spellbound. (earinor & akira)

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    • "Zu viel. Dein Lächeln, wenn es ehrlich ist, wenn du lachst und einfach alles um dich herum zu vergessen scheinst, das irgendwann einmal wichtig war", sprach der Wolf zufrieden, dem vermutlich ganz warm um sein Herz werden würde, wenn er sich erst in die Thematik vertiefte. "Deine Haut ist so weich, gleich wie deine Lippen", spinnte er die Geschichte weiter, die sich - kaum sprach man sie aus - vermutlich noch kitschiger anhörte, als ohnehin schon. "Und in deinen Augen könnte ich mich verlieren, als würde ich den Himmel anstarren", murmelte er, war gedankenverloren als wäre es ein lang gestrecktes Liebesgeständnis, das damit enden sollte, dass Nayantai die Hände um die Hüften des schwachen Lammes legte - und dann? Zu Bett tragen musste er ihn nicht mehr, da waren sie bereits, aber das Blut in seinen Adern würde wieder gefrieren, als wäre er ein Block aus Eis, der erstarrte und sich nie wieder rühren konnte. Lieber hatte er abertausende Schmetterlinge im Bauch und konzentrierte sich lediglich auf diese, auf die ständig schwankenden Gefühle und auf das Blut, das sein Herz dazu brachte, höher zu schlagen und ihn in andere Spähren katapultierte. "Ah, ich glaube, ich verstehe ... wir machen das selten in einem der Zelte, wenn dann nur, weil es draußen zu sehr stürmt oder weil wir mit unserer Familie alleine sein wollen!"

      Wie viele von ihnen flatterten wohl schon in seinem Magen? Zu viele, um sich auf sie zu konzentrieren - und zu wenige, um zu wissen, dass es wirklich Liebe war, die er empfand. Wie viele Federn waren in seinen Haaren? Zu viele, um sie zu zählen und herauszupicken. "Du ...d-du ...", stammerte er verwirrt, als die Arme des Lammes wieder um ihn lagen und er überrascht dreinblickte, als hätte Rain ihm ebendas nicht schon oft genug gesagt. Seine Hand legte sich über die des Lammes, die ihn festhalten wollen, an Ort und Stelle - und wäre er ein bisschen stärker gewesen, dann hätte er sich selbst und das Lamm auch hochstemmen können. "Du magst mich ... ich mag dich, ja", lachte Nayantai zufrieden. Wenn sie sich beide mochten, was stand ihnen dann auch noch im Weg? Es gab kaum etwas, das sich nicht bezwingen ließe, wenn es ihm erst wieder besser ging und er sie beide tragen konnte und nicht davon müde wurde, seinen eigenen Körper durch die Gegend zu schleppen, der immer wieder schmerzte. "Ich vertraue dir ... und ihm ... irgendwo", sprach er und seufzte. Ja, Nayantai hatte eigentlich kein Problem damit, auf Menschen zu zu gehen oder aber sich mit ihnen auseinanderzusetzen. "Ich glaube nur, dass nicht jeder Wölfe leiden kann - egal, was er sagt. Aber ich nehme dich beim Wort, Rain." Was konnte auch passieren? Dass man ihm Gift in sein Essen mischte?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rains Wangen wurden rot, sein Herz schlug schneller und er musste schlucken, einfach nur, weil er Nayantai das alles sagen hörte und es ihm vor Allem auch definitiv glaubte. Glücklicherweise saß er gerade hinter ihm und drückte sein Gesicht sanft gegen den Rücken des Wolfes, darauf bedacht, dass dieser immer noch schmerzte und grün und blau war. Als müsse er sich verstecken verblieb er ein paar Momente so und ließ sich das Gesagte durch den Kopf gehen, wiederholte es innerlich und lächelte nur noch breiter. "Ah... also... mit so einer Antwort... habe ich jetzt nicht gerechnet... danke...", murmelte er und niemals hatte jemals solch schöne Dinge über ihn gesagt. Wie sollte er jetzt überhaupt darauf reagieren? Sollte er die Komplimente erwidern, oder käme das nur so rüber, als wollte er unbedingt gleichziehen. Statt also etwas zu sagen, das Rain nicht so leicht über die Lippen kam wie Nayantai scheinbar, hob er seinen Kopf und drückte den Wolf einen langen, sanften Kuss auf eine Stelle seines Rückens, die noch gesund aussah.

      "Ja ich mag dich.", wiederholte er als Antwort zu Nayantais überraschtem Stottern, das völlig unangebracht war, hatte Rain es ihm doch schon öfter gesagt. Er kicherte leise. Rain löste sich nur langsam wieder von Nayantai und legte die Federn, die er zuvor aus seinen Haaren gezupft hatte, behutsam auf dem Nachttisch ab. Er wollte das Bett gar nicht verlassen, wollte weiter kuscheln und sich unterhalten, aber jetzt wo sie schon nach Essen verlangt hatten, sollten sie es sich auch holen. "Ich will dich gar nicht los lassen, aber... wir sollten uns anziehen...", murmelte Rain unwillig, aber sie hätten am Abend auch noch Gelegenheit sich aneinander zu drücken, sie mussten es aushalten, ein paar Stunden lang ihre Finger voneinander zu lassen und Rain arbeiten zu lassen, auch wenn der Gedanke daran kein Schöner war. Ob das nun immer so bleibe würde, dass Rain gar keine Sekunde von Nayantai getrennt sein wollte? Es schmerzte beinahe ihn loszulassen und aufzustehen, damit Rain endlich zu seinem Schrank herüber gehen konnte, um sich etwas zum Anziehen heraus zu suchen.
    • Was waren sie beide füreinander? Ein Welpe und ein Lamm? Ein Wolf und ein Schaf? Feinde oder Freunde? Oder war da doch mehr, das ihre Herzen verband? War es denn Blut, das sich so elektrisierend anfühlte, wenn es durch seine Adern floss, oder waren es doch die Berührungen, die das Lamm ihm auferlegte, die ihn so fühlen ließen? Was war es denn, das ihn so sehr plagte? Eine Antwort auf die vielen, immer gleichen Fragen hatte er noch nicht gefunden, aber das, was er wusste, war, dass es nicht länger möglich war, einfach von Rain abzulassen, sich so zu verhalten, als wäre nie etwas gewesen und seiner Arbeit weiterhin nachzugehen, als wäre er nicht hier, sondern wieder in Thria, wo man ihn so nicht brauchen konnte. "Bitte", sagte der Wolf und lächtelte, wusste, dass es nicht weniger wichtig war, sich selbst geborgen in den Armen des Schafes zu fühlen und seines Ermessens nach tat er das auch. Jedwedes, mulmiges Gefühl das er gehabt haben könnte, das verging wieder - es gab nichts, das er nicht fühlen konnte und es gab auch nichts, das er nicht für Rain empfinden konnte. "Wir beide mögen einander", stellte der Wolf schlussendlich fest und ließ es dabei auch erst einmal bleiben - sich weiterhin in Dinge zu verstricken, die für sie beide keinen Sinn ergeben wollten, war - wenn er ehrlich war - gerade nicht vonnöten.

      "Wir sollten, aber ich will nicht", brummte der Wolf, der sich ebenfalls erhob und anfing, nach seinem Hemd zu suchen, das er gestern vermutlich wieder nur hastig aufgeknöpft hatte, damit er es ausziehen konnte und sich - als wäre er wirklich ein rabiates Vieh - auf Rain stürzen konnte. "Vielleicht hätte mein Magen auch einfach nicht nach essen fragen sollen", zumindest wäre es dann auch nicht das erste Mal gewesen, dass er das Essen der Schafe nicht in sich hineinwürgen wollte und auch nicht das letzte Mal, dass er es essen musste. Das weiße Stück Stoff fand er, wenn auch etwas unordentlich, alsbald zu seinen Füßen. Zu seinem Glück - oder Leidwesen - waren die Falten eher weniger evident, was wohl auch gut so war, zumindest wenn er es sich überstreifte, bevor er wieder anfing, die elenden Knöpfe in die davor vorhergesehenen Löcher befördern zu wollen. "Weißt du, einfach eine Woche mit dir herumzuliegen wäre vermutlich auch nicht schlecht", meinte er, würde es nicht missen, wäre er nicht wach und war davon überzeugt, dass es Rain gleich gehen würde, so lang sie beide sich ein Bett teilen konnten und voneinander träumen durften. Kaum waren fast alle Knöpfe des Hemdes geschlossen ging er zu Rain, der noch immer vor seiner Kommode stand, und legte seine Arme über dessen Schultern, starrte nach vorne. "Hm, siehst du irgendetwas, das dir gefällt?"
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    • Entgegen ihrer Natur mochten sie einander, ja und Rain glaubte, dass er nie aufhören würde, sich darüber zu wundern, dass sie einander so anziehend fanden. Selbst wenn man außer Acht ließ, dass sie Wolf und Schaf waren, dann gab es mehr Unterschiede zwischen ihnen, als Gemeinsamkeiten. Der Wolf war groß und würde zu seiner einstigen Stärke zurück finden, während Rain klein und schwach bleiben würde und der Außenwelt die dem Wolf so wichtig war, nicht trotzen können würde, niemals. Also was wenn ihre Völker sie nicht dafür verurteilen würden, dass sie einander so gern mochten, würde eine Beziehung zwischen ihnen dann funktionieren? Nein, vermutlich nicht. Die Zeit die der Wolf hier bis zum Frühling ausharren musste war die einzige Zeit die sie miteinander haben konnten, denn der Wolf, selbst wenn er durch die Wälder in Fhaergus streifen konnte, würde es nicht ewig in diesem Gefängnis von umringenden Bergen aushalten. Wäre Rain bei den Wölfen, würde er es nach Thria schaffen, dann würde er bestimmt auch alsbald alleine sein. Er würde in einem Zelt fest sitzen, während Nayantai draußen trieb, was er so zu tun hatte und Abends mit seinen Freunden und seiner Familie beim Feuer saß, um sich Geschichten zu erzählen. Wann mehr als zum Schlafen wäre der Wolf bei Rain und wie lange würde es dauern, bis er jemanden fand, der so viel interessanter war als Rain?

      "Wir werden noch genügend Zeit miteinander haben.", lächelte Rain schwach, wissend, dass diese Zeit wohl viel zu schnell vorbei gehen würde. Er streckte sich ein wenig und sollte sich wohl beeilen sich etwas zum Anziehen heraus zu zupfen, bevor er wieder ein Eisklotz wurde. Sein Nacken knackte ein wenig und er bemerkte, dass die Stellen in die der Wolf gestern gebissen hatte schmerzten, wenn man darüber strich. Er zog also an dem Stoff um seinen Körper und schloss eine Tür von seinem Schrank wieder, damit er sich in den Spiegel sehen konnte, der daran befestigt war. Tatsächlich waren es blaue und rote Flecken die er dort entdeckte und die bei erneutem drücken, auch tatsächlich ein wenig schmerzten. Rain glaubte aber nicht, dass das irgendjemand außer ihm mitbekommen würde und das war auch besser so. Als der Wolf zu ihm herüber kam und das Gewicht der schweren Arme auf Rain lastete, gaben seine Beine ein wenig nach, weil er nicht mit dem Gewicht gerechnet hatte, er drehte seinen Kopf zu Nayantai und schüttelte ihn, dann griff er auch endlich nach Kleidung die er heute tragen konnte und zupfte sie aus dem Schrank, um sich anziehen zu können.
    • Griff man nur nach den Dingen, die man ohnehin schon hatte, dann war es nicht mehr als ein leichtes Zwicken, das man verspürte, wenn es einem wieder entrissen wurde. Was war die Wahrheit auch wert, wenn nicht das eigene Leben und was half es, wenn man sich immer nur an das klammerte, das man ohnehin haben konnte und an dem es einem nie wirklich fehlen würde. Rain hingegen war etwas, das Nayantai nicht besitzen konnte, so lange er nicht hier war und das machte ihn, zumindest in den Augen des Wolfes, in eben jener Hinsicht auch zu etwas besonderem. Von ihm abzulassen schien undenkbar, aber auch dieses Gefühl würde vergehen, vielleicht zusammen mit der Verliebtheit, die er jetzt verspürte, oder sie würde bleiben, für eine ganze, lange Weile. "Meinst du denn?", lachte der Wolf, der wusste, dass dem nicht so wäre. Irgendwann mussten sich ihre Wege auch trennen und die Blase, in der sie beide sich befanden, würde einfach zerplatzen, ohne, dass sie irgendetwas getan hatten, das von Wert war. Wohin sollte sie der Wind auch erst tragen? Würden sie überhaupt Wind brauchen, der sie trug oder wollten sie doch lieber fest am Boden bleiben? "Ich wünschte, der Winter würde nie vergehen", nuschelte er, wusste aber, dass auch das nicht von Vorteil war.

      Müde Augen fielen auf den Körper, der sich im Spiegel reflektieren ließ - so bleich, so sanft. Auch, wenn es kein Leben für ihn wäre, einfach mit Rain Plätze zu tauschen, dann fragte er sich doch, wie es wohl wäre, wenn er nicht leiden musste, sondern einfach - ohne sich großartig um viele Dinge kümmern zu müssen - in den Tag hineinleben konnte, ohne Schmerzen oder Narben zu haben. Würde er lieber seinen eigenen Körper, den Tempel seines Seins, aufgeben wollen und damit sein Volk, oder aber würde er lieber weiter leiden wollen, damit er verstünde, was diese Welt ihm abverlangen würde? Seine Augen fielen auf die Flecken, die er an Rains Körper hinterlassen hatte, die auch auf seinem Spiegelbild heraus stachen, als würden sie dort nicht hingehören. "War ich das?", warum fragte er auch so dumm? "Tut es weh?", wollte er auch noch wissen und hätte sich am liebsten die Haare ausgerissen. Neugierig schien der Wolf allemal zu sein, dafür nahm er auch schon die Arme von Rain und stellte sich lieber neben diesen, damit er sich anziehen konnte und sie nicht ewig herumtrödelten. "Ich sollte nicht so aufdringlich sein, entschuldige ..."
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    • Ein paar Wochen waren es noch, die der Winter andauern würde, vier, fünf... vielleicht mehr wenn sie Glück hatten, oder Pech, je nachdem wie man es sehen wollte. So viel Zeit war allerdings bereits vergangen und es kam Rain vor, als wären es nur Minuten gewesen, würde die folgende Zeit auch so schnell verrinnen? "Ich wünschte wir wären alleine irgendwo... nur wir beide... obwohl, das wäre vielleicht zu viel von dir verlangt. Ich... könnte wohl nicht viel helfen...", seufzte Rain mit einem leichten Lächeln und genoss noch einen Moment die Wärme, die der Wolf im spendete. Er wünschte sich, er hätte keine Verpflichtungen, müsste sich nicht verstecken und hatte prinzipiell niemanden, der ihn von dem Wolf fern halten könnte, aber so einfach war es nicht und was sollte er mit dem Wolf ganz alleine in einer Hütte anstellen? Nayantai würde so viel erledigen müssen, müsste Holz besorgen, Nahrung und was sie sonst so brauchten, während Rain nur herum sitzen konnte und nicht einmal wusste, wie man nähte. Vermutlich hatten sie hier in seinem Anwesen sogar mehr Zeit füreinander.

      Rain blickte noch einmal auf die Flecken auf seiner Haut, die sich neben der sonst so makellosen, weißen Ebene deutlich abzeichneten. "Äh... ja. Nein, es tut nicht weh, nur wenn man darauf herum drückt.", lächelte Rain und wurde ein wenig rot. "Jetzt ähm... jetzt habe ich wenigstens... eine Weile lang... etwas von dir bei mir." Nachdem der Wolf die Arme von Rain genommen hatte, schlüpfte dieser aber dann schnell in seine Hose und ein paar dicke Socken. Dann wurde er das Oberteil los und ersetzt es mit einem Hemd, das er flink zuknöpfte und im Spiegel noch überprüfte, ob ihm auch nichts anzusehen war. Darüber kamen noch zwei Schichten Kleidung, damit ihm nicht kalt wurde im großen Speisesaal, bei dem das einzelne Kaminfeuer meist etwas brauchte, bis der ganze Raum gewärmt war. "Du musst dich für nichts entschuldigen.", lächelte Rain und drehte sich schließlich angezogen zu Nayantai, um auch dessen Aufzug zu überprüfen. Er strich noch ein paar Falten aus dem Hemd und stellte sich auf die Zehenspitzen, damit er die wilden Strähnen ein wenig bändigen konnte, die überall hin ab standen. "Eigentlich sollten wir das zu einer Regel machen. Offenbar entschuldigen wir uns beide viel zu häufig beieinander."
    • Eine Ewigkeit wäre schön, in der er nicht entscheiden musste - in der er nicht der Kronprinz der Wölfe war und in der er nicht darauf hoffen musste, dass auch am nächsten Tag noch genug Luft vorhanden wäre, die er atmen konnte. Nayantai wusste, dass es töricht war, zu glauben, er könnte hierbleiben, könnte sich eben solch eine Welt wahrhaftig wünschen, aber was dann? Vermutlich würde es weniger Sinn machen, einer Zukunft, die es nicht geben konnte, einfach hinterher zu rennen - egal, wie sehr er seine Hände nach einer gemeinsamen Zukunft mit Rain ausstrecken wollte, sie würde nicht einfach anfangen, zu existierten, nur, weil er eben das von ihr verlangte. "Das würde mich aber nicht stören ... und es heißt ja auch nicht, dass du wirklich gar nichts tun kannst", murmelte der Wolf und besah sich selbst noch einmal seiner Kleidung. Würde er solche Dinge in Thria tragen, so glaubte er, würde er - trotz der Wärme seines eigenen Körpers - einfach erfrieren, ob er nun wollte, oder nicht. Rain würde vermutlich, selbst in der dicken Kleidung des Wolfes, keinerlei Chancen gegen die Temperaturen haben, aber irgendwo war er auch zuversichtlich - würde er den Winter überleben, dann wären andere Jahreszeiten kein Problem für ihn.

      Die Tundra war endlos, vermutlich gab es auch Schnee dort, der vor Ewigkeiten gefallen war und nun dort lag, bis auch die warmen Temperaturen - eines Tages - zu ihm vordrangen und sein nichtiges Leben beendeten. Vergehen würde er, damit das Gras und die Blumen unter ihm sprießen konnten, damit die Thrianer wussten, dass auch ihr Leben nicht nur aus ihrem Zerfall bestehen würde. Wäre Tyasis es, an die sie glaubten, der sie ihr Schicksal überließen oder aber waren sie es, die ihr Schicksal selbst in ihre Hände nahmen und dafür sorgten, dass ihnen nie wieder solche Dinge angetan wurden? "Von mir ... bei dir. Das hört sich nicht schlecht an!", lachte er und wollte die Flecken am liebsten berühren, riss sich jedoch zusammen und wartete lieber darauf, bis Rain sich angezogen hatte und dann auch noch ihm dabei half, sich in seiner Kleidung wieder wohl zu fühlen - auch, wenn das eher ein missglückter Versuch wäre. "Wenn du das sagst, nehme ich dich beim Wort." Es war kein Versprechen, das sie sich da gegenseitig machten, sondern lediglich eine Feststellung, dass sie sich viel zu schnell, viel zu schlecht über irgendwelche Dinge fühlten, die keinen Sinn ergeben wollten. "Das ... hört sich nicht schlecht an", lachte er und entfernte sich von Rain, damit er sein Buch holen konnte. "Weißt du, ich könnte es mir auch einfacher machen!" Was er damit meinte, das wurde relativ bald klar - als er wieder vor Rain stand, klemmte er das Buch lediglich zwischen die Beine und nahm das Band, das er noch immer um sein Handgelenk gewickelt hatte, von diesem, um sich zumindest einen einigermaßen passablen Zopf zu binden. Kaum war eben das getan, sah er wieder auf und grinste Rain zufrieden an.
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    • Rain fasste sich noch einmal an die schmerzenden Stellen, tatsächlich war es so, dass wenn er seine Finger darauf legte, er sie deutlich spüren konnte und es ihn auch sofort an Nayantai und gestern Abend denken ließ, vielleicht sogar etwas zu sehr. Rain lächelte, freute sich über die gute Laune des Wolfes, dessen angenehme Nacht wohl auch dafür sorgte, dass er heute ganz besonders viel lachte. Rain sah ihn gerne lachen und vielleicht wurden sie ja jetzt eine ganze Weile nicht von irgendwelchen unschönen Albträumen heim gesucht, das wäre doch etwas. In der Nacht nicht ständig aufzuwachen und aus dem Schlaf zu schrecken war angenehm und auch Rain fühlte sich als habe er mehr Energie als sonst, die er auch brauchte um die aufgeschobene Arbeit nachzuholen.

      "Und du hast jetzt auch etwas von mir bei dir.", lächelte Rain, meinte damit das Band, das Nayantai nun genutzt hatte, um seine Haare zu einem Zopf zusammen zu binden. Jetzt wo sie beide angezogen waren und Nayantai auch repräsentabel aussah, konnten sie sich auf den Weg zum Speisesaal machen, um zu essen. Rain nahm sich vor, nicht nur Kekse in sich hinein zu stopfen, sondern zumindest auch ein wenig Brot und Käse zu sich zu nehmen. Er wollte das alles trotzdem mit Milch herunter spülen. Nayantai durfte ebenfalls nicht nur Kekse essen, darauf wollte Rain achten. Immerhin, sollte er wohl wieder etwas zunehmen, bevor er nach Thria aufbrach, damit er den weiten Weg auch schaffen konnte. So wie er jetzt aussah, machte er Rain beinahe Konkurrenz und das war bestimmt nicht der Körper, den Nayantai früher hatte. Nach dem Essen müsste Rain sich wohl trotzdem ein paar Stunden konzentrieren und Nayantai zumindest im Geiste ein wenig allein lassen.
    • Gehörten sie beide einander denn schon voll und ganz? Wollten sie das denn? Ja, mehr als nichts anderes in diesem Moment, so fühlte er sich doch, als würde er Rain lieber bis an das Ende seiner Tage gehören, als nochmals alleine einen Fuß in die Kälte zu setzen. Was sein Vater wohl von ihm dachte, bekäme er erst mit, wie verweichlicht sein Sohn bereits war? Würde er glauben, Nayantai war es einfach nicht länger wert, sich seinen Sohn zu schimpfen, oder aber würde er einfach glauben, dass es sowieso irgendwann passiert wäre, selbst dann, wenn er nie verschleppt worden wäre? Jedweder Schmerz, jedweder Atemzug - egal, was es war, er lebte und er würde nicht aufhören, eben das zu tun, wenn er nicht musste. Sein Leben niederzulegen, nur weil es Tei vermutlich nicht mehr gab, erschien ihm irgendwo absurd - es war so, als würde feiner Sand in seiner Lunge sein, der brannte, wann auch immer er Luft einatmete und zu realisieren begann, dass er nur mehr hier stand, weil die Flammen ihn nicht mit sich genommen hatten, wie so viele andere. "Da hast du wohl recht!", gab er von sich. Rain war nicht hier, um ihm Schmerzen zuzufügen, oder über ihn zu walten - er war hier, um sich mit dem Wolf zu verstehen und ihm mehr zu geben, als dieser haben sollte.

      Der Weg von Rain's Zimmer bis zum Speisesaal mochte kein langer sein, aber dennoch ein ungewohnter und etwas, dass Nayantai nicht ganz verstand. Wenn sie ohnehin schon zusammen saßen, um etwas zu essen, wieso ausgerechnet alleine und nicht allen Leuten, die sich sonst noch in diesem Haus herumtrieben? War das wiederum eine komische Schafstradition, oder bildete sich der Wolfsprinz all das nur ein? Mit Rain im Schlepptau wurde es ihm nie langweilig, auch, wenn es heißen würde, dass sie ihre Gespräche wohl oder übel auf später verlegen würden, wenn sie es erst einmal dazu gebracht hatten, mehr als nur ein paar Kekse in ihre Münder zu befördern. Nayantai war sich dessen bewusst, dass es durchaus kontraproduktiv sein konnte, legte er es weiterhin darauf an - wenn sein Magen aufhören würde, zu knurren und er erst einmal Essen zwischen den Kiemen wusste, dann ginge es ihm vermutlich viel besser, als es das jetzt tat. "Weißt du, all das hier ist so unvertraut und komisch für mich ... ihr Schafe seid etwas befremdlich für mich, wenn ich ehrlich bin", gestand er dem Lamm, während sie die Gänge entlang spazierten. "Das ist nichts schlechtes, wirklich nicht!", hing er an, als er die Tür zum Speisesaal schließlich aufstieß. "Aber ist es nicht einsam, so allein, zu zweit, an so einem großen Tisch zu essen?"
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    • Da sagte Nayantai etwas, ja es war einsam, aber der Raum war ja auch nicht darauf ausgelegt nur zwei Personen zu beherbergen und trotzdem hatte auch Rains Familie an dem großen Tisch gesessen, von dem mehr als die Hälfte die Meiste Zeit leer geblieben war. "Ach, das ist in Ordnung. Du kannst mich alles fragen was du willst.", lächelte Rain als er den Raum betrat und auf dem üblichen Stuhl Platz nahm. Auf dem Tisch stand bereits Frühstück bereit und Rain legte eine paar Dinge auf seinen Teller, bevor er wirklich versuchte Nayantai alles zu erklären, was er eventuell wissen wollte. "Hm. Du hast recht.", begann er und blickte über den langen Holztisch, der nur an einem kleinen Eck von ihnen genutzt wurde. "Wenn du nicht hier wärst, würde ich auch nicht hier essen, aber für einen Gast, sollte man auch mal sein Zimmer verlassen und sich gleichzeitig nicht in seines einladen. Früher waren wir ein wenig mehr Leute in diesem Haus... fünf, um genau zu sein, wenn mein Vater auch hier war. Ich gebe zu, der Tisch ist dann immer noch etwas zu groß, aber es ist trotzdem ein Platz, an dem die Familie zusammen isst und eventuell Gäste, so wie du einer bist." Rain nahm einen Schluck Milch, bevor er weiter sprach, obwohl er vermutlich schon wieder viel zu viel redete. "Früher hatten wir viele Gäste, so wie wir auch oft in anderen Fürstentümern eingeladen waren." Auch wenn Rain dorthin nie mitgereist war, weil er dieses Haus nicht verlassen konnte. Aber das machte nichts, er hatte sich ohnehin meistens nicht so wohl gefühlt, wenn er unter so vielen Menschen war, auch wenn er sich natürlich benommen hatte und höflich gewesen war. "Die Repräsentanten der einzelnen Fürstentümer treffen sich also regelmäßig, auch kleinere Adelsfamilien sind eingeladen und wenn man so eine Veranstaltung ausrichtet, dann braucht man eben einen großen Tisch, sowie einen Empfangssaal. Bei uns Schafen ist es sehr wichtig, wie wir uns bei solchen Veranstaltungen präsentieren und dass wir unsere Gäste gut unterhalten, mit Musik, Essen und Trinken. Deswegen ist der Raum hier auch einer der hübschesten in diesem Anwesen."

      Rain vermutete, dass Nayantai gerade nicht einmal die Hälfte von dem verstanden hatte, was Rain von sich gegeben hatte, aber er wusste auch nicht recht, wie er das ganze in die Sprache der Wölfe übersetzen sollte, zumal es vermutlich auch etwas ganz anderes war, das er zuerst erklären musste, denn er glaubte nicht, dass die Wölfe sich etwas aus Zelten machten, die nur für eine Sache bestimmt waren. "In Steinhäusern gibt es immer bestimmte Räume, für bestimmte Tätigkeiten. Schlafen, essen, sich waschen, arbeiten... und meist gibt es nur einen Raum davon, abgesehen von den Schlafzimmern. Der Raum muss dann immer passen. Auch wenn viel Besuch da ist... viele... andere Schafe. Der Raum muss groß sein, damit viele Schafe hinein passen."
    • "Ich verstehe die Welt der Schafe noch immer nicht", gestand er grummelnd. Wenn er sich also an diesen Tisch setzte, zusammen mit Rain, dann lag das eben daran, dass er Gast des Schafes war und nicht, weil er ihn nicht mehr in seinem Zimmer haben wollte? Wölfe hatten keine Gäste, waren eigen - irgendwie verstand er nicht, wer von den beiden besser mit derartigen Situation umging. Während die Ruhe für sie wichtig schien, ging es den Schafen wohl eher mehr darum, zu brillieren und andere davon zu überzeugen, wie wichtig sie nicht waren. War das denn eine Existenz, die man führen wollte? "Aber das heißt, dass wir eigentlich nur hier sind, weil ich hier bin?", wollte er wissen und blickte über die Tischplatte - sah zum Essen, das man ihm darbot und wusste nicht, was davon er überhaupt ausprobieren sollte, nachdem er es sich endlich durch den Kopf gehen ließ. Worauf hatte er denn eigentlich Lust? Unbehelligt griff der Wolf nach einer Scheibe Brot und etwas Wurst, als würde er sich nicht gerade auf das Gesagte konzentrieren müssen, damit er verstand. "Schafe sind eingebildet, kann das sein? Ich meine nicht dich aber ... ihr scheint viel mehr wert darauf zu legen, in welchem Licht ihr von einander gesehen werdet, als Wölfe." Wölfe prahlten auch gerne, aber nicht mit ihren Besitztümern, sondern mit ihren Prinzen und Prinzessinnen, die sich - eigentlich - bei einem Jagdausflug zu messen hatten.

      Hier war daran auch gar nicht erst zu denken - vor allem dann nicht, als er von seinem Brot abbiss und sich überlegte, was er überhaupt verstand und was nicht. Es gab, seiner Meinung nach, viel zu viele Worte, die nicht immer Sinn ergeben mussten, aber des Öfteren doch dadurch auffällig wurden, dass Nayantai sich schemenhaft daran erinnerte, dass Rain sie in ähnlichem Kontext verwendet hatte - auf diese Art und Weise eine Sprache zu erlernen schien ihm, momentan, keine schlechte Lösung. "Aber wer will schon mit vielen Leuten auf einem Haufen hocken?", ausgerechnet ein Wolf fragte eben das, aber er selbst kannte etwaigen Unmut nur zu gut. Was blieb ihm auch anderes übrig, außer freundlich zu sein, wenn man sich mit ihm unterhalten wollte und was konnte er anderes tun, außer seine Zunge zu zügeln, damit er die Gesellschaft, die er gar nicht wollte, bei sich behielt? "Weder ich noch du sind dafür gemacht", ließ er verlauten, während er sein Brot weiterhin aß und sich insgeheim fragte, ob er derjenige war, der nichts schmecken konnte, oder ob Schafe lieber geschmackloses Essen zu sich nahmen.
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    • "Hm. Ja, weil es sich ohnehin nicht gehört in seinem Zimmer herum zu hocken, wenn man Besuch hat, oder zu Gast ist.", bestätigte Rain nickend und sah dem Wolf dabei zu, wie er sich etwas zu Essen nahm und in den Mund schob. Rain war nie sicher, ob es ihm auch tatsächlich schmeckte und streckte sich schließlich ein wenig über den Tisch, um dem Wolf etwas Salz und Pfeffer zu seinem Teller zu schieben. Er benannte die Dinge in der Sprache der Schafe, glaubte aber nicht, dass der Wolf sich einen Reim daraus machen konnte, also würzte Rain einfach sein eigenes Essen ein wenig, damit der Wolf wusste, was er zu tun hatte. "Eingebildet?", erfragte Rain das unbekannte Wort und versuchte auch den Rest zu ergründen, wobei er feststellen musste, dass die Wölfe und Schafe teils die selbe Ausdrucksweise verwendeten, wenn auch mit unterschiedlichen Wörtern befüllt. "Achso, ja. Hm... Die Fürsten der Schafe müssen eng zusammen arbeiten, weil wir auch viel Handel untereinander treiben. Wir tauschen... Dinge..." Rain hob seine Hände an, als sollten sie eine Wage repräsentieren. "Waffen gegen Essen, zum Beispiel. Fhaergus ist sehr autonom, also... Fhaergus kommt alleine gut zurecht, aber es gibt viele Luxusgüter, die wir nicht selbst herstellen können, oder die es in Fhaergus nicht gibt. Tongefäße kommen aus dem Osten, ebenso wie Porzellan." Rain deutete auf seinen Teller. "Verschiedene Stoffe importieren... kaufen... wir auch, das Einzige das wir zur genüge haben ist in dieser Hinsicht Schafswolle... also Schaf... Fell? Wir besitzen auch keine Weingärten und manches Obst... Essen... gibt es nur aus anderen Ländern. Dafür haben wir unter anderem Eisen, Gold, Milch, Käse und Fleisch, das wir eintauschen können. Aber ich schweife ab... was ich eigentlich sagen wollte, unsere Fürstentümer funktionieren zusammen." Rain verschränkte nun seine Finger miteinander. "Deshalb müssen sich die Oberhäupter, so wie ich, miteinander verstehen, deswegen werden oft Schafe eingeladen und wir wollen schließlich zeigen, dass wir auch etwas bieten können, das von Wert ist, damit wir tauschen können." Außerdem teilten sich die Schafe ja auch eine gemeinsame Armee und zu deren Erhalt mussten alle beisteuern, aber das Thema breitete Rain besser nicht vor Nayantai aus. Abgesehen davon redete er zwar viel davon, aber seit seine Mutter gestorben war, hatte Rain niemanden hier her eingeladen und auch sein Vater legte keinen großen Wert mehr darauf. Er selbst bekam sowieso keine Einladungen mehr, weil er sowieso nicht kommen konnte, aber er bemühte sich mit den Fürsten über Briefe Kontakt zu halten, nur im Winter ging das eher schlecht, da ein Brief nirgends ankommen konnte.

      Aber Nayantai hatte Recht, solche Veranstaltungen waren nie etwas für Rain gewesen. Er kicherte ein wenig und nickte. "Das stimmt. Wir sind beide nicht dafür gemacht. Ich habe lieber nur einen Gast, so wie dich, dafür kann man sich dann auch ordentlich unterhalten, zumindest wenn man die selbe Sprache sprechen würde." Rain hielt kurz inne, musterte den Wolf und überlegte, wie die Wölfe miteinander umgingen. Nayantai war doch ihr Prinz, aber ob das zu vergleichen war? Die Wölfe hatten keine gemeinsame Armee, so viel wusste Rain, aber sie würden vermutlich schon miteinander handeln, oder? "Wie ist das bei den Wölfen? Wir arbeiten die Wölfe zusammen?", fragte er also frei heraus.
    • "Das hört sich anstrengend an", aber auch das verstand der Wolf. Selten hatte er Besuch, aber noch seltener blieb er in seinem Zelt hocken, wenn eben jener Besuch erst einmal den beschwerlichen Weg auf sich genommen hatte, damit er schlussendlich den Kronprinzen der Wölfe nerven durfte. Würde er sich nur verstecken, würde er seines Titels nicht gerecht werden und das wäre etwas, das er liebend gerne vermied. "Ich ... wüsste gerne, wie ich dieses Wort beschreiben soll - ich habe keine Ahnung, leider", gestand er dem Lamm. Momentan ging es ihm eher darum, zu essen und den geschmacklosen Brei hinunterzuschlucken der - im Vergleich zu dem, was der Wolf sonst auch aß - schlimmer sein konnte. Eher weniger aufmerksam lauschte er der Erklärung Rain's über die Politik des fremden Landes, darüber, was die Fürsten alles miteinander tun mussten, damit sie nicht gleich anfingen, einander zu betrügen und zu belügen - damit einige von ihnen überleben konnten. Wieso, das war Nayantai nicht gerade klar, aber er wollte auch nicht an den Ideologien eines fremden Ortes zweifeln. "Also müsst ihr euch vertragen, damit alle von euch überleben können?" Wenn das Leben der Schafe schon auf so fragilen Dingen aufgebaut war, dann wusste der Wolf gar nicht, wie es eigentlich dazu käme, dass sie allesamt gemeinsam in einen vermeidbaren Krieg zogen.

      "Sind eure Beziehungen rein oberflächlich und ihr müsst euch verstehen, damit euer Land funktioniert?" Wo hatte er das schonmal gehört? In Thria? Sein Vater hatte oft genug ein paar der Leute am Eismeer verteufelt, allem voran den Vater seines besten Freundes, einfach dafür, weil er alt und stur war, sich nichts einreden lassen wollte und eigentlich eher darauf zu hoffen schien, dass das Glück ihn befiel und nicht daran interessiert war, dem Rest Thrias unter die Arme zu greifen. "Und ich bin lieber hier mit dir, alleine, damit ich meine Ruhe vor nervigen und quengelnden Leuten habe", bekannte sich Nayantai und aß sein Brot auf, bevor er Salz und Pfeffer anstarrte, als wären sie aus dieser Welt. Selbst, nachdem Rain ihm gezeigt hatte, wofür sie gut waren, nahm Nayantai lediglich den Salzstreuer, schüttelte diesen auf seinem Finger aus und, so ungeniert wie er war, leckte er die wenigen Salzkörner, die darauf waren, einfach davon ab. Ehrlich gesagt schmeckte es nicht nach sonderlich viel, gleich wenig, wie es das Brot tat, weswegen der Wolf murrte. "Wir treffen uns, irgendwo in Thria und gehen jagen", entgegnete er Rain. "Alle Prinzen und manchmal auch Prinzessinnen. Es ist eigentlich einfach nur eine Ausrede, damit man ein paar Welpen alleine in einem bewaldeten Gebiet lässt und sie haufenweise Schabernack treiben können." Hatten sie auf einem Jagdausflug eigentlich schon jemals die Finger voneinander gelassen? Nein. Aber zumal, musste er das Rain überhaupt beichten?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Hm, das macht nichts. Irgendwann werden wir einander besser verstehen können.", lächelte Rain, obwohl er daran zweifelte, dass sie die Sprache des jeweils anderen in der kurzen Zeit die ihnen noch blieb, wirklich lernen konnten. Jedoch unterhielt sich Rain trotzdem gerne mit dem Wolf, auch wenn sie beide nur die Hälfte, oder sogar weniger, verstanden und die Konzepte der Wölfe und Schafe wohl auch nicht wichtig für ihr Leben war. Zumindest Rain hatte nicht vor irgendetwas auszuplaudern, selbst wenn er etwas wichtiges aufschnappte, nicht einmal seinem Vater würde er antworten, denn er wollte Nayantai auf keine mögliche Weise betrügen. "Naja... wir sollten Kontakt halten. Und zumindest nicht streiten, oder zugeben, dass wir uns nicht mögen. Die Handelsverträge zu verlieren ist eine schwierige Aufgabe, da müsste ich schon jemanden öffentlich Beleidigen, damit Fhaergus einen Partner verliert, wenn ich mich einfach nicht melde, dann ist das kein Grund zum Streit. Immerhin wollen wir alle voneinander irgendetwas, das wir selbst nicht haben. Es gibt Beziehungen die schon mit meinem Vater schlecht angefangen haben und wieder andere, die er aufgebaut und gestärkt hat. Wenn gar nichts mehr funktioniert, dann wird meistens geheiratet, denn dann sind zwei Familien zumindest durchs Blut verbunden, sofern das möglich ist." Rain wusste auch, dass sein Vater, so stolz und edel er auch war, in dieser Hinsicht nicht nach den Regeln gespielt hatte. Rains Mutter war zwar Adelig gewesen, aber sie war niemand, der Rains Familie irgendeinen Vorteil verschafft hätte, im Gegenteil, die Frau die Rains Vater eigentlich hätte heiraten sollen, war gekränkt und damit ihre ganze Familie. Die Handelsbeziehungen mit Fhaergus abzubrechen, war aber nichts, was jemand tun würde, der noch halbwegs bei Verstand war, dennoch waren die Preise in besagtem Land für Fhaergus immer noch unverhältnismäßig hoch. Rain wollte man auch dort hin verheiraten, das wusste er, er hatte das junge, dafür vorgesehene Mädchen aber schon lange nicht mehr gesehen. Sein Vater hatte den Kontakt abgebrochen, nachdem wiederum sein Vater gestorben war und den Plan nicht weiter verfolgen konnte. Irgendwo war der Fürst von Fhaergus vielleicht doch nicht so streng wie er sich immer gab, denn weder zwang er Rain eine Frau zu finden, oder suchte ihm gar eine aus, noch hatte er selbst jemanden geheiratet, nur damit er seine Familie stärkt.

      "Vor... was für Leuten?", fragte Rain erneut nach, der schon wieder nicht wusste, wovon der Wolf eigentlich sprach, jedoch klang das, was die Wölfe taten nicht so anders als das was in Adrestia geschah, auch wenn das Rain nie mit eingeschlossen hatte. "Hier werden meist alle eingeladen. Die Fürsten und ihre gesamte Familie, also auch ihre Kinder. Es gibt meist für jeden etwas zu tun, auch gehen die Jüngeren gerne jagen, oder messen sich in veranstalteten Turnieren, also... sie kämpfen miteinander, ohne sich ernsthaft zu verletzen, mit Regeln und... Zuschauern. Die Älteren unterhalten sich inzwischen. So ungefähr. So ein Treffen dauert mindestens einen Tag, meistens länger und es gibt für jeden etwas zu tun... manchmal gibt es auch Aufführungen... also... hm... so etwas ähnliches wie... wenn eine Geschichte erzählt wird, nur mit mehr Leuten und passender Kleidung."
    • "Irgendwann, ja" - auch, wenn dieses 'irgendwann' gar nicht zur Debatte stand. Sie beide hatten nur einander, hatten nur das Leben, das ihnen gerade jetzt blieb und auch nur die eine Chance, sich wirklich kennenzulernen. Nayantai konnte weiter rennen, konnte Rain in seinem Staub zurücklassen und nie wieder an ihn denken, wenn er das denn wollte - er musste sich nicht darum kümmern, was eigentlich wichtig war, er musste lediglich dafür sorgen, dass er lebte und leben ließ. Die Sprache der Schafe konnte ihm auch Rikiya beibringen, wenn er doch ernsthaftes Verständnis dafür aufbringen würde, oder aber zumindest zeigte, dass er sich für mehr interessierte als kalten Stahl, den er durch den Körper mehrerer Schafe bohren konnte, damit sie endlich ihr Leben ließen. "Ihr heiratet jemanden, den ihr nicht liebt, damit ihr die Beziehungen zwischen euren Ländern stärkt ... das ist etwas, das die Wölfe auch gut und gerne tun", sprach der Wolf, dem die ganze Thematik doch nicht so wohl bekam, wie eigentlich angenommen. Seine linke Hand spielte wieder mit dem Holzplättchen um seinen Hals, während seine Rechte damit beschäftigt war, seinem Körper etwas Brot zuzuführen, damit er früher oder später wieder zu Kräften kam, auch, wenn er dieses Mal auf Fleisch verzichtete. "Eigentlich sind wir uns in der Hinsicht ziemlich gleich. Kein Stamm würde einfach aufhören, mit einem anderen zu kommunizieren aber ... Traditionen sind Traditionen", erklärte der Wolf, der seine Sorgen vielleicht doch eher in einem Glas Milch ertränken sollte.

      "Jemanden, den wir nicht mögen", vereinfachte er seine vorangegangene Beschreibung, damit auch Rain verstehen würde, was genau er damit meinte. Sie beide waren also nicht mehr als zwei Adelige, die mit der Welt dort draußen gar nicht zu tun haben wollten, sondern lieber herumhockten, in ihrem Selbstmitleid badeten und ihre Welt miteinander teilten, damit sie sich doch nicht so einsam fühlen mussten, wie sie eigentlich waren. Danach kam vielleicht doch die Sinnflut, die sie mitreißen sollte - davontragen, in eine Welt, die sie nicht kannten und auch nicht kennen wollten. "Ihr spielt miteinander? Das tun Wölfe auch, aber ... nicht auf diese Art und Weise", erläuterte er und verputzte den Rest seines Brotes, bevor er sich zurücklehnte. "Wenn sich zwei Prinzen schlagen, dann, bis einer blutend am Boden liegt, oder sie voneinander getrennt werden, weil sie alle Idioten sind." Vor allem die Jüngeren waren es, die oft genug versuchten, sich über belanglose Dinge zu streiten - und wer konnte es ihnen verübeln, wenn keiner auf sie aufpasste? Alle von ihnen wussten nicht, was sie taten und keiner von ihnen konnte genau sagen, wer mit wem auskam und wer nicht. "Wenn es euch Spaß macht, warum nicht? Wölfe sind im Gegenzug dazu um einiges rabiater."
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    • "Mhm. Aber wir halten uns nicht immer daran. Mein Vater sollte in den Osten heiraten und ich auch, aber wir haben es beide nicht getan. Mein Vater war auch bei mir nicht dafür... das war sein Vater. Die Beziehungen dort hin sind... mh... schwierig. Ich werde von niemandem gezwungen, aber wenn ich tun wollte, was für Fhaergus am Besten ist, dann sollte ich den Kontakt aufnehmen und endlich eine Frau finden. Um genau zu sein, sollte ich rasch irgendeine Frau finden, a-aber... ach das, tut mir Leid, das ist... das interessiert dich bestimmt nicht." Rain schüttelte den Kopf, erneut sprach er einfach vor sich hin, ohne wirklich darauf zu achten, was er da von sich gab. Vermutlich interessierten Nayantai solche Themen auch gar nicht und was Rain erst anstellen würde, wenn er fort war, war für ihn völlig egal. Rain selbst wollte nicht heiraten, wollte es nie, aber wenn er ehrlich war, dann sollte er es endlich in Erwägung ziehen. Sein Vater würde sich nicht erneut eine Frau suchen und mit Rain würde sein Haus untergehen, wenn er weiterhin nichts tat. Wer wusste auch schon, wie lange er noch lebte? Eigentlich wollte er gar nicht darüber nachdenken. "Mh... alle Fürstentümer sind unterschiedlich und sehr eigen. Es ist schwierig sich mit allen zu verstehen, aber am Ende geht es nur um jedermanns eigenes Volk und was das Beste ist. Wenn ich etwas von einem Fürsten benötige, den ich nicht ausstehen kann, dann würde ich mich zusammen reißen, damit es meinen Leuten gut geht."

      Rain hätte gerne die eigentliche Bedeutung der Wörter erfahren, die Nayantai von sich gab, aber seine Erklärung musste wohl genügen und er nickte lediglich. Rain griff noch nach einem Ei, das er schälte, auch wenn Nayantai schon so wirkte, als wäre er satt. Er glaubte es ihm eigentlich nicht ganz, weswegen er ihm das gepellte Ei auch einfach vor die Nase auf seinen Teller stellte, vielleicht sagte ihm das mehr zu und wenn nicht, dann enthielt es zumindest ein paar Nährstoffe, die der Wolf brauchen würde. "Ist es kein Problem, wenn ihr euch verletzt? Sind eure Eltern nicht wütend?", fragte Rain ein wenig verwundert. In Adrestia konnte das ausreichen, damit zwei Fürstentümer nicht mehr miteinander sprachen, zumindest für eine Weile, vor Allem, wenn sich nicht an die Regeln gehalten wurde. Natürlich konnte auch innerhalb der Regularien etwas passieren, aber selbst das war ungünstig, nicht dass Rain so etwas je miterlebt hätte.
    • Wer brauchte auch Regeln und Traditionen, die einen nur einengten? Nayantai kannte sie alle gut genug, wusste, dass das Leben eines Adeligen nie so gut verlaufen konnte, wie man es wollte und doch bedeutete das für die Wölfe herzlich wenig - sie taten das, was sie tun mussten und wenn ihnen gesagt wurde, sie sollten für ihr Land sterben, dann würden sie auch das in die Tat umsetzen, egal ob sie es nun wollten oder nicht. Alles, was wichtig war, verschwamm ohnehin mit der Zeit, die belanglos für sie alle war, gleich, wie es die Liebe zu jemandem tat, den man seit Ewigkeiten nicht mehr sehen konnte. "Wofür brauchst du eine Frau?", lachte der Wolf, der zwar wusste, dass es vermutlich Rains Pflicht war, auf diese Art und Weise seinem Land zu dienen, aber wohin würde ihn das bringen? Es war nicht weiter nötig, sich aus dem Fenster zu lehnen und auf ein besseres Leben zu hoffen. "Du hast mich, aber ich kann dir weder Land geben, noch kann ich Fhaergus bereichern oder dir einen Erben schenken", gestand der Wolf, der vermutlich wieder viel zu viel ausplauderte. Rain brauchte er, nicht mehr, niemand anderen - es gab auch keinem mehr, dem er sein Herz einfach so vermachen konnte, oder aber mit dem er Thria eine Zukunft schenken würde. "Mein Vater hat mich dazu gezwungen, jemanden zu heiraten, den ich nicht geliebt habe, damit sich die Beziehungen zwischen unseren Stämmen verbessern, aber ... wir haben uns nie füreinander interessiert."

      Tei war irgendwie nie jemand gewesen, der Nayantai auf mehr als eine platonische Art und Weise gemocht hatte. Sie beide kannten sich, seit Jahren, seit ihrer unendlich weit entfernten Kindheit und doch waren sie nie auf einen Nenner gekommen. Klammerte er sich an eine alte Freundin oder doch an seine zukünftige Frau, die nun nicht mehr unter ihnen weilte. "Wenn ich mich mit einem anderen Wolf nicht verstehe, dann sage ich ihm das ins Gesicht", grummelte er und besah das gepellte Ei, das Rain nun auf seinem Teller platzierte. Das war wohl auch nichts, das er nicht kannte, aber er wäre auch gar nicht erst auf die Idee gekommen, in die Schüssel zu greifen und sich eines davon zu nehmen. Seine Pranken griffen nach einem Messer, teilten das Ei entzwei - er griff nach dem Salz, als wolle er ausprobieren, ob es irgendwie half, bevor er seine Gabel nahm, das Ei an ihr aufspießte und nochmals entzwei schnitt, bevor er sich eine Hälfte - mit der Gabel - in den Mund steckte, kaute und schluckte. Noch immer nichts. "Ach, nein. Wenn du ein paar Welpen eine Woche allein im Wald lässt, dann ist es fast von garantiert, dass zumindest einer davon mit mehreren Schrammen zurückkommt. Wölfe interessieren sich nicht dafür, ob du dich geschlagen hast, sondern ob du gewonnen hast."
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    • Wieso stellte der Wolf auch so eine dumme Frage, wenn er die Antwort doch selbst wusste und gleich hinten nach posaunte. Rain lachte und schüttelte seinen Kopf. "Weil ich keine Brüder habe.", erklärte er, es war eigentlich schade. Rain glaubte, dass jeder Fhaergus würde besser führen können als er selbst und doch war er der Einzige, der das Erbe laut den Erbregeln auch tatsächlich antreten konnte. Und wenn er starb? Er hatte nicht einmal einen Onkel, oder andere Verwandte, nur er und sein Vater waren übrig, was würde also mit Fhaergus geschehen, wenn er nicht mehr da war und sein Vater eines Tages doch auf dem Schlachtfeld fiel? Wäre es nicht besser, er suchte sich eine Frau, die ihm einen Erben schenken konnte, hoffte, dass das Kind einen geeigneteren Körper hatte als er selbst und brachte ihm bei, wie es sein Land gerecht führen konnte? Wie jedoch? Er wusste es doch selbst nicht...

      "Hm... ich schätze so funktioniert die Welt eben...", murmelte Rain nach Nayantais Ausführung, die so viel mehr Fragen aufwarf, als sie Antworten lieferte, aber konnte er denn so tief in Nayantais Leben graben, das ihn eigentlich gar nichts anging? Er wollte ihn nicht verletzen, keine alten Wunden aufreißen, wenn er doch ohnehin schon genug hatte, das heilen musste, also schwieg er lieber. Eher wollte er auf die Gepflogenheiten der Wölfe eingehen, um das Gespräch aufrecht zu erhalten, Nayantai dabei aber nicht zu verletzen. "Hm, Wölfe haben es wohl manchmal einfacher. Adelige Schafe müssen sich zu benehmen wissen und sich nicht gegenseitig beschimpfen, oder öffentlich einen Streit austragen. Wenn ich jemanden nicht mag, dann lächle ich trotzdem und bin freundlich zu ihm.", erklärte Rain den Unterschied und lauschte dem Wolf weiter. Er wusste nicht warum, aber seine Hand glitt zu den schmerzenden Flecken unter seiner Kleidung, die eigentlich etwas liebevolles und zärtliches gewesen waren und nun trotzdem an Rain prangerten... ob es bei jedem so einfach war, einen dunklen Fleck zu hinterlassen? "Dann... bin ich wohl froh, dass ich kein Wolf bin...", seufzte Rain. "Obwohl das Gewinnen hier auch wichtig ist..." Immerhin wollte jeder einen starken, mächtigen Fürsten, der seine Armeen leiten konnte und wenn er dabei auch noch gutaussehend war, umso besser. Rain hasste das Gefühl, dass auch wirklich jedes Thema ihn darauf hinwies, dass er anders war, dass er schwach war und eigentlich zu kaum etwas zu gebrauchen, weder in der Welt der Schafe, noch in der der Wölfe. "Wenn du satt bist, können wir in mein Arbeitszimmer gehen.", erklärte er noch.
    • "Und? Ich weiß, dass Schafe wohl nichts von einem Wolf halten, aber du hast noch immer mich - und ich habe auch keine Brüder", brummte er und erstach wiederum ein Stück des Ei's, das man ihm aufgeopfert hatte. Seine Brüder waren schon seit Jahren tot - einer davon, bevor er mehr als ein Welpe werden konnte und der Andere hatte sich auf dem Schlachtfeld aufgehalten, bis auch sein Körper keinen weiterem Schlag mehr standhielt. "Es ist nicht wichtig, ob oder wer dich ersetzt, wenn du alt wirst - ist es nicht wichtiger, dass du dich frei und zufrieden fühlst?" Nayantai hatte nicht vorgehabt, Tei zu heiraten, hatte sein Herz an jemand anderen verschenkt und doch war sie es, mit der er den Rest seiner Tage hatte verbringen wollen. Ob Rikiya sich auch so gefühlt hatte? Wohl kaum, ansonsten wäre er - oder eher seine ältere Schwester - von vorne herein vermutlich ein Einzelkind gewesen. "Meine Brüder sind tot und meine Schwester rennt vermutlich irgendwo auf dem Schlachtfeld herum", murmelte er und hielt die Gabel mit dem aufgespießtem Ei hoch. "Und ich habe eine tote Verlobte, die nicht mehr als vom Wind verwehte Asche ist - jemanden, den ich nicht geliebt habe. Kann ich nicht einfach dich haben?", wollte er wissen und steckte sich das Ei in den Mund, kaute und schluckte es, sah dabei jedoch durchgehend Rain an.

      "Die Welt muss aber nicht so funktionieren, wenn wir das nicht wollen, das weißt du, Rain", seufzte der Wolf, der sich schlussendlich auch am letzten Stück des Ei's verging und es damit aus der Welt schaffte, gleich, wie er schließlich auch von der Gabel ablassen konnte und sich auf seinem Sessel zurücklehnte, zu Rain sah und ihn anlächelte. "Vielleicht haben wir das, oder wir sind einfach nur verrückt genug, dass wir solche Sachen mit uns machen lassen ... oder wir sind wirklich wilde Tiere, die alles in einen stillen Machtkampf verwandeln." Eines Tages war auch er an der Reihe und musste den anderen Prinzen und Prinzessinnen, eines ohnehin untergehenden Landes, beweisen, dass er es war, den sie ab jetzt ihren König schimpfen sollten und nicht mehr seinen Vater ... aber wollte er das? Weder er, noch seine Schwester waren jemals versessen auf den Titel gewesen, der Rikiya innewohnte und daran hatte sich vermutlich auch so bald gar nichts geändert. "Körperliche Stärke ist nicht alles, Rain - auch bei den Wölfen nicht", murrte der Wolf und stand auf, klopfte sich etwaigen Dreck von der Kleidung, die er sowieso nicht tragen wollte. "Wir können gerne gehen."
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    • Wenn du alt wirst sagte der Wolf, Rain glaubte eben nicht, dass das der Fall sein würde. Schön, er hatte bereits länger gelebt als prophezeit und länger, als er sich selbst zugetraut hatte, aber wie lange konnte das noch so weiter gehen, wenn er doch merkte, dass sein Körper nicht wie der anderer in seinem Alter, gerade am energievollsten war, sondern dass er bereits seinen Zenit erreicht hatte und nur immer schwächer und schwächer wurde. "Das Leben von sehr vielen Menschen lastet auf meinen Schultern und wenn mein Vater und ich sterben, dann gibt es niemanden mehr, der ein Anrecht auf Fhaergus hätte. Andere Fürsten würden es sich nehmen, sich vielleicht sogar darum streiten und keiner von ihnen denkt an die Menschen, die in meinem Land leben. Würde mein Leben nur mir allein gehören, dann würde ich mir weniger Gedanken machen, dann würde ich vielleicht mit dir versuchen in den Süden zu gelangen, aber die Wahrheit ist, dass unser beider Leben nicht nur uns gehört und davor dürfen wir nicht davon laufen... auch wenn ich es die ganze Zeit über tue.", seufzte Rain, der wusste, dass er gerade nur redete und redete und selbst nie getan hatte, was eigentlich seine Pflicht gewesen wäre. Dass Nayantai oft sagte, oder andeutete, er würde lieber nicht zurück nach Thria, um dort zu sterben, auch das konnte Rain nachvollziehen und er wäre es nicht, der ihn dazu zwingen würde, aber er war es, der ihm bewusst machen wollte, dass auch er seine Augen nicht einfach so verschließen sollte. "Ich würde dich begleiten, wenn ich könnte, ehrlich." Nayantai sprach so nonchalant von seiner toten Familie und seiner Verlobten, die er womöglich nicht geliebt hatte, ihr den Tod gewünscht, hatte er jedoch sicher auch nicht, vielleicht war es nur einfacher für ihn, wenn er all den Schmerz nicht an sich heran ließ, sondern den Tod seiner Brüder einfach als Tatsache hinnahm, vielleicht sollte auch Rain das tun und akzeptieren, dass er alleine war, es aber nicht sein musste, dass er vielleicht eine Frau lieben lernen konnte und wenigstens nicht alleine in diesem Anwesen war und das obwohl sein Herz eigentlich einem Wolf gehörte. Wäre das irgendjemandem gegenüber fair?

      "Ein Wolfsprinz und ein Schafsfürst können die Welt nicht ändern.", seufzte Rain, der immer wieder erstaunt war, welch Fantasie Nayantai an den Tag legte. "Ich wollte nicht sagen, dass ihr wie Tiere seid. Ihr seid anders, ja, aber daran ist nichts Falsches. Ich beabsichtige nicht dich, oder dein Volk zu verurteilen.", versicherte er und stand schließlich ebenfalls auf, damit sie den Raum verlassen konnten und Rain sich seiner Arbeit widmen konnte, das Gespräch driftete ohnehin erneut in eine Richtung, die sie beide nicht glücklich machte. Trotzdem schien der Wolf mit dem was er sagte, Rain zum nachdenken zu bringen und vielleicht wurde er ja endlich mal erwachsen, auch wenn er viel lieber mit dem Wolf verschwinden würde. "Hm... und trotzdem ist es wichtig, das sagtest du doch bereits. Jemand wie ich sollte sich selbst das Leben nehmen, damit er nicht weiter eine Belastung ist, das waren doch deine Worte?", fragte Rain, kannte die Antwort und wusste eigentlich gar nicht, warum er darauf bestand. Er sagte nichts mehr und marschierte lieber los, aus dem Raum hinaus und wieder in den kalten Gang.