spellbound. (earinor & akira)

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    • Paranoia brachte einen Wolf - oder ein Schaf, eigentlich war es egal - so oft zu so vielen Dingen, dass es nicht wirklich vorstellbar, wie diejenigen, die all das aushalten mussten, damit umgingen. Nayantai wusste, dass er selbst nur wegen des Kaisers paranoid geworden war, dass er sich nicht mehr vorstellen konnte, wie es war, nicht dieses Leben zu leben und sich trotzdem danach sehnte, wieder in die Natur, aus der man ihn gerissen hatte, zurückzukehren. Ob es nun die müden Gliedmaßen waren, oder der Geist, der nicht genau verstand, was man von ihm wollte, das wusste er nicht - er war sich aber dessen bewusst, dass es so viel mehr gab als den Schmerz, den er in seiner Brust spürte und so viel mehr als das Blut, das den Boden seines Landes durchtränkte. "Kein Haustier ... na immerhin", sagte er, atmete erleichtert auf, spürte, wie sich der ein oder andere Knoten löste, der sich gefühlt gerade um sein Herz gelegt hatte. Ein starker Wolf war das, was sein Land brauchen würde, doch wenn Nayantai ehrlich war, dann wusste er gar nicht, ob er den restlichen Thrianern derartige Dinge bieten konnte, ob er nicht zu schwach und ausgebrannt war, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Ein Dilemma, auf das es seinerseits keine Antwort gab, außer ein kurzes Räuspern.

      Wäre er nicht durch ein Albtraumland gelaufen, so wusste er, wäre seine verkorkste Laune vermutlich noch besser als das, was er dem Lamm darbieten konnte, doch sich selbst einfach so zu verlieren, die nettere Seite seiner selbst zu präsentieren, war auch etwas Neues für ihn. Nayantai kannte sich, auch, wenn er sich jahrelang belogen hatte, sich immer wieder einredete, dass dieser Krieg nicht derartig schlimm war - dass er lachte, wieder einigermaßen gut aufgelegt war, war ein Wunder, das er sich selbst nicht ganz erklären wollte. Träge Beine waren es, die wohl wie Stelzen wirken mussten, die sich in Bewegung setzten, damit der Schwarzhaarige sich seinen Weg zum Badezimmer bahnen konnte. "Nicht ganz", gab er zu, war er doch zu erschöpft gewesen um sich all die Dinge zu merken, die seit seiner Ankunft bereits geschehen waren. Stattdessen zog er Rain mit sich, in das Bad hinein, dessen warmes Wasser durchaus für Wärme sorgte, die er auf der nackten Haut spürte. "Hilfe? Mh. Ich weiß nicht", entgegnete er dem Lamm, wusste, dass er dieser Sprache auch noch Herr werden würde, selbst, wenn er sich alleine in diesem Gemäuer befinden sollte, würde er eben versuchen, die Grundlagen zu festigen, die er hatte. "Du schickst deine Wachen einfach fort? Was, wenn ich dich anfalle?", fragte er, legte den Kopf schief und begann, nach dem Stück des Verbandes zu suchen, dass dafür sorgte, dass er nicht auseinander fiel.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain hätte natürlich geholfen, wenn der Wolf ihn darum gebeten hätte, oder hätte wahlweise wohl jemanden geschickt, der besser mit so etwas umgehen konnte als er. Er wusste nicht wie man Wunden richtig verband, immerhin hatte man ihn zuvor immer nur fort geschickt, gesagt es wäre gefährlich und ihn sich selbst überlassen. Rain hatte zwar Vieles im Laufe seines Lebens gelernt, aber er konnte nicht sagen, dass das meiste davon nützlich war, oder zumindest praktisch. Der Wolf konnte kämpfen, jagen, etwas bauen, vermutlich, seine Kleidung flicken, vielleicht, womöglich konnte er sogar kochen, während solche Aufgaben in der Welt der Schafe oft strikt getrennt wurden, vor Allem, wenn man der Sohn eines Fürsten war. Er brauchte gar nicht versuchen einen Schritt in die Küche zu machen, oder ein Loch in seinen Socken zu stopfen, man würde ihn nur zurück in die feinen Gemächer jagen und ihm aus der Hand nehmen, was für jemanden wie ihn, nicht angebracht war.

      Wie das Schaf aber schon bemerkt hatte und auch vorher schon gewusst hatte, waren die Wölfe anders. Vermutlich verstand Nayantai nicht alles, was in diesem riesigen Anwesen vor sich ging, wer Rain war, was es bedeutete der Sohn eines Fürsten zu sein. Vermutlich wusste er nicht einmal, was ein Fürst überhaupt war. Dementsprechend hätte sich Rain vielleicht weniger wundern sollen, als der Wolf ihn in das Badezimmer zog, in dem die Luft nur so dampfte und auf einmal mit ihm alleine war. Sie waren auch in dem Gang alleine gewesen, das stimmte schon, aber hier war es anders und es fühlte sich auch anders an als am Tag von Nayantais Ankunft, in der auch Sara zumindest noch im Raum gewesen war und der Wolf sich eher griesgrämig gegeben hatte. Rain wusste nicht warum, aber seine Wangen fühlten sich auf einmal warm an, lag das an der schwülen Luft in dem Raum? Vermutlich. Rain brauchte einen Moment um die Situation zu erfassen, bevor er langsam eine hand ausstreckte, um dem Wolf zu helfen den Verband zu lösen, ähnlich wie er ihm geholfen hatte, wieder aus seinen Kleidern heraus zu kommen, die im übrigen immer noch um seine Schultern lagen. "Ich war schon so oft mit dir alleine... du hättest es längst getan, wenn es denn einen Nutzen für dich hätte.", murmelte Rain, löste den Verband gänzlich, hielt jedoch die Hand auf ein dickes, gefaltetes Stück Stoff, dass direkt auf Nayantais Wunde auf lag, um das Blut aufzusaugen, dass heraus tröpfelte, weil er dachte, die Wunde sollte sicher nur entblößt werden, wenn es nötig war. "Was jetzt...?", fragte er etwas hilflos.
    • Anders als Schafe hatten die Wölfe jedoch den Luxus, einfach so alles tun zu können, das ihnen in den Sinn kam, jedoch nicht. Sie mussten sich an die Jahreszeiten und an die Witterung halten, zusammenhalten, damit sie überhaupt dazu kämen, einige Dinge zu erledigen - waren sie nicht organisiert, dann konnte es gut sein, dass ein oder zwei arme Welpen den Kürzeren zogen und mit leerem Magen in ihre Betten wanderten, etwas, das man versuchte, zu vermeiden, insofern es möglich war. Nayantai wusste jedoch, dass diejenigen, die ihre Eltern verloren, keine guten Karten in der Welt der Schafe hatten, während sich ein Krieger wie er, oder sein Vater, gerne dieser Waisen annahm. Keiner von ihnen war allein, sie alle mussten an einem Strick ziehen, oder aber er würde sich blitzschnell um ihre Kehlen legen und sie alle aus diesem Leben reißen. Schafe hatten es in dieser Hinsicht besser, waren aber wohl auch diejenigen, die ein Leben aufgaben, wenn sie nicht an es glaubten - ein langer, qualvoller Tod schien ihnen wohl mehr zu bedeuten als das Leben eines Kindes, das eines Tages so viel mehr als das hätte sein können. Auch das war jedoch egal, er lebte nicht in dieser Gesellschaft, verweilte lediglich in ihr und somit war das Thema für ihn irrelevant.

      Rain nahm sich seiner an, half ihm schließlich dabei, aus der Misere zu kommen, in der er sich gerade befand - der Verband fiel, die Haut, die darunter begraben war, durfte die stickige Luft wiederum einatmen. Anders als Rain würde ihn diese jedoch nicht wärmen, sondern krank machen - die Tundra war nie so warm, die Bäder, die er bis jetzt genommen hatte, waren allesamt relativ kalt gewesen und alles in allem stieg ihm die Wärme alsbald zu Kopf. "Mh, vielleicht sollte ich das nächste Mal nach etwas kälterem fragen", seufzte der Wolf, wusste aber, dass er es vermutlich vergessen würde, oder gar keine Ansprüche darauf besaß, bodenlose Forderungen zu stellen. "Ja, aber was, wenn ich dir alles nur vorspiele? Hast du keinerlei Angst vor mir?", raunte Nayantai, sah an seinem Körper nach unten, zu dem Stück Stoff, das vermutlich auch noch dazu dienen sollte, dass er die Naht nicht zu sehr beanspruchte. "Was?", entgegnete er, griff mit den Fingern nach Rains Hand, die er von dem Stück Stoff wegzog, um es selbst in die Hand zu nehmen, behutsam von seiner Wunde zu ziehen, die ebenfalls blaue Flecken aufwies, was jedoch nichts ungewöhnliches war. "Das", entgegnete er, kaum hielt er das Stück ins einer Hand, es Rain zeigte. Blut war darauf zu sehen, allerdings nichts Frisches, nur bereits vertrocknetes Blut, das er vermutlich kurz danach verloren hatte. Die Naht würde brennen, so wie Feuer, kaum stieg er in dieses Wasser. "Willst du hierbleiben und dir die Beine in den Bauch stehen oder mich alleine lassen?", wollte er gleich wissen, entblößte sich noch nicht vollkommen vor dem Schaf. "Du kannst in dieser Wanne schlecht ein Bad mit mir nehmen."
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    • "Dir ist zu warm?", fragte Rain, der immer noch das viel zu große Stück Stoff um seine Schultern trug und trotzdem hätte er nicht gesagt, dass ihm zu warm war. Ihm war zumindest nicht kalt und die warme, feuchte Luft tat seinen Lungen immer gut, er fühlte sich, als könnte er endlich ein wenig durchatmen. Aber er konnte schließlich nicht den ganzen Tag heißes Wasser verlangen und in einer Wanne sitzen.
      "Angst?", fragte Rain, dachte darüber nach und sah dabei zu, wie Nayantai das Stück Stoff von der Wunde zog. Es sah schmerzhaft aus und die Wunde, wenngleich sie auch schon etwas besser aussah, würde noch eine Weile brauchen, bis sie verheilt war. Rain wusste natürlich wie Blut aussah, hatte seinen Vater auch schon einmal verwundet erlebt, ihm zumindest ins Haus geholfen, nur selbst hatte er noch nie geblutet... nicht einmal an Papier hatte er sich jemals geschnitten. Vielleicht lag es daran, dass ihm eingetrichtert wurde, dass er immer vorsichtig sein musste und so hatte er sich wohl angewohnt, sich eher Zeit zu lassen, als zu hastig nach etwas zu greifen, das ihn verletzen konnte. "Ich glaube es bringt dir weder jetzt, noch in Zukunft einen Nutzen... und ich glaube du tötest nicht ohne Grund.", griff er den Faden wieder auf, bevor er zur Tür sah. Er hatte das Gefühl Nayantai schickte ihn tatsächlich nach draußen, nachdem er es doch war, der ihn erst in das Zimmer hinein gezogen hatte.

      Er musterte Nayantai noch einmal, dessen Wangen gerötet waren, der zwei Tage geschlafen und kaum etwas gegessen hatte und der wohl auch noch etwas mehr Wasser vertragen hätte. Zusätzlich war der Wolf verwundet und in diesem Zimmer gab es kein Fenster, dass die Wärme selbst in geschlossenem Zustand abgeben konnte, der Wolf konnte sich also nicht mal eben ans Fenster stellen um einen kühlen Kopf zu bekommen, oder frische Luft zu atmen. Zusammengefasst, Rain machte sich Sorgen um den Wolf, machte sich Sorgen, dass er einfach umkippen konnte. "Hier sollte vorerst niemand vorbei kommen. Du kannst die Tür offen lassen, wenn dir zu warm ist und wenn es dich nicht stört...", schlug Rain vor, deutete auf die Tür. "Ich... ich gehe, mein Zimmer ist nur ein paar Türen weiter. Ruf nach mir, wenn du etwas brauchst..." Obwohl das wohl auch nicht viel helfen würde, sollte der Wolf tatsächlich das Bewusstsein verlieren, aber er wollte ihm auch nicht zu nahe treten und ihm beim Baden zusehen. Er wollte ihm auch nicht beim Baden zusehen, selbst wenn er ihm damit nicht zu Nahe treten würde... fügte er gedanklich noch an seine eigene Überlegung an.
    • "Ja, ich bin kein Freund von warmem Wetter", entgegnete Nayantai Rain, der sich wohl mehr Sorgen um ihn machte, als es eigentlich nötig war. Wölfe waren stolz, waren stark und unbesiegbar - zumindest glaubten sie das, aber viel eher waren sie gegen die kalten Temperaturen besser gewappnet, als es ein Schaf war. Hitze hingegen kam ihnen nicht zugute - es war nicht nur der Prinz der Wölfe, der darunter litt, sondern auch der Rest von ihnen. Hielten sie sich zu weit außerhalb der Tundra in den warmen Monaten auf, so mussten sie oft dafür büßen. "Angst ist ... hm. Nun, Furcht verstehst du wohl auch nicht. Ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll." Nayantai wusste, dass er sich vermutlich auch nur ein kleines bisschen mehr anstrengen sollte, damit er Rain all diese Dinge verständlich machen konnte, aber jetzt war sein Kopf noch immer in einer anderen Hemisphäre - er fühlte sich so, als wäre er mit Watte vollgestopft, als könnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Hitze war dem Wolf wirklich zu Kopf gestiegen, der mit seinen Fingern sanft um die Naht herumtastete, herausfinden wollte, wie sehr diese schmerzte, es allerdings sein ließ, nachdem er sich schon nach ein paar Berührungen wieder so fühlte, als drehe sich sein Magen gleich um. "Und ich glaube, dass ich potentiell, noch immer dein Feind sein sollte. Aber potentiell kann ich das nicht, weil ich es nie war" - es war eine Hypothese, die von nichts unterstützt wurde, die lediglich von einen Lachen untermalt wurde. Nayantai war derjenige, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. War man jedoch ein Wolf, so stand durchaus fest, dass man diese nicht haben musste. Oder gar wissen sollte, was ein Schrank genau war. Wieso mochten Schafe all diese sperrigen Objekte auch so gern?

      "Ich melde mich, wenn ich etwas brauche ... erfrier' nicht", sprach er, griff nach Rains Hand und brachte diesen zur Tür, die er tatsächlich hinter dem Schaf offen ließ - Rain hatte ihn nackt gesehen, ein Großteil der toten Krieger seines Volkes auch - wieso man sich ausgerechnet hinter einer Tür versteckte, wenn man sich entblößte, das wusste der Wolf nicht. Die letzten Reste der geborgten Kleidung fielen also zu Boden, er ließ sie dort liegen, wo sie waren, und setzte sich langsam in die Wann, zuckte und kniff die Augen jedoch zusammen, kaum träufelte auch nur ein wenig des Wassers auf die Wunde an seiner Seite. "Verflucht nochmal ...", wisperte er, wollte nicht, dass er gehört wurde, dass man den verkrampften Griff sah, mit dem er sich an den Rändern der Wanne festhielt - nein, was sollte der Mist? Es war eine gefühlte Ewigkeit für Nayantai, bis dieser sich schließlich in das warme Wasser hatte sinken lassen, das fremde Spiegelbild wieder vor sich sah, das von einer Seite zur nächsten schwappte. Seine Seite brannte, sein Rücken fühlte sich teilweise an, als stünde er in Flammen - und der Wolf selbst war sich nicht sicher, wie lange er es hier überhaupt aushalten würde. Ohne nachzudenken fing er an, sich zu waschen, zupfte sich das Band aus den Haaren, tauchte für den Moment unter und starrte von der Wanne aus nach oben, auf die unkenntliche Welt, wo er seine Gedanken zurücklassen wollte. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, die er dort unten verbrachte, bevor er wieder hoch kam, zu seiner Seite sah, auf das Wasser starrte. "Ach, wer zum Teufel bin ich eigentlich?" Nayantai war so, als wäre ein Teil von ihm auf dem Schlachtfeld gestorben und die leere Hülle, die zurückblieb, saß nun hier und ließ all das über sich ergehen.
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    • Rain konnte erneut nur entschuldigend lächeln, weil er kaum etwas von dem verstand, was der Wolf von sich gab. Er glaubte nicht, dass es sonderlich wichtig war, zumindest für den Moment, wenn der Wolf es nicht erklärte. Er schien auch nicht frustriert zu sein, so wie er es zuvor gewesen war, wenn er nicht erklären konnte, was er Rain sagen wollte. Rain ließ sich also zur Tür führen, sah noch einmal hinein, musterte den Wolf, aber bevor er zu viel sah, drehte er sich lieber um und stapfte zu seinem eigenen Zimmer. Auch er ließ die Tür offen, schlüpfte deshalb nun auch mit den Armen in die Ärmel von Nayantais Oberteil, damit ihm nicht zu kalt wurde. Für den Fall, dass der Wolf doch etwas brauchte, wollte er zur Stelle sein. Es war schon komisch, normalerweise schlichen nur Bedienstete um einen herum, achteten darauf, dass auch ja niemand etwas brauchte, kamen, bevor man fragen musste. Nun war Rain es der darauf wartete, ob er womöglich gebraucht wurde, hatte alle anderen fort geschickt, damit der Wolf und auch er selbst sich wohler fühlten.

      Er wollte eigentlich lesen, aber er machte sich zu viele Sorgen, unbegründet vermutlich, er konnte sich nicht konzentrieren. Stattdessen stand er auf und sah an sich herunter, versuchte sich daran zu erinnern, wie man die Kleidung der Wölfe richtig anlegte. Er wusste nicht, wo die ganzen Bänder und Schnüre hin mussten, wie man sie wo befestigen musste, aber immerhin beschäftigte es ihn eine Weile und übermäßig kalt war ihm neben dem Feuer auch nicht, das war gut. Dennoch fühlte er, dass er es die letzten Tage womöglich etwas übertrieben hatte, dass er ohnehin schon angeschlagen war, weil er an der Tür so lange mit seinem Vater gesprochen hatte und nun sollte er sich womöglich einfach ausruhen. Zwei Tage Schlaf täten ihm womöglich auch gut, aber er hatte nicht einmal zwei Stunden ein Auge zumachen können. Aber es war nicht wichtig, er hatte Spaß mit dem Wolf, meistens zumindest. Er lenkte Rain ab, von Allem was ihn plagte und beschäftigte.
    • Der Aufenthalt in der Badewanne sollte eigentlich ein kurzer sein, zumal wollte der Wolf gar nicht erst sonderlich viel Zeit hier verbringen - es war ruhig, rein theoretisch zu ruhig, um alleine zu sein. Die offene Tür spendete Nayantai keinerlei Trost, das Zwitschern eines verirrten Vogels oder das Rascheln der Blätter im Wind, blieb aus. Wohin auch mit all den leeren Gedanken, mit denen man ihn - das Biest, das er nun einmal war - hier, irgendwo im nirgendwo, alleine ließ? Nayantai wusste es nicht, wollte es auch gar nicht erst und hoffte lieber darauf, ein schneller Tod wäre es, der ihn ereilte, ehe er wieder in das Wasser starrte, dessen Oberfläche nur die Scherben des zerbrochenen Antlitzes eines einst so stolzen Wolfes wiederspiegelten. Etwas, das er nicht sehen wollte - Dinge, von denen er glaubte, er hätte sich an ihnen satt gesehen, die er schon so oft gesehen hatte und definitiv nicht mehr wahrnehmen wollte. Verfallen war er, hatte zu realisieren, dass er nichts weiter als den Schatten seiner ehemaligen Selbst anstarrte, der ihn nie und nimmer verlassen würde. Vermutlich war auch das ein Grund warum er sich zurücklehnte, die Augen schloss und nach einem anderen Gedanken suchte, als sein eigenes Versagen, mit dem er sich malträtieren konnte. Aber womit, wenn nicht einer Wahrheit über die er sich keine Gedanken mehr machen wollte? Die Wölfe waren tot, hatten den Krieg doch schon längst verloren - zumindest glaubte er das, wollte nichts Anderes verstehen.

      Irgendwann, vermutlich nicht all zu lange Zeit später, hörte er das Rauschen erneut - so weit entfernt, so trüb war die Welt vor seinen Augen, die er grundsätzlich nicht ganz verstand. Der Traum schien viel zu kurz zu sein, um ihm irgendetwas zu deuten, dass für ihn auf die eine oder andere Weise wichtig wäre, zog an ihm vorüber, als bestünde er aus förmlich nichts. Was war es noch gleich? Die Ähre auf einem verlassenen Feld, die sich im Wind wog, die sanfte Geräusche von sich zu geben schien? Nayantai wusste förmlich nichts über sie, über die verflossenen Farben, die ein schiefes Gesamtbild abgaben, oder über das Wasser, das er sch- Was? Hustend und aus seinem Traum befreit, schnellte er nach oben, spuckte das Wasser aus, das er eingeatmet zu haben schien und klopfte sich auf die Brust. Tagelang hatte er geschlafen, wieso war er noch immer so müde? Gründe gab es dafür keinerlei und doch war er es, der sich schlussendlich aus dem plätschernden Wasser erhob, nach einem Tuch griff, um sich abzutrocknen und weiterhin zu husten. Zu hoffen war, dass Rain ihn nicht gehört hatte, aber das schien unwahrscheinlich.
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    • Nachdem Rain es aufgegeben hatte zu versuchen das Kleidungsstück angemessen anzulegen, stand er einfach nur beim Kamin, starrte in das Feuer und lauschte. Er machte sich Sorgen wenn er nichts von Nayantai hörte, aber gleichzeitig wollte er gar nichts hören, hoffte dem Wolf ging es gut. Aber warum machte er sich eigentlich solche Sorgen um einen Fremden? Er fragte sich ob er sich um jeden so sorgen würde, oder ob der Wolf etwas besonderes an sich hatte und wenn ja, was? Hätte jeder die selbe Behandlung von Rain erhalten? Jeder der Hilfe brauchte? Vielleicht brauchte Rain einfach nur Beschäftigung... oder vielleicht einen Freund. Er war sich einfach nicht sicher und er wusste nicht, wo er nach Antworten suchen konnte. Diese und ähnliche Gedanken beschäftigten Rain und nur das Knistern des Feuers begleitete ihn... naja, bis er ein Husten aus dem Bad tönen hörte.

      Rain wartete noch einen Moment, lauschte und beeilte sich erst aus seinem Zimmer, als er sicher war, dass er sich das Geräusch nicht nur eingebildet hatte. Mit schnellen Schritten legte er den Weg von seinem Schlafzimmer zum Bad zurück, eilte um die Ecke und blieb schließlich im Türrahmen stehen um die Situation zu begutachten. Rain hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, den Wolf auf einmal vor sich stehen zu sehen, hatte gedacht er säße noch in der Wanne und für einen Moment, verschlug es ihm die Sprache, jedoch erklang noch dasselbe Husten, das er von seinem Zimmer aus schon vernommen hatte. Aus Anstand drehte er sich um, zumindest war das die erste Reaktion, die ihm einfiel. "Alles in Ordnung?", fragte er trotzdem, stellte fest, dass das Husten seinem nicht glich, keinen von den vielen die ihn plagten. Trotzdem machte er sich Sorgen. "Es liegt nicht etwa an deiner Wunde...?"
    • Wasser träufelte von seinem Körper aus auf den Boden, die langen Haare, die durchnässt waren, klammerten sich an jeden Fetzen Haut, den sie finden konnten - und das mickrige Tuch, mit dem er zumindest versuchte, sich einigermaßen abzutrocknen, sog so viel schneller Wasser von seinem Körper auf, als dass er es aus seiner Lunge verbannen konnte, wo es nicht hingehörte. Alles, das die Stille durchbrach, war sein Husten und die Schritte, die immer näher zu kommen schienen, die auf dem schweren Boden wiederhallten und Nayantai genau eines sagten: Rain hatte ihn gehört. Hätte er Zeit gehabt, sich darüber zu echauffieren, so hätte er es vermutlich getan - aber jetzt schien es gar unmöglich zu sein, irgendetwas in diese Richtung zu tun. Das Lamm stand schneller vor ihm, der womöglich aussah wie ein Sumpfmonster, als ihm lieb war - erkundigte sich nach seinem Wohlbefinden, während er weiterhin versuchte, nicht zu husten und sich dabei nur selbst in sein Knie schoss. Nayantai winkte ab, schüttelte den Kopf und deutete auf das Wasser in der Wanne und danach seinen Hals. "Ich glaube, ich bin eingenickt", brummte der Wolf, der wusste, dass das ein Fehler gewesen war.

      Wie man nach zwei Tagen des durchgehenden Schlafens müde sein konnte, das leuchtete ihm selbst nicht sonderlich ein. Die Wahrheit war jedoch, dass er sich vermutlich einfach von der Wärme des Wassers in den Bann ziehen ließ und die sonst so ungewohnte Stille den Rest tat, um ihn wieder in den Schlaf zu lullen. "Mach dir keine Sorgen um mich, ich werde nicht daran sterben", seufzte er und begann, sich mit dem Tuch noch ein Stück weit abzutrocknen, bevor er dieses auch schon allen ließ. Wölfe hatten kein Schamgefühl in dieser Hinsicht, die Reaktion Rain's war befremdlich. Kaum griff er nach den nassen Haarsträhnen, drehte er sich zur Wanne um und begann, seine Haare zumindest bis zu einem gewissen Grad auszuwringen. "Du kannst mich ruhig ansehen, Rain" - ja, wieso auch nicht? War es denn bei den Schafen so verwerflich, einander entblößt zu sehen? Vermutlich, immerhin schien Rain auch nicht gerade die Art von Person zu sein, die mit der ein oder anderen Person in den Fluss stieg, um sich zu waschen.
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    • Jetzt hatte Rain Nayantai schon zum zweiten Mal unbekleidet gesehen, während er immer extra dick angezogen war. Er konnte gar nicht verstehen, wie der Wolf nur durch den Verband ein wenig bekleidet durch das Haus ging, selbst seine Bediensteten hatten im Winter mehr als nur ein Hemd an, wenn sie hier arbeiteten. Wölfe waren wohl tatsächlich anders und die Kälte gewohnt, sie waren hart im Nehmen, ganz anders als Rain. Nun wo Rain bekleidet und Nayantai unbekleidet da stand, hatte er das Gefühl ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil die Situation nicht ausgeglichen war. Er fragte sich selbst, woher solch seltsame Gedanken kamen und drehte sich schließlich um, suchte für einen Moment etwas im Raum und wandte seinen Blick trotzdem von Nayantai ab. "Hm... tut mir Leid, ich hätte nicht so herein stürmen sollen. Ich... naja, vor drei Tagen noch hätte die Verletzung an deiner Seite dich fast umgebracht.", entschuldigte er sich für sein verhalten, schüttelte aber kurz darauf den Kopf. "Vergiss es." Der Wolf verstand ihn vermutlich sowieso nicht.

      Die Welt der Schafe und die Welt der Wölfe unterschieden sich sehr, das waren nicht nur Geschichten. Wenngleich es nicht verwerflich war, einen nackten Mann der vor einem stand anzusehen, so war es doch zumindest unhöflich und für Rain auf jeden Fall ungewohnt. Bei einer Frau verhielt es sich da schon etwas strenger, aber in diese Situation war Rain noch nie gekommen, aber statt sich mit derlei Gedanken aufzuhalten, deutete er lieber auf die frischen Verbände und die Wundsalbe die für Nayantai vorbereitet wurden. "Brauchst du Hilfe damit?", fragte er, nachdem der Wolf an seinem Husten laut seiner Aussage nicht sterben würde. Wenn er also damit keine Hilfe brauchte, dann konnte Nayantai auch gehen, bis der Wolf sich wieder angezogen hatte, auch wenn er die Erlaubnis des Wolfes hatte, ihn einfach anzusehen. Es fühlte sich einfach nicht richtig an.
    • Sich die Beine in den Bauch zu stehen wäre von weniger Vorteil - selbst, wenn die Wunden den Wolf unlängst nicht mehr in die Knie zwang, musste das keinenfalls heißen, dass er seine eigenen zwei Beine nutzen konnte, ohne Konsequenzen dafür zu spüren. Die Wahrheit, die Nayantai sich vermutlich eher weniger gerne eingestehen wollte, war nämlich, dass er sich selbst nicht mehr sicher war, wozu sein Körper in der Lage war oder nicht. Natürlich waren es die feinen Dinge wie die Hitzeempfindlichkeit und die Gleichheit gegenüber der Kälte, die ihn wiederum daran erinnerte, wer oder was er war und was genau seine Aufgaben waren, seine Pflichten, die es früher oder später zu erfüllen galt. Lachhaft wäre es doch ohnehin, gäbe er sich nicht selbst die Zeit dazu, zu genesen, wieder zu der Person zu werden, die selbst noch voller Wunden und Blut, voller Dreck und erfüllt von Hass, einem Schaf die Kehle aufreißen würde - selbst dann, wenn er es mit seinen Zähnen tun musste, weil man ihm jedwede Waffe aus den Händen gerissen hatte. Sich über Schmerzen zu beklagen, der Angst und Schwäche seiner selbst einfach hinzugeben - das stand dem Wolf nicht. Nun stand er jedoch da, seufzte über das Verhalten eines verwirrten Schafes und glaubte beinahe, er wäre derjenige, der etwas Falsches tat.

      "Hilfe?", fragte er, als wüsste er nicht, was Rain von ihm wollte - nein, ein Wolf könnte sich selbst verarzten, bräuchte keine Hilfe von einem einfachen Lamm, das nicht wusste, wo ihm der Kopf stand oder seine Prioritäten lagen. Stattdessen griff Nayantai nach der Kleidung um sich wenigstens nicht mehr gänzlich vor Rain zu entblößen. "Ich ...", setzte er an, wollte Rain eigentlich sagen, er bräuchte keine Hilfe, als er die Unterwäsche hochzog. "Wenn du möchtest?", entgegnete er dem Lamm stattdessen, war sich aber noch immer nicht sonderlich im Klaren darüber, was genau er davon halten sollte. Genau genommen war es doch egal, wer ihn schlussendlich verarztete, so lange es jemand tat - und wenn er es selbst tun müsste, dann wäre es ohnehin nicht so, als hätte er eben das nicht schon tausend Mal getan. "Ich kann zwar sagen, du musst nicht, wenn du nicht willst, aber dann hättest du es mir wohl kaum angeboten." Nayantai seufzte, zog die Hose nach oben. Waren alle Schafe so hilfsbereit wenn sie glaubten, ein Wolf würde sie nicht fressen? Oder hatte Rain einfach nur Flausen im Kopf?
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    • Rain lächelte, war sich sicher, dass der Wolf jedes andere Schaf, das hier herum lief, einfach hinaus geschickt hätte. Es war nichts falsch daran sich helfen zu lassen, vor Allem, wenn man verletzt war... Rain musste den Kopf schütteln, lehnte er doch selbst meist Hilfe ab, wenn auch nicht wegen einer Wunde, sondern wegen einer Krankheit die ihn heimsuchte. Er wollte nicht, dass ihm das Essen ans Bett gebracht wurde, wenn er Fieber hatte und er wollte selbst dann noch arbeiten, wenn der Husten ihn in jeder Sekunde schüttelte. Wenn er über seinen Zustand schwieg, oder log, wenn er lächelte, damit seine Bediensteten sich keine Sorgen machten, dann weil er von vornherein keine Hilfe wollte, aber wieso eigentlich nicht? Womöglich hatte der Wolf sich das gerade auch gefragt, warum sich nicht helfen lassen, wenn es einem schon angeboten wurde? In der Hinsicht war Nayantai womöglich erwachsener als Rain, wenn er begriffen hatte, dass es keine Schande war, Hilfe anzunehmen. Rain jedoch, selbst wenn ihm all diese Gedanken kamen, konnte nicht aus seiner Haut, wollte niemanden sorgen, oder zur Last fallen.

      Rain machte zwei Schritte auf den großen Wolf zu, legte seine Hände links und rechts auf dessen Arme und schob ihn auf einen Stuhl in der Ecke. Wenn er schon wieder eingenickt war, dann konnte sein Körper noch nicht wieder ganz fit sein und in diesem Fall sollte er sich setzen. "Ich... habe ehrlich gesagt nicht viel Ahnung davon, wie man eine Wunde richtig versorgt...", lächelte Rain entschuldigend, während er sich nach den dafür vorgesehenen Utensilien umdrehte. Es hatte ihm nie jemand erklärt, immerhin war das keine Aufgabe für einen Adeligen, aber Rain war wachsam, hatte oft genug zugesehen, so dass er sicher war, dass er es hinbekommen würde. Wenn der Verband am Ende so aussah wie vor Nayantais Bad, dann würde es schon richtig sein, hoffte er.

      Mit der Wundsalbe in der Hand, die einer erneuten Infektion vorbeugen sollte, setzte sich Rain selbst auf den Wannenrand, um in etwa auf der richtigen Höhe zu sein, um die Wunde zu versorgen. Er begutachtete sie ein wenig, sah sich die Naht an und die dunkelblaue Haut rund um die Wunde. Rain seufzte leise, bevor er die Salbe öffnete und sie mit einem Finger vorsichtig auf der Wunde aufbrachte. "Weißt du...", begann er, damit es nicht ganz so still zwischen ihnen beiden war, "...hm... ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich über deine Verletzung freue... es ist nur, ich... hm..." Rain zögerte, er wusste nicht wie er dem Wolf erklären sollte, was er meinte und ob er auch nur die Hälfte der Wörter überhaupt verstehen würde. "Ich... habe so etwas noch nie gemacht, oder... eine solche Wunde aus der Nähe gesehen...ich... ähm... ich lerne gerne Neues kennen, da ich...mh... nein vergiss es." Fast hätte er sich verplappert, davon angefangen, wie er in diesem Haus fest saß, dabei wollte er den Wolf damit gar nicht behelligen und ebenfalls auch nicht darüber sprechen. Aber es stimmte... alles was Neu war interessierte ihn, deswegen brachte sein Vater ihm oft etwas mit... Natürlich war der Wolf kein Talisman, oder ein Buch, das wusste Rain natürlich und er hoffte, er gab Nayantai nicht den Eindruck, er würde ihn nur als Austellungsstück sehen. Er seufzte leise, er hätte gar nicht erst etwas sagen sollen, er konnte nur hoffen, dass der Wolf nur ein unverständliches Gemurmel in einer Sprache, die er nicht beherrschte vernommen hatte. Seine zarten, dünnen Finger tupften lieber in Stille weiter die Salbe auf den zerstörten Körper.
    • Im Endeffekt kam die Realisation, dass nichts positiv war, wenn man immer nur an den gleichen Idealen festhielt, weil sie einem vor einer gefühlten Ewigkeit in die Wiege gelegt worden waren, die mittlerweile gar nicht erst existierte. Stillschweigend war die Wahrheit, die man erst zu akzeptieren hatte, damit man für sich selbst feststellen konnte, dass es nichts weiter war als eben das: Man gestand sich die Schwäche ein, die an sich definitiv nichts Schlechtes sein musste, aber vermutlich auch nicht immer das Beste war, das man sich vorstellen konnte. Nayantai wusste, dass er tot wäre, hätte er sich nicht helfen lassen - warum also nicht einfach einen Gang zurückschalten, warum nicht einfach darauf hoffen, dass man ihm gnädig war? Der Wolf wusste, dass die Wahrscheinlichkeit eines toten Volkes hoch war, dass er sich an falsche Tatsachen klammern könnte, wenn er weiterhin glaubte, dass man den Schafen noch einreden konnte, sie sollten ihren Verstand benutzen. Was für ein Witz es doch war, sich einzubilden, all die Dinge, die man tat, würden zu mehr führen als Schmerzen, mit denen man hätte rechnen sollen - und doch war Rain vollkommen anders, war ihm gnädig, glaubte nicht daran, dass es half, wenn er ihn verletzte. Nicht jeder verdaute die Wahrheit gleich gut, doch Nayantai musste sich auch eingestehen, dass er sie nicht weiterhin verweigern konnte.

      Wie ein Kind stellte sich das Lamm an - wusste vermutlich nicht, mit was er anfangen sollte, oder wo das Ende dieser Aufgabe sein würde - Nayantai war all das egal. So viele Kinder waren es, mit denen er sich beschäftigen musste, denen er so viel mehr beibringen sollte als einfache Aufgaben, die auch er selbst beherrschen sollte. "Lass dir Zeit", bemerkte Nayantai lediglich, wusste, dass es wohl oder übel selbst anpacken musste - aber so lange Rain nicht versuchte, die Naht wieder zu öffnen,würde er wohl oder übel einen Weg finden, dem verwundeten Wolf zu helfen. Das Gebrabbel des Schafes verstand er nicht sonderlich, wollte es aber vermutlich auch nicht, glaubte er doch, er würde es bereuen, wenn er all die Worte der fremden Menschen verstand, die ihn zu ihrem Eigentum gemacht hatten. "Weißt du, du erinnerst mich an einen Welpen - du bist vorsichtig, vielleicht sogar schon zu vorsichtig und trotzdem neugierig. Und dann versteckst du auch nichts vor mir - du bist komisch, Rain", seufzte er, saß nun da und ließ die ausstehende Tortur soweit über sich ergehen. Wenn sein Vater noch unter den Lebenden weilte, auch, wenn er es bezweifelte, dann wäre es doch vermutlich gar nicht so schlecht, ihm Rain vorzustellen. Aber was dann? "Verlässt du dieses Anwesen auch?", wollte er wissen, wusste aber gar nicht erst, ob er eine Antwort bekommen würde.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Immer nennst du mich Welpe...", stellte Rain schmunzelnd fest. Womöglich hatte Nayantai recht... Lamm, Welpe, beides traf auf ihn zu, aber wie konnte auch jemand, der die Hälfte der Aufgaben die er nur durch seine Geburt erhalten hatte gar nicht erfüllen konnte, der nicht einmal das Anwesen verlassen hatte in der geboren und aufgewachsen war, dem so Vieles das er als Ersatz sehen wollte nicht gestattet wurde, weil es sich so nicht gehörte, wie sollte so jemand zu einem ausgewachsenen Mann werden? Rain fragte sich manchmal, wie er die Welt erkundet hätte, wie er geworden wäre, wen er in einen anderen Körper geboren worden wäre. Hätte er viel Zeit mit seinem Vater verbracht? Vielleicht hätte er im Winter mit ihm gejagt, wäre im Sommer in die Schlacht gezogen, Seite an Seite... Rain starte einen Moment auf Nayantais Wunde, vergaß offenbar kurzzeitig seine Aufgabe. Wäre es denn besser gewesen, wenn er da raus könnte, wenn er mit seinem Vater zusammen Wölfe niedermetzelte, die nur ihr Land verteidigen wollten...? Wahrscheinlich hätte es ihn in dem Fall gar nicht interessiert, aber wollte er das, wäre Rain dann noch er selbst...?

      Rain schüttelte die Gedanken ab, versicherte sich noch einmal, dass die Salbe die geschundene Haut um die Wunder herum überall bedeckte, bevor er sich ohne groß darüber nachzudenken, oder den Wolf zu fragen der unzähligen anderen Wunden auf seinem Körper zuwandte, die noch nicht verheilt waren. Irgendwann würde der Wolf sich umdrehen müssen, damit Rain seinen Rücken erreichte, aber vorerst strich Rain nur über die halb geschlossenen Wunden auf Nayantais Brust, wollte nicht, dass diese sich auch noch entzündeten und ganz nebenbei betrachtete er den starken Körper vor sich, die breiten Schultern, der definierte Bauch... er war nicht sicher, ob er nicht ein wenig Neid empfand... oder womöglich Sehnsucht.

      Erst die Worte des Wolfes rissen ihn aus seinen Gedanken, er fühlte sich ein wenig ertappt, richtete seinen Blick stur weiter auf den Körper des Wolfes, statt in dessen Gesicht und hielt bei dem was er tat inne. Hatte er die Frage gerade richtig verstanden? Rain war kein guter Lügner, hasste es und hatte am Ende immer ein schlechtes Gewissen und es gab keinen Grund den Wolf über etwas anzulügen, dass er ohnehin schon vermuten konnte, auch wenn ihm die genauen Umstände vermutlich nicht klar waren. Er hätte diese Frage so sonst gar nicht gestellt. Rain biss sich auf die Unterlippe, die Spannung in seinen Schultern ließ kaum merklich nach, ließ sie etwas herunter hängen. "Mm-mm...", antwortete er nur verneinend, mit nichts weiter als einem Geräusch, danach besann er sich wieder da weiter zu machen, wo er aufgehört hatte.
    • "Wie soll ich dich sonst nennen? Für ein einfaches Lamm bist du mir zu nett - ich hätte dich fressen können, aber du bist noch immer in einem Stück und darfst sogar deine Hände an mich legen, ohne, dass ich sie dir breche", stellte er klar - selbst, wenn er verletzt war, so brauchte es nur ein paar Handgriffe um Rain die Schulter auszukugeln oder ähnliches zu tun. Der Wolf wusste, dass er keine guten Karten mehr haben würde, sobald er das Lamm vor sich anfiel - vermutlich war es gerade deshalb, wieso er ihn nicht anfiel, oder aber, weil er es gar nicht erst wollte, weil er glaubte, er müsste selbst seinen Frieden finden, damit er dazu käme, jemand anderen zu verstehen, der so viel anders war als all diejenigen, die ihm bis jetzt unter die Augen gekommen waren. Seine Augen wanderten zu den ungewohnten, spindeldürren Fingern, die Rains sein eigen nannte, die sich an anderen Stellen auf seinem Körper wiedergefunden hatten. "Ich dachte, du wolltest nur die eine Wunde versorgen ... oder hast du doch etwas gesehen, das dir gefällt?", harkte er nach, konnte sich ein knappes Lachen nicht verkneifen. Eine Lüge war es, würde er behaupten, er verstand Rain oder gar ein anderes Schaf, wusste, wie sie sich verhielten - er hatte schlichtweg keine Ahnung.

      Nun saß er also da, wurde von einem Schaf angestarrt, dass vermutlich gar nicht erst wusste, wie ihm geschah - und alles, was ihm blieb, waren die Gedanken, die er nicht unterdrücken konnte, die immer wieder kamen und ihm weiß machen wollten, er sei nicht mehr als ein Stück Dreck, auf dem man erst wieder herumtrampeln würde, sobald die Zeit dazu gekommen war. "Nicht? Kein einziges Mal?" Nayantai hatte seine Augen aufgerissen, der Blick schien mehr als nur verwirrt - zeugte davon, dass er glaubte, Rain scherzte gerade, wollte ihn an der Nase herumführen. "Bist du dann überhaupt mehr als ein Gefangener in deinem eigenen Haus?", wollte er wissen, konnte sich jedoch denken, dass er vermutlich nicht verstanden werden würde, geschweige denn eine Antwort auf die Frage erhielt, selbst wenn er sie in naher Zukunft nochmals stellen sollte. Womit beschäftigte sich Rain dann eigentlich? "Ist dir nicht langweilig?"
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    • Rain wusste nicht, warum der Wolf lachte, bis auf das Wort 'Wunde' hatte er nicht viel verstanden. Womöglich fragte er sich, warum Rain nicht längst nach dem Verband gegriffen hatte, um diesen wieder um die Wunde zu legen. Die Tatsache, dass dies der Grund für das kurze Lachen sein konnte, veranlasste den blonden Fürstensohn dazu seine Finger doch von dem Wolf zu nehmen, machte stattdessen die Dose mit der Salbe darin zu und legte sie zur Seite. "Tut mir Leid...", murmelte er, sah auf seine eigenen Hände, die nun auf seinem Schoß Platz fanden, die dürren, schwachen Hände die davon zeugten, wie der Rest seines Körpers aussah, der immer fest in warme Kleidung gewickelt war. Nur jetzt musste er Nayantais Oberteil doch abstreifen, schlüpfte aus den Ärmeln, bevor er wieder nach dem Verbandszeug griff. Die viel zu langen Ärmel waren ihm einfach zu sehr im Weg. Vorsichtig drückte er ein weißes Stück Stoff and die Wunde, mit der anderen Hand griff er nach der aufgewickelten Rolle an frischem Verband, mit dem das Ganze befestigt wurde.

      "Nein. Kein Mal.", bestätigte er, sah seinen eigenen dürren Fingern dabei zu, wie sie versuchten einmal nützlich zu sein, dem Wolf zu helfen. Mehr Fragen, die Rain nicht verstand folgten, aber er konnte sich denken auf was sie hinaus liefen. "Ich..." Sollte er wirklich mehr dazu sagen? Was sollte er denn erklären? Welche Fragen, die der Wolf nur vielleicht gestellt hatte, sollte er beantworten, mit Worten die der Wolf wiederum nicht verstand? Statt sich auf ein Gespräch einzulassen, dem er lieber auswich, lächelte er wieder, hob den Kopf und sah den Wolf. "Mach dir keine Sorgen, das heißt nicht, dass du hier festsitzt.", erklärte er, als ob der Wolf glauben könnte, wer das Haus einmal betreten hatte, konnte es nicht mehr verlassen. Bevor der Wolf antworten konnte, erhob sich Rain und fing an den Verband um Nayantais Körper zu wickeln und zu befestigen, so dass das weiße Stück Stoff auf die Wunde gedrückt wurde und sie schützte. "Ich hoffe es ist nicht zu fest... oder zu locker...", murmelte Rain.
    • Ob Nayantai nun einen wunden Punkt getroffen hatte war ihm nicht klar - alles, das er wusste, war, dass Rain seine Fragen vermutlich in den falschen Hals bekommen hatte, so wie er das Wasser vorhin. Der Wolf seufzte, wollte nicht, dass man sich ausgerechnet wegen ihm grämte und hoffte erst recht, dass man es ihm nicht übel nehmen würde. Ehrlich gesagt war es wohl auch zu viel gewesen, zu versuchen, ein Schaf aufzuziehen, das ihn nicht einmal gänzlich verstand - was für ein Reinfall. "Du musst dich nicht entschuldigen, du hast nichts falsch gemacht", antwortete der Wolf, der der Meinung war, dass eher er selbst daran schuld hatte, dass sich die Stimmung zwischen den beiden nun betrübte. Vermutlich hätte er seinen Verband doch selbst anlegen sollen, sich nicht von einem Schaf helfen lassen, das nicht wusste, wo ihm der Kopf stand - ihn nicht aufziehen sollen, machte er es doch mit den Welpen auch nie. Der Unterschied war schlussendlich, dass Rain so viel älter war als jeder Welpe, den Nayantai kannte und damit schon eher einem vollwertigem Krieger glich als einem Kind, das nicht wusste, wie man einen Speer führte oder aber wie man eben jenen dazu benutzte, um wahlweise einen Fisch oder ein Schaf zu erlegen.

      "Willst du nicht nach draußen? Ist dir zu kalt?", fragte er interessiert, wusste nicht genau, weshalb und weswegen Rain sich selbst nicht die Chance geben wollte, dort draußen zu florieren. Unvorstellbar war es für den Wolf, sein ganzes Leben in einem Zelt zu hocken und von dort aus nur nach draußen starren zu dürfen. "Ich kann dich mitnehmen ... nein, was rede ich da. Du gehörst nicht nach T- ... nein", seufzte Nayantai, schüttelte den Kopf und sah den Händen Rains dabei zu, wie sie ihrer Arbeit nachgingen. Aber wieso ließ er Rain das alles nun eigentlich tun? Zu gutmütig war er in dieser Hinsicht schon immer gewesen, aber vor einem Schaf werkte es dann beinahe schon wieder komisch. "Manchmal verwirrst du mich viel zu viel", was sonst sollte er auch von Rain denken? Nayantai wusste es, ehrlich gesagt, einfach nicht. Kaum war der Verband wieder dort, wo er sein sollte, stand er auf, streckte sich - er hielt, hätte minimal fester sein können und doch war es nicht zu schlimm. "Danke", sagte er lediglich, griff nach den Händen Rains und drückte diese. Mittlerweile musste er nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.
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    • Rain war eigentlich ganz zufrieden mit seiner Arbeit an Nayantai und auch der Wolf schien nichts auszusetzen zu haben, oder er war einfach nur höflich. Dass jedoch das Thema, das Rains ganzes Leben dominierte, nicht einfach so vom Tisch fiel, hätte ihm klar sein sollen.
      "Wieso interessiert dich das?", fragte er, aber konnte sich die Frage vermutlich selbst beantworten. Der Wolf hatte sein Leben lang draußen verbracht. In seiner Welt gab es gar keine Häuser in die man sich zurück ziehen konnte, die Natur war ein wichtiger Bestandteil seines Lebens gewesen und nun stand er vor einem Schaf, das nichts davon jemals erlebt hatte, weder die guten, noch die schlechten Aspekte. So wie Rain interessant fand wie der Wolf aufgewachsen war, wie er gelebt hatte und wie sein Volk sich verhielt, so fand womöglich der Wolf dasselbe an Rain interessant, es war nicht fair eine so offensichtliche Frage einfach nur mit einer weiteren zurück zu schmettern.
      "Kalt... ja.", murmelte er, blickte zur Seite. "Ich... ich werde leicht krank, weißt du?" Er spielte ein Husten vor, um zu verdeutlichen was er meinte. "Mh... ich...naja..." Er wusste nicht wie viel er sagen sollte, wo er anfangen sollte, wie viel der Wolf tatsächlich wissen wollte. Hatte er überhaupt jemals mit jemandem über seinen Zustand gesprochen? Nicht, dass er sich erinnern konnte jedenfalls... jeder der mit Rain zu tun hatte, wusste in der Regel davon, wusste, dass ein starker Windstoß ihn auspusten konnte wie eine Kerze.

      Rain blickte auf seine und Nayantais Hände, erwiderte den Druck und lies zumindest noch nicht los. "Gern geschehen...", murmelte er auf Nayantais Danke. "Mh... willst du zurück ins Bett? Obwohl... du bist ja erst aufgewacht.", fragte er, was sollte er nur mitten in der Nacht mit dem Wolf anstellen? Es machte ihm nichts aus, noch länger wach zu bleiben, wenn der Wolf das wollte, er konnte ohnehin nicht schlafen. "Willst du... dich ein wenig umsehen? Wenn dein Zustand es zulässt..." Immer noch hielt Rain Nayantais Hände fest, auch wenn der Wolf ihn vielleicht längst loslassen hätte wollen. Warum... tat er das? Er seufzte, löste den Griff langsam.
    • Die Frage war wohl eher, wieso er sich überhaupt noch hier herumplagte - wieso versuchte er, dem Lamm ein guter Gesprächspartner zu sein, wenn er es genau so gut verletzen und in Stücke reißen könnte? War es der Drang danach, das Richtige zu tun oder eher das Verlangen, all die Dinge, die er selbst als falsch empfand, von sich abzuwerfen und niederzuschmettern, damit es irgendwann nicht mehr relevant war, wer sich ein Schaf und wer sich ein Wolf nannte? Genau wusste Nayantai es nicht, hörte lieber Rain dabei zu, wie er verwirrende Worte von sich gab, die er nicht gänzlich verstand und von denen er glaubte, sie wären wie so viele andere auch. Oftmals lag die Wahrheit nicht auf der Hand, war weniger einleuchtend als all die anderen Dinge, wenn man versuchte, sie zu ergründen. "Also bist du einfach kein Freund von kaltem Wetter?", fragte der Wolf, der sich nicht ausmalen konnte, wieso man die Hitze der Kälte auch nur für eine Sekunde lang vorziehen sollte. Schlussendlich war es jedoch noch immer so, dass sie alle verschieden waren, einander noch nie wirklich geglichen hatten und dass die Wahrheit, die man hörte, oftmals nicht die Volle war. "Ah, also willst du lieber nicht krank werden?", das war es doch, was das Lamm ihm zu verstehen geben versuchte, wenn er sich richtig an dessen Worte erinnerte, die oftmals nicht so sehr verständlich waren, wie er es gerne hätte.

      "Ins Bett? Ich bin zwar müde, aber nein danke", seufzte er, schüttelte den Kopf und sah sich selbst, wie er in der Zweisamkeit ertrank, die sich vor ihm abspielte - was sollte er jetzt auch noch in seinem Bett tun, außer sich die halbe Nacht zu wälzen und zu hoffen, er würde endlich einschlafen, nur um es dann vermutlich zu tun, um zehn Minuten später geweckt zu werden. Nein danke. Auch, wenn das nicht heißen konnte, er dürfte nach draußen in die eisige Nacht, die atemraubende Luft in seiner Lunge spüren, so wäre ihm alles lieber, als wieder einen Fuß in sein Bett zu setzen. "Wenn ich dich nicht aufhalte, gerne - es ist mir alles lieber als mein Bett", so viel aber wäre ihm lieber als dieses Steinhaus - seine Hände, denen etwas entglitt, nachdem sie gefasst hatten, griffen erneut nach den Händen des Lammes, sahen dieses fragend an. "Habe ich etwas Falsches gesagt?"
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    • "Krank? Wer wird schon gerne krank?", fragte Rain mit einem halbherzigen Lächeln und schüttelte den Kopf. Vielleicht dachte der Wolf anders darüber, vielleicht würde Rain auch anders darüber denken, wenn eine einfache Erkältung ihn nicht umbringen könnte. Der Wolf würde wohl eine Krankheit vorziehen, statt niemals wieder nach draußen zu können. Ob er das auch tun würde, wenn er nicht wüsste was er verpasste? Wenn er nie draußen gewesen wäre? Was würde der Wolf an Rains Stelle tun. Er glaubte, er würde nach draußen laufen, die kalte Luft einatmen, sich in den tiefen Schnee fallen lassen und wenn das letzte was er tat war, nach oben in den Himmel zu schauen, an dem die Sterne ebenso wie die Schneeflocken glitzerten, dann würde er lächeln. Aber... Rain konnte es eigentlich nicht wissen, er kannte den Wolf nicht. Vielmehr war was er sich gerade vorgestellt hatte womöglich eher das, was er gerne tun wollte. Er wollte nicht in diesem Haus sterben, ohne jemals den Schnee berührt zu haben... nur den Schnee, der seinem Vater so viel bedeutete...

      Rain freute sich um ehrlich zu sein, dass der Wolf noch nicht schlafen wollte, er wollte es selbst nicht, auch wenn er die letzte Nacht kaum geschlafen hatte und selbst schon seit dem frühen Morgen wach war. Er wartete lieber, bis er so müde war, dass ihn selbst dieser nervige Husten nicht aus dem Schlaf reißen konnte, der auch jetzt auf seine Brust drückte, als läge ein Gewicht darauf. Rain freute sich auch darüber, dass der Wolf erneut nach seinen Händen griff, ihn festhielt... Rain fühlte sich weniger allein in den immer gleichen vier Wänden, die er sein zu Hause nannte. Er freute sich vielleicht ein wenig zu sehr, lächelte erneut, schüttelte vehement den Kopf und sah den Wolf fast schon dankbar an, dabei hatte er gar nichts getan. "Mm-mm, Nein. Aber das Anwesen lässt sich schwer erkunden, wenn wir uns so an den Händen halten!" Ein kurzes Lachen ertönte, von dem Rain hoffte, dass es diese seltsame, trübsinnige Stimmung hinfort spülte.