spellbound. (earinor & akira)

    • "Wir sterben sowieso alle wie Fliegen, wenn dieser Krieg so weitergeht und ich dich alleine lasse", gab der Wolf etwas kalt zurück, als er sich vor Augen führte, dass es ihm wohl nie anders ergehen würde, wie seinem jüngeren Bruder. Irgendwo, alleine auf einem beinahe schon leeren Schlachtfeld, während einem das eigene Blut und das der Feinde vom Körper triefte und man wusste, dass es kaum noch einen Ausweg aus der eigenen Misere geben würde, wenn man sich nicht zum gehen umwandte und sich eingestand, dass man fliehen sollte, bevor es schlimmer wurde. Wer nicht hören wollte, der musste fühlen, so wie Dayan es getan hatte - er war nicht mehr als eine von vielen, viel zu vielen, gesichtslosen Leichen gewesen, die sich auftürmten. "Schlimmstenfalls nehme ich dich eben mit und dein Vater steht alleine hier ... ich bringe dich auch wieder zurück, wenn du das willst", nuschelte er und lief Rain hinterher wie ein kleines Hündchen, das Angst hatte, von seinem Besitzer alleine gelassen zu werden. Was waren sie beide, wenn nicht ein Enigma? Wieso funktionierten miteinander, aber nicht gänzlich ohne einander? War es ein Zauber, der sie verblendete oder war es doch die Wahrheit? "Mach dir keinen Kopf darüber, Rain, es ist alles in Ordnung." Würde er alleine nach Thria marschieren, so würde ihn auch das nicht umbringen.

      "Nun, wenn wir uns keine Mühe geben, ja." Nicht alles war unmöglich, das wussten sie beide, aber gleichzeitig waren sie beide Pessimisten, die sich so fühlten, als würden die Leichen ihrer Geliebten noch immer zu ihren trägen Beinen liegen und ihre Griffel nach ihm ausstrecken, ihn bei sich behalten wollen und nie wieder gehen lassen wollen. Nayantai könnte sich noch so sehr an seine Vergangenheit klammern, noch so sehr an die Fragmente und Scherben, die er aufklauben musste, damit er sie zusammensetzen konnte und doch würde all das in nicht mehr resultieren als Schmerz und Unmut - vor allem dann, wenn er sich zu sehr mit der Materie beschäftigte. Seine Mutter war tot, gleich wie Tei, gleich wie Dayan, gleich wie Khenbish, gleich wie er sein sollte - egal war mittlerweile jedoch alles davon. Nayantai rannte Rain hinterher, wollte nicht länger stillsitzen und wollte sich mit irgendetwas befassen, das sie vielleicht auf andere Ideen brachte. "Das glaube ich auch nicht, mach dir keine Sorgen über solche Dinge. Ich meinte nur, dass Schafe vermutlich allgemein eben diese Meinung von uns haben." Schneller als gedacht holte er zu dem Lamm auf, als hätte er sich vorhin nur Zeit gelassen und wollte sich eigentlich gar nicht so beeilen, wie er es gerade tat. "Dass du dir selbst das Leben nehmen sollst, habe ich nicht gesagt - ich meinte lediglich, dass man dich von deinem Leid erlösen würde aber ... dazu besteht kein Grund, wenn du schon gelebt hast."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain wollte Nayantai eigentlich nicht kränken und doch hatte er es getan. Der krieg schien tatsächlich aussichtslos für die wenigen Wölfe,die verstreut durch Thria umher zogen und deren Grenze sich immer weiter ins Landesinnere verlagerte. Nayantai Aufgabe war es, das zu ändern und doch schien es so schwierig, wenn nicht sogar unmöglich und Rain, der helfen wollte, konnte nicht, weil er Angst um sein eigenes Volk hatte. Würde er sich auf die Seite der Wölfe schlagen, so würde Fhaergus bald alleine da stehen und alleine würden sie nicht ewig überleben können, auch wenn die Berge wie eine natürliche Mauer waren, die das land leichter zu verteidigen machte. Im Moment hatten sie nicht einmal viele Soldaten im Land, nebst der Stadtwache und Rains Leibgarde, da die Armee nicht wie sonst, noch immer nicht zu Hause war. Was war da nur los? Was machte sein Vater gerade und wieso war er nicht hier?

      Rain ging weiter voran, gemächlich, wie er es immer tat, als müsste er aufpassen, weil er zerspringen konnte, wenn er nur zu fest auf den Boden trat. Das war natürlich Unsinn, sein Körper hatte auch die Kissenschlacht ausgehalten und hielt den Fängen eines Wolfes stand, aber Rain... sollte jetzt nicht daran denken. "Und trotzdem würde ich in Thria nur allen zur Last fallen, vor Allem dir. In Fhaergus kann ich mir zumindest sagen, dass alle Fürsten sich so bedienen lassen, wie ich es tue.", seufzte er, warum war er auf einmal auch so trübsinnig und hatte zusätzlich ein schlechtes Gewissen, weil er Nayantai gedrängt hatte, über eine scheinbar unausweichliche Zukunft nachzudenken, die nur bereit hielt, dass er sich zu seiner toten Familie gesellte. Als Rain in seinem Arbeitszimmer angekommen war, wartete er, dass auch der Wolf durch die Tür geschritten war, dann schloss er sie hinter ihnen beiden, trat an Nayantai heran und stellte sich auf die Zehenspitzen. Er griff nach den Wangen des Wolfes, zog ihn zu sich herunter und küsste ihn. Er wusste nicht genau warum, aber er hatte das Gefühl, dass er das jetzt tun musste, als Zeichen, dass er alles was Nayantai falsch auffassen konnte, nicht so meinte, dass er wusste, wie schwer es war und als Entschuldigung für das überaus schlechte Thema und das mögliche Fehlen seiner Feinfühligkeit. Und als Entschuldigung dafür, dass er nun eine Weile lang mit etwas anderem beschäftigt sein würde. Er löste sich langsam von Nayantai, musterte ihn mit leicht geröteten Wangen und hoffte, dass sie sich beide nun etwas besser fühlten und den Tag überstehen würden. "Ich mache mich jetzt an die Arbeit... zögere nicht mir zu sagen, wenn du etwas möchtest...", wisperte er lächelnd, bevor er sich gänzlich von Nayantai entfernte, um seinen großen Schreibtisch herum ging und sich setzte.
    • Wer war schon in Thria außer die leeren Hüllen der Toten? Nayantai wusste, dass auch sie ihn heimsuchen würden, egal wie sehr er sich dagegen wehren würde und egal wie sehr er versuchen würde, den Geistern seiner Vergangenheit zu entfliehen. Rannte man nur davon, dann erreichte man in seinem kurzen Leben nicht mehr als die eigene Zerstörung, nicht mehr als den eigenen Schmerz - Nayantai wusste das, kam nicht drumherum sich dem Willen der Natur zu beugen und wusste auch, dass es weiterhin nichts bringen würde, wenn er sich einfach querstellte und lieber versuchte, sein eigenes Leben auf die Reihe zu bringen, anstatt sich wieder seinem Volk zu widmen. Egal was er versuchen würde, man würde ihn verfolgen, ob nun in die Welt der Lebenden oder der Toten war egal; das, was jedoch nicht egal war, war, dass er lebte und noch immer atmete, sich noch immer mit einem Lamm herumtrieb, bei dem es nicht viel mehr benötigte, als etwas Druck auf seinem Hals, um ihm entweder die Luft abzuschnüren oder das Genick zu brechen. So verlockend sich beides anhören konnte, so schlimmer war allein der Gedanke daran, dass er Rain etwas antun würde, wenn er wollte.

      "Du würdest mich aber auch in Thria nicht stören - das heißt ja auch nicht, dass du nicht länger Fürst von Fhaergus wärst", entgegnete er dem Lamm. Nayantai wusste genau, dass er nicht weiterhin vor der Wahrheit davonrennen sollte, dass er akzeptieren durfte, dass das hier falsch war und doch konnte er nicht, weil es ihm schlichtweg einfach unmöglich war, sich gegen das Lamm zu sträuben, das nur die Wahrheit zu sprechen schien. Ohne jedwede Vorwarnung, kaum hatte sich die schwere Tür hinter ihnen geschlossen, spürte er die weichen Lippen Rain's auf den seinen, wirkte etwas perplex, als wäre es etwas gewesen, das er weder erwartet hatte, noch glauben konnte. Was nun? "Wofür ... war das?", fragte er das Lamm, dem er hinterher lief, als wäre er noch immer ein armer, kleiner Welpe der nicht mehr kannte oder auch konnte, als eben das. "Ich will noch einen Kuss", sprach der Wolf, der wieder über beide Ohren hinweg grinste, als gäbe es für ihn nichts schöneres. Wieso aber? Rain verdrehte ihm beinahe schon gehörig den Kopf, das wusste er selbst, doch wenn dem schon so war, so dachte er, dann würde er es wenigstens auskosten wollen, so lange er konnte, weswegen er sich auch einfach einen Kuss von Rain stahl, als sich dieser gesetzt hatte.
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    • Rain hätte beinahe ein wenig gelacht, weil der Wolf schon wieder so viel Fantasie zeigte, aber er erwiderte nichts, außer ein Kopfschütteln, weil der Wolf selber wusste, dass das was er sagte, niemals funktionieren würde. Wenn Rain einfach von hier verschwand, dann würde man ihn alsbald als tot erklären, würde er jedem Bescheid sagen, dass er jetzt nach Thria reiste, mit einem Wolf, dann würde man ihn als verrückt erklären und er hätte ebenso kein Anrecht mehr auf sein Land. Vermutlich würde sein eigener Vater ihm den Kopf abschlagen und andernfalls, wenn es doch so aussah, als wurde er entführt, dann würde Caelan von Fhaergus wohl jeden Wolf mit doppelter Kraft entzwei teilen, der ihm unter die Augen trat, bis er seinen Sohn zurück hatte. Das glaubte Rain, auch wenn er nicht glaubte, dass er es wirklich für Rain selbst tun würde, als vielmehr für den Ruf seines Namens... oder?

      ja wofür war der Kuss? Er hatte viele Gründe, die er dem Wolf jetzt nicht alle ausbreiten wollte, der ihm wider erwarten um den Tisch herum folgte, obwohl er doch eigentlich auf der anderen Seite hätte bleiben sollen, um sich zu beschäftigen. Etwas verwirrt sah Rain ihn an, nur um unterbreitet zu bekommen, dass der eine Kuss nicht genug war, als wäre Nayantai ein Kind, das gerne noch einen Keks haben wollte, obwohl es doch immer nur einen hätte geben sollen. Seine Lippen landeten so schnell auf Rains, das dieser gar nicht reagieren konnte und als Nayantai sich wieder löste, versuchte Rain einen strengen, mahnenden Blick aufzusetzen, der durch sein Lächeln jedoch an Kraft verlor. "Der Kuss war unter anderem dafür gedacht, dass wir nicht zu lange ohne einen auskommen müssen.", mahnte er und deutete dann auf einen Sessel auf der anderen Seite des Schreibtisches. "Jetzt gab es zwei, die müssen eine Weile reichen. Du kannst dich dort hin setzen." Er wollte streng klingen, aber das klappte nicht so gut, wenn er selbst ständig lächeln musste, einfach weil er glücklich war, nicht alleine zu sein. Nayantai den Tag über bei sich zu haben war ein schöner Gedanke, auch wenn er nur im selben Raum war und sich anderweitig beschäftigte. Schließlich seufzte er tief. "Es tut mir Leid, dass ich arbeiten muss.", stieß er aus, blickte auf seinen Schreibtisch und bereitete sich seelisch auf die nächsten paar Stunden vor. "Aber wenn ich fertig bin, dann nehme ich mir nur Zeit für dich."
    • Wem gehörte er auch? Sich selbst wohl kaum, aber auch keinem König, der lediglich nach noch mehr Spielzeug verlangte, als das, das er ohnehin schon besaß. Nayantai wollte nichts mehr davon hören, oder gar sehen, wollte sich selbst nicht mehr aus flüchtig angezogener Kleidung schälen müssen, während er seinem geschundenen und immer wunder werdendem Körper in einem verräterischem Spiegel entgegen starrte, kaum legte man die Arme um ihn, berührte ihn an allerlei Stellen und redete ihm gut zu, damit er ja das tat, was man von ihm verlangte. Wären es schwere Ketten, die von seinen Armen und Beinen hängen würden, oder würde Rain ihm doch eher ein Halsband anlegen wollen und an einer Leine zerren, sobald er ihm zu aufdringlich wurde? Das und so vieles mehr konnte der Wolf nicht gänzlich beantworten, gleich wenig wie er sagen konnte, was genau es war, das sie beide dazu verleitete, sich so sehr aneinander zu klammern. War es die Angst davor, bald nicht mehr zu sein? Oder doch eher die Angst davor, dass sie einander nicht ewig in den Armen halten konnten? Was war es denn wirklich, außer Heuchlerei? Der Traum von einer besseren Welt, die dort draußen gar nicht erst existierte, oder zumindest mehr als nur leicht zu übersehen war.

      Wie ein getretener Welpe wirkte Nayantai, als er den Gesichtsausdruck des Lammes sah, der nicht gerade erfreut über den gestohlenen Kuss wirkte. Hatte er wohl etwas falsch gemacht? Doch nicht? Plagte man ihn weiterhin liebend gerne, nur auf subtile Art und Weise? "Spielverderber", brummte er in Rains Richtung, verzog das Gesicht wie ein eingeschnapptes Kind, das gerade erfahren hatte, dass er nicht länger dazu eingeladen war, sich das zu nehmen, was er wollte. "Wenn du das sagst", murrte der Wolf etwas unzufrieden und machte sich schließlich doch auf, zu dem Sessel zu dem man ihn bedeutet hatte, damit er sein Buch dort aufschlagen konnte, wo er das letzte Mal aufgehört hatte. Irgendwo hatte Rain dann doch Recht behalten - viele Seiten waren es nicht mehr, die der Wolf noch zu lesen hatte, aber dennoch ein paar, die ihn zumindest zeitweise beschäftigen würden. "Entschuldig' dich nicht schon wieder!", stieß der Wolf aus und grinste dabei - also war es Rain, der dieses stille, heimliche Versprechen dieses Mal brach, weil er wieder etwas fand, das ihm leid tun könnte. "Wenn du Hilfe brauchst, dann kannst du mich natürlich auch fragen", entgegnete der Wolf ihm lediglich, bevor er sich auf sein Buch konzentrierte. Wie war das noch gleich? Enebish zu verstehen schien, auf seine eigene Art und Weise, nicht leicht.
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    • Der Wolf schien ein wenig beleidigt, weil Rain ihn auf seinen Platz scheuchte, obwohl er doch wissen musste, dass es manchmal Dinge gab, die es zu erledigen galt. Der Unmut hielt auch nicht lange an, als Rain sich erneut entschuldigte, obwohl er das eigentlich nicht mehr so häufig tun wollte und beinahe hätte er sich dafür auch noch einmal entschuldigt. Dass der Wolf ihm jedoch helfen konnte, das bezweifelte er, stellte er sich die Logistik ihrer beider Völker gänzlich verschieden vor. Die Wölfe mussten bestimmt auch genug jagen, oder genügend Felle zur Verfügung haben, aber eine einzelne Gruppe schien aus viel weniger Menschen zu bestehen. Fhaergus war nicht groß, aber vermutlich um einiges Größer, als der Wolf gewohnt war und Schafe waren gleichzeitig auch anspruchsvoller. Sie wollten auf nichts verzichten müssen, auch wenn Fhaergus da, erneut, etwas anders war, weil jedem bewusst war, dass nur Verrückte versuchten die Pässe zu besteigen, wenn der Schnee bis tief ins Tal fiel. Dennoch überlegte Rain, ob er Nayantai nicht bald vorschlug, irgendwo im Haus zu arbeiten, auch wenn er ihn gerne bei sich hatte. "Danke.", lächelte er, bevor er seine Nase endgültig in seiner Arbeit vergrub.

      Während Rain arbeitete und Nayantai sein Buch las, kam irgendwann Sara vorbei mit Tee für sie beide vorbei, den sie auf dem Tisch abstellte. Rain nutzte die Gelegenheit ihr zu sagen, dass sie bitte die Handschuhe für Nayantai zusammen trug und hier her brachte, damit er sehen konnte, ob sich etwas nach seinen Vorstellungen finden ließ. Das tat sie, kam nicht lange später zurück und stellte eine hlzerne Kiste mit einem ganzen Haufen Handschuhe vor Nayantai ab, bevor sie sich wieder verabschiedete, weil Rain nichts Besonderes für sie zu erledigen hatte. Sie hatte ohnehin immer genug zu tun und nachdem Nayantai und Rain so eine Unordnung in Rains Zimmer hinterlassen hatte, machte er sich fast schon ein schlechtes Gewissen.
    • Stille war angenehm, auch, wenn man sie gar nicht haben wollte. Bis auf das Räuspern oder etliches Grummeln einander, das auch nicht sehr oft vorkam, schien es still im Raum zu sein, als würden sie sich beide endlich auf ihre eigenen Arbeiten und nicht mehr aufeinander konzentrieren. So gerne Nayantai wohl seine Arme um Rain gelegt hätte, so gerne er mit seiner Beute spielen wollte, so unmöglich war es eigentlich, eben genau das zu tun. Seine Hände musste er bei sich behalten, konnte sie nicht auf das Lamm legen, weil er es nur ablegen würde und ein hastiger Blick verriet ihm, dass er das Gekritzel auch nie und nimmer entziffern, geschweige denn lesen konnte, wenn er sich nicht anstrenge und zuvor das Alphabet der Schafe lernte. Nayantai griff nach dem Tee, dem Sara in brachte und kippte sich das beinahe noch dampfende Gesöff in die Kehle, in der Hoffnung, es würde ihm irgendwie dabei helfen, sich weiterhin auf die geschriebenen Worte Enebishs zu konzentrieren, aber aus vereinzelten Zeilen wurde er gar nicht erst schlau. Enebish war noch verwirrender, als Rain es war, das tat nichts zur Sache, dass sie beide Schafe waren - aber vermutlich teilten sie sich auch einige Ansichten, die sie beide hatten.

      Als man eine Kiste neben ihm abstellte, wurde der Wolf neugierig. Sara verließ sie beide auch schon wieder, sorgte wieder dafür, dass Stille im Raum einkehrte und Nayantai besah sich des Inhalts. Wofür brauchte er ... ach ja. "Danke", murmelte er nur, als er sich neben der Holzkiste auf den Boden sinken ließ, das Buch beiseite legte und seiner Aufmerksamkeit lieber den Handschuhen widmete, nach denen er sich erkundigt hatte. Was davon eignete sich wohl dafür, einfach nur die lästigen Narben zu verdecken und ihm nicht allerlei Sinne zu berauben? Das erste Paar schien ihm zu groß, das zweite Paar zu klein, das dritte Paar war aus keinem passenden Material für ihn. Mehr, als sich durch die Kiste und ihren Inhalt zu wühlen und zu probieren blieb ihm nicht über, das wusste er, aber er hätte lieber seine eigenen Handschuhe bei sich gewusst, die vermutlich auch nicht mehr als ein paar Fetzen an einem Wegesrand geworden waren. "Weißt du, manchmal wünschte ich mir, dass ich noch all das hätte, was ich verloren habe", nuschelte er beiläufig, als er weitere Handschuhe anprobierte und den Rest beiseite legte.
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    • Rains Arbeit ging schleppend voran, die Forderungen die der König an Fhaergus stellte war unrealistisch und er fragte sich, was die anderen Fürstentümer im Vergleich leisten mussten. Reichte es nicht, dass Fhaergus beinahe die gesamte Armee ausstattete? Und dass Fhaergus immer weniger Bauern hatte, weil man Arbeiter in die Minen schicken musste, um aufzuholen, was im Winter nicht möglich war, weil die Berge unzugänglich waren? Der König wünschte auch erneut mehr Soldaten, die Fhaergus nicht hatte und gegen die Forderungen wehrte Rains Vater sich schon seit Jahren, was ihm gewissen Unmut anderer Fürsten beschert hatte. Rain hatte eigentlich gehofft, dass sein Vater sich auch um all das hier kümmerte, wenn er endlich nach Hause gekommen wäre, aber stattdessen hatte er nur einen Wolf hier abgeliefert und war wieder verschwunden. Rain bezweifelte, dass er vor dem Frühling wieder hier war, also musste er nun Entscheidungen treffen, denen er sich nicht so ganz gewachsen fühlte. So oder so, wollte er den Kurs, den sein Vater eingeschlagen hatte, nicht sabotieren, was nicht so einfach war. Es war nicht das erste Mal, dass Rain sich um die Geschäfte des Landes kümmerte, aber bisher hatte er immer seinen Vater gehabt, der ihm zumindest über die Schulter gesehen hatte.

      Rain merkte aus dem Augenwinkel, dass Nayantai nicht so recht still sitzen wollte, aber dennoch ließ er ihn arbeiten und Rain schätzte einfach nur seine Gesellschaft. Bis auf das leise Klimpern der Tassen und ein paar Seiten die immer und immer wieder umgeblättert wurden, war es still und als Sara Nayantai die Kiste mit den Handschuhen gab, fand auch dieser eine andere Beschäftigung, als grimmig in sein Buch zu starren. Vielleicht war das auch einfach das Gesicht, das Nayantai machte, wenn er sich konzentrierte. "Mhm.", nickte Rain leise, führte seinen Gedanken zu Ende und sah dann über seinen Tisch auf den am Boden hockenden Nayantai. "Wenn dir davon nichts zusagt, dann kann ich dir auch welche nähen lassen... oder du nähst sie selbst? Ich versuche dir zu besorgen, was du an Stoffen möchtest.", erklärte er und wollte nicht, dass Nayantai sich mit etwas zufrieden geben musste, das nur teilweise dem entsprach, was er wollte. Er sollte alles haben, was er sich wünschte, vor Allem wenn es so etwas einfaches war, das Rain auf jeden Fall besorgen konnte, selbst im Winter in Fhaergus. War es falsch zu versuchen ihm diverse Dinge zu schenken? Glich dies einer Art von Bestechung? Nein es war bestimmt in Ordnung, wenn Rain seine Position nutzte, um Nayantai alles zu geben was er wollte, am Ende wollte Rain ja auch nichts weiter von ihm, als dass er glücklich war.
    • Egal wie viele Handschuhe er anprobieren wollte, zu viele von ihnen passten nicht so, wie sie es sollten und wenn sie es doch taten, dann war der Stoff nicht das, was der Wolf sich vorgestellt hatte - vielleicht wäre es auch gar nicht dumm, seine Narben zu akzeptieren und sie der Welt zu präsentieren, wobei das wiederum dazu führen sollte, dass man ihm sofort ansah, wo seine wunden Punkte sein konnten. Schadensbegrenzung nannte es sich, auch, wenn Nayantai nicht glaubte, dass man ausgerechnet auf dem Schlachtfeld darauf achten würde, welcher Wolf wie aussah - sie alle waren nur namenlose, gesichtslose und blutverschmierte Leichen, die es in ihre Schranken zu weisen galt. Mehr als ein gefundenes Fressen waren Schafe jedoch auch für Wölfe nicht - zumindest für die, die wie Nayantai dachten und liebend gerne einen Ausweg aus der eigenen Situation suchten, sich mit fremdem Blut beschmierten und hofften, dass auch der heilige Boden ihres Landes irgendwann einfach nachgeben würde, eine endlose Kluft entstand, die für jedwedes Schaf nicht bezwingbar war. Wären sie erst abgeschnitten, dann hatten sie nichts mehr zu befürchten, doch die traurigen Märchen und Ideen, die sie beherbergten, waren nicht mehr als eben das. So anders, als der Wunsch, seinen Weg in den Süden zu finden.

      "Ich danke dir für das Angebot", sprach der Wolf lediglich, der seine Hand gegen das Licht hielt und zu erkennen versuchte, was genau es war, das ihn so sehr an diesem Paar störte. Der Stoff war es nicht, er passte auch einigermaßen, aber es fühlte sich eben nicht so wie die seinen an, sondern eher wie etwas, mit dem er zwangsläufig vorlieb nehmen musste, bis er wiederbekam, was er eigentlich verloren hatte. "Aber ich glaube, die passen", gestand er, nachdem er ohnehin schon beinahe die ganze Holzkiste ausgeräumt hatte. Die unbrauchbaren Handschuhe wanderten zurück, er stellte die Box wiederum unter seinem Sessel ab, damit keiner darüber stolpern würde, bevor er zu Rain ging, den er vermutlich nicht stören sollte, aber es doch nicht lassen konnte. "Ich muss etwas ausprobieren, entschuldige", gab er nur von sich, um mit dem - nun verdeckten - Handrücken über die Wange des Lammes zu streichen und das Gesicht zu verziehen, weil es wohl doch etwas gab, das ihm nicht passte. Seufzend zog er die Handschuhe wieder aus. "Ich glaube, ich nähe mir doch besser selbst welche ...", es war auch nicht, dass er unzufrieden über seinen Fund war, er fühlte einfach noch immer zu wenig.
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    • Rain legte die Feder beiseite, die seit bereits einer undefinierbar langen Zeit, über das Papier kratzte und lehnte sich zurück. Er drehte sich kurz um, sah aus dem Fenster, bevor er doch lieber Nayantai dabei beobachtete, wie er Handschuh um Handschuh anprobierte, befühlte und doch wieder beiseite legte. Es tat gut, seine Augen für einen Moment von seine Arbeit zu nehmen und stattdessen auf etwas anderes zu richten. Er sank weiter in seinem Sessel zusammen, seufzte leise und legte den Kopf auf der Lehne ab, um für einen Moment die Augen zu schließen, zumindest solange, bis er das Rumpeln von Holz auf dem Boden hörte, als Nayantai die Box unter seinen Stuhl räumte und anschließend auf Rain zukam. Die blauen Augen sahen dem Wolf entgegen und Rain richtete sich wieder ein wenig auf, als der Wolf bis zu ihm hinüber gegangen war. Rain spürte den Stoff des neuen Handschuhs an seiner Wange, fühlte die Wärme des Wolfes trotzdem und sah ihn fragend an, bevor auch er eins und eins zusammen gezählt hatte und verstand, was der Wolf gerade getestet hatte.

      Nachdem der Stoff Nayantais Hand wieder verlassen hatte, griff Rain nach eben dieser, bevor der Wolf wieder verschwinden konnte. Er schien unzufrieden damit, dass er am Ende nicht gefunden hatte, was er wollte. Rain betrachtete die Narbe einen Moment, strich mit dem Daumen über die lang verheilte Wunde, dessen Geschichte Rain noch immer nicht wirklich kannte, weil er Nayantai nicht verstehen konnte, aber keine von Nayantais Narben störten Rain auch wirklich und es gab keinen Grund sie vor ihm zu verstecken. Rain verstand jedoch, dass dahinter wohl auch Gewohnheit steckte und etwas, das der Wolf zurück haben wollte, um sich wieder ein wenig mehr wie er selbst zu fühlen. "Hast du denn einen Stoff gefunden, der dir gefällt? Das... Material... ich weiß nicht wie ich es erklären soll...", fragte er und lächelte entschuldigend, während die zarten Finger den Griff um die Hand wieder lösten, die er nur für einen Moment halten wollte. "Hm... womit... möchtest du die Handschuhe nähen...?", versuchte er es erneut.
    • Für das hier war er nicht gemacht - er war seinem Vater auch noch nie eine Hilfe gewesen, wenn sie beide versuchten, einen Plan zu schmieden oder eine gute Taktik auszuklügeln. Rikiya war derjenige, der viel zu genau ins Detail ging und Nayantai wollte einfach nicht stillsitzen und sein Leben einem Plan verschreiben, der vermutlich nicht aufgehen würde. Daraus resultierte eben er, der versuchte, sich über Wasser zu halten und die Sinnfluten zu überleben, die es im Land der Schafe zu geben schien. Froh wäre er erst wieder, wenn er vielleicht draußen im Schnee herumtollen konnte, oder aber sich wahrhaft nützlich machen durfte und nicht länger nur dabei zusehen musste, wie man sich um ihn kümmerte und versuchte, eine brüchige Beziehung mit ihm aufzubauen, die ohnehin alsbald in sich zusammenfallen sollte, damit er ohne schlechtes Gewissen wieder in seine Heimat ziehen konnte und auch dort sterben konnte. Nayantai war kein wildes Tier, aber den Verstand hatte er dennoch verloren, egal wie er es hinstellen würde. Sein Blick fiel auf die zierliche Hand, die die seine umklammerte und augenscheinlich gar nicht mehr gehen lassen wollte - brauchte Rain etwas dringliches von ihm? Oder gab es doch etwas anderes, das er ihm mitteilen wollte?

      "H-habe ich etwas falsches getan?", wollte der Wolf wissen, wusste aber auch, dass die Antwort auf seine Frage eine negative war, dass er nichts falsch gemacht hatte und dass er lediglich die Nähe zu seinem Lamm suchte, das eigentlich andere Dinge zu erledigen hatte. Kronprinz der Wölfe hin oder her, sie alle waren nicht mehr als ein sterbendes Volk und er war nicht mehr als ein Objekt, das einem reichen Schaf gehörte, weil es sich ihn leisten konnte und wollte. Dass er dafür gelitten hatte, so sehr und so lang, schien egal, so lange man bekam, wonach man verlangt hatte. "Oh, ja, habe ich!", entgegnete Nayantai, der sich nicht gleich losreißen wollte, sondern lieber wartete, bis Rain seine Hand losließ und er eigentlich auch wieder frei war, sich einfach zu bewegen und ihm den Handschuh zu zeigen, der seinem noch am ähnlichsten war. Stattdessen war er es, der nun nach der Hand des Schafes griff und es anlächelte, beinahe schon grinste. "Ich will dich aber nicht bei der Arbeit stören, außer, du willst sowieso eine Pause einlegen, hm?" Wenn schon, denn schon - und wäre Rain es, der sich nicht dazu überreden lassen konnte, dass auch er sich seine Ruhe gönnen durfte, dann würde Nayantai ihn wohl oder übel zu seinem Glück zwingen müssen.
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    • Wenn Rain darüber nachdachte, dann hätte er seinem Vater früher zu Hand gehen sollen und eigenständig erledigen, was es in Fhaergus zu erledigen galt. Auch wenn er ihm bereits viel abgenommen hatte, Caelan war stets darauf bedacht gewesen, selbst noch einmal alles zu kontrollieren und nachzuprüfen, wohl weil Rain oft selbst den Eindruck erweckt hatte, dass er sich all dem nicht gewachsen fühlte. Solch wichtige Dinge wie das, das Rain gerade bearbeitete jedoch, hatte sein Vater immer alleine geregelt und hatte Rain höchstens zusehen lassen und das obwohl er den ganzen Sommer für sein Land gekämpft hatte, müde und ausgelaugt nach Hause kam, nur um sich dann mit dem Papierkram herum zu schlagen, der über die Sommermonate liegen geblieben war. Er kannte seinen Vater als diszipliniert, obwohl es ihn ständig nach draußen in die Wildnis zog und er die Kälte des Sommers in Thria wohl den frischen Temperaturen in Fhaergus vorzog. Es musste schwer für ihn sein, nur einen Sohn zu haben, der ihm absolut nicht ähnelte und der bis vor Kurzem, den Schnee nicht einmal berührt hatte, der vor seiner Haustür lag.

      "Wie kommst du auf die Idee?", fragte Rain lächelnd, der den Wolf für viel zu unsicher hielt. Ständig glaubte er Rain gekränkt haben zu können, oder sich seinen Unmut zugezogen zu haben, dabei war Rain ihm noch nie böse gewesen. Höchstens sagte er dem Wolf, wenn seine Fantasie mit ihm durchging und er von Dingen sprach, die niemals geschehen würden, aber auch das warf er ihm nicht vor und wollte sie beide nur vor einer Lüge schützen, bevor sie zu sehr an sie glaubten. Während Rains Hand noch ihren Weg zurück zu ihrem Besitzer fand, wurde sie auch schon erneut aus der Luft geschnappt und ein grinsender Wolf, der es wohl leid war alleine zu sein, sah ihn an. "Ich kann eine Pause machen.", lächelte er und wollte selbst etwas Zeit mit Nayantai verbringen. Es war seltsam, sie saßen hier noch nicht allzu lange beieinander und trotzdem fühlte Rain sich, als würde er Nayantai vermissen, obwohl er direkt vor ihm gesessen hatte, die ganze Zeit über. Vielleicht sollte Rain noch ein paar Tage mit Nayantai verbringen, bis seine Wunde so weit verheilt war, dass er im Haus helfen konnte, dann wären sie auch beide erst einmal beschäftigt und Rain musste sich keine Sorgen machen, dass Nayantai vor Langeweile umkam.
    • Wie viele Tage noch, bis seine Zeit gezählt war? Wie oft noch, bis er nicht mehr atmen konnte? Nach was verlangte sein Körper? Oder viel eher, wonach suchte er? Nach innerer Ruhe, nach innerem Frieden oder aber einem Platz an dem er bleiben konnte zu suchen, das wollte der Wolf doch gar nicht. Hier, an Rains Seite, fühlte er sich glücklich, aber was, wenn Rain erst verging, verwelkte wie eine abgerissene Blume und nicht mehr auch nur ein Wort zu melden hatte? Was wäre er erst, wenn Thria untergehen würde und all sein Volk tot war? Würde er dann nur hier sein, weil Rain ihn tolerierte, ihn besitzen wollte oder weil es für ihn keinen Platz mehr in dieser leeren, unstimmigen Welt gab? "Ich dachte nur, weil ich dich von deiner Arbeit ablenke", gestand Nayantai dem Lamm und lächelte es an, etwas nervöser als normalerweise, weil er selbst wusste, dass er vermutlich gar nicht recht damit gehabt hatte. Rain war ihm noch nie böse gewesen und Nayantai war nun einmal, wohl oder übel, derjenige, der ungefähr wusste, was er zu tun und zu lassen hatte, so lange er sich in Rain's Gegenwart befand. "Tut mir leid, dass ich davon ausgegangen bin", murmelte er.

      Er sollte Rain in Ruhe weiterarbeiten lassen, wollte nicht länger, dass er zuhören musste, dass er nicht mehr wusste, wie ihm geschah, weil die Stille sie beide einnahm. Wenn er hier saß und las, dann fühlte es sich, trotz dessen, dass es ihnen beiden gut ging und sie sich in der Nähe des jeweils anderen aufhielten, so, als wäre Rain krank und läge in seinem Bett, ließ ihn alleine mit seinen Gedanken und so vielen anderen Sachen, die der Wolf nun einmal nicht kontrollieren konnte. "Ich will dich auch gar nicht ablenken", meinte der Wolf, als er seine Arme um die Schultern und den Hals des Lammes schlang, ihm einen Kuss auf die Wange drückte, als hätte er nur abgewartet, endlich von seinen imaginären Fesseln gelöst zu werden. "Aber ... ich bin gierig." Rain's Aufmerksamkeit schien alles zu sein, das er brauchte um selbst nicht zu vergehen, diese Welt zu verlassen oder sich dabei zu erwischen, wie er realisierte, dass er nicht mehr hier sein wollte, oder konnte. So lange er Rain an seiner Seite wusste, lebend und atmend, war alles andere egal, so egal, so verdammt egal. Aber sollte er sich nicht lieber um sein Volk kümmern? Welches Volk? "Was willst du tun?", fragte er und ließ lockerte den Griff, den er um Rain hatte, ließ seine Hand zu der Stelle wandern, an der er die blauen Flecken vermutete und drückte leicht auf sie.
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    • Rain kannte Nayantai erst so kurze Zeit über und doch fühlte es sich schmerzhaft an, von ihm getrennt zu sein, selbst wenn es scheinbar nur eine gedankliche Trennung war, weil seine Arbeit das war, auf das er sich eigentlich konzentrieren sollte. Es wirkte doch beinahe wie ein Fluch, oder ein Zauber, den der Wolf auf ihn gelegt hatte, aber was hätte er auch davon? Offensichtlich wollte er gar nicht hier bleiben, wenn überhaupt, dann nur wegen Rain und dann wirkte es ja beinahe so, als wäre um sie beide ein Zauber gelegt und das zu tun, dazu hatte der Wolf nun tatsächlich keinen Grund. Ob es der Talisman war, den Rain dem Wolf so unbedacht geschenkt hatte? Nein, das war albern. Zauberei, Magie, sowie ihrer beider Götter gab es vermutlich gar nicht, zumindest hatte Rain noch nie einen Beweis dafür gesehen. Würden die Götter diesen albernen Krieg nicht beenden?

      "Jetzt entschuldigst du dich schon, weil du etwas Falsches angenommen hast? Sei nicht albern!", kicherte Rain. Als der Wolf seine Arme um Rain legte, warf dieser einen besorgten Blick zur Tür, aber auch hier war es eher unwahrscheinlich, dass jemand herein stürmte, ohne vorher um Erlaubnis zu bitten und sich mit einem Klopfen anzukündigen und wenn man den Wolf hier sah, dann war weniger dabei, als wenn man ihn in Rains Zimmer entdeckte. "Das sagst du und dann umarmst du mich...", seufzte Rain mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und sah den Wolf schließlich an, als dieser sich wieder löste. Mit sanftem Druck erinnerte er den jungen Fürsten an die blauen Flecken auf seinem Körper, als wollte er Rain auf eine Antwort auf seine Frage stoßen, die er hören wollte, womöglich allerdings bildete Rain sich das nur ein. "Du bist der Erste, der seine Spuren auf mir hinterlassen hat, auch wenn es bald nicht mehr zu sehen sein wird...", stellte er fest und lächelte weiterhin, "Du bist der Erste bei... so Vielem..." Rains erster Kuss, der erste, der Rain so im Arm hielt, wie Nayantai es tat, der Erste der Rain Schmetterlinge in den Bauch zauberte, der Erste der Rain schon nackt gesehen hatte... "Und du sollst der Einzige bleiben...", fügte er nuschelnd an, bevor er allerdings aufstand und lieber über das nachdachte, was sie tun sollten, bevor Nayantai noch verstanden hatte, was er eben gesagt hatte. "Was ich tun will? Ich dachte du möchtest ein wenig von meiner Zeit!", lachte er. "Hm, nun also, wir könnten dir den Stoff für deine Handschuhe besorgen, aber das ist wohl nicht, worauf du hinaus wolltest. Du könntest nach draußen gehen und ich sehe dir wieder zu, oder... naja, wir sollten nicht riskieren, dass wir jetzt schon wieder einschlafen, aber wir könnten zusammen lesen, ohne einen Tisch zwischen uns. Vielleicht findet sich in der Bibliothek sogar ein weiteres Buch in deiner Sprache..." Auch wenn Rain das bezweifelte, er war sich sicher, jedes Buch zu kennen. "Wir machen was du möchtest. Wir können uns auch nur unterhalten, wo du willst, ich folge dir."
    • Sich selbst zerpflücken war auch eine Option, damit sie sehen konnten, wie viele welke Blütenblätter es waren, die sie voneinander stehlen würden, bevor sie sich so fühlten, als besaßen sie einen Wert füreinander, als wären sie dort angekommen, wo sie sein wollten. Nayantai glaubte nicht, dass Rain derjenige sein würde, der schlussendlich dafür sorgte, dass sich dieser Krieg in Luft auflöste und sie alle versuchen konnten, wieder so zu leben, wie sie es zuvor getan haben - aber wieso glaubte er das auch? Sie wussten alle beide, dass keiner von ihnen es sein würde, der ein paar hungrige Wölfe davor retten würde, im ewigen Eis nicht von ihren Todfeinden niedergemetzelt zu werden. In dem Moment, in dem er wieder ein freie Mann sein würde und einen Fuß vor die Tür setzte, würde er wieder so leben, wie er es zuvor getan hatte - in inständiger Angst darüber, dass er doch noch sein Leben lassen würde, weil er irgendwann und irgendwo nicht aufgepasst hatte und der Dolch der Schafe so schön zwischen seine Rippen passte. Was stellte er dann mit seinem vergehenden Körper an? Würde er wieder dort landen, zu Füßen des Königs, wo er herkam oder war es schon wieder egal? "Es tut mir leid!", rief der Wolf etwas peinlich berührt aus, während sich die Röte zurück in sein bleiches Gesicht schlich. Zwar vermochte er selbst gesagt haben, dass sie beiden sich nicht durchgehend bei einander entschuldigen sollten, doch nun schien er derjenige zu sein, der es tat, weil ihm nicht wirklich etwas anderes über blieb.

      "Stört dich eine Umarmung denn so sehr?", wollte er gleich darauf wissen und grinste beiläufig etwas schief, als wollte er damit sagen, dass er genau wusste, was er tat und es deswegen tat, weil ihm so verdammt langweilig war. Stillsitzen war nicht etwas, das er gewohnt war, aber er war es auch nicht gewohnt, in einem Steinhaus zu hocken, oder dass ihm durchgehend viel zu warm war, oder dass er immer Essen auf seinem Teller wusste, ohne sich großartig dafür anstrengen zu müssen. Nayantai ging es - im wahrsten Sinne des Wortes - gut, auch, wenn das kein Dauerzustand war und er nur so lange hier sein würde, wie man ihn tolerierte. "Da fühle ich mich ja schon geehrt", gab er zurück, kam gar nicht mehr dazu sein Gesicht gegen den Hals und die Schulter des Fürsten zu drücken, da stand dieser auch schon wieder auf beiden Beinen. "Wir wollen beide etwas voneinander, glaube ich", lachte Nayantai zufrieden, der Rain am liebstem um den Hals gefallen werde, doch eben das ergab sich hier nicht. Bei den Wölfen wäre es wohl egal, welchen Mann oder welche Frau er in den Arm nahm, wem er sein Herz auslieh - hier hingegen war es so, als würde er in einem Minenfeld stehen. "Wir könnten so viel miteinander tun, viel zu viel." War das denn die Freiheit, die man ihm gestohlen hatte? Spürte er viel zu viel, weil er es wollte oder nur, weil er sich nicht anders helfen konnte? "... Ich. Hm. Rain ... ich habe keine Ahnung, was", gab er plötzlich von sich und kratzte sich am Hinterkopf. "Ich ... habe schon ewig keine Entscheidungen mehr treffen können." Dennoch umarmte er das Schaf, mehr wollte er doch auch nicht ...
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    • Wenn Rain in die dunklen Augen des Wolfes sah und dieser in verloren anblickte, als wüsste er nicht was er mit sich und seiner Zeit anfangen sollte, dann konnte Rain kaum weiter arbeiten und ihn einfach ignorieren. Er kannte den Wolf noch nicht lange und trotzdem wollte er gar nicht mehr von ihm getrennt werden. Gleichzeitig fühlte Rain sich, als könne er Nayantai keinen Wunsch abschlagen und als wollte er ihm jeden Wunsch erfüllen, noch bevor er Nayantai überhaupt selbst in den Sinn kam. Woher kamen nur all diese Gefühle und der Drang ihm in jeder Sekunde nah zu sein, statt zu tun, was er eigentlich tun sollte. Ob es Nayantai genau so ging? Immerhin wollte auch er sich nicht von Rain lösen unf war es nun gewesen, der seine Arme um das Lamm schloss, während er ihn mit einer sanften Bewegung die gemeinsame Zeit wieder in Rains Gedächtnis rief. "Hör auf dich zu entschuldigen...", lächelte Rain und blickte in das gerötete Gesicht des Wolfes, das eher einem Welpen zu gehören schien.

      "Eine Umarmung stört mich nicht..." Rain schüttelte leicht den Kopf, im Gegenteil, er freute sich darüber und wollte Nayantai am Liebsten nicht mehr los lassen, aber genau das war doch das Problem. Erneut landeten die Arme des Wolfes um Rain und auch wenn er gesagt hatte, es störte ihn nicht, so fiel sein Blick auf das Fenster neben ihnen beiden, vor dem sie standen und sich einfach umarmten, als wäre es das normalste der Welt. Rain streckte seinen Arm aus, griff nach dem Stoff des schweren, roten Vorhangs und zog daran, um etwaige Blicke auszusperren, die da draußen lauern konnten. Erst dann erwiderte er die Umarmung und drückte sich an den Wolf, den er beinahe schon vermisst hatte. "Umso mehr Grund, warum du entscheiden solltest...", murmelte Rain leise.
    • Bei Rain zu sein war schöner als es sein sollte, gleich, wie es schöner und angenehmer war, hier zu sein, in der Wärme, in der Nähe einer Person, die man mehr mochte als man sollte, als auf dem Schlachtfeld dort draußen zu sein und die Kälte bereits in den eigenen Knochen rasseln zu hören, während die einzige Wärme, die man irgendwie noch an sich fand, durch das träufelnde Blut geschenkt bekam, das einen benetzte, als wäre es nicht das seines eigenen Feindes, sondern noch immer das eigene. "Ich weiß, ich sollte nicht ... es tut m-, nein. Nein. Ich höre auf, versprochen", seufzte der Wolf, der gerade den selben Fehler machen wollte, wie vor einer Minute. Hoch und heilig wollten sie sich eigentlich versprechen, dass sie sich bei einander nicht für Trivialitäten entschuldigen sollten und doch schaffte es keiner von ihnen beiden, ebendas zu tun. Hoffnungslos verloren waren sie, alle beide, nicht mehr. Helfen konnte ihnen keiner, nicht einmal sie selbst und auch das war evident genug, vor allem, wenn sich der Welpe an das Lamm klammerte, kaum hatte er von ihm abgelassen. Zuneigung war wohl auch das Einzige, das er Rain schenken konnte - außer, er würde seinen geschundenen Körper anbieten, aber wer wollte den schon?

      "Auch nicht, wenn ich dich damit zu Boden reiße?", wollte der Wolf wissen, blieb dennoch starr dort stehen wo er war und ließ sich keinenfalls in eine Richtung taumeln, so lange er das Lamm in den Armen hatte, das die Vorhänge zuzog. Keiner sollte sie sehen, was ihm beinahe schon recht war, auch, wenn dafür das Licht aus dem Raum einigermaßen ausgesperrt wurde. "Ich ... hm." Jetzt war er es, der nicht wusste, was er wollte, der viel lieber noch im Bett gelegen wäre, damit er Rain nicht auf die Nerven ging und schlafen konnte, obwohl er nicht mehr müde war. Wäre er nicht hungrig gewesen, dann hätten sie vermutlich nicht aufstehen müssen und wäre er nicht aufgestanden, dann würden sie noch immer in Rains Bett liegen. "Ich ... will dich einfach nur umarmen", sprach er aus und kuschelte sich etwas enger an das Lamm, das ihm zwar gesagt hatte, er solle entscheiden, aber ... das schien schier unmöglich. Ging es denn wirklich darum, was er wollte oder sagte Rain das einfach nur, damit er sich wohler an diesem fremden Ort fühlte und nicht all die Dinge, die er in seinem Leben verloren hatte, mit den Schafen assoziierte? "Ich weiß nicht, was ich will."
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    • Nayantai war schon wieder dabei sich zu entschuldigen, aber merkte es selbst und unterbrach sich. Rain musste ein wenig lachen, einen Wolf hätte er niemals als so höflich eingeschätzt, dass er sich für alles ständig entschuldigte, auch wenn es dafür nicht einmal einen Grund war. Das waren jedoch alles vermutlich nur Vorurteile, die den Schafen von klein auf beigebracht wurden und die wenig Wahrheit enthielten, auch wenn Rain allgemein vorsichtig damit war, was er glaubte und was nicht. Vielleicht war es aber auch Nayantai, der nur mehr ein halber Wolf war, weil ein Teil von ihm schon vor langer Zeit gestorben war und er ihn nie wieder zurück bekommen würde. Was würde Nayantai wohl tun, wenn Rain ein ganz einfaches Schaf wäre, ohne Rang, ohne Namen und ihn draußen im Walt aufgelesen hätte? Hätte er ihm längst die Kehle aufgeschlitzt, weil er keine Soldaten hatte, die den Gefallen erwidern würden, würden sie Nayantai erst finden? Rain wollte nicht, dass Nayantai Angst vor ihm, oder seiner Macht hatte, ganz und gar nicht.

      "Wenn du...?", murmelte Rain der einen Moment brauchte um zu erraten, was das nun schon wieder bedeutete, der die Sprache der Wölfe immer noch viel zu wenig beherrschte. "Wieso fragst du sowas?", wollte er wissen, statt Nayantai eine ernsthafte Antwort zu geben, die nur auf Spekulationen beruhen würde und vermutlich viel zu durchdacht ausfallen würde. Der Wolf schien tatsächlich nicht zu wissen, was er eigentlich mit seiner Zeit anfangen wollte, ob es wohl tatsächlich daran lag, dass er so lange in dem Kerker eingesperrt war und nicht einmal entscheiden hatte können, wann er sich auf seine müden Beine stellte? Rain wollte gar nicht daran denken, fühlte jedes Mal einen Stich in seinem Herzen, wenn er Nayantai erneut vor sich sah, wie er zitternd und verletzt vor seiner Tür gestanden hatte, ausgehungert und gebrochen. Womöglich war er das immer noch und klammerte sich deshalb an Rain, den einzigen, der ihn seit langem freundlich behandelte. "Wir können aber nicht den ganzen Tag hier herum stehen...", lächelte er schwach und wollte den Wolf nicht zu einer Entscheidung drängen, die ihm zu schwer fiel. Er erwiderte die Umarmung noch eine Weile lang, bevor er sich langsam von dem Wolf drückte und ihn anlächelte. "Ich habe eine Idee!", lächelte er und drehte sich zu seinem Schreibtisch, um ein paar Bücher zusammen zu sammeln, dann drückte er sich an Nayantai vorbei und griff auch nach seinem Buch, das er ebenfalls unter den Arm klemmte. "Komm mit!", lächelte er und war dann auch schon auf dem Weg aus dem Zimmer und durch die Gänge, zurück zu seinem eigenen, das bereits wieder wie neu aussah. Hinter ihnen beiden schloss er die Tür und legte dann die Bücher auf dem Nachtkästchen neben dem Bett ab, auf eben dieses setzte er sich dann und deutete Nayantai zu ihm zu kommen.
    • So lange war es schon unwichtig gewesen, was der Wolf wollte - alles, was wirklich wichtig war, war, dass er sich benutzen ließ und jedem Kommando gehorchte -, mehr als ein Hund musste er auch nicht sein, nicht für die Schafe die sich mit ihm vergnügten. Seine eigenen Entscheidungen hatten nur zu Konsequenzen geführt, zu Peitschenhieben und Schlägen, bis sein Körper blutüberströmt war, bis er seine grünen und blauen Gliedmaßen nicht mehr spürte und glaubte, dass jeder Tritt gegen seinen Torso die Luft auf seinen Lungen schlug. Nayantai wollte nicht hier sein, sollte nicht hier sein und doch war er es, war derjenige, mit dem sich Rain vergnügen konnte, so sehr er wollte, aber auch das würde er nicht zulassen, wusste er doch, dass das magere Lamm in seinen Armen nicht mehr für ihn war als ein dünner Ast, den er entzwei reißen konnte, sobald es ihm beliebte. Wieso also hatte er es noch nicht getan? Vermutlich, weil er sein Herz ohnehin schon verschenkt hatte und weil es unnütz war, länger darauf zu warten, als er eigentlich warten musste - wenn er Rain wirklich töten wollte, dann hätte er es ohnehin schon getan, ohne seine Zeit damit zu vergeuden, ihm so viel mehr zu geben als er verdient hätte. Wölfe waren eigen, Nayantai war keine Ausnahme und schlussendlich würde sich eben das auch herauskristallisieren - er war kein Schaf und auch niemand, der einfach jemand werden konnte, der er nicht war. Vergebens würde sich Rain die Zähne an ihm ausbeißen - und vergebens würde er glauben, man würde ihn hier zurücklassen.

      "Ich dachte nur, dass es lustig wäre", gestand Nayantai. Am liebsten aber würde er sich doch wieder - mit Rain in den Armen - in sein Bett fallen lassen. Wahrheitsgemäß war es immerhin noch so, dass er selbst keine Ahnung hatte, was er wollte und selbst wenn er es wüsste, dann würde er sich vermutlich nicht trauen, es auszusprechen - er wollte keine Forderungen an jemanden stellen, der so viel für ihn tat und wollte auch erst recht nicht, dass eben jene Person sich so fühlte, als würde er sie nur wegen seines Status ausnutzen. "Wir können aber auch nicht den ganzen Tag herumsitzen oder liegen", entgegnete der Wolf, frech wie eh und je, und kuschelte sich etwas mehr an das Schaf in seinen Armen, als wolle er Rain schlussendlich die Luft gänzlich absperren. Intentionen waren wohl etwas, das sie beide hatten, in vollkommen verschiedene Richtung, bevor sich Rain aus der Umarmung wandte und anfing, seine sieben Sachen einzusammeln und dem Wolf bedeute, ihm zu folgen. Nayantai war noch nie jemand gewesen, der gerne Befehle befolgte, aber Rains Worte ließen ihn grinsen und dem Lamm hinterher stapfen, als wäre er ein Welpe, der nicht so recht wusste, wo ihm der Kopf stand. Der Weg führte zurück in Rains Zimmer, zurück in dessen Bett und ohne noch einmal nachzufragen, setzte er sich neben das Lamm. "Und? Was ... war deine Idee?"
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    • "Ich sitze oder liege die meiste Zeit, also da muss ich widersprechen.", lachte Rain, der ja schwer wie der Wolf draußen herum laufen konnte. Jetzt war es doch Rain gewesen, der entschieden hatte, was sie tun würden, aber er wollte auch dem Wolf geben, was er so gerne haben wollte, seine Nähe. Der Wolf schien nicht zu zögern, folgte Rain und setzte sich zu ihm, sobald er verstanden hatte, was Rain von ihm wollte. Rain hatte einiges zu erledigen, gleichzeitig jedoch wollte er die Nähe des Wolfes selbst nicht missen, wollte ständig in seinen Armen liegen und die Wahrheit war, wenn er einfach nur Rain gegenüber da saß, dann dachte auch Rain mehr als einmal darüber nach, einfach aufzustehen und zu ihm hinüber zu gehen, statt das zu tun, was er erledigen sollte. Eine Pause war gut, aber das war nicht was Rain im Sinn hatte, nein. Er wollte einfach ungestört sein, trotzdem arbeiten und gleichzeitig Nayantais Nähe genießen, während auch der Wolf bekam was er wollte, eine Umarmung, die so lange anhalten durfte, wie der Wolf es gerne haben wollte. Rain lächelte also, als er ein paar Polster aufschüttelte und sie an dem verzierten Holz am Kopfende des Bettes zurecht legte. Anschließend bedeutete er Nayantai sich eben genau dort hinzusetzen. Zuguterletzt nahm Rain zwischen Nayantais Beinen Platz - wenn auch etwas zögerlich-, lehnte sich allerdings noch nicht zurück. "Das... darf ich mich... an dich lehnen?", fragte er über seine Schulter. "Ich will auch deine Nähe... ich dachte mir... so kann ich lesen und du kannst mich im Arm halten."

      Schreiben würde Rain in seinem Bett nicht können, aber das musste er auch nicht. Er hatte noch genug zu tun, so dass er erst einmal ein paar Berichte lesen und die Bücher studieren konnte, bevor er irgendetwas zu Papier brachte. Die Frage war nur, ob Rain sich in Nayantais Armen auch tatsächlich konzentrieren konnte, aber er wollte es versuchen. Je schneller er mit all der Arbeit fertig war, desto schneller konnte er wieder für Nayantai da sein und zusehen, dass sie etwas spannendes fanden, das ihn nicht zu sehr langweilte. Gesucht würde Rain vermutlich nicht werden, auch wenn er eigentlich nicht schon wieder den halben Tag in diesem Zimmer verbringen sollte. Sollte es jedoch etwas geben, so legte man ihm die Papiere einfach auf den Schreibtisch und er würde sie schon irgendwann sehen. Sie sollten hier also ungestört sein. Rain wünschte sich so sehr, dass es einfach egal wäre, wie nahe Rain dem Wolf kam und dass er einfach seine Hand halten konnte, ohne dass er sich Sorgen machen musste, stattdessen versteckten sie sich und Rain konnte all die Szenarien, wie sie jemand entdeckte, gar nicht aus seinem Kopf verbannen, dennoch fühlte er sich einigermaßen sicher hier.