[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • "I have been in the land of Faerie for years
      and it is a place where mortal blood is turned to fire.
      It is a place of beauty and terror
      beyond what can be imagined here."


      Viola

      Zustimmend nickte Viola. Die Situation war schwer genug und sie wusste, nicht wie sie reagieren würde, wenn sie Andvari wiedersah. Die Anwesenheit Faolans oder jemand anderem außer Sylvar würde sie dazu zwingen, sich besser kontrollieren müssen.
      Schwere und mit modriger Feuchtigkeit gefüllte Luft schlug der Heilerin entgegen, als sie Sylvar durch das magische Portal folgte. Mit unsicheren Schritte trat sie hindurch und fühlte wie sich die Atmosphäre um sie herum veränderte. Es war das erste Mal, die sie mit einem von Sylvars Portalen reiste. Das warme Licht der Abendsonne, dass noch zuvor ihre Haut erwärmt hatte, nun vertrieben von der Kälte der Kerker. Fröstelnd rieb sie sich über die Arme und war sich dabei selbst nicht sicher, ob es wirklich an der kühle der Luft lag oder an dem Unbehagen, das stetig durch ihre Adern kroch.
      Trostlos und grau, eingekesselt von groben Stein, blieb sich dicht an der Seite des Magiers. Der erste Atemzug in den dunklen Gemäuern blieb er augenblicklich im Hals stecken. Selbst in den Lazaretten auf den Kriegsfeldern hatte es nicht so erbärmlich gestunken. Viola presste sich eine Hand über Mund und Nase, als von allen Seiten her der Geruch von Unrat sie einhüllte. Der metallische Geschmack von altem Blut beschwerte die Atemluft und legte sich klebrig auf die Zunge. Unverkennbar auch der süße Geruch von Verwesung. Der Heilerin wurde übel.
      Selbst der wunderliche Anblick des grobschlächtigen Zwerges bot nur eine kurze Ablenkung. Unter anderen Umständen hätte sie vermutlich einen genauren Blick riskiert. Die junge Frau hatte außer in Geschichten noch nie von Zwergen gehört, geschweige den Leibhaftigen gesehen. Dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, kein sehr freundlicher Zeitgenosse.
      Sie wandte wider besseren Wissens den Blick zur Seite und erblickte eine schmutzige mit Blut verkrustete Hand, die sich an das Eisen klammerte. Ein mehrere Finger waren in erschreckenden Fingern verbogen. Sie war so hager, dass sie froh war den mitleidenwerten Besitzer im Schatten nich erkennen zu können.
      Die Heilerin zwang sich wegzusehen, auch wenn alles was sie in ihrem Leben gelernt, danach verlangte zu heilfen. Aber deswegen war sie nicht hier.

      [Lady Midnight - Cassandra Claire]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • I am a dwarf and I'm digging a hole. Diggy diggy hole. Diggy diggy Hole.
      Und Sylvar


      Die Zwerge traten zu dem ungleichen Gespann und blickten mit wettergegerbten Gesichtern hinauf. Für Sylvar war es nach all den Jahren noch immer ein innerliches Rätsel, wie es die Zwerge schafften, ihre HAutfarbe so diskret zu verändern, obgleich sie kaum Sonne sahen. Der grobschlächtige Zwerg, er kannte ihn unter dem Namen Karuz, trat hervor und blickte Viola feindselig an.
      "'N Mensch in meinem Knast?"
      "Ein Mensch, der als meine Begleitung fungiert, Herr Karuz. Wir kommen, um meinen Bruder zu besuchen", sagte Sylvar in ruhigem, aber deutlichen Ton.
      Karuz spuckte kurz aus und wischte sich durch seinen rötlichen Bart, ehe er geräuschvoll die Nase hochzog. Wahrlich kein geselliger Zeitgenosse, dachte Sylvar und lächelte unentwegt, während er sich auf den Stock stützte.
      "Dann kommt ma mit, nech?", brummte Karuz und wandte sich auf den Hacken um, die stöhnenden Gefangenen und die herauslugenden Hände mit den schrecklichen Wundmale ignorierend. Offenbar kannte er diese Gänge zu gut. Den Elfen hingegen stieß dies barbarische Verhalten mehr als alles andere ab. Er wandte nur kurz seine Blicke in die Zellen und versuchte, sich bei den Gerüchen nach Exkrementen, getrocknetem und altem Blut nicht zu übergeben. Augen, leerer als so mancher Zellentrakt, blickten ihnen hier und da entgegen und immer wieder lag darin der stumme Wunsch nach einem Ende des Grauens.
      Sie wanderten eine Weile unter dem Scheppern der Rüstung des Zwerges und dem gelegentlichen Stöhnen und Schreien hin und her, als sie schließlich einen Trakt erreichten, der nicht so bewohnt war.
      Als der ZWerg schließlich Halt machte, hatte Sylvar viel erwartet. Aber was er schließlich erblickte, ließ seine Augen sich weiten und seine Haut erbliechen.
      Der Zwerg öffnete nur die Zelle, um sich dann mit einem "Ihr habt 30 Minuten, wa?" zu entfernen.
      Doch dort in der Zelle lag kein Elf mehr.
      An die Wand gefesselt wie ein Tier hing Andvari an der Stirnseite der Zelle von den groben Steinziegeln herab. Sein Haar war geöffnet, auch der wertvolle Zopf von Lyra und hing schlaff und beinahe leblos herab. Blut tropfte frisch auf den Kerkerboden und hatte bereits eine Pfütze gebildet. Ansonsten hatte man den Elfen völlig entkleidet und offenbar einer Folter unterzogen, nachdem man ihn nackt und wie Schlachthausvieh aufgehangen hatte.
      "Bei den Bäumen...", flüsterte Sylvar und trat in die Zelle, in der es stechend nach Blut und anderen Dingen roch, die er nicht genauer erforschen wollte.
      Der Oberkörper des Elfen schien wie von einer Schneide zerschnitten worden zu sein und blutete aus unzähligen Öffnungen in blauen Strömen. Es war bereits zum Teil verkrustet, sodass er diese Qualen offenbar öfter über sich ergehen lassen musste. Seine Finger erschienen wund und nicht zum Körper gehörig, da sie tief in Blut getaucht waren. Aber irgendwo musste die magische Energie ja extrahiert werden.
      Als Sylvar näher trat, bemerkte er noch einen schwachen Atem an seiner Hand und eilig machte er sich daran, die Ketten zu lösen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "I can not let you go.
      I won't. Not now. Not ever."


      Viola

      Sicherlich hatte die Heilerin keine freundlichen Worte des Willkommens erwartet, aber die Feinseeligkeit, die ihr entgegen schlug, legte sich eisig auf ihre Schultern. Es kostete sie reichlich Mühe nicht eingeschüchtert den Blick zu senken. Und doch fokussierte sich der Blick der grünen Iren auf den grimmigen Zwerg. Zumindest blieb ihr so der weitere Anblick des Elends in den finsteren Zellen erspart.
      Mit jedem Schritt, die der Kerkermeister sie weiter in die modrige Dunkelheit führte, verlor Viola weiter den Überblick über die unzähligen Abzweigungen und Biegungen denen sie scheinbar folgten. Das wirre Geflecht aus Gängen und stinkenden Zellen erinnerte sie ein albtraumhaftes Labyrinth, in dem sie keines Falls verloren gehen wollte.
      Anscheinend hatten sie ihr ersehntes Ziel bereits erreicht. Viola konnte nicht einschätzen wie tief sie in den Bauch des Kerkers gelaufen waren, begleitet von geflüstertem Stöhnen und dem Betteln nach einem Ende des Leids. Mit einem hohen Quietschen, das in den Ohren klingelte, wurde eine Zellentür aufgestoßen, aus der ein ebenso furchtbarer Gestank entkam. Die junge Frau war davon überzeugt, dass sich der beißende Geruch sich bereits in jeder Pore der gemauerten Wände gefressen hatte.
      Kein Wort der Warnung hätte sie auf den grauenhaften Anblick vorbereiten können, der sich umgeben von bröckelndem Stein und schwerem Eisen ihren Augen bot. Blanker Horrer verzerrte das eh bereits leichenblasse Gesicht der Heilerin. Wie zur Salzsäule erstarrt, blieb sie am Eingang der Zelle zurück und blickte über Sylvars Schulter dem kläglichen Rest eines Mannes, den man wie ein Tier angekettet hatte. Als hätte sie unsichtbare Wurzeln geschlagen, hob sie auch die zweite Hand an ihr Gesicht und unterdrückte einen erschrockenen Laut, der ihr wie ein Stein in der Kehle stecken blieb. So viel Blut auf dem Boden, das es unzählige Eimer hätte füllen können. Sie zwang sich hinzusehen. Unter Dreck und dunklem Blut erkante sie kaum noch einen Fetzen sauberer Haut, selbst die verschlungen Tattowierungen waren in ihrer Form kaum noch zu erkennen.
      Sylvars Stimme riss sie aus ihrer Starre. Die geflüsterten Worte reichte aus, dass sich Viola in Bewegung setzte. Fast schon stolperte sie über eigenen Füße, als sie gegen die überwältigende Übelkeit kämpfte und helfend an die Seite des Magiers trat. Sie versuchte nicht daran zu denken, das der unsichere Halt ihrer Füße daher rührte, dass sie in einer Lache aus Andaris Blut stand. Der weiße Saum ihres Kleides sog sich bereits voll und verfärbte sich mit feinen, fast himmelblauen Ausläufern.
      Mit geschickten, aber zitternden Fingern machte sich Viola an der Fessel zu schaffen, die gerade nicht schon von Sylvar gelöst wurde. Schwer sackte ihr der Arm entgegen und die presste eine Handfläche gegen die Schulter Andvaris. Blut benetzte ihre Haut und sie wusste bereits jetzt, egal wie lange sie ihre Haut schrubben würde, sie würde das Gefühl von seinem Blut auf ihrer Haut nie wieder loswerden. Sie konnte das leblose Gewicht kaum allein tragen, aber sie vertraute auf Sylbar. Keiner von beiden würde den geschundenen Elfen fallen lassen.
      Viola konnte kaum das Gesicht Andvaris erkennen. Das Bild vor ihren Augen verschwamm und sie blinzelte heftig.Schlagartig wurde ihr bewusst, dass salzige Tränen über ihre Wangen strömten. Ungehinderte brannte sie in ihren Augen, verfingen sich in dem Fächerkranz ihrer Wimpern, ehe sie eine heiße Spur über ihr Gesicht zogen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar und die Leiche

      Der Körper des Elfen lag schwer in den Händen der beiden Retter.
      Hätte man Andvari vor vielen Jahren gesehen, so würde man dies Gewicht nicht vermuten, aber vielleicht war es auch dem Umstand geschuldet, dass er sich nicht mehr halten konnte. Sachte ließ der Erzmagier mit Violas Hilfe den leblosen Körper auf den Boden sinken und sah sich um. Nichts, um seine Blöße zu bedecken...Aber was sollte es? Es gab wichtigeres als Nacktheit. Seine Finger fuhren über das verschorfte, geschwollene Gesicht und strichen die vom Blut verklebten Haare zurück. Doch in den Augen, die an die Decke sahen, war kein Leben mehr. Sie waren fortgeglitten in eine Zeit, in der er seinem Bruder nicht folgen konnte. Hastig blickte er zu Viola und bemerkte Tränenspuren auf ihrem Gesicht.
      Ehe er etwas dazu sagen konnte, bemerkte er selbst die salzige Flüssigkeit in seinen Mundwinkeln und tippte sich überrascht an die Wangen, die feucht glänzten und sich mit Andvaris Blut vermischten. Wie lange war es her, dass er geweint hatte? Vielleicht ein paar Jahrzehnte? Als Feanoré starb...Ja...Es musste um diese Zeit gewesen sein...
      Er fuhr mit der Hand wieder über sein Gesicht und verharrte auf der Brust. Ein schwacher Herzschlag. Faolan hatte also nicht das Äußerste gewählt. Dieser miese, kleine Folterknecht...Sylvar erhob sich rasant und blickte einer Fratze gleich in den Gang zurück. Der Zwerg, der sie heimlich beobachtet hatte, gefror regelrecht in seiner Bewegung und riss die Augen auf. Nie sah man solche Wut beim Erzmagier des Elfenvolkes. Das Ornament auf seiner Stirn begann grünlich zu leuchten während er sich erhob und vom Körper seines Bruders entfernte, der jetzt ruckartig zu atmen begann.
      "Bringt mich zu Faolan!", kommandierte der Erzmagier dem Zwerg zu, der sich erst noch winden wollte.
      "Dat kann ich wohl nich' machen, wa? Da haut mir der Könich eins auffe Omme, sachma..."
      Sylvar trat an den Zwerg heran und griff nach seinem kleinen Schuppenpanzer. Als sei er nichts wert und nichtswiegend, hob er diesen spielend auf seine Augenhöhe an und funkelte ihn bestiengleich ins Gesicht.
      "Wenn du deinen kleinen haarigen Hintern nicht gleich zumeinem Bruder schwingst, werde ich dich eigenhändig in eine Dimension verbannen, in der man Zwerge frühstückt! Haben wir usn verstanden???"
      "j-Ja...ja, verdammich noch eins!"
      Während er den Zwerg wieder hinab lies, blickte er zu Viola und Trauer zog über sein GEsicht.
      "Kümmert Euch bitte um ihn. Tut was ihr könnt, um die Wunden zu schließen. Und...Und seit ihm nicht böse...", flüsterte er.
      Andvari würde fantasieren. Er war sich sicher. Und nur die Götter würden wissen, was er sah.
      "Ich werde meinen Bruder aufsuchen und ihm den Scheitel mit dem Hammer ziehen."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Ohne Zögern ließ sich Viola in allerlei Unrat und bläulich schimmernden Blut nieder, während sie mit vereinten Kräften Andvari zu Boden sinken ließen. Grob gehauene Steine schürften über ihre Rücken, als sie daran herab sackte, und Andvaris lebloses Gewicht sie weiter gegen die kalte Steinmauer drückte. Umsichtig hatte sie sich hinter dem Gefangenen niedergelassen, seinen Rücken gegen ihren schmalen Oberkörper gelehnt. Der Kopf mit dem dreckig, weißen Haarschopf landete schwer auf ihrer Schulter. Die Heilerin versuchte den furchtbaren Gestank zu ignorieren, der ihre Nase füllte und blickte verzweifelt in leere Augen, während sie ihn an den Schultern aufrecht und mit Hilfe ihrer eigenen Haltung aufrecht hielt.
      Es beruhigte sie keineswegs, als sie die Tränen auf Sylvars Gesicht erblickte. Folglich nahm der schier endlose Strom ihrer eigenen Trauer nur noch mehr zu. Nichts war wichtig, nicht der benebelnde Gestank, nicht seine Nacktheit noch Schmutz oder Blut, das nun an ihr klebte. Viola blickte zu Sylvar auf und wollte ihm schon nach rufen. Lasst mich nicht allein, wollte sie flehen, da richtete sich der Magier zu seinen vollen Größe auf und schien den Zwerg in die Mangel zu nehmen. Schwerfällig nickte die junge Frau und richtete wieder ihren Blick nach unten.
      "Ich weiß nicht, was ich tun soll..." Wisperte sie mit erstickter Stimme und strich nun ihrerseits das verschwitzte, dreckige Haar aus der Stirn Andvaris. Er fühlte sich eiskalt unter ihren Fingerspitzen an. Sämtliche Erfahrung und Ruhe, die eine Heilerin im Ernstfall besitzen sollte, glitt ihr wie Sand durch die Finger. Allein in der Dunkelheit der Zelle, mit nichts anderem erfüllt, als den flachen Atemzügen, entkam ihr ein Schluchzen.
      Dumpf drangen Sylvars Worte an ihre Ohren, sie konnte schweigend nicken und wandte nicht eine Sekunde den Blick von den Mann in ihren Armen ab. Die Atmung war zu nun viel zu schnell, als ein Ruck durch seine Brust ging. Fieberhaft versuchte sie ihre Nerven einzufangen. Panik war das Letzte, das sie nun gebrauchen konnte.
      Viola ließ den Blick durch die Zelle schweifen. Bisher hatte sie immer eine Wasserquelle gebraucht, um ihre bereits erlernten Heilfähigkeiten zu nutzen. Es half ihr den Energiefluss zu bündeln. Wie ein Medium stellte es die Verbindung her, leitete ihre Kraft wie ein fließender Bach.
      Tränen rannen über Kinn hinab und tropften auf die nackte Schulter des Elfen. Viola nahm einen zitternden Atemzug. Natürlich, sie hatte eine Quelle, wenn auch so gerring. Mit blutbefleckten Fingerspitzen nahm sie die salzigen Perlen von ihrer Haut auf, die rannen träge über ihre Finger. Eine bebende Hand presste sie über sein Herz auf seine Brust.
      Viola senkte die Augenlider und zwang sich ruhig zu bleiben. Es dauerte schier endlose Minuten bis unter ihren Fingern ein schwaches, bläuliches Leuchten zu sehen war, dass scheinbar direkt durch Haut und Muskeln drang. Ihre Tränen sickerten in die geschundene Haut, wie der Regen in aufgewühlte Erde. Instinktiv ertasteten ihre Sinne die unzähligen Schnitte und regten mit ihrer eigenen Lebenskraft das Gewebe an, sich von Innen heraus zu schließen. Träge stoppten die Blutungen, Muskelfasern und Haut reparierten sich. Jemand mit mehr Erfahrung wäre schneller und effizienter gewesen, aber Viola spürte schon nach kurzer Zeit das Pochen hinter ihrer Stirn. Schweißperlen perlten über ihre Schläfen.
      Immernoch nahm der Fluss ihrer Tränen kein Ende und sie presste ihre Wange gegen das stumpfe, weiße Haar.
      "Bleib bei mir..." Wisperte sie flehentlich bittend an seine Schläfe.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari a.k.a. Frankensteins Monster

      Dunkelheit und Schatten.
      Als die Schmerzen nach so langen Tagen der unendlichen Qualen schließlich verebbten und sich sein Geist zu den Gefilden aufzumachen schien, brachte es nicht die Erlösung, die Andvari für sich gehofft hatte. Im Gegenteil. Sie hängten ihn auf wie Vieh, das man zum Ausbluten auf die Prachtstraße hing. Und doch blieben seine Gedanaken lebendig, während man ihn folterte und quälte. Aber dann würde es still.
      Still und schön.
      Beruhigend, wie schwer der eigene Körper wurde die Wärme, die nach der beiernden Kälte hereinbrach, nachdem sie ihn auszogen und aufschnitten wie einen Schweinebraten. Und seine Magie etnzogen. Er erinnerte sich schwach daran, wie Faolan ihn quälte, ihm Nadeln in den Körper stach und schließlich seine Energie entzog. Das Licht, das ihn so viele Jahre gewärmt hatte, war fort und hinterließ Finsternis und Kälte, die ihn zusehends umbrachte.
      Bis ihn Wärme erfasste.
      Eine durchdringende und beinahe unwirkliche Wärme, die sich so irreal anfühlte, dass er schon dachte in das jenseitige Leben gerutscht zu sein. Seine Ohren vernahmen gedämpfte Stimmen. So unwirklich, dass sie wie das Flüstern von Göttern klangen, die an seinem Verstand kratzten.
      Doch dann brannte sich diese Wärme in seinen Körper ein, erfüllte ihn und ließ ihn aufatmen. Seine Lungen füllten sich mit kalter, modriger und stinkender Luft, aber letztlich funktionierten sie. Das Herz des Elfen begann wieder regelmäßiger und stärker zu pumpen als vorher und ließ die Wärme, die vormals nur in seinem Rumpf zu sein schien, durch sein gesamtes Gliedertum fließen. Als habe man sein Blut in flüssige Lava getaucht.
      Als Andvari die Augen öffnete sah er nichts bis auf Röte.
      Rotes, gleißendes Haar, das über seinem Gesicht lag und wunderbar frisch roch. Es brauchte nicht einmal Duft oder dergleichen. Und selbst wenn es nach Schweiß riechen würde, so würde er es doch begierig einsaugen wie den Nektar der Götter. Aber wer...
      "Fea...No..."
      Seine Stimme war nicht mehr als ein Krächzen, als er seine Hand langsam hob und an die Wange drückte, die sich an seine Stirn presste. Sie war weich und wunderschön. Als sei es das Gefühl, das er am meisten benötigte, jetzt in dieser Situation. Und ehe er wusste, was er tat suchte sein Mund diesen anderen Mund an seiner Stirn.
      Und wenn es nur eine Sekunde war, aber er wollte die Lippen seiner Frau noch einmal spüren, ehe er aus diesem Traum erwachte. Und es wirkte alles so real...So wunderbar real...
      War das das jenseitige Leben?

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "There was a sudden pain in my chest
      that felt as if someone had shoved a dagger through me.
      I looked down because it felt too real.
      But there was no blade, no bloody wound that
      equaled the agony radiating through me."


      Viola

      Unter ihren Fingerspitzen erwachte das geschwächte Herz zu neuem Leben. Zurück war das stetige und kraftvolle Schlagen, dessen Winderhall durch ihre Hand und ihre Arm in ihren eigenen Körper zurück floss. Eine Welle der Erleichterun brach über ihrem Kopf zusammen, als Wärme in den schweren Körper in ihren Armen zurückkehrte. Unter gleichmäßigen Atemzügen presste sich sein Rücken gegen ihren Brustkorb, näher an ihr eigenes Herz, dessen Rythmus sich Andvaris anglich. Kurz stockte es in ihrer Brust, bis es gänzlich im selben Takt schlug. Sie lauschte dem Rauschen des Blutes in seinen Adern, dass nun wieder schneller und zielgerichteter durch seine Gliedmaßen floss und die Taubheit vertrieb. Organe und Muskeln nahmen ihre Aufgaben wieder auf, als neue Lebenskraft in heilenden Wellen durch sie strömte. Viola seufzte schwer in das schmutzige Haar, vor Anstrengung und Erleichterung. Wie Sylvar es erklärt hatte, floss all ihre Sorge, ihre Angst und ihre gänzliche Zuneigung in den geschundenen Körper. Jede Emotion näherte ihre Kraft, entfachte den ungebändigten Wunsch, dem Leiden ein Ende zu machen. Erst als die Ränder der Welt vor ihren Augen langsam finster wurden und das Bewusstsein ihr zu entgleiten drohte, ließ sie ab.
      Schwer atmend wagte Viola einen blick hinab und sah durch halbgeschlossene Augen, dass die Schnitte sich tatsächlich zu einem Großteil geschlossenen hatten. Kein lebensspendendes Blut floss mehr auf den kalten Steinboden. Zurück blieben zarte, blassrosa Linien, die ebenfalls mit genügend Zeit verblassen würde. Eine Nachwirkung ihrer eigenen Lebenkraft, die noch eine Weile heilend durch seine Adern fließen würde, bis sie irgendwann verklang. Die Finger jener Hand, die auf seinem Herzen lagen, fühlten sich taub an, als das sanfte Leuchten bereits erloschen war. Sie konnte ihn nicht hier lassen. Viola würde wie eine Löwein darum kämpfen, damit ihre Mühen nicht vergebens waren, sondern nur dem Zweck dienten ihm weiteres Leid zuzufügen.
      Ein Name, so leise wie das Wispern einer Brise, drang an ihr Ohr und es wäre eine glatte Lüge, wenn sie den schmerzlichen Stich abstreiten würde, den sie tief in ihrem Herzen spürte. Aber Sylvar hatte sie gewarnt. Und wieder betrog sie ihr eigener Körper, als sie ihre Wange in die raue Handfläche schmiegte, ungeachtet des Blutes, dass an ihnen haftete. Jene Augen erblickte nicht sie, sondern jemanden anderen. Und Viola spürte, wie sehr er diese Frau liebte. Frische Tränen liefen über ihre Wangen. Für sich selbst, für Andvari und seinen Verlust. Für die Schmerzen und all das Leid, das er erdulden musste.
      Der Atem stockte verkrampft in ihren Lungen, als spröde Lippen sich suchend auf ihre drückte. Ihr verräterisches Herz drohte aus ihren Rippen zu entspringen. Die Gewissheit quälte Viola, dass der Mann in ihren Armen, nicht sie sah. Eine tiefe Trauer umhüllte ihr pochendes Herz. Eine nie geahnte Qual, die mit nichts zu vergleichen, war das je in ihrem Leben gespürt hatte. Und dennoch neigte sie den Kopf ein wenig, ließ ihm die Illusion, die ihm offensichtlich einen winzigen Hauch Frieden brachte. Später blieb genug Zeit um sich dafür zu schämen.
      Der Verstand setzte ein und die Heilerin hob das Kinn, entzog sich dem Kuss, der nicht ihr galt sondern der Erinnerung einer Frau, die nicht länger war. Erneut glitten die Finger ihrer freien Hand durch sein Haar, liebevoll und beruhigend.
      Blinzelnd, mit brennenden Augen, blickte Viola zur geöffneten Zellentür. Wo blieb Sylvar? Sie mussten Andvari fortbringen. Jetzt.
      Sie ertrug den Gedanken ihn hier zu lasen, nicht eine Sekunde länger. Viola schmeckte noch immer Blut an ihren Lippen, sein Blut, als sie einen zarten Kuss auf seinen Scheitel hauchte.
      "Wir holen dich hier raus." Wisperte sie. "Wir bringen dich hier weg. Es tur mir so leid." Der düstere Gedanke Andvari falsche Hoffnungen zu machen stach in ihrem Hinterkopf. Aber sie wusste, sie würde nicht freiwillig von seiner Seite weichen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari und der Spielverderber

      Der Kuss schmeckte nach Feuer und war behaftet mit einer Süße, die er wie Nektar aufsaugen wollte. Als flösse flüssiges Leben durch seine Adern erwachte sein Körper mehr und mehr zum Leben, ehe ihm diese feurige Süße wieder entzogen worden. Allzu jäh. Doch nach und nach drangen die stinkenden Gerüche seines Gefängnisses an seine Nase.
      Es stank nach Urin und Blut in seiner Zelle, so viel war sicher. Und viele Male hatte er diverse Gerüche des Krieges wahrgenommen, aber mit keinem Mal waren sie so stechend und allgegenwärtig wie diese hier.
      Seine Augen begannen, sich flatternd zu öffnen, doch erschienen nicht kraftvoll genug. Aber er spürte wieder Licht in sich, das er formen konnte. Wie eine kleine Blume in karger Tundra erhob sich die Energie seines Lichtes tief in seiner Brust und mit einem Mal kehrten die Gefühle seiner Haut und Finger zurück. Er spürte zarte Hände in seinem Haar und das rote Haar, dass er auszugsweise sehen konnte, erinnerte ihn an sie. Es war schön, erneut in Feanorés Armen zu liegen, obgleich sein Verstand ihn aus diesem Traum erlösen wollte. Gerade wollte er nochmals nach dem Gesicht über ihm greifen und diesmal länger von dem Nektar trinken, der sich ihm darbot, da ein lautes Geräusch den Zellengang erfüllte.
      Mit gleicher Sekunde flog ein keifender Zwerg wie ein Ball durch den Gang und kam scheppernd vor der Zelle zu liegen.
      "Wat soll'n dat jetz???", schrie Karuz und wischte sich den Dreck aus dem Bart. "Hier is' Sperrzone, verstehste??"
      Ehe er ein weiteres Schimpfwort aussprechen konnte, wurde er erneut rücklings wie ein Spielzeug zur Seite geschleudert und kam an der Wand zum Liegen. Stöhnend richtete er seine verbeulte Rüstung und ächzte, als er versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Doch auch hier war eine Hand im Widerschein der Fackeln schneller.
      Sylvar vollführte zwei kurze Bewegungen und Baumwurzeln schossen in überirdsicher Geschwindigkeit aus dem Mörtel der Backsteine des Zellentraktes und griffen nach den breiten Schultern und Händen des Zwergs, der sich keifend wehrte.
      "Wat is dat denn?? Jetzt kommt der mir mit so'm Gelumpe! Unmöchlich, dat! Bah, Wurzeln! Nee, nich den Mund! Nich inne Mund, dat is doch wiederlöööö..."
      Die Wurzel schloss sich in Windeseile um das lose Mudnwerk des vorlauten Zwergs und Sylvar tauchte wieder in der Zelle auf. Seine Robe war an einigen Stellen zerrissen und enthielt leichte Brandspuren. An seiner Wange klaffte eine tiefe Schnittwunde, aber sein Blick glühte vor Wut.
      "Wenn du ein Wort sagst, werde ich dich ausweiden und die Eingeweide deiner Mutter schicken", flüsterte er dem Zwerg zu und blickte dann in die Zelle.
      "Ist alles in Ordnung?", fragter er Viola. "Ich habe vielleicht eine PAssage. Aber ich muss Euch warnen: Wenn wir das tun, werden wir Staatsfeinde. Und ich habe keine Ahnung was geschieht. Alternativ lassen wir ihn hier und versuchen, die Hinrichtung durch Euer Geschick zu vermeiden."

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      The more you drag me to hell
    • They were twin souls, soldiers destined to fight
      for different sides. To find each other and lose
      each other too quickly.
      She would not keep him here. Not like this.

      Viola


      Erschöpft blickte Viola hinab in das ebenfalls geschundene Gesicht des Elfen in ihren Armen. Auch hier hatten ihre heilenden Kräfte deutliche Spuren hinterlassen und die Schwellungen unter dem verkrusteten Blut waren gerringer als zuvor. Langsam erkannte sie die vertrauten Züge wieder. Die bernsteinfarbenen Augen hinter den kraftlosen Lidern wohnte wieder zaghaftes Leben inne. Stetig bewegten sich ihre Finger durch das strähnige Haar, während sie sanfte Worte flüsterte. Viola hoffte, auch wenn es schmerzte, dass Andvari die grausame Realität noch für einen Augenblick verwährt blieb. Unter weniger bedrohlichen Umständen hätte er sie nie so liebevoll berührt und sie schimpfte sich für ihre selbstsüchtigen Gedanken. Der Fluss ihrer Tränen ebbte langsam ab, ihre Augen gerötet, als hätte sie tagelang geweint. Die junge Frau fühlte sich kraftlos und leer. Sie hatte ihm alles gegeben, sämtliche Energie, die sie entbehren konnte.
      Ohrenbetäubendes Scheppern und ein lautes Krachen, als jemand oder etwas gegen die felsigen Wände geschleudert wurden, ließ die zierliche Frau in sich zusammen fahren. Augenblicklich verstärkte sich der schützende Halt ihrer Arme um Andvari. Das Gekeife und Fluchen des Zwerges hallte durch den dunklen Zellentrakt und verhieß nichts Gutes. Angespannt blicke sie zur Zellentür und versuchte im flackernden Schein der Fackeln zu erkennen, was bei allen Göttern dort vor sich ging. Sylvars imposante Gestalt warf einen bedrohlichen Schatten an die kargen Wände, während der grobschlächtige Zwerg empört protestierte und schimpfte.
      Schließlich tauchte Sylvar in ihrem Blickfeld auf und selbst die Heilerin musste gestehen, dass das wütende Funkeln in seinen Augen ihr Respekt einflößte. In ihrer Gegenwart war der Magier nichts als friedlich und besonnen gewesen. Diese Seite an ihm hatte sie noch nie gesehen. Die Stimme, die über ihre Lippen kam, erkannte sie kaum als ihre eigene. Bleischwer formten sich die Silben und klangen dumpf in ihren eigenen Ohren. Viola schüttelte sachte den Kopf und neigte das Kinn, um den Blick Sylvars auf seinen Bruder zu lenken.
      "Andvaris Körper wird heilen, ich habe getan, was ich konnte. Er wird leben." Die Worte waren begleitet von einem schwachen Silberstreif Hoffnung. Seinen Geist konnte sie nicht wieder zusammen setzen. Viola wagte nicht daran zu denken welche Spuren Faolans Folter hinterließ. Als Sylvar sie vor die Wahl stellte, riss sie den Kopf hoch und blickte ihn fast schon fassungslos an. Ihre zierliche Hand presste sich fester über Andvaris Herz, als könnte sie es vor dem Zerbrechen schützen.
      "Wie könnt ihr das hier von mir verlangen und mir dann mitteilen, ich soll ihn wieder Faolan und seinen Grausamkeiten überlassen?" Unerbittliche Entschlossenheit stand in ihrem Blick. "Nein, er bleibt nicht eine Sekunde länger hier. Vielleicht ist es das nächste Mal zu spät. Selbst wenn ich seine Wunden immer wieder verschließe..." Ihre Finger berührten bebend die Schläfen Andvaris. "Ich kann seinen Geist nicht wie ein zerbrochenes Glas wieder zusammen setzen. Irgendwann wird nichts mehr übrig sein. Ich bin der Feind, Sylvar. Und über seinem Kopf schwebt das Todesurteil. Wie schlimm kann es noch werden?"
      Viola neigte das Haupt zu Andvari und ihre Lippen berührten zaghaft die Stelle, an der zuvor ihre Fingerspitzen an seiner Schläfe geruht hatten. Es war ihr egal ob die wachsamen Augen Sylvars dabei auf ihr ruhten.
      "Ich kann ihn nicht hier zurücklassen. Bittet mich nicht darum. Oder lasst mich hier bei ihm."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar

      Einen moment lang hätte man hinter den blitzenden Augen des Erzmagiers so etwas wie Widerstand vermuten können. Schweigend blickte er Andvaris Gesicht an, die spröden Lippen, die geschwollenen Stellen. Sicherlich musste er hier heraus. Aber zu welchem Preis? Auf der anderen Seite stand diese junge Menschenfrau, die ihn aus Leibeskräften geheilt hatte, so viel war zu bemerken. Die weißliche Haut des Elfen war übersäht rötlich blassen Schnittwunden, die bereits verschorften und zuheilten. Sie hatte ganze Arbeit geleistet. Es war wirklich beeindruckt wie weit sie in wenigen Wochen gekommen war.
      Jedoch war der Blick, den er ihr zuwarf, sie sie zärtlich Andvaris Schläfe küsste, mehr als nachsichtig und wissend. Beinahe schunzelnd schüttelte er den Kopf und seufzte.
      "Junge Liebe", flüsterte er. "Da kann man nichts gegen machen, nicht wahr? Gut, bringen wir ihn hier heraus. Es gibt einen Ort, an dem wir vorerst sicher sind, aber Andvari wird mir dafür wehtun. Ich öffne das Tor und wir eilen hindurch. Sodann müssen wir die Sieben Schwerter zusammen rufen, denn offenbar steht eine Revolution an, nicht wahr?"
      Das Licht rief ihn, dachte Sylvar und grinste breit. Es war lange her, dass er derartiges Leben in sich verspürt hatte. Wenn sie ihn aus dem Kerker herausholten, glich das Hochverrat und nur die Sieben Klingen, die geschworen hatten, dem Licht zu dienen, würden ihnen helfen können. Nur leider waren diese nicht leicht zu finden, geschweige denn Andvari leicht dazu zu überreden. Es würde ein Kampf, aber wer wusste...
      Wenn er die bläulichen Schimmerreste an Violas Lippen betrachtete, wusste er, dass sie eine Chance hatten.
      Er erhob sich und blickte sich kurz in der Zelle um, seine linke Hand wies auf die linke Backsteinmauer, in die man ein behelfsmäßiges Bett aus Stein gehauen hatte. Die Decke darauf war löcherig und das Kissen schimmelte bereits stark, aber dennoch...Niht einmal Tieren mutete man so etwas zu.
      "Ich öffne das Tor zu einem sicheren Haus", kündigte er an.
      In gleichem Atemzug begann der BEreich um das Bett zu flirren und ein goldener Rand formte sich in einer ovalen Form. Es wurde Zeit. Schritte ertönten auf dem Gang und hallten in beidseitiger Stärke nieder. Faolan. Sicherlich hatte sich sein Bruder bereits erholt und sann auf Rache. eine helle Stimme bellte Befehle, die durch das gleichmäßige Schreiten und Scheppern von Rüstungen begleitet wurde. Ha, verriet Sylvar also erneut sein Volk. Es war lustig anzusehen.
      Eilig schoss er zu Andvaris leblosem Leib und half, ihn auf die Beine zu bekommen.
      "Fallt nicht über ihn her, wenn wir drüben sind", zwinkerte er Viola feixend zu und zog seinen leblosen Bruder über die Schwelle des Portals.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell

    • "Sometimes you just jump and hope it's not a cliff."

      Viola

      Die Worte Sylvars geben ihr Rätsel auf.
      Welchen Ort hatte der Magier ausgewählt, als sicheres Versteck, damit Andvari sich von den Qualen erholen konnte?
      Aber die Frage rückte alsbald in den Hintergrund. Sie konnte später abwiegen, ob ihr Entschluss ein Fehler gewesen war. Ihr Herz kannte die Antwort, denn sie hätte es nicht überlebt ihn in dieser mordigen Zelle verrotten zu lassen. Alarmiert riss sie den Kopf herum, als sich der Lärm über den Korridor ausbreitete. Viola würde Sylvar später fragen, was mit seinem Bruder vorgefallen war. Für den Augenblick wagte sie zu hoffen, dass ihnen etwas Ruhe vergönnt war. Ein Aufatmen bevor sie der Ernst ihrer Lage einholte.
      Und sie würde Sylvar um Verzeihung bitten, denn sie riss den Magier mit in ihre missliche Lage. Entschuldigend warf sie ihm einen stillen Blick zu und half ihm dann eilig Andvari auf die Beine zu stellen. Geschwind tauchte sie unter seinem Arm hindurch, der sich schwer um ihre schmalen Schultern legte. Es war nur wenig, dass sie tun konnte, um ihn zu stützen. Ohne Slyvars starke Hände, wäre sie sofort wieder zu Boden gestürzt.
      Schatten, dunkle Vorboten, tanzten an den spärlich erleuchteten Wänden. Umrisse nahender, schwer bewaffneter Soldaten, die ihre Flucht verhindern sollten. Viola warf einen letzten Blick durch die massiven Gitterstäbe. Ein von Zorn verzerrten Gesicht blickte ihr entgegen, jungenhaft aber mit nichts als Boshaftigkeit in den Augen. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Sylvar und Lysanthir gab ihr Gewissheit. Faolan.
      Vor ihr hatte sich bereits das Portal aufgetan, dass sie alle für eine Weile in Sicherheit bringen sollte. Zeit, die nur geliehen war, bis die Prinzen, betrogen um ihre Rache, ihnen auf die Spur kamen.
      Und obwohl die Lage schlimmer nicht sein konnte, warf sie einen beinahe empörten Blick zu dem Elf an der anderen Seite von Andvari.
      Ihre Augen verdrehten sich so stark in ihren Höhlen, dass sie davon Kopfschmerzen bekam. Es verlangte ihr aber auch Bewunderung ab, dass Sylvar trotz der kritischen Flucht noch zu Scherzen aufgelegt war. Sie hatte sich immernoch nicht an den jugendhaften Schalk gewöhnt, der dem Magier inne wohnte.
      "Das Erste, was ich brauche, ist ein Bad..." Grummelte sie halbherzig.
      Sie hätte bis zu Hals im Elend stehen können und wäre doch keinen Milimeter von Andvari abgerückt.
      Mit Andvari zwischen ihnen, traten die Gefährten, das waren sie wohl zwangsläufig, durch das wirbelnde Portal.
      Als sie hindurch schritt, ließ Viola das Grauen in der Zelle zurück. Den Gestank von altem Blut und Unrat, die feuchte Kälte, die sie hatte frösteln lassen. Ihre Lungen füllten sich mit frischer, sauberer Nachtluft. Das Tageslicht war bereits erloschen und nur der Mond erhellte die Welt mit seinem fahlen Licht.
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      We’re all different people all through our lives.
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    • Die Elfen

      Als die glitzernde Nacht Tirion erreichte, legte sich ein schwarzer Schatten über die Häupter der Gefährten.
      Die Hauptstadt selbst war mit ihrem Tal und den hohen Türmen nicht mehr zu sehen, dafür stand ein dichter Wald mit einer herrlichen Lichtung vor ihnen.
      Viele Meter hoch reckten sich die Bäume mit ihren Kronen in den bitterschwarzen Himmel und versuchten, das Leuchten der Sterne zu erreichen. Die Luft erschien kühl, doch gleichsam wärmend, wenn man an die feuchte Kellerluft zurückdachte, aus der sie kamen. Ein kleiner See lag inmitten der Lichtung, auf dessen Oberfläche sich die Wipfel der Bäume spiegelten und hier und dort ein Blatt hinein fiel, um die Ruhe des Wassers zu stören. Büsche von Stachelbeeren und anderen Früchten reihten sich um einen Holzzaun herum und umarmten ihn wie eine fehlende Liebende. Die Früchte standen in wohliger Pracht und gediehen trotz der mangelnden Pflege.
      Doch das wunderlichste an dieser Szenerie war eindeutig das Holzhaus, das sich vor ihnen erhob und in dessen Hinterhof sie standen. Einst hatten hier Hühner und anderes Getier gehaust und den Boden unbetretbar gemacht, aber nunmehr lag die Erde ausgetrocknet und kahl vor ihnen. Ein leerer Trog an der Seite des Hauses wies auf die letztmalige Nutzung hin und war nicht mehr als eine Holzwanne geworden. Das Haus selbst bestand aus einem weißen, dreckig wirkenden Fachwerk mit schwerem Eichengebälk und einem Dach aus Stroh. Ein einfaches Haus, das Haus eines Bauern. Als Sylvar neben diesem aufschlug überkam ihn sogleich das schlechte Gewissen erneut, während er Andvari unter Ächzen und mit Violas Hilfe in Richtung des Einganges bewegte.
      Die Eichentür, welche den Eingang markierte, war kaum genutzt worden in den letzten Jahren, sodass sie beinahe fest in der Zarge verkantete, als Sylvar sie schließlich aufzog. Ein holziges Knirschen glitt über den groben Eichenboden und ließ die beiden übrigen ein.
      Der erste Raum, den sie betraten war eine einfache Küche mit angrenzendem Essbereich. Eine Feuerstelle war in der Mitte des Raumes an der Kopfseite errichtet worden, mit eigens gehauenen Steinen aus dem Flussbett. Es sah nicht schön aus, aber es hatte seinen Charme, fand Sylvar, auch wenn die Feuerstelle mit den gräulichen Resten der letzten Asche von vor Jahren eher erbärmlich aussah. An den Wänden hingen noch Töpfe und Utensilien für das tägliche Handwerk und ein massiver Tisch befand sich an der linken Seite, zu der auch ein Fenster reichte.
      Eine schmale Holzstiege führte nach oben in den Schlafbereich, wie er noch wusste und sonst befand sich nur ein altes Holzlager im hinteren Teil des Hauses. Die Jahre hatte dem Gebälk nicht gut getan und man merkte, dass die Liebe hier fehlte. Schon so lange fehlte.
      "Legt ihn vor den Kamin", murmelte Sylvar und half dabei, während er sich anschließend um das Feuer kümmerte. "Ich werde auch für ein Bad sorgen. Für euch beide. Und danach muss ich fort. Könnt Ihr so lange auf ihn achten?"
      Die Frage war eigentlich überflüssig, wenn man es so überlegte, aber dennoch musste sie gestellt werden.
      Andvari atmete schwer, schien aber wieder langsam zu klarem Verstand zu gelangen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Die Lichtung barg eine wilde und eigentümliche Schönheit, sanft vom Mondlicht beschienen. Auf dem Wasser des kleinen Sees spiegelten sich die Sterne am Firmament wieder. Der Ort strahlte nichts als Frieden aus und eine spürbare Einsamkeit. Hier hatte lange niemand mehr gelebt. Viola ließ den Blick schweifen. Die Gärten wirkten vernachlässigt und an das winzige Häuschen war schon lange keine kundige Hand mehr gelegt worden. Wer immer hier gelebt hatte, war schon lange fort. Das Gras bog sich unter ihren Schritten, während sie Andvari zwischen sich führte. Das Gewicht seines Körper drückte sie immer weiter nach unten und gerade als, sie fürchtete die Kraft würde sie verlassen, setzte sich die schwerfällige Tür in Bewegung. Die Luft war abgestanden und alt. Staub hatte sich in allen Ecken ausgebreutet und wirbelte durch den störenden Luftzug auf.
      Die junge Frau folgte Sylvar hastig, so schnell es eben ging, in das verlassene Haus. Erst als Andvari sicher am Boden lag, sein Kopf in ihrem Schoß gebettet, nahm sie die Räumlichkeiten in Augenschein. Fragen brannten auf ihrer Zunge, aber die Stimme des Magiers drückte Eile aus. Schnell war ein kleines Feuer entfacht, dass auch die letzte klamme Kälte vertrieb.
      "Natürlich." Viola sah den Elfen mit einem verwirrten Ausdruck an. Sie hatte wirklich gehofft, Sylvar würde bleiben.
      Aber sie würde wohl ohne seine Stütze und seinen Rat zurecht kommen müssen.
      "Wohin werdet ihr gehen?" Fragte sie dennoch. Viola spürte, dass es einen wichtigen Grund gab, warum der Elf sie zurücklassen würde und er musste sich sicher sein, dass Andvari und die Heilerin hier sicher waren. Ein Gedanke, der sie letztendlich doch ein wenig tröstete. Ihre zierliche Hand ruhte auf Andvaris nackter Schulter. Das angesammelte Adrenalin in ihren Adern strömte in Wellen aus ihrem Körper und hinterließ eine bleiernde Schwere. Aber noch konnte sie dem Wunsch ihres Körpers nach Schlaf nicht nachgeben.
      "Verzeiht mir, dass ich euch in diese Lage bringe." Wisperte sie nun doch leise.
      Sie musste es Sylvar wissen lassen.
      Er war ihr in den letzten Wochen ein Halt gewesen, ein Mentor und sogar etwas, das einem Freund recht nahe kam.
      “We all change, when you think about it.
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    • Sylvar und der Nackte

      Sylvar sah sie lächelnd an, während er die Flamme des Feuers nährte. Er legte kleine Holzfasern hinein, die er kurz danach mit einer kurzen Fingerdrehung in kleine Äste auswachsen ließ. Seine ureigenste Magie. Das Wachstum. Die Regeneration. Anschließend setzte er sich zu den beiden und betrachtete sie nachsichtig.
      "Es gibt nichts zu verzeihen, Viola", flüsterte er un sah sie inniglich an. "Das, was ihr heute entschieden habt, bleibt dem Mut vorbehalten, der Eurer Rasse innewohnt. Und je mehr Zeit ich mit Euresgleichen verbringe, umso mehr glaube ich, dass der Krieg nicht hätte geführt werden müssen, wenn es nur mehr von Euch gäbe."
      Seine Hand strich über Andvaris heiße Stirn und die halb geöffneten Augen des Elfs, der ihn ansah. Seine spröden Lippen stachen noch immer vor Schmerzen und getrocknetem Blut, aber seine Hand griff nach dem Bein des Elfen, das in seiner Nähe lag.
      "Syl..."
      "Ja, Bruder", nickte er und lächelte. "Ich bin hier. Und Viola ist auch hier, hörst du?"
      Sein Kopf wanderte langsam von seinem Bruder zu dem Gesicht der jungen Frau. Und das erste Mal in seinem Leben sah Sylvar auf dem Gesicht seines Bruders so etwas wie schmollende Ungeduld.
      "Weshalb...seid Ihr noch...hier?", flüsterte er. "Ihr solltet...doch fliehen..."
      Sylvar grinste und erhob sich langsam, während mit einem Fingerschnippen die Feuerkörbe des gesamten Hauses zu brennen begannen. Es würde für ein paar Stunden ausreichen.
      "Das Bett oben müsst ihr euch leider teilen, sofern er es nicht vorzieht, hier unten zu nächtigen, wie die letzten Male."
      "Wo..."
      "Im Haus, Bruder. Deinem Haus."
      Im gesicht Andvaris zeigte sich Schrecken und fahrig glitten seine Augen umher, bis sie die schiefen Dachbalken und die weiß getünchten Wände erkannten. Seufzend ließ er sich auf Violas Schoß zurückfallen und beinahe instinktiv griff seine Hand nach ihrer. Weshalb er das tat, wusste er nicht. Es fiel ihm nicht einmal auf, wenn er ehrlich war. Doch die Kraft kehrte in seinen Leib zurück.
      "Du warst lange nicht mehr hier", murmelte Sylvar und blickte nach draußen auf die Lichtung. "Du solltest ihre Gräber besuchen."
      Andvari atmete aus und schloss die Augen, ehe er die weiche Hand sachte drückte.
      Als er bemerkte, was er da tat, riss er die Augen auf und ließ Violas Hand wieder los.
      "Es...Es tut mir Leid, ich...Ich muss delirieren..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • You could do anything you wanted to me and I would let you.
      You could ask anything of me and I'd break myself trying to make you happy.


      Viola

      Viola nahm die Worte mit dem Herzen auf und blickte Sylvar mit einer Mischung aus tiefer Dankbarkeit und Verständnis an.
      Die Worte hätten beinahe erneut Tränen in ihre Augen getrieben. Es war mehr an Freundlichkeit, als sie in ihren Augen verdiente.
      Augenblicklich sah Viola hinab, als eine heisere Stimme erklang. Klarheit spiegelte sich in den vertrauten Augen des Elfen und die junge Frau atmete erleichtert auf. Die schmalen Schultern sackten hinab, als eine tonnenschwere Last von ihnen gehoben wurde. Verräterisch blinzelte Viola gegen das erneute Brenen in ihren Augen. Der Vorwurf in Andvaris Stimme entlockte ihr ein ungläubiges, zaghaftes Lachen. Ein Laut, der in einem unterdrückten Schluchzen endete. Sie hatte nicht mehr die Kraft vorzugeben, als läge immernoch eine tiefe Kluft zwischen ihnen. Sei es Aufgrund ihrer Herkunft oder Gefühlen, die sie in ihrem pochenden Herzen verbarg.
      "Der Gedanke kam mir, ihr könntet erneut eine Heilerin benötigen. Und was für eine schlechtes Beispiel meiner Zunft wäre ich sonst gewesen."
      Die Worte aus ihrem Mund klangen brüchig, die Silben wackelig, als versuche sie ihre Stimme zur Ruhe zu zwingen.
      Das Lächeln auf ihren Lippen war schwach, aber voller Wärme.
      Auch als Sylvar erneut das Wort ergriff, löste sie nicht eine Sekunde den Blick von Andvari, als könnte er jeden Augenblick wieder ihren Händen entgleiten. Als könnte das Schicksal selbst ihn entreißen.
      Schließlich sah sie doch zu dem Magier hoch. Ah, Andvari hatte hier gelebt. Jetzt ergaben die Worte des Elfen in der modrigen Zelle einen Sinn. Die Erwähnung der Gräber ließ sie traurig in Richtung des Fensters sehen. Wer mochten sie wohl sein?
      Viola bremste ihre fliegenden Gedanken und blickte atemlos auf die Hand, die ihre ergriffen hatte. Ganz von allein umschloss ihre Hand die seine, so klein im Vergleich zu seiner. Bevor Andvari seine Hand erschrocken fort ziehen konnte, verstärkte sie den Griff um seine Finger. Sachte schüttelte sie den herbstroten Haarschopf. Sie wusste, dass sie aufstehen sollte, immerhin waren sie beide immernoch mit Blut und allerlei Schmutz verdreckt. Und Andvari brauchte dringend Kleidung. Über den Punkt Scham zu empfinden war sie längst hinaus.
      Der Umstand, dass Andvari endlich ihr Gesicht erkannte, zerbrach etwas in der Heilerin. Fest vorgenommen stark zu sein, aber sie war so erleichtert, dass erneut Tränen aus ihren Augen quollen. Die Worte versagten ihr den Dienst.
      Einen Tag später und sie hätten ihn vielleicht verloren.
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari / Sylvar

      Schweigend beschloss Sylvar, sowohl über die Hand seines Bruders, als auch über die Tränen der jungen Frau hinweg zu gehen. Manchmal war es besser, nichts zu sagen und einfach die Gelegeneheiten sich entfalten zu lassen. Auf einmal war die Feuerstelle sehr interessant geworden und er betrachtete die schwelende Glut und die sich entfachenden Flammenfinger, die nach der der Decke des Kamins griffen. Als ersich jedoch wieder den beiden zuwandte, blickte er mehr besorgt denn amüsiert.
      "Ich werde euch beide gleich verlassen", murmetle er uund erhob sich langsam. Sein Stab lehnte an einer Ecke am Kamin und beinahe hätte er ihn zurückgelassen. "Ein paar falsche Fährten legen und ein paar Mitstreiter informieren, dass sie unsere Flucht decken. Und cih glaube, ich muss mir auch noch den ein oder anderen ZWerg vornehmen."
      Andvari erhob sich leicht auf die Ellenbogen, ehe er Sylvars Mantel über seinen Lenden spürte.
      "Du solltest dich bedecken, Bruder. Es geziemt sich nicht, so offensiv in Gegenwart einer Dame zu sein", grinste Sylvar schwach und wischte sich das Blut von der Wange.
      Andvari sah an sich herunter und riss die Augen auf, ehe er nochmals zu Viola sah. Dann wieder an sich hinab. Hatte sie die ganze Zeit...Ein Hauch Röte stahl sich auf seine Wangen, als er seinen Bruder wieder ansah.
      "Was,...Ich meine, was tun wir jetzt...Ich..."
      "Zunächst einmal erholst du dich und wartest bis deine Streiter wieder beisammen sind, kleiner Sturkopf. Und anschlie0end schauen wir weiter. In der Zeit, wird die Heilerin Viola, beste meines Studiengangs, sich um dich kümmern."
      Andvaris Blick glitt erneut zu Viola und mit einem Mal stahl sich etwas anderes in sein GEfühlsleben. War das Stolz? Er sah sie leicht grinsend an und nickte. "Eine HEilerin ist immer willkommen...", flüsterte er. "Und eine Freundin noch viel mehr..."
      "Ohooo, mein Bruder sagt das F-Wort...Hegt es mit Vorsicht, Viola, Ihr werdet es nur einmal in 100 Jahren hören!"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Der stille Augenblick verflog, als Sylvar sich langsam zu ihnen wandte.
      Viola drückte ein letztes Mal zart seine Hand, ehe sie ihre Finger von seinen seinen löste. Fahrig wischte sie sich mit dem Handrücken über die feuchten Augen und verschmierte so das blaue Blut auf ihren Wangen zu einer abstrakten Kriegsbemalung. Das verdreckte Kleid raschelte leise, als sie sich etwas aufrichtete und völlig von selbst eine Hand zwischen die Schulterblätter des Elfen legte, um ihn zur Not stützen können. Und doch schien mit jeder vergehenden Sekunde mehr Kraft zurück zukehren. Unter ihren Fingerspitzen fühlte sie den pulsierenden Nachklang ihrer Magie. Sie konnte selbst noch nicht so recht fassen, wie sie diese Leistung bewerktstelligt hatte.
      Über ihre Lippen glitt ein amüsiertes Grinsen und zum ersten Mal seit Sylvar sie in die düstere Zelle geführt hatte, war etwas Leben in die grünen Augen zurückgekehrt. Die drückende Schwere der Sorge für den Moment gelindert.
      "Verzeiht es Eurem Bruder, aber die Zeit drängte." Dabei beobachtete sie wie tatsächlich der winzige Hauch von Röte in Andvaris Wangen stieg. "Und wie ihr seht, bin ich nicht erblindet." Sie tippte sich in einer schmunzelnden Geste ans Kinn. Vielleicht hatte sie etwas zu viel Zeit mit Sylvar verbracht.
      Verlegen blickte sie allerdings drein, als der Magier ihre Fähigkeiten lobte. Sie machte eine abwinkende Geste mit der Hand.
      "Sylvar neigt zu übertreiben, ich..." Viola hielt mitten im Satz inne, als Andvari das Wort an sie richtete. Das Grinsen, es wirkte so jungenhaft, traf sie völlig unvorbereitet. Die junge Frau wurde das Gefühl nicht los, gerade eine Seite an dem Elf zu entdecken, die ihr vorher nicht bewusst gewesen war. Und es war ansteckend. Ein Lächeln, strahlend und frei, zierte das vermutzte Gesicht.
      "Seit nicht so frech, Herr Magier." Neckte sie.
      "Sonst sorge ich dafür, dass ihr die nächsten Wochen kein einziges paar trockener Schuhe mehr habt."
      Richtig, Andvari wusste noch nichts von ihren erlernten Fähigkeiten. Die kaum zähmbare Freude, ihm ihre Gaben zu zeigen, breitete sich in ihrer Brust aus. Aber das musste warten, sie spürte nicht einen Funken kostbare Energie in sich, die sie nutzen konnte. Ihre Reserven waren bis zu Gänze aufgebraucht. Kopfschüttelnd aber sichtlich amüsiert, kam sie langsam auf die Beine und musste kurz nach dem Sims des Kamins greifen, als ein leichter Schwindel sie erfasste.
      "Und jetzt, brauche ich dringend ein Bad. Und ihr auch." Mit erhobener Augenbraue blickte sie zu Andvari hinab.
      Sie kostete den Moment der Leichtigkeit aus. Wer wusste schon, wie viele ihnen davon blieben.
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari

      "Komm, mein Alter...", murmelte Sylvar und hob seinen Bruder mit auf die Beine, damit dieser wieder das Stehen lernte. Zwar war der Stand noch recht unsicher und ANdvari war mehr damit beschäftigt, seine Blöße zu bedecken, aber immerhin stand er wieder auf den Beinen.
      Anschließend schenkte er Viola ein bubenhaftes Lächeln, während er sich den Umhang um seine Hüften drapierte.
      "Pass auf damit, das ist Kaschmir aus den Tirilyn-Bergen."
      "Jetzt ist es Kaschmir an meinem Hintern."
      "Deine Ausdrucksweise ist wie immer unmöglich, Lichtbringer", murmtelte Sylvar und schnappte sich seinen Stock.
      "Du hast es gehört", sagte Andvari und wies auf Viola während er langsam zu ihr herüber wanderte. "Nicht so frech, Herr Magier. Sonst hast du nasse Füße und einen verdreckten Mantel, wenn ich fertig bin."
      Das Augenzwinkern ließ ihn um Jahrzehnte jünger erscheinen. Und Sylvars trotziges Gesicht ließ ihn in prustendes Gelächter ausbrechen, bei dem er sich am Kaminsims und mit der anderen Hand an Viola festhalten musste. Das weiße Haar flog ihm ins GEsicht und roch noch immer furchtbar, weshalb er beinahe selbst von sich abgerückt wäre. Er sah zu Viola, nachdem er sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel gewischt hatte.
      "Wieso eigentlich nasse Füße?", fragte er und fasste sich an die BRust, ehe er sich wieder zur vollen Größe aufrichtete.
      Sylvar indes ließ einen Badezuber inmitten des Raumes erscheinen und hob Wasser aus dem See heraus, dass zum offenen Fenster an der Seite hereingeflogen kam und die Holzwanne füllte.
      "Vielleicht wollt ihr das Wasser schon einmal erhitzen, während ich gehe", sagte Sylvar grinsend und schickte sich an, durch ein Tor zu verschwinden. "Achtet gut auf ihn, Viola. Immerhin ist er ein König, wenn er es wollte."
      "Wiedersehen, Sylvar!", rief Andvari während er seine Hand in das sWasser streckte. Es brauchte eine Weile, bis das Licht in Form sachter Fäden aus seiner Hand schoss und sich aufhitzte. Mehr und mehr und mehr und mehr, bis schließlich das Wasser zu bubbern begann und eine wohlige Wärme durch das Haus zog wie lange nicht mehr.
      Der Erzmagier blickte nochmals zurück und veschwand anschließend im Nichts, ehe die Welt wieder ruhiger wurde.
      Einzig das Feuer prasselte noch im Kamin und ließ die Stille beinahe unirdisch erscheinen, aber alsbald sollte sie bereits gebrochen werden. Andvari stützte sich auf den Kaminsims und blickte Viola grinsend an.
      "Ihr könnt den Zuber haben", murmelte er. "Ich bade im See. Dann müsst Ihr...Ich meine...Nun ja..."

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      The more you drag me to hell

    • She smiled then.
      Her cheeks red und scattered with some kind of dusk.
      It was a smile he thought he might die to earn again.


      Viola

      Der Wortwechsel zwischen den ungleichen Brüdern zauberte ein belustigtes Lächeln auf ihre Lippen. Obwohl, bei genauerer Betrachtung waren sie gar nicht so verschieden. Sie verbarg ein leises Lachen hinter ihrer Hand und fühlte sich so leicht und frei, wie schon lange nicht mehr. Als Sylvar beleidigt seinen Stab schnappte, war ihr Lachen kaum noch mit Hilfe ihrer Hand zu dämpfen. Viola konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so gelacht hatte. Männer waren am Ende auch nur große Kinder.
      Überrascht schnappte die Heilerin nach Luft, als sich eine schwere Hand auf ihre Schulter stützte. Sie schaffte es gerade noch nicht selbst die Balance zu verlieren. Andvaris Lachen zu hören, machte ihr Herz unendlich leicht. Ehrlich gesagt, hatte sie nicht damit gerechnet, dass er so schnell auf die Beine kam und bereits wieder so guter Laune war. Die neugierige Frage des Elfen blieb zunächst unbeantwortet, als sich Viola anschickte den Magier zu verabschieden.
      "Keine Sorge. Ich passe auf, dass er keine Dummheiten anstellt. Und ihr gebt auf Euch acht, hör ihr?"
      Verabschiedend winkte die Heilerin, als Sylvar durch ein Portal verschwand und nur ein leichtes Knistern von Magie in der Luft zurück blieb.
      Viola trat etwas zurück und entdeckte auf dem Tisch jeweils einen Satz frischer Kleidung, der wohl zusammen mit dem Zuber aufgetaucht war. Skeptisch hob sie eine Augenbraue und trat auf die Stapel zu, unter einer einfachen weißen Bluse, lugte der Griff ihres Dolches hervor. Erstaunt berührten ihre Finger den Griff. Sylvar steckte voller Überraschungen. Sie hatte die Klinge in ihrem Zimmer im Refugium versteckt.
      Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen trat die junge Frau an den Holzzuber heran und ließ ihre Fingerspitzen über die Wasseroberfläche tanzen. Andvari hatte tatsächlich den Inhalt bereits erwärmt und ihre Haut begann allein bei der Vorstellung, den Gestank von sich zu waschen, an zu jucken.
      Natürlich hatte Sylvar nur einen Badezuber beschworen. Bei dem Gedanken verdrehte Viola die Augen.
      "Nicht soweit rausschwimmen. Wenn ihr jetzt nach den Strapazen ertrinkt, lässt Sylvar mich das bis an den Rest meines Lebens nicht vergessen."
      Zuvor aber reckte sie das Kinn nach oben und blickte Andvari mit einem Grinsen an, die Augen blitzten beinahe auf im Licht des Feuers. Vielleicht konnte sie noch ein wenig Energie erübrigen. Und wenn auch nur um sein erstauntes Gesicht zu sehen.
      "Und um die Frage zu beantworten..." Konzentriert blickte sie auf die Wassertropfen, die über ihren Finger perlten und brachte diese mit etwas Anstrengung zum schweben. Tanzend bewegten sie sich um ihre gekrümmten Finger. "Ich habe den ein oder anderen Trick dazu gelernt."
      Die kleinen Tröpfchen schlossen sich zu einem einzigen, großen Tropfen zusammen und umkreiste ihren erhobenen Zeigefinger.
      Schalk funkelte in ihren Augen, als sie den Tropfen mit einem Schnippen ihrer Finger in Andvaris Richtung beförderte.
      Die Wassertropfen landete mit einem Platschen genau zwischen seinen Augen.
      Der kleine Trick reichte bereits aus, dass sie sich wankend an den Rand des Badezubers festhielt. Ihr Körper schwankte kurz von einer Seite zur anderen, ehe sie wieder festen Stand gefunden hatte.
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari

      Nun blieb es an dem weißhaarigen Elfen, staunend die Heilerin anzublicken und dem Tanz der Tropfen zuzusehen. Und wie schön sie war, wenn sie diesen Schalk im Blick hatte. Er lächelte und nickte anerkennend, während er sich den Tropfen aus der Stirn wischte. Blut haftete an seinen Fingern, aber das bemerkte er kaum.
      "Das ist großartig!", sagte er und stützte sich noch immer auf den Kaminsims, ehe sie ihr Gleichgewicht verlor.
      Weshalb auch immer diese Menschenfrau es fertig brachte, diese Automatismen bei ihm auszulösen, stürzte Andvari regelrecht nach vorne, um sie zu stabilisieren, obgleich er selbst nicht der Sicherste auf seinen Beinen war.
      Die Wunden mochten zwar oberflächlich verheilt sein, aber es würde noch eine gute Weile dauern, bis er wieder bei Kräften war. Er bemerkte, dass ihm ein leicht flaues Gefühl in den Magen stieg, aber er sah sie dennoch an und grinste.
      "Vielleicht solltet Ihr nicht zu weit hinaus schwimmen", flüsterte er und berührte sie sanft an der Schulter.
      Dann, und die Bäume mochten ihm verzeihen, da er nicht wusste, wie er auf derlei Ideen kam, blickte er sie an und anschließend zu dem Zuber. DIeser verdammte Kuppler von einem Zauberer hatte den Zuber groß genug für zwei werden lassen. Und sicherlich war es angenehmer, in heißes Wasser zu steigen, als im kristallklaren, aber kalten Wasser des Sees zu baden. Dennoch beschwor ihn sein Ehrgefühl, es nicht zu tun. Und trotzdem...
      Etwas in ihm wollte es nicht soweit kommen lassen.
      "Lasst mich Euch helfen", murmelte er und trat von hinten an sie heran. "Ich helfe Euch hinein."
      Und jetzt bist du der Arzt?, fragte er sich selbst. Du, der du kaum stehen kannst, aber erneut einer Frau hinterher schaust?
      Und wie um seine innere Stimme zu besänftigen vollzog er den einzigen Zauber, den er von Sylvar gelernt hatte. Seine Finger kreuzten sich kurz und er blies in das entstehende Fadenkreuz hinein.
      Breiter, dichter Nebel schien wie eine Wolke durch dem Raum zu ziehen und verdeckte alles notwendige unterhalb des Halses. Da sollte mal einer meinen, dass er kein Magier war.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell