The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Das einzig gute an der letzten Nacht war, dass die Panik vor der Zukunft Ezra fast seine Flugangst vergessen ließ. Fast.
      Es kam ihm mehr als gelegen, dass Andrew nach den ersten paar Minuten des Fluges einschlief und er so ungestört seinen eigenen Gedanken nachhängen konnte, während er mit den Fingern des Heldens spielte, ohne es selbst so richtig zu merken. Er hatte definitiv genug Probleme. Er musste sich jetzt nicht auch noch mit der Frage auseinandersetzen, seit wann er sich in Andrews Nähe so irritierend sicher fühlte. Vielleicht waren es Wahnvorstellungen aufgrund seiner Übermüdung. Waren Wahnvorstellungen ein Anzeichen für zu wenig Schlaf? Ezra könnte es nachschlagen, aber er war zu unkonzentriert dafür.

      Ezra hatte generell das Gefühl, als würde der ganze Morgen wie ein Film vor ihm ablaufen. Eine Szene, die er zwar mitbekam, in die er aber selbst nicht richtig eingreifen konnte. Er folgte Andrew mechanisch zur Gepäckausgabe und danach zum Ausgang. Fast hätte er automatisch wieder nach seiner Hand gegriffen, hielt sich aber im letzten Augenblick zurück. Erstens wäre das hier in Russland wahrscheinlich keine sonderlich gern gesehene Geste und zweitens schien Händchenhalten nur im Flugzeug zu funktionieren. Ugh, das alles tat seiner Psyche nicht gut. Ezra war schon fast froh darum, im Taxi hinter Andrew zu sitzen, damit er sich keine Gedanken darum machen brauchte, wieder nach seiner Hand zu greifen.
      Offensichtlich war das Glück heute allerdings auf seiner Seite - immerhin musste er sich nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, wie er mit Andrew umgehen sollte, als ihnen eine Waffe entgegengestreckt wurde.

      Es dauerte einen kurzen Moment, bis Ezra verarbeitete, was gerade geschehen war. Sein erster Reflex war es, sich auf den Windstein an seinem Finger zu konzentrieren, aber er verwarf die Idee so schnell, wie sie gekommen war. Sie saßen in einem kleinen Auto, bei voller Fahrt. Wind wäre hier sicher nicht die richtige Lösung, außer, er wollte sie alle in den Tod reißen.
      “Ihr werdet nicht wieder zurück kommen”, antwortete der Mann, der neben ihm saß auf Andrews Vorschlag hin. Sein russischer Akzent war gut hörbar und er klang so, als ob das nicht das erste mal wäre, dass er jemanden bedrohte. “Handy”, fügte er schließlich hinzu, während er Ezra eine Hand entgegen streckte.
      Vielleicht nur ein Raubüberfall? Ezra schob langsam seine Hand in seine Hosentasche, um sein Handy rauszuziehen und ließ dabei seinen Ring unauffällig in der Tasche verschwinden. Vielleicht wären die beiden ja mit Handy und Geld zufrieden und würden sie anschließend gehen lassen. Oder auch nicht, gemessen daran, dass das Handy umgehend aus dem Fenster geworfen wurde. Ezra musste sich auf die Zunge beißen, um den Drang zu unterdrücken, sich zu beschweren.

      Die Fahrt dauerte nicht lange. Was sie nicht angenehmer machte.
      Der Asphalt der Straße wich einem Kieselpfad, als sie die Einfahrt zu einem Haus hochfuhren, das eigentlich seltsam normal aussah. Es gab drei Stockwerke, große Fenster, eine grüne Umgebung und eine Garage. Der Fahrer ignorierte letzteres und fuhr stattdessen um das Anwesen herum, bis er eine Hintertür erreichte. Wer auch immer die beiden geschickt hatte, hatte offenbar ein prall gefülltes Bankkonto.
      Das Auto kam knirschend zum stehen. Der Mann neben Ezra deutete kurz mit seiner Pistole zur Autotür. “Aussteigen.”
      Ezra nickte kurz, während seine Gedanken rasten. Es gab nichts, was sie tun konnten. Sie waren irgendwo im Nirgendwo. Eine Pistole war schneller und tödlicher, als alles, was sie mit ihren Steinen versuchen konnten. Nervös wie er war, brauchte Ezra zwei Anläufe, bevor er die Tür öffnete und ausstieg. Der Fahrer nahm ihn in Empfang. Er winkte in die Richtung der unscheinbaren Tür zum Haus. Ezra warf einen Blick über die Schulter zu Andrew, der von dem Mann mit der Pistole in die selbe Richtung verwiesen wurde.
      Ob es so enden würde? Erschossen in irgendeinem Keller?
      “Stopp.”
      Ezra erstarrte auf der Stelle, als der Fahrer auf ihn zu kam. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen griff der Mann nach seiner Kette und zog sie ihm ruckartig vom Hals. Ezra stieß ein unfreiwilliges, kurzes “Fuck” aus, während er seine Hand automatisch zu seinem Hals wanderte. Der Mann lachte und ließ den Anhänger in seiner Brusttasche verschwinden, offenbar davon überzeugt, dass er sonst keine Steine mit sich trug.
      Irritierenderweise drängte sich Ezra kurz der Gedanke auf, dass sein Bruder vollkommen enttäuscht darüber sein würde, dass er den Anhänger verloren hatte. Was irrsinnig war. Er hatte seinen Bruder seit über zehn Jahren nicht gesehen und gerade deutlich größere Probleme.

      Der Keller sah nicht mal halb so luxuriös aus, wie das Anwesen darüber. Er war eng, kalt, feucht und roch übel. Offenbar hatt er er mal als Weinkeller angefangen, war mittlerweile aber als Abstellkammer zweckentfremdet worden. Sie gingen an einigen kleinen Zimmern vorbei, in denen Möbel und gefüllte Regale standen, bevor sie auf einen Gang einbogen, der etwas aufgeräumter zu sein schien. Eine kleine Kamera hing in einer Ecke. Offenbar war dieser Bereich des Kellers öfters in Benutzung.
      “Hier rein.” Der Fahrer hielt eine Tür auf und stieß Ezra ungeduldig hindurch.
      Der Raum war klein, eine nackte Glühbirne hing von der Decke, ein schmales Fenster - zu schmal, um sich durch zu quetschen - war an der Wand angebracht…sonst war es leer. Ezra drehte sich, um Andrew abzufangen, der hinter ihm in das Zimmer gestoßen wurde und konnte gerade noch sehen, wie ihre beiden Entführer hinter ihnen die Tür schlossen. Man konnte hören, wie sich ein Schlüssel drehte, dann Schritte, die sich entfernten. Dann Stille.
      “Fuck”, hauchte Ezra, während sich seine Finger in Andrews Jacke krallten. “Alles gut bei dir?”
    • Andrew

      Es war kaum zu fassen, dass sie tatsächlich in einer Zelle gelandet waren. Klar, früher oder später hatte Andrew sowieso damit gerechnet. So ein Glück, nie gefasst zu werden, hatte auch nur Ezra, aber scheinbar hatte ihn dieses nun auch verlassen. Aber das sie nach nur wenigen Tagen eingesperrt wurden, und dann nicht einmal rechtmäßig, sondern von irgendwelchen zwielichtigen Kerlen mit Waffen… Das ging ihm jetzt doch zu schnell. Man hätte ihn auch nicht so brutal in die Zelle schleudern müssen. Er wäre schon von selbst hineingegangen, wenn die so mit ihrer Waffe herumfuchteln mussten! Sterben wäre ihm jetzt doch zu dramatisch.
      Ezra fing ihn ein wenig ab, aber ein angenehmer Zusammenstoß war es trotzdem nicht. Andrew sah sich in dem winzigen Raum um, während er sich den Mantel etwas zurecht zupfte, an dem Ezra sich festhielt, als würde er sonst in einen Abgrund stürzen. Zumindest mental war diese Angst auch berechtigt. Andrew war Stresssituationen vielleicht gewohnt, aber nicht, wenn er das Opfer im Szenario war. Nur ein kleines Bisschen Selbstbeherrschung hielt ihn davon ab, wahnsinnig zu werden und in diesem Keller Amok zu laufen.
      "Äh… ja… alles gut", antwortete er dem Blonden und runzelte dann die Stirn, weil eigentlich gar nichts gut war, aber zumindest hatte er kein Loch im Schädel. "Und bei dir?", fragte er dann dennoch, weil Ezra aussah, als säßen sie in einem Flugzeug. Andrew würde zu gerne wissen, welche dieser Situationen ihm mehr zusetzte. Er selbst hätte gerade nichts gegen einen 15 Stunden Flug nach Hawaii.
      Was seiner Natur aber völlig widersprach, war jetzt herumzustehen und darauf zu warten, dass die Männer zurückkamen und wie im nächstbesten Horrorfilm begannen sie zu Foltern um an irgendwelche Informationen zu kommen, die sie sowieso nicht hatten.
      "Das hat bestimmt mit dem scheiß Stein zu tun. Dabei haben wir den nichtmal mehr", murmelte er und warf einen Blick zum Fenster, das leider keinen Fluchtweg darstellte. "Wir kommen hier wohl nicht raus" Er seufzte. Genau davor hatte er Angst gehabt. "Wir müssen uns etwas überlegen, bevor jemand zurückkommt", sagte er und sah dann hinauf zur Kamera. Na toll. "Und zwar am besten… leise… falls da Lautsprecher integriert sind" Andrew dachte nach. Er selbst hatte noch diesen Stein von Henry in der Jackentasche. Wäre nett gewesen zu wissen, was der kann, bevor er sie hier mitsamt des Raumes in die Luft jagte.
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    • Ezra

      Wundervoll. Einfach wundervoll. Vielleicht war ihre Zusammenarbeit doch keine gute Idee gewesen. Wie lange hatten sie jetzt durchgehalten? Zwei Wochen? Die Zeiten, in denen sie noch gegeneinander gearbeitet hatten, waren weitaus weniger rasant gewesen.
      Ezra seufzte, ignorierte Andrews Frage danach, wie es ihm ging und wandte sich stattdessen der Tür zu. Die Tür bestand aus massivem Holz, mit einem verstärkten Schloss. Hätte Ezra seine Werkzeuge und ein bisschen Zeit, hätte er das Schloss wahrscheinlich sogar aufbrechen können, aber seine Werkzeuge waren in seiner Tasche im Auto. Außerdem hatte er nicht das Gefühl, dass ein Ausbruch hier so einfach wäre - wer auch immer die Kamera installiert hatte, würde sich sicher nicht darüber freuen, wenn Ezra sich an der Tür zu schaffen machte. Leider waren nicht alle Leute so erfreut von Einbrechern, wie Andrew.
      “Okay”, setzte Ezra an, während er ein wenig näher an Andrew heran trat, um auch flüsternd noch gut verständlich zu sein. “Wir sind noch nicht tot, also denke ich, dass irgendjemand noch irgendetwas von uns braucht. Informationen, den Stein…was auch immer. Wir können mitspielen und auf eine Möglichkeit hoffen, zwischendurch irgendwie abhauen zu können, oder wir warten darauf, dass sich die Tür wieder öffnet und versuchen unser Bestes, uns irgendwie raus zu kämpfen.” Ohne zu wissen, wer hinter der Tür auf sie warten würde und im vollen Bewusstsein, dass Ezra nicht sonderlich kampferprobt war. Weglaufen war immer schon deutlich einfacher gewesen.
      “Oder wir geben direkt auf.” Ezra setzte ein kleines, zynisches Lächeln auf. Das wäre definitiv die einfachste Lösung, aber er war sich ziemlich sicher, dass ‘aufgeben’ nicht Teil von Andrews Vokabular war. Zumal er sich selbst auch nicht unbedingt mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass sein Leben hier ein vorzeitiges Ende finden würde. “Lernt man als Held in der Ausbildung nicht, was man in solchen Fällen macht?”
    • Andrew

      Andrew blinzelte. "Was willst du aufgeben? Dein Leben?" Nein, Aufgeben war hier keine Option. Die Idee, mitzuspielen und zu hoffen, dass man ihnen glauben würde, was sie sagten und man sie dann frei ließ… war vermutlich immernoch die Beste und das gefiel Andrew nicht. Es war trotzdem keine gute Idee. Aber sich rauszuprügeln? Es war eher unwahrscheinlich, dass hier später jemand ohne Waffe vor der Tür stehen würde, nach dem Auftritt vorhin. Er seufzte erneut. "Naja, eins hab ich gelernt. Nahkampf ist keine gute Idee, wenn du keinen Plan hast, wem du gegenüber stehst. Aber ich glaube das ist Menschenverstand"
      Er rieb sich ein wenig verzweifelt die Stirn. Sollten sie sich wirklich einfach zurücklehnen und warten, dass jemand kam und sie dann hoffentlich nicht ermordete? Naja, immerhin hatte Andrew noch den mysteriösen Stein… Er war doch relativ klein, also so viel würde er schon nicht anrichten, wenn er ihn benutzte, oder? Außerdem konnte es gut sein, dass der Stein gar keine gefährliche Kraft hatte sondern etwas Unnützes, wie ein Supergehör. Laseraugen wären ihm da gerade etwas lieber, aber wenn es dann doch eine Explosionskraft war, hatten sie wirklich ein Problem. Natürlich musste jeder Stein irgendwann einmal getestet werden. Aber bestenfalls passierte das nicht in einem winzigen Raum. Und wenn der Stein ihn selbst schützen würde und nur seine Umwelt zerstörte… Nachdenklich sah er Ezra an. Er wollte ihn nicht gefährden.
      "Was wenn du dich hinter mich in die Ecke stellst und ich probier mal… Henry's… Geschenk aus? Auf gut Glück?", murmelte er leise. Hatten sie überhaupt eine andere Wahl? "Ich weiß nicht, ob die uns heil hier raus lassen, wenn es um den Stein geht. Wir wissen ja auch kaum was darüber"
      Kaum hatte er das ausgesprochen, ging auf einmal die Tür auf. Fuck. Sie hatten sich doch noch für gar nichts entschieden! Und da standen diesmal 4 Männer. Hatten sie wirklich über die Kamera etwas gehört? Zwei der Männer kamen herein, sie schienen unbewaffnet, doch die zwei, die die Tür bewachten, hielten Revolver auf sie gerichtet. Zumindest mussten sie gerade keine Angst haben, erschossen zu werden, denn das wäre längst passiert. Die Schusswaffen schienen eine Vorsichtsmaßnahme zu sein, um sie in Schach zu halten. Und jetzt? Sollte Andrew versuchen, zu kooperieren? Aber die Männer hatten wohl andere Pläne. Jeweils einer von ihnen packte Ezra und Andrew an den Armen und während sein Fokus aus Schreck noch auf der Waffe lag, die auf ihn gerichtet war, hatte man ihnen die Hände bereits hinter dem Rücken gefesselt. Leider hatten die Typen auch noch Handschellen parat. Ein Seil wäre ein kleineres Problem gewesen.
      "Hey, wir sagen euch doch, was immer ihr wollt. Muss das wirklich sein?", versuchte Andrew verzweifelt, doch er bekam ohnehin Keine Antwort. Im nächsten Moment war er Rücken an Rücken an Ezra angehängt worden. So konnten sie beide weder an den Stein in seiner Jackentasche kommen, noch sonst irgendetwas ausprobieren, um hier rauszukommen. Clever. Schon ging die Türe wieder zu. Das war's wohl. Jetzt konnten sie warten, dass wer auch immer das hier veranlasst hatte, sich entschied, was er mit ihnen tun wollte. Eine einfache Befragung, Folter, Mord? Wie zum Teufel war Andrew in diese Situation gekommen? Vor zwei Wochen hatte er noch entspannt seinen Kaffee im Büro genossen und mit Thomas über Fälle gequatscht. Und jetzt wusste niemand, dass Ezra und er in Russland in einem Weinkeller gefesselt und mit Knarren bedroht wurden. Keine Chance auf Rettung.
      "Was denkst du?", murmelte er nach einer Weile. Vielleicht war Ezra ja etwas optimistischer als er.
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    • Ezra

      Was er dachte war schwer in Worte zu fassen und würde ihnen - sofern die Kamera tatsächlich mit einem Mikrofon verbunden war - wahrscheinlich einen schnellen Tod einbringen. Also verwarf Ezra die Beschwerde, die sich in seinem Kopf zusammenbraute und seufzte stattdessen. "Ich hab mir das mit den Handschellen irgendwie immer romantischer vorgestellt", scherzte er, um seine eigene Panik ein wenig zu überspielen. Vielleicht war das ja das Glück im Unglück - wenn sie eh sterben würden, musste er sich wenigstens keine Gedanken mehr darum machen, wieviel Blödsinn er reden konnte.
      Aber hey, sie waren immer noch nicht tot und sie waren nicht durchsucht worden. Wer auch immer sie hier festhielt schien sich verdammt sicher zu sein, dass sie nicht viel ausrichten konnten. Vielleicht konnten sie diese Überheblichkeit irgendwie nutzen? Aber wie? So, wie sie hier festsaßen schien es wirklich nicht viel zu geben, was sie tun konnten. Sie konnten nur warten und hoffen, irgendeinen Deal auszuhandeln, sofern sie nicht doch einfach erschossen werden würden.

      Ezra wusste nicht genau, wie lange sie gewartet hatten. Es war schwer, die Zeit im Auge zu behalten, wenn man in einer kleinen Zelle saß und die Hände so zusammengebunden waren, dass man nicht mal eben auf die Uhr sehen konnte. Durch das kleine Fenster konnte man langsam die ersten Sonnenstrahlen sehen, als sich die Türe wieder öffnete.
      Diesmal betraten wieder nur zwei Männer die Zelle. Einer löste Andrew und Ezra voneinander, nahm ihnen allerdings leider nicht die Handschellen ab. Der zweite Mann deutete kurz auf den Flur hinter der Tür. "Mitkommen", befahl er in starkem russischen Akzent. Ezra warf einen kurzen Seitenblick zu Andrew, bevor sie sich in Bewegung setzten.
      Der Mann führte sie kurz durch den Keller und anschließend eine Treppe hinauf ins Erdgeschoss. Der Unterschied war beinahe ein wenig gruselig. Der Keller hatte fast so gewirkt, als ob das Haus nicht oft genutzt wurde, aber das Erdgeschoss sah aus, als wäre ein Designerkatalog zum Leben erwacht. Sie liefen durch eine Küche, die sicherlich teurer war, als Ezras komplettes Haus, hinein in ein Wohnzimmer, das ähnlich luxuriös aussah. Zwei Sofas standen rechtwinklig zueinander in der Mitte des Raumes, der Fenster hatte, die bis zum Boden reichten. Die Regale an den Wänden waren gefüllt mit Büchern und Flaschen, an einer Wand stand ein Kamin, in dem Holz aufgestapelt worden war, als ob er eigentlich nur als Deko dienen würde. Selbst das kleine Chaos auf dem Wohnzimmertisch sah irgendwie gewollt aus.
      Auf einem der Sofas saß eine junge Frau in einem dunkelblauen Hosenanzug. Sie hatte ihre braunen Locken hochgesteckt und sah angestrengt auf ein Tablet, hob den Blick allerdings, als sie den Raum betraten. Kurz sah sie zu einer anderen jungen Frau herüber, bevor sie sich räusperte, aufstand und ihnen entgegen trat.
      "Mr. Morgan. Mr. Fitzsimmons. Ich fürchte, hier hat es ein großes Missverständnis gegeben. Das alles tut mir furchtbar leid." Ihr Akzent war nicht ganz so stark wie der der Männer und sie sah weitaus weniger bedrohlich aus. Aber das musste nichts heißen. Ein 'Missverständnis' klang in Ezras Ohren ein bisschen zu gut, um wahr zu sein.
      "Mein Name ist Jelena Solovyova", stellte sie sich vor, während sie ihnen mit einen Wink andeutete, sich zu setzen. Ebenfalls ohne ihre Handschellen zu lösen, wohlgemerkt.
      "Ich arbeite im russischen Ministerium zur Überwachung und Kontrolle von Steinen", fuhr sie fort. "Wir haben davon erfahren, dass ein ausgesprochen großer Stein nach Russland geschmuggelt worden ist und im Zuge dessen sind Ihre Namen gefallen. Ich fürchte, hier ist etwas durcheinandergebracht worden." Sie setzte sich ebenfalls auf eines der Sofas und überschlug ihre Beine, während sie sich auf Andrew konzentrierte. "Es hat leider ein wenig gedauert, das Missverständnis zu klären. Bitte verzeihen Sie die Umstände, die wir Ihnen und Ihrem-" Sie stoppte kurz, während sie einen unsicheren Blick in Ezras Richtung warf, "-Freund bereitet haben. Habe ich es richtig verstanden, dass sie der Held sind, der versucht hat, den Stein sicher zu stellen?"
    • Andrew

      Andrew schüttelte leicht den Kopf und begann beinahe zu grinsen, vermutlich weil er langsam den Verstand verlor. Dass Ezra sogar noch in der Lage seine kleinen Witze brachte, war irgendwie zu lächerlich. Aber auf der anderen Seite hatten sie sowieso nichts zu tun, wenn sie hier tatsächlich nur sitzen würden, also konnten sie der Lage auch ein wenig den Ernst nehmen. "Glaub mir, alles wär mir gerade lieber", antwortete Andrew über die Schulter. Ja, sogar irgendwelche von Ezras kranken Fantasien auszuleben würde ihm gerade nichts ausmachen, wenn sie dafür nur wieder zurück in England wären. Obwohl sie bestimmt ein paar Stunden eingesperrt waren, war Andrew hellwach. Und er hatte erstaunlicherweise nichts zu Ezra zu sagen, außer gelegentlich etwas wie: "Der Boden ist schon echt kalt" oder "Glaubst du die Kamera hat Batterien, die irgendwann leer werden?". Sein Kopf war gerade eine einzige Wüste. Kein sinnvoller Gedanke konnte sich zusammenbrauen. Konnte man sie nicht endlich mal konfrontieren?

      Gesagt, getan, und schon wurden sie den Flur wieder in die andere Richtung entlang gelotst. Das Haus, durch das sie anschließend liefen, wirkte auf Andrew wie ein Fiebertraum und er konnte sich nicht davon abhalten, verstört um sich zu starren. Was zum Teufel passierte hier? War das die russische Mafia? Oder wurden sie auserwählt um an der nächsten Orgie eines Zaren teilzunehmen?!
      Dass die junge Frau im Wohnzimmer diese Szene anschließend als ein Missverständnis betitelte, ließ Andrew nicht einmal aufatmen. Wenn es das war, wieso waren sie noch gefesselt?
      Die andere Dunkelhaarige saß in einem knallpinken Kostüm ins Sofa eingesunken, mit überschlagenen Beinen da und musterte Ezra und ihn, als würde sie sie gleich aufessen wollen. Als Andrew ihren Blick traf, grinste sie ihn sogar an und ihm lief es kalt über den Rücken. Sie tippte ungeduldig mit der Spitze ihres Absatzes auf den Boden. Andrew setzte sich neben Ezra, vielleicht etwas zu nah als beabsichtigt, weil sein Fokus nur auf den beiden Frauen lag, die er abwechselnd musterte. Als er plötzlich direkt angesprochen wurde, flog sein Blick zurück zu der Dame im blauen Anzug. Na klar war das alles wegen dem dämlichen Stein passiert… Aber hätten sie das nicht freundlicher handhaben können?
      "Äh… ja… aber wir haben ihn nicht mehr", erklärte er etwas unsicher. "Wir… suchen derzeit danach"
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    • Jelena

      Eigentlich wäre Jelena lieber mit Nadia im Bett geblieben, als hier zu sitzen. Sie hätten schon mal über ihre nächsten Schritte reden, oder den Stein ausprobieren können, aber mit jeder Minute die verstrich wäre die kleine Lüge, die sie den beiden Männern vor sich auftischte, unglaubwürdiger geworden. Obwohl sie sich in der Hinsicht nicht viel vormachte - es würde nicht lange dauern, bis die ersten unangenehmen Rückfragen folgen würden.
      Sie kommentierte Andrews Antwort mit einem kleinen "Mhm", während sie wieder nach ihrem Tablett griff. Eigentlich würde sie die Konversation gerne beenden. Es wäre so einfach, die beiden einfach verschwinden zu lassen und sich danach ein schönes Leben zu machen. Aber leider musste sie erst rausbekommen, wie viel sie wussten und am Ende des Tages wäre es vielleicht tatsächlich keine schlechte Idee, die beiden in ihre Pläne einzubinden. So eng, wie sie aneinander saßen, wirkten sie zumindest nicht so, als würden sie sich eher auf die Seite ihrer Gegner stellen. Auch, wenn es Jelena immer noch nervte, dass sie nicht gewusst hatte, dass die beiden zusammen waren. Ihre Recherche war bis dahin immer vollkommen perfekt gewesen.
      “Nun, dann können Sie uns ja trotzdem vielleicht weiterhelfen”, erklärte sie schließlich, während sie auf ihr Tablett tippte, als würde sie sich Notizen machen wollen. “Machen Sie sowas öfter zusammen?”
      “Steine verlieren?”, fragte Ezra mit kritisch hochgezogenen Augenbrauen zurück und bekam dafür einen genervten Blick von Jelena als Antwort.
      “Steinen hinterherjagen, die über ihrem Job-Niveau und weit außerhalb Ihres Zuständigkeitsbereichs liegen. Sie hätten immerhin auch einfach die zuständigen Autoritäten informieren können”, erklärte sie, bevor sie zu Nadia sah und auf russisch hinzufügte “Denkst du, es macht mehr Sinn, sie getrennt zu befragen?” Immerhin könnten sie sich so wenigstens nicht versehentlich davon abhalten, etwas interessantes auszuplaudern.
      "Wir haben den Stein verloren, also haben wir uns verantwortlich gefühlt. Leider hatten wir nur keine Zeit, uns einen genauen Plan zu überlegen."
      Jelena ignorierte die unterschwellige Anschuldigung in Ezras Stimme gekonnt. Wenn er wüsste. "Also weiß noch niemand, dass Sie den Stein verloren haben?", fragte sie schließlich zurück. Immerhin wäre es ganz nett zu wissen, ob sie die beiden tatsächlich so einfach verschwinden lassen konnten, wie gedacht, oder ob das nur weitere unschöne Nachfragen mit sich ziehen würde.
    • Andrew

      Andrew stockte etwas verwirrt. Sollte er ihr jetzt erklären, dass er seinen Job bereits verloren hatte, weil er seine Nase in Angelegenheiten steckte, die ihn seiner Chefin nach nichts angingen? Sollte er der Frau, die sie gerade in einer Zelle gefesselt die Nacht verbringen hat lassen, ernsthaft erklären, dass niemand wusste, dass Ezra und er sich derzeit in Moskau aufhielten und es niemanden gab, der hier nach ihnen suchen würde?
      "Meine Chefin weiß natürlich darüber Bescheid", antwortete er also.

      Nadia

      Schweigend beobachtete sie die Konversation vom Rande. Das hier war nicht ihr Job. Jelena war die Politikerin. Wenn sie etwas konnte, dann Verhandeln. Nadia hatte nicht vor, jemals etwas anderes zu tun, als Auftragsmorde zu begehen, daher überraschte sie Jelenas Frage ein wenig. Sie ließ es sich nicht anmerken und antwortete erstmal nicht, da der Ezra ohnehin schon weiter sprach, mit einem riskanten Mitschwung an Ärger in seiner Stimme. Nadia konnte sich kaum das Lachen verkneifen, als der andere verzweifelt zu lügen begann. Es war irgendwie armselig. Wie sie da saßen und wirklich dachten, sie hätten irgendeine Chance diese Situation zu kontrollieren…
      "Schön. Ich will den Blonden", sagte Nadia auf Russisch und stand schwunghaft auf. Die Dummheit der beiden reizte sie nun doch irgendwie. Eigentlich diente die Befragung doch nur, um sicherzugehen, ob sie an ihrer Seite arbeiten konnten. Oder ob sie es überhaupt wert waren, am Leben zu bleiben, falls sie bereits zu viel wussten. Doch Nadia bezweifelte, dass sie irgendeine Ahnung hatten, womit sie es hier zu tun hatten.
      Sie kam auf Ezra zu, blieb knapp vor ihm stehen und sah lächelnd auf ihn herab. "Du kommst mit mir", sagte sie.
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    • Jelena

      Wundervoll. Jetzt mussten sie nur noch darauf hoffen, dass die beiden sich vorher nicht auf eine gemeinsame Story geeinigt hatten, aber so chaotisch, wie die beiden Herren auf sie wirkten, hatte Jelena da keine großen Bedenken. Sie beobachtete amüsiert, wie Ezra Andrew einen kleinen Seitenblick zuwarf und Nadia anschließend aus den Raum hinaus folgte. Unbegründete Bedenken, immerhin hatten sie noch nicht vor, die beiden umzubringen. Obwohl sich Jelena nicht sicher war, ob Nadia vielleicht doch zu etwas drastischeren Maßnahmen greifen würde, wenn man ihr zu sehr auf die Nerven gehen würde - aber ein bisschen Schwund war ja immer, nicht?
      Jelena wartete ein paar Sekunden, bis sie sich sicher war, dass ihre Freundin außer Hörweite war, bevor sie sich Andrew entgegen lehnte. "Ist es normal, Freunde auf solche Einsätze mitzunehmen? Vor allem, wenn man sich, naja, so nahe steht?" Sie warf Andrew ein zuckersüßes Lächeln zu. "Wissen Sie, ich glaube nicht, dass jemand weiß, dass Sie hier sind. Ich glaube, dass Sie eine Möglichkeit gesehen haben, Ihren alten Job zurück zu bekommen. Ich glaube, dass Sie und Ihr Freund sich da in eine Sache verrannt haben, die zu groß für Sie ist. Haben Sie schon mal überlegt, ob Sie vielleicht für die falsche Seite arbeiten?"
      Es war vielleicht nicht die schönste Rede, die sie je gehalten hatte, aber Jelena hoffte trotzdem, dass sie den gewünschten Effekt erzielte, während sie sich wieder auf dem Sofa zurücklehnte und auf Andrews Antwort wartete. Vielleicht hatte sie ja Glück und er war ihrer Sache am Ende offener zugewandt, als sie dachte.


      Ezra

      Ezra hatte genug Detektiv Serien gesehen, um zu wissen, dass es immer eine wundervoll dämliche Idee war, sich zu trennen. Wenn das alles eine Show wäre, wäre das wahrscheinlich der Moment, in dem er anhalten würde, um sich dann bei Ada zu beschweren, wie dumm die Charaktere waren. Aber...die dunkelhaarige Frau hatte eine seltsame Aura an sich, die ihm irgendwie Angst machte. Er wusste nicht genau, wieso, aber er hatte das Gefühl, dass es schmerzhafter gewesen wäre, sitzen zu bleiben, statt ihr einfach zu folgen.
      "Ich glaube, wir sind uns noch nicht vorgestellt worden", merkte er an, während er der Frau durch den Flur folgte, vorbei an einem großen Bad und einem zweiten Wohnzimmer. Wer auch immer das Haus hatte bauen lassen hatte definitiv mehr Geld als Verstand. Bestimmt gab es hier auch den ein oder anderen hässlichen Kerzenständer - das must-have für jedes teure Haus.
      "Ich nehme an, Sie sind Jelenas...Kollegin? Sekretärin? Babysitterin für Leute, die ihr auf die Nerven gehen?"
    • Andrew

      Andrew beobachtete, wie Ezra aus dem Raum ging und eine leichte Panik blitzte in seinem Blick auf. Was kam jetzt? Und wieso ergriff Andrew die beißende Angst, dass er den Blonden vielleicht gerade zum letzten Mal gesehen hatte? Er schreckte beinahe zusammen, als die Dunkelhaarige wieder das Wort ergriff. In seinem Leben war er wohl noch nie so umentspannt gewesen, egal auf wievielen Verfolgungsjagden er sich schon befunden hatte.
      Wenn man sich so nahe steht…? Was war das denn für eine Implikation? Klar, sie kannten sich seit etwa zehn Jahren… Wusste diese Frau etwa alles über sein Leben? Als sie weitersprach, wirkte es beinahe so. Und Andrew bekam ein merkwürdiges Gefühl, als würde er sich in einer Therapiesitzung aufhalten. Und irgendwas sagte ihm, dass diese Frauen nicht auf seiner Seite standen.
      "Wenn Sie wissen, dass ich gefeuert wurde, was soll dann das ganze Gerede?", fragte er nüchtern. "Was wollen Sie von uns? Wir haben den Stein nicht und offensichtlich… denken Sie nicht, dass wir eine große Gefahr für irgendwen oder irgendetwas darstellen" So wie sie da locker im Sofa lehnte und mit Ezra und ihm Spielchen spielte… Das war doch alles eine reine Verarsche.

      Nadia

      Nadia zischte genervt, als der Blonde begann, sie anzuschwafeln. Große Angst konnte er ja noch nicht haben. Sie blieb ruckartig stehen und drehte sich um. "Kollegin? Sekretärin?", äffte sie ihn nach. Der Typ fühlte sich wohl zu wohl, weil sie ihren Akzent ablegen konnte, egal welche Sprache sie sprach. Als Auftragskillerin hatte Deckung nunmal die oberste Priorität aber Englisch war wirklich keine einschüchternde Sprache.
      "Ich bin ihre Freundin", raunte sie. Dann überlegte sie einen Moment und setzte mit einer ganz anderen, verträumteren Stimmlage an: "Naja, bestimmt irgendwann ihre Frau" Ihr Blick wurde wieder ernster. "Und jetzt halt die Klappe. Deine Stimme geht mir auf die Nerven" Würg. Männer. Viel zu große Klappen. Sie drehte sich wieder herum und überließ dem Mann, der hinter ihnen herlief, Ezra zum Weitergehen zu bewegen. Natürlich musste ihr immer ein Babysitter mit Waffe folgen, wenn Jelena in der Nähe war. Was auch sonst.
      Sie kamen in einem kleineren Schlafzimmer an, in dem ein großes Doppelbett stand, das beinahe den gesamten Raum einnahm, und zwei äußerst bequem aussehende Sofa-Sessel am Fenster. Es war ein Gästezimmer. Sie würde niemals jemanden mit in das Schlafzimmer nehmen, in dem Jelena und sie ihren Spaß hatten, wenn sie Ferien machten. Schon gar nicht wenn die Option bestand, dass es blutig wurde. Dafür war ihr der Teppich zu teuer.
      Bevor sie Platz nahm, signalisierte sie dem Mann, Ezras Handschellen zu öffnen. Dieser tat zögerlich wie ihm befohlen wurde. "Und jetzt hau ab. Stell dich meinetwegen vor die Tür. Ich hasse es, Augen im Rücken zu haben", fuhr sie ihn auf Russisch an. Der Mann verließ das Zimmer, schloss die Tür und Jelena setzte sich einen der Sessel. Sie deutete Ezra, sich zu ihr zu gesellen.
      "Du redest, wenn ich dich etwas frage", stellte sie vorerst klar. Dann schwieg sie ein paar Sekunden, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Gut, jetzt konnte der Spaß losgehen. "Also… Ein Dieb, hm? Du kennst dich damit aus, Dinge zu stehlen" Sie grinste. "Aber offenbar bist du nicht sonderlich gut darin, sie zu behalten. Mal im Ernst, eine Schublade?"
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    • Jelena

      "Hätten Sie an meiner Stelle nicht erst getestet, ob Ihr Gegenüber die Wahrheit sagt? Ich mag es nicht, angelogen zu werden. Das zieht jede Unterhaltung immer endlos in die Länge und am Ende sind alle unzufrieden, wenn die Lüge doch auffliegt." Jelena machte einen kurzen Wink in die Richtung einer der Männer an der Tür, der kurz nach vorne trat und die Handschellen um Andrews Handgelenke löste.
      "Außerdem habe ich heute noch Besseres zu tun, als hier zu sitzen und zu quatschen, also möchte ich offen mit Ihnen sprechen." Sie legte das Tablet beiseite und konzentrierte sich dafür voll und ganz auf ihr Gegenüber.
      "Wir haben den Stein." Jelena machte eine kleine Kunstpause, damit die neue Information Zeit hatte, verarbeitet zu werden. "Meine Freundin war so nett, ihn mir aus Ihrem Hotelzimmer zu besorgen. Wie genau Sie darauf gekommen sind, dass er in Russland sein muss ist mir schleierhaft, aber vielleicht ist es Schicksal." Oder einfach Pech. Immerhin hätte sie sich jetzt nicht mit den beiden auseinandersetzen müssen, wenn sie einfach irgendwo anders hin geflogen wären. Warum kein romantischer Strandurlaub? Männer.
      "Ich weiß nicht, wie sehr sie sich mit der russischen Politik auskennen, aber sie ist nicht sonderlich...offen für Menschen wie uns. Wenn jemand von meiner Beziehung zu Nadia-" Sie machte eine kurze Handbewegung in die Richtung, in die ihre Freundin eben verschwunden war, "-wüsste, wäre ich ruiniert. Das erschien uns immer schon furchtbar unfair. Das können Sie doch bestimmt nachvollziehen, nicht?"


      Ezra

      Etwas in ihm sagte Ezra, dass er definitiv keinen Platz auf der Gästeliste ihrer Hochzeit bekommen würde. Sein einziger Trost war der Fakt, dass sie den Mann, der sie begleitete scheinbar genauso anschnauzte, wie ihn, wenn man nach ihrem Tonfall ging. Wahrscheinlich auch sein letzter Trost.
      Ezra rieb sich über die Handgelenke - er konnte ein unangenehmes Ziehen in seinen Schultern spüren, nachdem seine Hände so lange hinter seinem Rücken zusammengebunden gewesen waren - und erstarrte, als die junge Frau weitersprach. Schublade. Der Stein. Die getötete Rezeptionistin. Er entschied sich dagegen, sich auf den zweiten Sessel zu setzen.
      "Ich schätze jeder macht mal Fehler", antwortete er vorsichtig. "Außerdem ist es überraschend schwer, in einem Hotelzimmer einen einbruchssicheren Safe zu finden", schob er nach, ohne selbst so wirklich zu wissen, in welche Richtung er das Gespräch lenken sollte. Würde es glaubhaft klingen, wenn er ihr erzählte, dass sie einen Käufer für den Stein hatten, der sich wundern würde, wo sie beide bleiben? Obwohl das wahrscheinlich nicht viel ausmachen würde. Die junge Frau schien ja auch kein Problem damit gehabt zu haben, die Rezeptionistin umzubringen und die würde sicherlich weitaus mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als er.
      "Du scheinst also auch eine talentierte Diebin zu sein", fuhr er schließlich fort. "Wir haben weder den Mord, noch den Einbruch mitbekommen. Wieso also die Notiz?" War das das übersteigerte Selbstbewusstsein, das auch dazu geführt hatte, dass man sie nicht nach anderen Steinen durchsucht hatte?
    • Andrew

      "Wir haben den Stein."
      Andrew brauchte eine Sekunde, um das zu verarbeiten. Wundervoll, die Frau mit der Ezra gerade mitgegangen ist, hatte also die Empfangsdame in Polen abgestochen und war neben ihnen im Hotelzimmer gestanden, während sie tief und fest geschlafen hatten. Andrew riss sich zusammen. Er musste sich hier irgendwie raus handeln.
      "Dafür dass sie keine Lügen mögen, lügen Sie aber wie gedruckt", motzte er. So viel dazu, dass das alles bloß ein Missverständnis war… Es war doch Schwachsinn, dass sie Andrew testen wollte, wenn sie bereits mehr über sein Leben zu wissen schien, als er selbst.
      Menschen wie uns, da war es schon wieder. Diese Frau wusste sogar, dass er schwul war. Was zum Teufel waren ihre Quellen?#
      "Das tut mir leid für Sie, aber die friedvollere Methode wäre wohl gewesen, Russland einfach zu verlassen. An Geld scheint es Ihnen ja nicht zu mangeln", murmelte er. "Aber wenn Sie die Steine brauchen, um sich an irgendwem zu rächen, haben Sie ja keinen Grund mich hier festzuhalten", meinte er. Dann fügte er noch hinzu: "Oder Ezra. Ich glaube er wäre der Letzte mit homophoben Tendenzen. Bei den Witzen die er die ganze Zeit macht"

      Nadia

      Nadia biss die Zähne zusammen. "Hattest du schon immer Probleme mit dem Gedächtnis?", zischte sie. "Ich sagte doch du sollst die Klappe halten, wenn du mir nicht gerade eine Frage beantwortest" Sie seufzte tief und schloss einen Moment die Augen. Dann blitzte sie Ezra wieder an. "Das Leben ist doch schrecklich langweilig, wenn man sich die Action nicht selbst suchst. Dein Süßer kann das sicher nachvollziehen. So sehr in Arbeit versunken… Oder liegt das nur an dir? Naja, ich würde vermutlich auch nur halb so viel Energie in meinen Job stecken, wenn ich nicht wüsste, dass Jelena zuhause immer mit einer Belohnung auf mich wartet"
      Sie grinste wieder. Über Jelena zu sprechen beruhigte ihr Gemüt immer ein wenig.
      "Ich beneide euch ein bisschen um diese Beziehung. Wie aufregend, seinen Partner durch Gassen zu jagen… Sich immerzu an einer riskanten Grenze aufzuhalten, dass du vielleicht doch im Knast landest, wenn der Held sich ein wenig zu sehr anstrengt…" Sie kicherte amüsiert vor sich hin. "Ja, das beste an Jelenas und meiner Beziehung ist, dass sie nie weiß, ob ich die Grenze vielleicht doch mal überscheite, wenn mir danach ist" Sie tippte sich an die Lippen. Ihr Blick verdunkelte sich ein wenig.
      "Das Schlimmste ist, dass ich erstmal einen Haufen Menschen auslöschen muss, damit sie mir einen Antrag machen kann. Politik ist eine lästige Angelegenheit. Aber hättest du nicht Lust, auch so viel Geld zu haben?" Sie setzte sich auf und lehnte sich mit eindringlichem Blick Ezra entgegen. "Du musst nur ein Level aufsteigen. Wo liegt schon der Unterschied… Eines Nachts raubst du die alte Dame aus… und in der nächsten jagst du einem Mann von hohem Status eine Kugel in den Kopf" Sie lehnte sich lachen zurück.
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    • Jelena

      Jetzt war es an Jelena, kurz irritiert zu sein. So, wie Andrew sprach klang es fast, als ob die beiden doch nicht zusammen wären. Oder wollte er die Beziehung einfach noch nicht zugeben? "Ist das zwischen Ihnen beiden nichts Festes?", fragte Jelena, bevor sie sich zurückhalten konnte. Inoffizielle Beziehungen waren noch nie ihr Ding gewesen. Wenn sie schon mit jemandem zusammen war, wollte sie die Person auch mit niemandem teilen. Sie hatte keine Lust auf eine Situationship. Nadia machte es ihr da wundervoll einfach - über fremdflirten musste sich Jelena keinerlei Gedanken machen. Aber jedem das seine. Am Ende des Tages kam es auf die Art der Beziehung auch gar nicht an.
      "Wir hatten eigentlich gehofft, dass Sie sich uns vielleicht anschließen wollen", fuhr sie schließlich fort. Als Pärchen wäre das alles wahrscheinlich ein wenig, romantischer, aber ihr war alles recht, solange das Gespräch nicht mehr so lange dauern würde. "Hatten Sie nie das Gefühl, dass die Welt ein so viel besserer Ort sein würde, wenn die richtigen Menschen sie ein wenig leiten würden? Sie könnten wirklich etwas bewegen." Das war der einzige Grund gewesen, warum Jelena sich schon immer für Politik begeistert hatte. Warum sollte man sich vorschreiben lassen, was man zu tun und lassen hatte, wenn man es auch einfach selbst anderen Leuten vorschreiben konnte? Sicher hatte jeder schon mal dieses Gefühl gehabt, nicht? "Sie müssten sich nie wieder für Ihre Beziehung rechtfertigen."


      Ezra

      Okay. Okay. Okayokayokay.
      Ezra hatte das Gefühl, dass er irgendwie einen großen, wichtigen Teil ihrer Unterhaltung verpasst hatte. Für ein paar Sekunden war er einfach maximal überfordert, bevor er realisierte, wovon genau Nadia sprach. Ah. Wie schlau wäre es, einer Killerin, die gerade von deiner Beziehung schwärmte zu sagen, dass selbige Beziehung nicht existierte? So auf einer Skala von 1 bis 10? Und was wäre angenehmer - ein Ausbruch der Killerin, wenn er ihr die Wahrheit sagte, oder Andrew, wenn er ihm irgendwie erklären musste, dass er so getan hatte, als ob sie zusammen wären?
      Ezra entschied sich instinktiv für Letzteres und bejahte die Fantasien der jungen Frau einfach mit einem kleinen, etwas panischem "Mhm" und einem ähnlich panischen Lächeln auf den Lippen, während er sie einfach reden ließ. Wenn sie ihm noch ein mal vorwerfen würde, dass er zu viel redete, würde er irgendwo eine Stoppuhr organisieren. Obwohl ihm das ganz lieb war - er war mental immer noch dermaßen damit beschäftigt irgendwie zu verarbeiten, dass die junge Frau davon ausging, dass er mit Andrew zusammen war, dass er ihr im Grunde gar nicht mehr richtig zuhörte. Wirkten sie sich wirklich so nah? Gut, sie kannten sich seit fast 10 Jahren, da war ein gewisses Grundvertrauen einfach vorhanden, aber...er hatte die letzten 10 Jahre auch damit verbracht, dass das alles ganz normale, freundschaftliche Aktionen waren.
      Seine Aufmerksamkeit huschte wieder zurück zu der Frau, als selbige anfing, über Mord zu reden. Was ein ziemlicher Themenwechsel war. Vielleicht übersprang sie wirklich einfach Teile des Gesprächs, wer wusste das schon?
      "Oh. Äh. Ich fürchte, dass Mord nicht zu meinen Fähigkeiten gehört, wenn ich ehrlich bin." Und auf das große Geld war er sowieso nie aus gewesen. "Aber ich denke, dass du das auch alleine ganz hervorragend im Griff hast. Ich- Äh- Viel Glück mit der Hochzeit", stotterte er weiter, immer noch vollkommen überfordert. Kam es ihm nur so vor, oder war es furchtbar warm in dem Zimmer?
    • Andrew

      Er blinzelte Jelena an. Etwas… Festes? Zwischen ihnen? Sich anschließen? Auf einmal machte es irgendwo in seinem Gehirn ein Klickgeräusch. "Oh, doch. Doch! Wir meinen es… sehr ernst", sagte er schnell und nickte untermauernd. Er konnte kaum glauben, was er da sagte und noch weniger war er fähig zu verarbeiten, wie diese Frau darauf kam, dass er eine Beziehung mit dem Dieb führte, den er sein halbes Leben lang verfolgt hatte, doch wenn es das war, was sie vorhin aus der Zelle und auf dieses teure Sofa gebracht hatte, dann würde sie sie besser nicht daran zweifeln lassen. Am Ende legten sie Ezra noch um, weil Andrew zu blöd gewesen war, mitzuspielen.
      "Ich meine, es gibt doch genug Menschen, die… an internalisierter Homophobie leiden und Ezra scheint von denen keiner zu sein. Nein" Er räusperte sich kurz. "Im Gegenteil er ist sehr… komfortabel in seiner Sexualität, daher- daher die… konstanten sexuellen Witze"
      Gut, hör auf zu reden.
      Er riss sich wieder zusammen. Zeit, sich etwas normaler zu verhalten. "Ich stimme Ihnen absolut zu, aber ich… bin trotzdem nicht für… Mord und Verbrechen", erwiderte er. Und tatsächlich hatte er in London noch nie wirklich ein Problem aufgrund seiner Sexualität gehabt. Das rechtfertigte nicht, was anderen Menschen überall auf der Welt passierte, aber er tendierte dann doch eher dazu, Petitionen zu unterschreiben. "Ich meine, ich habe jahrelang für das System gearbeitet", fügte er hinzu. Auf der anderen Seite war er gerade vielleicht nicht unbedingt in einer Position, diese Einladung abzulehnen. Er musterte Jelenas Blick genau. Sie klang nicht so, als würde sie ihn dazu zwingen, sich ihr anzuschließen. Aber vermutlich nur, weil es ihr gleich war, ob er für sie arbeitete oder starb. "Wissen Sie, als Held setzt man sich ebenso für andere Menschen ein. Ich bin oft genug bei Fällen häuslicher Gewalt oder… Straßenschlägereien und Hassverbrechen gerufen worden. Ich helfe lieber, als irgendjemanden zu verletzen" Sein Verstand sagte ihm, dass er gar nicht erst versuchen brauchte, mit so jemandem zu reden. Er konnte nicht einfach die Meinung einer Person ändern, die offensichtlich so verbittert war, dass sie zu äußersten Mitteln griff. Aber er wollte doch irgendwie rechtfertigen, dass er andere Wege fand, um Menschen zu helfen.

      Nadia

      Ihr verging das Lachen. Mord gehörte also nicht zu seinen Fähigkeiten, hm? So schwer war das aber wirklich nicht.
      "Hör mal, das war nicht meine Idee, sondern Jelenas. Ich weiß schon, dass ich das allein hinkriege. Ich könnte dir in zwei Sekunden das Genick brechen!" Sie lachte erneut herzlich. "Finde mal irgendwo einen Auftragsmörder, der einen besseren Job macht als ich. Klar wärst du… nur eine Ameise in der Organisation. Aber es gibt Jobs, die kann jeder erledigen. Dann kann ich auch mehr Zeit mit meiner Jellybean verbringen anstatt sinnlos durch die Welt zu reisen" Sie sank etwas tiefer in ihren Sessel, schwieg kurz und musterte Ezra. Dann sagte sie: "Du kriegst das schon hin. Und falls du uns doch mehr Arbeit machst, erledige ich dich einfach selbst" Sie grinste. "Das wäre doch eine Ehre"
      Ob er dachte, dass er wirklich eine andere Wahl hatte? Vielleicht sollte sie ihm die Situation etwas verdeutlichen. Darüber musste sie garnicht lange nachdenken. Aus ihrem Schuh zog sie ein kleines Messer. Dann stand sie ruckartig auf. Bevor der Blonde noch die Chance hatte, zu reagieren, stand sie hinter ihm und drückte ihren Arm gegen seines Hals und fixierte seinen Kopf somit am Sessel. Sie zückte das Messer und hielt es ihm vor die Augen, dann an den Hals. "Glaubst du, dein Freund ist etwas motivierter, uns zu helfen, wenn er dich schreien hört?", flüsterte sie. "Seine Kontakte im Dezernat… bringen uns mehr, als so ein kleiner schäbiger Dieb. Das kannst du doch nachvollziehen. Wir wollen schließlich die anderen Steine finden. Und ein Held kommt sehr viel leichter an die ran, wenn er von offizieller Seite gesandt wir" Naja, ehrlich gesagt konnten sie darauf auch verzichten. Es würde ihre Arbeit nur minimal erleichtern, vielleicht ein wenig verkürzen. Aber wer sagte, dass sie nicht ein wenig mit Ezra spielen durfte? Sie schlitzte dem Blonden mit dem Messer leicht den Hals ein. Nicht zu tief, bloß so, dass das Blut lief und er wusste, dass sie es ernst meinte.
      "Schrei doch mal. Für mich. Oder brauchst du eine bessere Motivation?" Sie grinste. Kurzerhand beugte sie sich nach vorne und rammte ihm das Messer durch seinen Handrücken.
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    • Jelena

      Süß. Als ob es sie irgendwie interessieren würde, was er mit seinem Gewissen vereinbaren konnte und was nicht. "Nun ja, wenn Sie für das System gearbeitet haben, müssen Sie seine Schwächen ja selbst zu Genüge kennen. Jetzt enttäuscht es mich fast ein wenig, dass Sie trotzdem-" Jelena stockte, als man einen schmerzerfüllten Aufschrei hören konnte. Nadia hatte offensichtlich auch die falsche Antwort bekommen. Wundervoll. Jetzt konnten sie Andrew als potentielle Hilfe wohl auch vergessen und Jelena dürfte sich noch Gedanken darum machen, eine Leiche verschwinden zu lassen. Hoffentlich hatte Nadia das Gästezimmer genommen und nicht das Schlafzimmer - die Teppiche waren teuer gewesen und schwer zu reinigen. Nadia würde sie irgendwann noch in den Wahnsinn treiben.
      "Scheint so, als wären Sie sich in der Hinsicht mit ihrem Freund einig. Schade. Ich denke wirklich, dass sie Potential gehabt hätten." Jelena zuckte kurz mit den Schultern. Wenigstens hatte sie das Gespräch so ein wenig schneller beenden können. Sie griff erneut nach dem Tablet, während sie dem Mann an der Tür mit einem kleinen Wink zu verstehen gab, dass er Andrew wieder zurück in seine Zelle bringen sollte. Sie würde sich später Gedanken darum machen, was sie mit ihm anstellen würde.


      Ezra

      Langsam schaffte es das Gespräch in die Top 10 der unangenehmsten Gespräche, die er je gehabt hatte. Morddrohungen war er generell gewöhnt - er war mit drei Geschwistern aufgewachsen und Ada hatte auch nicht unbedingt die größte Geduld - aber das war das erste mal, dass er wirklich das Gefühl hatte, dass sein Gegenüber es ernst meinte.
      Ob sie ihn loslassen würde, wenn er einfach behauptete, dass Andrew garantiert nicht mit ihnen zusammenarbeiten würde, wenn sie ihn verletzten? Es würde zu der kleinen Beziehungsgeschichte passen, die die junge Frau ihm so liebevoll in den Schoß gelegt hatte. Aber kam es darauf wirklich an? Ezra hielt automatisch die Luft an, als er fühlte, wie das Messer in seinen Hals schnitt. Er konnte fühlen, wie sehr sein Puls raste, während seine Gedanken sich überschlugen. Es war schwer, in dieser Situation irgendeine Lösung zu finden. Irgendwas, was die Frau davon abhalten würde, ihn umzubringen.
      Und am Ende brachte es eh nichts.
      Ezra schrie auf, als sie ihm das Messer in die Hand rammte. Reflexartig versuchte er, die Hand näher an seinen Körper zu ziehen und scheiterte, weil sich die Spitze zu tief in die Armlehne des Sessels reingebohrt hatte. Seine Hand fühlte sich an, als würde sie brennen. Sein ganzer Körper schaltete in einen Panikmodus, während er mit seiner freien Hand nach dem Ring in seiner Tasche griff. Der Stein an seinem Ring war klein. Gerade genug, um ihn bei einem Sturz abzufedern. Er hatte ihn nie sonderlich oft genutzt. Vor allem nicht so, wie er es jetzt vorhatte. Er streckte seine Hand in die Richtung der Frau, versuchte sich irgendwie zu konzentrieren...und zog ihr die Luft aus den Lungen. Es war kein sonderlich effektiver Trick, ein Effekt, der nur wenige Sekunden anhielt, nicht lange genug, um tödlich zu enden. Außerdem konnte er jetzt schon spüren, wie viel Energie er selbst verlor, aber vielleicht würde ihm das doch ein paar Sekunden Zeit verschaffen, um...wenigstens irgendwas zu tun.
    • Andrew

      Andrew zuckte zusammen, als er auf einmal Ezra aus dem anderen Zimmer schreien hören konnte. Er setzte sich ruckartig auf und starrte Jelena an, die diese Schmerzensschreie so gleichgültig aufnahm, als wären sie einfach nur nebenbei im Fernsehen ertönt. Was waren diese Frauen für Psychopathen?! Wie konnte sie so arrogant nach ihrem beschissenen Tablet greifen? Das war's, sie hatte den letzten Geduldsfaden zerrissen, den er seit bestimmt 5 Jahren gut gehütet hatte. Er griff nach dem Stein in seiner Jackentasche, umfasste ihn fest und zentrierte all seine Energie. Vor Wut und Angst hatte er nicht wirklich ein Gefühl dafür, wieviel Energie er in den Stein steckte, doch es schien mehr als genug zu sein.
      Andrew fühlte, wie ihm auf einmal schrecklich heiß wurde. Das nächste, das er sah, war wie seine Arme in blauen Flammen aufgingen und er bekam einen kurzen Schreck, doch im nächsten Moment bemerkte er im Augenwinkel, wie der Mann, der ihn erneut hätte fesseln soll, stockte und stehen blieb. Ach… das war ja nützlich. Er bewegte sich mit einem Ruck auf ihn zu und packte den Mann bei den Schultern. Seine Kleidung ging sofort in Flammen auf und Andrews Hände brannten sich zu seiner Haut durch. Ein unangenehmer Geruch stieg ihm in die Nase. Verbranntes Fleisch. Der Mann schrie schrie auf und versuchte ihn abzuschütteln, doch Andrew fasste ihm sofort ins Gesicht, als er die Wirkung des Steins bemerkte. Er verbrannte dem Mann eine Gesichtshälfte, bis er zu Boden ging. Dann riss er herum und fixierte Jelena.
      shilenta.jpg

      Nadia

      Nadia ließ das Messer los. Sie griff sich an den Hals. Panik breitete sich in ihrem Blick aus. Ihr entwich die Luft aus den Lungen und sie versuchte einzuatmen, doch ihr Körper erlaubte es ihr nicht. Sie betrachtete Ezra verwirrt. Hatte er einen Stein bei sich? Bevor sie sich etwas überlegen konnte, bevor sie überhaupt abwägen konnte, wienlange dieser Effekt anhalten würde und wie lange sie ohne Sauerstoff auskam, hörte sie einen der Babysitter aufschreien. Was passierte dort drüben?! Sie riss den Blick herum zur Tür und ihr entwich ächzend ein panisches "Nein", als sie an Jelena dachte. Sie ließ Ezra zurück und schluckte ihre Angst, nicht atmen zu können, herunter, während sie zur Tür eilte und durch den Gang stolperte. Auf halbem Weg begann sie nach Atem zu ringen. Ihre Lungen füllten sich wieder mit Sauerstoff. Sie lehnte sich eine Sekunde lang unbeholfen an die Wand, dann lief sie schwer atmend weiter ins Wohnzimmer. Dort angekommen sah sie, wie Andrew in Flammen stand und sich ihrer Freundin näherte. Sie riss dem Mann am Boden die Waffe aus der Hand. "Halt!", schrie sie und richtete die Knarre auf den Dunkelhaarigen, während sie langsam auf Jelena zuschritt, dabei jedoch keinen der Anwesenden im Raum aus den Augen ließ. "Es geht ihm gut! Es geht ihm gut!", rief sie. Dann schien seine Aufmerksamkeit zu erlangen.

      Andrew

      Andrew stoppte. Er hatte Jelena noch nicht berührt. Außerdem ging ihm so langsam die Energie aus. Der Stein war etwa so groß und mächtig wie der, den er vom Dezernat damals bekommen hatte und wenn er sich seine Kraft einteilte, hielt er eigentlich länger durch. Aber gerade hatte er sich absolut nichts eingeteilt. Sagte Nadia die Wahrheit? Er wog die Optionen ab. Wenn er länger hier blieb, würde er ohnehin seine Kraft verlieren und dazu vielleicht noch Ezra. Verdammt. Sollten diese Weiber doch tun, was sie wollten. Hauptsache sie kamen hier raus. Er lief aus dem Zimmer.
      Draußen ließ er den Stein fallen, er konnte nicht einmal mehr seine Hand zu einer Faust ballen. Aber es war keine Zeit, um Kraft zu tanken. Er hob den Stein vom Boden auf und steckte ihn ein, wobei die Hälfte seiner Jacke ohnehin nur mehr aus Brandlöchern bestand, während er sich schwankend den Flur entlang bewegte und einen Blick in jedes Zimmer warf. Wieso war dieses Haus nur so groß?
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    • Ezra

      Es hatte funktioniert. Irgendwie. Ezra hatte nicht ganz mitbekommen, wieso, aber die Frau verließ den Raum. Er riff nach dem Messer in seiner Hand. Sein Kopf fühlte sich seltsam leicht an. Sollte sich sein Kopf so anfühlen? Was hatte er noch mal vorgehabt? Er wusste nicht, ob dieser Effekt von dem Stein, oder dem Messer kam. Das Messer! Er wollte es aus dem Sessel ziehen! Das war es, was er vorgehabt hatte!
      Ezra holte tief Luft, während er ruckartig an dem Messer zog. Es löste sich von dem Sessel - leider allerdings auch von seiner Hand. Er schrie erneut auf, während Blut auf den Boden tropfte. Hoffentlich begegnete er jetzt niemandem mit Erste Hilfe Kenntnissen - ein Messer aus einer Wunde heraus zu ziehen war mit Abstand das Dämlichste, was man machen konnte. Jeder Ersthelfer würde ihn dafür erwürgen. Obwohl er sich dann keine Gedanken mehr um seine Hand machen musste.
      Er behielt das Messer in der Hand, während er die verletzte Hand an seine Brust drückte und den Raum verließ. Hatte hier nicht auch mal ein Wachmann gestanden? Egal, vielleicht war er der Frau gefolgt, als sie gegangen war. Er musste raus. Andrew finden und dann abhauen. Er würde nicht ohne Andrew gehen. Er- Gott, vergesst die Ersthelfer, hoffentlich kam ihm niemand entgegen, der abergläubig war. Mit der Blutenden Hand und dem Messer musste er aussehen, als ob er gerade irgendein Blutritual durchgeführt hätte. Kein sehr erfolgreiches, offensichtlich, aber...worauf wollte er nochmal hinaus?
      Andrew! Andrew finden, abhauen, am Leben bleiben. Die drei großen A's. Das klang vollkommen dämlich, vielleicht-
      Ezra zuckte zusammen, als er um die nächste Ecke bog und dabei fast in Andrew hinein lief. Er stieß ein kurzes, überraschtes "Oh" aus, bevor er Andrew musterte um sicher zu gehen, dass ihm nichts fehlte. Dann deutete er in die ungefähre Richtung, in der er einen Ausgang vermutete. "Ich denke, wir sollten gehen. Ich glaube, unsere Gastgeberin kann mich nicht besonders leiden."


      Jelena

      Das war...überraschend. Jelena hatte im ersten Moment gar nicht mitbekommen, was genau passiert war, so schnell war die Situation gekippt. Sie hatte nicht gewusst, dass Andrew einen derart mächtigen Stein mit sich trug. Wie auch? In den ganzen Akten hatte kein Sterbenswörtchen darüber gestanden!
      Für einen Moment sah sie hilflos dabei zu, wie ihre Wache schmolz wie Kerzenwachs, dann ließ sie das Tablet fallen und sprang auf. Weg. Instinktiv wollte sie einfach nur weg. Sie ging sämtliche Steine durch, die sie selbst am Körper hatte, erinnerte sich aber an keinen, der ihr in dieser Situation auch nur annähernd helfen könnte. Sie war nicht auf eine derartige Auseinandersetzung eingestellt gewesen.
      Am Ende war es Nadia, die sie rettete. Andrew hatte schon so dicht vor ihr gestanden, dass Jelena die Hitze der Flammen spüren konnte. Ihr Kopf hatte immer noch nicht ganz verarbeitet, dass dies der Moment sein könnte, an dem sie sterben könnte. Oder zumindest ernsthaft verletzt werden würde. Fehler waren Dinge, die anderen Menschen passierten, nicht ihr.
      Zitternd griff Jelena nach Nadias Armen, als Andrew den Raum verließ. Was jetzt?
      "Scheiße! Nad! Sie beiden wissen zu viel!" Jelena würde sich am liebsten selbst treten. "Wir können sie nicht einfach so gehen lassen! Ich..." Sie stockte. "Tu nichts, was dich irgendwie in Gefahr bringen könnte."
    • Nadia

      Nadia lief sofort auf Jelena zu, nachdem Andrew aus dem Raum verschwunden war. Verdammt, sie hatte sich solche Sorgen gemacht. Solche Sorgen hatte sie sich im Leben noch niemals um irgendwen gemacht. Sie betrachtete ihre Freundin mit großen Augen. Es ging ihr gut. Alles war gut.
      "Tu nichts, was dich irgendwie in Gefahr bringen könnte."
      Nein, sie würde sich nur rächen. Mit einem Anflug von Wut schoss sie ihre Stilettos in eine Ecke und stürmte zurück in den Flur. Sie hielt die Waffe hoch, jederzeit bereit abzudrücken, und beschleunigte ihren Gang, als sie die beiden Männer tatsächlich um eine Ecke biegen sah. Voller Entschlossenheit bog sie ab, doch in ihrem Blickfeld wurde auf einmal eingenommen von blauen Flammen. Sie waren überall. Nadia stockte. Was hatte er nur getan?

      Andrew

      Als Ezra beinahe in ihn hineinlief, fiel ihm ein Stein vorm Herzen, nachdem er gerade erneut einen Schrei gehört hatte und vom schlimmsten ausging. Ein Zusammenstoß zwischen ihnen hätte sie allerdings wohl beide zu Boden geworfen und Andrew wäre dann definitiv erstmal nicht mehr aufgestanden und Ezra… wohl auch nicht. Leicht schockiert wanderte sein Blick von dessen Hals hinab zu seiner Hand. Da war… ein Loch… in seiner Hand.
      "Was-", fing er an und bemerkte allerdings plötzlich im Augenwinkel, wie von hinten jemand auf sie zukam. Oh nein… diese Furie. Was war bloß los mit der? Er nickte auf Ezras Vorschlag hin und stützte ihn ein wenig, zog ihn mehr oder weniger schon mit sich, da er gerade von einer panischen Angst angetrieben wurde, dass die Frau hinter ihnen sie einfach erschoss. Doch zum Glück konnten sie um eine Ecke biegen. Andrew beschloss kurzerhand, das einzige zu tun, das ihm noch einfiel. Sie würden hier nicht schnell genug wegkommen. Er ließ von Ezra ab, ging einen Schritt zur Seite und berührte den Stein in seiner Tasche. Die Flammen loderten auf seinem Körper auf und seine Knie wurden weich. Er hatte vielleicht zwei Sekunden. Sie waren näher am Ausgang als die beiden Frauen, also musste er nur etwas finden… Na schön, das war vielleicht riskant aber das einzige, das ihm ins Auge fiel. Der Teppichläufer, der durch den Gang gelegt war. Er kniete sich hin und setzte den Teppich in Brand. Dieser breitete sich schnell aus, erwischte Topfpflanzen links und rechts, eine Kommode und hoffentlich konnte Nadia nicht meterweit springen oder so etwas, denn dann hatten sie vielleicht eine Chance. Sobald er die Flammen sah, ließ er den Stein los und riss Ezra hinter sich her. Er lief mit ihm aus dem Haus, so schnell er konnte. Es wäre unschön, wenn er sie beide ebenfalls abfackelte, doch zum Glück schafften sie es rechtzeitig zur Tür. Er lief die Veranda herab, dann noch die Straße entlang, bis er sicher war, dass der Brand sie nicht einholen würde. Dann blieb er stehen. Er atmete schwer. Ein Blick zurück und er sah, dass das Ferienhaus wohl bald hinüber war. Irgendwas hatte dieses Feuer an sich, dass es scheinbar in kürzester Zeit alles auffraß, das ihm in den Weg kam. Sicherheitshalber lief er mit Ezra hinter einen der Wagen, die am Straßenrand abgestellt waren. Wenn jemand aus dem Haus floh, mussten sie sie ja nicht unbedingt als erstes ins Auge fassen.
      Andrew wandte sich zu Ezra. Dann sah er auf seine Hand. Ihm wurde fast schlecht.
      "Scheiße", zischte er und nahm leicht seinen Arm hoch, um sich die Wunde anzusehen. Er zog sich die Jacke aus und riss einen Fetzen davon ab, nachdem sie ohnehin nur noch aus kleineren Stoffstücken bestand, die sich irgendwie verzweifelt an einzelnen Fäden zusammenhielten, genau wie sein Pullover. "Das tut jetzt weh", kündigte er an, wartete aber keine Sekunde um schnell einen unsauberen Druckverband mit seiner Jacke herzustellen. "Du musst die Hand über Herz-Niveau hochhalten, damit das Blut zurückfließt", sagte er und hielt sein Handgelenk erstmal für ihn nach oben. Der Erste-Hilfe Fortbildung schien sich tatsächlich mal auszahlen. Dann sah er sich um. Und jetzt? Sie waren mitten im Nirgendwo.

      Nadia

      Nadia drehte um und lief zurück zu Jelena. Als sie ins Wohnzimmer raste, rief sie ihr bereits zu: "Aus dem Fenster! Los, los, los!"
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    • Ezra

      Wow. Anscheinend hielt es hier niemand mehr für nötig, ihm irgendwelche Vorwarnungen für neue Entwicklungen zu geben. Wann hatte Andrew es geschafft herauszufinden, wie der Stein funktionierte? Ezra sah fast ein wenig fasziniert zu den Flammen, die auf den Teppich übergingen, als wäre er in Benzin getränkt gewesen. Die plötzliche Hitze schlug ihm entgegen wie eine Wand. Andrews Finger waren immer noch warm, als er ihn mit sich nach draußen zog. Vielleicht war Ezra auch einfach nur kalt. Wer konnte das in dem ganzen Chaos schon sagen?
      Flammen hin oder her, es war immer noch vollkommen verrückt, dass sie es tatsächlich nach draußen schafften. Ezra war sich sicher, dass jede Sekunde ein Schuss fallen würde, oder sich noch jemand anderes ihnen in den Weg stellen würde, aber...nichts. Andrew zog sie hinter ein Auto und man hörte nichts. Keine Schreie, keine Sirenen, nichts. Aber das würde kommen. Früher oder später würde irgendjemand auf den Rauch aufmerksam werden. Was bedeutete, dass sie weg mussten.
      Sein Kopf schaltete kurz auf Pause, als Andrew sich die Zeit nahm, seine Hand zu verbinden. Es war süß, irgendwie. Auch, wenn er daran zweifelte, dass es der Gesamtsituation irgendwie half. Trotzdem bedankte er sich mit einem kleinen Lächeln und einem leisen "Danke". Ezra strich sich mit seiner freien Hand kurz über den Schnitt an seinem Hals. Er hätte sterben können. Eine etwas verspätete Erkenntnis, aber das machte es nicht besser. Vor allem, weil sie immer noch nicht aus der Gefahrenzone heraus waren.
      Ezras Blick wanderte zu dem Auto, neben dem sie gelandet waren. Ein älteres Modell, noch nicht so sehr gesichert, wie die ganzen modernen Karren. Er musste nur hoffen, dass Andrew noch fahrtüchtig war, er selbst könnte mit der Hand wahrscheinlich nicht zeitgleich lenken und schalten. Jede kleine Bewegung fühlte sich an, als würde seine Handfläche brennen.
      "Behalt das Haus im Blick", bat er, während er sich vor das Auto schob und die Motorhaube öffnete. Wie lange war es jetzt her gewesen, dass er das letzte mal ein Auto geknackt hatte? Ezra war sich unsicher, ob er damals überhaupt schon einen Führerschein besessen hatte. Trotzdem schienen seine Finger sich noch immer an die Bewegungen zu erinnern - auch, wenn er manche Griffe zwei mal machen musste, weil es schwer war, mit seiner verletzten Hand zu greifen. Es dauerte nur Sekunden, bis er die Türverriegelung löste. Er hörte, wie irgendwo Glas zerbrach und machte sich panisch daran, den Motor zu starten. Der Wagen stotterte kurz und verstummte. Der zweite panische Anlauf funktionierte deutlich besser. Der Motor blieb an. Ezra knallte die Motorhaube wieder zu.
      "Du fährst", bestimmte er, während er sich auf den Beifahrersitz fallen ließ. "Du kannst noch fahren, oder?"
    • Andrew

      Ein wenig perplex beobachtete Andrew wie Ezra sich am Auto zu schaffen machte, erkannte aber bald, was er vorhatte und wartete anständig daneben, bis er fertig war. Währenddessen behielt er nervös das Gebäude im Auge.
      "Ja, klar kann ich", war sofort seine Antwort. Er war zwar müde, zittrig und stand unter Schock, aber er hatte definitiv noch genügend Lebenswillen übrig, um dieses Auto in die Freiheit zu lenken. In dem Moment verdrängte er die Tatsache, dass es für ihn wohl nie wieder so etwas wie richtige Freiheit geben würde. Verdammtes Verbrecherleben.
      Er stieg auf den Fahrersitz. Hier draußen war es wohl auch nicht mehr notwendig, sein Auto abzuschließen. Und sie würden jetzt erstmal eine ganze Weile fahren, bis sie wieder normale Menschen zu Gesicht bekamen… Andrew fuhr eine Kurve und raste dann die Straße entlang. Es dauerte sicher zehn Minuten bis er das Gefühl hatte, dass sie risikofrei in einer weniger tödlichen Geschwindigkeit weiterfahren konnten. Und dass ihm in den Sinn kam, zu reden. Sie waren vermutlich beide so fertig, dass es gar keine Worte mehr brauchte, doch Andrew wollte dennoch sichergehen, dass der Blonde ihm nicht verblutete. "Und… alles okay?", fragte er mit einem kurzen Blick zur Seite und stellte fest, wie rau und gebrochen seine Stimme klang. Ein Schluck Wasser wäre bestimmt nicht verkehrt. Oder vielleicht wurde es besser, wenn er ein bisschen mehr sprach.
      "Du wirst nicht glauben, was diese Psychofrau zu mir gesagt hat", murmelte er. Fing er jetzt wirklich mit diesem Thema an? Ja, tat er. Es war ja auch irgendwie witzig. Oder nicht? "Sie dachte, wir wären ein Paar und dass wir uns ihrer Regenbogen-Mafia anschließen würden" Er schmunzelte, aber währenddessen kam es ihm irgendwie falsch vor und er behielt wieder ein ernstes Gesicht. Es erschien ihm jetzt plötzlich doch noch zu früh, um darüber zu lachen.
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