spellbound. (earinor & akira)

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    • "Keiner, außer jemand, der nicht mehr leben will - glaube ich zumindest", antwortete der Wolf, der schon genug in seinem Leben gesehen hatte. Das letzte Mal, dass es derartige Dinge waren, mit denen er sich hatte herumschlagen müssen, hatte er kaum irgendetwas gespürt. Ihm verging der Appetit, sein Hals war trocken und beinahe zu geschwollen, seine Augen schmerzten, waren blutunterlaufen - Fieber plagte ihn bis tief in die kalte Nacht hinein, die Suppe, die er zu sich nahm, würgte er genau so schnell, wie er sich runtergewürgt hatte, wieder nach oben. Schlussendlich war er daran jedoch nicht gestorben, nur eine Woche in seinem Zelt untergegangen, hatte sich dafür gehasst, sich überhaupt mit etwas derartigem angesteckt zu haben und glaubte, dass er davon profitiert hätte, sich nicht in der Nähe eines Kranken aufzuhalten. Im Endeffekt war nicht jeder Wolf immun gegen jede Krankheit - sie alle wussten, dass sie diverse Regeln hatten, an die sie sich besser hielten, bevor sie sich selbst noch in einen Abgrund wie diesen stürzten, doch Nayantai nahm weder gerne ein Blatt vor den Mund, noch interessierte er sich für veraltete Ideologien seines Vaters, dem er wohl besser hätte zuhören sollen. Prinz der Wölfe hin oder her, war er nicht nur ein Stück Dreck?

      Wohin also mit ihnen? Genau wusste er es nicht, aber ehrlich gesagt würde er es auch früher oder später erfahren, selbst, wenn man es ihm nicht sagen konnte. "Wenn Rikiya hier wäre da-", er unterbrach sich selbst, wank ab. Rain würde ihn weder verstehen, noch würde es etwas bringen, den Namen weiterhin auszusprechen, wenn er vermutlich einem Toten gehörte, der lieber ruhen wollte als in irgendeinem Gespräch der Lebenden fest zu sitzen. Besser wäre es, er konzentriere sich auf das hier und jetzt, die Tatsache, dass Rain wiederum die Schafe der Sprache beherrschte und er nicht. "Wohin willst du überhaupt?", fragte Nayantai, der Rains Hände losließ und nach dem Hemd griff, in das er lediglich schlüpfte, es aber nicht zuknöpfte. Es lag nicht daran, dass der Wolf es nicht konnte, sondern viel eher glaubte er, er würde vor lauter Wärme zergehen wie Eis in warmen Händen schmolz. Wüsste er es nicht besser, dann könnte man fast glauben, Rain hatte einen wilden Wolf zu einem durchaus zahmen Hund erzogen - zu dumm nur, dass all das nicht der Wahrheit entsprach.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Rikiya...?", fragte Rain interessiert, aber ihm war bewusst, dass der Wolf den Satz nicht ohne Grund abgebrochen haben konnte. Also schüttelte er den Kopf, winkte ab, er brauchte keine Antwort. Dann zuckte er mit den Schultern. "Mh... bisher hat dich nicht sehr interessiert, was ich dir zeigen wollte... es ist wohl besser du gehst voraus.", meinte er, sah dem Wolf dabei zu wie er zumindest in das frische Hemd, das ihm hingelegt wurde, hinein schlüpfte. Rain nahm hingegen das Oberteil des Wolfes, schlüpfte selbst in die viel zu weiten Ärmel, als würde es schon ihm gehören. Er mochte es, es war warm und damit konnte er auch noch ein wenig in dem alten Anwesen herum spazieren, auch wenn es draußen bereits dunkel war. Während Nayantai sich also zum Gehen bereit machte, holte Rain die Öllampe, die das Zimmer in dem sie sich gerade befanden beleuchtete. Sie würden sie brauchen, wenn sie nicht über ihre eigenen Füße stolpern wollten. Er streckte den rechten Ärmel nach oben, damit der weite Ärmel nicht über die Lampe rutschte und ihnen erst recht wieder die Sicht nahm, anschließend stellte er sich zur Tür und lächelte Nayantai an. "Such dir eine Tür aus."

      Das Anwesen war tatsächlich sehr groß... wollte Nayantai jedes Zimmer einmal betreten haben, so würde er zumindest einen ganzen Tag brauchen, wenn ihn dann noch interessierte was darin zu finden war, dann noch länger. Es gab nur eine verschlossene Tür, die Tür zum ehemaligen Zimmer von Rains Mutter. Er war nicht mehr hinein gegangen, seit sie krank geworden und gestorben war. Anfangs lag es daran, dass er sich, wie immer, nicht an dem anstecken sollte, was sie getötet hatte, später... wollte Rain nicht mehr hinein. Er vermisste seine Mutter... seine Großeltern... all die Leute die hier einmal gearbeitet hatten, aber ihn überlebten..ihn. Er dachte immer er wäre derjenige, der eine trauernde Familie zurück ließ, hingegen war es jetzt eher so, dass er alleine zurück blieb. Sein Vater war noch seltener zu Hause, seit Rains Mutter gestorben war und so hatte er nur noch Leute um sich die für ihn arbeiteten, die sagten was er hören wollten und taten was auch immer er verlangte. Der Wolf war eine willkommene Abwechslung.
    • "Nicht wichtig", seufzte Nayantai lediglich - nein - die Vergangenheit spielte in diesem Fall weder eine Rolle, noch sollte man sie unnötig aus der Reserve locken und versuchen, Dinge zu verstehen, die ihren Wert schon vor viel zu langer Zeit verloren hatten. Ob sein Vater nun tot war oder nicht spielte keine Rolle, gleich wenig wie er es sich erlauben konnte, zu fragen, ob er den Namen eines toten Kriegers überhaupt über seine Lippen kommen lassen durfte, ohne dabei seinen Geist zu stören. Ohne wirklich zu verstehen, was Rain von ihm wollte, tat er ausgerechnet das - nahm die Beine in die Hand und verließ das unheilvolle Badezimmer, dicht gefolgt von Rain und seiner Lampe, die den finsteren Weg erleuchtete, auf dem er entlang gehen sollte. "Irgendeine?", fragte der Wolf, war sich nicht sicher, ob er wirklich so recht verstanden hatte, hielt aber inne und drehte sich um, sah zu Rain, dem die Kleidung des Wolfes viel zu groß war. Seufzend griff er wiederum nach den Bändern, die an der Seite vor sich hinbaumelten und zog diese wieder fest. "Du bist ein Welpe", stellte er fest, schüttelte dabei den Kopf und nahm sich die Zeit, wenigstens das in Ordnung zu bringen, wollte er Rain doch nicht vor den Kopf stoßen, sondern ihm viel eher lediglich dabei helfen, nicht auszusehen, als hätte er keine Ahnung von solchen Feinheiten. "Siehst du? Oh, die Lampe kannst du mir geben, wenn du möchtest", ergänzte er und deutete darauf, setzte allerdings den unbekannten Weg sogleich wieder fort.

      Im Vergleich zu diesem Anwesen waren die Zelte der Wölfe nichts - eher ein winziger Kiesel, den entsprechender Wind schon einmal verwehen konnte. Natürlich bot dieses Steinhaus entsprechenden Schutz vor allen Jahreszeiten und jedem Wetter, aber wollte ein Wolf das? Nein, würde es doch bedeuten, dass sie entweder sesshaft werden mussten oder aber unnötig Zeit damit verschwendeten, derartige Dinge aufzubauen, die sie schließlich nicht mitnehmen konnten, so wie ihre Toten, die viel zu oft nicht begraben wurden, weil der Boden der Tundra noch immer unbändig und durchgehend gefroren war. "Irgendwie werde ich mit diesem Gemäuer einfach nicht warm", beklagte sich der Wolf, sagte aber nicht mehr, bevor er vor irgendeiner Tür stehenblieb, die ihm gerade in sein Blickfeld kam. "Die?", wollte er wissen, als ob es Türen in diesem Haus gäbe, die auch er nicht betreten durfte.
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    • Rain war wohl ein Welpe... schon wieder stand er da, wie ein Kind, breitete die Arme aus und ließ Nayantai die Bänder zu schnüren, die dieses Gewand an Ort und Stelle halten sollten. Er konnte nichts weiter tun als zusehen und er lächelte entschuldigend, als Nayantai fertig war. Es hätte nur noch gefehlt, wenn der Wolf dem Lamm den Kopf getätschelt hätte, um ihm etwas zu sagen wie 'Jetzt siehst du ordentlich aus'. Rain konnte nicht einmal behaupten faul gewesen zu sein, aber er hatte versucht sich zu merken, welche Schichten Stoff übereinander gelegt und welches Band wie zugeknotet wurde. Irgendwann würde er es selbst hinbekommen. Schon wieder! Er klang schon wieder wie ein Kind, reichte dem Wolf auch die Lampe, als wäre sie nichts für einen Welpen... ein Lamm, eigentlich. Eigentlich sollte er es als Beleidigung auffassen, wenn er Welpe genannt wurde, ein Wolf war niemand auf den man stolz sein konnte, nicht in der Welt der Schafe, aber Rain war irgenwie...stolz? Er war stolz, wenn Nayantai ihn einen Welpen nannte und er wusste nicht warum.

      "Warm?", wiederholte Rain das einzige Wort, das er gerade verstanden hatte. Ob dem Wolf immer noch zu warm war? Ob ihm die Kälte fehlte? Sein Hemd hing jedenfalls noch offen von seinen Schultern... "Wer ist jetzt ein Welpe...", murmelte Rain mehr zu sich selbst, wollte nichts daran korrigieren, anders als Rain wusste Nayantai vermutlich, wie man das Hemd zuknöpfte, einzig allein ein Sinn von dem Konzept, dass die Schafe Anstand nannten, fehlte ihm.
      Als er vor einer der Türen stehen blieb, Rain fragend ansah, nickte Rain, schritt aber selbst voran und öffnete die Tür zu einem dunklen, kalten Raum, der zwar einen Kamin hatte, in dem aber kein Feuer brannte. "Ich war lang nicht mehr hier drin...", murmelte Rain, hustete leise, wobei kaum auszumachen war, ob es wegen der kalten Luft war, die ihm unerwartet entgegen gepeitscht war, oder ob es an der stickigen Luft in dem Raum lag. Der Boden und auch die Gegenstände in dem Raum waren von Staub bedeckt, Rain hatte seine Bediensteten angewiesen nichts zu putzen, das ohnehin nicht verwendet wurde, jetzt bereute er das fast. Es standen allerlei Gegenstände herum, die Nayantai wohl nicht viel sagen würden. Rain trat in den dunklen Raum, drehte sich mit einer eleganten Drehung zu dem Wolf um und breite die Arme aus. "Das Musikzimmer.", stellte er vor, "Haben Wölfe... Musik? Hm..." Er glaubte kaum, dass der Wolf die Frage einfach so verstand, ging zu einem Gegenstand in dem Raum, bei dem eine Art Schnüre in verschiedenen längen gespannt waren. Er zupfte willkürlich an drei der Schnüre, die jeweils ein anderes Geräusch zu Tage führten.
    • Wenn er Rain weiterhin als einen Welpen betiteln würde, als einen aus seiner Sippe, dann käme es wohl oder übel irgendwann dazu, dass er wirklich glaubte, vor ihm stand kein Schaf mehr, sondern wortwörtlich ein Welpe, der sich das Blut in seinen Adern zwar nicht mit ihm teilte, aber die verruchte Kultur, die die Schafe oft genug so abstoßend fanden, dass sie diese förmlich ignorierten, wenn nicht gar versuchten, sie loszuwerden, auszurotten - was auch immer ihnen beliebte, damit sie den Rest der sterbenden Thrianer schlussendlich vom gefrorenen Boden der Tundra zu kratzen vermochten und ihre Reste au immer verschwinden zu lassen. Nayantai fühlte sich in dem steinernen Haus, das Rain wohl nie verließ, nicht sonderlich wohl, wusste aber auch, dass all das nicht direkt etwas mit ihm zu tun hatte, sondern eher mit seiner Auffassungen und den Erlebnissen, die der Wolfsprinz mit dem Schafkönig machen durfte. Mehr als ein Objekt, ein Stück in seiner Sammlung, war er nicht gewesen - für das Schaf mit Krone und Zepter war es nicht wichtig, wer genau er war, so lange er jemand war, der nicht nur ungebrochen war, sondern auch widerstandsfähig. Brach man ihnen die Knochen aber nicht den Geist, wurden sie an irgendeinem Punkt nicht nur uninteressant, sondern auch so dermaßen angekratzt, dass sie weder Lust darauf hatten, sich mit dem König oder seinen Männern herumzuschlagen und sich lieber die Hände mit Blut befleckten und danach ausgepeitscht wurden, als weiterhin wie Dreck behandelt zu werden. Die Wölfe, die man einkerkerte, versuchten dennoch erst viel zu spät ihrer Misere zu entkommen und scheiterten kläglich daran.

      "Zu warm." Das Hemd zuknöpfen würde dieser Aussage widersprechen, glaubte Nayantai doch fast, dass er darin ersticken würde, als würde es sich um seinen Hals schnüren wie ein Strick, der langsam aber sich dafür sorgte, dass ihm die Luft ausging. "Noch immer du", entgegnete ihm der Wolf salopp, der ihm ein schelmisches Lächeln präsentierte und genau wusste, dass er diese Konversation besser nicht führen sollte, ohne dass es zu einem Streit führen würde. "Du bist derjenige, der sich selbst ein Lamm nennt", brummte er, wusste, dass er sich dieses Kommentar vielleicht hätte sparen können, aber noch immer so hitzköpfig wie eh und je zu sein schien, dass es ihn gar nicht interessierte, nachzudenken, bevor er sich den Mund fusselig redete. Im Inneren des Raumes angekommen, schon als sich die Tür öffnete, war es eher eine Schicht Staub die ihm entgegen kam, die er mit der Hand weg wedelte, aber anscheinend doch genug einatmete um kurz zu husten. Müde Augen durchsuchten den Raum, wollten ergründen, wofür man derartige Dinge brauchte, aber nicht sonderlich viel davon sah ihm all zu vertraut aus, geschweige denn wüsste er, welche Töne all diese Dinge von sich haben. "Mh, ja, aber nicht ... so viele und ... so komische", seufzte er, schüttelte den Kopf und trat weiter in den Raum hinein. "Wozu braucht man so viele Instrumente?"
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    • Als der Wolf Rain anlächelte und ihn kurz darauf auf eine Tatsache aufmerksam machte, mit der er durchaus recht hatte, sah Rain ihn für eine Sekunde überrascht an, nur um im nächsten Moment tatsächlich lachen zu müssen. Nayantai hatte recht, er war es gewesen, der sich selbst als Lamm bezeichnet hatte, als Kind, als das er sich so überhaupt nicht fühlte. Viel mehr fühlte er sich alt, ausgelaugt und müde, aber nicht gerade in diesem Moment. Das Lachen tat ihm gut, aber er beruhigte sich schnell wieder, grinste immer noch und betrachtete den Wolf, der eher überrascht schien, dass er dafür nicht ausgepeitscht wurde. Rain konnte sich vorstellen, dass der König keine Witze verstand, er selbst aber schon und er legte es nicht darauf an mit dem Wolf zu streiten. bestimmt gab es Themen bei denen sie sich uneinig waren, bei denen sie beide vielleicht diskutieren würden, könnten sie einander verstehen, aber Rain würde ihn selbst dann nicht einsperren lassen, wenn der Wolf einfach nur anderer Meinung war.

      Als Rain sich wieder etwas beruhigt hatte, ging er weiter in den Raum hinein, strich über die staubigen Instrumente, an denen er vorbei ging, die kaum beleuchtet waren, nur vom Mond vor dem Fenster und der kleinen Öllampe in Nayantais Hand. "Hm... verschiedene Leute spielen verschiedene Instrumente... zusammen manchmal.", erklärte er und verschränkte dabei seine Finger miteinander, sah den Wolf anschließend wieder an. "Ich frage mich wie eure Musik klingt... ich kann mir vorstellen, dass du ein ziemlich guter Sänger wärst, würdest du dich trauen." Rain kicherte leise, hatte er den Prinz der Wölfe gerade als feige bezeichnet? Es war wohl gut, dass sie einander nicht ganz verstehen konnte.

      "Hm...", entkam es ihm nachdenklich, als er bei einem Klavier ankam und den Staub herunter wischte, bevor er die Klappe öffnete, die über den Tasten lag. Erneut hustete er, nachdem er etwas zu viel von dem Staub eingeatmet hatte. Dann ließ er seine Finger über die Tasten wandern, stieß ein paar Töne an, er hatte lange nicht mehr gespielt, dementsprechend sah es hier aus...
      Noch einmal sah er den Wolf an, diesmal über seine Schulter, erklärte eines der Worte, das er vorhin gesagt hat. "Singen. Lalala." Da waren sie wieder bei Tönen, dieses Mal immerhin keine Tierlaute.
    • Die Welt drehte sich weder um ihn noch um das Schaf, mit dem er den Rest des Winters ausharren müsste - aber das war egal, so lange sich die Welt überhaupt drehte - so lange er den Verstand nicht verlor und sich noch daran entsinnen konnte, wer er war, wie er hieß, was er zu tun hatte und wohin ihn sein Weg führen würde, sobald der unerbittliche Winter an ihnen vorübergezogen war. Auch, wenn er die Ausmaße von Adrestia nicht kannte, glaubte er kaum, dass sich das Land über zu viele Ecken und Enden spannen würde, das es schlussendlich dafür sorgte, dass er sich verirren würde, nie wieder einen Weg in die verlorene Heimat fand. Vielleicht gab es auch gar keine Wölfe mehr in der Tundra, vielleicht waren sie ohnehin schon alle ausgerottet worden - was, wenn die Toten sich im einst so vertrauten Land auftürmten und diejenigen, die man verschleppt hatte, es einfach nicht schafften, zu fliehen? Nayantai wusste nicht, was er dann tun sollte. Rikiya war, wenn er denn noch lebte, nicht so dumm und ließ seinen Sohn im Trockenen zappeln, würde aber auch niemals das Reich der Schafe attackieren, geschweige denn die Schwächeren des Volkes ohne Schutz zurücklassen, nur damit er einen Rachefeldzug verüben konnte, der zu nichts führte. Sich von Hass blenden zu lassen, dafür war sein Vater zu hart im Nehmen, ließ sich nicht verblenden und würde es sich gar nicht erst erlauben, das zu tun. "Mh, Rain, ich verstehe kein Wort", bemerkte er, riss sich selbst aus den Gedanken, die ihn plagten, schüttelte den Kopf. Sein Vater hätte es sein sollen, der hier landete, nicht er.

      "Hat dir schon jemals jemand gesagt, dass es ihm Sorgen bereitet, wenn du nicht lächelst?", vermutlich die ein oder andere Person, die versucht hatte, sich mit einem schwächlichen Lamm auseinanderzusetzen und nicht sofort in Missgunst zu fallen. Das Licht des Mondes war fahl, die Lampe in seiner Hand flackerte lediglich, erleuchtete aber nicht viel mehr als die feinen Schatten, die durch den Mond ohnehin schon heller wirkten als sie waren. Schweigen hüllte sich um die beiden, nahm die Welt um sie herum beinahe schon ein, bis Rain wieder vor sich hin plapperte, nicht wusste, was er sagen sollte, wieder in ein altes aber brauchbares Schema zurück verfiel, nachdem er sich an den Flügel gesetzt hatte, der wohl eher als Staubfänger gedient hatte. "Ich? Singen? Nein", brummte er als Antwort. Nayantai war noch nie ein Freund derartiger Dinge gewesen, sah sie als Zeitverschwendung an, weil er sie selbst nicht konnte und ehrlich gesagt wollte er sie auch nicht lernen. Träge Schritte bahnten sich ihren Weg zum Lamm, er stand da, sah zu ihm, auf seine Finger, gab ihm Licht, das er vermutlich gar nicht erst brauchte. "Ich kann so etwas nicht", gestand Nayantai. Nein, er war noch nie gut darin gewesen.
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    • "Ich äh... ich rede zu viel, oder?", fragte Rain lächelnd, nickte aber wissend, als der Wolf sagte er würde nicht singen. "Das dachte ich mir..." Vermutlich plapperte er wirklich zu viel, wenn das meiste für Nayantai sowieso nur unverständliche Worte waren, genauso wie das was Nayantai sagte für Rain unverständlich war. Er blickte auf die Tasten des Klaviers, die schon lange nicht mehr benutzt worden waren, es war sicher verstimmt und klang fürchterlich. Abgesehen davon wusste Rain gar nicht, ob er noch spielen konnte und auch nicht, ob es den Wolf nicht nur wieder langweilen würde. Was sollte er also tun, sich unterhalten und nichts verstehen, oder schweigen und den Wolf langweilen? Rain hob seinen Kopf, lächelte Nayantai an, der sich zu ihm gestellt hatte. "Möchtest du, dass ich dir etwas vorspiele?", fragte Rain, deutete auf das Instrument vor sich und dann auf den Platz auf dem kleinen Hocker neben sich, für Nayantai war es bestimmt besser, wenn er sich hinsetzte, solange die Wunde noch heilte.

      Rain hatte schon vor dem Tod seiner Mutter nicht mehr viel gespielt, aber immerhin war es hier drin nicht so staubig, als sie noch gelebt hatte. Sie hatte Rain das Spielen beigebracht, dafür wollte sie keinen Lehrer engagieren, wollte Zeit mit ihrem Sohn verbringen und ihm etwas zeigen, das ihn aufmuntern konnte. Es tat es, eine Weile lang... Zumindest half es ihm dabei mit dem umzugehen, was ihn beschäftigte, ließ ihn sich nur auf sich konzentrieren, auf nichts anderes. Auch wenn er erst noch auf eine Antwort von Nayantai wartete, kämpfte sich Nayantai aus dem fremdländischen Oberteil, dazu brauchte er die Bänder nicht einmal aufknüpfen, so groß war es. Er fühlte sich etwas schlecht Nayantais Arbeit schon wieder zu nichte gemacht zu haben, aber die Ärmel, die einfach viel zu lang waren, sie wären ihm im Weg. Er ignorierte die Kälte, sah auf seine Finger, die in letzter Zeit nicht so wollten wie er, fragte sich, ob er überhaupt spielen konnte. Er knetete sie ein wenig, wärmte sie auf, um die Steifheit darin etwas los zu werden und verbannte die Implikation dieses Zustands ganz weit weg. Dann griff er nach ein paar Notenblättern, alt und vergilbt. Auch wenn er sie nicht wirklich brauchte und in dem Licht kaum lesen konnte... er wüsste gar nicht was er spielen sollte, aber vielleicht ging Nayantai auch lieber weiter auf Wanderschaft.
    • Schafe waren sonderbarer, doch noch sonderbarer als sie vermochten wohl die Wölfe zu sein, die oft genug nicht wussten, wo ihnen der Kopf stand, die glaubten, sie wären im guten Recht, jedwede Art von Hilfe, die man ihnen anbieten wollte, abzulehnen. Wohin also mit einem, wenn man endlich realisierte, dass dem gar nicht so war? Vermutlich irgendwo, in ein Eck, glauben, dass man schwach geworden war, dass man nicht länger leben sollte - dass man sich falsche Hoffnungen gemacht hatte, die allerdings zu nichts führten außer Schmerzen, die man sich oftmals nur einbildete. "Nein, ich ... uh. Uhm. Ich verstehe ... nicht?", wollte der Wolf unbedingt in der Schafssprache von sich geben, just jedoch, wie futil der Versuch alleine doch eigentlich war und wie sehr er sich abgewöhnen musste, jeden Satz in seiner Sprache zu sagen, der ihm in den Sinn kam und dann über die Lippen rutschte, nur, weil er unbedingt seinen Senf dazugeben wollte und sich nicht sicher war, ob all das überhaupt noch angebracht wäre, vor allem, wenn es grundsätzlich diplomatische Beziehungen zu wahren gäbe. Kein Wunder, dass man seinem Vater all die diplomatischen Angelegenheiten überlassen hatte und sie nicht ihm auftrug, konnte er Schafe doch aufs Blut eigentlich nicht leiden.

      "Ich ...mh. Ja", antwortete er - das war dennoch vermutlich nicht das Spielen, von dem sie zuvor geredet hatten, und doch setzte sich der Wolfsprinz zu dem Schafsfürsten, der genau das wollte. Verwunderte Augen starrten auf das fremde Instrument, während Ran sich aufzuwärmen schien. War das dabei etwa vonnöten? Ach, was wusste der Wolf schon, hatte er doch von all diesen Dingen ungefähr so viel Ahnung wie der Blonde es vermutlich vom schwimmen hatte. Neugierige Finger eines verwunderten Wolfes waren es, die sich nicht helfen konnten und auf eine der Tasten drückten, die ihm ins Auge stach, von der aus allerdings nicht wirklich etwas ertönte, außer ein kurzer, schiefer Ton. "Ich glaube nicht, dass ich so etwas schon jemals gehört habe", gab er sowohl verwundert als auch etwas angespannt zurück. Waren Schafe dermaßen in Musik vernarrt, dass sie sich freiwillig so viele Tasten auswendig merkten? Wie überaus ... unpassend. "Was machst du, wenn du dir so etwas nicht merken kannst?"
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    • "Ah ja... hm... wir reden wohl beide gerne einfach in unserer Sprache dahin, ohne Rücksicht zu nehmen. Mich stört es nicht, wenn du es tust.", Rain lächelte verlegen, "Ach, aber das hast du jetzt wohl auch nicht verstanden..." Manchmal war es schwierig mit dem Wolf zu kommunizieren, manchmal war es erstaunlich einfach. Was es schwierig machte jedoch war wohl, dass sie beide erwachsen waren, keine Kinder. Mit einem Kind sprach man langsam, vor Allem wenn es noch sehr klein war, aber hier wirkte das unangebracht, zumindest aus Rains Sicht. Außerdem störte es ihn nicht, wenn der Wolf in seiner Sprache sprach und lange Sätze formulierte, Rain hoffte genügend aufzuschnappen, um auch in diesen Momenten einen Teil der Sprache zu lernen. Er fand, sie hatten eigentlich schon sehr große Fortschritte gemacht, auch wenn die Aussprache des Wolfes sehr unterhaltsam war... dasselbe galt für Rain bestimmt auch.

      Rain wurde aus seinen Gedanken gerissen, als der Wolf eine der Tasten anschlug, Rain sah nach unten auf seine Hand und lächelte. "Es sind im Grunde immer die selben Noten... hm ich weiß nicht ob ihr dafür überhaupt ein Wort habt." Er spielte ein C in drei verschiedenen Oktaven um dem Wolf zu demonstrieren, was er gerade erklären wollte. Anschließend lies er seine Finger einmal die Tonleiter entlang laufen. "Hm... aber ich will dir schließlich nicht beibringen, wie man Klavier spielt, ich schätze es reicht dir unsere Sprache beizubringen. Ah... jetzt rede ich schon so wieder so viel und du verstehst nicht, ich weiß." Rain legte nun beide Hände auf das Klavier und lächelte den Wolf noch einmal an, bevor er tatsächlich anfing zu spielen, obwohl er es so lange nicht getan hatte. Er klimperte selbst noch ein bisschen herum, bevor er sich sicher genug fühlte und sich entschieden hatte was er spielen wollte. Das Klavier war nicht so schlecht gestimmt wie er erwartet hatte, eigentlich klang es noch ziemlich in Ordnung. Vieles das er spielen konnte gab es nicht zur Auswahl, er hatte nicht alles auswendig gelernt und an noch weniger konnte er sich nach all der Zeit noch erinnern. "Du machst mich nervös...", seufzte er leise, selbst wenn er gespielt hatte, dann meist nicht vor Publikum, nun hatte er noch dazu Publikum, das womöglich ein ganz anderes Verständnis von Musik hatte.

      Rain schloss seine Augen bevor er tatsächlich anfing zu spielen, die ersten Noten verliefen gut, das Klavier klang wie es klingen sollte und selbst wenn er das Stück nicht in seinem Kopf durchgehen hätte können, seine Finger schienen noch zu wissen, was sie zu tun hatten. Er spielte ein Stück, das seine Mutter sehr gemocht hatte, wenn er sich recht erinnerte war es sogar das Erste das Rain gelernt hatte. Er fand, es passte zu seiner Mutter. Während er spielte hatte er das Gefühl sie wäre da, konnte ihre Hände wieder auf seinen fühlen, die seine Finger dort hin bewegten wo sie hin sollten. Damals hatte er noch viel kleinere Hände gehabt, die Tasten waren teilweise so weit auseinander gewesen, dass er dachte er müsse sich noch eine dritte Hand wachsen lassen. Es fühlte sich gut an wieder zu spielen, vielleicht hätte er es früher tun sollen, selbst der andauernde leichte Schmerz in seinen Knochen und Gelenken schien für den Moment wie ausgelöscht.



      Er machte die Augen wieder auf, als er die letzte Note gespielt hatte, fast schon selbst überrascht, dass es vorbei war. Mit einem metaphorischen harten Knall landete er wieder in der Realität, zog seine Hände langsam zurück und legte sie auf seinen Schoß, machte ein paar Mal eine Faust und öffnete sie wieder. Er seufzte leise, er fühlte sich als hätte er irgendwo zwischen dem Zeitpunkt als er dieses Lied gelernt hatte und jetzt einen Teil von sich selbst verloren. Es war nicht nur seine Familie die nicht mehr da war, abgesehen von dem Loch das ein Verlust eines geliebten Menschen immer hinterließ, fühlte er sich auch als hätte er einen Teil seiner Persönlichkeit verloren, das was ihn antrieb, was ihn bisher am Leben gehalten hatte. Wenn es stimmte, dass etwas so wichtiges fehlte, würde er den Winter dann überhaupt überleben können?

      Wie auf Stichwort schlich sich ein Husten seine Kehle hinauf, das er dieses Mal nicht unterdrücken konnte. Es war mehr als ein verstecktes Räuspern, mehr als ein einzelner Ausstoß von Luft, jedoch war es kurz genug um Nayantai versichern zu können, dass es ihm gut ging, bevor dieser überhaupt fragen konnte. "Alles in Ordnung... hat wohl etwas zu viel Staub aufgewirbelt...", lächelte er, sah wieder auf das Klavier. "Tut mir Leid... ich wollte mich da nicht so hinein steigern. Wir können gerne wieder gehen... dir wird sonst bestimmt langweilig."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Earinor ()

    • Wie lange man wohl brauchte, um einen Traum in die Realität zu verwandeln, mit der man schon längst nichts mehr am Hut haben wollte? Zu lange, damit man sich wohl noch darüber im klaren war, welches Ziel man zu besagtem Zeitpunkt vermutlich verfolgt hatte - eine Ewigkeit, die man nie wieder zurückgewinnen würde, während die Sandkörner der Uhr weiterhin hinabrieseln würden, das eigene Leben schwand und die wenigen Worte, die man noch zu benutzen wusste, schon längst an Bedeutung verloren hatten. Jeder von ihnen, egal wie lang er lebte, schleppte Ballast mit sich durch diese Welt, dessen einfache Aufgabe es war, sich seinen Wirt einzuverleiben, ihn auch in seinen letzten Momenten wissen lassen, dass er nicht alleine war und nie alleine gewesen war, weil die Schuld noch immer auf seine Gebeine niederdrücken würde, wenn diese bereits dabei waren, zu verrotten. War das eigene Herz erst zersetzt worden, folgten die widerspenstigen Knochen, bis man nichts mehr hatte, das man sein eigen oder gar seinen Schmerz nennen konnte, den man sich einfach nur abstreifen wollte - vermutlich waren es die Dinge, die einem nie über die Lippen kamen, die einen dazu verführten, derartige Dinge zu tun, wie das, was Rain zu tun schien: Sich im Moment zu verlieren, den Ballast einfach nur abnehmen und an nichts mehr zu denken außer das, was einem im Moment wichtig erschien. Das Lamm entschied sich für das Klavier, für die Noten, die es mit zarten Fingern spielte und der Wolf dafür, ihm zu zusehen, zu hören, was seine Ohren vernehmen sollten und sich zu wundern, was genau all das hätte sein sollten. Nayantai wusste es nicht, hatte derartiges noch nie gehört - welcher Wolf hätte auch einen Flügel, den er mit sich durch die Gegend schleppte?

      Die Musik im Hintergrund legte sich, die glasigen Augen, die gebannt zwei Hände angestarrt hatten, lösten sich langsam von diesen und Nayantai dachte doch viel lieber daran, was genau er gehört hatte - soviel mehr, als er gewohnt war, so viele Dinge, die er gar nicht erst kannte und doch war es Rain, der sich ihm beinahe schon augenscheinlich offenbarte, sich die Brust aufriss und sein gläsernes Herz zur Schau stellte, aber war dem wirklich so? Ein Hust durchschnitt die vorherrschende Ruhe, die vorangegangenen Taten schienen mit einem Mal nichtig. Nayantai schüttelte den Kopf, legte eine Hand behutsam auf die Schulter Rains und sah dann wieder auf das sonderbare Instrument vor ihm, dessen Töne er nicht kannte. "Alles in Ordnung?", fragte er leicht besorgt. Selbst dann, wenn der Blonde versuchte, nicht schwach zu werden, so war er für den Wolf vermutlich doch nicht mehr als ein Lamm, das es zu beschützen galt, vor dieser Welt in der es eigentlich leben und gedeihen sollte. "Außerdem, so etwas ... sonderbares habe ich noch nie gehört. Aber das wirst du vermutlich nicht verstehen. Ich fand es trotzdem schön", sein Blick wanderte nach oben, als könnte er an der steinernen Decke den Mond und die Sterne sehen, doch da oben gab es nichts, das er finden könnte. "Gibt es noch andere Instrumente, die du spielst?", auch das verstand das Lamm vermutlich nicht, aber Nayantai wusste, dass er so keinerlei Fortschritte machen konnte und stattdessen im Treibsand fest saß, versuchte er es nicht zumindest. "Mir ist nicht langweilig, ich schwöre."
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    • Rain verstand schon wieder kein Wort, außer natürlich die Frage nach seinem Wohlbefinden. Er nickte mit einem leichten lächeln, aber die Wahrheit war, dass er wohl besser in seinem Bett gelegen hätte und versuchen sollte sich zu erholen, bevor es zu schlimm wurde. Wann hatte das jedoch jemals geholfen? Immer passte er auf, sein ganzes Leben lang, sperrte sich in seinem Zimmer ein, wo es wärmer war als in den langen Gängen des Anwesens und was brachte es? Gar nichts. Da nutzte er seine Zeit lieber, verbrachte etwas Zeit mit einem Wolf, der ihm vieles beibringen konnte, das er nicht kannte, der sich nicht scheute seine Meinung zu sagen und Rain scheinbar wie einen gleichwertigen Menschen behandelte. Er hatte genug davon nur von seinen Untergebenen umzingelt zu sein, die sich ständig um ihn sorgten. Er wusste, er sollte das alles schätzen, sollte froh sein, dass seine Untergebenen nicht nur ihren Job erledigten, sondern tatsächlich wollten, dass es Rain gut ging, um seinetwegen und trotzdem... Rain fühlte sich alleine. Er war lieber hier, mit Nayantai und ignorierte seine schmerzenden Glieder, die leichten Kopfschmerzen und den Druck auf seiner Brust.

      Dieses Mal war Rain es, der sich etwas zur Seite kippen ließ und seinen Kopf gegen Nayantais Schulter lehnte. Er war müde und er hatte das Gefühl, dass selbst Schlaf ihm dabei nicht helfen konnte. Er hatte das Gefühl es wurde von Jahr zu Jahr schwerer weiter zu machen und er sehnte sich seine Kindheit zurück, in der er durch das Anwesen gelaufen war, die Köchin das ein oder andere Mal fast über den Haufen gerannt war, so dass sie mit ihm schimpfte, nur um ihm dann einen Keks zu geben und ihn weiter zu schicken. Er wünschte sich zurück in die Zeit in der dieses Haus noch genug war, als es noch genug zu erforschen gab und jede dunkle Ecke eine potentielle Höhle voller Abenteuer im Kopf eines Kindes sein konnte. Jetzt war eine Ecke einfach nur eine Ecke und Rain hatte genug von all dem. Er streckte eine Hand aus, legte die schweren Finger auf die Tasten und spielte beiläufig eine Melodie aus seiner Kindheit. "Es tut mir Leid, dass ich so wenig von dem verstehe, was du sagst. Es... muss frustrierend sein...", murmelte er und seufzte leise, schloss die Augen. Er fragte sich was es war, das ihn dazu veranlasste sich so an einen Wolf zu lehnen, er fragte sich ob jeder an Nayantais Stelle sein konnte, oder ob es doch etwas gab, das diesen Wolf irgendwie besonders machte.
    • Die Wahrheit war, dass er nicht mehr wissen wollte, wer oder was er war, oder gar daran denken wollte, welche Last man auf seine müden Schultern legte, unter der er drohte, einzuknicken und es ohnehin schon längst getan hatte. Seine Beine trugen ihn, zumindest metaphorisch, keinen Schritt mehr und würden es auch nicht tun, so lange Nayantai sich nicht die Mühe machte, sich aufzurappeln und zu versuchen, sich das Verdrängte wieder einzuverleiben, damit er schließlich ruhig schlafen konnte. Aber hier, jetzt, war es eigentlich egal, was die beiden taten, weil nichts davon Sinn ergeben musste, geschweige denn irgendetwas davon sich an die Fersen des Wolfes heften sollte, der schlussendlich einsah, dass er das Schmelzen des Schnees und das Ende des bitterkalten Winters erst abwarten musste, damit er überhaupt einen Gedanken daran verschwenden konnte, ob man ihn mit offenen Armen empfangen würde oder nicht. Rain's Kopf ruhte alsbald auf seiner Schulter, die Finger dessen waren noch immer förmlich an den Flügel geklebt, der vor ihnen stand, während sich der Wolf die Mühe machte, zu verstehen, was man ihm mitteilen wollte - etwas, das einfach nicht funktionieren wollte, zumindest jetzt, in diesem Moment nicht. "Ich wünschte wirklich, ich könnte dich einfach verstehen. Vielleicht wären meine Sorgen dann vorbei", seufzte der Wolf, der seinen Kopf leicht in die Richtung des Anderen neigte, seine Wange dagegen drückte, bevor er wieder von ihm abließ, den Kopf schüttelte und seine Hand auf den Oberschenkel des Lammes lachte, das so unbedacht dort saß und sich beinahe schon in den Schlaf lullen ließ.

      Stillschweigen füllte den Raum, als die Melodie wiederhallte, die das Klavier von sich gab, vor dem sie saßen. Nayantai konnte nichts davon, wüsste sich vermutlich nicht zu helfen, aber Rain war nun eben derjenige, der sich all das beinahe einverleibt zu haben schien und nicht weiter daran denken musste, wie er welche Note spielte um dem Instrument den richtigen Ton zu entlocken. All das führte wohl oder übel auch dazu, dass der Wolf schließlich merkte, dass ihm selbst die Augen zufallen könnten, verbrachte er noch längere Zeit hier - und doch starrte er wie gebannt auf das Bild vor sich. "Rain", murmelte er. Was wollte er eigentlich? Wieso durchbrach er die Stille zwischen ihnen beiden? "Ich ... ich ... ach, du verstehst mich sowieso nicht", seufzte Nayantai leicht frustriert, nahm seine Hand von Rain und starrte auf diese. Anders als die filigranen Hände, die Rain besaß, waren selbst die seinen gezeichnet, zeugte davon, dass er für solche Dinge nicht gemacht war, dass selbst seine Hände nicht immer nur dafür da waren, jemandem zu helfen, sondern auch um Blut zu vergießen, aber wieso Gedanken daran verschwenden. "Bist du müde?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain spielte also ein wenig, nur ein paar Töne, eine Melodie ohne Begleitung, ein Kinderlied, um genau zu sein, nicht unbedingt ein fröhlich klingendes. Das Klavier machte das einzige Geräusch im Raum, während Rain die Ruhe genoss und die Wärme, die Nayantai ausstrahlte. Wieso war es so einfach mit Nayantai sich nicht alleine zu fühlen? Rain war ständig von Menschen umgeben und doch... vielleicht wäre es anders gewesen, hätte er nicht jeden Verlobungsversuch abgeschmettert, hätte betont, dass er niemanden sehen wollte und schon gar nicht heiraten. Das wollte er immer noch nicht, weil er nicht wusste, wie lange er noch hier war. Was brachte es, sich jemandem zu öffnen, sich womöglich sogar gegenseitig glücklich zu machen, nur um den anderen dann alleine zurück zu lassen. Vielleicht war es das, das Rain sich gegenüber Nayantai öffnen ließ. Der Wolf würde im Frühjahr von hier verschwinden, das Ende war abzusehen, nah, ein Ende das Rain noch erleben konnte.

      Rain hörte auf zu spielen, als er seinen Namen vernahm und aus seinen Gedanken gerissen wurde. Er hob seinen Kopf, sah den Wolf an und zog eine Augenbraue nach oben. "War das gerade wirklich, was du mich fragen wolltest?", fragte er mit dem Gefühl, dass Nayantai nur schnell etwas anderes gefragt hatte, als das was er fragen wollte. Vielleicht schlicht und einfach, weil er gemerkt hatte, dass er die richtigen Worte nicht kannte, um Rain verständlich zu machen, was er wollte. Er lächelte, wie er es immer tat, er wollte Nayantai nicht schon zurück ins Bett verbannen, glaubte aber auch nicht, dass Nayantai das Haus alleine erkunden würde.
      "Ein bisschen.", nickte er, obwohl das nicht ganz richtig war. Sein Kopf fühlte sich schwer an, am Liebsten hätte er ihn zurück auf Nayantais Schulter gelegt, damit er ihn nicht selbst halten musste.

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    • Nayantai konnte vieles, aber auch all das war lediglich, was man von ihm verlangte. Genau genommen war das Leben des Wolfes dann doch irgendwo, irgendwie, trostlos. Fähigkeiten, die man sich über die Jahre hinweg angeeignet hatte, hatte man eben nur, weil man sie dazu brauchte, um zu überleben, einfach aus dem Prinzip heraus, weil einem so gut wie gar nichts in die Wiege gelegt wurden. Selbst dann, wenn er noch wüsste, worüber die Lieder waren, die seine Mutter ihm vorgesungen hatte, so wusste er zumindest auch zwei weitere Dinge: Weder konnte er sich an die Melodie entsinnen, noch wusste er - wenn er ehrlich war - ob er überhaupt eine brauchbare Singstimme hatte. Grölte man in die Dunkelheit mit etwaigen Waffenbrüder über das Knistern des Lagerfeuers hinweg, so war es doch etwas ganz anderes, als das hier - hier übertönte die Musik zwar auch alles, aber es gab auch keinen unterliegenden Laut, den sie zu überbieten hatte. Nayantai wusste nicht, was genau ihm vorgespielt wurde, oder gar wie ein Klavier funktionierte, aber wenn Rain es selbst im Halbschlaf zu können schien - so zumindest die Meinung des Wolfes - dann musste es ihm entweder im Blut liegen oder aber doch einfacher sein, als er glaubte. "Ich glaube einfach, ich habe hier nichts verloren", entgegnete er, wusste, dass diese Worte nicht für die Ohren des Lammes bestimmt waren und doch war ihm zugleich klar, dass er eventuell verstanden werden könnte und sich mit derartigen Sätzen das eigene Grab immer weiter und immer tiefer aushob.

      Womöglich wartete eine bessere Antwort auf die vielen Fragen allerdings auch irgendwo auf ihn, aber wenn dann, nicht einklemmt zwischen steinernen Wänden, versteckt an diesem Ort, mit dem der Wolf wohl nie warm werden würde. Auch, wenn er noch keine Woche hier war und nicht sehr viel mehr tat, als wenige Worte mit einem verwirrten Lamm zu wechseln, bevor er wieder schlief, war es doch so dass er seine Heimat den steinernen Gefilden eines Schafes vorzog, hatte er doch schon recht bald wieder Fernweh, das er ein Jahr in Gefangenschaft unterdrückt hatte. Jetzt allerdings strebte er beinahe schon wieder nach der Freiheit, die ihm aufgrund seines schmerzenden Körpers verwehrt bleiben sollte - die unsichtbaren Ketten, die aus Worten bestanden, die man ihm wie einen Strick um den Hals gelegt hatte, von dem man die Augen nicht mehr nehmen wollte. "Mh, willst du ins Bett?", fragte der Wolf vorsichtig und stand selbst auf, wollte nicht länger tatenlos herumsitzen und Dinge geschehen lassen, über die er keinerlei Macht hatte, die er nur ach so neugierig beobachten konnte. Ohne jedoch auf eine Antwort des Fürsten zu warten, legte er seine Hände an diesen und hob ihn hoch, damit er Rain schlussendlich in seinen Armen hielt. Ein leichtes Ziehen in seiner Seite war eben das, was Nayantai gekonnt ignorierte. "Ich kann dich gerne dorthin bringen", ließ er verlauten. Irgendwie fühlte sich die Situation so an, als hätte er sie schon einmal erlebt, doch wo, oder wie, konnte er nicht sagen.
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    • Rain sah zu dem Wolf auf, konnte gar nicht antworten auf das, was er halb verstanden hatte, halb nicht. Manchmal schienen die Worte nur eine Bestätigung dessen zu sein, was Rain dem Wolf an seiner Mimik sowieso ansah und sich zusammenreimte, wenn er sich in die selbe Lage versetzte. Das konnte Rain, auch wenn er zu Hause war und der Wolf nicht, er wusste wie es war hier drin eingesperrt zu sein und einen Körper zu besitzen, der nicht das vollbrachte, was man gerne von ihm wollte. Rain wusste aber auch gar nicht was er antworten sollte, es war vielleicht besser, er tat so, als hätte er dem Wolf nicht folgen können. Zu unangenehm war das Thema und Rain konnte den Wolf nicht glaubhaft trösten. Zumindest war er am Leben, aber was waren diese leeren Worte wert, die er selbst so oft gehört hatte?

      "Ah...", entwich es Rain, als er auf die Beine gezogen wurde. Ob der schnellen Bewegung wurde ihm ein wenig schwindelig, weshalb er sich wohl mehr an den großen Körper vor sich lehnte als er sollte. Statt aber zurück zu weichen, blieb er in der Position, schloss die Augen, nachdem er im Moment sowieso nur tanzende Schwärze sehen konnte. Er fragte sich, ob er Fieber hatte, obwohl ihm kalt war, vielleicht war es auch der Grund warum er so fror. In Nayantais Armen jedoch fror er weniger und sein Körper musste nicht die gesamte Eigenlast stemmen, obwohl er sich viel zu schwach dazu fühlte. Eine Hand klammerte sich an den Stoff des offenen Hemdes das Nayantai trug, dass dem Wolf nicht kalt war, konnte Rain nicht verstehen. Nicht jeder war so kälteempfindlich wie Rain es war, aber selbst seine Untergeben waren warm angezogen, wenn sie im Winter hier zu tun hatten. Rain fragte sich, wie kalt es wohl in einem der Zelte war, in denen die Wölfe lebten. Sehnten sie sich nicht nach einem warmen zu Hause? Nach Schutz vor Wind und Wetter, Sicherheit? Rain war nicht sicher, ob er sich vorstellen konnte zu leben wie die Wölfe, selbst wenn er stärker wäre...
      "Du willst wohl den Gefallen erwidern, hm...?", murmelte Rain gegen die Brust des Wolfes, als er sich wieder auf die Situation besann. In letzter Zeit hing er einfach viel zu sehr in seinen Gedanken... er war Gesellschaft einfach nicht gewohnt, er war wohl manchmal ziemlich unhöflich.
    • Wahrhaft dazugehörig fühlte sich wohl kein Wolf, der sich in der Welt der Schafe wiederfand, selbst wenn man ihm allerlei Fesseln abnahm, ihm sagte, er wäre theoretisch frei und ihm schlussendlich doch noch eröffnen musste, dass man ihm eigentlich in sein Gesicht log um sich selbst besser zu fühlen und glauben zu können, man tat das Richtige, wenn auch gleich es nichts gab, das sonderlich richtig war - "falsch" und "richtig" waren zwei Dinge, die man oftmals kaum voneinander unterschied, von denen man zwar ein entferntes Konzept kannte, aber wenn man ehrlich war, hielt man sich weder an das Eine noch das Andere. Wer erst von der Gier heimgesucht wurde, dem wurde bewusst, dass man auch von ihr zerfressen wurde und das jede Tat, die man unternahm, lediglich Selbstgefälligkeit war, die man versteckte. Der Wolf wusste, dass Rain es vermutlich nur gut meinte, aber genau so wusste er, dass selbst das in einem Desaster enden dürfte, sobald er die Freiheit erst wieder zu kosten vermochte. Einen Wolf sperrte man nicht ein, geschweige denn war er ein gutes Haustier, das es schaffte, schön auszusehen und sich leicht von seinem "Besitzer" dressieren zu lassen - doch für den Moment war es wohl kein Wolf, den der Adelige vor sich wusste, sondern ein Scherbenhaufen, der den ach so kalten Block aus Eis an sich drückte und sich fragte, was genau er damit bewerkstelligen wollte. Sie beide waren nicht mehr als Splitter, zerbrochen in tausend Teile, die wohl auch nur mehr das reflektierten, was ihnen angetan wurde.

      Erschöpfte Arme waren es, die sich beinahe schon um den Blonden schlangen, die sich nicht sicher waren, was genau sie taten, aber zumindest einigermaßen wussten, dass sie nicht mehr loslassen wollten, weil sich der Moment viel zu gut anfühlte um ihn einfach so zu unterbrechen. Wiederum verstand Nayantai kein Wort, wusste nicht, ob er es nicht verstand, weil er nicht wollte oder aber weil er einfach nicht zuhörte, sondern viel lieber dort stand und immer wieder verstohlen gen Fenster blickte um dort, in der finsteren Nacht, die Konturen der ihm verwehrten Welt zu erhaschen, die er so lange schon nicht mehr mit seinen eigenen zwei Augen sehen durfte. Als sein Blick wieder nach unten, zu Rain, glitt, hatte sich dieser doch beinahe an ihn angeschmiegt - der Wolf unterdrückte das sinnlose Lachen, das sich normalerweise in ihm zusammengebraut hatte. "Also hast du wirklich etwas gefunden, das dir gefällt, hm?", neckte er, obwohl er wusste, dass er diese Frage schon einmal gestellt hatte und nicht verstanden wurde. Unverschämterweise fegte er den Blonden wohl auch gleich von den Füßen, indem er sich kurz von ihm löste, eine Hand in dessen Kniebeuge drückte und ihn so aufhob, nur um ihn wieder gegen sich zu drücken. Rain war viel zu leicht, so glaubte es zumindest Nayantai. "War das unangebracht?", fragte er mit starrer Miene, als er den Blonden nun wiederum ansah.
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    • "Hm...?", machte Rain nur ein fragendes Geräusch, nachdem er nicht verstanden hatte, was der Wolf gesagt hatte. Vermutlich kannte er einige der Worte, aber heute war er es, der zu müde war über deren Bedeutung nachzudenken, geschweige denn zu versuchen die einzelnen Worte in dem Satz auseinander zu pflücken und zu Ordnen. Er hatte auch nicht viel Gelegenheit dazu seinen Kopf anzustrengen, sich daran zu erinnern, wie die Worte lauteten, die eben an sein Ohr gedrungen waren, denn plötzlich hatte er keinen Boden mehr unter den Füßen. Zuerst sackte sein Kopf lediglich erneut gegen Nayantais Schulter, während er die Situation noch erfasste. Er hatte das Gefühl, er konnte einfach so einschlafen, wer brauchte schon ein Bett? Es war warm... jedoch meldete sich Rains Vernunft dennoch und er drückte sich etwas von dem Wolf weg, damit er ihm zumindest ins Gesicht sehen konnte. "Ich glaube nicht, dass das gut für deine Wunde ist.", murmelte er und stöberte in seinem Kopf nach dem richtigen Wort in der Sprache der Wölfe. "Wunde.", wiederholte er nur das und sah den Wolf mit einer Mischung aus Besorgnis und Stränge an, die trotzdem nicht über seine Müdigkeit hinweg täuschen konnte.

      Leise seufzte er, wie viel er wohl in den letzten Jahren abgenommen hatte, wenn selbst ein verletzter Wolf ihn einfach so hoch heben konnte wie eine Puppe. Es schien als würde irgendetwas die gesamte Energie aus Rains Körper zerren, da half es auch nicht, wenn er sich ständig den Magen voll schlug. Zugegeben, er hatte auch sehr wenig Appetit, rührte sein Essen, ähnlich wie der Wolf, manchmal kaum an und wenn er einen Bissen zu sich nahm, dann nur, weil der menschliche Körper ohne Essen nun Mal nicht auskam, egal ob der Körper einem das mitteilte oder nicht. Aber das war nicht immer so gewesen. Trotzdem konnte er trotz der wenigen Bewegung die er hatte, eine ganze Torte verputzen, sein Körper blieb dünn und nutzlos.
    • Wieso auch hinter sich selbst her kehren, wenn man nichts mehr hatte, das man beseitigen musste? Jedwede Sünde war offen gelegt worden, als man nicht nur Rang und Namen sondern auch sein Leben verlor, als man sich in eine neue Person verwandelte, die man gar nicht erst ein wollte. Jetzt allerdings stand er hier, irgendwo in Faerghus und hielt ein Lamm in den Armen, das die eigenen Beine noch zu benutzen wusste, obwohl der Wolf eben das nicht passieren lassen wollte, sondern ihn viel lieber durch die Gegend zu kutschieren schien. "Mh, vergiss die Wunde - sie tut nicht weh", sprach Nayantai und schüttelte den Kopf. Vermutlich konnte er Rain nicht mit sich nehmen, musste sich wohl erst den Weg zu dessen Zimmer bahnen, herausfinden, wo genau sie waren und dann für sich selbst entscheiden, wie er zurück zu seinem eigenen Zimmer käme. Unangenehmes Ziehen machte sich in seiner Seite breit, vermutlich einfach deshalb, weil das Lamm doch noch nicht so verweichlicht war, wie anfangs angenommen - vielleicht waren es aber auch einfach die Umstände, die ihm weiterhin zu schaffen machten. Schlaf alleine heilte nicht, auch, wenn man seinen Wunden Zeit geben sollte - auch das hatte, zumindest die letzten Tage, kaum geholfen. "Wenn ich dich schon nicht tragen kann, dann liegt das eher an mir selbst als an einer Wunde", der Wolf klang überzeugt davon, dass er selbst das schaffen würde, seinen Körper nicht zu sehr malträtierte und auf den zwei Beinen stehen konnte, die vor wenigen Tagen eigentlich nur mehr eine Leiche in dieses Land befördert hatten, die er selbst geworden war.

      Elegant konnte man die Gehweise eines Wolfes wohl nie im Leben nennen, dennoch schien es für Nayantai nicht sonderlich anstrengend zu sein, mit der unteren Hand nach dem Griff der Öllampe zu schnappen, sich seinen Weg zur Tür zu bahnen, während er Rain noch immer in den Armen hielt und die Türklinke mit dem Ellbogen nach unten zu drücken, damit sich die beiden schlussendlich wieder im stockfinsteren Gang befanden. "Wohin?", fragte er und warf einen Blick durch die ungewohnten Gänge dieses Gemäuers, die so viel mehr Geschichte in sich tragen mussten als das einfache Zelte eines Wolfes. Ob dem Schaf wohl bewusst war, dass er an so einem Ort lebte? Vermutlich, wahrscheinlich wusste er auch, dass Nayantai nicht vorhatte, sich bis zum Ende des kommenden Jahres hier mit ihm zu vergnügen, oder aber, dass er den Rest seines durchaus miserablen Lebens hier fristen wollte. "Was machst du nur, wenn du nachts alleine bist?", wollte er wissen und sah durch die Gänge, die sich vor ihm erstreckten. "Was, wenn ich ausgerechnet jetzt über dich herfallen würde? Dann würde dich doch gar keiner schreien hören." Hier war es so ruhig, dass lediglich der Atem der beiden dafür sorgte, dass die eiskalte Welt nicht verstummte, sondern zumindest in diesem Steinhaus wiederhallte.
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    • Rain sollte die Wunde vergessen? Er wusste nicht ob er das konnte, aber noch viel weniger konnte er sich aus dieser Lage befreien, ohne dass sich einer von ihnen beiden verletzte. Er hatte nicht große Lust dazu sich zu wehren und am Ende auf den Boden zu plumpsen, nur weil sein Gewissen ihm sagte, dass er das hier nicht tun durfte. Der Wolf half ihm nur, half seinem schwachen Körper dort hin zu kommen, wo er sein sollte, in sein Bett. Sah Rain wirklich so furchtbar aus, dass selbst ein wilder Wolf Mitleid hatte und den Drang verspürte ihm helfen zu wollen? Oder hatte das alles gar nichts mit Rain zu tun? Der Wolf schien die Nähe eines anderen Menschen vermisst zu haben, nachdem er ein Jahr lang im Kerker des Königs überleben musste, alleine und vermutlich noch froh darüber, wenn er niemanden sah, der ihn nur weiter quälte. Jedes Mal wenn Rain daran dachte, was der Wolf wohl durchgemacht haben musste, dann bildete sich ein Kloß in Rains Hals, obwohl er Nayantai nicht kannte. Vermutlich war auch hier die Person gar nicht wichtig, Rain fand, niemand sollte so behandelt werden, weder Schaf, noch Wolf, noch sonst jemand. Selbst wenn man den Krieg befürwortete, wie konnte man so etwas grausamen zulassen?

      Als müsste Rain Nayantai trösten, legte er seine Arme um den Wolf, geschickter Weise half das auch mit dem Gleichgewicht. Er sah den langen dunklen Haaren dabei zu, wie sie hin und her baumelten, während der Wolf einen Fuß vor den anderen setzte. "Tragen Wölfe einander oft herum... oder liegt es daran, dass ich ein Lamm bin...?", murmelte Rain, erwartete aber keine Antwort, stattdessen bettete er seinen Kopf wieder auf Nayantais Schulter und wärmte seine Nasenspitze am warmen Hals des Wolfes, dessen Haut nicht von irgendeiner Kleidung bedeckt wurde. Er streckte einen Arm aus, in die Richtung in der sein Zimmer lag, als Nayantai fragte.
      "Nachts... alleine...?", fragte Rain, der wieder dazu übergegangen war zu versuchen, zu verstehen was der Wolf von sich gab. "Normalerweise läge ich schon in meinem Bett... oder würde lesen. Ich wandere nicht oft durch das Anwesen...", murmelte er und betrachtete den dunklen Gang, der an ihm vorbei zog, während Nayantai ihn zu seinem Zimmer trug. Als würde er auch Nayantais zweite Frage verstehen, vielleicht weil sie einfach denselben Gedanken hatten, antwortete er scheinbar auch darauf.
      "Ich habe nicht mehr so viel Angst vor dem Tod...", realisierte er selbst,"Ich habe... eigentlich gar keine Angst vor dir, obwohl ich sie haben sollte, wohl weil mir jedes Jahr gesagt wird ich könnte sterben... Als ich geboren wurde, wurde meinen Eltern gesagt, ich würde vermutlich nicht älter als 5 Jahre werden, nun sieh mich an... meine Zeit ist schon lange vorbei, aber mein Körper will wohl doch noch nicht aufgeben, warum auch immer... Wenn du mir jetzt den Hals umdrehst, oder mich aus einem Fenster wirfst... dann hatte ich wenigstens noch eine Art Freund, bevor ich gestorben bin... oder zumindest die Illusion einen zu haben. Ich hatte von Anfang an die Hoffnung, dass du mir helfen könntest... aber ich glaube selbst wenn du mich verstehen würdest und mir helfen wolltest, dann gäbe es trotzdem nichts, das mir wahrlich helfen kann..." Rain seufzte leise. "Ich spreche normalerweise nicht über... mh... naja zum Glück verstehst du mich nicht."