[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Renera ließ sich schließlich von Khil überreden sich ein wenig hinzulegen, was nicht allzu schlimm war, nachdem ihre Nacht unterbrochen worden war. Sie nahm eine Kapsel von Khil ein, die diese als ihre eigene ausgab, und kroch dann in das kleine Zelt, während Khil ihr hoch und heilig versprach, während ihrer Abwesenheit ihre Waffen zu polieren. Sie wartete genau zehn Minuten lang, in denen sie die Vögel am Himmel zählte, und vergewisserte sich dann, dass Renera eingeschlafen war, ehe sie sich schlendernd zum anderen Lager begab. Vor Aradans Zelt war ziemlich was los und Jarku kam gerade herausgeschlüpft, als sie ankam.
      "Denk nicht, dass du dich in dieser Aufregung davonstehlen kannst! Ich habe dein Gift noch immer nicht vergessen und werde es dir herauskitzen, wenn es nötig ist!! Aber wie geht es Aradan?"
      Jarku berichtete ihr, dass er wohl wieder ansprechbar war und so ließ sie sich von ihm die Genehmigung geben, in das Zelt zu schlüpfen.

      Drinnen war es ziemlich stickig. Aradan sollte mal lüften.
      "Hallo, Aradan. Du siehst ja wirklich scheußlich aus."
      Sie kniete sich vor ihn, wie sie es bereits am Vormittag getan hatte.
      "Ich meine - du siehst echt so aus, als würdest du jeden Moment sterben! Richtig weiß im Gesicht."
      Sie beugte sich über ihn und runzelte die Stirn.
      "So helle Wangen sind nie ein gutes Zeichen. Du hast nicht zufällig einen Arzt in deiner Truppe? Das wäre jetzt nützlich. Ich kenne mich auch nicht gut genug mit Medizin aus."
      Sie setzte sich wieder auf ihre Fersen und legte sittsam die Hände auf die Oberschenkel.
      "Ich habe lange nachgedacht - nun, eigentlich auch nur die letzte halbe Stunde, während ich Renera das Ohr abgequasselt habe - aber ich bin dennoch zu dem Entschluss gekommen, dass du deine Entdeckungen aufschreiben solltest. Und wer bietet sich dafür besser an, als eine Schreiberin vom Kaiserhof!"
      Sie lächelte breit.
      "Ich brauche nur Papier und dann kannst du mir alles diktieren, was du gesehen hast und was du gefühlt hast und was du gedacht hast und was du sonst noch alles aufschreiben möchtest. Ich halte es für äußerst wichtig, das alles festzuhalten, allein schon für den Arzt, der dich vielleicht eines Tages untersucht. Oder für... hm... ich weiß nicht... andere lebende Katalysatoren. Oder für die Geisterwesen. Oder nur für dich."
      Sie betrachtete ihn munter.
    • Aradan war in dem Moment in dem Moment als Khil in das Zelt kam recht überrascht. So schnell hätte er mit keinem Besuch gerechnet. Und wie gewöhnlich, kam die Frau auch direkt zum punkt und war dabei ziemlich direkt.
      "Keine Sorge. Ich werde es von ganz allein überleben. Da wird kein Arzt nötig sein. Ich bin lediglich sehr schwach... mal wieder... und daher lassen die Anderen die Ketten an mir bis ich wieder zu kräften gekommen bin. Aber sag mir.."
      Er sah sie unwissend an.
      "Was genau habe ich eigentlich getan? Jarku war nicht besonders ausführlich, doch wenn Renera wutentbrannt weg geht, muss es heißen dass etwas schlimmes passiert sein muss. Ich bin zwar froh dass keiner verletzt wurde. Und bezüglich deiner Idee alles zu notieren, halte ich dich keinesfalls davon ab deine Eindrücke nieder zu schreiben. Ich für meinen Teil werde das vorerst nicht tun. Ich bin viel rum gekommen und habe noch keine andere Person meiner Art getroffen. Ärzte selbst haben das auch nicht, also wüssten diese vermutlich ohnehin nicht wie sie mir helfen können, da die meisten nie Kryss in der Hand gehalten, geschweige denn in menschlicher Form behandelt haben."

      Nachdem sich Val von Daikata den Verband ordentlich hat richten lassen, bekam dieser von Jarku gesagt dass Aradan nun wieder wach sei. Er nickte und machte sich zum Zelt der Frauen auf, auch wenn er nicht glaubte dass Renera ihn sprechen wollen würde. Behutsam blieb er vor ihrem Zelt stehen.
      "Aradan ist wieder wach und ansprechbar."
    • Khil holte tief Luft.
      "Also zuerst bist du der Axt von Valterri ausgewichen und hast so etwas gesagt wie "Dieses mal ganz bestimmt!", nur nicht mit deiner Stimme und während du gegrinst hast. Dann hast du Renera an dich gezogen, sie geküsst und sowas gesagt wie "Das war lecker", ehe du Daikata in die Arme gelaufen bist, der dich festgehalten hat. Dann hast du... hm... du hast deinen Hals verdreht, was ganz schön gruselig aussah, und gelacht hast du nebenbei auch noch und Valterri abgestochen. Aber ihm geht es gut, er sitzt draußen vor dem Zelt und sieht so aus, als würde er Wache schieben. Er hat dich schließlich bewusstlos geschlagen und dann haben sie dich in Ketten gelegt und ins Wasser getaucht und dann hier her gebracht. Das müsste alles so ungefähr eine Stunde her sein, vielleicht auch weniger."
      Sie musterte ihn, aber dann schien sie anzufangen sich zu schämen. Sie wich seinem Blick aus, betrachtete die Hände auf ihren Beinen, kratzte sich einen Fussel weg und musterte den Zeltboden.
      "Ich würde gerne schreiben, aber Renera hat unser letztes Papier für ihr Buch gebraucht und...", sie beugte sich vor um nicht laut sprechen zu müssen, "wir sind arm. Früher habe ich Papier immer als selbstverständlich betrachtet, aber das ist so teuer. In der Stadt verlangen sie eine ganze Silbermünze für ein Stück Papier! Eine ganze Silbermünze! Renera musste zwei Jahre für ihr Buch sparen und damals, hat sie mir gesagt, hat man für eine Silbermünze wenigstens noch zwei Blätter bekommen. Eines Tages werden sie noch ein Goldstück dafür verlangen. Der König sollte wirklich die Preise regulieren. Aber bis dahin habe ich wohl kein Papier."
      Sie schüttelte entsetzt den Kopf.

      "Schön für ihn", kam es aus dem Zelt gefaucht, als Valterri hineinsprach, aber dann erzitterte es, ehe Renera hervorgekrochen kam. Sie richtete sich auf und zog in der selben Bewegung ihre beiden Kurzschwerter hervor, zwei fließend, geschmeidige Klingen, die wie die Verlängerung ihrer Arme wirkten. Sie würde sie nicht einsetzen - natürlich nicht - aber sie brauchte ein wenig von der vertrauten Sicherheit, die sie in ihr hervorriefen. Die Klingen waren ein Teil von ihr, den man nicht mit Worten oder Taten zerstören konnte und der für sie weiterkämpfen würde, bis sie ihren letzten Atemzug tat. Die Klingen waren Teil ihrer Seele.
      Sie blickte Valterri für einen Moment düster an, entschied sich dann allerdings dazu ihre Laune nicht an ihm herauszulassen - von der ganzen Gruppe war er wahrscheinlich der vertrauenswürdigste. Er verdiente es nicht von ihren Gefühlen beladen zu werden, sie würde sie an jemand anderem auslassen.
      Sie stakste in das andere Lager hinüber und ließ das linke Schwert dabei zwischen den Fingern drehen, ein Kunststück, das sie sich unter Svenkovs Aufsicht beigebracht hatte, als sie 13 gewesen war. Mittlerweile hatte sie verstanden, wieso er sie so etwas gelehrt hatte, aber sie setzte es dennoch nur noch ein, um Kindern eine Freude zu machen - oder um ihrer Konzentration zu helfen.
      Vor dem Zelt standen die anderen herum und sie bedachte jeden mit einem finsteren Blick, bevor sie den Zelteingang zur Seite schubste und eintrat. Drinnen war es dunkel, aber sie konnte dennoch Aradan erkennen, der noch in Ketten lag - und außerdem Khil, die vor ihm kniete. Diese verfluchte Frau.
      "Khil", knurrte sie und die andere schreckte auf.
      "Oh! Ich dachte du schläfst."
      "Und ich dachte du würdest deine Waffen polieren."
      "Wir sollten weniger denken, daran scheint das Problem zu liegen."
      "Khil!"
      "Ich gehe ja schon."
      Sie warf Aradan einen letzten Blick zu, lächelte flüchtig und floh dann nach draußen. Renera stellte sich vor ihm auf und versperrte damit den Eingang. Die Klingen blitzten kurz auf, als sie die Arme verschränkte.
      "Also? Was für Ausreden hast du parat?"
    • Aradan schloss seine Augen und versuchte seine Wut runter zu schlucken als Khil ihm erzählte was vorgefallen war. Nach der Geschichte ihrer Männer war es wohl das perfekte Schwert welches Minerva gewählt hatte um Renera schaden zuzufügen. Aber das würde er später versuchen zu erklären und für seine, beziehungsweise Minerva's Tat, einstehen.
      Aber wenigstens bot Khil die erste Gelegenheit um etwas gutes zu tun an.
      "Es tut mir wirklich Leid. Wenn Minerva eine Schwachstelle in mir gefunden hat, beißt sie sich fest wie eine Zecke und verbirgt dabei beinahe komplett ihre Präsenz. Ich denke sie muss schon an mir geklebt haben seit wir auf dem Weg nach Melora waren. Leider reicht gesunder Schlaf nicht aus um sie wieder abzuschütteln. Ich muss dringend lernen sie fern zu halten.. oder zumindest ihre Anwesenheit zu spüren."
      Dann blickte Aradan zu Khil und deutete mit einer Kopfbewegung auf seinen schwarzen Leder Rucksack hin, welcher in der Ecke des Zeltes, neben seinem Schwert und Bogen lag.
      "Bitte. Nimm dir aus dem Rucksack raus was du möchtest. Betrachte es als Entschädigung und zutiefster Entschuldigung."
      Darin befanden sich drei Äpfel, ein edler Federfüller, ein Glas Tinte und mindestens 12 Seiten ungeschriebenes Pergament. Zusätzlich auch ein Buch welches mit einem alten Hanfseil zugeschnürt war und dem gebundenen Leder nach aussah als müsste es ziemlich alt sein.
      "Falls Renera überhaupt noch an unserer Unternehmung teilnehmen möchte, würde ich gerne dafür sorgen dass es euch ebenso an nichts mangelt wie uns."


      Später brach das Chaos in Form von Renera in das Zelt herein wie ein heftiger Sturm auf hoher See. Nichts was Aradan mit Freuden entgegen sah. Vor allem nicht wenn er sich nicht wehren oder bewegen konnte.
      Aber zumindest war ihr Zorn gerechtfertigt.
      "Ausreden gibt es keine. Ebenso wie es keine Worte dafür gibt wie sehr es mir Leid tut was du durchmachen musstest. Khil hat mir eben alles erklärt was geschehen ist denn... Ich hatte keine Ahnung. Ich übernehme die volle Verantwortung dafür dass ich nicht in der Lage war Minerva zu bemerken.. Du musst wissen.. du hast im Wasser nur die üblichen Geisterwesen gesehen. Was aber vor einer Stunde meinen Körper übernahm.. war Minerva, ein ziemlich mächtiger und enorm gerissenes Geisterwesen. Ich sagte es schon Khil. Ich vermute dass sich Minerva an mich geheftet hat seit wir die strapazierende Reise nach Melora hinter uns legten. Sie hat den perfekten Moment abgewartet um die Kontrolle über mich zu gewinnen.
      Mit anderen Worten.. Du hast die Bekanntschaft mit einem der Geisterwesen gemacht die Tag ein Tag aus versuchen meinen Körper zu missbrauchen. Minerva ist derzeit das mächtigste Wesen im Zwielicht die ich kennen lernen musste. Die anderen sind bei weitem nicht so gefährlich."
      Aradan machte eine Pause. Er kam sich vor als würde er ihr nur Ausreden auftischen um sich aus der Verantwortung zu ziehen, auch wenn es nicht der Fall war. Er schämte sich etwas dafür und blickte zur Seite um ihr nicht in die Augen sehen zu müssen.
      "Sag mir was ich tun kann und ich werde es machen. Wenn du möchtest dass sich unsere Wege wieder trennen.. du musst es nur sagen."
    • Khil nahm sich zwei Seiten Papier, schnappte sich nach einem kurzen Schulterblick auf Renera auch das Buch und huschte dann nach draußen. Sie rannte regelrecht in ihr eigenes Lager zurück, holte einen von Reneras Kohlestiften, nutzte das alte Buch als Unterlage für das andere Papier und sah sich dann nach ihrem ersten Opfer um.
      Erst schreiben, dann lesen. Wenn sie schnell genug war, konnte sie heute noch das Buch fertig kriegen - das unbekannte, alte, mitgenommene Buch, auf dem nichtmal ein Titel zu sehen war. Ohh, heute musste ihr Glückstag sein!!
      Sie fand ihr Ziel in Valterri, der ihr am nächsten war und es sich gerade beim Feuer bequem zu machen versucht hatte, und huschte zu ihm hinüber, ehe sie an seiner Seite auftauchte. Selbst im Sitzen war er noch größer als sie.
      "Nordmann. Sag mir...", sie setzte ihren Kohlestift an und sah zu ihm auf, "... Was kannst du mir über Minerva berichten? War es das erste Mal, dass sie sich gezeigt hat? Wer ist sie und wo kommt sie her? Verfahrt ihr mit Aradan immer so, wenn sie von ihm Besitz ergreift? Was will sie von ihm? Ist sie auch ein Wesen wie aus dem Wasser? Wie lautet ihr Nachname? Was für eine Nationalität hat sie? Kann sie sich auch erkenntlich machen, ohne dass man Aradan berühren muss? Gibt es andere wie sie? Können sie auch von Aradan Besitz ergreifen? Kann man sie rufen? Woher spricht sie unsere Sprache? Kann sie auch von anderen Besitz ergreifen? Heißt sie wirklich Minerva oder habt ihr sie nur so genannt? ..."

      Renera beobachtete Aradan aus starrer Miene heraus. Sie rührte sich nicht, sie hatte die breitbeinige Haltung einer Soldatin eingenommen und damit war sie in die unbewegliche Wachhaltung verfallen. Es war ärgerlich, an was sich ihre Muskeln sich nach all den Jahren noch erinnern konnten, aber zumindest konnte sie damit ihren Zorn unterstreichen. Es fühlte sich ein wenig so an, als wäre sie ein General und Aradan ein lausiger Rekrut, der seine Uniform nicht richtig knöpfte.
      Aber natürlich war es komplizierter als das. Und sie war längst nicht entschieden genug, aus dieser Situation eine Lösung zu ziehen. Sie hatte sich ihm anvertraut und dann hatte er sie geküsst, aber eigentlich war es ja nicht er gewesen sondern Minerva, die von seinen Gedanken zehrte und die Schwachstelle ausgenutzt hatte. Also hatte sie einen Fehler begannen, als sie ihm davon erzählt hatte, denn sonst wäre es anders gekommen. Und wenn sie nicht so langsam gewesen wäre... es fröstelte ihr noch immer bei der Erinnerung, wie schnell Aradan bei ihr gewesen war, während sie kaum reagiert hatte. Es war nicht seine Schuld, soviel stand schonmal fest, aber das änderte nichts daran, dass es wieder passieren konnte. Und dass sie einen Fehler gemacht hatte.
      Aradan schien es leid zu tun - wirklich leid zu tun. Sie hatte in ihrem Leben wahrscheinlich noch nie einen Mann kennengelernt, der seine Gefühle so aufrichtig zeigte wie Aradan in diesem Moment, als er sie um Vergebung bat. Sie würde wahrscheinlich niemals jemanden wie ihn kennenlernen. Sie wollte auch mit ihm reisen, was hätten ihnen sonst die paar Stunden der Zusammenkunft gebracht? Aber - bei den Kreaturen! - wer sagte nicht, dass es nicht wieder passieren könnte? Selbst wenn er es nicht wollte, besaß Minerva, wenn sie in ihn eindrang, den Körper eines ausgewachsenen, trainierten Mannes, gegen den Renera wohl kaum etwas tun konnte, außer sie würde ihre Schwerter benutzen. Wenn sie dabei nur nicht so langsam gewesen wäre!
      Sie biss sich auf die Lippe und wandte sich von ihm ab. Auf einmal behagte es ihr doch nicht mehr wie ein General zu wirken, während Aradan vor ihr in Ketten lag. Sie hätte ihn durchaus befreit, aber Jarku und Valterri wussten wahrscheinlich, was das beste war. Wusste sie denn auch, was das beste war?
      Sie rotierte die Schwerter in ihren Händen, welche nur leicht zitterten. Das war gut. Sie war stark, oder nicht? Mit den Schwertern war sie stark.
      "Du wirst mit mir kämpfen", murmelte sie und drehte sich wieder zu ihm um, als sie schließlich den Entschluss gefasst hatte. "Du wirst als Entschädigung mit mir kämpfen. Manchmal, auf unserer Reise. Ohne Waffen und ohne Hilfsmittel. Mit deiner rohen Gewalt, so als ob du... als ob Minerva die Kontrolle hätte. Du wirst mich lehren gegen einen Mann zu kämpfen, der nicht vom Stolz des Schlachtfelds befleckt ist und der nichts von einem ehrenhaften Kampf kennt."
      Sie richtete ihre Schwertspitze auf ihn, aber jetzt zitterten ihre Hände wieder mehr, wodurch die Geste nicht den gewünschten Effekt erzielte.
      "Das verlange ich von dir."
    • "Nordmann?"
      Val musste schmunzeln als Khil neben ihm aufgetaucht war und wieder ihre ganz spezielle Eigenart präsentierte. Das Schmunzeln machte jedoch schnell für einen leichten Schock platz, da Khil ihm eine Frage nach der Anderen stellte, bevor er überhaupt antworten konnte. Für ihn gehörte es aber dazu, dass er selbst in einem Fall wie diesem, nicht einfach so unterbrechen wollte.
      Irgendwann fand Khiel dann ein Ende, was Val dann in den Himmel blicken lies um scharf nachzudenken.
      "Viele Fragen die du da hast, kleiner Vogel. Antworten kann ich dir nicht auf alles. Wir wissen selber nicht sehr viel. Es war aber das zweite Mal in der Gruppe. Zuletzt ist lang her. Alles was wir wissen ist ihr Name und das sie Wahnsinnig ist. Nach dem ersten Vorfall glühte Aradan enorm. Wäre Daikata nach beinahe gestorben, so zerrten wir ihn dieses Mal ins Wasser. In Ketten legten wir ihn nur um sicher zu gehen."
      Dann zuckte er mit den Schultern und bemerkte das Buch von Aradan welches Khil als Unterlage nutzte.
      "Das ist das Buch von Aradan. Hast du es gestohlen?"
      Val blieb ruhig aber machte mit seiner Stimme schon klar dass er es Aradan wieder geben würde, falls Khil es ihm einfach ohne zu fragen genommen hätte.

      Im Zelt hatte Aradan mit vielem gerechnet. Dass Renera ihm eine Ohrfeige geben würde, dass sie sich Khil schnappt und direkt weiter zieht, vielleicht sogar etwas schlimmeres als das. Was er dann aber zu hören bekam, hätte er nie kommen sehen.
      "Kämpfen??"
      Seine Verwunderung war ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben.
      "Bist.. du dir damit sicher? Ich meine. Ganz wie du wünschst aber.. Wir könnten das etwas langsamer angehen. Du könntest vorerst mit einem der anderen Kämpfen."
      Er schluckte schwer und hoffte sie würde auf seinem Vorschlag eingehen. Er fürchtete selbst bei ihren Fähigkeiten, dass er ihr schwere Schäden zufügen könnte, was die Reise deutlich erschweren würde.
      "Versteh mich nicht falsch Renera aber.. Was ich im Übungskampf sagte, war mein ernst. Meine erlernte Kampfart ist nicht mit der von hier zu vergleichen. Ich nutze keine Haltung. Meine Kampftaktik ist die Überraschung... um es ganz simpel auszudrücken. Und ich halte mich nie zurück wenn ich diese Taktik anwende, was schon so manchen Banditen das Leben gekostet hat. Bitte überleg dir das gründlich."
      Selbstverständlich würde er Renera den Wunsch erfüllen, ganz wie er es ihr geschworen hat. Selbst wenn es die Reise erschweren würde. Das war er ihr wohl schuldig.
    • Khil machte sich sogleich ein paar Notizen in einer Schrift, die kaum größer als ihr Fingernagel war und deren Buchstaben sie in äußerster Perfektion auf das Blatt setzte. Sie schrieb genauso schnell wie Valterri sprach und war schon fertig, um ihm gleich auch noch die Frage zu beantworten.
      "Er hat gesagt, ich dürfe mich aus seinem Rucksack bedienen, und dazu hat dieses Buch gezählt. Wieso trägt er ein Buch mit sich herum, wenn er gar nicht lesen kann? Kannst du lesen, Nordmann? Liest man im Norden mehr als hier?"

      Renera nickte bekräftigend.
      "Ich will nicht meine Haltungen trainieren und auch nicht meine Schwertschwünge, das habe ich mein ganzes Leben schon getan. Ich will auch nicht, dass wir einen Kampf austragen, als stünden wir auf dem Schlachtfeld und müssten uns an das halten, was wir gelernt haben. Ich will einen Kampf, in dem es um rohe Gewalt geht, weil das meine einzige richtige Schwäche ist. Svenkov hat mir eingebläut, dass mein Körper dazu ausgelegt ist seine Geschmeidigkeit zu nutzen - jedenfalls hat er es so ähnlich ausgedrückt - aber ich kann mich nicht aus jeder Situation herauswinden. Was ist, wenn ich meine Schwerter nicht bei mir habe? Was ist, wenn Khil hinter mir steht und ich einem Schlag nicht ausweichen darf? In der Armee haben wir gelernt unsere Position zu halten, um unseren Nachbarn zu schützen, aber in der Armee zieht man erst auf das Schlachtfeld, wenn man in einer Rüstung steckt und mit mindestens einer Waffe ausgerüstet ist. In der richtigen Welt gerät man erst in einen Kampf, wenn man nicht ausgerüstet und auch nicht vorbereitet ist. Ich habe zwar meine Schwerter immer bei mir, aber sie sind nicht immer... zugänglich."
      Sie schüttelte ihren Kopf.
      "Ich will unfaire Kämpfe mit dir. Du bist der einzige M... ensch, dem ich genug vertrauen würde, um mich darauf einzulassen. Natürlich sollst du mich nicht umbringen, aber du sollst dich auch nicht zurückhalten. ... Wir machen ein Codewort aus und wenn es einer von uns beiden sagt, ist der Kampf ohne Umschweife beendet. Deal?"
      Der Gedanke hatte sie tatsächlich aufgemuntert und sie brachte ein Lächeln zustande.
      "Außerdem war es in gewisser Weise auch Genugtuung, dich in Ketten auf dem Boden zu sehen. Nimm's nicht persönlich. Sollen wir dich da wieder rausholen? Wenn Minerva nochmal kommt, rufe ich einfach nach Valterri."
    • Val lachte beherzt als Khil von Dingen ausging die sie am Ende vermutlich überraschen würden. So wollte er sich die Freude nicht nehmen lassen als er mit einem Schmunzeln meinte
      "Wer sagt Aradan kann nicht lesen? Er liest und schreibt in 4 Schriften. Glaube Killian kanns nicht. Und die Zwillinge. Ich selbst beherrsche nur eure Sprache. Die Schrift ist mir Fremd. Kann nur die eigene schreiben und Lesen. Gehört bei uns dazu. Wie viel bei uns gelesen wird, kann ich nicht sagen. Jeder lebt nach seiner Weise."

      Aradan hörte aufmerksam zu und musste sich leider eingestehen, dass ihr Plan tatsächlich nicht verkehrt war. Männer haben ihr mehr angetan als Monster. Warum also nicht die Fähigkeiten neu justieren.
      "Ich kann dich verstehen. Aber das könnte schmerzhaft werden."
      Er versuchte seinen Ausdruck in der Stimme so vorbereitend wie möglich zu wählen.
      "Wenn du wirklich unfaire Kämpfe willst.. werde ich dir im ersten Kampf zu 100% entgegen kommen. Aber du darfst dich kein bisschen zurück halten. Versuch mich in diesen Momenten zu sehen wie einen gefährlichen Läufer. Wenn du zögerst, sind Schmerzen garantiert. Ich kann dir nicht garantieren dass es mir gelingt mit gut zurück zu halten, ich hatte es bisher nie versucht."
      Dann öffnete Jarku den Zelteingang.
      "Oh. Hallo Renera. Ist soweit alles in Ordnung? Ich wollte Aradan die Ketten abnehmen. Es ist etwas mehr als eine Stunde vergangen. Das sollte eigentlich ausreichen."
      Er schlängelte sich an Renera vorbei um einen Schlüssel für das Schloss zu nutzen, welches die Ketten zusammen hielt. Dann dauerte es nicht mehr lange bis Aradan der Ketten befreit dort lag und die Augen schloss. Noch war sein Körper vom Hosenbund bis hoch zum Haaransatz blass als wäre er nie in der Sonne gewesen. Aber als er seine Augen geschlossen hielt, wirkte er mit seiner Fähigkeit dagegen. Er zog aus dem Zwielicht das bisschen Energie was direkt unter ihm in der Erde steckte und schloss es in seinem Körper. Das sorgte dafür dass man seiner Haut dabei zusehen konnte wie sie wieder an Farbe gewann ehe sich Aradan aufrichtete und tief durchatmete
      "Das fühlt sich schon viel besser an."
      Derweilen machte Jarku schon wieder einen Abgang um seinem Tagewerk weiter nachzugehen
    • Khil machte große Augen.
      "Aradan kann lesen? Aber er ist doch Isnijer, so wie Renera? Und er kann lesen und schreiben? Oh, die Welt verändert sich."
      Sie schüttelte den Kopf und sah für einen Moment auf ihre Notizen hinab, dann sah sie wieder auf.
      "Danke, Valterri. Oh, Diakata, warte mal!"
      Sie verließ Valterri und schoss dafür auf Diakata zu, der auf dem Weg zum Fluss war.
      "Ich habe ein paar Fragen!!"

      Renera nickte entschlossen.
      "Ich hab' keine Angst vor Schmerzen. Ich hab' Angst im Kampf zu versagen und meinen Freunden nicht helfen zu können. Khil nicht helfen zu können. Obwohl sie es niemals aussprechen würde, glaub' ich, dass sie lieber lesen würde als zu kämpfen. Sie will die Welt erkunden und dabei will ich ihr zur Seite stehen, aber dafür muss ich sie nicht nur vor Kreaturen beschützen können."
      Und sich selbst auch, aber dieser Teil blieb ihr im Hals stecken, als Jarku hereinschlüpfte, um Aradan aus den Ketten zu befreien. Obwohl sich die Lage mittlerweile wieder entspannt hatte, wusste Renera noch immer nicht recht Jarku einzuschätzen. Er war ihr zu sorglos und außerdem klebte sich Khil regelrecht an ihn, was sicherlich nicht gesund sein konnte. So schenkte sie ihm nur einen kurzen Blick, als er wieder an ihr vorbei nach draußen huschte.
      "Ruh dich erstmal aus, bevor wir das Training starten. Ich schlage vor, dass wir eine weitere Nacht hierbleiben, nachdem es in der Gegend ziemlich ruhig zu sein scheint. Wir könnten im Wald jagen und aufbrechen, bevor die Sonne aufgeht, damit wir den ganzen Tag für die Reise haben. Achja, wir haben übrigens einen kleinen Wagen, auch wenn er von nur einem Esel gezogen wird, in dem noch ein bisschen Platz ist. Für Zelte oder sowas. Vielleicht könnten wir sogar die Kiste darauf verstauen, dann lassen sich die Sachen besser transportieren."
      Sie nickte ihm zu, weil sie fast vor ihm salutiert hätte und wandte sich dann zum Ausgang um, wo sie noch einmal verharrte.
      "Unser Codewort für die Kämpfe ist... Melora. Das ist gut."
      Dann lächelte sie und ging nach draußen.
    • Val sah zu wie Khil sich schon direkt an Daikata heftete, welcher ihr nur einen Blick schenkte, dabei aber weiter voran ging und Khil hinter sich her zog als hätte diese ein großes Gummiband um beide gebunden. Ein recht anhängliches kleines Ding, dachte sich Val. Aber auch ziemlich lebendig, was an sich schon mal nichts schlechtes war. Vermutlich würde Khil noch so einige Personen ablaufen. Was sie wohl alles in ihre Notizen schrieb?

      "Ein kleiner Wagen ist tatsächlich ziemlich praktisch"
      Meinte Aradan nickend.
      "Aber es würde schon reichen wenn wir die Kiste samt Inhalt darauf verstauen dürfen. Unter sicherem Verschluss müssten wir uns um das Kryss weniger sorgen machen. Aber du hast Recht. Eine weitere Nacht kann nicht schaden. Wir haben es ohnehin nicht eilig und auf diesem Weg kann ich ausreichend Energie zurück gewinnen um kein Risiko mehr darzustellen."
      Direkt hob er seine Hände um Entwarnung zu geben, nachdem er bemerkte wie sehr sein Satz implizierte als wäre er jetzt noch eine Gefahr.
      "Ich meine.. Du weißt schon. Also jetzt bin ich auch keine. Zumindest fühlt es sich nicht danach an. Hat es zwar vorher auch nicht aber..."
      Er seufzte da es ihm selbst klar war wie kindisch sich sein gestammel anhören musste. Es war nur so schwer sein Inneres anderen zu erklären da er es eigentlich nie wirklich tun musste.
      "Ich denke einfach es ist besser wenn wir auf Nummer sicher gehen. Ich will euch alle beschützen und nicht der Grund für eine Gefahr."
    • Renera winkte ab.
      "Ich weiß, Aradan. Du musst dich nicht mehrmals rechtfertigen. Es... ist schön, dass du noch lebst. Wirklich. Auch wenn du Geister im Wasser siehst und von einer Kreatur besessen werden kannst, die deinen Körper kontrolliert. Ich denke, dass ist immer noch besser als tot zu sein, oder?"
      Sie schenkte ihm ein knappes Lächeln, dann ging sie aus dem Zelt.

      "Du lässt dich von dem Gürteltaschen-Jungen verprügeln?!"
      "So hab' ich das doch gar nicht gesagt."
      "Aber es angedeutet! Hast du die Muskeln seiner Oberarme gesehen?! Die sind fast fünf Mal so groß wie deine!"
      "Stimmt doch gar nicht! Außerdem schießt er sein ganzes Leben lang mit dem Bogen, natürlich hat er da gute Oberarmmuskeln."
      "Welche, die dich mit einem Schlag ins Jenseits befördern können!"
      Khil hatte ein Gespür dafür, wann sie theatralisch erscheinen musste. Sie hatte riesige Augen, als sie zu Renera aufsah und drückte sich das Buch und die Blätter von Aradan gegen die Brust, so als wolle sie ihr Herz vor dem Schmerz bewahren, der sicherlich folgen würde.
      "Das soll er auch. Jemand anderes würde sich auch nicht zurückhalten."
      Khil schnaubte.
      "Bei jemand anderem würdest du dich richtig verteidigen."
      "Das ist richtig verteidigen. Ich würde niemanden verletzen nur... ausweichen."
      "Das nennst du ausweichen? Ich glaube andere nennen das ringen. Oder duellieren. Du duellierst dich mit dem Gürteltaschen-Jungen!"
      "Hör auf ihn so zu nennen und sei mal mehr auf meiner Seite!"
      "Oh, ich werde auf deiner Seite sein! Wenn du auf dem Boden liegst!"
      Renera rollte mit den Augen.
      "Verdrehe nicht die Augen, du weißt, dass ich recht habe!"
      "Also schön, du hast recht. Ich will es trotzdem machen."
      "Das ist alles was ich hören wollte. Du hast deinen Verstand irgendwo bei der Grenze zurückgelassen. Ich werde jetzt Jarku nach seinem Gift ausfragen. Nordmann! Wo ist Jarku?"
      Sie stakste zu ihm hinüber und ließ sich Anweisungen geben, ehe sie in Richtung Jarku davonstolzierte.
      "Häng dich nicht so an ihn!"
      "Ich mache was ich will!"
      Das war ja das Problem. Renera seufzte und widmete sich ihrer Ausgrabungsstätte.

      Gegen Nachmittag, als Khil Jarku genug auf die Nerven gegangen war, ging sie Aradan suchen. Die erste Seite ihrer Blätter war mit ihrer winzigen Handschrift vollgeschrieben und so widmete sie sich dem schönen Teil, nämlich dem Lesen und auch ein bisschen dem Recherchieren. Sie fand Aradan und hängte sich an ihn.
      "Sag mal, Aradan, woher hast du lesen und schreiben gelernt? Und woher kannst du vier Sprachen? Und was ist das für ein Buch?"
      Sie hielt ihm sein eigenes Buch vor die Nase.
    • Aradan verblieb eine Weile in seinem Zelt als Renera schon wieder verschwand. Ihre Worte hinterließen im Zelt eine bittere Luft.
      "Besser als Tod zu sein huh?.."
      Flüsterte er vor sich her und blickte hinab. Ihm gingen so viele Momente in seinem Leben durch den Kopf an denen er die Stimmen noch nicht zurück halten konnte. An all die Momente wo er sich selbst unsagbare Dinge antat nur um endlich Ruhe zu bekommen..
      Aber es war nicht der richtige Zeitpunkt um sich nun der Vergangenheit hin zu geben.
      Viel sinnvoller war es nun seinen Körper wieder in Einklang zu bringen. Das funktionierte ziemlich gut mit der Meditation und da ihn ohnehin schon alle besucht hatten die ihn dabei stören könnten, entschied er sich jetzt dafür. Knappe 20 Minuten reichten um sich zu sortieren und seine Genesung weiterhin zu beschleunigen.
      Dann fing es leicht an zu regnen. Auch die Luft roch bereits danach als würde es in den nächsten Momenten schlimmer werden. Alle im Lager räumten schon das wichtigste weg und verkrochen sich in ihre Zelte. Nur Val blieb auf seinem Platz sitzen. Nordmänner machte Regen absolut nichts aus. Und ebenso gehörte Aradan zu denen, die vom Regen eher inneren Frieden fanden und diesen sehr begrüßten. So nutzte er den aufkommenden Regen und trat aus dem Zelt hinaus. Einen Grund sich mehr anzuziehen hatte er in diesem Moment nicht. Es half ihm viel mehr den Regen direkt zu empfangen.
      Er ging zielstrebig auf einen kleinen Felsen zu, welcher knapp einen Meter aus dem Boden ragte. Auf diesen setzte er sich mit verschränkten beinen und strickt aufrechter Haltung, geschlossene Augen und den Armen auf seinen Beinen ruhend. Erst jetzt reagierte er auf Khil.
      "Ein Schiffskapitän hat es mir beigebracht. Ich konnte ihm auf hoher See schlecht entfliehen also hat er es mir regelrecht eingedrängt. Ich würde nicht sagen dass ich gut darin war aber das hat sich geändert nachdem mir Val beibrachte die Runenschrift seines Landes zu lesen und zu schreiben. Ich erkannte worauf ich wirklich achten musste und fügte es zu den Lehren meines Kapitäns hinzu. Aber richtig gelernt habe ich all das erst im fernen Osten. Die Bibliotheken dort sind umwerfend. Es gibt Abteilungen mit Büchern die nur aus erklärenden Bildern bestehen, welche einfach jedes Kind versteht. Auf deinem Wunsch hin, wird es einem dort auch mit einer Engelsgeduld beigebracht."
      Flüchtig blickte Aradan das Buch an welches Khil erwähnte
      "Ah ich sehe. Ich denke du wirst damit nicht viel anfangen können. Das ist grob übersetzt ein Buch der Rätsel."
    • Khil hing mit großem Interesse an Aradan und sah schließlich auf das Buch hinab.
      "Grob übersetzt?"
      Sie schlug die erste Seite auf - und ließ einen Seufzer absoluter Enttäuschung hinaus.
      "Die Sprache beherrsche ich nicht."
      Sie duckte sich ein wenig in Aradans Schatten, um dem Regen zu entkommen, und strich mit dem Finger über die Wörter, die sie nicht entziffern konnte. So viele Wörter, deren Sinn sich vor ihr verbergen würden; Sie könnte Aradan danach fragen, ihr das Buch vorzulesen, aber sie hasste Übersetzungen und außerdem würde sie sich alles aufschreiben müssen, um es nicht wieder zu vergessen und dafür bräuchte sie ein ganzes zweites Buch. Also war dieses Buch wertlos - natürlich war grundsätzlich kein Buch wertlos und sie würde diese beiden Begriffe auch niemals im selben Satz verwenden, aber für sie, in diesem Augenblick, ohne die Fähigkeit die Sprache zu beherrschen, war es wertlos. Sie könnte natürlich die Sprache lernen, aber dafür bräuchte sie eine angemessene Lernumgebung, die richtigen Unterlagen, einen Meister, der ihre Fehler berichtigte, und letztlich Zeit. Sie hatte keins von alledem.
      Sie seufzte erneut und ließ das Buch in der Innentasche ihres Mantels verschwinden, damit es nicht nass würde. Dann warf sie einen Blick auf ihre Notizen, die sie am Vormittag angefertigt hatte und die das erste Blatt von oben bis unten füllten. Wenigstens hatte sie das noch.
      "Das ist enttäuschend. Aber ich habe auch ein paar Nachforschungen angestellt, die dich interessieren könnten. Vielleicht weißt du das aber auch alles schon, in dem Fall sieh es als... Erinnerungsschrift. Für die Zukunft.
      Ich habe mit deinen Leuten gesprochen und mir ein paar Informationen eingeholt, die ein paar meiner Theorien bezüglich Minerva außer Kraft gesetzt und neue entfacht haben. Zum Beispiel bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei Minerva um keine neue Kreatur handelt, so wie wir sie kennen, denn dafür ist sie viel zu sehr auf dich beschränkt und zeigt sich viel zu selten - außerdem bin ich, auf der anderen Seite, überzeugt, dass sie einen bestimmten Zweck verfolgt und das ist untypisch für sämtliche Kreaturen, denen wir jemals begegnet sind. Es kann sich auch nicht um eine Gottheit handeln, wie ich anfangs gehofft hatte, denn dafür ist sie zu menschlich. Sie hat einen bestimmten Trieb, der sie leitet und den es von uns zu entschlüsseln gilt, um sie verstehen zu können. Es liegt außerdem nahe, dass es sich bei ihr um eine Isnijerin handelt, da sie unsere Sprache spricht und das könnte wiederum bedeuten, dass sie örtlich gebunden ist. Man sollte den Versuch wagen sie an einem anderen Ort heranzulocken, um diese Theorie zu unterstreichen.
      Weiterhin glaube ich, dass sie - trotz ihrer Andeutung - dich nicht töten möchte, denn dafür hätte sie schon genügend Möglichkeiten gehabt. Das wirft die offensichtliche Frage auf, was für einen Zweck sie denn verfolgt, wenn sie deinen Körper übernimmt. Wenn wir ihr eine gewisse Intelligenz unterstellen - was ich tue, denn sie spricht in ganzen Sätzen und scheint ein Verständnis für zwischenmenschliche Kommunikation zu haben - möchte ich meine Theorie anführen, dass sie dich und deine Umgebung auf die Probe stellt. Ich halte ihr Auftreten als zu geplant, um nicht einen Sinn dahinter zu verstecken, der das reine Ärgern oder Lustig-machen überschreitet. Sie verfolgt ein Ziel und diesem Ziel kommt sie wohl näher, wenn sie von dir Besitz ergreift. Ihre seltenen Auftritte deute ich als Beweis dafür, dass mehr dahinter stecken muss als eine Laune. Sie möchte dich für ihren Zweck benutzen, aber vorher möchte sie die Grenzen austesten, die ihr zur Verfügung stehen: Sie möchte dich und deinen Körper erforschen und wie deine Umwelt auf sie reagiert. Im Sinne der Wissenschaft schlage ich vor, dass ihr Minerva beim nächsten Mal mehr Spielraum schafft und nicht auf ihre Neckereien reagiert. Es könnte sie verblüffen, oder sogar verunsichern und dann könnte sie euch einen Hinweis darauf geben, weshalb sie überhaupt hier ist."
      Khil richtete ihre Kapuze und sah dann stolz zu Aradan auf. Das war genau ihre Stärke, in der sie aufgehen konnte: Die Recherche.
    • Aradan verharrte in seiner Position während der Regen langsam stärker wurde. Zum Vorteil von Khil war es recht windig, wodurch Aradan tatsächlich wie eine Art Regenschutz wirkte. Obentrein hatte es etwas beruhigendes an all die Bücher zu denken, die er im Osten lesen durfte. Khil hatte ein Talent dafür mit all ihren Fragen einen wieder in die Vergangenheit zu bringen.
      "Wir müssen uns wohl etwas mehr mit dem Thema auseinander setzen Khil. Du vermutest Dinge, die ich dir auch beantworten kann. Aber immer der Reihe nach. Zunächst einmal ist Minerva definitiv keine Kreatur. Sie ist ebenso kein übliches Geisterwesen. Ich gehe derzeit davon aus dass Minerva mit richtigem Namen Mina Ervarika heißt. Ich habe ganze 3 Bänder über diesen Namen gelesen. In einer Bibliothek die nur für die Gelehrten höchster Stufe der Akademie in Liurasch vorgesehen war. Kein anderer durfte sie betreten. Die Regeln sagten aber nie aus, dass diese hochrangig Gelehrten, die Bücher nicht ausleihen durften. So hat Anniera dafür gesorgt dass ich diese Bücher in die Finger bekam. Die meisten Bücher dort handeln über die vergangene Hochkultur und sogar darüber hinaus. Aber diese Mina Ervarika.. Sie war in den Büchern eine vorbildliche Adlige, welche sich für die Armen eingesetzt hat. Du musst verstehen, die Politik damals glich nicht mal ansatzweise der heutigen Zeit. Das Vermögen der Bürger war mit dem eines heutigen Königs zu vergleichen. Aber... Das ist ein anderes Thema. Mina Ervarika verfiel der Schrift nach der Magie. Ganze 4 Jahre nachdem sie in eine Akademie für Magier ging, fehlten in den Aufzeichnungen. Als diese wieder anfingen, schien sie ein anderer Mensch geworden zu sein. Von Egoismus getrieben, sorgte sie nur noch dafür, dass ihre Macht größer wurde. Dabei ging sie über Leichen... oder sorgte selbst für die ein oder andere Person die ihr Ende fand. Es wird ihr nach gesagt dass sie der Magie der Elemente abschwor.. stattdessen nutzte sie Blutmagie und die sogenannten Lehren der Cogitationes. Wenn ich das richtig übersetze, heißt es wohl die Lehren der Gedanken. Ich habe danach geforscht aber in keiner Bibliothek habe ich auch nur eine einzige Studie dazu gefunden. Und als wäre nicht alles schon kryptisch genug, hört in jedem Buch ab einem bestimmten Punkt jeder Bericht oder jede Studie abrupt auf. Als hätte sich die Geschichte eines Tages aufgelöst, bis unsere Kultur sich geformt hat. Was viele Generationen später geschah."
      Kurz legte Aradan eine Pause ein um Khil alles verdauen zu lassen, doch setzte er seine Erklärung fort, bevor Khil wieder in einen Sturm der Fragen ausbrechen würde.
      "Ortsgebunden ist Minerva keinesfalls. Meine Truppe war leider Zeuge davon wie Minerva nahe Liurasch zum ersten Mal die Kontrolle über mich hatte. Ich.."
      Aradan seufzte, entschloss sich dann aber dafür seinen Satz für sich zu behalten, auch wenn er das Gefühl hatte, dass er Khil trauen konnte. Immerhin war sie ziemlich direkt und sprach aus was sie dachte. Das war eine Eigenschaft die er eigentlich mochte, doch nicht in diesem Fall. So behielt er es lieber für sich.
      "Ich meine, das war das einzige Mal, abgesehen von heute, dass sie die Kontrolle über mich hatte. Das Zwielicht ist jedoch etwas schwer zu beschreiben. Diese Geisterwesen folgen mir egal wohin ich gehe. Du hast doch sicher bei Nacht bemerkt wie Motten regelrecht an Laternen zu kleben scheinen. In etwa so ist es wenn ich ins Zwielicht gehe und umher streife. Ich kann mich dort frei bewegen, sehe die Magische Essenz überall um mich herum, doch scheine ich auch diese Geister um mich zu scharen wie Motten, als wäre ich eine Fackel an welche sich die Dinger verbrennen wenn sie mir zu nahe kommen, da ich sie leicht abwehren kann. Nur bei Minerva ist es anders. Sie Denkt. Sie Plant. Sie nutzt jeden schwachen Augenblick in mir. Ich meine.. Sie hat beide schwachen Momente in mir genutzt. Heute war es besonders seltsam. Ich habe sie nicht gespürt. Nicht kommen sehen. Es ist..."
      Er hielt kurz inne als würde er die passenden Worte finden wollen
      "Ich weiß auch nicht. Kennst du dieses Gefühl dass einem sagt man wird beobachtet? Man steht irgendwo im Wald aber es stellen sich einem die Nackenhaare hoch als würde jemand mit gezogenem Bogen hinter dem nächsten Baum lauern. So in etwa ist es zuvor mit Minerva gewesen. Es war als würde mir jemand die Luft zum atmen nehmen. Als wüsste ich dass der personifizierte Tod hinter der nächsten Ecke auf mich warten und hoffen dass ich einen falschen Schritt mache. Wenn ich das merke, ziehe ich direkt etwas der magischen Essenz in mir auf um meinen Schutz zu stärken. Doch heute fühlte ich mich eigentlich ziemlich wohl... Wer weiß... Vielleicht hat mich das Wiedersehen mit Renera abgelenkt. Vielleicht klebte Minerva schon länger an mir. Aber wer weiß das schon.
      Was ihren Zweck betrifft, oder ihr Ziel, habe ich ebenso eine Theorie. Ich bin ein Katalysator. Eine Brücke. Die wohl mächtigste. Wenn diese Minerva also tatsächlich Mina Ervarika ist.. oder war. Glaube ich dass sie die Geisterform jener Person ist und womöglich durch mich wieder in unsere Welt kommen will. Sie wirkt mir jedoch nicht so durchplant wie dir. Es wirkt eher als würde sie einem tiefen Bedürfnis oder Instinkt folgen und dafür eine Taktik einsetzen oder planen. Weißt du, wie wir morgens ohne zu denken das Bedürfnis haben die Vorhänge aufzuziehen um etwas sehen zu können. Wir wissen einfach dass ein Raum völliger Dunkelheit nicht gut ist und so sorgen wir dafür etwas sehen zu können."
    • Khil beobachtete Aradan für genau drei Sekunden lang, dann kramte sie den Kohlestift aus ihrer Tasche, setzte sich auf den nassen Boden und begann die Rückseite ihres Blatts zu beschreiben. Sie sah nicht auf und sie setzte auch nicht die Hand ab, während sie sich das notierte, was Aradan ihr erzählte und dabei immer mal wieder mit dem Kopf wackelte. Als er geendet hatte, schrieb sie zwei weitere Zeilen und hob das Blatt hoch.
      "Das wirft aber wieder neue Fragen auf. Wieso bringst du Minerva in Zusammenhang mit einer Mina Ervarika und warum sollte sich so eine Person im Zwielicht befinden? Ist es überhaupt möglich für Menschen das Zwielicht aufzusuchen, wenn sie kein Katalysator so wie du sind? Würde das vielleicht andersrum bedeuten, dass Ervarika auch ein Katalysator ist oder jedenfalls etwas vergleichbares? Und wieso spricht sie deine Sprache, wenn sie sich dir in Liurasch das erste Mal gezeigt hat? War sie schon früher anwesend und hat sich nur dort erst offenbart? Spricht sie mehrere Sprachen - oder hat sie deine Sprache vielleicht erlernt, als sie sich an dich geheftet hat? Wie kann sie mehrere Jahrhunderte überlebt haben? Nach heutigem Wissensstand war es den Magiern nicht möglich, sich unsterblich zu machen, sonst wären sicher heute noch welche anwesend.
      Aber wenn du davon ausgehst, dass sie den Weg in unsere Welt zurück sucht, dann versucht sie es auf eine sehr umständliche Art. Schließlich könnte sie sich mit dir in Verbindung setzen und gemeinsam versuchen, eine Art Tor zwischen den Welten zu erschaffen, aber stattdessen übernimmt sie die Kontrolle über deinen Körper und greift jeden in ihrer Umgebung an - dich eingeschlossen. So ein Verhalten ist natürlich nicht nur kontraproduktiv, sie verhindert damit auch -"
      Khil stutzte, richtete den Blick ins Leere und setzte sich dann auf.
      "Oh! Aber natürlich. Hm! Wenn es sich bei Minerva tatsächlich um eine Person aus der Hochkultur handelt, dann war sie viele Jahrhunderte im Zwielicht eingesperrt, denn als Magierin hätte sie bestimmt einen Weg hinein und hinaus finden können. Sie wird den Verstand verloren haben! Das ist eigentlich sehr naheliegend, besonders, nachdem sie trotz allem nur ein Mensch ist. Ich kann mir zwar unter dem Zwielicht nichts vorstellen, denn es gibt keine Überlieferungen dazu, aber wenn es dasselbe Reich ist, in dem auch die Kreaturen aus dem Fluss hausen, muss das eine ganz schön anstrengende Zeit sein. Und dann entdeckt sie jemanden wie dich, der durch ihre neue Welt wie ein wandelndes Feuer marschiert und erhält nach Jahrhunderten durch dich eine Verbindung zu ihrer Heimat - zu ihrer richtigen Welt. Hm. Ich denke, ich würde zwar nicht gleich jeden anfallen, aber ich würde bestimmt auch ziemlich merkwürdige Dinge machen. Blumen essen oder sowas."
      Ihr Blick wanderte ins Gras hinab, das sie für einen Moment interessiert musterte.
      "Das würde auch deine Theorie mit einem Instinkt erklären, der sie als Adelige, Gelehrte und Magierin sicherlich noch vorantreibt. Ihr Verstand mag sich gegen den Wahnsinn des Zwielichts abgeschottet haben, aber ihr Unterbewusstsein funktioniert noch einwandfrei. Das bedeutet allerdings auch, dass sie trotz ihres begrenzten geistlichen Verständnisses in der Lage war, eine Verbindung zu dir aufzubauen, die kein anderes Wesen erschaffen hat. Das schreibe ich ihrer damals erlangten Macht zu, was aber auch bedeutet, dass sie sehr mächtig gewesen sein muss. Ich meine, sehr mächtig. Es könnte gefährlich sein, sie zurück in diese Welt zu holen, auch wenn du noch gar nicht weißt wie. Sie könnte einen enormen Schaden anrichten, ohne dass jemand sie aufhalten kann. Schließlich ist sie eine Magierin aus der Hochkultur."
    • "Die Verbindung der beiden Personen ist leicht erklärt. Anniera und ich finden, dass die Persönlichkeit von Minerva und Mina Ervarika gen Ende der Bücher erschreckend ähnlich sind. Dazu noch die Namensverwandtschaft als wäre es eine einfache Abwandlung. Zudem gibt es diese Monster erst seit die Hochkultur fiel. All das könnte miteinander zu tun haben. Anniera ist der Meinung dass die Macht der Magier so groß wurde, dass wir es uns nicht einmal vorstellen können. Unter diesen Voraussetzungen, wäre so ziemlich jedes Scenario möglich. Stell dir nur mal vor dass Minerva versehentlich im Zwielicht gelandet ist und nie wieder hinaus kam. Wenn das tatsächlich stimmt wäre der Wahnsinn nach all den Jahren wohl jedem Menschen gewiss gewesen. Folter in einem dunklen Raum bringt einen Menschen schon nach nur einer Woche zum Wahnsinn. Kaum vorstellbar was Jahrhunderte mit einem anstellen. Aber... Halt warte."
      Aradan öffnete seine Augen. Kurz darauf stand er auf und blickte in die Ferne bis zum Wald, welcher sich etwa 10 Meter von den Beiden entfernt auf tat.
      "Ich hätte schwören können dass sich dort etwas bewegt hat.. Der Wind geht in unsere Richtung. Das wäre unüblich für Banditen."
      Er war sich ziemlich unsicher ob dort wirklich etwas war. Für einen Augenblick befürchtete er sogar dass es seine inneren Alarmglocken waren, die ihn vor Minerva warnten. So kam es ihm dieses mal aber nicht vor. Ein Monster konnte es aber auch nicht sein. Die wären doch längst los geprescht.
    • Reneras Überlebensinstinkt setzte ein. Sie hatte sich trotz des Regens an Svenkovs Hütte zu schaffen gemacht, weil der Regen dabei half die Erde aufzulockern, aber mit einem Mal spürte sie, wie sie neben sich trat, als wäre ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf den Boden vor ihr, sondern auf sich selbst gerichtet. Sie konnte sich ihre Haare vorstellen, wie sie ihr übers Gesicht fielen und langsam nass wurden und sie konnte ihre eigene, schlechte Haltung sehen, wie sie vornüber gebeugt auf dem Boden kniete. Ihr Instinkt machte sie über ihre eigenen Schwachpunkte aufmerksam.
      Sie blickte auf und sah in einiger Entfernung, dass Aradan sich ebenfalls aufgerichtet hatte und zum Wald starrte. Dort kam das Gefühl her, jetzt merkte sie es auch. Sie stand ebenso auf und blickte über die Trümmer von Melora hinweg auf den Wald hinaus, in dem das trübe Sonnenlicht sehr gedämpft wirkte. Sie erinnerte sich daran, wo Khil und sie am gestrigen Tag herausgekommen waren, wie dicht dort das Gestrüpp gewesen war, wo man sich gut vor dem Dorf hatte verstecken können. Sie erinnerte sich an den Pfad, den sie sich mit ihrem Schwert geschlagen hatte und wo er geendet hatte. Und tatsächlich: Als sie sich auf die Stelle konzentrierte, glaubte sie eine schemenhafte Gestalt zwischen den Blättern zu entdecken.
      "Hey!"
      Ihre Befürchtung bewahrheitete sich, als das besagte Gebüsch ein Zittern durchfuhr und die Gestalt nach hinten hin verschwand.
      "Hey", rief sie noch einmal, diesmal lauter, und stürmte los. Sie nahm über die kurze Wiese von Svenkov hinweg Anlauf, schlängelte sich eilig durch die Trümmerbrocken ihres eigenen ehemaligen Zuhauses und setzte schließlich zu einem Sprint an, um mit einem Satz über den Fluss zu springen, so wie es Aradan bereits am Vortag getan hatte. Auf der anderen Seite rannte sie über die überwucherten Felder, sprang über die Reste der Palisaden hinweg und hielt sich den Arm vors Gesicht, als sie in den Wald eindrang.
      Nun konnte sie es auch hören: Das entfernte Rascheln von Schritten im Laub, das Knacken von Zweigen, das dumpfe Stampfen von Stiefeln auf den Boden. Es war nur ein Paar Stiefeln und Renera wusste nicht, wieso sie sich überhaupt so sicher war, dass es Stiefel waren.
      Hinter sich hörte sie, wie Aradan ihr nachsetzte. Sie zog ihr Schwert hervor, um sich einen Weg durch die Blätter zu schlagen und fand bald auf den Pfad zurück, den sie sich schon freigeschnitten hatte. Vor ihr stoppte das Stampfen der Stiefel nur kurz, ehe es von Hufgetrappel abgelöst wurde. Etwa ein Pferd? Sie verfiel erneut in einen letzten, kräftezehrenden Sprint, ehe sie auf dem Trampelpfad hervorstieß, auf dem auch ihr Wagen noch stand und auf dem sie den Schweif des Pferdes um die Kurve verschwinden sah. Das Pferd verschwand mitsamt seinem Reiter. Dort blieb sie keuchend stehen, drehte sich dann zu dem Wagen um und warf einen kurzen Blick auf die Ladefläche. Der Esel starrte sie desinteressiert an.
      "Alles noch da", verkündete sie knapp Aradan, der bei ihr angekommen war. Wer auch immer sie beobachtet hatte, hatte kein Interesse an ihrem Wagen gehabt.
      Sie sah sich noch einmal in Richtung des Pfades um, auf dessen Entfernung noch schwach das Hufgetrappel zu hören war, und richtete ihre Aufmerksamkeit dann auf die feinen Spuren im Pfad. Die Hufe waren deutlich zu sehen, aber auch die Räder des Wagens hatten leichte Striemen hinterlassen, die ein geübter Fährtenleser schnell erkennen konnte.
      "Der Reiter muss dem Wagen gefolgt sein. Sonst würde doch niemand auf die Idee kommen ein leeres Dorf auszuspähen - und ihr seid gestern aus dem Osten gekommen, nicht wahr? Über die Felder?"
      Sie sah zu Aradan und kreiste das Schwert in ihrer Hand.
    • Das plötzliche Aufrufen von Renera bestätigte Aradan's Vermutung. Dort musste ganz klar jemand sein. Aber warum nur rannte Renera los? Es war kein Monster, warum ging sie also ein solches Risiko ein? Wie Aradan es verstanden hatte, konnte sie keinem Menschen etwas antun. Sie rannte demnach dem reinsten Risiko entgegen. Egal wie ungewiss diese Situation war, hatte Aradan nun keine Wahl mehr. Er musste hinterher rennen und hatte keinerlei Zeit mehr dafür seine Waffen zu holen.
      Als er die nun stehende Renera endlich eingeholt hatte, hörte er ihr zu und betrachtete den Boden. Sie hatte Recht. Irgendjemand musste ihr gefolgt sein.
      "Wer auch immer das war.. Er ist entweder vor Angst geflohen um unserer Gruppengröße zu entkommen oder er hat uns ausspioniert. Ein normaler Bandit war das nicht. Banditen achten auf ihre Umgebung. Solche schleichen sich nicht an wenn ihnen der Wind in den Rücken bläst."
      Dann ergab sich eine Gelegenheit die man nicht mehr vermutet hätte. In der Ferne des noch leicht hörbaren trampelns, schienen diese plötzlich zu stoppen. Zeitgleich ertönte ein lautes wiehern, als würde man ein Pferd anpeitschen in einen reißenden Fluss zu laufen, was diese in der Regel nur unter eben diesem lauten Getöse duldeten.
      "Schnell!"
      Stieß Aradan aus, als wäre das Geräusch eine Versicherung gewesen noch eine Chance zu haben, die Person zu ertappen.
      Beide rannten direkt wieder los und erreichten nach einem Kurzen Sprint die Stelle an welcher das Pferd zu hören war. Und tatsächlich. Ein Pferd lag am Boden. Überraschenderweise war es tot.
      "Was ist denn hier passiert?"
      Aradan untersuchte das Pferd während er sich auf Renera's Rückendeckung verließ. Dann fand er die Ursache und rief es unter dem Lärm des stärker werdenden Regens Renera zu.
      "Versteck dich! Da steckt ein Bolzen im Pferd. Wer auch immer uns beobachtet hat, ist nicht der einzige hier."
      Zugleich hörte Aradan etwas durch den Wind schneiden. Was war das? Beinahe Reflexartig riss er seinen Körper von der jetzigen Stelle zur Seite weg.. was wohl das beste war was er tun konnte, denn sauste im selben Augenblick ein weiterer Bolzen haar scharf an seinem Bauch vorbei.
      In der selben Drehung, rollte sich Aradan über den Leichnam des Pferdes um direkt dahinter in Deckung zu gelangen. In diesem Sturm war es beinahe unmöglich zu erkennen wo der Bolzen genau her kam, doch eines war sicher. Kein üblicher Dieb konnte sich in der Regel eine Armbrust leisten.
    • Renera rannte Aradan gleich wieder nach, um das wohl bockende Pferd einzuholen. Allerdings rechneten sie beide nicht damit, dass es tot war.
      Sie blieben daneben stehen und Renera drehte sich in alle Richtungen um, während Aradan das Tier untersuchte. Der Regen wurde stärker und so konnte sie auch nicht hören, ob sich etwas in ihrer Umgebung bewegte. Das stimmte sie nervös und sie warf auch einen Blick in die Baumkronen hinauf.
      "Was?", rief sie verblüfft und drehte sich doch wieder um, um Aradans Blick auf den Bolzen zu folgen. Tatsächlich. Der Reiter, der ein Vermögen für ein Pferd ausgegeben haben musste, war durch einen anderen gefällt worden, der sein Vermögen in eine Armbrust gesteckt hatte. Waren denn heutzutage alle Räuber in Isnijan reich? Welchen Umschwung hatte sie denn in den letzten Jahren verpasst?
      Ein weiterer Bolzen kam herangeschossen und verfehlte sie, nachdem Aradan sein Ziel gewesen war.
      Nun setzte auch Renera sich endlich in Bewegung und verließ den ungeschützten Pfad, um sich ins Dickicht zu schlagen. Knorrige Äste stachen ihr unangenehm in die Seite und ihr Gürtel verhedderte sich mit einem Beerenbusch, als sie sich vorankämpfte. Sie hackte mit ihrem Schwert danach und lehnte sich gegen einen Baum, der dick genug war um ihren Rücken zu schützen. Sie stieß die Luft aus, die sie in ihrer Hast angehalten hatte und versuchte auf ihre Umgebung zu lauschen. Aber die Tropfen waren mittlerweile groß geworden und nachdem es schon eine ganze Weile regnete, konnte sie sich nicht auf die Vögel verlassen. Sie fühlte sich fast blind. Auf dem Pfad konnte sie die schemenhaften Umrisse von Aradan ausmachen, der hinter dem Pferd Schutz gesucht hatte.
      Ein weiterer Bolzen durchschnitt das Strauchwerk neben ihr so heftig, dass die Äste brachen und Blätter in alle Richtungen flogen. Sie wand sich um den Baum herum auf die andere Seite, aber der Bolzen zerfetzte ihr dennoch den Ärmel ihres Oberarms und krachte kurz darauf in den Baum vor ihr. Die pure Wucht des Aufpralls zeugte von einer guten Armbrust.
      Nun konnte sie allerdings sehen, woher der Bolzen gekommen war. Er war aus den Tiefen des Waldes aus versandt worden und noch dazu von einer erhöhten Position. Das machte Sinn, denn am Boden würde sich der Bolzen in sämtlichem Gestrüpp verfangen.
      "In den Bäumen!", rief sie Aradan zu, konnte sich aber nicht vergewissern, dass er sie auch hörte. Er stand selbst unter Beschuss.
      Sie musste in Bewegung bleiben. So still, wie sie stand, bot sie eine zu gute Angriffsfläche und so duckte sie sich nach vorne und preschte auf eine möglichst freie Fläche zu, die es im Dickicht gab. Ein zweites Surren durchzog die Luft und der nächste Bolzen krachte in den Boden hinter ihr ein. Der Angreifer musste es darauf abgesehen haben, sie kampfunfähig zu machen.
      Sie setzte über einen umgefallenen Baumstamm hinweg und duckte sich dahinter. Jetzt konnte sie nicht mehr ausmachen, wo Aradan sich befand, aber dafür hörte sie vor sich weitere Geräusche. Es klang wie das Klirren von Stahl und das entfernte Schnaufen von Kämpfenden. Wahrscheinlich der Reiter, schließlich war er auch angegriffen worden. Sie sollten ihm eigentlich zur Hilfe kommen, aber Renera zögerte. Das war kein Kampf, in dem sie bestehen konnte - leider war sie schon viel zu sehr mit hineingezogen worden. Allerdings schien der Reiter gegen jemanden auf dem Boden zu kämpfen, gegen den auch sie sich stellen konnte. Die Schützen in den Bäumen blieben unerreichbar, solange sie sich nicht auch auf den Boden begeben würden - und das mussten sie, sobald ihre Feinde zu nahe an ihren eigenen Leuten waren. Also war der Reiter ihre einzige Chance.
      "Aradan, hier drüben!", rief sie, in der Hoffnung seine Aufmerksamkeit zu erregen und schoss kurz darauf hinter dem Baumstamm hervor. Der Bolzen kam, so wie sie gedacht hatte, und sie hechtete zur Seite, aber er war schnell genug, um sie zu streifen. Seine Spitze zerriss das Hemd an ihrer Hüfte und Blut spritzte hervor, aber der Schnitt war nur äußerlich. Sie keuchte auf, strauchelte für einen Moment, dann schlug sie sich an einem herabhängendem Ast vorbei und geriet kurz darauf auf die kleine Fläche, auf der sich der Kampf ereignete.

      Es war nicht viel Platz zwischen den Sträuchern und den Ästen, aber die Kämpfenden hatten während ihres Aufeinanderprallens bereits eine ziemlich große Fläche niedergetrampelt. Es war zwei gegen einen, aber der einzelne Mann stand noch, bewegte sich kühn zwischen den beiden anderen umher und riss sein Schwert in weit ausholenden Schwüngen herum. Die anderen beiden hatten ihm bereits ordentlich zugesetzt: Sein Mantel war blutverschmiert und in seinem Bein steckte ein Bolzen, aber er hielt noch immer mit einer rasenden Kraft stand. Der Kampf hatte schließlich auch noch nicht lange gedauert.
      Renera brach unter dem Ast hervor, zog auch ihr anderes Schwert und brachte einen der Kämpfer mit einem Pfiff dazu, sich zu ihr umzudrehen. Sie verringerte die Distanz zu ihm - es war ein älterer Mann in Lederrüstung - und hob die Schwerter, so als wolle sie angreifen. Er fiel darauf herein, wandte sich ihr zu und stach mit dem Schwert nach ihrer ungeschützten Seite. Er hatte den Köder geschluckt. Sie riss ihre Schwerter stattdessen herab, lenkte seinen Schlag nach hinten hin ab und drehte sich dabei in die andere Richtung, um ihn zu ihrem Tanz einzuladen. Er wich zurück, stach zu und versuchte dabei beide ihre Schwerter im Blick zu behalten. Doch sie wagte keinen Angriff, drängte ihn stattdessen von dem einzelnen Mann weg, fing seine Schläge auf und ließ sich auch selbst manchmal zurückdrängen, um ihm im Glauben zu lassen, die Überhand im Kampf zu behalten. So blieb nur zu hoffen, dass Aradan sie schnell genug fand, oder dass der andere Mann seinen Gegner schnell fällen und ihr zur Hilfe kommen würde.
    • Alles geschah rasend schnell. Bevor Aradan überhaupt planen konnte, fand er sich schon hinter dem Pferd wieder und blickte nur flüchtig darüber hinweg um den Angreifer ausfindig zu machen, ebenso wie die Position von Renera. Beides gelang ihm nicht, was ihn wütend machte. Hätte er doch bloß seinen Bogen dabei gehabt. Der Armbrustschütze wäre längst Geschichte gewesen. Unter fähigen Schützen war es eine Regel, dass jener der zuerst schoss, sein Ziel treffen musste. Ansonsten wäre die Position aufgeflogen und der Konter wäre gewiss. So auch hier. Aradan wusste haar genau wo er hätte hin schießen müssen. Doch hatte er nur seine Fäuste als Waffe dabei, denkbar ungeeignet um einen Armbrustschützen zu bezwingen.
      Dann rief Renera. War das ein Fehler? War das gewollt? In diesem Regen war es zumindest unwahrscheinlich dass der Schütze ihren Ruf hätte hören können, immerhin konnte Aradan selbst ihren Ruf nur schwach verstehen.
      Was dann aber etwas klarer wurde, war das Rascheln von Gestrüpp. Das musste Renera gewesen sein, welche in eine klare Richtung sauste. Ihr folgten immer in regelmäßigen Abständen die sausenden Pfeile, was Aradan zu ungunsten des Schützen nutzte. Die Position lag ihm nun klar vor Augen. Es war raffiniert. Der Aggressor hatte eine erhöhte Position. Vermutlich sogar in der Baumkrone. Dessen größer Nachteil lag aber darin, sich auf Renera zu fixieren.
      Diese Situation ausnutzend, preschte Aradan hervor, direkt auf die Richtung zu rennend wo sich der Schütze befinden musste. An dem vermutetem Baum schaffte es Aradan in seinem Sprint ganze fünf Schritte hinauf zu laufen ehe er die Äste packen musste um sich schleunigst hinauf zu ziehen. Der laute Regen auf den Blättern des Baumes sorgte dafür dass man ihn nicht kommen hörte ehe er den Schützen tatsächlich in der Baumkrone fand und diesem in einem Satz die Armbrust abnahm und dem überraschten Mann dein eigenen Bolzen ins Herz jagte.
      Ohne mit der Wimper zu zucken, glitt Aradan direkt wieder den Baum hinunter um nun Renera hinterher zu laufen.
      Doch als er grade die leicht offene Fläche erblickte, hielt sich Aradan zurück und verschwand vorerst wieder in der Natur um den Kampf zu beobachten. Renera war geschickt dabei ihr Ziel weg zu locken. Aradan bemerkte ganz klar dass er nicht belogen wurde. Sie hätte ihren Angreifer so oft nieder strecken können, verblieb jedoch in der Verteidigung. Aber langsam war es genug der Beobachtung. Er schlich hinter dem Angreifer heran, welcher auf Renera fokussiert war und nutzte die Verborgenheit aus um der Person beinahe unmenschlich hart gegen das Kreuzbein zu treten. Dabei schrie die Person auf und landete gelähmt auf dem Boden. Es war ein präziser tritt der dem Feind nur zwei Optionen lies. Fortan ohne das Gefühl in den Beinen weiter leben zu müssen, oder... wie es letzten Endes der Fall war, kurz darauf das Genick gebrochen zu bekommen.
      Aradan ging in seinem Kampf gegen Feinde genau so vor wie er Renera gewarnt hatte. Er nutzte jede Gelegenheit, sei sie auch noch so skrupellos, um seine Feinde zu bewältigen.
      Das zeigte sich dann aber noch mehr beim zweiten Kampf, welchen sich Aradan direkt anschloss.
      Der Verwundete war ganz klar jener, welchem das Pferd gehörte, denn hatte dieser einen Bolzen im Bein und konnte im Fall der Fälle ohnehin nicht mehr fliehen, also galt es nun die letzte Person zu bezwingen.

      Aradan legte zwei seiner Finger in den Mund um ein lautes Pfeifen auszustoßen, welches die Aufmerksamkeit des fitten Angreifers von dem Verletzten auf Aradan lenkte. Zeit genug dass sich Renera um den Verletzten kümmern konnte, welcher die Hilfe hoffentlich würdigen würde.
      "Wer seid ihr?!?"
      Brüllte der fitte Angreifer wütend als er nun sogar ein zweites Schwert zog. Das war tatsächlich ein eher unübliches Bild. In diesen Landen war der Kampf mit zwei Schwertern wohl eher unter den begabteren Kämpfern geläufig, welche nicht an jeder Ecke aufzufinden waren. Aradan musste sich eingestehen sogar nur Renera zu kennen, welche diese Kampfart beherrschte und Aradan selbst hatte nichts als seine nackte Haut entgegen zu bringen. Immerhin stand er seinem Ziel mit nichts als einer Hose entgegen. Das war wohl die Zeit um sich seiner Kampfkunst hinzugeben.
      "Das geht dich nichts an. Sag mir lieber wer du bist und ich werde dich eventuell verschonen."
      Das wirkte. Die Person rümpfte die Nase als hätte Aradan ihn persönlich angegriffen und rannte mit beiden Klingen weit von sich gestreckt auf Aradan zu. Schnell war der Abstand auf einem Minimum reduziert, da zog Aradan seine Arme hoch vor seinen Körper und drehte sich seitlich ein, als würde er sich erbärmlich ergeben.
      "Okay okay, ich ergebe mich!"
      Schlotterte Aradan in einer ängstlichen Stimme, was den Angreifer nur noch mehr anstachelte um im letzten Schritt mit einem wilden Schwinger sein Ziel in zwei teilen zu können, was allerdings darin endete, dass dem Angreifer noch im Ansturm schwindelig wurde, nur um zu sehen dass sich die Arme von Aradan wieder senkten, samt einem kalten, beinahe tödlich gezieltem Blick.
      So endete es darin, dass Aradan seine Fähigkeiten nutze um in seinem nahen Umfeld die Luft so zu verändern, dass jedem schwindelig wurde welcher sich auf einem Meter nähern würde. Unmittelbar danach war es ein leichtes den schwammigen Streich des Angreifers mit einem leichten ducken zu entgehen, nur um daraufhin mit vollster Kraft gegen das Schlüsselbein zu schlagen. Das bersten beider Knochen war sogar unter dem Lärm des Regens zu hören. Ebenso wie das aufkommen eines Körpers, welcher den Boden fand.
      Aradan war derjenige der aufrecht stand und mit weiten Augen auf seinen Angreifer hinunter blickte. Es war beinahe als würde er mehr wollen. Und so kam es auch genau dazu. Aradan stellte sich über den besiegten Mann, lies sich auf seine Knie nieder und packte dessen Hals so stark dass der besiegte Angreifer nach Luft röchelte und mit letzter Kraft versuchte seine Hand schützend vor sein Gesicht zu halten während Aradan schon mit seiner Faust weit ausholte. Dabei verlor er jeden Ausdruck und jede erkennbare Emotion.
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