[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

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    • Naira O'Connor

      Es war wunderschön mit Victor zusammen, er liebte sie, wie es kein Mann jemals zuvor getan hatte, es war eine besondere Art der Beziehung. Er konnte mit seiner Liebe auch nicht an Alex kommen, bei dem blonden Mann war es eher Begierde und vor allem Besessenheit, von Liebe konnte man bei dem Mann nicht sprechen, aber bei Victor. Auf seine eigene Art und Weise machte er deutlich, wie sehr er seine Freundin haben wollte. Er trug sie auf seinen Armen, er wäre an ihrer Seite geblieben, bis zum bitteren Ende. Auch Naira empfand die gleichen Gefühle, sie war sogar bereit ihr Leben aufzugeben, um das seine zu retten. Ja, sie würde auf den Deal eingehen, sie würde Victor retten und sein Leben in Sicherheit wiegen. Es war beschlossen, jedenfalls für die Frau und ihren Kopf, ihr Herz war deutlich dagegen. Es wehrte sich, vor allem nachdem beide Detectives sich erschöpft auf das Bett fallen ließen. Naira kuschelte sich sofort an die Seite ihres Freundes an, sie waren beide verschwitzt, aber es störte sicherlich keinen der beiden. Es war ein angenehmes Gefühl, vor allem die Glücksgefühle, die sich in ihrem Bauch und ihrem Herz ausbreiteten.
      Das Herz schrie definitiv nein, sie würden es anders schaffen, sie würden abhauen und Thomas einfach zurücklassen, dass würden sie nur zusammen schaffen!
      Bevor Naira eingeschlafen war griff sie zu Victors Hand und verschränkte ihre Finger miteinander, um ihm zu zeigen, dass sie seine war und bei ihm bleiben würde. Hätte Thomas nur nicht andere Pläne für sie..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es war die Hitze, die ihn ablenkte. Die rhythmischen Bewegungen. Ihre Herzen im Einklang, ihre Körper verbunden. Was konnte man sich mehr wünschen, wenn alles seinen rechten Platz fand. Victor verausgabte sich an diesem Abend, doch er hatte ein gutes Gefühl, sowohl dass er Naira befriedigen konnte, als auch sich selbst. Und beides war wichtig für ihn geworden.
      Ausgelaugt aber glücklich fielen sie gemeinsam zurück in die weichen Kissen. Victor atmete schwer und sein Körper war geschafft von dem Sport. Als sie seine Hand nahm und sich an ihn kuschelte, drückte er die Hand fest an sich. Er wollte sie niemals missen. Und zum Abschluss flüsterte er ihr ein leises "Gute Nacht, ich liebe dich."
      Er zog die Decke über sie ohne ihre Hand loszulassen und ergab sich der unglaublichen Müdigkeit die daher kam. Niemals...Niemals nie, hätte er isch dafür rüsten können was am nächsten Morgen geschah.
      Selbst seine Träume waren sanft und ließen ihn schlafen, in der fälschlichen Überzeugung, dass er einen Traum für sich und seine Freundin in wenigen Tagen erfüllen könnte.
    • Naira O'Connor

      Sie schlief tief und fest, jedenfalls hatte sie das Gefühl, als würde sie endlich einen erholsamen Schlaf haben. Ein Vibrieren ihres Handys machte die Frau aufmerksam, sie öffnete ihre Augen und blickte zu dem Telefon auf dem Nachtschränkchen und musste mit Entsetzen feststellen, dass sie die gleiche unbekannte Nummer anrief, wie letzte Nacht. Sie schaltete das Handy auf stumm und blickte zu Victor, der gemütlich und fest schlief, er hatte sich sogar auf die andere Seite gedreht. Geschickt erhob sich die Frau, ohne große Geräusche zu verursachen und griff zu ihrem Bademantel, der auf einer der Kisten lag. Das Handy klingelte stumm weiter, erst unten in der Küche ging sie dran:
      "Hallo?", fragte sie leise und darauf bedacht, keine Geräusche zu verursachen. Victor durfte nicht wach werden.
      "Deine Zeit ist um, wie lautet das Urteil?", es war keine typische Begrüßung für jemanden normalen, es war eben die Art von Thomas.
      "Du sagtest ich habe achtundvierzig Stunden..". Scharf zog Naira die Luft ein und versuchte, nicht allzu laut zu werden. Sie war wütend, mehr als nur ein wenig, für sie war die Antwort eigentlich schon fast klar, aber wenn, dann sollte sich das Arschloch an seine vorgegebene Zeit halten.
      "Der Spielmeister kann die Regeln so ändern, wie es ihm gefällt", entgegnete die Stimme am anderen Ende sich sicher, dass er die Oberhand hatte.
      "Ich komme nicht mit, vergiss es". Es waren klare Worte, die für die Frau viel bedeutet haben, sie wollte anders gegen den Psychopathen kämpfen, nicht mit seinen Waffen.
      "Es geht hier aber nicht darum, ob du es willst oder nicht". Es entstand eine kurze Pause. "Hier geht es darum, ob du deinen liebsten töten oder am Leben lassen möchtest".
      Es war ausgesprochen, aber noch ließ sie sich nicht unter bringen. "Ahja, wie willst du das denn anstellen? Ich werde sicherlich meine Hand nicht an ihm legen".
      Es kam zunächst keine Antwort, eine Stille herrschte, bis Naira merkte, dass sie Nachrichten bekam. Sie öffnete sie, hielt das Telefon dafür kurz weg und betrachtete die Bilder, die angehangen wurden. Es war Victor drauf zu sehen, mehrmals. Jedes Mal mit seiner Freundin zusammen, aber jedes Mal auch für jeden Schützen zu treffen. Sie verstand es endlich, sie war ausgeliefert, entweder würde sie Victor dazu bringen, nur noch in einem Bunker zu leben, oder sie würde es tun und auf die Anforderungen eingehen. Der Schock bei Naira saß tief. Er war wirklich der Spielmeister. "Es ist so einfach, ihm einfach eine Kugel zu verpassen, meine Liebe.. Der Mann würde es vermutlich nicht mal merken.. Oder ich treffe sein Bein und sehe zu, wie er kläglich verblutet..". Tränen liefen der Frau über die Wangen, sie begriff endlich, dass es bei dem Spiel um Leben oder Tod ging, dieses Mal um das ihres Freundes.
      "Um vier Uhr an dem alten Diner.. Unbewaffnet..da werden alle Anweisungen auf dich warten.. Und wenn du es sagst auch nur etwas auszuplaudern, werde ich ihn schneller erschießen, als du wieder zuhause sein kannst.. ". Damit legte Thomas auf und war sich sicher, dass er die Oberhand hatte.
      Zwei Stunden hatte Naira gebraucht, um damit fertig zu werden, was ihr gesagt wurde. Ihr Freund wurde sterben, wenn sie sich nicht aufopfern würde. Mehrere Möglichkeiten hatte die Frau gewählt, aber sie kam immer zu dem Entschluss, dass es wohl besser war, wenn sie es tun würde. Sie würde Thomas damit ablenken und Victor ein gutes Leben bieten können. Dafür war sie auch schon vorbereitet.
      Sie hatte sich angezogen und einen Pullover leise aus Victors Schrank genommen, um wenigsten an ihn erinnert werden zu können. Die Kette von ihm hing an ihrem Hals, unter dem Pullover, diese würde sie auch definitiv mitnehmen. Unten in der Küche machte sich die Frau einen Kaffee und überlegte, was der beste Ansatz wäre. Unbewaffnet musste sie hin, da sie jedem der Worte des Psypathen glaubte. Er war zu vielem fähig, dass hatte er schon mehrmals bewiesen.
      Nachdem der Kaffee leer war blickte sie zu ihrem Hund und verabschiedete sich von dem schlafenden Husky. Tränen rannten ihr über die Wangen, aber sie verhielt sich leise. Er würde mit Victor ein gutes uns sicheres Leben führen, dessen war sie sich sicher. Auf dem Küchentisch lag auch schon alles dafür bereit: Ihre Waffe, die Kreditkarte mit dem Pin und den Unterlagen, ihr Telefon, nachdem sie alles von Thomas gelöscht hatte, der Pass ihres Hundes und alle nötigen Papiere für den Hund, samt der Versicherung. Sie tat sich schwer damit, aber sie musste ihr Leben aufgeben, ob sie wollte oder nicht, es war nicht ihre Entscheidung. Wenn sie es jedoch aufgab musste sie ihre Familie, zu der Victor geworden war, irgendwie absichern. Das Geld würde fürs erste reichen, es würde das Haus bezahlen und die nötigen Sachen, die Spike bräuchte.
      Ein letztes Mal ging sie hoch, betrachtete ihren schlafenden Freund. Mit Tränen in den Augen küsste sie seine Stirn und flüsterte ihm zu, dass sie ihn liebte, es war das vernuich das Letzte Mal, an dem sie es zu ihm sagen konnte.. Bevor es jedoch noch schwerer für sie werden würde ging sie in die schneeversteute Landschaft, die sichtlich von größeren Maßen Schnee bedeckt wurde, in ein unbekanntes Leben. Sie hinterließ nur ihre Habseligkeiten und einen kleinen Brief:

      Kümmere dich bitte um Spike.
      Es tut mir Leid..
      Ich liebe dich.[/]
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das süße Gefühl von Schlaf und Geborgenheit, gemischt mit der Nähe, war alles was Victor in seinem Leben gebraucht hatte. Nachdem man ihm seinen besten Freund nahm, seine Eltern und den Boden unter den Füßen, schaffte er es mit Nairas Hilfe wieder aufstehen zu können. Er vergaß sogar, dass er nicht mehr trinken wollte. Er vergaß alles schlechte und konzentrierte sich auf den gebrochenen kleinen Sonnenschein, den er in einer verschneiten Stadt wie Anchorage kennenlernen durfte. Nichts von allem dem was unten vor sich ging, bekam Victor mit.

      Am nächsten Morgen, sein Wecker klingelte ihn pünktlich aus dem Schlaf heraus. Mit Murren und Stöhnen schaffte er es diesen auszuschalten. Victor gähnte, streckte beide Arme von sich und drückte den rücken durch, um die verschlafenen Muskeln zu wecken. Sein Blick fiel auf die Seite. er spürte nur noch die Wärme seines eigenen Körpers, merkte, dass er Nairas Anwesenheit nicht spürte. Doch diesmal regte er sich nicht auf, sondern scannte ruhig das Zimmer, bevor er aufstand und sich seine Shorts überzog. Er schnaufte, in dem Glauben, dass seine Freundin wieder früher aufgestanden ist und bereits unter der Dusche stand. Doch er hörte kein Rauschen von Wasser. Es war...bedrückend still im Haus. Vielleicht war sie unten? Victor öffnete die Schlafzimmertür. Als er da nicht den typischen morgendlichen Geruch von Kaffee wahrnahm, dachte er, dass sie mit Spike möglicherweise draußen war, doch der Hund lag am Fuße der Treppe im EG und wartete. Worauf, konnte Victor nicht sagen. Er lief langsam runter zu Spike, musterte den Hund, der ruhig hechelte. Nur für einen Moment hob er den Kopf an und legte ihn schief. Victor kratzte sich am Kinn, sah ins Wohnzimmer und dann in die Küche. Nichts...keine Naira. Erst jetzt setzte sein Herz einen Schlag aus. Wo war sie? Es wirkte alles so unberührt. Wo war seine Freundin?
      "Naira?", fragte er leise in die Stille hinein. Es kam keine Antwort zurück. Kein Ton, von nirgendwo. Victor wollte sich nicht zum Affen machen. Was ist wenn sie ihn nur nicht gehört hatte. Er sah sich noch einmal um, ging noch einmal hoch in das Schlafzimmer und bemerkte den fehlenden Bademantel. Dann erst fiel ihm die Notiz auf dem Beistelltisch auf.
      Victor schluckte. Es war wie als ob man ihm den Boden unter den Füßen wegriss. Nur langsam trat er an den Zettel heran und hob ihn hoch, so dass er ihn lesen konnte. Er las ihre letzten Worte darauf. Ein kleiner nasser Flecken hatte die Schrift darauf verwischt. Victor wurde unruhiger, sein Herz, welches vorhin noch aussetzen wollte, raste nun. Aber es machte ihn wahnsinnig. Es ließ ihn sich schlecht fühlen.
      "Es...tut mir Leid...Ich lie....", Victor ging in die Knie. Er konnte nicht mehr stehen, hatte das Gefühl, dass ihm die Beine versagten. Alles im Raum wurde auf einmal so beengend. Es tat ihr leid? Warum? Wo war sie?
      "Naira!?", er rief wieder nach ihr, diesmal lauter. Noch immer kam nichts zurück. Es blieb still im Haus. "Naira?...Wo bist du? Scheiße..."
      Hastig und zu schnell sprang Victor wieder auf die Beine. Den Zettel ließ er derweil nicht los, sondern zerknüllte ihn unwissentlich in seiner Hand, als er ihn zu fest hielt. Victor rannte die selben Treppen noch einmal runter, nachdem er bereits im Bad nach ihr gesehen hatte, nun sah er in die Küche und rannte zur Terrasse. Spike sprang ihm hinterher, doch für diesen konnte Victor kaum noch die Aufmerksamkeit aufbringen.
      Victors Blick sprang von dem Garten in das Wohnzimmer und schließlich auf den Wohnzimmertisch. Sie hatte ihre Waffe zurück gelassen, Kreditkarte und andere Karten...Sogar ihren Personalausweis? Warum?
      "Fuck...Nein...nein nein nein...", Victor griff nach ihrer Dienstwaffe, kontrollierte sie nach den Kugeln. Es war noch voll. Nur nach und nach dämmerte es dem Detective, dass seine Freundin verschwunden war. Ohne ihm etwas zu sagen. Ohne es mit ihm zu besprechen. Was hatte er ihr angetan? War das Date gestern falsch? Hatte er sich nicht angestrengt?
      Victor bemerkte nicht einmal wie ihm die Tränen in die Augen kamen und bereits die stoppeligen Wangen herunterfloßen. "Nein, warum? Naira...komm wieder...zurück..."
      Sobald es ihm klar wurde, dass er keine Einwirkung mehr auf diesen Verlauf hatte, brach Victor an Ort und Stelle zusammen. Ihm war es egal, als er mit immer stärkeren Schlägen auf den Kaffeetisch einhaute. Man hat ihm seine Freundin genommen. Ihm das einzige entrissen, was ihn hielt...
    • Naira O'Connor

      Es tat ihr mit jedem Schritt weh sich von ihrem Zuhause in dem Wissen zu entfernen, nicht mehr zurück zu kommen. Ihr Herz brach in der Angst, dass sie ihren Freund vielleicht das letzte Mal gesehen hatte, sie wollte sich umdrehen und zurück laufen. Doch auch wenn sie es wollen würde, wenn sie sich umdrehte war nichts mehr zu sehen, außer ein weißer Schleier. Sie war den Schritt gegangen, den sie nicht gehen wollte, aber musste, es führte kein Weg dran vorbei. Weinen wollte sie nicht, jede Träne könnte in ihrem Gesicht einfrieren und dann zu Schäden führen. Am liebsten hätte sie die Zeit zurück gedreht und sich nicht auf Victor eingelassen, um ihm nicht das Herz brechen zu müssen.

      Um Punkt vier uhr stand Naira vor dem alten, verlassenen Diner, welches unter einer weißen Decke aus Schnee lag. An dem Fenster, welches sorgfältig vom Schnee befreit war hing ein Zettel mit Anweisungen. Er hing da nicht lange, sonst wäre er schon längst vom Winde verweht geworden, aber viel wichter war, was drauf stand.

      "Sieh in den Briefkasten.. Folge den Anweisungen auf dem Zettel".

      Sie seufzte und sah sich nach einem Briefkasten um, fand ihn relativ schwer. Auch er ließ sich locker öffnen, Thomas musste scheinbar schon vorher die Arbeit erledigt haben, denn bei den Temperaturen wäre der Briefkasten zugefroren. Im Umschlag befand sich ein Autoschlüssel und Koordinaten, aber kein Hinweis, wo sich das Auto befinden könnte. Naira seufzte, sie könnte jetzt doch einfach zurück laufen und in Victors Arme fallen, er würde ihr versprechen, dass sie es schaffen würde und würde für sie da sein. Aber leider ging es nicht, sie musste das Ding durchziehen und sich versprechen, sie würde zurück kommen. Eines Tages würde sie in seinen Armen liegen, mit ihm zusammen abhauen. Sie würde am Montag bei ihm stehen, dass war ihr Ziel.

      Irgendwann war das Auto gefunden, Naira stieg ein und versuchte den Schlüssel ins Zündschloss zu stecken. Das Navi startete mit dem Auto, die Koordinaten waren schnell eingegeben. Sie fragte sich nicht, woher das Auto kam, sie hatte nur noch ihr Ziel vor den Augen, deshalb fuhr sie auch los. Eine dreiviertel Stunde fuhr Naira durch die schneebedeckte Gegend und kam zu einem Haus in mitten der Landschaft. Das Licht brannte, es war eine Silhouette am Fenster zu sehen, Thomas wartete schon auf sie. Die ersten Sonnenstrahlen waren am Himmel zu sehen, da parkte die Frau den Wagen vor dem Haus. Die Tür ging auf, erhellte den noch dunklen Weg zu dem Haus.
      "Ich wusste, dass du kommen würdest", begrüßte der Mann sie und hielt die Tür offen, damit Naira rein konnte. Er fasste sie am Hintern und dem Rücken an, als sie rein kam, sie war bereit ihn sofort zu verprügeln, aber er hob nur die Hände und entschuldigte sich. "Ich musste nur herausfinden, ob du wirklich nicht bewaffnet bist", entgegnete er. Die Tür ging zu und damit auch das Leben, welches die Frau bisher kannte. Sie musste sich ausziehen, um zu zeigen, dass sie nicht vewanzt war, für einen Moment betrachtete der Psychopath die Kette, ließ sie aber diese tragen, nachdem die Frau sich darüber aufregte. Es gab was zu Essen und je länger sie in dem Haus drinnen war, desto mehr bekam sie das Gefühl, dass sie hier schon einmal gewesen sein musste...
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor wusste nicht wie lange er schrie. Er wusste nicht wie lange er überhaupt hier auf dem Boden gesessen hatte. Der Zettel, den sie ihm hinterlassen hatte, war in viele kleine Stückchen zerrissen. Der Tisch wies Dellen auf und seine Hand war rot und schmerzte fies. Er schnaufte. Wie er aussah war ihm egal. Es war vielleicht Mittag, als er überhaupt registrierte wie viele verpasste Anrufe auf seinem Handy eingegangen waren. Er versuchte sie anzurufen. Es ging niemand ran. Er versuchte es immer wieder, aber bereits nach einem Ton, brach der Anruf ab. Sie wollte ihn nicht sprechen? Sie hatte ihn blockiert. Was er falsch gemacht hatte, konnte er in den Stunden nicht herausfinden. Die Angst war hochgekocht und brach die Ketten von den Gedanken, die er schon so lange verstecken konnte. Spike bellte auf, als Victor an ihm vorbei stampfte.
      "Was? Was willst du?...Warum bist du ihr nicht hinterher gerannt!?"
      Der Hund erwiderte seinen Blick treu. Er konnte nichts für seine Situation und auch nichts dafür, dass Naira verschwunden ist. Er konnte den Hund nicht dafür beschuldigen, also musste er mit der Aufgabe leben. Er war alles was ihm geblieben war. Und das obwohl er ihn vor wenigen Stunden noch so gehasst hatte.

      Victor ignorierte jegliche Anrufe vom Revier, bis er sich zusammen raffen konnte. Ihm schmerzte der Kopf. Doch er hatte diese Schmerzen nicht, weil er getrunken hatte, sondern weil er lediglich geweint hatte. Alles was in ihm war, war in den letzten Stunden verschwunden. Er hatte weder gegessen, noch etwas getrunken. Trotzdem wagte er es spät am Abend noch zum Revier zu fahren. Er wusste nicht wohin sie gegangen ist oder warum. Aber er wusste, dass er das hier und jetzt alles beendete.
      Als er im Büro des Captains stand, sah sie ihn mit verwirrten und misstrauischen Augen an. Victor warf ihr Zwei Dienstmarken auf den Tisch, zwei Waffen mit jeweils zwei Magazinen. Dann folgten sein Dienstausweis, der von Naira und ihre übrigen Sachen, die sie ihm dagelassen hatte. Einzig und allein ihr Konto und ihren Personalausweis, sowie die Krankenkarte behielt er.
      "Was soll das sein, Detective?"
      "Ich...bin kein Detective mehr. Ich will es nicht sein."
      "Ich habe nicht erwartet, dass du kündigst..."
      Victor hatte nicht zu ihr aufgesehen, als er ihr erklärte, dass er das ganze nicht mehr aushalten konnte. Er sagt eihr nicht direkt, dass Naira verschwunden war, doch nach 5 Minuten Stille dämmerte es auch dem Captain.
      "Sie...ist fort?"
      Victor bis die Zähne fest zusammen, als sie die Worte aussprach. Sie war fort, ja, verdammt. Und er konnte sich nur schwer davon abringen zu weinen. Weswegen er sich umdrehte und ging. Er wollte nicht mehr. Auch wenn Ramirez ihm nicht ihre Erlaubnis gegeben hatte, ging er nach Hause. Alex, der ihn aufhalten wollte, wurde noch nicht einmal eines kurzen Blickes gewürdigt. Alle im Revier sahen dem stillen Detective nach und verstanden nicht, als er mit schnellen Schritten das Revier verließ.

      Nachdem er seinen Job gekündigt hatte, fand er sich mitten auf der Straße in der Stadtmitte wieder. Es war arschkalt und spät. Doch sein Kopf konnte nicht schlafen. Er hatte Angst davor einzuschlafen. Nicht nochmal. Was passierte, wenn sie anrief? Wenn sie wieder nach Hause kam? So viele Fragen, die unbeantwortet wurden. Victor irrte ein paar Straßen weiter, bis er sich entschied wieder nach Hause zu gehen. In ihr gemeinsames, wo er nun alleine blieb. Spike war ihm den ganzen Weg gefolgt, ohne dass er auch nur einen Laut von sich gemacht hatte. Der Hund spürte, dass etwas nicht stimmte. An diesem Abend konnte sich Victor noch davon abhalten zur Flasche zu greifen. Doch als der dritte Tag ohne seine Freundin anbrach, verlor er sich.
    • Naira O'Connor

      Der erste Tag war noch ruhig verlaufen, Naira hatte ihr Zimmer gezeigt bekommen, wurde dort eingeschlossen und sollte warten, bis sie rausgeholt werden würde. Sie ließ es mit sich machen, lehnte sich gegen die Tür und ließ die Tränen über ihre Wangen laufen. Sie weinte stumm vor sich hin und ließ der Trauer ihren Lauf. Sie würde ihn wiedersehen spätestens in sechs Tagen.. Das war ihr Ziel und an dieses hielt sie sich.

      Es war alles gar nicht so schlimm, wie sie es sich vorgestellt hatte. Die erste Zeit bekam Naira ihre Ruhe und wurde fürs Essen rausgelassen, sie durfte sich am Abend auch vergnügen, wie es Thomas meinte. Das Haus kam ihr bekannt vor, sie konnte nur nich wirklich sagen, woher sie es kannte.
      Die ersten beiden Tage verliefen ruhig, am dritten fing die Hölle auf Erden auf. Es war sein Plan, er wollte sie einfach nur einknicken lassen, nachdem er sie in Sicherheit gewogen hatte. Sie saßen am Tisch während des Mittagessen, so wirklich hatte sie keinen Hunger, die letzten Tage nichts gegessen gehabt. "Du muss mehr essen..", stellte Thomas fest und warf die Serviette vor sich hin, er war fertig mit dem Essen. Naira seufzte, sie hatte kein Wort mit ihm gewechselt gehabt, seit sie in seinem Haus saß.
      "Hast du gehört?", fragte der Mann ein wenig eindringlicher und sah nach der Dunkelhaarigen. Sie versuchte in ihrer Suppe nach einer Antwort zu suchen, wie sie hier raus kommen könnte, ohne das alles schlimmer zu machen. "Hast du gehört?!", die Stimme klang viel näher, der Mann hatte sich erhoben, ohne dass es Naira überhaupt bemerkt hatte. Sie sah auf, ihre Augen sahen müde aus, sie riss sie aber auf, nachdem der Schmerz ihre Wange erreichte. Sie pochte, unwillkürlich griff die Frau nach ihrer Wange und sah den Mann erschrocken auf. "Du hast zwei Tage Vorlauf bekommen, um dich an die Situation zu gewöhnen... Aber du wirst jetzt parieren, wenn ich es sage, verstanden?". Wieder einmal kam keine Antwort, Naira war mit dem Schmerz beschäftigt. "Verstanden?!", schrie Thomas ihr entgegen, da bestätigte sie es mit einem klaren ja. Der Alptraum began.

      Relativ schnell nahm der Tag, genauso wie die Taten ihren Lauf: Naira musste sich vor ihm ausziehen und ins Bad gehen, er hatte das Badewasser für sie vorbereitet, als wäre sie ein Kind, welches sich nicht selber helfen konnte. Er blieb im Bad, sah ihr dabei zu, wie die Frau sich wusch und kommentierte immer wieder, dass sie doch mehr Elan darauf bringen sollte, ihren Körper zu waschen. Er hatte ihr Kleider rausgesucht, Schlafkleider, die ihr bekannt vorkamen. Sie hatte sie schon irgendwann mal gesehen gehabt, in einer deutlich kleineren Größe, sie hatte die ganze Situation schon einmal erlebt gehabt, aber ihr Kopf wollte ihr nicht sagen, wann.
      Es gab eine warme Milch vor dem Schlafengehen und selbst in einem Bett musste sie mit ihm schlafen. Eine ihrer Hände bund der Mann an das Bett, damit sie nichts in der Nacht machen konnte und so verbrachte sie die dritte Nacht in dem Haus, wie sehr sie sich doch wünschte, Victor an ihrer Seite zu haben.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Welchen Sinn hatte das alles schon, wenn man alles immer wieder und wieder verlieren musste. Es konnte doch nicht sein, dass er verdammt dazu war, immer zu spüren, wie man ihm das liebste entriss? So viele Jahre hatte er Freundschaften und Liebschaften aufgebaut, nur damit sie am Ende ihm grausam entrissen wurden. Entweder sie starben in seinen Armen oder er konnte isch sicher sein, in spätestens einer Woche die Leiche zu finden. Victor schluchzte, als er in der dunklen das Glas mit dem billigen Scotch füllte. Er hatte Nairas Kreditkarte nicht einmal genutzt. Es war nicht seins und wenn nicht sie in der Nähe war, dann hatte er kein Anrecht auf ihr Geld. Er wollte nicht das Geld, er wollte sie. Victor beugte sich vor. Ihm war seit gut 20 Stunden nur noch schwummrig. Er hatte nichts gegessen, sondern sein Essen mit jedem Schluck Alkohol unterdrückt. Dass es nicht sehr förderlich war, konnte keiner bestreiten. Meistens hing er kaum 5 Stunden später über der Kloschüssel und erbrach das Letzte was ihm sein Magen noch geben konnte. Seine Augen waren rot und mit dunklen Augenringen untermalt. Sein Gesicht blass und trocken.
      Warum sie zu ihm verschwunden ist? Er wollte Thomas dafür beschuldigen, aber ihre Nachricht, ihre Sachen, hatte sie alle freiwillig hinterlassen. Selbst die Schusswaffe. Es schmerzte daran zu denken. Es war so schmerzhaft, als würde tatsächlich ein Dolch durch seine Brust stoßen.
      Spike war die letzte Zeit nicht von Victors Seite gewichen und half sich selbst zu Essen, wenn er denn überhaupt hungrig war. Leise jaulte er manchmal, wenn Victor wieder laut wurde. Er vermisste Naira ebenso.
      Am vierten Tag klopfte es plötzlich an der Türe. Victor wollte erst nicht aufmachen, doch er wagte sich hin, öffnete die Türe und hoffte innigst, dass es doch Naira sein konnte. Als er in das fragende Gesicht seines ehemaligen Kollegen Alex blickte, hätte er ihm gerne die Türe direkt vor der Nase zu geschlagen.
      "Hey...ich weiß...ich bin die letzte Person, die du sehen willst...", fing Alex an und trat näher, um den Fuß in die Türe zu bekommen. Victor sah ihn lange aus dunklen Augen an, bevor er ohne ein weiteres Wort zurück ging. Alex ging ihm hinterher: "Victor...Wir...Ich wollte bescheid geben, dass wir sie als vermisst gemeldet haben."
      Das war ihm egal gewesen. Er schlürfte zurück, ohne dabei die ein oder andere Ecke anzustoßen, zurück zu seinem Tisch. Mit Schwierigkeit und fehlender Elan ließ er sich auf seinem Stuhl nieder und trank aus der Tasse. Dabei ignorierte er dass etwas daneben ging.
      Alex schloss die Tür hinter sich und ging Victor nach. "Ich wollte ehrlich gesagt nach dir sehen. Du...verkraftest das ganze echt beschissen. Deswegen...ich weiß es ist nicht richtig...", er zog seinen Rucksack vor und suchte darin etwas. Victor hatte den Kopf nicht angehoben. Erst als Alex ihm eine Flasche mit klarer Flüssigkeit auf den Tisch vor die Nase stellte. Wodka. Seine Augen suchten einen Fokuspunkt in seinem Gesicht, taten sich aber schwer daran. Nun fiel auch Victor auf, dass Alex andere als ausgeschlafen aussah.
      "Wir...nehmen alle an, dass sie bei Thomas ist. Sie war in den letzten Tagen ja so komisch gewesen...und dann so still."
      Victor verzog das Gesicht. Er hätte ihm am liebsten ein Glas ins Gesicht gehauen. Er sollte still sein, nicht mehr über sie reden. Die nächsten Stunden verbrachten die Männer damit gemeinsam zu trinken. Manchmal in Stille und manchmal fing Alex an über Naira zu reden, als wäre sie bereits fort. Das machte Victor so wütend, dass er sich irgendwann aufbäumte und dazu ging Alex direkt ins Gesicht zu schlagen. Doch durch das schnelle aufstehen, wurde ihm schwarz vor Augen und er schlug an Alex vorbei, der ihn nur schwerlichst auffangen konnte, bevor er zu Boden ging. Und auch wenn es gerechtfertigt wäre, wenn sie sich nun stritten, nahm Alex ihn in den Arm und Victor konnte nicht anders, als wieder anzufangen zu weinen. Es schmerzte so sehr...Viel mehr, als damals sein Freund und Partner verstarb.
    • Naira O'Connor

      Es war Tag drei.. Oder Tag vier.. Vielleicht auch Tag fünf, irgendwann verlor Naira das Zeitgefühl und akzeptierte das, was Thomas ihr bot. Sie lief in Mädchenkleidern, er machte ihr die Haare und schnitt sie, bis auf die Schulterlänge. Dabei vergoss die Frau so viele Tränen, die langen Haare waren das, was sie am liebsten an sich hatte, genau wie es ihr Vater immer gesagt hatte.
      "Die kurzen Haare stehen dir so viel besser..Ich weiß nicht, warum sie es alle nicht glauben wollten.. ", sprach Thomas und hielt ihr den Spiegel vors Gesicht. Auf einmal brach etwas in Naira, es war, als würde sie auf einmal die Wahrheit erkennen, die die ganze Zeit vor ihr stand. Sie erhob ihren Kopf und musterte sich im Spiegel, es gab schon einmal ein Ich von ihr, welches so kurze Haare trug. Und es gab schon einmal den Moment, in welchem sie den gleichen Satz gehört hatte. Eine Erkenntnis traf sie, wie eine Faust ins Gesicht und mit einem ruck erhob sie sich und trat zwei Schritte von Thomas weg, um ihn zu mustern. Ihre Augen sprachen das, was sie dachte, sie bekam endlich die Wahrheit, auf die sie schon so lange gewartet hatte.
      "Thomas..", murmelte sie und fühlte sich mit einem Mal so klein, wie noch nie zuvor. Bilder sprangen vor ihr geistiges Auge, der Teddybär, den sie mal gefunden haben, das Duplikat ihres Zimmers.
      Sein grinsen war breit und wollte nicht von seinen Lippen verschwinden. Er merkte recht schnell, dass sie es verstanden hatte und wollte mit einer Hand nach ihrem Arm greifen, da wehrte sich die Frau. Sie riss sich los, schon den Stuhl gegen den Mann und schubste ihn gegen den Stuhl, um aus dem Raum zu verschwinden. Ihr Bein war in diesem Moment völlig egal, sie rannte die Treppe in der höchsten Geschwindigkeit, welche sie aufbringen konnte und hielt sich am Geländer, um nach rechts abzubiegen. Sie verstand alles, ihr Verstand war endlich nicht mehr damit beschäftigt herauszufinden, warum es ausgerechnet sie getroffen hatte. Sie verstand endlich, warum ihr das Haus so bekannt vorkam und woher sie wusste, wo sich was befand, er hatte nicht einmal umgeräumt.
      Mit hastigen Schritten wollte sie nach der Tür in der Küche greifen, da schmerzte ihr der Kopf und es wurde ihr schwarz vor den Augen. Er hatte sie mit einem schweren Gegenstand ausgenockt, sie glitt zu Boden und knallte dabei mit dem Kopf noch einmal gegen den Boden. Während sie weg war sah sie alles wieder vor ihrem geistigen Auge. Sie wusste mit einem Mal alles über den Mann, was man nur wissen konnte, doch die Wahrheit war noch schmerzvoller als es die Unwissenheit war. Er hatte sich an ihr vergangen, mehrmals. Er war es, der von der Hütte im Wald jemanden vergraben hat. Er war es, der sich andauernd mit ihrem Vater gestritten hat und er war der Grund, warum sie so kaputt war, wie sie war. Der Mann hatte ihr das Leben ruiniert und er würde es auch mit Sicherheit beenden.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Insgesamt war eine Woche vergangen. Victor hätte das nicht gewusst, wenn nicht Alex vorbei käme und ihm hin und wieder half wenigstens ein wenig von der anstehenden Hausarbeit zu erledigen. Sie sprachen viel in dieser Zeit. Mehr, als Victor eigentlich akzeptieren sollte. Aber Alex wurde zu einem Freund. Er war wenigstens noch da und half. Auch wenn Victor ihn selten als diesen betitelte. Aber er nahm ihm nicht die Flasche weg. Ganz im Gegenteil brachte er ihm sogar noch etwas, weil er glaubte, dass sei die Art, wie man über seine Trauer hinweg kam. Er wusste nichts von dem was Victor wirklich durchgemacht hatte und um wie viel er sich selbst nieder gemacht hatte. Nur ein wenig Alkohol brachte ihn wieder in das tiefe Loch, dass er kannte.

      Victor saß seit Stunden auf seinem Bett und starrte auf den Boden. Der saure Geruch aus seinem Mund, der von den vielem Erbrochenen kam, war verschwunden. Seine Haare waren sauber, aber nass. Er selbst war sogar duschen und das mit Seife. Aber zufrieden fühlte er sich nicht an. Sein Blick glitt über den Boden. Er hatte Nairas Seite nicht verlassen. Ständig, wenn er ins Bett von Alex geführt wurde, dann beharrte er darauf auf Nairas Seite zu liegen. Nicht zu schlafen. Das schaffte er nicht, weil er sich nicht vorstellen konnte, warum man ihn alleine gelassen hatte. Aber er lag da und starrte den Boden oder die Wand an. Er wartete auf den Anruf von ihr oder wenigstens ein Lebenszeichen. Tief im Inneren hoffte er, dass sie sich umdrehen würde und wieder zu ihm kam. Nun war er soweit zu sagen, dass es sein Fehler war. Er hat sie verjagt und sie würde nie wieder zurück kommen.
      Seine Hände zitterten, fühlten sich seltsam taub an, als er seine Finger um eine alte Flinte legte. In Anchorage war es ebenfalls einfach an eine Waffe zu kommen. Ebenso einfach wie in Amerika. Vor allem als Polizist mit einem Waffenschein. Ob sein Leben noch irgendeinen Sinn haben konnte, konnte er nicht sagen und er wollte es auch nicht. Aber bevor er die Waffe auch nur wie gedacht anlegen konnte, klingelte es wieder unten an der Haustüre. Dann ging die Tür auf und Alex rief ins Haus, dass er wieder da war. Victor grummelte, schob die Waffe ungelenk unter das Bett und stand auf.
      Alex kam mit essen zu ihm. Wieder etwas zu essen, dass er nicht anrühren würde. Vielleicht ein wenig darin herumstocherte, aber nicht mehr. Alex war für ihn trotzdem da...Oder er nutzte Victor einfach nur, um selbst über die Runden zu kommen. Wer konnte das schon so recht sagen. Sie saßen gemeinsam in der Küche und Alex aß, während Victor zwar körperlich anwesend war, aber in einem Delirium verweilte, in dass er sich vor einigen Tagen eingegraben hatte. Alex musterte seinen Kollegen besorgt.
      "Hey, Vic...Das kommt vielleicht scheiße aber...Du musst nach vorn blicken.", Alex rutschte mit seinem Stuhl heran und legte seinem Kumpel eine Hand aufs Knie. Victor reagierte nur unterschwellig. Er kräuselte die Stirn, legte den Kopf zurück und schnappte gleichzeitig nach Luft, weil ein Schwall an Schwindel über ihn kam in diesem Moment. Doch er kämpfte den Reflex sich zu übergeben wieder herunter und warf Alex einen knappen Blick zu. Die Hand auf dem Knie kam ihm seltsam vertraut vor. Wie ein...guter Freund eben.
      Alex tätschelte kurz das Knie und aß dann wieder ein wenig: "Ich muss heute leider gehen. Aber...bitte. Pass auf dich auf. Vielleicht schaffe ich es auch nicht morgen zu kommen. Der neue Fall...du weißt...Na ja...", Alex erklärte sich noch kurz, bevor er mit lautem Seufzen noch etwas aß und es dann zusammen packte. Victor hatte sein Essen wie gesagt nicht angerührt, fand es aber auch nicht schade, dass Alex es wieder wegräumte und in den Kühlschrank stellte.
      "ist bestimmt total seltsam, dass ich mich hier um dich sorge...Aber hey, wir sind Kollegen oder?"
      Victor gab ein unverständliches Brummen von sich, bevor er dem ganzen Abend ein Ende bereitete und statt was zu Essen nach einer Flasche Bier griff. Mit dieser ging er hoch ins Schlafzimmer zurück. Spike, der sich nicht daran gewöhnen konnte, dass auch ihn Naira verlassen hatte, machte nur wenige Schritte. Meist wenn man ihn in den Garten ließ, doch nach dem Geschäft kehrte er ins Haus zurück und wartete wieder. An manchen Tagen ging er unruhig auf und ab, beobachtete Victor und wartete, doch nachdem nichts geschah, legte er sich wieder hin.
    • Naira O'Connor

      Ihr Kopf pochte wie verrückt und der Schmerz im Nacken ließ sie wieder wach werden. Es war Nacht, aber sie konnte nicht sagen wann und vor allem wo. Langsam öffnete sie die Augen und bereute es sofort, kniff sie wieder zu, damit das Licht ihr nicht im Kopf wehtat. Sie erinnerte sich nicht, was passiert war, nachdem sie den Schlag auf dem Kopf spürte, aber so langsam kamen die anderen Erinnerungen wieder. Sie war bei Thomas, freiwillig, sie ließ es über sich ergehen und hatte den Plan spätestens in einer Woche wieder zurück zu sein, aber wie lange war sie abgetreten gewesen? Vielleicht nur wenige Stunden, oder einen ganzen Tag?
      Sie öffnete wieder langsam die Augen, erkannte aber nur verschwommen etwas. Der Raum war rosa, so viel konnte sie dazu sagen, denn sie kniff am liebsten wieder ihre Augen zu. Naira wartete noch fünf Minuten, zwang sich dann aber die Augen aufzureißen und beruhigte sich selbst damit zu sagen, sie würde es schaffen. Sie schaffte es tatsächlich gegen den Schmerz anzukommen und ließ ihre Augen offen, damit sie sich an das Licht gewöhnen würden. Langsam war ihr auch klar, wo sie war. Es war ihr altes Zimmer, nur ein wenig kleiner, sie war definitiv nicht bei ihrer Mutter Zuhause, sie war irgendwo, nur nicht Heim.
      "Du bist endlich wach", ertönte eine Stimme und ließ Naira sofort zur Tür aufblixkeb. Es war ihr Onkel, der sie anstarrte, als wäre sie ein Objekt der Begierde. Die Frau sagte nichts, sie musterte weiter den Raum und betrachtete die Umgebung, auf der sie.. Lag. Sie lag auf einem Bett, ihr Arm ans Gitter gefesselt, damit sie vermutlich nicht wieder abhauen würde. "Ich habe Essen gemacht, lass uns essen, bevor es kalt wird".

      Wie lange es gedauert hatte, bis Thomas sie löste und nach einem Kuss nach unten ließ konnte sie nicht sagen, aber sie saß irgendwann am Tisch und bekam etwas zu essen. Wieder einmal stocherte die Frau nur ein wenig darin herum und starrte es an, als könnte es Flügel bekommen, wenn sie weiter machen würde. Sie seufzte, am liebsten wäre sie aufgesprungen und zur Tür gelaufen, es noch einen versucht, aber Thomas hielt sie mit seinem Blick fest und beobachtete sie. "Iss", murmelte er streng und deutete auf das Essen. Was für eine Kleidung hatte naira aber überhaupt an? Wie hat er sie angezogen?
      "Iss sagte ich, und denk nicht", kam es strenger vom anderen Ende des Tisches, aber Naira schwieg weiter. Sie hatte zu viele Erinnerungen an diese dominante Stimme, die ihr sofort vor das Innere Auge sprangen. Erst, als sie eine Hand auf ihrem Nacken spürte und ihr der Kopf in den Teller gedrückt wurde verschwanden sie. "Ich sagte Iss!".
      Mit zittrigen Händen loffeltr Naira die Suppe, während ihr der Thomas das Gesicht mit einen Tuch sauber machte. Ihre Kette sprang heraus, baumelte auf ihrem Hals, da verstand Thomas, was ihr Problem war. Er griff nach der Kette und trotz aller Versuche von Naira sich zu wehren riss er sie ab und betrachtete sie einen Moment. "Ich hätte ihn gleich umbringen sollen! Dann würdest du nicht immer noch an ihn denken!".
      Dieses Mal war es die Dunkelhaarige, die mit der glatten Faust in sein Gesicht schlug. Sie traf seine Nase, brach sie ihm aber definitiv noch nicht, sondern zündete erst die Wut in seinem Körper. Thomas guckte nicht schlecht, er wischte sich erst die Nase, um zu sehen ob Blut kam und betrachtete dann seine Nichte, mit einem verletzten Blick. "Du unerzogenes, kleines Gör!", schrie er noch, bevor seine Faust in Nairas Gesicht landete. Es war nun ihre Chance all die Wut auszulassen, die in ihr schlummerte, sie schlug deshalb auch wieder zu, als sie schnell zu sich kam. Sie schubste ihn, er fiel gegen die Kommode im Wohnzimmer. Es ging so weiter, obwohl Thomas definitiv die Oberhand hatte, er wusste, wie man mit Fäusten schlug. Nicht nur ihr Gesicht bekam was, sie hörte definitiv die ein oder andere Rippe brechen, der Bauch wurde langsam hart und auch ihr verletzte Bein bekam was ab. Letztendlich landete die Frau auf dem Boden, der Kopf schlug unsanft auf, und Thomas setzte sich genau über sie. Er würgte sie, aber gezielt und mit voller Kraft. Lange würde sie es nicht aushalten, sie schnappte nach Luft und versuchte die Hände von ihren Hals zu nehmen, bevor sie ohnmächtig werden würde.
      "Ich werde den Widerling töten, der dich befleckt hat.. Er wird in tausend Teile fallen, wenn ich mein ganzes Magazin auf ihm auslade!". Es war ein Satz, der der Frau für einen Moment mehr Kraft gab. Sie spürte das Adrenalin, welches ein letztes Mal durch ihre Venen floss, es war ihr Moment. Sie griff um sich, bei der Schlägerei waren einige Sachen umgefallen und zu Bruch gegangen. Sie hielt was schweres, die Lampe aus.. Beton? Oder was war das..?
      Sie landete mit einem gezielten Schlag auf seinem Kopf, zerbrach dort und nahm Naira jede Chance aufs Űberleben. Es klappte nicht, dachte sie, Thomas lachte, aber es dauerte nur einen Augenblick, da kam das Blut aus seinen Ohren und er verdrehte die Augen, bevor er schwer auf ihren Körper fiel. Der Hinterkopf blutete, aber der Würgegriff lockerte sich und sie konnte endlich nach Luft ringen.

      Vielleicht keine fünfzehn Minuten später schaffte es Naira, den schweren, Toten Körper von sich zu werfen und nach einer Fluchtmöglichkeit zu suchen. Die Türen waren alle verriegelt, der Schnee tobte draußen, sie wurde erfrieren, wenn sie nun gehen würde. Langsam ließ die Kraft und das Adrenalin nach, deshalb schnappte sich die Frau das Telefon und eine gefundene Waffe, setzte sich in eine der Ecken und hielt die Waffe auf Thomas gerichtet, falls er sich bewegen würde. Sie weinte, daß erste Mal seit langem so richtig. Sie flennte, heulte umd konnte es nicht fassen, dass er tot war. Sie war eine Mörderin.
      Es dauerte einen Augenblick, da durchsuchte sie das Telefon und rief zuerst Victor von der Nummer an. Thomas hatte sie eingespeichert. Sie rief ein Mal an, ein zweites Mal, beim dritten Mal verlor sie jegliche Hoffnung. Sie wollte zurück, aber was war, wenn Victor sie nicht zurück wollte?
      Gerade, als sie auflegen wollte, nahm er ab, das Freizeichen war nicht mehr zu hören und Naira brach vollkommen zusammen. Sie schluchzte und heulte, gab sich die größte Mühe, um etwas zusammen zu bekommen.
      "Victor?", brachte sie zwischendurch und schüttelte ihren Kopf.
      "Ich bins.. Und es tut mir so Leid.. Er.. Er.. Er ist tot!.. Und ich..", sie brach an der Stelle ab, sie konnte es nicht einfach aussprechen.
      "Ich liebe.. dich.. Hörst du?! Es tut mir so.. Leid..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die Zeit verflog und er bekam nichts davon mit. Es war wie ein rasender Zug, der an ihm vorbei ging. Was genau passierte konnte er nicht beschreiben, es war ihm auch egal geworden. Er kannte diesen Zustand er hatte ihn schon einmal gehabt. Nur war das Verlangen dabei nicht so stark gewesen, das alles zu beenden. Suizid war damals keine Lösung für ihn gewesen, aber heute...Heute, wo er wieder alleine auf ihrer Bettseite saß, hoffte etwas von ihrem Geruch noch wahrnehmen zu können, dachte er daran sich das Leben zu nehmen. Er spürte sie nicht mehr. Dafür war sie nicht lang genug in diesem Haus gewesen. Auch wenn sie hier ihre letzten Stunden verbracht hatten und es waren schöne Stunden, konnte er nicht mehr den Geruch von den Laken in sich aufnehmen. Alles an ihm schmerzte. Die Tage verschwammen ins Nichts. Alex Anwesenheit interessierte ihn nicht, auch wenn dieser alles daran setzte Victor näher zu kommen. Victor stempelte es als Versuch ab, ihm zu helfen aus diesem dunklen Loch. Aber das klappte nicht. Das wird niemals klappen. Schmerz schoss wieder durch seinen Kopf, aber diesmal zuckte Victor nicht einmal davor zurück. Ganz im Gegenteil wünschte er sich eher, dass dieser Schmerz sein Leben beenden wird. Nichts davon geschah aber einfach so. Dazu musste man sehr viel Glück haben.
      Spike lag neben dem Bett. Dadurch dass der Hund selbst kaum aß, aber auch nicht darum bat, bewegte er sich selten. Und wenn dann war es nur um mit einem traurigen Blick zu Victor zu sehen. Der Hund verstand schon, was los war. Auch wenn er es wohl nicht mit Selbstmord betitelt hätte.
      Victor fiel auf die Knie von seinem Bett und langte nach unten an die Flinte, die er vor einiger Zeit noch da versteckt hatte. Es musste der richtige Zeitpunkt sein. Sie hatte sich nicht gemeldet. Ihr letztes Mal Sex war nur ein Abschied. Ihre Worte gelogen? Oder sie war tot...Einfach nur tot, weil sie in die Hände des Psychopathen gerannt ist ohne auch nur eine Sicherheitsmaßnahme. Sie hatte nicht darüber nachgedacht, was sie damit anstellte und wem sie damit schadete.
      Victor atmete schwer, als er die schwere Flinte wieder hervor zog und sie auf das Bett legte. Die zwei Patronen lagen immer noch in den Rohren. Bereit ihm einfach den Kopf wegzublasen. Heiliges, ruhiges Delirium. Er würde einfach verschwinden. Er konnte nicht einmal für seinen eigenen Tod weinen. Nur seine Hände zitterten stark, als er sie wieder um die Waffe legte und den Lauf auf seine Stirn. Spike jaulte leise, hob den Kopf an und zuckte. Victor sah aus dem Augenwinkel zu dem Hund und schrie ihn an, er solle sich nicht bewegen. Mit rauer und kratziger Stimme gab er dem Hund die Schuld, dass das so geschehen ist und dass er ihn ja nicht so mitleidig ansehen sollte. Also senkte sich Spike wieder. Doch seine Augen ließen nicht ab von Victor. Wenn man genau hinsah, verlor auch der Hund eine Träne...

      Victor setzte an, atmete noch einmal durch und überlegte ob er sich den Lauf nicht lieber in den Mund steckte. Durch die Stoßkraft könnte er abrutschten und behindert sein, weil die Kugel nur seine Schädeldecke und einen winzigen Teil seines Gehirn traf, wollte er nicht. Er entschied sich also dafür den Mund aufzumachen, soweit er konnte. Seine Zähne klapperten an dem Eisen vorbei. Victor beugte sich über das Bett und rang nach Mut. Er weinte nicht, aber er hatte trotzdem Angst davor.
      Plötzlich klingelte sein Telefon. Aus dem Nichts. Victor hielt inne, der Finger um den Abzug wurde lockerer. Nein, der Anruf konnte nicht mehr wichtig sein. Es war bestimmt nur Alex...der sich wieder erkundigen wollte, welches Essen er holen soll, dass er dann nicht ansatzweise aß. Das Klingeln blieb. Also entschied sich Victor dazu die Waffe bei Seite zu schmeißen. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, dachte er sich und hatte Schwierigkeiten dabei auf die Beine zu kommen, und zum Handy zu gelangen, dass er mal gegen die Wand geworfen hatte. Wie man sah, funktionierte es noch. Er musste sich an der Wand festhalten, um es aufheben zu können, ohne umzufallen. Als er die verschwommenen Buchstaben auf seinem Display sah, konnte er es erst nicht glauben. Tat er auch nicht. Auch nicht, als er den Anruf annahm. Ihre Stimme klang wie aus einer anderen Welt. Sie weinte und schluchzte fürchterlich. Sie sagte ihm dass sie ihn liebte.
      Victor hatte bis dahin kein einzigen Laut von sich gegeben. War das ein übler Scherz? Hatte Alex sich an seinem Handy zu schaffen gemacht? Doch das Schluchzen verblieb in der Leitung. Victor riss die Augen auf: "Naira?", er rutschte die Wand runter, als ihm es dämmerte. Das kleine Licht, dass er in den Händen halten durfte, kehrte wieder zurück?
      Ungläubig starrte er auf das Bett vor ihm mit der Waffe. "Nein...nein nein...Du...lebst?", er hatte Schwierigkeiten sich großartig zu artikulieren oder gar normal zu klingen. Der ganze Alkohol hatte seinen Kopf vernebelt und die Stimme rau und die Zunge taub gemacht.
    • Naira O'Connor

      Es dauerte einen Moment, aber sie hörte seine Stimme und alles, was sie bisher für wichtig hielt wurde damit zur Nichte gemacht. Er lebte noch, er hatte nichts getan, was er später bereuen würde und es war noch nicht zu spät. Sie brach noch weiter zusammen, sie schluchzte laut und drückte ihren Körper noch weiter gegen die Ecke, in welcher sie saß. Es war noch definitiv nicht zu spät.
      "Ja, Vic.. Ja ich lebe..", antwortete die Frau zwischen ihrem Geheule und war glücklich, dass sie ihn endlich wieder hören konnte. Wenn sie ihn jetzt noch neben sich haben könnte wäre sie überglücklich. Aber alles zu seiner Zeit, sie würde ihn schilon früh genug wieder bei sich haben. "Ich.. liebe dich... Hörst du.. Ich.. liebe dich". Sie weinte weiter, wollte am liebsten noch mehr mit ihm sprechen, aber die Verbindung brach ab. "Victor?!", rief sie noch ins Telefon und wählte die Nummer noch einmal, aber sein Handy war scheinbar aus. Naira seufzte laut, sie müsste irgendwie hier weg kommen, aber sie war sich unsicher wie. Sie hatte ihr eigenes Handy nicht dabei, Thomas hatte bis auf die Nummern von Victor und Naira nur noch eine Nummer drin. Anthony stand drauf, da verschlug es der Frau die Sprache. Das wsr der zweite Name ihres Vaters, sie könnte wieder Kontakt zu ihm aufbauen.

      Alles schmerzte ihr, sie saß schon eine Stunde in der Ecke und konnte sich kaum beruhigen. Immer wieder, wenn sie wieder zur Ruhe kam fing sie wieder an, wenn sie zu Thomas auf dem Boden sah. Die Hand an der Waffe zitterte, aber Naira nahm sie nicht runter, sie hatte zu viel Angst, er würde doch noch aufstehen. Irgendwann erinnerte sie sich an eine Nummer, die ihr vermutlich aus der Scheiße helfen würde. Eine Nummer, die sie schon damals für den Notfall auswendig gelernt hatte. Naira holte tief Luft, sie tippte jede Zahl nacheinander und musste sich die Augen immer wieder von Tränen befreien. Es war sicherlich schon spät, deshalb ertönte zunächst keine Stimme an der anderen Seite. Gerade, als die Frau auflegen wollte meldete sich die Stimme:
      "Ramirez hier..".
      Es war befreiend, dass sie dran gegangen war, deshalb fing Naira sofort an zu heulen. "Sophie.. Er.. Er ist tot.. Maria.. Ich.. Ich.. Ich habe ihn getötet". Mehr brachte sie nicht raus, sie brach zusammen. Die Frau auf der anderen Seite wusste nicht, was sie eigentlich denken und fühlen sollte. Sie hatte mit Naira nicht gerechnet, der Schock saß tief, noch tiefer, als sie erwähnte, jemanden getötet zu haben.
      "Ganz ruhig Naira.. Ganz ruhig..", versuchte es der Chief. "Wo bist du? Wer ist bei dir? Geht's dir gut?", es gab noch viel mehr Fragen, aber Ramirez wusste, dass sie nicht allzu viel fragen durfte.

      Keine Stunde später fuhren mehrere Wagen mit bewaffneten Polizisten vor das Haus vor. Sie brachen die beiden Eingangstüren auf, richteten ihre Waffen auf Naira, bis sie erkannten, wer es ist. Die Frau ließ ihre Waffe sofort fallen und brach wieder einmal zusammen. Ramirez kam sofort zu ihr, sie nahm sie in den Arm und betrachtete den Ausgang des Szenarios. Blut war auf den Wänden, Möbel waren umgeworfen und viele der Gegenstände waren kaputt. Naira sha noch schrecklicher aus, verprügelt und voll mit Blut, viele Stellen waren mit Blut unterlaufen und dick geworden, sie sah fertig mit ihren Nerven aus. "Ich bring dich in Sicherheit.. Naira.. ganz ruhig".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Verstanden hatte er es nicht, als er ihre Stimme durch das Handy wahrnahm. Ob sie es nun wirklich war, konnte er in seinem Zustand nicht beurteilen. Etwas in ihm schrie danach, sie in den Arm nehmen zu wollen. Wissen zu wollen, wo sie sich in diesem Moment befand. Aber er schaffte es nicht zu fragen, denn der andere Teil in ihm, schrie laut und deutlich, dass das nicht wahr sein konnte. Es war ein Hirngespinst. Etwas, dass er nicht mehr kontrollieren konnte. Unweigerlich flossen ihm Tränen wieder über die Wangen und es brannte höllisch. Er dachte er sei befreit. Er dachte er sei wirklich rausgekommen und konnte sich die Kugel geben, um zu verschwinden. Warum dann das? Victor legte auf. Mehr aus Angst verrückt zu sein, als dass er sie nicht wirklich hören wollte. Es war die Angst vor dem Unausprechlichem Zufall, dass sie noch lebte und wieder zu ihm zurück kam. Dabei schrien die Dämonen in ihm danach, dass er es nicht wert sein.
      "Nein, nein nein...", er schmiss das Handy wieder auf den Boden und verteufelte es. Rief, dass es ein schlechter Witz sein musste, den er nicht kontrollieren konnte. Den Alex ihm ins Ohr gesetzt hatte. Victor fluchte und wollte eigentlich erst zum Bett wanken, doch dann bemerkte er, wie schlecht ihm wurde und dass er lieber schnellstens das Bad aufsuchen sollte. Als er sich über das Waschbecken hängte, knallte er dabei ungemütlich mit dem Kopf an dem Hängeschrank darüber. Der kalte und plötzliche Schmerz riss ihn aus seinen Gedanken raus, nahm ihm die Fahrt und die Angst aus all den Höllenvorstellungen, die er sich gerade malte. Nachdem das letzte bisschen aus seinem Magen kam und dieser nur noch schmerzlichst verkrampfte, konnte sich Victor das Gesicht waschen und einmal ordentlich durchschnaufen. Das ist nicht das was er gewollt hatte. Kopfschüttelnd wanderte er wieder zurück und setzte sich vor Spike, der ihn argwöhnisch begutachtete. Der Hund hatte kaum Energie, um sich darum zu kümmern, was der Mann von ihm wollte. Aber er folgte Victors Händen, als dieser ihn hochzog und umarmte. "Ich will das nicht tun...", flüsterte er dem Hund zu, während in seinem Kopf immer wieder die Worte von Naira im Kopf kreisten: Ich liebe dich. Sie lebt. Aber wo? Warum ist sie gegangen.

      Drei weitere Stunden saß Victor auf dem Boden und wagte es nicht sich von der Stelle zu bewegen. Hunger plagte ihn und auch der Durst. Er nippte an einem offenen Bier, in dem sich aber nur noch Reste befanden. Es schmeckte ekelerregend. Aber es betäubte die Sinne. Leer starrte Victor vor sich hin, als es unten an der Haustüre klingelte und klopfte. Er ging nicht runter. Darauf wollte er nicht reagieren. Alex hat einen Schlüssel sich genommen, das hieß, er konnte einfach rein gehen. Aber es hörte nicht auf zu klingeln und zu klopfen. Bis eine dumpfe Stimme durch die Fenster seinen Namen rief: "Parker! Mach die verfluchte Tür auf!", sie war weiblich und dominant, aber nicht Nairas. "Wenn du sie nicht aufmachst, breche ich sie ein!"
      Sie warnte ihn ein oder zwei Mal, dann kam das laute Scheppern im Eingang. Sie hatte die Zierfenster an den Seiten des Eingangs kaputt gemacht, um mit ihrer Hand das Schloss an der Tür umzudrehen. Sie fluchte, war laut und sah sich in dem Haus nach ihm um. Spike gab ein unterdrücktes Bellen von sich. Damit sie wusste wohin. Ramirez kannte er schließlich gut und er mochte sie.
      Ramirez trat die Tür ins Schlafzimmer ein und versteckte gut ihr widerwärtiges Gefühl, als sie den Geruch in dem Zimmer wahrnahm. Mit einem Blick konnte sie den Zustand ihres ehemaligen Detectives gut einschätzen, doch sie hatte kein bisschen nette Worte für ihn übrig. Stattdessen wurde sie sich der Gefahr bewusst, als sie die Waffe auf dem Bett saß und dass Victor direkt neben ihr Platz genommen hatte. Mit langsamen und bedachten Schritten ging sie auf Victor zu, der sie zwar am Anfang angesehen hatte, dann aber abwinkend meinte sie solle gehen. Ramirez schnappte sich die Waffe auf dem Bett: "Ich würde dir am liebsten damit eine über den Kopf ziehen! Ihr Männer seid immer so verdammt über dramatisch!", regte sich Sophie auf.
    • Naira O'Connor

      Eine ganze Mannschaft eskoriterte die Frau zurück nach Anchorage zum Revier der Hauptstadt. Sie hatte Handschellen an, auch wenn es ihrer Vorgesetzten schwer gefallen war, ihr welche anzuziehen, aber so waren die Vorschriften und daran musste sie sich halten. Naira selbst hatte kein Wort gesagt, seit Ramirez sie in den Arm genommen und zurück eskoritert hatte. Eine ganze Mannschaft blieb zurück, kümmerte sich um das Chaos und vor allem um den toten Mann. Vielen fiel es schwer nach den Vorschriften und Regeln zu gehen, wenn es um jemand bekanntes ging, hier vor allem um die leitende Detective des Reviers. Sie hatten alle Mitleid mit ihr, manche verachteten sie ein wenig, aber alle wollten wissen, was los war und warum vor allem.

      Zwei Stunden später schienen die ersten Sonnenstrahlen, aber Naira konnte sie nicht sehen. Sie saß in einem der Verhörräume, in denen sie auch schon zusammen mit Victor Zeugen verhört hatte. Dieses Mal war es Naira, die Antworten musste, aber sie schwer und starrte nur auf ihre Hände, die noch immer voller Blut waren. Sie ließ sich nicht untersuchen, ließ ihr Bein nur sehr provisorisch verarzten und wartete. Sie wurde nichts sagen, bis Victor nicht hier wäre.
      Die Tür öffnete sich, die Frau regte sich nicht, sie erkannte anhand der Schritte, dass es nicht Victor sein konnte. "Naira..", sprach ihre Vorgesetzte ruhig und vor allem mit aller Ruhe. "Du weiß, dass du mir alles sagen kannst.. Ich will nicht, dass der Staatsanwalt das erfährt.. Ich denke, wir können miteinander arbeiten und dich da rausbringen". Für den Chief sah es nach einer Verteidigung aus, immerhin sah Naira übler aus, als es die Leiche tat. Sie wurde verprügelt, dass hätte jeder blinde gesehen.
      "Rede mit mir.. Bitte.. Sag mir, was los war.. Warum warst du da überhaupt?". Es wurden noch einige andere Fragen gestellt, nicht nur von Ramirez, selbst Alex war in dem Raum mit dem Spiegel reingekommen.. Er wusste nicht, was er am besten sagen sollte, was er vor allem fühlen sollte, denn Nairas Anblick war schrecklich. Im Gesicht voll mit Blut, dicken Augen, einer gebrochenen Nase und vermutlich dem ein oder anderen gebrochenen Knochen im Gesicht. Dazu noch die kurzen Haare, der Mann war schneller raus, als er gedacht hätte. Er konnte sie so nicht sehen.
      Hinter dem Spiegel stand bestimmt das ganze Revier, das konnte sich die Dunkelhaarige gut vorstellen, sie wollten alle sehen, was los war, aber auch mit Alex und einigen anderen Kollegen sprach Naira nicht, sie schwieg und starrte ihre Handschellen an, während ihre Hände auf dem Tisch lagen. Irgendwann wurde sie befreit, ihr wurde was zum trinken hingestellt und man ließ sie in Ruhe in der Hoffnung, sie würde sich von selbst öffnen wenn sie so weit war.
      Das Problem war, sie wusste nicht einmal, ob sie es jemals aussprechen könnte, was sie dauernd vor ihrem geistigen Auge sah. Sie kannte die Wahrheit und diese war..schickierend.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lucy-chan ()

    • Dramatisch war noch untertrieben. Alles was in der letzten Woche geschehen ist, war alles andere als Dramatisch. Es war Feuerwerk der Hölle. Nicht nur für Victors Kopf, sondern am ehesten noch für seine Freundin, die nicht einmal etwas dafür konnte. Er tat sich schwer von Ramirez aus dem Haus gezerrt zu werden. Doch die Frau war älter und sie wusste, wie man mit einem alten Säufer umgehen musste. Sie zerrte ihn hinaus in den Schnee: "Ich weiß du kannst kaum laufen, aber dafür wirst du laufen. Ich nehme sich aufs Revier.", sagte sie ihm vor genau einer Stunde. Sie haben lange gebraucht bis Victor es überhaupt in den Wagen geschafft hatte. Sein randaliertes Aussehen machte es nicht besser. Angekommen im revier war dieses fast gänzlich leer. Nur mit Mühe hatte man die Kollegen aus den Verhörzimmern fernhalten können. die meisten wollten unbedingt sehen und wissen, was geschehen war. Vor wenigen Tagen war alles noch so fröhlich und sie feierten Silvester und nun war die Hölle los. Mit einem Mal verschwand ihr erster Detective, dann der zweite. Und jetzt kehrten sie beide in unterschiedlich schlimmen Zuständen zurück. Für den einen hatten sie aber nur missbilligende Blicke, als sie den Geruch des Alkohols wahrnahmen.
      "Warte hier...", Ramirez stellte Victor wie einen Hund bei zwei Kollegen ab, die ihn argwöhnisch musterten. Victor verschränkte nur die Arme, starrte auf den Boden und konzentrierte sich darauf weder zurück, nach vorne oder seitlich zu wanken. Wenigstens war der Gang und der Flur noch halbwegs dunkel, so waren seine Augen nicht ganz so angestrengt. Er seufzte schwer, rieb sich den Bart und horchte auf. Ramirez sprach noch einmal mit jemandem, dann kam sie zu Victor wieder und blieb in der offenen Tür stehen: "Na los. Sie spricht mit niemand anderem.", die Frau hatte einen seltsamen wehleidigen Blick im Gesicht. Etwas, das Victor nicht ganz beschreiben konnte. Er schnaubte und ging auf sie zu, hielt sich am Türrahmen fest und blickte in das Verhörzimmer.
      Es durchbohrte ihn plötzlich wie ein Pfeil. Da saß sie. Verwundet, mit Blut beschmiert und so unendlich traurig. Victor konnte seinen Augen nicht glauben. "N-...Naira?", flüsterte er tonlos und ging dann auf sie zu. Sie sah schlimm aus. Wo war sie? Warum war sie weg?
      Victor stolperte zu ihr, noch bevor sie sich irgendwie hatte regen können. Er fiel vor ihr auf die Knie und ergriff ihre blassen Hände, während er ängstlich nach einer Antwort in ihren Augen suchte.
    • Naira O'Connor

      Ihre Knöchel und Finger waren geschwollen und blau, sie hatte den Mann auch ein wenig zugerichtet, jedoch nicht gerade gut getroffen. Seit Stunden betrachtete sie nichts anderes, als die Wunden auf ihren Fingern und dachte an nichts anderes, als an die Szenen aus ihrer Vergangenheit. Es ergab endlich alles Sinn, sie verstand alles, doch die Wahrheit war schlimmer, als die Unwahrheit.
      Lange Zeit kam niemand mehr zu ihr, man ließ sie alleine in dem Raum mit einem riesigen Spiegel. Nicht ein Mal hatte sie auf gesehen, sie wollte nicht sehen, was aus ihr geworden war, die kurzen Haare und vor allem das verprügelte Gesicht würden sie sicherlich abschrecken, deshalb ließ sie es sein. Auch als die Tür aufging sah sie nicht auf, es war mit Sicherheit nur Ramirez oder vielleicht auch Alex, der wieder einmal versuchen wollte, mit ihr zu reden. Vielleicht würde er dieses Mal länger, als fünf Minuten aushalten. Erst, als jemand vor sie auf die Knie fiel und ihre Hände nahm erblickte sie das Gesicht, auf welches sie gewartet hatte. "Vic..",murmelte sie leise, da ihre Stimme versagt hatte. Sie betrachtete ihn einen Moment, dann riss sie ihre Hände von ihm los und legte sie um ihn, um seinen Kopf an sich zu drücken. Es schmerzte, jeder Atemzug schmerzte, aber ihr Herz fing an zu rasen und war glücklicher, als bisher. Sie weinte wieder, flennte und musste sich zurückhalten, um nicht wieder zu heulen. Er war gekommen, er war am Leben.
      "Ich habe den Dreckssack umgebracht..", flüsterte sie in sein Ohr, ehe sie ihn noch fester an sich drücke. "Ich kenn die ganze Wahrheit.. Die komplette.. Er.. Er wird uns nie wieder etwas tun".

      Es hatte einen Augenblick gedauert, bis Ramirez seufzte und die Tür zumachen wollte. Selbst in ihren Augen hatten sich Tränen gebildet. "Ich brauche eine Vernehmung, so leid es mir auch tut..Anders holen wir sie nicht aus der Sache raus".
      Die Tür ging zu, sie verschwand aber natürlich nicht, es hörten alle hinter dem Glas zu und warteten auf die Wahrheit, die naira aussprechen würde.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihre Wunden, das ganze Blatt, die dunklen Schatten unter den Augen...Sie sah fürchterlich aus. Doch nichts davon ließ ihn an seiner Liebe zu ihr zweifeln. Rein gar nichts. er liebte sie weiterhin. Ob mit langen oder kurzen Haaren. Ob mit Blut oder ohne oder ob sie nun im Rollstuhl endete, weil sie sich mal wieder nichts sagen ließ, wenn es um ihre Sicherheit ging. Victor küsste ihre Hände, doch sie schien ihn endlich auch realisiert zu haben und nahm ihn sofort in eine Umarmung. Sie drückte ihn an sich und er konnte nicht anders, als es zu erwidern. Er schlang seine Arme fest um ihre Taille und blieb am Boden zu ihr sitzen. Ihr Schluchzen brachte auch ihn zum Weinen. Er konnte nichts dafür, und bemerkte es kaum, dass auch ihm die Tränen über die Wangen floßen. Victor krallte sich in ihr Oberteil. Sie trug etwas eigenartiges...Es war so kindlich und mädchenhaft, dass es ihr gar nicht zum Charakter passte.
      Ramirez nahm Victor nur unterbewusst war. Konnte sie ihnen nicht noch einen Moment geben. Seine Liebe, seine Freundin war wieder lebendig zurück gekommen. Er wusste, dass Ramirez trotzdem die Aufnahme, der im Raum verfügbaren Mikros gestartet hatte.
      Er war doch in keiner akzeptablen Verfassung hier ein Verhör anzufangen. Und er war auch nicht im Dienst...Obwohl...Victor dachte einen moment nach, kramte in seinem belegten Gehirn umher, bis er verstand, dass ihn Ramirez wohl immer noch nicht gekündigt hatte. Offiziell war er im Dienst. Als hätte sie es gewusst, dass es zu diesem Moment kommt. Victor lockerte ihre Umarmung, wagte es aber nicht sie los zu lassen. Er machte es nur soweit locker, dass er zu ihr hochsehen konnte. Sanft streichelte er ihr über die Wange und presste die Lippen aufeinander, als er nach und nach jede einzelne Wunde in ihrem Gesicht entdeckte.
      "Du...hast ihn getötet? Thomas?", fing Victor an. Es fühlte sich bitter an, dass er nun arbeiten musste, statt sich damit zu vergnügen, dass alles vorbei war. Wobei das Gefühl davon ihn immer noch nicht erreicht hatte.
      "Wie...hast du ihn getötet?"
    • Naira O'Connor

      Ihre Haare fielen ständig nach vorne, wenn Naira ihren Kopf nach vorne lehnte. Sie war irgendwann soweit, dass sie sich beruhigen konnte, dennoch schaffte sie es nicht Victor in die Augen zu sehen, viel zu groß war ihre Reue und viel zu groß war das Mitleid für ihn. Er hatte es definitiv nicht verdient gehabt, aber sie war zurück, wie sie es sich versprochen hatte und vor allem war sie rechtzeitig da. ]Er sah sie an, er sah sie deutlich länger an, als es bisher jeder andere geschafft hat.. Selbst Rairez hatte die Mühe, länger als wenige Sekunden in das Gesicht der Tochter ihres alten Freundes zu sehen, dafür war Naira einfach zu sehr verprügelt worden, sie fühlte sich genauso, wie sie aussah.
      Trotz dessen, dass Victor sie verhören sollte blieb er bei ihr und sah sie einfach nur weiter an. Bei seiner Frage nach dem wie blickte sie auf und wagte es, ihm in die Augen zu sehen, Tränen bildeten sich wieder in ihnen. Sie wagte es ihm weiter anzusehen, während sie darüber nachdachte, wie sie es eigentlich getan hatte. Die Frau erinnerte sich nicht dran, oder nur brüchig. Ihre Hand wanderte zu ihrem Hals und hielt sie an der Stelle fest, an der auch die Abdrücke der großen Hände zu sehen waren. "Er.. Hat mich gewürgt..", sprach sie und nahm den Blick wieder runter zu ihren Händen, die wieder Platz auf ihrem schon fanden. Der provisorische Verband war durchgeblutet. "Er wollte dich töten.. Ich habe zugeschlagen.. Dann war er über mir.. Er würgte mich..". Sie brach wieder ab, es war ihr nicht eindeutig klar, was dann wirklich passiert war, bevor sie Victor angerufen hatte. "Ich..ich griff.. nach etwas.. Und dann", sie hob ihren Blick und betrachtete ihren Freund. "Und dann lag seine Leiche auf meinem Körper". Der letzte Satz klang relativ sicher, sie war sich dessen sicher, dass sie ihm getötet hatte. "Er war mein Onkel.. Victor.. Es ergibt alles einen Sinn.. Die Morde.. Der Bunker.. Der Teddy und die Uniform.. Die Obsession nach mir..", sie brach wieder ab und sank den Kopf wieder, um es nicht auszusprechen, solange sie ihm in die Augen sah. "Er hatte sich an mir vergangen.. Damals". Sie brach wieder zusammen, es war zu viel auf einmal, zu viele Erinnerungen in ihrem Kopf, die am die Oberfläche wollten. [/size]
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Warum musste er sie befragen und konnte es nicht einfach jemand anderes für ihn erledigen. Victor konnte es nicht ertragen sie leiden zu sehen und trotzdem, konnte er seinen Blick nicht von ihr wenden. Sie war wieder da und bis zum bitteren Ende wird es wohl für ihn noch wie ein Traum wirken. Die Kopfschmerzen kamen in Wellen und brachen über seine Gedanken ein, die er versuchte zu ordnen. Sie sah grauenvoll hingerichtet aus. Die Haare nicht so sehr. Aber ihr Gesicht, ihre Hände. Sie werden wohl noch einmal lange mit ihr beim Arzt sitzen, doch er wird jede Minute mit ihr dabei sein.
      Naira rang mit sich ihm diese Frage zu beantworten und als sie ihn ansah, bekam Victor einen trockenen Mund. Diese rot unterlaufenen Augen, die seit Stunden geheult haben. Lächerlich. Er war lächerlich, er hatte keinen Grund zu weinen. Aber sie. Und alles was sie ihm nach und nach erzählte ließ ihn wütend werden. Zu wütend, als dass er noch weiter reden sollte, aber er musste. Für sie.
      "Ssch...ruhig...Du erzählst so viel...und so schnell wie du kannst...", er nahm ihre Hände wieder in seine, legte sie zusammen und legte die Stirn an sie. Ihm wurde stetig schlechter, weswegen er selbst einen Moment warten musste, um wieder mit ihr zu reden. Er schnaufte tief durch, hoffte, dass dies ein wenig dabei half, um klarer denken zu können.
      "Gut...du hast dich gewehrt.", Victor konnte das nur durch zusamen gebissene Zähne sagen. Wenn er doch bloß dagewesen wäre. Er hätte ihn in Stücke gerissen.
      "Er...war dein Onkel?", fragte Victor schließlich nachdem er ein wenig durchgeatmet hatte und wieder zu ihr aufsehen konnte. Er blieb bei ihr und würde kein bisschen weichen. Nicht wenn sie so war. "Kennst...du seinen vollen Namen?", Victor musste sich zusammenreißen nicht zu viel auf einmal zu fragen, weil er sie sonst damit entweder verunsichern würde oder den Aspekt verlieh, dass das hier wirklich eine Befragung war und nicht, dass er sich um sie kümmern wollte. Alles was sie ihm verriet, ließ ihn sich anspannen. Doch diese Wut konnte er auf niemandem auslassen. Thomas war tot...Wer sollte für all das büßen, was er seiner Freundin angetan hatte. Sanft streichelte Victor ihr über den Handrücken den Unterarm hoch.
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