spellbound. (earinor & akira)

    • "Ja, okay!" Nayantai schien noch immer sichtlich verwirrt, aber in diesem Moment ersparte er es sich, seinen Kopf schiefzulegen und darüber nachzudenken, dass es auf dieser Welt ohnehin nicht viel gab, das er noch verstehen konnte. Irgendwann fand auch er seinen Weg auf den Scheiterhaufen, egal ob er hierblieb oder wieder nach Thria kroch - ihm würde der Kopf früher oder später fehlen und in Wahrheit wusste er nicht, ob ihn eben das einen Denkanstoß geben sollte, oder ob es in Ordnung war, akzeptierte er seine eigene Unfähigkeit einfach und einsah, dass es für ihn von vorne herein noch nie eine Rettung gegeben hatte. Im Kerker des Königs hätte er verrotten und sein Leben lassen sollen, war es denn nicht so? Denn alles in allem schien er nicht so zu wirken, als hätten ihn seine eigenen zwei Beine wieder tragen sollen, vor allem nicht hierher, oder gar außerhalb die Mauern des Palastes. Waren die Kerben, die sich in seinen Kopf geschlagen hatten, mehr als zwielichtige Erinnerungen die es zu sortieren galt oder war es eben nicht mehr als das? Was gab es für ihn noch, wenn nicht den Tod, in den er sich schon viel früher hätte stürzen sollen? Wieso hielt er an Rain fest, als wäre er seine einzige Verbindung zur Welt der Lebenden?

      "Ich ... glaube, ja?", es war eher so, dass Nayantai sich in der Sprache der Schafe noch nie sicher gewesen war, geschweige denn glaubte, er könnte sie auch irgendwann einwandfrei benutzen. In der Theorie war es aber auch einfach, einfach alles abzustreiten und zu versuchen, so viel wie möglich aus dem Kontext zu erhaschen, bis es nichts mehr gab, das er realisieren konnte und bis alles, das ihm übrig blieb, die Tatsache war, dass er sich wohl oder übel damit abfinden musste, dass er er selbst war und schon viel früher etwas an sich hätte ändern müssen. "Ich ... habe wirklich fast nichts verstanden", gestand er, beinahe schon beschämt. In Wahrheit hatte er nichts dagegen, sich körperlich etwas abmühen zu müssen und den Schafen unter die Arme zu greifen - nicht, wenn Rain so nett zu ihm war - aber was würde nur passieren, wenn er wirklich die Beherrschung verlor? "Ich habe ... einfach nur Angst, dass ich sie verletze, weißt du?", murmelte er schlussendlich etwas betrübt, bevor er allerdings Rains Hand in die seine nahm und einen Kuss auf dessen Handrücken drückte - er sollte doch nicht länger traurig sein, geschweige denn sich um solche Dinge Sorgen machen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain sah Nayantai verwirrt an, bis er schließlich lächelte und den Kopf schüttelte. "Ach Quatsch!", rief er aus, Nayantai und jemanden verletzen? Warum sollte es dazu kommen? Schön, sie hatten sich vorhin gestritten, aber wirklich verletzt wurde Rain dabei auch nicht, das Fenster hatte er schließlich selbst aufgemacht, dafür konnte Nayantai erst recht nichts. "Dann suchen wir etwas, das du alleine machen kannst, auch wenn ich nicht glaube, dass es zu Problemen kommt. Ich habe eine Idee!" Vorsichtig löste Rain sich aus der Umarmung, auch wenn die Kälte scheinbar gleich wieder Besitz von ihm ergriff und er von einem leichten Husten geschüttelt wurde. Er suchte sein Hemd, das er sogleich überzog und zuknöpfte, bevor noch mehr der Kälte auf seine Brust schlug und gleich danach zog er sich auch gleich noch seine Jacke über, auch wenn er glaubte, dass es ohnehin schon zu spät war zu versuchen, seinen Körper zu retten. Er hätte das Fenster nicht aufreißen sollen und er würde die Konsequenzen tragen müssen. "Zieh dich an und komm mit.", lächelte er und nachdem Nayantai auch fertig war, machte er sich auf den Weg zur Bibliothek.

      In der Bibliothek angekommen steuerte Rain geradewegs auf eines der Regale zu, während er Nayantai anbot sich inzwischen an einen der großen Holztische zu setzen, auf dem auch noch einige Bücher gestapelt waren, hauptsächlich die, die Rain aus Recherchezwecken heraus geräumt hatte, weil er immer noch wissen wollte, was es mit den Zeichen an Nayantais Körper auf sich hatte. Vorerst aber war das egal und statt irgendwelche hochtrabenden Wälzer zu lesen, schnappte Rain sich ein paar schmale Bücher, blätterte ein wenig in ihnen herum und stellte sie entweder zurück, oder behielt sie auf dem Arm. Nach ein paar Minuten gesellte er sich auch zu dem Tisch und stellte die Bücher dort ab, erst einmal schlug er eines auf, was sofort ins Auge stach, waren die vielen Bilder darin, es war offensichtlich ein Kinderbuch. Die aufgeschlagene Seite präsentierte er Nayantai, darauf war ein Holzblock zu sehen in der eine Axt steckte und daneben lag ein Stapel Holz. "Holz hacken.", erklärte Rain und lächelte. "Das wäre etwas das du tun könntest. Wir haben so viele Kamine, da kann es nie genug Holz geben." Er lächelte und war schon dabei ein weiteres Buch nach einem Bild durchzublättern, das Nayantai erklären konnte, was er für Möglichkeiten hatte.
    • "Quatsch?" Schon wieder ein Wort, das er nicht verstand - wieso? Irgendwann würde er sich seine Haare noch ausreißen, vermutlich spätestens dann wenn er Rain gar nicht mehr verstand. Nayantai wusste genau, dass sich seine Betonung und Aussprache der vielen, fremden Wörter vermutlich schrecklich anhören musste, aber dafür konnte auch er nichts - im Endeffekt war die Schafssprache etwas, das er erst durch einen Lernprozess zu meistern hatte, weil er sich zuvor mit Haut und Haar dagegen sträubte. "Mh, dann erzähl", murmelte der Wolf, der vollkommen erpicht darauf schien, nicht über seine eigenen, vermaledeiten Worte zu stolpern. Wer war er, wenn nicht das schwarze Schaf unter den Wölfen, der sich schlussendlich auch noch einlullen ließ und mit seinem Feind verkehrte, nur, weil er nach einer neuen Bedeutung für sein Leben suchte? Anstatt jedoch eine Erklärung zu bekommen, musste auch er sich aus dem Bett quälen und sich anziehen - wieso auch immer war eben das wohl das erste Mal, dass es ihn störte. Wollte er hier wirklich mit Rain bleiben und den restlichen Tag vor sich hin träumen? Nun, er würde es nicht ausschließen, aber Nayantai kannte sich selbst noch gut genug um zu beurteilen, dass sein Körper etwas Auslauf brauchte, den er schon viel zu lange nicht gehabt hatte. "Ja, keine Sorge", entgegnete er noch knapp und schlüpfte wieder in sein Gewand, das er zuvor noch am Boden verstreut hatte.

      Kaum trug er nun alle Teile seiner Kleidung schlurfte er Rain hinterher, unwissentlich darüber, das das Lamm ihm genau zeigen wollte - wieso fanden sie sich in der Bibliothek wieder? Nayantai war sich nicht ganz sicher, aber es sah hier noch unordentlicher aus als vor ein paar Tagen, als er das letzte Mal hier gewesen war. "Für was brauchst du so viele Bücher?", harkte er sogleich nach, als würde Rain ihn nicht nur verstehen, sondern ihm auch eine Antwort schulden, die er grundsätzlich nicht sonderlich zu verstehen hatte. War das etwas, das alle Schafe taten? In Rätsel reden, die keiner mehr entziffern konnte, weil sie keine wirkliche Bedeutung besaßen? Kaum fand er sich ein schien Rain auch schon wieder inmitten der Regale verschwunden, als wäre er hier in seinem Reich angekommen und doch konnte der Wolf nicht anders als sich zu fragen, was genau es war, das er hier nun tun sollte. Putzen war wohl nichts, das einem Krieger lag und doch sah er nichts, das darauf hinwies - stattdessen wurde er mit einem Buch überrascht. Seine Augen wanderten und besahen sich des Inhaltes, der ihm präsentiert wurde. "Bist du dir sicher, dass du mir eine Axt geben willst? Die gehen doch sicher davon aus, dass ich sie umbringen will", vielleicht sollte Rain ihn ja doch anleinen, wobei Nayantai wohl die letzte Person wäre, die sich von harter, körperlicher Arbeit gestört fühlte. "Wenn es wirklich Niemandem etwas ausmacht, dann ... mache ich es gerne." Was für die Wölfe ein Kronprinz war, war für die Schafe vermutlich ein Bauer.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Viele?", fragte Rain von einem der Regale aus, während er noch dabei war ein paar Bücher zusammen zu suchen und gleichzeitig zu erraten was Nayantais Frage war. "Das sind ja nicht alles meine. Die Bücher wurden über Generationen zusammen getragen und hier aufbewahrt, aber ich habe die Meisten davon gelesen, das muss ich zugeben. Wenn man nicht nach draußen kann und auch sonst nicht wirklich viel für sein Überleben tun muss, außer sich warm zu halten, dann hat man eben Zeit um sich hier durch zu wühlen. Seit ich lesen kann kam noch eine beträchtliche Menge dazu, wie gesagt, ich kann ja sonst nicht viel tun, abgesehen davon ist eine Bibliothek ganz nützlich um etwas nachzuschlagen, sollte ich mal etwas brauchen.", plapperte Rain vor sich hin, vermutlich hatte Nayantai kein Wort verstanden. Rain störte das nicht wirklich, irgendwie tat es gut zu reden, auch wenn Nayantai nicht wusste was er sagte, wann hatte Rain aber auch groß die Gelegenheit dazu?

      Als Nayantai das Buch betrachtete, stellte er erneut eine Frage die Rain versuchte zu entziffern. "Hm? Ich verstehe nicht ganz...", erklärte er und überlegte noch eine Weile, versuchte die einzelnen Worte zu erkennen und zu verstehen was er kannte. "Weißt du, meine Soldaten würden dich wohl beobachten, aber nicht neben dir stehen... das ist schon in Ordnung." Nayantai hatte nicht einmal eine Rüstung um sich zu verteidigen, aber das hatten die Wölfe scheinbar nie, also war das wohl kein Trost. Rain legte Nayantai ein anderes Buch vor die Nase und setzte sich inzwischen auf den dunklen Holztisch. Er ließ seine Beine herunter baumeln und deutete auf eine weitere Zeichnung, dieses Mal einen Korb voll Kartoffeln. "Du könntest auch in der Küche helfen, aber das bräuchtest du wohl auch ein Messer und die Frage ist ob Judith dich hinein lässt!", kicherte Rain und blätterte drei Seiten weiter, er zeigte nun auf ein Pferd. "Oder du hilfst im Stall... da ist es aber schwerer dich im Auge zu behalten, ich bin noch nicht sicher, was meine Soldaten davon halten. Du könntest vielleicht auch im Lager helfen, aber... da gibt es nicht ständig was zu tun. Kisten auf und ab tragen und sowas, aber das ist natürlich nur nötig, wenn wir eine Lieferung bekommen." Rain hatte nicht bedacht, dass das nun wirklich keine Aufgaben für einen Kronprinzen waren, aber er war auch ein Wolf, der zu Hause auch mit anpacken musste. Eigentlich wollte Rain nur, dass Nayantai sich ein wenig bewegte und sich auch ein wenig gebraucht fühlte.
    • "Naja, mehr?", nuschelte der Wolf, der sich sichtlich nicht unterkriegen lassen wollte, aber früher oder später noch den Verstand verlieren würde - egal woran er rüttelte, oder was er versuchte, machte es denn einen Unterschied? Nayantai wusste, dass Rain ihn nicht hier behalten konnte und er wusste, dass es in Thria nichts für ihn gab außer das Ende seines Lebens, das er gar nicht erst auskosten durfte. Ob er eine Waffe in die Hand nehmen konnte war etwas, mit dem er sich noch gar nicht beschäftigt hatte, geschweige denn wollte - wieso sollte er für ein Land kämpfen, das dem Untergang geweiht war? Wollte er das denn, sein Leben niederlegen und den letzten Rest seines roten Blutes auf dem weißen Schnee seines Landes, auf heiligem Boden vergießen, der nicht länger ihm gehören sollte? Was genau war es, das er haben wollte und wieso musste es ausgerechnet Rain sein, der vermutlich gar nicht wollte, das er für immer und ewig hierblieb? "Du redest schon wieder so viel in einem Stück und ich verstehe schon wieder fast nichts, irgendwie macht mich das langsam verrückt", seufzte der Wolf, der sich beschämt am Hinterkopf kratzte und sich fragte, wieso sie beide nicht einfach die gleiche Sprache sprechen konnten, wenn sie schon den verdammten, gleichen Kontinent bewohnten. Würde das nicht alles einfacher machen?

      Vielleicht wären seine Worte klarer für Rain, würde er wieder mit seinen Händen kommunizieren und sie beide - vermutlich - weiter zurückwerfen, als er sollte. So weit waren sie gekommen aber dennoch gab es genug das sie noch nicht verstanden, das schien, als käme es nicht nur aus einer anderen Welt sondern auch, als hätte es nie Sinn gemacht. Wie viel musste er noch tun, damit er verstanden wurde? "Bist du dir sicher?" Den ersten Teil des Satzes mochte er nicht verstanden haben, aber der Zweite reichte aus um genau zu sagen, was es war, das Rain gerade von sich gegeben hatte. Sie beide hatten viel zu lernen, nicht nur übereinander oder voneinander, sondern auch über die fremde Welt in der sie sich wiederfinden würden, kaum hatten sie einen Fuß vor die Tür gesetzt. "Judith? Küche?" Nein, eigentlich sollte er das hier vermutlich wissen, aber auf der anderen Seite verstand er wieder nur das Wort Messer und fragte sich, wo genau seine Prioritäten lagen. Natürlich, Kartoffeln zu schälen oder Holz zu hacken war keine Aufgabe die ein Kronprinz tun würde, aber er war hier nicht mehr wert als sein Körper, hatte keinen Titel - Nayantai war Niemand, auch wenn sein Blut wohl anderer Ansichten sein würde. "Mh, ich meine, ich kann mich egal wie nützlich machen, so lange du das willst", entgegnete der Wolf knapp, der seine Hände lieber auf die Knie des Lammes legte, seinen Blick verstohlen durch die Gegend schweifen ließ und sich dann, für den Bruchteil einer Sekunde, kurz von seinem Sessel erhob und dem Blonden einen Kuss raubte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Was Nayantai so vor sich hin murmelte konnte Rain gar nicht wirklich verstehen, zumal die Sprache der Wölfe ohnehin schon schwer verständlich für ihn war, aber er wusste genau was Nayantai sagte, er erkannte es an dem Ton und an der Art wie er sich gebärdete. "Tut mir Leid. Weißt du... ich rede eigentlich gerne, aber ich habe nicht wirklich jemanden mit dem ich reden könnte. Jetzt hab ich dich aber du verstehst kein Wort." Rain lachte leise und schüttelte den Kopf, er war trotzdem glücklich. "Ich weiß es frustriert dich, vermutlich sollte ich nur noch sagen, was du auch verstehen kannst, oder deine Sprache besser lernen, ich weiß nur nicht recht wie wir diesen Prozess beschleunigen können. Die Bilder in den Büchern können auch nicht alles darstellen, aber ich möchte dir auch zuhören, falls du etwas zu sagen hast, egal ob ich es verstehe. Hm..." Rain machte eine Pause und fragte sich, ob er genügend Worte kannte um in der Sprache der Wölfe zu wiederholen was er eben gesagt hatte. "Ich... rede...", er bewegte seine Hand ließ seine Fingerspitzen zu seinem Daumen wandern und machte sie wieder auf, als hätte er eine Handpuppe auf der Hand die vor sich hin quasselte. "...gerne mit dir. Egal ob... du mich verstehst...?" Er lächelte und tippte nun auf sein eigenes Ohr. "Und ich höre gerne zu... auch wenn ich dich nicht verstehe."

      Es war zweifellos schwierig zu kommunizieren und eine Sprache zu lernen, wenn der andere seine eigene gar nicht sprechen konnte. Rain hätte gerne einen Lehrer gehabt, aber ein Schaf das die Wolfssprache beherrschte gab es wohl nicht und wenn, dann war es besser das geheim zu halten. Natürlich konnte der Austausch auch nützlich sein, selbst in Zeiten des Krieges, aber Rain wusste, dass der König einfach nur wollte, dass nichts von den Wölfen übrig blieb, weder Überlebende, noch ihre Kultur, oder Sprache. "Judith ist Saras Mutter.", erklärte Rain mit einem Kichern und hob dabei einen Finger. "Küche ist... wo Essen... gemacht wird." Die Wölfe hatten sowas vermutlich nicht, also gab es dafür in der Sprache der Wölfe womöglich gar kein Wort, am Ende konnte Nayantai sich unter einer Küche vielleicht nicht einmal viel vorstellen. "Es geht nicht um mich. Du musst es wollen und ich will nicht, dass dir langweilig ist, ich würde dich ja jagen schicken, aber... das kann ich nicht, auch wenn es dir vielleicht besser gefallen würde. Aber so haben wir beide eine Aufgabe und... den Abend verbringen wir dann zusammen!" Rains Blick wanderte nach unten auf seine Knie, auf denen plötzlich Nayantais Hände lagen und kurz darauf stellten sich all seine Haare auf und ein Schauer durchfuhr seinen Körper. Mit roten Wangen blickte er Nayantai an, als dieser sich gleich wieder auf den Sessel auf dem er saß setzte, ehe er etwas beschämt zur Seite sah. Wenn Nayantai ihn hier küsste, nicht in einem ihrer Zimmer, dann fühlte sich das ganz anders an. Nicht schlecht, nur... überraschend. Rain schüttelte den Kopf, lächelte den Wolf an und strich ihm kurz über die Wange. "Willst du dich weiter hier drin umsehen? Ich wollte dir nur die paar Bilder zeigen... wir können auch versuchen damit ein wenig zu lernen."
    • Vielleicht jammerte er auch zu viel - er wollte nicht eingesperrt werden, wollte nicht zurück nach Thria, wollte verstehen, wollte nicht kämpfen - was konnte er dann überhaupt? War er noch ein Wolf oder war er nichts mehr als ein zahmer Schoßhund der abgerichtet war, um auf Befehle zu hören und seinen eigenen Willen verlor, sobald er genau das tat? In Wahrheit gab es doch gar nichts, das er noch tun konnte - Thria hatte verloren, er hatte verloren und damit war die Geschichte vorbei. Nayantai konnte sich noch so viel beklagen, es würde vermutlich nichts daran ändern, dass er nun einmal nicht mehr als das war, wofür die Schafe die Wölfe hielten. Barbaren, die der normalen Sprache nicht mächtig waren, die es verabscheuten in ihren steinernen Häusern zu leben und lieber dunkle Rituale ausführten oder den Schafen etwas antaten, weil sie nicht mehr als die Kinder des Teufels waren. Hatten sie vielleicht nicht sogar recht? Nein, wieso sollte er genau das glauben, wieso sollte er an sich selbst zweifeln? Er hatte genug davon, brauchte lediglich Zeit um aus seiner gehärteten Schale herauszuwachsen und sich dessen bewusst zu werden, dass mehrere Faktoren zusammenspielten, die ihn schlussendlich zu dem machten, wer er nun war - und manche Wunden würden vermutlich nie sonderlich gut verheilen. "Ich ... ah. Ich wollte nicht ... nicht freundlich sein? Macht das Sinn? Ich will dich nur ... besser ... verstehen? Aber das ist schwer." Seinem Unmut kundzutun war bekanntlich auch der erste Weg zur Besserung. Wenigstens zeigte Rains kleine Geste ihm auf, was genau er meinte.

      Wie viele Peitschenhiebe waren es gewesen, bis er endlich den Mund gehalten hatte? Zu viele, aber zu wenige um ihn endlich umzubringen. Würde er den König der Schafe in die Hände bekommen, so würde er ihm wohl den Hals umdrehen, aber nicht hier und nicht jetzt, nicht in diesem miserablen Zustand aus dem er erst entkommen musste - selbst, wenn er kämpfen konnte ohne dabei die Schreie derjenigen zu hören, die ihn meterhohen Flammen verbrannten, dann hieß das nicht, dass er das Blut an seinen Händen - welches er mit jeder Berührung über Rain vergoss - abwaschen konnte, weil er nun endlich ein Ziel hatte, das nicht kopfloses Morden war. "Mh, ihr Schafe und eure Steinhäuser seid kompliziert. Aber warum ... arbeiten Sara und Judith für dich? Tun sie das überhaupt? Aber warum?" Wölfe hatten selten direkte Diener - es gab den König, der ihnen allen übergestellt war und die Kronprinzen und Kronprinzessinnen, die normalerweise eine Art Berater unter sich wussten, der oder die - üblicherweise - nicht mehr als der beste Freund war. Andererseits, die Wölfe nahmen auch viel zu selten Gefangene, weil sie die Kapazitäten nicht hatten und die armen, schwachen Schafe zum Eismeer zu schicken war lediglich ein Todesurteil. "Ich will, aber ich ... will nicht, wenn du nicht willst!", rief der Wolf aus, der sich erneut - leicht beschämt - den Hinterkopf kratzte, als hätte er gerade etwas komplett unsinniges gesagt. "Ich will dich nicht alleine lassen. Nicht, weil ich Angst habe, dass dir etwas passiert, sondern weil ich nicht will, dass du einsam bist", erläuterte er sofort, als wäre er danach gefragt worden. Das hier wäre viel einfach gewesen, wäre Rain Muhan ... aber wieso dachte er ausgerechnet an ihn? Stattdessen lehnte er sich gegen Rains Hand, nur für einen kurzen Moment. "Ich glaube, ich sollte etwas lernen, also ja!"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain horchte auf und blickte Nayantai an als er sich an der Sprache der Schafe versuchte, die gebrochen, aber verständlich bei Rain ankam, auch wenn das was er sagte etwas missverständlich sein konnte. "Nicht nicht freundlich?", lächelte Rain, der dies erst als eine Art stottern aufgefasst hatte, nur um dann zu merken, dass der Satz so wenig Sinn machte. "Unfreundlich.", korrigierte er und legte den Kopf schief, während er seine Beine ein wenig auf und ab schaukeln ließ, wieso machte ihn das hier so glücklich? Einfach hier zu sitzen und zu lernen, sich zu unterhalten, sofern es eben möglich war, mit Nayantai zusammen? Er war wohl wirklich sehr einsam gewesen und er war nicht nur hinter Nayantais Wärme und Berührung her... er brauchte einen Freund und Nayantai war sein Freund. "Ich weiß, aber überleg mal... vor... wenigen Tagen... haben wir noch kein Wort... der Schafe oder Wölfe gesprochen." Rain lächelte weiter über sein ganzes Gesicht, er war noch nie sehr ungeduldig gewesen, vielleicht freute er sich deshalb über den Fortschritt den sie bereits gemacht hatten, auch wenn sie noch viel Arbeit vor sich haben.

      "Hm, warum?" Wie sollte Rain das nun wieder erklären? Einem Wolf dessen Gesellschaft so anders funktionierte. "Hm... Schafe kümmern sich nicht um alles was sie brauchen selbst... es gibt Schafe die kochen, es gibt Schafe die nähen, es gibt Schafe die bauen... aber wir verschenken nicht was wir haben... oder können. Judith kocht und ich... gebe ihr dafür ein Bett und Essen... und Geld, abgesehen davon arbeitet ihre Familie schon seit Generationen hier... ihre Mutter und die Mutter ihrer Mutter und so weiter. Verstehst du?", fragte Rain, aber vermutlich war dabei nicht klar, was er ihr groß anbieten konnte, oder irgendjemandem, oder warum er so viel mehr hatte als viele andere. Während Rain noch überlegte und eine Hand an sein Kinn legte, blickte er auch schon wieder zu Nayantai, etwas überrascht diesmal. "D...Danke...", lächelte Rain, seine Wangen färbten sich schon wieder rot. "Ich... ich werde nicht einsam sein ohne dich, wenn wir nur ein paar Stunden getrennt sind. Dann kann ich wenigstens meine Arbeit erledigen und Abends muss ich mir deshalb dann keine Gedanken mehr machen." Er wollte Nayantai keineswegs los werden, ganz und gar nicht, aber er musste ein paar Dinge erledigen und mit ihm im selben Raum konnte er sich nur schwer konzentrieren. Am Ende hatte er heute auch nichts erledigt. Da der tag also schon gelaufen war, konnten sie wenigstens ein paar Worte lernen, also schlug Rain einfach eines der Kinderbücher auf. "Dann versuchen wir mal, dass du diese Geschichte verstehst und dass ich sie in der Sprache der Wölfe erzählen kann!", kicherte er und las den ersten Satz vor, bevor er sich überlegte, wie er ihn erklärte.
    • "Ich wusste, dass sich das irgendwie komisch anhört", stieß er aus, lachte leise über seine eigene Unwissenheit - immerhin war das alles nicht mehr als ein Lernprozess und der Wolf und das Schaf standen erst am Anfang davon, zwanzig bis dreißig Jahre Groll aufzuarbeiten, den ihre beiden Länder gegeneinander hegten, nur weil irgendwann, irgendwo, irgendwas passiert war, das die Schafe ihnen nicht verzeihen wollten, obwohl die Wölfe keine Schuld bei sich sahen. "Hm, unfreundlich also?", murmelte der Wolf vor sich hin, der langsam nicht so recht wusste, ob er überhaupt irgendetwas über die Sprache der Schafe wusste oder bis jetzt einfach nur Glück mit seiner Raterei gehabt hatte, die ihn von einem Punkt zum anderen verfolgte. "Naja, wir haben auch ziemlich viel Zeit damit verbracht, einfach nur zu schlafen und ... nichts zu tun. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es das eigentlich sollte", seufzte der Wolf sogleich, der gar nicht wusste, wohin er seinen Kopf stecken sollte. Lieber in eines der Bücher oder doch in die Wolken damit er endlich sehen konnte, was sein idealisiertes Weltbild wirklich war? Fand er dort denn überhaupt irgendwas, von dem er profitieren würde? "Aber wir können uns auch Zeit lassen, bis der Winter vorbei ist, nicht?" Oder auch, bis er sich selbst wieder nach Thria zu schleifen hatte.

      "Hm, also sind Schafe doch wieder anders als Wölfe, obwohl ... nicht wirklich. Nur, dass wir sowieso zusammen leben und füreinander sorgen", gestand der Wolf, der genau wusste, das er nicht ganz vertraut mit der Hierarchie und den sozialen Ständen der fremden Kultur war, in die man ihn kopfüber geworfen hatte. Nayantai wusste zu wenig über die Schafe, zu wenig über seine eigenen Probleme und konnte sich nicht ausmalen, wie es erst wäre wenn er nicht mehr dorthin finden konnte, wo er sein wollte - würde eben das zu seinem eigenen Untergang führen oder ein gefundenes Fressen für ihn sein? "Mh, ich glaube ja." Nicht, dass Nayantai es nicht von vornherein zu verstehen versuchte, aber so krumm Rains Aussprache auch klingen konnte, sie war leichter verständlich als all das Geplänkel, das die Schafssprache inne hatte. Oder bildete er sich auch das nur ein? "Wenigstens kann ich dich dann nicht vom Arbeiten ablenken ..." Deswegen kam es doch auch erst zu ihrer dummen Auseinandersetzung, die er nicht mehr als vergessen wollte. Schlussendlich widmeten sie sich also einem Kinderbuch und seinem Lernprozess, der noch einiges an Arbeit übrig hatte - und es schien, als würde die Zeit wiederum im Flug vergehen, als würden sie eine Ewigkeit brauchen, die sich dennoch so kurz anfühlte. "Genug, bitte", jammerte er schließlich beinahe schon.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Es war seltsam wie manche Sätze einfach über ihre Lippen rutschten ohne ein großes Problem darzustellen, während simplerer Sachen unmöglich zu erklären waren. Einerseits hatte Rain Bilder gebraucht um mit Nayantai über seine mögliche Arbeit zu sprechen und andererseits hatten sie einen Streit geführt, ohne dafür Hände oder Füße zu brauchen. "Unfreundlich, ja.", bestätigte Rain noch einmal lächelnd und stützte sich mit seinen Händen ab damit er sich ein wenig zurück lehnen konnte. Seinen Husten zu unterdrücken wurde zunehmend schwerer, aber davon wollte er sich nicht beirren lassen und wenn er Glück hatte, dann blieb es auch nur bei einem einfachen Husten, der den Wolf trotzdem nicht beunruhigen sollte, am Ende war Rain selbst Schuld, sollte er sich erneut mit Fieber in seinem Bett wieder finden. "Naja, wir haben festgestellt, dass wir beide ziemlich müde sind... generell.", lachte Rain, es störte ihn absolut nicht mit Nayantai zu faulenzen und einfach nur im Bett zu liegen, aber leider musste er nun auch ein wenig an Arbeit aufholen, wenn sein Vater nicht hier war, dann musste Rain schließlich seine Aufgaben erledigen, normalerweise wäre er ja hier, aber... "Du hast Recht, bis der Winter nicht vorbei ist passiert hier sowieso nichts."

      "Naja, ein Schaf schenkt selten etwas... zumindest wenn es sich nicht um einen direkten Verwandten handelt." Rain glaubte zwar, dass Judith und auch Sara gerne hier arbeiteten und Rain auch keine Bitte ausschlagen würden, aber ganz umsonst machte niemand etwas und die Bindung die sowohl Rains Vater, als auch er selbst zu seinem Gefolge hatte, die war nicht gang und gebe in Adrestia. Viele Adeligen kannten vermutlich nicht einmal die Namen ihrer Diener. Rain wusste nicht genau warum, aber er legte eine Hand auf Nayantais Kopf den er tätschelte. "Ich werde gerne von dir abgelenkt, aber... das kann nicht ewig so weiter gehen.", lächelte er und nahm seine Hand wieder zu sich, immerhin hatten sie sich einem Buch zu widmen, das sie so gut sie konnten miteinander durch gingen, naja zumindest bis Nayantai dann doch genug hatte. Rain kicherte. "In Ordnung, ich denke wir haben genug Fortschritte gemacht!" Ein Husten bahnte sich nun doch seinen Weg aus seiner Kehle, so wie zuvor auch, das viele Reden war ungewohnt, Rains Hals und Mund trocken und das machte es umso schwerer für ihn das Husten weiterhin zurück zu halten. Er glaubte auch, dass er Halsschmerzen bekam, aber ein Tee würde da hoffentlich helfen. Immerhin glaubte er nicht, dass er Fieber hatte. Er hüpfte zurück auf seine Füße und ließ die Bücher vorerst dort liegen wo sie waren, es war spät geworden. "Hast du hunger?", fragte Rain also weiterhin lächelnd, ehrlich lächelnd, in Nayantais Nähe fühlte er sich wohl, so wohl, dass er nicht ständig so tun musste als wäre alles in Ordnung, im Moment war es das, da trübte auch der Husten Rains Laune nicht. "Und heute werden deine Nähte gezogen... wir sollten vielleicht gleich zum Arzt gehen. Du entkommst mir sowieso nicht!" Rain wusste, dass Nayantai dort nicht hin wollte, aber bevor sich wieder alles entzündete, weil er sich die Nähte nicht aus seiner Wunde zupfen ließ, da war es wohl besser ein paar Minuten im Zimmer des Arztes zu verbringen.
    • Wer sich streiten konnte, der sollte sich wenigstens verstehen - aber auch das schien nicht wie etwas, das die beiden wirklich konnten. Nayantai und Rain mussten sich diverse Satzteile aus den Haaren ziehen, damit die Worte des jeweils anderen erst Sinn ergaben und selbst dann war nicht sicher, ob man das überhaupt so gemeint hatte, oder ob jemand falsch verstand, weil er falsch verstehen wollte. Egal was es jedoch war, das, was zählte war doch immerhin, dass sie beide aufeinander achtgaben und sich wiederum nicht für immer und ewig zerstritten, oder? Ob sie nun unfreundlich zueinander waren oder nicht lag wohl im Auge des Betrachters, aber die meiste Zeit spielten sie lediglich miteinander und taten nicht mehr als eben das - und Nayantai wollte auch gar nicht mehr. Wenn er hier bleiben konnte, hier glücklich sein konnte, wieso wollte er dann wieder nach Thria? Konnte man ihm überhaupt etwas antun, wusste man nicht von seiner fortbestehenden Existenz? Es wäre ein einsames Leben, egal ob er hier - bei Rain - verweilen konnte und würde, oder ob er sich doch einen Weg in die altbekannte Welt dort draußen bahnte, nicht? "Mhm, aber ich glaube einfach, dass das bei mir daran liegt, dass ich weder ordentlich esse, noch sonderlich viel Motivation habe." Wohlgemerkt war Nayantai aber auch jemand, der mehr Gewicht auf den Rippen haben sollte und der vermutlich depressiver war, als er zugeben würde. "Absolut gar nichts. Mehr Zeit für uns."

      "Schafe sind also nicht nur voreingenommen und stur, sondern auch ziemlich geizig, huh?" Rain würde ihn wohl kaum verstehen, aber das war dem Wolf mittlerweile auch egal - er tanzte auf einer dünnen Linie - auf der einen Seite fing er wieder an, frech zu werden und seine Klappe meterweit aufzureißen, auf der anderen wusste er genau, das eben das ihm Peitschenhiebe einbringen würde. Was kam danach? Wo war Rains Kerker überhaupt und wieso genoss er vorzügliche Behandlung, wenn er nicht mehr als eine blutrünstige, angsteinflößende Bestie war? "Mhm!", stimmte er lediglich zu, als hätte es ihm glatt die Sprache verschlagen. Jedes Winseln, jeder Ton darüber, dass die klaffenden Wunden und das angetrocknete Blut nur Teil seiner Schmerzen waren, führten dazu, dass man ihm vermutlich sagte, er sollte aufhören - ansonsten würde man ihm den Mund zunähen. "Danke", gab er knapp von sich, ausgelaugt davon, dass er noch mehr Worte zu lernen hatte, die nicht haften geblieben wären. Nayantai war nicht dumm, vielleicht nur etwas sturer als so manches Schaf, aber solche Informationen würden auch irgendwann ihren Weg in seinen Dickschädel finden, solange er es versuchte. "Etwas, wieso fragst du? Hast du Hunger?", wollte der Wolf sogleich wissen, der ebenso schnell auf den Füßen war wie das Lamm - er wollte hier keine Wurzeln schlagen. "Mhhhh, neeeeein. Ich will nicht", meckerte der Wolf sofort, der sich trotzig wieder hinsetzte. Der Kronprinz der Wölfe war also nicht mehr als ein schwacher, traumatisierter Jammerlappen geworden - was für ein Glück.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain konnte sich einigermaßen zusammen reimen was Nayantai da in seiner Sprache sagte, auch wenn viele Worte zwischendrin unverständlich war und Rain nicht einmal wusste wo eines anfing und das andere aufhörte. "Naja, wir wollten ja beide versuchen mehr zu essen!", lächelte er und während Nayantai keinen Appetit hatte, ging es Rain genau so und das schon seit geraumer Zeit. Abgesehen davon blieb auf seinen Knochen sowieso nicht viel mehr hängen als ein paar Hautfetzen, sein Körper schien all die Energie die das Essen liefern sollte einfach nur dafür zu benötigen, dass er am Leben blieb, es war also auch aus diesem Grund kaum vorstellbar dieses Haus jemals zu verlassen. Woher sollte er denn die Energie nehmen irgendwohin zu wandern, wenn er sogar das Tempo drosseln musste, wollte er die große Treppe am Eingang hinauf steigen? "Mehr Zeit um dir etwas Fett anzuessen!"

      nun war Nayantai es der mit Wörtern um sich warf die Rain nicht verstand, aber Nayantai hatte wohl genug vom erklären und so fragte er auch nicht weiter nach. Rain lächelte einfach nur, so wie er es immer tat und zuckte leicht mit seinen Schultern. "Ich? Hunger? Nein... aber der Helligkeit nach zu urteilen wäre es an der Zeit für das Abendessen und ich esse auch etwas, wenn ich nicht hungrig bin.", antworte Rain lachend und froh darüber, dass zumindest einer von ihnen irgendwie Appetit hatte, das Hungergefühl das Nayantai verspürte konnte nur etwas Gutes bedeuten. Jedoch war seine Motivation gleich wieder fort und der Wolf setzte sich zurück auf seinen Stuhl. Rains Lächeln verwandelte sich in ein breites Grinsen als seine Mundwinkel nach oben wanderte, einfach weil er es lustig fand wie ein erwachsener Wolf wie Nayantai sich so kindisch verhalten konnte. Rain lehnte sich neben ihn an die Tischkante und suchte seinen Blick. "An dir wird ein wenig herum gezwickt und ich sollte mir etwas...", er hustete fast schon demonstrativ, aber nicht beabsichtigt, "...tut mir Leid, etwas für den Husten besorgen. Das schmeckt sicher total eklig und ich werde es trotzdem herunter würgen, also stell dich nicht so an." Rain legte den Kopf etwas zu Seite und hockte sich am Ende sogar hin, damit er Nayantais trotziges Gesicht betrachten konnte. "Wenn du nicht hin gehst, dann bekommst du wieder Fieber und der Arzt hat erst Recht Arbeit mit dir." Aber Nayantai wusste das doch alles, er war immerhin kein Kind mehr.
    • Kronprinz hin oder her, er hatte diesen Titel auch nur eine Zeit innegehabt. Danach hätten es Dayan oder Khenbish werden sollen, also warum war er - irgendwo doch - noch so versessen darauf, dass er seinen metaphorischen Thron zu besteigen hatte? Würde es Khojin nicht tun, dann kam es wohl zu etwas, das sich die Wölfe momentan nicht leisten konnten - und ehrlich gesagt auch etwas, das die Machtverhältnisse des ganzen Volkes so verändern würde, dass es plötzlich vollkommen egal war, was sie versuchen würden. Sie würden verlieren, obwohl sie das ohnehin schon taten. "Wenn ich jetzt noch wirklichen Appetit hätte", seufzte der Wolf, der wohl sein ganzes Leben nichts anderes kannte, außer sich die Finger wund zu arbeiten und sich selbst als nichts mehr als eine Waffe anzusehen. War es denn wichtig, dass er - dass jemand wie er - wusste wie diese Welt zu funktionieren hatte? Wölfe waren Bestien, waren Monster und Dämonen, die Kinder des Teufels und durchzogen von dunkler Magie, der ein einfaches Schaf nicht standhielt - all das verlieh ihnen vermutlich die Kraft im Alleingang ganze Armeen auszulöschen. Die Realität war anders. Manchmal war es einfach Glück, Glück das sich keiner erklären konnte und das mit Hexerei in Verbindung gebracht wurde. "Ja, genau. Ich wünschte."

      Vielleicht sollte er Rücksicht auf Rain nehmen, auf ein Lamm, das diese Welt da draußen nicht kannte, das mehr Gewicht trug, als es überhaupt auf den eigenen Knochen wusste. Sie beide waren so verschieden, glichen sich - grundsätzlich - kein bisschen und dennoch, wieso verstanden sie sich so gut? War es der Herzschmerz, die Einsamkeit oder doch eine höhere Macht die sich dazu entschieden hatte, dass sie beide endlich über ihren Schatten zu springen hatten? "Mh, du brauchst aber auch etwas mehr auf den Rippen, damit ich dich mit nach Thria nehmen kann", scherzte der Wolf, der - alsbald Rain in seiner Greifweite war - ihm leicht in die Seite zwickte, nur um ihn etwas mehr aufzuziehen. Nayantai war kindisch, nicht viel mehr als das und hatte auch nicht viel mehr als das - wenn er etwas nicht wollte, dann konnte er sich nicht lauthals dagegen wehren, oder einen Aufstand dagegen anzetteln - er konnte lediglich Regeln befolgen, die er noch gut kannte, ohne sie jemals verstanden zu haben. "Geht es dir gut? Das ... kommt nicht davon, weil du vorhin dieses Ding geöffnet hast, oder?" Das Wort für Fenster war wohl auch etwas, das die Wölfe nicht hatten, also wusste Nayantai vermutlich gar nicht erst, wie er sich eben jenes merken sollte, weil er keinerlei Anhaltspunkte besaß. "Muss ich wirklich?" Ja, der Kronprinz der Wölfe war ein genervtes, überdimensionales Kind wie es schien.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Vielleicht hast du ja mehr Appetit, wenn du dich tagsüber körperlich betätigst, zum Beispiel beim Holz hacken! Dann verbrauchst du ja auch mehr Energie!", lächelte Rain, er glaubte wirklich, dass Nayantai eine Beschäftigung auf mehr als nur eine Art helfen konnte. Vielleicht fand er ja wieder zu sich selbst, weil er seinen Körper wieder zu benutzen lernte, vielleicht bekam er mehr Hunger, weil er die Energie braucht und vielleicht fand er auch etwas mehr Sinn in seinem Dasein hier. Rain suchte ihm nicht nur dumme Arbeit die eigentlich nichts brachte, er würde allen heir etwas Arbeit abnehmen und das war nur gut. "Vielleicht gehst du ja hier raus und bist fett... das wäre aber für einen langen Marsch auch nicht so optimal!", kicherte Rain verspielt.

      Rain zuckte leicht zusammen als er gekniffen wurde und schlug Nayantais Hand sanft von sich. "An mir bleibt nichts dran, da kannst du lange warten.", erklärte Rain, mit einem Lächeln, das nicht mehr ganz so ehrlich war, immerhin war das die Wahrheit. Er war froh, dass er genügend Muskelkraft hatte um sich von A nach B schleppen zu können und das galt nur für Orte innerhalb des Anwesens, wie weit er tatsächlich gehen konnte war eine andere Frage, deren Antwort vermutlich ziemlich deprimierend war. "Ja keine Sorge... ist nur ein leichter Husten." Rain zuckte mit den Schultern. "Fenster... das Fenster geöffnet, aber doch ja, das war ziemlich dumm von mir. Morgen geht es mir aber bestimmt besser!" Es sah Rain nicht ähnlich so optimistisch zu sein, aber für Nayantai war er es und er glaubte fest daran, dass er nicht wieder eine ganze Woche verschlafen musste, er war doch erst gesund geworden... "Aber vielleicht ist es besser du holst dir erst einmal keine...", Rain hielt inne, auf einmal war es ihm peinlich was er da sagen sollte und außerhalb von ihren Zimmern war es noch schwieriger. Er blickte zu Boden, ehe er den Rest seiner Antwort murmelte: "...weiteren Küsse holen..." Er wollte nicht, dass Nayantai sich am Ende noch ansteckte. "Ja du musst!", entgegnete Rain und richtete sich schließlich wieder auf um zur Tür zu marschieren. Wenn Nayantai sich verhalten wollte wie ein Kind, dann versuchte Rain ihn eben wie ein Kind zu überzeugen. "Also ich geh jetzt zum Arzt... wenn du nicht mit kommst, dann musst du wohl oder übel alleine zu ihm, damit er deine Nähte ziehen kann!"
    • "Keine Ahnung, wenn ich es nicht ausprobiert habe, kann ich dir das eigentlich gar nicht beantworten", bemerkte Nayantai schließlich, der gar nicht wusste, ob er jemals wirklich Hunger gehabt hatte, oder ob ihm das Gefühl einfach vergangen war, nachdem sein Essen im letzten Jahr aus grauer Pampe bestanden hatte, die nicht nur ekelhaft roch und schmeckte, sondern auch mehrmals dafür gesorgt hatte, dass sich sein Magen umgedreht hatte. "Ich glaube, dafür bin ich dann auch wieder nicht hungrig genug, aber ich könnte zumindest versuchen, irgendetwas zu essen", und hoffentlich auch wieder unten zu behalten. Nayantai war sich eben dabei nicht ganz so sicher - im Endeffekt, was machte es da auch aus? Er hatte lieber ein paar Kilo zu mehr auf den Rippen, als zu wenig - er würde sie früher oder später abbauen, wenn er einmal nichts zu essen hatte und sich durch die Wildnis schlagen musste, damit ihn kein verdammtes Schaf entdeckte, das ihm alsbald den Kopf abschlagen würde. Sein Vater hatte immer gemeint, er solle sich vor ihnen in acht nehmen, gleichzeitig wollte er aber nie wirklich mit ihnen Krieg führen - und Nayantai verstand Rikiya nicht sonderlich. Was wollte der König der Wölfe nun? Den Tod der Schafe und das Überleben seines Volkes, oder friedliche Beziehungen zu einem feindlichen Land?

      "Wenn du mehr essen würdest, dann würdest du vielleicht doch mehr auf den Knochen haben!", murmelte der Wolf, der genau wusste, dass so etwas für jemanden wie Rain nicht funktionierte. Vermutlich könnte er in sich hineinstopfen, was er wollte, bis sein Körper sich gegen weitere Nahrungsaufnahme wehrte - eigentlich wäre das gar kein schlechtes Leben, aber für Nayantai dann doch eher unbrauchbar. Nun ja, was sollte er auch anfangen, wenn er nicht einmal einen verdammten Speer halten konnte? Darauf hoffen, dass man ihn nicht gleich umbrachte? "Mhm, okay", entgegnete er und dann hörte er zu. "Fenster, ach ja ...", murmelte er, als hätte er das eigentlich wissen müssen. Die Schafssprache war doch irgendwie verzwickter als gedacht, nicht? Wozu würde all das noch führen? In sein Grab, wenn es so weiterging. Beinahe schon empört über die nächste Aussage wirkte er, bevor er kurz darauf lächelte. "Ich hole mir was ich will, solange du es mir geben willst - und trotzdem stehen die Chancen eher schlecht, dass ich das nicht mehr tun werde", nuschelte er, damit sie keiner überhören konnte, stattdessen blickte er dem Blonden beinahe schon schmollend hinterher. Jetzt wurde er auch noch sitzengelassen. "Ich ... will aber nicht", brummte er und stand trotzig auf, trottete dem Blonden hinterher. "Er macht mir Angst."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Hm... vielleicht willst du ja selbst mal etwas kochen, ich bin nur nicht sicher, ob Judith dich in die Küche lässt...", überlegte Rain, vielleicht schmeckte ihm das Essen so wie sie es in Fhaergus zubereiteten einfach nicht und Rain würde eigentlich auch ganz gerne kosten, was die Wölfe so kochten. Da machte er zwar auch wieder ein ganz anderes Fass auf, aber wenn Judith Nayantai vielleicht über die Schulter schaute und irgendjemand anderer kontrollieren durfte, ob man Rain eh nicht vergiften wollte, dann ging das vielleicht in Ordnung. Alle hier waren vorsichtig was ihn betraf, Rain verstand das, auch wenn er es nicht als nötig erachtete. Vertraute er dem Wolf zu schnell? Vermutlich, aber dennoch konnte er sich nicht vorstellen, dass Nayantai ihn töten wollen würde, selbst wenn Rain nicht mehr war als eine zwischenzeitliche Ablenkung auf seinem Weg.

      Ob Rain tatsächlich zunehmen konnte wusste er nicht, aber er bezweifelte es. Ja, er aß in den letzten Monaten sehr wenig, aber er war immer schon dünn gewesen, selbst als es ihm noch besser gegangen war. Appetit hatte er nie viel gehabt, nicht ab einem gewissen Alter, aber in gewisser Weise hatte er sich gezwungen etwas zu essen. Jetzt wo er so alleine in diesem Anwesen war und sein Dasein fristete, hatte er kaum noch jemanden für den es sich zu essen lohnte, zumindest niemanden der mit ihm am Tisch saß. Das hier war so ein großes Haus und niemanden der es mit Leben fühlte, Rain fühlte sich selbst ohnehin schon als wäre er mehr tot als lebendig. "Ich will einfach nicht, dass du dich ansteckst und auch krank wirst.", erklärte Rain mit einem Lächeln. Ob sie heute wieder das Bett teilten war auch fraglich, Rain wollte Nayantai mit seinem Gehuste nicht wach halten. Während er schon auf den Gang hinaus trat, kam Nayantai doch auch hinterher. "Ich weiß. Aber du brauchst keine Angst zu haben, er wird dir nichts tun, er will dir nur helfen. Abgesehen davon bist du zwei Köpfe größer als er, da gibt es wirklich nichts wovor du Angst haben musst. Ich bleibe auch in deiner Nähe."
    • "Ich ... äh ... was?", fragte der Wolf, der sich wiederum entschuldigend am Hinterkopf kratzte. Was hatte Rain da gerade von sich gegeben? War das überhaupt wichtig? Im Endeffekt war es doch er, der im Miasma dieser Welt gefangen war und der den Schleier endlich von den Augen zu nehmen hatte - seine trägen, wunden Beine würden ihn durch den Schnee in seine Heimat schleppen und wenn er nicht dort ankam, verfolgt von klebrigem Rot das seinen jeden Schritt abzeichnete, dann war er es, der kläglich dort ausbluten würde, irgendwo unter dem klaren Sternenhimmel in einer frostigen Nacht in der es nicht mehr für ihn gab, als die klaffenden Wunden an seinem Körper und sein warmer Atem, der gen Himmel aufstieg. "Du willst, dass ich ... koche?", fragte der Mann, der das Wort nicht ganz deuten konnte ... wobei, hörte es sich nicht an wie Küche? Ja, und eigentlich dachte er, er wusste bereits mehr über diese Sprache als seinem ehemaligen Ich lieb gewesen wäre. "Nein, warte ... ich glaube, ich ... verstehe." Aber tat Nayantai das nun wirklich oder glaubte er einfach, er tat es, weil er keine Erklärungen mehr haben wollte, wenn er es doch ohnehin wissen sollte? Hätte er von Rikiya - von seinem Vater - gelernt, wie man diese vermaledeite Sprache sprach, dann würde er sich hier und jetzt nicht damit herumplagen, oder?

      Was brauchte er überhaupt, damit er derjenige werden konnte, der er sein sollte? Vermutlich etwas, das ihn das Geschehene verarbeiten ließ, das ihm dabei half, zu akzeptieren, dass er nun jemand war, der er nie hätte sein müssen - und Nayantai wusste, dass er sich eigentlich nicht zu erlauben hatte, all diese Emotionen und Empfindungen an die Oberfläche zu lassen. Wonach suchte er, wenn nicht dem Tod selbst und was fand er, wenn nicht seinen eigenen Untergang? All diese Gedanken aus seinen Kopf zu verbannen schien schwerer als es war, unwegsamer als es sein sollte und in der Realität war er ohnehin noch nicht angekommen - das würde er nie, das wusste Nayantai zu gut, egal wie sehr er sich etwas anderes einreden wollte. War das denn, was er wollte? "Ich? Krank ... eigentlich würde ich sagen, dass ich das für unmöglich halte, aber das ... glaube ich nicht." Es blieb noch immer aus, dass seinen Körper alle Anspannung verließ, dass er sich irgendetwas einfing, das eine Schafskrankheit war und sobald eben das passierte, war er derjenige, der wirklich am seidenen Faden baumelte. "Ich wünschte, ich könnte. Nur, weil er zwei Köpfe kleiner ist, heißt das noch lange nicht, dass er mich nicht auch auspeitschen könnte." Immerhin hieß das auch nicht, dass sein Vater - der vermutlich auch zwei Köpfe kleiner als er war - ihn nicht in Grund und Boden stampfen konnte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Erneut verstand der Wolf nicht auf Anhieb, aber das machte nichts, das Wort kochen zu erklären sollte nicht zu schwierig sein und der Rest war eigentlich nicht wirklich relevant. Es war schon komisch wie sie exotische Wörter in der Sprache des jeweils anderen kannten und dann blieben sie bei einem so alltäglichen Wort wie kochen hängen. Ob Rain es überhaupt übersetzen sollte? Naja, wenn der Wolf es versuchen wollte, dann würde Rain das schon irgendwie für ihn ermöglichen. "Wollen nicht unbedingt.", lächelte Rain und blickte über die Schulter zu dem ihm hinterher trottendem Wolf. "Kochen... also Essen machen. Wenn du willst, könntest du es mal versuchen." Nayantai war zwar ein Prinz, aber die Gesellschaft der Wölfe funktionierte gänzlich anders, also konnte vielleicht auch ein Prinz kochen. Rain konnte das nicht, er konnte höchstens Plätzchenteig vernaschen, statt Formen damit auszustechen, aber das war schon lange her, er war immerhin kein Kind mehr. Nayantai hatte bestimmt nie Kekse ausgestochen, aber dafür hatte er vermutlich schon einmal etwas Fleisch gegrillt, oder eine Suppe zubereitet, zumindest auf einem dieser Jagdausflüge von denen er erzählt hatte, da musste ja mindestens einer der Prinzen kochen können.

      "Vorsicht ist besser als Nachsicht und dass dich ein Fieber ans Bett fesseln kann habe ich auch schon erlebt... das wollen wir nicht wiederholen. Auch wenn es wegen einer Infektion war.", erklärte Rain, der den Wolf keiner unnötigen Gefahr aussetzen konnte, aber er konnte schon ahnen, dass der Wolf sich nicht von ihm fern halten würde, ebenso wenig wie Rain das bisher getan hatte, obwohl so ein Wolf natürlich alle möglichen Krankheiten mit sich herum schleppen konnte, erst Recht nach einem Jahr in einem feuchten Keller. "Ich verstehe nicht ganz, aber... du brauchst dir jedenfalls keine Sorgen machen wegen dem Doktor. Generell tun hier alle das was ich befehle und ich beschütze dich, das weißt du doch. Abgesehen davon würde er dir vermutlich auch nichts antun, wenn ich nicht hier wäre, immerhin hat er geschworen Leben zu retten und nicht sie zu nehmen.", erklärte Rain und als sie vor der Tür des Arztes angekommen waren, drehte er sich noch einmal um, um Nayantai aufmunternd zuzulächeln. Dann klopfte er an und einige Momente später wurde ihnen erlaubt einzutreten. "Ah ihr seid wegen der Naht da?", fragte der ältere Mann und Rain nickte. "Außerdem brauche ich glaube ich etwas gegen einen Husten der sich gerade entwickelt...", bat Rain und verzog dabei ein wenig das Gesicht, er wusste dass der alte Mann, der sich schon seit Rains Geburt um ihn kümmerte, das nicht gerne hörte. "Schon wieder? Sie waren doch erst krank, haben Sie Fieber?" Nayantai wurde erst einmal links liegen gelassen, während nun Rain in den Raum geschoben wurde und sich setzen musste. "Nein, nein, nichts dergleichen.", lächelte er, seine Stirn wurde aber trotzdem befühlt und seinen Mund musste er auch auf machen. "Ich würde ja sagen, Sie sollten sich vielleicht von ihrem neuen Freund fern halten, oder zumindest etwas mehr Abstand einhalten..." Rain wollte schon etwas erwidern, wurde aber tatsächlich unterbrochen. "Allerdings habe ich gehört, dass sie wieder Appetit haben und Lachen ist bekanntlich auch die Beste Medizin und das hat das Fräulein Sara das ein oder andere Mal aufgeschnappt. Trotzdem, wenn es schlimmer wird, kommen Sie wieder zu mir." Rain nickte lediglich und erhielt kurz darauf ein Fläschchen mit irgendeiner ekligen Flüssigkeit die ihm helfen sollte, aber vermutlich grauenhaft schmeckte. Er bedankte sich und stand auf, während der Arzt nun auch Nayantai zu sich winkte, damit er sich dessen Wunde ansehen konnte. Rain blieb natürlich in der Nähe und schnupperte inziwschen an dem Inhalt des Fläschchen, nur um das Gesicht zu verziehen und etwas zurück zu zucken... naja es half ja nichts, also kippte er das Zeug einfach runter.
    • Sie fanden sich also doch dort ein, wo Nayantai nicht hin wollte - zu Rains vermaledeitem Arzt, der ihm nur Gutes wollte und doch wurde er das Gefühl nicht los, dass er - neben den Wachen - die Person war, die ihn am wenigsten in diesem Gemäuer haben wollte. Nun, Unrecht hatte er ja nicht - mehr als ein Straßenköter war er nicht und dann war er auch noch schroff, unfreundlich und bissig, außerdem reagierte er wie ein ein aufgescheuchtes, verletztes und durchaus wildes Tier, wenn man einen Blick auf seine Wunden werfen wollte. Wie lange noch, bis er wieder so aussah, wie er am liebsten schon die ganze Zeit ausgesehen hätte? "Ich könnte es versuchen, aber ich glaube kaum, dass Schafe die richtigen Zutaten für Wolfsessen haben", brummte Nayantai knapp - er konnte kochen, aber das war auch nicht schwer. Rissen nicht alle Wölfe an einem Strick, dann waren sie dem Untergang geweiht und deshalb war es wohl umso verwerflicher, etwas nicht zu beherrschen, als unnötiges Wissen mit sich zu tragen, das im Endeffekt gar nicht so unnütz war. Wonach suchte er auch? Einem besseren Leben? Oder doch etwas, das er nicht ausfindig machen konnte, weil ihm noch Sand im Augenwinkel klebte, der ihn verblendete und ihm beinahe sagen wollte, dass er gar nicht mehr als eine missratene Bestie war? Waren das nicht alle Wölfe?

      Auch, wenn seine Aufmerksamkeit auf das Geplänkel zwischen Rain und dem Arzt fiel, so hatte er nicht viel Verwendung für die Worte die fielen, geschweige denn konnte er sich etwas aus diesen zusammenreimen. Ein Wolf zu sein, war das nicht ohnehin schon ein Fluch? Oder war es doch egal, wer oder was er war, oder gar sein wollte? Nun, es gab genug Menschen, in denen seine bloße Anwesenheit Furcht erregen würde, die dachten, eine blutrünstige Bestie hatte sich die fleischliche Gestalt eines fremden Mannes übergestreift und kroch in den sozialen Hierarchie nach oben, bis es zu spät war und man erst bemerkte, dass derjenige, der sich so unscheinbar an die Spitze gedrängt hatte, gar nicht derjenige war, der er vorgab zu sein. " ... die Naht?" - eh, was? Der Wolf, verloren in seinen Gedanken, schüttelte den Kopf und sah beinahe schon etwas zu beschämt zu dem Arzt, als habe er nicht ganz verstanden. Dabei wusste er doch irgendwo sogar, wovon geredet wurde. Beinahe so, als würde er sich dann doch die Mühe machen, mit ihm zu kommunizieren, deutete er auf seine eigene Seite und Nayantai knöpfte das elendige Hemd auf, das er trug, um zu entblößen, was er darunter versteckte. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt, sich das hier gefallen zu lassen, aber nachdem er das Hemd ganz ausgezogen hatte und dann stur und starr dort stehenblieb - sein Blick wanderte beinahe schon wehleidig zu Rain - machte sich der Arzt daran, die Naht zu durchtrennen und das zurückgebliebene Stück Draht herauszuziehen, das den Wolf eigentlich zusammengehalten hatte. "Ich rate von starker Belastung ab, zumindest bis die Wunde vollkommen verheilt ist. Es ist vermutlich auch besser, sie atmen zu lassen, als erneut zu bandagieren", erklärte er, als würde Nayantai ihn wirklich verstehen - der Wolf sah von seinem eigentlichen Objekt der Begierde wieder zu dem Arzt und nickte lediglich. "Äh ... ja, danke", gab er knapp von sich, bevor er sein Hemd wieder anzog und der Mann anfing, in einem seiner Schränke nach etwas zu suchen - schlussendlich reichte er dem Wolf einen kleinen Behälter mit ... Salbe? "Es wäre außerdem von Vorteil, die Wunde zumindest einmal am Tag einzuschmieren", und Nayantai ließ sich das nicht zweimal sagen, auch, wenn er nicht ganz verstanden hatte, was ihm gesagt wurde - er konnte die Gestik deuten. "Danke", murmelte er, nahm den Behälter an sich und - als hätte er es darauf ankommen lassen wollen - knöpfte er sein Hemd nicht mehr zu, als er zu Rain ging. "Können wir gehen?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Womit die Wölfe wohl kochten? Fleisch vermutlich, wenn sie jagen gingen und das gab es wohl noch am meisten im kalten, kargen Thria. Was noch? Einige Wurzeln vermutlich, nichts, das man anbauen musste, immerhin waren die Wölfe Nomaden, es gab also vermutlich gar keine Kartoffeln und nichts wie Weizen, womit man Brot backen könnte. Was für Gewürze es in Thria gab wusste Rain ebenfalls nicht, aber zumindest Wild und Wurzelgemüse gab es auch in Fhaergus Winter im Überfluss, Nayantai konnte also vielleicht doch etwas zaubern und wenn er sich durch die Gewürze kosten musste. Rain war allerdings immer noch nicht sicher, ob Judith den wilden Wolf überhaupt in ihre Küche lassen würde, sie wollte ja nicht einmal Rain herein lassen, seit er keine Kekse mehr stehlen brauchte, hatte er aber auch kein großes Interesse daran. "Hm, unser Essen muss dir so fremd vorkommen...", seufzte Rain mehr zu sich selbst murmelnd, als dass er es an Nayantai gerichtet hätte.

      Rain blieb natürlich in der Nähe als der Wolf begutachtet wurde und lächelte Nayantai aufmunternd zu, der beinahe hilfesuchend zu seinem blonden Freund hinüber sah. Es musste zwicken und ziehen als der Arzt die Nähte entfernte und Rain war ganz froh darüber, dass der ältere Herr so stand, dass Rain gar nichts sehen konnte. Ihm hatte gereicht aus der Entfernung zu beobachten, wie sie Nayantai auf den Tisch gedrückt hatten, um die Wunde zu versorgen, die er sich in dem Kerker zugezogen hatte, das hier war vermutlich weniger schlimm und trotzdem war Rain nicht gewohnt derlei Dinge zu sehen. "Dann wohl kein Holz hacken, vielleicht musst du dich doch mit Kartoffel schälen begnügen!", lächelte Rain, nachdem der Arzt von zu starker Belastung abriet, auch wenn Nayantai das vermutlich nicht wirklich verstanden hatte. "Und du solltest mich nicht herum tragen!", fügte Rain kichernd an, amüsiert darüber, dass er solange er in Adrestia war so etwas wie eine Geheimsprache mit Nayantai teilte. "Ihr sprecht schon seine Sprache junger Herr?", fragte der Arzt etwas verblüfft. Rain nickte lächelnd. "Ein wenig, naja oder ich habe gerade etwas Unsinniges gesagt, ich bin nicht ganz sicher. Er lernt auch fleißig." Rain wirkte sogar stolz, stolz, dass er ein paar Sätze von sich geben konnte und stolz, dass Nayantai sich auch schon ausdrücken konnte. Nayantai bekräftigte Rains Aussage sogar mit einem Danke in der Sprache der Schafe. "Tatsächlich...", murmelte der Arzt, während er Nayantai noch eine Salbe heraus suchte. "Und Sie wollen ihm ein Messer in die Hand geben?" "Wenn er mich töten hätte wollen, dann hätte er das längst getan und er braucht nun wirklich kein Messer dafür!", lachte Rain, auch wenn es vielleicht gar nicht so lustig war und der Arzt Nayantai natürlich nicht so gut kannte wie Rain das zu tun glaubte. Nayantai hingegen hatte wohl keine sonderliche Lust sich weiter auszutauschen und Rain lächelte ihn an. "Ja komm, wir gehen in den Speisesaal und sehen ob wir jemandem über den Weg laufen, der uns etwas zu Essen besorgen kann." Wenn sie Sara antrafen konnte Nayantai ihr außerdem den Handschuh überreichen den er mit sich herum schleppte, damit sie ihm den passenden Stoff besorgen konnte. Dann konnte sich Nayantai ja morgen noch mit nähen beschäftigen, statt einer anderen Arbeit nachzugehen.