[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Viola

      Bei der sanften Berührung ihrer Schulter wandte sich Viola halb zu Andvari um. Fast hätte sie den Atem angehalten, er war näher, als die Stimme hatte vermuten lassen. Viola musste den Kopf leicht in den Nacken legen, um ihm in die bernsteinfarbenen Augen sehen zu können. Die wohlige Wärme, die sich durch das Feuer langsam die Räumlichkeiten erfüllte und das lockende, dampfende Wasser schienen ihr zu Kopf zu steigen.
      Wie in Zeitlupe lösten sich ihre verkrampften Finger um das glatt, polierte Holz des Zubers und legten sich auf die mittlerweile vertraute Stelle über seinem Herzen. Direkt unter ihrer Handfläche verbarg sich eine der unzähligen verblassten Linien. Sie hatte in der Zelle gespürt, wie sich der Schnitt geschlossenen hatte, Haut sich wieder zusammen gefügt hatte. Unter ihren Fingerspitzen klopfte das Herz stark in seinem Brustkorb. Es hatte etwas Beruhigendes. Ihre Stimme war ebenso zu einem sachten Flüstern geworden.
      "Die Anwendung meiner Magie kostet mich viel Kraft. Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt."
      Den Blick hatte sie jetzt auf ihre Hand auf seiner Brust geheftet. Sie spürten jeden Atemzug.
      "Ich habe beinahe meine ganze Essenz verbraucht um Eure Wunden zu schließen." Eine einfach Erklärung für dramatische Umstände, die sie noch lange verfolgen würden. Viola räusperte sich und ließ die Hand von seiner Haut sinken. Sie hatte ihm erneut den Rücken zu gedreht, um jetzt bewusst seinem Blick auszuweichen.
      Nervös zuckten ihre Hände am Rand des Badezubers. Nie in den vergangenen Jahren ware ihr ein Mann so nahe gekommen. Sie spürte wie das Herz in ihrer Brust schnell gegen ihre Rippen schlug. Altvertraute Unruhe ließ ihre Schultern unter Anspannung gefrieren. Der plötzlich erscheinende Nebel ließ sie stutzen, aber sie Verstand den Sinn und Zweck dahinter.
      Bevor Andvari durch ihre Anspannung zum Gehen veranlasst wurde, setzte sich Viola in Bewegung. Zögerlich sammelte sie die Mähne roten Haares über ihre rechte Schulter. Über den Rücken bis kurz vor ihrem Steißbein zog sich eine Reihe feiner Perlenknöpfe.
      "Es ist in Ordnung..." Flüsterte sie bestätigend. Sie hatte das Gefühl, dass Andavri ihre Zustimmung hören musste.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      In Ordnung...diese beiden Worten lösten mehr in dem geschundenen Herz des Elfen aus als sie vermutlich denken würde. Nicht, dass er sich ungebührlich geben wollte, das würde allein sein Ehrgefühl verhindern, aber für einen Moment fühlte er sich doch versucht, diesem kleinen Reiz nachzugeben.
      Und tat es nicht.
      Seine Hände fuhren langsam und zart über das Kleid und begannen, die Perlenknöpfe des Kleides zu öffnen. Eines nach dem anderen erwies sich als leicht und auch wenn er nichts dergleichen sehen konnte, fühlten seine Hände die warme Haut der Heilerin.
      "Es ist normal, dass es Euch noch auslaugt", begann er, damit er nicht in der Stille des Augenblicks ertrank. "Es gibt einen einfachen Trick, um die Reserven ein wenig schneller aufzufüllen, als es Euch der alte Kauz von Erzmagier lehren kann. Wir lernten es im der Soldatenausbildung."
      Als er vor ihrem Steissbein ankam und das Kleid offen stand, berührte er sie sanft an den Schultern und streifte es in einer beinahe beiläufigen Bewegung von ihren Schultern.
      Er atmete schwer aus und bemerkte, dass es ihn noch immer anstrengend fand, lange zu stehen. Er würde sich sputen müssen, um noch in den See zu kommen. Und doch ging das hier vor.
      "Setzt Euch. Und erschreckt Euch nicht."
      Er wartete, bis sie in das warme Wasser des Zubers geklettert war und trat anschließend hinter sie, um dort in die Hocke zu gehen.
      "Das Geheimnis liegt im Atem. Atmet regelmäßig gegen meine Hand und gegen Euer Herz und konzentriert Euch auf Euren Kern.", murmelte er und legte nach kurzem zögern seine Hand auf die Mitte ihrer Brust, direkt über dem starken Knochen in der Mitte.
      "Atmet gegen meine Hand."
      Was tust du hier?

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Mit einem leisen Rascheln, das die Stille im Nebel erfüllte, glitt das ruinierte Kleid zu Boden.
      Viola unterdrückte den starken Impuls die Arme vor der Brust zu kreuzen. Überall, wo seine Fingerspitzen ihre Haut berührt hatten, sank unendliche Wärme in ihre Haut und kroch die einzelnen Wirbel in ihrem Rücken entlang. Unbewusst hatte sie den Atem angehalten, den sie nun quälend langsam aus ihren Lungen entließ.
      Vorsichtig tastend hielt sie sich am hölzernen Rand fest, ehe sie erst mit einem Fuß dann mit dem anderen in das warme Wasser stieg. es plätscherte leise vor sich hin, bis sie die richtige Position gefunden hatte und sich am Rand zurücklehnte.
      Kein Wort wollte sich formen lassen und so wartete sie angespannt. Schritte bewegten sich um den Zuber herum und kamen in ihrem Rücken zum Stillstand. Andvaris Stimme drang rau aber beruhigend an ihre Ohren. Die erschöpfte Heilerin erwischte sich bei einem Gedanken, der ihr seit Ewigkeiten nicht gekommen war. Es war ein begingungsloses Vertrauen, dass sie die Augen schließen ließ, als sich eine Hand warm auf ihre Haut legte. Unmöglich konnte der Elf nicht bemerken, wie ihr Herzschlag sich beschleunigte. Flatternd schlug es gegen seine Fingerspitzen, als wolle es dem Käfig ihrer Rippen entkommen.
      Tief atmete sie ein und drückte so ihren Brustkorb gegen seine starke Hand. Mit jedem Atemzug beruhigte sich ihr Herz bis es rythmisch und wieder im Einklang schlug. Ihre Hände glitten durch das vertraute Element. Viola ließ zu, dass die friedliche Stille sie einhüllte mit nicht als dem Geräusch ihrer beider Atmung. Das Wasser umspielte ihre Haut und sie fühlte, wie der Schwindel in ihrem Kopf nachließ. Viola bezog neue Kraft direkt aus dem Wasser, das sie umgab, während sie stetig gegen seine Hand atmete.
      Es plätscherte erneut, als Viola eine Hand aus dem Badewasser hob und sie auf Andvari's eigene legte.
      Die Heilerin konnte nicht verhindern, dass sich ihre Magie zögerlich nach ihm ausstreckte. Instiktiv erspürte sie seine Erschöpfung, die bleierne schwere seiner Glieder. Und der Weg zum See erschien zu weit. Im vorderen Teil ihres Verstandes schob sie es auf ihre Profeesion als Heilerin. Ein leises Wort entkam ihren Lippen, geflüstert in den Nebel der sie umschloss.
      "Bleibt."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari


      Andvari kniete hinter dem Waschzuber mit jeder Minute, die er an dem groben Holz verbrachte, fühlte er sich ausgelaugter. Er erzählte Viola nicht, dass er ihren Energiefluss reparierte, da sie offenbar zu viel Magie genutzt hatte. Durch die Tatsache, dass er seine eigene Energie in ihren Körper und direkt in ihr Herz leitete, würde sie sich schneller erholen. Und würde sie es wissen, würde sie ihn verdammen.
      „Ihr macht das gut“, murmelte er und grinste. „Je regelmäßiger Ihr atmet, umso mehr wird sich der Strom Eurer Magie normalisieren und zurückkehren.“
      Und desto einfacher war es, den Strom wieder herzustellen.
      Unter seinen Fingern spürte er sacht ihre weiche Haut und das darunter schlagende Herz. Und es wäre gelogen gewesen, wenn er sein eigenes nicht hätte hören können. Beide Herzen beschleunigten sich beinahe im gleichen Takte. Es war einfach zu lange her, dass er die weiche Haut einer Frau berührte, die nicht gerade im Kampfe ihren Verletzungen erlag oder seine Hand in Freundschaft ergriff.
      Das verräterische Plätschern des Wassers holte ihn aus den Gedanken, als er den sanften Druck auf seiner Hand spürte. Es fühlte sich wunderbar an….Heilsam und doch so unrichtig…Wie konnte sie jemanden wie ihn…er war ein Feind, ein Elf der Menschen tötete, weil man es ihm auftrug.
      Und nun stand er hinter einem Zuber und hielt die Hand auf ihrer Brust und die Welt mochte ihn verschlingen, empfang Verlangen ihr gegenüber. Ob Sylvar dies gewusst hatte?
      Auf ihre Bitte hin horchte er auf und kam näher an den Hand, um ihrem Ohr nahe zu sein.
      „Ich…“
      Für weitere Silben war keine Energie. Sie hatte Recht. Würde er zum See gehen, würde er vermutlich ertrinken.
      „Gut…“, flüsterte er. „Ich werde Euch nichts antun…“
      Langsam stand er auf und löste die Hand von ihrer Brust, ehe er den Reisemantel seines Bruders von den Hüften schnürte. Als der schwere Stoff zu Boden fiel ertönte dies als sanftes Rumsen und das nächste, was die Heilerin zu hören bekam, war das sanfte Plätschern des Wassers, als er versuchte, grazil in den Zuber zu steigen.
      „Achtet auf Eure Beine“, flüsterte er und versuchte, möglichst wenig Platz in der schmalen Wanne einzunehmen.
      Sie würden nicht umhin kommen, die Beine entweder übereinander oder seitlich voneinander zu platzieren und alleine das ließ ihn schlucken. Es brauchte allen Ehrgefühls, um diese Situation zu überstehen, dachte er und hielt seine Augen sicherheitshalber geschlossen, als er den Kopf in das heiße Wasser tunkte, um die Haare vom Dreck und Blut zu befreien.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell

    • He needed to tell her...what?
      That she was lovely and brave and better than anything he deserved.
      That he was twisted, crooked, wrong, but not so broken that he couldn't
      pull himself together into some semblance of a man for her.
      That without meaning to, he'd begun to lean on her, to look for her, to need her near.


      Viola

      "Ich weiß." Eine leise geflüsterte Antwort, ohne Zweifel gesprochen, als sein Atem ihre Ohr streifte.
      Sie hatte keine Angst. Nicht vor ihm. Er hatte ihr seit ihrer ersten schicksalshaften Begegnung nie wieder einen Grund dazu gegeben.
      Die Hand unter ihrer zog sich zurück und sofort vermisste sie das beruhigende Gewicht über ihrem Herzen.
      Sie musste den Verstand langsam verlieren.
      Unglaublich still war die Heilerin geworden und lauschte den Schritten des Elfen mit geschlossenen Augen.
      Das Wasser geriet in Unruhe, als Andvari hinein kletterte. Es schwappte plätschernd gegen den Rand und gegen ihre Schultern.
      Vorsichtig zog sie die Beine an und lehnte sie seitlich gegen den Wannenrand. Die junge Frau machte sich so kleine wie möglich und fragte sich zum unendlichsten Mal, ob sie verrückt geworden war. Und wirklich, es ging ihr bereits besser. Das Atmen fiel ihr leichter und der Schwindel hatte endgültig nachgelassen. Es war beinahe unwirklich, wie neue Stärke durch ihre Adern floss. Nachenklich bildeten sich kleine Fältchen zwischen ihren Augen, während sie Blut und Schmutz von ihrem Gesicht und ihren Händen wusch.
      Egal wie sauber ihre Haut auch war, es würde die furchtbaren Bilder der finsteren Kerkerzelle in ihrem Kopf nicht fortspülen. Unter den gesenkten Augenlidern blickte sie zu Andvari, der gerade Kopf wieder aus dem wohltuenden Wasser zog. Der verzauberte Nebel verbarg zwar das meiste, dennoch erblickte sie seinen weißen Haarschopf und die Umrisse seiner starken Schultern. Unsicher biss sie sich auf die Unterlippe. Wieder huschte ihr Blick zu den weißen Strähnen, die stellenweise immernoch hoffnungslos verknotet waren.
      "Dreht euch um."
      Erst, als der Elf ihrer Bitte nachgekommen war, erhob sich Viola vorsichtig auf ihre Knie hinter ihm, immer darauf bedacht einen sicheren Abstand zu ihm zu wahren. Keine Sekunde lang berührte ihr Körper den seinen. Ein wenig dampfendes Badewasser tropfte über den Rand auf den Boden. Das Folgende hatte sie gefühlte hunderte Male für Helena getan, wenn sie von einer siegreichen Schlacht von den Feldern des Krieges nach Hause zurück gegekehrt waren. Sie konnte dasselbe für ihm tun. Nach Wochen qualvoller Folter und Händen, deren Berührung nichts als Schmerz und Leid hinterlassen hatte, verspürte sie den Wunsch die Erinnerungen daran zu linden. Wenn sie es denn vermochte.
      Bedächtig legte sie eine Hand an seinen Hinterkopf, ihre Fingerspitzen federleicht in seinem Nacken.
      "Legt den Kopf ein wenig zurück." Ihre Worte waren nicht mehr als ein Wispern.
      Mit äußerster Vorsicht und so unendlich sanft schob sie die Finger in sein Haar und löste nach und nach die verzwickten Knoten in den langsam wieder strahlend weißen Strähnen. War das Blut stellenweise zu stark verkrustet, ließ sie so lange Wasser darüber laufen, bis sie weich und nachgiebig wurden. Kurze Nägel glitten über seine Kopfhaut, wenn sie die Finger prüfend durch die Strähnen führte. Viola ließ sich Zeit und hielt seinen Kopf behutsam in ihren Händen wie zerbrechliches Glas.
      "Kann ich Euch eine Frage stellen? Ihr müsst auch nicht antworten, wenn Ihr nicht wollt."
      “We all change, when you think about it.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Andvari


      Es war unwirklich, hier zwischen dampfendem Wasser, einer Nebelbarriere und gleichsam einem Menschen in demselben Zuber zu sitzen und sich zu fragen, ob er verrückt geworden war.
      Andvari grinste, als er merkte, dass sie beide auf die gleiche Idee kamen, indem sie sich so klein wie möglich machten. Ob es Angst war, die sie empfand? Vielleicht war das der Grund warum sie ihm auch körperlich aus dem Weg ging. Vielleicht war es aber auch gut, wenn man bedachte, was allein eine bloße Berührung von weicher Haut bei ihm ausgelöst hatte.
      Als er seinen Kopf aus dem Wasser auftauchen ließ, bemerkte er das erste Mal, dass der geflochtene Zopf sich gelöst hatte. Selbst das rötliche, verwitterte Band hatte Faolan ihm genommen. Eine Weile fühlte er aufkommende Verlorenheit in sich und zwang ihn dazu, flach durchzuatmen. Er hatte es ihr versprochen, das Band nie abzunehmen…
      Ihre Worte erreichten ihn erst wesentlich später, doch kam er ihrer Aufforderung nach. Sein Körper tat es beinahe automatisch, so als habe er keine Wahl. Das Wasser fühlte sich unruhig an, als er sich kurz erhob, um sich mit dem Rücken zu ihr zu setzen. Eigentlich mochte er es lieber, seinem Gegenüber Auge in Auge zu sitzen, aber sicherlich diente es auch ihrer Unsichtbarkeit. Es war nur verständlich, dass sie nicht gesehen werden wollte.
      Als er im selben Moment Finger in seinen Haaren fühlte, zuckte er kurz zusammen. Das letzte Mal hatte man daran gerissen und ihm einen Dolch an die Kehle gehalten.
      Beinahe unsicher ließ er den Kopf auf ihre Aufforderung langsam nach hinten gleiten, in dem er sich leicht nach vorn schob. Es war bequemer so, auch wenn der Elf bemerkte, dass die Heilerin tunlichst eine Berührung ihrer Körper vermeiden wollte. Und doch…Es fühlte sich himmlisch an, auch wenn es hier und dort einmal zwickte, wenn sie einen Knoten löste. Und doch wurden ihm langsam die Arme schwach, wenn er so darüber nachdachte. Sein Körper wog zwar beinahe nichts im stillen Wasser und der einträchtigen Stille ihres Bades, aber dennoch verließen ihn langsam die Kräfte.
      „Fragt“, murmelte er und erstaunte sich selbst darüber, wie tief seine heisere Stimme klang.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Für eine Weile schien es, als hätte Viola ihre Meinung geändert, da kein Wort über ihre Lippen kam.
      Mit spitzen Fingern zupfte sie an einem besonders widerspenstigen Knoten. Es hatte beinahe etwas Meditatives die einzelnen Strähnen zu entwirren. Das Zucken bei ihrer Berührung, und war sie noch so vorsichtig gewesen, ließ sie unkommentiert. Mit etwas Nachdruck fuhr ihre Damen in den Haaransatz in seinem Nacken, um Reste von Blut, Staub und Schweiß zu entfernen.
      Ihr Blick glitte über alte, verblasste Narben. Helle Linien auf seinen Schultern, bei denen sich Viola die stumme Frage stellte, wie viel Grauen er gesehen hatte und wie viele Kämpfe er bereits in seinem Leben bestritten hatte. Unzählige Feinde niedergestreckt mit seiner Klinge und Viola wusste, dass der letzte Ort an dem sie sich befinden sollte, genau hier in diesem Badezuber war.
      Die junge Frau spürte das Zittern und Beben der Muskeln bis in die angespannten Muskelstränge in seinem Nacken. Sie konnte kaum ermessen, wie erschöpft er wirklich war. Müdgkeit durchzog auch ihre Knochen, sie musste immer öfters die Balance auf ihren Knien korrigieren. Das warme Bad machte sie träge. Es wäre einfacher, wenn er sich zurücklehnen könnte, aber das wäre zu viel, ohne jegliche schützende Barriere von Stoff. Viola fühlte allein bei dem Gedanken, wie sich ihr Magen umdrehte. Sie wusste, nicht einmal, ob sie überhaupt noch dazu in der Lage war einem Mann so nahe zu sein. Viola war es völlig ernst, sie vertraute Andvari, aber Trauma war eine verzwickte Sache.
      "Seid Sylvar nicht böse. Er hat nur sehr widerstrebend darüber gesprochen." Wisperte die Worte in die friedliche Stille. "In den Wäldern nach Milan, habt ihr einen Namen erwähnt. Ich bin mir nicht sicher woran Ihr euch erinnert." Zögerlich zog sie ihre Hände zurück und die Bewegung des Wassers bestätigte nur, dass sich bis an den äußersten Rand zurück gezogen hatte. Die Beine eng an den Körper gezogen und das Kinn auf den Knien gebettet.
      "Als wir Euch heute fanden..." Viola stockte und schluckte hörbar, den Klos in ihrem Hals herunter. Sie schüttelte den Kopf um die grausige Erinnerung zu vertreiben. Still fragte sie sich ob Andvari sich bewusst war, dass sie in der Zelle die ganze Zeit bei ihm gewesen war und nicht erst am Haus zu ihnen gestoßen war. "...habt ihr ihn ebenfalls geflüstert." Feanore. Sie sprach ihn nicht aus. Ein trauriges Gefühl sagte ihr, dass es auch nicht nötig war. Andvari würde es wissen. Wie gerne vergaß sie, wie viele Lebenjahre breits auf seinen Schultern, ihr eigenes Leben war im Vergleich dazu lächerlich kurz, ein Wimpernschlag nicht mehr.
      "Ihr habt hier mit ihr gelebt, nicht wahr? Ist das der Grund, warum ihr nicht mehr erkommt?"
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari

      Andvari schloss kurz die Augen und erlaubte sich tatsächlich, für eine kurze Zeit die Behandlung der Heilerin zu genießen. Obgleich ihm das distanzierte Verhalten auffiel, ließ er es unkommentiert. Innerlich erklärte er sich den Umstand mit der Tatsache, dass sie Angst leiden musste. Immerhin war er Teil jener Rasse, die ihr Schreckliches angetan hatte. Wer konnte ein derartiges Geschehnis vergessen? Er selbst hatte genug eigene Wunden erlitten, um vergessen zu wollen.
      Dennoch wunderte er sich, dass sie so lange schwieg und beinahe hätte er sich umgedreht, um zu sehen ob sie noch sprechen möge, ehe ihre Stimme sein Ohr erreichte.
      Sylvar…Diese verdammte alte Kuppler und Labertasche. Zumeist sprach er wenig und weise, aber wenn er einmal ins Reden kam, brachen sämtliche Dämme der Vernunft bei diesem vermaledeiten Zauberer.
      „Einen Namen?“, fragte er. „Ich erinnere mich an nicht wirklich viel. Die Hälfte der Zeit war ich delirant…Wie heute.“
      Wobei er sich an den Himmel mit Feanoré erinnerte. Diesen einen wunderbaren Kuss und den Geschmack von heißem Honigwein und Feuer auf ihre Lippen. Seufzend hob er seinen Kopf aus ihren Händen, um sie von der Last zu befreien, blieb aber mit dem Rücken zu ihr sitzen, obgleich das Aufrechthalten ihm schwer fiel. Er betrachtete seine eigenen Hände, die von den vielen Schlachten gezeichnet waren und erinnerte sich an einen Namen, der einst sein Leben war. An einen Sommer, der tausend Sommer währte.
      Anschließend nickte er, während er nichts sehend in den Nebel starrte und froh war, dass die Heilerin das verzerrte Gesicht des Elfen nicht sehen konnte. Keine Tränen erleichterten sein Gemüt und kein Frohsinn erreichte seine Wangen mehr, als er sich an die rothaarige Frau in seinem Leben erinnerte. Dieses wundersame Wesen mit dem merkwürdigen Tick, die Natur zu lieben. Und an das Mädchen, dass sein Haar so gerne flocht.
      „Ihr Name war Feanoré“, murmelte er. „Und sie war meine Frau. Und dies war unser Haus. Eigentlich mehr ihres als meines. Ich lernte sie in einem Dorf unweit der Hauptstadt kennen, als sie auf dem Weg saß und dort den Steinen Namen gab. Ich hielt sie für merkwürdig und verschroben. Und sie mich für einen eitlen Gockel auf der Pirsch nach Weiberfleisch. Wir wurden Freunde über die Zeiten hinweg und ich verbrachte immer mehr Zeit bei ihr und diesem merkwürdigen Kräutergarten, den sie anlegte. Wundersame Kräuter waren das…“
      Er kicherte kurz und blickte wehmütig in die Finsternis des Raumes. Warum hatte er das Bedürfnis, in die Augen der Heilerin zu blicken?
      „Es dauerte nur einen Sommer, der Tausende wert war…Und wir wurden Liebende, ehe wir merkten, dass wir einander liebten. Bald schon konnte ich keinen Tag mehr ohne ihre verrückten Ideen und Späße sein. Sie liebte Pflanzen und ich liebte sie. Eines Tages, wir hatten es kaum gemerkt, da empfing sie ein Kind. Eine Tochter wurde geboren…Lyra nannten wir sie…“
      Anschließend räusperte er sich um den Bruch seiner Stimme zu kaschieren.
      „Ich baute dieses Haus eigenhändig. Ihr zuliebe und als Zuflucht für uns vor der Zivilisation, die uns beide hasste…“

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    • Viola

      Viola senkte den Blick auf die stille Oberfläche des Wassers, während sie der Geschichte des Elfen lauschte. Schweigend schimpfte sie sich selbst, für die Frage, die ihr auf der Seele gebrannt hatte. Die Antwort legte sich schwer über sie und drohte sie zu erdrücken. Sie hatte Sylvar versprochen nicht wütend zu werden und um ehrlich zu sein, besaß sie auch das Recht dazu. Hatte das naive Herz, dass jetzt nichts als seine Trauer fühlte, wirklich geglaubt oder gar gehofft Andvari könnte...Viola fuhr sich mit der Hand über die Augen und zwang sich den Mund zu halten. Nichts, was sie sagen könnte, würde den Schmerz der Erinnerungen lindern.
      Unbewusst berührte sie ihre Lippen. Als sie merkte, wie ihre Gedanken an dem Kuss verfingen, schallt sie sich selbst eine Närrin.
      Viola brauchte nur seinen Worten Gehör schenken und wusste, wie sehr er diese Frau geliebt hatte. Und es immer noch tat.
      Dennoch, auf ihren Lippen lag ein sanftes Lächeln, ein wenig getrübt durch das Mitgefühl, dass sie von ihn empfand. Es war leicht sich vorzustellen, wie glücklich sie gewesen sein mussten, trotz der Umstände, die Andvari beschrieb.
      Viola hatte Eltern und ihren jüngeren Bruder verloren, aber sie hatte nie so geliebt. Nach dem Unrecht, dass ihr geschehen war, war sie dazu nicht in der Lage gewesen und wer hätte sie schon gewollt? Eine Frau die nicht einmal ihren ehelichen Pflichten nachgehen konnte.
      Ein Tochter? Die Heilerin hob das Kinn von ihren Knien und blickte im Nebel in die Richtung, in der das Fenster sein musste. Sylvar hatte Gräber erwähnt. Auf einmal war ihr aus ganz anderen Gründen übel. Welche Qual musste es sein, dass eigene Kind zu verlieren?
      Schweigend, die Frage herunter schluckend, was geschehen war, erhob sie sich aus dem Wasser und kletterte vorsichtig über den Rand. Das Geräusch von nackten Füßen auf Holz erklang durch den verzauberten Nebel. Es raschelte leise, als Viola sich ein weiches, großes Tuch um den Leib wickelte und ein zweites in die Hände nahm. Das Tragische Ende war eine Geschichte für einen anderen Tag oder auch niemals, wenn Andvari nicht mit ihr sprechen wollte. Aber für heute erschien es der Heilerin genug. Der Elf brauchte Ruhe und sie brauchte Zeit um ihre Gedanken zu sortieren.
      Am Kopfende des Zubers ging nun Viola in die Hocke und berührte zaghaft, nur mit den Fingerspitzen seinen Arm.
      Sie war beinahe erleichtert, als sie die goldenen Augen erblickte.
      "Ich weiß nicht, was ich sagen soll." Sprach sie wahrheitsgemäß. "Aber, was immer es wert ist, es tut mir sehr leid. Ihr habt die Ächtung nicht verdient. Und sie hatten es auch nicht. Aber ihr hattet einander und das ist mehr, als den meisten vergönnt ist. Ihr liebt sie sehr, das höre Euch an in der Art wie ihr sprecht. Lasst Trauer und Bitterkeit nicht die kostbaren Erinnerungen trüben."
      Ein zartes Lächeln lag auf ihren Lippen. Ihre Hand drückte seinen Arm, ehe sie sich wieder erhob und das andere Tuch über den Rand des Zubers legte. Das Bedürfnis den Elf in ihre Arme zu schließen, war beinahe übermächtig. Es war beinahe albern, dass sie selbst nach einem gemeinem Bad diese Distanz nicht überbrücken konnte. Sie hatte ihn bereits in ihren Armen gehalten, nur wusste er davon nichts.
      "Ihr müsst ruhen, Andvari. Morgen sehen wir weiter..." sprach sie sanft.
      Sie gab ihm Raum und versuchte in dem Nebel irgendwie die Kleidung zu inspizieren, die Sylvar ihren da gelassen hatte. Mit wenig Erfolg.
      Ein Ohr lauschte immer in Richtung Zuber, falls Andvari Hilfe benötigte. Sein Kopf hatte so schwer in ihren Händen gelegen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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    • Andvari

      Für einen Moment lang empfand er die Situation gar als tröstlich. Sitzend im Wasser, mit dem Rücken zur Welt und wissen und ein paar Ohren, das ihm zuhörte. Eine Geschichte aus längst vergangenen Tagen, so weit fort, dass es beinahe unwirklich erschien, bis er sich wieder der Gräber in Erinnerung rief, die draußen auf ihn warteten. Das eine groß, das andere klein. Mit den beiden Menschen, die er bisher je geliebt hatte. Auf der einen Seite das Mädchen, das Steinen einen Namen gab und auf der anderen Seite das kleine Mädchen, das die Sterne herabsingen konnte. Beide vereint, aber ohne ihn. Den Mann, der die Schatten sammelt.
      Als er er eine Hand und einen sanften Druck auf seinem Arm spürte, nickte er leicht zu ihrem Gesagten. Es brachte durchaus einen Trost, jedoch war es ersichtlich, dass sie diese Geschichte mehr belastete als erklärte.
      "Verzeiht", murmelte er. "Ich habe mich ein wenig gehen lassen. Diese Geschichte ist alt und vergessen. Und manches, das Staub ansetzt, sollte man nicht mehr säubern oder retten. Aber dennochr rechne ich es Euch hoch an, dass Ihr es immer wieder versucht. Habt Dank für Eure Worte."
      Er lächelte schwach, aber das Lachen erreichte seine Augen nicht, die beinahe dumpf in den Nebel starrten, der jetzt beinahe schlagartig verschwand, als er sich aus dem Zuber erhob und das zweite Tuch um die Hüften schlang. Sein Körper schien zwar sauber, aber müde. Seine Arme waren bleischwer, nicht zuletzt durch die enorme Energie, die er an Viola abgegeben hatte. Die Wunden auf seinem Leibe waren fast vollständig verheilt oder würden es nach ein paar Stunden Ruhe wiederum sein.
      Der Raum wirkte beinahe unwirklich klein. Sicherlich, die Möbel waren verkümmert und sie würden ein paar Tage hier ausharren müssen. Gleich morgen, so dachte er, würde er die Polster und Möbel wieder herrichten, damit man darauf PLatz nehmen konnte. Und Essen. Es musste gejagt werden und gekocht. Grinsend blickte er zum Kamin und erinnerte sich an seine Kochversuche mit Lyra. Er sah das kleine Mädchen mit der glockenhellen Stimme noch immer um den Tisch laufen, während er sie jagte. Die Tätowierungen an seinem Leib glitten noch immer über die drahtigen Muskeln und glichen sich windenden Schlangen, während er die Kleidung inspizierte und eine leichte Hose und einen Seidenwams herausnahm.
      Seine Schritte schienen sicher und er gab sich größte Mühe, seine Schwäche zu verbergen. Aber dennoch...Er spürte die Angst, die Viola ausstrahlte und begrub seinen ursprünglichen Plan, der ihm jetzt beinahe wahnwitzig schien.
      "Nehmt das Bett oben", sagte er. "Es ist rein und weich. Es ist das große Zimmer links. Ich werde hier unten schlafen, vor dem Kamin. Ich kann nicht mehr in weichen Betten schlafen und finde eher Ruhe auf rohen Eichendielen."
      Die Wahrheit war, dass er ihr nicht noch näher sein wollte, um ihr Angsst zu machen. Seit dem Tage als sie ihm von ihrem Erlebnis berichtet hatte, war er dieser Resolution gefolgt. Und er hatte geschworen, niemals Angst zu verbreiten. Noch ein Versprechen, das er gebrochen hatte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Speak, she begged silently. Give me a reason to stay. [...]
      He was still the boy who had saved her. She wanted to believe he was worth saving, too.


      Viola

      Die Wahrheit war, das Viola ihm nicht ein einziges Wort glaubte.
      Prüfend sah sie Andvari an und fragte sich, welchen Augenblick sie verpasst hatte, dass der Elf sie mit diesem Blick ansah. Ihre Hand war auf dem Stapel ihrer Kleidung einach erstarrt und ihre Stirn legte sich in tiefe, nachdenkliche Furchen. Die Gerringschätzung mit der Andvari von sich selbst sprach, versetzte ihr einen Stich. Die Phrasen klangen hohl und leer in ihren Ohren, wie gut einstudiert. Hatte sie etwas Falsches gesagt? Ihre Finger zuckten über den weichen Stoff darunter. Die Heilerin war kurz davor zu fragen, besann sich aber wieder darauf, dass sie immer noch viel zu offenherzig neben dem Tisch stand. Das Andvari ihre eigenen Gedanken, unzulänglich und gebrochen zu sein mit Angst verwechseln könnte, kam ihr nich eine Sekunde lang in den Sinn.
      "Andvari, ich..." Etwas war an der ganzen Situation so gänzlich falsch, dass ihre Füße wie angewurzelt auf der Stelle blieben. Ihre Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. Er sollte nicht hier unten allein sein, nicht hier mit all der Geschichte, die diese Wände in sich bargen. Viola wollte die Hand nach ihm ausstrecken, aber ihre Muskeln wollte ihr nicht gehorchen. Keiner von beiden sollten nach den heutigen Erlebnissen allein bleiben.
      Viola gab den Dämonen ihrer Vergangenheit nach, nahm die Kleidung vom Tisch und blickte beschämt auf das Bündel in ihren Armen.
      Kläglich brachte sie nur ein Nicken zu stande, das ein wenig zu gezwungen wirkte. Es wäre unter anderen Umständen so einfach gewesen seine Hand zu nehmen und ihn die Stiege nach oben zu führen.
      Langsam setzte sich die junge Frau in Bewegung und verharrte einen Augenblick auf der ersten Stufe schmalen Treppe. Sichtbar hoben sich die unbedeckten, schmalen Schultern unter einen tiefen Atemzug. Sie sah nicht zurück, als sie endlich ihre Stimme wieder gefunden hatte.
      "Wenn ich etwas sagte, das Euch gekränkt hat, verzeiht es mir bitte."
      Violas Stimme war nicht mehr als ein dünnes Flüstern. Dabei hatte sie nur gewollt, dass sich der Elf zur Ruhe legte. Da niemand wusste, wie lange sie hier bleiben würden, gab es genug Zeit einander anzuvertrauen. Der Heilerin wurde bewusst, dass sie zuvor nie wirklich allein gewesen waren. Eigentlich lernten sie einander gerade erst kennen.
      Es schmerzte zu hören, dass er Elf sich selbst nicht als würdig erachtete gerettet zu werden.
      "Ihr müsst eines unebedingt wissen." Sie blickte starr vor sich an die Wand. Wenn sie ihn jetzt ansah, würde sie kein Wort mehr über die Lippen bekommen. "Ich hätte auch meine gesamte Lebensenergie gegeben, jedes einzelne Jahr, das mir noch bleibt, wenn das der Preis für euer Leben gewesen wäre, Andvari."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Andvari

      Gerade hatte der Elf damit begonne, das Feuer im Kamin erneut anzuschüren, damit es warm blieb im Haus, da er sich nochmals umdrehte, als Viola nochmal zu sprechen begann.
      Jetzt, wo der Nebel sich verzog und die Trägheit der Nacht einzug hielt in das kleine Haus, wirkte ihr Haar noch flammender als vorher. Genau wie ihres...Ihre grünlichen Augen waren nicht die gleichen und Andvari maßte sich nicht an, die Heilerin mit seinem verstorbenen Weib zu vergleichen. Sie waren gänzlich unterschiedliche Personen. Aber dennoch stach es seine Erinnerung an, sie dort auf der Treppe zu sehen.
      "Ihr habt nichts falsches gesagt oder getan", sagte er und lächelte.
      Er meinte es so, aber war noch nie gut darin gewesen, seine Gefühle oder Sorgen auszudrücken. Einer seiner mannigfaltigen Fehler. Zudem war es das erste Mal, dass sie ihn wirklich beim Namen nannte. Zumindest das erste Mal, dass er es bewusst mitbekam und sich darüber freuen konnte, dass zumindest diese Hürde von ihnen genommen wurde.
      Während er die Sachen beinahe achtlos zu Boden fallen ließ und sich um das Feuer zu kümmern begann, blickte er nochmals auf, als sie noch immer dort stand und sprach.
      Doch das, was sie sagte, stand in derartigem Widerspruch mit dem, was sie tat oder nicht tat. Niemals hatte sich ein Wesen, ob Mensch, Elf oder Zwerg für ihn verbürgt und gar sein Leben riskiert. Zumeist war er es, der sein Leben in ie Wagschale warf. Weil es das geringste von ihnen allen war.
      Andvari blickte zu Viola und legte den Kopf schief.
      "Viola", sprach er auch das erste Mal bewusst ihren Namen aus. "Ich danke Euch von ganzem Herzen. Aber dennoch: Opfert nicht Euer Leben für mich. Ihr seid wesentlich wertvoller und ich nur ein streitsüchtiger Elf, der mit seinem Leben abschloss, als man im das nahm, wofür es sich zu Leben lohnte. Ich danke Euch!"
      Es hieß, ein König verneigte sich nicht.
      Aber Andvari war kein König. Vielleicht ein Narbenkönig, aber mehr nicht. So neigte er leicht den Kopf und wandte sich dann wieder dem Feuer zu.
      "Ich wünsche Euch eine wohlige Nacht. Ruht entspannt, ich achte auf das Haus."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Der Klang ihres Namens löste so viele widersprüchliche Gefühle in ihr aus, dass sie sich beinahe umgedreht und die Stiege wieder verlassen hätte. Und doch rührte sie sich nicht vom Fleck. Viola wagte einen Blick über die Schulter und sah wie Andvari das Haupt neigte.
      "Ihr seid mehr als nur das." Flüsterte sie leise, beinahe mit einem Funken Trotz in der Stimme.
      Etwas Endgültiges lag in seinen Worten und Viola, deren Geist müde und schwer war, zwang sich einen Fuß vor den anderen setzen nachdem sie ihm ebenfalls eine erholsame Nacht gewünscht hatte. Unter ihr knarrte das Holz und sie fragte sich, wie lange niemand mehr hier oben gewesen war. Der Staub der Zeit hatte sich auch hier niedergelegt. Mit einer Hand fuhr sie die Wand zu ihrer Linken entlang, bis sie die besagte Tür erreicht hatte.
      Tief holte sie Luft, ehe sie den Raum betrat und den Blick schweifen ließ. Es war ein einfaches Zimmer, aber dafür hatte die Heilerin keinen Blick. Sie starrte auf das Bett im Raum und verharrte eine ganze Zeit stocksteif im Türrahmen. Auch hier war das Fehlen von Leben deutlich spürbar. Leise schloss sie die Tür hinter sich und betrachtete das erste Mal die Kleidung in ihrem Arm wirklich mit sehenden Augen. Sylvar hatte an alles gedacht und als sie das Nachthemd in einem sanften Himmelblau hervorzog, hob sich eine ihrer Augenbrauen in die Höhe. Wäre das Pochen in ihrem Kopf nicht, hätte sie sich wahrscheinlich darüber amüsiert. Daneben fand sie zwei einfach gehaltene Kleider und tatsächlich Beinkleider aus weichem, braunem Leder, dazu eine die weiße Bluse, die sie schon zuvor entdeckt hatte.
      Nachdem sie sich den seidigen, blauen Stoff, der ihr bis zu den Knien reichte und zarte Träger besaß, übergestreift hatte nahm sie noch ein warmes Tuch aus weicher Wolle hervor, das sie sich um die Schultern legte. Etwas unschlüssig stand sie mitten in dem ihr fremden Zimmer.
      Zögerlich setzte sie sich schließlich auf das Bett und zog die Beine unter sich. Seufzend vergrub sie die Nase in der weichen Wolle und schloss die Augen. Jetzt, wo erholsamer Schlaf zum Greifen nah war, schien er doch so unerreichbar.
      Es war die pure Erschöpfung, die sie irgendwann dazu zwang sich hinzulegen. Und obwohl sie allein in dem Bett lag zog sie die Beine an den Körper und machte sich so klein wie möglich.
      Das erste Mal seit Jahren fühlte sich verloren allein in einem Bett. Und es war auch das erste Mal, dass sie sich wünschte jemand würde sie halten. Viola schlang die Arme um sich und schmiegte das Gesicht in das sauber riechende Kissen. Tief in ihrem Herzen wünschte sie sich Andvari an ihre Seite.
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari

      - Der nächste Morgen -

      Die Sonne warf ihr nebeliges Kleid in den Raum, der vom erloschenen Feuer noch immer resterwärmt war. Andvari hatte die Nacht beinahe sitzend verbracht, als er schließlich vor dem Kamin regelrecht zusammengebrochen war. Nicht aus Absicht, aber aus purer Erschöpfung hatte sein Körper das Ringen mit dem Wachen eingestellt und war in traumlosen, dunklen Schlaf gefallen.
      Der Boden unter ihm fühlte sich hart an, beinahe unmenschlich. Aber für ihn war es das weicheste Bett aller Zeiten. Hier waren die Kerben im Zargenholz der Tür, die Lyra hinein geschnitten hatte, um festzuhalten, wie groß sie wurde. Hier war ein Kratzer auf dem Boden in den Dielen, wo er selbst einen gewaltigen Topf voller Eintopf hatte fallen lassen. Fea war wütend geworden und hatte ihn durch die Küche gejagt, ehe er ausgeruscht und isch beinahe einen Knochen gebrochen hatte.
      Und das Mächen, das Steine benannte hatte über den Jungen, der Schatten sammelte, gelacht. Herzlich und wunderbar. Und niemals hatte sich einsamer gefühlt als in dieser kalten Nacht, deren Geräusche ihn nicht erreicht hatten. Mühsam erhob sich der Elf aus seinem ungewohnten Schlafarrangement und blickte in den sich erhebenden Morgen.
      Es war Sternenzeit.
      Lyra nannte es so. Die Zeit, bevor die Sterne verloschen. Da waren sie am Schönsten, nicht wahr? Andvari grinste schwach und zog sich eilig eine grobe Lederhose und ein weites Wams über, ehe er barfuß und ohne Überjacke in den nebeligen Morgen trat. Es war Zeit, sie zu besuchen, ehe Viola erwachte. Vermutlich war sie bereits wach, aber es musste sein. Sylvar hatte Recht. Er war lange nicht mehr hier gewesen. Viel zu lange.
      Andvari verließ das kleine Haus mit einem kurzen Gedanken an das SChlafzimmer, das nur noch asu einem Bett, zwei Beistelltischen und einem leeren Schrank bestand. Alles Persönliche hatte er entfernt oder es war verbrannt worden. In dieser einen Nacht...
      Kopfschüttelnd und mühsam folgte er einem kleinen Pfad hinter dem Haus, der in den Wald hinein führte. Er war gut sichtbar, wenn man den Beginn erkannte und wand sich wie eine Schlange ein paar Meter in das Unterholz hinein. Zu den Seiten wuchsen Kräuter, wilder Thymian und Rosmarin, die ihren Duft in die Welt hinausließen. Bäume, so saftig grün wie sonst nie wieder und geschmückt mit herrlichen Blätterlianen, säumten ihn und machten es Andvari beinahe schwer, hindurch zu gelangen. Doch schließlich, nach nur ein paar Minuten Fußweg, fand er zwei kleine Steinhaufen, die inmitten einer selbstgeschlagenen Lichtung ihren Platz hatten.
      Die Blätter und Sträucher hatte er von Hand zurückgeschlagen und mit Magie vom Wachsen gebunden. Die Steine waren handverlesen und ebenmäßig und bildeten flache Erhebungen, die mit der Zeit nachrutschten. Vermutlich, als die Leiber... Eine schmales Meer an Pflanzen hatte sich zu beiden Seiten der Erhebungen ausgebreitet und zeigte wilde, bunte Blumen, die mehr und mehr Fläche einnahmen. Es wurde mit jedem Jahr schöner.
      Andvari kniete an dieser behelfsmäßigen Grabesstätte, die nicht einmal halb so viel Ehre aufwies, wie die beiden verdient hätten, nieder und blickte die Erhebungen an.
      "Ich war lange nicht hier...Fea...Lyra...", flüsterte er. "Es tut mir Leid..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Das Erste, das Viola fühlte, als sie aus einem traumlosen Schlaf erwachte, waren dumpfe Kopfschmerzen direkt hinter ihrer Stirn. Die ganze Nacht hatte sie sich unruhig von einer Seite auf die andere gereht. Und dennoch fühlte sie sich erholter. Was nach all den Strapazen sicherlich kein Wunder war. Langsam setzte sie sich auf und schüttelte auch die letzen Spuren der Nacht aus ihren Gliedern. Leise kam sie auf die Füße. Ihre Zehen waren eiskalt. Die Heilerin war nicht einmal unter die Decke gekrochen. Obwohl das Bett warm und weich gewesen war, spürte sie eine anhaltende Kälte auf ihrer Haut. Auf Zehenspitzen schlich sie förmlich über die Holzdielen und schlüpfte zur Abwechslung in die Beinkleider aus weichem Leder, dann in ihre gut eingelaufenen Stiefel. Das Nachthemd tauschte sie gegen die leichte, weiße Bluse. Es war ungewohnt. Sie hatte ewig keine Hose mehr getragen. Im Orden war es den Frauen verboten gewesen. Und zu Weilen war er recht unpraktisch gewesen, aber vor allem rückständig. Mit den Fingern kämmte sie sich grob durch die herbstrote Mähne.
      Als sie auf den Flur trat, nahm sie Geräusche von unten war. Die Verunsicherung vom Vorabend kehrte zurück. Viola fragte sich wo sie neu anfangen würden. Nervös zupfte sie in gewohnter Manier an ihren Ärmeln, ehe sie langsam die Holzstiege herab kam. Aber der Raum war gänzlich leer. Kurz erfasste sie eine ungeahnte Furcht. Eilig schritt sie an dem Esstisch vorbei und spühte durch das Fenster hinaus. Nichts. Ihr Herzschlag begann sich zu beschleunigen, als sie nach draußen in den frühen Morgen trat.
      Tau glänzte an jeder erdenklichen Pflanze und das feuchte Gras bog sich unter ihren Füßen. Es raschelte leise, als sie weiter mit suchenden Blicken das Haus umrundete. Da sah sie einen weißen Haarschopf zwischen den Bäumen verschwinden. Viola atmete auf. Sie schüttelte über eigene Narrheit den Kopf, die Hand auf ihr Herz gelegt. Etwas ruhige ging sie zurück. Sie würde ihm nicht folgen. Wohin es ihn auch rief zu dieser Stunde, sie würde warten.
      Die Heilerin kehrte in das Haus zurück und sah sich das erste Mal bewusst um. Seufzend strich sie das Haar zurück und beschäftigte sich damit, das ruinierte Kleid zu entsorgen. Sie räumte die umherliegende Kleidung von Andvari ordentlich auf einem Stuhl zusammen und schürte ein neues Feuer im Kamin. Vielleicht konnte sie in den verwilderten Gärten noch etwas finden, dass sie nutzen konnte. Zumindest für ihren gliebten Tee am Morgen. Auf der Suche nach einem Kessel verharrte Viola an der Tür. Ihre Fingerspitzen strichen über die Einkerbungen in der Zarge. Sie hatte sowas schon einmal gesehen. Eltern die voller Stolz festhielten wie große ihre Kinder wurde. Ihr Daumen glitt über die letzte Kerbe, ehe sie sich abwandte und erneut das Haus verließ, den gesuchten Kessel völlig vergessen. Der Gedanke in den Schränken zu wühlen erschien ihr plötzlich sehr unhöflich.
      Stattdessen ließ sie sich auf der Holzbank vor dem Haus nieder und sah zu, wie die Sonne eines neuen Tages langsam über den Horizont kroch. Als die ersten Stahlen ihr Gesicht berühten, schloss sie die Augen. Es war so friedlich, irgendwo am Waldrand erwachten die ersten Singvögel und stimmten ihren Morgengruß an.
      “We all change, when you think about it.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Es dauerte eine kleine Weile, da brach der weißhaarige Elf wieder durch das Unterholz und sah sie dort sitzen.
      Erstaunlicherweise empfand er nicht das brennende Gefühl, eine Fremde aus seinem Haus zu jagen. Es war, als gehörte Viola auf eine merkwürdige Art und Weise hierher. Ein Mensch im Haus einem Elfen, an einem magischen See mit magischen Bäumen. Im grunde war es eine amüsante Vorstellung. Er trat durch das Unterholz auf den Weg hinaus, nur in Hosen und einem weiten Wams gekleidet. Das Haar lag mehr unordentlich auf seinem Kopf, aber es ließ seine Stirn frei, nachdem der Zopf nicht mehr war. Sein Gesicht wirkte jugendlicher, ein wenig freier vielleicht und der Anflug von Bartstoppeln umrahmte sein Gesicht.
      Andvari vergaß, dass er auf dem Rückweg das Lieblingslied seiner Tochter angestimmt hatte, war aber bereits zu nah, als dass er abrupt hätte aufhören können. Es fühlte sich falsch an.
      "Wo die Bäume Gesichter dir zeigen,
      Und die Wölfe dein' Namen nur heul'n,
      Wo Spinnen den Weg dir nicht weisen,
      Und Krähen dich nie wieder gräul'n..."
      Seine Stimme klang fremd, selbst in seinen Ohren. Tief und beinahe unwirklich, aber dennoch meinte zumindest der Elf, eine Melodie darin zu erkennen. Er hatte nie gut singen können. Zumindest nicht in den Ohren der Elfen und vor allem nicht, während er sich durch wilde Brennesseln kämpfte und etwas hinter sich herzog.
      Als er an den See trat und das Singen unterbrach, nachdem er nahe genug war, lächelte er das erste Mal ehrlich in Violas Richtung.
      "Guten Morgen", sagte er und trat hinter dem Haus hervor auf die Lichtung und vor den Zaun des kleinen Gartens.
      Schweigend hielt er eine ganze Hand voll Knollen und Rüben empor, die gekocht gleich einem Schwein schmeckten. Eine seltsame Pflanze, aber durchaus nahhaft und nützlich.
      "Hunger?", fragte er und betrat den kleinen Vorgarten durch die Lücke im Zaun. "Ich würde uns einen Eintopf machen, wenn Ihr möchtet."
      Er war kein guter Koch, aber für Feldküche würd es wohl reichen. Und Sylvar musste bestimmt auch bald wiederkehren. Mit welchen Neuigkeiten auch immer.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Viola hörte den Elf bevor ihr Blick ihn entdecken konnte.
      Eine wunderschöne Melodie begleitet von der tiefen Stimme Andvaris. Flatternd öffneten sich ihre Augenlider gegen das wärmende Licht der Sonne und ihr Blick folgte dem Klang des Liedes bis sie den Ursprung sah. Ob er jeden Ton traf, spielte keine Rolle. Viola hatte nie etwas Schöneres in ihrem Leben gehört. Ein Lächeln spiegelte sich auf ihren Lippen, warm wie die Strahlen der aufgehenden Sonne. Die Unruhe verblasste und hinterließ nichts als einen stillen Frieden auf ihren Zügen. Allein das Atmen fiel ihr leichter mit jedem Schritt, den der Elf sich näherte. Die Heilerin wusste, dass sie starrte. Die aufgehende Sonne in seinem Rücken, ließ das weiße Haar beinahe unwirklich leuchten. Seine ganze Erscheinung wirkte fremd und gleichzeitg so vertraut, ohne den angespannte Zug in seinen Schultern. Sie wollte ihn noch einmal lachen hören. Amüsiert blickte sie auf die nackten Füße im Gras und legte schmunzelnd das Kinn in die Handfläche, während sie sich mit Ellbogen auf ihren Knien abstüzte.
      "Guten Morgen..." Gab sie immer noch lächelnd zurück, ein Funkeln in den grünen Iren. "Ein schöne Melodie..."
      Wie aufs Stichwort gab ihr Magen ein lautes, protestierendes Grummeln sich, das sie erstaunt zusammen zucken ließ.
      Tatsächlich entlfoh ein verlegenes Kichern ihren Lippen.
      "Ich denke das zählt als Antwort..." Sie legte den Kopf leicht schief in ihrer Hand.
      Viola räusperte sich und richtete sich ein wenig auf. Sie tippte sich nachdenklich mit dem Finger gegen die Lippen.
      Bevor Andvari in das kleine Haus verschwinden konnte, drehte sie den Kopf in seiner Richtung.
      "Setzt ihr euch zu mir? Nur für einen Moment...." Das Lächeln auf ihren Lippen war noch immer nicht verblasst. Es war etwas in ihren Augen, etwas Entschlossenes. Andvari musste hören was, sie zu sagen hatte. Die Heilerin wusste nicht wann Sylvar zurückkehrte, vielleicht heute oder erst in einer Woche. Und sie wusste nicht, wann sie das nächste Mal den Mut dazu aufbringen würde.
      "Bitte." Fügte sie noch hinzu. Nachdem sie in der vergangenen Nacht förmlich geflohen war, hätte sie ihm eine Abweisung nicht verübelt.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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    • Andvari

      Andvari war einerseits nicht wirklich überrascht, sie dort zu sehen, wenn er ehrlich war. Es musste merkwürdig sein, im Bett eines Anderen zu schlafen und gleichsam zu wissen, dass die verblichene Ehefrau dieses noch bewohnt hatte. Wenn sie nur wüsste, wie lange das alles schon her war...Vielleicht würde sie sich dann besser fühlen?
      Sie hatte ihn gehört, natürlich. Ohren wie ein Luchs, diese Heilerin, bemerkte er für sich und grinste schwach, während er die Knollen auf eine Bank fallen ließ. Sie waren schwer und saftig und ein wohlriechender Geruch nach frischer Sellerie umgab ihn sobald der Saft ausströmte. Sie mussten vom Dreck befreit werden, ehe man sie verzehren konnte. Also wollte er gerade eine grobe Bürste von der nahegelegenen Bank nehmen, als er auf ihre Ansprache reagierte.
      "Das zählt eindeutig", sagte er und schmunzelte verstohlen, während er die Knollen zu reinigen begann. "Die Melodie...Ja...Ein kleines Lied, das ich mal von der weisesten Person gelernt habe, die ich kannte."
      Meiner Tochter, fügte er in Gedanken hinzu und lächelte versonnen.
      "Habt Ihr gut geschlafen? Ich hoffe, das Bett war nicht zu merkwürdig?"
      Auf ihre Bitte hin blickte er auf und sah ihr das erste Mal diesen Morgen in die Augen. Etwas hatte sich verändert über Nacht. Ein Glimmen, ein Leuchten vielleicht erkannte er von der Ferne, auch wenn die Sonne ihm langsam ins Gesicht schien und der Duft des Waldes auf dieser Lichtung begann, zuzunehmen. Und sie lächelte die ganze Zeit. Andvari hatte noch niemals Jemanden erblickt, der so ausdauernd lächeln konnte wie sie. Und wohltuend war dies noch dazu. Der Elf nickte und legte Bürste und Knollen beiseite, um sich die Hände unein an der Lederhose abzustauben.
      Die Bank war recht schmal und aus dünnem Holz. Ein Erstlingswerk seinerseits. Heute würde er sie massiver zimmern. Dennoch ließ er sich sacht neben Viola auf der Bank nieder. Und trotzdem ächzte das Holz ein wenig.
      "Stimmt etwas nicht?", fragte er und sah sie neugierig an.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell

    • I thought, this is the most incredible thing I have ever seen, and I
      had better keep it a safe distance away from me. I thought, if someone
      like that ever loved me, it would set me on fire.
      And then I was a careless fool, and I fell in love with you anyway.



      Viola

      Geduldig wartete Viola darauf, dass der Elf ihrer Bitte nachkam.
      Währernd er seine Hände grob abklopfte, ließ sie noch einmal den Blick über die friedliche Lichtung schweifen. Das Refugium der Magier hatte er erlaubt ihre Gedanken auf ein Ziel zurichten, es hatte sie gestärkt und zur Ruhe kommen lassen. Aber dieser Ort, so dachte sie, hier könnte man Frieden finden, um zu heilen. Die Bank knarrte leise unter dem zusätzlichen Gewicht und veranlasste die junge Frau dazu, sich auf dem verwitterten Holz zu Andvari zu drehen. Beiläufig schob sie eine verirrte Strähne ihres Haares zurück.
      "Da ist etwas, dass ich euch sagen muss, bevor ich den Mut dazu verliere."
      Viola blickte in die Augen aus leuchtendem Bernstein und machte dabei nicht den Eindruck, als würde sie sich selbst dazu zwingen. Sie hatte eine ganze Nacht gehabt um darüber nachzudenken. Tief in ihrem Inneren fühlte sie sich gefestigt und sicher.
      "Gestern, als ich Euch in dieser finsteren Zelle in den Armen hielt und Eure leeren Augen sah, das Herz so schwach unter meiner Hand, dachte ich für einen schrecklichen Augenblick, ich hätte Euch verloren. Das wir zu spät gekommen sind.
      Seit diesem verhängnisvollen Tag vor 7 Jahren, hätte ich nie geglaubt, jemals wieder jemandem nahe sein zu können oder zu wollen. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mir nicht furchtbare Angst macht, dass ihr diesen Wunsch in mir weckt.
      Ihr müsst wissen, dass ich nicht Euch fürchte. Was mich quält ist die Unsicherheit, ob ich überhaupt jemandem nahe sein kann. Das letzte, was ich will, ist das sich Euer Gesicht mit meinem Erinnerungen vermischt. Ihr seid nicht der Mann, der mir die Möglichkeit einer Zukunft stahl. Das ist keine Last, die ihr tragen solltet."
      Da war ein winziges Zögern, in der sie kurz aufatmete, ehe sie behutsam eine von Andvaris Hände in ihre beiden nahm. An der Erde, die noch daran haftete, störte sie sich nicht. Sanft fuhren ihre Fingerspitzen über alte, verblasste Narben. Mit etwas wie Wunder in den Augen, betrachtete sie wie, wie klein ihre eigenen Hände im Vergleich zu seiner waren.
      "Ich hätte Euch letzte Nacht nicht allein lassen dürfen. Nicht nachdem ihr so offen mit mir wart, nicht nach allem was gestern passiert ist. Aber ich habe den Dämonen meiner Vergangenheit erlaubt stärker zu sein als ich es je könnte."
      Die Heilerin hob den Blick von ihren verschlungenen Händen. Tatsächlich, sie lächelte noch immer. Dieses kleine zerbrechliche Lächeln, das aber so viel Wärme und Zuneigung in sich barg.
      "Wir wissen kaum etwas voneinander und ich wünschte mir so sehr, es wäre einfacher. Was immer das hier ist. Ich will Eure Geschichte hören. Ich will wissen, was euch zu dem Mann machte, der Ihr heute seit und dem ich ohne Zögern gefolgt bin ohne zu wissen, wohin mich diese Entscheidung führt. Und ich möchte, dass ihr wisst, dass ich an Eurer Seite bin, wenn die Bürde auf euren Schultern zu schwer wird."
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    • Andvari

      Der weißhaarige Elf brauchte eine Minute, um alles zu begreifen , was sie da eben gesagt hatte. Er blickte mit stummer Nachdenklichkeit auf ihre beiden Hände, die wie Wurzeln desselben Baumes ineinander verschlungen waren und brachte für die erste Zeit kein Wort heraus. Mehrmals öffnete Andvari den Mund, ohne einen Ton zu sagen, ehe er sie ansah, seufzte und anschließend lächelte.
      "Eine jede Wunde heilt irgendwann, Viola", sagte er und hielt ihrem Blick stand. Was in diesen Bernsteinaugen stand vermochte niemand zu sagen. "Und es ist nichts verwerfliches daran, diesen Wunsch zu hegen. Mir ging es über Jahrzehnte genauso. Und dann kamt Ihr. Und ein Wunsch keimte erneut in mir auf. In einem jedoch habt Ihr mehr als Recht: Wir wissen wenig voneinander und es wird Zeit für Geschichten. Wir müssen ohnehin warten, bis Sylvar aus der Stadt zurück ist , also können wir auch voneinander lernen."
      Er löste sich sanft und erhob sich von der Bank.
      "Grämt Euch nicht wegen der letzten Nacht. Es ist geschehen und wir beide sind am Leben. Ich fühlte heute Morgen genauso, aber manches Mal kommt die Weisheit erst mit dem Tag, hat meine Mutter immer gesagt. Nun kommt!", sagte er und winkte sie ins Haus mit dem strahlendsten Lächeln, das er aufbieten konnte. "Da wo ich herkomme, beginnen Geschichten bei Trunk und Speisen. Außerdem kann ich Euch nicht länger hungern lassen, ohne mein ritterliches Herz zu verleugnen."
      Er zwinkerte ihr zu und schnappte sich den Berg knollen, ehe er die Tür aufstieß. Andvari war nicht gut darin, Gefühle zu äußern. Im Grunde war er sogar sehr schlecht. Er hatte es Fea erst nach Jahren sagen können und nun saß da diese Frau, die so frei und mutig über ihre GEfühle sprach. Und er tat das! Kopfschüttelnd über sich selbst fischte er aus dem kleinen Schrank im Essbereich einen eisernen Topf und hing ihn in die Öse über dem Feuer, das bereits geschürt war. Viola war fleißig.
      Während er Wasser in den Topf aus einem Speicher nahe des Kamins füllte, sah er sie an.
      "Einen Teil meiner Geschichte kennt Ihr nun bereits. Ihr wisst, dass ich der Bastard des Elfenkönigs bin. Meine Mutter war eine Zauberin am Hofe und die Meisterin von Sylvar. Ihr Name war Ayla und sie war eine Lichtruferin. Eine Fertigkeit, die sie an mich vererbte. Und begehrt war die Fähigkeit ebenfalls, sähte sie doch Licht an Orten, an denen Finsternis herrschte. Und ich...", sprach er und hielt ihr seine Handfläche entgegen, aus der kleine Lichtfäden sich erhoben, eine Art Handschuh bildeten und wieder verblasten. "Konnte ihnen sogar Form geben. Ein Wunderkind, nicht wahr? So hießen sie mich. Zumindest bis mein Vater hinter die Geschichte kam, dass die Könige des Elfenreiches den Lichtrufern zu diensten sein sollten, um das Licht in Tirion zu erhalten. Freilich gefiel ihm dies nicht und ich wurde fortan geächtet wie Schlachthausvieh. Ich bekam die niedersten Arbeiten zugeteilt und als meine Mutter starb, verblieb ich nicht im Palast wie meine Brüder, sondern wurde auf das Land gesandt, um dort für Ordnung zu sorgen."
      Er lachte kurz auf, während er begann, die Knollen zu schälen. Es war meditativ, derartig beschäftigt zu sein, musste er zugeben.
      "Ich war nie ein Soldat", gab er grinsend zu. "Eigentlich bin ich gelernter Zimmermann. Meine Mutter hasste es, dass ich meine Fähigkeiten für den Bau von Häusern und Ställen einsetzte. Aber was soll ich sagen...Ich liebe Holz. Ich liebe die Natur. Ein Leben in Rüstung konnte ich mir nicht vorstellen. Bis ich Feanoré traf, war mein Leben eine einzige Jagd hinter einem Schimmer her, der nicht mein sein wollte. Und dann...Dann wurde dieser Schimmer mein...Und unser Glück wurde perfekt, so schien es - trotz aller Anfeidnungen die mich noch immer heimsuchten und mich verdammten, weil ich nur der Bastard des Königs und ein Hexenkind war -, als meine Tochter geboren wurde. Lyra, übrigens...So hieß sie...ja..."

      The more that I reach out for heaven
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