spellbound. (earinor & akira)

    • "Ich sollte auch auf dich aufpassen", murrte der Wolf, der seine gesamte Existenz einem einzigen, jämmerlichen Schaf zu verdanken hatte, welches einfach das Glück gehabt hatte, allerhand Ressourcen und Prunk zur Verfügung gestellt zu bekommen, weil es in den Adel der Schafe geboren worden war. Nayantai bereute seine Entscheidung allerdings nicht, keinen Sekunde davon - er hatte Rain sein Leben zu verdanken und selbst, wenn er ihn nicht so sehr mögen würde, wie er es tat, dann stand er in seiner Schuld und sah sich damit konfrontiert, dass es wohl oder übel hirnrissig war, ihn einfach so sich selbst zu überlassen. "Außerdem werde ich gar nicht so leicht krank, wie du glaubst." Natürlich hatte er die letzten Jahre wohl damit verbracht, in einer Scheinwelt zu leben und sich seine Existenz schönzureden, aber mehr war da auch gar nicht erst dahinter - alles an ihm hatte sich verändert und während er selbst vermutlich noch um einiges jähzorniger war, als er sich einbildete, wusste er genau so gut, dass sich der Hass, der sich langsam in ihm anstaute, nicht lange genug anhalten würde, um ihn anzutreiben. Was wollte er, ein Wolf der nichts mehr hatte, auch schon großartig erreichen? Sich mit einem Lamm davonzustellen war nicht einfach, aber das wusste er ohnehin schon von vornherein.

      "Dann sind wir schon zwei", scherzte der Wolf, der eigentlich nicht mehr wollte, als alles zu vergessen, das Rain und ihn plagte. Nayantai wollte schon lange nicht mehr als das und hatte, wenn auch gleich eigentlich genug Ideen seinem Schicksal zu entrinnen, nur begrenzte Mittel um ebendas zu tun. Wie ein Teufelskreis war es, dem der Wolf nicht entrinnen konnte und während sein Körper vermutlich ganz andere Dinge vorziehen würde, war dennoch er derjenige, der sich zu so vielen Dingen zwang, die eigentlich gar nicht nötig waren. "Mhm, komm her", schlug Nayantai vor, der Rain einfach nur näher an sich heranziehen wollte, mehr bei sich haben wollte. Auch wenn die Wunden verarztet waren, auch wenn der Wolf nicht mehr wollte, als Rain in Sicherheit zu wissen, war es dumm daran zu glauben, das einfache Taten und Worte derartige Dinge änderten - sie beide hatten nicht mehr als sich selbst, nachdem die Welt sie allesamt davongeworfen hatte. Was auch immer es war, das sie beide nicht bezwingen konnten, wäre zumindest frühzeitig ihr Untergang.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain grummelte leise, wieso machte sich immer jeder Sorgen um ihn, aber ihm wurden Sorgen immer ausgeredet? Er war nicht wirklich wütend, oder genervt, aber er würde auch nicht damit aufhören sich um Nayantai zu sorgen, nicht nur weil auch sein eigenes Leben an seinem hing. Was hätte er auch alleine getan? Vermutlich wäre er bereits tot, hätte Nayantai ihn nicht gerettet und alleine durch die Wildnis schlagen konnte er sich auch nicht. Selbst wenn er Nayantais Ausdauer hätte, Rain wusste ja nicht einmal wie man ein Feuer machte, oder wie man in die richtige Richtung ging. Gut, hier war es nicht schwer sich einfach bergauf zu bewegen, aber anderswo hätte er keine Ahnung wo er überhaupt war, oder hin musste. Er kuschelte sich gerne noch enger an Nayantai, verbrachte gerne die ganze Nacht so, auch wenn sie ihren Weg jetzt gar nicht so genau geplant hatten. Nayantai würde auch das sicherlich ohne Rains Hilfe hinbekommen, also war es auch egal. Rain war müde und es dauerte dank der Erschöpfung auch nicht lange, bis er eingeschlafen war.

      Als Rain am nächsten Tag aufwachte war ihm kalt und gleichzeitig heiß. Er war immer noch unglaublich müde, seine Lippen waren trocken und sein Kopf fühlte sich an, als würde er gleich explodieren. Auch der Rest seines Körpers schmerzte, jeder Muskel und jeder Knochen, natürlich auch die Wunden auf seinem Rücken. Es fiel ihm schwerer zu atmen und sein Herz klopfte in einem ungesunden Tempo. Rain war nicht sonderlich überrascht und er brauchte sich nicht selbst an die Stirn zu fassen, oder sonst etwas untersuchen, um zu wissen, dass er Fieber hatte. Er hatte auch nichts anderes erwartet, als er in die große weite Welt hinaus getreten war, oder eher getragen wurde, immerhin hatte man ihm nicht umsonst gesagt, dass er draußen nicht überleben konnte, aber das wollte er. Wenn sie beide überleben wollten, dann war es auch egal in welchem Zustand Rain sich befand, sie mussten trotzdem weiter, bevor sie am Ende doch noch jemand einholte. "Nayantai...?", krächzte Rain, das Lamm war sich ziemlich sicher, dass es sich die nächsten Tage nicht einmal an seinen Rücken klammern konnte. Bevor ihn aber das Fieber zurück in den Schlaf riss, wollte er sichergehen, dass der Wolf keine Panik bekam.
    • Weiter rennen, als seine Beine ihn tragen konnten, das war selbst einem Wolf nicht möglich, der es eigentlich gewohnt war, nicht nur den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, sondern auch sein Leben damit zu verbringen, einsam und verlassen durch eine trostlose, zerstörte Landschaft zu streichen. Nayantai wusste, dass er jemanden wie Rain noch viel weniger dazu zwingen konnte, sein ganzes Leben - oder zumindest einen Großteil davon, wie ein Nomade zu leben. Was war es, das er sich erhoffte und wonach sehnte er sich, wenn nicht einen Ort an dem er mit dem Lamm alleine wäre, ohne dass sie beide Gefahr liefen, dem Hungertod oder der Kälte zum Opfer zu fallen. In Wahrheit war all das allerdings ein Wunschtraum und die Wahrheit war, auch wenn sie es nicht sonderlich wahrhaben wollte, dass sie beide nicht gerade die besten Voraussetzungen hatten, sich gegen eine Welt zu behaupten, die eigentlich nicht mehr wollte, als ihnen dabei zu helfen, sich selbst in ein bereits ausgehobenes Grab zu befördern. Scheinbar war es fast falsch, dass sie leben wollten, dass sie sich nach etwas sehnten, das keinerlei Bedeutung für diejenigen mehr besaß, die ohnehin nicht damit rechneten, bald zu sterben. Wieso auch sollte man sich über undenkbare Dinge streiten?

      Nayantai wusste weder, ob er schlafen konnte oder sollte, bekam nur wenig von dem mit, das sich um ihn herum abspielte und doch war es nicht mehr als eine Momentaufnahme, nicht mehr als ein paar Minuten, die er wach war, bevor er schlussendlich wieder in den Schlaf gezogen wurde und sich damit auseinandersetzen musste, dass die Wahrheit nur ein Schein war, der sich schleierhaft über seine Augen legte. Am nächsten Morgen war es erst Rain, der ihn aus seinem Schlaf riss - der ihm aufzeigte, dass sie noch lange nicht in Thria waren, sondern in Fhaergus, im Eis und Schnee, an einem Ort, an dem der Wolf gar nicht mehr sein wollte oder sollte. "Ja?", fragte er, sah zu dem Blonden, der noch einen Hauch blasser wirkte als er es gewohnt war und alles, was seinen Lippen entkam, war ein Seufzen. Er wusste, dass es nicht sonderlich sinnvoll war, sich selbst zu verteufeln und dennoch hatte er nichts, das er tun konnte, wusste schon, was auf ihn zukam und er hoffte einfach, dass man an ihnen vorbeizog, oder ihnen gar nicht so weit hinterherkam. "Geht es dir gut?" Wieso fragte er überhaupt noch nach, wenn die Antwort schon auf der Hand lag?
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    • Rain wusste wie man lächelte, auch wenn man gar keinen Grund dazu hatte, obwohl eigentlich hatte er ja einen, Nayantai. Der Wolf hatte jetzt schon beinahe die Hoffnung aufgegeben, vor Monaten eigentlich, zumindest kam es Rain so vor, das war allerdings das Letzte das sie brauchen konnte. Ob es ihm gut ging? Nein, aber das Lamm zuckte nur mit den Schultern. "Ist... nicht das erste Mal, dass ich krank bin...", murmelte er heiser und suchte mit seiner eigenen nach Nayantais Hand. Er drückte sanft seine Finger, auch wenn seine eigenen schmerzten, aber er würde das überleben, so wie all die anderen Male, richtig? Wie oft hatte er in seinem Bett gelegen und den Tod bekämpft? Öfter als er zählen konnte vermutlich, das hier war nur ein weiteres Mal und er brauchte kein weiches und warmes Bett um zu überleben, er brauchte nur Zeit, sein Körper brauchte Zeit um zu bekämpfen, was auch immer ihn plagte und während Rain sich darauf konzentrierte, musste Nayantai nur darauf achten, dass sie weiter voran kamen, weg von allen die sie verfolgten. "Wir... müssen trotzdem weiter...", murmelte er also, diese alte Mine schützte ihn vermutlich ohnehin nicht genug, da konnten sie auch weiter reiten.

      "Mach dir... nicht zu große Sorgen. Ich gebe nicht auf, wenn... wenn du es auch nicht tust.", erklärte das Lamm und drehte anschließend seinen Kopf zur Seite, damit er Nayantai nicht anhustete. "Ich... ich muss nur... ein wenig schlafen... aber das kann ich auch auf dem Pferd...", murmelte er, während er merkte, dass die Müdigkeit immer mehr an ihm zerrte und ihn in den Schlaf reißen wollte. Das letzte Mal hatte er beinahe eine ganze Woche im Bett verbracht, aber konnte er sich hier wirklich so viel Zeit nehmen, während Nayantai sich Tag ein Tag aus Sorgen machen musste und alle Verantwortung an ihm hängen blieb? "Sollten wir am Gipfel ankommen... weckst du mich dann?", bat er noch, das war alles was er wollte, wenn er seine Heimat verlassen musste, dann wollte er sich verabschieden und er wollte sehen, was sein Vater so liebte, Fhaergus von dort oben, von einem Ort aus, an dem Rain niemals hätte sein sollen, aber wer sagte ihnen denn, dass sie ihr eigenes Schicksal nicht ändern konnten?
    • Im Gegensatz zu Rain, der wohl oder übel noch nicht dabei war den letzten Rest seines Verstandes zu verlieren, wusste Nayantai eigentlich noch gar nicht, was er mit sich selbst anzustellen hatte, geschweige denn was es war, dass er glaubte, zu wollen. War es einfach die Sicherheit, in einem Stück in Thria anzukommen oder doch eher das Verlangen nach einem Ende, welches ihm bis dato noch nicht gewährt worden war? Egal was es war, er sollte sich eher darum kümmern, was wirklich wichtig erschien - und in diesem Fall war das vermutlich Rain, dessen bloße Anwesenheit eigentlich schon reichte, um ihm zu vermitteln, dass der Anfang vom Ende nicht weit war, sondern schon längst über ihren Köpfen hing. Normalerweise hätte Nayantai ebendas nicht gekümmert, aber wieso sollte es das jetzt nicht tun, wenn sie beide nicht mehr hatten als einander und die immer größer werdende Verzweiflung, die in ihnen keimte? "Ja, aber ... ich kann dir kein warmes Bett anbieten", murrte der Wolf, der wohl oder übel schon bessere Tage und Neuigkeiten erlebt hatte, als die Information, dass Rain sich mehr eingefangen hatte, als er selbst behandeln konnte. "Nicht, wenn du dich nicht einmal auf deinen eigenen zwei Beinen halten kannst", es war fast wie ein Fauchen, allerdings meinte er es in diesem Fall nur gut mit Rain, der - fast schon untypisch - stur war.

      Was sollte er mit seinem neu gewonnenem Ballast nur anstellen? Nayantai wusste, dass sie beide sich nicht länger hier aufhalten durften als nötig, das jedes Anzeichen auf ihre Existenz ein Fehler war und er wusste nur zu gut, dass man ihnen auf den Fersen war, hätte man sein Ablenkungsmannöver durchschaut oder nicht aufgenommen, so wie er es sich eigentlich erhofft hatte. "Ich kann mir nicht keine Sorgen um dich machen, selbst wenn du nur erkältet bist, dann kann ich dich so nicht einfach weiter durch die Gegend zerren", beklagte er sich, wohlwissend darüber, dass auch das eventuell auf taube Ohren stoßen würde. Wieso versuchten sie beide überhaupt, davonzurennen, wenn ihre Chancen nicht sonderlich gut standen? "Wenn du schläfst, dann fällst du mir viel eher vom Pferd." Rain etwas auszureden schien dumm, gleich wie es vermutlich dumm war, länger hierzubleiben als sie mussten - aber Nayantai blieb wohl oder übel auch gar nichts anderes übrig, damit Rain nicht von einem einfachen Windhauch davongefegt wurde. Eher würde er sich dem Willen des Blonden beugen müssen, damit er überhaupt zu irgendetwas kam, oder sah er das falsch? "Und du willst dich wirklich darauf einlassen?", fragte er, als er sich selbst auf die Beine drückte und begann, ihr Lager aufzuräumen.
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    • "Nayantai...", begann Rain, sein Kopf tat weh, er wusste nicht wie viel er tatsächlich diskutieren konnte, aber er hatte das Gefühl, dass er Nayantai aufmuntern musste. Dem Wolf fehlte die Hoffnung tatsächlich nach Thria zu kommen, die Hoffnung dort ein Leben führen zu können, aber was sonst hatten sie? Rain wollte nicht aufgeben, obwohl er es Monate zuvor schon oft tun wollte, aber trotz allem was passiert war, wollte er Nayantai nicht enttäuschen und alleine lassen. Andererseits wusste er nicht wie lange er sein Lächeln aufrecht erhalten und wie lange er selbst die Hoffnung behaltwn konnte, wenn der Einzige den er noch hatte nur darauf zu warten schien, dass einer von ihnen beiden das zeitliche segnete. "Das... Brauche ich nicht. Vertrau mir...", murmelte Rain müde. "Wir sind hier nicht sicher... Lieber ist mir kalt, als... Was auch immer passieren würde, würden wir gedchnappt." Sie hatten doch gar keine Wahl. Wären sie vielleicht irgendwann in Thria, vielleicht wäre Rain dann auch wieder warm, vielleicht konnte er sich auf einen Haufen Felle legen, statt auf den harten Steinboden hier, Rain wollte hier weg, egal ob sie verfolgt wurden oder nicht.

      Rain wusste, dass er Nayantai nur Probleme machte, dass er ihm nicht helfen konnte, mit nichts und dass er alleine schon sehr viel weiter wäre. Es tat ihm weh, aber einfach zu sterben war auch keine Option. "Nayantai... Ich... Es tut mir Leid...", murmelte Rain, weil ihm auch gar nicht viel mehr einfiel. "Ich kann auch vorne sitzen... Ich... Ich kann auch versuchen mich weiterhin fest zu halten, sag mir was... Ich tun soll..." Nayantai stand inzwischen auf, räumte zusammen, also währte er sich wohl nicht dagegen weiter zu reiten, aber Rain fühlte sich, als durfte er jetzt nicht einschlafen und sich keine Pause gönnen. Er kämpfte sich also selbst zumindest in eine aufrechte Position, ihm war zum Weinen zumute, aber er tat es nicht. "Ich werde die Reise überleben...", erwiderte er und griff mit zitternden Fingern nach den Karten um sie zusammen zu rollen und zu helfen. Eine Reise mit Nayantai hatte er sich wohl anders vorgestellt, aber sie war ja ohnehin nur ein Traum gewesen und die Realität sah anders aus.
    • Was wussten Wölfe schon über verschmähte Vergangenheit, über unkenntliche Träume über die Zukunft oder über die Wahrheit, die sie allesamt nicht inne hatten? Was gab es auch, dass sie beide interessierte, dass sie beide verstanden, ohne einander dafür tausend Dinge und mehr näherbringen zu müssen? Beide mussten sie sich auf die Beine kämpfen, nach einem Ausweg aus dieser Welt suchen und doch waren genau sie es, die es nicht einmal schafften, einander zu belustigen. Zugegebenermaßen waren es die kleinen Dinge, die der Wolf nicht verstand und die Größeren, um die er sich eigentlich Sorgen machen sollte, es aber nicht tat, weil er sich selbst darüber bewusst war, dass diese Welt nicht immer das war, nach dem er suchte. "Rain", murrte er. Natürlich schwirrten ihm abertausende Dinge durch den Kopf, Dinge die er selbst nicht verstehen konnte oder wollte, aber diese Welt drehte sich weiter, selbst dann, wenn er nicht in ihr existierte und selbst dann, wenn er nicht daran glaubte, wirklich und wahrhaft zu leben. "Ich vertraue dir, aber ich will dich zu nichts zwingen", stellte er fest, entschied sich dazu, die Schafssprache zu verwenden - aber was erhoffte er sich dadurch? Mehr Verständnis, oder eher etwas anderes, das so oder so keinen großen Sinn ergab? "Sind Schafe alle so stur?", wollte er wissen. Ein mancher Wolf konnte sich wohl die eine oder andere Scheibe abschneiden.

      War es wirklich die Angst, geschnappt zu werden, die ihnen innewohnte oder war es einfach nur der Moment, der gerade so viel wichtiger wirkte, als er eigentlich tatsächlich war? Nayantai wusste nicht ganz, in welche Sparte seines Lebens er all diese Geschehnisse einzuordnen hatte, aber in Wahrheit stand wohl fest, dass er das gar nicht mehr musste - dass alles ein abschließendes Kapitel hatte, einen Moment, ab dem es nicht mehr reichte, wenn er versuchte, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sondern einfach zu verstehen hatte, was genau geschah. Was brachte es ihm auch, seinen Kopf in den Sand zu stecken und vor der Realität, der er sich ohnehin nicht stellen wollte, davonzurennen? Kaum hatte er zwei der drei Decken verpackt, schritt er schnurstracks auf Rain zu, der sich mittlerweile auf seine dürren Beine gequält hatte. Ein Seufzen drang über die Lippen des Wolfes, als er die übriggebliebene Decke über die Schultern des Lammes warf und zwei der Ecken vorne, an seinem Hals, miteinander verknotete, damit sie dort blieb, wo sie war. "Du musst dich nicht entschuldigen, du kannst nichts dafür", ließ er das Lamm wissen, bevor er es hochhob. Mehr als das brauchte er nicht, sie mussten nur ihr Tempo beibehalten und irgendwann, ja irgendwann, dann war es nicht mehr wichtig wo Thria war, sondern dass sie bereits dort waren. "Rain, ruh dich aus, ja? Und zwing' dich zu nichts." Im wahrsten Sinne des Wortes war es wohl einfacher, den Adeligen auf sein Pferd zu setzen und sich hinter diesem auf das Tier zu bequemen, nur um seine Hände und Arme dazu zu nutzen, ihn an sich zu drücken und festzuhalten. "Kann ich ...?"
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    • "Du zwingst mich zu nichts. Es ist meine Entscheidung weiter zu reiten, lieber das als noch einmal... das.", entgegnete Rain und deutete hinter seinen Rücken, oder viel mehr auf seinen Rücken der immer noch schmerzte und sich so anfühlte, als würde der Verband den Nayantai angelegt hatte das einzige sein, das ihn noch zusammen hielt. "Ja.", entgegnete er außerdem auf die Frage, ob alle Schafe so stur waren, zumindest die die Rain kannte waren es. Selbst seine Bediensteten die eigentlich für ihn arbeiten sollten hatten ihren eigenen Kopf und sagten ihre Meinung, vor Allem wenn sie nicht einverstanden waren. Sie ermahnten Rain, wenn er zu wenig aß, oder sich nicht genug anzog und keiner von ihnen hätte ihn unter normalen Umständen einen Schritt vor die Tür setzen lassen. Die Meinungen zu Nayantai hatte er auch gehört, aber ignoriert. Die Offenheit seiner Angestellten kam wohl daher, dass sein Vater immer einen freundschaftlichen Umgang mit ihnen gepflegt hatte. Auch wenn er die Wölfe noch so viel gehasst hatte, mit seinem Volk war er immer offen und zuvorkommend umgegangen, er hatte stets für sie gearbeitet, während der König es eher so sah, dass seine Bevölkerung für ihn zu arbeiten hatte.

      Rain zog die Decke die ihm über die Schultern gelegt wurde selbst noch einmal fester um sich und stellte fest, dass Nayantai ihm fast ein Cape verpasst hatte. Er schmunzelte leicht und wurde schließlich erneut auf das riesige Pferd gehoben, von dem Rain bisher wenig mitbekommen hatte. Er nickte als Antwort auf Nayantais nächste Frage und lehnte sich fast sofort zurück, als er die Gelegenheit dazu hatte. Er war zu müde als dass ihn der Schmerz in seinem Rücken davon abgehalten hätte und obwohl er neugierig war, was das Pferd betraf, so konnte er sich nicht lange wach halten. Selbst die bessere Aussicht, oder das Schaukeln hielt ihn wach und so schlief er eine ganze Weile an Nayantai gelehnt. Dass er krank werden würde, setzte man ihn vor die Tür war wohl allen klar gewesen, Rain konnte nur hoffen, dass die vielen Ärzte die ihn begutachtet hatten nicht recht damit hatten, dass es auch seinen Tod bedeuten würde.
    • "Ausgepeitscht werden?", fragte der Wolf eher unbehelligt. Nayantai wusste, dass das Gefühl der sich lösenden Haut, des auseinandergezerrten Gewebes und so vieles mehr bei weitem nicht optimal war und während er schon viele Dinge erlebt hatte, so war ebendas noch immer eines der Erlebnisse, die er eigentlich keinem wünschen würde, außer vielleicht denjenigen, die ihm schon so viele Dinge angetan hatten. War es denn wichtig, sich mit seinem eigenen Leben dermaßen auseinanderzusetzen, zu überlegen, für wenn es gerecht war, ausgepeitscht zu werden, wer leiden durfte und sollte ohne es wirklich zu verstehen, oder war eben das auch nur Humbug, den er selbst nicht verstehen musste? Rain war aufgescheucht, gleich wie er es war, doch während das Adrenalin in ihnen beiden langsam nachließ, kristallisierte sich verschiedenes dabei heraus: Während der Blonde einigermaßen verstand, dass es kein Zurück mehr gab und sein Körper langsam den Geist aufgab, war Nayantai es, der eigentlich ambitioniert sein wollte und musste, damit sie nicht beide dem Wahnsinn verfielen, der ihnen gerade zu schaffen machte, aber insgeheim hatte er das vermutlich schon getan und war somit nicht mehr als ein fahles Überbleibsel der Person, die eigentlich schon vor viel zu langer Zeit aufgehört hatte, zu leben oder versuchen, zu existieren.

      Kaum spürte er den dürren Körper, der sich wohl beinahe schon mit Freude gegen seine Brust drückte, kam er über ein Schmunzeln nicht hinweg. Was sollte er Rain auch sagen, wenn nicht, dass er sich nicht von den Dingen fehlleiten lassen sollte, die sie beide an diese Welt fesselten und doch immer öfter wieder gehen lassen wollten? Es war leise, zumindest für den Moment, bevor der Wolf das Pferd antrieb und bald schon wieder eisigen Wind spürte, der dem Lamm vermutlich nicht sonderlich gut tat. "Ruh dich aus, ja?", brummte er lediglich, kaum schlang er seine Arme etwas mehr um das kleine Wesen, das offensichtlich noch länger leben musste, als sein Körper es für gutzuhalten schien. Was sonst konnte er auch tun, außer ihm gut zuzusprechen? Nayantai hatte nicht mehr als das, nachdem er schon so vieles von sich aus niedergelegt hatte und eben mehr als das war auch nicht wichtig - was hatte er auch vorzuweisen, wenn nicht nur sich selbst und sein bisheriges, einigermaßen verkorkstes Leben, das sich oftmals wie ein Traum anfühlte, der voller Lücken war und kein sinnvolles Gesamtbild mehr ergab? Fragen über Fragen häuften sich in seinem Kopf, dennoch war ihm klar, dass er nichts davon auch nur beantworten konnte. Mehr als ein Überbleibsel desjenigen, der zu so viel mehr fähig gewesen war, nun, das war er schon lange nicht mehr - und er wusste, dass er ebendas auch schon bald nicht mehr sein würde, nicht, wenn er sich seiner Fesseln endgültig entledigte.
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    • Rain hörte das dumpfe Aufprallen der schweren Hufe bald immer leiser, ebenso wie den Wind der ihm ins Gesicht peitschte, aber selbst das Gefühl wurde dumpf. Rain hörte Nayantais Stimme, aber auch die immer leiser und er verstand kein einziges Wort von dem was er sagte. Hier draußen gab es so viel mehr das sein Körper wahrnehmen konnte, so vieles das Rain eigentlich gar nicht kannte. Das Fell des Pferdes, das tiefe Atmen des Tieres, das Geklapper der Hufe, der Wind und der generelle Geruch seines Landes, obwohl... es gehörte ja gar nicht mehr ihm. Nayantai war auch hier, sein warmer Körper, die langen dunklen Haare die über seine Schulter fielen und auf Rain landeten, aber alles davon verblasste, oder wurde vielmehr von der selben, dunklen und zähflüssigen Substanz verschluckt, die versuchte Rain alles zu nehmen das er hatte und letztlich auch sein eigenes Leben. Schon so oft hatte er sich in seinen Träumen in dieser unendlichen Leere wieder gefunden und er fragte sich, ob das hier nur ein Traum war, oder ob er regelmäßig über der Pforte zum Jenseits schwebte, das aus nichts weiter bestand als Leere und Einsamkeit. Die Angst vor dem was da war, oder besser gesagt dem was fehlte, ließ ihn weiter machen, seit Jahren, sie ließ ihn kämpfen, obwohl er so unsagbar müde war.

      Wie lange Rain sich in seinem eigenen kleinen Gefängnis befand konnte er nicht sagen. Während er in der realen Welt schlief und sich vermutlich keinen Millimeter bewegte, kämpfte er hier darum nicht zu ersticken, an der teerartigen Flüssigkeit die seinen Körper zu verschlucken versuchte. Es war wohl kein Wunder, dass er sich nach dem Schlafen selten ausgeruht und wach fühlte und auch wenn Nayantais Anwesenheit normalerweise half, so war das diesmal nicht so. Rain konnte ihn weder hören, noch anders wahrnehmen, zumindest bis zu dem Zeitpunkt an dem er doch seine Augen aufschlug. Das erste das er sah war ein kleines Lagerfeuer dessen Flammen sich gerade noch so an den dürren Ästchen festklammerten. Dann kam der Schmerz in Rains Rücken, der zwar nachgelassen hatte, aber immer noch präsent war. Beinahe freute er sich jedoch darüber seinen Körper wieder fühlen zu können, auch wenn nichts davon wirklich angenehm war. Vorsichtig rappelte er sich auf, aber ihm war ein wenig schwindelig, das Fieber war noch nicht ganz zurück gegangen und er war nicht sicher, ob es das jemals würde, immerhin befand er sich draußen und das sollte ja eigentlich seinen Tod bedeuten. Bis jetzt war er es nicht, das allein war ein Wunder.

      Rain sah sich um, es war zu dunkel um sagen zu können, ob das hier eine natürliche Höhle war, oder doch viel mehr einer der Minenschächte. Vor dem Eingang zu ihrem Unterschlupf pfiff der Wind, es schneite, wenn Rain genau hinsah, konnte er sehen wie sich das Mondlicht im weißen Schnee reflektierte, der da draußen ziemlich hoch zu liegen schien. Sie mussten also noch in Fhaergus sein, richtig? Rain war neugierig, wo waren sie und wie weit hatte Nayantai ihn den Berg hochgeschleppt, obwohl das wohl eher das Pferd gemacht hatte, das beim Eingang stand und sich gegen die Wand drückte, um vor dem Wind besser geschützt zu sein. Außerdem war Rain hungrig, das war prinzipiell meist ein gutes Zeichen, vermutlich hatte er schon einige Mahlzeiten ausgelassen. Wie viel sie wohl noch hatten? Darüber nachzudenken schmälerte seine anfängliche Euphorie wieder ein bisschen, nicht zu sterben reichte auf einmal nicht mehr aus, heir draußen musste er nicht nur leben, sondern auch überleben und damit hatte nur Nayantai Erfahrung. Sich einfach über ihre Vorräte her zu machen war wohl nicht die Klügste Idee. Vorsichtig legte Rain eine Hand auf Nayantais Schulter, der neben ihm lag. Er hoffte einfach, dass er ihm nicht böse war, weil er ihn mitten in der Nacht - oder wie spät auch immer es war - aufweckte.
    • Schlussendlich waren die Schritte, die er von hier aus bis zu seinem elendigen Zuhause an der Küste hinter sich bringen musste nicht mehr als ein Aufwand, den es zu erbringen galt. Egal, wonach er sich sehnte oder wie sehr er danach verlangte, im Endeffekt war es hirnrissig daran zu denken und zu glauben, dass sowohl er als auch er Rain nicht weiter gehen mussten, als sie es ohnehin schon getan hatten. Sie beide waren vermutlich müde, eventuell auch etwas mehr als erschöpft und in Wahrheit suchten sie beide nur nach einem Ausweg aus ihrer Welt, aus der Unvernunft derjenigen, die glaubten, die Welt lag ihnen zu Füßen und vielleicht hatte er recht, womöglich waren sie beide nicht mehr als das, wenn auch gleich aneinander gebunden und dazu gezwungen, diese Welt für das zu akzeptieren, was sie war. Vermutlich war es einfach, Teil des Südens zu sein, oder des Eismeers, von dem er eigentlich kam - dennoch, egal was es war, all das war hier, in dieser Welt, nicht mehr wichtig, selbst dann nicht, wenn er sich darum bemühte, sowohl den Blonden warmzuhalten, als auch sich selbst und darauf hoffte, dass ihm bald etwas einfiel, das diese Reise erträglicher machte, ihn weniger an seine eigenen Gedanken und Vorwürfe fesselte und ihm stattdessen aufzeigte, dass auch er derjenige sein konnte, der sich selbst verloren hatte und wiederum verlieren würde - seinen Verstand hatte er ohnehin schon viel zu lange nicht mehr und alles, was ihm blieb, war das Verlangen nach dem Überleben, das immer mehr schwand, wie eine sterbende Flamme.

      Kaum hatte er selbst das Gefühl, seine müden Arme und das erschöpfte Pferd nicht weiter foltern zu wollen, suchte er sich einen Platz der sich gut als Nachtlager eignen würde - ohnehin waren sie schon lange genug unterwegs und es wurde nicht gerade leichter, das Lamm in seinen Armen zu halten oder sich gar an die Zügel des Pferdes zu klammern, das sie mehr als lange genug beanspruchten. In Wahrheit war diese Reise wohl länger als gedacht und der Einzige, der irgendwie wusste, wo sie sich befanden, war derjenige, der womöglich sein Leben an seinen Fingern abzählen konnte - und Nayantai war derjenige, ob er denn jemals so lange gelebt hätte, wäre Rain nicht er selbst gewesen sondern jemand anderes. Was brachte es ihm allerdings, darüber nachzudenken? Menschen waren sie allemal und das Lamm war so, wie es war, weil seine Umgebung ihn zu jener Person gemacht hatte, die er heute war - gleich wie er es war, das wusste Nayantai gut genug. Der Unterschied zwischen ihnen beiden war wohl, dass Rain nicht mehr als ein naiver, junger Mann war, der die Welt zum ersten Mal spürte und er ließ sich ausgerechnet auf ein Monster ein, das nur zeitweise die Haut eines Menschen trug und sich in dessen Fleisch vergrub, weil es noch immer nicht verstand, was es wirklich war - war es nicht genau das, was die beiden unterschied? Wobei das wiederum auch heißen musste, dass jeder, der Blut an sich kleben hatte, nicht mehr als ein Biest war, das schon viel zu lange nicht mehr existierte, sondern lediglich ein Schatten war, der noch immer unter den Lebenden hauste und darauf hoffte, dass sich die Welt ändern würde.

      Das Flackern des Feuers, orange und gelb, warm und unverwandt, riss ihn aus seinen Gedanken. Wann hatte er das letzte Mal an einem Feuer gesessen und sich, wenn auch nur für den Moment, keine Sorgen gemacht? Wieso war all das hier noch sein jetziges Leben und wieso herrschte in seinem Kopf gähnende Leere wenn er seine jetzige Existenz mit der toten Bestie verbinden wollte, die metaphorisch zu seinen Füßen lag, auf deren blutige Leiche er eintreten wollte, damit er sie anschreien konnte, sie solle wieder auf ihre zwei gebrochenen Beine finden und nicht einfach alles wegwerfen, wofür sie die letzten Jahre über die Schlachtfelder gewütet hatte? Vermutlich deswegen, weil er seinem eigenen, verdrehten Gesicht in die Augen blicken würde und für sich selbst mit der Welt abschließen musste, die sich um diese Leiche herumbefand - um die Türme, bestehend aus toten Körpern, die er immer weiter nach oben stapelte, deren einzige Existenzberechtigung Hass waren und doch begann er, langsam aber sicher, für sich selbst zu sehen, dass ebendas nicht die Erfüllung seiner Existenz sein konnte, nicht, wenn Rain neben ihm lag und erst recht nicht dann, wenn er noch immer derjenige war, der schlussendlich dazu genötigt werden würde, Thria wieder in das zu verwandeln, das es einst war - oder zumindest gewesen sein könnte, hätten die Schafe diesen endlosen, sinnlosen Krieg angefangen, der von beider Seiten immer wieder hochgeschaukelt wurde, wie ein wütendes Feuer, das nicht erstickte - denn jeder Körper schien ein dürrer Ast zu sein, der beide Seiten aufheizte.

      Wann genau er sich so von seinen Gedanken erdrückt und ermüdet fühlte, dass er sich einfach auf seinen Rücken fallen ließ und einschlief, das wusste der Wolf selbst nicht, aber auch seine Träume waren nicht besser, plagten ihn sogar und für einen Moment hoffte er, er würde einfach nur dem endlosen Schlaf verfallen sein, vor Jahren und eigentlich war nichts von den Dingen, die er in letzter Zeit erlebt hatte, wahr. Dennoch fühlte sich der leichte Druck auf seiner Schulter nach etwas an, das definitiv nicht seinen Träumen entsprang und das wusste der Wolf mehr als genug, kaum schlug er seine Augen wieder auf - wo zum Teufel war er? Ah, ja. Nicht in Thria. "Hm?", raunte er, als er sich jedwede Art von Müdigkeit aus den Augen wischen wollte und unbehelligt nach Rains Hand griff, leicht an dieser zog und den Blonden schlussendlich näher an sich haben wollte. "Was willst du?", murmelte er, beinahe schon beleidigt darüber, dass man ihn geweckt hatte, auch, wenn er definitiv zerstört aussah und so, als hätte er seine Träume kein bisschen genossen - so wie Rain. Seine Hand, die gerade noch an der von Rain festhielt, streckte er aus, um ein paar blonde Haarsträhnen aus dem fremden Gesicht zu wischen. "Du siehst nicht gerade so aus, als hättest du gut geschlafen." Selbst Nayantai, der im Moment noch eine verschwommene Welt vor sich hatte, sah ebendas - und selbst er wusste, dass genau das keine sonderliche Hilfe für jemanden wie Rain war.
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    • Gerade hatte Rain sich aufgerichtet und seinem Körper ein wenig Abwechslung verschafft, da zog ihn der Wolf auch schon wieder zu sich, begleitet von einem wenig begeistert klingenden Geräusch, weil er geweckt wurde. Dabei hatte Nayantai gerade ohnehin nicht sonderlich glücklich ausgesehen, im Gegenteil, seit sie hier draußen waren schien Nayantai noch schlechterer Laune zu sein als sonst. Rain hatte ein schlechtes Gewissen, Nayantai hätte schon viel weiter reisen können, wäre er nicht für ihn zurück gekommen. Jetzt hatte er ihn am Leib, musste sich um den Blonden kümmern, ihn herum tragen und nicht nur auf ein Leben, sondern zwei achten, während er derjenige war, der die Hoffnung zu verlieren schien. Rain tat das nur selbst nicht, weil einer von ihnan ja weiter machen musste, wenn er Nayantai der Aussichtslosigkeit der Situation zustimmte, dann hätten sie verloren, nicht wahr? Abgesehen davon lebte Rain noch und er fühlte sich besser als noch vor... wann auch mmer er eingeschlafen war. Er wusste, dass er genauso gut mehrere Tage geschlafen haben konnte, wenn er Fieber bekam war das oft so. Schlaf war allerdings beinahe das falsche Wort und auch Nayantai bemerkte das.

      "Am Leben bleiben ist anstrengend...", antwortete er dem Wolf murmelnd. Aber er hatte nicht vor Nayantai allein zu lassen, nur schien der Wolf das nicht zu sehen, oder aber er kämpfte mit seinen eigenen Problemen, die er Rain offenbar nicht mitteilen wollte. "Mir geht es besser... und ich hab hunger.", erklärte er ihm, klang er gerade wie ein verzogenes Kind? Er erwartete nicht gefüttert zu werden, oder alles serviert zu bekommen, so wie er es ja eigentlich von klein auf gewohnt war. "Ich... war nicht sicher ob noch etwas da ist und wie viel davon wir lieber einteilen sollten..." Nayantai war derjenige der das Leben hier draußen kannte, der wusste wie viel er selbst brauchen würde. Rain hatte nichts dagegen etwas weniger zu essen, Nayantai brauchte seine Kraft dringender, Rain konnte sowieso nicht viel helfen. Er war auch ein wenig enttäuscht darüber, dass der Wolf sich gar nicht zu freuen schien, dass Rain noch nicht tot war, sondern dass er zumindest genug Kraft hatte wieder aufzuwachen und mit ihm zu sprechen.
    • Nayantai war, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht von sich selbst oder seiner Umgebung überzeugt, nicht von den Dingen die er glaubte zu kennen oder aber von Rain, der vermutlich viel besser mit sich selbst umzugehen wüsste, befände er sich nicht hier draußen. All die Bruchstücke, über die sie sich unterhalten hatten und all die Dinge, die ihm einfielen, waren wohl nicht viel mehr als die Realität, die sie beide zu verkraften und verstehen hatten. Im Endeffekt war all das, worüber sie bis jetzt geredet hatten, nicht mehr als eine saubere Lüge. Schlussendlich gab es für sie weder in Adrestia Zuflucht, noch im Land der Wölfe oder aber im Süden, über den sie beide sich bis jetzt schon oft genug ihre Münder zerrissen hatten. Die traurige Wahrheit war, dass sie beide nie aneinander hätten festkleben dürfen und dass es wohl gegen all jene Ideologien war, die man ihnen ihr Leben lang eingetrichtert hatte. Vermutlich wäre es klüger gewesen, auf diejenigen zu hören, die glaubten zu wissen, wie sie miteinander umzugehen hatten, die predigten, dass die wenigen, positiven Beziehungen zwischen Wölfen und Schafen nicht mehr als bloßer Schein waren und doch, Nayantai war sich sicher, dass er sich nicht alles einbildete, das er fühlte - und selbst wenn, dann bereute er es kein Stück.

      “Ich weiß”, murmelte er, wohlwissend, wie viel er seinem eigenen Körper schon zugemutet hatte. Während Rain derjenige war, der sich in einem Gefängnis wiederfand und sich damit abzufinden hatte, war Nayantai derjenige, der seinen Körper zu so vielen Dingen zwang und antrieb, dass er viel mehr zu erzählen hatte, als er es vielleicht sollte. Was waren all diese Narben auch wert? “Ah, das ... macht Sinn? Ich meine, du hast eine ganze Weile geschlafen”, lachte der Wolf beinahe schon, als er sich selbst und den Blonden wieder hochdrückte, als wolle er ihm auch auf die Beine helfen, aber stattdessen hievte er Rain nur hoch bis dieser saß und er sich sicher war, er würde nicht sofort nach hinten taumeln. “Dafür hast du ja mich!” Voller Tatendrang war er nicht wirklich, immerhin lebte er auch nur für den Moment und die unbescholtene Wahrheit war, dass auch er langsam daran zweifelte, dass sie beide jemals nach Thria finden würden. Die Wahrheit war bitter und die Hoffnung starb zuletzt, aber Nayantai konnte auch nicht anders, als sich mit all diesen Dingen zu befassen. Er selbst zwang sich auf seine Beine und schlurfte zu den Satteltaschen, die nicht weit von ihnen lagen, um sie näher an das grelle Feuer zu bringen und ihren Proviant anzusehen, eh er einige Dinge davon wieder wegpackte und andere in die Richtung ihres Bettes schob, wenn man es denn so nennen konnte. “Fleisch wird am ehesten schlecht”, erklärte er, als wüsste sein Lamm ebendas ohnehin nicht - aber dem war nicht der Fall, oder? Schlussendlich ließ er sich mit einigen Sachen wieder neben Rain fallen und streckte seine Hand nach dessen Stirn aus, während er seine Andere auf seine eigene Stirn drückte - nicht, dass es etwas brachte, nachdem eine seiner Hände ohnehin vernarbt und eiskalt war, aber ... “Moment”, ließ er noch verlauten, bevor er seine Hände von ihnen beiden nahm und seine Stirn gegen die von Rain drückte. “Du bist noch immer ziemlich warm.”
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    • "Aber ich habe nicht vor dich allein zu lassen.", erklärte Rain dem Wolf gleich hinterher, immerhin gab es keinen Grund sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Rain war es gewohnt ständig mit seinem eigenen Körper zu ringen, der einfach nicht das tun wollte, das er sollte. Hier draußen fehlte ihm die Ruhe, die Wärme und ein weiches Bett, aber all das hatte ihm vorher auch nicht geholfen. Es blieb nur zu hoffen, dass er nicht für den Rest seiner Tage unter Fieber und Schüttelfrost litt, vielleicht würde es ja auch Momente geben, in denen er sich ganz gut fühlte. Bevor sie nach Thria kamen würden sie Wezette durchqueren und dort war es wärmer als in Fhaergus, vielleicht reichte der Wetterumschwung ja schon aus. Rain konnte natürlich nicht wissen wie warm es tatsächlich war, oder wie sich das anfühlen würde, aber dort durfte es zumindest die Tmeperaturen haben die es in Fhaergus nur im Sommer gab. Den Sommer in Wezette würden sie vielleicht sogar auch noch erleben, bis sie die Grenze erreichten.

      Nayantai half Rain sich wieder aufzusetzen und zumindest schien es ihn ein wenig zu amüsieren, dass Rain tatsächlich etwas essen wollte. Der Blonde konnte nur zusehen wie der Wolf ihre Tasvhen nach etwas Brauchbarem durchsuchte und wartete geduldig, zog aber die Decke fester um sich. Außerdem hätte er wohl alles für ein Bad gegeben, er fühlte sich ekelhaft, nicht zuletzt wegen dem Schweiß den das Fieber ausgelöst hatte, aber ein richtiges Bad hätte er womöglich nie wieder. Diese Tatsache ließ ihn beinahe seufzen, aber stattdessen wollte er lieber die Stille überbrücken. "Wie lange habe ich denn geschlafen?", wollte er wissen, um wieder ein wenig Kontext zu erhalten. Nayantai schlurfte wieder zu ihm, hatte aber vor dem Essen scheinbar noch etwas anderes auf dem Plan. Seine Hand landete auf Rains Stirn, aber das war wohl nicht genug, aso folgte Nayantais eigene. Seine Diagnose folgte noch während er sich an Rain drückte, der Blonde wurde beinahe ein wenig rot deswegen. Wieeso genossen sie die Zeit zusammen eigentlich nicht mehr? Sie mussten sich um viel mehr kümmern, aber immerhin waren sie nicht alleine. Wenn Nayantai Rain in die Arme geschlossen hatte, war Rain die letzten Tage aber immer so müde gewesen, dass er sofort eingeschlafen war. "Mhm... aber mir geht es besser. Mein Arzt meinte immer, hunger ist gut, den habe ich nur wenn ich mich erhole.", erklärte er dem Wolf mit einem ernst gemeinten Lächeln. Es gab keinen Grund Trübsal deswegen zu blasen. "Es bedrückt mich fast... immer hieß es, ich könnte keinen Schritt vor die Tür machen und jetzt bin ich hier, auch nicht kränker als ich es sonst war." Nur verletzter und müde, aber das war ihm gerade egal. "Du hattest also recht.", schloss er, Nayantai hätte ihn gerne schon früher mit nach draußen genommen, vielleicht hätte er ihn machen lassen sollen, solange er noch nicht um sein Leben fürchten hatte müssen.
    • "Das weiß ich auch", gab er zurück. Nayantai glaubte nicht, dass Rain an irgendeinem Punkt seiner Existenz wirklich mit seinem Leben abgeschlossen hatte oder einfach so akzeptieren wollte, dass der Boden unter ihm auseinander brach. In Wahrheit war es wohl auch sein eigener Ehrgeiz, ein Attribut das er sich selbst nicht geben wollte, das ihn dazu verleitete, immer wieder auf seine Beine zu finden - gleich wie das elendige Verlangen, leben zu wollen, so wie Nayantai es von sich selbst kannte. Diese Welt war klein und die Möglichkeit, ihr oder ihren Ideologien zu entrinnen noch viel geringer. War er es, der sich nach unendlicher Freiheit sehnte, der danach verlangte, die ihm unbekannte Welt mit seinen zwei eigenen Augen zu sehen oder war es doch eher Rain, der noch nichts von ihr für sich selbst beschlagnahmte, geschweige denn glaubte, jemals dazu imstande zu sein? Sie beide rannten soweit sie konnte, so schnell sie konnten und die Wahrheit, die sich ihnen beiden nicht offenbarte, war die Tatsache, dass sie beide schon längst verloren hatten und dass diese Welt, die ihnen früher oder später noch immer zu Füßen liegen würde, bald schon nicht mehr für sie gemacht wäre. Wovor rannten sie, wenn es am Horizont nichts für sie gab und wonach suchten sie, wenn alle Orte, die sie kannten, nicht mehr so waren, wie sie eben jene verlassen hatten?

      "Lange genug um mich daran zweifeln zu lassen, ob ich in diesem Leben noch einmal dazu komme, mit dir zu reden." Auch, wenn Angst sich oft tarnte und Nayantai wusste, wie es sich anfühlte, von ihr überfallen zu werden, war es doch irgendwie komisch, herauszufinden, dass er nicht mehr als jemand war, der bereits davon übermannt geworden war. "Da hat er recht", bestätigte der Wolf, der allerdings nur darüber lachen konnte - war man todkrank, dann wollte selbst der Körper nicht mehr kläglich versuchen, Ressourcen zu verschwenden und sich weiterhin dazu zwingen, zu leben. Was auch immer es war, das sie beide dazu zwang, aneinander zu kleben, wie sie es jetzt taten, es konnte zumindest nichts schlechtes sein, so viel wusste aus ein griesgrämiger Kronprinz, der eigentlich schon damit abgeschlossen hatte, niemals mehr nach Hause zu finden. "Wenn ich nicht recht habe, wer dann? Aber mach dir keine Sorgen, wir beide haben noch genug Zeit, die wir miteinander verbringen könnten und sollten - Thria läuft uns nicht davon." Scherze waren in ihrer Situation nicht gerade angebracht, aber wenn er Rain schon aufheitern wollte, dann musste er sich etwas einfallen lassen - irgendetwas, das für ihn Sinn machte und etwas, das nicht sonderlich dumm war. "Du solltest wirklich etwas essen, bevor du mir noch auf dumme Gedanken kommst", entgegnete der Wolf, der nach dem kleinen Beutel griff, den er vorhin in Rains Richtung geworfen hatte und ein Stück getrocknetes Fleisch aus diesem holte, nur um es Rain vor die Lippen zu halten, als würde er erwarten, dass er davon abbiss. "Oder hast du mich nur aufgeweckt, weil du dich einsam gefühlt hast?"
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    • Wieso klammerte Rain sich eigentlich seit seiner Geburt so an ein Leben, dass ihm eigentlich nicht vergönnt sein sollte. Selbst als er noch zu jung war um einen klaren Gedanken zu fassen, hatte er nicht sterben wollen und war das einzige Kind seiner Eltern gewesen, das die Geburt überlebt hatte. Vielleicht hatte sein Vater auch deshalb nicht versucht einen weiteren Erben zu zeugen und im Endeffekt hatte Rain ihn sogar überlebt. Rain hatte immer einen Grund gefunden weiter zu leben, obwohl dieser von Tag zu Tag weniger wichtig erschien, zumindest bis er Nayantai getroffen hatte, der ihm neue Dinge gezeigt und erzählt hatte und nun immer noch an seiner Seite war. Er hatte ihn gerettet und das Mindeste das Rain tun konnte war ebenso an seiner Seite zu bleiben und ihn zu unterstützen. Seine Heimreise war nie ein Thema gewesen, das er sonderlich gemocht hatte, auch wenn Nayantai davon gesprochen hatte Rain Thria zu zeigen, so schien er fast schon Angst davor zu haben nach Hause zurück zu kehren. Eine andere Option blieb aber kaum, nach ihnen beiden wurde gesucht und sich in Adrestia zu verstecken war aussichtslos.

      Die Zeitangabe die der Wolf machte war nicht sehr genau und Rain war genau so schlau wie vorher, weswegen er eine Augenbraue hob. "Wir sind aber noch in Fhaergus?", fragte er, immerhin hatte er noch einen letzten Blick auf sein Land werfen wollen, bevor sie die Berge auf der anderen Seite und Richtung Wezette wieder hinab stiegen. Es schneite vor ihrem Unterschlupf, also war Rain sich zumindest sicher, dass sie noch irgendwo im Gebirge waren, hoffentlich auf dem richtigen Weg. Rain hatte dem Wolf die Richtung gesagt in die sie gehen sollte, das kannte er sich also bestimmt aus. "Bisher konnte ich es noch gar nicht wirklich genießen hier draußen zu sein...", murmelte Rain und es war auch nicht einfach. Der Boden war hart, es war kalt und zugig und er fühlte sich so, als sollte er sich eigentlich gar nicht über irgendetwas freuen, immerhin hatte er nicht nur seinen Vater verloren, sondern auch alles was er ihm hinterlassen hatte, alles für das Caelan von Fhaergus immer gekämpft hatte. Er hatte ihn enttäuscht und auch wenn das von Anfang an klar gewesen war, so minderte das Rains Gefühle nicht im Geringsten. "Was für dumme Gedanken?", wollte Rain wissen und öffnete dann seinen Mund um von dem Fleisch abzubeißen, dass ihm vor die Nase gehalten wurde. Das nächste Stück nahm er selbst in die Hand und störte sich vorerst nicht weiter an seinen schmutzigen Fingern, auch wenn er absolut nicht gewohnt war so viel Dreck auf ihnen zu haben. "Vielleicht auch deshalb. Wenn ich träume, dann immer das selbe, ich weiß nicht ob es überhaupt ein Traum ist. Ich glaube es ist der Tod der dort auf mich wartet und es ist einfach nur... leer. Es fühlt sich an wie Tage die ich dort alleine war..." Rain blickte auf das Fleisch in seinen Händen, dann hob er seinen abwesenden Blick für einen kurzen Moment, lächelte aber schließlich als er Nayantai ansah. "Ich hab es vermisst mich mit dir zu unterhalten.", gestand er, nicht nur in seinem Traum, auch die Tage davor, vor Allem in der Zeit als er wieder ganz alleine in seinem riesigen Anwesen gesessen hatte.
    • Waren sie beide mehr als Dreck, als Abschaum der nicht sonderlich viel erreichen konnte oder war eben das alles nur Einbildung? Was auch immer sie versuchten, sie schienen sich beinahe schon sicher zu sein, selbst dieses Ziel nicht erreichen zu können und doch war es eine unausgesprochene Wahrheit, die nicht mehr war als die Tatsache, die sie beide zu verbergen versuchten. Nayantai zum einen, weil er nicht wollte, dass Rain an ihm zweifelte oder glaubte, die Geschichten über das Sternenmeer oder die Freiheit in Thria wären nicht wahr und Rain zum anderen, weil ihm nicht nur die Naivität in sein Gesicht geschrieben stand, sondern auch deswegen, weil er nicht wahrhaben wollte, dass jedweder Platz, der auf dieser Welt für auch nur einen von ihnen existiert hatte, schon lange nicht mehr dort war, wo man ihn einst so einfach aus der Reihe tanzen sah. Beinahe war es lächerlich zu glauben, dass ein Funken Hoffnung ihnen beiden eine Änderung bringen würde, aber was sollten sie auch tun, außer daran festzuhalten? Schlussendlich gab es für sie alle nicht mehr als das und die Fragwürdigkeit ihrer momentanen Situation war nicht auszuschließen, wenn auch gleich durchaus ignorierbar. Was war all das schon wert, mehr konnte er sich auch nicht fragen, wusste er doch nicht einmal wie er sich selbst eine einzelne Frage zu beantworten hatte.

      Ja, ich rede ja auch nicht von Tagen - vielleicht ein paar Stunden zu viel”, gähnte er Rain vor. Wieso hatte er ihn überhaupt geweckt? Weil er hungrig war und sich nicht an den falschen Sachen vergreifen wollte? Irgendwie war es fast schon niedlich, daran zu denken, aber was sonst konnte er tun, außer dem Blonden unter die Arme zu greifen? Das wat wohl eines der wenigen Dinge, für die er in diesem Moment noch gut war - zumindest bildete er sich das ein. “Wir sind auch irgendwie damit beschäftigt, davonzurennen”, ließ der Wolf verlauten, als hätte das Schaf das nicht schon längst verstanden. Alles, worauf er hoffen konnte, war, dass die restlichen Schafe die falsche Fährte aufgelesen hatten und nicht nach ihnen suchten - oder zumindest in die komplett falsche Richtung unterwegs waren, aber auch die Hoffnung, die wohlbekannt zuletzt starb, würde ihnen wohl nicht sonderlich helfen. “Keine Ahnung, vielleicht frisst du mich ja irgendwann falls dir das Essen ausgeht”, scherzte Nayantai, auch, wenn er wusste, dass er das womöglich nicht sollte - immerhin gab es noch Karma, das ihn früher oder später einholen würde. “Gähnende Leere, huh? Wenigstens bist du ihr nicht zum Opfer gefallen, aber das heißt wohl auch, dass dein Körper und dein Kopf zwei verschiedene Dinge von dir wollen.” Während Rains Geist wohl eher nicht aufgeben wollte, so war es sein Körper der viel zu gerne mit einem Ruck in sein Grab springen würde - war das nicht so? “Es war ziemlich langweilig ohne dich”, gestand er schlussendlich und sah zu Rain auf, beinahe schon mit einem verschmitzten Lächeln auf spröden, aufgesprungenen Lippen. “Fühlt sich dein Rücken besser an?”, fragte er, als er dem Lamm noch ein Stück Fleisch anbot - was auch sonst sollte er tun?
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    • "Oh, na dann geht es mir ja besser als das letzte Mal und das ohne weiches Bett.", erklärte Rain. Er war zwar noch nicht wieder gesund, aber immerhin fühlte er sich in der Lage zu sitzen, zu reden und etwas zu essen, auch wenn sein Kopf sich immer noch heiß anfühlte und unangenehm pochte. Vielleicht hatte es ja geholfen, dass Nayantai bei ihm war, auch wenn das vielleicht ein wenig zu weit her geholt und zu romantistiert schien. Rain sah fast schon vorsichtig auf als der Wolf gähnte und sah ihn entschuldigend an. "Tut mir Leid, dass ich dich geweckt habe, du hast immerhin nicht den ganzen Tag geschlafen.", murmelte er, seinetwegen brauchte Nayantai auch nicht weiter wach bleiben, er wollte nur nicht alle Vorräte aufessen, die Nayantai womöglich schon längst verplant gehabt hatte. "Hm, ich glaube je weiter wir ins Gebirge vordringen, desto sicherer sind wir. Sobald wir in Wezette sind müssen wir uns vermutlich trotzdem von den Straßen fern halten, aber bis dahin geht es mir bestimmt besser und vielleicht können wir dann ja ein wenig verschnaufen.", plapperte Rain mehr zu sich selbst. Dort gab es vermutlich auch ein wenig mehr zu sehen als hauptsächlich Schnee, je höher sie kamen, desto weniger Pflanzen gab es ohnehin und bisher hatte Rain nicht einmal einen Vogel erspäht, obwohl er sich irgendwie darüber gefreut hätte, obwohl er auch schon welche vor seinem Fenster beobachtet hatte.

      Rain hob erneut eine Augenbraue und schüttelte seinen Kopf. "Ich wüsste gar nicht wie ich dich zubereiten sollte.", erklärte er, was stimmte, aber natürlich nicht der Hauptgrund war, warum er den Wolf nicht verspeiste, aber ihm zu sagen, dass er ohne ihn sehr bald sterben würde, was überflüssig, Nayantai wusste das. Alleine würde er nicht weit kommen, selbst auf einem Pferd nicht, das er sowieso nicht reiten konnte, selbst wenn sein Gesundheitszustand es zulassen würde. Abgesehen davon wusste er nicht einmal wie man ein Feuer entfachte, oder welche Zweige sich zum verbrennen eigneten, oder gar wo Norden war. Dann kam noch hinzu, dass er gar nirgends hin konnte. Thria war der einzige Ort, an dem er vielleicht ein wenig sicherer war als überall in Adrestia, aber auch nur solange er den Kronprinzen der Wölfe bei sich hatte und nicht als einsames und krankes Schaf über die Grenze spazierte. "Das ist nichts Neues., " seufzte Rain leise, der eigentlich nicht zu niedergeschlagen sein wollte, aber wie konnte er seiner allgegenwertigen Misere zustimmen und nicht traurig oder verärgert darüber sein, dass er nie mehr war als ein kranker, schwacher Junge. Nayantais Aufmunterungsversuch kam gerade recht. "Du kannst auch mit mir reden wenn ich schlafe. Vielleicht höre ich dich ja.", lächelte er, eine vertraute Stimme hatte bisher immer geholfen, das letzte Mal und auch früher, als seine Mutter Rain vorgelesen hatte. Rain nahm das Stück Fleisch entgegen und knabberte auch daran herum, während er der nächsten Frage lauschte. Er wusste gar nicht recht was er darauf antworten sollte. Der Schmerz war immer noch da und wenn seine Kleidung weil er sich bewegte über die Wunde rieb, schmerzte sie, obwohl wie verbunden war. Rain war für sowas nicht gemacht, aber andererseits war er es auch gewohnt eine Menge zu ertragen. "Ich denke schon."
    • "Irgendetwas muss dich ja warmhalten - oder irgendwer", scherzte Nayantai beinahe schon zu leichtherzig. Eigentlich konnte er nur von Glück sprechen, dass Rain nicht für immer diese Welt verlassen hatte und eigentlich war es gar nicht so abwegig, zu behaupten, dass das Lamm sich noch immer nicht wirklich über dem Berg befand. Was auch immer geschah würde eine Auswirkung haben, nicht nur auf ihre Umgebung und ihren Fluchtplan, sondern auch auf sie beide und ihr restliches Verhalten. Die Wahrheit war, dass er - früher oder später - einfach nur erschöpft sein würde und dem Blonden würde es nicht anders gehen. Sie beide mussten sich das eingestehen, aber wer würde das schon, wenn ihre Hoffnung noch immer existierte und der bloße Gedanke über das Ende wie etwas Falsches erschien, das absolut keinen Sinn mehr machte? "Mh, mach dir keine Sorgen darüber - ob ich jetzt wach bin oder schlafe macht auch keinen großen Unterschied", seufzte der Wolf, der sich weiters den Schlaf aus den Augen und aus seinem Gesicht rieb. Womöglich hatte Rain doch recht und er sollte es sein, der all die verlorene Kraft wieder aufzuholen hatte, aber Nayantai war nun einmal Nayantai und etwas, das er nicht hören wollte, war, dass er nicht das tun konnte, was er tun wollte. "Eine Pause hört sich gut an, aber ich glaube nicht, dass ich der Einzige von uns beiden bin, der eine braucht." Auch Rain war vermutlich ausgelaugt, sonst wäre er nicht krank, oder? Sein Körper war immerhin auch gar nicht dafür ausgelegt, diesem Wetter standzuhalten.

      "Du kannst mich auch roh essen", warf der Wolf in den Raum. In Wezette wäre das wohl ihr erstes und einziges Problem - zumindest an der thrianischen Grenze. Nayantai kannte ihre Namen nicht, auch keine Gesichter, aber er kannte ihre Beweggründe und ihre Taten, mehr brauchte es auch nicht für ihn um sich über sie alle eine Meinung zu bilden. Hatten sie eben jene Hürde aber erst überwunden, so glaubte er, wäre es kein sonderliches Problem mehr für ihn, sie beide in seine Heimat zu schleppen - vorausgesetzt sie liefen in keine Falle, oder man wartete auf sie. "Und selbst wenn, du wachst jedesmal wieder auf." Hieß das nicht, dass Rain noch nicht mit seinem Leben abgeschlossen hatte, dass er doch noch leben wollte und dass sein Körper sein Leben doch nicht zu bestimmen hatte? Hatte Nayantai Unrecht? "Wer weiß, ich werde es das nächste Mal versuchen - vorausgesetzt, ich bin wach", erzählte er dem Lamm. Ein begabter Schlafredner war er noch nie gewesen, das mochte sein, dennoch - es galt, nichts unversucht zu lassen und sich auf die vorherrschende Wahrheit zu konzentrieren, die sich in ihre beiden Schädel gebrannt hatte, so schroff es auch klang, sie flüchteten vor der Welt die sie nicht länger sehen wollte, oder aber lebend wissen wollte. "Wir sollten den Verband zumindest wechseln, wenn wir Zeit dazu haben - aber vorher denke ich, dass wir die Wunden einfach heilen lassen sollten, ich will sie nicht wieder unabsichtlich aufreißen." Wovor hatte er schon mehr Angst als davor, Rain durch seine eigene Unachtsamkeit zu verlieren? Der Wolf wusste es nicht und doch war er derjenige, der plötzlich seine Finger durch blondes Haar streichen ließ, bevor er anfing, zu lachen. "Weißt du, irgendwie fühlt sich das hier ziemlich unecht an." Sie beide hatten Fhaergus verlassen und Rain war hier, mit ihm, auf dem Weg nach Thria - was sonst sollte er auch wollen, wonach sonst sollte er auch fragen?
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    • "Wenn ich bei dir bin, ist mir auch nie kalt...", erwiderte Rain mit einem sanften Lächeln, Egal wie viele Decken er um sich gehabt hatte, egal wie nah am Kamin er gesessen hatte, die Kälte hatte immer einen Weg tief in seine Knochen gefunden, sodass ihm alles weh tat und sein Körper, angefangen bei seinen Fingern steif wurde. Aber mit Nayantai war das nicht so, wenn er ihn im Arm hielt, dann war ihm warm, beinahe schon heiß unter Umständen. Sein Körper war immer warm und strahlte eine ganze andere Wärme aus als es Feuer tat. Es war angenehm und auch ein wenig seltsam, in seinem jetzigen Zustand aber auch sehr hilfreich. Eine Decke alleine würde ihn hier draußen nicht genug beschützen, zumal er die Luft darunter selbst gar nicht aufzuwärmen vermochte. "Mh... aber du bist derjenige der uns Morgen weiter den Berg hinauf bringen muss...", murmelte Rain mit einem seufzen und ließ seinen kleinen Körper gegen Nayantai fallen. Sie sollten beide noch ein wenig schlafen, bevor die Sonne aufging. Eine zierliche Hand griff nach Nayantais, um ihn davon abzuhalten sich selbst wach zu bekommen. Seine Hand hielt die des Wolfes länger als nötig fest. Immer wieder ertappte er sich dabei wie er sich Sorgen um alle machte, die im Anwesen zurück geblieben sind, vor Allem um Sara, die sich selbst in Gefahr gebracht hatte. Sollte ihr etwas zugestoßen sein, konnte Rain sich das selbst niemals verzeihen, das wusste er. Er wusste aber auch selbst, dass es nicht half wenn er immer und immer wieder darüber nachdachte was vielleicht passiert war, wenn er es sowieso nie erfahren würde. Genauso wenig Zeit hatte er jetzt um um seinen Vater zu trauern, dafür musste Zeit sein wenn er und Nayantai in Thria waren, vorerst in Sicherheit. "Hm...", entgegnete Rain mit einem schwachen Lächeln und sah zu Nayantai auf. "Ich glaube... im Moment ist es besser nicht zu viel Zeit zum Nachdenken zu haben..."

      Nayantais Witz zog Rain aus den Gedanken die in seinem Kopf kreisten und er kicherte leise. Was hätte er nur ohne den Wolf getan? So freundlich er Nayantai auch behandelt hatte, das hier, was Nayantai nun für ihn tat, die Schuld konnte Rain wohl niemals begleichen. Er hatte sein Leben riskiert und tat es immer noch, obwohl die Reise mit Rain zusammen nur noch beschwerlicher wurde. Raon war wie ein Kind, vielleicht schlimmer noch, denn ein Kind konnte die kalte Luft wenigstens atmen, ohne jedes Mal einen Stich in der Brust zu fühlen. Rain drückte sein Gesicht gegen Nayantais Brust und hielt sich an seiner Kleidung fest. Ja, irgendwie war er bisher immer wieder aufgewacht, aber wäre er nun allein gewesen, dann wäre er jetzt tot, nicht nur wegen seines schwachen Körpers, sondern weil Rain kaum noch einen Sinn sah weiter zu machen. Mit Nayantai hatte er allerdings einen Grund. "Ich bin sicher du weißt was du tust...", murmelte Rain, er konnte ohnehin nicht viel mehr tun als Nayantai zu vertrauen, denn er selbst wusste von der Welt und wie man darin überlebte rein gar nichts. Die Hand in seinem Haar fühlte sich gut an, alles eigentlich, das ihn von dem Schmerz in seinem Rücken und dem Stechen in seiner Brust ablenkte. "Ja.. Irgendwie hatten wir uns doch gewünscht... gemeinsam nach Thria zu reisen..."