Salvation's Sacrifice [Asuna & Codren]

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    • Wenn Zoras es nicht schon in seinem Bewusstsein gespürt hätte, konnte er es spätestens dann fühlen, als Kassandra sich unter seinem Arm so sehr versteifte, dass sich ihre Muskeln verhärteten. Wahrscheinlich tat er nicht das richtige, Zoras war noch nie besonders talentiert darin gewesen, die richtigen Worte zu finden.
      Aber es fühlte sich richtig an. Und weil es so war, weil es ihm selbst einen gewissen Komfort brachte zu wissen, dass niemand sie sehen konnte, dass sie für einen Moment nicht gezwungen waren irgendeine Farce aufrecht zu erhalten, dass sie keinen anderen Vorteil aus der Umarmung schlossen als den gegenseitigen Gedanken zu helfen die sie plagten, behielt er sie an sich gedrückt, um ihnen beiden Halt zu geben.
      Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort, um die richtigen Worte zu finden. Währenddessen versuchte er seine eigenen Emotionen zu kontrollieren, damit etwas davon auf Kassandra überfärben würde. Er konzentrierte sich auf ihre zierliche Gestalt unter seinen Armen, auf das weiche, leicht ergraute Haar unter seinem Kinn, auf die Wärme, die sie wie natürlich ausstrahlte. Er konzentrierte sich auf die Stille die sie umgab und die Abgeschiedenheit. Keine Soldaten die sie angafften, keine Zivilisten die nach ihnen riefen, keine Verpflichtungen deren Aufmerksamkeit es bedarf. Sitzen und atmen. Die Ruhe genießen.
      "Hast du mir nicht mal erzählt, dass Götter sich auch fürchten können? Vor der Vergänglichkeit?", setzte er schließlich vorsichtig an, noch immer unsicher darüber, ob er die Sache richtig anging. "Haben sie dann nicht dieselben Emotionen wie wir? Können sie dann nicht auch Todesangst haben und Wut und Trauer und alles, was ein Mensch vor seinem Tod fühlt? Kannst du es nicht fühlen?"
    • Schon immer war es Kassandra egal gewesen, wie die Menschen sie ansahen, welche Beziehungen und Verwobenheiten man ihr nachsagte. Ob man sie als Werkzeug oder als Gottheit betrachtete, sie verabscheute oder einen Kult um sie herum aufbaute. Folglich nahm sie diese ungeteilte Zweisamkeit mit Zoras gar nicht als solche wahr bis ihre Essenz ihr die Erkenntnis über ihren Träger brachte. Ganz allmählich wurde ihr Blick etwas weniger gehetzt während die Ruhe, die allmählich über Zoras hereinbrach, bis zu ihr reichte und sie umhüllte. In dieser Zweisamkeit lauschten sie beide den Atemzügen des jeweils anderen und wenn er feinfühlig genug war würde er spüren können, dass sich ihre Muskeln nicht mehr ganz wie Stein anfühlten.
      "Sie haben das fürchten gelernt seitdem sie auf der Erde gefangen waren. Ein Gotteswesen, das nie auf die Erde herabgestiegen ist, kennt diese Vergänglichkeit nicht. Die Angst, aus dem Sein zu schwinden. Das lernten sie erst seitdem sie unter euch wandelten."
      Automatisch musste sie an ihre Artgenossen zurückdenken, die noch in der Himmelsriege verweilten. Keiner von ihnen war jemals zu Menschen herabgestiegen und kannten deren Emotionen. Alles, was Phönixe darstellten, waren arrogante, eitle Wesen, die sich zu schön waren ihren ewigen Zyklus der Wiedergeburt zu riskieren. Nur wusste dies einzig und allein Kassandra.
      "Wir.... ich bin nicht darauf ausgelegt, Emotionen wie ihr Menschen zu fühlen. Das wäre fatal, wenn wir mit unseren Mächten so leicht von Hass und Gier wie ihr zerfressen werden könnten. Die Himmelsriege wäre ein ständiges Schlachtfeld, wenn dem so wäre. Jeder wäre neidisch auf die Gabe eines anderen, weißt du?..."
      Wieder enstand eine Pause zwischen ihnen während Kassandras Hand langsam zu ihrer Brust ging und sich ihre Finger tief in den Stoff gruben. Sie packte so fest zu, dass ihre Knöchel hervortraten, ungesehen und unbemerkt.
      "Ganz davon zu schweigen, dass ich denke, die wenigsten Götter sind so kurzsichtig wie ich."
      Sie sprach diesen Satz aus, als hätte er eine immense Bedeutung, die sich Zoras allerdings noch überhaupt nicht erschloss. Im vollen Bewusstsein dessen setzte die Phönixin direkt hinterher.
      "Du weißt nichts davon, wie Champions entstehen, richtig? Ausgelsöt durch verschiedene Motive stiegen die Götterwesen vom Himmel herab und zeigten sich ausgewählten Menschen. Durch Versprechungen, Verlockungen oder manchmal auch nur die Aussicht auf etwas Unterhaltung gingen die Götter Pakte mit den Menschen ein, die sie in den Dienst der Menschen stellten. Man gab bewusst einen Teil seines Selbst, seine Essenz, konvertiert in einen Gegenstand, an einen Menschen weiter und erzeugte somit einen Bund, der sich später als Sklavenbund herausstellte. Eitel wie die meisten Götter waren bemerkten sie es nicht bei der Spitzzüngigkeit der Menschen und schon fanden sie sich in einem Chaos auf Erden wieder. All diese Götter gaben einen Teil von sich, etwas Ungreifbares wie ein Fragment der Seele. Aber bei mir war es anders."
      Immer mehr von ihrer Anspannung löste sich aus ihren Muskeln bis es schließlich so wirkte, als sei Kassandra in ihrer Gänze einfach eingefallen. Als ergäbe sie sich ihrem Schicksal und akzeptierte, wo sie sich gerade befand.
      "Mein Amulett ist keine gewöhnliche Essenz. Es ist mein Herz, nicht nur symbolisch betrachtet. Ich hatte mich einst in einen Menschen verliebt und ihm meine Zuneigung geschworen. Als Zeichen schenkte ich ihm mein Herz, auf das wir immer wussten, was der andere fühlte und was er dachte. Nach meinem Wissensstand gibt es keinen anderen Gott, der sein Herz einem Menschen schenkte. Sicher, es entstanden Halbgöttern aus Liebschaften, aber nicht einer gab sein höchstes Gut, sein Herz dafür. Deswegen vermute ich, dass niemand außer mir in der Lage ist, mit den Menschen so mitzufühlen, wie ich es muss."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Zoras streichelte weiter über Kassandras Schulter, ganz fein, ganz vorsichtig nur, für sich selbst und für Kassandra. Er konzentrierte sich auf die Wärme, die sie ausstrahlte und die ihn wie ein beinahe schützender Schleier umgab. Er war sich sicher, dass Teil der Ruhe daher kam, dass Kassandras Wärme seine Gedanken umnebelte. Nichts hätte diese Ruhe stören können, solange er das spürte.
      Die bildliche Vorstellung davon, dass die Götter sich im Himmel anfeinden könnten, wegen Neid oder Hass oder Gier, ließ Zoras schmunzeln. Es war tatsächlich ein äußerst merkwürdiger Gedanke und viel zu menschlich, um realistisch zu sein. Wo wäre dann noch die Grenze zwischen beiden, wenn die Götter sich so benahmen wie die Menschen? Wären sie dann nicht ein und dasselbe, nur dass die eine Seite unsterblich und allmächtig und die andere Seite kurzweilig und fehlerhaft war? Das würde kaum lange Bestand haben, das sah auch Zoras ein.
      "Ich verstehe."
      Er blickte auf Kassandra hinab, während sie weitersprach, ihr Haarschopf dicht an seinem Hals. Es war schwerlich vorzustellen, dass Kassandra keine Emotionen empfand. Oder nicht dieselben? Wo wäre der Unterschied? Sie konnte wütend sein, das hatte er schon bemerkt, und besorgt und sie konnte bedauern. Sicherlich konnte sie auch glücklich sein. Konnte sie lieben?
      Die letzte Frage beantwortete sie ihm ungewollt selbst und während sie in ihrer Erzählung versank, spürte Zoras endlich, wie sich ihre Muskeln entkrampften und sie sich ein Stück weit gegen ihn lehnte. Er drückte sie ein wenig fester an sich, wie um ihr zu zeigen, dass es okay war, dann fuhr er mit seiner vorsichtigen Handbewegung fort. Währenddessen stellte er sich vor, wie Kassandra einst vor Jahrtausenden ihr Herz überreichte an einen namenlosen und gesichtslosen Menschen, der in Zoras' Vorstellung nicht mehr Bestand hatte als alle anderen Menschen, von denen Kassandra jemals erzählt hatte. Aber natürlich war es für sie etwas anderes. Es wäre respektlos gewesen zu behaupten, dieser eine Mensch hätte so wenig Bedeutung wie alle anderen.
      "Das tut mir leid. …Wie war er so, als Mensch meine ich? Vermisst du ihn?"
      Vielleicht erinnerte sie sich gar nicht mehr. Eine Begegnung vor so langer Zeit konnte leicht durch sämtliche anderen Ereignisse überschattet werden.
      "... Bereust du deine Tat?"
    • Vielleicht war Kassandra über die lange Zeit ihrer Knechtschaft einfach ein Stückweit verweichlicht. Jedenfalls ertappte sie sich selbst dabei, dass sie sich nicht gegen das sanfte Streicheln an ihrer Schulter erwehrte, noch dem leicht erhöhten Druck etwas entgegensetzte. Vor langer Zeit hätte sie nicht einmal einen Menschen berührt, der nicht der ursprüngliche Empfänger ihres Herzens war.
      "Keiner von uns hätte mit diesem Ausgang gerechnet, also nein, ich bereue es nicht in diesem Sinne. Shukran wollte mir an seinem Sterbebett mein Herz zurückgeben aber das kam so nie zustande. Es liegt schon so lange zurück... Da kann ich ihn nicht mehr vermissen", sagte Kassandra leise, ihre Stimme eine Mischung aus warmer Erinnerung und bitterer Tragik.
      "Er war der Sohn eines Baumeisters aus längst vergangener Kultur. Ich habe ihn das erste Mal gesehen mit fünfzehn Jahren, wo er einen eigenständigen kleinen Altar errichtet hatte. Jahrelang habe ich ihn immer wieder beobachtet bis er mich eines Tages am Himmel erblickte und der Erste war, der mich nicht als eine Fata Morgana betrachtet hatte. Er folgte mir auf einen Berg, auf dem ich rastete und erschien ihm als eine unbekannte Gottheit, einzig und allein für ihn bestimmt. Sechs Jahre lang brachte er mir Gaben und hielt daran fest, dass seine wahre Gottheit auf eben jenem Berge hauste. Von fernab beobachtete ich ihn weiter, sah ihn zum Baumeister werden. Er war ein so gutherziger Mann, der die Gewalt verabscheute und versuchte, seine Bauten ohne die Sklaventreiberei zu vollenden. Es waren schwierige Zeiten damals, wie er mir sagte..."
      Unterdessen hatte sich ihre Hand an ihrer Brust entspannt und war auf ihren Schoß hinab gesunken. Ihre Lider waren nur noch halb geöffnet, den Blick in einer längst vergangenen Erinnerung verloren.
      "Irgendwann beschloss ich, dass er mir die Menschen näher bringen sollte als ich es von oben herab konnte. Ich zeigte mich ihm in meiner menschlichen Erscheinung und ließ mich in seine Stadt führen. Er zeigte mir die Art, wie sein Volk lebte. Welche Bräuche sie hatten, welche Bauten sie errichteten und wie sie miteinander umgingen. Shukran war gütig, zuvorkommend aber selbstbestimmt und ließ sich nie etwas einreden. Es war die schönste Zeit, die ich auf Erden hatte. Bis der damalige Halijab, deren König, bekam Kenntnis davon, dass sich einer seiner Baumeister mit einer Gottheit einließ und forderte ihn auf, mich an ihn zu überstellen. Er tat es nicht und als ich eines Tages zu ihm zurück kam lag Shukran tot in dem Altarraum, den er einst für mich gebaut hatte. Vergiftet. So kam der erste Herrscher an mein Amulett."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Zoras schwieg, während er Kassandras Erzählung lauschte. Er wusste nicht, was er von ihrer ersten Begegnung mit einem Menschen erwartet hätte, aber es so nüchtern aus ihrem Mund zu hören, hatte beinahe menschliche Charakterzüge. Er konnte sich Kassandra schon beinahe vorstellen, eine jüngere Version von ihr, höchstwahrscheinlich auch noch eine naivere, unschuldigere, unverdorbene Version, die sich aus reiner Neugier und Zuneigung mit einem Menschen einließ. Und jetzt war sie noch immer hier, Jahrtausende später, und wurde noch immer von einem Herrscher dem nächsten überreicht, wie eine merkwürdige Trophäe, die nur dem mächtigsten zustand. Sie hatte vermutlich schon Paläste, Schlösser, Königshäuser auf der ganzen Welt besucht, so wie sie es auch hier in Theriss tat. Und auf der ganzen Welt, so wie auch in Theriss, wurde sie entweder als Schmuckstück vorgeführt oder ihre Kräfte wurden dafür verwendet, um den Willen ihrer Träger durchzusetzen.
      Was machte da Theriss anders als all die anderen Länder und Zeiten? Gar nichts. Zoras war sich darüber schon im Klaren gewesen, dass sein Dilemma nichts neues für Kassandra war, aber so langsam begriff er erst die Reichweite, die dahinter steckte. Sie hatte, wortwörtlich, schon alles erlebt. Dutzende Male, immer wieder aufs Neue. Menschen würden wohl kaum aus ihren Fehlern lernen, auch wenn sie sie mehrfach begannen.
      In Anbetracht dieser Tatsache sagte er für einen Moment gar nichts und hielt sie lediglich weiter fest. Es hätte vermutlich keine Worte gegeben, die sie nicht auch schon gehört hatte, keine Versprechen, die ihr nicht schon geliefert worden waren. Also hielt er sie nur. Vielleicht war es eine äußerst menschliche Geste, aber Zoras versuchte sie so angenehm umzusetzen, wie es nur möglich war.
      Schließlich murmelte er:
      "Shukran war sicherlich ein guter Mann, ein besserer Mann als die meisten seiner Artgenossen. Du hast dich bei ihm bestimmt wohl gefühlt. Du solltest es nicht bereuen, heruntergekommen zu sein, es war eine damals richtige Entscheidung."
      Er hielt sie noch einen Moment weiter, dann löste er die Arme vorsichtig von ihr und wartete darauf, dass sie sich aufrecht hinsetzte, damit er ihr in die Augen sehen konnte. Sobald sie seine Brust verlassen hatte, hinterließ sie dort eine spürbar kalte Stelle.
      "Ich kann mir vermutlich nichtmal ansatzweise vorstellen, wie viel du seitdem durchgemacht hast und wie vieles sich davon wiederholt hat, auch hier in Theriss, hier bei mir. Ich glaube, ich verstehe auch langsam, weshalb du meinen Worten keinen Glauben schenkst, es werden sicherlich auch nicht die ersten sein, die in dieser Weise gesprochen und gebrochen wurden. Ich wünschte, ich könnte etwas anderes tun als sie zu sprechen, aber dafür sind meine bescheidenen, menschlichen Fähigkeiten überfragt."
      Er lächelte ein bisschen, aber nicht genug, dass es seine Augen erreicht hätte.
      "Ich werde dafür sorgen, dass es dir bei uns gut gehen wird. Du bist keine Sklavin, nicht für mich, nicht für sonst jemanden - zumindest solange wir zusammen sind. Das ist auch nicht viel mehr als ein Versprechen, aber ich bin zumindest schon daran es umzusetzen."
      Er überwand sich dazu einen weiteren Schritt zu wagen und ergriff Kassandras Hand, wenn auch nur leicht.
      "Ich werde dir deine Essenz übergeben, bevor ich sterbe. Natürlich könnte ich es nicht verhindern, wenn es unverhofft anders kommt, aber ich bin auch kein Baumeister. Es ist ziemlich schwierig, einen Herzog und Heerführer außerhalb einer Schlacht umzubringen, wie du sicherlich weißt."
      Sein Lächeln vergrößerte sich, bis es doch seine Augen erreicht hatte und die Lachtfalten entstehen ließ. Damit musterte er Kassandra für einen Moment und drückte ihre Hand.
      "Gibt es denn etwas, was deinen Aufenthalt hier auf der Erde verbessern könnte?"
    • Es breitete sich wieder eine Stille zwischen den Beiden aus, die unter anderen Umständen als seltsam empfunden werden konnte. Doch jetzt gerade war es einfach nur ein Zustand, ohne Vorurteile behaftet. Sie lauschte einfach weiter ihren gleichmäßigen Atemzügen und die Art, wie Zoras ihre Schulter berührte. Ein winziger, verschwindend geringer Teil in ihr wagte sogar zu behaupten, dass sie diese Berührung genoß. Denn es war eine, die man ihr über die Jahrhunderte lang verwehrt hatte. Man hatte ihr Gewalt angetan, sich an ihr vergangen. Nicht eine einzige Berührung trug auch nur im Ansatz diese Güte wie es die Streicheleinheiten des Herzogs taten.
      Dann verschwand plötzlich das Gewicht um Kassandras Schultern und sie bemerkte viel zu spät, dass Zoras sie freigegeben hatte. Ein klein wenig bestürtzt richtete sich die Phönixin wieder auf und brauchte einen Moment, ehe sie ihre entglittenen Gesichtszüge wieder unter Kontrolle hatte und sie sich die Haare aus dem Gesicht strich.
      Tatsächlich glaubte sie ihm seine Bemühungen, sich von seinen Vorgängern abzuheben. Dass er mehr in seine Worte, seine Versprechen, legte als seine Vorgänger. Selbst wenn sie sich darauf verließ, war die Sorge trotzdem allgegenwertig und omnipräsent. Als würde sie durch das Packeis brechen und ins Eiswasser stürzen, sollte sie einen falschen Schritt wagen. Sie quittierte seine Worte mit einem müden Lächeln, das wie sein eigenes ihre Augen vorerst nicht erreichte. Ihre Augen schossen jedoch zu ihrer Hand, kaum hatte Zoras sie berührt.
      "Mach mir keine unnötigen Hoffnungen", wies sie ihn an, beließ ihre Hand jedoch wo sie war. "Ich glaube dir, dass du dein Möglichstes versuchst. Dass du den Bund nicht ausnutzen wirst so wie du auch dein Versprechen im Palast gehalten hast. Aber es gibt nichts, was meinen Aufenthalt verbessern könnte. Nichts, was in der Macht liegt außer mir mein Herzu zurückzugeben. Und das wird auch gut so sein."
      Denn dann wäre er in der Lage, einen der ihren auf die Erde zu binden. Tief in ihrem Herzen wollte sie nicht mehr allein sein und das Wissen, dass Menschen viel zu kurz für ihre Lebensspanne lebten machte er ihr fast unmöglich, Bindungen einzugehen. Zu gern hätte sie erfahren, wie es den anderen Phönixen ergangen war. Ob sie von ihrem Logenplatz auf sie hernieder starrten und lachten bei all dem Leid, das sie durchlebte.
      Seufzend zog Kassandra ihre Hand aus Zoras' zurück und erwiderte sein Lächeln, wenn auch etwas müder. "Vielleicht sind wir alle auch etwas erschlagen von der überstürzten Flucht. Vielleicht sollten wir einfach schauen, wie es morgen weitergeht, nicht?"
      Ruhig wartete sie bis Zoras sich erhoben hatte, damit sie sich unter ihre Decke schieben konnte. Ihre Glieder brannten noch immer und ihr Rücken forderte seine wohlverdiente Ruhe. Sie drehte sich auf die Seite, den Rücken zu Zoras gewandt.
      Kassandra war alles andere als schwach. Sie war lediglich zu müde um weiter zu disskutieren.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Sicher. Wir sehen morgen, wie es weitergeht."
      Kassandra entzog Zoras ihre Hand und er kam ihrer unausgesprochenen Aufforderung nach und stand auf. Nachdem er noch einmal auf sie hinab gesehen hatte, als sie bereits die Decke über sich gezogen und sich von ihm weggedreht hatte, ging er auch zu einem Bett. Sie waren erschlagen, das war wohl eine gute Beschreibung der Ereignisse der letzten Tage. Er musste gestehen, dass er selbst nichts anderes wollte als bis in den Mittag hinein zu schlafen.
      "Drei oder vier Tage noch, dann sind wir da."
      Er sah noch einmal zu Kassandra zurück, die ihm allerdings schon keine Antwort mehr lieferte. Dann schälte er sich aus seiner Uniform und ging selbst zu Bett.

      In dieser Nacht träumte er zum ersten Mal von Feris.
      Zoras war nie ein besonders tiefer Schläfer gewesen, er wachte leicht auf und schlief dann gerne mal nicht mehr ein. Er war auch kein besonders ruhiger Schläfer und er träumte nicht viel. Umso kürzer waren seine Träume, wenn er sie denn mal hatte, und umso abstrakter waren sie.
      Aber nicht in dieser Nacht. In dieser Nacht hatte er einen langen Traum.

      Er stand im kleinen Thronsaal, aber der Saal war riesig. Das Licht, das keine richtige Quelle hatte, erleuchtete die Mitte des Saales, den Platz auf dem er stand und den Thron, aber es war nicht stark genug, um bis zu den Wänden zu reichen oder bis zu der hoch gelegenen Decke. Der restliche, dunkle Teil des Saales war vollständig in Schatten getaucht und Zoras war sich sicher, dass diese Schatten ihn beobachteten.
      Er blickte die Stufen hinauf zum Thron, ein halb verdunkelter Klotz auf der Empore, ein merkwürdig leeres Möbelstück, alt und schwer und riesig. Der Thron musste leer sein, aber er war auch nicht ganz leer. Wenn man sich hätte hineinsetzen wollen, hätte man bemerkt, dass dort etwas war, das zwar keinen Bestand hatte, aber das doch anwesend war, wie die Schatten, in denen unsichtbare Augen das Geschehen verfolgten. Der Thron war leer, aber er war es auch nicht und das war falsch.
      Feris saß auf den Stufen davor. Er saß nicht aufrecht, sondern wirkte so, als seie er rückwärts die Treppe hochgefallen und würde sich mit seiner ganzen Kraft festhalten, um nicht noch weiter zu fallen. Er lag auf dem Rücken, die Glieder von sich gestreckt, gekleidet in eine braune Reiteruniform. Zoras hatte sie ihm mal schneidern lassen, aber er war niemals ein sehr guter Reiter gewesen.
      “Feris”, sagte er und der Junge zuckte zusammen. “Komm da runter.”
      Die Augen des Jungen weiteten sich, als hätte er Zoras eben erst gesehen. Sie waren überrascht, aber hauptsächlich waren sie erschrocken, entsetzt sogar. Ein tiefes Grauen schlummerte in ihnen, das Zoras selbst beunruhigte, wie der Warnruf eines Tieres, das alle in seiner Umgebung zur Flucht drängte. Er sah sich um, aber bis auf ihnen beiden war niemand anwesend. Vielleicht war etwas in den Schatten, aber wenn Zoras es nicht sehen konnte, konnte Feris es auch nicht sehen.
      “Feris.”
      Er machte einen Schritt auf die Stufen zu und Feris zuckte erneut, jetzt sichtlich erschrocken, panisch, ängstlich. Seine Augen weiteten sich mehr, wurden größer, nahezu riesig und es lag eine solch instinktive Furcht in ihnen, dass Zoras selbst nervös wurde. Was sah er, was Zoras nicht sehen konnte? Er drehte sich erneut um, aber da war nichts, nur sie beide.
      “Feris.”
      Diesmal schien der Junge aus seiner Starre zu brechen und er gab einen absonderlichen Laut von sich, als er sich umständlich auf den Bauch drehte und zwei Stufen weiter nach oben kletterte, ungeschickt in den Bewegungen seiner schlacksigen Arme und Beine. Zoras trat noch näher heran, bis er vor der ersten Stufe stand. Er konnte nicht hinaufgehen, das wusste er, denn es waren nicht seine Stufen.
      “Feris! Komm sofort da runter!”
      “Nein!”
      Die Stimme des Jungen war schrill und so voller Panik, dass sie brach. Jetzt bekam Zoras es selbst mit der Angst zu tun. Vielleicht sollte er nach oben gehen um herauszufinden, wovor Feris sich so fürchtete. Vielleicht musste er sich selbst davor retten.
      “Jetzt sofort!”
      Feris fing an zu weinen. Es war kein trauerndes Weinen, sondern ein von Panik durchsetztes Jaulen, das ihm aus der Kehle brach. Es drang Zoras bis ins Mark ein und er griff nach seinem Schwert, um sich zu stellen, was auch immer Feris so in Panik versetzte. Er zog die Waffe heraus und als das feine Schaben der Klinge ertönte - viel zu laut in dem eigentlich kleinen, aber doch großen Saal - drehte Feris sich zu ihm um und kreischte, laut und schrill und unmenschlich. Es war ein hässlicher Laut, schien gar nicht aus Feris’ Kehle kommen zu können, auch wenn er den Mund weit aufgerissen hatte, die Augen noch größer und unablässig auf Zoras gerichtet.
      Panik überfiel Zoras. Er wusste, dass er nicht dort unten bleiben konnte, wo die Schatten so nahe waren, dass sie ihn fast verschlingen könnten, aber er konnte auch nicht die Stufen hinaufgehen. Feris musste herunterkommen und ihm sagen, was es war, das ihn so verängstigte.
      “Feris!”
      Das Kreischen wurde lauter, hämmerte in seinen Ohren, verweigerte ihm seinen Gehörsinn. Es versetzte ihn in absolute, tiefsitzende Panik, so unmenschlich wie es klang, so unnachgiebig, wie es aus Feris Brust drang. Es war laut und es war allesergreifend und Zoras war alleine vor den Stufen und er konnte nicht zu Feris, weil die Stufen nicht ihm gehörten. Der Mund des Jungen war so weit aufgesperrt, dass sein Kiefer ausgerenkt sein müsste und die Augen quollen ihm so sehr aus den Höhlen, dass es aussah, als würden sie gleich herausfallen. Zoras rief noch einmal, diesmal mit der Bitte, dass er aufhören wolle, dass er still sein sollte, dass er zu laut war. Und während er versuchte diesem Geräusch zu widerstehen und Feris zu ihm herunter zu locken und sich nicht von den Schatten niederstarren zu lassen, die ihn zweifellos beobachteten, erkannte er mit plötzlicher Klarheit dass er es war, vor dem sich Feris so fürchtete, seine hochaufragende Gestalt am Fuß der Stufen, die ihr langes Schwert gezückt und auf ihn gerichtet hatte, die nach seinem Kopf verlangte, immer und immer wieder, während das Licht im Saal sie selbst in die dunkelsten Schatten tauchte.

      Als er hochschreckte, hatte er für viele, furchtbare Sekunden die Gewissheit, noch immer im Saal zu sein und von den Schatten verschlungen worden zu sein, die sich ausgedehnt und ihn ergriffen hätten. Es dauerte weitere, rasende Herzschläge lang, bis er realisierte wo er war und dass er weit entfernt von irgendeinem Thronsaal und Schatten war. Es roch nach Holz, Heu und dem fernen Abendessen und im anderen Bett konnte er die schemenhafte Gestalt von Kassandra ausmachen, die durch kaum mehr als das Mondlicht beschienen wurde. Langsam, sehr langsam fand er zurück in die Realität.
      Er starrte Kassandra für einen Moment an, verwundert darüber, dass er nicht alleine war beim Aufwachen, bis ihm auch wieder einfiel, dass sie in sein Zimmer eingezogen war. Da fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht, rieb sich über die glühend heiße Stirn und wartete darauf, dass sein Herzschlag sich beruhigte, bevor er sich wieder hinlegte, an die dunkle Decke starrte, bis die Dunkelheit erdrückend und bedrohlich auf ihn wirkte und schließlich wieder die Augen schloss.
    • Götter träumten nicht.
      Diese Erkenntnis erlangte Kassandra erst nach Jahren der Überprüfung. In der Himmelsriege schliefen die Götter niemals, schließlich waren sie nicht an weltliche Bedürfnisse gebunden wie Hunger oder Müdigkeit. Doch auf der Erde, gebannt in eine fleischliche Hülle, erfuhr die Phönixin bald, dass solche Bedürfnisse sie nun bedingt auch trafen. Eine Ausnahme hierbei bildete jedoch der Schlaf. Ihr Körper, ihr Geist, musste sich regenerieren, aber nicht ein einziges Mal träumte sie etwas dabei. Jede Nacht war umgeben von Schwärze, die sie schluckte und Stunden später wieder ausspuckte.
      Folglich schwebte Kassandra wieder in diesem allumfassenden Nichts ehe ein Gefühl sie wie ein Blitzschlag traf. Es war Panik, die nicht zu ihr gehörte, sich aber in ihr festsetzte als sei es ihr höchsteigenes Gefühl. Das reichte, damit ihr Körper ihre Augen aufriss und sie sich in ihrer eingerollten Haltung auf die andere Seite drehte. In der Dunkelheit konnte sie nur Schemen ausmachen, wusste ungefähr, wo sich Zoras befinden musste. Binnen Sekunden schickte sie einen Impuls durch den Raum, um mögliche Anwesende zu finden. Aber der Raum war völlig leer bis auf sie und ihren Träger.
      Dann plötzlich schreckte Zoras in seinem Bett hoch und hätte fast dafür gesorgt, dass sie es ihm gleichgetan hätte. Doch sie verweilte in ihrer bewegungslosen Haltung und beobachtete nur. Selbst über diese Distanz hatte sie das Gefühl, sein Herz rasen zu hören. Sie war sich sicher, dass er zu ihr einmal mindestens herüber sah und sich aus seinem Alptraum befreien musste. Oft genug hatte die Phönixin dieses Verhalten bei Menschen beobachten können und war jedes Mal aufs Neue erstaunt darüber, welche Streiche einem der Geist spielen mochte. Schließlich sank er wieder zurück, das Bett knarzte ein wenig und sie wartete weiter ab bis er sich endgültig nicht mehr bewegte. Aber die Unruhe war immer noch da, bewies überdeutlich, dass er alles andere als wieder eingeschlafen war.
      So auf die Seite gerollt, den Blick noch immer auf Zoras gerichtet, verweilte sie etliche Minuten ohne eine Veränderung seitens ihrer oder seiner. Bald war sie sich sicher, dass er so niemals wieder in den Schlaf finden würde.
      Bedächtig atmete Kassandra einmal tief durch. Dann machte sich ein anderer Laut in dem Zimmer bemerkbar, leise und so zart wie die Blütenblätter der Obstbäume im Frühling. Ganz leise hatte sie angefangen zu summen, ein fremdartiges Lied, das man in diesen Breiten mit Sicherheit noch nie gehört hatte. Es stammte aus Zeiten, die die Zeitrechnung dieser Menschen nicht kannte und war der letzte Zeitzeuge einer längst vergangenen Kultur. Ein nuliubdanisches Schlaflied, das Shukran ihr einst sang.
      Irgendwann wechselte das leise, ruhige Summen als Kassandra eine Strophe des Liedes mit Worten in der Sprache sang, die auch Zoras verstand. Sie spürte bereits, dass sich seine Unruhe auszugleichen schien mit jedem weiteren Herzschlag und jeder weiteren Note, die über ihre Lippen kam.
      "Der Wind wird uns tragen
      Und uns're Sorgen über's Meer verwehen
      Der Wind wird uns tragen
      Es kommt der Tag, an dem wir bess're Zeiten sehen.


      Ich sing' das Lied
      So wie es einst mein Vater sang
      Die Melodie
      Sie erklingt ein Leben lang
      In uns'ren Herzen
      Wohnen Osten und der Westen"
      Kassandra endete mit ihrem Lied als sie fühlte, wie sich Zoras wieder merklich entspannt hatte. Erst dann drehte sie sich selbst in ihrem Bett herum und kümmerte sich darum, selbst wieder in den Schlaf zu finden.


      Sie erwachte erst Stunden später aus einem ebenso ereignislosen Schlaf. Träge drehte sie sich auf die Seite und ließ das Morgenlicht ihren Tag beginnen. Sie blinzelte ein paar Mal ehe sie richtig schauen konnte und feststellen musste, dass Zoras nicht mehr in seinem Bett war. Verschwunden mitsam ihrem Herzen. Doch sie konnte es in nicht allzu weiter Ferne orten und ließ sich nicht von jedweder Panik erfassen. Stattdessen machte sie sich soweit fertig, dass sie angemessen aussah und sie sich auf den nächsten Abschnitt ihrer Reise begeben konnten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Zoras hätte die ganze Nacht noch wach liegen können, dessen war er sich vollkommen sicher. Es wäre nicht das erste und ganz sicher nicht das letzte Mal, dass er in der Dunkelheit lag, völlig erschöpft und gleichzeitig hellwach und darauf wartete, dass der Schlaf ihn übermannte. Es war nicht einmal so, dass es viele Gedanken gegeben hätte, die ihn wach hielten und beschäftigten, eigentlich war sein Kopf sogar ziemlich leer - bis auf die Erinnerung an den Traum. Aber das machte die ganze Sache vielleicht sogar noch unerträglicher, der Zwang ruhig zu liegen, an nichts zu denken, sich zu entspannen und zu warten, immerzu zu warten - entweder auf den Sonnenaufgang oder auf den Schlaf, was auch immer zuerst kommen sollte. Er lag und er wartete und wenn er die Augen aufmachte, war es nur noch schlimmer, also ließ er sie geschlossen.
      Schließlich drang ein Geräusch an seine Ohren, so leise wie ein Flüstern und so zart, dass er es im ersten Moment gar nicht als ein wirkliches Geräusch wahrnahm, sondern als Einbildung seiner Sinne, vielleicht ein erstes Anzeichen dafür, dass er doch langsam wieder einschlief. Als er die Augen allerdings öffnete und zweifellos feststellte, dass er weit entfernt von irgendeinem Schlaf war, erkannte er, dass es Musik war.
      Selbst mit dieser Erkenntnis war es für viele Sekunden schwer, die Töne als solche zu identifizieren, denn sie waren so sanft, so unglaublich zart, als ob sie Teil der Dunkelheit waren, wie ein warmer Schleier, der ihn umhüllte und einlullte. Er bemerkte erst einen Moment später, dass sie von Kassandra kamen.
      Als er seinen Kopf zu ihr drehte, setzte sie erst zu singen an. Er kannte die Sprache nicht, geschweige denn konnte er ihre Wörter verstehen, aber sie ergänzten die Melodie auf eine solch vollkommene Art, als wäre sie allein für diese Wörter geschaffen worden und für nichts anderes. Sie sang noch immer sehr leise, gerade so laut, dass Zoras es hören konnte, wenn er sich nicht unnötigerweise bewegte, aber es war trotzdem ausreichend für diesen Raum, für diesen Augenblick. Ihre Stimme war ungewohnt weich, als wäre sämtliche Kraft des Tages aus ihr heraus geflossen und stattdessen durch eine ewige Sanftmut ersetzt, mit der sie von einer Geschichte sang, die Zoras weder verstand, noch deren Ursprung er begreifen konnte. Sie sang aus einer ihm unbekannten Ära und als sie in seine Sprache überwechselte, haftete ihr noch immer eine unsichtbare Weite an. Ihre Stimme umschmeichelte ihn und irgendwie wusste er, dass sie nur für ihn sang, dass dieses Lied niemals dazu bestimmt war, diesen Raum zu verlassen, geschweige denn von irgendeinem anderen Lebewesen als ihnen beiden gehört zu werden. Vielleicht auch nicht von den Göttern. Kassandra sang und ihre Töne waren allein für seine Ohren bestimmt.
      Als er langsam abdriftete, ungewollt weil er das Ende hören wollte, weil er Kassandra bitten wollte noch einmal von vorne anzufangen, weil dieser Moment zwischen ihnen niemals aufhören sollte, weil er wusste, solange Kassandra sang würde der Morgen nicht kommen und würde sie nicht zurück in die Realität holen, verklang ihr Gesang nach und nach wieder und verendete schließlich. Er dachte daran etwas zu sagen, sie vielleicht nach dem Lied zu fragen oder ob sie genauso wenig schlafen konnte wie er, aber die Stille, die hinterher einsetzte, war so brüchig dass er Angst hatte, mit seinen Worten den letzten Nachklang ihrer Stimme zu vernichten. Also sagte er gar nichts, lag unbewegt und atmete flach und während er einschlief, dachte er noch immer an Kassandras Lied und nicht mehr an dunkle Säle und falsche Throne.

      Der Morgen kam unbarmherzig und riss Zoras aus dem letzten Bisschen Ruhe. Er zwängte sich für lange Zeit in seine Uniform, peinlichst darauf bedacht kein Geräusch zu machen, nachdem Kassandras Gestalt noch immer unbewegt im Bett lag, umhüllt von einem unordentlichen Haufen Bettdecke. Er musterte sie, während er an das Gefühl von letzter Nacht dachte, an die unglaublich schöne Melodie, die den Raum in etwas anderes verwandelt hatte. Wie auch immer Kassandra es angestellt hatte, das Sonnenlicht hatte den letzten Rest dieses Zaubers verbannt und zurück blieb eine nüchterne, farblose Realität.
      Er schlich sich an ihr vorbei, so leise, wie es ihm nur möglich war, und schlüpfte aus dem Zimmer.
      Als Kassandra später herunterkam, war er gerade mit seinem Hauptmann dabei die Wirtin auszuzahlen - die mehrere Male betonte, dass sie keine Bezahlung bräuchte, dass es eine große Ehre sei ihn zu Gast zu haben, dass er ruhig häufiger vorbeikommen könnte, dass sie immer ein Zimmer für ihn frei hätte. Er blickte auf und als er Kassandra sah, schlich sich ein kleines, beinahe unsichtbares Lächeln auf sein Gesicht, während er sich unmerklich ein Stück weit aufrichtete. Sein Hauptmann begrüßte Kassandra mit einer höflichen Floskel und die Wirtin war zu sehr auf Zoras fixiert, um der Phönixin ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
      "Die Pferde stehen schon bereit", informierte er Kassandra ungezwungen und setzte dazu an noch etwas zu sagen, verkniff es sich dann allerdings. Nicht vor anderen Leuten, nicht nachdem so wenig von der Nacht übrig geblieben war. Es war schon ein wenig enttäuschend, wie er bemerkte.
      Bei ihrer Abreise wurden sie von der gleichen Meute an Schaulustigen begleitet, die ihnen noch nachwinkten, nachdem sie weitergeritten waren. Zoras hatte keine Ansprache für sie gehalten, genauso wenig hatte er sie über den Aufstand informiert. Er hatte sich vorgenommen, seine Fürsten darüber in Kenntnis zu setzen und die würden dann entscheiden, wie viel sie ihrem Volk mitteilen wollten oder nicht.
      Als sie die Ortschaft schon ein paar Stunden hinter sich gelassen hatten, nahm Zoras endlich den Mut zusammen zu Kassandra aufzuholen, die wie immer vorne bei den Verletzten ritt. Die Soldaten hatten vom Dorfarzt eine angemessene Behandlung erhalten, aber das würde Kassandra wohl nicht aufhalten, bis zu ihrer Rückkehr über sie zu wachen. Nachdem sie ihm erzählt hatte, wie Phönixe zu Tod und Leben standen, konnte er das sogar besser nachvollziehen, als noch davor.
      Er zügelte sein Pferd neben ihr und ritt für einen Moment schweigend, während er ihr aus dem Augenwinkel einen Blick zuwarf. Schließlich sagte er:
      "Danke. Für letzte Nacht."
      Nach einem weiteren Moment sah er sie direkt an.
      "Das war ein schönes Lied. Was war es für eins? Ich glaube, ich kenne die Sprache nicht."
    • Ein nüchternes Grüßen war alles, was Kassandra dem Hauptmann entgegenbrachte, der zusammen mit Zoras die Wirtin auszahlte. Bei ihrem Eintreffen hatte sich ihr Träger etwas gewandelt und sie hätte schwören können, die Andeutung eines Lächelns auf seinem Gesicht erkennen zu können. Ihr war zwar durchaus bewusst, dass sie eine wunderschöne Singstimme besaß, aber solch eine Reaktion war selbst ihr neu. Ein beläufiges Nicken war die Antwort auf den Hinweis, dass die Pferde bereit stünden und fast wäre sie einfach gegangen. Für einen Moment sah es so aus, als wollte Zoras noch etwas hinzufügen, doch er schluckte seine eigenen Worte scheinbar hinunter und ließ sie unbehelligt nach draußen gehen.
      Wie zuvor schloss sich Kassandra den Verletzten an. Sie mischte sich zwischen die anderen Reiter, die eine schützende Wand aus Leibern schufen und dafür sorgten, dass sie als Frau inmitten der Soldaten nicht allzu arg auffiel. Andächtig hatte sie den Kopf gesenkt als die Umgebenden sie daran erinnerten, dass sie immer noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war. Ein wenig länger noch... und dann wäre sie wieder ein wenig eindrucksvoller als jetzt gerade. Trotzdem war es erstaunlich, wie diese einfachen Menschen ihren Herzog wie einen König feierten. Ob das in den anderen Reichen ebenso war stellte Kassandra direkt infrage. Bei Gelegenheit müsste sie einmal nachfragen, ob das auch so ein Sittending war in diesem Land, in dieser Zeit.
      Über Stunden zog der Trupp friedlich vor sich hin und räumte der Phönixin somit genug Zeit ein, um sich die Landschaft ein wenig besser anzusehen. Das hier lag ihr eher als das karge Felsland rund um die Hauptstadt Theriss' und bot wesentlich mehr Ressourcen, sollte sie denn genötigt werden. Aber alles, was sie hier schaukelnd auf dem Rücken ihres Pferdes spürte, war der Frieden selbst. Als wäre die Kunde des Aufstandes noch gar nicht bis hierher gelangt.
      Gerade fragte sie sich wie lange es wohl dauern möge bis ein Bote eingetroffen sei, da brachte sich ein neuer Reiter in das Sichtfeld der Phönixin. Die glitzernden Ornamente von Zoras' Uniform ließen ihn einfach von den restlichen Soldaten unterscheiden, sodass sie nur einen Seitenblick brauchte um ihn zu erkennen. Scheinbar hatte er des Morgens wirklich noch etwas sagen wollen und sah nun die Zeit als gekommen.
      "Ich habe doch bereits erwähnt, dass wir außerordentliche Singstimmen besitzen", merkte Kassandra lediglich an bevor sie den Kopf ein wenig zurücklehnte, allerdings weiter geradeaus schaute. "Außerdem hatte ich den Eindruck, du hast schlecht geschlafen. Ein gutmütiger Mann sagte mir einst, meine Stimme hätte einen unglaublich beruhigenden Klang. Ich dachte, ich bringe das bei dir an und versuche mich an Linderung."
      Shukran sprach diese Worte vor längst vergangenen Zeiten zu ihr nachdem er ihr sein Lied beigebracht hatte. Es war das erste Mal, dass sie vor Menschen gesungen hatte und der junge Mann war mehr als nur verzückt gewesen. Alsbald hatte sie herausgefunden, dass nur Sirenen eine stärkere Harmonie in ihren Stimmen besaßen als sie.
      "Es war ein nuliubdanisches Schlaflied. Shuran hat es mir beigebracht. Sie sangen es ihren Kindern vor, wenn diese schlecht schliefen oder gar nicht erst zur Ruhe fanden. Es war ein Wüstenstaat, der sich quer über den Kontinent spannte und fast in einer Linie von Osten nach Westen zu durchreisen war. Einzig unterbrochen von wenigen Oasen, die die Reise erst möglich gemacht hatten. Trockener Wind peitschte damals über die Lande und schliff die Sandsteinberge mit den Körnern der Wüste blank und klein. Ich glaube, anstelle Nuliubdas klafft dort nun eine Meerenge, wenn ich mich nicht täusche."
      Um das sicher zu bestimmen müsste sie jedoch die Welt erneut umfliegen. Von oben betrachten, wie sie es ursprünglich getan hatte. Vermutlich hatten die Jahrtausende ihre Spuren hinterlassen und würden es unmöglich machen, altbekannte Orte wiederzufinden.
      "Natürlich kennst du die Sprache nicht. Sie ist jahrtausende Jahre alt und die Ursprache, aus der sich die Kultur Isythumas gebildet hat. Die Parallelen hört man nur noch in manchen Lauten. Wie in diesem hier."
      Wie zur Veranschaulichung sprach sie das Wort für Wind nach, das sie vergangene Nacht auch gesungen hatte. Eine Silbe und Betonung zeigte die Ähnlichkeit zur der isythumanischen Sprache, die man eher hier kennen konnte. Aber mehr als das war es leider nicht - tote Zeitzeugen. Danach neigte sie ihren Kopf, um Zoras an ihrer Seite anzusehen. Ein nicht ganz eindeutiger Ausdruck lag in ihren Augen.
      "Ich war mir nicht sicher, ob es dir gefiel. Oder half. Ich dachte, vielleicht stört es dich, wenn ich dir etwas singe und war deshalb so leise. Du sahst auch alles andere als glücklich aus als du mich in deinem Raum gesehen hattest. Ich fühlte mich... etwas fehl am Platze", gestand sie leise, damit nicht jeder der Mitreiter ihren Worten folgen konnte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Außerordentlich scheint mir nicht angemessen genug. Einzigartig vielleicht."
      Zoras beobachtete Kassandras Miene auf der Suche nach eine Regung, nachdem sie ihm zum zweiten Mal von Shukran erzählte. Er konnte sich vorstellen, dass sie eine spezielle Bindung zu dem ersten - und einzigen? - Mann verspürte, der sie jemals nicht wie eine Waffe oder bestenfalls eine Hure behandelt hatte, und er glaubte auch ein feines Glitzern in ihren Augen zu sehen, wann auch immer sie seinen Namen aussprach. Aber genauso gut hätte es auch Wunschdenken sein können, denn ihre Miene war so unlesbar wie immer.
      "Nuliubda", wiederholte er nachdenklich, als ob der Name einen Sinn ergeben könnte, sobald er ihn selbst aussprach. Leider hätte er lügen müssen um zu behaupten, dass das Land ihm etwas sagte - nicht einmal annähernd. So wie Kassandra bemerkte, existierte es vermutlich nicht einmal mehr, oder zumindest nicht in der Form, die sie einst gesehen hatte. Es musste traurig sein zu wissen, dass die Vergangenheit nicht mehr existierte, so als hätte sie nie eine Bedeutung gehabt.
      Zoras nahm sich vor, sich mal bei Gelegenheit bei einem Gelehrten über Nuliubda zu informieren. Vielleicht gab es ja noch Aufzeichnungen, die Kassandra nur nicht zugänglich waren.
      "Es ist eine schöne Sprache", schloss er und versuchte sich das Wort für Wind einzuprägen. Er konnte es sich vorstellen, aber es auszusprechen würde eine Herausforderung an seine Zunge darstellen.
      "Sie hört sich umso besser an im Gesang."
      Kassandras nachfolgende Worte erschreckten ihn, ganz ähnlich als hätte sie ihm gerade eine schlechte Nachricht überbracht. Er fixierte sie, aufmerksam, wie um seine Gedanken zu übermitteln, bevor er die Worte dazu aussprach.
      "Natürlich gefiel es mir!"
      Jetzt warf auch er einen Blick auf die nächstgelegenen Reiter und senkte die Stimme ebenso.
      "Es war wunderschön, Kassandra, die schönste Melodie, die ich jemals gehört habe. So schön sogar, dass ich ziemlich lange gedacht habe, ich würde träumen."
      Er lächelte, aufrichtig und ermutigend.
      "Es hat mich nicht gestört, ganz im Gegenteil. Es war wie ein Traum, tatsächlich, wie ein guter Traum. Ich hätte dir die ganze Nacht zuhören können, wenn es möglich gewesen wäre."
      Sein Lächeln wich wieder ein bisschen der Ernsthaftigkeit, mit der er Kassandra ähnlich eindringlich musterte.
      "Genauso wenig warst du fehl am Platz. Ich war… überrascht dich zu sehen, ich hatte vergessen, dass du da bist - das ist alles. Ich bin ein einsamer Mann, Kassandra, auch wenn das vermutlich nicht den Anschein hat. Ich bin die Gesellschaft nicht gewohnt."
      Er lenkte seinen Fuchs ein wenig näher, um noch leiser reden zu können.
      "Ich bin ein Herzog. Auf einer Reise, so wie diese hier, habe ich immer ein eigenes Zimmer, alles andere wäre eine Beleidigung an meinen Stand. Und meine letzte Geliebte, die ein solches Zimmer mit mir hätte teilen können, war - wie du dir vorstellen kannst - alles andere als dazu geeignet. Wenn eine Königin in einem Gasthaus wie diesem übernachtet, wird das ganze Haus leer geräumt, dann ist höchstens die Wirtin die einzige, die bleiben kann - und das auch nur unter Beobachtung."
      Er schmunzelte.
      "Ich musste mit dem Hauptmann ihrer Garde regelmäßig debattieren, um mit ihr in einem Zimmer schlafen zu dürfen. Es war ein ständiger Kampf, den ich häufiger verloren habe, als ich gerne zugeben möchte. Unser Kompromiss war meistens, dass auch im Zimmer Wachen aufgestellt wurden, an allen Türen und allen Fenstern. Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass wir dann doch lieber in getrennten Räumen geschlafen haben."
      Er zuckte mit den Schultern und wirkte dabei möglichst unbetroffen.
      "Es war schon richtig so. Er hat seine Aufgabe ernst genommen, ich hätte es ihm übel genommen, wenn es nicht so gewesen wäre. Aber deswegen bin ich es nicht gewöhnt, jemanden bei mir zu haben. Ohne gleichzeitig von Gardisten beobachtet zu werden, versteht sich."
      Er schwieg einen Moment, dann setzte er hinzu:
      "Es war schön, nicht alleine aufzuwachen. Wäre ich alleine gewesen, wäre ich vermutlich bis zum Morgen nicht wieder eingeschlafen."
    • "Einzigartig ist es nur weil du nichts Vergleichbares hast. Warte, bis du einen anderen Gott hörst und deine Meinung wird bröckeln."
      Natürlich wusste Kassandra, dass es ihr schmeicheln sollte. Aber über die verstrichene Zeit hin verlor sich diese Wirkung bis es ihr schließlich egal war, wie schön ihre Stimme für die Menschen klang. Überirdisch und gottgleich hatte man sie genannt noch bevor man wusste, dass sie ein Phönix war. Doch insgeheim glaubte sie, dass es Menschen auf diesem Planeten gab, der ihrer Stimme den Kampf ansagen konnte.
      Als Zoras preisgab, dass ihm die Sprache gefiel musste Kassandra ein wenig schmunzeln. "Diese Sprache trägt eine ganz alltägliche Melodie, die in anderen Ohren außerordentlich musikalisch erscheint. Die Nuliubdaren beteten gemeinsam zu ihrem Gott und das klang mit dem einen Priester vorweg wie ein Mahngesang. Schade, dass man solche Töne nicht aufzeichnen konnte."
      An die Gesänge erinnerte sich Kassandra besonders stark. Deswegen griff sie häufiger auf Lieder und Stücke aus jener Zeit zurück, selbst wenn die restliche Erinnerungen zu verblassen begann. Grob hatte sie noch die Bauten im Geist sowie die Umgebung. Die Art, wie Shukran war und sich gegeben hatte. Aber wenn sie beschreiben sollte, wie seine Augenfarbe oder sein Gesicht geschnitten war, so musste notgedrungen davon absehen. Gesichter verloren sich über die Zeit ebenso wie andere Äußerlichkeiten. Also behielt sie die Menschen, die ihr etwas bedeuteten, nur mit ihrem Namen und ihrer Art im Gedächtnis.
      Bei Zoras Ausruf zuckte Kassandra unweigerlich ein wenig auf ihrer Stute zusammen. Ein wenig überrascht verfing sie sich in seiner Fixierung und ließ die Zügel locker hängen, da das Tier seinen Weg ja eigenmächtig beschritt. Sein Lächeln traf sie mit einer ungeahnten Härte. Hatte sie allen Ernstes wirklich erwartet, dass es ihm nicht gefallen könnte?
      Trotzdem... während er so leichtfüßig von dem üblichen Prozedere berichtete, im speziellen Fall was die Königin betraf, war Kassandra seltsam... getroffen. Irgendetwas bereitete ihr Kopfschmerzen, sie konnte nur noch nicht den Finger darauf legen. Oder genau beschreiben, was sie eigentlich darüber dachte.
      "Ich kann schon verstehen, dass es angenehm ist nicht allein zu sein, wenn man nur die Einsamkeit gewohnt ist", entgegnete Kassandra stattdessen und richtete den Blick wieder nach vorn. Ihre etwas grübelnde Miene musste er schließlich nicht sehen. "Wobei ich mich ganz ehrlich frage: Es gibt doch sicherlich mehr als genug potenzielle Frauen, die sich als Geliebte an deine Seite stellen würden. Schiebst du ebenfalls die Ausrede vor, du habest keine Zeit dafür? Du hattest Zeit, um dich am Palast erkenntlich zu zeigen..."
      Über ihren Köpfen zog in weiter Höhe ein größerer Vogel seine Kreise. Seine leisen Rufe drangen hin und wieder zwischen dem Getrappel der Hufe hindurch und ließen Kassandra einen Blick in den Himmel werfen. Dort, wo eigentlich ihr Platz hätte sein sollen und nicht der eines lächerlichen hirnlosen Vogels.
      "Vielleicht sollte ich mich dennoch davor hüten in deiner Hauptstadt in deinen Privatgemächern dir Gesellschaft zu leisten. Ansonsten kommen deine Leute womöglich auf falsche Gedanken", schmunzelte sie währenddessen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Zoras schmunzelte ein bisschen mehr, fast hätte er sogar gelacht.
      "Es gab mal potentielle Frauen, sicher. Ich hatte so meine Liebschaften, damals, ich war schließlich auch mal jung und begeistert davon, dass das halbe Land meinen Namen kannte. Da hat mich nichts davon abgehalten, die potentiellen Frauen regelmäßig zu suchen und zu finden."
      Er erhaschte einen Blick auf Kassandra, bevor er weitersprach.
      "Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es viele gibt und nein, es liegt nicht an der Zeit, auch wenn ich es vielleicht gerne behauptet hätte. Ich habe meine Ansprüche und was solche betrifft, ist die Auswahl mehr als beschränkt. Mein Bruder ist wohl am nächsten dran alle zu erfüllen, aber die Götter mögen mich davor beschützen, ihm das zu sagen. Er würde mir das bis ans Ende meiner Tage unter die Nase halten."
      Er verstummte einen Moment auf die unglückliche Wortwahl hin und ritt schweigend, während Kassandra neben ihm in den Himmel aufblickte. Ein Ausdruck hatte sich auf ihre Miene gestohlen, den er nicht wirklich deuten konnte, auch dann nicht, als er sie für einen Moment beobachtete.
      Plötzlich fragte er sich, was er hier eigentlich tat. Kassandra hatte gefragt, ob es nicht potentielle Frauen gab, sicherlich, aber wie kam er darauf, der Phönixin erzählen zu wollen, dass er sich mal - vor Jahren! - durch therisser Betten geschlafen hatte? In welchem Leben war das denn eine vernünftige Entscheidung?
      Er verzog die Miene, kurz bevor er sich darauf entsinnte, dass Kassandra ja seine Gefühle spüren konnte, und zwang sich stattdessen dann wieder zur Ruhe hinab. Das war bei weitem nicht die schlauste Idee, die er in seinem Leben anwandte.
      Kassandras Bemerkung half ihm ein wenig dabei.
      "Meine Leute? Das hört sich an wie ein Stamm aus Wilden. Abgesehen davon werde ich doch wohl die Freiheit besitzen, in meinem eigenen Haus zu bestimmen, wer mir in meinen Privatgemächern Gesellschaft leistet, oder?"
      Zu spät fiel ihm auf, dass keiner von ihnen in Frage gestellt hatte, ob Kassandra ihm überhaupt Gesellschaft leisten würde, nur ob es ratsam war. Er verspürte auch nicht den Drang dazu, es klarzustellen, sondern lächelte nur.

      Genauso wenig war es jemals eine Frage, ob Kassandra in seinem Zimmer schlafen würde. Als sie in der nächsten Stadt nächtigten - es gab auch dort einen Andrang bei der Ankunft des Herzogs, aber längst nicht mehr einen großen - lag sie schon in ihrem Bett, als er aufs Zimmer kam, und beobachtete - wie schon beim ersten Mal - wie er seine Behaarung in den Griff brachte. Sie unterhielten sich über Belanglosigkeiten, bei denen Zoras ihr ein paar Dinge über die Stadt erzählte, über den Bürgermeister mit dem er manchmal jagen ging, über den verwaltenden Fürsten dieser Gegend, der es nicht auf die Reihe brachte, die Steuern pünktlich einzutreiben. Sie redeten nicht über Vergangenes und sie redeten auch nicht über den Aufstand. Für eine Weile konnte Zoras so tun, als wäre alles beim Alten.
      Das änderte sich, als sie am letzten Tag darauf verzichteten, die Nacht in der Stadt zu verbringen und stattdessen das letzte Stück noch durchzureiten, um nachhause zu kommen. Da spürte Zoras eine ansteigende Nervosität in sich, als die Gegend heimischer und vertrauter wurde. Es war beinahe so, als hätte er Angst nachhause zu kommen, so als wäre seine Heimat verändert, wenn er wiederkam. Stattdessen war es wohl so, dass alles andere sich in der Zwischenzeit geändert hatte.
      Die Gegend wurde zunehmend hügelig und weiter, eine Ebene aus saftigem Gras und vereinzelten Feldern, während hier und da kleine, kaum nennenswerte Wälder sprossen. Sie kamen an Obstbäumen vorbei, als sie von der Straße abbogen und dem entfernten Lichtschein folgten, der sich im abendlichen Himmel gut abhob. Ihr Weg bestand aus einer langgezogenen Allee, die von einem schmalen Bach begleitet wurde, der größtenteils von mehr Gebüsch umsäumt war. Das Getrappel der Hufe wurde untermalt von dem ständigen Surren unsichtbarer Insekten und dem Singsang der Vögel in den Baumkronen.

      Die Residenz des Landesherren war ein großes, weit gelegenes Anwesen auf einer Hügelspitze, umgeben von blühenden Weiden und weitläufigen Pferdekoppeln, die teilweise hinter angrenzenden Hügeln verschwanden. Die Residenz selbst war ein Anbau verschiedenster Häuser, mit dem Haupthaus als längliches, zweistöckiges Gebäude in der Mitte und angrenzenden, kleineren Häusern darum herum. Es gab zwei Gärten, abgetrennte Bereiche zwischen den einzelnen Häusern, in denen Blumenbeete angebracht und Kräuter gepflanzt waren, und es gab einen geräumigen Trainingsplatz, ebenfalls abgetrennt und zweifellos für Pferde ausgelegt. Die ganze Hügelspitze war mit einer niedrigen Mauer umzäunt, welche die angelegten Ställe ausschloss. Alles in allem wohnten etwa 200 Personen auf diesem Anwesen.
      Trotz der anbrechenden Dunkelheit, wurde Zoras bereits aus der Entfernung erkannt und anstandslos von den Wachen hereingelassen. Sie salutierten vor ihm und informierten ihn darüber, dass gerade zu Abend gegessen werde; niemand habe mit seiner so baldigen Ankunft gerechnet, nachdem er vor ein paar Tagen erst die Grenze überquert hatte.
      Zoras gab sein Pferd bei dem wartenden Soldaten ab und wandte sich dann an Kassandra.
      "Möchtest du dich uns zum Abendessen anschließen? Oder soll ich dir dein Zimmer zeigen? Für einen Rundgang ist es wohl etwas dunkel."
    • Natürlich hatte Kassandra nichts dagegen einzuwenden, die letzte Nacht zu überspringen und das verbliebene Stück Strecke in einem zurückzulegen. Sie hatte während der Reise ein normales Level wiederfinden können und sah bei Weitem nicht mehr so erschöpft aus wie zu Beginn ihrer Reise. Noch immer blitzten hier und da weiße Haare in ihrem aschefarbenen Haupthaar hervor, aber das fügte sie fast nur mehr in das Bild der restlichen Bewohner des Herzogtums Luor ein.
      Dass sich die Vegetation abermals änderte, wunderte die Phönixin schon ein wenig. Mehr Obstbäume, wenn auch weniger Wald wurde ersichtlich. Die Ebenen wurden weiter, wenn auch mit Hügeln durchzogen und deuteten eher darauf hin, dass hier Pferde gezüchtet wurden. Als im Dunkel die Anhöhe in Sicht kam, auf der sich Zoras' Residenz angesiedelt hatte, musste Kassandra begleitet von der Dämmerung schmunzeln. Es war ein herausragender Ausguck über die restlichen Lande und taktisch klug erbaut worden. Erst recht mit den zahlreichen Häusern direkt im Anschluss des Haupthauses, was sich im Notfall besser verbarrikadieren ließ.
      Die restlichen Soldaten hatte sich bereits aufgeteilt, sodass nur noch Zoras zusammen mit Kassandra zu dem Haupthaus ritten. Davor angekommen war Zoras angestiegen, sein Champion tat es ihm gleich und streifte nur kurz den verwunderten Blick des Soldaten, der sie ganz offensichtlich nicht wirklich einzuschätzen wusste.
      "Ein Rundgang im Hellen erscheint mir durchaus als angebrachter", stimmte sie ihm zu während sie an seiner Seite Richtung Haupthaus schritt. "Ich würde mich euch üblicherweise anschließen. Da du aber unerwartet früh eingetroffen bist und wichtige Kunde mit dir trägst, ist es vermutlich angebrachter, wenn ich mich erst einmal entziehe. Du wirst viel zu bereden haben, da wird es nicht unbedingt hilfreich sein wenn du noch verkünden darfst, dass du den Champion Theriss' gestohlen hast."
      Ein ungekünsteltes Lächeln erschien in Kassandras Gesicht als sie vor dem Langhaus anhielt und den Eingang betrachtete. Solider Bau, solodes Fundament. Neigte dazu, schneller Feuer zu fangen als andere Bauten, war aber dafür langgestreckt und erkaufte dadurch Zeit. Just in diesem Moment fiel ihr allerdings etwas anderes auf.
      Er wollte ihr ihr Zimmer zeigen...
      Natürlich würde sie ein eigenes Zimmer bekommen. Alles andere wäre nicht sittlich, und trotzdem hatte sie irgendwie damit gerechnet, dass ihr neuer Träger darauf bestanden hätte, die Zweisamkeit der vergangenen Gasthausnächte aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite könnte es schnell dadurch wirken, als hätte er sie als eine Gespielin an seine Seite geholt. Doppelt so frivol wenn ans Licht trat, was für eine Rolle Kassandra eigentlich einnahm.
      "Genieß erst einmal die Zeit mit deiner Familie. Das solltest du über alles andere erst einmal stellen, Zoras."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Zoras konnte sich ein eigenes Lächeln nicht verkneifen, so als wäre Kassandras Ausdruck auf sein Gesicht übergesprungen. Er runzelte die Stirn in einer herausfordernden Art.
      "Gestohlen würde ich das nicht nennen. Vielleicht eher angeeignet. Rechtmäßig beschlagnahmt?"
      Überraschenderweise war er etwas enttäuscht davon, dass Kassandra sich ihm nicht zum Essen anschließen würde. Sie waren die letzten Tage stets zusammen gewesen, außer den wenigen Stunden morgens und abends, wenn Zoras seinen Pflichten nachgekommen war und Kassandra noch geschlafen oder sich schon auf ihr gemeinsames Zimmer begeben hatte. Es waren nur wenige Tage gewesen, ein bisschen mehr als eine Woche insgesamt und noch weniger der Zeit, die sie in Häusern übernachten konnten, aber er hatte sich schon zu einem gewissen Grad daran gewöhnt, Kassandra bei sich zu haben. Er konnte sich umdrehen und dann stand sie stets in seiner Nähe, den Kopf in ihrer würdevollen Art erhoben, den Blick entspannt, aber aufmerksam auf ihre Umgebung gerichtet. Wenn er sie ansah, ohne dass sie es bemerkte, wirkte sie häufig wie ein unvollständiges Gemälde, dessen Künstler zwar die Person fertiggestellt hatte, aber nicht den Hintergrund. Sie allein war makellos, aber etwas schien zu fehlen, sodass der Hintergrund weniger fehlplatziert wirkte. Sie strahlte ihre Würde zwar vollumfänglich aus, aber etwas fehlte, um auch die richtige Wirkung zu erzielen.
      Natürlich würde sich nichts ändern, nur weil sie nun Zuhause waren. Wenn überhaupt, mussten sie sich wohl keine Sorgen machen, dass irgendjemand ein falsches Bild von ihnen bekam - oder?
      "Das werde ich. Du wirst sie früher oder später sowieso kennenlernen."
      Er bedeutete ihr mit einer Handgeste vorauszugehen, gedanklich noch immer etwas bei dem Gemälde. Wenn sie wirklich eins wäre, erkannte er, würde er alles nötige in Kauf nehmen um herauszufinden, nach wessen Vorbild sie gemalt worden war.

      Er begleitete sie in den ersten Stock hinauf und in den privaten Bereich des Hauses, der sich vom Rest nur davon unterschied, dass dort ein Wachposten seine Wege zog. Der Mann salutierte vor Zoras und zog weiter seiner Wege, unbeeindruckt davon, seinen Herren so unvermittelt vor sich stehen zu sehen.
      Kassandras Zimmer diente einem inoffiziellen Gästezimmer, nachdem das Haus eigentlich für ein paar mehr Besitzer ausgelegt war, als eine kleine Familie. Die Inneneinrichtung war in der ganzen Residenz ähnlich: Kunstvoll geschnittene Möbel, feinstes, geschliffenes Holz, farbenvolle Teppiche und lebendige Gemälde. Das Licht kam von Kronleuchtern an der Decke und die Fenster waren allesamt hoch und geschwungen, mit Ausblick auf entweder die weiten Wiesen, oder die Innenhöfe, von denen es ein paar gab. Generell hing die Einrichtung nur wenig dem Luxus des Palastes nach.
      "Mein Zimmer ist direkt gegenüber", er deutete entsprechend, "und mein Bruder und seine Frau wohnen dort hinten. Sein Sohn auch, aber sonst ist hier alles leer."
      Genauer gesagt waren es drei weitere Zimmer, die leer standen. Zoras' Bruder wohnte mit seiner Familie recht weit hinten, um sich die Privatsphäre zu sichern, und Zoras wohnte recht weit vorne, damit er schnell aufstehen konnte. Eigentlich war jeder damit glücklich, aber leer wirkte es trotzdem.
      "In der Nacht stellt sich die Wache an die Treppe dort vorne, tagsüber zieht sie hier ihre Runden. Nur, falls du dich wunderst."
      Er lächelte ein bisschen auf der Suche nach weiteren Dingen, über die er berichten könnte und damit die Trennung hinauszögerte. Als ob sie sich nie wieder sehen würden! Die Reise hatte ganz offensichtlich seinen Kopf durcheinander gebracht.
      "... Ich sollte besser gehen, sonst ist die Überraschung vorbei."
      Mit diesen Worten verabschiedete er sich mehr schlecht denn recht und zog dann von dannen.

      Die Familie saß im kleinen Salon, dessen Tisch für zwölf Personen ausgelegt war. Als Zoras hereinkam, hoben alle drei die Köpfe, aber Elive war die erste, die etwas sagte.
      "Zoras! Bei den Göttern!"
      Neben ihr verschluckte ihr Mann sich kurzzeitig an seinem Essen, bevor er das Besteck niederlegte und aufstand.



      Zoras schenkte der Runde ein Lächeln; jetzt, wo er hier war, merkte er nicht nur, dass Kassandra mehr als recht gehabt hatte, sondern dass er auch noch unendlich müde war. Aber er war daheim, erneut. Unbeschadet wohl gemerkt.
      "Zoras."
      Ryoran kam zu ihm und Zoras kam ihm auf halbem Weg entgegen, bevor sie sich in einer kurzen Umarmung auf den Rücken klopften. Es lag eine gewisse, beidseitige Erleichterung in der Geste, als hätten beide erst bemerkt, dass sie Zuhause waren.
      "... Du siehst absolut fürchterlich aus."
      "..."
      Sie trennten sich, während Ryoran seine Schultern gefasst hielt und einen kritisch-misstrauischen Blick über Zoras' Antlitz warf. Der Herzog schob seine Hände beiseite, aber in einer sanftmütigen Art.
      "Ist das dein Ernst? Ich bin zwei Monate weg und das sind die ersten Worte, die du zu mir sagst?"
      Ryoran schenkte ihm ein Grinsen, ein Ausdruck von der Art, wie ihn nur Teufel innehatten, wie Zoras fand. Aber er liebte seinen Bruder und er liebte auch sein teuflisches Grinsen - nicht immer, aber meistens.
      "Ganz anscheinend hat es dir ja sonst keiner gesagt, sonst wärst du nicht in dieser Aufmachung gekommen. Wie lange hast du schon die Uniform nicht gewaschen? Und wer hat dir denn bitte den Bart rasiert?"
      Zoras ignorierte ihn mit einer Meisterhaftigkeit, mit der nur Brüder sich ignorieren konnten und schob ihn beiseite, um sich stattdessen an seinen Nachwuchs zu wenden. Teal saß auf der anderen Seite neben seiner Mutter und Zoras schenkte ihm ein ganz persönliches Grinsen.
      "Da ist ja der zukünftige Herzog. Wirst du auch anfangen mich zu kritisieren oder bekomme ich von dir eine bessere Begrüßung als von deinem Vater?"
    • Rechtmäßig beschlagnahmt war ein kontroverser Ausdruck, wie Kassandra befand. Beschlagnahmen bedeutete, jemanden etwas zu entziehen, dessen Recht auf Besitztum er nicht besaß. Aber genau das Gleiche galt jedoch auf für Zoras. Niemand der Sterblichen sollte darüber entscheiden, wem ein Gott folgte oder dass er generell auf Erden wandelte. Rechtmäßig war hier höchstens, dass der Herzog bessere Führungsqualitäten als der junge Feris besaß. Nur wer versicherte der Phönixin, dass nach Zoras Komplott sie nicht in die Hände eben jenen Königs fiel, den er mit seiner Aktion hatte stärken wollen?
      Sichtlich interessiert musterte Kassandra die wechselnde Umgebung nachdem sie das Haus betreten hatten und im ersten Stock angekommen waren. Es wunderte sie, dass es von der Inneneinrichtung gar nicht so unähnlich dem Palast war, in dem sie einige Wochen residiert hatte. Eigentlich war sie davon ausgegangen, dass die Einrichtung eher bodenständig ausfiel und keine schweren Kronleuchter über ihrem Kopf hängen würden. Die Farben der Teppiche und Bilder waren dermaßen satt als wären sie frisch gewoben und gemalt worden und verliehen dem sonst so leer wirkenden Raum etwas Leben. Bei dieser Überlegung ließ sie ihren Blick schweifen, den Flur hinab und lauschte. Es herrschte schon beinahe eine gespenstische Stille hier oben.
      "Ja, solltest du", bestätigte die Phönixin schlicht und ließ ihren Blick einen Moment auf Zoras ruhen.
      Sie spürte, dass er nicht gehen wollte. Dass ihn etwas störte oder gar hier behielt. Nur, dass es vielleicht ihre Anwesenheit war kam ihr nicht in den Sinn. Schließlich hatte sie mittlerweile verstanden, dass viele Menschen ihr eigenes Blut über vieles andere stellten und demnach sollte Zoras sich freuen, den lebenden Teil seiner Familie wiederzusehen. Und nicht die Präsenz einer versklavten Göttin zu missen.
      Kassandra nickte ihm zu und wandte sich ab nachdem Zoras losgegangen war. Schweigend kehrte sie in ihr Zimmer ein und schloss die Tür hinter sich, sperrte sämtliche Blicke der Außenwelt aus.

      Niemand in dem viel zu großen Saal für die verschwindend geringe Anzahl an Personen hatte damit gerechnet, dass die Tür aufschwang und Zoras hereintrat. Elive reagierte als Erste, danach folgte direkt Ryoran. Der Jüngste im Raume, Zoras Neffe Teal, machte zunächst keine Anstalten sich zu erheben. Wie seine Eltern hatte er den Blick gehoben und seinen Onkel angestarrt in purer Verwunderung. Erst anschließend hatte er sein Besteck niedergelegt und die Hände auf den Lehnen platziert, als befände er sich im inneren Disput aufzustehen oder sitzenzubleiben. Er Junge von vierzehn Jahren war so gut erzogen, dass er die Sitten manchmal über das persönliche Gut stellte und so haderte er beinahe damit, seiner ersten Reaktion nachzugeben. Also ließ er seinen Eltern den Vortritt ehe sein Blick den des Herzoges traf und er das Grinsen in einem überschwänglichen Lächeln erwiderte. Als fiele der Startschuss schob sich der Junge vom Tisch weg und war innerhalb weniger Schritte bei seinem Onkel, um ihn einmal fest zu drücken.
      "Wie soll jemand ohne Bartwuchs deinen Bart bitte kritisieren?", erwiderte Teal mit seiner üblichen Spitzfindigkeit und war mehr als offenkundig froh, seinen Onkel in einem Stück wiederzusehen.
      Der Junge war mehr als nur belesen und die ständige Sorge, dass Zoras nach einer seiner Reisen nicht mehr zurückkam, war allgegenwertig. Auch jetzt brannten Milliarden an Fragen auf seiner Zunge, die mit einer Neugier behaftet war, die ihm in der Zukunft vielleicht einmal gefährlich werden würde.
      "Obwohl ich auch sagen muss, dass du ziemlich zerrupft aussiehst. Du bist ganz schön früh wieder da."
      Er trennte sich von seinem Onkel, der ihn noch immer überragte und zog einen Stuhl in der Nähe ihrer eigenen Sitzplätze zurück. Er würde Zoras mit Fragen Löchern - allerdings erst, wenn er dafür an der Reihe war.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die anfängliche Starre von Zoras' Neffen schien sich abrupt zu lösen, ehe auch er eifrig auf ihn zukam und ihn in die Arme schloss. Der Junge ging ihm nur bis zur Brust und es war jedes Mal ein herzerwärmendes Gefühl, wenn er sein Gesicht an Zoras drückte.
      Er lachte ungezwungen von der spitzen Bemerkung und raufte ihm durch die Haare.
      "Wenn du einen Vater wie deinen hast, dann lernst du an allem etwas auszusetzen."
      "Stimmt doch gar nicht. Du als Herzog solltest auch aussehen wie einer und nicht wie ein Landstreicher. Das ist fernab von jeder Kritik."
      Ungewollt bestätigte Teal diese Aussage und Zoras starrte die beiden Männer in theatralischem Entsetzen an.
      "Ihr habt euch gegen mich verbündet, oder? Kaum ist man mal ein paar Wochen weg, hat das Haus schon einen anderen Herren. Zwei andere Herren."
      "Mh-hm. Setz dich endlich und steh nicht so herum wie ein Gast."
      Sie kamen allesamt zurück an den Tisch und nachdem Zoras Elive mit einem Handkuss begrüßt hatte, setzte er sich dorthin, wo Teal es ihm anbot. Der Junge hatte bereits ein unverschämtes Glitzern in den Augen, ein Zeichen dafür, dass sein Gehirn bereits arbeitete und jeden Moment die Wörter aus seinem Mund heraussprudeln lassen würde.
      Allerdings nicht bevor er nicht die Erlaubnis dazu hatte. Teal war schon immer sehr sittlich erzogen.
      "Und? Gibt es Neuigkeiten?"
      Sein Bruder hatte eine Bedienstete herangerufen, um Abendessen für den Herzog zu verlangen, und nachdem sie wieder verschwunden war, sah er Zoras offen neugierig an.
      Die Nachricht über den Aufstand konnte noch nicht so weit gekommen sein, also musste er zweifellos die Besprechungen meinen, weswegen er zum Palast gereist war.
      "Wir sind zu keinem Ergebnis gekommen", lautete die vage Antwort, die nur teilweise die Ereignisse beschrieb. Er wusste noch nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt war, um von dem Aufstand zu berichten. Und von Kassandra.
      "Bedauerlich. Aber ihr wart doch so lange drüben?"
      "Das waren wir. Es gibt auch gewisse... Neuigkeiten, aber lasst uns erst zu Abend essen, auf die paar Minuten wird es wohl nicht mehr ankommen."
      Wie auf Kommando kam da die Bedienstete um die Ecke und tischte Zoras reichlich auf. Er machte sich gleich über das Essen her, während er sich an Teal wandte - halbwegs um dem eindringlich gewordenen Blick seines Bruders auszuweichen.
      "Und was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht? Ein bisschen Springreiten geübt, hoffe ich doch?"
    • Nach bestem Willen versuchte Teal auch nur den Hauch einer Information aus den gesprochenen Sätzen oder verräterischen Gesichtsausdrücken zu gewinnen. Aber er musste sich in Geduld üben bis die Erwachsenen ihm den Spielraum einräumten, den er bis zur Grenze ausnutzte. Bis dahin stocherte er auf seinem Essen herum, die Augen begierig auf die beiden Männer am Tisch gerichtet. Zu keinem Ergebnis zu kommen bei einer dermaßen ausufernden Besprechungszeit war weder ein gutes Zeichen noch glaubte Teal, dass sein Onkel rein gar nichts erwirken konnte. Das wurde daraufhin auch bestätigt als Zoras das Wort Neuigkeiten auf eine Art betonte, die den Jungen fast nicht mehr auf dem Stuhl hielt.
      Doch Teal schlug sehr in die Kerbe seiner Vorbilder und bis auf das Glitzern in seinen Augen sah man ihm rein gar nichts an.
      "Ein bisschen Springreiten, eher schon Querfeldein. Was bringen mir die niedrigen Barren hier, wenn draußen die Unregelmäßigkeit den Takt vorgibt?", beantwortete Teal in einem gestochenen Ton die Frage und verzog darauf das Gesicht in ein Grinsen, das eher zu einem Jungen in seinem Alter passte. "Der Stallmeister hat mir gezeigt, was die Qualitäten eines guten Kriegspferdes sind. Auf welche Charakterzüge ich achten soll und das mein Pony wohl ausgedient hat. Er sagt, ich soll mir ein ordentliches Pferd aussuchen, aber das sollte nicht ohne dich geschehen, Onkel."
      Teal hatte schon früher mit dem Stallmeister verhandelt, sodass man ihm ein vollwertiges Pferd stellte. Aber man ließ den Jungen nicht an die ausgewachsenen Tiere bis er nicht vollumpfänglich mit seinem Pony klarkam, das man ihm von Kindstagen her zur Seite gestellt hatte. So sehr er sein Pony auch liebte - langsam aber sicher wurde er zu groß für das Tier und es wurde Zeit für ein ordentliches Pferd.
      "Und ich hab' Training von Ultroff aufgedonnert bekommen...", fügte er ein wenig leiser hinzu und schob sein Essen auf dem Teller von links nach rechts. Der Schwertmeister sollte dem Jungen den Umgang mit dem Schwert zeigen, aber Teal war schon immer eher schmächtig als kräftig geraten und stürzte sich lieber auf Bücher anstelle Schwerter. "Ich soll ein bisschen mehr Kraftübungen machen damit ich, ich zitiere, keine Strohhalme als Arme habe."
      Dann klirrte es, als er mit etwas zu viel Schwung sein Besteck auf den Tisch fallen ließ und sich kerzengerade aufrichtete. Was wie ein plötzlicher Charakterwechsel wirkte war typisch für den Jungen, wenn er seine Neugier schließlich nicht mehr unter Verschluss halten konnte. Er übte sich an Contenance, aber die hatte bei ihm auch ein Ende.
      "Welche Neuigkeiten? Hat das Herzogtum Riev seine Verbindungen erstrecken können oder wurde etwas eingeschränkt? Oder gibt es Probleme mit den Erzvorkommen? Oder vielleicht sogar Gefahr im Verzug?!", bei den letzten Worte pitschte seine Stimme immer eine Nuance höher und zeigte an, dass er langsam in den Stimmbruch kam. Er zeigte reges Interesse an der Entwicklung der Dynamik Theriss' und machte seiner zukünftigen Rolle alle Ehre.
      Sofern Zoras Aufstand nicht seine gesamte Familie gefährdete.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Teals Munterkeit war erfrischend mitzuerleben. Er hatte noch nicht gänzlich genug von der Welt mitbekommen, um so verdrossen zu werden wie seine älteren Artgenossen, und legte seinen Fokus auf ganz andere Dinge.
      Zoras ließ sich von seinem Grinsen anstecken.
      "Das ist die richtige Einstellung. Wir gehen gleich morgen zu den Ställen und suchen dir ein ordentliches Pferd aus, wie wäre das? Ein schönes, großes; das schnellste, das wir finden können. Einverstanden?"
      Er bemerkte den Blick, den sein Bruder seiner Frau zuwarf und hob die Augenbrauen in ihre Richtung, ohne dass Teal es bemerkt hätte. Vielleicht war er ein wenig zu vorschnell mit seinem Versprechen gewesen, aber das war nichts, was sie vor dem Jungen besprochen hätten.
      Er wandte sich Teal wieder zu.
      "Mh, ein bisschen Kraftübungen können nie schaden. Du musst aber noch lange nicht so dick werden wie Ultroff, ich glaube der Mann hat als Kind Rinde gegessen, damit seine Oberarme jetzt so groß sein können."
      Er zwinkerte Teal zu.
      "Ganz abgesehen davon willst du doch die Frauen kaum mit so dünnen Armen beeindrucken, oder?"
      "Zoras!"
      "Was? Ist doch so."
      Er klapste Teal auf die Schulter und grinste dann zu Elive, die versuchte ernsthaft böse zu sein. Er kannte die Frau lange genug um zu wissen, dass sie nur Wert darauf lag, ihren Sohn zu einem anständigen Mann zu erziehen.
      Kurz darauf platzte jener schon aus allen Nähten, als er es scheins nicht mehr aushalten konnte, die Gedanken in seinem Kopf zurückzuhalten. Zoras war jedes Mal entzückt davon, wie sehr dieser Junge die Informationen seines Landes aufsaugte und abspeicherte, wie ein geborener Politiker. Bei ihm wusste er, dass sein Herzogtum in guten Händen aufgehoben werden würde.
      Wenn nur Feris auch so geworden wäre, wäre wohl eine Menge Ärger erspart gewesen.
      "Teal!", zischte Ryoran und bannte den Jungen mit einem strafenden Blick zurück an seinen Teller. "Lass den Herzog essen, das ist unhöflich!"
      "Ach, lass ihn doch. Das sind gute Fragen, wichtige Fragen sogar. Es ist wichtig, seine Verbündeten wie sein eigen Fleisch und Blut zu sehen, nicht wahr, Junge? Und das Herzogtum Riev ist schließlich schon seit vielen Jahren auf unserer Seite, sogar vertraglich."
      Er war wirklich stolz auf seinen Neffen, mehr als auf alles andere.
      Umso schwieriger war es da, mit der Wahrheit zu antworten.
      "Um deine Fragen also knapp zu beantworten: Nein. Das sind nicht die Neuigkeiten. Nicht ganz."
      Er warf seinen Eltern einen Blick zu, während er abschätzte, wie er die Sache am besten angehen sollte. Aber wieso weiter versuchen hinauszuzögern? Früher oder später würde er es ihnen sagen müssen.
      "Nein, es ist etwas anderes. Wir... Ich habe den Aufstand begonnen."
      Es wurde still am Tisch, sogar ruhiger noch als zuvor. Elive starrte ihn mit großen Augen an, die sich jede Sekunde nur noch vergrößerten, während Ryorans Blick zu Zoras schoss, er ihn für einen Moment musterte, dann das Besteck niederlegte und sich zurücklehnte. Das Rascheln seiner Kleidung war für einen Moment das einzige Geräusch am Tisch.
      "... Den Aufstand."
      "Ja."

      Zoras hielt seinem Blick stand. Es fand eine unterschwellige Unterhaltung zwischen ihnen statt, die Ryoran nicht zu behagen schien.
      "Teal, bist du schon fertig mit essen? Dann geh nach oben und mach dein Übungsschwert sauber."
      "... Nein."
      "Was?"
      "Er ist alt genug, er kann bleiben. Er soll doch wissen, was in seinem Land vor sich geht, oder?"
      Ryoran kniff die Augen zusammen und Zoras lehnte sich nun auch zurück. So eine Diskussion konnte der Mann nicht gewinnen, denn Zoras würde früher oder später auf sein Recht als Herzog zurückgreifen. Daher kamen auch keine Widerworte.
      "Wir haben geputscht und es ist schief gelaufen. Herzogin Kerellin hat die Seiten gewechselt und Seine Majestät gewarnt. Als wir zu ihm kamen, war er schon zu beschützt, es gab kein Durchkommen."
      Das war zwar nicht ansatzweise wie es vonstatten gegangen war, aber bis auf Kassandra und vielleicht Herzog Tiumus gab es niemanden, der das Geschehen im Thronsaal beobachtet hätte. Caphalor war schließlich auch tot.
      "Das Herzogtum Luor wird einen Aufstand anführen und gegen die mangelnden Führungsqualitäten unseres Herrschers vorgehen."
      Er hatte auf der Reise Zeit genug gehabt um sich zu überlegen, ob er seine Familie in seinen wirklichen Plan einweihen sollte - sein Opfer zum Wohle der gesamten Nation - aber die herzliche Begrüßung, die sie ihm entgegen gebracht hatten, hatte diese Überlegung vollkommen umgeworfen. Er konnte es nicht, denn sie hätten bis zum letzten Moment versucht es ihm auszureden und das hätte das ganze Konstrukt zum Wanken gebracht.
      Also würde er auch sie anlügen und eines Tages auf dem Schlachtfeld sterben.
      Elive sah mittlerweile gänzlich schockiert aus und verdeckte den Mund mit einer Hand. Ryorans Kiefermuskeln hatten sich angespannt und er starrte Zoras so eindringlich an, als solle sein Blick sich direkt durch ihn hindurchbohren.
      "Wer ist noch daran beteiligt?"
      "Herzogtum Riev und Tiumus. Kerellin steht auf der Seite des Thrones und die anderen beiden tendieren auch eher in diese Richtung. Ich werde aber noch morgen Boten losschicken, die den Kontakt zu ihnen aufbauen sollen - und am besten noch zu ihren Fürsten. Jeder, der möchte, soll sich uns anschließen, ganz unabhängig von der Entscheidung seines Herzogs."
      "Mh. Dann steht es drei gegen vier, das Königshaus eingeschlossen."
      "Faktisch gesehen, ja."
      Es entstand eine Pause, in der Zoras geduldig darauf wartete, dass die Nachricht erst einmal einsacken würde.
    • Teals Vorbild war Ultroff nie gewesen. Deswegen würde er auch den Teufel tun und so viel Training investieren, sodass er irgendwann dem Schwertmeister ähnelte. Auch den Verweis auf die Damenwelt interessierte den Jungen noch nicht sonderlich. Er hatte seinen Fokus auf andere Dinge ausgerichtet, und die waren in den meisten Fällen materialistischer oder politischer Natur. Allerdings zuckte Teal schuldbewusst zu seinem Besteck zurück, als sein Vater ihn ermahnte. Ansächtig senkte er etwas den Kopf und verzog die Lippen als er wieder damit anfing, in seinem Essen herumzustochern. Die Appetit war ihm unlängst vergangen.
      "Um deine Fragen also knapp zu beantworten: Nein. Das sind nicht die Neuigkeiten. Nicht ganz."
      Daraufhin hob sich der Blick des Jungen wieder, aber die freudige Neugierde war eine gespannteren Aufmerksamkeit gewichen. Allein wie Zoras seine Worte betonte zeugte schon davon, dass etwas geschehen war, was nicht gut gelaufen war. Was wider eines Planes gelaufen war, den der Herzog scheinbar sorgsam ausgetüftelt hatte.
      Als das Wort Aufstand fiel, änderte sich die Stimmung im Saal. Teal, der das Wort nur aus den Büchern und Erklärungen kannte, schaute zwischen den Erwachsenen hin und her, nicht ganz sicher, wie tragisch dieses Event nun wirklich war. Oder wie weitreichend die Konsequenzen sein mochten. Allerdings schlussfolgerte er eine gewisse Brisanz als er den stummen Austausch zwischen Ryoran und Zoras beobachten konnte.
      "Teal, bist du schon fertig mit essen? Dann geh nach oben und mach dein Übungsschwert sauber."
      Da fiel dem Jungen buchstäblich alles aus dem Gesicht. Er widersprach selten seinem Vater, es wurde ihm anders gelehrt, aber in diesem Fall empfand er es als rechtens, mitanzuhören, was der Herzog eingeleitet hatte. Es würde ihn früher oder später auch betreffen, ob es seinem Vater gefiel oder nicht. Zu Teals Glück ergriff eben dieser auch Partei für den Jungen und sicherte ihm so seinen Platz am Tisch. Den Platz als stillen Beobachter, der sich erst zu Wort melden würde, wenn man ihn fragte oder es angemessen erschien.
      In seiner Rolle hatte Teal die Gelegenheit, Worte anders zu bewerten als sämtliche Erwachsenen am Tisch. Während seine Mutter aussah, als würde sie sich gleich von ihrem Mahl verabschieden duellierten sich die beiden Männer allein schon mit ihren Blicken. Dass die Herzogtümer nicht alle gemeinsam gegen den König standen war schon von vornherein ein schlechtes Blatt gewesen und dennoch wollte Zoras den Putsch durchbringen. Er musste verzweifelt sein, es zu versuchen... oder eine andere Option in Aussicht hatte. Spätestens als die Pause entstand in der die Nachricht erst einmal richtig sacken konnte, schien der Junge aus seiner Starre zu erwachen und meldete sich mit klaren Worten, die viel zu scharfsinnig für einen Vierzehnjährigen sein müssten: "Faktisch gesehen ist ein mehrdeutiger Begriff. Auf dem Papier sehen die Verhältnisse so aus, das würdest du auch so unterschreiben, Onkel. Aber du hast etwas anderes in der Rückhand, das nicht in der Gleichung steht, oder?"
      Da war wieder dieses Glitzern in seinen Augen, das nur dann erschien wenn er ein winziges Detail entdeckt hatte, das jedem anderen entgangen wäre. Ohne von Zoras Plan oder Kassandra, die praktisch über ihren Köpfen in ihrem Zimmer auf und ab wanderte, zu wissen hatte der Junge mehr aus den Worten des Herzoges gelesen als es ihm vielleicht lieb gewesen wäre.
      Er ließ vollends von seinem Besteck ab und lehnte sich am Tisch nach vorn, die Arme neben seinem Teller abgelegt und den Blick felsenfest auf eines seiner Vorbilder gerichtet.
      "Du würdest keinen Aufstand anzetteln wenn die Erfolgsaussichten so schlecht sind. Das heißt, du hast etwas in der Hinterhand mit dem Niemand rechnet oder ein anderes Ziel, richtig? Hast du im Umland Verbündete gefunden oder ein Druckmittel gegen den König? Irgendetwas muss da doch sein!", pochte der Junge darauf und vertraute blind einem Gefühl, das ihn zu dieser Schlussfolgerung kommen ließ. Der Herzog von Luor war nie so kurzsichtig gewesen, solche riskante Aktionen unbedacht durchzuführen. Er musste etwas in petto haben.

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