[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Viola

      Für einen kurzen Augenblick fürchtete Viola zu viel gesagt zu haben. Die aufkommende Stille ließ Zweifel erblühen. Eines Tages würde sie sich noch um Kopf und Kragen reden. Während ihrer Lehren in Bourgone war ihr von den Ordensbrüder oft genug gesagt worden, das Vergangene zu vergessen und ihre Pflicht zu erfüllen. Sich zusammenreißen, hatten sie gesagt. Nichts an diesen Worten hatte jemals geholfen. Und dann begann Andvari zu sprechen. Still nickte sie und blickte zu dem weißhaarigen Elf auf, als jener sich von ihr löste. Ein Stein, schwer und kalt, fiel von ihrem Herzen ab. Es ging ihm ähnlich. Der Zweifel verschwand und stattdessen pflanzte sich ein Funken Hoffnung. Vielleicht waren sie beide nicht ganz so verloren, wie sie glaubten.
      Viola schüttelte ein wenig über sich selbst den Kopf, ehe sie sich von der Bank erhob und in ein Lächeln blickte, dass ihr Innerstes wärmte. Da war es, das Lächeln, dass sie vermisst hatte ohne es geahnt zu haben. Die Heilerin merkte, wie selbst wieder lächelte. Es war einfach ansteckend ihn so zu sehen. Und für diesen Moment war es genug. Es war alles.
      Ein amüsiertes Lachen erklang, und es kam von Herzen, als er von seiner Ritterlichkeit sprach.
      "Und wie könnte ich das von Euch verlangen. Oder gar verantworten." Damit folgte sie ihm zurück in das kleine Häuschen.
      Die Heilerin trat an die kleine Arbeitsfläche im Küchenbreich heran und lehnte sich mit dem Rücken dagegen, während sie seinen Worten mit wachem Verstand und verständnisvollem Blick lauschte. Als er das Licht um seine Hand bog, tippte sie sich nachdenklich gegen das schmale Kinn.
      "Sylvar sagte etwas Ähnliches." Langsam glaubte Viola nicht mehr daran, dass alles, was der Magier er bereits offenbarte hatte reiner Zufall war. Oder aber der Elf konnte, einmal in Fahrt, sein Mundwerk einfach nicht mehr zügeln. "Er sagte mir, dass die Prinzen selber diese Gabe nicht besitzen. Das die Fähigkeit, das Licht zu rufen, nur in einer bestimmten Blutlinie herrscht. Und das dieser Umstand euch zum rechtmäßgen Thronfolger macht." Sylvar und auch Lhoris hatten beide etwas Ähnliches gesagt.
      Langsam trat sie zu Andvari und hielt ihre ausgestreckte Hand vor sich. Ihre Hände brauchte Beschäftigung, ehe sie noch die Fäden aus den Ärmeln ihrer Bluse zuckte. Ein zweites Messer fand den Weg in ihre Hand und sie half dabei die Knollen von der Schale zu befreien.
      Hin und wieder sah sie von ihrer Tätigkeit auf und nickte bedächtig.
      "Zimmermann?" Nun musste sie doch Schmunzeln. "Ich muss ehrlich zugeben, dass hatte ich nicht erwartet. Zumindest hätte ich das nicht, bevor Sylvar uns hier her gebracht hatte." Natürllich, Andvari hatte bereits erwähnt, dass er das Haus selbst erbaut hatte.
      Kurz sah sie sich um, ihr Blick blieb noch einmal kurz an den Kerben im Türrahmen hängen. Sie wandte sich wieder zu Andvari und legte die erste geschälte Knolle für die weitere Verarbeitung bei Seite.
      "Lyra..." Wiederholte sie den Namen sanft. "Erzählt mir von ihr..." Es klang keine Forderung in ihrer Stimme mit, nur eine vorsichtiges Angebot.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Ein verträumtes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht während Knolle um Knolle in das langsam blubbernde Wasser über dem Feuer fallen gelassen wurde. Anschließend griff er in eine Schublade abseits der Kochstelle und zog ein Bündel Karotten hervor. Sicherlich hatten diese bereits bessere Tage gesehen, aber es würde für einen Eintopf reichen. Im gleichen Atemzug schob er sich zart an Viola vorbei in Richtung eines Fensters, das zum Gartenweg hinaus schaute. Davor befand sich ein kleiner Holzkasten, aus dem wild Kräuter wucherten. Er blickte hinein und grinste.
      "Könnte ich Euch dafür begeistern, mir die schönsten Wildkräuter von der Bank zu holen?", fragter er und wies auf den Kasten, den sie bequem erreichen konnte. Der Wind pfiff durch das Haus und tauchte ihre Welt nicht nur in Sonne, sondern auch in frische Bergesluft. Vögel begannen zu zwitschern und immer lauter werdend, wähernd die ersten Tiere des Waldes ihre Wanderschaft antraten.
      Andvari begann Karotten zu schneiden, ehe er einen Blick auf das andere Wurzelgemüse in den Vorratsschränken warf.
      "Es ist zutreffend, dass die Elfenherrscher einer Blutlinie entstammen, der Oberon nicht entstammt. Diese definiert sich durch die uralte Gabe, Licht zu rufen oder zu formen. Die Elfenschaft glaubt noch immer daran, tief in ihrem Herzen und das missfiel dem König sehr, bedrohte es doch seine eigene Herrschaft und die seines Sohnes. Er wollte meine Mutter, aber mich nicht. Ich war das lästige Ergebnis einer zu wilden Nacht."
      Er grinste erneut verloren und konzentrierte sich auf das Gemüse. Andvari fürchtete, sich selbst zu verlieren, wenn er sie dabei auch noch ansah.
      "Doch, ich bin wirklich Zimmermann", lachte er. "Nuala zum Beispiel ist eigentlich Fischerin. Ihre Familie betreibt eine Fischerei und sie hat sie vor einigen Jahren übernommen. Die wenigsten von uns sind Soldaten."
      Als sie dann seine Tochter erwähnte, verfinsterte sich sein Blick etwas.
      "Lyra...Ja...", murmetle er und sah sie dann direkt an. "Lyra war ein aufgewecktes Kind. Fröhlich, lieb und niemanem zu Schaden. Gut, manches Mal war sie auch vorlaut und ein wenig mürrisch, vor allem beim Baden, aber sonst war sie mein Augenstern. Sie liebte die Natur, wie ich. Und liebte es, diese zu erkunden. Manchertage sahen wir sie kaum, weil sie in den Wald lief und für sich neue Wege erkundete. Nie passierte ihr etwas, auch wenn ich krank vor Sorge war. Sie brachte mir das Lied von eben bei. Ein Lied, das sie in der Hoffnung gedichtet hatte, ich möge singen lernen. Nun, ich habe sie dahingehend immer enttäuschen müssen. Die Kerben dort sind von ihr. Sie wollte beinahe jede Woche gemessen werden, damit sie mal so groß wie ihre Mutter würde. Sie besaß die Gabe nicht. Ihr magisches Erbe war nicht vorhanden, mit Ausnahme des Geschicks ihrer Mutter. Aber das Licht vermochte sie nicht zu rufen. Also zog ich mich mit meiner Familie hierhin zurück, in der Hoffnung, mein Vater würde meinen Verzicht akzeptieren."
      Er kippte die Möhrenin den Topf und rührte um, während die Flammen sein GEsicht beleuchteten.

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      The more you drag me to hell
    • Viola

      Neugierig trat sie an besagtes Fenster und nickte voller Tatendrang. Vorsichtig schlug sie den Haken zurück, der das verstaubte Glas geschlossen hielt und streckte den Kopf hinaus in die frische Bergluft. Die Baumwipfel wogen sich in einer sanften Brise und vor ihr auf dem kleinen Weg scharrten ein paar Amseln im sandigen Boden. Summend und mit prüfenden Fingern schob sie ein paar der Stängel und Halme bei Seite, ehe sie ein paar schöne krautige Triebe verschiedenster Kräuter entdeckte. Ihre Mutter wäre entzückt gewesen. Sorgsam knippste sie Thymian, Rosmarin und andere Kräuter für den Eintopf von den wuchernden Pflanzen. Als hätte sie einen Schatz gefunden, ging sie zu Andvari herüber, damit er diese zu den anderen Zutaten geben konnte.
      "Gut, dass ihr mich nicht darum gebeten habt zu kochen. Ich verstehe zwar etwas von Heilkäutern und Tees, aber ich bin eine katastrophale Köchin. Helena sah immer aus, als würde sie ersticken, wenn sie etwas Essen sollte, dass ich zubereitet hatte."
      Ungläubig schoss eine ihrer Augenbrauen in die Höhe. Nuala sollte eine Fischerin sein? Die Frau, die Viola mit einem Blick wünschen ließ, der Boden würden sich auftuen und sie auf der Stelle verschlingen, damit die der Elfin ja nicht in die Quere kam.
      Aber es machte durchaus. Niemand wurde zum Soldaten geboren. Sie alle waren vorher etwas anderes gewesen. So war es bei den Menschen und warum sollte es hier im Reich der Elfen anders sein.
      Der finstere Schatten, der seinen Blick trübte, hätte Viola beinahe dazu veranlasst ihre Frage zurückzunehmen. Aber hatte sie sich nicht geschworen, nicht erneut die falschen Schlüsse zu ziehen oder zu flüchten, sobald sie ihre Unsicherheit erfasste.
      Immernoch mit den Kräutern in den Händen trat sie neben Andvari an die Feuerstelle und reichte ihm ihre Mitbringsel. Mit wieder freien Händen, fand eine den Weg auf seine Schulter. Ein zarter, federleichter Druck ihrer Finger. Tröstend, wie sie hoffte. Vielleicht auch ein wenig stützend. Es musste schwer sein über Lyra zusprechen. Hohle Phrasen der Entschuldigung und sein reflexartige Dankbekundung hatten hier keinen Raum. Davon hatte sie gestern Abend reichlich gehabt.
      Sattdessen seufzte sie leise und blickte in die wärmenden Flammen.
      "Mein Bruder, Val, hatte nur Schabernack im Kopf. Wir haben oft jeden Sommer uns in Mutters Beerengarten so die Bäuche mit firschen Erdbeeren vollgeschlagen, dass wir uns den Magen verdorben haben. Das Geschimpfe und Gezeter meiner Mutter war noch meilenweit zu hören." Sie lächelte bei dem Gedanken daran. "Meine Eltern waren einfache Bauern und lebten vom Anbau von Weizen, manchmal auch Rüben oder Kartoffeln. Viel hatten wir nie, aber wir waren glücklich. Die Winter waren immer hart, aber der Frühling und der Sommer umso schöner. Eigentlich wäre es mir bei meinem Stand nie möglich gewesen, die Ausbildung als Heilerin überhaupt in Erwägung zu ziehen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari

      Er lächelte, während er den Topf umrührte und auf die Ausbeute der Heilerin blickte. Mit einem Nicken griff er nicht nach den Kräutern, sondern legte die Hände unter ihre und führte diese zum Topf, um die Kräuter hinein zu kippen. Gleich danach begann die Suppe bereits wohlig zu riechen und die Knollen würden alsbald die gewünschte Konsistenz haben.
      Ansschließend musste er ein wenig lachen.
      "Ich glaube nicht, dass Ihr eine schlechte Köchin seid. Jeder fängt einmal an, denke ich. Von daher tut es nur Übung. Ich habe vierzehn Jahre gebraucht, um diesen Eintopf kochen zu können."
      Andvari sagte nichts, aber genoß das Gefühl der Hand auf seiner Schulter. Er hätte gern nach dieser Hand gegriffen, aber für den Moment reichte es aus. Noch immer kämpfte er mit sich und mit dem Verlangen, alles einfach herauszuschreien. Die ganze Wut, die ganze Trauer. Sie alle waren letztlich eins.
      Als Viola von ihrem Bruder erzählte sah er sie an und lächelte ebenso.
      "Es klingt beinahe so, als hätte ich Euren Bruder mögen konnen", sagte er und rührte nochmals. Anschließend ging er kurz zu einem kleinen Oberschrank im Essbereich, um Geschirr hervorzubringen. Dieses war aus Holz, grob gefeilt und anschließend mit einer Art Harz lackiert, damit es sich nicht vollsog. Selbst das Besteck war aus Holz gefertigt und glich großen Löffeln. Die Stiele besaßen einen Schwung am Ende, der in einer Art Holzrose mündete.
      Er stellte die Teller und das Besteck auf den kleinen Esstisch und sah sie wieder an.
      "Ich habe dank meines Lebens lernen dürfen, dass es keine einfachen Bauern gibt. Dieser Beruf ist mehr Anstrengung als ich jemals ertragen könnte.", sagte er mit einem breiten Grinsen. "Wie habt Ihr Eure Ausbildung erreichen können?"

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    • Viola

      Viola blickte noch einen Augenblick lang in in die Flammen. Der verräterische Ausdruck in ihren Augen schien etwas anderen zu sehen. Der Geruch des Feuers erinnerte sie an jenen Tag, als nur Rauch und Hitze in der Luft gelegen hatte. Die goldenen Weizenfelder zu Asche verbrannt und ihr Zuhause dem Erdboden gleich gemacht. Die Heilerin blinzelte und folgte dem Elf zum Essbereich.
      "Vielleicht hättet ihr das." Schmunzelte die junge Frau. "Ich will gar nicht wissen, welche Flausen ihr ihm in den Kopf gesetzt hättet. Meine Mutter hatte schon so alle Hände voll zu tun mit ihm. Einen Sommer lang hatte mein Vater mühevoll ein paar Kaninchen ergattern können. Val hat jeden Tag dort verbracht. Als er herausbekommen hat, dass sie Eintopf landen sollte, hat er sämtliche Käfige geöffnet. Meine Mutter hat ihn mit dem Kochlöffel kreuz und quer über den Hof gejagt." Viola lachte bei der Erinnerung herzhaft. Der Anblick war einfach zu komisch gewesen, vor allem da Val viel schneller und flinker gewesen war.
      Viola kam sich ein wenig nutzlos vor, während sie Andvari bei seiner Tätigkeit zusah. Aber es hatte etwas friedliches, ein wenig Normalität zu erleben. Die Alltäglichkeit der ganzen Situation erfüllte die Heilerin mit einer lang vergessenen, inneren Ruhe. Neugierig nahm sie einen der Löffel zwischen die Finger und fuhr den Schwung nach. Sie konnte sich beinahe vorstellen, dass der Elf diese geschnitzt hatte. Das Bild Andvaris draußen auf der kleinen Bank, wie er die filigranen Utensilien herstellte und dabei seiner Tochter beim Spielen zusah.
      Die Frage des Elfen ließ nun ihrerseits einen Schatten in ihren Augen tanzen. Als sie Lhoris am Feuer davon berichtet hatte, war Andvari nicht bei Bewusstsein gewesen. Sie legte den Löffel zurück auf den Tisch.
      "Nachdem mein Heimatdorf überrannt und niedergebrannt wurde, hat man mich ein paar Meilen entfernt davon halb verhungert aufgegriffen. Man übergab mich in Bourgone den Ordensbrüdern der Blauen Rose. Ein Zusammenschluss der besten Heilkundigen des Landes, die auch der kaiserlichen Familie zu Diensten sind. Nach..." Viola unterbrach sich kurz selbst und blickte auf ihre Hände, die sie ineinander verschränkte hatte um das nervöse Zittern zu verbergen. "Ich hatte aufgehört zu sprechen. Die Leute, die mich aufgelesen hatte, wussten nichts mit mir anzufangen, hatten aber genug Mitleid mit mir um mich in die Obhut guter Menschen zu geben. Einer der Ordensbrüder hat sich meiner angenommen, als man merkte das ich zur Küchenarbeit nicht taugte und ich Interesse an den Gärten entwickelte. Es war der einzige Ort an dem ich mich sicher fühlte. Er gab mir eine Aufgabe, etwas um meinen Verstand zu beschäftigen. Ein Jahr danach habe ich das erste Mal wieder ein Wort gesagt. Von dem Moment an, begann ich meine Ausbildung. Es hat mich glücklich gemacht, etwas Sinnvolles zu tun. Helfen zu können."
      Viola hob den Blick zu Andvari und lächelte tapfer.
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    • Andvari

      Der Elf begann ebenso zu lachen, als sie es tat. Vermutlich einfach, weil ihm das Geräusch zusagte, oder aber die Vorstellung sehr lustig war, wie eine Mutter den Jungen durch den Hof jagte.
      "Das kann ich mir vorstellen", grinste er. "Und vermutlich hätte ich ihm einiges in den Kopf gesetzt. Meine Frau hat es immer gehasst, wenn Lyra wegen mir Schimpfworte lernte oder Flüche. Und manchmal spielten wir Fea Streiche, die selbstredend mehr als schief gingen. Einmal habe ich beinahe die Küche abgefackelt, weil Lyra es lustig fand, ein Feuerwerk im Haus auszurichten."
      damals hatte er nicht gewusst, dass sein Licht Hitze entwickelte.
      Andvari lächelte, während er die Teller befüllte. Er sah Viola an, wie sie die Löffel begutachtete und kratzte sich an der Nase, um sein Rotwerden ein wenig zu kaschieren.
      "Selbstgeschnitzt", murmelte er nur und schob ihr einen Teller zu, ehe er sich an eine Seite des Esstischs setzte. Wie lange hatte hier keiner mehr gegessen? "Fea hat mich damals immer wieder gescholten, weil ich Restholz herumliegen ließ. Als ihr endgültig die Geduldsschnur riss, sollte ich aus dem Holz etwas machen oder es verbrennen: Also habe ich Geschirr gemacht."
      Das Gespräch wurde mit einem ein wenig düsterer, als Viola von ihren Erlebnissen berichtete. Einen Moment lang unterdrückte er den Drang, sie einfach zu umarmen, da er fürchtete, dass sie seine Nähe nicht unbedingt positiv empfinden würde. Sicherlich, das Gespräch von eben hatte ihm bereits das Gegenteil bewiesen, aber Traumata dieser Art überwandt man nicht leicht. Das wusste er aus eigener Erfahrung.
      So langte er nur über den Tisch und legte seine Hand auf ihre.
      "Es tut mir Leid, dass Euch derlei Dinge widerfahren sind", murmelte er. "Und dass mein Volk dafür verantwortlich ist. Es gibt keine Worte, die beschreiben könnten, wie sehr ich den Krieg reue und wie sehr ich es reue, meinen Vater nicht gestürzt zu haben, als ich die Wahl hatte..."
      Doch es ging damals nicht. Nicht, nachdem Fea und Lyra...

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    • Viola

      Mit einem amüsierten Zug um ihre Mundwinkel blickte Viola in Richtung Küche. Langsam aber stetig setzte sich ein Bild in ihrem Kopf zusammen. Es musste ein wundervolles Leben gewesen sein, aller Widrigkeiten zum Trotz. Je mehr sie erfuhr, umso schwieriger wurde es, den Elf mit dem spitzbübischen Grinsen und der verlegenen Röte auf den Wangen, mit dem Mann in Einklang zu bringen, der ihr bei ihrer ersten Begegnung noch Drohungen entgegen gefaucht hatte. Es schien eine Ewigkeit her.
      Kurz erlaubte sich Viola, Trost in den Worten zu finden. Tatsächlich stoppte das Zittern ihrer Hände. Sie konnte nichts dagegen tun. Eine Folge der Ereignisse, hatte man ihr erklärt. Wenn die Erinnerungen zu nah waren, zu greifbar, reagierte auch ihr Körper darauf.
      "Nichts davon ist Eure Schuld. Manchmal haben wir keine Wahl, zumindest eröffnet sie sich uns oftmals nicht."
      Leicht schüttelte Viola dem roten Haarschopf und drückte versichernd seine Finger, ehe sie sich dem Teller vor sich widmete. Es roch köstlich und mir Magen knurrte erneut ungeduldig.
      "Einen Großteil meiner Ausbildung habe ich mit der Nase in Büchern gesteckt. Ich liebe den Duft von alten Büchern und beschriebenem Papier. Es ist ein Wunder das ich mir bei Kerzenlicht im Dunkeln nicht die Augen ruiniert habe. Während des zweiten Studienjahres habe ich dann Helena getroffen. Ohne, dass es mir bewusst wurde, wurde sie für mich eine Freundin und Schwester zugleich. Sie ist wahre Frohnatur und gab mir mein Lachen zurück. Ich hoffe, dass es ihr gut geht. Der Soldat, der uns in Milan passieren ließ, ist ihr Verlobter. Sie hat vor Glück gestrahlt, als sie mir den Ring unter die Nase gehalten hat."
      Für eine Weile widmete sich die Heilerin ganz dem Wunsch ihres leeren Magens. Es war eine Wohltat etwas Warmes zu bekommen. Bis zu diesem Moment war ihr gar nicht bewusst gewesen, wie hungrig sie wirklich war. Zwischen den Bissen blickte Viola kurz von ihrem Teller auf.
      "Ich möchte Euch etwas fragen." Zurückhaltend schob sie ein Stück Rübe von einer Seite des Tellers auf die andere. Die Heillerin war ratlos, wie sie ihre Frage stellen sollte, ohne ihnen den Morgen zu ruinieren. Seufzend legte sie den Löffel ab und legte die Hände in den Schoß. Zögerlich blickte sie in seine goldenen Augen.
      "Ihr sagtet, dass ihr Euch mit eurer Familie hier her zurück gezogen habt, um in Frieden zu Leben. Das ihr hofftet der König würde es akzeptieren." Sie schluckte schwer. "Was ist passiert?"
      “We all change, when you think about it.
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    • Andvari

      Während sie noch sprach, begann der Elf langsam zu essen. Andvari war nie ein Elf mit großem Appetit. Meistens musste man ihn regelrecht dazu zwingen, damit er nicht völlig abmagerte, aber Essen war für ein Ritual, das man mit geliebten Menschen oder engen Freunden teilte.
      Alleine essen glich einer Art Verrat am Zweck dieses Rituals. Also aß er wenig bis gar nichts. Dass er hier nun an seinem Tisch mit einer Menschenfrau saß und sie sich ihre Geschichten erzählten, erschien ihm so passend, dass er seine Resolution aufgab. Noch während sie sprach, stand er kurz auf und griff nach einer hölzernen Karaffe, die im obersten Regal des Schrankes stand. Lange war niemand mehr in der Lage gewesen, diese zu füllen, sodass Andvari kurz einen Finger hob, um ihre Geschichte kurz zu unterbrechen und nach draußen verschwand. Er wollte nichts verpassen, also eilte er sich, Wasser aus dem See zu schöpfen. Einen magischen See mit klaren Bergwasser
      vor der Tür zu haben, half enorm bei Knappheiten!
      Triumphierend grisend kam er herein und stellte die kalte Karaffe auf den Tisch, um gleich danach zwei Holzbecher hervorzuholen und ihren zu füllen begann.
      "Ihr vermisst Eure Freundin und Schwester, nicht wahr? Ich habe ja Euch ja mehr oder minder ihr entrissen...", murmelte er, während er sich wieder setzte und zu Essen begann. "Ich konnte mit Büchern nie etwas anfangen...Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst vor zehn Jahren wirklich lesen gelernt habe. Wünscht Ihr Euch Bücher, zu Eurer Unterhaltung?"
      Der Eintopf schmeckte wirklich nicht gut. Fad und beinahe grob zusammengewürfelt. Jemand mit halbwegs Talent für die Zubereitung hätte eine wunderbar sämige Creme daraus gemacht. Bei ihm war es nur Füllmaterial. Er musste Sylvar dringend nach Rezepten fragen, damit er Viola beköstigen konnte.
      Als sie ihre Frage stellte, unterbrach er kurz das Essen und füllte sein Glas mit Wasser. Andvari nickte. Es wurde Zeit, nicht wahr?
      "Das ist wahr...", sagte er und blickte kurz in Richtung Feuer, um sich zu sammeln. "Wir zogen uns, Fea und ich, hierher zurück, damit Lyra in Frieden aufwachsen und erwachsen werden konnte. Durch die ständigen Anfeindungen gegen mich und meine Sippe, war es für die beiden auch nicht einfach, in der Stadt oder einem größeren Dorf zu leben. Und dies Leben hier erschien uns allen passend, wenn auch etwas einsam."
      Er lächelte schwach, auch wenn das Lächeln seine Augen nicht mehr erreichte.
      "Ich erklärte meinem Vater offiziell und unter Zeugen, dass mir seine Krone nichts bedeutete, ich nichts auf die Bestimmung gab und nicht nach seinem Hab und Gut strebte. Er nahm diese Erklärung an und verbannte mich aus Tirion. Anfangs war es friedlich und man ließ uns gewähren. Die Elfen in dem Dorf hier waren freundlich zu uns. Man kannte uns nicht. Aber dann begannen die Gerüchte erneut aufzuflammen, als Oberon krank wurde. Das war vor beinahe zwanzig Jahren. Man rief wieder nach den Lichtrufern und mein Vater bekam Angst. Also schickte er seine Garde, um die Gefahr, die von mir ausging zu beseitigen.
      An jenem Tag im Spätsommer war ich im Wald und hackte Holz, als ich die Schreie meiner Frau hörte. Da ich sie anfangs nicht zuordnen konnte, brauchte ich eine Weile, bis ich wieder hier war, aber...Was soll ich sagen?
      Man sandte keine einfachen Soldaten, die ihr Handwerk gerade erst gelernt hatten. Man sandte meinen Bruder Faolan und dessen private Garde. Sie nahmen Feanore gefangen und knüpften sie an der Außenwand auf. Schnitten ihr das Herz heraus und legten es vor die Schwelle. Und meine Tochter...
      Mein Vater besaß immer die Angst, dass ich mein Erbe weitergeben würde. Eine weitere Lichtruferin erstehen würde. Aber dem war nicht einmal so. Das Geschlecht würde mit mir aussterben. Aber dennoch...Sicher war sicher, nicht wahr? Sie fanden sie auf der Lichtung unweit des Hauses, wo heute ihre Gräber sind. Lyra hatte sich versteckt und wollte nicht kämpfen. Kluges Kind...Aber sie fanden sie und stachen einen Speer durch ihren Leib, ehe sie auch sie an einem Baum aufknüpften.
      Mich ließen sie nach einem kurzen Kampf zurück, schwer verwundet und mit Blick auf meine Geliebten, die man wie VIeh an BAumstämme genagelt hatte."

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    • Viola

      Viola zog den gefüllten Becher mit klarem, kühlen Wasser zu sich und nippte kurz daran.
      "Natürlich vermisse ich sie. Wir waren seit dem Augenblick, als wir uns kennenlernten, nicht einen Tag ohne einander. Wir haben zusammen studiert und haben sets darauf geachtet gemeinsam eingeteilt zu werden. Als die Garde nach unseren Diensten verlangte, sind wir selbstverständlich zusammen genangen. Und ihr habt mich nicht gezwungen, mit Euch gekommen. Das war allein meine Entscheidung."
      Die Heilerin bezweifelte, dass Andvari sie unter Waffengewalt dazu genötigt hätte, die Elfen zu begleiten, hätte sie entschieden ihr Schicksal in die Hände und das Urteil der Garde zu legen.
      "Macht Euch bitte keine Umstände." Mit einem Lächeln blickte sie durch die Fenster hinaus. Der verwilderte Garten mit seinen wohlduftenden Kräutern und den wuchernden Beerensträuchern würde sie eine Weile beschäftigen. Aber zuvor würde sie den Elf um Erlaubnis bitten, sich darum kümmern zu dürfen. Je nachdem wie lange Sylvar ihnen den zerbrechlichen Frieden ließ. Viola dachte noch daran, dass sie den Elf vor sich nach seiner körperlichen Verfassung fragen sollte. Es war schwer einzuschätzen in wie weit die Wellen ihrer Heilkraft gereicht hatten. Aber in diesem Moment, rückte all das in den Hintergrund.
      Mit jeder Silbe wurde ihr Herz schwerer. Die Grausamkeit mit der Faolan in diese Zuflucht eingefallen war, war schlimmer, als alles was sie je vernommen hatte. Verschwommen erinnerte sie sich an die funkelnden Augen voller Bosheit, die sie flüchtig durch die Gitterstäbe erblickt hatte, bevor sie durch das Portal entschwunden haben. Ein eiskalter Schauer rann über ihren Rücken.
      Jegliches Wort erwstarb augenblicklich auf ihrer Zunge. Und es gab nichts was sie hätte sagen können. Wie am Abend zuvor, wirkte ihre Miene wie versteinert, der Schrecken über die Geschehnisse wie ein Schatten in ihren grünen Augen. Was sie noch trauriger stimmte, war der monotone Klang seiner Stimme. Hatte er je mit jemandem gesprochen oder war er stets mit seiner Trauer allein gewesen? Hatte er all die Jahre die Last allein getragen?
      Mit einem leisen Kratzen über die Holzdielen schob Viola den Stuhl zurück. Den restlichen Eintopf auf ihrem Teller längst vergessen.
      Leise Schritten führten sie um den Tisch herum, bis sie zögerlich an den Sitzenden herantrat. Sie lief nicht weg, dieses Mal nicht.
      Viole legte die Hände zurerst nur sachte auf seinen Rücken, sie wusste nicht ob ihre Berührungen im diesem Moment willkommen waren. Und doch trat sie noch einen Schritt auf Andvari zu, bis seine Schulter sie berührte. Schweigend, den feuchten Schimmer von Tränen in den Augen, führte sie eine Hand sanft an seinen Hinterkopf und mit seinem kaum spürbaren, zögerlichen Druck, zog sie seinen Kopf zu sich. Zierliche Arme legten sich um seine Schultern, der weiße Haarschopf an ihren Körper gelehnt. Sie fühlte seinen warmen Atem durch den dünnen Stoff, der ihren Bauch bedeckte.
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    • Andvari

      Für einen Moment schwieg der Elf und blickte leer zu seinem Teller.
      Er hatte diese Geschichte erst ein einziges Mal erzählt und Sylvar war damals nicht wirklich zurechnungsfähig gewesen. Er ließ die Tatsache aus, dass er die Körper eigenhändig von den Bäumen genommen und schlecht begraben hatte. Als einfache Gräber, obgleich sie beide Fürstengräber verdient hätten.
      Tränen konnte er nicht mehr weinen. Er hatte sie alle geweint in dieser Nacht. Mit Erschrecken stellte er fest, dass er nicht einmal mehr eine Varianz in der Stimme hatte. So sehr war diese Geschichte bereits in sein Fleisch übergegangen, als dass er nicht einmal mehr Trauer empfinden konnte.
      Er wollte gerade wieder eine Frage stellen, da Viola sich vom Tisch aus erhob und auf ihn zukam. Es hatte gleichsam etwas tröstendes wie eauch etwas bedrohliches, wenn man die Entschlossenheit in ihren Augen richtig deutete. Manches Mal konnte sich diese HEilerin sehr wandeln. Als sei sie zwei verschiedene Menschen. Andvari beschloss, dass ihm die selbstbewusstere, entschlossene Viola vielleicht einen Hauch besser gefiel.
      Was dachte er da?
      Als sie ihre Hände auf seinen Rücken legte, konnte er sie nicht einmal ansehen...Es gab nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu denken. Es war alles berichtet und gedacht. Jede Träne geweint, jeder Fluch ausgesprochen. Sie wusste noch immer nicht alles, aber sie wollte es ja nun einmal wissen, was ihn dazu gemacht hatte.
      Als sie seinen Kopf an ihren Bauch drückte, fühlte er sich einen Moment lang überrumpelt und riss die Augen auf. Nicht, dass er Widerstand hätte leisten wollen. Es war 25 Jahre her, dass ihn emand derartig zärtlich umarmt hatte. Sachte schloss er die augen und legte eine Hand auf ihren Arm.
      Es musste ihr schwer fallen, nach allem was ihr passiert war.
      "Danke...", murmelte er und seufzte.

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    • Viola

      Für Viola war es erstaunlich einfach, dem Wunsch nachzugeben, zumindest zu versuchen, ihm ein wenig Trost zu spenden.
      Es überwog die Furcht oder gar die Abneigung, die sie hätte empfinden sollen. Nicht eine Sekunde lang, flogen ihre Gedanken zu jenem Tag oder gar zu der Erinnerung an ihren Peniger. Alles, was sie wollte, war ihm eine Stütze zu sein. Jemand, der an seiner Seite Weile, owohl die grausame Wahrheit schwer wie Blei im Raum stand.
      Behutsam verwob sie in einer ihr mittlerweile schmerzlich vertrauten Geste ihre Finger in seinem weißen Haar. Ihre Hände bebten nicht und auch sonst war ihre Haltung gefestigt und entschlossen. Dieses kleine Wort von seinen Lippen, ließ sie den zarten Griff ihrer Arme nur verstärkten. Es schmerzte sie, dass nichts mehr übrig war, außer dieser distanzierten Akzeptanz. Aber immerhin hatte er Jahrzehnte gehabt, um diesen Tag immer und immer wieder in seinem Kopf abzuspielen. Viola wusste, dass dieser Umstand nichts einfacher machte. Es machte nichts erträglicher.
      Die junge Frau fühlte das warme Gewicht seiner Hände auf ihrem Arm. Der Griff war so behutsam, als würde der Elf fürchten, sie zu vertreiben, würde er auch noch für eine Sekunde zu viel Kraft aufwenden.
      Nachdenklich ruhte ihr Blick auf dem Anblick der sich wiegenden Bäume, der sich vor dem Fenster bot.
      "Nichts, was ich sagen könnte, macht ungeschehen, was passiert ist. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn es nichts mehr gibt, für das es sich zu leben lohnt. Ich war an diesem Punkt, viele Male. Und ich kann Euch sagen, aus tiefsten Herzen, dass es viel Stärke und Mut kostet, dennoch einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und ich bin dankbar dafür, für jeden Tag den ihr mit Euch gekämpft habt. Ich hätte sonst nie die Chance bekommen, euch zu begegnen."
      Viola neigte sich leicht vor und legte in einer zarten, liebevollen Geste ihre Lippen an seinen Scheitel.
      "Und es hat die Welt für mich verändert. Ich weiß nicht mehr, wohin ich gehöre. Aber ich weiß, mit erschreckender Klarheit, dass ich nirgendwo anders sein möchte. Und falls es nie jemand gesagt haben sollte, was eine Schande wäre..." Murmelte sie leise an sein Haar.
      "Ich bin stolz auf Euch. Auf den Mann, der ihr heute seit. Dem unfassbares Leid wieder fahren ist und der dennoch immer noch hier ist. Und kämpft. Jeden Tag."
      Viola hatte genug Schicksale mit eigenen Augen erlebt, die diesen Schritt nicht geschafft hatten. Und sie hatte es durchaus ernst gemeint, auch sie war an dem Punkt gewesen, an dem sie gefleht hatte, endlich ihren Frieden finden zu dürfen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari

      Diese kleine Geste nur...
      Es war erstaunlich, wie viele Emotionen in ein paar wenigen Sätzen vorhanden sein konnten, wenn er recht darüber anchdachte. Andvari selbst war nie ein MAnn vieler und tragender Worte gewesen. Die großen Dichter ihres Volkes hatten nichts mit seiner Bauernsprache gemein. Aber dennoch war es schön, Jemanden zu treffen, der diese Sprache offenbar sprach und nicht mal eine Elfin war.
      Er ließ seine Hand wo sie war und hörte ihr schwach lächelnd zu.
      Es war lange her, dass der Elf eine derartige Zärtlichkeit erfuhr. Auch wenn er sich ehrlich fragte, ob es für Viola nicht anstrengend war, ihre Erfahrungen auszublenden und dem Elfen, der sie vor wenigen Wochen noch bedroht hatte, derartige Liebe zu zeigen. Wobei er mit dem Wort Liebe selbst in seinen GEdanken mehr als Vorsichtig umging. Villeicht sollte er es lieber eine Form der Sorge nennen.
      Er spürte ihre weiche Haut unter dem dünnen Kleid und ihren Herzschlag an seinem Ohr. Innerlich musste er zugeben, dass er weder einer Elfen- noch einer Mnschenfrau derart nahe gekommen war. Auch als er einen Kuss auf seinem Scheitel spürte, zuckte er nicht mehr zusammen, sondern schloss für eine Sekunde die Augen.
      Erlaubte sich einen Moment lang, die Szene zu genießen, ehe sie vermutlich aufgelöst wurde. Und auch wenn sein Verstand und sein ganzer Körper nach derlei Zärtlichkeiten hungerten, beschloss er nur schwach zu nicken, um ihr nicht weh zu tun, während sie an seinem Scheitel verharrte.
      Seine Hände drückten ihren Arm leicht un ein schwaches Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
      "Danke", muremlte er. "Das ehrt mich, dass Ihr stolz seid. Ih befürchte nur, dass ich Euren Stolz und Eure liebe Art nicht verdiene. Denn ich tat Schreckliches, um weiter zu machen und meinem Vater nahe zu sein. Und die Verbrechen an Eurem Volk sind da nicht ausgenommen...Ich verdiene nicht, derartige Gesten zu erhalten, denn ich ahbe genug Leben ausgelöscht, um meines zu erhalten und mich lebendig zu fühlen..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Für eine gefühlte Ewigkeit und dennoch unendlich kurz hielt sie ihren Umarmung aufrecht.
      Die vergangenen Woche in Sylvars Obhut hatten in die junge Frau verändert. Die Zeit dort konnte ihr den Schmerz über ihr Schicksal nicht nehmen, sie würde sich der Lüge strafbar machen, wenn sie behauptete, dass die Angst nicht immer noch in ihr wohnte.
      Aber sie hatte ihre innere Balance gefunden, sie wusste mit dem aufkeimendem Gefühl der Furcht ein wenig besser umzugehen. In einem Punkt hatte Sylvar recht behalten, auch wenn er sie nicht von der Last befreien konnte, er hatte sie erträglicher gemacht. Und dennoch war es nicht möglich jedes Mal den Kampf zu gewinnen, so wie am Abend zu vor.
      Die Heilerin würde ihm nicht widersprechen und so nickte sie nur still an seinem Haarschopf, ehe sie sich mit einem Seufzen wieder zu ihrer vollen Größe aufrichtete. Viola hatte das Gefühl, den Bogen bereits zu überspannen. Das Andvari so still vor ihr saß, ließ sie vermuten, dass er es nicht wagte auch nur eine falsche Bewegung zu machen.
      Ruhig löste sie den Griff ihrer Arme um seine Schultern, ehe sie einen umsichtigen Schirtt zurück trat. Nicht zu eilig, um ihm nicht Eindruck zu geben, sie würde aus der Situation flüchten, die sie selbst heraufbeschworen hatte. Aber was hatten die Elfen ihr im Refugium gesagt?
      Ein Schritt nach dem anderen.
      So wie ihre Hände letztendlich von seinen Schultern glitten, rutschte auch seine Hand von ihrem Arm.
      "Ich werde nicht verharmlosen, was ihr getan habt. Das kann ich nicht. Und es liegt nicht in meiner Hand Euch dafür Vergebung oder Absolution zu erteilen. Das könnt ihr nur selbst, Andvari."
      Beiläufig nahm sie noch einmal die Wasserkanne zur Hand und goss ihnen beiden nach.
      "Aber das ändert nichts an dem, was ich Euch am heutigen Morgen sagte. Wir können die Geschichte nicht umschreiben, auch wenn wir es uns noch sehr wünschen. Aber wir können nach vorn gehen. Ein Schritt nach dem anderen."
      Und dann lächelte sie. Ein Lächeln so strahlend, dass ein kleines Grübchen zu erkennen war. Mit funkelnden Augen tauchte sie ihre Fingerspitzen in ihren eigenen, hölzernen Wasserbecher und schnippte ein paar der Tropfen in die Richtung des Elfen.
      "Vielleicht hat Sylvar mir doch ein wenig mehr beigebracht, als nur ein paar Zaubertricks."
      Die junge Frau war sich sicher, dass dort noch mehr war. Unzählige Fragen schwirrten in ihrem Kopf herum. Und wie würde Fragen, zu einem anderem Zeitpunkt. Sie wollte nach den Umständen des Todes der Königing fragen. Die Geschehnisse aus seinem Blickwinkel hören. Sie würde nach den Sieben Schwertern fragen, die Sylvar so ominös erwähnt hatte.
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    • Andvari

      Andvari lächelte,während die Wassertropfen ohne seine Gegenwehr in seinem Gesciht landeten und einen Moment lang dort verharrten, ehe sie wie sie zähflüssige Tränen sein Kinn hinab liefen. Er wischte sie nicht aus dem Gesicht sondern trank dankend das nachgeschenkte Wasser, das noch immer so klar und kalt wie am ersten Tag schmeckte.
      Magie war überall, hatte Fea damals gesagt. Die Frau, die nicht einen Funken derartiger Magie beherrschen konnte. Die Frau, die Steinen Namen gab.
      Und jetzt stand eine Frau vor ihm, deren Lächeln beinahe Pflanzen erblassen ließ.
      Während Viola noch immer neben ihm stand blickte er beinahe schelmisch an, ehe er selbst mit den langen Fingern eine wegschnippende Geste in ihr Gesicht machte. Doch statt Wasser zu schnipsen oder gar Schmerzhaftes, leuchteten vor ihren Augen Lichtfunken auf, die kleinen Glühwürmchen ähnelten.
      Wie eine Lichterkrone tanzten sie um ihren Kopf, während er se sefzend ansah.
      "Einen Schritt nach dem anderen", murmelte er. "Sylvar und seine Schüler haben Euch wahrlich viel gelehrt."
      Er stand langsam auf und blickte sich kurz im Haus um. vielleicht war es Zeit, ein paar seiner alten Werkzeuge hinauf zu holen und ein bisschen Flickwerk zu veranstsalten. Sie würden eine Zeit wohl hier verbringen müssen, ehe die Schwerter beisammen kommen mussten. Auch wenn Andvari noch nicht wusste, weshalb er das wollte. Innerlich brannte ein Feuer seit neuestem, das er nur schwer unter Kontrolle halten konnte. Aber auch hier stellte sich die Frage: Wollte er das?
      "Ich bin gespannt, wohin Euer Weg letztlich gehen wird, Viola von den Menschen. Heilerin", sagte er bedächtig und sah sie lange direkt an. Wenn er darüber nachdachte war es das erste Mal, dass er sie so direkt und beinahe ununterbrochen ansah.
      "Dennoch: Es gibt viel zu tun. Was haltet ihr davon, mir zu zeigen, wie gut Eure Kontrolle in der Magie ist? Vielleicht kann dieser einfache Zimmermann Euch ja ein paar Kniffe beibringen..."

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    • Viola

      Viola beobachtete mit leuchtenden Augen, wie die kleinen Lichtfunken vor ihrem Gesicht tanzten und spielerisch um ihren Kopf herum wirbelte. Winzige Lichtreflexionen spiegelten sich in den tiefgrünen Augen wieder, ehe sie amüsiert kicherte. Es war immer wieder etwas Erstaunliches Andvaris Gabe zu sehen und zu welcher zarten Schönheit, sie sich formen ließ. Dabei wusste Viola genau, dass die Kraft dahinter ebenso zerstörerisch sein konnte. Aber daran verschwendete sie gerade keinen Gedanken.
      Als die tanzenden Lichter langsam verglommen, wandte sie den Kopf in Richtung des Elfen und war beinahe überumpelt von dem klaren, festen Blick der auf sie wartete. Er hatte sie noch nie so angesehen. Und die junge Frau vermochte nicht zu was sich hinter diesem Ausdruck der bernsteinfarbenen Augen verbarg. Aber war das im Augenblick wichtig? Das Kichern verklang und übrig blieb ein warmes Lächeln.
      "Hoffen wir, dass Sylvar nicht allzu beleidigt ist, dass ich mir einen neuen Lehrmeister gesucht habe."
      Etwas Nachdenkliches lag in ihrem Blick.
      "Da gibt es etwas, dass ich später gerne tun würde. Aber ich muss dafür noch etwas vorbereiten. Bis zur Dämmerung bleibt aber noch reichlich Zeit."
      Schmunzelnd wandte sie sich wieder dem Tisch zu und hielt die flache Hand über den noch halb gefüllten Holzkrug.
      Konzentriert schmälerten sich ihre Augen, während sie auf ihre Hand sah, deren Fingerspitzen nach einigen Sekunden ein sanften, bläuliches Schimmern zeigte. Der Krug begann ein wenig zu zittern, bevor das Wasser langsam darin anstieg. Dieses Mal waren es nicht nur kleine Tropfen, die um ihre Hand schwebte. Es war ein glitzernder kleiner Bach der wellenartig zwischen ihren Fingern hindurchglitt wie eine kleine Wasserschlange.
      "Mir bereitet es noch Probleme lange die Form zuerhalten. Sylvar meinte, es läge nicht an meiner Konzentration, sondern ich sollte es mit einem Muskeln vergleichen, der noch nicht ausreichend geübt ist. Ich solle es nicht erzwingen."
      Wie auf Stichwort begann der Wirbel aus klarem Seewasser um ihr Handgelenk, um das jener sich Wand, ein wenig instabil zu werden. Einzelne Tropfen lösten sich bereits und plätscherten auf den Tisch.
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    • Andvari

      Der Elf lächelte ihr zu und nickte.
      "Ihr seid frei hier. Tut was Ihr möchtet. Wenn Ihr etwas braucht, das Ihr nicht findet, gebt mir Bescheid."
      Anschließend beobachtete Andvari ihre Zauberei und kam nicht umhin festzustellen, dass sie für den Stand, dass sie es erst seit einigen Wochen lernte, bereits recht fortgeschritten war. Sicherlich - und da musste er Sylvar Recht geben - konnte man es als Muskel betrachten, der einem die Kontrolle lehrte. Auch den Fluss der Energien und Auren war einem Muskel gleichgesetzt. Aber letztlich blieb es nicht dabei. Es war eine Sache die Kontrolle auszuüben und den Fluss zu kontrollieren, aber wenn man den FLuss nicht zu lesen vermochte, konnte man Jahre damit verbringen besser zu werden.
      "Ich denke, Sylvar wird nicht böse sein. Wir haben vom selben Meister gelernt", grinste er und zwinkerte ihr zu.
      Anschließend trat er, noch während sie zauberte, hinter sie und ging leicht in eine gebeugte Haltund.
      "Erschreckt Euch nicht", murmelte er und legte seine Hand an ihrer Zauberhand.
      Sacht berührte er ihren Unterarm und ließ ihn am Puls der Aura liegen, den er fühlte. Die zweite Hand legte er genau zwischen ihre SChulterblätter, wo er die spitzen Knochen der Wirbelsäule fühlte. Hier war der Strom, den er brauchte. Strom und Puls. Es war einfach, wenn man als Elf aufwuchs. Man kannte den Unterschied. Einem Menschen musste man es anders lehren, da diese ihre Aura selten kontrollieren konnten.
      "Wasser ist ein Element, dass bei Meisterschaft gewaltige Kräfte entwickeln kann"; begann er an ihrem Ohr mit seiner Erzählung. "Es gibt Elemente, die bändigt man mit Kontrolle. Erde und Feuer zum Beispiel. Diese erfordern Kontrolle im Aurafluss und stetige Formgebung, damit sie tun, was man möchte. Wasser und Wind jedoch sind Elemente, denen man mit Kraft nicht beikommen kann. Sie wichen aus, sie entziehen sich der Kontrolle, je mehr man sie herbei ruft.
      Bei Euch sind es Tropfen, die kontrolliert. Sobald es ein kleiner Bach wird, wird schwer. Bei einem kleinen FLuss verliert ihr die Kontrolle. Ihr habt Eure Aura unter guter Kontrolle. Aber vielmehr geht es hier darum, den natürlichen Fluss des Wassers zu spüren und das Element mehr zu leiten, denn zu führen. Zwingt dem Wasser nicht Euren Willen auf. Lasst ihm den Seinen."

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    • Viola

      Für ihr Vorhaben würde sie tatsächlich noch ein wenig Hilfe seinerseits benötigen.
      Den Sinn und Zweck behielt sie allerdings erstmal für sich. Es war nicht viel und sicherlich für ihn kein großer Kraftakt.
      Viola spürte, wie er näher in ihren Rücken trat mehr als das sie seine Schritte hörte. Es war beeindruckent wie lautlos sich die Elfen zu bewegen vermochten. Dagegen fühlte man sich selbst beinahe wie ein tollpatschiges Trampeltier. Bei seiner leisen Warnung nickte die Heilerin in stummer Bestätigung und fühlte die vertraute Wärme in ihrem Rücken.
      Viola versuchte Gelassenheit zu bewahren, als sich seine Hand auf ihre legte und ihrem Arm hinaufwanderte. Der Wasserlauf zwischen ihren Fingern erzitterte in einer kleinen Erschütterung, ehe sie den Fluss wieder stabilisierte. Warm lag die Hand auf ihrem Rücken. Sie wagte es nicht den Blick auch nur eine Sekunde zu lange von der klaren Flüssigkeit zu nehmen. Atem streifte ihr Ohr und auf der blassen Haut bildete sich eine unverkennbare Gänsehaut.
      Die Heilerin lauschte den Worten und als sie die Augenlider senkte, entfloh ein langer Atemzug ihren Lippen. Ihr war nicht bewusst gewesen, dass sie die Luft überhaupt angehalten hatte. Es war bereits ein altbekanntes Spiel, als sie gleichmäßig gegen die Hand zwischen ihren Schulterblättern atmete.
      Noch während Andvari sprach, krümmte Viola behutsam ihre Finger. Die verschütteten Wassertropfen lösten sich von der Tischplatte und kehrten in den Strom zurück um wieder Teil des Ganzen zu sein. Die Verspannung ihrer Hand nahm mit jedem gleichmäßigen Atemzug ein wenig mehr ab und doch spürte sie die Anstrengung bereits. Sie hielt den Zustand bereits länger aufrecht, als bei ihren Versuchen zuvor.
      Viola versuchte blind zu erahnen in welche Richtung sich das Wasser bewegen würde.
      Alles was sie tat, war fühlen. Und schließlich veränderte sich die Haltung ihrer Finger, sachte drehte sie ihr Handgelenk. Sie zwang den Fluss nicht länger in die Richtung, in die sie ihn haben wollte, sondern passte die Bewegung den natürlichen Windungen an. Die Wellen wurden gleichmäßiger, der Wasserlauf wie ein gemächlicher Bach in ihrer Hand.
      Als sie die Augen aufschlug, spürte sie, das es ein wenig leichter wurde, ihre Magie aufrecht zu halten. Andvari hatte Recht. Der Wunsch, ihr erwähltes Element zwanghaft in eine Form zu pressen, hatte sie mehr Energie gekostet, als nötig gewesen wäre.
      Ein triumphierender Laut erklang von ihrer Seite, als das Wasser in ihrer offenen Handfläche einen kleinen Strudel bildete.
      "Das ist unglaublich..." Flüssterte sie.
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    • Andvari

      Für einen Moment hietl auch der Elf den Atem an, als er bemerkte, dass sie regelrecht still fror. Der Bach in ihrer Hand wurde unsicher und gleichsam entließ Andvari seine Energie, um ihren Aurastrom zu stabilisieren. Als Viola wieder zu atmen begann, lächelte er und schloss die Augen. Er berichtete ihr nicht, dass er ihren Aurastrom mit seiner Hand in der Mitte stabilisierte und fütterte. Für einen Moment wollte er ihr das gute GEfühl lassen, ehe er ihr berichten musste, dass etwas nicht stimmte.
      Der Strom normalisierte sich in ihren Händen und selbst seine Hand an ihrem Arm konnte er nun leicht lösen. Er fuhr weiter hinauf bis zum Ellenbogen und hielt dort den Strom aufrecht während er im Gleichklang mit ihr atmete und seinen Puls nach und nach dem ihren anglich. Es fühlte sich merkwürdig vertraut an, die Hand in ihrem Rücken zu halten und den zarten Duft ihrer Haut wahrzunehmen, wärhend er sich konzentrieren musste. Doch auf eine merkwürdige Art und Weise half es ihm, ehe er sie ieder ansah, als sie ihren triumphierenden Laut von sich gab.
      Andvari kicherte leise ehe er die Hand in ihrem Rücken ein wenig lockerte.
      "Das Problem ist nicht die Tatsache, dass ihr die Kontrolle verliert. Sylvar hat Euch leider nicht berichtet und gelehrt, dass es für jeden Akolythen den Zeitpunkt gibt, da seine Aura erwacht und voll einsatzfähig wird. Elfen haben es im Blut und bedürfen keiner Hilfestellung. Aber manche anderen Völker bedürfen Anleitung oder - so wie Ihr gerade - ", sagte er und drückte bei den Worten leicht ihren Arm und ihren Rücken. "...ein wenig Unterstützung. Ich stabilisiere derzeit euren Aurafluss und euer Zentrum. Dadurch erhaltet ihr die Illusion der vollen Kontrolle. Es wird eine Weile dauern, bis Ihr selbstständig dies GEfühl entwickelt, aber es wird kommen."

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    • Viola

      Die Erklärung sorgte keine Sekunde dafür, dass sich Viola um ihren scheinbaren Erfolg betrogen fühlte.
      Es wäre auch zu einfach gewesen, so schnell zu erlenen, wofür andere Jahre brauchten. Das Lächeln auf ihren Lippen strahlte nichts aneres als Zufriedenheit aus. Sie ertappte sich selbst bei dem stillen Gedanken, sich gut und gerne an diese Art des Unterrichts gewöhnen zu können. So fühlte sie sich Andvari auf eine andere Art verbunden.
      Der wirbelnde Storm in ihrer Handfläche entschleunigte sich langsam aber stetig, ehe er wieder schlangenartig durch ihre Finger glitt.
      Ganz sachte wandte sie ihren Kopf zur Seite, dort wo die Stimme und der Atem des Elfen ihr Ohr streiften. Nur wenige Millimeter und ihre Nasenspitze hätte seine Wange gestreift.
      "Eine Illusion, hm?" Amüsiert hob sich eine ihrer Augenbrauen geschwungen in die Höhe.
      "Ich denke wirklich ernsthaft darüber nach Euch das gesamte Wasser über den Kopf zu gießen."
      Eine scherzhafte aber durchaus leere Drohung. Sie stand fiel zu nah und würde mindestens die Hälfte des kalten Seewasser selbst abbekommen. Viola verspürte nicht den Wunsch, sich noch einmal umzuziehen.
      Den Blick erneut nach vorne gerichtete, führte sie den Wasserstrom bedächtig zurück, bis ihre Hand erneut über der Kanne schwebte. Mit Hilfe des Elfen landete alles bis auf den letzten Tropfen wieder in dem Gefäß, ohne dabei den Tisch mit einer kleinen Sinnflut zu übergießen. Viola lauschte dem gemächlichen Plätschern, ehe die Oberfläche zum Stillstand kam.
      "Danke. Für die Hilfe. Mir fällt es immer noch schwer zu glauben, dass ich überhaupt einen Funken Magie zustande bringe. Ich wäre auch glücklich gewesen, für den Rest meines Lebens nur kleine Tropfen bewegen."
      Viola verspürte nicht den Wunsch, sich schon fortzubewegen und ließ die Hand nur langsam sinken, als zögerte sie den Augenblick heraus.
      "Da gibt es noch etwas." Sprach sie mit ruhiger Stimme weiter. "Ich kann beinahe jegliche Wasserquelle, und sei sie noch so winzig, als Medium für meine Heilkräfte nutzen. Im Augenblick brauche ich das Element noch, um diese Art der Magie zu lenken, auch wenn Sylvar meinte ich würde irgenwann kein verbindenes Medium mehr brauchen. So konnte ich auch Eure Wunden schließen."
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    • Andvari

      Selten war ihm eine Frau so nah gewesen. Sicherlich war es der Situation geschuldet und er bildetete sich gern viel ein, aber mit einem Mal ihre Nähe derart bewusst zu sein, ließ ihn doch ein wenig aus dem Konzept geraten.
      Bei ihrer scherzhaften Bemerkung musste er grisen und zwinkerte ihr zu.
      "Versucht es gern", sagte er. "Aber beschwert Euch nicht, wenn Ihr nass werdet!"
      Der Elf lachte dabei und fuhr sich anschließend durchs Haar während der beginnende Tag wie ein Verräter durch die Ritzen des Hauses und die Fenster schien. Es versprach, ein schöner Tag zu werden und Andvari hatte irgendwie Gefallen gefunden, sie in der Kunst der Magie zu unterrichten. Auch wenn er selbst kein guter Lehrer sondern ein besseres "Werkzeug" war, wie Sylvar immer sagte. Seine Fähgikeit erlaubte ihm die Stabilisierung des Auraflusses und so würde er zur größten Stützte eines Schülers.
      "Das habt Ihr gut gemacht", lobte er sie und ließ schließlich ihren Arm und den Rücken los. Aus einem ungewöhnlichen Drang heraus widerstand er dem Hang, sofort wieder nach ihr zu greifen und atmete tief durch, ehe sie wieder zu sprechen begann. "Jeder Funke kann ein Feuer werden. Und mit etwas Hilfe vielleciht sogar ein Waldbrand. Ihr werdet sicherlich viele Erfolge erreichen."
      Als sie von ihren Fähigkeiten hinsichtlich des Wassers sprach, zog er beeindruckt die Augenbrauen hoch, während er einen Schluck Wasser trank.
      "Wirklich? Das ist beeindruckend, Viola. Ihr solltet diese Art der Heilung defintiiv kutlivieren. Ich habe selbst keine Ahnung davon, aber ich glaube, es ist fantastisch, was Ihr bereits seit dieser kurzen Zeit auszurichten vermögt. Und vielleicht muss ich Eure Hilfe bald in Anspruch nehmen. Es wäre Zeit, meine eigenen Fähigkeiten ein wenig zu erproben, sofern es wieder zu Kämpfen kommt."
      Andvari sah stumm hinaus zum See und seufzte. Er hatte dlang nicht mehr trainiert und auch nur ansatzweise etwas mit Licht beschworen. Konnte er vielleicht...
      "Begleitet mich doch. Vielleicht fallen mir noch weitere Übungen ein"; grinste er und stemmte die Hände indie Hüften.

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