spellbound. (earinor & akira)

    • "Ich glaube auch nicht unbedingt an meine Götter, nicht, dass sie mir jemals geholfen hätten. Aber ich glaube eher, dass Wölfe sich ihren Göttern verbundener fühlen, einfach aus dem Grund, weil sie glauben, eine Ahnung von dieser Welt zu haben", erklärte Nayantai, der genau wusste, dass weder die Schafe noch die Wölfe sonderlich klug in ihrem Vorhaben waren. Die Schafe glaubten, sie besäßen das Recht, ein ganzes Volk auszurotten und die Wölfe glaubten, sie könnten - im Gegenzug - abertausende Schafe töten, einfach deswegen, weil viele von ihnen auf den Geschmack gekommen waren, oder glaubten, man müsse Gewalt mit Gewalt beantworten. "Wir könnten auch einfach ... naja, so heiraten?", schlug Nayantai dann schließlich vor, bevor er kichern musste. Ohne einen Priester wäre wohl auch das keine offizielle Ehe, aber wen kümmerte das schon? Für Schafe waren die Dinge, die Wölfe als wahr erklärten, sowieso nur Ketzerei und vermutlich war es umgekehrt genau so. Wer glaubte also daran, dass die Beziehung zwischen einem Schaf und einem Wolf funktionieren konnte? Natürlich wusste Nayantai, dass es unter den Wölfen einige solcher Personen gab, aber das hieß doch noch lange nicht, dass alle von ihnen über ihre Herkunft zufrieden waren, oder sich mit ihrer befremdlicheren Seite identifizieren konnten - eigentlich ganz im Gegenteil. Irgendwo war er wohl froh, dass er nicht zu ihnen gehörte.

      "Meine Handschuhe haben ein Loch, das ich nähen muss!", kam es von Nayantais Lippen gesprungen, als hätte er sich die Antwort schon festgelegt, bevor er Rain das Hemd aufgerissen hatte. Eigentlich wäre das schön gewesen, aber das hieße ja, er habe damit gerechnet, dass er seine Hände nicht bei sich behalten und seine Kraft nicht einschätzen konnte. Was war nun einmal die Wahrheit, nach der er sich so sehnte und weswegen er glaubte, die Welt würde die Zeit etwas weniger schnell vergehen lassen, wenn er sich benahm? "Es gehört sich nicht? Das hört sich dumm an. Andere Schafe, so wie dein Vater, erheben doch auch ein Schwert und machen sich so verflucht dreckig, egal ob es wirklich Schlamm oder Blut ist - und du sagst mir, du kannst nicht kochen, weil es sich nicht gehört?" Irgendwo war es doch fast schon komisch, wie zimperlich sich manches Schaf verhielt - so sehr, dass Nayantai nur den Kopf schütteln konnte und Rain ein kurzes Lächeln schenken konnte. "Ich ... habe keine Ahnung, ich habe es nur gehört und es klang irgendwie so, als wäre es etwas Schönes. Habe ich etwas Falsches gesagt?", harkte er nach, aus Angst darüber, er hätte den Blonden nun vergrault. Vielleicht griff er gerade deswegen nach seiner Hand und drückte sie leicht, als wolle er Rain bestätigen, dass er es nicht so gemeint hatte. "Ja! Ich mag deine Augen, dein weiches Haar und außerdem, deine Haut und deine Lippen sind weich und makellos - irgendwie siehst du eher aus wie eines deiner perfekten Gemälde, als ein Mensch. Aber ... was ich am meisten an dir mag, ist dein Lächeln. Es steht dir", lachte Nayantai, als er ein paar blonde Haarsträhnen aus Rains Gesicht wischte. "Sei nicht so. Ich mag dich, so wie du bist!"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich habe mir oft gedacht, dass... naja... mein Leben hatte auch viele gute Seiten und es gibt bestimmt Menschen, die gerne mit mir tauschen wollen, trotzdem... habe ich mich immer gefragt, warum mir ein Gott gerade dieses Leben gegeben hat, oder überhaupt jemandem dem es schlecht geht. Jetzt fange ich aber an zu glauben, dass es vielleicht doch einen Sinn hatte, wenn wir unsere Leben nicht so gelebt hätten wie wir es getan hätten, dann hätten wir einander vielleicht niemals getroffen...", philosophierte Rain vor sich hin, unsicher ob Nayantai überhaupt alles verstand, aber wie immer sprach Rain auch mit sich selbst, nicht nur mit dem Wolf. Konnte die Tatsache, dass Rain Nayantai kannte alles was er tagtäglich ertragen musste ausgleichen? Ja vermutlich... aber deswegen glaubte Rain eigentlich trotzdem nicht mehr als zuvor. Er blickte auf, sah Nayantai an, wusste aber nicht genau was er an sich hatte, das ihn so fesselte. "Einfach so?", fragte Rain kichernd. Eine Abmachung zwischen ihnen beiden? Machte das Sinn? "Eine Heirat bedeutet den Rest des Lebens zusammen zu bleiben, richtig? Dann... werden wir einen Weg finden das zu tun und wenn wir das haben, dann... dann frag mich." Rain lächelte, er wusste nicht wie ernst er das meinte, aber es fühlte sich richtig an das zu sagen. Er konnte Nayantai jedenfalls nicht jetzt heiraten, aber er wollte ihn auch nicht einfach gehen lassen und nie wieder sehen, es musste einen Weg geben.

      Erneut musste Rain lachen und nickte. "Das funktioniert wohl. Wenn du es wirklich willst, dann kannst du die Knöpfe gerne selbst wieder annähen.", erklärte er und schüttelte anschließend verneinend seinen Kopf. "Also... mein Vater näht und kocht auch nicht, zumindest nicht wenn er zu Hause ist. Vielleicht eine Suppe, wenn er unterwegs ist und vielleicht flickt er seine Kleidung, aber ich glaube fast, er hat jemanden der das für ihn tut. Nähen, Sticken, Kochen, das sind Dinge die Frauen erledigen und wenn man ein Fürst ist, dann erledigen das Dienstboten, so wie Sara. Wenn ich es selbst machen würde, würde ich nur seltsame Blicke ernten und man würde es mir aus der Hand nehmen.", erklärte er, konnte Nayantai das so verstehen? "Es ist... ein Zeichen von Macht es nicht selbst zu tun." Selbst jemand wie Rain konnte in der Welt der Schafe macht besitzen, bei den Wölfen wäre das wohl anders. Rains Blick glitt nun hinunter auf seine Hand, die Nayantai ergriff, erneut musste er kichern und den Kopf schütteln. Nayantai hatte also nur etwas nachgeplappert, ohne es zu verstehen. "Es ist etwas Schönes. Man sagt es zu demjenigen den man liebt, aber es ist ein bisschen... kitschig und altmodisch." Rain sah Nayantai an, aber das hielt nicht lange. Was er da hörte ließ erneut Röte in seine Wangen schießen und er hielt Nayantais Blick nicht stand, er wandte den Kopf sogar ein bisschen ab, wollte sich beinahe schon verstecken. Rains Herz schlug schneller und auf einmal war er irgendwie sehr nervös. Sein Magen kribbelte und er hatte das Gefühl seine Beine noch enger an seinen Körper pressen zu müssen, damit Nayantai auch ja nichts sah, obwohl er ihn ja gerade gelobt hatte. Er blickte doch hoch als Nayantai Rain einige Strähnen aus dem Gesicht wischte und als ihre Blicke sich trafen, sank Rains Herz nur noch tiefer. "Nayantai! Also... ich....mhhhhh....!" Er jammerte beinahe schon als er sein gesicht gegen seine Knie drückte und schlussendlich doch seine roten Wangen versteckte. Aber das würde den Wolf nicht zufrieden stellen, oder? Stattdessen also stürzte Rain auf einmal nach vorne um seine Arme um Nayantai zu schlingen, so konnte er sich auch verstecken. "Du hast so vieles ja noch nicht einmal gesehen!", murmelte er, sein Gesicht gegen den Wolf gedrückt, das war ihm alles so peinlich, aber es freute ihn auch.
    • Nayantai wollte verstehen, wollte wissen was Rain da alles von sich gab, aber irgendwie fühlte es sich schwer an - es fühlte sich unmöglich an, den Blonden genau zu verstehen und schwierig, so verdammt schwierig, all die fremden Wörter zu verarbeiten, aber darüber konnte er sich auch später ärgern. Er wusste, dass man umsichtig mit ihm wäre, dass es keinen Grund gab, sich selbst zu stressen oder sich zu Dingen zu zwingen, die er gar nicht erst konnte - er wusste vieles, aber weniges davon war ihm oftmals klar genug, um es wirklich verarbeiten zu können. "Ich verstehe nicht alles, aber ich bin einfach nur froh, dass ich schlussendlich bei dir gelandet bin und nicht irgendwo in einem Kerker versauert bin. Jetzt bin ich hier und du wirst mich nicht wieder so schnell los!", verkündete der Wolf fast schon aufgeregt. Was war die Wahrheit, was war die Realität und was von alledem lediglich Einbildung, weil er es nicht besser wusste? Was wünschte er sich, als Kronprinz der Wölfe und was wollte er, als Sklave unter den Schafen, die ihm nichts abgewinnen konnten? Mehr als ein räudiger Hund, ein in Pech getränktes Monster war er nicht - mit seinen Pranken konnte er so viele von ihnen töten und mit einer einzigen, falschen Bewegung würde er hunderte Pfeile in seinem Rücken finden. Nayantai wusste, dass er nicht auf ewig leben würde, aber ... "Ich verspreche es dir." Irgendwann, dann fände er schon den richtigen Ort und die richtige Zeit, nicht? Dort, irgendwo im Süden.

      "Siehst du? Und ja, will ich!", bemerkte der Wolf beinahe schon wie ein stures Kind, das gerade zugestimmt hatte, dass es doch gerne einen Berg Süßigkeiten haben wollte. Wieso war er auch so erpicht darauf, ein Hemd zu nähen? Vermutlich, weil er sich schuldig fühlte, weil er nicht länger krank und schwach wirken wollte, sondern weil er wusste, dass er all das konnte und weil er Rain etwas Gutes tun wollte und vor allem seinen Dienern eher ungern zur Last fiel. "Schafe sind komisch", bemerkte er plötzlich, als wäre es normal, all das zu sagen - und dann kratzte er sich, beinahe schon beschämt, am Hinterkopf. "Versteh' mich nicht falsch, aber es gibt kaum Wölfe, die solche Dinge nicht können. Natürlich gibt es auch welche, die sich dagegen sträuben, aber ... etwas nicht zu können bedeutet nicht unbedingt Macht, nur weil man das Privileg hat, es nicht lernen zu müssen." Schlussendlich kümmerten sich die armen Schafe um die Reichen unter ihnen - sollte es denn wirklich so sein? Wölfe waren sich auch nicht immer einig, aber viele von ihnen versuchten zumindest, an einem Strang zu ziehen, während andere ihre Diskrepanzen eher untereinander austrugen, als sich wirklich auf ihr Volk zu verlassen. "Hm, ich meine, gut, dass es nichts Schlechtes ist, aber ... sollte ich dich nicht lieber Sonnenschein nennen?", fragte Nayantai, der nicht wirklich wusste, ob er Rain das Wort zu erklären hatte, oder ob er es nicht musste - stattdessen war die Reaktion, die er erhielt, nicht das, womit er gerechnet hatte - zumindest noch nicht. "Hmm? Was denn?", fragte er, leicht neckend und im Inbegriff, seine Hand auf Rains Wange zu legen, bevor er - mit einem kurzen Ruck - daran gehindert wurde und plötzlich ein Lamm in seinen müden Armen wiederfand. "Muss ich denn mehr sehen? Wenn du es mir nicht zeigen willst, dann zwinge ich dich zu nichts, aber ich finde alles was ich von dir gesehen habe schön."
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    • "Es ist nicht so wichtig. Dass wir uns getroffen haben ist das Wichtigste, ja. Du machst mich glücklich, nachdem ich es so lange nicht war. Selbst wenn wir Tag ein Tag aus nur schweigend nebeneinander sitzen würden, das würde mir schon reichen.", erklärte Rain mit einem weiteren Lächeln. All das wirkte surreal, dass sein Vater einen Wolf hier absetzte, der Rains Freund wurde und schließlich mehr als das. Wie konnte das überhaupt geschehen und wie war es möglich, dass bisher alles so glatt und ohne gröbere Probleme funktionierte? War Rain vielleicht bereits tot? Nein, dann würde er nicht all das fühlen was er fühlte, das wäre nicht möglich. Er fühlte sich endlich mal lebendig, es wäre ganz schön seltsam, wenn er in Wahrheit schon längst verfaulte. Irgendwann würden sie auch einen Weg finden zusammen zu sein. Vielleicht schafften sie es tatsächlich in den Süden, oder Rain konnte diesen Krieg eigenhändig beenden. Er traute sich nicht vieles zu, aber für Nayantai würde er es versuchen.

      "Du musst dich nicht erklären, ich finde auch, dass wir nicht jegliche Arbeit abwälzen sollten und selbst wenn ich nicht kochen muss, so wäre es vielleicht trotzdem etwas, das ich gerne machen könnte. Zumindest würde mir neben dem Feuer nicht kalt werden.", antwortete Rain dem Wolf, der die Gesellschaft der Schafe noch immer nicht verstand. Das war verständlich. Die Wölfe arbeiten auch viel enger miteinander zusammen, passten auf sich auf. Die Schafe lebten nur für sich selbst. "Sonnenschein?" Rain brach beinahe erneut in Gelächter aus, wie kam Nayantai nur auf all das? "Was ist aus Welpe geworden?", wollte er wissen, immerhin war das der erste Spitzname den Rain bekommen hatte. Die Arme um seinen Wolf geschlungen kam er sich ein wenig mutiger vor und er fühlte sich in der Lage konkretere Antworten zu geben und in der Sprache der Wölfe fiel es ihm aus irgendeinem Grund auch leichter. "Ich freue mich, dass du das sagst. Und ich... habe nicht so viel dagegen wenn du... mich ansiehst, es ist nur, du... hast schon so viele... mit denen du mich vergleichen kannst. Und ich... ich weiß eigentlich gar nichts! Ich komme mir manchmal vor wie ein Kind, dabei bin ich doch schon alt genug! Ich habe mich immer geweigert jemanden zu treffen, oder gar zu heiraten, aber bei dir... ich fühle mich sicher..."
    • "Das ... freut mich irgendwie. Mal abgesehen davon, dass ich gar nicht davon ausgegangen bin, dass ich jemals ein Schaf mögen könnte, aber das ist mittlerweile mehr als mögen - Rain, ich liebe dich, so sehr", gestand der Wolf, als ob er es nicht ohnehin schon ein oder zwei Mal getan hatte. War diese Beziehung wirklich nur daraus entstanden, dass sie beide sich einsam und alleingelassen fühlten, dass sie in dieser tristen und trostlosen Welt jemanden brauchten, der ihnen wieder auf die Beine half, der sie stützte oder passierte das hier alles, weil sie es wollten und weil es prinzipiell keine schlechte Idee war, einander auf eben jene Art und Weise zu vertrauen? Nayantai wusste, dass er schon ewig nicht mehr von Liebe gesprochen hatte, dass es beinahe schon komisch wirkte, solche Dinge zu fühlen und doch befand er sich nicht imstande, zu deuten, was es war, das ihn weiterhin antrieb. Natürlich liebte er Rain, er hoffte, er würde ihn für immer lieben können und doch war es beinahe schon unmöglich, hierzubleiben. Ging er zurück nach Hause, so fragte er sich, ob der Krieg ihn dahinraffen würde, oder ob man ihn den Kopf abschlug, damit er derjenigen im jenseits beiwohnen konnte, die er nicht liebte. Was war es, das die Welt für ihn übrig hatte, wenn es denn überhaupt irgendetwas gab?

      "Ich kann es dir beibringen, vorausgesetzt, ich finde heraus, wie ihr Schafe kocht!", schlug er vor - irgendwie fühlte er sich dann allerdings doch dazu verpflichtet, Rain zu umsorgen, ihn vor jedweder Gefahr zu beschützen und darin sah er seinen ersten und einzigen Fehler. Rain und er waren vermutlich fast gleich alt, das hieß also noch lange nicht, dass er es tun musste - allerdings würde er ihm unter die Arme greifen, wenn er das denn sollte. "Ist das zu kitschig?", fragte er und legte den Kopf für eine Sekunde schief - wer war hier wirklich der Welpe? "Möchtest du denn lieber ein Welpe sein? Ich kann dich auch einfach nur Rain nennen, wenn dir das besser gefällt!" Mochte es Rain ohnehin nicht sogar gerne, wenn er ihn bei seinem Namen nannte? Wieso sollte er das also nicht tun? Vermutlich sahen eben das einige Schaf als unfreundlich, vor allem die, die den Blonden bei einem Titel nannten. "Rain, ich will dich doch gar nicht vergleichen!", rief der Wolf aus, dessen Lippen noch immer ein sanftes Lächeln zierten. Machte sich das Lamm aus diesem Grund darüber Sorgen, ihm seinen Körper zu zeigen? "Und? Was, wenn ich schon so viele von ihnen gesehen habe? Wieso sollte ich dich vergleichen wollen? Du bist du, nicht jemand aus meiner Vergangenheit - also mach dir keine Sorgen!" Nayantai umarmte Rain, drückte ihn an sich und küsste den blonden Schopf. "Dann werde ich eben weiterhin dafür sorgen, dass du dich sicher fühlst - ich lasse dich nie wieder los, einverstanden? Oh, außerdem ... kann ich dich küssen?"
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    • "Ich liebe dich auch Nayantai, ich... ich habe zumindest noch nie für jemanden so empfunden wie für dich. Wenn du in meiner Nähe bist, dann bin ich fröhlicher und ich vergesse was mich plagt.... ich schätze das... ist Liebe?" Natürlich war Rain nicht sicher, wie konnte er das auch sein? Auch hier hatte Nayantai viel mehr Erfahrung, Rain konnte hingegen keine Vergleiche ziehen. Aber es war noch so viel mehr als das was er gesagt hatte. Eine Umarmung von Nayantai ließ sein herz höher schlagen, ihm wurde warm, von innen und von außen. Er wollte in der Nähe des Wolfes sein, egal was sie zusammen tate, egal worüber sie sprachen, oder ob sie einfach nur im selben Raum waren. Es war nicht so, als hätte Rain die letzten Tage nicht damit verbracht an Nayantai zu denken, wenn er nicht da war. Er fragte sich was er machte, ob es ihm gut ging, was er ihm am Abend erzählen würde und er sehnte sich nach seinen Berührungen und seinen Umarmungen. Er konnte nicht mit Sicherheit sagen ob das Liebe war, aber wenn man davon ausging, was er gelesen hatte, dann war es wohl zumindest sehr nah dran.

      "Ich glaube nicht, dass man mich in die Küche lässt, aber... du könntest mich bei meinem Hemd helfen lassen!", schlug Rain vor, es schadete bestimmt nicht etwas neues zu lernen und wenn sie es zusammen machten, dann machte es bestimmt Spaß. "Welpe genannt zu werden... hat mich immer schon ein bisschen stolz gemacht. Als hätte ich zumindest etwas von einem starken Wolf.", erklärte Rain mit einem kurzen Lachen. Warum wollte er als Schaf das überhaupt? Andererseits war wohl für jedes Schaf, ein Wolf der Inbegriff für Stärke und Kraft. Da hörte er ihn wieder, seinen Namen und die Ansammlung an Tönen ließ einen angenehmen Schauer über Rains Rücken jagen. Kurz darauf folgten auch Nayantais Arme, die sich um ihn legten, es war so angenehm hier und Rain freute sich auch insgeheim schon darauf heute neben Nayantai einzuschlafen. "Na gut! Dann mache ich mir keine Sorgen darum!", erklärte Rain, konnte aber nicht versprechen, dass er sich auf einmal vor Nayantai präsentierte und er war auch gar nicht sicher, ob Nayantai das überhaupt wollte. "Du kannst mich immer küssen!", kicherte Rain und löste sich bereits ein wenig von Nayantai, damit das überhaupt möglich war, gleichzeitig suchte er für seine Beine eine bequemere Position, das war aber in der Wanne gar nicht so leicht. Die Wanne war jedoch breit genug, damit Rain neben Nayantai Platz nehmen konnte, wobei er kniete, damit er nicht so winzig war. Zu viel enger Körperkontakt, vor allem in dieser Situation, war immer noch etwas über das Rain sich nicht drüber traute und er war auch gar nicht sicher, ob Nayantai etwas in der Alt wollte, nach dem was ihm passiert war. Er wusste überhaupt gar nicht was er selbst wollte, geschweige denn, was er sich vorzustellen hatte.
    • "Ich würde das auch Liebe nennen. Ich meine, wenn du in meiner Nähe bist, dann fühle ich mich sofort besser und mein Herz schlägt so, als würde es mir bald aus der Brust fallen", erklärte der Wolf. War das überhaupt gesund? Nun, wer wusste das schon - Liebe war ein komisches, abstraktes Konzept, selbst für jemanden wie ihn - wie oft hatte er auch schon mit Leuten geschlafen, die er nicht sonderlich geliebt hatte? Rain hingegen war besonders, gar etwas anderes. Zum ersten Mal, seit langem, fühlte Nayantai sich nicht alleine, verloren in einem weiten Meer auf dessen Oberfläche er lediglich noch trieb, weil er sich eine alte Holzplanke klammern konnte - und auf dieser Planke war, wie es der Zufall so wollte, Rain, der ihn nicht ertrinken lassen wollte. "Ich glaube, mein Vater würde mir den Kopf abreißen, wenn ich ihm sage, dass ich mich in ein Schaf verliebt habe. Ich glaube aber, ihr beide würdet gut miteinander auskommen!" Nicht, dass Rikiya Schafe wirklich hasste - die Meisten von ihnen mochte er nicht, aber anders als Nayantai selbst oder viele der jüngeren Wölfe schien er nicht wie versessen darauf, jedem einzelnem von ihnen den Kopf von den Schultern zu pflücken. Manchmal betrübte es den Wolf irgendwie, nicht die gleiche Ansichtsweise wie sein Vater haben zu können, aber ... wieso entsinnte er sich auch an solche Dinge? War Rain nicht weitaus wichtiger als die Vergangenheit, die ihn nicht so schnell einholen würde?

      "Da hast du recht! Aber das sollten wir machen, wenn wir beide besser sehen können - also, wenn es hell draußen ist. Also auch morgen?", schlug er vor. Es ging ihm lediglich darum, dass Rain auch sah, was er mit dem Knopf zu tun hatte und wie Nayantai ihn festnähte, damit er auch hielt - oder zumindest, wie er es versuchen würde. Natürlich war er für Verbesserungsvorschläge oder Kritik offen, aber all das wäre unmöglich, wenn Rain nicht sehen konnte, was er da überhaupt versuchte. "Willst du denn ein großer, böser Wolf werden? Oder sein?", harkte Nayantai nach. Nun, er wusste, dass viele Schafe ihn selbst als solches sahen - dementsprechend war es auch nicht weit hergeholt, dass er glaubte, er könnte Rain das Gleiche beibringen. "Ich könnte versuchen, dich zu einem großen, bösen Wolf zu machen - aber irgendwie bist du doch etwas zu süß dafür." Nayantai meinte eben das keineswegs böse, sondern war eher darauf fokussiert, dass Rain wohl doch eher einem Welpen glich und nichts anderem. Seine Hände wanderten ein letztes Mal über den weichen, dürren Rücken des Lammes, bevor er Rain auch schon losließ, damit er sich in eine bequemere Position setzen konnte - sie beide waren wohl nicht sehr gut darin, herauszufinden, was sie von Anfang an wollten. "Immer? Auch, wenn uns jeder sehen kann?", wollte er sogleich wissen, nur damit er sich schlussendlich zu seinem Lamm umdrehte, um ihn auf die Lippen zu küssen. "Soll ich ... dort weitermachen, wo ich vorher aufgehört habe?"
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    • Als wollte Rain überprüfen was Nayantai sagte, streckte er seine Hand aus und legte sie auf Nayantais Brust, ungefähr dort, wo sein Herz sein musste. Rain fühlte es kräftig schlagen, vielleicht sogar ein wenig schneller und er konnte es kaum erwarten sich wieder an den Wolf zu kuscheln und dem Pochen zuzuhören. Nayantais Herz klang stark, kräftig, bestimmt und Rain liebte dieses Geräusch aus irgendeinem Grund, genau so wie er es liebte Nayantais starken Arme um sich zu fühlen, so wie jetzt, wo er ihn umarmte und über den Rücken streichelte. "Warst du schon einmal verliebt?", wollte Rain wissen, schüttelte aber gleich wieder den Kopf. "Du musst nicht darüber reden, wenn du nicht willst." Nayantais Vergangenheit war vielleicht nicht unbedingt etwas, worüber er reden wollte, aber nun war es doch der Wolf, der von seinem Vater anfing. "Dein Vater? Vielleicht... kann ich ihn eines Tages treffen und ihn davon überzeugen, dass ich gar nicht so schlecht bin." Solch Positivität strahlte Rain nicht oft aus, auch wenn er sich immer positiv gab, aber nayantai ließ ihn daran glauben, dass mehr möglich war, als er bisher angenommen hatte, auch wenn sein Ausflug vor das Fenster nicht so gut geendet hatte.

      "Hm... du hast vermutlich recht. In Ordnung, dann nähen wir es morgen.", nickte Rain, wenn er nicht sah was er mit der Nadel tat, dann piekste er sich vermutlich nur in den Finger, obwohl das sogar etwas war, worüber er sich freuen konnte, einfach weil es ihm noch nie zuvor passiert war. Ohne zu nähen, konnte es das ja schließlich auch nicht und ein wenig Blut würde ein Beweis sein, dass er arbeitete. "Ich glaube ich wäre kein guter Wolf, da muss man sich doch prügeln... ich will niemanden verletzen.", kicherte Rain. Ein Welpe war genau richtig, ein bisschen wild, aber eigentlich auch nicht und es spiegelte seine Neugierde wieder. Der Moment in dem Nayantai seine Arme von Rain nahm fühlte sich beinahe befremdlich an, aber es dauert nicht lange, bis Rain einen Kuss erhielt. "Vielleicht nicht wenn jemand zusieht...", murmelte Rain schmunzelnd und er wollte es noch dazu sagen! Aber statt Rain einfach nur zu küssen, brachte der Wolf ihn schon wieder in Verlegenheit und stellte ihn vor Fragen, auf die er keine Antwort parat hatte, aber er entschied sich für einen Witz, statt peinliches stottern. "Ich hab kein Hemd mehr an, dass du zerreißen könntest..."
    • Wieso fühlte es sich beinahe schon wieder beruhigend an, das Lamm in seinen Armen zu wissen und allgemein in seiner Nähe? Lag es daran, weil er ihm Ruhe und einen klaren Kopf spenden konnte, oder eher daran, dass er nicht wusste, was er ohne Rain mit sich anzufangen hatte? Nayantai war sich nicht sicher, aber ehrlich gesagt wollte er das auch gerade gar nicht ergründen - er war froh, dass er hier war, dass er an Rains Seite Platz fand und sich mit nichts anderem herumschlagen musste, als er erwartet hatte. Schlussendlich war er hier, weil es irgendwann soweit kommen musste - immerhin hatte er den Kerker eines grenzdebilen Königs überlegt, da schien es auch schon weniger abwegig, dass er einen Krieg überleben würde, aber ehrlich gesagt konnte auch er nicht genau deuten, was schlussendlich passieren würde. "Ob ich schon einmal verliebt war?", fragte der Wolf, als hätte er nicht verstanden. "Mh, nein, mach dir keine Sorgen. Zwei, vielleicht drei Mal? Wobei, das hier ist eher das dritte Mal. Also, wirklich verliebt, aber das ist alles schon viel zu lange her. Die Person, die ich als erstes geliebt habe, ist schon lange tot, gleich wie meine Verlobte - was heißt, dass nur mehr Muhan infrage kommt. Aber meine Beziehung zu ihm war so anders als die, die wir haben - vermutlich auch, weil ich ein ganz anderer Mensch war", erklärte der Wolf dem Lamm mit einem knappen Lächeln. Während Khasar ohnehin schon seit mehr als zehn Jahren tot war und er Tei vermutlich nie so wirklich geliebt hatte, gab es nicht mehr als Muhan.

      "Ich glaube, das ist sogar ganz einfach! Mein Vater ist ziemlich freundlich, zumindest für einen Wolf - und ich glaube nicht, dass er dich jemals hassen könnte. Nun, vor allem dich nicht", erläuterte er dem Lamm. Rikiya war schon immer jemand gewesen, dem die Autorität eines Königs eher wie eine Last vorkam, aber dafür konnte er seinen Vater nicht verurteilen, immerhin war er derjenige, der nicht nur seine Frau, sondern auch zwei seiner Kinder verloren hatte, und Nayantai immer wieder auf ein Neues verwunderte, wenn er lachen konnte. "Du musst dich nicht prügeln! Das ist gar nicht so lustig!" Ehrlich gesagt war es das auch nie gewesen - er konnte sich noch schwammig daran erinnern, als er sich das erste Mal mit Muhan geschlagen hatte und Shuren und Khasar neben ihnen gestanden hatten, sie anstarrten, als hätten sie den Verstand verloren und schlussendlich hatte Khasar sich in das Gerangel gedrängt und Shuren einige Meter Abstand genommen, nur, damit er nicht mit Dreck beworfen wurde. "Das wäre vielleicht eine schlechte Idee, hm?" Nun zog er das Lamm schon wieder auf und kam nicht drumherum, zu lachen - Rain war niedlich, vor allem so, wie er jetzt war. So niedlich, dass er sich noch einen Kuss stahl, ohne Vorwarnung. "Aber du hast Haut, auf der ich Spuren hinterlassen kann. Außer, du willst das nicht." Wieder legte er seine Arme um Rain und zog ihn näher an sich, wollte doch nicht mehr gehen lassen - Nayantai hasste es, Dinge zu verlieren, aber es gab einige, die er nie wieder zurückbekommen würde.
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    • Rain setzte schon an Nayantai zu erklären, was er wissen wollte, obwohl er die Worte ja kennen musste, aber er bekam ja doch eine Antwort und sah den Wolf interessiert an. Manchmal war er vielleicht etwas zu neugierig und mischte sich in Dinge ein, die ihn nichts angingen, oder er grub Geschichten aus, an die sich sein Gegenüber gar nicht erinnern konnte. Seinen Vater hätte er am Liebsten so oft ausgefragt, aber er hatte sich das selten getraut, wieso traute er es sich also bei einem Wolf? "Willst du mir mehr erzählen? Du musst nicht.", fragte Rain, der so wenig Erfahrung hatte was so vieles betraf. Er kannte Liebe nicht, er wusste nicht wie eine Beziehung sein konnte, oder sollte, er wusste nicht, was man da draußen zusammen unternehmen konnte, worüber man sprach, wenn man nicht in einem steinernen Käfig eingesperrt war. Er wusste nicht, was Nayantai damals getrieben hatte, oder was ihm gefiel, all das interessierte Rain und er hörte auch gerne zu, wenn Nayantai an seine Vergangenheit denken wollte, sie war immerhin ein Teil von ihm. Ob er Muhan vermisste?

      "Vor Allem mich nicht? Wieso das?", fragte Rain lachend. Er war zwar sicher, dass ihn jeder der für ihn arbeitete ganz gut leiden konnte und auch Nayantai mochte ihn, aber Rain war sich durchaus bewusst, dass ihn nicht jeder mögen konnte. Vor Allem die Fürsten in seinem Alter und eventuell der König - den er nie getroffen hatte - waren nicht so begeistert von ihm, weil sie als sie alle noch jünger waren, einfach nichts mit Rain anfangen konnten und ihn seltsam fanden. Jetzt waren sie sich vielleicht ähnlicher, aber der erste Eindruck blieb wohl bestehen. "Hm... aber ich kann wohl die meisten Dinge die ein ausgewachsener Wolf kann nicht tun. Also bleibe ich ein Welpe.", erklärte Rain mit einem Lächeln. Das war in Ordnung, er war ja ohnehin nicht in Thria. Der plötzliche Kuss den er erhielt überraschte ihn ein wenig und Nayantai ließ ihn wohl auch nicht einfach so von der Angel. "Ich... habe nichts dagegen...", lächelte er verlegen. Eigentlich hatte er gerne etwas von Nayantai bei sich und er war ohnehin immer so dick angezogen, dass niemand die blauen Flecken sehen würde. Das Wasser war zwar warm, aber Nayantai war noch wärmer und Rain schmiegte sich ein wenig an ihn, als er näher gezogen wurde. Er stupste Nayantai mit seiner kalten Nasenspitze gegen die Wange, dann gab er ihm einen Kuss an die selbe Stelle.
    • Es fühlte sich doch etwas befremdlich an, sein Herz einem Schaf auszuschütten - dem Grund für sein Leiden. Nayantai wusste, dass er vielleicht gar nicht erst darüber sprechen sollte, wen oder was er liebte, oder wie es überhaupt dazu kam, dass er nun hier hockte und sich mit Fragen seinen eigenen Bauch löcherte, nur weil er nicht ganz verstand, was er eigentlich mit seinem Leben tun sollte. Rain wollte wissen, was der Wolf in seinem - beinahe schon abenteuerlichem - Leben mitbekommen hatte und wenn er etwas gespürt hatte, dann war es Liebe. Nicht immer, das wusste jeder, aber viele von denjenigen, die sich auch nur für ein oder zwei Nächte mit ihm in einem Zelt verschanzten, wussten genau was es war, das sie ihm abluchsen wollten und er, naiv und blind vor Emotionen, gab es einfach so her. "Was willst du denn hören? Ich kann dir alles erzählen, was ich weiß." Zu viel hatte er verdrängt, aber je mehr er sich an Muhan entsinnen wollte, desto schärfer wurde das verschwommene Bild am anderen Ende seines Gedankenganges. "Naja, vielleicht ... ich war mit Muhan befreundet, bevor ich mich überhaupt in ihn verliebt habe. Kannst du dich erinnern, dass ich dir gesagt habe, dass Wölfe sich zum Spaß prügeln?", fragte er nach und setzte zum Lachen an.

      "Ich glaube nicht, dass er jemandem wie dir etwas antun könnte. Ich glaube, mein Vater ist in jedweder Hinsicht etwas ... weich? Egal was man von ihm will, meistens sträubt er sich dagegen, als würde es ihn selbst umbringen - er lässt sich nichts sagen." War Rikiya nicht immer schon so gewesen? Seitdem Nayantai denken konnte, war sein Vater zwar eine freundliche und offenherzige Person gewesen, aber ... wann hatte er sich auch jemals an Regeln gehalten? Es fühlte sich schon komisch an, allein daran zu denken, dass Rikiya so wenig mit ihm gemeinsam hatte - und doch überschnitten sie sich in einigen Punkten. "Willst du denn wirklich ein Welpe sein? Ist das für dich in Ordnung?" Konnte er einem Lamm überhaupt einen Wolfspelz anlegen, oder wäre das verschenkte Zeit, die er anderweitig aufwenden konnte? Nun, das musste er erst beantworten, egal wann oder wie - er hatte gerade keine Lust, es sich bildlich auszumalen. "Nicht?", fragte er, nur um Rain noch einen Kuss aufzubrummen. Ehrlich gesagt wunderte er sich, wenn auch nicht sehr, weswegen er sich dem Blonden nicht schon früher geöffnet hatte - wieso er seine Sprache nicht schon seit Ewigkeiten beherrschte. Nayantai fühlte sich manchmal doch verloren, aber Rain war der Ankerpunkt, den er im offenen Meer fand. "Hm?", fragte er, nachdem Rain ihn anstupste und schließlich küsste - und Nayantai konnte nicht anders, als leise zu lachen. "Du bist niedlich."
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    • "Ich... weiß nicht genau. Es gibt viele Dinge die ich niemand anderen fragen kann. Ich habe viel gelesen, aber... ich würde gern wissen wie dein Leben war, weil du tatsächlich da draußen warst und Dinge erlebt hast... macht das Sinn?", fragte Rain etwas verlegen, der keine konkreten Fragen parat hatte. Er war immer schon interessiert gewesen an dem Leben da draußen, egal ob in Adrestia oder Thria, egal ob reich, oder arm, ob Schaf, oder Wolf, alle hatten eine Geschichte zu erzählen. Für Rain, der immer nur hier drin war und kaum jemanden hatte, mit dem er sprechen konnte, war fast alles interessant. Seine Mutter war die Einzige die ihm offen und ehrlich von ihrem Leben erzählt hatte und auch von seinem Vater, den er aber nie persönlich etwas gefragt hatte, weil er sich nicht getraut hatte. Rain war auch sicher, dass es da einige Sachen gab, die seine Mutter ihm nicht erzählt hatte, entweder weil der Fürst von Fhaergus es ihr verboten hatte, oder weil sie es gar nicht erst wollte, aus welchen Gründen auch immer. "Hm... du hast dich also mit ihm geprügelt? Und dann wurdet ihr erst mal Freunde? Oder wart ihr davor schon Freunde?" Eben hieß es noch als Wolf müsse Rain sich nicht prügeln und das machte auch gar keinen Spaß... naja.

      Rain kicherte. "Das klang... widersprüchlich. Er ist weich, aber lässt sich nichts sagen. Hm... ich würde ihn gerne einmal treffen." Auch wenn das vermutlich nicht möglich war. Eigentlich würde er allgemein gerne mehr Menschen treffen, aber das war nicht so einfach. "Hm bin ich dir lieber als Lamm?", wollte Rain wissen, was war er denn auch schon? Es war vermutlich auch gar nicht wichtig. Ob Schaf, ob Wolf, Welpe, oder Lamm, es war egal, sie beide waren hier und hatten sich irgendwie ineinander verliebt. Genau deshalb vermutlich bekam er noch einen Kuss. Rain fragte sich ob jemand unerfahrenes, der Nayantai vor Allem auf emotionaler Ebene unterstützen konnte, genau das war, was der Wolf nun auch wollte und brauchte, auch wenn Nayantai manchmal ganz schön anhänglich wurde, vor Allem dann, als sie sich noch gar nicht so gut kannten. Nach dem was er erlebt hatte, war aber etwas Zärtlichkeit vermutlich auch etwas, das er gebraucht hatte und allein weil Rain gerade daran denken musste, schmiegte er sich auf einmal fest an Nayantai und zog ihn in eine feste Umarmung. "Dann mache ich wenigstens etwas richtig.", schmunzelte er.
    • "Irgendwie schon, aber ich wüsste nicht, wie ich es dir erklären kann. Für dich ist es vermutlich schon etwas besonderes, wenn du einen Fuß aus diesem Steinhaufen setzen kannst, während es für mich etwas komplett normales ist ... naja, zumindest war es das", brummte der Wolf, der schon lange nicht mehr sein eigener Herr gewesen war. Nayantai wusste, dass ihm nicht sonderlich viel übrig blieb - dass es beinahe schon verwerflich war, Rain das Wissen vorzuenthalten und doch wusste er nicht, was er ihm sagen sollte, was es gab, das das Lamm überhaupt hören wollte. Was war es, das er ihm erzählen konnte? "Dort draußen ... ich glaube, es fühlt sich befreiend an, wenn du einen Schritt vor die Tür setzen könntest. Manchmal reicht auch eine leichte Brise, die die eigenen Sorgen davonfegt und welke Blätter und Blüten durch den Wind tanzen lässt, aber das ist ... nicht mehr als ein Wunschtraum." War das wirklich aussagekräftig? War das überhaupt irgendetwas von Bedeutung, dass den Welpen interessierte, der ihn gerade nach seinem Leben fragte? Nun, Nayantai konnte vermutlich nicht alles über sich teilen, auch, wenn er eben das wollte. "Oh, nein. Also, Muhan, ich, zwei andere Freunde und Tei sind in der Nähe voneinander aufgewachsen. Ich habe mich, warum auch immer, mit Muhans ehemaligem besten Freund, Khasar, gestritten und wir haben uns geprügelt ... und Muhan hat uns dafür beide geschlagen. Dann haben wir uns angefreundet." Irgendwie passierte das häufig, nicht?

      "Mein Vater ist immer widersprüchlich! Er ist der König der Wölfe, sagt, er kann keine Schafe töten und dann reißt er sie in Einzelteile!" Nun klang er beinahe empört darüber, dass Rikiya etwas konnte, das er nicht konnte - lügen. Aber war all das wirklich gelogen, oder waren es einfach nur unglückliche Zufälle, die alle aufeinander trafen? "Ich mag beides, also obliegt das wohl deiner Entscheidung", antwortete Nayantai. In Wahrheit war er sich gar nicht sicher, was Rain überhaupt für ihn war - liebte er ihn, weil sein Herz sagte, er sollte, oder liebte er ihn, weil er glaubte, dass er musste, um weiterhin einen Wert in seinen Augen zu besitzen? Beinahe, fast beinahe, fühlte er sich verloren und etwas vergessen, in dieser vermaledeiten Welt aus Stein und Glas, in der er sich festgekettet fühlte. Seine Hände, vermutlich grob und rau, strichen sanft über den Rücken eines kleinen Lammes, eines jungen Mannes, der sich in seinen Armen so geborgen fühlte, ohne zu wissen, wozu dieser Wolf überhaupt fähig gewesen war. "Du machst vieles richtig", gestand ihm der Wolf, ohne weiter zu erläutern, was es war - stattdessen drückte er Rain an sich, wollte ihn gar nicht mehr gehen lassen, sondern bis an das Ende seiner Zeit an seiner Seite wissen. Nun, war es das, was er wollte, oder gab es doch andere Dinge, die ihn hier festhielten? "Weißt du, irgendwie bin ich froh, dass ich hier bin ... dass ich bei dir und du bei mir bist."
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    • "Es muss nichts Besonderes sein, oder Langweiliges, was auch immer du mir erzählen willst!", winkte Rain mit einem breiten Lächeln ab. Er war nicht scharf auf irgendetwas Bestimmtes, auch nicht auf etwas Skandalöses, oder etwas, was dem Wolf nahe ging. Seine Kindheit, sein tägliches Leben, seine Familie, all das war interessant, auch schlicht und einfach Traditionen. Er verstand es, wenn Nayantai nicht darüber nachdenken wollte, was er verloren hatte, oder über bessere Zeiten, er musste also im Endeffekt gar nichts sagen, er wirkte jetzt schon ein wenig niedergeschlagen, weil er sich hier aufhalten musste und nur wenige Meter nach draußen konnte. "Ich... naja... vielleicht ist es ja doch eines Tages möglich, wenn es wärmer ist, im Sommer. Ich... habe ja den kalten Wind beim Fenster auch relativ gut überstanden, ich hatte kein Fieber, nur einen lästigen Husten und Halsschmerzen. Wenn ich mich also richtig warm anziehe und auf einen warmen Tag warte, vielleicht kann ich dann..." Er hatte schon so lange nicht mehr davon geträumt, er hatte solche Gedanken vor Jahren aufgegeben, aber vielleicht hatte Nayantai Recht damit zu sagen, dass er sich mehr zutrauen sollte und dass diese 'Regeln' die besagten, er konnte nicht nach draußen, Unsinn war, den keiner überprüft hatte. Rain hatte Angst, das hatte er wirklich, aber vielleicht nur weil es ihm von klein auf so beigebracht wurde. Er glaubte nicht, dass er reisen konnte, oder jetzt nach draußen sollte, aber niemals war vielleicht auch übertrieben. "Ich verstehe nicht ganz...", lächelte Rain entschuldigend, teilweise hatte er nicht jedes Wort verstanden, andererseits verstand er auch nicht recht, wie man sich so anfreunden konnte, das war nicht Teil seiner Welt und Kultur.

      "Hm... vielleicht will er es nicht. Aber als König muss er wohl.", erklärte Rain, als König der Wölfe zumindest. Die Schafe waren da anders, ihr König beteiligte sich nicht aktiv am Krieg, aber das wusste Nayantai nur zu gut. Noch einmal wurde ihm klar, dass Nayantai ja tatsächlich selbst einmal König werden würde und Rain wäre nur irgendwann ein einfacher Fürst von einem kleinen Land... "Du kannst mich nennen wie du willst!", lachte Rain, Spitznamen machten ihm nichts aus, er mochte sie alle, war nur selbst nicht gerade mit viel Kreativität gesegnet und nannte den Wolf eigentlich immer bei seinem Namen. Nicht einmal ein Spitzname fiel ihm ein um den Namen zu kürzen. Der Blonde schmiegte sich enger an Nayantai und genoss die sanften Berührungen, das Streicheln über seinen zarten Rücken. Er hatte das wirklich, wirklich vermisst. "Ich bin auch froh, dass du hier bist. Egal was passiert, die Zeit wird uns niemand nehmen... niemals. Ich... ich werde immer daran denken, selbst wenn wir getrennt sind weil wir noch einen Weg finden müssen, damit wir zusammen bleiben können.", flüsterte Rain. Selbst wenn sie für eine Weile getrennt wurden, Rain würde den Wolf nicht vergessen...
    • "Egal was? Ich habe so viele dumme Geschichten, die es vielleicht gar nicht wert sind", lachte der Wolf. Nayantai hatte viele von ihnen, viele, die schon so lange unter einer Decke von Wut, Trauer und Hass begraben waren. Seine Brüder waren schon viel zu lange tot und er, er hatte seinen eigenen Tod schon viel zu lange ignoriert, aber ... wieso sollte er auch versuchen, sich selbst zu begraben, wenn es viel einfacher wäre, wenigstens seine unnötigen Geschichten an jemanden weiterzugeben, der gar nichts hatte, außer sich selbst und seine eigene Einbildung? Nicht, dass es die Toten wieder zum Leben erwecken würde, aber vielleicht half es ihm zu ergründen, was genau er verdrängte und mit Zwang vergaß und was davon einfach so in die Unkenntlichkeit gerutscht war. "Kann ich denn überhaupt in Fhaergus bleiben, bis es Sommer wird?", erkundigte sich der Wolf, der sich oftmals sehr unsicher war - und wenn er ehrlich war, dann ging er nicht davon aus, das Land der Schafe bald seine zweite Heimat nennen zu können. Wollte er das denn? "Mh, ich rede zu viel, oder?" Nayantai kratzte sich beschämt am Hinterkopf. "Es ist nur, ich habe Muhan kennengelernt, weil ich mich mit jemand anderem geschlagen habe - macht das mehr Sinn für dich?" Khasar war doch ohnehin schon lange tot und auch, wenn er sich genau daran erinnern konnte, wie Muhan aussah, oder ausgesehen hatte, so war das bei Khasar nicht der Fall - all die Erinnerungen waren da, aber verschwommen und unkenntlich.

      "Ja, sein Volk sitzt ihm immerhin im Nacken und er kann schlecht sagen, er wehrt sich nicht dagegen, wenn eine Horde Schafe sein Land angreift. Wobei das zuvor sowieso die Entscheidung meiner Mutter war - mein Vater hat noch nie gerne gekämpft." Wieso auch? Nayantai hatte ihn selten mit einer Waffe in der Hand gesehen und wenn er sich doch auf ein Schlachtfeld durchrang, dann verwendete er nur zu gerne alles, das er seinen Gegnern entreißen konnte. "Also kann ich dich auch Rain nennen, Rain?", fragte der Wolf, sichtlich belustigt ob der abstrusen Situation in der er sich gerade wiederfand. Was war die Wahrheit, nach der sie beide suchten und wieso fühlte er sich hier und jetzt gerade so, als hätte er sich ohnehin schon auf etwas festgelegt, dass das Lamm gar nicht erst gewollt hatte? Womöglich war es reine Einbildung, vielleicht aber auch die Wahrheit, die er viel zu gerne verschmähte und verdrängte. "Wenn wir getrennt sind? Und was ist, wenn ich gar nicht erst vorhabe, dich gehen zu lassen?" Würde er hierbleiben, so würde man nicht nur ihn hinrichten, weil er existierte, sondern auch Rain, weil er ihm ein Dach über dem Kopf angeboten hatte - ging er zurück nach Hause, dann würde man ihm dort den Hals umdrehen, weil er nicht an Tei's Seite gestorben war und würde er versuchen, ein gesundes Mittelmaß zu finden, dann würde er so oder so mit dem Feuer spielen und irgendwann sterben. Nayantai erlaubte es sich erneut, einige blonde Strähnen aus Rains Gesicht zu wischen. "Wir haben noch ein paar Wochen, oder?"
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    • "Glaub mir, alle sind es Wert!", lachte Rain. Er freute sich über alles das er erfahren konnte, selbst wenn es eigentlich die Erfahrungen eines anderen waren. Nicht, dass er Nayantai zwingen wollte etwas preis zu geben, aber genau deshalb wollte er ja auch sein Freund werden, deshalb hatte er ihn hier eingeladen und freundlich behandelt, damit sie sich als Freunde austauschen konnten. Rain war wissbegierig und neugierig, schlecht für jemanden, der eigentlich kaum eigene Erfahrungen machen konnte. Bücher reichten ihm schon lange nicht mehr und alle die hier waren, hatte er bereits gelesen. "Hmm... vielleicht nicht diesen Sommer, aber irgendwann wird es möglich sein. Wir wollten doch einen Weg finden?", lächelte der angehende Fürst. Positiv zu denken war alles was ihn über Wasser hielt, also wollte er das auch gar nicht aufgeben. Für den Augenblick drückte er sich aber erst noch einmal fest an den Wolf, er wollte ihn gerne hier behalten, aber im Moment sah er keine Möglichkeit dazu. "Du redest nicht zu viel. Ich höre dir gerne zu.", erklärte Rain mit einem weiteren Lächeln. "So meintest du das also... hm... ist das bei den Wölfen denn üblich sich so kennen zu lernen? Habt ihr euch verletzt?", fragte Rain weiter.

      "Naja, das ist doch nichts Schlechtes. Wenn der König der Wölfe den Frieden vorzieht... das steigert doch zumindest die Chancen, dass wir Frieden erzielen können, nicht wahr? Den Kronprinz haben wir schließlich auch auf unserer Seite!" Rain sagte das so einfach, aber selbst wenn die Wölfe diesen Krieg beendet wollten und vergessen konnten, was passiert war, Rain glaubte kaum, dass sein König irgendwelches Interesse daran zeigte, oder Rain überhaupt zuhören würde. Er war sich nicht einmal sicher, ob sein eigener Vater zuhören würde, auch wenn er glaubte, dass er seine Männer nicht unbedingt gerne in den möglichen Tod schickte. "Natürlich kannst du mich Rain nennen, Nayantai.", lachte Rain, der die Aussage etwas komisch fand. "Ich weiß, dass du bei mir bleiben willst, aber wenn ich dir sage, dass du gehen musst, dann musst du das tun. Versprochen? Das heißt nicht, dass du nicht zurück kommen darfst, aber wenn du tot bist, dann sind wir ohnehin getrennt und das will ich nicht.", erklärte Rain mit Nachdruck. Er war sich sicher, nach all den Diskussionen die sie bereits gehabt hatten, verstand der Wolf das auch, er konnte nicht ewig hier bleiben. Rain konnte nicht sagen, wohin er gehen sollte, aber er konnte jedenfalls nicht im Anwesen sein. Er war ein Wolf und kälte gewöhnt, wenn er nicht nach Hause wollte, dann konnte er sich vielleicht in den Bergen eine Bleibe suchen, auch wenn ein halbes Jahr alleine schon furchtbar genug klang. "Ja haben wir, bis dahin sollten wir die Zeit nutzen. Also sag mir, was du gerne tun möchtest."
    • "Rain, ich ... kann dir nicht alles erzählen, aber wenn du sie hören willst, ich habe ein paar", lachte Nayantai zufrieden. Nun, von dem Tod seiner Brüder oder dem seiner Mutter, dem Khasar's oder Tei's würde er wohl nicht reden müssen - all das würde nur die Laune verderben, die ohnehin meist durch eine Kleinigkeit einen großen Umschwung erlitt. "Ich hatte zwei jüngere Brüder. Dayan, der Ältere von den beiden, hat sich an meine Fersen geheftet wie ein Küken an seine Mutter. Egal, was ich machen wollte, Dayan hat förmlich an mir geklebt und hat sich selten abwimmeln lassen. Irgendwann hat er mich auf die Jagd begleitet, weil er nicht Zuhause bleiben wollte", erklärte der Wolf seinem Liebsten und fing dann an, seinen vernarbten Oberkörper und seine Arme abzutasten, als würde er nach etwas suchen, das er schon lange nicht mehr angesehen hatte. Nayantais Hand blieb an einer langgezogenen, dickeren Narbe stehen, die eigentlich aus mehreren Narben zu bestehen schien. "Lange Rede, kurzer Sinn - er hat es geschafft, einen Bären auf uns beide zu hetzen" - und Nayantai schien darüber zu lachen. Vermutlich, weil er in Erinnerungen schwelgte, in denen es nicht wichtig war, ob er lebte oder atmete, solange es seinem Bruder gut ging. "Und hier ...", er suchte nach einer anderen Narbe und deutete dann auf einem Punkt an seiner Schulter. "Hat er mir unabsichtlich einen Speer in die Schulter gerammt." Lachte er noch immer? Vermutlich. "Wenn nicht diesen Sommer, dann nächsten Sommer."

      "Ich meine, Khasar und ich haben uns immer verletzt, aber ... naja, ich glaube Muhan hat es noch schlimmer gemacht. Wölfe lernen sich oft so kennen, vor allem wenn sie jung sind, aber nicht immer. Also vielleicht?" Dann fiel ihm ein, dass er Shuren eigentlich auf ganz anderem Wege kennengelernt hatte und wenn Rain schon willig war, seinen Worten zu lauschen, warum nicht ... "Shuren, einer von meinen und Muhans Freunden, schlägt sich mit gar keinem. Er ist ziemlich eitel und würd, vermutlich, keine Waffe der Welt freiwillig berühren. Ich glaube, ich habe ihn kennengelernt, weil Tei ihn angeschleppt hat? Naja, er hat sich einmal mit mir und Muhan geschlagen, aber ... er hat hochkant verloren." Nayantai fühlte sich in seine Jugend zurückversetzt, in seine Kindheit wohl eher, an einen Ort, an den er schon so lang nicht mehr gedacht hatte. Was war die Wahrheit, was war lediglich reine Lüge und womit begründete er as plötzliche, warme Gefühl das sich in dem klaffenden Loch in seiner Brust auftat? "Nur, weil wir Wölfe das möchten, heißt das nicht, das euer König das will - vergiss das nicht." Nun hatte Nayantai wirklich viel zu viel über sich selbst geredet, aber es zeugte nur davon, dass er nicht alles vergessen hatte und das Erinnerungen durchaus dazu imstande waren, ihn zusammenzuhalten. "Mh, auch wenn ich nicht gehen will ... versprochen. WENN ich dich mitnehmen darf, wenn ich wiederkomme. Nur für ein oder zwei Tage, das reicht mir." Nach Thria würde er es in dieser Zeit nicht schaffen, aber ein Stück vor Rains Haustür. "Ich kann nicht sterben, ohne dass ich mit dir im Gras gelegen bin und die Sterne beobachtet habe." Hatten sie sich eben das nicht versprochen? "Hmmm. Zuerst, mich waschen und dann ... mit dir kuscheln?" Nayantai war einfach gestrickt. "Oder ... naja."
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    • "Ich weiß, dafür reicht die Zeit nicht, also such dir welche aus!", lächelte Rain fast schon ein wenig aufgeregt. Wie lange war es her, dass er etwas neues lernte, oder erfahren konnte? Naja... nicht so lange da Nayantai ihm ja schon einiges Neues näher gebracht hatte, aber er wollte so gern einen Ausschnitt aus einem anderen Leben kennen lernen, einem schönen Leben, als Nayantai auch einmal Spaß gehabt hatte, vor dem was ihm passiert war und zumindest schien Nayantai nichts dagegen zu haben und sogar darüber zu lachen und sich zu freuen. Rain lauschte dem Wolf also aufgeregt, mit funkelnden Augen, als wäre es seine eigene Geschichte. Sein Blick glitt hinab an Nayantais Körper, folgte seinen Fingern und betrachtete eine von den vielen Narben genauer. Rain wagte es nicht seine Finger darauf zu legen, aber er betrachtete sie eine ganze Weile lang, ehe er sich die zweite Narbe ansah. "Unabsichtlich? Wie?", wollte Rain wissen, traute sich aber nicht ebenfalls über die Geschichte zu lachen, jedenfalls nicht so laut.

      "Hm... und vorhin hieß es noch ich müsse mich als Welpe nicht prügeln... naja Shuren macht mir dann wenigstens ein bisschen Hoffnung.", erklärte Rain kichernd. Vermutlich hätte Nayantai Rain keines einzigen Blickes gewürdigt, wäre Rain ebenfalls ein Wolf und mit ihm aufgewachsen, er hätte ihn vermutlich niemals gemocht, weil er gar nicht zu all diesen Erzählungen passte. Ob er als Wolf anders aufgewachsen wäre? Davon ausgehend, dass er nicht schon längst gestorben wäre... "Das weiß ich, aber einer der dazu bereit ist ist schon Mal besser als keiner.", erläuterte Rain mit einem leichten Lächeln. "Mich mitnehmen? Sofern es draußen gerade Gras gibt, würde ich es gerne versuchen... mit dir gemeinsam. Aber dem Schnee komme ich besser nicht zu Nahe...", lachte Rain etwas verlegen. Er wollte doch wirklich nach draußen, auch wenn Nayantai sich nicht vorstellen konnte, welche Angst Rain davor hatte, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Selbst jetzt bei dem Gedanken fühlte sich sein Herz an, als wäre es ihm in den Magen gerutscht und gab jetzt schon auf. "Oder...?", fragte Rain nach, löste sich aber bereits um nach einem kleinen Tuch zu greifen, Nayantai wollte sich ja schließlich waschen!
    • "Ich hab' aber zu viele um mir irgendwelche auszusuchen und dir würden sicher die Meisten davon gefallen!" Es wäre schön, wenn er auf seiner Heimreise mit Rain kommunizieren konnte, aber er kannte die Schrift der Schafe nicht und wusste nicht, wie man die meisten Wörter in ihrer Sprache schrieb - und für Rain war es umgekehrt genau so. Wahrscheinlich genügte ein Blick auf die unordentliche Handschrift eines Wolfes um ihn abzuschrecken und ihm zu sagen, dass er sich all das gar nicht erst ansehen sollte - einfach, weil es nicht leicht zu erklären war. "Er kam auf mich zu gerannt - er war noch relativ klein - ist gestolpert und, naja, es hat gereicht um mir für ein oder zwei Tage Schmerzen zu geben", erläuterte er dem Schaf. Alles, was Nayantai von Dayan hatte, waren Geschichten und Narben - und die Bestätigung in seinem Hinterkopf, dass er - als sein großer Bruder - versagt hatte. "Im Endeffekt bin ich froh darüber, dass ich Narbe davon habe, weißt du? Oh, außerdem!" Nayantai fing an, nach noch etwas auf seinem Arm zu suchen, als wäre es das Normalste auf der Welt, so viele Narben zu besitzen und sie alle herzuzeigen, als wären sie Schmuck. "Die hier." Im Vergleich zu vielen anderen war sie delikat, beinahe unsichtbar und sah aus wie ... eine Bissspur. "Dayan hat mich einmal gebissen und einmal hat gereicht, damit ich eine Narbe davon habe."

      Gleich wie sein Vater, so schien es, hatte sein Bruder überdurchschnittlich spitze Zähne gehabt, die Nayantai wohl oder übel nie in seinem Leben sein eigen nennen würde - aber das genügte, immerhin konnte er so oder so fest zubeißen, ohne dass er sich sonderliche Gedanken darüber machen musste, was genau er wollte. "Das obliegt ganz deiner Entscheidung! Und ... mach' dir nicht zu viel Hoffnung, Shuren kann ziemlich gemein sein. Wenn er mich beleidigt, dann tut es fast so weh, als würde er mich schlagen." Während er und Muhan sich wohl lieber schlugen und so sehen konnten, wer von ihnen der Stärkere war und dementsprechend recht hatte, so war es Shuren, der ihnen oft genug sagte, dass sie dumm waren und nie in ihrem Leben für irgendetwas gut sein würden - einfach, weil er es nicht aushielt, dass sie sich gegenseitig so verunstalteten. "Da ... hast du auch wieder recht", nur würde das vermutlich auch heißen, er hatte sich dem König wiederum zu stellen und für sich selbst zu entscheiden, dass er die Schandtaten, die ihm widerfuhren, einfach so vergeben und vergessen waren. Konnte er das denn? "Mh, dann ... im Sommer, wenn ich wirklich bei dir sein kann. Es wird mir vermutlich warm werden, aber ich kann meine Kleidung auch ausziehen!" Ob das sein Problem lesen würde, war fraglich - Hitze hatte ihm noch nie gut getan und er selbst mochte sie auch kein Stück. "Oder ich bringe dich in dein Bett und mache dort weiter, wo ich aufgehört habe!" Schließlich musste er irgendwann über seinen eigenen Schatten springen, oder?
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    • "Naja, du musst mir ja nicht alle auf einmal erzählen.", lachte Rain. Würde Nayantai über sein ganzes Leben erzählen, dann wären sie sicher Jahre damit beschäftigt, vielleicht beschränkten sie sich aber vorerst auf ein paar Geschichten, bis der Wolf es Leid war sich den Mund fusselig zu reden. "Du bist froh?", fragte Rain nach der Erläuterung nach, obwohl er sich schon denken konnte warum, irgendwie war es trotzdem wie ein Erinnerungsstück, eines, das Nayantai immer begleiten würde. Es waren wohl nicht alle Narben auf seinem Körper schlecht und nicht alle waren mit Krieg und Leid verbunden, manche hielten ihn vielleicht sogar noch beisammen, weil er sich an bessere Zeiten erinnern konnte. Rains Blick wanderte weiter zu der weiteren Narbe die Nayantai ihm zeigte und Rain strich sanft darüber, sie war nicht so präsent wie alle anderen. "Das sieht ja fast aus als hätte dich... naja... ein Wolf... gebissen!", stellte Rain teils schockiert und teils amüsiert darüber fest, dass Wölfe wohl auch zubeißen konnten wie ihre tierischen Artgenossen. "Hast du ihn geärgert?"

      "Ich glaube ich müsste mich erst an all das gewöhnen, eine ganze Weile lang. Schafe gehen ganz anders miteinander um, vor Allem in meiner Position.", erklärte Rain mit einem leichten Lächeln. Natürlich gab es auch hier Prügelein, aber das Meiste fand dann doch bei Turnieren statt, in einem geregelten Umfeld. Außerdem schien es so, als hätten die Schafe zumindest dem Schein nach mehr Respekt voreinander, auch innerhalb der eigenen Familie. Es war nicht schicklich sich zu prügeln, oder zu streiten, natürlich waren Kinder aber auch hier nur Kinder. Rain blickte auf, nachdem er einen Moment darüber nachgedacht hatte und entsann sich wieder auf ihr Gespräch. "Solange du nicht nackt herum läufst!", erklärte Rain lachend wohlwissend, dass dieser Wunsch im Moment außer Frage schien. Wie sollte er den Wolf auch hier behalten können? Im Sommer waren hier zudem viel mehr Menschen unterwegs die Gerüchte nach außen tragen konnten. "Da... wo du aufgehört hast...? Mich... küssen? Naja... das eine schließt das andere ja nicht aus.", erwiderte der Blonde nun wieder etwas verlegen und mit roten Wangen. Um darüber hinweg zu täuschen, tunkte er den Schwamm ins Wasser und drückte ihn anschließend Nayantai in die Hand. "Dann an die Arbeit."