spellbound. (earinor & akira)

    • "Willst du das wirklich?" Rain würde in seine Einzelteile zerlegt worden sein, sobald man gemerkt hatte, dass etwas mit ihm nicht stimmte. War man von Geburt an kränklich und schwach, dann war das meist kein gutes Omen - dann bedeutete es, man sei ohnehin dem Tode geweiht und Nayantai fragte sich, ob er die Blase, in der sich Rain befand, einfach so zerstören konnte. Thria war kein schöner Ort, gleich wenig wie das Leben für jemanden wie ihn dort schön wäre. Hätte man ihn leben gelassen, ja hätte man ihn nach draußen in den Schnee geworfen um zu sehen, ob er wenigstens den eiskalten Temperaturen standhielt und Rain hätte augenblicklich die Fähigkeit zu atmen verloren, dann hätte man ihm seinem Schicksal überlassen. Natürlich war das keine natürliche Selektion, natürlich verbrannte man die sterblichen Überreste einer jeden Wolfsleiche, damit der eingesperrte Geist frei war, aber war das wirklich alles das, was man wollte? Ja, war es denn wirklich Sinn der Sache, sich einfach die aus einem verrottendem Baum herauszupicken, die noch einigermaßen nützlich wirkten? Und was war mit denen, die - so wie Rain - wirklich unter den Wölfen auf die Welt kamen? Nayantai kannte keinen von ihnen, er kannte die kranken Alten, die einst Krieger waren, er kannte diejenigen, die im Alter seines Vaters waren, denen ein Arm oder ein paar Finger fehlten, aber keiner beklagte sich über sie, dafür aber über diejenigen, die von Anfang an nicht mithalten konnten, die schon von Anfang an dem Tode geweiht waren. Er schüttelte den Kopf, strich weiter durch blondes Haar - Rain war kein guter Wolf.

      Womit hatte er das Lamm denn auch verdient? Es ging so zärtlich mit ihm um wie keiner, es fragte nicht, ohne vorher gefragt zu haben, ob es doch ohnehin in Ordnung war, überhaupt zu fragen und es sträubte sich auch nicht dagegen, dem Wolf seine eigene Meinung kundzutun. "Ich glaube, das ist schwer in Worte zu fassen, die du verstehst", sprach der Wolf, der viel lieber dabei zusah, dass Rain sich wohl fühlte, dass es ihm an nichts fehlte, an dem es ihm eventuell hätte fehlen können. Irgendwie, so dumm es auch klang, fühlte er sich für das Wohlbefinden des Lammes verantwortlich, das ihn wieder in die Welt der Lebenden geholt hatte. "Ich weiß, aber ... willst du solche Sachen wirklich von mir lernen?" Nicht, dass er sich grundsätzlich nicht auskannte, es war eher so, dass Nayantai wohl die falsche Person dafür war, dass er selbst wohl einige Schatten hatte, über die er nicht einfach so hinwegspringen konnte. War er es denn leid, atmen zu müssen, existieren und leben zu sollen? "Wie wa- Au!", bemerkte er bestürzt, eher erschrocken über den plötzlichen Biss des Lammes, bevor er sich selbst nicht mehr zu helfen wusste, kurz darüber lachte und Rain sanft über den Rücken strich. "Du bist ganz schön wild!" Aber das störte jemanden wie ihn nicht, schlussendlich war er froh darüber, etwas Leben in das Lamm gehaucht zu haben. "Mh, ich glaube, jetzt habe ich dich verstanden. Ich ... äh ... das hört sich vermutlich dumm an, aber ich glaube nicht, dass es eine kluge Idee wäre, wenn du ... uhm. Mich berührst? Zumindest nicht so, wie ich vorhin."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Nein vermutlich nicht, seit du hier bist frage ich mich nur ob... ob all die Vorsicht wirklich nötig war, ob ich wirklich nicht draußen überleben könnte... ich schätze die Wölfe wären nicht so vorsichtig gewesen und ich wüsste vielleicht mehr von der Welt, wenn ich es überlebt hätte... Nayantai ich würde vielleicht versuchen dich zu begleiten, wenn ich hier nicht Verpflichtungen hätte die mich daran hindern einfach zu verschwinden, oder mein Leben zu riskieren.", erklärte er dem Wolf. Immerhin hatte er sich dem eisigen Wind gestellt und war mit etwas Halsschmerzen und einem hartnäckigen Husten davon gekommen, er hatte kein Fieber bekommen, also vielleicht war die Welt da draußen ja doch gar nicht so schlimm. Er hatte auch etwas Schnee in der Hand gehalten und nichts war passiert, außer, dass seine Finger noch kälter wurden als sie ohnehin schon waren und danach eine Pfütze auf dem Boden zurück blieb. Rain wusste genau, dass sein Körper nicht alles aushalten konnte, das ein normaler Körper aushalten konnte, er wusste, dass er nicht herum laufen, oder springen konnte, aber vielleicht hätte er trotzdem draußen spazieren gehen können, aber das hatte Rains Familie nie zugelassen, niemand wollte das Risiko eingehen, das dem schwachen Jungen ohnehin schon immer kalt gewesen war, selbst im Haus.

      "Hmm...", Rain war nicht zufrieden mit der Antwort die er bekam, aber was sollte er groß tun um das zu ändern? Er war kein Wolf, das wusste er und er war nicht einmal wirklich ein Schaf, also war es wohl schwer ihn zu definieren. "Ich... wenn du... willst? Ich glaube nicht, dass ich noch einmal die Gelegenheit dazu haben werde, aber ich komme wohl auch ohne diese Dinge aus.", erklärte Rain und kicherte leise, als er es geschafft hatte den Wolf tatsächlich zu überraschen, auch wenn er nicht glaubte, dass es tatsächlich weh getan hatte. Er genoss die starke, große hand auf seinem Rücken und schloss vorerst die Augen. "Ich glaube ich verstehe. Du weißt, dass... du das nicht tun musstest, ja?" Rain war noch nie dumm gewesen, er verstand was hinter Nayantais Aussagen steckte und warum er keine Gegenleistung in dieser Form wollte, Rain hätte vermutlich gar nichts sagen sollen, aber so hatte er es ja auch gar nicht gemeint. "Und etwas anderes? Willst du irgendetwas?"
    • "Wölfe ... sind brutal. Ich glaube nicht, dass du ihnen leben wollen würdest", erklärte er, auch, wenn er eigentlich ein anderes Bild seiner Leidensgenossen vermitteln wollte. Nayantai wusste nur zu gut, dass es Rain nichts helfen würde, weiter in den Gedanken über die Vergangenheit oder weiter in seiner Einbildung zu leben - es gab nur das Hier und Jetzt, den Moment den sie miteinander teilten - nichts in dieser Welt wäre dazu imstande, Rain's Vergangenheit zu verändern, gleich wie es unmöglich war, seine eigene auch nur für eine Sekunde zu verbiegen, aufzuzeigen, wo er falsch gelegen hatte. Wie in Stein gemeißelt war ihr Leben, aber der Stein war nicht mehr als ihr Körper, als ihre Knochen, als ihre Haut und jeder einzelne Gedanke, der sich in ihren Köpfen widerspiegelte. "Du musst dich zu nichts von mir zwingen lassen, aber ... du musst dich selbst zu nichts zwingen, weißt du?", erläuterte er dem Lamm, das er einfach so an sich gezogen hatte, mit dem er nun kuschelte und von dem er absolut nicht glaubte, dass er den stürmischen Winden in Thria standhalten könnte, schaffte er es nicht, sich ohne Erkrankung gegen das zu behaupten, was Fhaergus ihm zu bieten hatte. Einerseits war es schade, ja, schade, dass er sein Herz an ihn verschenkte, schade, dass sie beide nicht länger beieinander sein konnten, aber schlussendlich war es zu akzeptieren, dass sie sich lediglich ein einziges Mal begegnet waren - dass das hier reines Zufall, oder auch Glück war.

      Nayantai strich Rain weiter über den Rücken, suchte nach etwas, irgendeiner noch so kleinen Narbe, aber viel eher fand er Knochen die sich unter Haut und wenig Fleisch verbargen, die aufzeigten, wie zerbrechlich Rain wohl war - die ihm zeigten, dass er wohl auch nicht mehr tun konnte, als dem Lamm Schmerzen zuzufügen. "Hmm?", ahmte Nayantai nach, ohne zu wissen, worauf Rain hinaus wollte, ohne zu verstehen, was das hier sollte - wäre es wirklich klug, hierzubleiben? Sollte er sich nicht doch eher zurückziehen, in seinem Bett verkriechen und darauf hoffen, dass sein Leben in dieser fremden Welt nicht mehr lange andauern würde? "Naja, du ... äh ... willst du es dann ... überhaupt?" Im Endeffekt war es schon falsch, hier zu liegen, die Hälfte seiner Kleidung zu tragen, Rain entblößt zu haben - all das war nicht richtig, all das war ohnehin nicht von langer Dauer und bevor irgendjemand herausfand, was genau es war, das zwischen ihnen passiert war, war es ohnehin schon zu spät. "Ja, aber ich wollte es. Ich weiß, dass du mich nicht dazu zwingst", entgegnete er dem Lamm, das er am liebsten nie wieder gehen lassen würde. Rain hatte doch recht, er war ihm zu nichts verpflichtet und doch schuldete er ihm wohl so viel mehr als nur sein Leben. "Ich ... weiß es nicht. Kann ... kann ich ... darüber nachdenken?"
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    • "Du bist doch auch ein Wolf...?", entgegnete Rain, auch wenn er eigentlich verstand was Nayantai meinte. Er hatte ja recht, Rain hatte in Thria genau so wenig einen Platz wie hier, niemand konnte viel mit ihm anfangen und auch wenn er das kalte Wetter in Fhaergus nicht überleben können musste, so gab es noch so viel anderes das ihn immer davon abgehalten hatte irgendwo dazu zu gehören. Bei Nayantai fühlte Rain sich wohl, aber auch zu ihm würde er niemals passen, ganz abgesehen von dem Krieg der zwischen ihren Völkern tobte, wo würden sie denn einen gemeinsamen Nenner finden? Nayantai mochte diese steinernen Wände nicht, er wollte frei sein, in der Natur, aber Rain konnte nirgendwohin er konnte hier niemals weg. "Das tue ich nicht...", seufzte er, jegliche Ideen in diese Richtung waren wohl töricht, er war es ja auch gewesen der Nayantai gesagt hatte, er solle sich diese Ideen aus dem Kopf schlagen, nun war Rain es selbst der wieder darüber nachdachte, den Wolf einfach zu begleiten, obwohl er es vermutlich nicht einmal bis zur Grenze von Fhaergus schaffte.

      "Nichts, schon gut.", erklärte Rain, Nayantai konnte nicht erklären was er meinte und Rain konnte nicht sagen was genau ihn störte, stattdessen lag er hier und ließ sich von Nayantai streicheln, der bestimmt ganz andere Körper in seinen Armen gewohnt war. "Ich lerne gerne Neues.", antwortete er dem Wolf und schloss langsam die Augen, er war müde und irgendwie fühlte er sich nun schlecht, dass er Nayantai nichts bieten konnte, auch wenn es zu einem großen Teil daran lag, dass er einfach nicht dazu bereit war, nach dem was ihm passiert war. Das war vermutlich der ganze Grund und doch konnte Rain die Selbstzweifel die an ihm nagten nicht abschütteln. "Okay gut.", lächelte er noch, solange Nayantai sich wohl fühlte und nicht glaubte, dass er Rain bei Laune halten musste war doch alles in Ordnung. Rain schob seinen eigenen Arm unter seinen Kopf und machte es sich etwas bequemer. Sollte er sich etwas anziehen, oder reichte die Decke und Nayantais Nähe um ihn warm zu halten? Rain wollte eigentlich gar nicht aufstehen und schon gar nicht unter der Decke hervor kriechen. "Natürlich kannst du das." Nayantai schuldete ihm keine Antwort, er konnte sich Zeit lassen, vielleicht konnte er ihm auch einfach noch etwas nützliches für seine Reise besorgen. Vorerst drehte Rain sich um, mit dem Rücken zu dem Wolf und drückte sich so an ihn, während er seinen Körper zu einer Kugel formte. Jetzt fehlte nur noch Nayantais Arm der sich um ihn legte, aber Rain traute sich nicht darum zu bitten.
    • "Ja, aber das hat damit nichts zu tun." Nayantai war auch ein Wolf, das war klar, aber er war noch lange nicht wie diejenigen, vor denen sich die Schafe so zu fürchten schienen - noch lange nicht wie diejenigen, die ihn aufgezogen hatten. Viele der Wölfe, die in Thria weilten, ließen nicht nur kein gutes Haar aneinander, sondern hatten jeglichen Sympathien zu den Schafen schon vor Jahren abgeschworen. Ach, war es denn nicht ein Wunder, dass sie sich noch nicht gegenseitig in ihre Einzelteile zerlegt hatten? Vielleicht wäre es auch gar nicht so dumm gewesen, sich einfach dort, am Eismeer, zu verschanzen und ihr einsames, tristes und trostloses Leben mit einer geballten Ladung Hass weiterzuleben - denn etwas anderes, das fiel selbst dem Kronprinzen nicht ein, der nun hier liegen konnte und stolz von sich behaupten konnte, sogar einen Fürsten des Feindes bezirzt zu haben. "Ich meine nur, dass du dich nicht zu sehr in etwaigen Gedanken verstricken solltest", stellte der Wolf klar, der schlussendlich nicht für den Tod seines Geliebten - ja, konnte er Rain denn so nennen? - verantwortlich sein wollte. Irgendetwas würde ihn dahinraffen, ob es nun die Einsamkeit, sein eigener Körper oder der kalte Winterwind war, egal was, das hier fühlte sich wie das erste und letzte Mal an, dass sie sich trafen.

      "Mhm." Nayantai hatte gelernt, nicht zu hinterfragen, aber irgendwie fühlte sich ebendas in so einem Moment fast schon falsch an. Sollte er Rain nicht fragen, wie es ihm ging, oder ob er sich nicht doch irgendetwas von der Seele reden wollte, das ihn plagte? Nun, dafür war es doch ohnehin schon zu spät und im Nachhinein Dinge zu bereuen lag nicht in der Natur des Wolfes, das sollte es auch gar nicht. "Ich nehme dich beim Wort", flüsterte Nayantai, der nicht mehr vorhatte, das Lamm unsittlich zu berühren - ehrlich gesagt fühlte er sich heute zu ausgelaugt dafür und ob er morgen überhaupt in Stimmung dazu wäre, nun, das war eine absolut andere Frage. Viel lieber ließ er Rain den Freiraum, sich zu drehen und zu wenden, die Position in der er sich befand zu verändern - er wollte ihn nicht krankhaft an einem Platz festhalten, oder dafür sorgen, dass er sich ausgerechnet durch ihn unwohl fühlte. Rain gehörte genau so ihm, wie er dem Lamm gehörte und schlussendlich ... wieso sollten sie das nicht zum Ausdruck bringen können. "Ich habe eine Idee, aber ... ich glaube nicht, dass du dich darauf einlässt", kicherte der Wolf, bevor er seinen Arm wieder um das Lamm schloss und seinen Rücken an sich drückte. "Willst du schlafen? Ist dir warm genug?" Vielleicht sollte er wirklich aufstehen, mehr Scheite in das Feuer legen und die Tür verschließen, aber hielt er das wirklich aus?
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    • "Ich verstehe.", murmelte Rain, auch wenn er es eigentlich nicht tat, sonst hatte der Wolf nur Gutes für sein Volk übrig gehabt, auch wenn die Wölfe etwas wilder zu sein schienen als die Schafe, ganz generell. Rain gehörte dort allerdings nicht hin, das verstand er, Nayantai aber sehr wohl, es war seine Heimat und er würde sie eines Tages regieren. Dass sie sich ausgerechnet ineinander verliebt hatten war wohl das Schicksal, das sich einen Scherz mit ihnen beiden erlaubte, dass sie für ein paar Wochen in Sicherheit wog, nur um sie dann wieder auseinander zu reißen, vermutlich würden sie sich nie wieder sehen. "Mhm. Ich weiß, ich bin ich und ich bin hier.", erklärte Rain, auch wenn er manchmal wirklich nicht er selbst sein wollte und endlich einmal woaners als in diesem alten Gemäuer in dem niemand mehr übrig war außer er und all seine Bediensteten. Vermutlich würde er sich noch mehr allein fühlen als zuvor, sobald Nayantai gegangen war.

      "Was ist es denn?", wollte Rain wissen, der versuchen würde Nayantai jeden Wunsch zu erfüllen, es mangelte ihm nicht an Vertrauen, es waren eher andere die es zu überzeugen galt, wenn Nayantai etwas außergewöhnliches, oder mehr Freiheit verlangte, allerdings hatten hoffentlich auch die anderen hier gesehen, dass er keinem etwas tat, er ging lediglich der Arbeit nach die man ihm gab, so wie jeder andere auch. "Mhm ja, ich bin müde, tut mir Leid...", murmelte Rain der bereits seine Augen geschlossen hatte, sich aber trotzdem freute, dass der Wolf seinen Arm um ihn legte und ihn an sich drückte, es war bequem so. Nayantais warmer Körper spendete auch Rain Wärme, genug davon. "Mir ist warm genug, solange du hier bleibst, keine Sorge.", schmunzelte er, er brauchte sich wirklich nichts über zu ziehen, solange er in Nayantais Armen und unter der Decke lag.
    • Nayantai wusste, dass es vermutlich besser wäre, würde er seinen Mund alsbald halten. Was brachte es ihm auch, weiter darüber zu philosophieren, ob Rain im Land der Wölfe nun überleben würde? Er war als Schaf geboren und das war gut so - zumindest bildete er sich das so ein, einfach und allein deshalb, weil es schlussendlich weniger Sinn machte, sich auf andere Dinge zu fokussieren. Auf Wahrscheinlichkeiten, die nie eintrafen und auf Ideen, die schon so oft ins nichts geführt hatten, bevor sie einander überhaupt kannten. So dumm es vermutlich auch klang, es war töricht zu glauben, dass es irgendetwas an ihrer Situation änderte. Wäre Rain ein Wolf, dann wäre Nayantai nie hier gelandet, wer wusste, ob er dann überhaupt jemals den Kerker verlassen hatte, ob er noch leben würde, ob man genau so nett zu ihm sein würde - oder ob er sein geliebtes Lamm überhaupt kennengelernt hätte, wenn es tagein und tagaus nur in seinem Zelt gehockt hätte, in dem es wohl oder übel die einfachsten Arbeiten verrichtet hätte. "Und trotzdem will ich dich mitnehmen", seufzte der Wolf, der sich irgendwann auch geschlagen geben musste, der aufhören sollte, an falschen Idealen festzuhalten und darauf zu hoffen, dass es auch nur irgendeinen Sinn ergeben würde, das Lamm nach Thria zu entführen. Was wohl passieren würde, wenn er Rain doch mitnahm?

      "Naja", fing er an, nicht wissend, wie er dem Blonden unterbreiten sollte, worüber er nachgedacht hatte. Nayantai wusste viel, aber manche Dinge machen selbst ihn ratlos, so wie der Zustand des Lammes, oder das Verhalten von ihnen beiden, das manchmal fast apathetisch wirkte, wenn man nicht genau darüber nachdachte. "Ich dachte mir, dass ich dich vielleicht mit nach draußen nehmen könnte? Für einen Moment? ... Nur ein Schritt", erläuterte der Wolf dem Schaf, das sich nun in seinen Armen befand. Natürlich hätte er Rain auch dazu zwingen können, mit ihm nach draußen zu gehen, ihn dazu anhalten können, dass es offensichtlich das Einzige war, was er wollte, aber er wusste genau so gut, dass sie sich beide das nicht zutrauten, das keiner von ihnen dem Anderen Schmerzen zufügen wollte, die schlussendlich nicht mehr vergingen. "Du musst dich nicht entschuldigen, ich bin auch müde", antwortete der Wolf, der selbst eigentlich nur darauf hoffte, einen einigermaßen ruhigen Schlaf zu haben. War es denn überhaupt wichtig, wie es ihm ging, wenn er sich um Rain zu sorgen hatte? Nun, das wusste er auch nicht, schließlich waren sie beide wichtig füreinander - wenn er nicht funktionierte, wie ginge es dem Lamm dann, das sich an ihn klammerte? "Ich habe nicht vor, zu gehen", lachte Nayantai, der ebenfalls die Augen schloss. "Soll ich still sein?"
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    • "Und auf mich aufpassen.", ergänzte Rain mit einem schwachen Lächeln. Eigentlich wäre das, selbst wenn er es überleben würde und er hier keine Verpflichtungen hätte, nicht das was Rain wollte, er wollte noch nie jemandem zur Last fallen, aber genau das würde er tun, wenn Nayantai ihn mit nach Thria nehmen würde. Die Hälfte des Weges würde Rain vermutlich nicht einmal auf seinen eigenen zwei Beinen schaffen, nicht wenn sie nicht ein ganzes Jahrzehnt brauchen wollten. In Thria selbst würde er vermutlich ständig krank sein, wenn er nicht sofort starb und er konnte nicht einmal irgendetwas nützliches, außer den Wölfen eventuell die Sprache der Schafe übersetzen, aber das konnte Nayantais Vater ja scheinbar auch und Nayantai selbst war auch in der Lage dazu, einigermaßen zumindest. Rain konnte weder Nähen, wie er dem Wolf schon gebeichtet hatte, noch kochen, noch sonst irgendetwas das da draußen einen Wert besäße. Selbst wenn Nayantai das alles nichts ausmachte, so würde er von den anderen Wölfen bestenfalls belächelt werden, wenn sie nicht gar versuchten ihren Prinzen von Rain zu befreien, da brauchte es ja nicht viel dazu um das zu bewerkstelligen.

      "Nach... draußen?", fragte Rain als hätte er nicht verstanden, aber das hatte er sehr wohl. Eben noch hatte er selbst darüber nachgedacht da raus zu gehen und auf einmal zog sich sein Magen zusammen, nur weil alles auf einmal real wurde. Einen Schritt... logisch betrachtet sollte doch nichts passieren und wenn sie sich einen sonnigen Tag aussuchten, was war mehr dabei als das eine Mal vor dem Fenster durch das der kalte Wind gepeitscht hatte? Ob er nun dort stand oder tatsächlich vor einer Tür durfte keinen Unterschied machen und Rain war nicht gestorben, dennoch machte ihm das wesentlich mehr Angst als eventuell noch einmal vor dem Fenster stehen zu bleiben, wenn er es auch sonst nie aufmachte, oder sich daneben vor dem Wind schützte. "Ich... werde darüber nachdenken, ja?", antwortete er, er war nicht sicher ob er das wirklich konnte und wollte. Außerdem musste auch das geplant werden, sonst dachte man noch Nayantai war dabei Rain tatsächlich und absichtlich umzubringen. Statt noch etwas zu sagen zog er Nayantais Arm enger um sich wie eine Decke, froh darüber, dass er heute Nacht heir war und hier bleiben würde. "Nein, du musst nicht still sein, wenn du noch reden möchtest.", lächelte Rain und hängte ein kurzes Kichern an. Er konnte nicht versprechen wach zu bleiben, aber er würde es versuchen, wenn Nayantai noch etwas zu erzählen hatte.
    • "Aber das stört mich nicht", warf er dem Lamm als Antwort entgegen, wohlwissend, dass es vermutlich dumm war, genau das zu sagen. Rain wusste wohl gar nicht, was er mit sich selbst anzufangen hatte, geschweige denn wofür er in Thria überhaupt nützlich wäre und Nayantai wusste, dass er ihm so vieles zeigen konnte, aber dass ihm das Wenigste davon wirklich helfen würde. Schlussendlich wäre er wohl an das Feuer im Zelt und an die Wärme in besagtem Zelt gebunden, an ihn, der andere Dinge zu erledigen hatte - und allgemein bedeutete es, kehrten sie beide in Nayantais Heimat zurück, dass es vollkommen idiotisch wäre, überhaupt noch zu glauben, sie kämen dazu, Zeit an der Seite des jeweils anderen zu verbringen. "Du lernst doch gerne, nicht? Ich kann dir in Thria auch einiges beibringen!", stieß er aus, in einem Versuch, die bereits säuerliche Stimmung wieder auszubügeln, die Wogen zu glätten, die sich geformt hatten und Rain daran zu erinnern, dass nichts von seinen Zielen unmöglich war. Nayantai selbst wusste, dass keiner von ihnen beiden ein langes Leben haben würde, aber so war es nun einmal und sonderlich kümmerte es ihn auch nicht - so lange sie beieinander sein konnten war es doch egal, oder nicht? So störten sie keinen sondern hatten Zeit füreinander und wenn das hieß, dass er jeden Winter einen Umweg machen musste, um das Lamm für ein paar Wochen zu besuchen, dann störte ihn das auch gar nicht groß. Insofern er einen bestreitbaren Weg fand, der nicht in seinem Tod endete - das war der einzige Nachteil.

      "Ja, nach draußen", gab Nayantai zurück. Hatte Rain ihn nicht verstanden? Musste er dem Lamm nochmals erklären, was er gemeint hatte? Nein, ansonsten hätte der Blonde wohl anders gefragt, aber der Wolf wusste, dass es dumm war, überhaupt danach zu fragen. Er wollte Rain zu nichts zwingen, ihn nicht dazu auffordern, über seinen Schatten zu springen und den ersten Schritt zu tätigen, vor dem er sich so fürchtete. Irgendwo, wenn auch nicht vollkommen, konnte er das Lamm verstehen - Rain war sich selbst seiner Vergänglichkeit bewusst und Nayantai war derjenige, der selbst dem Tod zu trotzen wusste, der bis jetzt lediglich tiefe Kerben in seinem Körper trug, der sich immer wieder dagegen gesträubt hatte, einfach aufzugeben. Womöglich war das Lamm der Punkt für ihn, der ihn darin bestätigte, dass nichts für die Ewigkeit war, dass es vollkommen in Ordnung war, einfach aufzugeben, sobald man sich nicht mehr danach fühlte - und vielleicht erreichte er diesen Punkt, wandte er sich von der Leiche des Lammes ab. "In Ordnung - aber ich will dich zu nichts zwingen, ja?", versicherte Nayantai ihm nochmals, wohlwissend, dass er vermutlich auf taube Ohren stieß. Wen kümmerte das schon? Beinahe schon bestätigend drückte er das Lamm etwas fester an sich, damit es sich nicht so schlecht fühlte, wie es das gerade tat. "Mh, willst du denn irgendetwas hören? Soll ich dir etwas erzählen?" Er selbst hätte auch nichts dagegen, würde Rain einfach schlafen wollen.
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    • "Wirklich?", wollte Rain wissen und fragte sich ob der Wolf wohl anders gedacht hätte, wenn ihm nicht widerfahren wäre, was ihm widerfahren war. Wäre er dann auch einer dieser Wölfe gewesen, die lieber gesehen hätten, dass Rain sein eigenes Leben nahm, damit er niemandem zur Last fiel? Und ein jedes Schaf hätte er vermutlich getötet, das hatte er ihm ja bereits einmal gesagt. Rain wollte nicht denken, dass Nayantais Erfahrung auch etwas Gutes hatte, aber andernfalls hätten sie sich vermutlich niemals kennen gelernt. "Ja, du kannst mir zeigen wie man näht, oder kocht... oder was man sonst so braucht.", lächelte Rain. Es war seltsam, er hatte so vieles gelesen und so vieles gelernt und dennoch konnte er nichts davon in der Welt da draußen brauchen. Was brachte es schon die Stammbäume aller Fürstentümer zu kennen, oder den Ausgang einer jeden Schlacht die im Königreich stattgefunden hatte? Was nützte es ihm über die menschliche Anatomie bescheid zu wissen, oder über Tiere im Süden die so gänzlich anders waren als hier? Wozu wusste er, aus welchem Material die Fürstentümer ihre Schiffe bauten, oder bei welchem Material Stahl erhitzt werden musste, um eine Waffe zu schmieden, nichts davon würde ihm jemals helfen.

      "Ich weiß. Es ist nur... es gibt sicher auch etwas das deine Eltern dir immer verboten haben, weil es gefährlich ist? Obwohl... du wirkst eher wie jemand, der es dann erst recht macht. Ich glaube nicht wirklich, dass ich sterben würde, nur weil ich einen Schritt vor die Tür mache, immerhin habe ich den kalten Wind am Fenster auch überlebt und es macht dann kaum noch einen Unterschied. Ich weiß das alles, aber ich habe trotzdem Angst.", erklärte er und stellte sich vor dort draußen zu stehen, eine Hand voll Schnee zu nehmen und Nayantai entgegen zu werfen... er hätte immer gerne eine Schneeballschlacht gemacht, auch wenn er vermutlich verlieren würde. Er war eigentlich viel zu alt für sowas, aber das war ihm egal. Aber was würde es bedeuten, wenn er da raus ging und nichts passierte? Sein ganzes Leben würde in einem anderen Licht dastehen, alles was er erlebt hatte wäre vielleicht niemals nötig gewesen, wollte er das wirklich wissen, oder weiter daran glauben, dass alles so richtig war, wie es geschehen war? "Hast du denn etwas zu erzählen?"
    • "Wieso auch nicht?", warf der Wolf ein, der sich nicht unbedingt sicher war, warum Rain glaubte, dass Nayantai nicht auf ihn aufpassen würde. Gehörte das nicht ohnehin zu seinen Aufgaben? Natürlich, er konnte nicht immer auf das Lamm achtgeben, er konnte sich lediglich darum bemühen, dass es jemand im Blick hatte, aber nicht mehr. Sobald er wieder Zuhause wäre, auch wenn er Rain mit sich mitnahm, was brachte ihm all das? Schlussendlich waren sie aneinander gebunden, aber das hieß noch lange nicht, dass man ihn leben ließ oder dem Schaf das eigene Leben, die erwartete Freiheit schenken wollte. Zugegeben, vielleicht war es auch dumm zu glauben, dass sie beide einfach friedlich miteinander leben konnten, vor allem in Thria, aber Nayantai wollte an diesem Stück Hoffnung festhalten und mehr als nur für eine Sekunde darauf aufbauen, dass er und Rain doch noch beisammen sein konnten. "Mhm, werde ich!", lachte der Wolf, der vielleicht doch etwas anderes erwartet hatte. Nun, behauptete er erst, das Lamm gehöre ihm, dann würde es doch wohl auch keinen stören, wenn er sich in dieser Behauptung festklammerte und weiterhin davon ausging, dass sich nicht alles in dieser Welt um ihn drehte, oder aber doch? Sie beide wussten zu wenig voneinander, aber zu viel über das jeweils andere Volk, nur, damit sie schließlich herausfinden konnten, das kaum etwas davon stimmte.

      "Ich ... kann deine Angst nicht ganz verstehen, aber, Rain, ich will dich zu nichts zwingen und wenn du etwas nicht möchtest, dann werde ich auch nicht darauf beharren", erklärte er dem Lamm, dem er erneut über den Rücken streichen wollte, aber stattdessen kuschelte er sich nur an es heran, ließ seine Hand dort wo sie war und drückte ihn schließlich. "Lass dir Zeit, selbst, wenn die wenigen Wochen, die wir haben, nicht lange genug für dich sind, das heißt nicht, dass ich nicht wiederkomme - wir haben alle Zeit der Welt", log der Wolf mit einem Lächeln auf den Lippen, wohlwissend, dass eine Reise in seine Heimat eine Reise ohne Wiederkehr sein würde. Machte er sich alleine auf den Weg dorthin, fand seinen Weg über die Grenze und kam mit kaum bis gar keinen Verletzungen bei seiner Familie an, dann hieß das noch immer nicht, dass man ihn leben ließ - und würde man es tun, dann auch nur so lange, wie er für sein Heimatland von Nutzen war, damit er alsbald denjenigen im nächsten Leben beiwohnen konnte, die schon lange nicht mehr existieren. Ein kalter Schauer jagte über seinen Rücken, ehe er seine Nasenspitze gegen Rains Nacken drückte. "Ich tue, was ich will - ich bin ja nicht umsonst Kronprinz. Ich glaube nicht, dass ich mir von meinem Vater irgendetwas habe vorschreiben lassen, an das ich mich gehalten habe." Zu viel gab es, das er dem Lamm darüber erzählen konnte, aber was eignete sich gut als eine Geschichte zu so später Stunde? "Ich weiß nicht was. Ich meine, ich habe mich noch nie an irgendetwas gehalten - wenn meine Mutter meinte, ich soll etwas nicht tun, dann war es mir egal - auch, wenn ich dann einfach aus einem Baum gefallen bin, oder mir mehr als nur die Knie aufgeschürft habe."
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    • "Du hast bestimmt auch andere Pflichten, andere auf die du aufpassen musst.", lächelte Rain, zum Beispiel kleine Welpen die nur Unsinn im Kopf haben. Auf Rain aufzupassen war vermutlich nicht so schwer, er rannte ohnehin nicht umher und würde sich vermutlich selbst wenn er es einmal überlebt hatte, kaum nach draußen in die Kälte trauen. Was würde wohl passieren wäre Rain dort und Schafe fanden ihn samt der ganzen Wölfe? Würden sie denken er wurde entführt? Würde Rain sie das glauben lassen? Vermutlich nicht, er würde sterben während er davon erzählte, dass die Wölfe eben keine Monster waren. Sollte Nayantai ihn jedoch wirklich mit nehmen, dann würde Rains Vater wohl keinen Stein mehr auf dem anderen lassen und keinen Wolfskopf auf den Schultern, bis er ihn gefunden hatte. Sein Vater mochte nicht viel von ihm halten, aber Familie war ihm immer wichtig gewesen.

      "Ich weiß. Es ist nicht so, dass ich nicht will, es ist nur schwer mich dazu zu überwinden.", erklärte Rain. Seine Angst war vermutlich irrational, also war es kein Wunder, wenn Nayantai es nicht verstand. Wie viel Zeit er dazu wirklich hatte war fraglich, vielleicht konnte er sich zumindest dazu durchringen, wenn er Nayantai verabschiedete. Und wenn er dann einmal draußen war, was dann? Wollte er dann mehr, wollte er immer weiter gehen? War das überhaupt möglich? Was sein Vater wohl dazu sagen würde? Rain zuckte zusammen als er Nayantais kalte Nase an seinem Nacken fühlte, aber es war durchaus angenehm. "Gar nichts?", wollte Rain wissen, er war das genaue Gegenteil, er hatte bisher immer getan was man von ihm verlangt hatte, auch wenn es nicht viel war. "Also hatte sie im Nachhinein doch recht?", schmunzelte Rain und fragte sich ob Nayantai das überhaupt zugeben wollte.
    • "Na und? Was ist, wenn ich auf dich aufpassen will? Ich noch immer der Kronprinz von Thria, ich mache meine eigenen Regeln!", lachte der Wolf, der so vieles wusste, aber keinerlei Anstand besaß und dieses Wissen teilte. Nayantai wusste, ja bildete sich ein, er würde an irgendeinem Punkt verstehen, was Rain tat, würde herausfinden können, wieso er sich so hingezogen zu ihm fühlte, oder weswegen er sich dermaßen dazu verpflichtet fühlte, dem Lamm etwas Gutes zu tun, sobald es auch nur in seiner Nähe war. Oftmals waren es die vielen Fragen, die er sich unnötigerweise selbst stellte, die irgendwann auch einen Sinn ergaben - aber bis dahin war es ein langer Weg und die fehlende Hoffnung, die ihn daran zweifeln ließ, dass er wohl doch imstande war, etwas zu erreichen, wenn er nur darüber nachdachte. "Und selbst wenn, es gibt genug Wölfe, die hier und da auch ein Auge auf dich haben können - ich bin mir sicher, dass dir nicht alle von ihnen feindlich gesinnt sind, geschweige denn, dass sie dich ignorieren", erläuterte er, strich durch blondes Haar und hoffte für einen Moment, Rain würde doch noch Gefallen an dem Vorschlaf finden, mit ihm in ein sterbendes Land zu kommen, damit sie beide mehr als nur ein paar Erinnerungsfetzen voneinander hatten.

      "Deswegen meine ich, lass dir Zeit und lass dich zu nichts zwingen - von Niemandem", gab Nayantai wieder. Vermutlich verlangte keiner von Rain, einfach nach draußen zu gehen, den Komfort und die schützenden vier Wände seines Zuhauses zu verlassen, außer der Wolf, der nicht wollte, dass ein krankes Lamm starb, ohne auch nur einmal einen Fuß über die Türschwelle gesetzt zu haben. Kannte Rain denn irgendetwas anderes außer die Welt hinter den steinernen Mauern, die dem Wolf so gänzlich fremd war? "Naja, nicht gar nichts. Aber nicht an vieles. Ich war ein ziemlich wildes Kind - wenn ich mich an Regeln gehalten hab', dann war das schon ein Wunder!" Wie oft hatte man ihm denn gesagt, er sollte sich nicht einfach Hals über Kopf in einen der Flüsse werfen, ohne vorher nachzudenken? Oder wie oft hieß es, er solle nicht einfach losrennen und einem wilden Tier hinterherjagen, wenn er überhaupt nicht wusste, worauf er sich einließ? "Meine Mutter ... ja, meistens. Eigentlich fast immer! Ich weiß noch, wie wütend sie auch mich war, nur, weil ich mich mit meinen Freunden getroffen habe. Vielleicht hätte ich ihr doch etwas sagen sollen, bevor ich einfach losspaziert bin und weg war."
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    • "Ich glaube so viel muss man gar nicht auf mich aufpassen. Wenn ich eure Sprache besser gelernt habe, dann könnte ich mich vielleicht an der Schrift versuchen, während du keine Zeit für mich hast. Wenn ich nicht ohnehin mit anderen Dingen beschäftigt wäre.", erklärte Rain mit einem Lächeln. Er konnte sich das Leben der Wölfe vermutlich kaum richtig vorstellen. Rain hatte immer genügend Zeit für dich gehabt, natürlich musste er arbeiten, aber er konnte Abends auch einfach mal etwas lesen, oder es sich etwas länger in der Badewanne bequem machen. Er musste nicht selbst kochen, oder sein Bett machen, bei den Wölfen wäre alles ganz anders und Rain war nicht sicher, ob er damit zurecht kommen würde. Was wäre außerdem erst wenn er mehrere Wochen krank war, oder immer und immer wieder krank wurde? Würde sich tatsächlich jemand um ihn kümmern können, so wie hier? Er hatte seinen Arzt und immer jemanden der auf ihn acht gab, nur für den Fall, in Thria wäre das wohl anders.

      "Mach ich nicht."
      , lächelte er, wurde er überhaupt jemals zu irgendetwas gezwungen, außer in diesen vier Wänden zu bleiben? Überhaupt das? Man hatte ihm als Kind schon gesagt es war gefährlich und somit hatte er kaum darüber nachgedacht es doch zu wagen. "Das wundert mich nicht.", kicherte Rain und schüttelte leicht seinen Kopf. "Das schlimmste das ich angestellt hab, war das ich mich früher oft in die Küche geschlichen habe, um mir einen Keks zu holen. Solange Judith nicht dort war, habe ich auch meistens einen bekommen und selbst sie war mir nicht wirklich böse." Im Gegenteil, man war hier immer noch froh darüber, wenn Rain überhaupt etwas in seinen Magen bekam, da war es schon egal ob es ein Keks war, oder eine vernünftige Mahlzeit. Früher jedoch hatte er auch noch mehr gegessen, trotzdem war er immer schon dünn gewesen und das würde sich vermutlich auch nicht ändern. "Sie hat sich bestimmt Sorgen gemacht.", stellte Rain kopfschüttelnd fest. Er fragte sich was sein Vater davon gehalten hätte, wenn Rain ein wenig mehr wie Nayantai gewesen wäre...
    • "Hmm, das heißt wohl, ich muss dich wirklich mitnehmen, huh?", lachte der Wolf, der nur zu gerne sehen wollte, wie Rain sich in seiner Heimat schlagen würde. Thria war kalt, eine Eiswüste, die selten taute - und wenn doch, dann waren diese Gebiete wohl auch das Erste, das die Schafe ihnen genommen hatten. Nayantai konnte nur mutmaßen, was genau es war, das seine Leidensgenossen machten, um nicht dem Hunger zum Opfer zu fallen - aber in Wahrheit wusste er auch das nicht. Genau genommen war es wohl auch dumm, Gedanken daran zu verschwenden und nicht darüber nachzudenken, wie oder wann es sinnvoll wäre, einfach aufzugeben. Hier, in Adrestia, wusste kaum jemand genau, wer er war - für sie war er ein Wolf, ein Biest ohne Anstand, Manieren oder klare Gedanken - musste er denn mehr als das wissen, mehr als das können? Wonach sehnte er sich, wenn nicht seiner eigenen Freiheit, die er hier nie erreichen würde? Gut, zugegebenermaßen redete er sich vermutlich auch genug ein, so viel war auch ihm klar. "Allerdings glaube ich, dass du dich ziemlich gut integrieren würdest!" War das eine Lüge, oder meinte er das wirklich ernst? Wenn sie Rain nicht gleich von Anfang an zerfleischten, vielleicht hatte er dann ja wirklich recht.

      "Gut!", ließ der Wolf verlauten. Was war daran nochmal gut? Zu wenig, als dass er sich wirklich Gedanken darüber gemacht hatte, vermutlich. "Schätzt du mich wirklich so ein?" Nicht, dass Rain Unrecht hatte. Sich an Regeln zu halten war noch nie etwas gewesen, das er gerne, geschweige denn voller Freude getan hatte - dementsprechend lag es umso näher, dass er sich gar nicht erst dafür interessierte, etwaige andere Dinge zu akzeptieren. "Wir haben gar keine Kekse, aber ... ich glaube, das Schlimmste, das ich jemals angestellt habe, war ... hm. Es gibt so viele Dinge, die ich angestellt habe", brummte der Wolf, der nicht sonderlich zu erklären wusste, was genau es war, das ihn plagte. War es, als er Dayan in einen Fluss gestoßen hatte? Oder doch eher, als er sich selbst in das Eismeer geschmissen hatte? Vielleicht aber auch, dass er glaubte, sich mit einem Bären messen zu können, oder mit einem echten Wolf. Oder war es dann doch, dass er sich nicht an die Regeln hielt und sich lieber gegen die Alten auflehnte, nur um Narben davonzutragen? "Ja, aber jetzt muss sie das zumindest nicht mehr", seufzte er. Seine Mutter war tot, seine Brüder waren tot - einzig sein Vater und seine Schwester lebten, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Und er? Nun, er glaubte, er wäre schon lange tot. "Aber weißt du, ich erinnere mich gerne daran. Damals war es um einiges ruhiger in Thria und ich um einiges wilder!"
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    • Rain griff nach Nayantais Hand und drückte sie einmal fest. Wo auch immer, er wäre gern bei Nayantai, aber solange er selbst nicht nur irgendein junger Mann aus Adrestia war, sondern ein angehender Fürst, der seinen Vater eines Tages ablösen musste, solange konnte er hier nicht einfach weg und genau so wenig konnte der Kronprinz der Wölfe wohl auch nicht einfach für immer verschwinden, auch wenn er es gerne wollte. Sie waren beide in ihren Rollen gefangen und alles das existierte schien sie davon abhalten zu wollen, zusammen zu bleiben. Selbst wenn es keinen Krieg mehr gab, wäre es undenkbar, dass der Kronprinz der Wölfe und ein Fürst aus Adrestia zusammen sein konnten. Damals vor dem Krieg hatte man diese Neigungen der Wölfe wohl einfach ignoriert, es war den Schafen egal gewesen, was die Wölfe in ihrem eigenen Land taten, aber ein Schaf musste sich an Adrestische Regeln halten und hatte einzuhalten, was von ihm erwartet wurde. Und auch wenn dieses Hindernis nicht wäre, so würde eine Hochzeit zwischen einem Fürsten und dem zukünftigen König der Wölfe nicht möglich sein, weil es die Erbfolge durcheinander bringen würde und weil kein Schaf jemals gewollt hatte, dass ein Wolf anrecht auf ein Stück Land in Adrestia hatte.

      "Meine Mutter hat eigentlich nie mit mir geschimpft, as haben andere übernommen, aber auch da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich frage mich trotzdem, was unsere Mütter davon halten würden, dass wir zwei...", Rain seufzte leise, sie beide hatten ihre Mütter verloren, wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise. Rain war sich sicher, dass sein Vater das hier nicht gut heißen würde, womöglich verbannte er ihn am Ende sogar, sollte der Fürst von Fhaergus herausfinden, dass er das Bett mit einem Wolf, seinem Feind, geteilt hatte. Rains Mutter allerdings... "Ich glaube meine Mutter hätte dich nicht davon gejagt. Ich glaube sie wäre froh, dass wir uns verstehen und sie hätte dich ebenso wenig in einen dunklen Keller gesperrt. Ich glaube ich komme mehr nach ihr, als nach meinem Vater..." Wer war sein Vater überhaupt? Rain wusste immer noch nicht, warum er Nayantai hier her gebracht hatte, warum er ihn in Rains Obhut gegeben hatte und was er von ihm erwartete. Es hatte keine einzige Erklärung dazu gegeben, er war verschwunden, bevor Rain ihn etwas fragen konnte. Wie hatte er ihn überhaupt in seine Finger bekommen? Wieso hat der König Nayantai gehen lassen, mit dem Fürsten von Fhaergus? All das machte keinen Sinn für Rain, egal wie lange er darüber nachdachte. Rain drehte sich langsam auf den Rücken um Nayantai wieder ansehen zu können, in die dunklen Augen in die er sich scheinbar verliebt hatte. Eine Hand landete auf der Wange des Wolfes und strich sanft über seine Haut. Rain wollte nicht mehr einfach nur herum sitzen und seinem Vater alles überlassen, er wollte bei diesem Krieg nicht weiter zu sehen. Er wollte, dass Thria der Ort wurde, den Nayantai noch aus seiner Kindheit kannte und er war entschlossen dafür zu arbeiten, auch wenn er noch nicht genau wusste wie. Eines Tages konnte er ihn dann womöglich wirklich in Thria besuchen.
    • Sich selbst aufzugeben war weder klug, noch zeugte es davon, dass er gewillt war, sein Leben für Rain auf's Spiel zu setzen. Gut, im Grunde war es ohnehin nicht mehr möglich, dieses verkorkste Leben seiner selbst überhaupt noch weiterhin zu führen, aber Nayantai machte es immer weniger aus, ein anderer Mensch zu sein - er konnte nicht sagen, dass er sich selbst liebte, dass er sein eigenes Leben mochte, aber im Endeffekt gab es auch keinen Ausweg mehr. Schließlich war er nicht aus Zufall zu demjenigen geworden, der er heute war, auch, wenn er noch immer derjenige sein konnte, vor dem sich die Schafe fürchteten - jemand, der sich wohl gar nicht erst für sein eigenes Leben interessierte, oder gar darüber, was er damit anstellte. Alles wäre ihm recht, so lange er jedem einzelnen Schaf den Kopf von der Schulter reißen konnte, seine Gewänder in ihr dunkles, verseuchtes Blut tauchen musste und sich selbst dabei zuzusehen hatte, wie aus ihm ein Monster wurde. Nun, war er das nicht schon immer gewesen? Ein unansehnliches, grauenhaftes Monster, das der Hölle selbst entsprungen war und jetzt schlang er seine Arme um Rain, um ein Schaf das er eigentlich hassen sollte. Nayantai hatte den Verstand verloren, das wusste er schon viel zu lange, aber es war ihm auch schon egal - alles, wofür er sich interessierte, war ein einziges Lamm.

      "Ich glaube, das wäre meiner Mutter egal", lachte Nayantai. Natürlich, er kannte Rains Mutter kein Stück, wusste nicht, wie seine Mutter schlussendlich zu den Schafen stand, die ihr das Leben genommen hatten, aber die Frage war nicht, ob es einen Unterschied darin gäbe, wenn sie beide leben würden, oder nicht - er konnte sich zumindest denken, dass seine Mutter zumindest wollen würde, dass er sich wohl fühlte, egal, ob es mit Rain oder irgendjemand anderem war. "Meine Mutter würde vermutlich versuchen, dass es dir so gut wie möglich geht - auch, wenn sie die Königin der Wölfe ist, glaube ich nicht, dass sie jemanden wie dich aufrichtig hassen könnte." Selbst er konnte ein schwaches, weltfremdes Lamm nicht hassen - selbst er konnte sich nicht dazu durchringen, Rain die Kehle umzudrehen, die Luft abzuschnüren oder andere Dinge mit ihm anzustellen. Dafür waren sie beide zu gutmütig, eben das hatte das Lamm - sein Lamm - nicht verdient. "Mehr nach deiner Mutter? Ich bin eine gesunde Mischung aus meinen beiden Eltern, aber wenn es darum geht, was ich von meiner Mutter habe, dann vermutlich mein ungestümes Verhalten am Schlachtfeld!" Oft hatte er sie nicht gesehen, aber die Erzählungen aus seiner Kindheit reichten, um sich ein gutes Bild davon zu machen, wer seine Mutter war - jemand, der, auch wenn sie nicht wollte, bis zum bitteren Ende kämpfen würde, aber sich eigentlich keinerlei Sorgen machen musste, zu sterben. Wenn es darum ging, herauszufinden, wer wohl brutaler war, dann stand er seiner Mutter in absolut nichts nach. "Warst du nicht gerade noch müde?"
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    • "Wirklich? Obwohl ich ein Schaf bin?", wollte Rain wissen, aber er hatte ja gerade von seiner eigenen Mutter behauptet, dass sie es wohl gut geheißen hätte. Sie hatte immer das Beste für Rain im Sinn gehabt, hatte ihn aufgemuntert, ihm Beschäftigung gesucht und das Leben in diesen vier Wänden trotzdem irgendwie spannend für ihn gemacht, mit kleinen Schnitzeljagden und Rätseln die Rain durch das gesamte Haus geführt hatten, manchmal war er damit einen ganzen Tag beschäftigt gewesen. Hätte Rain endlich jemanden gefunden den er mochte und der ihn genauso mochte, jemanden der ihn glücklich machte, so hätte seine Mutter sich bestimmt gefreut, egal wer es war, auch Nayantai, ein Mann und Wolf. "Das überrascht mich ein wenig.", erklärte Rain mit einem Lächeln, hatte aber das Gefühl sich noch erklären zu müssen. "Nur weil... deine Mutter ist auch eine Kriegerin und meine ist dagegen... naja bei uns gibt es keine Frauen die auch kämpfen und meine Mutter hätte das vermutlich auch gar nicht übers Herz gebracht."

      "Mein Vater ist fast so groß wie du und stark, aber... er hat dich ja hier her gebracht, also das weißt du. Er ist ein guter Soldat und selten zu Hause, während ich nicht einmal ein Schwert halten kann und nur hier drinnen bin. Also... ich glaube wirklich nicht, dass ich irgendetwas mit ihm gemeinsam habe und ich glaube das enttäuscht ihn. Er spricht nicht besonders viel mit mir... hat er nie." Rains Mutter hatte Rain oft gesagt, dass sein Vater ihn mehr als alles andere auf der Welt liebte, dass er ihn beschützen würde und alles für ihn tun würde, aber Rain hatte das immer nur als eine Lüge abgetan, die nur dazu diente, damit Rain sich wohler fühlte und nicht wie die Enttäuschung die er für seinen Vater sein musste. Würde er ihn so sehr lieben, würde er sich auch ab und an mit seinem Sohn unterhalten, er hätte zumindest über den Tod seiner Frau gesprochen, oder sich entschuldigt, dass er nicht zu Hause gewesen war, stattdessen war gar nichts gekommen, er war nur wie immer nach Hause gekommen und war mindestens genau so schnell wieder verschwunden. "Hm?", Rain hatte für einen Moment nicht zugehört und nur in Nayantais Augen gestarrt, die Augen die Thria kannten, das eisige Land der Wölfe in dem Rains Vater mehr Zeit verbrachte, als in seinem eigenen zu Hause. Vermutlich war Nayantai Rains Vater sein ganzes Leben lang näher gewesen als Rain. "Ah... ja. Aber ich unterhalte mich auch gerne mit dir.", lächelte Rain und rollte sich schließlich auf die Seite um sein Gesicht an Nayantais Brust zu vergraben.
    • "Meiner Mutter wäre das vermutlich egal", ließ er das Lamm wissen. Jeder Wolf hegte einen gewissen Groll gegen die Schafe, aber seine Mutter - Kriegerin hin oder her - hatte selbst zu Lebzeiten versucht, diesen Konflikt nicht als Krieg anzusehen und friedlichere Methoden zu finden, als sich einfach Hals über Kopf in eine Schlacht zu stürzen. Dass andere Wölfe ihr dabei im Nacken saßen, von ihr verlangten das Richtige zu tun, war auch jemandem wie ihm klar - die Alten glaubten, sie hatten noch Entscheidungsgewalt, aber wenn sich seine Mutter und sein Vater schon nicht gegen sie durchsetzen konnten, dann wäre zumindest er es, der sie ignorierte, insofern sie ihn nicht dazu orderten, für sie - für sein Land - zu sterben. Seine Mutter hätte derartige Dinge nie von ihm verlangt, gleich wenig, wie sie behauptet hatte, man müsse einem jeden Schaf den Kopf von den Schultern pflücken. "Wieso das?", harkte er nach, unsicher darüber, worauf genau das Lamm hinauswollte. Was überraschte ihn? Dass nicht alle Wölfe die Schafe hassten? "Das ist bei uns normal. Es liegt bei uns allerdings daran, ob man will oder nicht - wir zwingen Niemanden, ein Krieger zu werden, aber wir schließen auch keinen aus", erläuterte er. Sein Vater hatte, zumindest in Nayantai's Kindheit, beinahe schon apathisch darauf reagiert, wenn man ihn darum bat, eine Waffe in die Hand zu nehmen und selbst ... "Mein Vater hasst es, zu kämpfen."

      "Ich habe kein Wort von den Dingen verstanden, die er mir an den Kopf geworfen hat, aber ja, ich glaube nicht, dass ich in meinem Zustand überhaupt in der Lage dazu gewesen wäre, ihn zu überwältigen. Und bist du dir sicher? Wenn ich ihn sehe, dann frage ich ihn gerne für dich aus!" Die Chancen, genau dieses eine Schaf wiederzuerkennen, waren gering, gleich wenig, wie die Chancen hoch waren, dass es überhaupt zu einem Gespräch mit ihm kam. Nayantai glaubte, dass er viel eher alles in seinem Umkreis nicht erkennen würde und es zu blutigem Brei verarbeitete, kam es ihm zu nahe - mehr konnte er sich auch nicht vorstellen. "Rain, es ist in Ordnung wenn du so darüber denkst, aber ich glaube nicht, dass dein Vater schlecht von dir denkt." Der Wolf strich durch das blonde Haar, fragte sich wieso und weswegen er sich so sicher dabei war, wenn er dieses berühmt berüchtigte Schaf gar nicht kannte - und wollte doch lieber, dass sich Rain wohlfühlte, sich nicht selbst infrage stellte, oder gar glaubte, nicht geliebt zu werden. "Soll ich dir noch irgendetwas erzählen? Willst du etwas hören, wenn du schon so gerne mit mir redest? Ich meine, ich rede auch gerne mit dir ...", lachte der Wolf, den langsam auch die Müdigkeit beschlich, der das herzhafte Gähnen allerdings zurückhielt und für einen Moment glaubte, es gäbe noch so viel, das er gar nicht wusste - vor allem über die Welt der Schafe. "Würde dir Thria überhaupt gefallen? Es ist ziemlich karg, kalt, eisig und dreckig."
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    • Ob Rain dasselbe über seinen Vater sagen konnte? Wäre ihm egal, dass Nayantai ein Wolf war, hatte er ihn hier her gebracht, damit Rain sich um ihn kümmerte? Es war wohl kaum seine Intention gewesen, dass Rain sein Bett mit einem Wolf teilte, aber sein Vater hatte bestimmt auch nicht erwartet, dass er Nayantai in einen Kerker warf, zumal sie hier nicht einmal einen besaßen. Es hatte keine Erklärung gegeben, aber hätte der Fürst von Fhaergus den Kronprinzen der Wölfe töten wollen, dann hätte er es wohl einfach getan, anstatt mit ihm den beschwerlichen Weg über die Berge zurück zu legen, nur um ihn hier her zu bringen, zumal er sofort wieder aufbrechen hatte müssen. "Hm... mein Vater hat dich hier her gebracht, statt etwas anderes zu tun, also... ich glaube auch nicht, dass er will, dass du stirbst." Auch wenn Rain nicht verstand warum, war Nayantai nicht sein Feind? "Unsere Väter sind sich wohl nicht ähnlich. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass mein Vater gerne kämpft, aber er hat es schon immer getan, jedes Jahr wieder, aber... tut mir Leid, darüber sollte ich gar nicht..." Wieso hatte er auch überhaupt davon angefangen? Der Fürst von Fhaergus war maßgeblich daran beteiligt, dass die Wölfe immer mehr Land verloren.

      "Er hat mit dir gesprochen?", wollte Rain wissen, den diese Tatsache ziemlich überraschte. Es war eine lange Reise, warum also nicht, aber was hatte er einem Wolf zu sagen? Schade, dass Nayantai ihn damals noch nicht verstehen konnte, wenn er es gekonnt hätte, dann hätte Rain vielleicht jetzt gewusst, warum der Wolf überhaupt heir war. "Mein Vater ist gerne draußen und als er jünger war hat er in vielen Tournieren gekämpft und auch gewonnen. Im besten Fall weiß er einfach nicht, was er mit mir anfangen soll...", murmelte Rain gegen Nayantais Brust. Er schätzte auch seinen Versuch Rain aufzumuntern, aber da war einfach nicht viel das seinen Vater stolz machen konnte, oder irgendjemanden. Auch Nayantai hatte schon gemerkt, dass es wohl viel mehr Dinge gab die Rain nicht tun konnte, als welche die er beherrschte. "Ich höre dir gerne zu, egal was es ist...", lächelte Rain, der sich für Nayantai gerne wach hielt, auch wenn er sich in seinen Armen so geborgen fühlte und auch als ob er die Nacht durch schlafen konnte. "Es ist... kalt und...?" Es gab immer noch viele Worte die Rain nicht verstand und viele die er sich einfach nur zusammen reimte und dieses Mal verstand er nur ein Adjektiv von den vielen die Nayantai von sich gab. "Fhaergus ist auch kalt... ich glaube überall würde es mir gefallen." Überall war anders als hier und das war ein Pluspunkt, auch wenn Rain nicht glaubte, dass er den Lebenstil der Wölfe überleben würde, gegen das Land hatte er bestimmt nichts.