spellbound. (earinor & akira)

    • "Das schaffe ich schon", versicherte Nayantai ihm. In Wahrheit war er sich allerdings nicht sicher, ob er es überhaupt schaffen würde, Rain zu beschützen - zu viele Faktoren spielten eine Rolle und das Lamm selbst konnte sich nicht verteidigen, vermutlich auch dann nicht, wenn Nayantai ihm ein Messer überließ. Es stand vermutlich einfach nicht in seiner gutmütigen Natur, über Leute herzufallen, die nach seinem Leben trachteten - aber dafür hatte er ohnehin den großen, bösen Wolf, der es gewohnt war, Menschen in ihre Einzelteile zu zerlegen und der absolut vertraut damit war, dass nichts für die Ewigkeit war. "Aber nur, weil ich auf mich aufpasse, heißt das nicht, dass ich nicht auch auf dich aufpassen muss, kann oder soll", entgegnete er dem Schaf schlussendlich. Was auch immer es war, das sie auf ihrer Reise nach Thria noch erwarten würde, Nayantai war sich beinahe sicher - wenn nicht peinlichst genau - dass es so oder so zu Komplikationen käme und der Schlussstrich würde gezogen werden, bevor sie Thria überhaupt wirklich erreichen konnten, zumindest glaubte er eben das, ohne handfeste Beweise, die ihm irgendwie ermöglichen würden, etwas Gutes darin zu sehen, dass Rain alles verloren hatte. Thria war lediglich ein Meilenstein, den es zu erreichen galt, aber während das Meer wohl ein Äquivalent zu seiner angestrebten Freiheit war, so war Rains Vorstellung eine Andere - er musste lediglich Adrestia verlassen, nicht aber Gaia, mehr brauchten sie auch nicht, um in dieser Welt doch noch einen Funken Hoffnung zu finden.

      Der Wolf hatte nicht vor, sich von ein paar Schneeflocken oder von dem Grummeln in seinem Magen aufzuhalten, in Wahrheit hatte er sich wohl selbst nichts Gutes damit getan, die Mahlzeiten von Rain anzunehmen und sich etwas an das Leben der Schaffe anzupassen. Genau das war eben etwas, woran er selbst verzweifelte, das er sich selbst zuzuschreiben hatte und noch viel wichtiger, eben das war etwas, das ihn früher oder später noch den Weg ins Grab ermöglichte. Sie beide hatten nicht mehr als das, was sie vermutlich am Leibe trugen und mit sich herumschleppten, dementsprechend gab es auch nichts, woran sie sich klammern konnten, außer einander. Irgendwann war selbst Nayantai es leid, davonzurennen, nicht für einen Moment inne halten zu können und die frische Luft zu genießen, sondern die Eiseskälte in seinem Körper akzeptieren zu müssen - wenn er sich schon plagte, wie ging es Rain überhaupt? "Sollen wir ... ein Lager aufschlagen?", fragte er, als er selbst immer langsamer wurde. Auch jemand wie er brauchte Ruhe, brauchte Schlaf und konnte nicht durchgehend auf den Beinen sein, vor allem dann, wenn sie ewig unterwegs sein würden - vor allem dann, wenn ihre Reise durch den Schnee von Fhaergus immer weiter nach Westen verlief. Zumindest hatten sie die Sterne, die alsbald den blaugrauen Himmel erleuchten würden und den Mond, der greifbar nahe schien.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain wollte niemals der Grund dafür sein, dass Nayantai etwas geschah, deshalb hatte er ihn ja von Anfang an fort schicken wollen, wenn das Wetter es zuließ, auch wenn Nayantai viel lieber bei ihm geblieben wäre, in seiner Nähe und Gegenwart und dafür sogar auf seine Freiheit verzichtet hätte. Jetzt war es nur noch schwerer für Nayantai zu überleben, jetzt wo sie hier draußen waren, verfolgt von Soldaten und nicht nur die konnten ihnen das Leben nehmen. Die Kälte, das Wetter, ein falscher Schritt den Berg hinauf, oder schlicht und ergreifend der Hunger, der sie befallen würde, wenn ihre Vorräte zu Ende gehen sollten. Auch der Wolf war die Berge nicht gewohnt, kannte sie nicht und einen anderen Weg zu nehmen als die befestigten Straßen, die dem Winter auch nicht trotzen konnten, war gefährlich. Wäre der Wolf alleine unterwegs, dann hätte er bestimmt bessere Karten, auch wenn seine Ausgangslage nachdem er so plötzlich gehen musste, auch nicht die Beste gewesen war. Ohne Kleidung, ein Pferd, eine Waffe, oder Ausrüstung, trotzdem hätte Nayantai seinen Weg bestimmt irgendwie gefunden.

      Die Vegetation wurde langsam karger, immerhin hatten sie schon einen weiten Weg zurück gelegt, Rain fragte sich, ob es ein problem sein würde, müssten sie die schützenden Wälder erst einmal verlassen. Ab einem gewissen Punkt würden nur noch Sträucher wachsen und irgendwann auch die nicht mehr. Wären sie dann nicht einfacher zu entdecken, mitten im Schnee? Zudem würden die Bäume sie nicht mehr vor dem eisigen Wind schützen der in Fhaergus tobte. Rain presste bereits jetzt sein Gesicht gegen Nayantais Rücken, versuchte seine Lunge vor der kalten Luft zu schützen und trotzdem hustete er immer häufiger und ein unangenehmes Stechen ging von seiner Brust aus. Irgendwie schaffte er es trotzdem wach zu bleiben und sich an den Wolf zu klammern, auch wenn er irgendwann nichts anderes um sich herum mitbekam. Die dunkle Stimme riss ihn aus seiner Trance und Rain stellte fest, dass es langsam dunkel wurde. "Mhm...", antwortete Rain müde, er wollte nicht, dass sie nur wegen ihm Halt machten, aber es schien als brauchte auch Nayantai eine Pause. Im Dunkeln weiter zu reiten half ihnen vermutlich auch nicht, im Gegenteil. Rain hatte keine Ahnung wo sie, oder wie lange sie unterwegs gewesen waren. Vielleicht fanden sie trotzdem eine verlassene Mine, oder zumindest einen anderen Unterschlupf, wie eine Höhle. Rain wollte nur raus aus der Kälte, nur für ein paar Stunden. "Sollen wir... versuchen die Karte zu lesen...?"
    • Wenn die Temperaturen in Fhaergus noch so niedrig waren, wie kalt wäre es dann erst wenn sie ihren Weg nach Thria fanden? Eigentlich rechnete Nayantai zu diesem Zeitpunkt gar nicht damit, dass einer von ihnen beiden überhaupt die Fähigkeit besaß, so lange dem Winterwind zu trotzen, der ihnen früher oder später ins Gesicht peitschen würde - allerdings war auch das nur eine Vermutung, etwas, das keine sonderliche Begründung besaß. Im Moment ging es ihnen beiden noch gut und sie hatten Proviant, außerdem wirkte es nicht so, als würde man ihnen dicht auf den Fersen sein, auch, wenn das nichts heißen musste. Sie beide konnten sich genau so gut gerade in ihr Verderben stürzen, versuchen, all den Dingen zu trotzen, die eigentlich ihren Tod garantierten, aber nichts davon würde ihnen wirklich aufzeigen, ob ihre Reise ins Jenseits führte oder ob sie lediglich nach Thria unterwegs waren. Dennoch, vielleicht war seine Heimat gar nicht mehr als das - das Ende der Welt, das Ende des Lebens - ein Abgrund, aus dem es kein Entrinnen gab. Was auch sonst sollte es sein, wenn nicht das? Wölfe waren für Schafe nicht von wert, oder von Bedeutung und egal wie sehr sie versuchten einander geheuer zu werden, selbst er zweifelte daran, dass irgendetwas davon fruchten würde, egal wie er es drehte oder wendete.

      Nayantai verfluchte sich wohl innerlich selbst dafür, einfach in Fhaergus geblieben zu sein, nicht, weil er Rain als eine Art Ballast ansah, sondern weil das Husten, das selbst zu ihm durchdrang, nichts sonderlich Gutes zu bedeuten hatte. Womöglich wäre es vielleicht sogar besser gewesen, hätte er den gelb drapierten Schnösel umgebracht und sich um seine Männer gekümmert, damit er das Lamm nicht nach Thria schleppen musste und mit ihm eine durchaus sichere Reise in den Tod bestritt. "Die Karte? Ah, ja!", stieß der Wolf aus, der das Pferd augenblicklich langsamer werden ließ um nach der Karte zu suchen, die er schlussendlich auch hervorzog. Rain hatte recht, er versuchte hier gerade eine Karte in einer Sprache zu lesen, die er nicht ordentlich kannte, geschweige denn sonderlich verstand und wenn er ehrlich war, dann war ebendas sein erster Fehler. "Ich ... äh", fing er an, bevor er Rain das gute Stück reichte, in der Hoffnung, er kannte sich besser aus. "Wir müssten doch hier sein, oder?", wollte der Wolf wissen, der mit seinem Finger auf eine Stelle drückte, die er gerade gar nicht sah, aber die zumindest einigermaßen ähnlich wirkte, wenn er an die Landschaft dachte, die gerade noch an ihnen vorbeigezogen war.
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    • Das Pferd wurde langsamer und Rain war fast ein bisschen überrascht davon, dabei war er es doch der von der Karte angefangen hatte. Nayantai studierte sie einige Zeit lang, bis er sie doch Rain reichte, der seine Arme langsam von Nayantai löste um sie entgegen zu nehmen. Solange er auf dem schaukelnden Pferd sitzen bleiben konnte war doch alles gut, trotzdem hielt er sich immer noch mit einer Hand an Nayantai fest, sobald er die Karte so zu greifen bekommen hatte, dass der Wind sie ihm nicht aus der Hand blasen konnte. "Ich..." Rain wusste wie man eine Karte las, aber er wusste nicht, wie man sich hier draußen orientierte, oder wie weit die Strecke sein konnte, die man auf einem Pferd zurück legte. Sie hatten ja an dem kleinen Bach auch eine längere Pause gemacht und das kleine Gewässer war bestimmt nicht einmal eingezeichnet. Rain versuchte zu rekonstruieren wie lange sie am Tag zuvor zu ihrem Lager gebraucht hatten, versuchte zu überschlagen, was das für den heutigen Tag bedeutete. Eine Weile lang waren sie bergauf unterwegs gewesen, nun waren sie aber eher am Rande des Berges entlang geritten, die Position die Nayantai vorschlug war vermutlich richtig und seine Meinung war so gut wie Rains, wenn nicht sogar besser.

      Rain reichte die Karte wieder nach vorne und deutete auf einen Punkt neben dem ein paar Zeichen und Zahlen standen. "Schaffen... schaffen wir es noch dort hin?", wollte er wissen, ihre Reise würde noch ein Stück bergauf führen, aber wenn ihre Position ungefähr stimmte, sollten sie am Rande des Waldes noch einen stillgelegten Schacht finden, in dem sie zumindest vor dem Wind geschützt wären. Der schwieriger Aufstieg würde dann wohl erst beginnen. Ein paar alte Wege waren noch eingezeichnet, andere bestimmt bereits kaum noch zu erkennen. Rain wusste nicht wie man einen Berg bestieg, er wusste nur, dass sie die Hauptstraßen nicht nehmen konnten und dass irgendwann auch die Wege zur höchst gelegenen Mine endeten und sie sich dann einen anderen Weg suchen mussten, auch einen hinunter. Voerst hielt er sich einfach weiter an Nayantai fest, bis sie tatsächlich einen Unterschlupf fanden und Rain von dem Pferd gehoben wurde. Seine Beine wollten ihn gar nicht erst tragen, weswegen er beinahe schon in Nayantais Arme fiel, aber er schüttelte nur den Kopf. Nicht einmal beim vorbereiten ihres Lagers konnte er wirklich helfen, der Wolf war derjenige der für Feuerholz noch einmal nach draußen musste. "Gibst du... mir die beiden Karten... bitte?", fragte Rain, während er sich an die nächste Wand stützte und schließlich zu Boden sinken ließ. Wenigstens konnte er die Karten aktualisieren und vielleicht sogar mit Nayantai einen Weg den Berg hinauf planen, das alles sollte er ohnehin tun, solange er noch konnte. Er war nicht sicher, ob er Fhaergus lebend verlassen konnte, vielleicht sollte er das ja auch gar nicht, aber er musste wohl, wenn er nicht wollte, dass Nayantai sein Versprechen hielt un ihm in den Tod folgte.

      Es wurde immer dunkler draußen und auch in der Höhle, Rain musste das letzte Licht nutzen, während Nayantai sich um das Feuer kümmerte. Er hatte die Karten vor sich ausgebreitet und ein paar herumliegende Steine auf die Ecken gelegt, damit sie sich nicht wieder zusammen rollten. Außerdem hatte er in dem Dreck ein Stück Kohle gefunden, mit dem er tatsächlich etwas einzeichnen konnte, auch wenn er nicht sicher war, wie lange das halten würde. Sein Husten wollte nicht aufhören, ihm war immer noch kalt und der Boden war hart, aber immerhin hatte er etwas das ihn beschäftigte. Und so zeichnete er erst einmal die aktuellen Grenzen auf die veraltete Karte, so genau wie es seine Erinnerung zuließ. Dann legte er noch einen hellen Stein auf die Position auf der sie sich gerade befanden, damit er sich mit Nayantai besprechen konnte, wie sie von hier bis nach Thria kamen. Der Weg gen Norden wäre damals wohl der kürzere gewesen, damals als diese Karte noch aktuell gewesen war, aber mittlerweile gehörte viel zu viel Land Alster. Auf die Karte die alle Minen, ob stillgelegt oder nicht verzeichnet hatte malte Rain den ungefähren Weg den sie bereits geritten waren. Wenn sie sich von Mine zu Mine hangelten, dann waren sie zumindest Nachts vor dem Wetter sicher, oder etwa nicht? Als er fertig war lehnte Rain seinen Kopf gegen die Felswand und versuchte ein paar tiefe Atemzüge, bis Nayantai Zeit für ihn hatte. Er wollte eigentlich nur ein wenig in seinen Armen liegen, dabei war es ihm schon egal, ob ihn jede Berührung auf seinem Rücken zucken ließ, ebenso wie er es jetzt an den Fels gelehnt ignorierte, einfach weil es immer noch einfacher war, als seinen Körper ohne Unterstützung aufrecht zu halten. Wenn Nayantai erst einmal neben ihm Platz nahm, konnte er sich vielleicht wenigstens an seine Schulter lehnen.
    • Vermutlich wäre es einfacher gewesen, an Ort und Stelle aufzugeben und sich dem eigenen Tod mit offenen Armen und Augen zu stellen. Die Wahrheit selbst war immerhin, dass sie alle ohnehin nie lange zu leben hatten und jetzt vergeudeten sie ihre ablaufende Zeit damit, den Klauen der Welt zu entkommen, die sie sowieso nie leben lassen wollte. Beide von ihnen hatten ein Los gezogen, dass nicht großartig hilfreich war, oder aber ihnen alle Wege der Welt öffnete, im Gegenteil. Nayantai war derjenige, der sich eigentlich darauf eingestellt hatte, kein langes Leben zu führen, in den Händen der Schafe unterzugehen und doch war er nun derjenige, der länger lebte, als eigentlich gewollt. Schlussendlich hatte man ihn, ob er wollte oder nicht, damit betraut, auf Rain achtzugeben und obwohl er nichts lieber als das tat, wäre es einfacher - so viel einfacher - würde Rains Körper sich nicht mit seiner Umwelt streiten, wer den jungen Fürsten als Erster in Grund und Boden stampfen würde. Viel lieber war dem Wolf jedoch der alte Minenschacht, der zumindest einen guten und einigermaßen trockenen Unterschlupf darstellte - etwas, womit er eigentlich nicht gerechnet hatte und doch war es wohl einer der einzigen Orte, an denen Rain hier draußen übernachten konnte, ohne zu erfrieren. "Sicher", murmelte der Wolf, der dem Schaf die Karten übergab, als hätte er sonst nichts besseres zu tun.

      Nayantai war wohl derjenige, der sich darauf einstellen musste, das Lager jede Nacht vorzubereiten - nicht, dass es ihn großartig störte, immerhin konnte Rain nichts für die Situation in der er sich befand und noch viel weniger konnte der Blonde dafür, dass sein Körper wohl bereits damit anfing, zu streiken. Kaum hatte er genug Gestrüpp eingesammelt, das als Feuerholz dienlich war, kam er zu Rain zurück, der gerade damit beschäftigt schien, die zwei Karten, die der Wolf ihm gegeben hatte, anzupassen - etwas, das den Wolf brennend interessierte. Dementsprechend dauerte es wohl nicht lange, bis er das Feuer zum entflammen brachte und die drei Decken wieder aus ihrem Gepäck holte, damit er sowohl sich selbst als auch das Lamm etwas erwärmen konnte und sie beide nicht der Eiseskälte ausgesetzt waren, die sie schon den ganzen Tag aushielten. "Bist du hungrig?", wollte er wissen, ehe er auch etwas zu essen an den Sitzplatz von Rain verschleppte, eine der Decken behutsam über seine Schultern drapierte und sich dann neben ihn sinken ließ. Er war, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgelaugt und müde, wenn nicht sogar etwas hungrig, aber stattdessen fielen seine Augen auf die Karte, deren Inhalt er unbedingt erspähen wollte. Die Grenzen, die Rain wohl eher notdürftig in schwarz angepasst hatte, wirkten ... surreal. Nayantai war sich beinahe sicher, so verdammt sicher, dass sich das Lamm vertan hatte. "Rain ... bist du dir sicher, dass das so richtig ist?", fragte er, bevor er mit seinem Finger auf eine Stelle unter der schwarzen Linie zeigte. "Haben die Schafe in einem Jahr wirklich so viel von Thria eingenommen?"
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    • Rain fühlte sich schlecht, weil er nichts weiter tun konnte, als Nayantai dabei zuzusehen, wie er Äste und Zweige in den Minenschacht schleppte, die ihnen als Feuerholz dienen sollte. Schon im Anwesen hatte er es manchmal nicht begrüßt bedient zu werden, dass ihm alles hinter her getragen wurde, aber er hatte sich damit abgefunden und am Ende wurden alle diejenigen die für ihn arbeiteten auch bezahlt. Nayantai jedoch bekam nichts und musste sich alleine um all das hier kümmern, weil Rains zitternder Körper sich weigerte auch nur irgendeinen Befehl entgegen zu nehmen. Es wunderte Rain, dass die Linien die er auf die Karten gezeichnet hatten einigermaßen gerade waren und nicht verwackelt. Wie lange würde Nayantai das mit machen? Wie lange würde er wirklich akzeptieren, dass er Rain betreuen musste wie ein Kind, nur weil sein Körper für diese Welt hier draußen nicht gemacht war? Vielleicht wäre es ihm doch irgendwann genug und aus dem warmen, sicheren Bett heraus war es einfach gewesen, Rain alles mögliche zu versprechen.

      Rain war nicht hungrig, aber er wollte Nayantai nicht noch mehr Sorgen bereiten, also nahm er an, was auch immer er ihm gab, um ein wenig daran zu knabbern. Die Decke war sehr willkommen, auch wenn sie Rain nicht viel nützte und die Kälte sich in seine Knochen gefressen zu haben schien. Sobald Nayantai allerdings ebenfalls neben Rain Platz nahm, ließ Rain sich zur Seite kippen und lehnte sich an ihn. Es hatte sich nichts daran geändert, dass Rain die Nähe des Wolfes schätzte und dass er sich in seiner Nähe wohl fühlte. Was sich verändert hatte war, dass der Wolf keinen Grund mehr hatte nett zu Rain zu sein, aber wäre das nur gespielt gewesen, wäre er schließlich nicht für ihn zurück gekommen, richtig? Als der Wolf die Karte ansprach, warf auch Rain noch einmal einen Blick auf sie und nickte. "Ja, sehr sicher.", entgegnete er und sah sich an worauf Nayantai zeigte. "Im letzten Jahr... ist die Grenze noch hier verlaufen.", murmelte Rain heiser und zog mit seinem Finger eine Linie auf der Karte. "Alster... ist beinahe drei Mal so groß wie zu Beginn des Krieges... wir sollten auch nicht dort hin... sondern nach Westen, durch Wezette, bis Thria."
    • Nayantai war verwirrt über die bloße Tatsache, dass die Schafe wohl oder übel doch diejenigen waren, die für alles Leid verantwortlich waren, das ein Wolf ertragen musste - anders konnte Nayantai sich das Ganze tatsächlich gar nicht erst vorstellen. Was war es auch wert, dieses Leben ohne Sinn und Zweck in dem man nur ein Kind des Teufels war, das selbst keinerlei Kultur oder Anrecht auf die eigene Existenz besaß? Stillschweigen hüllte sich um ihn als er, beinahe schon neugierig, dem Finger des Lammes folgte, der ihm aufzeigte, wo genau die alte Grenze war - aber sie war noch immer über Nayantais Finger, über der Grenze, die sich beinahe schon in sein Gedächtnis gebrannt hatte. Womöglich verstand er falsch, womöglich waren es die Sprachbarrieren, die ihnen beiden jetzt zu schaffen machten, aber egal was es war, der Wolf konnte und wollte gar nicht erst verstehen. "Aber ... das macht keinen Sinn", brummte der Wolf, der selbst eine ungefähre Linie auf der Karte nachzog. "Die Grenze war doch hier", und lag damit etwas weiter unter der, die Rain gezogen hatte. Wirklich wusste das aber selbst Nayantai nicht - vielleicht hatte Rain recht und er war nur derjenige, der sich etwas einredete, weil er nicht wahrhaben wollte, dass sie den Krieg so oder so verloren.

      Irgendwie verging ihm der Hunger, kaum fragte er sich, wieso oder weswegen er sich eigentlich anstrengte, von A nach B zu reisen und nach Unterschlüpfen zu suchen, vor den Schafen davonzurennen und ins Land der Wölfe vorzustoßen, dass nicht mehr bot, als den sicheren Tod. Der Wolf, der eigentlich versucht hatte, sich über seine neugewonnene Freiheit zu freuen, konnte ebendas nicht mehr. "Ich ... äh. Rain, das letzte Mal, dass ich mich mit dem Grenzen beschäftigt habe, war sie hier - und das ist zirka ein Jahr her", stieß Nayantai schließlich aus und zeigte dem Lamm nochmals auf, wo er die Grenze vermutete. Entweder hieß dass, er besaß kein Zeitgefühl - etwas, das nicht sein konnte - oder aber Rain verstand nicht ganz, was er von ihm wollte oder hatte kein Gefühl dafür, eine Karte zu lesen, was allerdings auch unwahrscheinlich erschien. Sich mit Rain über eine Lappalie zu streiten war auch nicht gerade interessant - das, was für ihn merklich komisch war, war wohl, dass das, was Rain als Wezette bezeichnet hatte, sich gar nicht veränderte - aber sah er sich die Lage an, dann wusste Nayantai, wohin Rain gehen wollte. "Du willst wirklich von dort aus nach Thria?"
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    • "Was meinst du...?", fragte Rain, der den Wolf neben sich ansah und sich ein wenig entfernen musste, um ihm auch ins Gesicht sehen zu können. Er war nicht sicher was sich da alles abspielte, so sehr er sich vorhin auch gefreut hatte die kalte Luft einzuatmen, die ihm so vertraut war, so sehr er auch gelacht hatte und Rain mehr zeigen wollte, als ein paar vorbeiziehende Bäume, all das schien auf einmal wie weggeblasen. Er wirkte traurig, verwirrt und vielleicht sogar wütend über das was Rain ihm zeigte, als wäre ihm noch nicht klar gewesen, dass ein Großteils Thrias gar nicht mehr den Wölfen gehörte, sondern Alster und somit Adrestia. Rain folgte seinem Finger erneut, sah sich an was er ihm zeigen wollte, aber was er da mit seinem Finger malte entsprach schon lange nicht mehr der Wahrheit. Rain wusste nicht recht, wie er Nayantai das sagen sollte, wie er mit ihm darüber sprechen sollte, dass er sich entweder falsch erinnerte, oder gar nicht erst wusste welches Jahr sie hatten, nicht dass Rain wusste wie die Wölfe ihre Jahre überhaupt zählten. Vielleicht waren mehrere Jahre der Schafe auch nur eines der Wölfe, wobei Rain sich dann als wesentlich älter hätte vorstellen müssen, das machte also wenig Sinn.

      Rain sah noch einmal auf die Karte, sah die selbe Linie noch einmal, die definitiv nicht stimmte. "Ich...", fing Rain an zu sprechen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken und der Wolf war es, der lieber das Thema wechselte. Aber sollte Rain einfach ignorieren, dass die Dinge die der Wolf sagte einfach nicht zusammen passten? Er bezichtigte ihn nicht einer Lüge, aber vielleicht gab es einen Grund, warum er sich an falsche Dinge zu erinnern schien. Nayantais Finger wanderte nun zu Wezette und zu der Grenze die sich seit Anfang des Krieges nicht verschoben hatte, was eindeutig hieß, dass es zu schiwerig war die Gebiete dort zu halten, oder einzunehmen. Rain wusste nur zu gut mit welchen Problemen Wezette zu kämpfen hatte. "Ja... die Grenzen sind nicht stark bewacht und die Wölfe dort... scheinen kein großes Problem mit den Schafen zu haben. Ich... ich würde einem Schaf nie raten dort hin zu gehen, aber... du bist doch bei mir...?" Zu glauben Rain schaffte den Weg bis dort hin war wahrscheinlich reines Wunschdenken, aber Rain behielt seine Sorgen lieber für sich, Nayantai wollte es ohnehin nicht hören und sich darüber Gedanken zu machen hatte nicht viel Sinn. Sie hatten keine Wahl, sie konnten nicht hier bleiben, Rain konnte nicht in Adrestia bleiben und eine andere Alternative als Thria gab es nicht. "Nayantai...? Warst du... warst du wirklich nur ein Jahr... von zu Hause weg...?"
    • Liefen sie beide vor der Wahrheit davon oder war es die Wahrheit, dass sie beide einfach akzeptieren mussten, nie wieder zu irgendetwas zu gehören? Nayantai wusste selbst nicht, wie er darauf antworten sollte, verstand nicht, wie er sich verhalten sollte und doch war ihm eines klar - und ebendas war nun einmal, dass er sich entweder gerade vertan hatte, oder aber, dass Rain keinerlei Ahnung davon hatte, was gerade um sie herum passierte. Womöglich, auch wenn es unwahrscheinlich war, lagen sie beide falsch und bildeten sich lediglich Dinge ein, die keine standfesten Beweise hatten - vielleicht träumten sie auch gerade irgendwo im eisigen Schnee von Dingen, die so nie stattgefunden hatten, aber dafür fühlte sich alles viel zu real an. Der Wolf wusste, dass etwas nicht in Ordnung war, sah allerdings nicht ein, was genau es war, wollte er es doch nicht wahrhaben, dass er nichts weiter als ein ausrangiertes Mitglied einer toten Blutlinie war, deren bloße Existenzberechtigung nicht einmal seinen eigenen Anforderungen entsprach. "Du?", fing er an, spürte aber den Stein, der bereits seinen Magen herabsank und war sich so verdammt sicher, dass er derjenige war, der nicht klar denken konnte - was sonst blieb ihm auch übrig? Rain vermochte rechtzuhaben, gleich wie er alledem nichts entgegensetzen konnte, sondern nur verwundert auf die Karte starrte.

      Wie weit sie noch in den sicheren Tod laufen müssten? Entweder, man holte sie hier ein, hoffte darauf, dass sie nicht schnell genug waren um ihnen allen davonzurennen, oder aber sie stürzten sich in die Arme derjenigen, die die Grenze zu Wezette bewachten - diejenigen, die selbst von den Wölfen geahndet wurden und doch als ihre letzte, sichere Bastion dienten. "Und du glaubst, dass ich dir einen Haufen gefräßiger Kannibalen vom Leib halten kann?", entgegnete Nayantai dem Lamm trocken, sah zu ihm und wandte sich für einen Moment von der Karte ab. Ja, nicht nur hatte ihr eigener König sie verstoßen und aufgegeben, nein, die Wölfe in der Nähe Wezette's hatten sich schon lange nichts mehr daraus gemacht, welchem Gott sie dienten oder auf welchen Befehlshaber sie hörten. Grundsätzlich waren sie autoritär, was hieß, es gab keinen Grund, dass sie auf ihn hören würden - nur die Hoffnung, sie würden es tun. "Ich ... bin mir ... äh ... nicht sicher?" Es war doch ein Jahr gewesen, das er im Kerker des Königs verbrachte, oder? War es denn wichtig, wieso oder weshalb er versuchte, zu überleben? Was war davor? Wann ... wieso ... "Äh ... wieso? Wann ... um. Bilde ich mir die Grenze ... nur ein?", wollte er sofort wissen und schluckte den Kloß in seinem Hals herunter. Sicher, etwas anderes konnte er gerade auch gar nicht tun, oder? Was war es denn auch sonst, dass er für sich selbst tun konnte, ohne den Verstand zu verlieren?
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    • Rain wusste nicht, ob es Richtig war Nayantai danach zu fragen, ob seine Folter im Kerker des Königs nicht womöglich viel länger angedauert hatte, als er glaubte. Er wollte ihn nicht verletzen und erst recht nicht daran erinnern, was ihm zugestoßen war. Er wollte nicht derjenige sein, der ihm klar machte, dass ihm noch viel mehr seiner Heimat entrissen wurde und dass damit auch die Chancen stiegen, dass seine Familie nicht mehr unter den Lebenden weilten. Sie wussten nicht, ob sie jemanden in Thria finden würden, der sich überhaupt noch an Nayantai erinnerte, oder der ihm folgen würde, obwohl er so lange fort war, obwohl seine Frau und ihr eigener Stamm verbrannt waren und er es auch hätte sollen. Vor einigen Stunden noch war Nayantai voller Hoffnung gewesen, weil er endlich wieder frei war und nicht gefangen in einer kleinen Welt umringt von Mauern. Er sollte die Hoffnung behalten wieder nach Hause zu kommen, seinen Vater zu sehen. Solange die Chance bestand, dass er noch eine Familie hatte, sollte er dann nicht alles daran setzen sie wieder zu sehen? Jetzt da Rain selbst ganz alleine war, hätte er alles dafür gegeben zumindest die Hoffnung haben zu können seinen Vater wieder zu sein, aber wenn er nicht aus Thria zurück kehrte, dann hatte er bestimmt bis zu seinem letzten Atemzug gekämpft, für ein Land, das in verstoßen hatte.

      "Ich... verstehe nicht ganz...", erwiderte Rain entschuldigend, der kaum ein Wort der Wolfssprache verstanden hatte, das gerade über Nayantais Lippen gekommen war. Nayantai wirkte nicht besonders angetan von Rains Vorschlag, aber was auch immer in Thria lauerte, Rain war sich sicher, dass sie die Grenze bei Alster niemals lebend überqueren konnten. Nicht wenn man nach Rain suchte, der in Begleitung eines Wolfes war, sie beide stachen zu sehr heraus. Lavern musste ihren Verbündeten in Alster nur sagen, wonach sie ausschau halten sollten und wenn Fhaergus die Speerspitze der Adrestischen Armee war, dann war Alster ein Bluthund, der alles zerfleischte, was ihm vor die Schnauze kam. Wezette hatte nicht die Ressourcen sie aufzuhalten, wenn sie sich geschickt anstellten und möglicherweise würde der junge Fürst von Wezette trotzdem versuchen Rain zu schützen, immerhin betrachtete Rain ihn als einen guten Freund, den Einzigen den er hatte. Rain blickte noch einmal zu Nayantai, dessen Gesichtszüge sich weiter veränderten, nur weil Rain eine Frage gestellt hatte, die Nayantai vermutlich nicht hören wollte. Rain nahm seine Kraft zusammen und drehte sich zu Nayantai um, er legte seine Arme um ihn und drückte ihn sanft, presste seine Stirn gegen die des Wolfes und schloss seine Augen. Was sollte er sagen? Vielleicht irrte Nayantai sich, vielleicht waren auch Thrias Karten zur Zeit seiner Gefangenschaft nicht aktuell gewesen. "Du kehrst nach Hause zurück Nayantai, das ist das Wichtigste..."
    • Zeit war wie feiner Sand, wie eine Ressource, die eigentlich nicht wirklich nötig war, weil sie lediglich eine Einbildung war - das wusste selbst der Wolf und doch richteten sie sich alle nach dem Stand der Sonne oder des Mondes, nach der Witterung und gaben allen erdenklichen Dingen Namen. Nayantai war, auch, wenn er es besser wissen müsste, verwirrt davon, verwirrt von eben jenen Dingen, die schon vor vielen Jahren aufgehört hatten, Sinn zu ergeben. Hatte er vor wenigen Stunden noch Wind in den Segeln, hatte dieser jetzt aufgehört und ließ die kleine Nussschale, die sich Boot schimpfen durfte, auf offenem Gewässer treiben. Die Wahrheit war wohl, dass er selbst irgendwann aufgehört hatte, die Tage der Pein und des Schmerzes zu zählen, dass er angefangen hatte, all diese Dinge in sich hineinzufressen und zu akzeptieren, dass er - hoffentlich alsbald - sein Leben lassen würde. Kaum hatte er seinen Weg aus seiner persönlichen Hölle gefunden, hatte er angefangen, sich Dinge zusammenzureimen und Gedächtnislücken zu überbrücken, die andernfalls wohl gar nicht so wichtig waren, geschweige denn großartigen Sinn ergaben. Rain hatte womöglich recht, etwas anderes fiel ihm nämlich weder ein noch auf - vielleicht war er derjenige, der sich all diese Dinge nur einbildete, der schon so viel mehr von seiner Heimat verloren hatte, als er sollte - und das war etwas, das er zu akzeptieren hatte, egal ob er es wollte, oder eben nicht. Nayantai sank etwas zusammen, lehnte sich gegen die kalte Wand zu seinem Rücken und starrte nach oben, auf die dunkle, unkenntliche Wand aus Staub und Dreck - er war erbärmlich, nicht?

      "Die Wölfe in der Nähe von Wezette fressen Schafe und Wölfe", gab Nayantai dem Blonden zu verstehen. Wirklich rosig waren ihre Aussichten schon von Anfang an nicht gewesen, das wusste er selbst ganz genau, aber was sollte er auch tun, wenn nicht etwa sich bemühen und zumindest Rain etwas ermöglichen, nachdem er sich sehnte? Weiterhin seine eigene Lüge zu leben, das war nicht das, was er wollte - schlussendlich war er derjenige, der sich Kronprinz der Wölfe schimpfen musste und gleichzeitig wäre wohl auch er derjenige, der sie allesamt aus ihrer Misere zu befreien hatte. In dem Wolf selbst brodelten Gefühle, die er nicht wirklich zuordnen konnte, oder wollte - selbst Rains Taten und Worte waren nicht in der Lage, ihm sonderlich dabei zu helfen, obwohl sie es bis jetzt auch getan hatten. Nayantai wusste nicht, ob er gerade Hass auf seine eigene Unfähigkeit empfand oder aber glaubte, er hatte den Verstand verloren und Rain erzählte ihm Dinge, die selbst für den Rest dieser Welt keinerlei Sinn ergaben. Auch, wenn er das Lamm nicht von sich stieß, wich er seinem Blick aus und seufzte. "Glaub mir, ich will nicht nach Thria", brummte er, wohlwissend, was er da gerade von sich gab - aber die Diskussion, die weiterführend entstehen würde, wollte er auch nicht führen, weswegen er seinen Kopf lediglich gegen die Brust des Blonden drückte. "Ich ... ach, vergiss es. Irgendwie wird das schon funktionieren, oder?"
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    • Rain wusste nicht was er tun, oder sagen sollte. Er hatte kaum Kraft sich selbst aufrecht zu halten, geschweige denn auf seinen eigenen zwei Beinen zu stehen. Der Weg bisher war beschwerlich gewesen, sein gesamter Körper schmerzte, der Husten der diesen Morgen schon angefangen hatte wurde schlimmer und er wusste, dass das Stechen in seiner Brust nichts Gutes bedeutete, er kannte den Anfang einer erneuten Krankheit und er war nicht sicher, ob er hier draußen überleben konnte, wenn das Fieber erst einmal über ihn herein brach. Nicht nur das machte ihm zu schaffen, er hatte seine Heimat verloren, seine Freunde und den Rest seiner Familie. Er hatte kein zu Hause mehr, er hatte eigentlich gar nichts mehr, außer den Wolf, an den er sich auch in diesem Moment klammerte, obwohl er es vielleicht gar nicht sollte. Wenn er selbst kaum noch Hoffnung hatte, woher sollte er dann die Kraft nehmen den Wolf aufzubauen, ihn vom Boden zu kratzen und wieder zu dem werden zu lassen, der er einst gewesen war?

      "Sie... was?", fragte Rain, der nicht verstand was Nayantai ihm sagen wollte, so oder so war Alster eine viel zu gefährliche Alternative, sie würden weder den Kronprinzen der Wölfe, noch Rain über ihre Grenze lassen und der Anblick eines Wolfes alleine genügte, um mehr als eine Hand voll Soldaten auf den Plan zu rufen. Rain sah Nayantai an, aus dem alles Leben zu entwichen schien, all die Freude darüber erneut die kalte Luft zu atmen, nur weil Rain dachte er würde ihm helfen, wenn er die Grenzen markierte und ihm die Wahrheit sagte. Hätte er ihn anlügen sollen? Das brachte aber auch nichts, wenn es dazu führte, dass er sich nach Alster verirrte, weil er dachte es wäre noch Thria. Rain legte seine Arme um Nayantai, der keinen Blickkontakt halten wollte und seinen Kopf stattdessen gegen Rains schmale Brust drückte. Rain hob seine Arme und fuhr langsam durch sein Haar. "Der einzige Weg in den Süden... wird von Lavern kontrolliert.", entgegnete er, mehr wollte er dazu gar nicht sagen, Nayantai wusste, dass das bedeutete, dass dieser Weg keine Option war. Der junge Fürst, der eigentlich keiner mehr war, hatte selbst kaum noch Hoffnung. Was würde er auch tun wenn er es tatsächlich nach Thria schaffte? Egal, für Nayantai rang er sich ein Lächeln ab, wie er es so oft tat, wenn andere die Hoffnung verloren. "Wolltest du mich nicht mit nach Thria nehmen?", fragte der Blonde. "Jetzt komme ich mit dir... egal ob wir es bis dorthin schaffen, oder nicht, wir bleiben zusammen, richtig? Wir haben immer noch uns..." Nayantai wollte das doch noch? Warum sonst wäre er für Rain zurück gekommen? "Nayantai...? Ich... Wir... wir haben so viel verloren, ich weiß. Ich konnte das bisher wohl nicht nachvollziehen, aber... jetzt tue ich es glaube ich. Aber du bist noch da, ich bin nicht alleine und du bist es auch nicht. Wir schaffen das... richtig?" Eigentlich wollte Rain Nayantai aufmuntern, doch seine eigentlich rhetorisch angedachte Frage wandelte sich in eine tatsächliche. Ohne Nayantai wäre er bereits tot und auch jetzt würde er sterben, sollte Nayantai aufgeben, oder es für sinnvoller erachten sich um sein eigenes Leben zu Sorgen. Dass sie es schafften sich zu verstecken, über die Berge zu kommen, Wezette zu durchqueren und Thria nach Nayantais Familie zu durchsuchen war unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, oder?
    • Welchen Wert besaß er auch? Nayantai war, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht nur betrübt darüber, dass er augenscheinlich noch so viel mehr verloren hatte, als anfangs angenommen, nein, er musste sich auch damit abfinden, dass es schier unmöglich schien, herauszufinden, was mit denjenigen passiert war, die sich in den betroffenen Gebieten befunden hatten. Das Blut in seinen Adern fühlte sich kalt an, gleich wie der Schauer, der ihm über seinen Rücken lief und er selbst wusste nicht, worauf er zu hoffen hatte, wenn die Wahrheit eben jene war, die Rain ihm darlegte. Eigentlich war er es, der den Kopf nicht senken sollte, der weiterhin auf sein Volk und Land achtgeben sollte, aber selbst diesem Titel wurde er nicht mehr gerecht - das war er schon lange nicht mehr, wenn er sich erst damit auseinandersetzte. "Essen. Sie essen Schafe und Wölfe", spuckte Nayantai aus, als würde er gerade etwas erzählen, das Rain noch nie gehört hatte. Der Wolf hatte mit den Bestien in der Nähe von Wezette kaum Kontakt gehabt, einzig und allein das sein Großvater aus ihren Reihen stammte, das hatte sein Vater ihm gebeichtet - er und seine verdammt spitzen Zähne, die wohl oder übel für derartige Dinge gemacht waren. Dennoch, Rikiya selbst schien sich nichts aus ihnen zu machen, hatte ihnen keinerlei Beachtung geschenkt und sie grundsätzlich ignoriert, damit zumindest der Rest seines Volkes ein einigermaßen normales Leben führen konnte - dass die Kannibalen also auf ihn hörten, war unwahrscheinlich, sahen sie ihn doch nicht als eine Authoritätsperson an.

      Trotzdem war es Nayantai gar nicht wichtig, auf irgendetwas dieser Dinge zu reagieren - er selbst kannte sie nur flüchtig, wollte sich eigentlich nicht mit ihnen befassen und doch musste er das wohl, schritt er durch ihr Gebiet. Einfacher wäre es wohl, auf jedem anderen Weg Thria zu erreichen - aber auch das wäre etwas, das ein Wolf allein nicht bewerkstelligen konnte. Der Traum von Freiheit, vom Süden oder aber von Thria zerbrach, als wäre es feines Glas, das immensen Druck hatte standhalten müssen - war er traurig, enttäuscht oder doch eher wütend darüber, dass er selbst zu unfähig war? "Ja, wollte ich", brummte der Wolf, der lediglich bestätigen konnte, was ihm vor die Füße geworfen wurde. Kamen sie jemals in Thria an, dann glich das vermutlich schon an ein Wunder, aber grundsätzlich ignorierte Nayantai all das, einfach deswegen, weil er wusste, dass es ihn selbst nur in Rage versetzen würde, an solche Dinge zu denken. "Es geht mir nicht darum was ich hatte, glaub mir ... ich ... es reicht mir, wenn ich nur dich habe", natürlich tat es das nicht, aber er war derjenige, der durch zusammengebissene Zähne log, damit er jemanden zufriedenstellen konnte, der aufbauende Worte eher brauchte, als er. "Wir müssen", seufzte er, als er sich endlich von Rain losriss. Davonrennen, ihn hier in der Kälte alleine zu lassen, das war nicht seine Art und das würde nur zu einer Situation führen, die er gar nicht erst heraufbeschwören wollte. "Vergiss es, das heißt einfach nur, dass ich viel mehr Arbeit habe, als gedacht", murrte er und drückte Rain schlussendlich an sich, auch, wenn er seine Arme nicht wirklich um ihn legen konnte, ohne ihm wehzutun. "Irgendwie wird das schon funktionieren."
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    • Rain wusste nicht was er erwidern sollte als Nayantai ihm erklärte was er eben schon zu sagen versuchte. Er hatte die Geschichten über menschenfressende Wölfe genau so als Unsinn angetan, wie all die anderen Geschichten die man sich in Adrestia über die bösen Wölfe erzählte, aber wenn selbst ein Wolf davon sprach, dann hatte Rain keinen Grund daran zu zweifeln ob das nun wahr war oder nicht. Sie hatten also die Wahl zwischen einer Meute von Wölfen und einer brutalen Armee, die sie beide töten wollten. Aber konnte Nayantai als Kronprinz der Wölfe nicht vielleicht doch mit ihnen sprechen, sollten sie ihnen überhaupt begegnen? Rain konnte es nur hoffen, aber brachten sie ihn seinem Vater zurück, dann nützte ihnen das vielleicht, die Frage war nur, was mit Rain geschehen würde, einem kränklichen Schaf, sollte er es überhaupt so weit schaffen. "An uns... Ist eh nicht viel dran...", erwiderte er, wollte Nayantai noch ein wenig mehr aufmuntern, aber scheitere vermutlich daran.

      Nayantai musste erst verarbeiten was er gerade erfahren hatte, das war Rain klar. Trotzdem fühlte er sich als müsse er ihn aufmuntern. Rain, der sich immer schon zu viele Gedanken gemacht hatte, wenn es um andere ging, die dachten er würde sterben, wenn er mal wieder kaum ein Auge auf bekam, hatte jetzt das Gefühl, dass er die Müdigkeit und den Schmerz der ihn plagte herunter schlucken musste, damit Nayantai sich auf sich selbst konzentrieren konnte. Rain erkannte die Lüge als solche und ließ sich nun seinerseits in den Arm nehmen. Seine Hände fanden ihren Weg auf Nayantais Rücken und klammerten sich erneut an seiner Kleidung fest, obwohl seine Finger schmerzten. "Nayantai... Es ist in Ordnung, wenn du trauern, oder weinen willst.", erklärte das zierliche Lamm, es nützte ihm ja auch nichts, wenn er alles in sich hinein fraß. "Du musst mir nichts vormachen... Okay? Und du... Musst auch nicht bei mir bleiben, wenn..." Vermutlich verärgerte Rain Nayantai nur, wenn er dieses Thema aufbrachte und so führte er den Satz lieber nicht zu Ende, sondern schlug etwas anderes vor. "Wenn du Zeit fpr dich brauchst... Ich komme auch für ein paar Stunden alleine zurecht. Das Feuer brennt, mehr brauche ich nicht."
    • Nayantai wollte nicht davonrennen, sich selbst falsche Hoffnungen geben oder Rain mit in den Dreck ziehen, aus dem er selbst gerade nicht entkommen konnte. Die Wahrheit fühlte sich wie ein Stein an, der schnurstracks in seinem Magen versank und ihm aufzeigte, dass auch er nicht mehr war, als jemand, der so viel tun wollte, aber nicht konnte, weil alles, was er sich jemals ausgemalt hatte, unwahrscheinlich erschien - weil sein eigenes Leben nicht viel wichtiger war, als das seines zerschlagenen Volkes, das vermutlich gar nicht mehr existieren wollte. Wölfe hatten es noch nie leicht gehabt und alles nur, weil sich die Schafe Dinge einbildeten, die so gar nicht passiert waren. Was war die Wahrheit schon wert wenn derjenige, der sie eigentlich in allen Ehren halten wollte, sie nicht hören wollte? Rain hatte recht, aber ... womit nicht? Sie beide waren allein, hatten nur mehr einander und keinen anderen in dieser Welt, die sie alle hasste - in dieser Welt, die nicht verstand, dass es eigentlich nur fair wäre, ihnen beiden ein besseres Leben zu geben als jenes, das sie gerade führte. Dennoch, Rains nächster Satz ließ ihn schmunzeln - wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. "Unterschätz' einen Haufen hungriger Wölfe nicht, das ist ihnen egal - Fleisch ist noch immer Fleisch."

      Sie beide waren nicht mehr als Nahrung für diejenigen, die schon viel zu lange nicht mehr einsahen, wieso sie sich umeinander zu kümmern hatten - sie lebten auch, vielleicht nicht am Ende ihrer Existenz, aber auch sie würden irgendwann ihre Köpfe verlieren, spätestens dann, wenn Adrestia den Rest von Thria als sein eigen erklärt hatte. Was konnte er sich überhaupt noch wünschen, außer, dass die Zeit sich selbst zurückdrehte? "Ich ... äh, das hatte ich nicht vor", entgegnete er Rain, der plötzlich emotionaler wirkte, als er es je sein konnte - und dann war es doch er, der durch das blonde Haar strich, weil er die Umarmung nicht erwidern konnte, ohne Rain Schmerzen zuzufügen. "Rain, ich bin nicht traurig ... ich ... äh. Was?", brummte der Wolf plötzlich, dem der letzte Vorschlag gar nicht gefiel. "Nur, weil ich mich gerade selbst in der Luft zerreißen könnte, lasse ich dich doch nicht alleine - du bist ohnehin kalt wie ein Eiszapfen." Nayantai entledigte sich seiner eigenen Decke und legte sie Rain ebenfalls um die Schulter, nur um ihn schlussendlich in die Arme zu nehmen - auch, wenn er ihn nicht sonderlich berühren konnte, ohne ihm vermutlich wehzutun, aber dafür schien zumindest der Verband zu halten. "Ich bleibe hier ... es ist ... nur schwer zu akzeptieren, dass so viel von Thria den Schafen gehört, weißt du? Das heißt aber nicht, dass ich traurig bin."
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    • Egal ob Nayantai Rains Aussage nun lustig fand, oder er einfach nur darüber schmunzeln musste, was dem kleinen Lamm dazu einfiel, dass eine Horde gefräßiger Wölfe auf sie wartete, immerhin lockerte es ihn für einen kurzen Moment auf, mehr wollte Rain auch gar nicht. Bis sie in Thria ankommen würden, hatten sie außerdem noch viel mwhe Hürden zu nehmen, vielleicht war ws am besten sich auf das zu konzentrieren, was vor ihnen lag und das war das Gebirge vor ihnen, das sie erklimmen mussten, vernab von irgendwelchen befestigten Straßen. "Hm...", war alles was Rain noch herrausbrachte, eine Bestätigung, dass er verstanden hatte und gleichzeitig überlegte, wie sie das Blatt zu ihren Gunsten wenden konnten. Vielleicht machten sie sich auch ganz umsonst Sorgen.

      Die Hand in seinem Haar fühlte sich gut an, eine willkommene Ablenkung von all den anderen Signalen die sein Körper verarbeiten musste. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass Rains Körper war wie er war, dass er Schmerzen kannte, auch wenn sie selten so stark und von so vielen Stellen auf einmal ausgestrahlt waren. Immerhin konnte er stark sein, es aushalten und Nayantai so viel Arbeit abnehmen wie möglich. Rain zuckte jedoch beinahe zusammen als der Wolf ihn recht scharf nach dem fragte, was er gar nicht erst ausgesprochen hatte. "Mhm... Ich weiß.", murmelte Rain, der mehr Vertrauen in den Wolf haben sollte und aufhören sollte sich ständig zu fragen, wann er genug hatte, wenn er ihm schon sein Leben versprochen hatte. Kurz darauf bekam Rain noch eine Decke um den Körper gelegt, was ihn etwas verwirrt aufblicken ließ. "Was ist mit dir...", mrumelte er unsicher, auch wenn der Wolf die Kälte ja eigentlich von seiner Heimat gewohnt war. Dort war es womöglich noch kälter als hier, genauso wie es auf der Spitze des Berges kälter werden würde. "Hm... Dann... Spricht ja nichts dagegen, dass du etwas isst.", murmelte das Lamm und griff nach dem Proviant den der Wolf für sie beide hier her gebracht hatte. Kurz darauf befand sich ein Stück Käse direkt vor seinem Mund. Vielleicht machte Rain sich auch zu viele Sorgen...
    • Thria war, wenn auch Nayantais Heimat, grundsätzlich weitläufig, selbst dann, wenn die Schafe bereits große Teile davon eingenommen hatten. Bis auf den Frost und die beißende Kälte, je näher sie an das Eismeer vorstießen, hatten die Wölfe jedoch nicht sonderlich viel Verteidigungsmöglichkeiten. Die vereinzelten, kargen Wälder ersetzten nun einmal keine hohe Gebirgskette wie Fhaergus sie hatte und selbst wenn, dann waren die Wölfe von Natur aus Nomaden, die lieber davonzogen, nahm man ihnen Gebiete weg, die eigentlich keinem zu gehören hatten. Heiliger Boden war von Blut durchtränkt worden und von denjenigen zertrampelt, die glaubten, er gehörte nun ihnen und er selbst konnte nicht anders, als ihnen dabei zuzusehen und für sich selbst zu akzeptieren, dass die Wahrheit nun einmal war, dass er nicht mehr als sich selbst hatte und niemand Anderen, der sein Leid verstehen konnte, war es denn kein Wolf. Rain durchlief gerade ähnliches, das war klar, und dennoch war ihre Situation nicht gerade die Gleiche. "Hast du eine Idee? Ich kann zumindest versuchen, mit ihnen zu reden - oder ihnen die Köpfe einzuschlagen", murrte er. Optionen hatten sie allerhand, allerdings wäre es auch besser, würde er alsbald akzeptieren, das eben das auch nicht alles war. Gewalt war noch lange keine Lösung, das war sie noch nie.

      Nayantai konnte dennoch nachvollziehen, welche Schmerzen Rain hatte und er konnte - selbst, wenn er nicht wollte, nachvollziehen, dass Rain nicht mehr als jemanden wollte, der ihm blieb - ein letzter Funken Hoffnung, der nicht in dieser pechschwarzen Welt unterging oder verblasste, weil ihm nichts anderes übrig blieb. Vielleicht sah der Wolf all das zu streng, vielleicht hatte er sich zu sehr an das Lamm gefesselt, aber egal was es war, im Endeffekt hatte Rain recht - sie hatten einander und für den Moment bedurfte es nicht an mehr. "Mit mir? Ich bin am Eismeer aufgewachsen", lachte der Wolf plötzlich, der es beinahe schon niedlich fand, dass Rain sich um ihn sorgte. Das Eismeer war so kalt, Rain würde die Luft dort vermutlich gar nicht erst atmen können, ähnlich wie sein Vater und doch hatte er sich mehrere Jahre dazu gezwungen. Nayantai wusste, dass das Wetter in Fhaergus nicht das Angenehmste war, aber er war derjenige, der sich sogar seiner Kleidung entledigte, um Rain Wärme zu spenden. "Essen? Du solltest doch etwas es-", weiter kam er allerdings nicht, bevor er dem Lamm das Stück Käse aus der Hand aß. "Zufrieden?"
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    • "Ich... nein. Aber wir haben noch genug Zeit, bis die Wölfe unser Problem werden. Wir überlegen uns etwas...", murmelte Rain, er hatte im Moment auch gar nicht die Kraft dazu sich etwas zu überlegen und sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Momentan schmerzte neben dem Rest seines Körpers auch sein Kopf, vermutlich weil er bereits dabei war etwas auszubrüten, das sich langsam seines ganzen Körpers bemächtigte und ihn spätestens Übermorgen wohl völlig außer Gefecht setzen würde. Rain hatte dies oft genug erlebt um zu spüren was gerade dabei war über ihn herein zu brechen und angesichts seiner derzeitigen Lage, war es auch kein Wunder. Er fragte sich ob er Nayantai etwas sagen sollte, bevor er ihm vermutlich kaum mehr Antworten konnte. Für einen Moment fragte Rain sich sogar, ob er nicht besser Abschied nahm, nur für den Fall.

      Nayantais Lachen riss Rain aus seinen Gedanken, die er einfach nicht davon abhalten konnte in alle möglichen negativen Richtungen zu schwanken. Nayantais Stimme so durch die eisige Kälte schneiden zu hören tat gut, auch wenn Rain ein wenig überrascht war. "In Ordnung... dann nehme ich die Decke an...", schmunzelte er und kuschelte sich trotzdem noch ein wenig enger an Nayantai, damit er womöglich doch noch etwas wärme abbekam, obwohl Rain wohl der falsche dafür war. Wenigstens nahm er das Essen an, der Käse würde sich ohnehin nicht ewig halten und auch das Brot würde irgendwann steinhart werden, also auch wenn die Proviant sparen wollten, dann konnten sie zumindest die Dinge verspeisen, die sowieso nur schlecht werden würden. "Ja, zufrieden.", entgegnete Rain und stopfte sich das nächste Stück Käse selbst in den Mund. "Ich hab heute wenigstens gefrühstückt.", widersprach er trotzdem, Nayantai hatte bisher noch gar nichts gegessen.
    • "Du hast recht, bis wir dort sind dauert es vermutlich noch eine gefühlte Ewigkeit." Wie weit es wohl wäre, bis sie sich zu den Grenzen von Wezette durchgeschlagen hatten und er sich selbst damit konfrontiert sah, dass diese Welt sich seit seiner Abwesenheit so verändert hatte, dass er sie gar nicht mehr erkennen würde? Der Fluss der Zeit war unaufhaltsam, gleich wie es der Tod der Wölfe war und daran würde ein Kronprinz, der plötzlich wieder aus der Versenkung erschien, wohl kaum etwas ändern können. Nayantai wusste genug über sich selbst und über diese Welt, die er oftmals verschmäht hatte, aber jetzt, wo er nicht mehr besaß als sich selbst und etwas Anstand, da war es ihm beinahe schon egal, was es war, das man über ihn dachte - so lange man an ihn dachte. Stille legte sich allerdings beinahe schon viel zu schnell über ihn und Rain, bestätigte ihm, dass diese Welt sich nicht dafür interessierte, ob sie beide - oder nur einer von ihnen beiden - lebte, so lange sie sich weiterhin darin bestätigt fühlten, das Richtige getan zu haben. Wie ein Fluch schien es ihm, der ihnen beiden auferlegt wurde und vor dem es kein Entrinnen gab, egal wie sehr sie gegen ihr unvermeidliches Schicksal wehren wollten.

      Nayantai drückte sich ein Stück weiter an Rain heran, wusste viel zu gut, dass es in Wahrheit wohl dumm war, diese Dinge einfach so über sich ergehen zu lassen und sich nicht selbst aufzubauen, oder gar einzureden, dass sein eigenes Leben wichtiger als andere Dinge war - vermutlich glaubte er, dass es genügte, würde er sich an Rain festklammern und glauben, diese Welt war noch so viel mehr wert, als sie es eigentlich war. Dort, wo die Wahrheit begraben lag, kamen auch die Lügen daher gekrochen - etwas, das sie alle akzeptieren mussten, sollten oder vielleicht sogar realisieren durften. "Und du willst trotzdem nicht, dass mir kalt wird, oder?", fragte er, als sich ein Schmunzeln auf seine Lippen legte. Zumindest verhielt Rain sich so und Nayantai konnte nicht mehr tun, als es für sich selbst zu akzeptieren und alledem mit einem gewissen Maß an Akzeptanz entgegen zu treten. "Und? Ich wollte, dass du satt bist - ich bin es gewohnt, nichts zu essen!" Nayantai entschied sich dennoch, nach einem Stück Käse zu greifen und es zu essen - Rain lag nicht falsch, immerhin brauchten sie beide Kraft und nicht alles, das man ihnen auf die Reise mitgegeben hatte, würde ewig halten. "Ich bin müde ..."
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    • Rain wollte im Moment auch gar nicht mehr als in Nayantais warmen Armen zu liegen, auch wenn die Umarmung nicht so ausfiel wie sonst, weil Rains Körper zu geschunden war und sie das beide wussten. "Nein... Wenn du krank werden würdest... Pass auf dich auf.", murmelte Rain, der ohnehin nicht glaubte, dass ihm jemals in seinem Leben wieder warm sein würde. Er fror ja auch sonst genug, aber jetzt, hier draußen und die meiste Zeit ohne Feuer, ohne einen Kamin oder Wände die ihn vor dem Wind schützen würden, fühlte er sich dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Da halfen auch mehrere Decken wenig, selbst Nayantais Körper half nur bedingt. Vielleicht war das wetter in Wezette besser, vielleicht wäre ihm dort dick eingepackt wärmer und wenn er erst einmal in Thria war, konnte er sich wieder verkriechen und in einem Zelt bleiben, mehr konnte er wohl auch gar nicht tun.

      "Nayantai...", begann Rain als hätte er etwas total ubsinniges gesagt. "Ich bin es auch gewohnt nichts zu essen.", beendete er seinen Satz. Er hatte doch ohnehin selten Appetit und selbst wenn er etwas aß, dann war es nicht viel. Abgesehen davon war Nayantai derjenige der wachsam bleiben musste, der das Pferd lenkte und Rain herum trug. Er brauchte den Proviant wohl dringender als der Blonde. "Mhm... Dann lass uns schlafen.", murmelte Rain, der glaubte, dass er trotz allem was ihn beschäftigte dchlafen konnte, einfach weil er so ausgelaugt war. Das obwohl er eigentlich nur auf seinem Hintern hat sitzen müssen, es ärgerte ihn ein wenig. Nichtsdestotrotz blieb er in Nayantais Armen liegen, weil er seine Wärme nicht missen wollte, nicht einmal für eine Sekunde. Dann mussten sie sich eben gemeinsam hinlegen, gleichzeitig, dann konnte Nayantai auch besser zu ihm unter die Decken kriechen.