[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Der Mann zuckte bei der Berührung zusammen, sagte aber nichts mehr. Anscheinend schien er zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass es doch besser war, nicht zu viel zu verraten, wenn er nicht direkt danach gefragt wurde.
      Khil schien dabei ganz begeistert. Sie hatte sich unlängst von dem Anblick der Seren losgerissen und schien bei der Aussicht auf ein weiteres Mysterium, das es zu erforschen gab, ganz hingerissen zu sein.
      "Wir haben einen Gefangenen! Sowas hatte ich noch nie. Das ist fast wie ein Sklave."
      Renera warf ihr einen finsteren Blick zu, sagte aber nichts und seufzte, als sie sich zu ihr wandten.
      "Es ist tatsächlich zu gefährlich ihn gehen zu lassen, besonders nachdem er Bericht erstattet. Er bleibt, aber nur, solange ihm niemand noch mehr Gelenke bricht und nur, wenn ihr mit ihm auf Isnijan redet. Es macht mich nervös, wenn ich euch nicht verstehen kann."
      Sie blickte auf den Mann hinab.
      "Wie heißt du?"
      Er sah zu ihr hinüber und ließ sich Zeit mit seiner Antwort, ehe er schließlich sagte:
      "Reshli."
      Der Name stammte aus dem Osten und hatte die Bedeutung "Ausgestoßener".
    • Alle Anwesenden nickten in stiller Zustimmung. So war es beschlossene Sache.
      "Gut. Dann werden wir ihn vorerst mitnehmen. Aber wir müssen ihn unter permanenter Beobachtung halten. Bestenfalls sollten immer zwei Personen ein Auge auf ihn haben. Wir wissen nichts über ihn. Er könnte uns noch vieles verheimlichen. Wer weiß, vielleicht beherrscht er ja selbst Magie. Ich will jedes Risiko ausschließen. Keiner von uns wird ein unnötiges Risiko eingehen."
      Dann sah er Khil an
      "Das gilt besonders für dich Khil. Der Drang nach Wissen ist etwas gutes, doch kann dich eine zu große Neugier auch in unnötige Gefahr bringen. In einer Gruppe wie unserer, würde es bedeuten dass du nicht nur dich, sondern alle in Gefahr bringst. Ich bitte dich also vorsichtig zu sein. Okay?"

      Jarku und Daikata kümmerten sich derweilen schon darum dem Mann der sich als Reshli vorstellte, die Handgelenke vor sich zu verbinden.
      Kurz darauf ging Aradan zu Renera und blickte sie noch immer konzentriert und ernst an.
      "Dürfte ich dich kurz unter vier Augen sprechen?"
      Es war eine rhetorische Frage. Er wartete nicht auf eine Antwort und ging schon los. Der starke Regen störte ihn nach wie vor nicht. In diesem Fall war es sogar sehr von Vorteil. Mehrere Meter von seinem Zelt entfernt blieb er abrupt mitten auf einem durchnässt, matschigen Boden stehen. Plötzlich riss er seinen ganzen Körper um 180° zu Renera um und nutze die dabei entstehende Wucht um ihr einen nicht gebremsten Schlag in Richtung ihres Brustbeins zukommen zu lassen.
      Renera hatte es sich gewünscht und er hielt sein Wort. Das Training begann.
    • Reshli zeigte sich als ausnahmslos kooperativ, wenngleich seine Augen noch immer den puren Hass versprühten, während er sich die Hände verbinden ließ. Dabei starrte er vor allem Jarku giftig an und schien so, als würde er noch etwas sagen wollen. Wahrscheinlich wollte er den Mann in seiner Heimatsprache verfluchen, musste sich nun aber zurückhalten, nachdem er wusste, dass er ihn verstehen konnte.
      Khil versprach Aradan hoch und heilig, dass sie nichts dummes anstellen würde und ihren Wissendrang zügeln konnte. Nur zwei Sekunden später, als Aradan weitergegangen war, tauchte sie neben Daikata auf und tat so, als würde sie die Fesseln von Reshli begutachten, bevor Daikata sich aufrichtete und sie gleich mit.
      "Daikata?", fragte sie ganz sanft. "Willst du mir erzählen, was in deinen Seren drin ist? Nur eine einzige Zutat? Oder, nein, woher die Farbe kommt? Oder, nein, was du als Emulgator verwendest? Nur einen einzigen?"
      Dann machte sie ihm den Hundeblick, den sie am Vortag schon bei Jarku versucht hatte - diese gerissene Schlange hatte sich von ihrem berühmten Blick einfach losgerissen - und präsentierte ihn Daikata. Ihre Augen wurden dabei riesig, ihr Mund ganz schmal und ihr Kinn bebte ganz leicht.
      "Biiiiiitte?"

      Renera blickte dabei zu Aradan auf, der sich ihr näherte.
      "Sicher."
      Sie streifte sich die Decke von den Schultern und folgte ihm zurück in den Regen, der mittlerweile wieder stärker geworden war. Was hätte sie nicht alles für einen Pelzmantel gegeben, aber sowas war teuer - und lang würden sie hoffentlich eh nicht draußen bleiben.
      Sie hatten sich ein paar Meter von den anderen entfernt, als Aradan plötzlich zu ihr herumwirbelte. Seine so abgehackte Bewegung kam so überraschend, dass Renera kaum die Ursache verstand, noch richtig darauf reagieren konnte, als seine Faust auf sie zuraste. Eine Panik entflammte in ihr, die ihren ganzen Körper unter Strom versetzte und sich genauso anfühlte, als Minerva auf sie zugeschossen gekommen war. Sie war so langsam, als sie auszuweichen versuchte und schaffte es nicht. Die Geschicklichkeit, die sie beim Kampf gegen die Kreaturen entwickelt hatte, war bei diesem Überraschungsangriff nicht annähernd so ausgeprägt. Sie bog sich zur Seite und musste mit dem Gleichgewicht kämpfen, als er sie stattdessen an der Schulter traf. Ein stechender Schmerz durchfuhr sie und sie sog scharf die Luft ein; Er hielt sich nicht zurück - das war es also. Die Erkenntnis über die Ursache half ihr allerdings auch nicht mehr.
      In einem panischen Gedankengang versuchte sie die unmittelbare Nähe seines Armes zu nutzen und packte sein Handgelenk, aber er entriss sich schnell ihrem Griff. Das war eine andere Art von Kampf, bei der man nicht vor der Schärfe einer Klinge zurückschrecken musste und so hatte sie auch nichts, womit sie ihn bedrohen konnte. Also verfiel sie in die Wasserhaltung, nachdem ihr nichts besseres einfiel und versuchte seinem nächsten Schlag auszuweichen.
    • Daikata wusste schon was auf ihn zu kam als sich Khil an ihn heran tappselte. Kaum als er den Mann gefesselt hatte, kam auch schon die Bestätigung. Er musste schon zugeben dass es irgendwie niedlich war, doch das für viele Monate? Das wäre noch eine ganz schöne Aufgabe geworden. In diesem Moment nickte er aber nur in Richtung des gefesselten Mannes.
      "Keine besonders gute Idee so etwas vor einem Gefangenen preis zu geben oder? Komm mit."
      Anschließend bat er Valterri kurz die Wache mit Jarku zu übernehmen und ging mit Khil in das große Zelt, in welchem man sogar stehen konnte. Die Zwillinge spielten ein Kartenspiel gegeneinander und die übrigen 4 Personen schliefen tief und fest.
      "Sortiere dich Khil. Ich kann dir sagen was sie bewirken. Aber dir eine komplexe Mixtur anzuvertrauen ist noch zu früh. Aradan vertraut dir weil du mit seiner Kindheitsliebe durch die Lande ziehst. Ich hingegen kenne weder Renera, noch dich. Nimm es also nicht persönlich wenn ich dir nicht direkt meine Mixturen verrate. Es sei nur so viel gesagt, dass ich nicht gelogen habe. Eines davon hätte seine Sinne erweitert. Er hätte einfach alles um ein vielfaches intensiver wahrgenommen. Ich habe es ursprünglich entwickelt um Aradan dabei zu helfen seine Fähigkeiten zu fokussieren. Das andere Serum war dazu gedacht ihm beim schlafen zu helfen. Doch hat es mit dem Kopf etwas anderes angestellt. Es lockerte andere Rezeptoren so sehr, dass er sich unwohl fühlte und beinahe jeden Gedanken frei ausgesprochen hat. Es ist nützlich für ein Verhör, doch hat es viele Nebenwirkungen die ich vorerst ausloten muss."

      Aradan dachte bei diesem "Training" über nichts nach. Er unterschied nicht zwischen Freund und Feind, genau so wie es Renera von ihm verlangte. So nutzte er den heftigen Regen direkt aus um ihrem Griff zu entkommen. Bei so einem Wetter war es beinahe unmöglich einen festen Griff effektiv auszuüben.
      Als er seinen Arm noch nach hinten zog, lies er seinen Körperschwerpunkt rapide fallen um sein ausgestrecktes Bein über den Boden kreisen zu lassen. Hätte dieser Schwinger getroffen, wäre Renera sofort auf dem Boden gelandet, doch hob sie im letzten Moment ihren anvisierten Fuß hoch, wodurch Aradans Angriff ins Leere ging. Doch noch auf dem Boden, nutze er direkt seine Hand um Renera einiges an Schlamm genau in ihr Gesicht zu werfen.
      Danach ging alles ganz schnell.
      Beim aufstehen nutzte er seine Kraft in den Beinen zur Unterstützung einer stark hoch preschenden Faust, dessen Ziel Renera's Magen war. Diese Traf mit voller Stärke, gefolgt von einer Kombination einer perfekt einstudierten waffenlosen Kampfkunst. Ein regelrechter Trommelwirbel hagelte auf Renera ein der sie an jeder erdenklichen Stelle traf, die besonders empfänglich für schmerzhafte Treffer waren. Als Aradan dann endlich aufhörte, sprang er einen kleinen Satz zurück. Doch war es nicht das Ende. Der letzte Schmerz würde noch folgen. Denn nutzte Aradan diesen Abstand um seine längste Waffe zu nutzen, den ausgestreckten seitlichen Tritt, welcher Renera's zuerst getroffene Schulter traf wie ein Rammbock welcher ein Schlosstor öffnen wollte oder eine Lanze eines Reiterturniers.
      Dieser Tritt traf Renera so hart, dass sie sich ein mal um die eigene Achse drehte.

      Erst jetzt sah Aradan Renera als besiegt an und stellte sich über der am Boden liegenden Frau. Erst nach wenigen Sekunden wich der ernste Blick aus seinem Gesicht, nach welchem er sich auch zu ihr hinunter beugte und die Schulter begutachtete. Sie war nicht gebrochen, doch ganz sicher ausgekugelt.
    • Khil folgte Daikata äußerst bereitwillig ins Zelt. Wäre Renera dabei gewesen, hätte sie sie davor gewarnt allein mit diesem Mann wegzugehen, aber Renera war mit Aradan weggegangen, also dachte sie nicht zwei Mal über diese Handlung nach. Im Zelt angekommen nickte sie fest.
      "Sicher. Das verstehe ich. Ich werde dich nicht bedrängen."
      Dann hing sie sich dennoch voller Aufmerksamkeit an seine Lippen.
      "Das hört sich ausgesprochen interessant an. Ich bin leider keine vollwertige Alchemistin, sonst hätte ich den Wirkstoff sicher besser beurteilen können. Bist du ein Alchemist, Daikata? Lernt man sowas am Königshof?"

      Die Wasserhaltung trug nicht zur Besserung der Lage bei, wenngleich Renera Aradans nächstem Angriff noch ausweichen konnte. Es war einfach kein fairer Kampf und er hätte auch nie einer sein sollen. Sie bekam eine Ladung Schlamm ins Gesicht, den sie sich hektisch wieder herunterzuwischen versuchte und der ihr in die Augen und in den Mund kam und kurz darauf folgte ein Schlag in den Magen, bei dem sie sämtliche verbliebene Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang aufgab. Aradan schlug mit einer Härte zu, bei der sie glaubte, dass sämtliche ihrer Innereien zerquetscht würden und der sie eigentlich zur Aufgabe zwang. Sie krümmte sich vornüber, während Aradan noch nicht fertig war und schlang den Arm mit der schmerzenden Schulter um ihren Bauch, während sie den anderen dazu nutzte, ihren Kopf vor seinen Schlägen zu bewahren. Sie fühlte sich mit einem Mal zehn Jahre jünger und an die Grenze von Isnijan versetzt, als sie erschöpft mit dem Deserteur in den Wald geflohen war, wo sie zwischen den Bäumen die Soldaten abgehängt hatten. Er hatte in seiner blinden Wut auch auf sie eingeschlagen und wie schon vor zehn Jahren versuchte sie bei Bewusstsein zu bleiben, um ihm nicht auch noch diese letzte Genugtuung zu geben.
      Schließlich folgte der letzte Schlag und sie schlug auf dem Boden auf. Sie schmeckte Schlamm, als sie nach Luft rang, aber nach Luft ringen tat weh und ihr Magen rebellierte, wozu sie sich auf die Seite rollte, was noch viel mehr schmerzte und ihr ein Ächzen entlockte, was ihrem Magen wiederum den Rest gab und er sich seines Frühstücks entledigte. Wenigstens wurde der Schlamm rausgewaschen, aber dafür schoss bei jedem Husten ein Stechen durch sämtliche wunden Stellen an ihrem Körper und davon gab es viel. Sie krümmte sich zusammen und drehte sich zurück auf den Rücken, was erneut schmerzte, was besonders in ihrer Schulter schmerzte, die sich so falsch anfühlte, als würde sie nicht am richtigen Ort sein. Sie konnte durch den herabfallenden Regen kaum etwas sehen und fast bildete sie sich ein, die Rufe der anderen zu hören, als sie sie fanden und den anderen von ihr wegzerrten. Irgendwer kam ihr doch immer zu Hilfe, oder etwa nicht? Sie hatte sich noch nie allein aus einer Situation herausgekämpft, irgendwer war immer da um ihr eine Hand zu reichen. Hatte sie es überhaupt verdient, dass sie lernte, auf sich selbst acht zu geben? Musste sie nicht eher auch mal diejenige sein, die anderen die Hand reichte?
      Sie versuchte sich über die gesunde Schulter hinweg aufzurichten, aber ihr ganzer Oberkörper fühlte sich an, als würde er jede Sekunde in tausend Einzelteile zerspringen und sie ächzte erneut, ehe sie sich wieder hinlegte. Sie würde einfach dort schlafen, das erschien ihr eine gute Idee zu sein. Ein guter Ausweg aus dieser Situation. Sie blinzelte der Gestalt vor sich im Regen träge entgegen.
    • Daikata musste tatsächlich etwas verlegen weg schauen und verschränkte die Arme.
      "Ehm.. Nunja. Wenn ich ehrlich sein soll habe ich das Meiste aus Büchern gelernt. Am Königshof wurde einem nur selten gestattet selbst zu denken. Ich habe hier und da versucht die Lehren zu kombinieren wenn keiner hin sah aber das ging meist ziemlich schief. Wenn eine Rezeptur über Nacht ziehen musste, hatte ich nur wenige Momente. Es war also meist vorbestimmt zu scheitern. Aber seit ich mit Aradan unterwegs bin, besteht er sogar darauf dass ich mein Wissen mit Versuchen erweitere. Eigentlich sollte das Leben doch immer so sein nicht wahr? Fortschritt durch geistreiche Menschen die Dinge wagen welche noch nie gewagt wurden. Könige haben angst davor. Vermutlich weil etwas dabei rum kommen könnte, was deren Position gefährdet. Bei all der Korruption in den Ecken, wundert mich das nicht. Aber wie steht es um dich? Wie bist du dazu gekommen lesen und schreiben zu lernen? Selbst am Hof ist das keine übliche Fähigkeit."

      Der Regen wusch bereits das Meiste an Schlamm beider Körper hinunter als Aradan bemerkte wie Renera's Körperspannung mehr und mehr nach lies. Erst versuchte sie gegen den Schmerz zu kämpfen, was er mit Respekt beobachtete, doch als sie langsam aber sicher flacher atmete um der Müdigkeit nach zu geben, holte Aradan aus und verpasste Renera eine kräftige Ohrfeige samt ernsten Worten.
      "Vergiss es! Nicht einschlafen. Bleib wach. Kämpfe! Akzeptiere den Schmerz. Benutze ihn. Setze ihn ein."
      Renera so voller Schmerz zu sehen, hätte Aradan selbst beinahe dazu gebracht sie direkt ins Zelt zu Daikata zu bringen, doch dann dachte er an all die Worte die ihm Renera sagte. Über ihre Vergangenheit. Ihrer Qual. Hätte er sie nun behütet, sie verpflegt und sich direkt um sie gekümmert, hätte sie niemals wachsen können. Es wurde Zeit dass ihr Jemand dabei helfen würde zu wachsen, statt zu fliehen. Also stand Aradan auf und hielt Renera seine Hand hinunter, welche sie erst greifen konnte, wenn sie es schaffte sich noch etwas aufzurichten und gegen den Schmerz anzukämpfen.
      "Ich reiche dir meine Hand. Wenn du es schaffst sie zu greifen, erlaube ich dir in Ohnmacht zu fallen. Du bist stärker als du glaubst Renera. Zeig mir dass ich mich nicht in dir irre."
    • Khil hielt den Kopf schräg. Sie wollte weitere Fragen stellen, zum Beispiel danach welche Bücher Daikata gelesen hatte und wie seine Experimente aussahen, aber gleichzeitig musste sie sich daran erinnern, dass sie ihm versprochen hatte, ihn nicht zu bedrängen. Was für ein Mist. Jetzt hatte sie doch tatsächlich ihre eigenen Forschungen beeinträchtigt. Ob sowas in der Geschichte der Menschheit schonmal passiert war? Vielleicht sollte sie sich eine wortgewandte Anekdote dazu einfallen lassen, um diesen Moment auch nicht zu vergessen. Aber erst einmal würde sie selbst Daikatas Frage beantworten.
      "Oh, meine Eltern waren sehr religiös, aber auf eine... schwierige Art. Sie waren der Überzeugung, dass eine Waffe nur einen mittelbaren Weg zum Ziel schafft, während die Schrift einen unmittelbaren darstellt. Die Menschheit hat seit ihrer Geburt bewiesen, dass Kommunikation das einzige ist, was uns voranbringt, sie steht hinter unseren Beziehungen, hinter unseren Entscheidungen, hinter den Plänen die wir schmieden und hinter den Waffen, die wir schwingen. Man könnte sagen, dass sie die Schrift verehrt haben. Ja, ich denke, das kommt hin. Sie haben es mir beigebracht, weil sie in nichts anderem auf der Welt ihr Vertrauen setzen. Ich habe, solange ich nur denken kann, schon in Büchern gelesen und meine Schrift verbessert. Meine Mutter hat immer gesagt, dass nur eine gute Schrift dazu bestimmt ist die Leben der Menschen zu überdauern und dabei wollte sie eigentlich immer nur ausdrücken, dass ich noch nicht schön genug schreibe. Ich habe meine Prüfung zur Gelehrten abgelegt, weil ich schon alle Bücher kannte, die sie in den Universitäten unterrichten und wäre Renera nicht gekommen, würde ich immer noch ein halbes Dutzend Kerzen am Abend verbrennen, um neue Bücher durchzulesen. Der Kaiserhof in Ashkenia hatte wirklich viele. Aber schließlich sind es auch nur Bücher und nicht mehr, nicht wahr? Genauso wenig wie dich deine Bücher zu einem Alchemisten gemacht haben, haben mich meine Bücher zu einer Wissenschaftlerin gemacht. Am Ende des Tages ist es immer noch die Praxiserfahrung die zählt, nicht wahr?"
      Sie musterte Daikata mit einem aufrichtigem Lächeln auf den Lippen und verschränkte dabei die Hände hinter dem Rücken.

      Eine Ohrfeige brachte Renera zurück in die Realität und sie blinzelte sich den Regen aus den Augen. Sie erkannte Aradan vor sich und sie erkannte auch die Hand, die er ihr entgegenstreckte. Sie war nicht weit entfernt, aber doch zu weit, um sie aus ihrer liegenden Position zu erreichen. In ihrem Bauch krampfte sich alles zusammen und der kalte Regen half nicht unbedingt dabei, dass sie sich besser fühlte. In ihrer Schulter pochte der Schmerz dumpf, als wolle er sie daran erinnern, dass er auch noch da war. Und wenn sie sich nicht auf die Hand vor sich konzentrierte, konnte sie fast die Rufe der anderen hören, die ihr zur Hilfe kamen.
      Aber es würde keiner kommen um Khil zu helfen, wenn Renera dort auf dem Boden liegen blieb. Es würde auch keiner kommen um Reshli bei Seite zu stehen, wenn es die anderen nicht taten. Es würde keiner kommen, der sich freiwillig einer Gruppe Läufer stellte, damit sich das Dorf verbarrikadieren konnte, es würde keiner kommen, der jungen Mädchen zeigte, wie sie sich aus einem Klammergriff winden konnten und wenn Renera nicht da war, würde niemand den Tod all jener Soldaten vergelten, die auf dem Schlachtfeld gefallen waren.
      Sie stöhnte, als sie sich erneut aufrichtete, gegen die anbahnende Übelkeit ankämpfte und den Schmerz in ihrem Körper zu verdrängen versuchte. Ihre Schulter drohte zu explodieren, als sie sich auf dem Arm abstützte, um mit dem anderen Aradans Hand zu ergreifen. Ein Teil von ihr wollte in diesem Moment sein Angebot wahrnehmen und sich wieder auf der Erde zusammenrollen, um endlich einzuschlafen, aber der andere Teil realisierte, dass Aradans Hand nicht nachgab, als sie sie ergriff. Sie hing wie ein unbeweglicher Fels in der Luft vor ihr und selbst als Reneras Griff sich zu lockern drohte, gab seine Hand nicht nach und zog sich auch nicht zurück. Sie hing einfach vor ihr wie ein rettendes Seil und wenn Renera es nicht an sich zog, würde das Seil verschwinden. Es würde ihr keine zweite Chance geben, so wie Renera auch sonst nie eine zweite Chance erhalten hatte.
      Sie spannte ihren Arm an, kämpfte sich hoch in eine sitzende Haltung, drückte ihren kraftlosen Arm gegen den Bauch, der sich wie Brei anfühlte, spannte ihren Arm noch ein wenig mehr an, ergriff Aradan beim Unterarm und zog sich an ihm hoch. Ihr Magen wollte sich bei diesem Manöver noch einmal umdrehen, aber mittlerweile war er leer und so drang nur ein Husten hervor, das sie bis auf die Knochen erschütterte, als sie sich endlich halbwegs aufrichtete. Sie hielt sich noch immer an Aradan fest, kämpfte mit ihrem Gleichgewichtssinn und presste schließlich hervor:
      "Melora."
    • Daikata staunte nicht wenig. Er war tatsächlich überrascht über das was Khil erzählte. Noch bei der Hälfte wollte er ihr raten das Leben mehr zu fokussieren und nicht nur den Kopf in den Büchern zu haben, was sie dann aber selbst gen Ende schon hervor hob. Renera schien einen ziemlich guten Einfluss auf Khil zu haben.
      "Das ist.. Bemerkenswert. Ich bin froh dass du den Weg ins Leben gefunden hast. Ich kann dir nur Recht geben. Erst die Eindrücke im Leben selbst haben mir gezeigt was wirklich wichtig ist. Bücher, Schriften, Könige oder der Materielle Besitz.. Das alles verblasst und ist wertlos wenn man erstmal gelernt hat zu leben."
      Da legte er seine Hand auf Khil's Schulter und nickte ihr lächelnd zu
      "Bewahre dir deine Einstellung und du wirst dir in dieser Welt einen großen Namen machen der die Ewigkeit überdauert. Dessen bin ich mir sicher. Doch vergesse niemals zu leben. Du musst nicht alles wissen um glücklich zu sein."

      Aradan sah Renera dabei zu wie in ihrem Kopf ein regelrechter Kampf um leben und Tod vor sich zu gehen schien. Immer wieder drohte sie nachzugeben, riss sich aber immer einmal mehr zusammen um seiner Hand näher zu kommen. Innerlich hoffte er dass sie es schaffen würde, wäre ihr am liebsten unzählige male entgegen gekommen, doch verharrte er bis die erlösende Berührung kam. Sie hatte ihr Ziel erreicht.
      Direkt packte er ihren Unterarm fest und zog sie an sich um ihr Halt zu geben. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten und wäre wohl in sich zusammen gesackt wenn er nicht wäre, doch dass sie in diesem Moment noch dieses eine Wort hervor brachte, lies Aradan lächeln. Er legte seinen Arm um sie um ihr etwas mehr Halt zu geben und flüsterte ihr zu
      "Ich bin stolz auf dich."
      Dann nutzte Aradan einen kleinen Trick den er meist für den Kampf nutzte. In diesem Fall war er aber ebenso nützlich, wenn nicht sogar mehr. Seine freie Hand legte sich auf die Seite von Renera's Gesicht. So nahe waren sich die Gesichter beider schon nicht mehr seit dieser Schreckliche Tag in Melora vorfiel. Dennoch war es Aradan wichtiger Renera zu erlösen, so wandelten sich seine Augen weiß. Durch seine aufgelegte Hand strömte eine eine Energie, welche ein starkes magnetisches Feld im Bereich ihres Kopfes aufkommen lies. Normal sollte es den Angreifer verwirren, die Sinne trüben und benebelt wirken lassen, doch konzentrierte sich dieses Feld in diesem Moment in einem wesentlich kleinerem Bereich, was den Effekt um einiges verstärkte. Renera verlor sofort das Bewusstsein und sackte zusammen, was Aradan auffing und sie auf beiden Armen trug.
      Sein Lächeln verblieb und ein anerkennendes Nicken folgte bis er Renera dann in das große Zelt brachte, wo sich mehr Leute tummelten als er erwartet hatte. Wenigstens war die gesuchte Person eine davon.

      "Daikata. Könntest du kurz helfen?"
      Dieser sah sofort auf und ging zu den Beiden.
      "Uh. Hättest du dich nicht etwas zurück halten können?"
      Aradan schüttelte den Kopf und sah anschließend zu Khil rüber
      "Keine Sorge. Ihr geht es gut."
      Dann galt es wieder Daikata
      "Sie wollte ein Training ohne Rückhalt oder Gnade. Sie wollte dass ich mit ihr kämpfe als wäre sie mein Feind. Ich denke sie will um jeden Preis stärker werden und ihre Schwächen hinter sich lassen. Ich werde alles tun um ihr diesen Wunsch zu erfüllen."
      Daikata hörte zu während er Renera's Schulter mit einem Ruck wieder einrenkte und ihr zugleich eine griffbereite Salbe aus seinem Gürtel auf die Schulter rieb.
      "Soso. Ohne Rückhalt oder Gnade hm? Und warum hat sie dann noch einen Puls?"
      Aradan lächelte verlegen
      "Schon gut schon gut. Ich denke es wird ihr besser gehen wenn du sie in ihrem Zelt unter bringst. Hier wird sie noch einen Herzinfarkt bekommen wenn sie zwischen all den Leuten aufwacht. Und hier."
      Daikata wandte sich Khil zu. Der einzigen Person die wohl im gleichen Zelt sein durfte ohne dass Renera etwas dagegen haben würde.
      "Träufel ihr diese Tinktur alle 5 Minuten auf die Lippen. 2 Tropfen alle 5 Minuten sollten reichen. Es ist ein starkes Schmerzmittel."
      Um eine direkte Fragenflut zu vermeiden, setzte er direkt mit an
      "..Ich werd dir später sagen woraus es gemacht ist okay?"
      Anschließend lächelte er, als würde er eine Zukunft mit Khil akzeptieren und ihre Fragen gerne beantworten wenn die Zeit gekommen ist.
      "Ah und bevor ich es vergesse.. Sollten sich blaue Flecken auftun.. je nachdem wie dieses Training ausgesehen hat.. Kannst du ihr diese Salbe auftragen. Es lindert Schwellungen und fördert die Durchblutung enorm."

      Anschließend trug Aradan Renera zurück zu ihrem Zelt. Er legte sie behutsam auf ihren Schlafsack und betrachtete ihr Gesicht noch einmal während er für einen Moment in Erinnerungen versank. Dann streichelte er ihr noch ein mal kurz über die Wange und wandte sich Khil zu, welche ihnen gefolgt war.
      "Kümmer dich gut um sie, okay?"
      Dann verließ er das Zelt und stellte sich einen knappen Meter davor auf um das Zelt selbst zu bewachen. Mit verschränkten Armen stand er dort und hätte niemanden auch nur in die Nähe gelassen der Renera's Ruhe hätte stören können.
    • Als Renera erwachte, fühlte sie sich besser. Körperlich zwar nicht, aber ihr Kopf fühlte sich so an, als habe sich eine Last von ihm gelöst, so als sei sie um ein Gewicht erleichtert worden. Eine Sache weniger, um die ihr Unterbewusstsein kreiste wie ein hungriger Löwe, wobei sie nicht genau benennen konnte, was für eine Sache es genau sein mochte.
      Khil schob sich über sie und runzelte die Stirn.
      "Ich habe es dir doch gesagt."
      "Hm?"
      "Ich habe es dir gesagt. Er hat dich verprügelt und ich habe noch nicht einmal zugesehen. Beim nächsten Mal will ich dabei sein."
      "Ganz sicher nicht."
      Sie richtete sich ein Stück auf und sah bei der Gelegenheit an sich herab.
      "Khil, wo sind meine Kleider?"
      "Ich habe sie weggelegt. Waren alle nass."
      "Und du hast mich nicht wieder angezogen?"
      "Warum denn? Ist dir etwa kalt? Ich kann dich wärmen."
      Sie grinste diebisch und wälzte sich auf Renera, was einen dumpfen Schmerz verursachte. Sie erkannte blaue Flecken, die sich über ihren ganzen Körper verteilt hatten.
      "Der Teufel persönlich hat dich verflucht, Frau. Au! Runter mit dir! Seit wann bist du so schwer?!"
      "Ich bin gar nicht schwer! Ich bin leicht wie eine Feder."
      "Das glaubst auch nur du!"
      Sie kicherte frech, gab ihren Überfall allerdings wieder auf und setzte sich wieder neben Renera auf die Knie.
      "Vermutlich hast du recht. Der Gürteltaschen-Junge steht draußen, er würde uns sonst noch hören."
      "Aradan steht draußen?!"
      Sie bemühte sich schnell an trockene Klamotten zu kommen und zuckte bei den schnellen Bewegungen zusammen. Diesmal half Khil ihr ohne dabei an etwas anderes zu denken - oder zumindest versteckte sie es gut. Schließlich kroch Renera nach draußen.

      Aradan stand tatsächlich vor dem Zelt und wirkte so wie eine Wache. Der Anblick amüsierte Renera, auch wenn ihr noch nicht zum Lachen zumute war. Er hatte die richtige Haltung eingenommen, stand breitbeinig und hatte den Rücken durchgedrückt, fast wie ein richtiger Soldat. In der Armee wäre er bestimmt respektiert gewesen.
      "Aradan."
      Sie blieb am Zelteingang stehen und hielt sich den Bauch. Bemerkenswerterweise schmerzte ihre Schulter kaum mehr, was sie wohl Khil und ihren Hilfsmitteln zu verdanken hatte. Ansonsten aber wirkten die blauen Flecken auf ihrem Körper wie ein eigenes Schlachtfeld.
      Er drehte sich zu ihr um und für einen Moment wusste sie nicht, was sie sagen sollte. Ihre Gedanken verpufften ins Nichts, als sie daran dachte, wie sie sich an ihm hochgezogen hatte und wie er ihr gesagt hatte, dass er stolz auf sie war. Die Worte hatten einen Weg in ihre hintersten Gedanken gefunden und sich dort einquartiert, um nie wieder aus ihrem Kopf zu verschwinden. Sie hatten dort ihr Lager aufgeschlagen, wo ihre Erinnerung an seine blauen Augen manifestiert war, an die blauen Augen des jungen Aradans.
      "Danke."
      Dann lächelte sie und fühlte sich nicht mehr zehn, sondern fast zwanzig Jahre jünger. Sie fühlte sich fast wie damals, als sie gemeinsam am Fluss gesessen waren und in den Himmel gesehen hatten. Aber nur fast.
      "Obwohl eine Vorwarnung gut getan hätte. Aber das hab' ich mir selbst zuzuschreiben, nicht wahr? Beim nächsten Mal hinterfrage ich dich eher, wenn du mich wieder von anderen weglocken willst."
      Sie lächelte fast noch breiter.
      "Es gibt nicht zufällig noch Reste vom Frühstück? Meins hab' ich irgendwo da vorne zurückgelassen."
    • Aradan hatte viel Zeit über all die nächsten Schritte nachzudenken. Dieser komische Mann bereitete ihm einige Sorgen. Wenn es stimmte was er gesagt hat, würde eine heiße Zeit bevor stehen. Andererseits würden diese angeblichen Magier nichts von seinem Aufenthaltsort erfahren solange er in Isnijan bleibt. Vorerst sollte die Truppe also in Sicherheit sein.
      Dann dachte er über die Familie von Renera nach. Ein Moment lang versuchte er sich vorzustellen wie wohl heute alle aussehen. Nur Ellaya blieb ihm noch in Erinnerung. Sie hatte dieses auffallend blonde Haar und versuchte ständig seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Heute wusste er was sie wollte. Damals hatte er nur Augen für Renera. Schon komisch wie klein die Welt eines Kindes war.
      Minerva war sein nächster Gedanke während seiner Wacht. Wie könnte er nur dieses Wesen von sich halten? In seinem Kopf war diese Angelegenheit noch viel größer als die Magier die ihn angeblich jagten. Minerva war eine reale Bedrohung die jederzeit seine Welt in Trümmern legen konnte wenn er nicht aufpasste. Es muss einfach irgendeinen Weg geben diesen Geist zu bändigen.
      Doch dann hörte er eine Stimme. Sofort drehte er sich um und sah Renera. Sie bedankte sich bei ihm, was ihn für einen Moment etwas baff da stehen lies ehe er nickte und lächelnd abwinkte.
      "Dafür musst du dich nicht bedanken. Das war erst der Anfang. Ich habe es geschworen und ich halte mich daran. Ich werde dir helfen wieder auf die Beine zu kommen."
      Gerade als er fragen wollte ob er ihr irgendetwas bringen kann, fragte sie schon nach etwas zu essen. Ein perfekter Moment, denn genau in diesem Augenblick hörte man Jarku pfeifen. Die Nacht hatte eingesetzt und so stand die Abendliche deftige Suppe an. Direkt hielt Aradan seine Hände vor sich.
      "Geh wieder hinein. Die Nacht wird sehr kühl. Ich bringe dir etwas."
      Unmittelbar danach ging er zur Feuerstelle wo die Zwillinge eifrig jedem anwesendem eine Portion in einer großen Schüssel austeilten, samt einem Stück Brot.
      "Und? Wie gehts ihr?"
      Fragte Jarku nachdem er von seinem Brot abgebissen hatte.
      "Sie hat noch schmerzen aber sie hat es aufrecht stehend aus dem Zelt geschafft. Danke übrigens"
      richteten sich die Worte an Daikata, welcher sich etwas ertappt an seiner Supper verschluckte.
      "Schon gut. Sie gehört doch nun zur Familie. Ich bin froh wenn ich helfen kann. Ist ihre Schulter wieder okay?"
      Aradan nickte
      "Ich denke schon. Sie wird wohl noch etwas damit zu kämpfen haben aber unbehandelt ginge es ihr wohl noch etwas schlechter."
      Anschließend bekam Aradan schon eine Schüssel mit der doppelten Portion von Chie in die Hand gedrückt. Ruka tat das Gleiche, sie drückte ein beherzt großes Stück Brot in die leere Hand Aradan's ehe beide zeitgleich sagten
      "Nicht für dich! Renera braucht kraft."
      Aradan lachte
      "Keine Sorge. Sie wird die Suppe samt Brot erhalten. Danke ihr Zwei."
      Beide blickten Aradan mit scharfem Blick an als wollten sie ihm damit sagen dass er besser sein Wort halten soll, oder er würde den Zorn der Beiden abbekommen.

      So eilte Aradan auch schon zurück und blieb vor dem Zelt stehen.
      "Renera? Khil? Darf ich?"
      Nachdem er die Bestätigung bekam, kniete er sich in den Matsch hinein und öffnete das Zelt mit der Hand die das Brot hielt um die Schale mit der Suppe hinein zu reichen.
      "Hier bitte. Die Zwillinge wollen dass du zu Kräften kommst also haben sie dir eine doppelte Portion gegeben, mit der feierlichen Drohung mich zu köpfen, wenn ich dir nicht jeden Tropfen überreiche. Oh. Und das hier auch."
      Nachdem er die Schale im Zelt abgelegt hatte, landete das große Stück Brot direkt daneben, selbstredend mit einem Löffel. Anbei wandten sich seine Worte an Khil
      "Wenn du etwas möchtest.. Es ist jede Menge vorne am Feuer vorhanden. Ich darf dir leider nicht erlauben etwas von Renera zu nehmen."
      Sich nun wieder in Renera's Augen vernarrend
      "Kann ich dir sonst noch etwas gutes tun? Oder möchtest du noch etwas ruhe bevor es morgen los geht?"
    • Renera folgte Aradans Anweisung und kroch wieder hinein, wo sie sich Khils aufmerksamen Blick aussetzen musste, der sich auf sie heftete. Sie zog die Stirn in Falten.
      "Denk' gar nicht dran."
      "Der Gürteltaschen-Junge ist doch weggegangen, oder etwa nicht?", schnurrte Khil zurück.
      "Er kommt gleich wieder. Und nenn ihn nicht so."
      Tatsächlich kam er kurz darauf wieder und überreichte ihr eine besonders große Portion der Suppe, die wohl von den Zwillingen kam. Renera lächelte bei seiner Bemerkung, die beiden schienen zwar ein merkwürdiges Verhalten zu haben, aber sie schienen doch sehr mitfühlend zu sein.
      "Danke - auch an die Zwillinge. Ich glaub' ich werde mich nochmal hinlegen. Das solltest du auch machen, nachdem du den ganzen Tag dort draußen gestanden hast."
      Sie verabschiedete sich von ihm, aber bevor er das Zelt verlassen wollte, hielt sie ihn doch nochmal zurück.
      "Ich glaube es war gut, dass wir wieder zusammen sind - ich meine... du weißt schon. Es fühlt sich... richtig an. Als ob das Schicksal es für uns geplant hätte."
      Sie lächelte ihn erneut aufrichtig an, zum zweiten Mal an diesem Tag - das musste in den letzten Jahren ein Rekord sein. Dann ließ sie ihn gehen und hinter ihm folgte Khil dichtauf, die sich lauthals danach erkundigte, ob sie sich nun auch blaue Flecke von ihm einfangen lassen musste, um etwas Essen geliefert zu kommen. Sie ging ihm auf dem Weg zurück zum Feuer auf die Nerven und ließ damit Renera für den Moment alleine, damit sie die Ruhe genießen konnte.

      Das Lager wurde im Morgengrauen abgebaut und alles für die Abreise vorbereitet. Renera hatte, nachdem sie sich Khils Verlangen doch noch hingegeben hatte, gut geschlafen, allerdings erschwerten ihr die blauen Flecke den geregelten Tagesablauf und ihre Schulter war auch noch nicht vollständig einsatzfähig. Sie würde sie schonen müssen, aber das war kaum ein Problem, nachdem sie sowieso zwei Schwertarme besaß.
      Khil erklärte sich vor allen anderen dazu bereit, den Wald auszuspionieren, um zum einen nicht nur andere Beobachter zu verschrecken, sondern zum anderen auch nachzusehen, ob die Schützen des Vortages noch immer dort herumlungerten. Renera protestierte kräftig dagegen, aber Khil hielt an, dass sie die Erfahrung brauchte und so hatte sie sämtliche weitere Argumente der anderen ausgehebelt. Das gefiel Renera gar nicht. Die jüngere widersetzte sich in letzter Zeit viel zu häufig ihren Befehlen und das war besonders hinderlich, wenn es um eben jene Erfahrung gehen sollte, die Khil ansprach. Renera glaubte besser einschätzen zu können, was Khil anvertraut werden durfte und was ihre derzeitigen Fähigkeiten noch überstiegen und sie war definitiv noch nicht bereit dafür, sich aus einem möglichen Hinterhalt zu wenden.
      Aber schließlich wollte sie vor allen anderen keinen Streit anfangen, also ließ sie sie gehen und nutzte die Zeit um ihre Ausrüstung zu prüfen. Khil kam nach etwa einer halben Stunde wieder, hatte den Wagen bei sich und berichtete mit ernster Miene, dass sie Spuren gefunden habe.
      "Nicht viele, vielleicht maximal zwei oder drei. Sie waren nur beim Wagen, vielleicht haben sie ihn nur untersucht, aber es könnten die Schützen von gestern sein."
      Das stimmte Renera nervös, aber vor allem brachte sie sie auf einen sehr wichtigen Gedanken.
      "Reshli."
      Sie ging zu dem gefesselten. Der Mann hatte dunkle Augenringe, saß auf dem Boden gegen einen Steinblock gelehnt und schien alles und jeden in seinem Blickfeld verdammen zu wollen. Er wirkte ein wenig bleich, aber Renera sah davon ab Daikata zu fragen, ob er ihm Schmerzmittel gegeben hatte. Seine Antwort könnte ihr womöglich nicht gefallen.
      "Wieso haben dich die Schützen angegriffen?"
      Reshli sah zu ihr auf und dann wanderte sein Blick zu Aradan hinüber. Er schien ihn immer ansehen zu wollen, wenn er in der Nähe war und wenn ihn jemand ansprach, schien er erst auf Aradans Zustimmung zu warten, dass er sprechen konnte. Schließlich fixierte er wieder Renera.
      "Ich bin unvorsichtig gewesen. Sie müssen mir gefolgt sein, als ich euch gefolgt bin, sonst hätte ich mich niemals so nahe an euch herangewagt. Ich hatte gehofft, dass sie mich gleich umbringen würden, dann wäre alles schneller vorbei gewesen."
      "Und wieso sind sie dir gefolgt?"
      "Ich weiß es nicht."
      Sein Blick huschte zu Aradan.
      "Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe schon gehört, dass sie auch anderen aufgelauert haben - anderen wie mir. Vielleicht wissen sie von wem wir kommen und wollen sie aufhalten oder sowas."
      "Das heißt sie sind nur hinter dir her?"
      Reshli nickte erst, dann zuckte er mit den Achseln. Sein Blick wanderte - zum dritten Mal - zu Aradan und wieder zurück. Renera glaubte so etwas wie Ehrfurcht in seiner Miene zu erkennen.
      Sie drehte sich selbst zu Aradan um.
      "Wir können Wälder vermeiden, oder? Das wäre wohl das beste."
      Auch wenn das bedeutete, dass sie besser auf ihre Umgebung achten musste. Besonders vor Soldatentruppen würde sie sich gut verstecken müssen, aber das war wohl ein Problem, mit dem sie umgehen mussten, sobald es eingetroffen war.

      Reshli wurde auf dem Wagen platziert, wo Renera ihm ihre Decke als Unterlage hingelegt hatte. Er brummte irgendwas, was sie nicht verstand, bei dem Jarku ihm allerdings einen scharfen Blick zuwarf und sie davon ausging, dass es sich um einen Fluch gehandelt hatte. Dann war er allerdings still und starrte vor sich hin, während sich die gesamte Mannschaft langsam in Bewegung setzte - Renera und Khil wieder zusammen auf der Wagenbank.
    • Das Lager wieder zusammen zu packen ging recht flott. Die Truppe war darin schon ein gut eingespieltes Team. Zusätzlich hatten sie jetzt sogar eine kleine Karre samt Esel und wenn sie von nun an Wälder mieden, sollte das alte Tier auch nicht allzu viel zu kämpfen haben.
      Was die erneut interessante neue Information von Reshli anging, machte Aradan hellhörig aber er sah nicht zu Renera und ihm. Jetzt gab es also noch eine Truppe die diese Informanten jagte? Das wurde alles immer bunter. Wie konnte es sein dass Aradan und seine Truppe noch nie von alle dem gehört hat? Das alles war zum verrückt werden. Ändern konnte man aber nichts an der Situation also half er weiter bis sich die Truppe in Bewegung setzte.

      Valterri und Jarku liefen meist ein paar Meter vor den anderen und in der jetzigen Konstellation schritt Aradan mit seinem leichten Gepäck neben dem Karren her.
      "Wie ich vorhin vernommen habe gibt es nun also noch eine Truppe die euch zu jagen scheint hm? Wie viele Informationen sind denn da noch die du uns vorenthältst? Meinst du nicht wir könnten auch dich etwas besser schützen wenn du uns mehr über eventuelle Störenfriede berichtest? Und was mich noch interessiert... Du hast zu Anfang erwähnt dass mich diese neuen Alten erst rekrutieren wollten. Wie darf ich das verstehen? Warum haben sie ihre Meinung geändert und warum glauben sie dass ich all diesen Aufwand wert bin mit all den Spionen? Können die nicht einfach aus ihrem Schatten treten und mich persönlich konfrontieren?"
    • Reshli saß auf dem Wagen so würdevoll, wie es ihm nur mit einem gebrochenem Bein, gefesselten Händen und auf der Decke von Renera möglich war und das war nicht gerade viel. Umso unbeeindruckender war der düstere Blick, den er auf Aradan gerichtet hielt, wenngleich es ihm doch angenehm zu sein schien, auf den anderen herab schauen zu können.
      "Ich enthalte euch gar nichts, Lichtgesegneter. Ich beantworte alle eure Fragen und wenn es nichts zu fragen gibt, beantworte ich auch nichts."
      Er schürzte die Lippen.
      "Die anderen nennen sie Jäger, die hinter uns her sind - aus offensichtlichen Gründen - aber sonst gibt es niemanden, der eine größere Bedrohung für uns darstellt als andere. Jeder Störenfried, der euch bedroht, bedroht auch mich. Dazu gehören Räuber, Banditen, Deserteure, andere Banden, Auftragsmörder, Kopfgeldjäger, Soldaten. Wobei, ich glaube, niemand würde einen Auftragsmörder für meinen Kopf bezahlen. Dafür bin ich nicht wichtig genug."
      Er schüttelte den Kopf.
      "Hattest du noch nie mit Kriminellen zu tun, Lichtgesegneter? Sonst wüsstest du, wovon ich spreche. Spionagearbeit ist für beide Seiten gefährlich und manche meiner Ziele waren auch die Ziele anderer. Vielleicht wirst auch du noch von jemand anderem beschattet. Vielleicht wartet jemand genau in diesem Augenblick in den Wäldern am Horizont dort vorne und wenn es dunkel wird, wird er hervorkommen und nach der Wagenspur im Gras Ausschau halten."
      Er kniff die Augen in Richtung Aradan zusammen, so als wollte er sehen, ob diese Bemerkung eine Reaktion bei ihm hervorrief. Dann beantwortete er auch den Rest seiner Fragen.
      "Sie wollen dich rekrutieren, weil sie dich für fähig halten und du ein nützlicher Zusatz in ihrer Reihe wärst. Aber vorher müssen sie herausfinden, ob du die gleichen Ziele verfolgst wie sie oder ob du dich ihnen in den Weg stellen würdest. Es wäre riskant, wenn sie dir ihre Identitäten enthüllen, nur um dann herauszufinden, dass du eigentlich gerne gegen sie arbeiten würdest. Sie wollen kein Risiko eingehen."
      Er zuckte knapp mit den Schultern.
      "Ich weiß auch nicht, auf welcher Grundlage sie sowas beurteilen wollen. Ich gebe nur meine Berichte ab und entweder wird mir gesagt, dass ich weiterhin ausspähen soll, oder man gibt mir ein anderes Ziel. Ich weiß nie, was mit den Leuten passiert, über die ich berichte, aber ich weiß was passiert, wenn Informanten wie ich einen Fehler machen. Den Levz hat sein Ziel entdeckt, drüben in Esken, als er ihm in die Stadt gefolgt ist - sowas machen wir nicht, in den Städten gibt es immer Spezialisten - und dann haben sie das Ziel noch in der selben Woche töten lassen. Das war ihnen einfach zu riskant, die wollten sich keinen Fehltritt erlauben. Und wäre der Levz da nicht schon längst tot, hätte er vielleicht sagen können, wie die Auftragsmörder aussehen. Das sind nämlich auch immer dieselben und sie arbeiten gründlich. Sehr gründlich, will ich sagen. Aber dich werden sie nicht in einer Woche umbringen können, weil noch hab' ich meinen Bericht nicht abgegeben. Der ist spätestens nächsten Monat fällig und bis dahin bin ich quasi noch ein freier Mann. Wenn der Bericht nicht kommt, werden sie erst jemanden ausschicken, der deinen Standort herausfindet und dann werden sie jemand zweites ausschicken, der herausfinden wird, was mit mir passiert ist. Solche Aufträge hab' ich immer gehasst. Es ist viel schwieriger einem Toten zu folgen als einem Lebendigen. Die Lebendigen hinterlassen immer eine Menge Spuren."
      Renera meldete sich von der Bank über die Schulter.
      "Das heißt, dass niemand weiß, dass du bei uns bist?"
      "Ne. Mir hat keiner nachspioniert, außer den Jägern, diesen verfluchten Kreaturen. Dabei hab' ich extra den Umweg über den Wald genommen, damit ich sie loswerd', aber nichts da."
      "Würdest du erkennen, wenn uns jemand folgt?"
      "Natürlich nicht, das widerspricht ja auch dem Sinn des Folgens. Aber ich könnte euch Tipps geben, wie ihr eure Spuren verwascht, schließlich hab' ich selbst nichts mehr zu verlieren."
      Er zuckte mit den Schultern.
    • "Lichtgesegneter... Ist mir wirklich ein Rätsel wie diese Leute auf diesen Namen für mich gekommen sind"
      Warf Aradan ein als er wieder so genannt wurde. Schon zuvor wunderte ihn dieser Name. Bisher tat er es einfach mit der Farbe seiner Augen ab aber umso öfter er diese Bezeichnung hörte, stieg sein Interesse daran zu erfahren wie man nur darauf kam.
      "Gut. Fürs erste werde ich dir glauben. Entweder bist du ein gesegneter Lügner oder du hast nichts zu befürchten. Was mich zu einer wichtigen Frage führt. Angenommen alles was du sagst ist die Wahrheit und dieser seltsame Kult beherbergt tatsächlich Magier die ihre Identität offensichtlich geschickt verbergen können, wie passt es da ins Bild dass du diese Informationen besitzt und allem Anschein nach keinerlei Konsequenzen befürchtest? Ich meine, sie dürften nicht besonders erfreut sein wenn du all diese Dinge an dessen Ziel weiter gibst. Ist es dieser Gruppierung etwa gleich ob ich von ihnen erfahre?"
      Doch zu einer Antwort sollte Reshli nicht kommen. Es war nur eine knappe Stunde seit dem Aufbruch vergangen, da preschte doch tatsächlich ein ausgewachsener Läufer durch das Dickicht auf die Gruppe zu. Noch dazu einer der großen Sorte mit riesigem Kiefer, der beinahe 60% des ganzen Körpers aus machte. Er war rasend schnell und im vollen Lauf. Diesen nicht zu bemerken war dem ungünstigen Wind geschuldet welcher weder Geruch noch Geräusche gut übermittelt hatte. Mit dem jetzigen Ziel stürmte dieser direkt auf dem Karren zu oder Aradan? Zumindest würde dieser alles in diesem Weg mit sich reißen. Sogar Jarku und Valteri konnten nicht rechtzeitig genug reagieren um sich dieser Bestie entgegen zu stellen.
      Geistesgegenwärtig wandte sich Aradan beinahe Reflexartig zur Bestie um, schaffte es aber nicht mehr sein Schwert zu ziehen. Lediglich seine antrainierte Kampfart gegen diese Monster kam ihm im letzten Moment zu nutze. Seine Haare wurden sofort weiß und zugleich wellte sich allem Anschein nach die Luft vor ihm als würde man an einem heißen Tag in weiter Ferne sehen wie sich Straßen scheinbar wellten. Dieser kurze Moment reichte um den Verstand der Bestie genug zu verwirren, dass diese im Ansturm das fletschende Maul schloss und Aradan stattdessen nur mit einem gewaltigen Bodycheck durch eine Kante der Karre wetzte und auf der anderen Seite der Straße im Dickicht verschwand. Aus der Sicht der Truppe konnte man gut hören wie das Monster Aradan noch einige Meter durch Gebüsche und dicke Äste beförderte, bis ein dumpfer Knall ertönte samt mehrerer Vögel die aus einer Baumkrone eines entfernten Baumes flogen.

      Der Aufknall an der Karre sorgte dafür dass Aradan von seiner Dämmerklinge getrennt wurde, diese verkeilte sich in dem geborstenem Holz, ebenso wie etwas Blut, welches ihm wohl bei dem aufeinander prallen aus dem Mund geschossen kam.
    • Reshli schien die Richtung, die dieses Gespräch einschlug, nicht zu gefallen, denn er sah mit jeder verstreichenden Sekunde immer finsterer drein und presste schließlich die Lippen aufeinander. Das schien nun eine Frage zu sein, die er doch nicht beantworten wollte, aber zu seinem persönlichen Glück musste er das auch gar nicht.
      Das Dickicht neben dem Pfad teilte sich urplötzlich und entblößte einen geradezu gigantischen Läufer, der geradewegs auf sie zugestürmt kam und längst sein Ziel anvisiert hatte. Renera und Khil schrien gleichzeitig auf, Renera aus Überraschung und Khil aus Schreck, bevor sich beide kopfüber vom Karren stürzten, auf den der Läufer zugerannt kam. Auch Reshli warf sich von der Ladefläche, fiel zu Boden und schrie vor Schmerzen um sein Bein auf.
      Renera zog ihre Schwerter im selben Augenblick, als der Läufer mit einem furchtbaren Geräusch mit Aradan zusammenprallte und diesen wie eine Puppe durch die Luft katapultierte. Er verschwand unter grausigem Lärm zwischen den Bäumen, ehe Stille einkehrte.
      Renera war die erste, die sich von dem Anblick losgerissen und losgestürmt war. Sie raste dort ins Dickicht, wo auch die Kreatur mit Aradan verschwunden war und orientierte sich an dem abgerissenem Gebüsch, durch das auch sie nun preschen musste. Es war ein ziemlich weiter Weg, aber schließlich brach sie dort hervor, wo auch die anderen beiden waren.
      Aradan lag auf dem Boden, der Läufer orientierte sich nach dem Zusammenprall mit dem Baum neu und beugte sich dabei über ihn, aber Aradan war wie leblos. Blankes Entsetzen packte Renera, als sie ihre Schwerter anhob.
      "Hey!"
      Der Läufer wirbelte zu ihr herum. Es dauerte keine Sekunde, als er sie anpeilte, sein Maul weit aufriss und den Ansturm von neuem begann.

      Die Bewegungen hallten in ihrem Kopf in wirbelnden Trommelschlägen wider. Der Rhythmus des Läufers war schnell und präzise, voller Drang und voll von Schwung, der sich mit jedem Moment weiter hochschaukelte bis in die schiere Unendlichkeit. Seine Schritte wurden immer ein bisschen schneller und wurden in ihrem Kopf von einem tiefen Klang wiedergegeben, der sich so anhörte, als würde die ganze Welt unter den Schritten erzittern. Dazwischen ertönten stets die vielen anderen kleinen Schläge, die immer den gleichen Rhythmus schlugen und auf das tiefe Dröhnen hinarbeiteten. Wenn er so knapp vor seinem Ziel das Maul aufriss, dann gab es in eben diesen Rhythmen immer einen kleinen Aussetzer.
      Renera wartete auf genau diesen Aussetzer und als er kam, wich sie erst zur Seite aus. Sie war auf der Höhe seiner Schulter, als sein Kiefer dort zusammenkrachte, wo vor einer halben Sekunde noch ihre rechte Körperhälfte gewesen war und damit ergriff sie sein Schwung. Der Luftwirbel, den er mit sich brachte, prallte gegen sie und sie drehte sich so zur Seite, dass der Wind sie führte und sie für den Bruchteil einer Sekunde schwerelos zu machen schien. Er brauste an ihr vorbei, schob sie in die Bewegung hinein, ergänzte ihre Drehung, wirbelte mit ihr an der Seite des Läufers herum und dann war sie auch schon neben dem Läufer, schwang ihre Schwerter in weitem Bogen und rammte sie ihm in den Rücken - eins oben und eins unten. Der Läufer lief noch immer, das Manöver hatte vielleicht zwei Sekunden gedauert, aber dann brüllte er, stolperte und krachte auf den Boden. Er lebte noch, sie hatte seine Schwachstellen nicht getroffen, dabei war das ein sehr sauberer Angriff gewesen. Das war ärgerlich. Ihren Schülern predigte Renera immer, dass ein Läufer mit einem Angriff zu erledigen war, wenn es denn der Situation entsprach, aber allein hatte sie es noch nie geschafft. Das war enttäuschend.
      Dunkelrotes Blut breitete sich unter der Kreatur aus, während sie sich am Boden wand und kreischte, aber Renera versetzte ihr nicht den Gnadenstoß, stattdessen blieb sie auf Abstand. Tatsächlich fing die Kreatur schon bald an, sich trotz ihrer Bodenlage in alle Richtungen zu biegen und mit dem überdimensionalen Maul zu schnappen. In so einem Zustand wollte nicht einmal Renera zu nahe kommen und so blieb nur abzuwarten, bis sie verbluten würde.
      Sie beschrieb einen großen Abstand um den Läufer und stürzte zu Aradan. Er war auf dem Boden zusammengesunken und schien äußerst schwer verletzt zu sein. Die Panik ergriff sie erneut, als sie seinen Kopf anhob, um ihm in die Augen zu sehen.
      "Aradan?! Geht's dir gut?!"
      Mit dem Ärmel wischte sie das Blut von seinen Lippen und untersuchte seine Kleidung nach weiterem Blut. Das war kein gutes Zeichen.

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    • Die Gruppe sah Renera direkt los stürmen. Das sollte ausreichen um einen Läufer zu bändigen. So war es für die Meisten nun wichtiger die Lage wieder zu ordnen. Jarku's Reaktion galt direkt Khil. Er vergewisserte sich dass es ihr gut ging, genau so wie Valterri sich das Bein von Rhesli ansah. Bis auf den plötzlichen Aufprall hielt dessen Schiene aber noch ohne einen Kratzer abbekommen zu haben.

      Entgegen der schnellen Kontrolle der Gruppe, rang Aradan tatsächlich um sein Bewusstsein. Dieser Läufer hatte ihn mit einer solchen Wucht erwischt, dass er beinahe seine Sinne verlor als sich die beiden Körper trafen. Ganz zu schweigen von dem Moment als er den Baum als Bremse für seine rapide zunehmende Geschwindigkeit fand. Wie es Aradan gelang noch bei Bewusstsein zu bleiben, konnte er selbst nur als ein Wunder erklären, doch sollte das sicher nicht mehr lange anhalten. Die Schmerzen in seiner Brust waren so prägnant dass er glaubte diese wären vergleichbar mit einem zerborstenem Glas. Es forderte ihm einiges ab seine Kräfte zu nutzen um eine beschleunigte Heilung einzuleiten. Er versprach sich nicht viel davon, da der Läufer sicher jeden Moment zuschlagen würde. Es war ein Jammer. Er hatte so viel erlebt und so viel gelernt, nur um durch eine Unachtsamkeit in eine so brenzliche Lage zu geraten.
      Er konnte nicht anders als dem Schmerz entgegen zu lachen und einige mit Blut vermengte Huster aus zu stoßen ehe ein erneuter Radau in der nächsten Umgebung los ging.
      Erst als Aradan hoch blickte sah er Renera wie sie gegen das Monster kämpfte. Zwar war sein Schmerz stark, doch war seine Neugier größer. Es faszinierte ihn zu sehen was aus Renera geworden war. Sie zeigte unglaubliches Geschick gegen den Kampf von Monstern. Sie wirkte beinahe wie eine andere Person. Sie zitterte nicht, hielt sich nicht zurück und hatte keinerlei Gnade. Obendrein schien sie genau zu wissen was der Läufer als nächstes tun würde. Das wusste gewiss nicht jeder Mensch.
      Letzten Endes überwältigte der Schmerz Aradan doch. Zumindest in der Hinsicht dass er sich nicht mehr stützen konnte um zu Renera zu sehen. Ihm blieb nichts anderes übrig als sich auf den Rücken drehend fallen zu lassen ehe Renera zu ihm kam und das Blut von seinen Lippen wischte.
      War das etwa das erste Mal dass Renera ohne jede Fremdeinwirkung einen Kontakt herstellte? Erneut lächelte Aradan und sah ihr in die Augen, während immer mal wieder ein schmerzhafter Huster samt Blut hervor kam.
      "Es tut kaum noch weh"
      Flüsterte er nach Renera's Frage deutlich geschwächt, blickte sie aber an als läge er friedlich auf einer grünen Wiese als hätte er seinen Frieden gefunden während er Renera einfach nur in die Augen sah als sie über Aradan war um sich nach seiner Verfassung zu erkundigen. Er war sogar noch bei genug kräften um seinen Arm anzuheben. Sein Ziel war es seine Hand auf ihre Wange zu legen, doch bevor das passieren konnte, stampfte ein in naher Ferne Fuß auf den Boden, den man nicht nur hören, sondern auch spüren konnte. Knappe 10 Meter von den Beiden entfernt wanderte ein Läufer umher, der ungleich jeder bekannten Spezies zu sein schien. In der Statur ähnlich der des verblutenden Läufers, doch in der Größe locker das doppelte, die Haut so schwarz wie Kohle und durchzogen von rot pulsierenden Adern welche wirkten als wären sie kurz davor zu platzen. Ein regelrechtes Ungetüm unter den Läufern. In der Entfernung hatte es Renera und Aradan noch nicht bemerkt und schien sich auch herzlich wenig darum zu kümmern was mit dem verblutenden lauten kleinen Läufer geschieht.
    • Aradan presste eine kümmerliche Antwort hervor, die kaum der Wahrheit entsprechen konnte. Mehr noch, sie glaubte nun fast eine Diagnose abgeben zu können: Gebrochene Rippen, die in die Lunge stachen, daher das Blut aus dem Mund. Bei allen Kreaturen! Sowas konnte sie nicht mit dem Verband heilen. Sowas konnte sie noch nicht einmal heilen, wenn sie Chirurg wäre - noch dazu waren sie mitten im Nirgendwo! Das nächste Dorf war mindestens eine Woche entfernt!
      Renera verdrängte den Gedanken. Sie hatten doch nach so vielen Jahren nicht wieder zusammengefunden, damit Aradan kurz darauf doch noch versterben würde!
      "Schlaf nicht ein, hörst du?", zischte sie ihn an, während sie verzweifelt darüber nachdachte, was sie tun konnte. Vielleicht konnten die anderen ja Hilfe holen gehen - ja, so war es vermutlich gut, sie würde einfach mit Aradan hierbleiben und die anderen konnten einen Arzt suchen gehen. Solange Aradan sich nicht bewegte, würde es sicherlich auch nicht schlimmer werden.
      Ein plötzliches Geräusch ließ sie auffahren und sie ergriff Aradans erhobene Hand, mit der er wohl nach etwas greifen wollte. Kurz darauf sah sie zwischen den Bäumen ein Wesen, das ihre eigene Vorstellungskraft bei weitem Überstieg. Das Monstrum war beinahe so groß wie die Bäume und dreimal so breit und jeder Schritt schien durch die Erde zu fahren, als würde der Boden selbst vor seinem Auftritt zurückschrecken.
      Renera riss die Augen auf und hielt den Atem an. Der Läufer am Boden, der immer schwächer und leiser wurde, wandte sich überraschenderweise auch der Kreatur zu und machte ein paar Bewegungen, die danach aussahen, als wolle sie herüberkriechen wollen, es aber nicht schaffen würde. Sie kreischte erneut und für Renera sah es so aus, als wolle sie die Aufmerksamkeit des anderen erhaschen.
      Aber den Giganten interessierte das wenig. Er wirkte irgendwie träge, doch vielleicht rührte das auch nur von seiner Körpergröße her, dass er sich wie schleppend fortbewegte. Er hatte keine Augen, doch Renera glaubte, dass er dennoch ein undeutliches Ziel hatte.
      Und glücklicherweise war dieses Ziel nicht sie beide. Er schritt wenige Meter von ihnen entfernt vorbei, langsam aber doch irgendwie gefährlicher, als sämtliche Läufer zusammen, denen Renera jemals begegnet war. Sie wartete atemlos ab, bis das Vibrieren seiner Schritte sich langsam entfernte und schließlich auch die Vögel in der Ferne aufstoben, ehe sie die Luft herausstieß und auf Aradan hinabsah. Was, bei den Kreaturen, war dieses Monstrum?! Sie musste sich Notizen machen, sie musste es aufzeichnen - aber erst musste sie sich um Aradan kümmern.
      "Ich glaube dieses Ding ist weg. Ich werde die anderen nach einem Arzt losschicken, okay? Beweg' dich nicht - aber schlaf auch nicht ein, verstanden?! Ich werde gleich wieder hier sein, nur eine einzige Sekunde!"
      Sie drückte seine Hand.
    • Aradan bekam kaum noch etwas mit. Nur seine Fähigkeiten alleine sorgten dafür dass er nicht schon längst in Ohnmacht fiel. Lange würde die umliegende Vegetation aber nicht mehr dafür sorgen können dass sich sein Körper noch über Wasser halten konnte, so nickte Aradan als Renera ihren Plan äußerte leicht und lies seinen Arm wieder fallen, da seine Hand bei seiner Schwäche wohl ohnehin nie sein Ziel gefunden hätte.
      Über welches Ding Renera sprach, konnte Aradan schon nicht mehr zuordnen und wirkte langsam aber sicher mehr wie eine Leiche mit einem Lächeln. Zumindest wiesen die bereits starken Augenringe darauf hin dass er langsam aber sicher hinfort zu driften schien.

      Bevor Renera aber zur Gruppe zurück rennen musste, taten diese das geplante schon eine Weile zuvor und holten nun die Beiden auf. Es war Valterri und Khil welche den Ort erreichten. Valterri wandte sich sofort Aradan zu und wirkte beinahe etwas verzweifelt.
      "Was ist geschehen?"
      Nach einer eiligen Erklärung Renera's nickte Valterri ernst und wandte sich Khil zu und packte diese zum ersten mal seit die beiden Frauen zur Gruppe dazu gestoßen waren recht grob auf ihren Schultern und wuchtete sie direkt vor Aradan.
      "Los kleiner Vogel. Wirke Magie! Egal welche. Konzentrieren und wirken."

      Kaum sprach Valterri seine Worte aus, atmete Aradan schon seinen letzten Atemzug aus und schloss seine Augen. Sein Kopf wandte sich dabei zur Seite und Blut lief ihm leicht aus dem Mundwinkel hinaus.
      Für Aradan selbst war dies jedoch nur der erste Schritt. So fand er sich nach seinem letzten Atemzug im Zwielicht wieder und stand exakt neben sich und beobachtete sich dabei wie er einfach nur regungslos dort saß.
    • Bevor Renera selbst losspurten konnte, hatten die anderen sie bereits gefunden. Der Läufer war inzwischen gestorben und nichts weiter als ein dunkler Haufen auf dem Boden - von dem Giganten erzählte Renera allerdings nichts, ehe sie nicht Aradan geholfen hatten. Valterri schien auch gleich eine Idee zu haben, oder zumindest war er zuversichtlich; Ganz im Gegenteil zu Khil, die erschrocken die Augen aufriss.
      "Magie?! Aber wie soll ich das machen?"
      Sie starrte auf Aradan herab, als würde er ihr die Antwort darauf geben können.
      Aber der war mittlerweile schon kalkweiß geworden. Seine Augenlider flatterten und dann fielen sie zu.
      "Aradan!"
      Renera drehte seinen Kopf, dann schüttelte sie ihn und schließlich beugte sie sich zu ihm hinab. Sein Atem war versiegt.
      "O nein, ganz sicher nicht!"
      Sie platzierte ihre Hände auf seiner Brust und fing an in regelmäßigen Abständen zu drücken. Seine Rippen waren schon gebrochen, schlimmer konnte es doch schließlich nicht werden. Dann beugte sie sich zu ihm hinab, beatmete ihn durch den Mund, spuckte einen Schwall Blut aus und fuhr mit der Herzmassage fort.
      Khil sah ihr starr zu und schien um ihre Fassung zu kämpfen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erinnerte sie sich endlich daran, wie sie die Feuerkugel erschaffen hatte und bildete mit ihren Händen eine Kuppel, in der sie sich wohl das Kryss vorstellte.

      Das Zwielicht war bis auf Aradan leer, aber dann bildete sich in seiner Nähe etwas. Es war wie eine unnatürliche Verzerrung der Luft, als ob eine Masse sich an dieser Stelle bildete, während sie doch nicht tatsächlich da war. Es passierte zeitgleich, als Khil ihre Hände zusammenlegte, doch dann war es doch etwas anderes, etwas lebendigeres als das, was Khil zu erschaffen versuchte. Sie war nicht der Ursprung davon.
      Die Luft um Aradan veränderte sich weiter, bis schließlich tatsächlich eine Art von Präsenz zu spüren war, die sich dort neben Aradan zu formen versuchte. Es dauerte ein paar Sekunden, dann erhob sich aus den Tiefen von Aradans Bewusstsein eine Stimme.
      "Mhhh... aaa... wi... ist nicht..."
      Die Stimme kam näher, je weiter sich die Präsenz bei Aradan formte, aber sie war noch zu weit entfernt, um verständlich rüberzukommen. Sie schien Aradan etwas sagen zu wollen, aber er konnte nicht mehr als Fetzen verstehen.
      "Uhhh... er... aaa..."

      Khil konzentrierte sich, so wie sie sich in ihrem Leben noch nicht konzentriert hatte. Sie versuchte sich so gut es möglich war an ihren Feuerball zu erinnern, den sie erschaffen hatte, und dann glaubte sie, dass sie etwas spürte. Es schien die Luft um Aradan zu umgeben, als würde etwas dort bei ihm die Realität verzerren und dann fing es an, an Khil zu ziehen. Sie spürte es in ihren Händen, dass etwas ihren Geist nach vorne und auf Aradan zu zog und dann bildete sich zwischen ihren Fingern tatsächlich eine Feuerkugel. Sie war größer als das, was sie von dem Kryss erschaffen hatte und auch ungewöhnlich heiß, so als wäre sie nicht von ihren Händen entstanden.
      "Renera, weg da!", rief sie, ehe sie den Sog schon nicht mehr aufhalten konnte und der Feuerball wie von alleine auf Aradan zuschoss.
    • Aradan hörte Renera und Valterri. Auch Khil konnte er kurz vernehmen und wenn die Personen seinem Körper nah kamen, konnte er diese auch schemenhaft erkennen. Doch irgendetwas war anders als sonst wenn er durch das Zwielicht wanderte, wie er es in den vielen Jahren schon häufig getan hat. Dieses mal fühlte es sich beinahe an als wäre es die richtige Welt. Er blickte an sich hinunter und schluckte schwer. Seine Haut schien zu verblassen und sein Körper selbst fühlte sich mit jeder Sekunde immer leichter an. War das etwa tatsächlich sein Ende? Hörte seine Reise hier auf?
      In dieser Umgebung gab es einfach kaum Energie die er hätte nutzen können, es war zum verrückt werden. In jedem Dorf hätte es genug Energie gegeben welche er hätte anzapfen können um sich noch eine ganze Weile über Wasser zu halten, doch hier existierte nur die geringe Energie der Pflanzen und der Erde. Das reichte grade mal um einen die Sinne etwas zu benebeln.

      Er seufzte und hockte sich neben seinem Körper hin und beobachtete wie Renera alles versuchte um ihn wieder zu holen. Gerne hätte er ihr die Hand auf den Rücken gelegt und ihr klar gemacht dass es nichts brachte. Dass sie ihm grade vermutlich das Herz restlos mit den gebrochenen Knochen durchbohrte, doch blieb ihm nichts anderes übrig als zuzusehen.
      Was Valterri dann aber Khil befehlte zu tun, hob seine Hoffnung wieder leicht an. Khil war tatsächlich die Einzige die in diesem Moment etwas tun konnte. Wenn sie in der Lage war die Luft zu bündeln oder irgend ein anderes Element via Magie auf seinen Körper einzuwirken, wäre das der Jackpot. Zwar hatte Aradan noch nie eine solche Erfahrung durchleben müssen, doch solange er noch bei Verstand war, hätte er ganz sicher die Energie in seinen Körper umleiten können. So fing er selbst an mit zu fiebern mit jedem Versuch den Khil unternahm um Magie zu wirken.
      Als es hin und wieder mal kurz zu einer Reaktion zwischen ihren Händen kam, lenkte irgendetwas Aradan's Aufmerksamkeit wo anders hin. Ihm war als würde man ihn beobachten und er vermutete bereits Minerva hinter irgend einem Baum zu sichten. Doch war es eine Stimme die er hörte und ihm nicht bekannt vor kam. Er verstand sie nicht aber er spitzte die Augen und lauschte weiter als würde sein geschärfter Blick ihm dabei helfen besser hören zu können.
      Ihm war als könne er nach einem Moment eine schemenhafte Gestalt in einer entfernten Wölbung der Luft sehen und tatsächlich kam die Stimme auch von diesem ... diesem mysteriösen etwas.
      Erneut hörte er kleine Fetzen eines Satzes welchen er nicht logisch zusammen setzen konnte. Doch bevor er dem auf den Grund gehen konnte, bemerkte er wie sein Körper sich plötzlich warm anfühlte. Direkt sah er wieder zu sich selbst hinunter und sah wie Khil einen großen Feuerball erschaffen hatte und diesen auf seinen Körper zu führte. Er war begeistert dass Khil so etwas in so kurzer Zeit geschafft hatte und kniete sich wieder sofort zu seinem Körper runter und berührte seinen Kopf. Sofort sog er die Flamme in seinen Körper hinein, was dafür sorgte dass sie in der Größe eines Familienhauses im Zwielicht erschien. Aradans Augen loderten im Glanz des Feuerballs ehe sein Wille neu entflammte. Sofort nutzte er seine Fähigkeiten um diese große Flamme in sich einzusaugen und sie direkt in Lebensenergie zu wandeln. Direkt spürte er wie sein realer Körper seine Geisterhafte Form ansog und alle Wunden anfingen sich selbst zu heilen.

      In der realen Welt began der Körper von Aradan knackende Geräusche von sich zu geben. Es waren die Knochen in seiner Brust die sich allem Anschein nach von selbst zu bewegen anfingen um sich wieder an Ort und stelle zu begeben wo sie eigentlich hin gehörten. Dann riss Aradan die Augen und den Mund weit auf, was zur Folge hatte, dass der Name, den er von Reshli bekam, nun besser passte als je zuvor. Denn kam gleißendes Licht aus seinem Mund und aus den Augen, samt einem widernatürlich wellendem Schrei als würde Aradan mit mehreren Stimmen einen Kraftschrei hinaus lassen.
      Je heller das Licht wurde, desto mehr fing sein Körper an sich vom Boden magisch abzustoßen, was dafür sorgte dass er knapp 10 Zentimeter über den Boden schwebte.
      Kurz darauf konnte man sogar seinen Herzschlag hören, welcher mit jedem Intervall seine kompletten Muskeln kurz anspannten.
      Um Aradan herum fing nun an das Gras, die Büsche und die Baumkronen in nächster Nähe zu verdorren. Sie fielen ab als wäre jede Lebensenergie aus den Pflanzen hinaus geflossen.
      Das hatte zur Folge dass sich die Luft um Aradan zu bündeln schien, was ihn immer etwas höher schweben lies bis er in einer aufrechten Haltung vor der Gruppe verblieb.
      Für wenige Sekunden verblieb Aradan in dieser Haltung bis das Licht sich blitzartig verschwand, das Schweben aufhörte und Aradan ohne jeden Kratzer auf seinen Füßen landete als wäre ihm nie etwas passiert.