Viola
Für einen kurzen Augenblick fürchtete Viola zu viel gesagt zu haben. Die aufkommende Stille ließ Zweifel erblühen. Eines Tages würde sie sich noch um Kopf und Kragen reden. Während ihrer Lehren in Bourgone war ihr von den Ordensbrüder oft genug gesagt worden, das Vergangene zu vergessen und ihre Pflicht zu erfüllen. Sich zusammenreißen, hatten sie gesagt. Nichts an diesen Worten hatte jemals geholfen. Und dann begann Andvari zu sprechen. Still nickte sie und blickte zu dem weißhaarigen Elf auf, als jener sich von ihr löste. Ein Stein, schwer und kalt, fiel von ihrem Herzen ab. Es ging ihm ähnlich. Der Zweifel verschwand und stattdessen pflanzte sich ein Funken Hoffnung. Vielleicht waren sie beide nicht ganz so verloren, wie sie glaubten.
Viola schüttelte ein wenig über sich selbst den Kopf, ehe sie sich von der Bank erhob und in ein Lächeln blickte, dass ihr Innerstes wärmte. Da war es, das Lächeln, dass sie vermisst hatte ohne es geahnt zu haben. Die Heilerin merkte, wie selbst wieder lächelte. Es war einfach ansteckend ihn so zu sehen. Und für diesen Moment war es genug. Es war alles.
Ein amüsiertes Lachen erklang, und es kam von Herzen, als er von seiner Ritterlichkeit sprach.
"Und wie könnte ich das von Euch verlangen. Oder gar verantworten." Damit folgte sie ihm zurück in das kleine Häuschen.
Die Heilerin trat an die kleine Arbeitsfläche im Küchenbreich heran und lehnte sich mit dem Rücken dagegen, während sie seinen Worten mit wachem Verstand und verständnisvollem Blick lauschte. Als er das Licht um seine Hand bog, tippte sie sich nachdenklich gegen das schmale Kinn.
"Sylvar sagte etwas Ähnliches." Langsam glaubte Viola nicht mehr daran, dass alles, was der Magier er bereits offenbarte hatte reiner Zufall war. Oder aber der Elf konnte, einmal in Fahrt, sein Mundwerk einfach nicht mehr zügeln. "Er sagte mir, dass die Prinzen selber diese Gabe nicht besitzen. Das die Fähigkeit, das Licht zu rufen, nur in einer bestimmten Blutlinie herrscht. Und das dieser Umstand euch zum rechtmäßgen Thronfolger macht." Sylvar und auch Lhoris hatten beide etwas Ähnliches gesagt.
Langsam trat sie zu Andvari und hielt ihre ausgestreckte Hand vor sich. Ihre Hände brauchte Beschäftigung, ehe sie noch die Fäden aus den Ärmeln ihrer Bluse zuckte. Ein zweites Messer fand den Weg in ihre Hand und sie half dabei die Knollen von der Schale zu befreien.
Hin und wieder sah sie von ihrer Tätigkeit auf und nickte bedächtig.
"Zimmermann?" Nun musste sie doch Schmunzeln. "Ich muss ehrlich zugeben, dass hatte ich nicht erwartet. Zumindest hätte ich das nicht, bevor Sylvar uns hier her gebracht hatte." Natürllich, Andvari hatte bereits erwähnt, dass er das Haus selbst erbaut hatte.
Kurz sah sie sich um, ihr Blick blieb noch einmal kurz an den Kerben im Türrahmen hängen. Sie wandte sich wieder zu Andvari und legte die erste geschälte Knolle für die weitere Verarbeitung bei Seite.
"Lyra..." Wiederholte sie den Namen sanft. "Erzählt mir von ihr..." Es klang keine Forderung in ihrer Stimme mit, nur eine vorsichtiges Angebot.
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”