spellbound. (earinor & akira)

    • Vehement schüttelte Rikiya den Kopf. “Das konntest du nicht wissen. Lassen wir Khojin etwas Zeit, ich gib mir sicher, dass sie das Meiste sowieso nur aus dem Affekt heraus gesagt hat.”, klärte er Rain auf. Immer wollte sie recht behalten, das hatte sie in diesem Fall auch getan, und Rikiya konnte ihr es nicht übel nehmen - in ihrer Ehre fühlte sie sich sicher gekränkt, gleich wie in ihrem Stolz, und darauf wollte er sich nun einmal gerade jetzt nicht einlassen. Stattdessen bot er Rain eine helfende Hand an, damit er wieder auf die Beine käme; ein Heiler sollte sich die Verletzung definitiv ansehen, am besten gleich. Dennoch wollte er gerade jetzt nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregen, als Khojins Schreierei es wohl schon getan hatte. “Rain, mach dir darüber keine Sorgen, wirklich. Das ist vergeben und vergessen, ja? Außerdem bin ich mir sicher, dass Caelan es dir sowieso nie gesagt hätte.” Eine dermaßen gute Beziehung hatten die beiden zueinander wohl nicht gehabt - Rikiya war sich nicht sicher, inwiefern er daran Schuld trug, und doch war er zumindest teilweise nicht nur ein Leidtragender sondern auch ein Auslöser für diese derartig komische Beziehung.

      “Ja, es ist doch meine Siedlung. Wieso sollte es nicht in Ordnung sein? Nicht alle Wölfe sind so.”, lachte er. Rikiya wusste nicht, wie seine Leute auf Rain reagierten; er erhoffte sich, dass sie erwachsener als Khojin waren und dass sie, wenn auch gleich von Krieg gezeichnet, nicht jeden in ein und denselben Topf warfen. Was hatte er denn sonst zu verlieren? Sein Volk legte ihr Leben in seine Hände, vertraute ihm und wandte sich nicht gegen seine Entscheidungen - Rain hier zu behalten, in einem Stück, war seine Entscheidung. Dementsprechend wollte er nicht auch nur eine Sekunde lang einen Gedanken daran vergeuden, dass sie sich gegen ihn wenden würden - er schätzte sie als loyal ein, vielleicht teilweise zu Unrecht - aber mehr war auch wieder nicht daran. “In Ordnung, aber wirklich, lass dir Zeit. Soll sich dein Bein nachher jemand ansehen? Ich schicke jemanden zu euch - Nayantai könnte auch jemanden gebrauchen, der sich sein Auge ansieht.” Oder was davon noch über war. Rikiya hingegen half Rain und stabilisierte die Position, die er inne hatte - offerierte ihm einen Arm, der ihm die notwendige Balance gab und machte sich langsamen Schrittes auf den Weg durch die Siedlung. Viel gab es nicht zu sehen, außer verschneite Tonkrüge und Zelte, oder neugierige Kinder, die im gestrigen Schneegestöber durch die halbe Welt tollten - Erwachsene sah man fast keine, und Rikiya war froh, als er Rain in eines der kleineren Zelte lockte, in dem ein riesiger Kessel auf Holzscheiten aufgebahrt war. Ringsherum standen hölzerne Bänke und ein Tisch mit Schalen, sowie mehrere Kellen und hölzerne Löffel - auf Zehenspitzen lugte Rikiya über den Topfrand. “Kannst du dich mit Butzenkletteneintopf anfreunden?”
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Mhm. Ich weiß nicht wie es sich anfühlt Geschwister zu haben, aber ich habe mir das alles ein wenig anders vorgestellt." Rain war naiv, soviel stand fest und trotzdem wollte er nicht glauben, dass Khojin alles was sie gesagt hatte ernst meinte. Wenn sie Nayantai nur sagen könnte, dass sie sich freute, dass er wieder da war, es würde ihm die Welt bedeuten. Sie hatte das Gegenteil getan und vielleicht stimmte Rain nur zu Rikiya durch die Siedlung zu begleiten, weil er Angst davor hatte, was ihn erwarten würde. Konnte es denn schlimmer sein, als die Zeit in der Nayantai in Fhaergus angekommen war? Vermutlich schon, immerhin war es ihm nicht wichtig was der adrestianische König, oder irgendwelche Schafe von ihm hielten, die Meinung seiner Schwester aber schon. "Das glaube ich auch nicht... ehrlich gesagt hat er dich nie erwähnt, aber wir haben auch selten miteinander gesprochen...", murmelte Rain entschhuldigend. Er und sein Vater hatten nie eine gute Beziehung zueinander gehabt, auch wenn Rains Mutter immer beteurt hatte, dass sein Vater ihn über alle Maßen liebte. Er glaubte sie hatte das nur gesagt, damit er sich besser fühlte, nicht weil es wahr war.

      "Du musst mir aber nichts vormachen, wenn es nicht so ist.", erwiderte Rain nun. Er wollte nicht, dass man ihn mit Samthandschuhen anfasste. Er war vielleicht nicht besonders stark, aber er war kein Kind und er konnte mit der Wahrheit umgehen. Es war ihm lieber er wusste woran er war, als dass er weiterhin so tun konnte als wäre alles in Ordnung. Trotzdem ließ er sich auf den kleinen Rundgang ein. "Mein Bein? Ich... ja ich schätze das wäre nicht schlecht..." War daran etwas zu retten? Vermutlich nicht, aber wenn Nayantai nicht der Einzige war, der sich von einem Arzt begutachten lassen musste, dann würde er vielleicht besser darauf reagieren. Rain ließ sich von Rikiya durch die Siedlung helfen und sah sich ein wenig um. Die Zelte sahen alle mehr oder weniger ähnlich aus, die Meisten mussten wohl gerade bei der Jagd sein, denn sie sahen hauptsächlich ein paar Kinder, die einen Blick auf das Schaf erhaschen wollten. Sonst begegnetem sie keinem und betraten stattdessen ein zelt, das nach warmem Essen und Kohle roch. "Kocht ihr immer für alle zusammen?", wollte Rain wissen als Rikiya sich von ihm löste um sich den Topf näher anzusehen. Rain blieb wo er war. Auf die Frage hin ob das Essen für ihn in Ordnung war nickte er. "Ich weiß zwar nicht was das ist, aber ich werde mich nicht beschweren." Rain wollte helfen und griff zwei Schüsseln die er übereinander stapelte, damit er sich mit der freihen Hand an dem Tisch abstützen konnte, der ihn bis zu Rikiya und an den Topf heran führte. Er reichte ihm die zwei hölzernen Schüsseln. "Rikiya?", begann er plötzlich, jetzt da er noch ein paar Minuten mit ihm alleine war. "Du bist ein guter König... und ein guter Vater. Wäre dir der adrestianische König auch nur ein bisschen ähnlich, dann gäbe es keinen Krieg mehr." Sie sollten Rikiya einfach zum König machen, aber das war ein unsinniger Gedanke.
    • “Es war mit Declan manchmal anstrengend, aber das lag auch eher daran, dass er so viel jünger ist als ich.”, erklärte er Rain. Während sich das kleine Energiebündel lieber mit hölzernem Spielzeug oder eigens genähten Stofftieren austobte, saß er meist eher herum und versuchte, die neugierigen Patschehände von seiner kohleverschmierten Leinwand fernzuhalten, auf die er gerade verschiedenste, ungerade Formen kritzelte. Khojin und Nayantai waren sich, zumindest wenn es um ihr Alter ging, mehr als nur ähnlich - sie waren beinahe in der gleichen Krippe nebeneinander aufgewachsen und waren, wenn es um die Feinheiten ging, nur eineinhalb knappe Jahre voneinander entfernt. Was genau es war, das die beide so auseinander zwang, das blieb selbst für Rikiya ein offenes, wenn auch fragwürdiges Rätsel. “Caelan scheint kein Mann großer Worte gewesen zu sein … aber was mich interessiert, ist schlichtweg komisch. Dein Patenonkel ist Darragh, nicht? Wieso nicht Cameron?”, erkundigte er sich verblüfft. Zugegeben, vermutlich hätte dieser notgeile Holzkopf nicht genug Manieren, um sich neben Rain aufzuhalten, aber dennoch war er Caelans Freund gewesen - sein bester Freund. Was war nur mit diesem verwirrendem Tropf geschehen? Hatte er den Verstand verloren, kaum hatte er sich aus seinem Leben entfernt? Rikiya konnte lediglich mutmaßen und Ronan war ihm dabei keinerlei Hilfe.

      “Ich war noch nie gut darin, zu lügen.” Mancherlei Dinge veränderten sich nie. Zum einen erhoffte er sich, man fand nie mehr über ihn heraus, als man es ohnehin schon getan hatte und zum Anderen fiel ihm abermals ein, was für ein Idiot er nicht war - den dummen Mund hätte er aufreißen sollen, so lange er noch konnte, so lange Caelan noch nicht komplett verrückt gewesen war. Nichts davon hatte er gemacht, stattdessen war er nun der Herrscher eines verdammten Volkes und schöpfte Eintopf in die Schale eines jungen Mannes, der genau so gut sein leiblicher Sohn sein konnte. “Ich weiß nicht, ob wir etwas haben, das wirklich hilft, aber bis dahin bekommst du … ah, verdammt. Ich bringe dir nachher deinen Stock vorbei, der sollte dir helfen.”, informierte er. Rikiya hatte sich bereits darum gekümmert und müsste es nur noch abliefern, aber bis dato war es ihm noch nicht einmal in den Sinn gekommen, dass Rain eventuell die gutgemeinte Hilfe schnellstmöglich gebrauchen konnte. Ein prüfender Blick fiel auf den jungen Mann; Rikiya schenkte ihm ein warmes, einladendes Lächeln. “Ja, du kannst dich auch aktiv am kochen beteiligen. Wie dem auch sei, jeder der etwas möchte ist auch willkommen, sich hier etwas zu holen. Das wäre in Adrestia sicher befremdlich.”, lachte Rikiya zufrieden. Als ob jemand wir Darragh aus dem gleichen Topf wie niederes Fußvolk speisen wollte - der Gedanke allein war absurd! “Etwas bittere Wurzeln, aber die Ziegenmilch und die verkochten Pilze und Kräuter gleichen das normalerweise gut aus.” Besser konnte es auch nicht werden - ungefragt nahm er eine der beiden Schüsseln und zwei Löffel, bevor er Rain erneut seinen Arm anbot und mit ihm den Rückweg antrat. Rikiya wurde hellhörig, als er seinen Namen hörte und schielte zu dem Jüngeren. “Ja?”, fragte er, neugierig darüber, was Rain ihm zu sagen hatte. Erneut lachte er. “Meinst du? Danke, Rain. Das bedeutet mir viel. Über die Jahre bin ich wohl eher so wie Henry geworden - hätten wir ihn noch, dann hätten wir vielleicht keinen Krieg mehr. Und du bist ihm nicht ganz unähnlich.”
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    • "Ich hätte immer gerne einen Bruder gehabt, ich... ach nicht so wichtig.", lächelte er, bevor er zu viel sagte. Er hatte sich immer einen Bruder gewünscht, weil er sich selbst nicht vorstellen konnte Fhaergus jemals zu regieren, oder zu heiraten und ihre Blutlinie fortzuführen. Er fühlte sich dazu immer noch nicht in der Lage und jetzt da Fhaergus ihm nicht mehr gehörte, würde er wohl auch nie leibliche Kinder bekommen. Gerne würde er mit Nayantai irgendwann ein Kind großziehen, aber zeugen wollte er keines, wer wusste schon, was er an das Kind vererben würde. Im Moment konnte davon aber gar keine Rede sein und die Welt war wohl eigentlich gar kein Ort für Kinder, zumindest solange Krieg herrschte... "Mein Vater war nicht oft zu Hause und wenn er es war, dann war er größtenteils bei meiner Mutter, bis er wieder abgereist ist.", erklärte Rain, sah Rikiya aber beinahe fragend an, als er seine Frage stellte. "Cameron? Cameron von Stenz?", fragte Rain. "Ich wusste nicht, dass mein Vater ihn überhaupt kennt. Allgemein hatte ich nie mit ihm zu tun, immerhin ist er der zehnte in der Thronfolge von Stenz." Rain wusste nicht viel über ihn. Er kämpfte wohl im Krieg, aber besodners hervorgetan hatte er sich laut der Berichte nicht, das war auch schon alles das Rain wusste.

      "Das klingt wie eine Lüge.", stellte Rain allerdings fest als Rikiya behauptete, er konnte nicht gut lügen. Versteckte er seine Identität nicht schon sein ganzes Leben lang vor seinen Kindern und einem Großteil seines Volkes? Man musste doch gut lügen können, um solche Geheimnisse für sich zu behalten. Rain war zwar hinter so manches gekommen, aber er hatte eine andere Perspektive auf die Dinge und hatte schlicht und einfach den adrestianischen Adelsakzent erkannt. Ein Wolf hätte das niemals herrausgehört. Er blickte zu Rkiya auf, als dieser anfing etwas von diesem Eintopf in eine der hölzernen Schalen zu gießen, Als diese voll war bot Rain ihm die andere dar, damit er dasselbe tun konnte. "Möchtest du auch eine Portion?", wollte Rain wissen und war schon dabei nach einer dritten Schale zu greifen. "Du musst dich wegen dem Stock nicht beeilen. Du musst mir auch nicht immer helfen.", erwiderte Rain dann, der den König viel zu oft von seiner Arbeit abhielt. "Kochen? Ich? Ich weiß nicht ob man meine Hilfe dabei will, aber ich schätze es ist etwas das sogar ich tun kann... In Adrestia wäre es wohl seltsam, aber nicht unbedingt in den Dörfern, aber das kannst du vermutlich besser beurteilen." Immerhin hkannte Rain nichts von der Welt. Dass es in einem Anwesen eines Adeligen anders zuging war allerdings klar. Rikiya selbst wollte scheinbar nichts essen. Vielleicht hatte er das schon getan, oder er wusste genauso wenig wie Rain, wie sie noch eine Schüssel befördern sollte. Rain nahm die Hilfe des Königs wieder an und hielt die zweite Schüssel in seiner eigenen Hand. So folgte er ihm zurück zu Nayantai. "Ich? König Henry ähnlich? Ich weiß nicht... ich weiß, dass er ach nicht bei bester Gesundheit war, falls es das ist was du meinst...", murmelte Rain und im nächsten Moment schlugen sie die Plane am Zelteingang schon zurück um das warme Zelt wieder zu betreten. Rains Nasenspitze und seine Ohren waren rot und kalt. Seine Finger auch, aber sonst ging es ihm gut. Khojin hatte ihm nichts getan. "Nayantai, wir haben Essen mitgebracht.", rief er lächelnd in den Raum.
    • “Hm? Wieso denn? Ich finde, du hättest einen guten, großen Bruder abgegeben.”, lobte Rikiya Rain. Genau kannte er ihn nicht so sehr, aber andererseits bezweifelte er, dass Rain ein heimtückisches Wesen mit Flausen im Kopf war, das sich nur darauf verließ, dass Andere die Drecksarbeit für ihn machten. Wieso denn auch? Er bewies schon in den wenigen Minuten, in denen er sich ihm zum ersten Mal zeigte, dass er mehr war, als er wahrlich angab zu sein - Rikiya rechnete es ihm hoch an, aber nicht nur das; er erhoffte sich immerhin auch, dass es dabei blieb und er ihm weiterhin vertrauen konnte. Nicht ein einziges Mal dachte er daran, dass man ihn in einen Hinterhalt schickte und Rain nur hier war, um sich von innen heraus die Wölfe zum Leib zu halten - nein, dafür war er nicht geeignet. “Kein einziges Mal bei dir? Du meintest, er hat dir Souvenire aus Thria mitgebracht, aber das war es dann?” Der König der Wölfe seufzte entnervt. Wer auch immer Rains Vater war, hatte sich so drastisch verändert, dass er zu keinem Augenblick ihrer kleinen Reise auch nur einen Moment lang wusste, wie ernst er die Fata Morgana aus seinen Erinnerungen nehmen konnte. Klar war in diesem Leben zwar nichts, und doch war es beinahe schon peinlichst auffällig, wie unsicher sich Caelan während der Erziehung seines eigenen Sohnes verhielt. Rikiya stockte stattdessen der Atem - er verschluckte sich an seinen Worten. “Cameron von Stenz, ja. Er war Caelans bester Freund; was zum Teufel ist nur los mit deinem Vater?” Obwohl Ronan nur mehr ein winziger Teil von ihm war, so verstand er die Welt nicht.

      “Da hast du wohl Recht. Aber ich war nie gut im Lügen, nur im mit der Wahrheit sparen.”, antwortete er mit einem verschmitzten Lächeln. Es war beinahe absurd, wenn er sich daran zu erinnern versuchte, wie tief er eigentlich fallen musste, damit er sich das alles eingestand - wäre er in Adrestia ehrlicher gewesen, dann hätte man ihn allerdings auch vom Galgen hängen lassen. Ob Darragh sich daran erfreut hätte, das konnte er nicht genau sagen - Rikiya wusste lediglich, dass er sich ein selbstgefälliges Grinsen auf dem Gesicht der alten Schmierlocke vorstellte, die absolut nichts in seinem, oder Rains, Leben verloren hatte. “Ich hatte schon etwas, aber danke dir. Solltet ihr hungrig sein, dann könnt ihr euch gerne noch mehr holen.”, bot er stattdessen an. Rikiya war niemand, der jemanden abweisen würde; er nahm diejenigen auf, die es nötig hatten und Rain war nun einmal einer von vielen. In mehr als einem Aspekt. “Der Stock ist schon fertig. Und ich weiß, aber ich muss zugeben, es macht mir schon Spaß.” All seine Kinder waren früh erwachsen geworden und Enkhtuya kümmerte sich eher um ihn; so tat es Caelan. Mittlerweile hatte sich alles ein klein wenig verändert und Rikiya war lediglich ein Schwamm, der fremde Persönlichkeiten aufgesogen und zu seinen eigenen gemacht hatte. Dementsprechend schien es wohl auch kein Wunder zu sein, dass er sich dermaßen für Rain interessierte. Ihr Weg zum Zelt zurück war kein weiter, und Rikiya trabte Rain auf den letzten Metern freudig hinterher, damit er die Schüssel abstellen und sich um Nayantai kümmern konnte. “Das lernst du schon! Und nein, du bist Henry ähnlich, weil ihr beide ziemlich gewitzt seid. Die anderen Aspekte meinte ich nicht, aber … das kann ich auch nicht abstreiten.” In gewissem Maße gab Caelan ihm gerade etwas wieder, das er Jahre zuvor für immer verloren hatte - und dieser Idiot bekam es nicht einmal mit! Nayantai hingegen schlug die Felle zurück und schniefte. So viel dazu. “Geht es dir gut?”, fragte er behutsam. Rikiya suchte sich einen Platz, an dem Rain alleine stehen konnte, oder sich aufs Bett plumpsen lassen durfte. “Was ist denn los?” “Nicht so wichtig … ich bin nur froh, dass es euch gut geht.”
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    • "Ich? Ja vielleicht...", murmelnde Rain leise und lächelte kurz. Ob er seinen Bruder überhaupt hätte sehen dürfen? Was wenn er genauso gewesen wäre wie Rain? Vielleicht hatten seine Eltern deshalb aufgegeben noch Kinder zu bekommen. Er glaubte nicht, dass seine Mutter unglücklich mit dem Sohn war den sie bekommen hatte, aber er wusste auch, dass ihr Leben deshalb nicht einfacher geworden war. Er wusste, dass sie gerne Besuch empfangen hätte und er wusste, dass sie gerne mit ihrem Sohn spazieren gegangen wäre, oder einmal eine Reise unternommen hätte. Im Nachhinein gesehen hätte er das alles vielleicht gekonnt und er merkte erst jetzt als er darüber nachdachte, dass er keine Angst mehr davor hatte nach draußen zu gehen. Gerade eben war er einfach aus dem Zelt gegangen, ohne auch nur einmal darüber nachzudenken. Ihm war kalt, das war wahr und es würde sich niemals ändern solange er in Thria war, aber dennoch war er nicht an dieses Zelt gebunden und er konnte es ertragen sich kurz hinauszubegeben um sich etwas zu Essen zu holen. Wenn er nur früher versucht hätte das große Haus zu verlassen, dann hätte er es sich nicht mehr nehmen lassen. Fhaergus, seine Heimat, zu verlieren und aus seinem eigenen Land fliehen zu müssen war furchtbar, aber es hatte auch etwas Gutes. "Mein Vater hat mit uns gegessen, aber dabei war es immer sehr still." Rikiyas kleiner Ausbruch verwirrte Rain. Es schien als kenne er einen anderen Mann, aber nicht Rains Vater. "Ich... tut mir Leid." Er wusste nicht einmal selbst, warum er sich entschuldigte, obwohl es ja nicht seine Schuld war, dass sein Vater sich scheinbar sehr verändert hatte. Rain wusste auch nicht, ob er überhaupt wissen wollte wie sein Vater einmal gewesen war.

      Rain lächelte Rikiya noch einmal an, der es zu genießen schien sich wieder um jemanden kümmern zu dürfen, nachdem Khojin scheinbar schon lange zu alt für soetwas geworden wurde. Dasselbe hatte sicher auch auf Nayantai zugetroffen, bevor er verschleppt wurde, jetzt schien er seine Familie aber sehr zu brauchen. Dass Rain mit dem verstorbenen König verglichen wurde musste er erst einmal verdauen und er konnte auch nicht darauf antworten als er Nayantai ansah, der sich aus den Fellen kämpfte. Rikiya half Rain noch näher zum Bett und der Blonde stellte die Schüssel die er noch immer in der Hand hatte daneben ab. Dann setzte er sich auf den Haufen Felle und rutschte zu Nayantai. "Mir ist nichts passiert, siehst du? Deine Schwester ist gar nicht so schlimm!", versuchte er den Wolf aufzumuntern und suchte unter den Fellen nach seiner Hand nach der er schließlich griff, als er sie gefunden hatte. Er drückte sie behutsam. "Sie hat mich nur mit einem Stiefel beworfen, aber ich glaube sie hat absichtlich nicht getroffen." Rain lachte ein wenig. Das Gespräch war zwar nicht so fröhlich verlaufen wie er es gerade darstellte, aber es war auch nicht gelogen, wenn er sagte, dass Khojin gar nicht so schlimm war. Sie hatte ihm immerhin kein Haar gekrümmt.

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    • Fehl am Platz fühlte Rikiya sich anfangs eigentlich gar nicht - es war falsch zu glauben, dass er sich selbst in eine Situation zwängte, die absolut nichts mit ihm zu tun hatte; er war daran beteiligt, und er schuldete Rain wohl auch mehrere Erklärungen, warum sein alter, verkorkster Herr zu einem jungen Darragh geworden war, der sich selbst nicht einmal mehr für seinen Sohn interessieren zu schien. Mutmaßungen waren nicht unbedingt seine Spezialität, so viel war ihm klar, aber dafür konnte er sich mehr als nur genau denken, was genau zwischen Darragh und Caelan passiert war, so dass einer von ihnen zum Schreckbild seiner selbst wurde. "Kein einziges Wort? Der Caelan den ich k- ... lassen wir das, ehrlich. Es bringt nichts, den einen mit dem anderen zu vergleichen, es ändert immerhin nichts an den komischen Tatsachen.", gestand der alte Wolf. Die Karten lagen offen auf der Hand und der alte Mann konnte auch nicht mehr, als sich selbst dafür auszusprechen, dass nichts in seinem Leben rund lief. Zwischen seinen und Rains befremdlichen Aussagen konnte er sich kein klares Bild einer einfachen Gesamtsituation malen; es schien so, als wäre Caelans gesamte Existenz ein verworrenes Spinnennetz geworden, aus dem sich keiner heraus sah. "Muss es nicht, ehrlich." Wieso denn auch?

      Stattdessen lehnte Rikiya sich an einen Pfeiler, der das Zelt hochhielt und dafür sorgte, dass das gesamte Gerüst nicht in sich zusammensackte. Immer wieder schielte er zu Rain und Nayantai, die durchaus eine Bindung zueinander besaßen, auf die ein jeder Andere neidisch sein dürfte. Nayantai wischte sich den Sand aus den Augen, beinahe wie ein tollpatschiges Kind, und schmollte, als er Rain entgegensah, der sich zu ihm setzte - derartiges Gehabe schien ihm nicht fremd zu sein, aber Rikiya war sich nicht klar, ob Nayantai es machte, um Rain einzulullen oder aber, ob er wirklich so geworden war. Zögerlich drückte der Riese die fremde Hand, die seine suchte. "Mhm, das sehe ich.", murrte er, konnte sich selbst jedoch kein Lachen abverlangen. Es war beinahe bitter, wenn er darüber nachdachte, dass er eigentlich nicht hier sein sollte, und dass Rain gar nicht bei ihm sein durfte. Nayantai hob seine Pranke und strich Rain ein paar Strähnen aus dem Gesicht, bevor er die raue, warme Hand auf seine weiche, kalte Wange legte. "Ein Stiefel? Das war sicher mit Absicht ... ähm. Aber sonst hat sie nichts getan, oder?" Fragend sah er auf, eher zu Rikiya als Rain, und erhoffte sich eine Antwort. Sein Vater schüttelte lediglich seinen Kopf.
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    • War Rains Vate einmal mehr wie Rikiya gewesen? War er es immer noch, nur nicht gerade wenn er zu Hause war? Rain war nicht sicher, ob er es wissen wollte, aber wie freundlich konnte ein Mann sein, der den König davon überzeugt hatte einen Krieg gegen die Wölfe zu beginnen und der es geschafft hatte, seinen eigenen Vater zum Abdanken zu zwingen. Rain wollte nicht darüber nachdenken. Es war einfacher für ihn, wenn sein Vater zu jedem kalt war und nicht nur zu seinem Sohn. Er wusste zwar, dass seine Eltern sich geliebt hatten, aber selbst das hatte seine Mutter einfach nur immer behauptet. Rain kannte ihn als verschlossen und ruhig, wenn er sich aber die Kriegsberichte durchlas, dann war es etwas anderes. Fhaergus allerdings ging es immer gut und kein einziger Mann musste in den Krieg ziehen und selbst wenn er es wollte, dann nahm Caelan denjenigen nur mit, nachdem er eine Ausbildung absolviert hatte. Selten starb jemand aus Fhaergus Reihen, aber es kam vor. Im gegensatz dazu starben die armen Bauernjungen aus Myriad zu Hauf. Rain konnte und sollte also nicht nur schlecht von seinem Vater sprechen, im Gegensatz zu Rikiya war er allerdings nie wirklich für seinen Sohn dagewesen.

      Rain kümmerte sich lieber um Nayantai, der ein wenig aufgelöst wirkte. "Kein Grund dir Sorgen zu machen.", lächelte Rain, der nun auch die zweite, warme Pranke spürte, die sich auf seine kalte und rote Wange legte. "Nein. Sie hat mich nur aus dem Zelt geschoben als es ihr genug war, aber sie hat mich sonst nicht angefasst.", berichtete der Blonde und legte seinerseits eine Hand auf Nayantais Wange. Sein Haar war völlig durcheinander, vermutlich weil er sich in die Felle gewurmt hatte. Lange wach war er schließlich auch noch nicht. "Mach dir keine Sorgen und ich bin sicher, dass sie nicht alles gemeint hat, das sie vorhin gesagt hat. Stimmts, Rikiya?" Nun wandte Rain sich auch um, um Unterstützung zu bekommen. Nayantai machte sich wegen ihrer Worte selbst verrückt, das musste doch nicht sein. "Ich denke sie hat einfach nur Angst dich noch einmal zu verlieren. Das wird schon. Jetzt wo wir hier sind, kannst du dich ja wieder erholen, so wie in Fhaergus. Da ging es dir doch am Ende auch schon viel besser." Soldaten hatte er überwältigt und ihre Rüstung gestohlen, das zeugte doch davon, oder etwa nicht? "Aber dafür musst du erst einmal etwas essen. Also hier! Das haben wir extra für dich geholt, bevor wir zurück sind!" Rain nahm die Schüssel zur Hand die er zuvor abgestellt hatte und zwang sie Nayantai auf.
    • Ein falsches Bild von Caelan zu erzeugen würde nur für Ärger sorgen. Rain würde sich nach dem Unmöglichen sehnen und in Rikiya würden Gefühle aufkeimen, die er bereits unlängst für tot erklärt hatte. Wenig hatte er sich dabei gedacht, als er sich auch nur für einen Moment mit Rain befasste - er flöste diesem armen Jungen dumme Gedanken ein, die sie alle beide lahmlegten, weil seine eigenen Gefühle ihn heimsuchten. Wie ein schlechter Witz war es, die ungläubige Realisation, dass jemand wie Caelan das Leben von so vielen auch im Retrospekt veränderte - aber es war die ungeteilte Wahrheit, die auch sein ehemaliger Liebhaber schwer verdauen konnte. "Ich mache mir immer Sorgen.", faselte Nayantai unzufrieden. Selbst in den Nächten, in denen er nicht bei Rain gewesen war und er nach Thria verbannt war, ging ihm das Lamm nicht aus dem Kopf. Jetzt, wo seine Schwester eine explizite Drohung aussprach, wurde sein Kummer nur noch größer. Was, wenn Khojin Rain etwas antat? Was, wenn sie ihre läppischen Drohungen zur Wahrheit ummünzte? Der einst große, böse Wolf schluckte schwer, als Rain seinen Vater erwähnte - er sah zu dem alten Mann herüber, dessen Haar er ohne die vielen, silbrigen Strähnen in Erinnerung hatte und dessen Haut wohl demnächst Krähenfüße haben würde, wenn er sich weiter um jedermann stresste.

      "Rain sagt die Wahrheit. Khojin hat ihn wirklich nur aus dem Zelt geschoben.", erwiderte er. Mehr gab es dazu kaum zu sagen, und war Rikiya ehrlich, dann wollte er sich auch gar nicht mit der lästigen Thematik, die seine Tochter, umfasste, beschäftigen. Sie alle hatten Angst vor jemandem, der im Grunde nur das Beste für Andere im Sinn hatte und sich keine erdenkliche Sekunde seines - ihres - Lebens Zeit gab, über die Verluste nachzudenken, die sie erlitt. Khojin tat Rikiya leid, aber Nayantai war davon ebenfalls nicht ausgenommen. "Hast du mir wirklich nur Suppe geholt, damit du mir sagen kannst, dass ich mich so gut es geht erholen soll?" Nayantai konnte darüber nicht wirklich lachen, aber dennoch schien er nichts dagegen zu haben. Starb er nicht hier - weil Khojin es von ihm verlangte - so starb er früher oder später ohnehin auf dem Schlachtfeld, das er sich selbst parat legte. Was brachte es denn, wenn er es tat, weil er zu schwach war, um sich selbst zu erhalten? Rain lag nicht falsch, aber goldrichtig würde Nayantai es in seiner Paranoia auch nicht nennen. Mit einem Nicken nahm er die Schale und kippte sich die Hälfte der glühenden Brühe in den Rachen. "Nayantai!", rief Rikiya noch, der sich sicher war, dass die Pampe brühend heiß war. "Was? Sie schmeckt doch sowieso nach nichts. Und es tut auch nicht weh.", seufzte er. Sein Vater verzog schmerzverzerrt sein Gesicht - das konnte nicht gesund sein, und Nayantai sah ihm an, dass er wegen ihm noch einen Schritt näher an sein Grab treten würde. "Ich schicke euch später einen Heiler vorbei, der sich alles ansieht. Rain, kannst du bitte dafür sorgen, dass er nichts bei Nayantai auslässt?"
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    • "Nayantai das musst du nicht. Ich bin in einem Stück, habe es bis hierher geschafft und bin noch nicht tot. Ich bin heute sogar einfach nach draußen gegangen, ohne mir groß Gedanken darüber zu machen! Das hätte ich in Fhaergus nie getan. Egal was noch kommt, das schaffe ich auch noch.", lächelte Rain zufrieden. Er wollte nicht, dass Nayantai sich so viele Gedanken machte. Sie hatten ihr Ziel endlich erreicht, aber es schien Nayantai dabei nicht besser zu gehen, ganz und gar nicht und das war auch schon so gewesen bevor Khojin hier aufgetaucht war. Er wusste nicht wie er Nayantai helfen sollte und was es war, das ihn wirklich beschäftigte. Rain wandte sich zu Rikiya, damit dieser seine Version bestätigte. Das tat er auch, schien aber nicht sonderlich froh mit hineingezogen worden zu sein. Ob Nayantai die Geschichte nun so annahm oder nicht wusste Rain nicht, er hoffte er tat es und solange Nayantai in der Nähe war, würde seine Schwester schon nichts tun. Ganz allgemein sah sie sich wohl nicht in der Position das selbst in die Hand zu nehmen, immerhin lebte Rain noch.

      "Nein ich habe Essen geholt damit du dich erholst.", verneinte Rain und übergab die Schüssel. Die zweite war für Rain, aber wenn Nayantai sie wollte, dann war er damit auch zufrieden. Jedoch wartete Nayantai nicht einmal bis der Eintopf ein wenig ausgekühlt war, stattdessen kippte er das Zeug hinunter und Rikiya war es der ihn dazu anhalten wollte vorsichtig zu sein. "Nayantai du solltest besser auf dich acht geben...", murmelte Rain und nahm ihm die Schüssel erst einmal wieder ab. Eigentlich hatte er gedacht er müsse ihn überreden, oder selbst etwas essen, damit Nayantai es auch tat, so wie in Fhaergus. Das andere Extrem war dabei nicht unbedingt besser. Rikiya eröffnete ihnen, dass er einen Heiler schicken würde und Rain verstand es so, dass er sich nicht nur Nayantais Auge ansehen sollte. Er nickte Rikiya zu und sah Nayantai anschließend besorgt an.
    • Nicht einmal sein Leben hatte er mehr zu verlieren - Nayantai wusste, wie es um ihn stand und konnte sich ausmalen, wie gut seine Chancen waren, bei den Ältesten wirklich zu brillieren. Müsste er es selbst in die Hand nehmen, so würde er durchaus behaupten, dass es seiner Meinung nach nicht wirklich etwas gab, worüber er sich echauffieren durfte. Sein Leben war einfach aber gut gewesen und sein Umfeld hatte sich stets um ihn gekümmert - er hatte sogar jemanden gefunden, der ihn obgleich aller Fehler seiner selbst liebte und mehr konnte er wohl auch gar nicht erwarten. Das musste Nayantai auch nicht. "Das freut mich, aber trotzdem! Ich sollte mich zumindest irgendwie um dich kümmern und dir nicht alles alleine aufzwingen, immerhin ... naja, ich will nicht, dass du alles alleine machen musst." Das war nicht Sinn der Sache, aber gleichzeitig eine miese Überreaktion. Nayantai war nicht im Recht, über Rain zu bestimmen und ganz eigentlich machte er es für sie alle nur schlimmer, wenn er sich nebst seinem Vater auch noch wie eine Bruthenne aufspielte, die versuchte, ihren Dickschädel durch die Wand zu forcieren, die ihr im Weg stand. Was hatte Rain denn auch davon? "Aber ... Ich, ähm. Ich bin stolz auf dich. Dich in Fhaergus aus dem Türstock zu kriegen war ... mh. Nicht leicht." Wenn es nicht um Leben und Tod gegangen wäre, dann hätten sie beide wohl eine Kehrtwende eingeschlagen.

      Ewig konnte Rain nicht für ihn sorgen - an irgendeinem Punkt wäre Nayantai wieder wach und musste erwachsen werden, konnte sich nicht von einfachen Lappalien durch den Alltag führen lassen und durfte sich nicht länger einbilden, dass er jemand sein konnte, der er gar nicht war. Sein Vater war nicht hier, um etwas Spaß mit ihnen beiden zu haben - er war sicherlich hier, um die freudige Nachricht zu überbringen, damit baldige Besserung in Sicht war. Profitierte wirklich irgendwer von seinem Tod? Nayantai rümpfte die Nase. "Danke.", nuschelte er lediglich, wurde aber gleich Zeuge einer Welle des Unmuts, die nicht nur von Rikiyas, sondern auch Rains Lippen rollte - man nahm ihm die Pampe wieder weg und er rollte mit den Augen. Was hatten sie denn alle? "Ich esse doch, das wollt ihr doch beide. Wo ist das Problem?", murrte er entnervt. Rikiya schüttelte den Kopf. "Aber nicht, wenn du dich selbst verletzt. Ich bringe euch das nächste Mal etwas Anderes vorbei, tut mir leid.", entschuldigte sich sein alter Mann. Nayantai kam sich vor wie ein bevormundetes Kind - dementsprechend hatte er auch die Schnauze voll und griff nach seinen Fellen, um sich umzudrehen und wieder in dem Haufen zu versinken, den er aufgebaut hatte. "Rain ... ich lasse euch alleine, passt dir das? Oder brauchst du Hilfe?"
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    • "Nayantai du kümmerst dich doch auch um mich. Du hast mir gestern geholfen und mir Kleidung gebracht, du hältst mich Nachts warm...", zählte Rain die Dinge auf, die Nayantai für ihn tat und das jeden Tag. "Du hast mich auch heute beschützt. Vor Khojin..." Nayantai schien als mache er sich Sorgen um viel zu Vieles und als suche er nach allen Fehlern, mochten sie auch noch so klein sein, die er bei sich selbst finden konnte. Nayantai war im Moment sein eigener größter Feind. Ob Rain etwas ändern konnte? Was war es denn, das ihn störte? Die Ältesten? Wenn sie entscheiden würden er dürfe leben, würde er sich dann besser fühlen, oder brauchte er nur eine Aufgabe? Es wäre wohl eher Rikiya der ihm etwas auftragen konnte, nicht Rain. Vielleicht würde es Nayantai besser gehen, wenn er ein paar Tage hier raus kam, am Besten mit seinem Vater, aber er würde Rain wohl niemals alleine lassen. Es war aussichtslos. Rain fand keine Lösung außer für Nayantai da zu sein, dessen Stimmung sich Schlag auf Schlag änderte. Rain kannte ihn so nicht.

      "Danke Nayantai...", lächelte Rain dennoch. Wären sie nicht um ihr Leben geflohen, hätte Rain sich nie aus der Tür tragen lassen, aber jetzt war er hier und es ging ihm gut. Sein verletztes Bein spielte kaum eine Rolle. Nayantais Stimmung schwang jedoch erneut um und Rain sah zu Rikiya. "Du musst dich nicht entschuldigen.", erklärte Rain bestimmt, während Nayantai sich schon wieder unter seinen Fellen versteckte. Rain sah immer noch zu Rikiya und seufzte leise. Er machte sich Sorgen um Nayantai und das sah man ihm an. Er machte sich auch Sorgen um Rikiya. "Nein alles gut. Ich... es tut mir Leid." Das tat es. Rain tat Leid was Khojin gesagt hatte und ihm tat Leid wie Nayanta sich benahm. RIkiya hatte Besseres veerdeint, aber zuerst musste er sich um Nayantai kümmern. Während Rikiya sich entfernte, legte Rain eine Hand auf Nayantais Schulter. "Nayantai...? Wir machen uns nur Sorgen... Der Eintopf war kochend heiß. Du weißt, dass etwas nicht in Ordnung ist, oder? Nur weil du es nicht spürst, heißt das nicht, dass du dich nicht verletzen kannst."
    • Eine abwärtsleitende Spirale - seine Psyche hatte vermutlich gerade jene Form angenommen, weil es die Einfachste war, die sie halten konnte. Nayantai fühlte sich schlecht, zum einen, weil er Rain gegenüber einfach nicht ehrlich sein konnte, und zum Anderen, weil er ein vermaledeiter Bastard war, der sich selbst nicht einmal in die Augen sehen würde, wenn er es denn musste. Was war bloß los mit ihm? Den Verstand hatte er verloren, klipp und klar, und den Kopf würde er sich noch von den Schultern reißen, wenn all das so weiter ging. Rikiya suchte die Ferne, den Abstand zu ihm, und Nayantai war es, der mit einem lauten Seufzer der Welt entgegenblicken sollte - stattdessen vergrub er sich in seiner Burg aus Fellen und schielte zu Rain, der ihm noch den Verstand raubte. "Aber ich tue nicht genug.", murrte er unzufrieden. Er müsste Rain wohl noch von A nach B tragen, damit er sich in seiner Existenz bestätigt fühlte - das tat er nämlich nicht, und dementsprechend war er es leid, sich selbst zu lauschen und auf die innere Stimme zu hören, die absolut keinen Mehrwert hatte, außer ihm die letzten Bissen Verstand zu rauben, die er noch in seinem Oberstübchen zu haben wusste. Nayantai war ausgebrannt.

      Wie ein aufmüpfiges Kind suchte er einen Ausweg aus seiner Situation, aus dem Blick, der sich förmlich in seine minderbemittelte Gestalt fraß und ihm zu verstehen gab, was für ein Idiot er denn nicht war. Auch Rain würde eines Tages nicht mehr als eine Schlange sein, die sich auf ihn stürzte und ihn verriet, und ... und ... Nayantai hatte den Verstand verloren. Wer um Himmelswillen setzte ihm solche Flausen in den Kopf? Khojin faselte Müll, gleich, wie er selbst es tat, wenn auch gleich in eine andere Richtung, und sie beide verstanden sich dementsprechend zirka so gut, wie zweierlei Schlangen, die sich selbst auffraßen. Er schluckte. Rain wollte nur helfen, das war noch nie anders gewesen, und Nayantai trat seine guten Absichten mit verbalen Füßen. "Wieso solltet ihr euch Sorgen machen? Mir geht es zwar nicht blendend, aber mir geht es gut!", grummelte er. Das tat es, und noch viel eher verstand er nicht, wieso Rain so einen Aufstand anzettelte, nur, weil er sich etwas Suppe in den müden Rachen gekippt hatte. Er war hungrig, mehr nicht, aber wen belog er damit eigentlich? Sich selbst, oder die einzige Person, für die er sich wahrlich interessierte. "Das war nicht mit Absicht, ich meine, ich schmecke sowieso nichts, das wird auch nicht besser, also sollte es auch egal sein. So lange ich hohe Töne spucken kann ..." Mehr wollte er gar nicht, auch, wenn es absurd klang. Sein Leben war, immerhin, noch nicht vorbei.
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    • "Was meinst du denn damit? Du tust nicht genug für mich, oder für alle hier?", wollte Rain wissen. Vermisste Nayantai die Zeit auf der Flucht in der er Rain tatsächlich beschützen musste, oder war es vielleicht weil er in diesen Momenten der Stärkste Anwesende war und das jetzt nicht mehr stimmte? "Nayantai wenn du mehr tun willst, dann hat Rikiya sicher nichts dagegen." Es gab betimmt genug Arbeit hier, auch wenn Rikiya sie beide gerade davon abschirmte. Rain hatte nicht viele Möglichkeiten, aber Nayantai konnte bestimmt an vielen Ecken und Enden aushelfen. Vielleicht sollte er einfach ein paar Tage mit Rikiya ausreiten und jagen, aber Rain bezweifelte, dass Nayantai ihn alleine lassen wollte und dass Rikiya Zeit dafür hatte. Es würde Nayantai trotzdem guttun, eigentlich würde ihm vermutlich alles guttun was hier in Thria alltäglich war und mit dem er beweisen konnte, dass er immer noch der Alte war. Es war in Ordnung, dass er sich verändert hatte, er musste nicht derselbe sein der er früher einmal war, aber das hieß nicht, dass er schwach war, oder nichts mehr tun konnte. Er hatte Rain bis hier her gebracht und er hatte ihn vor den Soldaten in Fhaergus und Wezette beschützt.

      "Nayantai ich merke doch, dass dich etwas bedrückt. Du hast dich so gefreut hier anzukommen, aber seit wir hier sind versteckst du dich hier drin und wirkst deprimiert.", stellte Rain fest, auch wenn er sicher war, dass Nayantai nicht darüber sprechen wollte. Brachte es denn etwas das Thema totzuschweigen? Vielleicht brauchte Nayantai nur Zeit, aber Rain bezweifelte, dass er sich besser fühlen würde, ohne etwas dafür zu tun. "Du kannst dich trotzdem verbrennen.", seuzte Rain, aber darum ging es doch gar nicht mehr. "Sag mir bitte wie ich dir helfen kann." Mehr wollte Rain doch nicht, auch wenn er nicht glaubte, dass gerade er Nayantai helfen konnte. Es ging nicht um Rain, oder seine Anerkennung, es ging um all die anderen unter denen Nayantai sich nicht mehr wohl fühlte. Gab es gar keine Freunde mehr hier? Oder traute Nayantai sich wegen Rain nicht ihnen gegenüberzutreten, sow ie bei seiner Schwester?
    • Ein Schandfleck der thrianischen Existenz, mehr war Nayantai nicht. Oftmals glaubte er, er würde etwas gegen die wilden Wogen ausrichten können, die sich allesamt gegen ihn wandten, aber daran verbrannte er sich lediglich die Finger, die ohnehin mehr als nur taub waren. Sein Leben in Adrestia war kein schönes gewesen, das konnte er auch beantworten, ohne dass er sich noch einmal daran erinnern musste, aber Rain war zumindest ein ferner Lichtblick am Horizont gewesen, der sich immer mehr ausgeweitet hatte. Mit wenig Verständnis über die gesamte Situation hatte er agiert, und noch viel schlimmer war es, dass er sich jetzt nur noch nutzloser - noch toter - fühlte als in Fhaergus. "Ich ... ich weiß es nicht.", winselte er heiser. Sein Leben schlug eine völlig andere Richtung ein, die Niemand von ihnen erwartet hatte - allesamt waren sie an die Vorschläge des Schicksals gebunden, das sie doch so sehr zu hassen schien und alle miteinander waren sie verrückt geworden, wenn es darum ging, die feinen Details des Lebens herauszufiltern. "Das ist mir schon klar, aber im Moment ist alles irgendwie frustrierend. Ich will nicht behaupten, dass Khojin zwingend Recht hat, aber ich fühle mich schlecht.", erwiderte Nayantai. Angewidert war er wohl auch.

      "Ich war noch nie gut darin, irgendetwas zu verbergen, hm?" Ein Seufzen brachte er auf, mehr nicht. Rain hatte ihn wohl auf frischer Tat ertappt - Nayantai war nicht mehr als eine noble Einbildung seiner selbst und die Wahrheit war nun einmal, dass er es Niemandem wahrlich recht machen konnte. Dumme Gedanken schwirrten zu Hauf in seinem Schädel, breiteten sich mit unglaublicher Geschwindigkeit aus und zeigten ihm auf, wie einfach und gleichzeitig dumm es war, zu glauben, dass er mehr war, als jemand, den Rain in ein vollkommen falsches Licht rückte. Ein nobler Krieger war er schon lange nicht mehr, und wirklich hilfreich war seine weiterführende Existenz für keinen. "Das ist mir klar, aber das stört mich doch sowieso nicht. Ich spüre es nicht." Umso schlimmer, wenn er wirklich Schmerzen hatte, die behandelt werden mussten - spätestens wenn er nicht mehr reden konnte, dann hätte sein letztes Stündlein ohnehin geschlagen. Aber bis dahin war alles weitreichend egal. "Du kannst dich zu mir legen und dir keine Gedanken darüber machen. Es wird besser, früher oder später." Wenn er etwas Zeit hatte, dann konnte er zumindest darüber nachdenken. Wenn ihm keine gute Antwort einfiel, dann war es das eben gewesen - er musste nicht mit jeder Entscheidung in seinem Leben klarkommen, oder sich von heute auf morgen fällen.
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    • "Du weißt doch noch gar nicht was die Ältesten entscheiden. Es ist nicht Khojins Platz zu entscheiden, ob du sterben musst oder nicht und wenn es nicht darum geht, sondern um mich, dann musst du dich eben entscheiden. Entweder du gibst ihr Recht und verlässt mich, oder du sagst ihr, dass sie mich akzeptieren muss.", erklärte Rain. Er glaubte Nayantai wusste bereits was er wollte, er hatte es Rain zumindest oft genug gesagt. Nichts das der Blonde versuchte half jedoch. Ihm gut zuzureden hatte keinen Effekt, ihn zum Lachen zu bringen ebenfalls nicht und Nayantai war nicht einmal aufgelegt ein wenig Spaß zu haben. Rain wusste nicht, was er mit ihm anfangen sollte. "Nichts wird besser, wenn du dich hier nur verkriechst. Du wolltest mir doch so viel zeigen und interessiert dich gar nicht was sich da draußen in deiner Abwesenheit getan hat? Ich weiß in Fhaergus sind wir Monate nur im Bett gelegen, aber das bist doch nicht du und ich weiß, dass du genügend Energie hast." Es schien als würde es Nayantai schlechter gehen als je zuvor. In Fhaergus war es sogar weniger schlimm gewesen, da war er noch wütend gewesen und anschließend hatte er sich bereits erholt. Auf der Reise hatte Nayantai auch eine Aufgabe gehabt. Vielleicht musste Rikiya ihm einfach Arbeit aufzwingen, egal ob Nayantai das wollte, oder nicht.

      "Sei nicht so stur und stell dich nicht dumm Nayantai!", rief Rain schließlich aus und ermahnte den Wolf als wäre er ein kleines Kind. Er benahm sich gerade auch wie eines. "Wenn ich mich verbrennen würde, dann wärst du genauso wütend auf mich, egal ob ich es spüre oder nicht." Rain rieb sich die Schläfen und sah den Wolf anschließend an, der wie ein Häuflein Elend in Selbstmitleid versank. Nayantai wollte doch gar nicht, dass es ihm besser ging und Rain glaubte mitlerweile, dass er auch hoffte, dass sein Tod eine entschiedene Sache war. Scheinbar hatte er dabei vergessen, dass er Rain heiraten wollte und dass Rains Tod damit auch besiegelt wäre, gerade jetzt, wo er das eigentlich nicht mehr wollte. Rain wollte sein Verhalten nicht loben und auch wenn er gesagt hatte, sie könnten den ganzen Tag faulenzen, so hatte er auch darauf keine Lust mehr. Stattdessen seufzte er und nahm das Kinderbuch in die Hand, das Rikiya ihm geliehen hatte. Er schlug es auf, damit er sich endlich daran machen konnte die Schrift der Thrianer zu lernen und damit er den Stapel Papier durchgehen konnte, den Rikiya ihm gebracht hatte.
    • Besser machte es sein ständiges Gejammer auf keinen Fall. Nayantai wollte nicht, dass Rain schlecht über ihn dachte, oder glaubte, er war an Ort und Stelle nicht mehr willkommen - er wollte sich nicht ihm streiten, und gleichzeitig tat er es gerade unterschwellig, während ihm alles zum Hals heraushing. Ein Idiot war er, mehr nicht, und sich auf die Einfachheiten des Lebens zu verlassen, war schon gar nicht seine Art. Sein Schädel dröhnte, wenn er darüber nachdachte, was es war, das ihn plagte, aber eine Antwort fand er nun einmal nicht. "Es macht mir trotzdem Angst. Ich komme hierher und das Erste, woran ich denken muss ist mein ... unser Tod. Haben wir das verdient? Nein. Und gleichzeitig müssen wir aber damit leben. Es hat nichts damit zu tun, dass ich dich nicht lieben soll - das ist mir komplett egal - aber mein Schicksal hast du eben nicht verdient. Du verdienst besseres.", keifte der Wolf aufgebracht. Dieser Morgen war ein reines Desaster und wurde mit jedem erdenklichen Schritt schlimmer. Perspektivenlos durch die Welt zu rennen war, wenn auch gleich eine Option, nicht näher angenehm - er wollte diese Sache gelöst haben, damit er ruhig schlafen konnte und sich nicht durchgehend genervt fühlte. "Wie soll es denn dann besser werden, wenn ich jedem mein Gesicht zeige? Das will doch auch keiner sehen. Ich soll mich doch am besten hier verstecken, bis mir die Ältesten hold werden, oder was meinst du?"

      Die Siedlung durfte er ohnehin nicht verlassen, also konnte er gut darauf verzichten, sein Gesicht draußen in der Natur zu zeigen. War er ehrlich, so hatte er wenig Lust darauf, irgendjemandem zu begegnen, aber Rain hatte gleichzeitig auch nicht Unrecht - er benahm sich gerade wie ein Idiot. Auf frischer Tat ertappt fror er für eine Sekunde sprichwörtlich ein und wandte seinen Blick zu Rain um, der seine Stimme seltsamerweise wohl lieber erhob, als irgendetwas anderes zu tun. "Das ...! Das meine ich doch gar nicht!" Eine wandelnde Leiche, mehr war er nicht, aber gleichermaßen war ihm schon peinlichst klar, dass er es sich selbst unnötig schwer machte. Rain hatte wohl auch keine Lust mehr auf ihn; damit hätte er rechnen können, wenn er seinen Sturschädel nur eine Minute lang angestrengt hätte. Der Blick der Enttäuschung blieb aus, aber die Ignoranz, die er so sehr verschmähte, wurde ihm entgegengebracht. Nayantai hatte sich bereits zuvor nicht unbedingt blendend gefühlt, mittlerweile war ihm allerdings sogar schlecht - er benahm sich wirklich unmöglich und das hatte er nun einmal davon. "Rain?", murrte er und setzte sich auf. Anscheinend war das alles doch zu viel des Guten geworden. "Bist du wütend?" Mehr kam gar nicht erst aus seinem Mund, aber das musste es auch nicht - Nayantai war ein Vollidiot, das wusste er auch selbst. Ungeachtet dessen setzte er sich auf und legte eines der Felle auf Rains Schulter, ehe er sein Kinn darauf bettete. "Was machst du da?"
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    • Rain wusste nicht, ob er sich wirklich mit Nayantai streiten sollte, aber egal wie er auf ihn reagierte, es schien keinen Unterschied zu machen. Nayantai war besessen davon, dass er in wenigen Tagen sterben würde und Rain war sich sicher, dass Rikiya das niemals zulassen würde, selbst wenn er sein ganzes Volk damit gegen sich aufbrachte. Rain verstand schon, dass es unfair war, wenn andere Söhne und Töchter wegen ihrer Traditionen sterben musste, aber Rikiyas Sohn nicht, aber dann konnte er diesen dummen Brauch auch gleich abschaffen. Rain sagte nichts mehr, aber er spürte wie Nayantai sich neben ihm bewegte und ihm eines der Felle umlegte, damit er nicht fror. Rain seufzte leise. "Nein... ich glaube nicht, dass ich wütend auf dich bin.", erklärte Rain und sah kurz zur Seite zum Gesicht des Wolfes, der nun angekrochen kam um sich zu entschuldigen. "Rikiya hat mir das hier gegeben. Ein Kinderbuch, damit ich eure Schrift lernen kann. Ich hatte mir davor ein anderes geborgt, aber er meinte es wäre wohl zu schwierig, also hat er mir das hier gegeben. Er hat euch bestimmt daraus vorgelesen, oder?" Rain hielt das Buch ein wenig hoch, damit Nayantai es besser sehen konnte.

      "Wenn ich eure Schrift lesen kann, dann kann ich auch die ganzen Berichte durchgehen und mich hoffentlich nützlich machen. Ich denke das ist, was auch du tun solltest. Dich nützlich machen, so wie du es früher auch warst. Jeder hier muss zum Leben aller beitragen, nicht wahr? Die Ältesten sind jemandem der allen helfen kann und etwas beitragen kann sicher freundlicher gesindt, wenn du dich nicht aus dem Zelt traust, dann können sie deinen Tod auch gleich befehlen. Ich habe das Gefühl du willst, dass sie das tun. Das macht mich wütend. Wir haben nicht so viel auf uns genommen, um jetzt aufzugeben. Egal wie sie entscheiden, egal ob die anderen Wölfe dich hassen, dann ist es eben so, aber du hast mich und deinen Vater. Ich würde mit dir fliehen, erneut, wenn es sein muss.", erklärte Rain ruhig. Anschließend seufzte er und ließ seinen Kopf gegen Nayantais sinken. "Du warst es doch, der ihnen einen lebenden Wolf vor die Füße geworfen hat, oder etwa nicht? Wieso interessiert dich ihre Meinung auf einmal? Du musst nicht nach draußen gehen, wenn du das nicht willst und wenn du dich nicht bereit fühlst, aber ich will einfach nicht, dass du hier drinnen nur auf deinen Tod wartest. Das wäre nicht anders als mein Leben in Fhaergus, aber ich will nicht mehr sterben, ich warte nich auf meinen Tod. Ich weiß, dass mich die nächste Krankheit dahiraffen könnte, aber ich hoffe nicht darauf."
    • Nayantai wollte nicht, dass seine schlechte Laune auch noch jemanden befiel, der eigentlich nichts dafür konnte - Rain hatte sich um ihn gesorgt, jedes einzelne Mal wenn es Zeit dafür war, und sich auch dementsprechend benommen. Er selbst hingegen hatte sich eine Aufgabe gegeben, von welcher er wohl oft nicht wusste, inwiefern er sie ausüben sollte, ohne sich selbst wehzutun - Nayantai machte gerade das und das Kribbeln in seinem Hals hörte nicht auf, als wolle man ihm zeigen, dass er noch nicht ganz tot war; als würden seine Sinne abgestumpft aber vorhanden sein. "Glaubst du, dass du wütend auf mich sein wirst, wenn ich so weitermache?", erkundigte er sich, mit kindlichem Eifer in seiner Stimme. Womöglich legte er es an diesem Punkt auch einfach nur mehr darauf an, eine verbale Schelle von Rain zu kassieren, damit jedweder Schmerz, den er glaubte zu spüren, nicht mehr so schlimm war, wie er ihn einst wahrnehmen wollte. "Aus diesem Buch? Vermutlich. Vielleicht Mutter. Beide, eher. Ich kann dir helfen, wenn du möchtest, es ist ziemlich einfach, insofern du die Zusammenhänge erkennst." Thrianisch war eine verschnörkelte Sprache in der jedes Wort ineinander überfloss, und doch war sie zu meistern, zumindest glaubte Nayantai das - und er war sicher nicht der Einzige, wenn Rain sich schon nicht schlecht anstellte.

      Es waren Gedankenstränge, die Rain in jenem Moment in seine Richtung warf - er hatte Recht und durfte sich erlauben, was auch immer er wollte, auch, wenn Nayantai Niemand war, der ihm den Mund verbieten würde, so wusste er vielleicht auch, dass seine Worte eventuell auf taube Ohren stoßen könnten. Er lauschte, als wäre er dazu verpflichtet, und drückte seinen Kopf ein wenig gegen Rains, als dieser sich auf seinen eigenen bettete. Niemanden liebte er mehr als ihn, so viel war klar. "Ich fühle mich einfach verloren und ein wenig fehl am Platz. Ich weiß nicht, wohin mit mir - ich wünschte, alles wäre wieder wie in Fhaergus, wo wir uns beide keine Gedanken um derartige Sachen machen mussten. Aber es stimmt, ich sollte den Rest meines Lebens nicht in diesem Zelt oder diesem Bett fristen, das bringt mich nicht weiter." Und doch war er müde und ausgelaugt, ausgebrannt und zerstört, kaum kuschelte er sich näher an Rain heran und lugte mehr über seine Schulter. Einst war er stolz gewesen, ja, beinahe schon fanatisch daran interessiert, die Schafe auszurotten, so lange seine Beine ihn trugen, doch jetzt hatte sich all das in elende Luft aufgelöst. Nichts war mehr vorhanden, vor allem kein Kampfgeist. "Gibst du mir noch etwas Zeit? Morgen gehe ich wieder nach draußen, versprochen ... aber heute will ich mich noch etwas vor der Welt verstecken und dir unter die Arme greifen; das habe ich dir sogar versprochen. Keiner von uns sollte an den Tod denken."
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    • "Nayantai ich... " Rain seufzte und versuchte sich seiner eigenen Gedanken klar zu werden. Er schüttelte leicht den Kopf. "Ich bin nicht wütend auf dich, du... du erinnerst mich nur an die Person die ich war, kurz bevor du bei mir aufgetaucht bist. Ich... ich will micht nicht mehr so fühlen und ich schäme mich dafür.", erklärte Rain selbstreflektiert. Er hatte doch genauso gedacht. Er wollte nicht aufstehen, nichts essen und nicht einmal gesund werden, wenn ihn erneut etwas heimgesucht hätte. Selbst ein paar Wochen zuvor hatten ihn ähnliche Gedanken eingeholt. Er wollte das nicht mehr, er musste sich selbst in Gedanken rufen, dass er mehr erreicht hatte als jemals jemand von ihm erwartet hatte, alle außer Nayantai. Er hatte immer an ihn geglaubt, ihm gesagt er solle doch einfach versuchen raus zu gehen und mehr zu wollen. Rain machte einen miserablen Job, um dasselbe für den Wolf zu tun, aber er wusste auch nicht mehr, was er noch sagen sollte, um ihn umzustimmen. Rain sah wieder auf das Buch und nickte langsam. "Mhm... aber das musst du nicht. Willst du eigentlich wissen, was dein Vater und ich über den Sommer besprochen haben?" Nayantai hatte ein Recht es zu wissen, wenn er denn wollte.

      Rain schüttelte erneut den Kopf und atmete tief aus. "In Fhaergus musste ich mir ständig darum Gedanken machen, ob uns jemand entdeckt und was alle davon halten, dass ich dir ein Zimmer und Essen gegeben habe. Hier weißt du besser was die anderen denken. Es wird niemals einen Ort geben, an dem wir akzeptiert werden, ohne dass jemand einen zweiten Gedanken daran verschwendet, aber ich bin froh, dass dein Vater uns akzeptiert. Jetzt bist ber du es, der dieselben Probleme hat, die ich auch gehabt habe und ich bin frustriert, weil ich nicht weiß, wie ich dasselbe für dich tun kann, das du in Fhaergus für mich getan hast." Rain machte eine kurze Pause und auch wenn er glaubte, dass er Nayantai bereits von allem erzählt hatte, so war er sich nicht mehr sicher, ob Nayantai ihn damals verstanden hatte. "Nayantai ich habe nie gewusst wo mein Platz ist. Ich habe mich nie in der Lage dazu gefühlt Fhaergus eines Tages zu übernehmen. Ich habe mich geweigert zu heiraten, weil ich dachte niemand wäre glücklich mit mir und ich will auch heute noch keine leiblichen Kinder, weil ich Angst davor habe, dass sie so werden wie ich. Bevor du zu mir gekommen bist habe ich nichts mehr gegessen und mein Zimmer habe ich nur selten verlassen. Ich hatte nicht nur keine Hoffnung mehr, ich wollte nicht mehr leben, war aber zu feige das selbst in die Hand zu nehmen. Als du aufgetaucht bist hat sich alles geändert. Du warst der Erste, der mir so viel mehr zugetraut hat und ich konnte mich endlich mal um jemand anderen kümmern, statt dass sich alle um mich kümmern. Du hast mir von der Welt erzählt und ich wollte sie sehen, mit dir. Ich wollte nicht mehr sterben, auch wenn ich nicht viel Hoffnung gehabt habe noch lange zu leben, aber selbst das ist jetzt anders. Ich werde bestimmt nie sehr alt, aber ich kann mehr als ich selbst gedacht habe und dass ich das weiß ist nur dir zu verdanken. Weißt du eigentlich wie viel du für mich getan hast? Nicht nur, weil du mich vor irgendwelchen Soldaten beschützt hast, oder mich getragen hast, wenn ich nicht mehr selbst gehen konnte." Rain drückte Nayantais Hand. "Tut mir Leid, ich rede zu viel und es geht gerade nicht um mich. Du kannst dir so viel Zeit nehmen wie du willst, solange du nicht aufgibst." Das war alles das Rain wollte. Er war selbst noch nicht bereit dazu aufzugeben. "Du kannst mir hiermit gerne helfen, wenn du willst."