[2er RPG] In his Thrall [Codren feat. Pumi]

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    • Zwischen Vincent und dem Monster in seinem Inneren gab es kaum noch einen Unterschied. Wann immer Thomas ihn zum Keuchen brachte, schwang ein Knurren darin mit. Wann immer Thomas ihn zum Stöhnen brachte, vibrierte seine gesamte Brust von dem kehligen Ton. Als Thomas ihn küsste, eroberte er sofort dessen Mund mit seiner Zunge, und als sich der Mann zurückzog, wollte er ihm nachsetzen, doch Thomas hielt ihn auf eine Art und Weise fest, die es ihm unmöglich machte. Der Mann hatte wirklich vor, ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Vincent würde keine Beschwerde einlegen.
      Mit Thomas' nächstem Aufstöhnen riss sich Vincent von seinen selbstgewählten Fesseln los. Er legte seine Hände an Thomas' Oberschenkel, packte ihn und half ihm dabei, seinen Rhythmus nicht nur zu halten, sondern auch noch zu intensivieren. Zeitgleich lehnte er sich vor, sein Blick auf diesen wundervollen, schlanken Hals gerichtet...
      Vincent schloss seine Lippen um einen von Thomas' Nippeln, umkreiste ihn mit seiner Zunge, bevor er dem Umriss des Muskels folgte, um sein Werk auf der anderen Seite zu wiederholen. Schließlich aber konnte er seinen animalischeren Instinkten nicht mehr widerstehen. Er warf Thomas von sich zurück in die Laken, wirbelte ihn herum und zerrte ihn wieder zu sich, nun auf allen Vieren. Er beugte sich über ihn und versenkte sich gleich wieder tief in dem Mann, während sich seine Finger in dessen Hüften gruben. Er stöhnte auf, ein tiefes Grollen, das den Raum auszufüllen schien. Er verpasste Thomas ein paar harte Stöße, bevor er seine Arme um ihn schlang und ihn zu sich nach oben zog, ihn an seine Brust drückte. Vincent presste seine Lippen gegen Thomas' Schulter, hart, weil er eigentlich etwas ganz anderes wollte.
      "Ich will, dass du meinen Namen schreist," forderte er. "Ich will, dass du dieses ganze Haus wissen lässt, wem du gehörst."
      Vincent schloss eine Hand grob um Thomas' Schritt, passte die Bewegungen seiner Hand denen seiner Hüften an.
      "Wem gehörst du, Thomas?" fragte er wieder und wieder, während er den Mann gnadenlos auf die Spitze trieb. "Wem gehörst du?!"
      Selbst als sich Thomas' Körper anspannte, als seine Muskeln unkontrolliert zu zucken begannen und sich noch enger um Vincent schlossen, ließ er nicht locker. Er trieb Thomas nicht nur zur Klippe, er schleuderte ihn darüber hinweg und noch weiter, ließ nicht nach, bis er denn Mann nicht zweimal hatte kommen lassen.
      Kurz darauf erschütterte ihn seine eigene Lust bis tief in sein Inneres. Vincent presste Thomas mit einer Hand zwischen den Schulterblättern unter sich in die Laken, als er seine Hüften, einmal, zweimal noch heftig gegen seine stieß, bevor sich seine Lust endlich mit einem lauten Brüllen in dem Mann entlud.
      Seine Arme zitterten, während er sich aufrecht hielt, sein Atem ging schnell, Schweiß hatte sich auf seinem ganzen, kalten Körper ausgebreitet. Schließlich sackte Vincent auf dem anderen Mann zusammen. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, sich von Thomas herunterzurollen, geschweige denn, sich aus ihm zurückzuziehen. Er küsste lediglich die Stelle zwischen Thomas' Schulterblättern, die Geste hauchzart von der fehlenden Kraft dahinter. Das Monster war noch lange nicht befriedigt. Es hungerte nach mehr. Aber diese Art Hunger konnte Vincent gerade nicht bedienen. Er wollte es nicht.


    • Bald hatte der Mann wohl genug von Thomas’ halbherzigem Festhalten zu haben und lehnte sich vor, um seine Lippen um einen seiner sensiblen Nippel zu schließen. Thomas lehnte sich ihm willig entgegen, genoss die Aufmerksamkeit, während er sie beide zum Stöhnen brachte. Dann aber schien der andere sich nicht mehr zurückhalten zu können. Mit einem kraftvollen Stoß, dem selbst Thomas nichts entgegensetzen zu hatte, warf er ihn von sich, zurück ins Bett hinein, wo Thomas gerade mal ein Augenblick vergönnt war, um seine Orientierung wiederzufinden, ehe er von zwei starken Händen ergriffen, herumgewirbelt und wieder nach hinten gezerrt wurde. Mit einem überraschten Laut versuchte er sich am Laken festzuhalten, da war Vincent gleich wieder da und alle weiteren möglichen Proteste gingen in einem atemlosen Stöhnen unter, als der Mann ihn ergriff und erbarmungslos wieder in ihn eindrang. Er war schnell und er war kräftiger, als Thomas es auf seinem Schoß jemals gewesen wäre. Mit jedem weiteren Stoß füllte er ihn bis zum Anschlag aus und Thomas blieb nichts anderes übrig, als ihn zu nehmen und dabei zu versuchen, von dem berauschenden Gefühl nicht den Verstand zu verlieren. Vincent gewährte ihm ein paar Sekunden, um sich in dieser neuen Haltung zurechtzufinden, da schlang er den Arm um Thomas' Oberkörper und zog ihn wieder zu sich, gänzlich entgegen der Richtung, in die sich Thomas eigentlich hätte drücken lassen. Er keuchte auf, unfähig, sich selbst aufrecht zu halten, wäre da nicht Vincent und sein Arm, der ihn gnadenlos an dessen Brust presste, während er sich weiter in ihn trieb. Der Winkel war anders, ungewohnt, ließ Vincent in Thomas noch viel größer scheinen, als er eh schon war. Ununterbrochen stöhnte er seine Ekstase hervor, krallte die eine Hand Halt suchend in Vincents Arm und presste ihm seine Hüfte entgegen. Dessen Stimme klang an seinem Ohr, keuchend und grollend und Gott, er würde kommen, er konnte es nicht weiter aufhalten es war zu viel und -
      Er riss die Augen auf, als Vincent ihn umfasste, der Griff hart, fast schon schmerzhaft, wäre er nicht in völligem Einklang mit seinen Stößen. Er trieb Thomas geradewegs auf den Höhepunkt zu.
      Dir! Dir! Ich gehöre nur - dir! Vah-Vincent, ich kah-kann ni- Gott! Ich gehöre nur dir allein - Vincent!
      Seine Welt explodierte mit Vincents Namen auf den Lippen, sein ganzer Körper durchzuckt von einem einzigen, berstenden Orgasmus, der ihn gegen Vincent aufbäumen ließ und in seinen sämtlichen Muskeln widerbebte. Welle um Welle durchzuckten ihn, lange genug, dass er schließlich nach Luft schnappen musste, als das erste Gefühl abzuklingen begann. Er hatte seinen Kopf nach hinten auf Vincents Schulter geworfen und ließ sich von ihm durch den Höhepunkt treiben.
      Aber er wurde auch nicht langsamer, geschweige denn hörte überhaupt auf. Sein Tempo war weiterhin unnachgiebig, seine Stöße noch fordernder, seine Hand rieb ihn weiter, auch wenn es langsam vorbeiging, auch wenn sich ein gewisser Schmerz einstellte. Gerade eben war es noch gut, geradezu perfekt gewesen, aber jetzt wurde es zu viel, sehr schnell viel zu viel. Thomas ließ den Kopf wieder nach vorne rollen und gab ein Wimmern von sich, als er einen halbherzigen Versuch startete, sich von Vincent wegzudrücken.
      Vin-cent, hör… auf… kann… ni…
      Sein Inneres fühlte sich empfindlich an, er konnte jeden Zentimeter von Vincents Länge spüren, jeden unnachgiebigen Stoß, der ihn nach vorne geworfen hätte, wäre da nicht Vincents unnachgiebiger Arm gewesen. Er konnte nicht weg von ihm, er konnte nur nach vorne, sich in dessen Hand drücken, oder nach hinten, seinen Hintern an ihn pressen. Es war zu viel und es tat weh und gleichzeitig war er so empfindlich, dass er jede Berührung wie um ein tausendfach verstärkt fühlte.
      Vah-Vin-cent, bitte…
      Er grub hilfesuchend die Hand in Vincents Arm, versuchte ihn wegzuschieben, keuchte und stöhnte, während der andere ihn weiter unnachgiebig rannahm. Seine Fingernägel bohrten sich in dessen Haut.
      Kann… nicht… ah… zu viel…
      Aber Vincent ließ nicht locker. Er massierte ihn weiter und trieb sich unnachgiebig in ihn hinein, eine überwältigende Empfindung nach der anderen, der Thomas nicht entgehen konnte. Erneut bäumte er sich auf, kratzte an Vincents Arm entlang.
      Vin… cent, ich ka- ah!
      Ein Funken schoss durch seinen Körper, ein Schlag purer Lust, der ihn komplett ausfüllte. Mit einem Mal verwandelte sich der Schmerz wieder in reine Begierde, mit einem Mal war Vincents Hand nicht mehr zu viel, sondern zu wenig, mit einem Mal trieben ihn die Stöße wieder in ungeahnte Höhen empor. Er wand sich in Vincents Umarmung, kratzte ihm über den Arm, warf den Kopf zurück auf seine Schulter, stöhnte auf. Er konnte nicht, er konnte nicht, es war zu viel, es war nicht genug, aber -
      Vincent - ich kann - ich werde - scheiße - Vincent!
      Der Höhepunkt überrollte ihn, ließ weiße Sterne vor seinen Augen tanzen, während er unter der zweiten Wucht erzitterte und zuckte. Es war nicht so überwältigend wie beim ersten Mal, es bediente sich seiner ganzen restlichen Energie, die er aufbringen konnte. In seinem Kopf tobte nur Vincent, Vincent, Vincent und für viele, ekstatische Sekunden schien er von Vincents Stößen immer weiter reiten zu können und nie wieder runterkommen zu müssen. Die Stimme brach ihm, als er so laut stöhnte, dass seine ganze Brust vibrierte.
      Schließlich musste die Hand Mitleid mit ihm haben, denn sie verließ ihn endlich, als er aufgehört hatte zu zucken, und der Arm ließ ihn ebenso frei, allerdings nur, um ihn einen Augenblick später zurück ins Bett zu drücken. Thomas hätte gar nicht die Kraft besessen, dem zu widerstehen, er ließ sich von Vincent bewegen, wie er es haben wollte, und nahm die letzten zielgerichteten Stöße in sich auf, bevor der Mann sich mit einem atemberaubenden Brüllen in ihm entlud. Wäre er nicht so gänzlich ausgelaugt, keuchend und schwitzend und nicht mehr Herr über seinen Körper, hätte ihn dieser Laut sicher mehr interessiert. So zuckte er nur ein wenig, ein schwaches Nachbeben, bevor Vincent auf ihm kollabierte.
      Außer Atem und gänzlich kraftlos ließ er sich von dem Mann begraben und drehte nur den Kopf, um nicht im Laken zu ersticken. Sein Gehirn fühlte sich leer gefegt an, sein Unterleib ein konstantes Pochen, das ihn sicher am nächsten Morgen an diese Nacht erinnern würde. Er liebte es. Sein Herz hüpfte bei dem Gedanken, dass Vincent selbst seine Orgasmen gehörten.
      Ich liebe dich…”, nuschelte er ins Bettlaken hinein, bevor er blind hinter sich griff und Vincent die Hand in die Haare schob. Zu mehr reichte es nicht, er würde sich kein Stück mehr rühren. Seine Glieder waren schwer und unwillens, ihn zu tragen.
    • Es fühlte sich an, als verginge eine zweite Ewigkeit, bevor sich Vincent ein wenig hochstemmte und sich dann neben Thomas in die Laken warf. Seine Muskeln beschwerten sich auf die bestmögliche Weise, was ihm ein verträumtes Lächeln entlockte. Auf solche Weise Besitz von Thomas ergriffen zu haben, erfüllte ihn mit einem Stolz, den er kaum kannte. Dieser Mann war vollends sein, mit Haut und Haaren. Vincent fühlte sich wie ein Drache, der einen großen Schatz sein eigen nennen konnte.
      Aber ein Drache musste auch fressen.
      Vincent stemmte sich auf einen Ellenbogen und küsste Thomas sanft auf die Schulter.
      "Ich bin gleich wieder da," raunte er, seine Stimme noch immer rau. "Wenn du die Kraft hast, lass uns ein Bad ein. Wenn nicht, dann bleibe hier liegen, bis ich zurückkomme."
      Er küsste ihn noch einmal, dann stand er auf, warf sich seine seidene Robe über und schlenderte die Treppen hinunter in die Küche. Nora hob bloß eine Augenbraue ob seines späten Auftauchens und seines zerrupften Aussehens. Vincent schenkte ihr ein vielsagendes Lächeln. Er war mit sich so im Reinen wie schon lange nicht mehr. Zumindest so lange, bis Nora ihm sein übliches Glas Blut vor die Nase stellte. Es roch furchtbar. Vincent rümpfte die Nase verächtlich, wollte das Zeuge sogar anfauchen. Doch Nora's Blick brachte ihn dann schließlich dazu, das Glas doch an seine Lippen zu setzen und sich das Schweineblut die Kehle hinunter zu zwingen. Sein ganzer Körper fand irgendwie noch die Kraft, sich dagegen wehren zu wollen. Vincent schaffte es gerade noch, das Glas abzustellen, bevor er die Tischkante packte und sich dagegen wehren musste, gleich alles wieder hochzuwürgen. Seit Vlads Tod war es jede Nacht ein bisschen schlimmer geworden. Letzte Woche noch hatte er den Geschmack nicht gemocht, heute musste Vincent aktiv darum kämpfen, sein Abendessen drin zu behalten. Zu wissen, dass oben in seinem Bett ein Mann lag, der willens war, ihn zu nähren, machte es nicht besser.
      "Wollt ihr was essen?" fragte Nora, als Vincent sich endlich wieder im Griff hatte.
      "Ja. Aber wir bleiben oben," gab er kurz angebunden zurück und machte sich schon wieder auf den Weg zu seinem Schlafzimmer.
      Nora runzelte die Stirn, während sie ihm nachsah, bevor sie sich daran machte, ein kleines Abendessen zuzubereiten. Sie würde ein Auge auf Vincent haben müssen, beschloss sie.


    • Thomas gab nur ein unverbindliches Brummen von sich, schon halb auf dem Weg dazu, in dieser Position einzudösen. Vincent war noch eine ganze Weile auf ihm liegen geblieben, ein schweres, aber auch warmes Gewicht, an das er sich mit der Zeit gewöhnt hatte. Dann war der andere von ihm gerollt und hatte nichts als Kälte und getrockneten Schweiß hinterlassen.
      Vage spürte er den Kuss auf seiner Schulter, dann bewegte sich das Bett und kurz darauf wurde die Tür geschlossen. Er öffnete ganz kurz die Augen, schloss sie aber gleich wieder mit dem stillen Versprechen, sich nur kurz auszuruhen. Er würde ihnen beiden schon ein Bad einlassen.
      In der Realität schmerzte seine Hüfte, sein Rücken tat ihm weh von der langen, gebogenen Haltung und sein Geschlecht war völlig wund. Er spürte Vincent noch in sich, das Phantom dessen, was ihn gerade noch um den Verstand gebracht hatte. Er war sich ziemlich sicher, dass er eine noch viel größere Sauerei veranstalten würde, wenn er sich aufsetzen sollte.
      Aber sein Kopf war angenehm leer und wenn man bedachte, dass er womöglich den besten Orgasmus seines Lebens gehabt hatte - sogar zwei davon - war ihm das alles wert. Alleine, weil es Vincent war, war es ihm wert.
      Entsprechend blieb er aber lange liegen, zu lange, denn irgendwann öffnete sich die Tür und riss ihn aus seinem Dämmerschlaf wieder empor. Richtig, er wollte ja das Bad einlassen.
      Ächzend drehte er den Kopf und stemmte sich nach oben.
      Bleib, ich mach das schon.
      Er brauchte zwei Ansätze, um auf die Beine zu kommen, und taumelte dann auf zittrigen Beinen hinüber. Sowas war ihm auch noch nie passiert. Zwischen seinen Beinen spürte er Vincents Körperflüssigkeit hinauslaufen, woraufhin er das Gesicht verzog. Er beeilte sich, die Wanne aufzudrehen, setzte sich aber auch gleich mit rein, nicht gewillt dazu, noch länger zu stehen, nur um auf das Wasser zu warten. Es würde ihn schon irgendwie säubern, darüber machte er sich gerade keine Gedanken. Hauptsache, er konnte seine brennenden Glieder entspannen.
    • In Vincents Inneren begannen zwei Seiten, miteinander zu kämpfen. Die eine war stolz darauf, wie sehr Thomas' Beine zitterten, wie sehr er auf seinem Weg zum Badezimmer schwankte. Die andere wollte ihm sofort zur Hilfe eilen, wollte ihn tragen und sich um ihn sorgen. Der Kampf beider Seiten dauerte zu lange und bevor er sich für eine von beiden entscheiden konnte, saß Thomas bereits in der Wanne. Also schlenderte Vincent ihm hinterher und ließ sich neben der Wanne auf den Boden sinken. Er lehnte den Kopf auf den Wannenrand und betrachtete Thomas.
      "Du siehst furchtbar aus," meinte er, ein Lächeln auf den Lippen. "Auf eine glückselige Art und Weise."
      Er strich Thomas eine Strähne aus dem Gesicht, strich mit seinen Fingerspitzen über die scharfe Kante seines Kiefers. Er wollte es noch einmal tun. Er wollte Thomas noch einmal auf so finale Art und Weise erschöpfen. Nicht unbedingt heute, aber irgendwann. Allerdings verkniff sich Vincent diese Aussage, denn er wusste, dass Thomas dem sofort zustimmen würde.
      "Wie fühlst du dich?" fragte er stattdessen und ließ seine Finger träge Bahnen durch das steigende Wasser ziehen.


    • Thomas erwiderte Vincents Lächeln, kaum als der Mann sich neben der Wanne auf den Boden gehockt hatte. Da war durchaus noch dieses Bedürfnis, diesem wunderschönen, engelsgleichen Mann so nahe zu sein, wie der es nur irgendwie zuließ, aber jetzt war es in den Hintergrund gerutscht. Vielleicht hatte er sich von diesem Akt vorerst genug gesättigt.
      "Hmm. Irgendjemand muss ein bisschen grob zu mir gewesen sein."
      Sein Lächeln blieb aber, denn wirklich, das war alles andere als ein Vorwurf. Diese Schmerzen liebte er, er würde sie mit Stolz tragen, solange er nur konnte. Er wollte an diese unvergessliche Nacht erinnert werden.
      Träge drehte er den Kopf, um Vincents Fingerspitzen zu küssen.
      "Ich fühle mich, als hätte ich eine Jagd hinter mir, aber als hätte der Vampir sich an mir vergangen, anstatt mich umzubringen. Dabei war es ein sehr hübscher Vampir, weißt du? Er hat mich sogar zweimal kommen lassen im Eifer des Gefechts."
      Er griff sich Vincents Hand, bevor er sie zurückziehen konnte, und küsste sie.
      "Es hat mir wirklich gefallen, egal, wie viele Blutergüsse ich hiervon davontragen werde. Aber es war auch grenzwertig zwischendurch. Es hätte auch anders ausgehen können, das weißt du so gut wie ich."
      Nachdenklich blickte er in Vincents blaue Augen.
      "Ich muss mir sicher sein, dass du aufhören wirst, wenn ich es will. Wenn ich es... wirklich will. Wenn ich nicht gewollt hätte, dass du mich so lange festhältst, wäre es unschön geworden."
    • "Wenn du es wirklich gewollt hättest, hätte ich aufgehört," versicherte Vincent ohne zu zögern, ohne zu zweifeln. "Ich gebe zu, ich habe mich gehen lassen. Habe meine... animalischere... Seite ein bisschen gehen lassen. Aber ich würde dir niemals etwas antun, Thomas. Niemals."
      Er verstand Thomas' Sorge, verstand sie sogar sehr gut. Aber so sehr Vincent dieser Tage auch an sich selbst zweifelte, so wusste er doch mit Gewissheit, dass er diese eine Grenze nicht überschreiten würde. Nicht, wenn es um Thomas ging.
      Er lehnte sich vor und küsste Thomas sanft.
      "Willkommen zurück," flüsterte er an den Lippen seines Liebsten, bevor er sich wieder setzte. "Ein tröstlicher Aspekt: du hast genug von meinem Blut in deinem Kreislauf - du kommst also glimpflich und ohne viele Blutergüsse davon. Es würde mich überraschen, wenn du morgen überhaupt noch etwas davon spürst."
      Vincent hob kurz den Kopf, als er hörte, wie Nora das versprochene Abendessen im Schlafzimmer abstellte und dann gleich wieder verschwand. Sehr zur Enttäuschung des Monsters nahm er kein Blut wahr. Er würde sich wohl wieder mit einem der Äpfel begnügen müssen.
      "Allerdings wirst du ziemlich hungrig sein. Es wundert mich, dass du das bisher noch nicht bemerkt hast. Immerhin musstest du Knochenbrüche heilen."


    • Tatsächlich enttäuschte Vincents Aussage Thomas. Er ließ es sich mit einem zugehörigen Blick anmerken.
      Es wird wieder weggehen? Dann trinke ich beim nächsten Mal nichts von deinem Blut. Das sind die einzigen Verletzungen, die ich tragen möchte. Sogar mit Stolz, nach einer so erfolgreichen Jagd.
      Lächelnd legte er eine Hand an Vincents Wange und strich knapp darüber. Da fuhr er selbst auf, weil er im Nebenzimmer die Tür hören konnte, zweifellos, weil Nora hereinkam.
      Sie hat uns doch nicht gehört, oder? … Gerade eben, meine ich.”
      Sein anlaufendes Gesicht beruhigte sich wieder davon, dass Vincent ihm versicherte, dass Nora ganz sicher nichts von ihnen gehört hatte. Kurz danach wurde es aber doppelt so rot.
      Wir haben den Bettbezug nicht gewechselt.
      Damit konnte Vincent ihm nun auch nicht helfen und überließ Thomas daher seiner Scham darüber, dass Nora jetzt davon wusste, dass sie Sex gehabt hatten. Als ob sie sowas interessieren würde.
      Sie badeten sich ausgiebig, um auch den letzten Rest zu beseitigen, und kamen dann zu einem aufgedeckten Abendessen bei der kleinen Sitzecke im Schlafzimmer. Thomas zog sich eine von Vincents Roben über und gemeinsam widmeten sie sich dieser eher legeren Mahlzeit, bevor Thomas Vincent ansah.
      Wenn Vlad tot ist, bist du jetzt ein freier Mann, so frei, wie du nur irgendwie sein kannst. Was wirst du damit anfangen? Gibt es nicht irgendetwas, was du dir mit deiner Freiheit gewünscht hättest?
    • Vincent rollte seinen Apfel zwischen seiner Handfläche und der Armlehne seines Sessels hin und her, während er über seine Antwort nachdachte. Zwar hatte er in den letzten Nächten theoretisch genug Zeit zum Nachdenken gehabt, aber mit dieser speziellen Frage hatte er sich nicht wirklich beschäftigt. Seine Aufmerksamkeit hatte einzig und allein auf Thomas gelegen. Auf Thomas und auf seiner neuerlichen Wahrnehmung der Welt, verstärkt durch dessen Blut.
      "Es ist weniger, dass ich frei bin," sagte er schließlich. "Es fühlt sich eher an, als sei ich endlich erwachsen geworden. Sünden des Vaters und dergleichen. Der Name meines Erschaffers hat noch immer Gewicht in der Welt der vampirischen Politik, aber die Tatsache, dass ich ihn getötet habe und noch dazu sein Abkömmling bin, verleiht meinem eigenen Namen sehr viel mehr Macht - vollkommen unabhängig von meinem Alter."
      Er seufzte und biss ein großes Stück aus dem Apfel.
      "Ich weiß nicht, was ich mit dieser Freiheit anfangen will," gab Vincent schließlich leise zu. "Mein Leben bestand bisher nur daraus, vor Vlad davon zu laufen oder zu versuchen, ihn anzulocken, auf dass ich ihn vernichten kann. Ich hatte nie ein anderes Ziel. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, fühle ich mich ehrlich gesagt ein bisschen verloren."


    • Thomas runzelte die Stirn, während er darüber nachdachte, dass Vincent jetzt mehr Macht in der Politik seines Artgenossen haben sollte. Was würde das nun heißen, würde man sich vor dem Namen Vincent Caley Harker genauso ducken, wie man es vor Vlad getan hatte? Würde man sein Revier tunlichst vermeiden wollen - oder gerade absichtlich herkommen? Den Schützling ansehen gehen, der es zustande gebracht hatte, seinen Meister umzubringen?
      Thomas gefiel der Gedanke nicht so recht, auf der anderen Seite überkam ihn gleich der egoistische Gedanke, es erst recht herausfordern zu wollen, damit er sich leichte Jagd machte. Wie einfach es doch wäre, wenn die Vampire bei Vincent aufkreuzten und Thomas einfach nur dabei sein müsste, um kurzen Prozess zu machen. Er bräuchte sich nicht einmal zu verstecken, entweder er wäre ganz zurecht Vincents Liebhaber oder vielleicht sein Sklave, wie sie Vlad ebenso weisgemacht hatten. Es könnte so einfach und unkompliziert sein.
      Aber es brachte auch eine Gefahr mit sich, die er Vincent nicht auszusetzen gewillt war. Er wollte seinen Freund von sämtlichen Gefahren sicher wissen.
      Wenn dir schon nichts einfällt: Ich lasse mir gerne auf meiner Jagd helfen. Den richtigen Herzschlag zu finden, sollte dir wesentlich leichter fallen.
      Er schmunzelte ihm zu.
      Was ist mit deinen Büchern? Deine Sammlung ist doch sicher ausbaufähig, oder?
    • "In meiner Sammlung wird immer Platz sein, solange die Menschheit auch weiterhin Bücher schreibt und druckt," versicherte Vincent.
      Aber auch das war in den letzten Jahrzehnten eher ein Hobby und ein Mittel zum Zweck gewesen, niemals ein wirkliches Ziel. Sicher, hier und da hatte sich Vincent in die Beschaffung eines speziellen Exemplars verbissen, aber das waren kurzlebige Ziele, die schnell und einfach zu erreichen waren, bedachte man einmal seine Mittel und die ihm zur Verfügung stehende Zeit.
      "Ich glaube, ich muss erwachsen werden," seufzte Vincent theatralisch. "Aus dem Schatten meines Vaters treten und meinen eigenen Weg beschreiten. Wie macht man das? Ich wurde zu einer Zeit geboren, in der man davon ausgegangen ist, dass der Sohn den Beruf und den Posten des Vaters übernimmt."
      Er stockte, riss die Augen gespielt auf.
      "Oh nein. Muss ich etwa nach London ziehen und an Kabinettssitzungen teilnehmen?"
      Theoretisch hatte er diesen Sitz ja noch. Er blieb nur schon seit Ewigkeiten leer, wenn es zu Versammlungen des House of Lords kam.
      Vincent ließ den Kopf auf die Rückenlehne sinken, schnaubte entnervt, und spielte den exzentrischen Lord, den Thomas vor einigen Monaten kennengelernt hatte.
      "Ich hasse Politiker!"


    • Thomas lachte leise, während er seinen Freund bei einem nahenden Nervenzusammenbruch beobachtete. Manche würden alles geben, nicht zuletzt töten, um eine derartige Gelegenheit zu bekommen, nach London zu ziehen und dort an irgendwelchen politischen Zusammenkünften teilzunehmen, aber für Vincent reichte der Gedanke schon aus, um gleich in eine Krise zu verfallen. Vielleicht liebte Thomas ihn ja deswegen so, diese Unbeschwertheit, einfach er selbst zu sein, egal, was der Rest der Welt um ihn herum gerade tat.
      "Niemand zwingt dich nach London zu ziehen und dich mit Politikern abzugeben. Oder den Vlad Junior raushängen zu lassen."
      Dafür fing er sich gleich einen garstigen Blick ein und grinste zurück, bevor er aufstand, sich einen letzten Rest von seinem Essen nahm und um den kleinen Tisch herum zu Vincent ging. Hinter seiner Lehne blieb er stehen.
      "Du musst dich auch noch gar nicht entscheiden, was du machen möchtest. Du hast noch dein ganzes Leben vor dir, da wird dir sicher eine Idee kommen. Mund auf."
      Vincent gehorchte, während sein Kopf noch auf der Rücklehne lag, und Thomas steckte ihm das Essen mit den Fingern in den Mund. Er besiegelte es mit einem Kuss, ging dann zum Bett hinüber und wechselte den Bettbezug aus.
      "Ich für meinen Teil hätte nichts dagegen, die Nächte so zu verbringen, wie wir es jetzt schon tun. In Frieden und Ungestörtheit."
      Nach getaner Arbeit ließ er die Robe fallen, stieg nackt ins Bett und erwartete Vincent mit offenen Armen.
    • "Du klingst, als seist du mein Vater. Wenn er denn in der Moderne geboren worden wäre. Und ein moderner Freidenker gewesen wäre. Eigentlich klingst du gar nicht wie mein Vater."
      Vincent grinste, dann folgte er dem Befehl seines Liebsten. Er musste ein bisschen lachen ob der Kombination von Essen und Liebkosung. Während er auf dem Bissen herumkaute und sich dann auch endlich vollständig seinem Apfel widmete, um sein pochendes Zahnfleisch zu beruhigen, beobachtete er, wie Thomas einmal mehr in die Rolle der Hausfrau schlüpfte und sich um das Bett kümmerte. Zugegeben, heute Nacht gerechtfertigt. Da war mehr als nur ein bisschen Schweiß auf den Laken gelandet.
      Vincent hatte gerade den letzten Bissen seines Apfels beseitigt, da erblickte er Thomas, splitterfasernackt, in seinem Bett liegend. Sofort blitzte es in seinen Augen auf, die auch gleich eine Spur heller wurden - wenn auch nicht so auffällig, wie noch vor seinem allnächtlichen Schweineblut.
      Vincent schlenderte in aller Ruhe zu seinem Liebsten hinüber und setzte sich auf die Bettkante und ließ sich nach hinten fallen, dann rutschte er so lange herum, bis er seinen Kopf auf Thomas' Oberschenkel betten konnte.
      "Wie fühlt es sich eigentlich für dich an, mit meinem Blut in deinen Adern? Du warst vorhin wirklich sehr anhänglich. Beinahe schon ein bisschen zu sehr. Es steht dir nicht, so gefügig zu sein."
      Er griff nach Thomas' Hand, verschränkte ihrer beider Finger miteinander.


    • Thomas wartete, bis Vincent es sich gemütlich gemacht hatte, bevor er seine Hand in gleichmäßigen Bewegungen durch seine Haare schob.
      An sich fühle ich mich nicht anders, vielleicht ein bisschen wärmer, vielleicht ein bisschen aufgekratzt. Aber wenn ich dich so sehe”, er fuhr mit der Hand zu seinem Kiefer hinab, “dann geht es mir sehr wohl anders. Dann denke ich plötzlich, dass du der schönste, hinreißendste, charmanteste Mann der Welt sein musst. Dass irgendjemand hergegangen und dein Gesicht, deinen Körper, dein ganzes Selbst nach absoluter Perfektion gestaltet haben musst. Dass es gar keinen Menschen geben kann, der auch nur ansatzweise an dich heranreicht.
      Er beobachtete das Zucken von Vincents Hals, als er mit den Fingerspitzen darüber strich. Seine Stimme wurde weicher.
      Und dann denke ich, dass ich niemals so großes Glück finden werde, als hier in diesem Moment bei dir. Dass du das wichtigste in meinem Leben bist und dass ich mir nicht vorstellen könnte, jemals ohne dich zu sein.
      Liebevoll, mit einem Hauch Röte im Gesicht von den romantischen Worten, legte er die Hand an seine Wange.
      Mein Engel.
    • Vincent lächelte sanft und schnurrte ob der Worte seines Liebsten. Sicher, das könnte schlicht das Blut sein, das da aus Thomas sprach, aber irgendetwas verriet Vincent, dass das nicht der Fall war. Dass Thomas' Gedanken auch sonst nicht anders waren.
      Er führte die Hand, die er in seiner hielt, an seine Lippen und küsste Thomas' Knöchel sanft.
      "Ich könnte mich glatt daran gewöhnen, solche Komplimente von dir zu bekommen," meinte er. "Aber einen hoffnungslosen Romantiker darfst du mich jetzt nicht mehr schimpfen, hörst du?"
      Vincent rollte sich auf den Bauch und kroch zu Thomas hoch, sodass ihre Gesichter, ihre Lippen, nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.
      "Jetzt, wo ich dich habe," begann er, "wird mir erst klar, wie leer die Ewigkeit, die ich bereits hinter mich gebracht habe, eigentlich war. Ich will die Ewigkeit, die noch vor mir liegt, mit niemand anderem als mit dir verbringen."
      Vincent stahl sich einen kurzen Kuss, kaum mehr als ein Hauch.
      "Mein Herz," flüsterte er, bevor er Thomas' Lippen in einem richtigen Kuss eroberte.


    • Ich würde es niemals wagen”, entgegnete Thomas schmunzelnd, die gesunde Farbe in seinem Gesicht um ein Stück weiter zunehmend. Er hatte kaum jemals irgendwelche romantischen Neigungen gehabt, aber bei Vincent war das anders - wie könnte er auch nicht bei diesem atemberaubenden Mann, der auch noch sein war? Vielleicht würde er sich ja eines Tages daran gewöhnen können, solche Gedanken ganz frei zu äußern.
      Der Mann rollte sich herum, schob sich auf ihn und kroch das letzte Stück, bis sie Brust an Brust lagen. Da schlang Thomas die Arme um seinen Körper, gefangen von seiner Wärme und in Anbetracht der schönsten Augen, die er je erblicken durfte, und die jetzt nur auf ihn gerichtet waren, weich und liebevoll. Er ließ sich völlig vereinnahmen von Vincent, von seinen sanften Worten und dem Kuss, den er empfangen durfte. Als hätte es sich angesprochen gefühlt, machte sein Herz einen Satz bei dem Kosenamen und Thomas schloss die Augen, um in den Kuss hinein zu schmelzen, in den Vincent ihn mit aller Liebe verwickelte. Es hatte nichts begehrendes an sich, nur die Nähe zueinander, die Verbundenheit, die Gefühle. Thomas rollte sie irgendwann herum, sodass sie nebeneinander liegen konnten, ihre Körper eng miteinander verschlungen. Dann löste er sich, aber nur, um Vincent mit ernster Zuneigung zu betrachten.
      Danke, dass du auf mich aufgepasst hast, als ich es nicht selbst konnte. Es bedeutet mir wirklich viel.
    • Vincent kuschelte sich an seinen Liebsten, ließ sich von Thomas' Wärme einlullen. Nur damit ihm diese gleich wieder genommen wurde, als Thomas sich ein wenig von ihm entfernte, um ihn anzusehen. Die Ernsthaftigkeit im Blick des anderen Mannes brachte ihn zum lächeln und er legte Thomas eine Hand an die Wange.
      "Aber das ist doch selbstverständlich," erwiderte er. "Ich werde immer für dich da sein, wenn du mich brauchst."
      Und ich werde jeden vernichten, der dir wehtut, knurrte das Monster in Vincents Verstand. Scheinbar hatten sie beide in ihrer Liebe zu Thomas endlich zusammengefunden. Thomas gehörte ihm, auf jede erdenkliche Weise. Vincent war sich nicht sicher, ob er den Mann jemals würde gehen lassen können. Allein der Gedanke daran brannte auf eine ganz neue, unangenehme Weise.

      Den Rest der Nacht verbrachten Thomas und Vincent in angenehmer Zweisamkeit. Keiner von ihnen konnte die Hände lange vom anderen lassen. Immer wieder suchten sie die Berührung des jeweils anderen, die Nähe, die Wärme. Sie verschwendeten kaum einen Gedanken daran, aus dem Bett, geschweige denn aus dem Schlafzimmer zu gehen. Und für den Moment war das auch vollkommen in Ordnung. Denn heute Nacht war das erste Mal, dass sie ihr neues Normal auch wirklich genießen konnten. Es gab keine Geheimnisse zwischen ihnen, keine Monster, die darauf lauerten, sie zu töten. Sie konnten einfach nur zwei Männer sein, die sich liebten.
      Als der Morgen schließlich graute, streckte sich Vincent ausgiebig, wohl wissend dass das absolut gar nichts gegen die Steifheit seiner Muskeln tun würde, mit der er jeden Abend aufwachte. Die Nächte wurden langsam wieder kürzer, jetzt wo der Frühling nahte. Vincent rollte sich auf den Bauch und schlang die Arme um eines seiner Kopfkissen. Er wollte Thomas nicht verlassen, aber er wusste auch, dass seine Müdigkeit ihn in wenigen Minuten übermannen würde, sollte er sich nicht aktiv dagegen stellen.
      "Stell nichts Dummes an, ja?" nuschelte er zwischen dem Kissen und einem Gähnen hindurch, als ihm die Augen zufielen.
      Er kämpfte darum, sie noch einmal zu öffnen, nur um einen letzten Blick auf Thomas werfen zu können. Doch schlussendlich gewann seine Natur und er schlief ein, gerade als der erste Sonnenstrahl durch sein Fenster fiel.


    • Thomas genoss die letzten Stunden ihrer gemeinsamen Nacht in vollsten Zügen. Das hier war viel weniger das sexuelle Begehren, dem sie davor noch nachgegangen waren, sondern eine tiefe Verbundenheit, die sich ungewohnt frei anfühlte. Es gab keine Distanz mehr zwischen ihnen, keine dunklen Ecken, die sie zu verdecken versuchten, sondern ausschließlich ihre Liebe zueinander. Er dachte nicht einmal, dass es noch das Blut in ihm war. Es war einfach nur das Gefühl, bei Vincent richtig zu sein.
      Bis zur letzten Sekunde kämpfte der Mann gegen seine Natur an, aber Thomas machte ihm ein hartes Gefecht daraus, als er ihn ordentlich zudeckte und über den Rücken streichelte. Da gab Vincent ein Gähnen von sich und blinzelte langsam und träge.
      Würde ich niemals”, murmelte er sanft zurück, während Vincent seinen Kampf verlor. Es war deutlich zu beobachten, wie sein Körper erweichte und sein Kopf in den Kissen versank. Es dauerte kaum fünf Sekunden, da war er eingeschlafen und Thomas verging an dem Anblick seines gemütlichen, entspannt schlafenden Freundes.
      Er stellte sicher, dass Vincent gut zugedeckt war, dann kuschelte er sich an ihn und schlief selbst ein, zufrieden und gänzlich glücklich.

      Er schlief bis Mittag, bis er sich dazu aufraffte, aus dem Bett zu steigen und - nachdem er Vincent eingedeckt und einen Kuss auf die Schläfe gedrückt hatte - hinabzugehen. Eigentlich hatte er gehofft, Nora abpassen zu können, aber zu seiner großen Enttäuschung war sie nicht alleine - und zu seinem viel größeren Grauen wurde er entdeckt, bevor er die Flucht hätte anschlagen können.
      “Thomas!”
      Darcy kam mit riesigen, strahlenden Augen auf ihn zugelaufen, aus der Küche, wo sie wohl gerade Nora zur Hand gegangen war. Die Haushälterin sah sich auch nach ihm um, aber bevor er etwas hätte sagen können, warf Darcy sich ihm schon regelrecht in die Arme.
      "Da bist du ja! Ich habe mir ja solche Sorgen gemacht, als du einfach weg warst! Nora meinte, du müsstest dich ausruhen nach deiner Jagd! Hast du es geschafft? Hast du ihn umgebracht?"
      Sie wickelte ihre Arme um Thomas' Nacken und versuchte, ihn in einen Kuss zu verwickeln, dem er sich wiederum zu entziehen versuchte. An ihm haftete noch überall Vincent, vielleicht durch das Blut, viel eher aber nach der höchst intensiven Nacht, die sie zusammen erlebt hatte. Das letzte, was er sich im Augenblick hätte vorstellen können, war Darcy zu küssen.
      "Ja. Es hat alles funktioniert, Vlad ist tot."
      Er hielt sie mit seinen Händen so gut es ging auf Abstand.
      "Und du bist auch nicht verletzt, oder? Fünf Tage habe ich dich nicht gesehen! Hat er dir auch nichts getan, nichts gebrochen?"
      Doch, eine Menge sogar. Aber...
      "Nichts schlimmes. Mir geht es...", sein Blick flackerte zu Nora, die noch nicht wissen konnte, was Vincent und er letzte Nacht getan hatten, die aber jetzt wohl gewisse Rückschlüsse ziehen könnte, "... gut."
      "Das ist ganz fabelhaft! Und Vincent ist auch tot?"
      Thomas stutzte.
      "Vincent? ... Wie kommst du darauf?"
      "Er ist doch ein Vampir. Du hast sie doch beide umgebracht?"
      Unschlüssig wanderte sein Blick wieder zur Haushälterin hinüber, die Darcy wohl vollkommen außenvor gelassen hatte mit den Umständen, die auf Harker Heights existierten. Aber von Nora konnte er wohl keine Hilfe erwarten; die Frau bedachte ihn mit einem Blick, der sehr deutlich zum Ausdruck brachte, was sie ihm schon viel früher mitgeteilt hatte. Das hier wäre nicht ihre Sache zu regeln, das war Thomas'.
      "Ich denke, wir sollten reden, Darcy. ... Irgendwo alleine."
      Da stutzte auch seine Schein-Frau, löste sich von ihm, nickte dann und ließ sich von Thomas hinüber in den Frühstückssaal führen, wo er sich Ungestörtheit von Nora erhoffte. Auf dieses Gespräch war er nun wirklich nicht vorbereitet und da brauchte er sicher nicht noch Zuhörer.
      Darcy setzte sich an den Tisch und bedeutete ihm, sich zu ihr zu setzen, aber Thomas stand lieber. Er hatte sich eher leger angezogen, lediglich ein Hemd mit Hosenträgern und passender Hose, daher musste er sich jetzt damit vergnügen, nur an den losen Ärmeln herumzupfen zu können.
      "Vincent ist, ähm... nun, also, Vincent lebt noch. Er schläft, ganz offensichtlich. Ich habe ihn nicht umgebracht, sondern nur Vlad."
      Darcys Strahlen von eben dämpfte sich ein bisschen, als sie darüber nachzudenken schien. Ihre Augen waren noch immer groß und offen, während sie Thomas betrachtete.
      "Warum nicht?"
      "Vincent ist kein... schlechter Vampir."
      "Kein schlechter Vampir."
      "Nein, kein schlechter Vampir."
      "Habe ich da etwa was übersehen beim Training? Man kann Vampire in schlecht und gut unterteilen?"
      Himmel.
      "Nein. ... Also, ja. Vielleicht?"
      "Vielleicht? Du bist doch der Experte."
      "Ja, aber es ist nicht... man kann nicht einfach so..."
      Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Er konnte Darcy jetzt nicht einfach die ganzen Ergebnisse seiner vergangenen Krise präsentieren, als er die Beobachtung gemacht hatte, Vincent nicht umbringen zu wollen - es sogar nicht zu können. Das wollte er nicht, selbst wenn er die Zeit dazu gehabt hätte.
      "Das ist schwierig zu entscheiden. Wenn du einen Vampir jagst, musst du erstmal davon ausgehen, dass er schlecht ist, weil er eine Gefahr für die Menschen ist. Aber Vincent ist keine Gefahr für die Menschen."
      "Woher weißt du das?"
      "Weil ich ihn kennengelernt habe und weil ich Zeit mit ihm verbracht habe und mit absoluter Sicherheit sagen kann, dass Vincent niemandem, nicht einmal einer Fliege, etwas zuleide tun würde."
      "Woher willst du das denn wissen?"
      Darcy schien neugierig, aber gleichzeitig war klar, dass sie den Zusammenhang noch nicht begriffen hatte. Sie hatte keine Ahnung, worum es hier wirklich ging.
      "Er könnte es doch tun, oder nicht? Jederzeit. Was würde ihn davon abhalten?"
      "Aber das wird er nicht."
      "Woher weißt du das?"
      "Weil ich das eben weiß."
      "Und woher? Weil er das gesagt hat?"
      "Nein - auch, natürlich. Aber weil ich das eben weiß."
      "Aber wie kannst du dir sicher sein? Hast nicht du immer so sehr gepredigt, dass man niemals das Risiko eingehen sollte -"
      "Weil ich mich in Vincent verliebt habe und weil ich ihn liebe und weil er bereits tausend Möglichkeiten gehabt hätte, mich umzubringen", platzte er schließlich hervor und ließ Darcy verstummen. Ihre großen Augen musterten ihn und wurden dann ein Stück größer.
      "Weil er hier einen Hausstab hat, der aus Menschen besteht, die er willentlich aus schwierigen Verhältnissen rettet, um ihnen ein angenehmes Leben zu ermöglichen und weil er einen Kühlschrank voll mit Schweineblut hat, das er sich herunterzwingt, um das fehlende Menschenblut zu ersetzen. Weil er nicht ein einziges Mal nach meinem Blut verlangt hat, nicht einmal dann, wenn es direkt vor seiner Nase war. Weil wir uns oft nahe genug gewesen waren, dass er einfach hätte... zubeißen können."
      Thomas spürte seinen Kopf rot werden und gleichzeitig konnte er sehen, wie es in Darcys Gehirn ratterte und sie diese neue Information zu verarbeiten versuchte. Ihre Mimik war recht unergründlich, zwar überrascht, vielleicht ein bisschen verwirrt, aber nichts ließ darauf schließen, was sie nur davon halten könnte. Es dauerte auch einige Sekunden, einige schwer liegende Sekunden, bis sie die aufgetretene Stille unterbrach.
      "Du hast dich verliebt?"
      Das war nun der Part, vor dem Thomas sich wohl so lange gedrückt hatte. Er wusste, dass er Darcy unrecht getan hatte und die Sache viel zu lange hatte weiterlaufen lassen und er wusste genauso, dass er dafür nun die Konsequenzen tragen musste. Wenn er doch nur darauf vorbereitet gewesen wäre, hätte er es ihr irgendwie schonender beigebracht, aber so war er mit der Tür ins Haus gefallen und musste es nun beim Einstürzen beobachten.
      Bevor er aber etwas sagen konnte, kniff sie die Augen langsam zusammen.
      "Du hast dich verliebt?"
      "... Ja?"
      "Du? Ich meine... du? Derselbe Mann, den ich anflehen muss, damit er auch nur in Betracht zieht, mit mir eine Theatervorstellung zu besuchen? Der nie sonst so strahlt wie nach einer besonders erfolgreichen Jagd? Der in etwa so liebevoll ist wie ein Stein? Du?"
      Thomas' Kopf nahm ein bisschen an Farbe zu.
      "Das ist jetzt aber nicht besonders -"
      "Nein nein, lass mich ausreden. Du hast dich verliebt. In Vincent. Davon erfahre ich jetzt erst. Auch, dass du zu sowas überhaupt in der Lage bist. Und dann auch noch in Vincent?"
      Unwohl rieb er sich über den Unterarm, brachte aber ein durchaus überzeugtes "Ja" zustande. Da sprang Darcy plötzlich auf und hielt sich die Hand vor den Mund, als könne sie die Überraschung gar nicht glauben.
      "In Vincent! Du und Vincent? Derselbe Vincent von Hollow's Eve, ja? Der Vincent? Der charmante, gutaussehende Junggeselle Lord Vincent Harker? Und du? Wirklich? Wie ist das denn passiert?"
      Thomas zögerte, bevor er eine Antwort lieferte.
      "Wir haben uns auf Hollow's Eve kennengelernt; du warst ja dabei. Er hat mir eine Führung durch sein Anwesen gegeben, weil ich ihn schließlich entlarven wollte. Er hat auch..."
      Er sah hinab auf seine Hände, damit sein Kopf etwas abkühlen könnte. Aber das war quasi unmöglich.
      "... er hat auch etwas anderes gemacht", nuschelte er dann unverständlich und musste es wiederholen, als Darcy darauf beharrte, es hören zu wollen. Da er aber ganz sicher nicht davon erzählen könnte, was Vincent mit ihm angestellt hatte - auch noch in diesem Saal, in dem sie gerade standen - murmelte er nur ein:
      "Wir haben uns geküsst."
      Darcy quietschte, und zwar aus Erheiterung, wie er einen Moment später feststellen konnte. Ihre Augen waren wieder groß und strahlend geworden und hängten sich jetzt regelrecht an ihn. Die gute Stimmung konnte er überhaupt nicht verstehen.
      "Geküsst! Auf Hollow's Eve, wirklich? Oh nein, wie romantisch! Und ist er ein guter Küsser? Was würdest du sagen?"
      Er zog die Stirn in Falten.
      "Ich werde nicht -"
      "Wie ist er so? Ist er auch gut im Bett? Hattet ihr schon Sex? Wie funktioniert das überhaupt?"
      Seine Falten vertieften sich.
      "Diese Frage werde ich dir ganz sicher nicht beantworten."
      "Ist dann einer von euch die Frau und der andere steckt es -"
      "Darcy."
      "- rein? Oder reibt ihr euch -"
      "Darcy, Himmelherrgott, Schluss jetzt!"
      Sein Kopf stand in Flammen, das konnte er deutlich spüren. Darcy kicherte auch, weil sie genau wusste, wie sie Thomas' Blut in die falsche Wallung versetzen konnte.
      "Schon gut, schon gut. Oh, deswegen ist er dich ja auch besuchen gekommen in Cambridge, nicht wahr? Haben wir euch etwa gestört? Und deswegen - deswegen hast du seinen Namen gestöhnt! Ich habe es doch gewusst!"
      Thomas rieb sich das Gesicht.
      "Ich werde keine weitere Frage diesbezüglich beantworten."
      Darcy kicherte.
      "Nagut. Ich finde es jedenfalls ganz zauberhaft. Du und Vincent, das hätte ich mir nie vorstellen können. Er ist so charmant und du bist so... naja, du."
      "Na, vielen Dank auch."
      Lächelnd trat sie an ihn heran und strich ein paar Falten auf seiner Schulter glatt.
      "Du kannst auch ganz charmant sein, wenn du mal nicht so mürrisch dreinsiehst. Auf deine eigene Weise eben."
      "Mh."
      Für einen Moment sahen sie sich beide in die Augen.
      "... Dann bist du also nicht sauer?"
      "Oh, doch."
      Sie ließ von ihm ab, aber ihre Stimmung blieb weiterhin locker.
      "Du hast mich betrogen, auch noch mit einem Mann. Das ist nicht sehr Gentleman-like. Außerdem hast du mich ein Jahr lang hingehalten, nur um mir jetzt zu offenbaren, dass ich niemals gut genug für dich sein kann, egal welche Frisur ich mir machen lasse, welche Kleider ich trage und welche Figur ich habe. Das tut weh, Thomas. Ich wäre gerne mit einem Mann zusammen gewesen, der mir auch das Gefühl gibt, dass er mich liebt und mich nicht nur in seiner Gegenwart erduldet. Jetzt verstehe ich zwar, warum das so war, aber das macht es nicht rückgängig. Ich wünschte, dass du mir das gesagt hättest, bevor wir uns für eine Partnerschaft entschieden haben."
      "... Ich weiß."
      Sie hatte in allen Punkten recht, das wusste er zu gut. Eigentlich hätte er noch etwas erwidern wollen, sich rechtfertigen und ihre Argumente etwas aushebeln, aber dann ließ er es trotzdem bleiben. Das hatte er wohl verdient.
      "Ich glaube, wenn ich es mir recht überlege, möchte ich dich nie wieder sehen. Ich wünsche dir Glück mit Vincent und alles, aber du sollst nicht mehr Teil meines Lebens sein."
      Auch das konnte er verstehen. Ein bisschen tat es trotzdem weh.
      "Okay. Das verstehe ich."
      "Gut."
      Darcy lächelte ein wenig, jetzt wohl selbst unschlüssig darüber, wie sie von hier aus weiter verfahren sollten. Mittlerweile standen sie mit einer merkwürdigen Distanz zueinander, die sich unwirklich anfühlte.
      "... Ich denke, ich möchte gerne heimfahren."
      "Ja. Ja, sicher doch. Ich bringe dich."
      "Nein, schon gut. Lieber nicht."
      "Ich werde dich nicht alleine nachhause fahren lassen, Darcy."
      "Oh, jetzt wieder ganz der Gentleman, wie?"
      "Das hätte ich auch davor nicht getan."
      "Das stimmt wohl. Aber ich möchte nicht mit dir zusammenfahren."
      "Wir nehmen zwei Kutschen. Ich stelle nur sicher, dass du sicher bei Stephen ankommst."
      "Nein, vielleicht ist es auch besser, wenn ihr beiden euch nicht begegnet. Ich glaube nicht, dass Stephen diese ganze Angelegenheit gut verträgt und du bist ein wirklich schlechter Lügner. Er würde dir wahrscheinlich den Kopf abzureißen versuchen. Und danach Vincent."
      "Ich muss ihm ja nicht begegnen."
      "Nein, Thomas."
      "Dann lass mich dich wenigstens nach Cambridge bringen. Wir schicken Stephen eine Nachricht und er soll kommen und dich bei mir abholen. Wie wäre es damit?"
      Darcy betrachtete ihn einen Moment, dann nickte sie seufzend.
      "In Ordnung. Ich werde ihm schreiben."
      "Okay. ... Morgen dann?"
      "Ich habe keine Sachen, die ich zusammenpacken müsste, Thomas."
      "Ich weiß, aber... ich will nur... also, heute Abend wacht Vincent auf und da will ich nicht -"
      "Achso, ja sicher, Vincent schläft ja bis heute Abend. Okay, dann morgen."
      "Okay."
      Einen Augenblick standen sie noch beieinander, dann ging Thomas als erstes nach draußen, erleichtert darüber, diese Tortur letzten Endes hinter sich gebracht zu haben. Nachdem er aber nun doch nicht mehr Nora über den Weg laufen wollte, um unangenehmen Fragen zu entkommen, huschte er zurück ins sichere Schlafzimmer seines Freundes.

      Sonnenuntergang kam ein bisschen später mit den länger werdenden Tagen, aber Thomas war so wie immer im Bett, an Vincents Rücken gekuschelt und flüsterte ihm sanft ins Ohr, um den Mann zurückzuholen. Er belohnte Vincents Regungen mit lockenden Küssen.
      "Aufwachen, Liebling. Möchtest du vielleicht mit mir nach Cambridge fahren?"
    • Die Wärme an Vincent's Rücken war angenehm, die Stimme, die dazu gehörte, Balsam für seine Ohren. Beides half nicht ein Stück gegen das trockene Brennen in seiner Kehle und seinen Eingeweiden.
      Er rollte sich auf die Seite, mit dem Rücken zu Thomas, und zog murrend die Beine an in der Hoffnung, dass es helfen würde - tat es nicht. Und so angenehm Thomas' Stimme auch war, sie wurde von dem dröhnenden Hämmern mehrerer Herzschläge übertönt. Es war so laut, dass sich Vincent das Kissen über die Ohren zog. Er wollte die Welt ausblenden, wollte zurück in die alltägliche Bewusstlosigkeit sinken, um seinen Körper nicht mehr wahrnehmen zu müssen. Aber diese Gnade war ihm nicht vergönnt.
      "Cambridge?" fragte er daher mit heiserer Stimme, in der Hoffnung, ein Gespräch mit Thomas reiche aus, um ihn abzulenken. "Warum willst du jetzt zurück nach Cambridge?"
      Er zwang sich dazu, sich wieder der Länge nach auszustrecken. Das Kissen ließ er allerdings einfach auf seinem Kopf liegen, als er sich wieder auf den Bauch rollte. Hunger und Müdigkeit kämpften um die Kontrolle über ihn und er war noch nicht wach genug, um sich damit auseinanderzusetzen.


    • Es schien am Abend stets ein besonders anstrengender Kampf zu sein, dem Thomas nur mitfühlend beiwohnen konnte. Er gab sein bestes, Vincents Erwachen so angenehm wie nur möglich zu gestalten, aber letzten Endes musste der Mann eben selbst aufwachen und das war allem Anschein nach eine wahre Plage.
      Er rollte sich halb auf Vincents Körper und zog ihm erbarmungslos das Kissen wieder vom Kopf, um seine Wange küssen zu können.
      Ich möchte Darcy nachhause bringen. Sie wird Stephen schreiben, dass er sie bei mir abholen kommen soll. Ich könnte es auch alleine tun, aber ich weiß nicht, ob Stephen so schnell kommen kann und ich möchte dich nicht vermissen.
      Behutsam streichelte er ihm die zerzausten Haare nach hinten.
      “... Wir haben Schluss gemacht. Denke ich.
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