[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    • Von der anfänglichen Runde waren nach Stunden des gemütlichen Gesprächs lediglich Aradan, Renera, Araja, Valterri und Reshli übrig, während letzterer kaum zählte, weil er die meiste Zeit schwieg und finster dreinblickte. Erst als Araja sich offenherzig von ihnen verabschiedete und eine gute Weiterreise wünschte, im Falle, dass sie sich nicht mehr begegnen würden, zeigte er immerhin eine Regung, indem er ihr grimmig hinterherstarrte.
      Der Rest wünschte sich eine gute Nacht, ehe sie die restlichen Flammen löschten und sich nacheinander in ihre Zelte verzogen. Renera folgte ihnen, ehe sie sich vor ihrem Zelt noch einmal umdrehte und beobachtete, wie Aradan zurück zur Kuhle schlenderte.
      Sie könnte sich zu Khil legen, die den ganzen Abend ihren unergründlichen Gedanken nachgehangen hatte und schon seit zwei Stunden fest am schlafen war und sie könnte sich auch schlafen legen. Sie fühlte sich müde, erschöpft sogar von einem irrsinnig langen Tag, der kaum enden gewollt hatte und sie brauchte den Schlaf - aber sie waren allesamt eh schon viel zu lange aufgeblieben. Der Sonnenaufgang war nur ein paar Stunden entfernt und sie wäre am nächsten Tag sowieso müde. Sie konnte auch noch ein wenig mit Aradan plaudern.
      Sie dachte etwa zwei Sekunden über beide Optionen nach, ehe sie wieder vom Zelt wegging und ihm nachschlenderte. Er hatte sich in die Kuhle gesetzt und blickte in den Himmel hinauf. Sie machte extra ein paar Geräusche, als sie sich ihm näherte.
      "Hey, Ara."
      Sie grinste. Es war merkwürdig, ihn so zu nennen, aber es fühlte sich in dieser Umgebung richtig an, als würde der Geist von Melora sie umgeben.
      Aber mehr sagte sie nicht. Sie konnte das Mondlicht in seinen blauen Augen glitzern sehen, als sie sich ihm näherte und sie lehnte sich auf den Zaun, den die Kuhle umgab. Ihr Blick schweifte von seinen Augen weg zu den schemenhaften Gestalten an den Palisaden und wenn sie sich konzentrierte - sehr kräftig konzentrierte - konnte sie fast den Fluss von Melora rauschen und die Eulen im Wald rufen hören. Dann glaubte sie ein tief verankertes Gefühl heraufzurufen, ein Gefühl von Ruhelosigkeit, als hätte sie zu jeder Zeit noch einen unerledigten Auftrag oder eine Aufgabe, um die sie vergessen hatte sich zu kümmern. Als sie wieder auf Aradan blickte, glaubte sie für den Bruchteil einer Sekunde, dass er um 20 Jahre jünger geworden war.
      "Du spürst es auch, oder?", wisperte sie gerade so laut, dass es lauter als das Rauschen der entfernten Bäume war. "Den Geist von Melora? Das Dorf mag vielleicht zerstört sein, aber der Geist kann auch woanders weiterleben."
    • "Ara.."
      Aradan lächelte verlegen, sah aber weiterhin in den Nachthimmel hinauf.
      Dann überkam ihn ein Schauer der seinen Rücken hoch kroch wie eine Kolonie Ameisen. Er hatte in diesem Moment exakt das Gleiche gedacht was Renera ausgesprochen hatte. Keine Sekunde später hätte er sie ebenso gefragt ob sie es spüren kann. Langsam war er sich sicher dass all dies kein Zufall mehr sein konnte, was ihn dazu brachte aufzustehen um zur Umzäunung zu gehen, auf welche sich Renera lehnte. Etwas davor blieb er stehen um die Unterhaltung weiterhin im Flüsterton fortsetzen zu können. Dabei fixierte er die Augen seiner "Kindheitsliebe" und nickte.
      "Ich habe dieses Gefühl seit wir uns am Fluss Melora's wieder begegnet sind. Es ist jedoch nicht mehr so leicht zu verdrängen seit wir hier angekommen sind. Erinnerungen, Gefühle, ja sogar Gerüche kommen zurück als wären es Minuten her in Melora gelebt zu haben."
      Er sah sich in seine Handfläche hinein und legte seinen Kopf verträumt an
      "Als du heute meine Hand genommen hast.. obwohl du diese Berührungsängste hast.. ich habe dich in diesem Augenblick gesehen wie damals, als du das aller erste Mal meine Hand ergriffen hast."
      Ein glückseliges tiefes ausatmen füllte die Stille bis er wieder zu Renera auf sah
      "Ich werde diese Gefühl niemals vergessen. Ehrlich gesagt.. Haben mich so manche Gefühle bereits vom Wahnsinn fern gehalten und sie alle stammten von unserer gemeinsamen Zeit. Als hätten wir damals in Melora Grundsteine gelegt dass mich meine künftige Reise nicht zerbrechen wird."
      Traurigkeit lag in seiner Stimme, als hätte er einiges tief in sich, was er nie wem erzählte. Dennoch wirkte es als wäre er glücklich, zumindest in diesem Moment.
      Doch wollte er diesen ruhigen Moment nicht mit Traurigkeit füllen, so lehnte er sich von seiner Seite des Zauns aus mit dem Rücken dagegen um in die selbe Richtung wie Renera zu blicken.
      "Solange wir zwei existieren, wird der Geist von Melora in uns weiter leben. Wir haben gar keine Wahl als zu überleben hm?"
      Er lächelte ihr nun entgegen und wagte sich ganz vorsichtig seine Hand auf Ihre zu legen, welche auf dem Zaun ruhte. Bei dem geringsten Zeichen hätte er sie wieder zurück genommen, doch brannte das Verlangen in ihm diese nun zu ergreifen.
    • Am Fluss von Melora - das waren schöne Zeiten gewesen. In gewisser Weise war es ihr eigener Fluss gewesen, der einzige Ort in Melora, an dem sie ihre Freiheit hatten genießen können - zumindest solange keine wahnsinnige Fijena ihnen über den Weg gelaufen und sie auseinandergerissen hatte. Was wäre wohl passiert, wenn Reneras Mutter nichts gegen Aradan einzuwenden gehabt hätte? Wäre sie dann womöglich sogar mit ihm nach Tharynar gegangen? Hätten sie sich dann irgendwo zusammen ein Zuhause gesucht, wäre sie mit ihm in den Osten gegangen? So viele Möglichkeiten, aber sie hatten die einzige gewählt, in der sie zwanzig Jahre lang ein eigenes Leben geführt hatten, nur um dann doch wieder zusammenzufinden. Im Grunde waren es zwanzig verschwendete Jahre.
      Renera musterte Aradans Seitenprofil, so wie er sich neben ihr an den Zaun lehnte. Wenn sie sich nicht allzu stark auf seine erwachsenen Konturen konzentrierte, konnte sie sich in dem schwachen Licht tatsächlich einbilden, dass er noch wie damals aussah, mit dem unschuldigen Blick in den Augen und dem weichen Kinn, auf dem sich bereits erste Anzeichen von Bartstoppeln zeigten. Natürlich war es Einbildung, eine bloße Illusion die durch das dämmrige Mondlicht verstärkt wurde, aber sie konnte sehr gut nachempfinden, was er vorhin gefühlt haben mochte - sie fühlte das gleiche.
      Ihre Hände berührten sich erneut und er lächelte ihr entgegen. Sie wusste, dass er Rücksicht auf sie nahm und genau wegen der Absurdität dieser Tatsache hätte Renera laut auflachen können. Täglich starben tausende Menschen, nicht wenige davon durch die Hände anderer Menschen, die Welt drehte sich weiter, aber Aradan, der gute Aradan, hatte noch immer einen Beschützerinstinkt wie vor zwanzig Jahren. Egal was nur kommen würde, ob Mensch oder Kreatur, er würde dafür sorgen, dass es Renera als erstes gut ging, bevor er sich um sich selbst kümmerte. Es war so natürlich mit ihm verwachsen wie ein Mensch eben zwei Arme und zwei Beine besaß.

      Sie wusste genau, was sie tat, als sie seine Hand ergriff und sich zu ihm hinüberbeugte. Sie zerbrach sich darüber nicht einmal den Kopf, als sie die Entscheidung fällte, und sie bekam auch keine Gewissensbisse, als sie ihm so nahe kam, dass die Illusion des jungen Aradan verblasste und an seiner Stelle der erwachsene Aradan trat mit dem vom Leben gezeichnetem Körper und den noch viel helleren Augen. Es durchfuhr sie wie ein Schlag, der sie vorantrieb und sie ließ sich von dem Gefühl treiben, als sie ihre Lippen auf seine legte, genau so wie damals am Fluss, genau wie der Anfang von etwas wunderbarem. Er schmeckte nach Wein und das prägte sich in ihrem Gehirn ein, genau an der Stelle, an der der Anblick seiner blauen Augen ruhte.
      Aber das Gefühl dauerte nicht lange, ehe die Realität sie eingeholt hatte und sie wieder von ihm wich. Sie hatte Khil vergessen - zum zweiten Mal an diesem Tag hatte sie Khil vergessen. Und mehr noch als das, sie hatte Aradan vor zwei Tagen erst wiedergesehen und jetzt verhielt sie sich wie eine unschuldige Jugendliche. War das etwa ihr neuer Maßstab, dass sie mit jedem Mann nach zwei Tagen herummachte, als wären sie 18? Hatte sie in all den Jahren zuvor etwa doch nichts gelernt? Musste sie alles nochmal wiederholen?
      Der Wein, am Wein musste es liegen. Das war es sicherlich, sie hatte zu viel Wein getrunken.
      "Entschuldige. Das... war nicht richtig."
      Sie unterdrückte das aufkommende Gefühl, dass es sich aber durchaus richtig angefühlt hatte und wich seinem Blick aus. Dann stopfte sie sich aus reiner Gewohnheit die Hände in die Taschen, damit sie sie nicht doch verraten würden und musterte den Kies am Boden.
      "Wir sollten schlafen gehen, wenn wir morgen weiterfahren."
    • Noch in Gedanken verfallen, was die Zukunft wohl bringen würde und dass er sich jeder wohl kommenden Zeit mit Renera gewachsen fühlte, mehr noch als mit seiner starken Truppe, wiederholte sich plötzlich das was bereits in seiner Kindheit passierte. Genau so unerwartet und schnell wie damals, fühlte er sich unbesiegbar, mächtig wie ein Gott und verletzlich wie ein dürrer Zweig eines verdorrten Baumes als Renera sich dazu entschlossen hatte ihm zum zweiten Mal in deren Leben ihre Lippen auf seine zu legen als würde sie damit ein Sigel setzen wollen. Ein Sigel welches beide ohne jedes Wort verstehen und ehren würden.
      Aradan gab sich dem Geschmack und der Wärme ihrer Lippen vollkommen hin als wären diese eine süße verbotene Frucht die er seit seiner Kindheit vermisste. Genau so kam es auch dazu, dass er ihre Entschuldigung ignorierte und sich gänzlich seiner Vernunft beraubt zu ihr wandte. Sein Arm machte eine schnelle Bewegung zur Seite als hätte er ein Schwert gezogen, welche das Stück vom Zaun, welcher die Beiden noch trennte, einfach in kleinen funkelnden Lichtern auflöste, als bestände dieser Teil nun aus Glühwürmchen, welche in den Boden hinein flogen und bei Kontakt augenblicklich die Gräser empor sprießen ließen.
      Zugleich ergriff Aradan verlangend und dennoch zärtlich die weg gezogene Hand von Renera um diese wieder an sich zu ziehen, sie wortlos zu umarmen um wieder ihre Lippen auf seinen zu spüren. Er schloss dabei seine Augen und legte seine Arme vorsichtig um Renera, hoffend dass dieser Moment nie wieder ein Ende finden müsste wie es damals in Melora der Fall war.
    • Genauso schnell wie sich Renera von ihm entfernt hatte, hatte Aradan wieder mit einem atemberaubendem Kunststück zu ihr aufgeschlossen. Es blieb ihr kaum genug Zeit eine zweite Ausrede zu formulieren oder sich schließlich doch auf den Wein zu berufen, der ihr angeblich die Sinne benebelte, als er sie in den zweiten Kuss hineinzog. Seine Bewegungen waren von Leidenschaft geprägt, die sie am ganzen Körper spüren konnte, aber die er unter seinem Beschützerinstinkt im Zaum hielt. Sein Kuss war verlangend, aber nicht aufdrängend, seine Hände fuhren über ihren Rücken, hielten sie aber nicht. Die Sicherheit, die er ihr gab, ließ sie in den Augenblick hineinschmelzen und sie vergaß, woran auch immer sie vor einer Sekunde noch gedacht hatte. Für den Moment zählte nur sein Atem auf ihrer Haut und sein Körper, an den sie sich nun doch drängte. Sie spürte seine Muskeln unter der Haut spielen, spürte die Anspannung in seinem Oberkörper und wie sich sein Nacken unter ihrer Hand verhärtete, wenn er den Kopf wandte. Sie erfuhr all das wie ein Orkan aus Gefühlen, der sie umrauschte und zu fällen drohte. Und in diesem Wirbel stieg langsam, wie ein schwarzes Loch, die Angst empor.
      Nicht die Angst, um das was geschehen war, sondern um das was kommen mochte. Sie sah Khil vor sich in ihrer ashkenischen Robe, die hinten kürzer und vorne länger war und die mit einem Ausdruck unverblühmter Neugier von der anderen Seite des Kampfplatzes herübergesehen hatte. Sie war aus der Menge nicht hervorgestochen, Khil stach nirgends hervor, aber die Unschuld in ihrem Blick hatte sie ergriffen. Khil, die noch nie eine Waffe in der Hand gehalten und noch nie einer Kreatur gegenübergestanden hatte. Khil, die ihr Vertrauen in sie steckte.
      "Aradan", murmelte sie in seine Küsse hinein und das Wort wurde durch seinen Mund gedämpft. Er schmeckte noch immer nach Wein und außerdem roch er auch so und außerdem roch er dennoch irgendwie so, wie sie es in Erinnerung hatte, obwohl das natürlich vollkommen unmöglich war. Sie zwang sich dazu sich von ihm wegzuschieben, die Wärme seines Körpers zu verlassen und fast wünschte sie, dass er sie aufhalten würde, dass er doch gewalttätig werden würde, denn das würde ihr eine Ausrede dazu geben, sich ihre Gefühle nicht eingestehen zu müssen. Dann könnte sie ihn genauso wegschieben wie alle anderen auch.
      Aber natürlich wurde er nicht gewalttätig. Aradan war schließlich Aradan.
      "Ich kann nicht."
      Sie wich aus seiner Reichweite, nicht aus Angst vor ihm, sondern um nicht doch der Versuchung nachzugeben hier und jetzt zwanzig Jahre der Trauer und Einsamkeit nachzuholen. Nur eine weitere Berührung von ihm und sie würde ihm ganz verfallen, dann würden nur die Kreaturen - und vermutlich die Nachtwachen - wissen, was sie als nächstes anstellen würde.
    • Nach einer ganzen Weile lösten sich die Lippen beider, welche beide den Druck der Sehnsucht verfallen waren, doch kam die Trennung mehr seitens Renera, was Aradan nicht hoffte erleben zu müssen, doch drückte sie sich tatsächlich spürbar von ihm, was zur Folge hatte dass er sofort seine Arme von ihr löste. Seinen Namen dann zu hören, folgend der letzten drei Worte, war für ihn wie ein Befehl der Welt selbst. Egal was er wollte, in diesem Moment gab es nichts wichtigeres für ihn als all die gelöste Freiheit und das Glück wieder in Ketten zu werfen und in sich zu vergraben.
      Auf seinem Gesicht setzte sich ein ernster Blick der Renera's Augen nach unten hin mied, ähnlich eines unterwürfigen Soldaten vor seinem König, welcher ihm den Befehl gab in die aussichtslose Schlacht zu ziehen. Er akzeptierte es und verstand es zugleich. Was glaubte er nur zu erreichen? Renera war eine gepeinigte Seele, vom Leben gepeinigt und vermutlich so verletzt, dass selbst er niemals ihre Wunden heilen könnte. Ihrem Kuss nun so verfallen zu sein, sich nicht daran gehalten zu haben was er ihr versprach indem er ihr einen zweiten aufzwang, würde er so schnell nicht mehr vergessen. Sein Körper wollte in diesem Moment nichts mehr als ihr einen dritten zu geben, doch brannten sich ihre letzten Worte wie ein glühendes Eisen auf seine Brust jedes mal wenn er sich ihr hingeben wollte.
      "Bitte verzeih. Ich weiß, du hast es nicht leicht gehabt. Ich wollte dir gegenüber keine Schwäche zulassen."

      In diesem Moment verdorrten die erschienenen Gräser auf dem Boden und Aradan selbst kniff kurz die Augen zusammen als hätte er Schmerzen. Er hielt sich den Kopf und wankte plötzlich, fiel beinahe auf die Knie bis er sich inmitten wieder fing und kurz darauf aufrecht stand.
      "Keine Sorge. Es geht. Ein schwacher Moment. Du weißt schon"
      Ein jeder der Aradan kannte, wusste wohl sofort dass er das Zwielicht ansprach. Schwache Momente konnte er sich beinahe nie erlauben, sofort würde die Gefahr bestehen die Kontrolle an einen der Geister zu verlieren, insbesondere der lauernden Minerva, welche als einzige solche körperlichen Reaktionen hervor rufen konnte, doch hatte Aradan schnell genug von Sehnsucht auf Disziplin umgeschaltet um dieser keine Chance zu geben.

      "Was treibt ihr da?!"
      Ertönte eine raue Stimme von den Palisaden. Eine der Wachen hatte bemerkt dass wohl was nicht ganz mit Aradan zu stimmen schien. Eine Andere rief kurz darauf
      "Da ist was faul! Der Zaun ist verschwunden, ich habs genau gesehen!"
      Glücklicherweise war diese Wache schon beschwipst, was die Glaubwürdigkeit in Grenzen hielt, dennoch waren die aufmerksamen Wachen noch leicht angespannt. Vereinzelt hielten auch schon welche den Bogen im Anschlag.
    • Aradan akzeptierte Reneras Entscheidung und zum ersten - und wahrscheinlich einzigsten - Mal in ihrem Leben wünschte sie sich, dass er es nicht tat. Sie wünschte sich, dass er sie bedrängen würde, dass er nicht aufgeben würde, dass er irgendwie in ihren Augen ablesen mochte, dass es sie geradezu nach ihm verzehrte, dass sie nichts anderes wollte als sich wie 13 zu fühlen, als sie zusammen am Fluss gelegen und in den Himmel geblickt hatten. Dass sie die Zeit zurückdrehen wollte.
      Aber Aradan konnte perfiderweise nur Zäune in Luft auflösen lassen, er konnte keine Gedanken lesen. Und noch viel weniger konnte er gegen seinen Beschützerinstinkt handeln - genauso wenig wie Renera gegen den Teil in ihr handeln konnte, der sich wie ein schützender Kokon um sie geschlossen hatte, um sie vor weiterem Schaden zu bewahren. Das war der Teil, der Khil liebte und der dafür sorgte, dass sie mit erhobenem Kopf marschierte um aller Welt zu zeigen, dass sie, Renera Elquin, trotz ihrer Narben nicht gebrochen worden war. Das war eben auch der Teil, der verhinderte, dass sie sich Aradan ein drittes Mal näherte.
      Ein plötzlicher Schwächeanfall überfiel ihn, der ihn in die Knie zwang und Renera riss sich aus ihren Träumereien heraus. Sie hatten sich genug wie Teenager verhalten, jetzt war es wieder Zeit zur Realität zurückzugehen, dieselbe Realität, in der sie sich nicht von blauen Augen und strubbeligem Haar verführen lassen würde. Ihr Wille würde alles wie ein eisernes Schild von ihr abprallen lassen und sie würde dieses Schild fest vor ihren Körper halten, damit auch sicherlich nichts daran vorbeikam.
      Sie war bereit dazu Aradan zur Hilfe zu kommen, aber so schnell wie sein Anfall gekommen war, war er auch wieder weg. Stattdessen schien ihr Zusammentreffen nun die Nachtwachen aufzuschrecken und sie wandten sich ihnen mit ungerechtfertigtem Argwohn zu. Renera drehte sich zu den schemenhaften Gestalten um, die sich undeutlich im Mondlicht von den Palisaden abhoben. Die eine lallte ein wenig - war sie etwa betrunken? Der Hauptmann in Melora hätte sowas nie geduldet.
      "Wir sind's nur", rief sie zurück, obwohl sie nicht wusste, ob sie sie auch kannten. "Und das mit dem Zaun sollte jemand Araja sagen, ich wäre fast runtergefallen! Das ist gefährlich!"
      Sie hoffte, dass niemand auf den Gedanken kam, dass sich der Zaun tatsächlich in Luft aufgelöst hatte. Aber das wäre auch eine wahnsinnige Behauptung, oder nicht? Zumal es dunkel war und keiner würde doch einer angetrunkenen Wache glauben, dass der Zaun vor seinen Augen verschwunden war.
    • Es war eine willkommene Situation für Aradan dass die Wachen sich einmischten. Unbehagliches Schweigen wäre wohl sonst eingekehrt. Groß etwas zu der offensichtlich betrunkenen Wache konnte er aber nichts sagen, dieser würde wohl ohnehin nicht geglaubt werden.
      "Wir gehen wieder zu unseren Zelten, kein Grund für Waffengewalt"
      Meinte er anschließend beschwichtigend, was auch glücklicherweise die Situation entschärfte. Es schien als wären diese Wachen ziemlich nervös. Vermutlich wurden sie diesem Dorf zugeteilt und waren es nicht gewohnt von Palisaden aus für Sicherheit zu sorgen. Möglicherweise waren es ganz normale Wachen aus einer befestigten Stadt oder dergleichen, warum sonst sollten sie so leicht reizbar auf das Innere des Dorfes zielen. Es war immerhin nicht so als hätte die Truppe groß gefährlich gewirkt, bis auf Valterri vielleicht.
      Aber warum sollte man über diese Sache groß Gedanken verlieren. Als die Situation sich geklärt hatte, tat Aradan das einzige was nun sinnig war.
      "Ich.. Wünsche dir eine angenehme Nacht."
      Sprach er dann wieder leise und entschlossen zu Renera ehe er sein Zelt aufsuchte ohne ihr in die Augen zu blicken. Er würde darin für eine Weile nachdenken müssen, was er dann auch tat.
      Im Zelt fand er nach einfach keine Ruhe. Zu viele Gedanken plagten ihn und jedes Mal wenn er versuchte sich zu konzentrieren, kam ihm dieser Kuss in den Kopf.
      So warf er seine Decke von sich und setzte sich auf. Er ging in eine meditative Position über und atmete mehrere Male tief durch um an den einzigen Ort zu gehen der ihm nun auf andere Gedanken bringen könnte. Das Zwielicht.

      Schnell war er dort.
      Zu aller erst stärkte er den etwas vernachlässigten Bann in sich um die vereinzelten Geister wieder in weite Ferne zu rücken. Von Minerva oder gar der anderen Geisterfrau war keine Spur. Vielleicht war es ja dieses mal möglich Kontakt mit dieser fremden Gestalt aufzunehmen. So konzentrierte er sich stark auf den Stimmton an welchen er sich erinnerte und hielt seine Hand nach vorne um ein kleines Gebiet vor sich von seinem Bann frei zu machen.
      "Wer auch immer du bist. Bitte versuche dich mir zu zeigen. Ich brauche Antworten."
      Seine Fähigkeiten konzentrierten sich mit aller Kraft auf die Energie welche er fühlte als das Feuer ihn getroffen hatte. Ob es klappen würde stand jedoch noch in den Sternen da er noch nie bewusst versucht hatte einen Geist in sich herauf zu beschwören.
    • Die Wachen ließen sich schnell beschwichtigen und Aradan und Renera gingen getrennter Wege, ohne sich dabei großartig in die Augen zu blicken. Sie verhielten sich tatsächlich wie Jugendliche, was man eigentlich hätte mit Humor nehmen können, wenn es keinen solch düsteren Unterton gehabt hätte.
      Renera kroch in das gemeinsame Zelt, in dem sich Khil auf dem Boden zusammengerollt hatte und fest schlief. Renera, geplagt von Schuldgefühlen, schob sich in das enge Zelt über sie und nahm Khil beim Handgelenk. Wenn sie schlief, war die Gelehrte stets wie ein schlechter Knoten - man musste nur an einem Ende daran ziehen und schon entrollte sie sich von selbst. Tatsächlich regte sie sich, kaum als Renera ihren Arm zur Seite schob, entknotete sich und streckte sich, murmelte im Halbschlaf und versuchte sich dann auf die andere Seite zu drehen. Renera verhinderte es mit ihrem eigenen Körper, übersähte Khils Gesicht mit Küssen und zog ihr die Decke vom Leib, was Khil mehr und mehr aufweckte und sie mürrisch grummelte.
      Aber es war nicht dasselbe. Renera fühlte nicht, wie sie bei jedem Kuss dahinschmolz und sie spürte auch nicht das Verlangen, das sie zu überwältigen drohte - sie spürte etwas, das war sicher, aber es war nicht so tief in ihr verankert. Es glich eher einem Funken, während Aradan ein Feuer-Inferno entfacht hatte.


      Das Zwielicht war so dunkel und abgeschieden wie immer. Die dunklen Gestalten am Rande seiner Barriere tummelten sich dort so eifrig wie jedes Mal und manche von ihnen gaben auch animalische Geräusche von sich, die der der Geisterfrau nicht unähnlich klangen. Aber sonst blieb es dunkel.
      Aradans Zauber versetzte seine Umgebung in Aufruhr, aber mehr schien er zuerst nicht zu bewirken. Seine Haut glühte, das Licht, das ihn im Zwielicht umgab, war stärker denn je, eine Einladung an alle Wesen magischen Ursprungs, ihn zu ergreifen und seine Macht in sich aufzunehmen. Er war das Leben selbst, eine Brücke zu Licht und Farben und einer Existenz. Die dunklen Gestalten gerieten in Aufruhr.
      Aber seine Einladung galt nur einem einzigen Wesen. Es dauerte fünf Minuten von Aradans vollster Konzentration, bis sich tatsächlich etwas veränderte. Die Luft flirrte, ähnlich wie beim ersten Mal, und fing dann an, sich an einer Stelle zu verzerren, als würde sie dort in ein Vakuum gesaugt werden. Dann begann sie sich auch um Aradans Hand zu verzerren und zog an seinem Geist an wie mit einem Seil, das sie ihm in die Hand gelegt hatte. Sein eigenes Licht bog sich in die Richtung der schwirrenden Luft und dann formten sich langsam und träge die Umrisse eines Menschen, ein Kopf mit Schultern, einem Torso und zwei Armen und Beinen. Es dauerte weitere, quälende Minuten, in denen die Luft sich von Aradan ernährte, ehe eine vollständige Gestalt zum Vorschein kam. Eine Gestalt die in der Luft schwebte.



      Der Mann trug eine farblose Robe, die an allen Seiten zerschlissen war und sich um ihn herum aufbauschte. Das wirre, ungewaschene Haar wölbte sich um seinen Kopf herum auf, genauso wenig von Gravitation ergriffen wie der Rest von ihm und flog in alle Richtungen. Er hing ein wenig schief und außerdem war er halb durchsichtig.
      Sein Blick wanderte über Aradan hinweg, als hätte er ihn nicht gesehen und wanderte weiter, ruhelos, über seine Umgebung. Dann riss er plötzlich den Kopf ruckartig herum und sah Aradan doch direkt an.
      "Oh."
      Es war dieselbe Stimme wie noch vor ein paar Stunden, aber selbst jetzt, als er einigermaßen körperlich anwesend war, klang sie weit entfernt.
      Er verharrte ein paar Sekunden mit seinem Blick auf Aradan, dann kehrte eine merkwürdige Trübheit in seine Augen und er schien Aradan wieder nicht mehr wahrzunehmen. Stattdessen wanderte sein Blick ganz langsam in den Himmel empor und er legte den Kopf in den Nacken und murmelte Unverständliches. Er hing nicht bewegungslos in der Luft, stattdessen wirkte es so, als könnte der kleinste Windhauch ihn ergreifen und mit einer Brise bis auf die andere Seite der Welt befördern.
    • Aradan beobachtete genau was sich in dem kleinen Kreis auf tat, welchen er speziell für den einen Geist eröffnet hatte. Als dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, etwas passierte, stand Aradan sofort auf und machte sich auf alles mögliche gefasst was er bisher im Zwielicht erfahren hatte, doch war ein plötzlicher Sog dann doch was neues.
      Kurz darauf erschien dann tatsächlich eine Gestalt die sich erst langsam zu einem menschlichen Wesen formte. Mit gespitzten Augen betrachtete Aradan dieses Geschehen vor sich und wartete ab was dieser neue Geist nun tun würde. In seiner rechten Hand formte er aber bereits einen Bann Zauber. Für den Fall dass auch dieser Geist böswillig war. Doch erneut passierte etwas vollkommen unerwartetes. Dieser Geist... er ignorierte Aradan? Nur ein kurzer, ruckartiger Blick traf ihn, doch dann schwebte er weiter umher. Aradan sah diesem seltsamen Geist hinterher bis er versuchte mit diesem in Kontakt zu treten.
      "Bist du der Geist der mich ins Leben zurück holte? Wie ist dein Name"
    • Der Blick der Gestalt wanderte wieder unerträglich träge hinab zu Aradan und dann schien er ihn zwar zu betrachten, aber gleichzeitig auch durch ihn hindurch zu sehen. Sein Geplapper erstarb und er richtete sich neu in der Luft aus: Sein Kopf drehte sich zur Seite und mit ihm sein ganzer Körper, als habe diese eine Bewegung genug Momentum erzeugt, um seine ganze Gestalt mit sich zu ziehen.
      "Ich bin?", fragte er lauter und ließ den Blick über die dunklen Gestalten in der Ferne schweifen. Allerdings war nicht zu erkennen, ob er sie tatsächlich sah.
      "Bin? Ich?"
      Dann, so wie vorhin, wandte er sich plötzlich ruckartig wieder Aradan zu und die Trübheit in seinen Augen war verschwunden. Sie wirkten sogar heller, als sie in das Licht blickten, die Aradan verstrahlte.
      "Ah."
      Er kam auf Aradan zugeschwebt, aber diesmal wirkte es beabsichtigt. Sein ganzer Körper bewegte sich auf ihn zu und die Haare und die Robe flatterten träge hinterher nach. Er blieb wenige Zentimeter vor Aradan in der Luft stehen.
      "Du bist tatsächlich. Ich bin auch. Was für ein Zufall, nicht wahr?"
      Er streckte die Hand nach Aradan aus, aber sie blieb in der Luft stehen und hing dort unbeweglich. Er betrachtete seine durchscheinende Hand und sah dann wieder auf Aradan hinab.
      "Mein Name? Man nennt mich vieles, aber nur wenn ich bin. Wenn ich nicht bin, nennt man mich gar nichts. Dann bin ich auch nicht."
      Sein Blick wurde wieder glasig und er drohte in die Trübheit überzugehen, die ihn vorhin besessen hatte, aber dann fokussierte er sich wieder auf Aradan. Als er diesmal sprach, war die Träumerei aus seiner leiernden Stimme gewichen.
      "Ich habe nicht viel Zeit, Menschenmann. Tote haben keine Zeit. Wenn ich mich zu lange binde, werde ich zerfallen und dann bin ich nicht mehr."
      Er kam auf Augenhöhe zu Aradan hinab und seine Füße verschwanden im Boden. Die losen Haarsträhnen umgaben ihn wie einen Heiligenschein.
      "Man nannte mich Urudin, so kannst auch du mich nennen. Man hat es nicht gemocht, dass ich dein Sein umgekehrt habe. Man denkt die Grenzen seien zu verwaschen und würden mit jedem Mal weiter aufgehen."
      Sein Blick verlor wieder an Intensität und er lehnte sich zurück, bis er halb in der Luft lag. Seine Robe kräuselte sich um ihn herum.
      "Mhhh… Sie werden aufgehen… das Sein und das nicht Sein werden sich mischen… bin ich wirklich…?"
      Er hielt sich die Hand vors Gesicht.
    • Der erste Hang zur Hoffnung erlosch ziemlich schnell als aus diesem Geist nur seltsame Sätze heraus kamen. Dennoch hörte sich Aradan all das an was Urudin zu sagen hatte. Nach einer Weile verschränkte er aber die Arme vor sich. Bisher ging keine Gefahr von diesem Geist aus, dabei wünschte sich Aradan langsam irgendetwas dieser Art. Etwas hilfreiches, etwas klares. Keine offensichtlichen Ergüsse wie dass man nicht ist, wenn man nicht ist.
      "Bitte verzeiht Urudin aber.. Was genau wollt ihr mir sagen? Warum habt ihr mir geholfen? Und warum ist es so verdammt schwer dich zu rufen? Die beiden Nebelkrähen Minerva und... ich weiß nicht, die Andere. Mir ist ihr Name entfallen. Sie wollen mich permanent übernehmen aber du scheinst dich regelrecht davor zu wehren. Ich brauche antworten über dieses Reich und euch scheinbar intelligenten Geister."
      Was dieser darüber sagte, dass "man" nicht mochte was er getan hat, oder dass etwas aufgehen wird, hörte sich dann aber doch eher alarmierend an. Beinahe als gäbe es hier so etwas wie ein wachendes Auge, welches eine richtende Funktion hat, oder etwa dass sich das Sein und das nicht Sein vermischen.. es klang als würde sich die normale Welt und das Zwielicht verbinden, oder interpretierte er das falsch?
      "Wie meinst du das? Wer fand es nicht gut was du getan hast? Wie viele gibt es von euch?"
    • Urudin drehte sich ein wenig in der Luft, wie von selbst, bis er schräg lag und in die Ferne blickte. Seine Haare wickelten sich halb um sein Gesicht, aber das schien ihn nicht zu stören.
      "Fragen… Fragen müssen. Das ist gut. Nur Fragen können und deswegen müssen sie."
      Er trieb langsam weiter und schwebte bald fast kopfüber. Sein Blick fixierte nichts spezielles und die Trübheit darin war zurückgekehrt.
      "Fragen müssen", murmelte er ein paar Mal, während er eine 180 ° Drehung vollzog und bald fast wieder aufrecht schwebte. Dann wandte er sich plötzlich wieder Aradan zu und seine Augen waren wieder hell.
      "Zeit ist fast nicht. Ich wollte dir etwas sagen, aber ich habe es vergessen. Ich vergesse alles."
      Er verkürzte wieder die Distanz zwischen den beiden.
      "Ich bin nicht und dabei soll es bleiben. Diese Entscheidung habe ich getroffen vor vielen… vor vielen… vor…"
      Sein Blick wurde kurz trüb, dann klärte er wieder auf.
      "... tausend Jahren. Ich bin nicht und das ist gut, du bist schon und das ist auch gut, aber nicht hier. Ich kann dir eine Frage beantworten, mehr erlaube ich nicht. Die Zeit ist nicht."
      Aradan äußerte seine Frage und der Geist blickte an ihm vorbei.
      "Ah. Was das Zwielicht ist. Die Frage lautet eher, ob das Zwielicht ist und das ist richtig. Es ist immer. Das Zwielicht bedeutet der Ursprung des Geistes. Unsere Seelen sind hier drüben und unsere Körper in der Welt. Aber nur die Seelen, die die Grenze überschritten haben. Die Seelen, die die Verbindung besitzen. Zu denken, dass das Zwielicht irgendwo nicht ist, ist falsch."
      Er ließ sich wieder ein Stück von Aradan wegtreiben und blickte auf die dunklen Gestalten in der Ferne.
      "Alle, die hier drüben sind, können Grenzen überschreiten. Alle, die hier nicht sind, schmelzen mit dem Zwielicht."
      Seine Miene hellte sich plötzlich auf und er bekam Leben in seinen Körper, als er sich ruckartig zu Aradan wandte und wieder auf ihn zuschwebte. Die Luft um ihn herum schwirrte.
      "Deswegen war ich nicht! Man findet mich nicht, wenn ich nicht bin. Ich kann überall nicht sein, die Bindung meines Körpers ist nicht. Aber du! Komm nicht wieder, Menschenmann! Gefahr lauert überall um uns herum. Du darfst die Grenze nur an einem sicheren Ort überschreiten, hörst du mich? Nur an einem Ort, an dem die Grenze schon verwaschen ist. Nur im Chaos liegt die Sicherheit."
      Er wandte sich um und während er die Umgebung mit seinem Blick absuchte, materialisierte er sich immer mehr, aber es wirkte nicht gewollt. Seine Bewegungen wurden schwerfällig und die Gravitation fing an ihn zu ergreifen. Sein Blick wurde mit einem Mal hektisch und er sah sich in alle Richtungen um, schien Aradan nicht mehr zu sehen und nach etwas anderem zu suchen. Sein Körper wurde immer fester und dann, kurz bevor er vollständig vor Aradan stand, stieß er die Hand in die Luft und ging in einer schwarzen Flamme auf. Zeitgleich ertönte ein fernes Grollen wie ein Donner, noch weit entfernt aber gleichzeitig nahe genug um gefährlich zu werden, und mit dem Grollen kam ein plötzlicher Windstoß, der Aradan erfasste und beinahe von den Füßen schleuderte. Urudin löste sich in Nichts auf. Die dunklen Gestalten an den Rändern Aradans Schildes drehten sich nach dem Grollen um und suchten dann allesamt mit einem Schlag das Weite. Das Licht, das von Aradan ausging, flackerte stark auf und schien dann zusammenzuschrumpfen, als würde es gleich erlöschen.
    • Dieser Urudin sprach in solchen Rätseln, dass Aradan wohl noch einige Nächte darüber nachdenken werden muss. Dieses plötzlich veränderte Verhalten des Geistes war aber schon wieder Besorgnis erregend. Ein Zustand der im Zwielicht langsam zur Gewohnheit wurde. Doch noch bevor Aradan fragen konnte was los war, verschwand Urudin nach einem gut gemeinten Ratschlag, der trotzdem erst mal enträtselt werden wollte.
      "Warum müssen diese Geister alle einen Dachschaden haben..."
      fluchte er leise vor sich hin bis ihm diese unangenehme Energie auffiel. Aradan blickte in die Richtung aus welcher eine Art.. negatives Gefühl näher kam und sogar seinen Bann sowie seine Kontrolle im Zwielicht fraß wie die Nacht den Tag. Es fiel ihm sogar nach wenigen Sekunden schwerer zu atmen, doch lies er sich nicht unter kriegen und verstärkte seine Kraft.
      Für gerade mal 5 Sekunde machte es einen kleinen Unterschied, bis diese seltsame Energie ihn überwältigte. Es war als hätte er sich mit Papier gegen ein Schwert wehren wollen.
      Es war höchste Zeit zu verschwinden, so schloss Aradan seine Augen um sie wieder in der richtigen Welt zu öffnen.
      Direkt hustete er schwer und schnappte etwas nach Luft. Was zum Teufel war das eben? Seit wann konnte ihn eine unbekannte Energie übertrumpfen? Bisher war er wie ein Gott im Zwielicht, solange er bewusst dort umher wandelte. Und was meinte Urudin nur mit all seinen seltsamen Sätzen?

      Aradan verstand die Welt nicht mehr. Und dennoch.. Es war angenehmer als das Ereignis zuvor. Nur eines war nun klar und zwar dass er ganz sicher keinen Schlaf finden würde. So ergriff er sein Schwert, schnürte es fest und verließ sein Zelt. Die erste Wache reagierte sofort, lies aber locker nachdem dieser bewusst wurde nur wegen dem plötzlichen Geräusch so reagiert zu haben.
      Er wusste nicht recht wo er hin gehen sollte, doch entschloss er sich nach ein paar Blicken durch das Dorf, zu dem Haus zu gehen in welchem Araja zuvor verschwunden war und in welchem noch Licht brannte.
      Vor der Tür klopfte er an und wartete auf eine Reaktion. Als er diese bemerkte, äußerte er direkt
      "Araja? Ich bin es, Aradan."
    • Die Tür öffnete sich und Araja stand überrascht im Spalt. Sie hatte sich etwas bequemeres angezogen und sah aus, als würde sie tatsächlich bald ins Bett gehen.
      "Aradan? Ist alles in Ordnung? Ist etwas passiert?"
    • Er war an der richtigen Adresse. Dessen war sich Aradan bewusst als ihm die direkte Frage entgegen kam ob etwas passiert sei. Es war beinahe wie ein sarkastischer Witz wenn er darüber nach dachte was alles nur an diesem Tag passiert war. So seufzte er und legte ein verkniffenes Lächeln auf.
      "Wenn du nur wüsstest. Ich hoffe ich störe dich nicht. Ich wusste einfach nur nicht wo ich in diesem Dorf hingehen sollte. Die Wachen reagieren auf jeden zerbrochenen Ast und bei dir sah ich noch Licht. Hast du vielleicht noch etwas von diesem süßen Honigwein? Ich hätte tatsächlich gerne etwas um meinen Kopf zu beruhigen."
    • Araja starrte ihn für einen Moment verblüfft an, dann nickte sie kräftig.
      "Natürlich, komm doch rein. Aber sei leise, meine Tochter schläft schon."
      Sie trat zur Seite, um ihn hineinzulassen und deutete dann den Gang entlang. Das Haus war klein, aber immer noch groß genug für abgegrenzte Räume.
      Sie führte ihn ins Esszimmer, bevor sie wieder hinausschlich und ein paar Türen schloss. Dann kam sie zurück, zündete die Kerze auf dem Tisch an und holte dann eine Flasche Honigwein aus einer Kiste hervor. Sie hatte dort noch drei andere Flaschen stehen.
      "Ich trinke nicht viel", rechtfertigte sie sich, als sie ihm einschenkte und deutete dann auf die Kiste. "Das ist sowas wie ein Scherz hier. Wenn du nicht Honigwein im Haus hast, bist du kein wirklicher Bewohner von Lytien."
      Sie verkorkte die Flasche wieder und setzte sich dann selbst. Die Kerze flackerte sanft.
      "Kannst du nicht schlafen? Das wäre aber ein schlechtes Mittel dafür."
    • Aradan trat leise ein und versicherte leise genug zu sein.
      "Das ist schon okay. Danke dir, ich werde sie nicht wecken."
      Für einen Moment musterte er die Räumlichkeiten. Es war gemütlich gestaltet. Für seinen Geschmack viel wertvoller als diese riesigen Räume von Würdenträgern. Etwas kleines hatte viel mehr Charme und war einfach einladender in seinen Augen.
      "Kein Alkohol im Haus senkt das Ansehen.." Er seufzte zynisch
      "Da geht es wohl nicht nur Lytien so. Ich schätze das ist auf der ganzen Welt nicht anders. Selbst im fernen Osten gehört es zur Sitte dem Gast Reiswein einzuschenken und Nahrung anzubieten, selbst wenn man nicht genug für sich selbst hat."
      Mit einem Nicken bedankte er sich bei Araja als sie ihm etwas einschenkte und trank es in einem Satz weg. Erst in diesem Moment bemerkte er selbst in welchem Zustand er sich befand und flüsterte es hinaus
      "Schlaf... Ich habe Jahre verbracht mir vorzustellen wie ein gesunder Schlaf sich auf den Körper auswirken könnte, habe es vor wenigen Tagen sogar endlich erfahren dürfen, nur um heute wieder gewahr zu werden dass ich solch einen Luxus nicht zulassen kann wenn ich meine Leute schützen will."
      Danach trank er den zweiten Krug, welcher schnell nach dem ersten nachgefüllt wurde in einem Satz aus.
      Er zog sie weg als wäre es Medizin für seinen Verstand. Danach sah er Araja mit einem Blick an als wäre er voller Zorn. Dieser galt aber ganz klar nicht Araja. Es waren einfach nur die langsam freisetzenden Gefühle eines Anführers der keiner sein wollte. Einer der sein Leben lang nichts anderes kannte als die Bürde anderer zu tragen.
    • Araja musterte Aradan nachdenklich und beobachtete schweigend, wie er das zweite Glas runterkippte. Erst, als er eine Pause einlegte, schien sie es richtig zu empfinden das Wort zu erheben.
      "Schlaf braucht jeder, besonders diejenigen, die schützen. Wenn du mein Sohn wärst, würde ich dich auf einen harten Entzug setzen."
      Sie lächelte etwas, wirkte aber auch offenherzig besorgt. Mit ihrem Blick studierte sie Aradan, ehe sie weitersprach.
      "Wovor willst du deine Truppe schützen? Sie wirkt auf mich so, als könne sie sich gut um sich selbst kümmern."
    • Aradan lächelte finster seinen Krug an als er die Worte Araja's hörte. Natürlich riet sie ihm was er sich selbst ebenso immer wieder sagte, doch war es leider nie so einfach.
      "Ein harter Entzug huh?" das war eine angenehme Abwechslung. Er hatte sich noch nie so betrachtet wie es nun im Raum stand.
      "Glaub es oder nicht aber ich trinke eigentlich nur wenn es mir angeboten wird. Dieser Fall ist etwas besonderes. Etwas von dem ich dachte, dass es mir Ruhe einbringen wird, ist nun eine zusätzliche Belastung geworden die ich nicht einordnen kann. Obendrein folgte ein Berg an Fragen die mir den Schlaf verwehren wenn ich ihnen nicht mit diesem köstlichen Getränk entgegen wirken werde."
      In diesem Moment wurde Aradan etwas klar. Etwas dass ihn doch zum lachen brachte. Dabei legte er sich die Hand ins Gesicht bis er sich fing.
      "Herrlich. Jetzt verstehe ich warum mein ehemaliger Mentor ständig trank. Als Kind habe ich es nie verstanden. Ständig blickten alle aus Melora auf ihn herab und dennoch hatten sie Ehrfurcht."
      Der Honigwein zeigte langsam seine Wirkung. Aradan wurde redseliger und verbarg seine Geheimnisse nicht mehr.
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