The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Steve

      Soweit, so gut. Thomas sah nicht sonderlich panisch aus und sein Nicken wirkte - wenn auch nicht sonderlich enthusiastisch - entschlossen. Steve ließ sich trotzdem die Zeit, ihn erneut zu küssen. Das fühlte sich sowieso richtiger an, als ihm sofort die Klamotten vom Leib zu reißen.
      “Selbe Regel wie immer”, erklärte er mit einem Lächeln, während er schlussendlich doch mit dem Verschluss von Thomas’ Jeans spielte, “Wenn sich einer von uns unwohl fühlt, oder aus irgendeinem anderen Grund aufhören will, hören wir auf.” Das war sowieso immer seine wichtigste Regel in jeder seiner Beziehungen gewesen. “Entspann dich”, schob er mit einem Lächeln hinterher, bevor er ihm einen letzten Kuss auf die Lippen drückte und sich anschließend aufsetzte, um Thomas von seiner Hose zu befreien. Er ließ sich Zeit, mit seinen Händen über Steves Oberschenkel zu streichen, bevor die Shorts der Hose folgten.
      Theoretisch war der Anblick, der sich ihm bot, nichts Neues. Praktisch hatte er die letzten Tage und Wochen damit verbracht zu verdrängen, dass er wusste, wie Thomas nackt aussah. Sein Herz machte einen kleinen Sprung, als er sich wieder über seinen Freund lehnte und ihn küsste. Wieso hatte er so lange gebraucht, um zu realisieren, wie unglaublich heiß Thomas war? Hätte ihm sowas nicht viel früher auffallen können? “Du bist wahnsinnig hübsch”, murmelte er, bevor er ihn erneut küsste.
      Er vertiefte den Kuss und strich mit einer Hand über Thomas’ Erektion, langsam, immer noch beacht darauf, jede kleine Reaktion seines Freundes mitzubekommen. Erst als er keine Ablehnung feststellen konnte, wurde er ein wenig schneller. Seine Lippen wanderten erneut über Thomas’ Hals, seine Schultern. Am liebsten würde Steve jeden Quadratzentimeter seiner Haut küssen, aber er hielt die Position erst eine Weile ein, bis er sich sicher sein konnte, dass er Thomas nicht überforderte. Sein Ziel war es immerhin, dass sein Freund sich absolut gut fühlte und nicht, ihn direkt in die nächste Panikattacke zu schieben. “Alles okay?”, fragte er erneut mit einem kleinen Grinsen, während er wieder etwas nach unten rutschte. Er war sich einigermaßen sicher, die Antwort zu kennen, während er wieder nach unten rutschte und ein paar Küsse auf Thomas’ Hüften verteilte. Langsam fühlte sich das alles hier etwas normaler an. Etwas mehr, wie eine einfache Beziehung, auch, wenn er immer noch ein kleines bisschen nervös war. Aber er wollte Grenzen testen, nicht?
      Steve sah kurz auf zu Thomas, lächelte, lehnte sich hinab und schloss seine Lippen um seine Körpermitte.
    • Thomas

      Thomas nickte nur lächelnd, als Steve ihm schon wieder Rückhalt geben wollte. Es war doch eigentlich ziemlich offensichtlich, dass er ihn zu nichts zwingen würde. Die Panik war auch nie daher gekommen, dass er Steve nicht vertraute, sondern dass er schon immer ein wenig damit zu kämpfen hatte, es allen recht machen zu wollen. Und wenn er sich nicht sicher war, ob er das konnte, wich er der Situation lieber ganz aus. Aber ihm hätte wohl von Anfang an klar sein sollen, dass Steve nicht nur mit ihm zusammen war, um Sex mit ihm zu haben, auch wenn das ungünstigerweise der Auslöser gewesen war, sondern aus ausreichend anderen Gründen, um das erstmal in den Hintergrund schieben und abwarten zu können. Es gab natürlich Menschen, die könnten das nicht, und er hatte nicht wissen können, ob Steve zu diesen zählte, aber mittlerweile wusste Thomas, dass das nicht der Fall war. Und darum war es bloß noch eine Gewöhnungssache seinerseits gewesen, bis er komfortabel genug in ihrer Beziehung war. Zumal an dieser nicht nur neu für ihn war, dass sein bester Freund sein Partner war, sondern auch so ziemlich alles rundherum.
      Aber der Gewöhnungseffekt würde definitiv noch eine Weile brauchen, bis er einsetzte, das wurde Thomas ganz besonders bewusst, als Steve ihn auszog. Schlimm war das aber auch nicht. Man konnte sich ja an nichts gewöhnen, das man nie machte. Und Steve machte es ihm recht leicht, indem er ihn mit Komplimenten überhäufte, auf die Thomas wie immer keine Ahnung hatte, wie er reagieren sollte. Er hatte aber das Gefühl, dass er sich gerne daran gewöhnen würde. Vor allem, als Steves Hand ihm ein sanftes Stöhnen entlockte, das von ihrem Kuss fast verschluckt wurde. Als er seinen Hals entlang küsste, schloss Thomas die Augen und ließ sich wieder zurück ins Sofa kippen, während er eine Hand nach Steves Arm ausstreckte. Es war leicht, alle Umstände zu vergessen, wenn sich etwas so gut anfühlte. Und er war sich ziemlich sicher, dass das sein betrunkenes Ich damals auch dazu gebracht hat, mit Steve ins Bett zu steigen. Und konnte es ihm irgendjemand verübeln? Er wusste, was er tat.
      Als Steve sich wieder nach unten bewegte, wusste Thomas schon, was kommen würde, aber vorbereitet war er trotzdem nicht wirklich. Es war ein wenig überwältigend, wie warm sich Steves Mund anfühlte, und den kurzen skeptischen Blick, den er nach unten gewagt hatte, ließ er schnell wieder gen Decke gleiten. Ihm entwich eine Mischung aus ungläubigem Lachen und leisem Stöhnen, als er merkte, dass ihm das hier ewig lange entgangen war. Blowjobs per se nicht, aber Steve. Nachdem das wieder eine völlig neue Situation war, war es noch leicht irritierend, gleichzeitig aber unglaublich reizvoll. Als würden schon wieder zwei Welten aufeinander treffen.
      „Du kannst jetzt aufhören, zu fragen“, brachte er endlich leicht abgelenkt auf Steves Frage heraus und ließ seine Hand durchs seine dunklen Haare gleiten, während er ein Bein aufstellte und langsam begann, seine Hüften ein wenig mitzubewegen. Die Antwort würde in den nächsten Minuten immer dieselbe sein, und vermutlich war die Reaktion seines Körpers mittlerweile sowieso Antwort genug. Hauptsache, Steve hörte nicht mit dem auf, was er gerade tat.
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    • Steve

      Er schien auf einem wirklich guten Weg zu sein, Thomas den Verstand verlieren zu lassen. Zumindest, wenn er nach den Geräuschen ging, die Thomas von sich gab und die dazu führten, dass Steves eigene Hose sich unangenehm eng anfühlte. Aber hier ging es noch nicht um ihn, sondern um seinen wundervollen Freund, der sich offensichtlich immer wohler mit der Situation fühlte. Steve war sich noch nicht ganz sicher, ob er wirklich je mit dem Fragen aufhören würde, aber wenigstens nahm es ein wenig die Nervosität zu wissen, dass Thomas ihm offenbar vollkommen vertraute.
      Steve schaffte es nach einem kurzen Moment, seine Kopfbewegungen an die Bewegung von Thomas’ Hüften anzupassen und schließlich das Tempo zu steigern. Er arbeitete mit seiner Hand weiter, als er kurz einen Moment zum Durchatmen benötigte und Thomas danach noch tiefer nahm. Er wollte das Aufstöhnen seines Freundes nochmal hören. Nochmal einen Vorgeschmack darauf bekommen, was sie in der Zukunft erwarten würde, wenn sie sich mehr trauten, als einen Blowjob. Obwohl sich gerade alles einfach heiß anfühlte. Thomas’ Finger in seinen Haaren schickten kleine elektrische Stöße in seine Leistengegend. Er lehnte sich auf einen Unterarm, während er mit seiner freien Hand über Thomas’ Hintern strich und ihn sanft massierte. Womit genau hatte er diese atemberaubene Person unter sich nochmal verdient?
      Er machte weiter, bis er merkte, dass Thomas Atmung sich beschleunigte und seine Bewegungen unregelmäßigen wurden, dann tauschte er Mund wieder gegen Hand, sah zu seinem Freund auf und vergaß für einen Moment, was er tun wollte.
      Thomas sah unglaublich heiß aus. Wie betrunken war er gewesen, als sie das erste Mal miteinander geschlafen hatten? An so einen Anblick hätte er sich doch absolut erinnern müssen! Er schluckte, während er mit der Hand weiterarbeitete, diesmal einfach aus dem Verlangen heraus zu sehen, wie viel heißer Thomas noch werden konnte. Er hielt seinen Blick auf ihn gerichtet, um keine Sekunde zu verpassen, während sein eigenes Herz ihn bis zum Hals schlug. Thomas würde er definitiv nie wieder gehen lassen. Das war sowieso schon weit vor dem Sex klar, aber das bestärkt dieses Vorhaben einfach nochmal.
    • Thomas

      Gedanklich war Thomas überall und nirgendwo. Zumindest war ihm jede Sorge, die er in seinem Leben jemals gehabt hatte, vorübergehend aus dem Kopf geblasen. Wortwörtlich. Er begann eher, sich langsam zu wohl zu fühlen. Thomas war noch nie besonders laut gewesen, sogar im Sprechen war er verhältnismäßig leise, und das machte sein Stöhnen auch allermeistens zu etwas, das erst überhaupt wahrnehmbar wurde, wenn er dem Höhepunkt nahe kam. Aber das war zum Teil ein antrainiertes leise sein und somit musste er nur ein bisschen loslassen. Was er gerade aktiv tat, um ein wortloses Synonym für ‚alles okay‘ zu finden, das Steve bestärkte, einfach mit dem weiterzumachen, was er gerade tat. Er hatte außerdem Grund anzunehmen, dass sein leises Stöhnen Steve Motivation gab, oder zumindest fühlte es sich so an, als er sich irgendwann mittendrin doppelt ins Zeug zu legen schien.
      Thomas legte Steve irgendwann in einem ungewohnten Automatismus, um mehr Hautkontakt zu haben, sein Bein über die Schulter und grub die Finger seiner zweiten Hand in die Sofalehne hinter sich. Er spürte, wie er dem Orgasmus mit jeder Bewegung näher kam, bis er seine Stimme nicht mehr zurück halten konnte. Das war der Preis, wenn man einmal locker ließ. Er kam in drei Stößen und anschließend wurde sein Stöhnen wieder sanfter, bis er seinen angespannten Körper zurück ins Sofa sinken ließ.
      Er ließ die Lehne los und legte sich die Hand auf die Stirn während er durchatmete, und nahm sich ein paar Sekunden Zeit bevor er die Augen öffnete und Steve an der Schulter zu sich nach oben zog, um ihn zu küssen. Er hatte das seltsame Bedürfnis, sich zu bedanken, aber es wäre etwas komisch, das in Worten zu tun. Also stützte er sich auf seine Unterarme und sah Steve an, dann riskierte er einen Blick nach unten.
      „Ich hab die vage Erinnerung, dass wir das schonmal hatten“, murmelte er. Ja, er war schon wieder gekommen während Steve noch halb angezogen vor ihm saß. Wurde das jetzt zur Routine? Aber er konnte ja auch nichts dafür, wenn Steve anfing und nicht mehr aufhörte. Und Thomas auch jede Denkfähigkeit nahm, um das überhaupt zu realisieren, bevor es zu spät war.
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    • Steve

      Es war schwer zu beschreiben, was durch Steves Kopf ging. Thomas war unglaublich. Das Bild, das sich ihm bot - sein Freund in Ekstase, die Lippen von ihren Küssen noch leicht geschwollen - war etwas, was er nie wieder vergessen wollte. Das hier war eindeutig besser, als ihr betrunkener One Night Stand, der zum Glück kein One Night Stand geblieben war. Außerdem hatte er das Gefühl, dass Thomas in seinem Kopf nun eindeutig weiter in Richtung 'fester Freund' rutschte, als immer noch nur als sein 'bester Freund' verankert zu sein. Er war natürlich beides, aber das half Steves Kopf nicht gerade weiter. Es war auch nicht sonderlich hilfreich, dass sie offensichtlich wieder den etwas unsicheren Punkt erreicht hatten, vor dem sie vor ein paar Wochen schon gestanden hatten.
      Steve musste unwillkürlich Lächeln, als Thomas die Situation so charmant ansprach. "Du musst weiterhin nichts machen, was du nicht möchtest", erinnerte er ihn, auch, wenn Thomas wahrscheinlich keine Erinnerung brauchte und Steve sich gerade nichts sehnlicher wünschte, als die Hände seines Freundes auf seinem Körper zu spüren. Aber er wollte ihn nicht überfordern und er würde mit Allem klar kommen, solange es Thomas gut ging.
      Er lehnte sich ihm nochmal entgegen, um ihn zu küssen. Wenigstens müsste Thomas sich keine Gedanken um seine Performance machen - im Moment hatte Steve das Gefühl, dass er kommen würde, wenn er ihn nur lang genug küssen würde. Es war seltsam, wie leicht es offenbar gewesen war, diesen Hebel umzulegen, weg von der platonischen Liebe zu einem Freund und hin zu dem romantischen Verlangen nach einem Partner, aber er war unglaublich froh, dass er Thomas hatte und dass es ihm offensichtlich genau so ergangen war. Steve wollte nicht wissen, wie absolut miserabel sein Leben verlaufen wäre, wenn er sich irgendwann zwangsläufig in Thomas verliebt hätte und er bei Leona geblieben wäre.
    • Thomas

      Nichts, was er nicht wollte? Da fielen ihm gerade ziemlich wenige Sachen ein. Es war ein wenig erschreckend, aber Steve schien einen Schalter bei ihm umgelegt zu haben. Oder zumindest fühlte es sich jetzt gerade so an, wo er noch unter ihm lag und sich von Steves Küssen zurück aufs Sofa drücken ließ, bevor er eine Chance hatte, zu antworten. Er schien ja ziemlich davon auszugehen, dass Thomas ihn nicht anfassen wollte. Woher kam der Gedanke? Hatte er in betrunkenem Zustand damals irgendetwas derartiges gesagt? Das konnte er sich fast nicht vorstellen. Er hatte die ganze Zeit das Verlangen, Steves ganzen Körper zu berühren. Alles, was er ihm momentan ersparen wollte, war ein Blowjob, weil er nicht das Gefühl hatte, dass das zum jetzigen Zeitpunkt zu seinen besonderen Begabungen zählte. Was nicht hieß, dass er es nicht mal ausprobieren würde, aber er war sich eben nicht sicher, ob Steve das wollte. Beziehungsweise wusste Steve ja noch garnicht, dass er es vermutlich nicht wollte.
      Thomas wehrte sich nicht gegen die Küsse, das konnte er garnicht. Außerdem fehlte es ihm ein wenig an Stamina, um seinen Freund aktiv von sich wegzudrücken um sich aufzusetzen. Aber das machte nichts. Er legte seine Arme um ihn und streichelte ihm über den Rücken. Steves Haut war warm und weich und Thomas konnte erraten, dass sein Puls in Höchstleistung arbeiten musste. Bei dem Gedanken musste er lächeln. Er ließ seine Hände nach unten gleiten und in Steves Hosenbund eindringen. „Du musst mir schon ein bisschen Bewegungsfreiheit geben, damit ich mich um dich kümmern kann“, murmelte er gegen seine Lippen.
      Dann setzte er sich doch noch auf und schob Steve im Zuge dessen etwas von sich weg. Die Couch war schmal und sie saßen in einer recht ungünstigen Position, wenn er ehrlich war. Er brauchte einen Moment, um sich eine Lösung zu überlegen, aber im Sitzen gab es definitiv keine. „Okay, macht nichts, ich weiß glücklicherweise wieder, wie meine Beine funktionieren“, sagte er leise und mehr zu sich selbst, während er aufstand und Steve deutete, sich zu ihm zu drehen. Dann öffnete er seine Hose und zog sie ihm mit etwas Hilfe aus, die Shorts folgten eine Sekunde später und Thomas musste zum millionsten Mal in den letzten Wochen realisieren, dass er keine Ahnung hatte, wie er so lange glauben hatte können, nur an Frauen interessiert zu sein, wenn dieser Anblick ihn dermaßen anturnte. Und außerdem machte er sich eine mentale Notiz, Steve niemals das scheinheilige Lächeln abzukaufen, wenn er meinte, dass er schon klarkam, wenn er die ganze Arbeit alleine machte.
      Und dann kam Thomas endlich zu dem Punkt, der ihm als Lösung aller Probleme in den Sinn gekommen war, und er setzte sich wie vorhin wieder aufs Steves Schoß. Immernoch seine Lieblingsposition. Und die Gründe dafür wurden immer zahlreicher. Er küsste ihn erneut und legte ihm beide Hände in den Nacken, nur für sich selbst, und fuhr ihm durch die Haare. Es war eine Gemeinheit, wie gut Steve aussah und wie leicht er es wirken ließ. Als er wieder ein wenig darüber hinweg war, ließ Thomas den Blick fallen und umschloss Steves Erektion mit seiner Hand.
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    • Steve

      Bewegungsfreiheit, damit er sich um ihn kümmern konnte? In der Theorie klang das wundervoll, in der Praxis bedeutete es, dass er sich - wenn auch nur kurz - von Thomas lösen müsste und das kam ihm gerade vollkommen verrückt vor. Im Gegenteil, wenn es irgendwie physisch möglich wäre, würde er Thomas noch näher an sich heranziehen. Leider schien sein Freund genau diesen Moment zu wählen, um seine Sturköpfigkeit zu entdecken. Steve stieß einen kleinen, unzufriedenen Laut aus, als Thomas ihn ein wenig von sich weg schob und anschließend offenbar genau so von der engen Sofa-Situation überfordert war, wie es ihm eben gegangen war. Sie brauchten dringend ein größeres Sofa. Oder sie müssten lange genug von einander los kommen, um das hier zukünftig ins Schlafzimmer zu verlegen, aber das kam ihm gerade furchtbar unrealistisch vor.
      Steve hob seine Hüfen an, um Thomas zu helfen, ihm die Hose auszuziehen und widerstand dem Drang, ihn zwischendurch für weitere Küsse an sich zu ziehen. Offenbar schien Thomas irgendeinen Plan zu haben und er wollte ihn nicht versehentlich ablenken. Was sich zu lohnen schien, als sein Freund sich einen Moment später wieder auf Steves Schoß setzte. Langsam fing er wirklich an, diese Position zu lieben. Er legte seine Arme wieder um Thomas' Hüften, als er ihn küsste und wünschte sich ein wenig, dass sie einfach immer so bleiben könnten. Thomas' Finger an seiner Kopfhaut fühlten sich himmlisch an. Auch, wenn sie dort nicht lange blieben.
      Thomas' Hand an seiner Erektion schickte einen kurzen Schock durch seinen kompletten Körper. Er sog scharf Luft ein und stöhnte auf, während er mit seinen Händen erneut über Thomas' Wirbelsäule strich. Er zog ihn für den nächsten Kuss an sich, bevor ihm eine kleine, vielleicht etwas riskante, Idee kam. Er küsste Thomas erneut, während er versuchte, seine Gedanken, die er vollkommen durcheinander brachte, irgendwie zu einem verständlichen Satz zusammen zu bringen. Er bewegte seine Hüften sanft in Thomas' Handbewegungen hinein, während eine seiner Hände wieder zu Thomas' Körpermitte wanderte. Er schaffte es, sein Stöhnen gerade genug zurück zu halten, um ein kurzes "Zweite Runde?" über die Lippen zu bringen.
    • Thomas

      Thomas lief ein warmer Schauer über den Rücken, als Steve aufstöhnte. Die kleinen Veränderungen in seinen Gesichtszügen beobachtete er einen Moment lang voller Faszination, bevor er in den nächsten Kuss gezogen wurde. Da war es, das Bild, das er von damals noch im Kopf hatte. Die einzige, völlig klare Erinnerung, die sein Gehirn wohl abgespeichert hatte, weil sie zu überwältigend gewesen war, um sie zu vergessen. Und weil sie das einzige war, das Thomas von der Nacht übrig geblieben war, über dass er, im Nachhinein betrachtet Gott sei Dank, einfach nicht hinwegkommen konnte. Und jetzt fiel ihm erneut ein, wieso. Er liebte Steves Stimme und wie seine Stirn sich minimal in Falten legte und wie er die Augen schloss, wenn ihm etwas gefiel. Und wie seine Küsse ein Stück verlangender wurden und Thomas kaum mehr gehen ließen.
      Er liebte es so sehr, dass ihm plötzlich egal wurde, ob er sich hieran noch nicht gewöhnt hatte, weil er es keinesfalls verpassen wollte. Thomas fuhr Steves Nacken und Schulter ab und bahnte sich einen Weg über seine Brust. Da war das Gefühl wieder, jeden Zentimeter seines Körpers berühren zu wollen und sich am besten an ihn zu kleben. Als er Steves Hand wieder an seiner Mitte spürte, war er kurz überrascht, merkte aber nun endgültig, dass er garnicht Nein zu seiner Frage sagen könnte, wenn er wollte. Wenn sie sich hintereinander, abwechselnd gegenseitig befriedigten, schien ein Teufelskreis zu entstehen. Aber wie könnte Thomas nicht vollkommen angeturnt von dieser Situation sein?
      "So viele gute Ideen heute", antwortete er und küsste Steve erneut. Es fühlte sich ein wenig wie ein Fiebertraum an, wenn er ehrlich war. Ihre Stimmen, die in den Küssen untergingen, bis einer von ihnen mehr Luft zum Atmen brauchte und das Stöhnen plötzlich rücksichtslos lauter wurde. Thomas rutschte irgendwann völlig vernebelt ein Stück näher an Steve und nahm seiner Hand den Platz weg indem er beide ihrer Erektionen umfasste und von der neuen Sinneswahrnehmung wieder etwas überforderter war, als noch zwei Sekunden zuvor. Er presste seine Handfläche gegen die Wand hinter Steve und verlor sich ein wenig. Dass dieser Moment wochenlang vor seiner Nase auf ihn gewartet hatte, und er sich das nicht einmal hatte vorstellen können, war gerade völlig undenkbar.
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    • Steve

      Er könnte ewig so weitermachen. Steve versuchte irgendwie, den drohenden Orgasmus so lange rauszuzögern, wie er konnte, um dieses Gefühl von Thomas' Fingern und seine Nähe noch einen Augenblick länger auskosten zu können. Jeder Kuss, jedes Stöhnen vernebelte ihm nur noch mehr den Verstand, bis er sich vollkommen sicher war, dass es auf dieser Welt nur sie beide gab. Wie hatte er es geschafft, jahrelang nicht zu bemerken, wie unfassbar heiß Thomas war?
      Als Thomas näher rutschte und ihre Erektionen aneinander rieb, musste Steve erneut aufstöhnen. Seine nun wieder freie Hand wanderte an Thomas' Hintern, während sein Kopf so weit zurück in seinen Nacken fiel, wie die Wand hinter ihnen es zuließ. Er bewegte seine Hüften so gut er konnte, bis das letzte bisschen Zurückhaltung verschwand. Ihm war furchtbar warm, sein Herz schlug viel zu schnell und er konnte an nichts anderes mehr denken, als an seinen Freund auf seinem Schoß. Sein Atem ging stoßweise, während er die Augen schloss und sich auf das Gefühl von Thomas' Hand konzentrierte.
      "Oh fuck." Steve stöhne auf, als er kam. Sein Mund hing leicht offen, als er versuchte, irgendwie genug Luft zu bekommen. Seine Gedanken rasten zu sehr, um irgendwie kohärent zu sein. Er ließ sich einen Moment Zeit, um sich zu sammeln, bevor er sich wieder nach vorne lehnte und Thomas küsste, bis er seinen Höhepunkt ebenfalls erreichte. Er konnte sich zwar nur noch Bruchstückweise an ihren One Night Stand erinnern, aber er war sich ziemlich sicher, dass er nicht mal ansatzweise an das hier heran kam. Mit einem kleinen Seufzen ließ Steve sich zurück sinken, seine Arme immer noch um Thomas' Hüften, damit sein Freund ihn nicht vom Schoß kippte. Sein unglaublicher, wundervoller Freund.
      "Wir sollten uns öfter krank melden", schlug Steve immer noch etwas außer Atem vor. Jetzt, wo seine Gedanken langsam wieder einigermaßen verständlich wurden, kam ihm die ganze Situation fast ein bisschen irreal vor. Er wusste nicht mal mehr genau, wie sie es hierhin geschafft hatten. "Alles okay?", fragte er mit einem kleinen Lachen, während er doch eine Hand hob, um Thomas eine schweißverklebte Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Wenn der Tag nicht gerade erst begonnen hätte, hätte er ihn jetzt am liebsten ins Bett getragen, um einfach nur mit ihm zu kuscheln. Ob es zu früh war zu behaupten, dass Thomas die Liebe seines Lebens war?
    • Thomas

      Als Steve ihm seinen Hals so schön präsentierte, konnte Thomas nur seinem Instinkt folgen, diesen zu küssen, bis selbst der Instinkt nicht mehr ausreichte, um seine Konzentration auf etwas anderes aufrecht zu halten, als die schnellen Bewegungen seiner Hand. Als Steve kam, gab das auch Thomas recht schnell den Rest. Er hatte nur sein Stöhnen im Ohr widerhallen und die zusätzliche Gleitfähigkeit in seiner Hand wahrnehmen müssen, um ein bisschen den Verstand zu verlieren. Er stöhnte gegen Steves Schulter und hob den Kopf erst wieder langsam, als er gekommen war und seine Brust öffnen musste um mehr Luft in seine Lungen zu lassen. Es war gut, dass Steve ihn festhielt, sonst hätte er sich wahrscheinlich zu weit nach hinten gelehnt und sie wären doch noch im Krankenhaus gelandet. Das Sofa fiel zukünftig wirklich als Option raus.
      Thomas nickte nur und gab atemlos ein zustimmendes Geräusch von sich, als Steve vorschlug, sich öfter krankzumelden. Oder… sie wiederholten das ganz einfach unabhängig von einer Krankmeldung.
      Thomas lehnte sich wieder nach vorne und küsste Steve. Er strich ihm über die Brust, merkte etwas zu spät, dass er völlig verschmiert war, aber das machte jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, also stoppte er nicht. Er konnte noch immer nicht so ganz fassen, wie viel Glück er hatte. Die 180 Grad Wendung, die sein Leben im letzten Monat gemacht hatte, hätte er sich nie erträumt, und so schockierend das alles zu Beginn auch gewesen war, er war gerade unheimlich dankbar dafür. Ob er nun mit einem Mann zusammen war oder nicht, er hätte es einfach kaum besser treffen können, als Steve. Mit seinem besten Freund zusammen sein, könnte schließlich zur Folge haben, dass die Intimität darunter litt, und es war ja anfangs auch ziemlich befremdlich gewesen, aber es wurde immer besser und langsam hatte Thomas das Gefühl, dass ihr gegenseitiges tiefes Verständnis nichts als Vorteile bringen konnte.
      „Alles okay“, lächelte er also. Steve würde wohl nie aufhören zu fragen und eigentlich… war das wirklich gut so. Lieber war es Thomas, dass sie einander zehn Mal am Tag sagten, ob alles okay war, als dass es das nicht war und sie es zu spät herausfanden.
      Nachdem er seinen Freund zur Genüge betatscht hatte, ließ Thomas sich irgendwann neben ihn auf der Couch nieder. Er war froh, dass er sich endlich getraut hatte, ein Stück weiter zu gehen. Es war die richtige Entscheidung gewesen. Und vermutlich auch genau der richtige Zeitpunkt. Er hatte nicht das Gefühl, dass es zu früh war oder zu spät, sondern nur, dass er in den Tagen definitiv an wenig anderes denken können würde. Er schluckte wieder das fast überwältigende Bedürfnis herunter, sich verbal zu bedanken. Wenn man ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ so einstudiert hatte, dann wurde man es in keiner Lebenssituation mehr los.
      Stattdessen stand er auf und hielt Steve die Hand hin, um ihn hochzuziehen. Thomas war wunschlos glücklich, bis auf eine Sache. „Ich fände es super, wenn wir jetzt kurz duschen gehen, weil ich gern kuscheln würde“ Er lächelte unschuldig. Den Grund musste er wahrscheinlich kaum nennen.
      Steve und er hatten, irgendwie logischerweise, noch nie zusammen geduscht, und Thomas war ehrlich gesagt auch kein riesen Fan von dem Platzmangel und der Tatsache, dass immer einer fror, weil der Wasserstrahl einfach nicht für beide gleichzeitig ausreichte — es kam kaum etwas weniger romantisches, als nass zu zittern — aber es war durchaus zeitsparend und er wollte sich so schnell wie möglich anziehen, bevor es wieder kalt wurde, und sich unter eine Decke mit Steve kuscheln.
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    • Steve

      Thomas Berührungen waren fast ein bisschen zu viel und jagten ihm erneut eine wohlige Gänsehaut über den Körper. Jetzt, wo die Leidenschaft zwischen ihnen allmählich abklang, wurde es fast ein bisschen kühl in dem Zimmer. Vielleicht hätte er vorher die Heizung hochdrehen sollen, allerdings hatte Steve wirklich nicht damit gerechnet, ausgerechnet heute den nächsten Punkt in ihrer Beziehung zu erreichen, obwohl er einfach unglaublich froh darüber war. Er liebte Thomas, vollkommen unabhängig vom Sex, aber das ließ das zwischen ihnen mehr wie eine Beziehung und weniger wie eine etwas zu extreme Freundschaft wirken. Es brauchte seine komplette Willenskraft, um Thomas nicht hier und jetzt zu beichten, wie unglaublich verliebt er war. Aber es wäre der falsche Zeitpunkt. Steve wollte nicht, dass Thomas es fehlverstehen und denken würde, dass er den Sex gebraucht hätte, um ihn zu lieben. Vielleicht hätte er es doch einfach sagen sollen, als es ihm das erste mal durch den Kopf geschossen ist.
      "Duschen klingt nach einer guten Idee", stimmte er also stattdessen zu und kam nicht umhin, seinen Blick kurz über Thomas' Körper gleiten zu lassen, als selbiger ihm die Hand entgegen hielt. "Ich frag mich wirklich, wie viel gutes Karma ich gesammelt haben muss, um dich zu verdienen", überlegte er laut, nahm die Hand an und ließ sich hochziehen. Er drückte Thomas einen Kuss auf die Schläfe, legte einen Arm um seine Hüften und zog ihn mit sich ins Bad.

      Zu zweit zu duschen war nie Steves Hobby gewesen. In Büchern und Serien wirkte es immer unheimlich romantisch, in Realität war kaum jemand reich genug, um sich eine Dusche zu leisten, in der beide Anwesenden zeitgleich Wasser hatten, was immer darin endete, dass man zwischenzeitlich frohr. Er gab Thomas trotzdem den Vortritt, sich zuerst Shampoo und Duschgel vom Körper zu spülen, damit er sich zumindest schon mal in ein Handtuch wickeln konnte, bevor er den Wasserstrahl wieder für sich beanspruchte.
      Der Weg von der Dusche ins Schlafzimmer, um sich neue Kleidung zu holen, war mindestens genau so kühl. Steve schlüpfte in einen Pullover und eine Jogginghose und drückte Thomas im Vorbeigehen einen Kuss auf die Lippen, dann machte er sich daran, die Heizung im Wohnzimmer hochzudrehen und die Klamotten einzusammeln, die sie so rücksichtslos verteilt hatten. Jetzt, da sich sein Puls vollends normalisiert hatte, kam ihm das ganze irgendwie noch unwirklicher vor. Er passte Thomas auf dem Weg zum Wäschekorb erneut ab, um ihm noch einen zweiten Kuss mit auf den Weg zu geben. Damit konnte er irgendwie nicht mehr aufhören.
      Der dritte Kuss folgte, als er sich neben Thomas auf das Sofa setzte und die Decke über sie beide zog. Er hatte das Gefühl, nicht mehr aufhören zu können zu lächeln, als er seinen Freund an sich zog. Thomas war immer noch warm und er konnte das Shampoo in seinen Haaren riechen, als er seinen Kopf gegen ihn lehnte.
      "Ich hab ehrlich gesagt vollkommen vergessen, worüber wir zuletzt geredet hatten. Ich glaube, wir wollten Wall-E schauen?"
    • Thomas

      Thomas hatte immer ein ganz gutes Gespür für die Stimmungen anderer Leute gehabt, weil er sich gerne wie im Parkour um sie herum bewegte. Nur manchmal trübte seine eigene Panik diese Wahrnehmungsgabe und darum schätzte er andere hin und wieder doch nicht ganz richtig ein. Aber das konnte er heute ziemlich gut ausschließen. Und man musste wohl auch kein Hellseher sein, um Steves Freude zu bemerken. Er versprühte sie beinahe. Thomas konnte das durchaus nachvollziehen, aber was ihn weitaus glücklicher machte, als ihre Beziehung einen Schritt weiter gebracht zu haben, war, dass Steve glücklich war. Das war mehr wert, als alles andere. Mit jedem Kuss, den er Thomas im Vorbeigehen schenkte, übertrug Steve diese Freude ein bisschen in ihn und Thomas spürte ein angenehmes Kribbeln in der Brust, von dem er nicht genug bekommen konnte. Zum Glück wurde es nur mehr nachdem er sich etwas Bequemes angezogen hatte und sich zu Steve auf die Couch legte. Thomas konnte nun genauso wenig mehr aufhören zu lächeln. Es war fast lächerlich. Sie sahen vermutlich aus, wie verlorene Mitglieder der Gummibärenbande. Ihre Beziehung würde ihnen noch Karies verpassen.
      Thomas kuschelte sich näher an Steve und war schon fast frustriert, dass er nicht noch näher kommen konnte. Er griff nach der Fernbedienung. Leider wusste er selbst nach kurzem Überlegen wieder, worüber sie zuletzt gesprochen hatten, aber so wenig er momentan auch mit seiner Familie am Hut haben wollte, so sehr freute er sich jetzt noch mehr, mit Steve aufzumarschieren. Und umso selbstbewusster war er jetzt auch, dass er bei der kleinsten unguten Reaktion ohne schlechtes Gewissen mit ihm umdrehen und wieder nachhause gehen konnte.
      „Hmm, ich kann nicht versprechen, dass ich wach bleibe, aber glücklicherweise kennst ja nur du den Film nicht. Pass auf, ich frag dich nachher ab, was passiert ist“ Er grinste leicht und gab Steve einen schnellen Kuss, bevor er ein Stück abwärts rutschte und seinen Kopf an Steve lehnte, was schon das erste Anzeichen war, dass er nicht lange durchhalten würde. Es war aber auch noch unwahrscheinlich früh für einen Tag, an dem er nicht arbeitete. Das Wochenend-Gefühl kickte langsam rein und machte ihn müde. Was für einen Film keine gute Kombination mit dem Ausdauersport von eben war, aber es war ein verdammt angenehmes Gefühl, zu wissen, dass er sich einen kleinen Nap absolut leisten konnte.
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    • Steve

      "Hätte ich gewusst, dass ich danach abgefragt werde, hätte ich Stift und Papier mitgenommen", seufzte Steve mit einem kleinen Lachen in der Stimme. Jetzt würde er garantiert nicht mehr aufstehen. Thomas lag viel zu gemütlich in seinen Armen, die Nähe war viel zu schön und er hatte absolut keine Motivation, sich zu bewegen. Mit einem Lächeln startete er den Film und versuchte nicht zu lachen, als er merkte, wie Thomas in seinen Armen tatsächlich langsam begann, einzuschlafen. Er hatte unglaublich viel Glück, hier mit ihm zu sitzen. Ein weiteres Teil hatte heute in dem Puzzle ihrer Beziehung seinen Platz gefunden und das fühlte sich unwahrscheinlich gut an. Er drückte Thomas einen weiteren Kuss auf die Haare und konzentrierte sich auf den Film. Nicht, dass die Drohung mit dem Test doch ernst gemeint war.

      Ihre Beziehung wurde von Tag zu Tag natürlicher. Es war erleichtern, nicht mehr jede Berührung überdenken zu müssen, obwohl Steve sich nicht abgewöhnen konnte, ab und an trotzdem zu zögern, oder sicher zu gehen, dass Thomas okay war. Er war sowieso nicht der Typ Mensch, der seinen Freund die ganze Zeit befummeln musste, aber wenigstens musste er so nicht darauf achten, wie tief seine Hände rutschten, wenn sie auf dem Sofa kuschelten und konnte ab und an seine Hand unter Thomas' Shirt schieben, wenn sie ins Bett gingen.
      Eigentlich waren die nächsten Tage so entspannend, dass er die anstehende Hochzeit fast verdrängt hatte. Erst, als sie einen Anzug für Thomas rausgesucht hatten - Steve war absolut sicher gegangen, dass der Anzug perfekt saß und sein Freund unwiderstehlich aussah - wurde das ganze irgendwie real. Er würde Thomas' Familie kennen lernen. Die Familie, von der Thomas selbst nicht ganz begeistert war, abgesehen von seiner Oma und vielleicht seinen Geschwistern. Je näher der Tag rutschte, desto mehr spürte Steve, wie die altbekannte Nervosität wieder zurück in seinen Körper schlich. Wenigstens konnte er sich voll und ganz darauf verlassen, dass es nichts zwischen Thomas und ihm ändern würde.
      Trotzdem beäugte er sich so kritisch wie noch nie im Spiegel, als er seinen eigenen Anzug angezogen hatte. Er war dunkelblau, verdammt teuer und ein absoluter Impulskauf gewesen, als Steve vor ein paar Jahren beschlossen hatte, sich endlich etwas erwachsener zu verhalten. Er hatte selbigen Entschluss kurz danach wieder aufgegeben, aber der Anzug war geblieben. Seine anderen Anzüge waren deutlich billiger geworden. Er hatte ihn mit einem weißen Hemd und einer cremefarbenen Krawatte kombiniert und suchte nun nach jeder kleinen Falte, die er eventuell noch rausbügeln müsste, um wenigstens keinen schlechten ersten Eindruck zu hinterlassen.
      "Du hast deiner Tante ganz sicher gesagt, dass du jemanden mitbringst?", fragte er Thomas zum wahrscheinlich dritten mal an diesem Tag, während er von seinem Anzug abließ und sich stattdessen um seine Haare kümmerte, darauf konzentriert, sich nicht zu viele Gedanken darum zu machen, dass diese Situation ein seltsames Déjà-vu in seinen Kopf heraufbeschwor.
    • Thomas

      Es war garnicht so schrecklich gewesen, einen Anzug zu kaufen, wie Thomas sich das vorgestellt hatte. Er hatte Steve als emotionale Unterstützung dabei, bei dem er sich über seinen Hass auf Krawatten auskotzen konnte, und eine unmenschlich nette, junge Verkäuferin, die es zu ihrem Lebensziel gemacht hatte, einen Anzug zu finden, dessen Kauf Thomas nicht für immer und ewig bereuen würde. Und sie hatte es geschafft. Nachdem er das Anliegen geschildert hatte, wurden ihm tausende Optionen vorgestellt, die von ‚Business Trip‘ glücklicherweise weit entfernt waren. Geendet waren sie bei einem… wie hatte die Verkäuferin es genannt? legerem, salbeigrünen Leinen-Anzug ohne Weste oder Krawatte. Das hieß, außer einem cremefarbenen Hemd unter dem Jackett war nichts anderes, und er hatte ausnahmsweise nicht das Gefühl, sich den Kopf vom Hals abtrennen zu müssen. Für eine Winterhochzeit sah er vielleicht etwas sommerlich aus, aber die Verkäuferin hatte ihm versprochen, dass das Dank des gräulichen Grüntons keinem auffallen würde und sowieso nur alle darauf achten würden, wie gut ihm der Anzug stand, also war er ganz zuversichtlich.

      Außerdem hatte Steves Krawatte dieselbe Farbe wie sein Hemd und diese kleine Verbindung brachte ihn zum Grinsen, als er so in der Ecke stand und beobachtete, wie Steve seinen Verstand langsam aber sicher verlor. Thomas färbte wohl leider auf ihn ab.
      Er ging zu seinem Freund und legte ihm die Hände an die Schultern. „Ich würde dir ja die SMS zeigen, aber ich weiß nicht, ob ich dich davon überzeugen kann, dass sie nicht gefaked ist“, sagte er belustigt. „Ja, ich hab es ihr gesagt. Und sie freut sich, dich kennenzulernen, was eigentlich das einzig wichtige heute ist, weil sie heiratet. Nicht meine Eltern. Also mach dir keine Sorgen“ Thomas machte sich zwar selbst Sorgen, denn kurz vor dem Event nahm das Selbstbewusstsein immer ziemlich ab, aber Steve hatte im Gegensatz zu ihm wirklich nichts zu befürchten. Er hoffte nur, dass seine Mutter sich nicht unmöglich benehmen würde und ihn, und alle umstehenden Leute, in eine unangenehme Lage brachte. Seine Tante wusste allerdings auch nicht, dass sein ‚Plus One’ ein Mann war, also… Er musste es wohl auf sich zukommen lassen. Bestenfalls reagierte seine Tante unglaublich positiv und Steve musste nicht das Gefühl haben, dass Thomas ihn belogen hatte.
      Aber nachdem Steve und er ihr kleines Motto aufgebessert hatten, sagte er sich das einfach selbst im Kopf vor, wann immer er merkte, dass er anfing, sich Sorgen zu machen. Und kombiniert damit, dass Steve mittlerweile Dinge tat, die er vorher offensichtlich zurückgehalten hatte, die Thomas aber liebte, funktionierte das ganz gut.
      Nun, da Thomas mit Berührung noch einmal weitaus komfortabler geworden war, fiel langsam auf, dass er deutlich mehr physisch klammerte, als Steve. Was in Ordnung war. Thomas mochte Berührung zwar, aber er war auch schnell völlig überfordert und sein Kopf wie leergeblasen, also war es garnicht schlimm, wenn sie das unter Leuten vermieden und er genoss es einfach umso mehr, wenn Steve von sich aus seine Nähe suchte, jetzt wo er sich weniger Sorgen zu machen schien, ihn auf negative Art zu überfordern. Wenn er Thomas zum Beispiel plötzlich eine Hand unter das Shirt schob, explodierte ein Teil von seinem Gehirn, aber er schluckte die Freude runter und genoss es stillschweigend. Das funktionierte super, denn immerhin mussten sie ja den Großteil des Tages auch wie normale Menschen interagieren können, ohne dass Steve seinen Freund an sich kleben hatte und diesem simultan das Herz aus der Brust sprang. Sie hatten ein ganz gutes Gleichgewicht gefunden, wenn Thomas das beurteilen sollte. Sex war immernoch eine Ausnahmesituation, eine, die viel mentale Vorbereitung brauchte oder einfach nur wahnsinnig viel Enthusiasmus, der jeden Gedanken verstummen ließ, aber auch das normalisierte sich irgendwie langsam und die Kombination ‚beste Freunde‘ und ‚Partner‘ schien sich einzupendeln. Wobei die flüchtigen Küsse deutlich zuzunehmen schienen. Vor allem, wenn das Gefühl aufkam, sich etwas zu lange nicht berührt zu haben. Zumindest von Thomas Seite aus.

      Nachdem sie also eigentlich seit heute Morgen bloß damit beschäftigt gewesen waren, zu frühstücken und sich fertigzumachen, beschloss Thomas, den ‚beste Freunde‘ Bann wieder ein wenig zu brechen und er streckte sich, um Steve zu küssen. „Okay, gehen wir“, sagte er abschließend und zwang Steve vom Spiegel weg. Da seine Tante etwas außerhalb Londons wohnte und die kirchliche Trauung schon um 11 Uhr stattfand, bevor sie dann für den restlichen Tag in ihrem gigantischen Haus mit Garten einkehrten, hatte Thomas rechtzeitig ein Taxi bestellt. Der Gedanke, seit seinem Coming Out zum ersten Mal wieder Fuß in eine Kirche zu setzen, war etwas unheimlich. Er war sich sicher, dass niemand in seiner Familie direkt homophob war und das irgendwie mit ihrem Glauben verband, aber sie hatten ein recht traditionell christliches Verständnis davon, wie ein Leben aussehen sollte, besonders eine Beziehung, und wenn dann in der eigenen Familie jemand aus der Reihe tanzte, konnte es ungemütlich werden. Also, ja, vielleicht konnte man das doch Intoleranz nennen.
      Thomas hatte seine ganze Kindheit und Jugend lang bei den seltsamen Kirchenritualen mitgespielt, ohne irgendetwas einzuwenden, aber viel hatte er sich daraus noch nie gemacht. Seinetwegen konnte es einen Gott oder mehrere Götter geben, der Gedanke war aber weder beruhigend, noch würde es für ihn etwas ändern. Er wusste, dass seine Geschwister genauso dachten, und es hatte mehrere Diskussionen am Esstisch gegeben, aber letztendlich machten sie trotzdem einfach alles mit, was ihre Eltern machen wollten. Und, naja, manche Traditionen waren wirklich schön, also konnte man sich damit leicht anfreunden, solange man eben nicht aus der Reihe tanzte und plötzlich verurteilt wurde.
      Somit schwankte nicht Thomas Glauben in die Religion, der er sowieso heimlich ausgetreten war, sondern sein Glauben in seine Familie, von der er gedacht hatte, sie würde immer an seiner Seite stehen. Er hatte nur selbst nicht mit so etwas gerechnet. Das würde also… ein interessanter Tag werden.
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    • Steve

      "Du arbeitest mit Computern. Ich werde nie einer digitalen Nachricht glauben, die du mir zeigst", merkte Steve amüsiert an, während er letztmalig seine Krawatte zurecht zog. Er trug außerhalb der Arbeit selten Anzüge - und selbst dort eigentlich nur, wenn er musste - und hatte den ganzen Morgen schon das Gefühl gehabt, sich seltsam vorsichtig bewegen zu müssen. So, als würde jeder falsche Schritt den Anzug irgendwie ruinieren. Ein rein psychisches Problem, dessen war er sich bewusst, aber das machte es nicht besser. Erst Thomas' Kuss schaffte es, ihm ein wenig die Anspannung zu nehmen. Sie hatten immer noch ihr kleines Beziehungsmotto. Egal, was passieren würde, er hatte Thomas immer an seiner Seite. Er musste sich nur darauf konzentrieren, wenn er zu nervös wurde. So, wie jetzt.
      Es war natürlich nicht das erste Mal, dass er die Eltern seines Beziehung kennen lernte, allerdings hatte er bis jetzt noch nie die Situation gehabt, sofort die komplette erweiterte Familie mit kennen zu lernen. Auf einer Hochzeit. Früher war es einfacher gewesen. Bei seinem ersten Freund zu Schulzeiten hatte er die Eltern bereits gekannt, bevor sie überhaupt zusammen gekommen waren. Seine nächste Beziehung hatte den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen, und die danach hatte einfach zu einem Sonntagsbrunch eingeladen. Niemand war auf die Idee gekommen, ihn direkt zu einer Familienfeier mitzunehmen. Allerdings wurde ihm gerade bewusst, dass er jedem anderen dabei wahrscheinlich auch direkt abgesagt hätte, um sich den Stress zu sparen. Jedem, außer Thomas, der ihm wichtiger war, als sein eigenes Leben und bei dem er sich sicher sein konnte, dass sie zusammen bleiben würden, egal, wie viel heute schief gehen würde. Im schlimmsten Fall müssten sie also nur mit dem Gewissen leben, eine Hochzeit ruiniert zu haben. Hah.
      "Die Farbe steht dir", kommentierte Steve mit einem kleinen Lächeln, als Thomas ihn von dem Spiegel weg zur Tür zog. Generell stand Thomas der Anzug absolut ausgezeichnet, auch, wenn er ihn trotzdem in Shirt und Jogginghose bevorzugte. Sicher war es nett, sich ab und an mal schick anzuziehen, aber er mochte die gemütliche Vertrautheit im Feierabend-Look irgendwie lieber. Außerdem sah Thomas im Anzug so aus, als ob er deutlich über seiner Liga spielen würde.
      Im Vorbeigehen griff Steve noch nach dem kleinen Geschenkumschlag für das Hochzeitspaar, bevor er einen letzten prüfenden Blick durch die Wohnung gleiten ließ und Thomas dann zum Taxi folgte. Er hielt seinen Freund für einen kleinen Kuss zurück, bevor er ihm die Tür zum Taxi öffnete und sich anschließend neben ihn auf die Rückbank setzte.

      Das letzte mal, dass Steve auf einer Hochzeit gewesen war, war Jahre her. Damals war er so klein gewesen, dass er sich für das Geschehen um ihn herum kaum interessiert hatte. Es hatte einen Spielplatz in der Nähe der Location gegeben, auf den er sich mit seinem Cousin ausgetobt hatte und das war...alles, was er behalten hatte. Er wusste nicht mal mehr, wer damals geheiratet hatte. Obwohl es ihm wahrscheinlich auch nicht sonderlich geholfen hätte, sich zu erinnern - indische Hochzeiten waren dann doch ein wenig anders, als britische, zumal er nach Thomas' Erzählungen das Gefühl hatte, dass seine Familie Hochzeiten wahrscheinlich ziemlich steif und traditionell angehen würden. Was durchaus auch seinen Charme haben könnte. Wenigstens könnte Steve am Ende des Tages abschätzen, was ihm bevorstehen würde, wenn seine Beziehung mit Thomas wirklich etwas dauerhaftes werden würde. Was er sich mehr wünschte, als alles andere auf der Welt.
      "Ich freue mich irgendwie jetzt schon darauf, heute Abend wieder nach Hause zu kommen." Er griff auf der Rückbank nach Thomas' Hand und hielt sie fest. Wahrscheinlich war er heute an der Reihe damit, an seinem Freund zu kleben.
    • Thomas

      Ich auch, das wollte Thomas gerade antworten. Einerseits wollte er am liebsten sofort umdrehen und sich einfach für immer und ewig mit Steve in ihrer Wohnung verbarrikadieren, damit sie zusammen glücklich und ignorant sein konnten, bis an ihr Lebensende. Andererseits störte es ihn unglaublich, dass seine Eltern der Meinung waren, besser zu wissen, was ihm gut tat, als er selbst, und das ohne Steve je kennengelernt zu haben. Thomas wollte ihnen zeigen, dass er glücklich war und dass er nicht bereute oder jemals bereuen würde, dass er mit Steve zusammen war, und dass sie damit klarkommen mussten, um sich mit ihm verstehen zu können. Es wäre natürlich einfacher, das alles auszublenden und nicht mehr darüber nachzudenken, aber auch unrealistisch. Er würde immer darüber nachdenken, dass seine Eltern ihn nicht akzeptierten, wie er war. Aber er hatte schließlich die Hoffnung, dass sie nur genau wie er eine Gewöhnungsphase brauchten und am Ende alles gut ging. Dafür musste er ihnen Steve aber vorstellen und er musste versuchen, seine Freude auch ein wenig nach außen zu tragen, damit sie ihm glaubten. Eigentlich sollten seine Eltern ja nichts anderes für ihn wollen, als dass er glücklich war. So naiv der Gedanke Thomas vielleicht machte, er hielt daran fest. Und besonders vor Steve musste er daran gerade festhalten, damit sie nicht beide ausflippten.
      Er drückte seine Hand also fest. „Auf die Hochzeitstorte kannst du dich auch freuen“, sagte er und lächelte leicht. Ja, irgendetwas positives musste es heute doch geben. Abgesehen davon, dass eine Hochzeit eigentlich kein Anlass war, um Trübsal zu blasen. Wurde nicht genau heute die Liebe gefeiert? Gut, nicht ihre, aber im Prinzip sollten alle super gelaunt sein und spielend leicht damit klarkommen, dass eben ein weiteres, völlig normales Pärchen an der Feier teilnahm. Völlig. Normal.

      So sehr Thomas es sich auch einredete, die Blicke seiner Eltern waren — auf negative Art und Weise — absolut unbezahlbar, als Steve und er sich vor der Kirche zu der Traube an Leuten gesellten, die darauf wartete, dass sie reingehen konnten. Thomas fühlte sein Herz in seiner Brust rasen und er war sich sicher, dass er gleich ohnmächtig werden würde, wenn seine Mutter ihn länger ansah, als hätte sie nur für diesen Moment einen Dolch hinter dem Rücken versteckt gehalten.
      Thomas sah, wie Cassy leicht die Augen aufriss, als sie Steve erkannte. Sie war die einzige, die er schonmal getroffen hatte, und es war ein sehr flüchtiges und seltsames Kennenlernen gewesen. Allerdings würde es nur halb so seltsam sein, wie seine Mutter, die endlich den Entschluss gefasst hatte, sich zu ihnen durchzukämpfen. Seine Geschwister schienen lieber im sicheren Hintergrund zu bleiben.
      Thomas griff fast instinktiv nach Steves Hand, als würde ihn das irgendwie retten können, obwohl es die Situation bestimmt nicht besser machte.
      Als seine Mutter vor ihnen zu stehen kam, seinen Vater im Schlepptau, musterte sie Steve so eisig, dass Thomas plötzlich den Drang hatte, sich vor ihn zu stellen. Ein gänzlich neues Gefühl.
      „Mum, das ist Steve“, sagte er endlich, etwas leiser als beabsichtigt, als seine Mutter immernoch starrte.
      „Wehe du hast Tante Christine nicht gesagt, dass du jemanden mitbringst“, sagte sie auf einmal an Thomas gerichtet.
      Er blinzelte. „Ich hab es ihr rechtzeitig gesagt, keine Sorge“, meinte er leicht irritiert. Was wurde das? Passive Aggressivität für den Rest des Tages? …Nein, er konnte bei dieser Antwort fast in der selben Sekunde in ihren Augen sehen, dass sie am liebsten fragen würde, wieso er es ihr nicht auch gleich gesagt hatte. Aber das brauchte sie garnicht zu fragen und sie wusste es offensichtlich selbst, also sagte sie es auch nicht laut.
      „Steve, freut mich“, wandte sie sich endlich an ihn. Den unfreundlichen Ton war Thomas von seiner Mutter überhaupt nicht gewohnt. „Ich bin Mary, das ist Craig“ Sie schien Thomas Dad nichtmal zu Wort kommen lassen zu wollen, der wirkte aber auch ein wenig irritiert über seine Vorstellung und reichte Steve wenigstens stumm die Hand, bevor sie in eine kleine Tirade ausbrach.
      „Thomas, ich hab dir offenbar nichts beigebracht. Fandest du es wirklich intelligent, jemanden zu einer Familienfeier zu bringen, wo Fotos gemacht werden, die wir für immer ansehen werden? Seit wann seid ihr ein Paar, seit einem Monat? Und du bist dir so sicher, dass das hält?“
      Okay. Thomas versuchte seine Wut runterzuschlucken. Er war noch nie ein Mensch gewesen, der wegen etwas laut wurde oder sich schnell aufregte, aber sie schienen heute ja einen Lauf in der Familie zu haben, was unerwartete Stimmungen anging. „Seltsam, dass du nichts gesagt hast, als ich Leona zu deinem 50sten mitgebracht hab. Stören dich die Fotos jetzt auch? Vielleicht sollte ich dir nie wieder jemanden vorstellen, bis ich verheiratet bin“, antwortete er bissig.
      Mary setzte wohl zu einem richtigen Streit an, als Craig die Warnsignale noch rechtzeitig erkannte und als einziger zu realisieren schien, dass sie mit ihrer ganzen Familie vor einer Kirche standen. Er legte seiner Frau eine Hand auf die Schulter. „Okay, ich glaube, das kann auch ein anderes Mal besprochen werden, Mary“, redete er auf sie ein. Aber eigentlich lag er damit völlig falsch.
      „Mum, Dad. Ich schwöre euch beiden, dass ihr nie wieder eine Chance kriegt, euch mit meinem Freund zu unterhalten, wenn ihr euch so benehmt. Und wenn wir am Ende heiraten, dann könnt ihr euch ja denken, was das heißt. Einladungen abschminken“, hielt Thomas seine Eltern auf. Er wollte das zwar ungern vor Steve laut aussprechen, aber seine Eltern waren mit solchen Aussagen wohl noch am besten manipulierbar. Leider konnte er ihnen nicht androhen, dass sie ihre Enkelkinder nie kennenlernen würden, weil das ein neues Thema aufwerfen würde.
      Sein Vater seufzte. „Thomas, das ist einfach ein denkbar schlechter Anlass für so ein Kennenlernen“
      „Findest du? Tante Christine hat die Ansicht nicht geteilt, als ich meinte, dass ich ein Date mitbringe“, erwiderte Thomas und blinzelte.
      „Ich weiß, dass du darauf hinaus willst, dass deine Mutter und ich ein Problem mit… mit Steve haben, aber darum geht es nicht“ Craig kam einen Schritt näher, um es seiner Frau nicht nachzumachen, und die ganze Familie auf ihr Gespräch Aufmerksam zu machen. „Leona war toll, wir verstehen einfach nicht, wieso du… dir freiwillig mehr Probleme im Leben schaffst“
      Thomas verschlug es kurz die Sprache. „Dad, sie hat sich von mir getrennt. Und es tut mir leid, dass das nicht mit euren Plänen übereinstimmt, aber ich bin ziemlich froh darüber, dass es vorbei ist, weil ich einfach nicht atmen konnte“ Er schluckte. „Ich dachte nur, dass das meine Schuld ist. Und ich hätte es euch bestimmt mal erzählt, wenn ihr sie nicht ständig in den Himmel gepriesen hättet. Aber die Person, die diese ganze Zuneigung verdient hätte und immernoch verdient, steht neben mir. Und ich schaffe mir nicht mehr Probleme in meinem Leben, sondern andere“ Thomas kämpfte unglaublich mit sich, seine Tränen zurückzuhalten. Er war immerschon ziemlich nah am Wasser gebaut gewesen und das kam in den unpraktischsten Momenten zum Vorschein. „Ich kann nichts daran ändern, dass andere ein Problem mit meiner Beziehung haben, aber ich bin glücklich. Und es wäre schön, wenn ihr mein Leben nicht schwerer macht, als es ist. Ich werde meine Meinung sowieso nicht ändern, also warum könnt ihr euch nicht zumindest halbwegs zivil verhalten?“
      Das war wohl zu viel für seine Mum. Irgendwann im Laufe seiner kleinen Rede hatte sie unter Beweis gestellt, dass das unpraktische Losheulen in der Familie lag, und jetzt drehte sie um und stampfte weg. Thomas versetzte es einen kleinen Stich in der Brust.
      „Ich… äh, werde dann wohl nach der Zeremonie wieder nachhause fahren“, meinte er etwas perplex. Sein Vater seufzte schon wieder. Eigentlich war es ein Wunder, dass er überhaupt mal das Reden übernommen hatte.
      „Ich finde, ihr solltet bleiben. Sie ist doch nur weggelaufen, weil sie dir zustimmt“, meinte sein Vater auf einmal. Und Thomas traute seinen Augen nicht ganz, als er sich zu Steve herumdrehte und sagte: „Wenn ihr bleibt, können wir uns später unterhalten und den schlechten Eindruck vielleicht ein Stück ausbügeln. Das hier hat wirklich rein garnichts mit dir persönlich zu tun. Ich bin mir sicher, dass du ein toller Mensch bist, meine Kinder haben da normalerweise ein gutes Gespür, wenn sie mal auf sich selbst hören. Außer Elias, den darf man nicht aus den Augen lassen“ Er lächelte. „Du lernst sicher noch alle kennen, alles neugierige Nasen. Zumindest, wenn ihr bleibt“ Und damit klopfte er Steve einmal kurz auf die Schulter, bevor er Thomas flüchtig in den Arm nahm, ihm auf den Rücken klopfte, als wäre das heute seine Art eines Friedensangebots, und ihn völlig sprachlos zurück ließ.
      Thomas war jedenfalls ganz froh, dass die Traube sich simultan auch endlich aufzulösen schien und sich wohl alle langsam ihre Sitzplätze suchten. Er brauchte einen Moment — einen langen Moment — um zurückzubleiben und sich die Tränen aus den Augen zu blinzeln, die er später zumindest als Freudentränen abtun hätte können. Aber nicht jetzt. Das waren eindeutig keine Freudentränen. Eine komische Mischung aus Schmerz, Schock und Verwirrung vielleicht.

      „Das tut mir so leid“, murmelte er, als er seine Stimme wiederfand und drehte sich zu Steve herum. „Es tut mir so… so leid. Wir sollten nachhause fahren, oder? Wir sollten…“ Irgendwie kam Thomas noch nicht ganz darüber hinweg, dass sein Vater so viele Worte an einem Stück gesagt hatte, ohne dass er gerade Geburtstag hatte oder so etwas. Und dann hatte es auch noch ganz nett geklungen. Nicht ideal, aber auf jeden Fall besser, als der Ausbruch seiner Mutter. Aber er hatte vermutlich auch damit recht gehabt, dass sie bloß gegangen war, weil sie nicht zugeben konnte, dass ihr eine Weile sehr viel wichtiger gewesen war, was sie selbst dachte, als ob ihr Sohn auch nur ansatzweise glücklich war. Vielleicht kam sie ja wirklich darüber hinweg.
      Aber für einen Tag, und es war noch nicht einmal ganz 11 Uhr, war das schon bodenlos zu viel gewesen. Thomas hatte nichts dagegen, den Tag hier zu beenden. Auch wenn er sich nicht sicher war, ob er sich so schnell wieder bei seinen Eltern blicken lassen würde. Das eben war noch zwanzig Mal unangenehmer gewesen, als er es sich vorgestellt hatte. Er hatte ja mit vielem gerechnet, aber das war nun doch weitaus erschreckender gewesen, als gedacht. Normalerweise sprühte seine Mutter vor überfürsorglicher, irrationaler Liebe und Kontrollsucht. Eine Umarmung an guten Tagen könnte einem locker mal die Rippen brechen. Aber sie schrie nicht. Zumindest nicht aus Wut. Schon garnicht auf ihre Familie. Thomas fühlte sich irgendwie… ausgestoßen. Als wäre er unabsichtlich aus dem inneren Kreis gestolpert. Und offenbar beinhaltete das auch eine sehr ungewohnte Freundlichkeit seines Vaters. Er wusste nicht, was er von all dem halten sollte. Aber es musste für Steve mindestens genauso unangenehm gewesen sein und das hatte er absolut nicht verdient. Sie hätten zuhause bleiben sollen.
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    • Steve

      Steve hatte immer schon gewusst, dass Thomas' Familiendynamik anders war, als seine eigene. Offensichtlich, immerhin hatte er weitaus mehr Geschwister, als er, was bereits für genug Unterschiede sorgte, aber sein angespanntes Verhältnis zu seinen Eltern war Steve im ersten Moment vollkommen fremd. Er fand seine eigenen Eltern manchmal zu viel, oder nervig, aber auf Familienfesten waren sie trotzdem immer die ersten, die er ansteuerte, um Hallo zu sagen, bevor er sich von Cousinen, Cousins, Tanten und Onkel mitreißen ließ. Thomas blieb stehen, sobald sie die wartende Gruppe vor der Kirche erreicht hatten. Spätestens, als seine Mutter sich zu ihnen durchgerungen hatte, wusste Steve, warum.
      Er hielt sich bei der nachfolgenden Konversation zurück. Er wollte den ersten Eindruck nicht noch schlechter machen, als er offensichtlich eh schon war und wollte es vermeiden, noch mehr Aufmerksamkeit auf die kleine Auseinandersetzung zu ziehen. Er ließ Thomas' Hand nur kurz los, um Mary und Craig zu begrüßen, bevor er wieder nach ihr griff. Er wollte nicht, dass Thomas das Gefühl hatte, dass er nicht hinter ihm stehen würde. Vor allem, wenn sein Freund sich so offensichtlich für ihn entschied. Steve hatte keine Ahnung, wie er sich fühlen sollte. Die Situation war offensichtlich nicht ideal. Sein eigener Instinkt riet ihm, Thomas mit sich zu ziehen und direkt zurück nach Hause zu gehen, ihn in Decken einzupacken und einfach den restlichen Tag zu genießen. Aber die Art, wie Thomas über ihn redete, ließ sein Herz schneller schlagen. Er liebte ihn. Mehr, als alles andere auf der Welt. Auch, wenn er über ihre eigene Hochzeit noch nie nachgedacht hatte.
      Zum Glück schien Thomas' Vater bemüht zu sein, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Zumindest schaffte er es, ein kleines bisschen Ruhe rein zu bringen. Auch, wenn er nicht besser war, als seine Frau. Steve glaubte ihm sogar, dass ihre Abneigung nichts mit ihm persönlich zu tun hatte. Im Grunde interessierten sich beide absolut nicht für ihn, so, als wäre er Luft. Thomas war derjenige, um den es ging. Thomas und seine ExFreundin, seine Sexualität, seine Anmaßung, ein eigenes Leben zu führen. Steve presste die Lippen zusammen, während er Thomas' Hand etwas fester griff. Er war unglaublich stolz auf seinen Freund und hatte unsagbares Mitleid, dass seine Eltern offensichtlich kein Stück auf seiner Seite standen. Obwohl er langsam zu verstehen begann, warum die beiden Leona so gemocht hatten. Sie schienen sich ähnlich zu sein.

      Steve war schon drauf und dran, Thomas einfach mit sich zu ziehen, eine Straße weiter, bis sie sich einfach in Ruhe ein Taxi nach Hause suchen konnten, als Craigs unerwartetes Friendensangebot ihn vollkommen überraschte. Er sah Thomas' Eltern nach, als sie mit dem Rest der Familie in der Kirche verschwanden und drehte sich dann zu seinem Freund, der vollkommen aufgelöst aus sah.
      "Hey", sagte er sanft, während er eine Hand hob, um Thomas eine Träne aus dem Augenwinkel zu streichen. "Es ist nicht deine Schuld." Er gab ihm einen Kuss auf die Stirn, bevor sein Blick wieder zur Kirche rüber glitt. Eigentlich sollten sie nach Hause fahren. Das war ihre Abmachung gewesen, oder? Wenn sich einer von ihnen unwohl fühlte, würden sie abbrechen. Aber irgendwie fühlte sich das nicht richtig an. Steve blinzelte kurz, bevor er wieder zu Thomas sah. "Wir sollten zumindest die Zeremonie noch mitmachen. In der Kirche muss man ja eh nicht reden und ich hab deine Oma ja noch gar nicht kennen gelernt." Was ihm ehrlichgesagt gerade relativ egal war. Er wollte nur, dass Thomas zumindest kurz demonstrieren konnte, dass sie sich nicht unterkriegen lassen würden. Egal, was seine Eltern über sie dachten - sie gehörten zusammen.
      "Na komm", fuhr er fort, während er seine Hand aus Thomas' Griff löste und sie ihm stattdessen auf den unteren Rücken legte, um ihn sanft in die Richtung der Kirche zu schieben. "Wir setzen uns in die hinteren Reihen und vergessen deine Eltern einfach. Deine Tante hat bestimmt ein ganz bezauberndes Brautkleid. Das willst du doch nicht verpassen."
    • Thomas

      Leider war Steve hervorragend darin, Thomas zu etwas zu überreden. Und dafür brauchte er kaum Worte und keinerlei Drang, es reichte absolut, dass er so sanft mit ihm redete und Thomas das Gefühl gab, ihm sowieso nie wieder von der Seite weichen zu können. Er würde ihm gerade wohl auch in eine Mülldeponie oder ins Gefängnis hinterher laufen, einfach weil er nicht ohne ihn sein wollte. Steve musste ihm dafür nichtmal wirklich einen Grund nennen, warum er irgendwo hinging. Aber tatsächlich war der Grund, den er ihm gerade nannte, auch ganz hilfreich. Er erinnerte Thomas, dass er für seine Tante hier war, nicht für seine Eltern. Und seine Oma mochte im Gegensatz zu seiner Mutter nicht die übertrieben liebevollste Person sein, aber sie hatte immer einen überraschend aufmunternden Spruch auf Lager und Thomas brauchte gerade nichts mehr, als ein kleines bisschen Zustimmung von irgendeinem Teil seiner Familie, um nicht in ein Depressionsloch zu kippen.
      Er ließ sich also ein paar Schritte zur Kirche schieben, bevor er seine Motivation selbst wiederfand, nach Steves Hand griff und sich mit ihm einen Platz in einer der hinteren Reihen suchte. Sobald sie saßen, war ihm plötzlich alles egal. Er lehnte seinen Kopf an Steves Schulter und sah sich verloren im Raum um. Er hatte ja von Anfang an gewusst, dass es nicht einfach werden würde, die Meinung seiner Eltern zu hören, aber er hatte irgendwie einfach gehofft, dass sie auf magische Weise völlig Akzeptanz zeigen würden. Und war das wirklich so unwahrscheinlich? Er hatte doch nichts Schlimmes getan, ein Verbrechen begangen oder so, dass diese Reaktion rechtfertigen würde. Er hatte sogar das Gefühl, dass seine Eltern einen Diebstahl oder ein paar Strafzettel viel besser verarbeiten könnten. Aber es war ja schon gestört genug, dass er anhand ihrer Reaktion seine Beziehung mit einem Verbrechen gleichsetzen konnte. So enttäuscht hatte er seine Mutter aber noch nie erlebt.
      Thomas hob den Kopf erst wieder, als die Reihen gefüllt waren und der Hochzeitsmarsch ertönte, womit man bei seiner Familie nur rechnen konnte, aber es war trotzdem unglaublich langweilig. Zumindest hatte seine Tante ein geschmackvolles, schlichtes A-Linien Kleid an, das ihr sehr gut stand. Der Schleier gab ihr dann aber doch noch ein bisschen den Prinzessinnen-Look. Auch mit 48 hing sie wohl noch an diesem Traum, aber so kannte Thomas seine Tante. Sie war nur aus irgendeinem Grund deutlich schlanker als seine Mutter und Thomas hatte das Gefühl, dass sie vor der Hochzeit schon wieder abgenommen hatte. Es war einfach etwas bizarr zu sehen, wie sie aus dem Bild fiel und aussah, als hätte sie ganz andere Gene. Die Männer in der Familie waren dafür in 90% der Fälle schlaksig und dünn, das gab ein witziges Gesamtbild ab.
      Als sein Blick der Braut folgte und nach vorne glitt, fielen ihm seine Geschwister in der zweiten Reihe auf und seine Cousins daneben. Er hatte sich als Kind immer unglaublich gefreut, dass er auf Familienfeiern so viele Gleichaltrige hatte, aber gerade war die schiere Größe seiner Familie ein wenig beängstigend. Aber war es nicht irgendwie unwahrscheinlich, dass er bei all diesen Leuten wirklich der einzige sein sollte, der nicht hetero war? Vielleicht sollte er seine Cousins mal ausfragen, wenn er die Gelegenheit bekam. Aber… bestimmt wollte Steve jetzt erstmal nachhause. Was völlig verständlich war, Thomas hatte auch das Verlangen, diesen Alptraum enden zu lassen. Aber auf der anderen Seite wollte er wissen, was sein Vater noch zu sagen hatte… Und der Rest der Familie, denn schlimmer konnte es kaum werden, oder?
      Naja, gleich würden sie sowieso wieder mit ein paar Leuten konfrontiert werden, wenn sie aus der Kirche gingen. Thomas würde als erstes seine Oma ansteuern und dann einfach weiter überlegen.
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    • Steve

      Steve drückte Thomas’ Hand kurz, als selbiger den Kopf an seine Schulter lehnte. Es war seltsam - eigentlich war das alles hier absolut nicht sein Stil. Wenn er alleine gewesen wäre, wäre Steve nach der kleinen Konfrontation vor der Kirche nach Hause gegangen und hätte versucht, den Tag zu vergessen. Er hätte sich nie getraut, einfach weiter zu machen. Aber er war nicht alleine und es ging nicht um ihn. Thomas war ein wundervoller Mensch und er hatte die Behandlung seiner Eltern nicht verdient und Steve hatte den unvernünftigen Wunsch, ihnen das klar zu machen.
      Die Zeremonie war…standardmäßig. Zumindest, wenn er nach dem ging, was er aus Film und Fernsehen kannte. Thomas’ Tante sah glücklich aus und strahlte in ihrem Kleid und das war die Hauptsache, oder? Steve folgte mechanisch den Bewegungen, die alle um ihn herum ausführten - aufstehen, setzen, aufstehen, setzen - und ließ seinen Blick über die Anwesenden wandern. Bei den meisten meinte er gewisse familiäre Ähnlichkeiten zu erkennen, bei anderen war er sich fast sicher, dass es sich um Freunde des Brautpaares handeln musste. Er hoffte für sie alle, dass die anschließende Feier etwas lebendiger werden würde, als das hier. Er hatte das seltsame Bedürfnis, seine Eltern anzurufen und ihnen zu sagen, wie lieb er sie hatte.

      Nach der Zeremonie leerte sich die Kirche relativ schnell. Ein paar Leute schienen sich vor der Kirche zu versammeln, um das Brautpaar zu sehen, bevor die wohl zur anschließenden Feier weiterfahren würden, andere schienen bereits ihre Autos anzusteuern, oder blieben in kleinen Gruppen zurück, um sich noch zu unterhalten. Steve hielt Thomas auf ihrer Bank ein wenig zurück, bevor sie sich den letzten Leuten auf dem Weg nach draußen anschlossen.
      Die Luft auf dem Kirchenvorplatz war nur minimal frischer, als die in der Kirche, auch, wenn der Februar es wettertechnisch besser mit ihnen meinte, als der Januar. Zumindest hatte es bisher noch keine unerwarteten Schneestürme gegeben.
      Steve griff nach Thomas’ Hand, um ihn in dem kleinen Durcheinander nicht zu verlieren. Thomas schien zumindest ein Ziel vor Augen zu haben.
      "Wie sieht es aus?", fragte Steve, während er seinen Freund einen forschenden Blick zuwarf. Er hatte vor, sie beide irgendwie an die Grenzen ihrer Komfortzonen zu treiben, aber er wollte es nicht auf Thomas' Kosten hin tun. Wenn er sich zu unsicher, oder unwohl fühlte, würden sie umdrehen und gehen. "Wollen wir uns gleich noch anhören, was dein Vater zu sagen hat, oder willst du nach Hause?", fragte er leise, während er Thomas durch die Masse an Anwesenden hindurch folgte.
    • Thomas

      Während der Zeremonie war Thomas gedanklich ziemlich abwesend gewesen. Er hatte vor und zurück überlegt, ob er ein erneutes Streitgespräch mit seinen Eltern riskieren wollte, aber im Endeffekt kam er zu dem Schluss, dass er immernoch lebte und schlimmer als vorhin konnte es bestimmt nicht werden, also sollte er sich davon nicht unterkriegen lassen. Und sich auf Steve herauszureden würde sowieso nicht funktionieren, da dieser Thomas alle Optionen offen ließ. Es hing also an ihm. Und er entschied sich, seiner Tante zu gratulieren und einen neuen Versuch zu starten, Steve jemandem aus seiner Familie vorzustellen. "Wenn es für dich okay ist, könnten wir noch ein bisschen bleiben", antwortete er. Das hieß ja auch nicht, dass sie hier bis spät abends gefesselt waren. Sobald einem von ihnen die Energie ausging konnten sie immernoch nachhause. Thomas würde sich jedenfalls langsam vorarbeiten, was seine Familie anging.

      Christine war Mary insofern ähnlich, dass sie immer ziemlich überschwänglich und leicht aufgedreht war, aber sie unterschied sich von ihr in einem wesentlichen Punkt: Sie war deutlich jugendlicher geblieben. Thomas hatte es schon als Kind immer etwas befremdlich gefunden, wie anders seine beiden Cousins als er und seine Geschwister aufgewachsen waren. Sie hatten etliche Jahre alleine mit ihrer Mutter gelebt und eine eigenartig freundschaftliche Beziehung zu ihr gehabt. Thomas hatte nie etwas gegen seine Mutter gehabt, sie war eben ganz anders als er und es war wohl schwierig, ein völlig introvertiertes Kind mit einer ziemlich extrovertierten und kuschelbedürftigen Mutter zu sein, aber es war für ihn normal gewesen, dass sie sich zwar ständig in sein Leben einmischen wollte, er ihr aber so wenig wie möglich erzählte. Aber die Erfahrung hatten seine Cousins definitiv nicht gemacht und auch wenn man meinen wollte, dass eine so enge Beziehung zu einem Elternteil nicht gut enden konnte, hatten sie heute, mit 25 und 27 Jahren, immernoch ein deutlich besseres Verhältnis zueinander und heute war Thomas ein wenig neidisch. Vielleicht lag es daran, dass sie viel jünger gewesen war, als sie ihr erstes Kind bekommen hatte, aber Christine hatte schon immer so gewirkt, als würde sie ihren Söhnen absolut alles erlauben, solange sie damit glücklich waren, und das kam Thomas mittlerweile garnicht mehr so kritisch vor, wie früher. Sie hatte ja irgendetwas richtig gemacht, denn die beiden wirkten auch ziemlich glücklich.
      Und seine Tante wirkte ziemlich glücklich mit ihrem neuen Ehemann, so wie sie da stand und lächelnd ihre Gäste umarmte. Sie würde schon nicht schlecht reagieren. Das konnte Thomas sich bei ihr kaum vorstellen.

      Er schöpfte ein wenig Mut, nahm Steve wieder an der Hand und lief zu seiner Tante. Sie sah ihn erst im letzten Moment, als irgendwelche ihrer Freunde, vermutlich, sich wieder verabschiedeten und sich auf den Weg zu ihrem Auto machten, um zur nächsten Location zu fahren, auch wenn man von hier aus locker zufuß gehen konnte und sie wohl nur das Haus zuparken würden.
      "Thomas! Deine Begleitung…?", fragte sie mit einem Blick zu Steve. Das Grinsen wich ihr nicht aus dem Gesicht, aber das würde heute wohl auch so bleiben.
      "Ja", sagte er also, lächelte und hing sofort an: "Steve, mein Freund. Dein Kleid ist wirklich schön, Glückwunsch zur Hochzeit noch einmal" Damit ließ er ihr sehr wenig Zeit, um irgendein seltsames Gespräch zu beginnen und sie nahm ihn nur lachend in den Arm, bedankte sich und Thomas gab ihrem Ehemann, den er zum ersten Mal in seinem Leben sah, die Hand. Thomas war nach dem Gespräch mit seinen Eltern fast schockiert, wie unspektakulär diese kurze Konversation war und wie problemlos Christine die neue Information entgegen nahm, aber genau so hatte er es sich gewünscht. Würde er mit seiner neuen Freundin hier aufkreuzen, wäre es ja auch allen völlig egal. Abgesehen von seiner Mutter natürlich, solange die Frau nicht Leona hieß. Aber da hätte sie sich irgendwann dran gewöhnt und auch wenn es bei Steve vielleicht etwas länger dauern würde, hatte Thomas die Hoffnung, dass sie sich auch an ihn gewöhnen würde.
      "Ihr kommt noch zu uns nachhause, oder?", fragte Christine, nachdem sie Steve kurz begrüßt hatte und zupfte dann etwas an ihrem Kleid, dass vielleicht doch in einer leicht optimistischen Größe gekauft worden war. "Ah, ich bin froh, wenn ich mir das andere Kleid anziehen kann", seufzte sie etwas übertrieben und lehnte sich leicht an ihren Mann, als würde sie keine Luft bekommen. "Die Torte krieg ich sonst nicht runter"
      Thomas lachte leicht. "Ja, wir kommen mit"
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