Zuerst dachte Zoras, seine Worte wären gar nicht das gewesen, was Kassandra von ihm hätte hören wollen. In dem kurzen Moment der Panik, in dem sie ihm reglos gegenüberstand, fiel ihm aber nichts besseres ein bei der Rekapitulation dieser Worte. Sie hatte hören wollen, was er wählte, und er hatte es ihr so deutlich gesagt, wie es ihm möglich war. Was er nicht so deutlich ausgesprochen hatte, war, dass er sie nicht ein weiteres Mal in die Sklavenschaft zwingen wollte.
Aber dann geschah doch etwas, auch wenn Zoras bis vor einem Moment noch geglaubt hätte, dass nichts diesen fortschreitenden Weltuntergang überschatten könnte. Und doch spürte er Kassandras Präsenz wieder auf sich, ihre Allmächtigkeit, die ihn einfing und sich auf ihn legte, anders noch als vorhin, aber immer noch Kassandra. Dieses Mal konnte er diese Präsenz sogar ganz deutlich wahrnehmen, als sich die Luft um sie herum zu verdicken schien und lange, musterhafte Formen annahm. Wenn er gekonnt hätte, hätte er sie sich näher angesehen. Wenn er gekonnt hätte, hätte er sich auch darum Sorgen gemacht, dass sie nun schon seit einigen Sekunden unbewegt an einem Fleck standen, was sich bei den Auswirkungen ihrer Umgebung äußerst schnell als fatal erweisen könnte.
Wenn er gekonnt hätte, hätte er seinen Blick von Kassandra abgewandt.
Aber ihre Augen brannten sich in seine, ihre Seele, die sich in den Tiefen dahinter versteckte, und ihre Stimme ertönte, auch wenn sie sich nicht rührte. Sie fuhr Zoras durch den gesamten Körper und als hätte sie nur darauf gewartet, schlug Kassandras Präsenz einen Moment später auf ihn ein, eine unglaubliche Wucht, die ihn augenblicklich an seine Sterblichkeit erinnerte. Er versuchte noch nicht einmal, sich dagegen zu wehren, denn das hätte vermutlich zu Knochenbrüchen geführt; er sackte gleich zusammen und kauerte unter ihrer allmächtigen Präsenz in einer ehrfurchtsgebietenden Haltung.
Kassandra war nicht mehr Kassandra und gleichzeitig war sie so viel Kassandra, wie sie noch niemals zuvor gewesen war. Zoras starrte auf zu einem Anblick, der zu schön hätte sein dürfen, um je von irgendeinem Menschen wahrgenommen zu werden. Kassandras Präsenz füllte den ganzen Raum um sie aus, ihre Gesichtszüge waren hart und von einer Determination geprägt, die den Menschen verwehrt blieb. Ihr Körper war noch immer der ihre, hochaufragend und wunderschön, aber genauso gut hätte er 100 Meter hoch sein können, bei der Macht, die sie ausstrahlte.
Zoras wäre höchst freiwillig vor ihr auf die Knie gegangen.
Dann fiel ihm aber auch auf, dass ihre Umgebung genauso schnell verstummt war, als die Phönixin das Wort erhoben hatte. Er hätte schon gedacht, dass sie etwas getan hätte, was das Auseinanderbrechen der Welt stoppte, hätte er da nicht den großen Wassertropfen neben ihrem Gesicht gesehen, der einfach in der Luft erstarrt war.
Oder nein, noch immer fiel, aber jetzt so langsam, dass er für Zoras deutlich sichtbar geworden war.
Kassandra sprach erneut, oder jemand sprach, durch Zoras' Körper hindurch, durch den Raum um sie herum, über die ganze Ebene hinweg. Ihre Hände berührten ihn und er hob den Blick an, um in das göttliche Antlitz von Kassandra zu blicken. Gegen den finsteren, zerrissenen Himmel wirkte sie wie eine Todesgöttin, mit langem, dicht schwarzem Haar und einer vergebungslosen Miene. Aber Zoras kannte sie besser. Er verspürte Ehrfurcht, Staunen und Liebe, endlose Liebe bei diesem Anblick, den sie ihm bot.
Ihre Worte machten keinen Sinn für ihn. Er wusste auch nicht, was sie genau vorhätte, außer womöglich ihr Herz ein zweites Mal von sich zu trennen und zu übergeben. Aber dafür schien es ihm die falsche Wortwahl zu sein, auch wenn er die richtige Wortwahl gar nicht kannte. Es schien viel zu... persönlich. Intim, so wie es ihm vorkam, als sie ihre Stirn an seine legte.
Dann stachen rote Flammen durch ihre Präsenz hindurch und mussten sich durch seine Kleidung fressen, so nah sie ihm waren, aber bis auf Kassandras überwältigende Anwesenheit spürte er rein gar nichts. Die Hand an seinem Kinn war warm, ihr Blick auf etwas gerichtet, das Zoras und auch wieder nicht Zoras war.
Dann sprach sie von einem Flammenbund und der Himmel ging in einem einzigen, grellen, alles verschlingenden Blitz auf.
Als er erst geendet hatte, was eine Ewigkeit zu beanspruchen schien, war es still um sie herum. Lärmend still sogar, denn das viele Getöse und das Grollen des Bodens hatten einen gewissen Nachklang in ihren Ohren hinterlassen, der jetzt an deren statt toste. Aber alles andere, ihre ganze Umgebung, war vollkommen ruhig.
Er blinzelte viele Male, damit seine Sicht sich langsam wieder einstellen würde, und ergriff schließlich Kassandras Hand, die sie ihm vorhielt. Erneut zog sie ihn viel zu leichtfertig auf die Beine und erneut rechnete sein Körper nicht damit. Er kam schwankend auf die Füße und starrte Kassandra dann nichtswissend an.
"Ich... Ich brauche keinen Champion, aber... ein Schwur?"
Undeutlich erinnerte er sich dabei an eine andere Sache, aber er vergaß sie wieder, als Kassandra in den Himmel empor zeigte. Und tatsächlich, der Riss schloss sich langsam, träge und irgendwie mühsam, aber immerhin. Was auch immer es mit ihrem Schwur auf sich hatte, es schien tatsächlich funktioniert zu haben.
"Wird es auch halten? Wird es nicht von dem nächsten Gott zerstört werden, der entschließt, die Erde zu besuchen?"
Würde es weitere Halbgötter aushalten, die in der Zeit geschaffen würden? Das waren alles Fragen, die es dringend zu beantworten galt.
Aber nicht hier. Nicht in Asvoß, in der Mitte von Nirgendwo.
Zoras drehte sich und fand die beiden Kuluar in einigem Stück Entfernung, wie Faia gerade Tysion auf die Beine half. Ihre Schichtkleidung war ziemlich ramponiert und außerdem konnte man beiden aus der Entfernung schon ansehen, dass sie genug von alldem hatten, was hier vonstatten gegangen war. Zoras mochte es wegen Kassandra ausgehalten haben, aber er kam auch nicht aus einem Land, in dem Champions und ihre Träger durch eine schlechte Hierarchie allgemein als Bedrohung galten.
Faia drehte sich zu ihnen beiden um und in dem Moment, wo sie sich abwandte, fiel Tysion wieder hin. Sein Fluch verschwand in seinem Bart, man konnte ihn dennoch hören.
"Wir sollten..."
Zoras starrte auf die dutzenden Risse zwischen ihnen, auf die Schluchten, die tief hinab in den Stein und das Eis gingen, auf die Lücken, die teilweise schon einige Meter breit waren und die man damit definitiv nicht mehr überqueren könnte. Jetzt, wo alles erstarrt war, hätten sie zwar außer Gefahr sein müssen, aber ein falscher Schritt und es wäre trotzdem vorbei.
Er drehte sich in die andere Richtung, nur um sich dann noch weiter zu drehen. Er konnte bis hinaus auf die weite Ebene schauen und es brauchte einen Moment, bis er begriffen hatte, dass die Festung ebenfalls in einem dieser Risse verschwunden sein mochte. Ein paar Trümmer waren noch übrig, aber nicht genug, um sie als etwas anderes zu bezeichnen als genau das: Trümmer.
Er kratzte sich die Bartstoppeln und sah zurück zu Kassandra.
"Es wäre wohl sehr hilfreich, wenn du einen Weg zur Küste wüsstest. Bei dem wir nicht allesamt unter der Erde landen werden."
Aber dann geschah doch etwas, auch wenn Zoras bis vor einem Moment noch geglaubt hätte, dass nichts diesen fortschreitenden Weltuntergang überschatten könnte. Und doch spürte er Kassandras Präsenz wieder auf sich, ihre Allmächtigkeit, die ihn einfing und sich auf ihn legte, anders noch als vorhin, aber immer noch Kassandra. Dieses Mal konnte er diese Präsenz sogar ganz deutlich wahrnehmen, als sich die Luft um sie herum zu verdicken schien und lange, musterhafte Formen annahm. Wenn er gekonnt hätte, hätte er sie sich näher angesehen. Wenn er gekonnt hätte, hätte er sich auch darum Sorgen gemacht, dass sie nun schon seit einigen Sekunden unbewegt an einem Fleck standen, was sich bei den Auswirkungen ihrer Umgebung äußerst schnell als fatal erweisen könnte.
Wenn er gekonnt hätte, hätte er seinen Blick von Kassandra abgewandt.
Aber ihre Augen brannten sich in seine, ihre Seele, die sich in den Tiefen dahinter versteckte, und ihre Stimme ertönte, auch wenn sie sich nicht rührte. Sie fuhr Zoras durch den gesamten Körper und als hätte sie nur darauf gewartet, schlug Kassandras Präsenz einen Moment später auf ihn ein, eine unglaubliche Wucht, die ihn augenblicklich an seine Sterblichkeit erinnerte. Er versuchte noch nicht einmal, sich dagegen zu wehren, denn das hätte vermutlich zu Knochenbrüchen geführt; er sackte gleich zusammen und kauerte unter ihrer allmächtigen Präsenz in einer ehrfurchtsgebietenden Haltung.
Kassandra war nicht mehr Kassandra und gleichzeitig war sie so viel Kassandra, wie sie noch niemals zuvor gewesen war. Zoras starrte auf zu einem Anblick, der zu schön hätte sein dürfen, um je von irgendeinem Menschen wahrgenommen zu werden. Kassandras Präsenz füllte den ganzen Raum um sie aus, ihre Gesichtszüge waren hart und von einer Determination geprägt, die den Menschen verwehrt blieb. Ihr Körper war noch immer der ihre, hochaufragend und wunderschön, aber genauso gut hätte er 100 Meter hoch sein können, bei der Macht, die sie ausstrahlte.
Zoras wäre höchst freiwillig vor ihr auf die Knie gegangen.
Dann fiel ihm aber auch auf, dass ihre Umgebung genauso schnell verstummt war, als die Phönixin das Wort erhoben hatte. Er hätte schon gedacht, dass sie etwas getan hätte, was das Auseinanderbrechen der Welt stoppte, hätte er da nicht den großen Wassertropfen neben ihrem Gesicht gesehen, der einfach in der Luft erstarrt war.
Oder nein, noch immer fiel, aber jetzt so langsam, dass er für Zoras deutlich sichtbar geworden war.
Kassandra sprach erneut, oder jemand sprach, durch Zoras' Körper hindurch, durch den Raum um sie herum, über die ganze Ebene hinweg. Ihre Hände berührten ihn und er hob den Blick an, um in das göttliche Antlitz von Kassandra zu blicken. Gegen den finsteren, zerrissenen Himmel wirkte sie wie eine Todesgöttin, mit langem, dicht schwarzem Haar und einer vergebungslosen Miene. Aber Zoras kannte sie besser. Er verspürte Ehrfurcht, Staunen und Liebe, endlose Liebe bei diesem Anblick, den sie ihm bot.
Ihre Worte machten keinen Sinn für ihn. Er wusste auch nicht, was sie genau vorhätte, außer womöglich ihr Herz ein zweites Mal von sich zu trennen und zu übergeben. Aber dafür schien es ihm die falsche Wortwahl zu sein, auch wenn er die richtige Wortwahl gar nicht kannte. Es schien viel zu... persönlich. Intim, so wie es ihm vorkam, als sie ihre Stirn an seine legte.
Dann stachen rote Flammen durch ihre Präsenz hindurch und mussten sich durch seine Kleidung fressen, so nah sie ihm waren, aber bis auf Kassandras überwältigende Anwesenheit spürte er rein gar nichts. Die Hand an seinem Kinn war warm, ihr Blick auf etwas gerichtet, das Zoras und auch wieder nicht Zoras war.
Dann sprach sie von einem Flammenbund und der Himmel ging in einem einzigen, grellen, alles verschlingenden Blitz auf.
Als er erst geendet hatte, was eine Ewigkeit zu beanspruchen schien, war es still um sie herum. Lärmend still sogar, denn das viele Getöse und das Grollen des Bodens hatten einen gewissen Nachklang in ihren Ohren hinterlassen, der jetzt an deren statt toste. Aber alles andere, ihre ganze Umgebung, war vollkommen ruhig.
Er blinzelte viele Male, damit seine Sicht sich langsam wieder einstellen würde, und ergriff schließlich Kassandras Hand, die sie ihm vorhielt. Erneut zog sie ihn viel zu leichtfertig auf die Beine und erneut rechnete sein Körper nicht damit. Er kam schwankend auf die Füße und starrte Kassandra dann nichtswissend an.
"Ich... Ich brauche keinen Champion, aber... ein Schwur?"
Undeutlich erinnerte er sich dabei an eine andere Sache, aber er vergaß sie wieder, als Kassandra in den Himmel empor zeigte. Und tatsächlich, der Riss schloss sich langsam, träge und irgendwie mühsam, aber immerhin. Was auch immer es mit ihrem Schwur auf sich hatte, es schien tatsächlich funktioniert zu haben.
"Wird es auch halten? Wird es nicht von dem nächsten Gott zerstört werden, der entschließt, die Erde zu besuchen?"
Würde es weitere Halbgötter aushalten, die in der Zeit geschaffen würden? Das waren alles Fragen, die es dringend zu beantworten galt.
Aber nicht hier. Nicht in Asvoß, in der Mitte von Nirgendwo.
Zoras drehte sich und fand die beiden Kuluar in einigem Stück Entfernung, wie Faia gerade Tysion auf die Beine half. Ihre Schichtkleidung war ziemlich ramponiert und außerdem konnte man beiden aus der Entfernung schon ansehen, dass sie genug von alldem hatten, was hier vonstatten gegangen war. Zoras mochte es wegen Kassandra ausgehalten haben, aber er kam auch nicht aus einem Land, in dem Champions und ihre Träger durch eine schlechte Hierarchie allgemein als Bedrohung galten.
Faia drehte sich zu ihnen beiden um und in dem Moment, wo sie sich abwandte, fiel Tysion wieder hin. Sein Fluch verschwand in seinem Bart, man konnte ihn dennoch hören.
"Wir sollten..."
Zoras starrte auf die dutzenden Risse zwischen ihnen, auf die Schluchten, die tief hinab in den Stein und das Eis gingen, auf die Lücken, die teilweise schon einige Meter breit waren und die man damit definitiv nicht mehr überqueren könnte. Jetzt, wo alles erstarrt war, hätten sie zwar außer Gefahr sein müssen, aber ein falscher Schritt und es wäre trotzdem vorbei.
Er drehte sich in die andere Richtung, nur um sich dann noch weiter zu drehen. Er konnte bis hinaus auf die weite Ebene schauen und es brauchte einen Moment, bis er begriffen hatte, dass die Festung ebenfalls in einem dieser Risse verschwunden sein mochte. Ein paar Trümmer waren noch übrig, aber nicht genug, um sie als etwas anderes zu bezeichnen als genau das: Trümmer.
Er kratzte sich die Bartstoppeln und sah zurück zu Kassandra.
"Es wäre wohl sehr hilfreich, wenn du einen Weg zur Küste wüsstest. Bei dem wir nicht allesamt unter der Erde landen werden."
