„Mein ganzes Leben hat man versucht, mir einzutrichtern, dass ich als Seeker etwas Gutes tue. Aber ich beginne langsam zu begreifen, dass ich die falschen Monster gejagt habe.“
Michael hatte darauf nur ein beinahe mitleidiges Gesicht für Cain übrig. Noch immer saß er entspannt auf seinem Stuhl, während neben ihm die Übertragung gnadenlos weiterlief. „Du hast zweifellos etwas Gutes getan. Viel zu wenige sind in der Lage, die Andersartigkeit der Seelen spüren zu können. Wir sind auf Leute wie dich angewiesen, Cain, ob du es wahrhaben willst oder nicht. Du hast monströse Seelen gejagt, die manchmal einfach nur die Seelen von Menschen waren. Wo ist dann der Unterschied, wer das wahre Monster ist?“
Er neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite und beobachtete den jungen Mann weiterhin ganz genau. Dabei interessierte er sich nicht, was auf dem Bildschirm passierte. Entweder, er wusste es schon, weil die Aufnahme veraltet war, oder er wusste es, weil ihm das Prozedere nicht neu war. Doch für den Seeker würden es quälende Bilder werden, dessen war sich Michael mehr als bewusst.
Ein Mann betrat den Raum, gekleidet in den gleichen Kittel wie Sylea ihn trug. Sie verrenkte sie beinahe den Hals, um einen Blick schon von Weitem auf den Mann erhaschen zu können, der sich mit schlendernden Schritten näherte. Er war groß, vermutlich um die dreißig Jahre alt, und hatte rotbraunes, langes Haar, das in einem Zopf zurückgebunden worden war. Seine Augen waren braun, ein hübsches, helles Braun, und er sah Sylea interessiert an, als er näherkam.
„Wie alt ist sie? 18?“, fragte er und seine tiefe Stimme ließ irgendetwas in Sylea erschaudern.
„Mach dir keine Gedanken, Gerrit. Wir setzen dir schon keine Jugendliche vor“, wehrte ein Arzt ab und bereitete ein Tablett vor, auf dem ein Handtuch, irgendeine Dose und scheinbar feuchte Tücher drapiert lagen. Er stellte es auf einem beweglichen Wagen seitlich von Syleas Hüfte.
Ihre Augen zuckten von dem Tablett zu Gerrit. „Du bist Gerrit?“
Gerrit blieb an Syleas Knöcheln stehen und sah sie mit gehobenen Augenbrauen an. „Jep, der bin ich. Hab ich mittlerweile schon einen Ruf oder was ist hier los?“
„Sie hat einen Funkspruch gehört“, mischte sich einer der Ärzte ein und holte aus einer Schublade ein recht auffälliges Stoffstück mit Bindung heraus.
Syleas Augen wurden groß. „Wieso wollt ihr mich knebeln?!“
„Hey, hey, lasst das mal schön sein. Ihr müsst das arme Ding nicht auch noch mundtot machen.“ Gerrit schlug dem Arzt den Knebel beinahe schon aus der Hand. „Ich mag es lieber, wenn man sie hört.“
Jetzt wurde Sylea wirklich anders. So richtig erschloss sich ihr immer noch nicht, was hier vonstattenging. Trotzdem fing sie langsam an zu zittern, sei es aus Angst oder aus Aufregung. Gerrit schien das zu bemerken und legte eine Hand auf ihren Spann und streichelte sanft mit seinem Daumen über ihre Haut. Beruhigend. Bestätigend. „Alles gut.“
„Nichts ist gut!“, entfuhr es Sylea und ihre Stimme brach am Ende. Sie wollte nicht von irgendwem hier angefasst werden. Mit Horror in den Augen sah sie zu, wie sich Gerrits Hand von ihrem Fuß hoch zu ihrem Schienbein bewegte, immerzu diese zarte Berührung, die eine Gänsehaut bei dem Mädchen auslöste. Sie versuchte sich zu bewegen, irgendwie der Berührung auszuweichen, aber es war zwecklos. Hilfesuchend schaute sie zu den beiden Ärzten. Einer hielt den Blick auf die Messwerte auf dem Bildschirm, der andere hatte sich gesetzt und sah Gerrit unbeteiligt zu.
Indes trat Gerrit um Sylea herum und stand nun zwischen ihren Füßen. Noch waren ihre Beine lang ausgestreckt und der Kittel reichte ihr bis zu den Knien, aber seine Hand tauchte schon unter den Kittel und weiter hinauf. Er machte Halt an der Innenseite ihrer Oberschenkel und Sylea wurde schlecht.
Den Fortbestand sichern. Der Schmerz, als sie aufwachte. Der negative Test. Die gesundheitlichen Überprüfungen. Mairead. BZ…
„Ooooh nein“, stöhnte Sylea, als es ihr dämmerte, was hier abging. „Nein, nein, nein, nein! Das kann nicht euer Ernst sein! Was seid ihr für widerliche Menschen! Das geht nicht! Ascan wird nicht –„
Sylea brach ab. Noch immer war von Ascan keine Spur zu fühlen. Sie war allein in ihrem Kopf, sie war allein hier, sie wusste nicht, wo er oder Cain gerade waren. Hier festgeschnallt, ohne übermenschliche Kraft oder die Fähigkeit, ihre Aura gezielt zu steuern, war Sylea machtlos. So machtlos, dass sie nur frustriert und verängstigt aufschreien konnte, als Gerrit noch einen Schritt näher auf sie zu trat.
Michael hatte darauf nur ein beinahe mitleidiges Gesicht für Cain übrig. Noch immer saß er entspannt auf seinem Stuhl, während neben ihm die Übertragung gnadenlos weiterlief. „Du hast zweifellos etwas Gutes getan. Viel zu wenige sind in der Lage, die Andersartigkeit der Seelen spüren zu können. Wir sind auf Leute wie dich angewiesen, Cain, ob du es wahrhaben willst oder nicht. Du hast monströse Seelen gejagt, die manchmal einfach nur die Seelen von Menschen waren. Wo ist dann der Unterschied, wer das wahre Monster ist?“
Er neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite und beobachtete den jungen Mann weiterhin ganz genau. Dabei interessierte er sich nicht, was auf dem Bildschirm passierte. Entweder, er wusste es schon, weil die Aufnahme veraltet war, oder er wusste es, weil ihm das Prozedere nicht neu war. Doch für den Seeker würden es quälende Bilder werden, dessen war sich Michael mehr als bewusst.
Ein Mann betrat den Raum, gekleidet in den gleichen Kittel wie Sylea ihn trug. Sie verrenkte sie beinahe den Hals, um einen Blick schon von Weitem auf den Mann erhaschen zu können, der sich mit schlendernden Schritten näherte. Er war groß, vermutlich um die dreißig Jahre alt, und hatte rotbraunes, langes Haar, das in einem Zopf zurückgebunden worden war. Seine Augen waren braun, ein hübsches, helles Braun, und er sah Sylea interessiert an, als er näherkam.
„Wie alt ist sie? 18?“, fragte er und seine tiefe Stimme ließ irgendetwas in Sylea erschaudern.
„Mach dir keine Gedanken, Gerrit. Wir setzen dir schon keine Jugendliche vor“, wehrte ein Arzt ab und bereitete ein Tablett vor, auf dem ein Handtuch, irgendeine Dose und scheinbar feuchte Tücher drapiert lagen. Er stellte es auf einem beweglichen Wagen seitlich von Syleas Hüfte.
Ihre Augen zuckten von dem Tablett zu Gerrit. „Du bist Gerrit?“
Gerrit blieb an Syleas Knöcheln stehen und sah sie mit gehobenen Augenbrauen an. „Jep, der bin ich. Hab ich mittlerweile schon einen Ruf oder was ist hier los?“
„Sie hat einen Funkspruch gehört“, mischte sich einer der Ärzte ein und holte aus einer Schublade ein recht auffälliges Stoffstück mit Bindung heraus.
Syleas Augen wurden groß. „Wieso wollt ihr mich knebeln?!“
„Hey, hey, lasst das mal schön sein. Ihr müsst das arme Ding nicht auch noch mundtot machen.“ Gerrit schlug dem Arzt den Knebel beinahe schon aus der Hand. „Ich mag es lieber, wenn man sie hört.“
Jetzt wurde Sylea wirklich anders. So richtig erschloss sich ihr immer noch nicht, was hier vonstattenging. Trotzdem fing sie langsam an zu zittern, sei es aus Angst oder aus Aufregung. Gerrit schien das zu bemerken und legte eine Hand auf ihren Spann und streichelte sanft mit seinem Daumen über ihre Haut. Beruhigend. Bestätigend. „Alles gut.“
„Nichts ist gut!“, entfuhr es Sylea und ihre Stimme brach am Ende. Sie wollte nicht von irgendwem hier angefasst werden. Mit Horror in den Augen sah sie zu, wie sich Gerrits Hand von ihrem Fuß hoch zu ihrem Schienbein bewegte, immerzu diese zarte Berührung, die eine Gänsehaut bei dem Mädchen auslöste. Sie versuchte sich zu bewegen, irgendwie der Berührung auszuweichen, aber es war zwecklos. Hilfesuchend schaute sie zu den beiden Ärzten. Einer hielt den Blick auf die Messwerte auf dem Bildschirm, der andere hatte sich gesetzt und sah Gerrit unbeteiligt zu.
Indes trat Gerrit um Sylea herum und stand nun zwischen ihren Füßen. Noch waren ihre Beine lang ausgestreckt und der Kittel reichte ihr bis zu den Knien, aber seine Hand tauchte schon unter den Kittel und weiter hinauf. Er machte Halt an der Innenseite ihrer Oberschenkel und Sylea wurde schlecht.
Den Fortbestand sichern. Der Schmerz, als sie aufwachte. Der negative Test. Die gesundheitlichen Überprüfungen. Mairead. BZ…
„Ooooh nein“, stöhnte Sylea, als es ihr dämmerte, was hier abging. „Nein, nein, nein, nein! Das kann nicht euer Ernst sein! Was seid ihr für widerliche Menschen! Das geht nicht! Ascan wird nicht –„
Sylea brach ab. Noch immer war von Ascan keine Spur zu fühlen. Sie war allein in ihrem Kopf, sie war allein hier, sie wusste nicht, wo er oder Cain gerade waren. Hier festgeschnallt, ohne übermenschliche Kraft oder die Fähigkeit, ihre Aura gezielt zu steuern, war Sylea machtlos. So machtlos, dass sie nur frustriert und verängstigt aufschreien konnte, als Gerrit noch einen Schritt näher auf sie zu trat.