form eines Haikus, was fucking weird ist und ich definitiv nicht machen werde, aber immerhin können wir uns so effektiv aufteilen." Irgendwie wurde ihm erst jetzt bewusst, wie dringend der Großteil seiner Familie wahrscheinlich eine Therapie benötigte. "Ich weiß, wo die Treppen liegen, ich weiß, wie ich rein komme." Naja, er hatte eine ungefähre Idee, wie er in den Louvre reinkommen würde. Aber so formuliert klang das alles ziemlich beängstigend. "Ich such mir einen Weg zu den Treppen, gehe runter und besorg den Stein. Du musst in der Zeit ein Auge auf die Kameras haben und mir Bescheid geben, wo die Wächter gerade sind." Immerhin wollte er nicht versehentlich in einen von ihnen hineinlaufen, oder schlimmer noch - versehentlich auf Nadia treffen. Auch, wenn er immer noch hoffte, dass sie nur zufällig hier war und nichts mit dem Einbruch zu tun haben würde. "Falls was passieren sollte, kümmer dich erst um dich selbst", fügte er dennoch abschließend hinzu.
    • Andrew

      "Meinst du aufteilen bei der Mission oder in dem Sinne, dass du die Croissants kaufst und ich deinem Bruder einen Haiku schreibe?", murmelte Andrew, bevor er sich auf der anderen Seite ebenfalls auf das Bett setzte. Seine Beine schmerzen wie die Hölle, nachdem stundenlangen Herumlaufen. Eigentlich wäre der Tag perfekt, wenn er sich nach dem Abendessen einfach schlafen legen könnte. Aber alles musste ja irgendeinen Haken haben. Er legte eines seiner Beine in einem Schwung über das andere und knetete an seinem Fuß herum, eine ganze Weile, bevor er überhaupt darüber nachdachte, dass ihm das vielleicht unangenehm sein sollte. Aber seine Füße hatten hier Vorrang, immerhin brauchte er die später noch.
      Sich erst um sich selbst kümmern, hm? "Das sagst du jetzt, aber später wirst du mir danken, wenn ich dir das Leben rette" Und damit wechselte er das Bein und begann seinen anderen Fuß zu massieren. Er hatte als Held vielleicht ein paar Phasen gehabt, in denen er mal Gehen und Laufen musste, aber die meiste Zeit war er doch immer noch im Büro herumgesessen und das kam alles wirklich nicht an einen Städtetrip heran. Wie zogen manche Leute das nur über Tage durch? Das sollte als olympischer Sport anerkannt werden.
      Seine Massage wurde letztendlich durch den Zimmerservice unterbrochen. Gut, etwas zu Essen brauchte er gerade auch dringend, er war halb am Verhungern. Wobei er nicht mehr ganz unterscheiden konnte, was tatsächlich sein Magen war, der um Essen bettelte, und was sein Nervensystem war, das eine Ablenkung von den Reizüberflutungen brauchte. Mit dem Ratatouille setzte er sich an die kleine Sitzecke in Ezras Zimmer und begann zu essen. Wow. Geschmackserlebnis. Dabei war es so simpel. Und doch so gut.
      "Du solltest auch was essen, Ezra", wandte er nach dem dritten Bissen ein, da der Blonde den ganzen Tag schon Ameisenmengen gegessen hatte. "Nicht, dass du später einen Schwächeanfall hast, wenn du die Treppen beim Louvre wieder hinauf laufen musst" Andrew schmunzelte. Dabei war er tatsächlich besorgt. Nicht unbedingt wegen eines Schwächeanfalls, aber sein eigener Job war heute Nacht doch deutlich simpler als Ezras.
      "Bist du sicher, dass du dich auskennst? Und ich nur die Kameras checken soll? Ich meine, was ist, wenn alles bewacht ist und du nirgendwo durch kommst? Oder es einfach deutlich zu viele sind, um an den Stein zu kommen? Wie dringend braucht Niamh das Teil überhaupt?", begann er also nervös Fragen zu stellen während er sich abwechselnd den Mund mit seinem Abendessen vollstopfte.
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    • Ezra

      "Beides, irgendwie. Hoffe, du bist kreativ", antwortete Ezra, während er die Silben an den Fingern mitzählte, "Sonst ist Cal enttäuscht." Vielleicht sollte er doch über den Part mit dem Haiku nachdenken. Er hatte das ganze einfach abgenickt, bevor sein Bruder auf eine noch ausgefallenere Idee gekommen wäre. Sie konnten schon froh sein, dass sie kein Loblied singen mussten.
      Andrews Ratschlag im Bezug aufs Essen winkte Ezra schlicht ab, während er sich auf das Bett zurückfallen ließ und an die Decke starrte. Es gab eine Stuck-Verzierung am Übergang zwischen Wand und Decke. Niamh hatte wirklich nicht gespart, als sie das Hotel ausgesucht hatte. "Ich hab noch nie viel gegessen. Ist vielleicht besser so, außerhalb unserer Mittwoche hab ich das Training ziemlich schleifen lassen." Wenn er tatsächlich mal ordentlich essen würde, wäre er mittlerweile wahrscheinlich doppelt so breit. Zum Glück vergas er es regelmäßig, oder war zu faul, sich etwas anständiges zu kochen, oder - so wie jetzt - zu nervös. Wenn er etwas essen würde, würden sie sich heute Abend wahrscheinlich um etwas ganz anderes Sorgen machen. Wenigstens schien Andrew genau so nervös zu sein, wie er.
      "Es wird schon alles gut gehen. Wir waren heute oberirdisch unterwegs und die Pläne von dem Bunker sind ziemlich detailliert. Ich bin gut darin, mir den Weg zu merken", versicherte er. Andrews Nervosität ließ seine eigene seltsamerweise fast ein wenig verschwinden. "Die Wachen werden wahrscheinlich ihre Runden drehen. Selbst der Louvre kann es sich nicht leisten, überall Wachen stehen zu haben, die sich nicht bewegen." Obwohl es irgendwie fast schon eine witzige Vorstellung wäre. "Falls irgendetwas unerwartetes passiert, lasse ich mich vielleicht von dir retten und wir versuchen es morgen noch mal. Ich würde das mit dem Retten aber ungerne zur Gewohnheit werden lassen." Auch, wenn es immer noch verdammt heiß war, wenn Andrew ihn rettete. Was vielleicht genau der Grund war, warum er sich nicht mehr retten lassen sollte.
      "Hast du noch nie etwas Illegales gemacht? Als Kind mal ein Bonbon eingesteckt, oder so?", fragte er schließlich, während er sich auf die Unterarme stützte, um Andrew ansehen zu können. Er gab definitiv ein hübscheres Bild ab, als die Decke. "Einen Film illegal online geschaut? Über rot gegangen?" Er grinste bei den letzten Vorschlägen leicht. Wenigstens musste er nicht darauf verzichten, Andrew etwas aufzuziehen.
    • Andrew

      Haikus hatte Ezra offenbar drauf und auch bei der Kreativität wäre er Andrew mit Sicherheit weit voraus. Er selbst war noch nie wirklich ein Dichter gewesen. Sogar die Papierarbeit im Büro hatte ihn schon angewidert, wenn er mehr als drei Seiten zu lesen hatte. Worte… waren definitiv Ezras Ding. Auf jeder Ebene. Außer vielleicht wenn es darum ging, eine neue Sprache zu lernen, aber bisher hatte Andrew darin auch nicht unbedingt geglänzt.
      Bei dem Gedanken, dass Ezra weniger aß, um nicht zuzunehmen, runzelte Andrew sofort verwirrt die Stirn. Was sollte denn das heißen, er ließ das Training schleifen? Andrew konnte nicht anders, als ihn mal von oben bis unten zu scannen, als er da am Bett lag. Was Andrew so durch die Kleidung erkennen konnte, musste Ezra sich definitiv keine Sorgen machen- Okay. Genug. Reicht. Er hatte selbst auch noch eine Nacht zu überleben, die keine Ablenkung gebrauchen konnte. Das würde sich alles schon später klären. Bis dahin wäre es das beste, Ezra gar nicht mehr anzusehen, aber das könnte sich als schwierig herausstellen. Naja, hoffentlich konnte Andrew sich und sein Verlangen, zu jeder Zeit seine Gedanken auszuspucken, mal eine Zeit lang zurückhalten.
      "Hm…", murrte Andrew leise. "Ich hoffe, du hast recht" Zumindest war einer von ihnen zuversichtlich, was die Mission anging. Die Vorstellung, dass sie morgen allerdings noch einmal bei dem Museum antanzen mussten, war grenzwertig. Bis dahin würde Andrew an einem Kreislaufkollaps draufgehen, wenn er noch länger so angespannt sein musste und außerdem waren 24 Stunden zu lange, um Ezra noch weiter wie irgendeine Art Freund zu behandeln. Neun Jahre waren lange genug gewesen. Jedenfalls half Ezras Pose in seinem Bett gerade nicht dabei, seine Geduld aufrecht zu erhalten. Konnte er sich nicht normal hinsetzen?
      "Nein… hab ich nicht… Mein Vater war ein Held und dann ich. Was denkst du von mir?", schmunzelte er. "Ich meine, viele der Dinge, die ich getan hab, wären für andere illegal gewesen", meinte er dann nachdenklich. Er legte das Besteck vorsichtig auf den Teller, schob ihn zur Seite und drehte sich zu Ezra. "Zum Beispiel… Geschwindigkeitslimits brechen oder… private Grundstücke betreten… oder auf der Straße kämpfen" Das klang jetzt irgendwie alles weitaus langweiliger, wenn er es aussprach. Aber dass Ezras Leben etwas spannender gewesen war als seines, hatten sie ja schon längst festgestellt.
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    • Ezra

      Niedlich. Wahrscheinlich lag es an Ezras Umfeld, aber er hatte noch nie wissentlich jemanden getroffen, der als Kind absolut gar nichts angestellt hatte. Jeder war doch schon mal über den Zaun zum Schwimmbad gestiegen, oder hatte sich was eingesteckt. Wahrscheinlich hatte Andrew nicht mal Hausaufgaben bei jemand anderem abgeschrieben. Irgendwie machte ihn das seltsam charmant. Was furchtbar war. Andrew brauchte keine weiteren positiven Aspekte, die Ezra irgendwie ignorieren musste. Das alles machte die Sache nur noch komplizierter, als sie eh schon war.
      "Dann hoffen wir, dass du bisher genug positives Karma gesammelt hast, damit der Einbruch heute Nacht sich nicht negativ auf dich auswirkt. Obwohl ich weiterhin nichts dagegen hätte, wenn du einfach die Seiten wechselst. Ein bisschen Kriminalität würde dir vielleicht doch ganz gut tun. Ich kann dir auch immer noch gerne den Crash-Kurs für Einbrecher geben." Er grinste Andrew weiterhin fröhlich entgegen, während er sich wieder auf das Bett zurückfallen ließ. "Was ist eigentlich mit deiner Mutter, wenn ich fragen darf? War sie auch so regelbedacht, wie du und dein Dad, oder war sie etwas lockerer unterwegs?" Immerhin erzählte Andrew deutlich weniger von ihr, als von seinem Vater, welchem er offensichtlich in jeder Hinsicht nacheiferte. Obwohl Ezra sich dazu wahrscheinlich keinen Kommentar leisten durfte. Einbrüche waren nicht sein Hobby, aber alles in allem war er trotzdem in dem selben 'Beruf' wie seine Eltern gelandet. Andrew versuchte wenigstens, seiner Arbeitslosigkeit etwas positives abzugewinnen, während er selbst keine großen Anstalten gemacht hatte, sich irgendeinen anständigen Job zu suchen.
      Ein anderer Job, bei dem er nicht jeden Mittwoch Abend auf Andrew getroffen wäre. Was Andrew offensichtlich auch nicht zu nahe ging, gemessen daran, wie schnell er ihm eben gesagt hatte, dass er sich wohl jemand neuen suchen musste. Er hoffte wirklich, dass er diesen Gedanken bis heute Nacht wieder los werden würde, bevor er zu unkonzentriert an den Einbruch heran ging.
    • Andrew

      Andrew war von der Frage über seine Mutter einen Moment überfordert. Sie hatte wohl weitaus weniger Einfluss darauf gehabt, was letztendlich aus ihm geworden war, aber eine Rolle hatte sie in seinem Leben dennoch gespielt. Und keine kleine. Aber das floss eben nicht so locker ins Gespräch ein, wie die Tatsache, dass sein Vater ein Held gewesen war und er seinen gesamten Lebensstil kopiert hatte. Vielleicht abgesehen von den Chaos-Elementen und der Kaffee-Abhängigkeit.
      "Nein", antwortete Andrew ehrlich, während er so über sie nachdachte. "Nein, sie war ziemlich normal, würde ich sagen, abgesehen davon, dass meine Eltern ihre Hobbys geteilt haben. Schach, Tanzen, Klassische Musik… das ganze altmodische Zeug, das sie mir eingetrichtert haben" Mittlerweile war Andrew sich sicher, dass die beiden ihn einer Gehirnwäsche unterzogen haben, bis er diese Dinge auch mochte, denn er war ein Opa im Körper eines 8-Jährigen gewesen. Und irgendwie war er wohl immer noch nicht auf dem neuesten Stand, was Popkultur anging, aber zumindest fühlte sein Körper sich langsam aber sicher so alt an, wie sein Geist.
      "Sie war Buchhändlerin und hat viel mehr Zeit mit mir verbracht, als mein Dad"
      Andrew stand auf, während er sprach und setzte sich neben Ezra an den unteren Teil des Bettes, wobei er sein neues Handy aus der Tasche holte und sich Facebook installierte. Wenn er richtig lag, mussten da noch etliche Bilder von vor Jahren auf einem alten Account gesichert sein. Da hatte er schon ewig nicht hinein gesehen, aber warum auch nicht?
      "Ich weiß noch, dass sie meinen Plan, ein Held zu werden, am Anfang gehasst hat", murmelte er, während er ein paar Passwörter ausprobierte, bis er das richtige fand. "Irgendwann hat sie es akzeptiert und unterstützt, aber ich glaube, so wirklich ist sie darüber nicht hinweggekommen" Und langsam begann er das zu verstehen. Welcher normale Mensch geriet schon in Situationen wie solche, in denen Andrew sich befand? Sein Job hatte ihn in einige gefährliche Lagen gebracht, aber das hier war kaum mehr zu vergleichen. Und der Gedanke, dass Ezra sich gleich in eine Art Löwenhöhle begeben würde, ließ ihn mit einem ziemlich hilflosen Gefühl zurück. Obwohl er selbst im Gegensatz zu seiner Mutter alles andere als hilflos war.
      Er fand endlich das richtige Passwort und hielt Ezra sein Handy vor. Darauf war ein Foto zu sehen, von ihm selbst im Alter von… ungefähr 14, wenn es richtig rechnete, zusammen mit seinen Eltern. Es war ein stinknormales Selfie, sein Vater war mit leicht verwirrtem Ausdruck nur halb im Bild zu sehen, seine Mutter breit grinsend viel zu nah an der Kamera und er selbst eingequetscht in der Mitte mit einem ziemlich angestrengten Lächeln. Es erschreckte Andrew ein wenig, wie ähnlich er seinem Vater mittlerweile sah.
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    • Ezra

      Ezra setzte sich auf, um Andrew über die Schulter sehen zu können, während der Brünette sprach. Seine Eltern klangen wie wirklich nette Leute und es tat ihm unendlich leid, dass Andrew nicht mehr Zeit mit ihnen gehabt hatte. "Ich kann mir gut vorstellen, dass sie deinen Berufswunsch nicht so toll fand", kommentierte er. Held zu sein war risikoreich, auch wenn man sich nicht, so wie Andrew, viel zu tief in seinen Job hineinarbeitete. Normale Eltern würden es wahrscheinlich nicht so schön finden, sich ihre Kinder in gefährlichen Situationen vorstellen zu müssen.
      Das Bild zauberte trotzdem unweigerlich ein Lächeln auf seine Lippen. Es sah süß aus, wie eine vollkommen gewöhnliche Familie mit einem Teenager, der keine Lust auf Fotos hatte. "Niedlich. Das erinnert mich daran, dass ich dir noch ein Bild mit Zahnspange schulde." Ezra zückte sein eigenes Handy, um Niamh eine kurze Nachricht zu schicken, bevor er wieder auf das Bild sah. "Ihr seht euch wirklich ähnlich", merkte er lächelnd an. Er war sich sogar seltsam sicher, die Jacke, die Andrews Dad trug, schon mal an Andrew gesehen zu haben. Dafür hatte er das Lächeln seiner Mom, auch, wenn Ezra es in letzter Zeit zu selten gesehen hatte. "Du siehst ein bisschen so aus, als ob Fotos nicht dein Hobby gewesen wären." Er lachte kurz auf, während sein eigenes Handy vibrierte. Niamh hatte sich mit den Fotos wohl nicht zurückgehalten. Ezra klickte die Bilder kurz durch, bevor er eines in Andrews Richtung drehte.
      "Dein Beweis, dass auch ich nicht um die Zahnspange herumgekommen bin." Er war vielleicht vierzehn auf dem Bild und saß breit grinsend neben Ada, die hochkonzentriert auf ein Brettspiel starrte, dass sie offenbar gerade am verlieren war. "ich weiß gar nicht, ob ich ein Bild von meiner kompletten Familie habe, wenn ich ehrlich bin. Caleb hat sich eine ganze Zeit lang furchtbar unwohl auf Bildern gefühlt, also haben wir eine ganze Menge einfach weggeschlossen." Er scrollte durch die Bilder, bis er bei einem stoppte. Es sah...definitiv nicht so häuslich aus, wie das von Andrew.
      Es zeigte eine Gartenparty, an die Ezra sich nicht mehr erinnern konnte. Sein Vater saß auf einem Stuhl, Molly auf dem Schoß, während der Rest der Familie daneben saß. Zuerst Ezra selbst, auf dem Bild vielleicht dreizehn, dann Niamh und Caleb, damals noch in einem oversized Pullover, um seine schmale Form zu kaschieren. Seine Mom hatte einen Arm um Cal gelegt, wohl um ihn daran zu hindern, in der letzten Sekunde doch noch aus dem Bild zu springen. Seine Eltern und Niamh waren die einzigen, die Lächelten. Cal sah aus, als ob er lieber woanders wäre und Molly war von irgendetwas hinter der Kamera abgelenkt. Ezra selbst sah aus, als wäre er kurz davor, einzuschlafen. Sein Dad hatte die kurzen, blonden Haare zurückgegelt, seine Mom war ein wenig overdressed für eine Gartenparty, die rotblonden Haare leicht gelockt. "Wie du siehst waren wir immer schon begeistert davon, alle zusammen zu sein", kommentierte Ezra flach.
    • Andrew

      "Ich bitte darum", grinste Andrew, als Ezra die Geschichte mit der Zahnspange wieder ansprach. Fast hätte er ihn damit davon kommen lassen, wenn er ihn nicht erinnert hätte, aber jetzt war die Neugierde zurück. Schlimmer als Andrews riesige Brille konnte es kaum sein. Als Ezra ihm das Handy vor hielt, lehnte Andrew sich ein wenig in dessen Richtung, gerade so, dass sich ihre Arme berührten, aber er sein Gewicht nicht auf den anderen verlagerte. Es fühlte sich langsam so an, als würde er versuchen gegen eine Art von Magnetismus zwischen ihnen anzukämpfen. Er bemühte sich sehr, Ezra nicht zu nahe zu kommen oder in vor der heutigen Mission irgendwie aufzuwühlen oder abzulenken, aber scheinbar war er etwas selbstsüchtiger als gedacht.
      "Ich wusste nicht, dass du Ada schon so lange kennst", murmelte Andrew und ein Lächeln schlich sich in sein Gesicht, als er das Bild näher betrachtete. Ezra sah aus wie ein furchtbar schlechter Gewinner. "Ich glaube, mit dir werde ich nie ein Brettspiel spielen", lachte er. Während Andrew sich mit Caleb kurz sehr verbunden fühlte, weil sie offenbar beide keine Fotos von sich leiden konnten, scrollte Ezra bereits weiter und dann sah er das Familienfoto. "Als Kinder habt ihr euch ja alle irgendwie ziemlich ähnlich gesehen", meinte er. Er hob die Hand und zoomte auf Ezras Handy ein wenig in das Bild hinein, um sich die Gesichter alle anzusehen. Dafür, dass seine Mutter einen starken Rotstich in den Haaren hatte, hatten sich alle vier Kinder ziemlich davor gerettet. Und irgendwie sahen sie alle nicht aus, wie eine Familie an Meisterdieben. Bloß wie eine Familie, die sich gegenseitig ein bisschen satt hatte, aber bei einem Haushalt von 6 Leuten kam nicht einmal das Andrew wirklich verwunderlich vor. Der Stress bei Ihnen zuhause musste furchtbar gewesen sein, aber Andrew war schließlich auch gewohnt, ein Einzelkind zu sein. Nach einer Weile sah er auf die Uhrzeit auf dem Handy. Es wurde schon langsam spät, aber das Louvre hatte noch nicht lange geschlossen. Sie hatten bestimmt noch zwei, drei Stunden, bevor es los ging und selbst das war noch recht riskant früh, aber je später sie sich auf den Weg machten, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass Nadia entweder vor ihnen dort, oder schlimmer, zur selben Zeit am selben Ort war. Andrew wollte beinahe vorschlafen, die paar Stunden zum Schlafen zu nutzen, aber er würde definitiv nicht in der Lage sein, zu schlafen. Und Ezra vermutlich auch nicht. Also überlegte er sich etwas, dass sie ein wenig ablenkte aber auch auf Trab hielt, bis es los ging. Und vielleicht spielte da auch eine eigene Motivation mit hinein. Andrew rutschte etwas zur Seite, sodass er sich drehen und Ezra ansehen konnte.
      "Okay, wir sollten die möglicherweise letzten zwei Stunden unseres Lebens sinnvoll nutzen, finde ich", fing er an. "Wir tun etwas, dass ich in meiner langweiligen Jugend verpasst habe, weil ich nie zu Partys eingeladen wurde" Das klang schon einmal trauriger als beabsichtigt. "Wir spielen Pflicht oder Wahrheit. Eine eingeschränkte Version, weil Auffälliges, Alkohol und Illegales wegfällt. Ich würde ja Ich-hab-noch-nie vorschlagen, aber dann würde ich an dem Spiel kaum teilnehmen" Er lächelte, rutschte am Bett zurück und verschränkte die Beine, als wäre er eine 15-Jährige und würde sich für Klatsch und Tratsch bereit machen. "Ich fange an, ich nehme Pflicht", meinte er dann, voraussetzend dass Ezra mitspielte. "Das ist deine einmalige– na schön, erste von mehreren Chancen, mich zu irgendetwas zu zwingen" Vielleicht drehte Andrew wegen dem ganzen Druck auch einfach langsam durch, aber sich kurz um nichts sorgen zu müssen und etwas Spaß zu haben, erschien ihm wie die einzig logische Option. Das, und er war wirklich in einer selbstsüchtigen Stimmung.
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    • Ezra

      Die Nähe zu Andrew war seltsam beruhigend. Ezra konnte die Wärme fühlen, die von ihm ausging, während er gegen das Verlangen ankämpfte, seinen Kopf gegen Andrew zu lehnen. Jetzt fand er es fast schade, dass Niamh bei der Buchung darauf geachtet hatte, auch wirklich zwei Zimmer zu wählen und nicht versehentlich wieder nur eines. Es wäre einfach nur nett, Andrew ein bisschen länger bei sich zu haben.
      Der Themenwechsel kam plötzlich und schoss Ezras Gedanken direkt in eine Richtung, die definitiv unangebracht war. Es wurde nicht viel besser, als Andrew direkt Pflicht wählte. Okay. Konzentration. Es gab durchaus genug Aufgaben, die weder etwas mit Körperkontakt, noch mit Kleidung zu tun hatten. "Du weißt schon, dass Wahrheit oder Pflicht so nur halb so viel Spaß macht, oder?", fragte Ezra grinsend, um sich selbst ein bisschen mehr Zeit zu verschaffen, über eine Pflicht nachzudenken, die nicht das Ende ihrer Freundschaft bedeuten würde, keinen Alkohol und nichts Illegales enthielt. Jedes mal, wenn er das Spiel als Jugendlicher gespielt hatte, war Pflicht die einmalige Chance, richtig betrunken zu werden, oder einfach Leute nach Hause zu schicken, was im nachhinein irgendwie ziemlich mies war, damals aber unglaubliches Comedy-Potential gehabt hatte.
      "Weißt du was? Wir können dich schon mal auf den Haiku einstimmen. Die nächsten zwei Runden darfst du nur noch in Reim-Form reden." Das war ein relativ neutraler Anfang für dieses Spiel, nicht? Keine sonderlich leichte Aufgabe, aber lösbar und nichts, was irgendwie nach hinten losgehen könnte. Außerdem war Andrews Mutter Buchhändlerin gewesen - zumindest ein bisschen Kreativität muss doch auf ihn übergegangen sein, oder?
      "Ich nehm Wahrheit. Also, Bühne frei, mein liebster Poet." Er lachte kurz auf. Das alles hatte fast ein wenig Klassenfahrt-Charme, aber Andrew hatte Recht, je nachdem, wie der restliche Abend verlief, waren das hier vielleicht die letzten zwei friedlichen Stunden ihres Lebens. Warum also nicht ein wenig albern werden? Das war immer noch besser, als die Zeit abzusitzen und trüben Gedanken nachzuhängen. Wenigstens saßen sie hier zusammen und konnten noch mal lachen.
    • Andrew

      "Okay, gib mir einen Moment. Reimen ist nicht mein größtes Talent", erwiderte Andrew aufgrund seiner Konzentration viel zu ernst, aber ihm fiel gerade einfach nichts anderes ein und er brauchte Zeit, um sich eine Frage zu überlegen, die er Ezra stellen konnte. Es gab einige Dinge, die er gerne über ihn wissen wollte, aber nicht alles konnte er gerade einfach so fragen, ohne das Gespräch in eine unvorteilhafte Richtung zu lenken. Außerdem zweifelte er an dem Ausreichen seinen Reim-Fähigkeiten, um eine vernünftige, emphatische Antwort zu formulieren, wenn er von Ezra erzählt bekam, wann er herausgefunden hatte, dass er nicht hetero war. Er musste definitiv leichtere Kost als Thema wählen. Alles, was er ab jetzt sagte, würde sich zu dämlich anhören, um ernst zu bleiben.
      "Wenn du wählen könntest zwischen allem, auf welche Aktivität würde deine Wahl fallen?" Fast war Andrew ein wenig zu stolz auf sich selbst. Er hob die Augenbrauen und grinste Ezra an. "Vielleicht hab ich doch ein neues Hobby gefunden. Wärst du glücklich, wenn ich reimen würde für die nächsten Stunden?" Er lachte und klatschte in die Hände. Dieser Schwachsinn machte ihm echt zu viel Spaß.
      "Ich wähle dann auch Wahrheit, in meiner Narrheit", kündigte er sogleich an. Wobei er kein Problem damit hatte, ehrlich mit Ezra zu sein und offenbar hatte dieser ein Talent dafür, sich anstrengende Pflichtaufgaben auszudenken, also war es wohl die bessere Wahl.
      "Ich bin ein offenes Buch, ist das mein Fluch?" Er setzte einen gespielt fragenden Blick auf, nur um ihn gleich wieder durch ein Grinsen abzulösen. Okay, gut. Er musste aufhören, zu reden.
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    • Ezra

      Es war schwer, nicht zu lachen. Ezra musste sich beinahe selbst auf die Schulter klopfen - das war wirklich eine fantastische erste Pflicht gewesen. Es war schön zu beobachten, wie die Rädchen in Andrews Kopf ratterten und am Ende schaffte er es sogar mehr oder weniger rüber zu bringen, was er wissen wollte.
      "Ich glaube für eine Karriere als Hofdichter wird es nicht reichen, aber ich bin beeindruckt." Ezra überspielte ein Lachen mit einem Räuspern, auch, wenn man ihm wahrscheinlich ansehen konnte, dass er das ganze ziemlich witzig fand. "'Aktivität' im Sinne von Hobby, oder Arbeit? Warte - ich spare dir das Reimen. Ich lese gerne und ich wollte immer irgendwie mit Kindern zusammenarbeiten." Was ihm erst irgendwie durch Liz bewusst geworden ist. Ezra hatte sich vor den letzten Wochen immerhin nie viele Gedanken um seine berufliche Zukunft gemacht. Genau so, wie er sich nie Gedanken darum gemacht hatte, welche Frage er von Andrew beantwortet haben wollte. So erheiternd sein letzter Reim auch gewesen war, Andrew log tatsächlich nicht, wenn er sich selbst als offenes Buch bezeichnete. Zumindest konnte Ezra sich nicht daran erinnern, dass der Held ihn je angelogen, oder ihm was verschwiegen hätte. Das war eher seine eigene Rolle, nicht?
      "Was wäre das erste, was du tun würdest, wenn du morgen im Lotto gewinnen würdest? Für dich selbst, Spenden und wohltätige Zwecke ausgenommen." Immerhin war das bei den meisten Leuten irgendwie die standartmäßige Antwort und die interessierte ihn nicht. "Ich nehme Pflicht", schob er schließlich hinterher, in der Hoffnung, dass die Rache für das Reimen nicht zu groß sein würde. Obwohl Andrew offensichtlich etwas Gefallen daran gefunden hatte. Zumindest hatte er wieder das selbe Grinsen auf den Lippen, das Ezra eben auf dem Foto auf dem Gesicht von Andrews Mutter gesehen hatte. Es ließ ihn fast ein wenig verwegen wirken, tatsächlich wie jemand, der sich keine großen Sorgen darüber machen würde, gleich in eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt einzubrechen. Hoffentlich hielt diese Freude bei Andrew noch etwas an.
    • Andrew

      "Hoffentlich reicht mein Talent mit Worten, um die nächste Frage vernünftig zu beantworten", sagte er und setzte einen leicht verzweifelten Gesichtsausdruck auf. Er würde ja gerne auf Ezras Antwort eingehen, aber dazu fühlte er sich nicht gerade in der Lage. Andrew konnte sich gut vorstellen, dass der Blonde mit Kindern umgehen konnte. Er war lustig und locker und bestimmt für jeden Blödsinn aufgelegt, was auch Liz sicher gut gefiel. Er hatte ihn eigentlich fragen wollen, was er jetzt gerade lieber tun würde, als auf dieser Mission zu sein, aber Andrew war ganz zufrieden damit, dass er falsch verstanden wurde. Dass er gerne las, hatte er zwar irgendwie schon gewusst, spätestens als er in seinem Wohnzimmer gestanden hatte, aber es war immer wieder interessant zu hören, dass Ezra solche einfachen Dinge mochte und nicht eine Art abgehärteter Krimineller war, der sein Leben dem Diebstahl geschworen hatte. Er las, strickte sogar und mochte Kinder. Andrew musste sich bemühen, dem Blonden nicht in die Wange zu kneifen weil er so niedlich war. Dass er so ein Softie war, fiel auf den ersten Blick jedenfalls nicht auf und auch nach jahrelanger Bekanntschaft hatte Ezra es geschafft, ein zwar chaotisches, aber doch sehr selbstbewusstes und starkes Auftreten zu bewahren. Diese zwei Seiten… waren zusammen noch besser, als jede für sich. Andrew war plötzlich nicht mehr danach, sich so zum Affen zu machen, während Ezra plötzlich wie eine Art Adonis auf ihn wirkte, aber ihm blieb nichts übrig. Niemals würde er die Spielregeln missachten.
      "Ich würde mir ein Haus gönnen, um mich nicht nur um die eigene Achse drehen zu können", antwortete er letztendlich ungeschickt, nach langer Suche nach Worten. Ja, seine Wohnung hatte auf Dauer nicht unbedingt einen großen Reiz. Sie war zwar gemütlich und sehr zentral, aber auch wirklich klein und hatte hauptsächlich den Vorteil gehabt, nahe am Büro zu liegen und ihm einen langen Weg zu Einsätzen zu ersparen. Aber nachdem das jetzt wegfiel… So ein eigenes Heim, wie Ezra es hatte, wirkte auf einmal viel attraktiver auf ihn.
      "Und damit beende ich die zweite Runde", sagte er und lachte erleichtert. "Ich glaube, Reimen ist leichter, wenn man es nicht im Gespräch tut" Er überlegte kurz, um sich eine gute Pflichtaufgabe zu überlegen. Das Reimen hatte offensichtlich einen Großteil seiner Kreativität aufgebraucht, aber dann fiel ihm doch noch etwas ein.
      "Ich weiß doch, dass du sportlich bist, als ist das sicher keine Herausforderung: Mach einen Handstand und sing dabei dein Lieblingslied" Er sah Ezra gespannt an. "Du kannst dich auch an der Wand anlehnen", erleichterte er ihm die Aufgabenstellung. Jetzt konnte er sich mal kurz lächerlich machen und Andrew würde den Anblick genießen.
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    • Ezra

      "Spontan irgendwas zu reimen kann anstrengend sein, aber du hast es wirklich gut gemeistert", antwortete Ezra lachend. Den Part mit dem Haus hätte er sich wahrscheinlich auch denken können. Es hatte nur den einen, kurzen Moment in Andrews kleiner Wohnung gebraucht, um schon fast eine leichte Klaustrophobie zu entwickeln. Obwohl es sicher Menschen gab, die sich in kleineren Wohnungen eher aufgehoben fühlten. Er konnte sich Andrew gut in einem kleinen Haus vorstellen, mit einem Arbeitszimmer, das er nie verließ. Zum Glück beendete die nächste Aufgabe dieses mentale Bild, bevor Ezra sich die Frage stellen konnte, ob er selbst sich ein Arbeitszimmer vorstellen könnte.
      "Okay, den Handstand bekomme ich gerade noch so hin. Für das Singen möchte ich mich jetzt schon mal entschuldigen. Schmerzensgeld gibt es nicht." Er war nie musikalisch gewesen. Aber es war wie beim Tanzen - manchmal konnte man ein paar verpatzte Schritte überspielen, wenn man nur enthusiastisch genug war, nicht? Oder hatte das bei schiefen Tönen den gegenteiligen Effekt? Jetzt, wo er so darüber nachdachte, war das vielleicht eher der Fall. Zumal er keine Ahnung hatte, was aktuell sein Lieblingslied war. Meistens hörte er einfach, was gerade so im Radio lief und jetzt, wo er sich spontan ein Lied aussuchen musste, hatte er das Gefühl, kein einziges Lied zu kennen. Hatte er in seinem Leben überhaupt schon mal Musik gehört?
      "Ich glaube ein Lieblingslied hab ich gar nicht", gab Ezra zu, während er vom Bett aufstand und sich die Klamotten zurecht zog. "Ich kann höchstens danach gehen, was ich im Auto am ehesten mitsinge, wenn es im Radio läuft." Er zog einen Sessel ein wenig zu Seite, um eine Wand frei zu machen. Er würde auf keinen Fall die nächsten drei Minuten versuchen, einen Handstand ohne Stütze hinzubekommen. Er kannte seine Limits und er kannte sein Chaos-Potential. Wenn er abrutschte und irgendwas hier drin kaputt machte, hatte er ein Problem. Da würde er lieber auf Nummer sicher gehen. "Ich denke du kennst Livin' on a Prayer von Bon Jovi? Ich schätze, den halben Text bekomme ich hin." Mit viel Glück zumindest. Ezra schob die Ärmel seines Pullovers hoch und schwang sich in einen Handstand. Wie lange war der letzte Handstand jetzt schon her? Sportunterricht in der Schule? "Ich hab gewarnt, dass ich nicht singen kann?", fragte Ezra nochmal, bevor er sich räusperte und eine recht schräge Version des Teils des Textes wiedergab, an den er sich noch aus dem Kopf erinnern konnte. Vielleicht ein bisschen schneller, als im Original, was eventuell daran liegen könnte, dass ihm ein wenig die Kraft in den Armen aus ging. Am Ende musste er trotzdem selbst über seinen Gesang lachen, als er sich von der Wand abstieß, knapp den Sessel verfehlte und wieder aufrecht hinstellte.
      "Okay, Darling, du bist wieder dran. Wahrheit oder Pflicht?", fragte er immer noch lachend, während er sich wieder neben Andrew auf das Bett setzte.
    • Andrew

      Unter konstantem Lachen hörte er sich Ezras wundervolle Version des Songs an, während diesem sichtlich die Puste ausging und er gegen Ende schon die doppelte Geschwindigkeit drauf hatte. Er hatte definitiv länger durchgehalten, als Andrew es ihm zugetraut hätte. Er selbst konnte dank der etlichen Leichtathletik Kurse durch seine Jugend hindurch vermutlich eine Stunde lang im Handstand verweilen, aber das lag alles nur an der richtigen Technik und genügend Ausdauer. Das Singen wäre für ihn bestimmt die größere Schwierigkeit. Er war fast beeindruckt davon, dass Ezra gegen zweiten Ton traf. Mehr als wozu er selbst in der Lage wäre. Nachdem Andrew nicht ignorieren konnte, wie dem Blonden leicht der Pullover in Richtung Boden rutschte, fand er es beinahe schade, dass Ezra kein Profi im Handstand machen war. Aber den Gedanken verdrängte er gleich wieder. Sobald er wieder auf zwei Beinen stand, gab er ihm einen kleinen Applaus.
      "Das hat Star-Potenzial", lachte er. "Ich hätte ein Video machen sollen. Im Internet kommt man damit bestimmt auch zu Geld. Vielleicht ist das eine Alternative zu deinen Einbrüchen" Das war tatsächlich gar keine schlechte Idee. Sich zum Idioten zu machen schien eine Aufgabe zu sein, die ihnen beiden lag. "Wir wären ein gutes Comedy Team, wenn ich ehrlich bin", schmunzelte Andrew. Vielleicht kam er so doch noch zu seiner ersten Million.
      Das kleine, typisch englische 'Darling', das Ezra gerne in seine Sätze verpackte, sprach Andrew heute mehr an, als sonst. War das eigentlich bloß eine Angewohnheit, die jeder zu hören bekam, oder hatte Andrew da einen besonderen Platz? Das hatte er sich vorher nie gefragt. Aber als Ezra sich umdrehte und lachend zu ihm aufs Bett setzte, verspürte er ein kleines bisschen den Wunsch, dass letzteres wahr war. Sein eigenes Lachen wandelte sich zu einem Lächeln, das er kaum unter Kontrolle hatte, während er Ezra vielleicht etwas zu lange in die Augen starrte, wie er es auch sonst gerne tat, nur dass er sich nicht dazu bringen konnte, wegzusehen. "Wahrheit", sagte er. "Frag mich alles, was du willst"
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    • Ezra

      Ein Comedy-Duo wäre gar nicht so abwegig. Wenn sie ihre letzten Wochen als Livestream gesendet hätten, hätten sie bestimmt ein paar Fans gesammelt, die einfach nur fasziniert davon waren, ihnen beim Versagen zuzuschauen. Vielleicht sollten sie das als nette Alternative offen halten, wenn sie wieder in London waren. Besser, als gar nichts und sie schienen wirklich ein Talent dafür zu haben, von einer schlimmen Situation in die nächste zu stolpern. Immerhin hatten sie gestern noch in einem Keller gesteckt.
      Doch Ezra blieb keine Zeit, einen Witz hinterher zu schieben und ihre berufliche Zukunft abzusegnen. Andrews Blick ließ seine Gedanken kurz vollkommen einfrieren. Irgendwas war anders, als sonst. Andrew hielt seinen Blick länger und das löste einen kleinen, wohligen Schauer bei Ezra aus. Oh, er hatte genug Fragen. War es wirklich so unwahrscheinlich, dass sich zwischen ihnen je etwas romantisches entwickeln könnte? Hatte Andrew nie auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, wie es wäre, ihn zu daten? Was war Andrews Typ? Wie schaffte Andrew es, immer so absolut perfekt zu sein? Es gab auch genug oberflächliche Fragen, aber irgendwie hatte Ezra das Gefühl, dass sie über diese schon lange hinweg waren.
      Er blinzelte kurz, bevor er das erste fragte, was ihn in den Kopf kam. "Jedes mal, wenn du mich geschnappt hast, hast du mich gehen lassen. Ich hab nie gefragt, warum. Also...warum?" Das war...eigentlich absolut keine Frage für dieses Spiel. Außerdem war die Antwort wahrscheinlich bei weitem nicht so interessant, wie er dachte. Ezra schüttelte kurz den Kopf, während er seinen Blick von Andrew abwandte. "Sorry, das ist eine blöde Frage. Ich- Sicher, dass du nicht doch Pflicht nehmen willst? Du könntest der Rezeption einen wundervollen Klingelstreich spielen, oder so." Er lachte kurz, um seine eigene Unsicherheit irgendwie zu überspielen. Vielleicht sollten sie das ganze Spiel einfach langsam ausklingen lassen und schon mal zum Louvre aufbrechen. Sie wären etwas zu früh dran, aber wenigstens würde Ezra so endlich auf andere Gedanken kommen.
    • Andrew

      Andrew's Lächeln zuckte ein wenig bei der Frage, die Ezra ausgewählt hatte. Er hatte nichts allzu Tiefgründiges erwartet, nachdem er eine gewisse Distanz zwischen ihnen erzwungen hatte. Wenn auch ungewollt, weil er nicht gut darin war, zuerst zu denken, bevor er sprach, wenn er in Ezras Nähe war. Außerdem hatten sie sich bisher doch sehr gut darin geschlagen, die Atmosphäre aufzulockern. Aber die Frage war perfekt. In Ezras Augen war richtig zu sehen, was er gerne hören wollte. Andrew musste aufpassen, um nicht das Falsche zu sagen. Er sah zwischen seinen goldbraunen Augen hin und her, während er abwog, wie schlau es wahr, jetzt ganz ehrlich zu sein.
      "Ich bleibe bei Wahrheit, aber danke", schmunzelte er. "Ich glaube, weil ich immer wusste, dass du nicht wie andere Kriminelle bist. Dass es niemandem wirklich schaden würde, wenn ich dich laufen lasse und jeden Mittwoch wiedersehen kann", erwiderte er.
      Das war die Wahrheit. Andrew hatte immer darauf vertraut, dass Ezra nicht auf einmal auf den Edelsteindiebstahl umsteigen oder irgendwelche Zivilisten gefährden oder verletzen würde. Alles, was er tat, war die Leute um ein paar teure Einrichtungsgegenstände oder etwas Schmuck zu erleichtern und auch, wenn das falsch war, illegal und gegen Andrews Moral ging, hatte er die Sachen doch hin und wieder zu den Menschen zurück bringen können und an diesen Tagen, wenn er Ezra erwischt hatte, brachte es letztendlich doch nichts, ihn um den Rest seines Lebens zu berauben, indem er ihn einsperren ließ. Die Leute hatten ihre Sachen wieder bekommen und an allen anderen Tagen hatte Andrew es eben nicht geschafft, den Dieb einzuholen. Dafür konnte er kaum etwas. Vermutlich hätte er etliche Einbrüche vorbeugen können, wenn er ihn gleich eingebuchtet hätte, aber beim ersten Mal hatte er ihn aus einem unklugen Gefühl der Freundschaft entkommen lassen und die nächsten Male hatte er sich gefühlt, als würde er mit ihm zusammen unter einer Decke stecken. Nicht im Sinne der Einbrüche, aber weil sie sich wie verabredet immer wieder getroffen und unausgesprochene Regeln entwickelt hatten. Es war wohl eine Sympathie gewesen, die völlig fehl am Patz gewesen war und Andrew dazu bewegt hatte, seinen Job zu vernachlässigen. Aber bereut hatte er es nie. Und jetzt, wo er Ezra besser kannte, war er froh über diese Entscheidung. Er war wirklich nicht wie andere Kriminelle.
      Mit einem Blinzeln riss Andrew sich aus der Starre, die bis eben eingehalten hatte und atmete kurz tief durch. "Äh… Pflicht oder Wahrheit?", fragte er und lachte leicht nervös, während er die Augen nach seinem Handy offen hielt. Es wäre interessant zu wissen, wie spät es mittlerweile war. Andrew hatte beinahe vergessen, was diese Nacht noch auf sie wartete und mit jedem Moment war er darüber unglücklicher. Es schien fast unmöglich, bis nach der Mission zu warten, um seinen Gefühlen nachzugeben. Er war schließlich auf jeder Ebene ein offenes Buch und nicht daran gewöhnt, etwas verstecken zu müssen. Das war ganz schön anstrengend, auch wenn er nicht das Gefühl hatte, besonders erfolgreich zu sein.
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