[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Naira O'Connor

      So viel Liebe hatte sie definitiv nicht verdient, sie war abgehauen und hatte ihren Freund alleine gelassen, sie hatte einen Menschen umgebracht, dass es eine Notwehr war, kam ihr in diesem Moment gar nicht in den Kopf. Deshalb wollte Ramirez ihr helfen, sie aus der Patsche holen und die Akten nach Möglichkeit reinigen, es würde definitiv Notwehr drinnen stehen.
      Die Gefühle spielten verrückt, mit der nächsten Frage war Naira plötzlich gefasst und klar, man nannte es mit Sicherheit eine posttraumatische Belastungsstörung, aber das würde ein Arzt noch diagnostizieren. Sie sah auf und betrachtete ihren Freund, er sah fertig aus, was hatte sie ihm bloß angetan? "Thomas..", murmelte sie als Antwort und schluckte schwer. "Timothy O'Connor", fügte sie noch hinzu. Wut brannte in ihren Augen, es war ihr scheinbar nicht genug, dass er tot war, sie wollte noch definitiv mehr. "Mein Vater hat ihn oft Tim genannt.. Meine Mutter Thomas, aber ich weiß nicht, warum ich mich nicht an ihn erinnert hatte.. Erst, als meine Haare ab waren und er den selben Satz gesagt hat, den er damals gebracht hatte, als er mir die Haare abgeschnitten hatte wusste ich, wer er ist". Sie brachte Sätze aus sich heraus, die sicher klangen, als hätte sie sich gefasst. Das Atmen fiel ihr schwer, die gebrochenen Rippen machten Problemey, aber sie zog es durch.
      "Er wohnte damals bei uns.. In dem Zimmer neben mir.. Nachdem er seinen Job verloren hatte.. Ich war noch klein, vielleicht acht oder neun Jahre alt.. Er hatte mir damals den Teddy geschenkt, den wir gefunden hatten. Dieser sprach mit mir, zwang mich dazu, Sachen zu machen, die ich definitiv nicht machen wollte..". Sie nahm eine Hand aus den Händen von Victor und fuhr sich über das schmerzende Gesicht, bevor sie sich durch die kurzen Haare fuhr und laut seufzte. "Der Mann sah mir oft beim umziehen zu.. Fasste mich an oder befahl mir ihn anzufassen..". Mit ihren Finger drückte sie auf die Stelle zwischen ihren Augen, um die Tränen zu unterdrücken, die nach außen wollten. "Mein Vater wusste davon und ließ es scheinbar zu.. Ich habe erst später verstanden warum, erst, als Thomas es mir gesagt hatte.. Es gibt gewisse Morde, die er nur aufklären konnte, weil mein Onkel sie verrichtet hatte.. Er vergrub die Leichen an der Hütte im Wald.. Er tötete und gab damit meinem Vater den Ruhm, den er eigentlich gar nicht verdient hatte.. Somit waren seine Hände gefesselt.. Er würde auffliegen, wenn Thomas was sagen würde, alles verlieren.. Deshalb ist er auch abgehauen..Es ergibt auch alles wieder Sinn..".
      Sie meinte zu hören, wie Ramirez scharf die Luft einzog, als sie es gehört hatte. Sie hatte eine Liebesaffäre mit dem damaligen Chief gehabt, sie hatte ihn geliebt.. Auch sie musste eine Träne unterdrücken, vor allem da der Raum voll mit den anderen Kollegen aus dem Revier war. Naira selbst seufzte und schüttelte den Kopf, sie war wieder kurz davor zusammen zu brechen. "Die letzten paar Tage, waren die Hölle auf Erden... Ich kann nicht einmal sagen, wie lang ich bei ihm gewesen bin".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor konnte ihr nicht genug von seiner Liebe geben. Sie hatte es verdient, da hätte er ihr direkt widersprochen, wenn er ihre Gefühle gekannt hätte. Doch sie war manchmal so verschlossen und stur. Victor beobachtete jeden Gesichtszug von ihr, den er sehen konnte und versuchte nicht zu würgen bei dem widerlichen Gedanken, wie ein erwachsener Mann einem Kind so etwas antun konnte. Thomas war alt gewesen. Gut über seine 50 hinaus, doch er war auf alles so gut vorbereitet gewesen. Ein Traum eines jeden Psychopathen. Victor biss die Zähne zusammen, drückte sanft die Hand, die man ihm übrig ließ und ließ Naira so erzählen, wie sie es konnte. Keine Zwischenfragen, kein Druck. Sie wusste, wie es im eigentlichen Verhör ablief und vielleicht war sie deswegen so gesprächsbereit gewesen. Sie legte alles offen. Kein Cold Case mehr. Es war aufgedeckt. Sie, ein missbrauchtes kleines Mädchen und ihr Vater, der sie verkauft hatte, nur um an Ruhm zu kommen. Alle hatten geglaubt er sei der beste gewesen und hatte ein gutes Gespür für alle Machenschaften der Mörder. Doch stattdessen, hatte ihm ein kleines Vögelchen einfach alles zu gezwitschert.
      "Fuck...", hauchte Victor leise und drückte sich schwer wieder hoch auf die Beine. Er beugte sich zu ihr runter, um sie in die Arme zu nehmen und drückte ihren Kopf fest an sich.
      "Nichts...nichts dergleichen wird wieder passieren...Nichts...Das verspreche ich dir...", flüsterte er leise zu. Egal, was seine Kollegen nun denken mochten. Er liebte Naira und er konnte es in diesem Moment wohl kaum verbergen, nur weil es jemand für falsch halten mochte. Naira wird ihren Job an den Nagel hängen und Victor wird ihr über all hin folgen. Es war beschlossene Sache.
      "Warum...hast du nichts gesagt...wir hätten einen Plan machen können...Du hast dich in so große Gefahr begeben..." Victor rang mit sich nicht emotionaler zu werden, als die Situation es eh schon forderte.
      Ramirez räusperte sich, ließ ihre Stimme durch die Anlage noch einmal erklingen im Verhörraum: "Das wars, Detective Parker. Danke..."
      Damit gab sie ihnen das Zeichen dafür den Job endlich zu vergessen. Victor nahm es als Zeichen das zu tun, wonach er sich schon seit Tagen gesehnt hatte. Er hob Nairas Kopf vorsichtig an, hoffend, dass er ihr damit nicht weh tat, und küsste sie. Soll die Welt doch denken was sie wollte...
    • Naira O'Connor

      Sie sprach solange es noch möglich war und solange sie nicht in die Dunkelheit gezerrt wurde, die hinter ihr stand. Sie zog an ihr, sie wollte sie mit sich ziehen und die Frau in sich verlieren lassen. Naira hielt noch ein wenig aus, sie hatte noch nicht alles gesagt, auch wenn Ramirez ein Ende der Befragung setzte. Sie würde noch einmal ausführlich darüber reden müssen, was in der Hütte passiert war und sie tat es lieber jetzt, als später, danach konnten vielleicht alle Bilder aus ihrem Kopf verschwinden.
      "Es gab einen Deal..", sprach sie, nachdem Victor sie fragte, warum sie nichts gesagt hatte. "Er hatte seine Finger überall drin.. Er.. Tauchte im Garten auf.. Er rief mich an.. Er zielte jedes Mal auf dich, wenn du im Freien warst.. Er schrieb mir.. Er war überall.. ", sie fuhr sich mit den Händen wieder durch das Gesicht, um die Bilder, die ihr im Kopf schwebten wieder zu verbannen. Victor lebte und sie durfte nicht an seinen Tod denken. "Ich oder du.. Einer von uns beiden sollte sterben, dass war der Deal.. Also ließ ich meine Sachen zurück und befolgt seine Anweisungen... Ich wollte lieber sein Spiel spielen, als dich in Gefahr bringen..". Sie sah wieder zu ihm und betrachtete sein Gesicht, es war alles vorbei, warum war es so schwer für sie zu glauben? Es fühlte sich alles wie ein Traum an. "Er hat das alte Diner für seine Pläne benutzt, es ist seit Jahren geschlossen und da ist kein Mensch mehr drin, dort findet man alles..". Sie seufzte wieder einmal "weiß du, was das schlimmste ist? Ich bereue keine Sekunde lang, dass ich es getan habe.. Sein Blut klebt an meinen Händen, wie meins früher an seinen geklebt hatte.. Er ist tot.. Und nun muss ich meinem Vater finden..".
      Sein Kuss kam unerwartet, aber er ließ das kleine Herz in ihrer kleinen, kaputten Brust schneller schlagen. Es fühlte sich gut und gleichzeitig wahnsinnig schrecklich an, es brachte wieder alles hoch, was in den letzten Tagen passiert war und ließ sie an das erinnern, was sie alles in den letzten Tagen erlebt hatte. Sie brach den Kuss ab, um nach Luft zu rangen, es war schwer mit den gebrochenen Rippen. "Es ist vorbei.. Es ist alles endlich vorbei..".

      Ramirez öffnete die Tür zu dem Verhörungsraum und schluckte wieder schwer, als sie ihre Detective da sitzen sah. Der Anblick war noch immer schwer. "Ich denke, es reicht für heute.. Naira..lässt du dich jetzt endlich untersuchen und verarmten?". Naira blickte auf, betrachtete die frühere Freundin ihres Vaters, bevor sie nickte. Sie wusste, dass es ihrem Freund gut ging, den Umständen entsprechend natürlich, jetzt konnten sie mit ihr machen, was sie wollten.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Man hatte ihr eine Pause gönnen wollen, doch Naira nahm es auf sich und erzählte weiter. Darüber, wie Thomas das alles bewerkstelligen konnte ohne auch nur einmal einen Fehler zu machen. In Victor sammelte sich unbändige Wut, die er nicht fassen konnte. Alles um ihn herum blendete er aus, nur um Naira wahrnehmen zu können. Dass sie seinen Kuss so eh abbrach, ließ ihn zweifelnd zurück, aber er wollte sie nicht für seine Bedürfnisse zwingen.
      "Ja...es ist vorbei...Und du hast es geschafft...", auch wenn er nicht mit ihrer Art einverstanden war, wie sie es getan hatte, musste er zugeben, dass er ebenso froh darüber war kein Fadenkreuz mehr auf der Brust zu tragen. War er wirklich immer so nah am Tod gewesen und Thomas drückte nie den Abzug, weil Naira es hatte ändern können? Für Thomas hatte sich auf jeden Fall das ganze ausgespielt. Ramirez kam in das Zimmer und brach das ganze ab. Ihrem Gesichtsausdruck konnte man auch entnehmen, wie schwer es für sie war überhaupt das alles über den alten O'Connor herauszufinden und zu hören. Doch sie spielte die unnahbare und den starken Chief...Sie wahr schließlich ihr Chef und durfte nicht nachgeben. Victor ließ von Naira ab und stützte sich an ihrem Stuhl ab. Kurz darauf wurde Naira mitgenommen und man ließ Victor alleine. Man musste sie durchchecken von Kopf bis Fuß. Was ist wenn sie wieder vergewaltigt wurde? Welche Wunden hat sie insgesamt einstecken müssen? Zu viele...
      "Scheiße verflucht...", Victor hielt sich die Hand vor den Mund und kniff die Augen zu, um sich zu beruhigen. Da kam Alex in den Raum. Er hatte kaum Naira ansehen können, doch Victor schenkte er einen üblen und verachtenden Blick: "Was hast du getan?", fragte er leise. Victor hob den Blick. Nichts hatte er getan und darin lag das Problem.
      "Fuck! Victor...hast du gesehen wie schlimm er sie zu gerichtet hat? Wieso hast du nicht auf sie aufgepasst?!"
      Alex setzte das Sahnehäubchen drauf und kaum war sein letzter Ton verstrichen, trat Victor an ihn heran und nutzte das gesamte Gewicht um Alex gegen die Wand zu stoßen und am Kragen auf die Zehenspitzen zu stellen. Es reichte ihm. Er konnte nicht dieses Gefühl aus sich bekommen, dass er Schuld daran sein sollte und dabei wusste er doch, dass er es definitiv war...Er wurde einfach nicht wach und das bei so vielen Problemen. Ihm ist nichts aufgefallen. Er war blind gewesen...Alex hatte den Fehler begannen Victor das alles vorzuwerfen, nachdem er beim Verhör zu gehört hatte. Es waren 3 Polizisten die die beiden später auseinander bekamen.
    • Naira O'Connor

      Sie wurde abgeführt und scheinbar ihren Kollegen vorgeführt, die zwar alle neugierig waren, es aber nicht lange aushielten sie anzusehen. Ramirez gab sich die größte Mühe, um Naira irgendwie abzuschrimen, aber es war kaum möglich, vor allem bei dem Tempo nicht, mit welchem sie laufen könnte. Sie ließ sich führen, in einem der Räume wartete schon der Arzt auf sie, der extra bestellt wurde und schluckte selber schwer, beim Anblick der Frau. Er sah einiges, aber bisher hatte er so etwas noch nicht gesehen, in Anchorage kam so etwas einfach viel zu selten vor.
      Ramirez ließ sie alleine, sie schloss die Tür und gab Naira somit in die Hände des Arztes, der ihren ersten Zustand feststellen sollte, bevor sie womöglich ins Krankenhaus mitgenommen werden würde. Die Dunkelhaarige hat es einfach mit sich machen lassen, sie zog sich aus und ließ den Arzt begutachten, was Thomas ihr angetan hat. Ihre Gedanken kreisten dauernd nur um die Vergangenheit und darüber, wie sie ihren Vater dafür bestrafen könnte, was er getan hatte.

      Es dauerte eine gute Stunde, dann rief der Chief Alex und Victor zu sich ins Büro. Die ersten Ergebnisse lagen auf dem Tisch, sie wollte es den beiden nicht vorenthalten. "Setzt euch", befahl sie, während ihre Augen auf das Innere der Akte geheftet waren. Sie wartete nicht wirklich ab, ob es die Männer wirklich tun würden, sie fing sofort mit dem. Vorlesen an: "Vermutung auf.. Eine Gehirnerschütterung, möglicher Bruch der Schädeldecke.. Gebrochenes Jochbein.. Gebrochenes Schläfenbein.. Gebrochenes Nasenbein.. Mehrere Hämatome im Gesicht, deutlich sichtbare Würgemale am Hals.. Mindestens vier gebrochene Rippen, härter Bauch, Hämatome auf dem ganzen Körper, möglichst gebrochener Arm.. Eine Ausweitung der Wunde am Oberschenkel und mögliche Vergewaltigungen..". Sie sah hoch und warf ihnen die alte vor die Nase, damit sie selber reinsehen konnten. Ihre Miene war ernst. "Sie wird zur weiteren Diagnostik mit ins Krankenhaus genommen, um dort weitere Untersuchungen zu veranlassen.. Der Arzt sagte, dass es ein Wunder ist, dass sie noch hier steht..". Mit einem leichten Kopfnicken bestätigte es die Frau. "Und ihr sagt mir jetzt verdammt nochmal, warum es keinem aufgefallen ist?! Wir sind rund um die Uhr bei ihr, jeder von uns, warum ist dieser scheiß niemandem aufgefallen?! Oder wusstet ihr beide etwa davon?!".
      Sie wartete einen Moment, um sich zu fassen, dann sprach sie deutlich ruhiger weiter: " Wir müssen sie da raus holen.. Der Staatsanwalt muss spätestens in vierundzwanzig Stunden nach der Tat davon erfahren.. Wir müssen uns irgendetwas überlegen, ohne selbst in den Knast zu kommen.. Ich kann die Sache nicht einfach vertuschen.. Ich bin nicht er".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Hätte man die Männer nicht auseinander gezogen, hätten sie sich wohl bis zum Ende geprügelt, ohne wirklich einen guten Grund dafür zu haben. Sie waren beide einfach nur besorgt um die Person, die am meisten Platz in ihrem Herzen eingenommen hatte. Victor schaffte es dennoch kaum Alex wirklich etwas sagenhaftes anzutun. Seine Schläge waren kaum stark genug und Alex hielt sich scheinbar zurück. Nachdem man sie auseinander gebracht hatte, konnten sie sich beide gegenüber sitzend auf Stühlen beruhigen. Doch keiner sprach ein Wort mit dem anderen oder einem Kollegen. Sie warteten lediglich die Stunde ab, hofften auf eine Erlösung und vor allem Victor hoffte darauf, dass man Naira wieder zu ihm nach Hause ließ.
      Als Ramirez sie zu sich holte, folgten Alex und Victor stumm mit zu Boden gerichteten Augen. Es fühlte sich an, wie damals in der Schule, wenn man zum Rektor gerufen wurde. Victor setzte sich gleich hin ohne darauf zu warten, dass sie es ihm erlaubte. Er war müde und außerdem hatte er Durst. Der Alkohol verschwand und es machte ihn Sorgen, dass er einfach nichts mehr verstand. Besorgt sah er auf, als Ramirez anfing die Sachen aufzulisten, die Thomas Naira angetan hatte. Bei jeder Auflistung wurden die Augen der beiden Männer größer. Und ihr letzter Punkt brachte das I-Tüpfelchen.
      "Dieses Arschloch!", entfuhr es Alex unwillkürlich und er knallte die Faust auf den Tisch, doch Ramirez weitere Worte, ließ beide Männer schnell ganz still werden. Warum hat es keiner bemerkt...Das war eine sehr gute Frage.
      Victor senkte den Kopf und nahm die Schuld selbstverständlich komplett auf sich.
      "Ich...", fing er an und hielt sich den Kopf, weil eine Welle von unmenschlichen Kopfschmerzen über ihn einbrach, "Sie...war einfach fort...sie hat nie etwas gesagt!" Victor wusste es natürlich besser. Sich zu verteidigen in so einer Situation war lediglich Ausreden suchen. Alex konnte ebenfalls nur wenig auf den Tisch bringen. Alles war eine Ausrede, was die Jungs sagen konnten.
      "Ich...hatte den Verdacht...dass es mit ihrem Vater zu tun hatte...Aber ich kam nicht wirklich zu ihr durch...", erklärte Victor schließlich und hoffte, dass wenigstens diese Antwort Ramirez erklärte warum keiner etwas wusste.
      "Sobald die Spurensicherung fertig ist...können wir ihre Notizen benutzen. Ich bezweifel dass sie ihn einfach umgebracht hat...Es war Notwehr. Allein diese Akte hier, wird es unterlegen.", Alex tippte dabei auf die Akte, war aber vorsichtig und achtete darauf, wie Ramirez auf seine Worte reagierte.
    • Naira O'Connor

      "Ich weiß nicht, ob es reichen wird..",sprach Ramirez und schüttelte sanft den Kopf. "Sie ist zu sehr dran verwickelt... Ich weiß nicht, wie sehr der Staatsanwalt es verstehen wird.. Ich würde ihm ungern etwas liefern, was er missinterpretieren könnte..", sprach Ramirez und seufzte, sie fuhr sich mit den Händen über das Gesicht, bevor sie wieder den Kopf schüttelte. Sie war mit ihrem Latein am Ende. " Ich will sie nicht heute befragen.. Ich will sie aber auch nicht dem Arschloch vor die Nase zu werfen, wie ein gefundenes Fressen".

      In der Zeit, in der Ramirez mit den beiden Männern sprach war Naira ins Bad zum Spiegel gelaufen und hatte sich angesehen. Sie war erschrocken, im ersten Moment jedenfalls, aber es nahm wieder ab, nachdem sie jede einzelne Wunde einzelne betrachtete. Sie sah scheußlich aus, kein Wunder, dass keiner sie ansehen konnte, aber schnell wusch sie sich das Gesicht ab und das Blut von den Händen, welches an ihr klebte. Sie fühlte sich allein durch das kalte Wasser besser, jede einzelne Stelle an ihrem Körper pochte und brannte. Es war die Hölle und sie fing erst wieder an. Naira brach wieder einmal zusammen, sie fing an zu heulen und rutschte entlang der Wand auf den Boden. Bilder waren wieder zu sehen, sie gab sich die Schuld für alles und war sich unsicher, ob sie das richtige getan hat.. Vielleicht eine viertel Stunde lang saß sie da, dann hob sie sich wieder hoch und versuchte einen Moment auf den Beinen zu stehen. Der Kreislauf beruhigte sich, das Gleichgewicht blieb, deshalb machte sich die Frau auf den Weg nach Victor. Sie wollte mit ihm zusammen ins Krankenhaus fahren und nicht mit jemanden anderen, sie wollte, dass er ihre Hand halten würde und bei ihr blieb.

      Sie hörte Alex durch die offene Tür, aus dem Büro ihrer Chefin und lehnte sich gegen den Türrahmen. Auch wenn es schmerzte, sie kreuzte ihre Arme vor der Brust und hörte der Unterhaltung zu, die sich da entwickelt hatte.
      "Ich weiß nicht, was ich tun soll.. Wie wir ihr helfen könnten..", sprach Ramirez und sah auf, die stockte kurz, als sie Naira dort stehen sah. Sie betrachtete sie einige Augenblicke, jetzt fühlte sich jeder Satz, den sie sagen wollte, falsch an. "Wir fahren erst einmal ins Krankenhaus.. Mir wird ein Mord vorgeworfen und das zurecht.. Es ist egal, was der Staatsanwalt denkt, sein Blut klebt an meinen Händen".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ramirez Bedenken waren nicht fehl am Platz. Jeder hätte sich an ihrer Stelle Sorgen gemacht um den besten Detective den sie haben konnte. Sie wollte Naira nicht einfach den Haien zum Fraß werden. Sie wird nach einer Lösung suchen und Alex und Victor sollten dabei helfen. Dummerweise war Victor nicht bereit zu sagen, dass sie überhaupt Probleme haben wird und Alex...Alex konnte wohl nicht so recht entscheiden was gut für sie oder für ihn war.
      Victor folgte Ramirez Blick. Dann hörte er Naira und wandte sich komplett zu ihr um. Ohne es zu hinterfragen oder überhaupt zu wissen, warum er zu ihr musste, stand er auf, schob sich an dem Stuhl vorbei zu ihr und stellte sich zu ihr. Er wurde angezogen, wie eine Motte vom Licht. Ob es nun schmerzte oder nicht, er stand hinter ihr. Alex gab ein unzufriedenes Grunzen von sich. "Es ist ein Mord hin oder her, aber wir packen das schon."
      Victor nickte, "Ich glaube an deine Unschuld...es war...richtig...", sagte er leise zu ihr, bevor er seufzend nach den Autoschlüsseln suchte, aber keine fand. Schließlich war er auch ohne Auto hierher gekommen. Ramirez hatte ihn hergebracht. Er wollte sie gerade fragen, ob er die Schlüssel bekam, doch stattdessen schüttelte sie den Kopf: "Ich fahre euch hin."
      Sie ging bereits davon aus, dass Victor kein bisschen von Nairas Seite weichen wird und es keinerlei Sinn machte, ihn nun von etwas anderem zu überzeugen. Alex musste alleine nach Hause gehen, aber auch er versprach, dass er Naira zeitig besuchen wird.
      Victor ergriff Nairas Hand und hob sie hoch zu seinen Lippen: "Wir bringen dich erst auf die Beine...bevor der Anwalt überhaupt zu dir kommen darf."
      Ramirez ging schließlich vor. Im Revier musste sie noch die starke Frau spielen, doch ihr sanfter Blick, der auf den beiden lag, sagte nicht nur, dass sie sich um Naira Sorgen gemacht hatte. Sondern, dass sie die beiden akzeptierte. Sie stand hinter ihnen und würde alles erdenkliche tun. Auch wenn das vorerst daraus bestand sie gemeinsam zum Krankenhaus zu fahren.
    • Naira O'Connor

      Sie schlug sich tapfer, wie es einige ihrer Kollegen vielleicht sagen würden, sie hielt sich auf den Beinen, was schon fast an ein Wunder grenzte. Die Luft war ihr knapp, das Bein schmerzte bei jedem Schritt und auch der Kopf pochte an mehreren Stellen, wie verrückt. Der Arzt wartete schon auf sie, sie gab ihm aber zu verstehen, dass sie mit der Frau fuhr, die vor ihr voraus ging. Es war für alle ganz heftig, nicht nur für Naira, die im Gegensatz zu allen anderen noch gut dabei war. Ihr Kopf war für einen Moment leer und sie wusste nicht wirklich, was sie nun fühlen sollte. Vielleicht Liebe? Weil ihr Freund ihr nicht von der Seite wich, vielleicht auch, weil sie seine Nähe vermisst hatte, aber sie war nicht in der Lage ihm etwas von ihrer Liebe zu geben, in ihr drin herrschte eine Leere. Vielleicht hätte sie Freude verspüren, da endlich der Mann nicht mehr da war, der für die ganzen Probleme gesorgt hatte, vielleicht hatte sie aber auch Wut spüren sollen nachdem, was man ihr über ihren Vater erzählt hat. Es gab viele Möglichkeiten, aber letztendlich war nicht einmal ein Hauch von einem Gefühl zu spüren.

      Sie saßen im Auto, Naira hatte sich nicht angeschnallt, weil es mit ihren kaputten Rippen nicht möglich war. Sie bekam schon so wenig Luft, im Sitzen noch viel weniger, aber sie gab sich Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Die anderen sollten nicht so sehr mitleiden..
      Den Kopf hatte sie nach hinten gelehnt und die Augen geschlossen, Müdigkeit kam ihr entgegen, aber schlaf war nicht das, was sie gerade brauchte, es konnte gefährlich sein. Wie von einem Blitz getroffen fasste sie einen Entschluss: Ich mach die scheiß Untersuchung und mache dann meine Zeugenaussage". Sie war sich dessen sicher, dass sie es so machen wollte, aber Ramirez blickte ein wenig skeptisch in den Rückspiegel. Sie seufzte. "Wir fahren erst einmal hin, dann sehen wir weiter". Damit war das Gespräch beendet und Naira lehnte ihren Kopf nach hinten. Sie schloss die Augen und betrachtete die leere in ihrem Inneren. Sie seufzte. "Ich habe seine Nummer, Sophie..", verkündete die Dunkelhaarige irgendwann und starte das innere Dach des Autos an. "Ich weiß, wo er sich aufhält..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihre fehlende Reaktion auf sein Ersuchen nach ihrer Nähe, fesselte Victor die Hände. Er konnte ihr nichts entlocken wie es schien und er konnte kaum damit umgehen, trotzdem versuchte auch er nicht zu viel von seinem inneren Tumult preis zu gäben. Während der Mann an ihrer Seite froh darüber war, dass sie mit ihnen fuhr, konnte er nicht aufhören daran zu denken, wie es ihr besser gehen würde, wenn nicht sie zu Thomas gegangen wäre, sondern er selbst.
      Victor setzte sich stumm zu Naira nach hinten in den Wagen. Er wollte nicht, dass sie alleine saß und so konnte er ihr näher sein, als irgendwie vorne auf dem Beifahrersitz. Es verzerrte ihn von Innen sie so zu sehen und während er noch damit kämpfte nicht zu brechen, zwang er sich zusätzlich dazu nicht ihre Hand wieder zu halten. Sie war so abwesend und still. Es brach ihm das Herz. Aber nicht so sehr wie Thomas ihr die Rippen gebrochen hatte. Victor atmete tief durch, ließ das Fenster ein stückweit runter fahren, damit er frische Luft bekam und der Schwindel damit ein wenig besser fortziehen konnte. Er hielt sich aber hartnäckig an ihm. Erinnerte ihn stetig daran, wie dreckig er sich zu fühlen hatte.
      Naira erwachte schließlich aus ihrer Stille und schoss urplötzlich mit einer Entscheidung hervor, die wahrscheinlich sowohl Ramirez, als auch Victor nicht aus heiterem Himmel vor kam. Trotzdem tat die Frau am Steuer das ganze ab. Sie sollten einfach erst ins Krankenhaus, sie sollte behandelt werden. Victor dankte ihr stumm dafür. Ob er alleine mit Naira fertig geworden wäre in diesem seltsamen Zustand, konnte er nicht einschätzen. Zur Zeit fühlte er sich zu schwach und zu nichts fähig.

      Als sie vor dem Krankenhaus hielten, stieg Victor aus, kam um den Wagen herum und öffnete Nairas Tür, um ihr aus dem Wagen zu helfen und sie zu stützen so gut es ging, als sie unterwegs in den Anmeldebereich waren. Kaum waren sie drin, wurde Naira von zwei Schwestern empfangen: "Naira O'Connor. Der Arzt hat uns bescheid gegeben. Kommen Sie mit uns mit?"
      Victor seufzte schwer. Wieder nahm man sie ihm und er konnte nicht mehr tun, als traurig hinterher zu blicken. Aber er wird warten. Ramirez blieb neben Victor stehen. Nachdem man Naira in eins der Zimmer oben brachte, wo sie die nächsten Tage auch verbleiben würde, wandte sich Ramirez an ihn: "Niemals aufgeben...Das war ihre Devise...niemals, hast du verstanden, Parker?", sie ergriff ihn am Kragen und zerrte ihn zu sich heran: "Ich kann dich nicht an ihren Fall setzen...mal abgesehen davon, dass ich dich nicht ansatzweise in diesem Zustand hätte zum Verhören nutzen dürfen...", sie schnaubte genervt, ließ Victor dann aber los und verschränkte die Arme vor der Brust. Victor senkte den Kopf: "Tut mir leid...mir ist das ganze einfach nur über den Kopf gewachsen..."
    • Naira O'Connor

      Es fühlte sich an, als wäre sie einfach in ein fremdes Leben reingeworfen worden, um sich irgendwie zurecht zu finden und die Rolle weiter zu spielen. Sie war verwirrt, mehr als nur das, sie konnte nicht mit den Erinnerungen klar kommen, die an die Oberfläche wollten. Wäre sie einfach niemals hingegangen..
      Eine gute Stunde dauerte es, sie wurde von oben nach unten abgecheckt, es wurden mehrere Röntgenaufnahmen gemacht, ihr Arm wurde eingegipst, ihr Bein neu verarztet, der Rest war nicht zu unterstützen, ihr Gesicht war schon ein wenig zertrümmert. Sie wurde ins Zimmer gebracht, ihr wurde Sauerstoff gegeben, es war ihr nicht erlaubt raus zu gehen, bis der Arzt zu ihr kommen würde. Sie seufzte, bat die Schwester ihren Mann zu holen, sie wollte ihn bei sich haben, sie mussten miteinander sprechen.
      Eine ganze Weile saß sie nur auf dem Bett und sah aus dem Fenster nach draußen raus. Sie sah ihn wieder sah ihn vor sich stehen, er würgte sie, ihre Hände griffen nach ihrem Hals, um das Gefühl loszuwerden, dass seine Hände an ihrem Hals wären. Wäre Victor nicht in einem Augenblick reingekommen, wäre sie mit Sicherheit zusammengebrochen, aber er war der Retter in Not und kam genau rechtzeitig. Sie hörte seine Schritte, nahm die Hand wieder runter, genauso wie die Maske. Naira drehte sich zu ihrem Freund um. Für einen Moment betrachtete sie ihn nur, musterte seine Züge. "Ich soll hier bleiben, zur Überwachung.. Aber ich will nicht.. Ich will nach Hause..". Sie wollte zu ihm naxh Hause, in seine Arme. "Wir müssen reden, Vic..", verkündete sie ihm und klopfte auf den Platz neben sich.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Sie hatten ihre Differenzen und auch wenn Ramirez wohl anfangs mit einem halbwegs passablen Detective gerechnet hatte, war das wohl nicht der Anblick, den sie gerne nun vor sich gesehen hätte. Zwei zerstörte Detectives und sie blieb ebenfalls in einem fragwürdigen Zustand zurück. Aber ebenso wenig wie Victor wich sie aus dem Flur, sondern wartete geduldig auf die Beruhigung eines Arztes. Diese kam auch schon bald. Er erklärte direkt nach den Untersuchungen noch einmal überschneidend mit den Ergebnissen des anderen, was genau nicht stimmte und setzte klipp und klar hinzu, was nicht mehr passieren durfte. Naira durfte nicht mehr gehen. Sie würde hier bleiben, bis die Wunden verheilt waren und es war ihnen egal, wie viel Geld dafür noch aufgewendet werden musste. Victor schüttelte lediglich den Kopf, verzog dabei aber das Gesicht und atmete tief durch. Ihm war schlecht. Aber sich übergeben war nicht drin, es kam nichts mehr raus, der Schwindel ging aber nicht weg. Die nächsten Worte schmerzten Victor aber. Er durfte nicht zu ihr, nicht rein. Natürlich ging der Arzt davon aus, dass er ein Kollege war, ebenso wie Ramirez. Victor hätte ihn vom Gegenteil überzeugen, aber er war zu geschafft. Erst als die Schwester zu ihm kam und Victor mit einem schiefgelegten Kopf ansah, reagierte er wieder: "Mr. ...", sie zögerte, denn die Patientin nannte ihn ihren Mann "Mr. O'Connor? Ihre Frau will sie sprechen. Folgen Sie mir?" Er verstand nicht, warum sie ihn so nannte, aber der Klang dieser Worte...Ihre Frau...War wie Honig, süß und beruhigend. Ramirez hob interessiert die Braue: "Aha?", sie schenkte Victor aber diesen Moment.

      Die Schwester zeigte ihm das Zimmer und ließ ihn dann alleine. Victor brauchte den kurzen Moment, um durchzuatmen, dann klopfte er leise an die Tür und trat ein, bevor er sie wieder leise hinter sich schloss. Da lag sie...Verarztet, in Verbände gehüllt, an ein Beatmungsgerät gebunden. Er wollte ihr sagen, sie soll sich nicht anstrengen, aber ihre Stimme machte ihm auf seltsame Art Angst. Er trat an das Bett heran: "Du...musst aber bleiben...Keine Angst...das...wird schon...", seine Stimme klang rau, aber alles andere als unfreundlich und in seinem üblichen genervten Ton. Stattdessen war er sogar...zahm. Victor schnappte sich den Stuhl am kleinen Tisch im Zimmer und schob ihn zu ihrem Bett, um sich neben sie zu setzen.
      "Worüber...willst du reden? Ich bin die ganze Nacht hier. Gehe nie wieder..."
    • Naira O'Connor

      Nun war er hier und machte irgendwie damit alles schwieriger, als es vorher überhaupt war. Sie wusste ehrlich gesagt nicht, was sie sagen wollte oder konnte, dieses Mal hatte Naira nicht einmal eine Ahnung, was richtig und was falsch ist. Sie seufzte, setzte sich verbotenerweise hin und zog die blöde Maske aus, sie brauchte keinen Sauerstoff, sie brauchte nur ihren Freund, der schlimm aussah, vielleicht noch schlimmer als sie selbst.
      Mit dem nicht gebrochenen Arm griff sie zu seiner Hand und verschränkte ihre Finger auf seinem Knie miteinander. Die Finger waren blau und dick, sie hatte definitiv einen Knochen erwischt. "Es tut mir leid, Vic", sprach sie, nachdem erst einmal Ruhe zwischen ihnen geherrscht hatte. Sie seufzte, beließ den Blick auf den beiden Händen und schüttelte sanft den Kopf, warum auch immer. "Ich habe mitbekommen, dass du dir die Schuld.. Dafür gibst.. Dass ich weg gegangen bin..". Sie seufzte, es fühlte sich wahnsinnig schwer an, es auszusprechen. "Ich habe es nur für dich gemacht.. Ich wollte dich retten und dir wenigstens das Leben geben, welches du verdient hast..". Sie blickte auf und riskierte es, ihm den Anblick zu bieten, der wirklich scheußlich war. Naira seufzte, war sich nicht sicher, ob sie wirklich weiter sprechen konnte. Bilder drängten sich ihr auf und sie kniff die Augen zusammen. "Nachdem mein Vater verschwunden war.. Habe ich mir damals versprochen alles zu beschützen... Was ich liebe.. Und das bist du.. Ich habe mir versprochen zurück zu kommen und hier bin ich.. Ja, ich hätte was sagen sollen, aber die Gefahr wäre dann zu groß, dass dir was passiert ware".
      Sie nahm den Blick wieder runter und ließ den Tränen ihren freien Lauf. Die Haare flogen ihr wieder ins Gesicht, darauf wurde sie sich sicher nicht dran gewöhnen können. "Es tut mir wirklich leid.. Ich wollte ihn nicht töten.. Also ja, ich wollte ihn tot sehen, aber ich wollte nicht hinter Gitter landen und dich.. Verlieren". Sie fing an zu weinen und lehnte sich sanft gegen ihren Freund, durch die gebrochenen Rippen war kaum was anderes möglich, aber sie wollte seine Nähe. Sie liebte seine Nähe.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihr Anblick war ein Graus und es schmerzte weiterhin sie so zu sehen. Niemals wollte er sie so sehen. Er hasste sich dafür, gab sich nicht nur die Schuld daran was geschehen war. Es war einfach...Nicht fair. Warum sie? Warum musste sie ihr Leben geben wollen. Es machte ihn wütend zu hören, dass sie ihres aufgeben wollte und doch musste er anfangen leise zu lachen, als sie in seinen Armen lag. Leise und verzweifelt, so dass es nicht einmal wirklich als Auslachen gelten konnte.
      "Naira...bitte...", er legte ihr eine Hand auf den Kopf und streichelte ihr über diesen, hielt sie fest und wollte dann doch nicht, dass er ihr weh tat, weil sie so zerbrechlich war in diesem Moment. Er wollte nicht, dass sie Schmerzen leiden musste. Nicht hier, nicht jetzt, wegen ihm. "Nie wieder, hörst du?", er drückte ihren Kopf fest an seine Schulter, "Nie wieder tust du dergleichen...Wir...wollten ihn beide tot sehen...aber ich bin...nicht derjenige, der einen weißen Ritter brauchte...Ich habe es nicht verdient und...", bevor sie ihm noch ins Wort grätschen konnte, gab er ein leises Sschh von sich, "Sag nichts anderes jetzt. Du...hast dich in große Gefahr begeben...ich mein...sieh dich an. Ich...kanns nicht ertragen dich so zu sehen und...ich werde alles dafür liefern, dass es nicht schlimmer wird.", er drückte seinen Kopf an ihren, hauchte einen Kuss auf diesen und schloss dabei die Augen. Er musste sich stark konzentrieren, um aufstehen zu können. Doch er drückte sich hoch, nahm Naira mit und brachte sie zurück auf das Bett. Mit einem flehenden Blick sah er sie an, dass sie sich nicht dagegen wehren sollte. Dann aber lächelte er ergebend und setzte sich neben sie auf das Bett. Ihre Hand ließ er dabei nicht los: "Mir wäre auch...ohne deine Worte etwas...passiert. Ich dachte...du bist fort...für immer. Du hast...alles da gelassen...", Victor musste bitter schlucken, als er feststellte, dass auch ihm die Tränen kamen, bei dem Gedanken, dass er sich, wenn Ramirez nicht gewesen wäre, einfach eine Kugel ins Hirn gesetzt hätte.
    • Naira O'Connor

      Ihr Kopf und ihr Gesicht schmerzte bei jeder Berührung, aber sie ließ es dennoch zu, dass ihr Freund sie an sich drückte. Sie wollte seine Nähe, sie wollte bei ihm sein und dafür musste sie ein paar Schmerzen ertragen, ob sie wollte oder nicht. Sie wollte sich nicht hinlegen, sie wollte sitzenbleiben und immer noch dafür heulen, dass sie es getan hatte, aber es war endlich alles vorbei, dennoch ließ sich Naira hinlegen und lehnte den Kopf zurück, während ihr Tränen aus den Augen liefen. "Was hätte ich sonst tun sollen? Zugucken, wie er dich angeschossen, oder erschossen hätte...?". Ihre Stimme brach ein wenig und sie schloss ihre Augen. "Ich hätte es mir nie verziehen, wenn dir was passiert wäre, obwohl ich es hätte verhindern können.. Nie im Leben.. Deshalb wollte ich lieber leiden, anstatt dich für immer zu verlieren..". Weitere Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie war sich sicher, dass es egal war, was sie sagen würde, Victor würde es immer noch für falsch ansehen. Es gab in diesem Moment kein richtig und kein falsch.
      "Du hast es verdient Victor, wirklich.. Du hast es verdient gerettet zu werden, einfach nur, weil ich dich Liebe und du mein Leben lebenswerter gestaltest.. Allein deshalb wollte ich dich nicht einfach so verlieren..". Sie öffnete die Augen wieder und griff noch fester nach Victors Hand. "Ich sollte alles hier lassen, dass war der Deal.. Er wollte mich für sich haben und jedem eins auswichen, der sich dem..in den Weg stellen würde.. Aber ich bin hier.. und freiwillig hätte ich dich nie verlassen..".

      Wenige Minuten später hatte auch Ramirez an die Tür geklopft und wollte nach Naira sehen. Sie seufzte bei dem Anblick ihrer beiden Detectives. "Kann ich dir was bringen, Naira? Brauchst du noch was?".
      "Ich würde ja nach Hause gehen wollen, aber er erlaubt es mir nicht.. ich brauche was anderes zum anziehen und meinen Laptop.. Der Fall muss schließlich morgen wieder auf deinem Schreibtisch sein..".
      "Naira..", fing Ramirez an, aber sie wurde direkt unterbrochen:
      "Es ist mein letzter Fall und dann trete ich freiwillig zurück.. Lass mich wenigstens meinen letzten Job richtig machen..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihr immer wieder dasselbe zu erklären, ließ Victor seufzen. Sie war stur wie ein Esel und eben das Weib dass er liebte. Sie sollte ruhig so stur bleiben, das mochte er besonders an ihr. Aber dass sie sich niemals etwas sagen lassen wird, wenn es um ihre Sicherheit ging, machte ihn wütend. Egal was sie sagte. Victor hatte schon lange mit dem Tod sich abgefunden. Damit jagte man ihm keinen Schrecken ein, aber jemand der noch nie wirklich jemanden sterben sah...Naira hatte an ihm festgehalten und die Worte, dass er es verdient hatte, gingen runter wie Butter. Trotzdem...es war noch immer unklar, inwiefern er zufrieden sein konnte, seine Freundin wieder im Arm halten zu können, wenn er wusste, dass er sie hätte verlieren können. Einfach so und er hätte niemals erfahren ob und wann. Deswegen ging er ja auch fast von Anfang an davon aus. Victor seufzte abschließend: "Lassen wir das Thema...es...zieht mich nur runter und...ich bin seit dem Tag an dem du verschwunden bist eh am Tiefpunkt meines Lebens angelangt."
      In dem Moment klofpte es an der Türe und auch Ramirez trat endlich ein. Victor sah sie mit einem knappen Nicken an. Er wollte sich bedanken dafür, dass sie gewartet hatte und ihm wenigstens einen Moment gab mit ihr alleine.
      Und dann fing es wieder an....Naira ließ sich nichts sagen, nicht einmal jetzt wo sie so viele Brüche erlitten hatte und missbraucht wurde...Verdammt. Victor grummelte genervt und sah Naira von der Seite an: "Ich sollte den Arzt fragen, ob man dich ins Koma legen kann für die nächste Woche...", doch es war ein reiner Spaß. Statt also darauf zu beharren, dass sie im Bett blieb und sich nicht bewegte, wandte sich Victor an Ramirez: "Ich habe einen Großteil des Berichtes bereits zusammengestellt. Das Fazit werden wir jetzt wohl ändern, aber alle Hinweise sind wenigstens kategorisiert und beisammen. Sie liegt aber noch bei uns im Versammlungsraum."
      "Verstanden...Dann werde ich zu sehen, dass ich dir deine Sachen bringe, Detective O'Connor...Aber du beendest diesen Fall mit seinem Tod.", ihre Aussage war final. Etwas daran sagte Victor auch, dass Ramirez hier nicht nur Thomas und Naira damit ansprechen wollte.
      "Was deinen Vater angeht...Das werde ich übernehmen. Noch einmal lasse ich dich nicht an einem persönlichen Fall arbeiten."
    • Naira O'Connor

      Naira streckte sich provokativ und gähnte laut, als man über sie hinweg entschied. "Deine Vorarbeit bringt nichts, mein Schatz..",murmelte sie und betonte das letzte Wort extra. "Es fehlt noch einiges an Informationen, die für den Fall relevant sind, die ich nun erfahren habe.. Ich mach es heute fertig, ich brauche nur meinen Laptop..". Es war die Verdrängung, die sie dazu brachte, sich keine Sorgen um das zu machen, was passiert war. Es würde kommen, sie einholen und ihr die schwerste Zeit ihres Lebens bescheren, eine schwierigere, als nach dem Verschwinden ihres Vaters oder während der Tortur ihres Onkels.
      Ramirez sprach noch das Thema mit ihrem Vater an, da schüttelte die Dunkelhaarige ihren Kopf mehrfach. "Nein, Sophie.. Sorry, aber das ist eine Familienangelegenheit.. Ich habe mit dem Mann eine Sache zu klären, dann gehört er dir.. Dann kannst du mit ihm machen, was du nur willst..". Sie seufzte und schmunzelte letztendlich. "Aber dieses Mal nehme ich ihn da mit, damit er mich vor weiteren Psychopathen zurückhalten kann.. Ich glaube nämlich, ich habe meine neun Leben aufgebraucht..". Naira sah zu ihrem Freund und lächelte ihn unschuldig an, er wollte schließlich das Thema gewechselt haben. "Oder er würde mich für immer irgendwo fesseln, damit ich meine Sturheit nicht mehr verbreiten kann".
      Sie machte ihre Späße, aber das auch nur, damit sie nicht an die Bilder denken musste, die ihr in den Kopf schossen. Schnell hatte die Frau nämlich verstanden, dass sie ihre Mitmenschen nur runter zog, wenn sie sich selber mit dem Thema beschäftigte, Verdrängung brachte weitaus mehr für ihr Umfeld.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ramirez gab ein lautes und genervtes Seufzen von sich: "Du bist unverbesserlich, junge Dame.", dabei schüttelte kräftig ihren Kopf, während Victor ihr nur mit heftigem Nicken beipflichten konnte. Naira würde nichts mehr davon wegbewegen. Schließlich verabschiedete sich Ramirez wieder von den beiden und erklärte, dass sie demnächst zurück kam, mit eben jenem Laptop, den die junge Frau gefordert hatte.
      Victor grummelte und streichelte über Nairas Hand: "Meinst du...nicht, dass der Arzt...Dir irgendwas gesagt hatte von...Bettruhe...Auch für deinen Kopf?", er tippte ihr sanft an die Stirn, um bloß nicht noch mehr Schmerzen zu verbreiten, als sowieso schon bereits im Umlauf waren. Aber schließlich machte er sich ja auch nur Sorgen um Naira und sein Versuch das Thema zu wechseln, war nur ein versuch auch sie auf eine andere Schiene zu bringen, der sie eher ihre Gedanken widmen konnte und wollte, als Thomas und ihrem Vater, der ebenfalls darin verwickelt war. So einen Fall hatte Victor noch nie mitbekommen und noch nie war er so tief von etwas betroffen gewesen. Er fuhr sich erschöpft durch die Haare.
      "Ich folge dir übrigens nun auf Schritt und Tritt...Du...darfst keine Geheimnisse vor mir haben...einverstanden?", seine Stimme wurde einen ticken leiser und tiefer. Es war ihm ernst von ihr zu hören, dass sie ihn nicht nur liebte, sondern ihm die Möglichkeit gab zu zeigen, dass sie ihm vertrauen konnte. Der Gedanke, dass sie sich ihm in so einem Punkt nicht hatte anvertrauen können, machte ihn betroffen.
      "Natürlich gilt das auch für mich...aber ich habe das Gefühl...in den letzten Wochen war ich für dich eher ein offenes Buch, als du für mich...", nachdenklich streichelte er ihren Arm und über ihre Hand hinweg.
    • Naira O'Connor

      Natürlich war sie stur, aber Sturheit war eben das, was sie so weit gebracht hatte. Auch wenn es Victor oft störte, sie konnte sich nicht einfach von Grund auf ändern und nicht mehr Stur sein, dass gab es nicht, es war nicht möglich. Sie wäre einfach nicht sie, wenn sie nicht auf ihre Meinung und ihr Recht beharren würde.
      Victor wollte eigentlich einen Themawechsel haben, dennoch fing er von selbst wieder damit an. Er wollte ihr vertrauen können, was seine Freundin ja irgendwie verstehen konnte, aber sie war verwirrt. Sie wusste nicht mehr, wo oben und wo unten war und war damit war sie sich auch nicht wirklich sicher, was Victor wirklich von ihr hören wollte. "Ich war sonst immer ehrlich zu dir.. DU muss verstehen, dass es deinen Tod bedeutet hätte, hätte ich dir was gesagt, denn du hättest mich nicht gehen lassen, was ich verstehe und vollkommen nachvollziehen kann. Ich weiß, dass du böse bist Vic.. Ich akzeptiere es auch und verstehe es, ich wäre es auch an deiner Stelle.. Aber ich bereue es nicht, mein Leben für das riskiert zu haben, was ich liebe..". Es war wieder das Thema von vorhin, aber was sollte Naira noch sagen. Sie seufzte. "Wenn ich dir nicht vertrauen würde, dann hätte ich nicht stur darauf beharren, dich zu sehen.. ich habe dich zuerst angerufen und habe nur in deinem Beisam darüber gesprochen, weil ich von allen Menschen auf der ganzen Welt dir am meisten vertraue..".
      Naira nahm ihre Hand und legte sie in seine, um ihm näher zu kommen. "Ich will wirklich nach Hause Vic, aber ich bleibe nur für dich hier.. Nur weil du es so möchtest..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihre Worte waren genau das, was er hören wollte. Sie bestätigte ihm nur noch einmal, dass sie alles freiwillig getan hatte, aber auch darüber nachgedacht hatte. Wahrscheinlich machte er nur so rum, weil er selbst damit noch nicht ganz zurecht kam. Er wollte nicht, dass sich jemand um ihn kümmerte, weil es sonst auch niemanden gegeben hatte, der es getan hat. Naira war die erste, die da mit 100 % in sein Leben sprang und für ihn lebte. Er musste sich also ergeben und entschuldige sich leise für seine Worte, damit sie nicht glaubte, dass er unbedingt ihr eine Unterstellung machen wollte. Auf die sie Teufel komme raus, eingehen musste.
      Er schluckte schwer, nahm ihre Hand und atmete noch einmal durch. Vielleicht sagte er es auch auf die falsche Art und Weise...Aber was sollte er ihr denn noch sagen. Es war ihm einfach nur wichtig, dass sie ihn verstehen konnte. Und das tat sie...wenn er ihren Worten glauben konnte.
      "Ja...du bleibst hier und das ist gut...Ich will nicht, dass du dich wieder überanstrengst oder....Keine Ahnung...", er ließ sich zurück auf den Stuhl neben ihrem Bett senken und winkte ab mit einem kurzen Kopfschütteln. Er begnügte sich letztlich damit einfach nur bei ihr zu sein und ihre Hand halten zu dürfen, während sie sich wenigstens davon überzeugen ließ auch wirklich auf den Arzt zu hören.
      Als es in den nächsten Minuten still wurde, dachte Victor über den seltsamen Vorfall mit der Schwester nach und konnte sich nicht davon abringen zu schmunzeln und belustigt zu schnauben: "...Die Schwester vorhin, die mir gesagt hat, dass ich zu dir kann...hat mich für deinen Mann gehalten. Lustig, nicht?"
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