[2er RPG] Vessels [Asuna & Winterhauch]

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    • Ein Zischen drang zwischen Syleas zusammengepressten Lippen hervor, als ihr Hintern den kalten geschlossenen Klodeckel berührte. Sie murmelte irgendetwas Unverständliches in ihren nicht vorhandenen Bart und hob den Blick. Für einen Moment tat er dasselbe, dann brach er ihren Körperkontakt ab.
      Syleas Aura schlug ihr mit gewaltiger Kraft entgegen. Hätte sie nicht gesessen, wäre sie eiskalt in sich zusammengebrochen. So sackte sie nur mit dem Rücken an die Wand und hatte sichtlich Mühe, wieder Luft zu bekommen. Sie hielt sich eine Hand an ihre Brust, um ein Hyperventilieren zu verhindern. Es dauerte ein paar Sekunden, ehe sich ihr Zustand wieder normalisiert hatte und sie feststellte, dass sie dem Seeker nun wieder abgeschirmt begegnete. Sie blinzelte ihn an, mit jeder verstreichenden Sekunde wurde ihr bewusster, dass sie nun nicht mehr jede Regung seinerseits fühlen konnte. Weder ahnte sie, was er denken mochte, noch spürte sie seine Wahrnehmung. Plötzlich fühlte sich Sylea so einsam und kühl wie noch nie davor.
      Das ist deine Form des Entzuges. Du hast dich nach Liebe, nach Nähe und anderen Gefühlen gesehnt. Er hat sie dir gezeigt, und jetzt darfst du dich wieder nur mit dir selbst beschäftigen. Und mir natürlich.
      Die Augen des Vessels zuckten ungehalten. Kaum war ihre Aura wieder zu ihr zurückgekehrt, hatte sich auch Anifuris aus seiner hintersten Ecke wieder hervorgetraut.
      Vielleicht sollte ich einfach häufiger meine Aura auf ihn verschieben, damit du schweigst.
      Vielleicht sollte ich dir dann einen Strich durch die Rechnung machen. Du bist auch von innen angreifbarer, wenn deine Aura so dünn ist.
      Cain hatte ihr mit einer Geste signalisiert, dass sie sich nicht bewegen brauchte. Daher sparte sie sich auch die Nachfrage bis Cain sie selbst bereits ungestellt beantwortete.
      "Du siehst.... müde aus", stellte das Vessel fest und konnte das bisschen Sorge nicht vollständig aus ihrer Stimme verbannen. "Ich hatte gehofft, es ginge dir besser als davor.... Aber naja, deine Aura ist ja noch nicht wieder so dick wie zuvor."
      Ihr Blick huschte anschließend zur Dusche. Sie lächelte müde bei dem Gedanken, wieder unter kaltem Wasser zu stehen. Damit kannte sie sich besser aus als die meisten anderen. Schließlich hatte sie bei bester Gemütslage ihrer Wächter immerhin einen Bottich mit Wasser bekommen. Sonst musste sie immer die Kathedrale verlassen und das Bächlein aufsuchen, dass den Bannkreis der Kathedrale unterbrach.
      Während Cain sich noch sammelte, erhob sie Sylea auf die Beine und torkelte unter die Dusche. Sie richtete den Blick auf die Armatur, dann auf den Duschkopf. Ohne zu zögern drehte sie das Wasser voll auf, dass sich direkt über ihren Kopf ergoss. Für einen Moment blieb ihr die Luft weg, als sich alles in ihr zusammenzog unter der plötzlichen Kälteeinwirkung. Das weckte ihre müden Geister vollständig auf. Leise lachte sie als sie merkte, dass sie dieses kalte Wasser fast schon wie einen alten Bekannten betrachtete. Jemanden, den man schon lange vergessen hatte. Erst jetzt löste sie das Haargummi, das ihren Zopf halbwegs beisammen hielt und warf es aus der Kabine. Mehrfach fuhr sie sich durch die Haare ehe sie eine Hand nach draußen streckte.
      "Kommst du?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein seltsames Gefühl, wieder nur seine eigene Wahrnehmung zu spüren.
      Cain bewegte sich noch weit davon entfernt, um seinen Zustand als gesund zu bezeichnen. Jegliche Energie war aus seinem Körper verschwunden, während er den Gedanken abwägte, sich notdürftig zu säubern und wieder ins Bett zurückzukehren. Das ganze Bettzeug roch zwar muffig, reichte jedoch aus um sich eine Weile darunter zu vergraben. Wäre da nicht die gähnende Leere in seinem Verstand gewesen. Syleas Emotionen und ihr schützender Silberstreif ließen ihn gefühlsmäßig nackt zurück. Die vergangenen Minuten kamen ihm wie eine Ewigkeit vor. Hatte er jemals ohne die innige und vertraute Verbindung wirklich existiert?
      "Fühlt sich an, als wäre ich einen Marathon gelaufen...", murmelte mit blanker Erschöpfung in der Stimme zurück. Das Herz in seiner Brust schlug einen holprigen Takt, als suchte seinen eigenen Rhythmus, wo es zuvor mit dem Herz der jungen Rubra im Einklang geschlagen hatte. Cain wirkte disorientiert, als er sich fahrig durch das verschwitzte Haar strich. Die Aussicht auf eine eiskalte Dusche lockte ihn nicht gerade von seinem Platz am Waschbecken hervor.
      "Die eiskalte Dusche kommt definitv zu spät," grummelte er widerstrebend, dennoch ergriff seine Hand augenblicklich die von Sylea. Die bernsteinfarbenen Augen sahen sie verwundert, als sie außer ihrem stockenden Atem keine Anzeichen für einen Schock über das eisige Wasser zeigte. Der Seeker blickte das fließende Wasser an, als würde es sich allein durch seinen Blick aufheizen.
      Cain, stets kontrolliert und besonnen, der sich nie aus der Ruhe bingen ließ und der Welt mit einem tief eingrabenen Ernst begegnete, verzog das Gesicht. Der Seeker...schmollte.
      Theatralisch seufzend ergab er sich seinem Schicksal und ließ sich von Sylea unter die kalte Dusche ziehen.
      "Fuck...Heilige Scheiße...", zischte er, als die eiskalten Wassertropfen seine Haut berührten und ihn effektiv runterkühlten. Er hätte sich alternativ auch in eine Wanne mit Eis legen können. Zischend sog die Luft ein und presste aus Reflex sein Körper an die einzige Wärmequelle. Und das war Sylea, aber auch ihre Haut nahm bereits die kalte Temperatur an. Die goldene Aura gab einen schwachen, protestierenden Impuls von sich. Er war mir einem Schlag hellwach, während der Wasserstrahl aus dem Duschkopf ruckelte und trotzdem erbarmungslos auf sie nieder prasselte. Schweiß und andere Spuren wurden von seiner Haut abgespült. Der Seeker schlang einen Arm um die schlanke Hüfte der jungen Frau und zog sie an seine Brust, ihren Rücken zu ihm. Er hauchte einen Kuss auf ihre nasse Schulter. So selbstverständlich, als hätte er es schon hundertmal gemacht.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Was ist das da in deinem Gesicht bitte??"
      Sylea lachte unbehelligt Cains schmollender Mimik. So einen Ausdruck hatte sie bei ihm weder gesehen noch für möglich gehalten. Das Lachen ebbte nicht ab, selbst als der junge Mann ihre Hand ergriff, sich ebenfalls unter das kalte Wasser ziehen ließ und lauthals zu fluchen begann. Schließlich wandte sich das Vessel mit dem Rücken zu ihm, damit der Wasserschwall ihr Lachen erstickte.
      Wenige Augenblicke später fühlte sie, wie sich sein Leib an sie presste. Der stetige kalte Wasserstrahl gewährte ihr allerdings keinen Moment, um gedanklich abzudriften. Dafür verweilte sie im Hier und Jetzt und sah dabei zu, wie sich ein kräftiger Arm um ihre Hüfte schlang. Ihre eiskalten Finger berührten den ebenso kalten Arm, sodass sie fast der Meinung war, kein Gefühl mehr in ihren Fingerspitzen zu besitzen. Die Kälte tötete effektiv alles ab. Lediglich der gehauchte Kuss auf ihrer Schulter brach den Eispanzer, der sich um sie beide bildete.
      Langsam lehnte Sylea ihre Kopf nach hinten an Cains Schulter. Die Augen geschlossen, lauschte sie dem entspannenden Rauschen des Wassers aus dem stotternden Duschkopf. Langsam erwärmten sich ihre Körper an den Stellen, wo sie eng aneinander geschmiegt standen.
      "Ich hätte gedacht, es dauert länger mit deinem Entzug. Du sagtest was von Stunden und nicht von... Minuten?", sagte sie wobei sie keine Anstalten machte, sich aus seiner Umarmung zu lösen. "Aber schön, dass es anscheinend so schnell vorbei war."
      Sei dir nicht zu sicher. Du wirst irgendwann auf das zurückgreifen, was ich dir gezeigt habe.
      Ich weiß.
      Die Finger des Vessels schlossen sich fester um Cains Arm. Dann löste sie ihren Griff und hob die Arme, um sie über ihren eigene Schultern hinweg hinter seinen Nacken zu verschränken. Das eisig kalte Wasser, das nun ungeschützt auf ihre Brust prasselte, bescherte ihr eine Gänsehaut über dem gesamten Körper. Nie hätte sie gedacht, dass sie diese Art des Seelenfriedens bekommen würde. Und selbst wenn es nur für einen winzigen Augenblick war.


      Helyon hatte sich an einem Pfad durch den Wald hingehockt. Seine langen Finger strichen über den trockenen Waldboden, der von Radspuren durchzogen war. Vor nicht allzu langer Zeit war hier ein Fahrzeug vorbeigefahren. Angesicht der Lage ging er nicht davon aus, dass es ein Passant gewesen war. Vielleicht ein Förster. Oder vielleicht seine Zielobjekte.
      Er reckte den Kopf in die Luft und atmete tief ein.
      Ja, er war immer noch an seiner Spur dran, die langsam Farbe bekam. Und an Gold und Silber erinnerte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Ehrlich gesagt, ich bezweifle, dass ich so einfach davon komme." Dabei bewegten sich seine Lippen bei jeder Silbe streichelnd über ihre Haut. Die ganze Situation barg ein ungewohntes aber erfreuliches Gefühl von Normalität. Als wären sie ein ganz gewöhnliches Paar, dass sich eine Dusche teilte. Wenn das eiskalte Wasser nicht wäre. Cain fröstelte in ihrem Rücken.
      "Ich glaube deine Methode hat das Suchtgefühl fürs Erste ausgehungert. Wie einen verkümmernden Organismus, der keine Angriffsfläche mehr hat. Wenn noch Anteile übrig sind, müssen wir vorsichtig sein, bis meine Aura wieder stark genug ist um allein damit fertig zu werden."
      Ein Rückfall war potentiell immer möglich.
      Cain schloss für einen Moment die Augen und vergrub seine Gesicht in dem feuchten Haar in ihrem Nacken. Endlich konnte er selbst wieder mehr wahrnehmen, als hätte er ein zweites Augenpaar geöffnet. Der Seeker genoss die stetigen, selbstzufriedenen Wellen, die Sylea mit jedem Atemzug abgab. Er ließ sie über sich gleiten, wie das kalte Wasser.
      "Danke..." flüsterte er gegen das allgegenwärtige Rauschen an ihre feuchte Haut und konnte es sich nicht verkneifen, ihren Nacken zu küssen. Sylea zog ihn an wie ein Magnet, eine Anziehungkraft, der er sich trotz des Fehlend ihrer Aura um seinen Körper nicht entziehen konnte.
      Er spürte ihre verschränkten Arme in seinem Nacken bevor bemerkte, dass sie sich überhaupt bewegte. Die neue Kaltung sorgte dafür, dass sich die Rundung ihres Gesäßes mehr gegen seinen Unterleib schmiegte. Cain brummte an ihrem Hals, ein zutiefst zufriedener Laut. Dabei machte er sich keine Illusionen, er war entkräftet und ausgelaugt. Aber vielleicht...
      Der Arm um ihre Hüften blieb wo er war, während seine zweite Hand sich tief auf ihren Bauch legte, ehe seine Finger sich tiefer schoben. Aus halb geschlossenen Augen blickte er über ihre Schulter und beobachtete fasziniert die Wasserperlen, die über ihre Brust strömten und sich ihren Weg hinab suchten. Fast beiläufig umkreisten seine Fingerspitzen den Beginn ihrer Scham.
      "Wir sollten etwas Essen und uns dann ausruhen. Wir haben noch einen langen Weg zurückzulegen und dort wo wir als nächstes hinfahren, haben wir sogar heißes Wasser..." sagte er grinsend. Seine Stimme hörte sich vollkommen normal an, als stünde er nicht kurz davon seine Hand zwischen ihren Schenkeln verschwinden zu lassen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die Auswirkung ihrer eigenen Aura von jemand anderem beschrieben zu bekommen, war eine neue Erfahrung für Sylea. Das machte es allerdings deutlich greifbarer, wie sie Cain davon bewahrt hatte, seinem Entzug zu erliegen. Gedanklich speicherte sie sich dieses Wissen ab. Es konnte sicherlich noch für andere Fälle genutzt werden.
      "Gern geschehen", erwiderte sie nüchtern und kippte den Kopf etwas, damit er besser an ihren Nacken kam.
      Das Brummen seinerseits ließ ein angedeutetes Lächeln auf ihren Lippen erscheinen. Wie ein kleines Kind, das ein neues Spielzeug bekam, testete das Vessel alles aus, um jede mögliche Reaktion bei dem Seeker zu provozieren. Jedes Geräusch, jede Bewegung und jedes Wort waren für sie Geschenke, unabhängig davon welcher Intention sie folgten. In den letzten vierundzwanzig Stunden hatte sie mehr über sich und andere gelernt als in ihrem gesamten Leben zuvor.
      Folglich rechnete Sylea bereits mit einer Reaktion des Mannes in ihrem Rücken, wenn sie ihre Haltung in diese spezielle änderte. Ihr Lächeln wurde breiter, als sich eine weitere Hand tief an ihren Bauch legte und sich mit dem Wasserstrom nach unten bewegten. Ohne ihr Zutun stellte sie ihre Füße ein wenig weiter auseinander.
      "Mal sehen, ob mein Feuer noch brennt", meinte Sylea und wurde sich einen Augenblick später erst der Doppeldeutigkeit bewusst, "äh, das im Ofen. Also, das in der Küche, verdammt."
      Bereute sie diesen Satz? Nein. Hatte sie darüber nachgedacht, was es in Cain auslösen mochte? Ebenfalls nein.
      Wenn ihr jetzt allen Ernstes nochmal anfangt, dann gnade dir Estryreh.
      "Mmmmhh... Anifuris ist nicht wirklich begeistert über deine Avancen", klärte sie den Seeker auf, nachdem ihr Lächeln zu einem spitzen Grinsen mutiert war, "er hat sich vorhin schön in die letzte Ecke zurückgezogen. Aber heißes Wasser klingt auch nicht schlecht..."
      Sylea kostete den Nervenkitzel gerade in vollen Zügen aus. Nicht zu wissen, was Cain gerade fühlte, plante, war ohne den Aurenschub sogar noch eine Nummer spannender. Jetzt konnte sie nicht mehr einschätzen, wie seine folgenden Handlungen ausfielen. Und so verweilte sie in ihrer entblößten Haltung während sie merkte, wie sich das kalte Wasser langsam weniger kalt anfühlte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Von allein und als wäre es das Natürlichste Welt reagierte der zierliche Körper auf sein Avancen. Kurz schweifte sein Blick über ihre Schulter hinweg, zu den Narben auf ihrer Haut. Sein Blick war wieder klar und doch hatten sich seine Ansichten nicht gewandelt. Trotz den Narben, nein, gerade aufgrund dieser Spuren und Geschichten auf ihrer Haut, war sie so faszinierend schön. Dass er die Finger kaum von ihr lassen konnte, sollte dafür Beweis genug sein.
      Mit einem breiten Grinsen beugte Cain sich zu ihrem Ohr herab, wobei sich sein Körper um ihren krümmte um den Größenunterschied zu überbrücken. Sein Mund wanderte über den äußeren Schwung ihrer Ohrmuschel.
      "Da gebe ich die zweifellos Recht. Wir sollten das unbedingt überprüfen. Ein Feuer unbeaufsichtigt zu lassen, wäre sehr verantwortungslos", wisperte der Seeker direkt an an ihrem Ohr. Dabei besaß er sogar die Dreistigkeit amüsiert über den misslungenen Ernst in ihren Worten zu lachen. Mit falscher Zurückhaltung umkreiste er das begehrte Ziel zwischen ihren Schenkeln, um den Augenblick noch ein wenig mehr auf die Spitze zu treiben. Bei der Erwähnung von Anifuris schnaubte Cain fast beiläufig. Zwar war er sich überdeutlich der Gefahr durch die alte Seele bewusst, vor allem jetzt, da er wieder mehr in den Vordergrund rückte. Und so leichtsinnig es auch war, er hatte gerade Wichtigeres zu tun.
      "Soll er sich die Augen zuhalten oder sich die Finger in die Ohren stecken...", knurrte der Seeker, dessen Mund nun ihren Hals hinab glitt, ehe er sie mit den Zähnen sachte in die Haut direkt über ihrem Puls zwickte.
      Ein Strom der Begierde löste sich aus der goldenen Aura, deren Ausläufer noch schwach und kümmerlich nach Sylea griffen. Er konnte nich einmal bewusst etwas dagegen tun. Dabei galt der Wunsch einzig ihr Freude zu bereiten, in ihm selbst herrschte eine friedliche Balance aus Begehren und völliger Zufriedenheit.
      Zielsicher glitten seine Finger zwischen ihre Schenkel, wo ihr Kern trotz den eisiges Wasser eine erstaunliche Hitze abstrahlte. Cain teilte die warmen Gefilde, die er zuvor mit Lippen und Zunge erkundet hatte. Bei dem Gedanken leckte er sich unbewusst über die Lippen. Mit zärtlich kreisenden Bewegungen tastete er sich vor. Seine zweite Hand verselbstständigte und wanderte ihren Körper hinauf, um sich um ihre linke Brust zu schließen.
      All zu lange konnten sie nicht unter dem kalten Wasser bleibe. Cain spürte die bleierne Schwere und die Erschöpfung bis in seine Knochen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylea konnte nicht anders als die Schulter etwas hochzuziehen, als Cain ihr ins Ohr wisperte. "Kannst du bitte aufhören mich aufzuziehen?", entgegnete sie leicht pikiert und löste ihre Arme hinter seinem Kopf endgültig. Sie führte ihre Hände über seine kräftigeren Arme hinab bis sie an seinen Ellbogen ankamen und dort verweilten.
      Oh, ich kann ihm auch auf ganz andere Weise das Maul stopfen.
      Diese sehr eindeutig formulierten Gedanken ließen das Vessel in ihren eigenen Gedanken stolpern. Das war das erste Mal, dass die alte Seele in ihr solche Worte benutzte. Sie spürte, wie sich sein Bewusstsein allmählich in den Vordergrund drängte mit jedem Zentimeter, die sich Cains Finger an ihrem Körper bewegten. Kaum hatte er den Punkt erreicht, an dem er vorhin noch mit seiner Zunge ihr ein berauschendes Erlebnis beschert hatte, rauschte Anifuris Präsenz massiv den Berg runter. Eine neue Welle der Verheißung brach über ihrem Kopf zusammen und schwemmte alles Unnötige aus ihrem Bewusstsein.
      Warum zur Hölle muss es unbedingt ein frühreifes Mädchen sein... Waren die einzigen Gedanken, die nachhallten.
      Unweigerlich krümmte sich der kleinere Körper unter Cains Berührungen. Sylea war heilfroh, dass das Wasser hoffentlich einiges an leisen Geräuschen zu schlucken vermochte, sodass sie sich nicht so hart auf die Zunge beißen musste. Trotzdem merkte sie deutlich am Zittern ihrer Oberschenkel, dass sie nicht mehr lange stehen können würde, sollte der Mann hinter ihr nicht von ihr ablassen. Ihr Körper war unterdessen schon so kalt, dass sie die Kälte gar nicht mehr als solche wahrnahm.
      Schließlich war sie es auch, die sich einen Ruck gab und sehr entschlossen die Hände des Seekers von ihrem Körper löste. Ja, sie tat es widerwillig, aber ewig unter Eiswasser zu stehen war alles andere als förderlich. Schneller als man es ihr mit dem geschundenen Bein zumuten würde, schlüpfte sie an Cain vorbei raus aus der Kabine. Das gewährte ihr endlich wieder etwas Zeit zum atmen. Wenn er das häufiger so machte, kam sie vielleicht nie wieder von seinen Händen fort. Oder Lippen. Oder was auch immer.
      "Du wirst zum Eiszapfen, wenn du ewig dadrin bleibst. Ich kann's vertragen, du nicht."
      Von ihren Haarspitzen tropfte das Wasser während Sylea mit einer Hand in die Hüfte gestemmt im Raum stand und sich umsah. Sie hatten gar keine Handtücher mitgebracht und nach einem Moment des Umsehens entdeckte sie nur einen kleinen Schrank, in dem vielleicht Handtücher waren. Ohne nachzufragen begab sie sich auf die Suche, bückte sich und hatte zum Glück recht mit ihrer Vermutung gehabt. Zwei Handtücher waren sogleich ihr eigen, in eines wickelte sie sich, das andere reichte sie stillschweigend zur Duschkabine.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für einen wundervollen Augenblick, trotz eisigen Wassertropfen die wie Nadelstiche auf seine Haut prasselten, vergrub er das Gesicht an ihrer Halsbeuge und genoss das Gefühl ihres Körper an seinem. Wahrscheinlich wäre Cain noch bis zur völligen Taubheit seiner Glieder unter dem kalten Wasserstrahl geblieben, wenn Sylea sich seinen Händen nicht entzogen hätte. Unter stillem Protest, der sich als vorwurfsvoller Blick in den goldenen Augen zeigte, sah er der Vessel nach und blieb allein unter dem Wasser zurück.
      Die Widerworte lagen ihm schon auf der Zunge, als er unter einer Kältewelle erschauderte. Ohne Syleas wärmende Gestalt, fühlte er die erbarmungslose Kälte. Der Seeker machte kurzen Prozess, in dem er flüchtig ganz unter den Duschkopf trat und das Wasser die letzten Spuren fortwaschen ließ. Über die Schulter blickte er in das kleine Bad hinein und erblickte mit einem Grinsen, wie Sylea sich suchend nach Handtüchern beugte. An die Aussicht hätte er sich gut und gerne gewöhnen können. Seit sie das Bett verlassen hatten, fühlte sich Cain wieder wir ein Teenager. Wäre der Ernst der Lage nicht gewesen, hätte er sie für Stunden nicht aus dem Bett gelassen.
      Nachdem er sich ein letzten Mal durch das nasse Haar fuhr, stellte er das Wasser ab und nahm dankend das Handtuch entgegen. Erwachsen oder nicht, der kalte Luftzug auf seiner nassen Haut sorgte dafür, dass sich die feinen Härchen auf seinen Armen fröstelnd aufstellten. Wären die Umstände nicht so grausam, hätte er sie Sylea beinahe für ihre Kälteresistenz bewundert.
      Wie ein nasser Hund schüttelte er sein Haar aus und Wassertropfen stoben in alle Richtungen, aber vor allem in Richtung der jungen Rubra. Flüchtig trocknete er sein Haar mit dem Handtuch, ehe er sich das verblichene Stück Stoff um die Hüften band.
      Cain trat zu Sylea und hauchte ihr einen Kuss auf den Scheitel.
      "Hat unser Stinkstiefel sich beruhigt?", murmelte und versprach sich still, für die nächsten Minuten seine Hände bei sich zu behalten. Einen Ausbruch von Anifuris war das letzte, was er heute noch gebrauchen konnte. Mittlerweile war es fast ein natürlicher Reflex, dass er Anifuris als einen Teil von ihr betrachtete. Wenn Sylea die alte Seele auch nicht zum Vergnügen mit sich herumtrug.
      "Komm. Mir hängt der Magen in den Kniekehlen...", gab er nun doch zu und ging auf nackten Füßen Richtung Kochnische.
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    • "Argh, du bist doch kein Tier", murrte Sylea begleitet von einem Lächeln als sie dabei zusah, wie sich Cain die Nässe aus den Haaren schüttelte. Er fror zwar offensichtlich, wirkte ansonsten aber wacher und vorallem weniger gefährdet als zuvor.
      Als er ihr einen Kuss auf den Scheitel hauchte, hielt sie für einen Augenblick inne. Irgendwie ging das alles gerade zu schnell. Vor nicht mal drei Tagen hatte sie ihn für seine Taten noch verurteilt. Vor 24 Stunden war die Lage so schlecht, dass sie sich an jeden noch so kleinen Strohhalm geklammert hatte. Ihn dabei fast umgebracht hätte. Und jetzt verhielt er sich wie ein liebender Kerl, der seine Liebe des Lebens umschwärmte. Das ergab für das Vessel keinen richtigen Sinn.
      Nachdenklich rubbelte sich Sylea mit ihrem kratzigen Handtuch ab, wobei sich ihre Haut schnell rot färbte aufgrund der Kälte und der Reibung. Viel lieber hätte sie sich an Cain gepresst, seine Körperwärme genutzt um ihre Haut schnell wieder aufzuwärmen. Für den Augenblick verwarf sie diese Idee.
      "Er wirft mit Gedanken und Formulierungen um sich, die mir neu sind", antwortete sie wahrheitsgemäß und horchte, ob er direkt darauf anspringen würde. "Ich glaube, die Aktion mit der Flucht hat ihn einiges gekostet. Vielleicht, weil er nicht komplett manifestiert war. Auf alle Fälle hält er sich verdächtig nah am Rand des Bewusstseins auf."
      Sie hörte keine Bemerkung oder Korrektur. Es war, als würde Anifuris Bewusstsein in einer eigenen kleinen Blase vor sich hin treiben und sich ausruhen, regenerieren. Wenn sie so recht überlegte, dann hatte sie ihn in ihrer kompletten Zeit nicht einmal in diesem Zustand erlebt. Vielleicht waren seine Reserven tatsächlich aufgebraucht gewesen und er hatte es nie so gezeigt.
      Sylea tat es Cain gleich und wickelte sich das Handtuch um den Leib. Es war allerdings recht kurz, weshalb man sowohl oben als auch am unteren Rand des Stoffes gewisse Rundungen mehr als nur erahnen konnte. Dann folgte sie dem Seeker auf leisen Tritten zur Kochnische.
      Mit einem gewissen Stolz brüstete sich das Mädchen als sie sah, dass schmale Feuerzungen nach mehr Futter verlangten. Sie hatte soch gewusst, wie man ein ordentliches Feuer ansetzte. Sie klaubte sich aus der hinteren Ecke die letzten Stücke Holz, das schon so alt war, dass es bereits in ihren Fingern bröselte. Mit einer Hand hielt sie ihr Handtuch fest, mit der anderen stapelte sie das neue Holz. Als sie vom Feuerplatz aufstand, schwankte sie kurz, als sie aus Versehen zu viel Gewicht auf das verletzte Bein legte. "Alles gut", winkte sie sofort ab, lehnte sich allerdings an die Wand, um zumindest etwas Halt zu haben.
      Alles weitere überließ sie Cain und gab sich damit zufrieden, ihn dabei zu beobachten, wie er eine Dose öffnete und ihren Inhalt in einen ziemlich abgewetzten Topf kippte. Nachdem er den Topf auf die Hredfläche gestellt hatte, warf er ihr einen Blick zu.
      "Was meinst du wie lange unsere Verfolger brauchen?", fragte Sylea und holte sie in die harte Realität zurück. Es stand außer Frage, dass man ihnen jemanden an die Fersen heften würde. Es wäre nur die Frage, wer und wann. "Kommen wir vorher hier weg und fahren zu diesem anderen Ort, den du meintest?"
      Sie wusste, dass sie ihren Teil des Versprechens noch einhalten musste. Irgendwie würde sie Anifuris dazu kriegen ihr zu verraten, wo die Schwester des Seekers verwahrt worden war. Bei diesem Gedanken merkte sie, wie sich Anifuris Bewusstsein etwas regte. Äußerlich sah man nur an ihrem etwas wegdriftenden Blick, dass sich die beiden kurz unterhalten. Eine Augenbraue ihrerseits hob sich, dann war sie wieder völlig im Jetzt. Er hatte ihr den Preis für diese Information genannt. Sie würde ihn bezahlen, zu jeder Zeit. Nur musste sie erst einmal selbst daran kommen.
      Ein kleiner Schauer brach über Syleas Körper hinweg, als er doch endlich spürte, wie sie auskühlte. Bei diesem Gedanken musterte sie Cain noch eingehender als zuvor. "Wenn uns jemand angreift kannst du nicht viel tun. Deine Aura ist zwar wieder komplett, aber super dünn. Wenn die uns einen Aurenmanipulator schicken, hast du ein Problem. Lass mich ran, falls wir nicht abhauen können."
      Ihr Tonfall war komplett befreit jeglicher Leichtigkeit. Sie betrachtete die Sitaution realistisch und rechnete damit, dass sie nicht ewig abhauen konnten. Und wenn sie beide einem Vessel gegenüberstanden, sah sie Cains Chancen schlechter als sie es vielleicht wusste.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ziellos wühlte sich Cain durch die alten Küchenschränke, auf der Suche nach etwas Brauchbaren. Irgendwo musste es doch mindestens einen Topf geben, durch dessen Boden der Rost sich noch nicht gefressen hatte. Der Seeker verlagerte das Gewicht auf seine Fußballen und streckte den Arm lang über seinen Kopf aus, um auch noch in die hinterste Ecke des Hängeschrankes zu kommen. Etwas Metallisches berührte seine Fingerspitzen und Cain zog das Kochuntensiel aus den Untiefen hervor. Prüfend drehte er ihn in den Händen und stellte zufrieden fest, dass er dieses Behältnis tatsächlich benutzen konnte. Beinahe wäre die einfache Mahlzeit an einem Dosenöffner gescheitert, aber zur Not tat es auch ein scharfes Messer aus der Schublade. Mit ein wenig Gewalt hebelte er den störrisches Deckel auf.
      Aus dem Augenwinkel warf er einen Blick zu Sylea, die gerade vor dem alten Herd kniete und die letzten Holzstückchen ins Feuer warf. Das Zeug sah dermaßen trocken aus, dass er befürchtete es wäre aufgezehrt, bevor er den Inhalt überhaupt richtig warm bekam. Sein Blick rutschte tiefer, folgte dem wirklich knappen Saum des Handtuches, nur um ein verführerischen Anblick zarter Rundungen zu erblicken. Der Blick schnappte zurück zu der Dosen, deren Inhalt er in den Topf kippte. Was stimmte nicht mit ihm? Er war doch sonst nicht so unbeherrscht und hormongesteuert. Cain trug noch immer das Echo ihrer Aura mit sich, eine Blaupause der Emotionen, die ihre Adern durchströmt hatten. Es war mit Fußspuren im Sand zu vergleichen, die nach und nach von der stetigen Brandung immer undeutlicher wurden bis sie gänzlich fort gespült waren. Vor ein paar Tagen noch hätte er das Geschehene augenblicklich in Frage gestellt. Was davon waren seine eigenen Gefühle und welche hatte er von Sylea absorbiert. Früher, als er noch jünger gewesen war, war es ihm schwer gefallen, sich von der Emotionswelt anderer Menschen abzuschotten. Die Unterscheidung zwischen dieser und seiner Eigenen, war eine Fähigkeit, die er mit hartem Training erworben hatte. Seit ihrem ersten Kuss, war sein gesammten Wesen geöffnet und seine Aura frei und unkontrolliert mit ihrem Silberstreif in Verbindung gewesen.
      Wie viel von dem, was er fühlte, war er? Wie viel davon Sylea? Als er ihr zufriedenes Lächeln sah, fegte es alle Zweifel fort. Es war unbeschreiblich schön, sie so gelöst zu sehen. Der Stolz war ihr anzusehen. Als sie schwankte, hielt er sich auf ihre Bitte hin zurück. Er vertraute darauf, dass sie wusste, wann sie seine Hilfe benötigte.
      "Ich habe den Peilsender im Auto deaktiviert. Damit können Sie uns nicht aufspüren.", sprach er ruhig aber nachdenklich. "Ein anderer Seeker allerdings schon. Je nachdem, wie lange es gedauert hat, das Chaos zu lichten, haben wir vielleicht ein oder zwei Tage Vorsprung bis sie alles für eine Verfolgung mobilisiert haben. Wir müssen also bald weiter."
      Cain entging nicht, wie er Blick ins Nichts abdriftete. Anscheinend meldete sich Anifuris wieder zu Wort. Für den Moment schluckte er cdie Frage herunter, was die alte Seele zu sagen hatte.
      "Meine Aura ist schwach, aber deswegen habe ich mein Nahkampftraining nicht vergessen. Aber du hast recht, gegen einen Aurenmanipulator wird es schwierig.", stimmte er ihr widerwillig zu. Und dennoch, er war nicht wehrlos. Für eine Weile schwieg Cain und rührte hin und wieder in dem Inhalt des Topfes. Wenn es schon Dosenfraß sein musste, brauchte er nicht auch noch anzubrennen.
      Nach ein paar Minuten füllte er zwei Teller und stellte diese samt Löffel auf die Küchenzeile. Er hatte sich fest vorgenommen, nicht wie eine Glucke um Sylea herumzuschwirren, aber nun lächelte er doch vorsichtig, als er auf sie zukam.
      "Geht es noch? Stehen, meine ich." Er blickte zu der einzigen Sitzgelegenheit, dem Sofa, herüber. Cain hielt sich zurück und widerstand so dem Drang sie stützen zu wollen. Sie waren kein Paar, aber sie brauchten einander, um die nächste Zeit zu überleben. Vielleicht musste er vorsichtiger sein, um die gegenseitige Abhängigkeit nicht falsch zu deuten. Der Gedanke versetzte ihm einen Stich. Eng umschlungen und voller Leidenschaft hatte es sich vorhin nicht so angefühlt, als würden sie ein gezwunges Opfer bringen. Sie hatte es gewollt. Er hatte es gewollt. Cain seufzte und nahm die Teller, bevor Sylea antworten konnte, um sie auf dem kleinen Kaffeetisch vor dem Sofa abzustellen damit sie sich setzen konnten. Ehrlich betrachtet, seine Beine waren auch gerade nicht die stabilsten.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Es war Sylea nicht ganz klar, ob Cain vorhatte, seine Gedanken und Gefühle vor ihr zu verschleiern oder nicht. Seitdem sie aber in die Küche gekommen waren, schwappte immer wieder eine bestimmte Emotion zu ihr herüber. Eine, die ihr selbst einen mindestens genauso tiefen Stich versetzte wie dem Seeker selbst.
      "Ehm, ich glaub' sitzen wäre mittlerweile ganz gut", gab sie ehrlich zu und warf einen vielsagenden Blick auf ihre nackten Beine, die angefangen hatten, wie Espenlaub zu zittern.
      Eher schlecht als recht kam sie zur Couch hinüber, wo sie vor Stunden noch eng umschlungen gelegen hatten. Plötzlich fühlte sie sich unglaublich kalt an, sowohl sowohl physisch als auch emotional. Seitdem Cains Aura wieder intakt war, strahlte er wieder Wellen seiner Selbst aus und wurde nicht mehr von ihrer Aura gestützt. Das hatte zur Folge, dass sie deutlicher ausmachen konnte, welche Gefühle von ihr stammten und welche nicht.
      Das Vessel streckte sich nach einem Teller vor sich und stellte ihn auf ihren Beinen ab. Kurz darauf hob sie ihn bereits wieder an und begnügte sich damit, vorerst ihre Hände aufzuwärmen. Essen wäre vermutlich auch noch nicht drin. In ihrem Kopf fuhren verschiedene Gedankengänge Achterbahn, Wilde Worten formten sich zu Sätzen, die schließlich doch keinen Sinn ergaben und wie Sand durch ihre Finger rannen. Letztlich kam sie doch auf ein Thema zurück, an dass sie sich erinnerte: "Du hast gesagt, wir sollten reden, wenn wir wieder halbwegs denken können."
      Sie sah den jungen Mann lediglich aus den Augenwinkeln neben sich, spürte leicht die Wärme, die sein Körper ausstob. Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass selbst ihre Hände und Arme zu zittern begonnen hatten - Anzeichen der eminenten Erschöpfung der letzten Stunde. Sie konnte nicht zu ihm herüber sehen, die Emotionen und Antworten in seinen Augen lesen, die sie nicht sehen wollte.
      "War das jetzt nur... wie sagt man das, im Eifer des Gefechts? Weil wir da lebend rausgekommen sind?"
      Der Haufen an weiteren Anschuldigungen, der sich in ihren Gedanken auftürmte und bedrohlich zu wanken begann, konnte sie schlichtweg nicht in Worte fassen. Sie spürte seine Verwirrung, seine Zweifel ihr gegenüber. Vielleicht sogar den Hauch eines schlechten Gewissens, weil er vielleicht von ihrer misslichen Lage Gebrauch gemacht hatte. Tief in sich hörte Sylea jedoch, dass selbst das ihr gleich gewesen wäre. Wenn sie noch einmal die Wärme und Zuneigung von ihm bekommen würde, dann nähme sie jeden Verrat auf sich.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Löffel in seiner Hand stoppte mitten auf seinem Weg, um einen weiteren Bissen zu nehmen, als Sylea ihre Stimme wieder erhob.
      Vorsichtig senkte er den Arm, um den heißen Inhalt des Löffels nicht auf seinen Beinen zu verteilen. Nachdenklich sah Cain sie an, ehe er kurzentschlossen den Teller wieder abstellte. Der Seeker stützte die Ellbogen auf den Knien auf, nur um seinen Kopf mit einem ersten Gesichtgsausdruck in seinen Händen abzustützen. Die goldenen Augen verschwanden kurzzeitig hinter dem tiefschwarzen Kranz seiner Wimpern. Er lauschte in die Stille der alten Jagdhütte hinein, hörte das Knarzen des Holzes und draußen vor dem Fenster das sanfte Rascheln der Bäume. Und unter als den Hintergrundgeräuschen erfasste er den Herzschlag von Sylea. Ein stetiges, sanftes Pochen, das ihm tatsächlich ein wenig Ruhe schenkte.
      "Das habe ich gesagt, ja...", murmelte er und schlug die Augen wieder auf. Die Ausläufer seiner Aura waren lediglich kleine, dünne Ärmchen. Die Struktur aufgeraut und angreifbar. Wenn Cain ehrlich war, hatte er sich lange nicht mehr so ungeschützt und verletzlich gefühlt. Eine Tatsache, die ihn zutiefst beunruhigte und ihn sowohl physisch als auch psychisch nackt vor Sylea zurückließ.
      Behutsam, um den Teller in ihren nicht zu doll zu erschüttern, drehte er sich ihr auf dem Sofa zu und versuchte einen Blick auf ihr Gesicht zu erhaschen. Sie vermied es ihn anzusehen. Aber er spürte die Besorgnis, nicht um seine Verfassung, sondern um die Art und Weise wie sie nun zueinander standen. Cain nahm die Furcht vor der Ablehnung so deutlich war, als hätte sie ihm laute Worte ins Gesicht geschleudert. Die Angst wurde von einer körperlich spürbaren Kälte begleitet, die ihn schaudern ließ. Sylea zitterte, es fiel ihm gerade mehr als deutlich auf.
      Bevor er ihr antwortete, nahm er ihr den heißen Teller aus der Hand. Die junge Frau machte auf ihn nicht den Eindruck, als würde sie plötzlich Appetit entwickeln.
      "Ich weiß es nicht," antwortete er wahrheitsgemäß. Es war sicherlich nicht die Antwort, die sie haben wollte, aber sie war ehrlich. "Es war...intensiv. Überwältigend." Cain suchte nach den richtigen Worten. "Du musst wissen, dass ich selten, eigentlich zuvor noch nie, jemanden so nah an mich heran gelassen habe. Emotional. Der Sex davor war befriedigend aber oberflächlich. Ich werde nicht abstreiten, dass unbewusst eine gewisse Manipulation durch unsere Auren sicherlich eine Rolle gespielt hat. Wenn Gefühle und Empfindungen auf Auraebene so offen aufeinander prallen, ist es manchmal schwer zu trennen, wo eine Person anfängt und die andere aufhört. Es ist gefährlich."
      Der Seeker berührte zart ihre Schulter und fuhr ihren zitternden Arm hinab, bis er ihre Hand ergreifen konnte. Er hatte sich so fest vorgenommen, ihr Raum zu lassen. Aber konnte nicht, wenn sie so zitternd vor ihm saß.
      "Ich kann dir nich sagen, ob all das hier früher oder später sowieso passiert wäre.", flüsterte er und brachte ihre Fingerspitzen an seine Lippen. "Aber ich wollte es. Dich berühren, dich küssen. Und ich will soviel mehr tun, als nur das." Das Gold seiner Aura pulsierte schwach, nicht genug um Sylea vollständig zu erreichen. Es war nur ein klägliches Abbild ihres vorherigen Glanzes. "Ich bereue es nicht, falls du das wissen wolltest."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Fast hätte Sylea den Teller gar nicht losgelassen. Das Fitzelchen an Wärme, dass Cain ihr nun entriss, schmerzte sie so sehr wie ein Schlag ins Gesicht. Seine folgende Berührung an ihrer Schulter und am Arm wirkte auf sie als hätte man einen Glimmstängel an ihre Haut gehalten. Seine Finger zogen warme Spuren über ihre Haut, zum Teil lag es auch an der spärlichen Aura, die er nach ihr entsandte. Für einen kleinen Moment beruhigte es sie, wie seine Finger ihre Hand einfingen und an seine Lippen legte. Der warme Atem drang zwischen ihren Fingern hervor und hauchte ihnen wieder etwas Leben ein.
      "Ich weiß, was es bedeutet, wenn man mit seiner Aura jemanden umhüllt." Das hatte eine gewisse alte Seele ihr mittlerweile zu genüge erläutert. "Ich weiß, dass es aus zwei Lebewesen eine fühlende Einheit macht. Dass wir das Gleiche gefühlt haben unabhängig davon, von wem es ursprünglich stammt. Aber das war schön, es fühlte sich so.... vollständig an."
      Erst jetzt hob sie den Blick, die altbekannte Verletzlichkeit hatte sich nun in ihren graubraunen Augen eingenistet. Sie sah das Gold in Cains Augen pulsieren und freute sich darüber, dass sie wieder eine Anmutung dieser wunderschönen Augen zu sehen bekam. Doch die Freude reicht nicht vollständig bis in ihre Augen. Dann aufeinmal wurden ihre Augen wässrig, als sich heiße Tränen anbahnten. Doch anstelle sich abzuweden oder sich über die Augen zu reiben, hielt sie den Blickkontakt aufrecht.
      "Du weißt, dass du dich mit mir in Lebensgefahr begibst. Ich weiß, dass alle, die mir etwas bedeuten, gegen mich verwendet werden können. Ich wollte nicht so fühlen", die erste Träne brach aus ihren Augen hervor und rann über ihre Wange, "ich will nicht, dass jemand zu Schaden kommt, nur weil er mir etwas bedeutet. Sie können mich foltern, aber nicht jemand, den ich lieb gewonnen habe."
      Ganz bewusst wählte Sylea ihre Worte so, dass man sie nicht missverstehen konnte. Sie wollte das Wort Liebe nicht in den Mund nehmen. Wie sollte sie ein Gefühl bezeichnen, das sie nicht einmal kannte und vergleichen konnte? Aber jedes Wort war ernst gemeint. Es waren die tiefen Ängste, die sie jetzt konfrontieren musste. Entweder ging sie gegen diesen Pfad oder mit ihm.
      Ihre Finger schlossen sich so kräftig es ging um Cains. Ein selbstsüchtiger Wunsch manifestierte sich in den glasigen Augen. Wenn er es auch wollte, es nicht bereute, dann gewährte sich Sylea den selbstsüchtigen Wunsch nach Nähe selbst. Sie gab ihre Kontrolle über ihr Handtuch auf als sie an Cain heranrückte und mit der nun freien Hand an seiner Wange vorbeistrich. Dann zog sie ihn an sich, legte ihre Lippen auf seine und schloss die Augen. Sie brauchte dieses bisschen Nähe jetzt in ihrem Leben., jedes Quäntchen Wärme, das sich durch ihren bloßen Hautkontakt auf den jeweils anderen übertrug. Vielleicht war er bereit, ihr diese Nähe, diese Zuneigung zu gewähren. Und so selbstsüchtig es auch erscheinen mochte - es war ihr egal, wenn sie es sich jetzt gerade auch gegen seinen Willen holen musste. Ohne es würde sie nicht funktionieren können.
      "Vielleicht sprechen wir da einfach noch mal drüber, wenn ich dich nicht mehr manipuliere", hauchte Sylea gegen Cains Lippen, noch immer die AUgen geschlossen während sie verzückt dem Austausch der Wärme zwischen ihnen nachfühlte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ganz von allein schob Cain einen Arm in ihren Rücken, als Sylea näher zu ihm herüber rückte und den Abstand zwischen ihnen sich in Nichts auflöste. Unter seiner Hand erlangte der Körper langsam seine gewohnte Temperatur zurück und fühlte sich genauso zart und weich an wie zuvor. Der Seeker suchte noch die passenden Worte, um der jungen Frau in seinem Arm ein wenig die Besorgnis zu nehmen, da legten sich sanfte Lippen auf seine. Die Hand in seinem Nacken hielt ihn mit einem angenehmen Druck fest und als Sylea ihn küsste, vergaß er, was er eigentlich sagen wollte. Behutsam zog er seine Hand aus ihrer zurück, nur um sie an ihre Wange zu legen und mit dem Daumen die Spur ihrer Tränen nachzufahren. Dass sie weinte, schmerzte ihr mehr als er gedacht hatte.
      "Ich glaube nicht, dass du mich gerade manipulierst...", brummte er zwischen den Berührungen ihrer Lippen.
      Das Versprechen, dass ihnen nichts passieren und alles gut gehen würde, konnte er ihr guten Gewissens nicht machen. Es wäre eine Täuschung und ein eiskalte Lüge. Dafür war ihre Lage viel zu brenzlig. Und dabei ging nicht nur von ihren Verfolgern eine Gefahr aus. Anifuris war einfach zu unberechenbar, auch wenn er gerade auffällig friedlich war und sich scheinbar noch immer von der Flucht erholte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Cain ihm wieder gegenüberstand.
      Schließlich lehnte sich der Seeker ein wenig von Sylea zurück. Der verzweifelte Wunsch nach Zuneigung und tröstlicher Nähe rollte in Wellen über ihn hinweg. Vielleicht wäre es vernüftiger gewesen das Tempo ein wenig zu drosseln, aber Cain brachte es nicht über sich etwas Abstand zwischen sie zu bringen. Mit der Hand zwischen ihren Schulterblättern drückte er sie sachte an sich und vernichtete binnen von Sekunden den leeren Raum zwischen ihnen, den er selbst erst kurz zuvor aufgebaut hatte.
      "Es ist okay...", murmelte er an ihre Lippen. "Ich würde dir gerne versprechen, dass es einfacher wird. Aber das kann ich nicht."
      Um der gekrümmten Haltung zu entfliehen, die er langsam im Rücken und Nacken gespürte, lehnte sich Cain in die Rückenlehnte zurück und zog Sylea nun mit beiden Händen auf ihren Hüften auf seinen Schoss, ihre Knie neben seiner eigenen Hüfte in das löchrige Polster gedrückt.
      Das sträflich vernachlässigte Handtuch verlor endgültig seinen Halt und sammelte sich um ihre um ihre schlanke Taille. Nur Cains Hände verhinderten, dass es ganz die Flucht antrat.
      Der Blick seiner schimmernden Augen wirkte Ernst, aber ein Lächeln lag auf seinem Gesicht. Er schmeckte das Salz ihrer Tränen auf seinen Lippen.
      "Ich kann dich verstehen.", sprach er ruhig und seine Finger auf ihren Hüften zuckten leicht. "Das Gefühl jemanden verlieren zu können, ist furchterregend. Und ich wollte nie wieder jemanden verlieren, der mir wichtig ist. Du bist mir wichtig. Und ich werde dich beschützen so lange ich kann."
      Cain lachte leise und hob eine Hand an ihr Gesicht, der Daumen fuhr die Kontur ihrer Unterlippe nach.
      "Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass du gerade einen besseren Job machst, mich zu beschützen."
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylea ächzte, als sie ihr Gewicht auf das verletzte Knie legte und ihrem Gewicht nachgab. Sie sackte auf Cains Brust, den Kopf an seiner Schulter. "Ich hatte bisher noch nie jemanden, den ich nicht verlieren wollte."
      Es war nicht so,dass Sylea sich dagegen gewehrt hätte. Aber es gab niemanden, der um diesen Platz in ihrem Herzen gebuhlt hätte und in Laufe der Zeit hatte sie eine Mauer um sich errichtet, durch die sie niemanden passieren ließ. Sie wusste nicht, ob sie es verkraften konnte, diesen Schmerz auszuhalten, den sie nur durch den Seeker hatte fühlen können. Sein Schmerz über den Verlust geliebter Personen war so allumfassend, dass sich das Vessel aufrihtig davor füchtete. Alles andere Leid konnte sie verkraften - diese unbekannte Art jedoch entzog sie ihrem Verständnis.
      Die Beiden blieben einen Moment in dieser Haltung bis sich Sylea soweit gefangen hatte, dass sie alle Tränen in ihr Gefängnis in ihren Augen verbannen konnte. Dann erst richtete sie sich auf, richtete das Handtuch und setzte sich wieder richtig auf die alten Polster. Endlich griff sie nach dem Teller, der immer noch auf sie wartete, und stellte ihn dieses Mal auf ihren Oberschenkeln ab. Als sie den ersten Löffel in ihrem Mund versenkt hatte fiel ihr auf, wie hungrig sie tatäschlich gewesen war. Wenige Zeit später hatte sie ihren Teller geleert und mit dem Daumen ihre Mundwinkel abgewischt. Cain zu ihrer Seite hatte es ihr gleich getan.
      "Ich hatte dich das schon mal gefragt, aber wo genau fahren wir als nächstes hin?", fragte Sylea nachdem sie aufgestanden war und ein bisschen mehr Gewicht auf das verletzte Bein gab. Stehen und Gehen waren wohl schon in Ordnung, nur Druck direkt auf das Knie schien noch nicht so gut zu sein. Mit dieser Erkenntnis brachte sie ihren Teller in die Küche und ging dann ins Schlafzimmer, um dort die verstreuten Kleidungsstücke einzusammeln. Ein entspanntes Lächeln umspielte ihre Lippen als sie die Überbleibsel ihrer Auseinandersetzung aufgesammelt hatte und zu Cain zurückgekehrt war. Sie gab ihm seinen Anteil, um dann das eigene Handtuch achtlos fallen zu lassen.
      "Wenn die uns Vessel auf den Hals jagen, dann kann es sein, dass wir heute Abend schon Besuch bekommen", merkte sie an als sie sich ihren BH anzog. "Schwierig zu sagen wie lange wir hier Ruhe haben..."
      Sylea wusste, dass sie auf Anifuris Mithilfe angewiesen war, wenn sie sich und den Seeker schützen wollte. Solange wie sich die alte Seele noch zurückzog wollte sie auf keinen Kampf hinaus. Daher wollte sie so viel Zeit schinden wie es ihr irgendwie möglich war.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Sorry...", flüsterte er.
      Über das verletzte Knie hatte er gar nicht mehr nachgedacht. Erst das Ächzen über die Belastung holte die Erinnerung daran wieder zurück. Da sich Sylea aber fürs Erste nicht fortbewegte, sank Cain weiter zurück, ihren Kopf nun auf seiner Brust gebettet. Tröstlich streichelte er über ihr Haar, während weitere Tränen auf seine Haut tropften. Mit gesenkten Augenlidern vergrub er das Gesicht an ihrem Scheitel und lauschte, wie ihr Atem regelmäßiger und ruhiger wurde bis auch die letzte Träne versiegt war. Mit aller Selbstbeherrschung, die er im Augenblick aufbringen konnte, zog er seine Hände zurück und entließ die junge Rubra aus seinen Armen. Mit halbgeschlossenen Augen sah er sie an, ehe er sich aufsetzte und nach dem mittlerweile lauwarmen Teller griff, damit seine Hände beschäftigt waren. Das Bedürfnis nach ihr zu greifen und sie vor der Welt außerhalb der Hütte zu beschützen war beinahe übermächtig.
      Die Frage ließ ihn aufsehen und er stellte den Teller zurück auf den Tisch. Ein Schatten huschte über sein Gesicht, als Cain auf den leeren Teller starrte und die Hände in den Schoß legte. Schweigend beobachtete er zunächst Sylea, die sich erhob und kurz in dem winzigen Schlafzimmer verschwand. Als sie zurückkehrte, trug sie seine Kleidung auf den Armen. Vielleicht war es wirklich Zeit, sich langsam wieder anzuziehen. Wenn ihre Verfolger sie einholten, wollte er nicht mit nacktem Hintern festgenommen werden.
      Sichtlich schwerfällig quälte sich der Seeker in eine stehende Position und nahm seine Kleidungsstücke entgegen. Das Handtuch fiel ohne falsche Scheu zu Boden. Sie hatten alles voneinander gesehen, warum die Dinge also komplizierter machen. Während die Hosenbeine seiner Jeans von links wieder auf die richtige Seite zog, sah zu Sylea herüber. Er konnte nicht anders, als mit den Augen der Kurve ihres Körper zu folgen. Aber Stimmung hatte eine gewisse Ernsthaftigkeit bekommen, das es sich falsch anfühlte sich durch einen erneuten Hormoncocktail sein Gehirn vernebeln zu lassen. Cain seufzte.
      "Vor vier Jahren, ja, es muss jetzt vier Jahre her sein, bin ich aus dem Ausbildungscenter geflüchtet, um meine Schwester zusuchen.", sagte er und schlüpfte anschließend in seine Jeans. "Ich habe Vorkehrungen getroffen, bevor mich die Hunter zurückholen konnten, weil ich fest entschlossen war noch einmal eine Flucht zu wagen, sobald sich die Möglichkeit bot. Wir werden nach Edinburgh fahren. Die Stadt birgt zwar ein gewisses Risiko, aber wir können auch besser in der Menge untertauchen. Ich besitze eine kleine Wohnung unter falschem Namen. Und es gibt eine vertrauenswürdige Kontaktperson vor Ort, die uns helfen kann Geld aufzutreiben und den Jeep loszuwerden."
      Cain ging zurück in die Küche, wo noch die restlichen Einkaufstaschen standen und zog ein sauberes, weißes Shirt über den Kopf. Mit einer Tasche ging er zu Sylea herüber.
      "Ich hoffe davon passt etwas." In der Tasche befanden sich diverse Kleidungsstücke, nicht Ausgefallenes, aber für den Augenblick musste es reichen.
      Bei der Erwähnung einer möglichen Verfolgung durch ein Vessel, sah er beunruhigt aus. Er hegte schon seit geraumer die Befürchtung, dass diese Möglichekeit bestand. Und das letzte Gesicht, dass er hier sehen wollte, war die selbstgefällige Visage von Helyon.
      "Wir werden nicht mehr viel länger bleiben können. Aber bevor wie weiterfahren, brauche wenigstens ein oder zwei Stunden Schlaf. Ich shcaffe sonst keine zwanzig Kilometer..."
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    • Bei dem Namen der Stadt klingelte etwas weit entfernt in Syleas Erinnerungen. Sie hatte keinen sonderlichen Orientierugssinn, aber sie wusste, dass es sich um eine Großstadt handelte, von der Cain da gerade sprach. Anifuris, eine durchgedrehte Seele, in einer Großstadt mit tausenden von Menschen. Potenziell tausenden von Opfern. Das konnte ja nur gut enden.
      Für jemanden, der Seelen als Energie nutzt, ein reines Fest.
      Das Vessel verzog bei diesem Kommentar missmutig das Gesicht. Dann würde sie ganz schnell lernen müssen, wie sie ihm die Kontrolle zur Not auch gewaltsam entreißen konnte, sollte sich das alte Seele gegen sie sperren.
      Allerdings spürte Sylea Cains Blicke auf ihrem noch nackten Körper, leicht prickelnd und verheißungsvoll. "Dein Ernst?", warf sie ihm spöttisch zu als sie ihre Arme in ein neues Oberteil schob, das sie aus der Tüte hervorgezogen hatte, "deine ganze Körperhaltung schreit nach Ruhe und du würdest dich lieber wieder an mir vergehen?" Das Grinsen in ihrem Gesicht sprach deutliche Bände. Wenn die Lage nicht so bescheiden wäre, dann hätte sie sich ihm freiwillig sofort in die Arme geworfen.
      Erst nachdem sie einen dünnen Pulli übergeworfen und ihre Beine in eine viel zu weite Jeans gesteckt hatte, musterte sie Cain nochmals. Vorsichtig streckte sie ihre Fühler nach ihm aus, betastete sein dünnes Gold um seinen Körper. Der Glanz war verschwunden, wirkte müde und fad und spiegelte somit genau das wider, was sein Körper gerade dringend brauchte und sich mit seinen Worten deckte.
      "Dann geh dich hinlegen", sagte das Vessel und deutete auf das Schlafzimmer, "einer sollte wachbleiben für den Fall, das etwas passiert." Und das war vorzugweise sie. Auch ihr ging es langsam an die Substanz, aber im Gegensatz zu Cain konnte sie kein Auto fahren und brauchte ihn demnach in der Verfassung, sie weiterzubringen. Sie konnte im Auto auch noch das ein oder andere Auge zumachen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Seeker war sich deutlich bewusst, welches Risiko sie eingingen, Anifuris in eine Großstadt zu bringen. Die Kontrolle, die Sylea über die alte Seele hatte, war leider noch immer fragwürdig und stand auf wackeligen Beinen. Allerdings konnte er nur von dort aus weitere Vorkehrungen treffen. Hier draußen in der Pampa gab es dazu leider keine Möglichkeiten. Auf Dauer würden sie falsche Identitäten, Geld und noch vieles mehr brauchen, um überhaupt eine Chance zu haben.
      Sylea grinste ihn frech an und sein erster Gedanke war, das junge Mädchen besinnungslos zu küssen bis sie keine Luft mehr bekam.
      Leider musste sich Cain eingestehen, dass Sylea ihn vollständig um ihren kleinen Finger gewickelt hatte. Sichtlich verlegen kratzte sich Cain am Hinterkopf und ein spitzbübisches Lächeln trat auf seine Lippen.
      "Sag das nicht so...", grummelte er gespielt beleidigt. "Sonst komme ich mir vor wie ein Krimineller..."
      Barfuß schlendete der Seeker zur ihr herüber und neigte den Kopf hinab, gerade als sie die Arme durch das neue Oberteil steckte. Effektiv bewegungsunfähig durch die Ärmel des dünnen Pullovers stahl er einen Kuss von ihren Lippen und grinste sie danach an.
      Tatsächlich hielt er kaum noch die Augen offen, da die Lieder schwer vor Müdigkeit waren. Seufzend nickte er und gab der jungen Frau damit Recht, die gerade ihren Kopf durch den Halsausschnitt des Pullovers steckte.
      "Keine Sorge. Ich leg mich jetzt hin, dann hast deine Ruhe vor mir." Cain unterdrückte ein Gähnen. Mit einigermaßen vollem Magen und der bleiernden Schwere, die ihre leidenschaftlichen Aktivitäten hinterlassen hatte, blickte er Richtung Schlafzimmer. "Weck mich, wenn du etwas Auffälliges bemerkst..."
      Damit verließ der Seeker seufzend den kleinen Wohnraum und fiel schon beinahe auf das Bett, das Gesicht augenblick in den Kissen vergraben, dem noch der Geruch von Sylea anhaftete. Es dauerte nur wenige Minuten, das glitt er bereits in einen tiefen, dringend benötigten Schlaf.
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    • Nachdenklich blickte das Vessel dem Seeker hinterher, als sich dieser auf ihr Geheiß hin in Schlafzimmer zurückzog und sich den dringend notwendigen Schlaf gönnte. Ein paar Augenblicke lang rief sich in Erinnerung, wie sich seine Lippen auf ihren angefühlt hatten ehe sie den Erinnerungsfetzen aus ihrem Geist verbannte. Der bis jetzt so leicht wirkende Gesichtsausdruck wurde ernst, als sie zum Feuer unter dem Herd ging und sich dort auf den kalten Boden setzte. Starr richtete sie ihren Blick auf die Flammen. Der Moment, in dem die letzte Flammenzunge empor schlug, würde sie nicht verpassen.
      Dies war nach knapp einer Stunde der Fall. Sylea hatte ihren angestammten Platz nicht verlassen und war in einen Zustand der Trance übergegangen. Sie gewährte ihrer Aura freien Lauf, die daraufhin ihre feste Form um ihren Körper verlor und sich in unregelmäßigen Wellen um sie legte. Die Kontrolle, die sie ständig über ihrer Aura aufrecht erhalten musste, kostete sie wertvolle Ressourcen, die sie vor Cain nicht offensichtlich machen wollte. Deswegen nutzte sie den Moment, in dem sie unbeobachtete war, und stellte ihren Geist auf Durchzug.
      Die nächsten fast drei Stunden verbachte Sylea wieder auf dem Sofa. Das Bein von sich gestreckt lag sie einfach nur da und starrte die Decke an. Es war fast schon unheimlich, wie die plötzliche Stille sowohl im Haus als auch in ihrem Geist sie regelrecht schluckte und sie dazu zwang, sich in Erinnerungen zu verlieren. Erinnerungen, die sie effektiv davon abhielten, einzuschlafen, ein Dösen aber zuließen.


      Es glich einer Wand, in die Helyon lief, als er sich in kritische Reichweite begab. Er sah das Haus zwar noch nicht, aber er wusste, dass sich seine Ziele in weniger als einem Kilometer Radius befanden. Unweigerlich stellten sich seine Nackenhaare auf als er Spuren der silbernen Aura vernahm, die eine andere Farbe zu kaschieren versuchte. Ein breits Grinsen erschien auf seinem Gesicht als er tief Luft holte und seine Sinne ausstreckte. Binnen Sekunden hatte er die genaue Luftlinie bestimmen können, in der sich Sylea und Cain gerade aufhielten. Ein paar Augenblicke hielt er inne, fühlte, ob sich die beiden von ihm wegbewegten oder nicht. Als er seine Augen das nächste Mal aufschlug, erschien ein dunkelrotes Leuchten in seinen Augen. Keine der beiden Signaturen bewegte sich - sie pausierten.
      "Man hält doch nicht an, wenn man auf der Flucht ist", tadelte er ungehört die Beiden als sich seine Füße in Bewegung setzten und er zu joggen begann, während er sich Schritt für Schritt der Hütte näherte.

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    • Aller Erschöpfung zum Trotz blieb der Schlaf des Seekers unruhig.
      Die Suchtpartikel aus grellem Gelb, der übrige und klägliche Rest, gönnte Cain nicht einmal während der traumlosen Ruhe ein wirkliche Pause. Die Impulse waren schwach, sorgten aber für einen Anstieg seines Herzschlages und einem unkontrollierten Zucken seiner Glieder. Es war weit davon entfernt lebensbedrohlich zu sein, hemmte aber das gesunde Wachstum seiner sowieso geschwächten Aura. Die typischen Sinne eines Seekers beeinträchtigte der Zustand allerdings nicht.
      Cain drehte sich mit einem sanften Murmeln auf den Rücken und atmete im Schlaf tief ein, als würde er einen bestimmten Geruch in der Luft suchen. Der metallische Geschmack von Blut legte sich auf seine Zunge und ließ ihn unwillkürlich das Gesicht verziehen. Als er auch noch den Geruch von Kupfer in der Luft wahrnahm, schlug er die Augen auf. Ruckartig setzte er sich auf und war binnen Sekunden hellwach. Sein Kopf flog zu dem getrübten Fensterglas herüber, als erwartete er eine Gestalt darin zu sehen. Das Gold seiner Augen glühte kurz auf, da war Cain, den Schwindel bekämpftend, schon auf die Beine gesprungen. Ein stockender Atemzug verließ seine Lippen, als sein Körper, routiniert durch Training und Einsätze, in Alarmbereitschaft verfiel. Diese Eindrücke hatte er schon einmal gespürt. Die klebrige Illusion von heißem Blut in seinem Mund, ließ Übelkeit in ihm aufsteigen.
      Ohne Umschweife schlüpfte er in seine Stiefel und polterte geradzu in das Wohnzimmer, wo Sylea noch auf dem Sofa vor sich hin döste. Er zögerte nicht, als er die junge Frau an den Schultern wachrüttelte. Für Samthandschuhe hatte er gerade keine Zeit.
      "Wach aus, Sylea!", knurrte er fast schon und als sie die Augen aufschlug, entfernte er sich sofort wieder und warf ihr ein paar Turnschuhe zu. "Anziehen. Wir müssen weg, sofort." Alles, was sie gebrauchen konnten, stopfte Cain in die Taschen und stürmte nach draußen zum Jeep. Die Tür der Hütte krachte dabei lautstark gegen die Wand. Er beförderte die Taschen auf die Rückback des Jeep und lief in die Hütte zurück.
      "Wir bekommen Gesellschaft...", sagte er eindringlich und wischte sich den aufkommenden Schweiß von der Stirn. "Los!"
      Er hatte gegen Helyon nicht den Hauch einer Chance. Selbst auf körperliche Ebene hatte der Mann schon bewiesen, dass er die schnelleren Reflexe und wesentlich mehr Kraft hatte. Und Cain hatte ihm nichts entgegen zusetzen, außer seine Kampferfahrung. Er war ein Seeker, das Gespür war nicht für den Kampfeinsatz gedacht.
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