"Der älteste Händler? Du schmeichelst ihm nicht gerade. In zehn Jahren werden mir auch die ersten grauen Haare wachsen, ich hoffe, das ist dir bewusst."
Schmunzelnd sah Zoras auf Kassandra hinab, deren Stute sich stoisch neben Kassadra aufstellte. Kassadra streckte den Kopf zu dem anderen Pferd, stupste es mit den Nüstern an und schüttelte sich dann.
"Bei unserem Reichtum kommen nur alte oder junge in Betracht. Ein mittelalter Händler hätte sich wohl kaum dazu herabgelassen, für drei einzige Silberstücke auch nur die Hand zu heben, ohne nicht wenigstens darum gefeilscht zu haben. Das ist kein Glücksspiel, das ist ein Verzweiflungsakt, den wir hier betreiben."
Trotzdem war er von Kassandras Leichtfertigkeit angesteckt. Das schlimmste, was passieren konnte, war schließlich, dass sie ein paar Tage lang hier herumtrödeln müssten und dann erst weiterziehen würden.
Für den restlichen Tag schien es auch so, als würde genau das in Erfüllung gehen. Der Händler kam nicht wieder und auch sonst niemand, der Ausschau nach den beiden gehalten hätte. Sie lungerten herum, unterhielten sich mit genauso gelangweilten Reisenden, feilschten auch mit Händlern, ohne letztlich etwas zu kaufen. Zoras verfiel in ein Gespräch mit einem Mann, der diesen Blick hatte, diese Art von Resignation, mit der man sein Leben akzeptierte, dass man es gerade so über die Runden schaffte, dass es niemals Ruhm und Ehre für einen geben würde. Der Mann schien denselben Blick auch in Zoras zu sehen, wenn auch auf eine andere Weise, und gravitierte wie selbstverständlich zu ihm hinüber. Sie tauschten Nichtigkeiten aus, wie geizig die Leute heutzutage geworden waren, dass es nicht einmal für Leute wie sie noch anständige Arbeit gäbe, dass jeder erwarte, sie würden aus purer Lebensfreude Arbeiten verrichten wollen. Zoras erzählte ihm gerade von einer Frau, die ihm nur die Hälfte des versprochenen Gehalts zahlen wollte, weil er mit seinem Pferd wohl Hufspuren im Feld hinterlassen hatte, was der andere mit mitfühlend grunzenden Tönen kommentierte, als Kassandra ihn mit einem Mal darauf aufmerksam machte, dass etwas am Tor geschehen war. Da entschuldigte er sich knapp, richtete sich auf und wandte sich dem Tor zu.
Es glich einer kleinen, merkwürdigen Prozession, so wie die Frau dort hervormarschiert kam, der Gang fest und stramm, fast der eines Soldaten würdig, wären da nicht die aufgefächerten Haare, die das Bild ein wenig störten. Hinter ihr drängten drei der Wachen nach vorne, so als wollten sie einen entlaufenen Hund einfangen. Ihr Blick war aber unnachgiebig genug, um zu erkennen, dass sie die einzige war, die eine Leine in der Hand halten könnte.
Allein die Tatsache, dass sich ihr überhaupt Wachen anschlossen, ließ keine Frage übrig, dass sie aus Santras Gibras engerem Kreis stammen musste. In einer größeren Stadt hätte sie genauso gut auch nur eine Adelige sein können, aber Paspatera war nicht groß genug, um unwichtigen Personen den Luxus von Wachen zu gönnen. Nein, diese Frau musste sich irgendwo bei Santras Gibra bewegen. Vielleicht seine Frau, vielleicht seine Schwester. Seine Mutter?
Zoras stieg in jedem Fall von Kassadra ab. Kuluarern mochte der Höhenunterschied vielleicht egal sein, Therissern nicht. Kaum hatte er die Zügel losgelassen, warf Kassadra den Kopf herum, beäugte die nahende Frau mit kritischem Blick und marschierte dann mit einem selbstgefälligen Schnauben in die andere Richtung davon.
Die Frau blieb in einiger Entfernung stehen und sprach mit dem allerersten Satz bereits ihre Meinung zu dieser Zusammenkunft aus. Kassandra quittierte das mit einem spitzen Kommentar, der ihr einen Seitenblick von Zoras einfing. Vorsicht. Sie mochte recht haben, dass sie nicht hier waren, um mit ihrer Anwesenheit ein paar Leute zu bespaßen, aber sie hatten sich auch längst noch keinen Namen in Kuluar gemacht, um mit einer solchen Überzeugung auftreten zu können. Genauso wenig konnte man den Kuluarern, die nichts von Göttern und Champions hielten, ein bisschen mehr Respekt einflößen, indem man sie nur darauf aufmerksam machte, dass genau so jemand anwesend war.
Sie mussten etwas unterwürfiger an die Sache herangehen. Zoras befürchtete schon, dass Kassandra davon nichts hören wollen würde.
"Ich bin Anwärter auf den Titel des Eviads. Man nennt mich Zoras, ähnlich wie den Göttervater."
Er lächelte ihr mechanisch zu, alles einstudiert, und verbeugte sich dann förmlich. Eine Meisterin der Münze war definitiv ein höherer Titel als "bald Eviad, vielleicht aber auch nie", deswegen ging er lieber kein Risiko ein.
Kassandra verbeugte sich nicht und war auch nicht höflich. Als Göttin musste sie das auch nicht, Eviad hin oder her.
"Wir erhoffen uns die Ehre, bei Eurem", Bruder? Mann? Schwager? Sohn? Vater? "Herrn vorstellig zu werden. Wir beabsichtigen, in naher Zukunft ein Land zu regieren. Dafür müssen wir die Leute kennen, die es schon in Teilen regieren."
Er hielt Ghislaine für keine sehr religiöse Frau, auch keine sehr abergläubische oder träumerische. Ghislaine wirkte wie jemand, der einmal zu fest auf dem Boden aufgeschlagen war und verlernt hatte, die Welt durch den Schleier seiner Fantasie zu betrachten. Sie würde sich nicht viel daraus machen, dass es möglicherweise einen richtigen König auf einem richtigen Thron geben konnte, weil ihr das im Hier und Jetzt nicht half. Ziemlich sicher hatte sie auch genug von anderen Träumern, die sich einbildeten, diesen Posten selbst einzunehmen.
"Wir erbitten um ein Wort mit ihm. Wir können etwas über Paspatera lernen, er kann sich davon überzeugen, dass der Rat vom richtigen König abgelöst wird. Meine göttliche Begleitung wird sich sicher bereiterklären, sämtliche Zweifel über ihre friedvolle Anwesenheit aus dem Weg zu räumen."
Schmunzelnd sah Zoras auf Kassandra hinab, deren Stute sich stoisch neben Kassadra aufstellte. Kassadra streckte den Kopf zu dem anderen Pferd, stupste es mit den Nüstern an und schüttelte sich dann.
"Bei unserem Reichtum kommen nur alte oder junge in Betracht. Ein mittelalter Händler hätte sich wohl kaum dazu herabgelassen, für drei einzige Silberstücke auch nur die Hand zu heben, ohne nicht wenigstens darum gefeilscht zu haben. Das ist kein Glücksspiel, das ist ein Verzweiflungsakt, den wir hier betreiben."
Trotzdem war er von Kassandras Leichtfertigkeit angesteckt. Das schlimmste, was passieren konnte, war schließlich, dass sie ein paar Tage lang hier herumtrödeln müssten und dann erst weiterziehen würden.
Für den restlichen Tag schien es auch so, als würde genau das in Erfüllung gehen. Der Händler kam nicht wieder und auch sonst niemand, der Ausschau nach den beiden gehalten hätte. Sie lungerten herum, unterhielten sich mit genauso gelangweilten Reisenden, feilschten auch mit Händlern, ohne letztlich etwas zu kaufen. Zoras verfiel in ein Gespräch mit einem Mann, der diesen Blick hatte, diese Art von Resignation, mit der man sein Leben akzeptierte, dass man es gerade so über die Runden schaffte, dass es niemals Ruhm und Ehre für einen geben würde. Der Mann schien denselben Blick auch in Zoras zu sehen, wenn auch auf eine andere Weise, und gravitierte wie selbstverständlich zu ihm hinüber. Sie tauschten Nichtigkeiten aus, wie geizig die Leute heutzutage geworden waren, dass es nicht einmal für Leute wie sie noch anständige Arbeit gäbe, dass jeder erwarte, sie würden aus purer Lebensfreude Arbeiten verrichten wollen. Zoras erzählte ihm gerade von einer Frau, die ihm nur die Hälfte des versprochenen Gehalts zahlen wollte, weil er mit seinem Pferd wohl Hufspuren im Feld hinterlassen hatte, was der andere mit mitfühlend grunzenden Tönen kommentierte, als Kassandra ihn mit einem Mal darauf aufmerksam machte, dass etwas am Tor geschehen war. Da entschuldigte er sich knapp, richtete sich auf und wandte sich dem Tor zu.
Es glich einer kleinen, merkwürdigen Prozession, so wie die Frau dort hervormarschiert kam, der Gang fest und stramm, fast der eines Soldaten würdig, wären da nicht die aufgefächerten Haare, die das Bild ein wenig störten. Hinter ihr drängten drei der Wachen nach vorne, so als wollten sie einen entlaufenen Hund einfangen. Ihr Blick war aber unnachgiebig genug, um zu erkennen, dass sie die einzige war, die eine Leine in der Hand halten könnte.
Allein die Tatsache, dass sich ihr überhaupt Wachen anschlossen, ließ keine Frage übrig, dass sie aus Santras Gibras engerem Kreis stammen musste. In einer größeren Stadt hätte sie genauso gut auch nur eine Adelige sein können, aber Paspatera war nicht groß genug, um unwichtigen Personen den Luxus von Wachen zu gönnen. Nein, diese Frau musste sich irgendwo bei Santras Gibra bewegen. Vielleicht seine Frau, vielleicht seine Schwester. Seine Mutter?
Zoras stieg in jedem Fall von Kassadra ab. Kuluarern mochte der Höhenunterschied vielleicht egal sein, Therissern nicht. Kaum hatte er die Zügel losgelassen, warf Kassadra den Kopf herum, beäugte die nahende Frau mit kritischem Blick und marschierte dann mit einem selbstgefälligen Schnauben in die andere Richtung davon.
Die Frau blieb in einiger Entfernung stehen und sprach mit dem allerersten Satz bereits ihre Meinung zu dieser Zusammenkunft aus. Kassandra quittierte das mit einem spitzen Kommentar, der ihr einen Seitenblick von Zoras einfing. Vorsicht. Sie mochte recht haben, dass sie nicht hier waren, um mit ihrer Anwesenheit ein paar Leute zu bespaßen, aber sie hatten sich auch längst noch keinen Namen in Kuluar gemacht, um mit einer solchen Überzeugung auftreten zu können. Genauso wenig konnte man den Kuluarern, die nichts von Göttern und Champions hielten, ein bisschen mehr Respekt einflößen, indem man sie nur darauf aufmerksam machte, dass genau so jemand anwesend war.
Sie mussten etwas unterwürfiger an die Sache herangehen. Zoras befürchtete schon, dass Kassandra davon nichts hören wollen würde.
"Ich bin Anwärter auf den Titel des Eviads. Man nennt mich Zoras, ähnlich wie den Göttervater."
Er lächelte ihr mechanisch zu, alles einstudiert, und verbeugte sich dann förmlich. Eine Meisterin der Münze war definitiv ein höherer Titel als "bald Eviad, vielleicht aber auch nie", deswegen ging er lieber kein Risiko ein.
Kassandra verbeugte sich nicht und war auch nicht höflich. Als Göttin musste sie das auch nicht, Eviad hin oder her.
"Wir erhoffen uns die Ehre, bei Eurem", Bruder? Mann? Schwager? Sohn? Vater? "Herrn vorstellig zu werden. Wir beabsichtigen, in naher Zukunft ein Land zu regieren. Dafür müssen wir die Leute kennen, die es schon in Teilen regieren."
Er hielt Ghislaine für keine sehr religiöse Frau, auch keine sehr abergläubische oder träumerische. Ghislaine wirkte wie jemand, der einmal zu fest auf dem Boden aufgeschlagen war und verlernt hatte, die Welt durch den Schleier seiner Fantasie zu betrachten. Sie würde sich nicht viel daraus machen, dass es möglicherweise einen richtigen König auf einem richtigen Thron geben konnte, weil ihr das im Hier und Jetzt nicht half. Ziemlich sicher hatte sie auch genug von anderen Träumern, die sich einbildeten, diesen Posten selbst einzunehmen.
"Wir erbitten um ein Wort mit ihm. Wir können etwas über Paspatera lernen, er kann sich davon überzeugen, dass der Rat vom richtigen König abgelöst wird. Meine göttliche Begleitung wird sich sicher bereiterklären, sämtliche Zweifel über ihre friedvolle Anwesenheit aus dem Weg zu räumen."
