the witch and the hunter [rambow x yumia]

    • Ich schwieg einen Augenblick und sah zu ihm hinüber. „Er war streng und konnte einem das Leben bisweilen recht anstrengend machen, doch er war gutmütig, geduldig und hat mich stets unterstützt. Er hat mir vieles beigebracht.“ Damit war für mich genug gesagt, und ich wandte mich wieder meinen Kräutern zu, während seine Worte noch in meinen Gedanken nachhallten. Ich wusste sonst nicht was ich über ihn erzählen sollte. Die komplizierte Art vom alten Mann war nicht einfach zu beschreiben, mir fehlten durchaus auch die Worte dazu. Doch ich war der Meinung, dass das Gesagte ziemlich präzise zusammen gefasst hat.
      Dennoch bemerkte ich bald, dass seine Atmung noch immer etwas flacher ging und er sich schwer gegen die Wand lehnte. Die wenigen Schritte durch die Hütte hatten ihn mehr angestrengt, als er vermutlich zugeben wollte. Ich nahm den Becher vom Tisch, füllte ihn mit frischem Wasser und stellte ihn neben ihn. „Trinkt erst einmal. Ihr habt heute bereits genug getan.“ Danach setzte ich mich wieder und begann, die getrockneten Kräuter vor mir zu sortieren. Eine Weile kehrte Ruhe ein, nur das Knacken des Feuers und das leise Rascheln der Blätter war zu hören. Mein Blick fiel dabei immer wieder auf seine Ausrüstung. Das Leder war noch feucht und an einigen Stellen bereits hart geworden, während die metallenen Teile deutliche Spuren des Sumpfes trugen. Er wolle es mir ohnehin zeigen, zu einem späteren Zeitpunkt, daher bestand keine Eile. Immerhin konnte er gut einschätzen, wann er eine Pause einlegen sollte. Da schien der Jäger zumindest vernünftig genug zu sein, sich selbst vor zu viel Anstrengung zu schützen. Der Tag lag noch lange vor uns, daher konnte der Jäger sich ausgiebig seine Aigen schließen und seinen Körper die Ruhe geben, die notwendig war.
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    • Ich schloss die Lider und ließ den Kopf schwer gegen das kühle Holz der Wand sinken.
      Ihre knappen Worte über den alten Mann hingen noch eine Weile in der dichten Luft der Hütte nach. Sie hatte nur das Wesentliche gesagt, ohne Schnörkel und ohne verlegenes Abschweifen. Streng, gutmütig, geduldig. Für jemanden wie sie war das vermutlich mehr als genug Erklärung. Ein Mann, der sie geformt hatte, ohne große Reden zu schwingen. Ein Leben, das in wenigen Sätzen zusammengefasst war, weil manche Bindungen schlicht in Taten und nicht in Geschichten fortlebten. Ich spürte das leise Ausweichen in ihren Handgriffen, als sie sich wieder den Kräutern zuwandte, und beschloss stumm, den Schatten der Vergangenheit ruhen zu lassen.
      Der Becher mit dem frischen Wasser, den sie mir wortlos hingestellt hatte, war eine willkommene Linderung. Die Kälte des Wassers lief angenehm durch meine trockene Kehle, als ich einen kleinen Schluck nahm, ehe ich mich vollkommen der aufsteigenden Müdigkeit ergab.
      Ich schlief nicht gänzlich ein. Es war jener dämmerige Zwillingszustand zwischen Wachen und Träumen, in dem die Außenwelt wie durch eine dicke Decke gedämpft an das Bewusstsein dringt. Das stetige Knacken des Scheitholzes im Kamin, das trockene Rascheln der getrockneten Kräuterblätter unter ihren Fingern und das ferne, stetige Rauschen der Fichtenkronen da draußen fügten sich zu einem schützenden Teppich zusammen. Mein Atem verlangsamte sich. Das heiße Pochen an meiner Flanke, wo die Heilsalbe unter den Binden arbeitete, wandelte sich in ein gleichmäßiges, dumpfes Drücken. Mit jeder Minute, die die Schatten langsam über die Dielen wandern ließen, spürte ich, wie die verbrauchte Energie ganz allmählich in meine Muskeln zurückkehrte. Der Körper nahm sich schweigend, was er brauchte.
      Als ich die Augen wieder öffnete, hatte sich das Licht im Raum spürbar gewandelt. Die helle Steilheit des Vormittags war der kühlen, goldenen Wärme des späten Nachmittags gewichen. Lange Lichtstreifen fielen durch das kleine Fenster und tauchten den aufsteigenden Rauch des Kaminfeuers in ein schimmerndes Band.
      Ich richtete mich langsam auf. Der Brustkorb schmerzte noch immer bei der kleinsten Unachtsamkeit, doch die Steifheit der Muskeln hatte nachgelassen. Ich griff nach dem Becher, trank den Rest des kühlen Wassers in gierigen, tiefen Zügen aus und stellte das Gefäß leise beiseite. Der Kopf war wieder klar, der Geist wach.
      Mein Blick wanderte hinab zu dem Haufen Ausrüstung, der noch immer unberührt neben dem Bett auf dem Boden lag.
      Es war ein beachtlicher Stapel aus Leder, Eisen und Schnallen, der die Spuren meiner tagelangen Reise und des blutigen Zwischenfalls im Sumpf über deutlich trug. Da waren die schweren Satteltaschen, deren Leder durch das Moorwasser dunkel und stellenweise hart getrocknet war. Daneben lag der lederne Rucksack, prall gefüllt mit all den Werkzeugen, Ölen, Rationen und Seilen, die ein Jäger auf den Pfaden brauchte. Etwas abseits ruhten die verstärkten Armschienen und der Lederbrustschutz – Rüstungsteile, die das Eisen der Bestie zwar abgewehrt hatten, nun aber dringend einer reinigenden Hand bedurften. Und schließlich das Herzstück: das lange Schwert in seiner mit Leder bezogenen Holzscheide. Die Eisenteile des Gehänges und der Mundbleche zeigten den berüchtigten rötlichen Schleier von Rost, den die Feuchtigkeit in der klammen Hütte binnen weniger Tage gefressen hatte.
      Ich hob den Kopf und sah hinüber zum Vorbereitungstisch, wo sie noch immer mit ihren Arbeiten beschäftigt war.
      „Wenn Ihr noch immer die Muße dazu habt“, begann ich ruhig, meine Stimme wieder fester und ohne das brüchige Rascheln des Vormittags, „könnten wir uns nun gemeinsam an mein Zeug machen. Die Pause hat ihren Zweck erfüllt.“
      Ich wies mit einer leichten Kopfbewegung auf den Haufen am Boden.
      „Es ist einiges zusammengekommen“, fuhr ich fort und ließ den Blick über die verschiedenen Teile gleiten. „Die Satteltaschen, der Rucksack, die Rüstungsteile... und das Schwert. Das Metall fängt an zu fressen, und das Leder wird brüchig, wenn wir es nicht bald fetten. Ich kann die Arbeit im Sitzen erledigen, ohne meine Rippen zu belasten. Und wenn Ihr mögt, zeige ich Euch an den Gürteln und Taschen, wie man das Eisen wieder blank bekommt, bevor es den Stahl beschädigt.“
      Es war eine schlichte Einladung. Kein Drängen, kein Aufzwingen einer Aufgabe. Doch die Vorstellung, den späten Nachmittag gemeinsam über den kühlen Riemen und dem Geruch von Lederfett und Öl zu verbringen, fühlte sich richtig an. Es war ein Handwerk, das keine großen Worte verlangte, sondern lediglich Geduld, eine ruhige Hand und ein wenig Fleiß – Dinge, die ihr keineswegs fremd waren.
      Ich stützte mich mit einer Hand an der Bettkante ab, schob die Füße fest auf die Dielen und wartete gelassen auf ihre Reaktion, während draußen am Zaun der Wallach ein kurzes, tiefes Schnauben vernehmen ließ und der Spätnachmittag den Wald langsam in ein friedliches Dunkelrot tauchte.
    • Ich hob den Kopf, als seine Stimme die Stille der Hütte durchbrach, und sah zu ihm hinüber. Er wirkte nach der Ruhe sichtlich erholter, doch noch immer achtete ich darauf, wie vorsichtig er sich bewegte. Als er nach seiner Ausrüstung deutete, wanderte mein Blick ebenfalls zu dem Haufen aus Leder und Eisen. „Wenn Ihr Euch dabei wirklich nicht überanstrengt, können wir es versuchen“, antwortete ich und erhob mich von meinem Platz. Ich trat zu seinen Sachen und kniete mich davor, ohne eines der Stücke gleich anzufassen. Das Leder sah tatsächlich mitgenommen aus, und an einigen der metallenen Schnallen zeigte sich bereits der rötliche Rost. „Dann zeigt mir, womit ich anfangen soll.“ Ich setzte mich auf den Boden neben die Ausrüstung und nahm eine der beschädigten Schnallen zwischen die Finger, betrachtete sie prüfend und drehte sie ein wenig im Licht. Es war ungewohnt, solches Handwerk vor mir zu haben, doch zugleich erinnerte es mich an die vielen kleinen Arbeiten, die ich im Laufe der Jahre gelernt hatte. Geduld und eine ruhige Hand waren schließlich nicht nur bei Kräutern von Nutzen. Leonard begann mir zu erklären, worauf ich achten musste, und ich hörte aufmerksam zu. Ich selbst arbeitete wenig mit Metall, doch es war ein Wissen, was mir zukünftig behilfrich sein konnte. Der alte Mann hatte mir nichts von gelehrt, ich besaß daher kein Funken Wissen über dieses Thema. Ich schämte mich darüber nicht, vielmehr sah ich meinen eigenen Ansporn etwas Neue szu lernen, auch wenn es nicht viel Nutzen in meinem Alltag finden wird. Ohnehin waren meine Arbeiten erledigt und hatte nichts besseres zu tun, daher erschien mir dieses kleine Zusammenkommen als eine gute Abwechslung, der sicherlich auch den Jäger dabei half nicht nur seinen Körper in Arbeit zu setzen, sondern auch sein Haupt.
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    • Ein leises, zufriedenes Nicken entwich mir, als sie sich zu den Sachen kniete und das rötlich angelaufene Eisen der ersten Schnalle vorsichtig zwischen die Finger nahm. Es war eine einfache, unaufgeregte Geste, doch die Ernsthaftigkeit, mit der sie das Stück betrachtete, verriet mir mehr über sie als viele Worte. Sie ging an dieses Handwerk genau wie an ihre Pflanzen heran: ohne falsche Hast, mit wachsamen Augen und dem stummen Respekt vor der Materie.
      Ich rutschte ein Stück auf der Kante der Pritsche vor, achtete penibel darauf, meine Flanke nicht zu verdrehen, und beugte mich leicht nach vorne. Der Schmerz in den Rippen war zu einem stumpfen, erträglichen Pochen abgeflacht, das sich gut kontrollieren ließ, solange ich keine ruckartigen Bewegungen machte.
      „Das Wichtigste kommt ganz zu Beginn“, begann ich, während meine Stimme ruhig und getragen durch die friedliche Hütte schwebte. „Man arbeitet niemals an zusammengesetzten Stücken. Wenn Metall und Leder miteinander verbunden bleiben, fritt das Fett das Eisen an, oder das Wasser lässt das Leder unter den Beschlagen verrotten. Beides zerstört die Ausrüstung auf Dauer von innen heraus. Wir müssen zuerst alles trennen, was sich trennen lässt.“
      Ich dehnte mich vorsichtig aus, griff nach den Riemen des Gehänges und begann mit der rechten Hand – deren Finger nun wieder deutlich ruhiger gehorchten –, die kleinen, eisernen Dornen aus den Schnallen zu fädeln. Schritt für Schritt zeigte ich ihr den Prozess. Ich erklärte ihr, wie man die ledernen Schlaufen mit sanftem Druck aufhebelte, ohne die alten Nähte zu sprengen, wie die dicken Gurte des Rucksacks aus ihren Halterungen gelöst wurden und wie man die schweren Armschienen vollkommen von ihren Schnürungen befreite.
      Es war eine geduldige, systematische Arbeit. Stück für Stück zerlegten wir den eindrucksvollen Haufen vor unseren Füßen. Aus dem bedrohlichen Berg aus Waffen, Rüstung und Taschen wurde langsam eine geordnete Reihe einzelner Elemente: hier die klammen, steifen Lederstreifen, dort die kleinen und großen Schnallen, die Ringe, die Mundbleche und schließlich die blassen, kalten Klingen von Schwert und Dolch.
      Als alles sauber auf den Dielen aufgeteilt lag, wies ich zuerst auf die Lederstapel.
      „Wir fangen mit dem Leder an“, sagte ich und deutete auf einen kleinen, tiefbraunen Tiegel, den ich zuvor aus einer der Seitentaschen meines Rucksacks gefischt hatte. Der Topf war mit einem dicken Pfropfen verschlossen, der nach altem Harz, Bienenwachs und Talg roch. „Das Leder ist verhältnismäßig schnell erledigt, aber es verträgt keine Nachlässigkeit. Das Wasser des Sumpfes hat die natürlichen Öle herausgewaschen. Wenn wir es jetzt einfach so trocknen lassen, wird es spröde wie altes Holz und bricht beim ersten Zug.“
      Ich zeigte ihr das Mischungsverhältnis. Aus dem Wasserkessel, der noch immer lau warm über der Glut hing, goss ich einen kleinen Schluck in ein flaches Holzschälchen und fügte eine messerspitze der festen Paste aus dem Tiegel hinzu. Das Fett schmolz im warmen Wasser mit einem leisen Zischen und verwandelte sich in eine milchige, seidig glänzende Emulsion.
      „Man trägt es nicht dick auf“, wies ich sie an, während ich einen kleinen Lappen in die Mischung tauchte und ihn gründlich ausrang. „Nur nebelfeucht. Das warmgelöste Fett zieht tief in die Poren der Haut ein. Nach einer kurzen Weile wird das Leder wieder vollkommen weich und geschmeidig, ohne dass es seine Festigkeit oder seine Robustheit einbüßt. Wenn man zu viel nimmt, wird es seifig; nimmt man zu wenig, bleibt es hart. Es braucht nur diesen einen, gleichmäßigen Film.“
      Ich sah zu, wie das Leder unter der Behandlung rasch seine dunkle, klamme Kälte verlor und wieder diesen satten, warmen Braunton annahm, den gutes Sattlerleder besitzen sollte. Die Arbeit ging leicht von der Hand, verlangte keine Kraft und bot dem Geist eine ruhige Beschäftigung, während der Spätnachmittag draußen langsam in die Dämmerung überging.
      Doch als das Leder versorgt war und auf einem sauberen Tuch zum Trocknen ruhte, wandte ich mich den metallenen Teilen zu.
      „Das Metall...“, begann ich und meine Stimme nahm einen etwas ernsteren Ton an, „...das ist wesentlich mehr Arbeit. Und hier müssen wir vorsichtig sein.“
      Ich griff zuerst nach dem Schwert und dem Jagdmesser. Die langen Klingen lagen blass und stumpf auf dem Holz, gezeichnet von den feuchten Nebeln der letzten Tage, doch frei von tiefem Lochfraß. Aus den Rucksachtaschen zog ich einen feinkörnigen, grau-grünen Polierstein hervor, der mit einer öligen Schicht überzogen war.
      „Die Klingen brauchen heute nur den Stein“, erklärte ich, während ich den Stein mit gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen über den Stahl gleiten ließ. Das schabende Geräusch erfüllte die Hütte mit einer metallischen Melodie. „Wir nehmen nur den Oberflächenfilm und den leichten Flugrost ab. Das Schärfen lassen wir heute ganz bewusst aus. Dafür braucht man einen festen Stand, Kraft im Oberkörper und eine völlig ruhige Flanke – Dinge, die mein Körper mir heute noch verweigert. Die Schärfe läuft uns nicht davon. Wichtig ist nur, dass der Stahl wieder atmen kann und blank ist.“
      In wenigen Minuten reflektierten die Breitklingen wieder das dämmrige Licht des Kaminfeuers. Sie waren nicht rasiermesserscharf, aber sie waren geschützt.
      Dann wandte ich mich dem eigentlichen Problem zu: der bunten Schar aus Schnallen, Ringen, Nietköpfen und den Beschlägen der Satteltaschen. Sie alle waren über und über mit einer fiesen, rötlichen Rostschicht überzogen, die sich tief in die Rillen der Verzierung gefressen hatte. Mit einem Polierstein alleine hätte man Stunden gebraucht, um auch nur die Hälfte der kleinen Kanten sauber zu bekommen.
      Ich griff tief in den Rucksack und holte ein kleines, fest verwickeltes Ledersäckchen hervor. Daraus entnahm ich ein feines, blassgelbes Pulver, das stechend nach verbranntem Stein und altem Schwefel roch.
      Ich nahm eine tiefere Ton-Schale, die am Rande des Tisches stand, gieß frisches Wasser hinein und streute eine großzügige Handvoll des Pulvers hinein. Das Wasser begann augenblicklich leise zu brodeln. Kleine, feine Bläschen stiegen an der Oberfläche auf, und ein beißender, scharfer Dampf stieg in die Luft.
      Ich sah sie direkt und eindringlich an. Die Beiläufigkeit in meinem Blick war vollkommen verschwunden.
      „Hört mir jetzt genau zu“, sagte ich und meine Stimme schnitt durch das leise Brodeln der Schale. „Berührt diese Flüssigkeit unter keinen Umständen mit den blassen Fingern. Nicht einmal mit der Spitze eines Nagels. Das ist ein Ätzmittel der Zunft. Es frisst den Rost vom Eisen in wenigen Minuten herunter, aber es unterscheidet nicht zwischen altem Metall und menschlicher Haut. Wenn Ihr hineingreift, brennt es Euch die Haut bis auf das Fleisch weg.“
      Ich wiederholte die Warnung noch einmal mit ruhigem Nachdruck, um sicherzugehen, dass das Gewicht meiner Worte bei ihr ankam. Ein solches Mittel war ein Werkzeug der Feldapotheke der Jäger – nützlich, aber unbarmherzig, wenn man fahrlässig damit umging.
      Mit einer kleinen Holzzange, die ich aus den Taschen zog, nahm ich die verrosteten Schnallen einzeln auf und ließ sie vorsichtig in das brodelnde Bad gleiten. Kaum trafen die eisernen Teile auf die Flüssigkeit, verstärkte sich das Zischen. Der rötliche Belag auf den Beschlägen begann sich sichtbar aufzulösen, wölbte sich in kleinen, dunklen Flocken ab und stieg als dunkler Schaum an die Oberfläche.
      Wir saßen eine Weile schweigend vor der Schale. Das leise Zischen des Mittels war das einzige Geräusch im Raum. Es dauerte nicht lange – kaum zehn Minuten –, bis das Metall unter der Flüssigkeit wieder silbrig und dunkel schimmerte. Der Rost war vollkommen aufgefressen.
      „Nun kommt der letzte Schritt“, sagte ich leise. „Die Säure muss neutralisiert werden, sonst frisst sie das Eisen in den nächsten Tagen vollends auf.“
      Ich griff nach einem langen, trockenen Fichtenstock, der neben dem Kamin lag. Mit der zugespitzten Seite fischte ich die ersten Schnallen geschickt aus dem ätzenden Bad. Die Metalle waren heiß und dampften leicht in der kühlen Raumluft.
      Ohne zu zögern, schob ich den Stock über die Kante der Feuerstelle und warf die nassen, säuregestränkten Schnallen direkt in die glühende Asche des Kaminfeuers.
      Es gab ein plötzliches, fauchendes Rauschen.
      Ein lautes Knistern fuhr durch die Scheite, und für einen faszinierenden, kurzen Augenblick veränderte das Feuer seine Farbe. Die sonst friedlich rot-orange lodernden Flammen schlugen in ein leuchtendes, tiefes Violett um, das an den Rändern in ein grelles, giftiges Grün überging. Der stechende Geruch des neutralisierten Pulvers verflüchtigte sich augenblicklich in den Zug des Schornsteins. Ein paar Sekunden lang erstrahlte die kleine Hütte in diesem bizarren, fast magischen Lichtspiel, ehe das Fauchen abebbte und die Flammen wieder in ihr gewohntes, warmes Rotgelb zurücksanken.
      In der Asche lagen die Schnallen – vollkommen blank, sauber, frei von jedem Makel und durch die Hitze des Feuers gehärtet.
      Ich lehnte mich langsam wieder an die raue Holzwand zurück. Der Brustkorb zog ein wenig von der gebückten Haltung, aber die Anstrengung war gering gewesen.
      „Das war es schon“, sagte ich mit einem leisen, zufriedenen Schmunzeln und wies auf die abgekühlten, glänzenden Beschläge und die geschmeidig gewordenen Lederriemen. „Das ganze Theater um die Ausrüstung eines Jägers ist im Grunde nichts weiter als ein bisschen Chemie, ein gutes Fett und das richtige Feuer im rechten Moment.“
      Ich schloss für einen Augenblick die Augen. Die Dämmerung hatte den Raum nun vollends eingeholt. Draußen im Garten war es dunkel geworden, und der Wind trug das kühle Rauschen der Nacht herbei. Die Hütte roch nach gepflegtem Leder, heißem Eisen und dem verbleibenden Duft des Feuers. Der Tag neigte sich seinem Ende zu, und der Haufen, der einst steif und verrostet auf den Dielen gelegen hatte, war wieder zu dem geworden, was er sein sollte: eine verlässliche Ausrüstung, bereit für die Pfade, die irgendwann vor mir liegen würden.
    • Ich hatte seine Anweisung aufmerksam verfolgt und meine Finger sogleich von der Schale ferngehalten. Der beißende Geruch ließ mich ohnehin instinktiv ein wenig zurückweichen. All seine bisherige Erklärungen und Bewegungen hatte ich zutiefst verinnerlicht. Jeden Satz aufgezogen. Es war nicht kompliziert gewesen, es waren einfache Schritte und einfache Materialien, die er benutzte. Es war einfacher gewesen, als ich es mir vorgestellt habe. Es war eine angenehme Überraschung. „Das hätte ich auch ohne Eure Warnung nicht angefasst“, murmelte ich, wenngleich mein Blick noch immer neugierig auf der brodelnden Flüssigkeit ruhte. Ich kannte viele Kräuter und Mittel, doch mit einem solchen Zeug hatte ich noch nie gearbeitet. Als die ersten Schnallen in der Schale zu zischen begannen, beobachtete ich schweigend, wie der Rost sich von dem Eisen löste. Es war wirkungsvoll, wenn auch keineswegs etwas, das ich in meiner Hütte gern unbeaufsichtigt stehen hätte. Dann jedoch veränderte sich plötzlich das Feuer. Ich hielt mitten in der Bewegung inne und starrte auf die violetten Flammen, deren Ränder für einige Augenblicke in einem seltsamen Grün aufflammten. „Was... war das?“ fragte ich leise und rückte ein kleines Stück näher zum Herd, ohne die Schale aus den Augen zu lassen. Für einen kurzen Moment erinnerte mich das Licht an etwas, das ich nicht recht zu benennen vermochte, und ich spürte ein merkwürdiges Kribbeln in meinen Fingerspitzen. Vielleicht war es nur die Hitze oder die ungewohnte Reaktion des Mittels. Ich schob den Gedanken beiseite und sah stattdessen auf die nun blanken Schnallen. „Es ist jedenfalls erstaunlich“, stellte ich fest und nahm eine der abgekühlten Schnallen vorsichtig zwischen zwei Finger. Sie glänzte beinahe wie neu. Ich strich mit dem Daumen über das glatte Metall und legte sie wieder zu den übrigen Teilen. „Das hätte ich allein wohl kaum herausgefunden.“ Mein Blick fiel auf Leonard, der sich inzwischen wieder gegen die Wand lehnte. „Und Ihr habt Euch dabei tatsächlich kaum bewegt.“ Ich musterte ihn prüfend, ehe ich zufrieden nickte. „Dann war das wohl eine der wenigen guten Ideen von Euch.“ Ein kaum merkliches Lächeln huschte über mein Gesicht.
      Draußen war es inzwischen vollkommen dunkel geworden, und die Kälte drang langsam durch die Ritzen der alten Hütte. Ich erhob mich, legte die gepflegten Riemen ordentlich beiseite und begann, die übrigen Dinge vom Boden auf den Tisch zu räumen. „Für heute reicht es“, sagte ich ruhig. „Ihr habt Eure Ausrüstung gerettet, ohne dabei eine weitere Wunde zu bekommen. Mehr kann man wohl nicht verlangen.“ Ich legte noch ein Scheit Holz ins Feuer und setzte einen kleinen Topf darüber. Ich schien mehr Worte auf der Zunge zu haben als sonst, was wohl an die lehrreiche Stunde vom Jäger, der meine Neugier gestillt hatte.
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    • Ein leises, tiefes Lachen entwich meiner Brust, als ich die Neugier in ihren Augen sah und das fast schon kindliche Staunen spürte, mit dem sie die nun schimmernden Schnallen betrachtete. Es war ein seltenes, unverfälschtes Bild: Die sonst so kühle, pragmatische Heilerin, die den Gefahren des Waldes mit stoischer Gelassenheit begegnete, war für einen kurzen Augenblick von der schlichten Magie der Wandlung fasziniert worden.
      „Es ist keine Zauberei“, sagte ich leise, während mein Schmunzeln noch immer auf den Lippen lag. Meine Stimme klang entspannt und getragen von der behaglichen Wärme, die der Kamin nun in den Raum abstrahlte. „Es ist Alchemie. Ein altes Handwerk der Zunft, das wir auf den langen Wegen nutzen, um Werkzeug und Waffen rasch wieder einsatzbereit zu machen.“
      Ich wies mit einer leichten Handbewegung auf das kleine Ledersäckchen, aus dem ich das gelbliche Pulver entnommen hatte.
      „Das Pulver stammt aus einem gelblichen Gestein – Schwefel, der tief in den Spalten brennender Berge gewonnen wird. Wenn man den Stein fein mörsert, bleibt er zunächst vollkommen harmlos und trocken. Seine ätzende Kraft entfaltet er erst in dem Augenblick, in dem er mit reinem Wasser zusammenstößt und die Säure freigesetzt wird. Das grüne und violette Licht im Feuer... das ist nichts weiter als der Rest der Säure, der beim Verbrennen im Harz des Fichtenholzes augenblicklich zerfällt. Es sieht beeindruckend aus, aber es ist reine Natur.“
      Ich sah, wie ihr Blick noch immer auf dem Säckchen ruhte, während sie die frischen Holzscheite auf die Glut legte. Die lehrreiche Stunde hatte die verbliebenen Mauern zwischen uns wieder ein Stück weiter aufgeweicht, und das leise Prasseln des neu entfachten Feuers schuf eine vertraute, fast heimelige Atmosphäre in der kleinen Holzstube.
      Ich griff nach dem Ledersäckchen, lockerte die Schnur und hielt es ihr ein kleines Stück entgegen.
      „Wenn Ihr das Schauspiel noch einmal sehen wollt“, schlug ich ruhig vor, während ein warmer Glanz in meinen Augen lag, „dann nehmt eine kleine Prise dieses trockenen Pulvers – nur ganz wenig zwischen Daumen und Zeigefinger – und werft es direkt in die heiße Glut. Ganz ohne Wasser. Ihr werdet sehen, wie die Flammen augenblicklich wieder in diesem tiefen Violett und Grün aufflackern. Es tut dem Herd nichts, hinterlässt keinen Schaden und gibt Euch die Antwort auf Euer Wundern.“
      Ich hielt inne und beobachtete, wie das Licht der Flammen über die Holzoberflächen wanderte. Die Kälte der Nacht, die draußen durch die Wipfel der Fichten strich, schaffte es nicht mehr durch die dicken Holzbalken. Das Knistern des Kaminfeuers und der Duft von frischem Fichtenholz, gepflegtem Leder und Kräutertees hüllten den Raum in eine tiefe Geborgenheit.
      Ich lehnte mich ein Stück weiter zurück, spürte das feste Holz der Wand an meinem Rücken und sah sie ernst, aber von tiefem Respekt erfüllt an.
      „Ich danke Euch“, sagte ich leise, und meine Stimme verlor jeden Anflug von Beiläufigkeit. „Ich danke Euch für Eure Hilfe an diesem Nachmittag. Für Eure Geduld... und dafür, wie Ihr mich hier ertragt. Ich weiß sehr wohl, dass ich als unerbetener Gast in Euer Leben getreten bin. Ein verletzter Jäger, der Unruhe in Euren Alltag gebracht hat und Eure Vorräte beansprucht.“
      Ich machte eine kurze Pause und ließ meine Worte in der Stille der Hütte wirken.
      „Ihr hättet mich im Sumpf liegen lassen können. Oder Ihr hättet mich vor Eurer Tür abweisen können, sobald Ihr gesehen habt, wer ich bin. Dass Ihr es nicht getan habt, dass Ihr meine Wunden gepflegt habt und mir heute Abend sogar hier am Boden geholfen habt, meine Ausrüstung vor dem Verfall zu retten... das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich habe in meinem Leben viele Orte gesehen, aber nur wenige Menschen getroffen, die eine solche Barmherzigkeit besitzen.“
      Der kleine Topf über dem Feuer begann leise zu summen, als das Wasser darin seine Siedehitze erreichte. Draußen in der Dunkelheit hörte man nur das vereinzelte, tiefe Schnauben meines Wallachs, der sicher und satt am Zaun stand. Die Arbeit des Tages war getan. Die Ausrüstung lag geordnet, gesäubert und gefettet auf dem Tisch, bereit für die Zukunft. Meine Wunden ruhten unter den frischen Verbänden, und der ständige Schmerz war einem erträglichen, heilenden Pochen gewichen.
      Ich schloss für einen Augenblick die Augen und genoss das Gefühl der tiefen Ruhe, die sich über uns beide gelegt hatte. Die Nacht mochte kalt und dunkel über dem Wald liegen, doch hier drinnen, im warmen Schein der Glut, war der Frieden für diesen Tag vollkommen.
    • Ich nahm das kleine Ledersäckchen vorsichtig entgegen und betrachtete es einen Augenblick, ehe ich die Schnur wieder sorgfältig darum band. „Dann werde ich es wohl morgen einmal versuchen“, sagte ich leise und ließ meinen Blick noch einmal zu den Flammen wandern. Irgendetwas an den Farben hatte mich gefesselt. Das tiefe Violett, das so unvermittelt zwischen dem Rot und Gold der Glut aufgeleuchtet hatte, dazu jene seltsamen grünen Ränder, die für einen kurzen Augenblick beinahe wie fremdes Licht gewirkt hatten. Es war nichts, was ich bislang gesehen hatte, und gerade deshalb wollte ich wissen, ob es sich tatsächlich so wiederholen ließ. Ich legte das Säckchen zu den übrigen Sachen auf den Tisch, doch ehe ich mich weiter damit beschäftigte, fiel mein Blick auf den kleinen Topf über dem Feuer. Es gab schließlich Wichtigeres, und für das Schauspiel würde sich auch morgen noch Zeit finden.
      Ich wandte mich dem Essen zu und bereitete eine einfache, warme Mahlzeit zu, während draußen die Dunkelheit dichter zwischen den Bäumen lag. Als Leonard mir schließlich seinen Dank aussprach, sah ich kurz zu ihm hinüber und winkte mit einer kleinen Bewegung ab. „Das war selbstverständlich“, erwiderte ich ruhig. „Ich hätte Euch wohl kaum im Wald liegen lassen können.“ Mehr vermochte ich dazu nicht zu sagen, denn für mich war es tatsächlich nichts, worüber viele Worte verloren werden mussten.
      Ich stellte ihm das Essen hin und wartete, bis er sich etwas bequemer gesetzt hatte, ehe ich mich daran machte, seine Verbände zu wechseln. Vorsichtig löste ich die alten Tücher und betrachtete die Wunden im Schein des Feuers. Diesmal musste ich nicht lange suchen, um eine Veränderung festzustellen. Die Schwellung war deutlich zurückgegangen, die Haut wirkte ruhiger, und auch dort, wo die Verletzungen zuvor noch recht tief gewesen waren, begann sich neues Gewebe zu bilden. Ich strich nur behutsam mit den Fingerspitzen über die unversehrte Haut daneben und nickte zufrieden. „Es wird besser“, murmelte ich mehr zu mir selbst als zu ihm. „Deutlich besser.“
      Nachdem ich die Wunden erneut gereinigt und mit frischer Salbe versorgt hatte, legte ich ihm einen sauberen Verband an und achtete darauf, ihn nicht zu fest zu binden. Erst als alles zu meiner Zufriedenheit war, räumte ich die wenigen Dinge zusammen und löschte später das Feuer so weit, dass nur noch eine schwache Glut zurückblieb.
      Der Tag hatte mehr von mir gefordert, als ich zunächst gedacht hatte, und so zog ich mich schließlich zur Ruhe zurück. Noch ehe ich die Augen schloss, kam mir das gelbliche Pulver wieder in den Sinn und mit ihm die seltsamen Farben der Flammen. Morgen würde ich es ausprobieren. Ganz gewiss. Doch nun war die Nacht hereingebrochen, und mit dem ersten Licht eines neuen Tages würden andere Dinge auf mich warten. Schon bald umfing mich der Schlaf, während draußen der Wald still unter dem dunklen Himmel lag.
      Als am nächsten Morgen das erste fahle Licht durch die Ritzen der hölzernen Fensterläden drang, erwachte ich und wusste sogleich, dass ein neuer Tag begonnen hatte. Mir kam in den Gedanken, dass ich bald wieder ins Dorf gehen musste und es die Überlegung gab, ob der Jäger dazu bereit war mich zu begleiten.
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    • Als das fahle Morgenlicht durch die Ritzen der Holzläden drang und sich als schmale, goldene Streifen über die Dielen legte, zeugte die Stille der Hütte von einem völlig neuen Tagesanbruch. Das Bett an der Wand war leer. Das Laken lag glatt gestrichen und das flache Kissen ruhte ordentlich an seinem Platz. Auch die schwere Hüttentür stand weit offen, und ein frischer, kühler Luftzug strömte herein, der den schweren Duft von Kräutersalben und Holzrauch der vergangenen Tage im Nu vertrieb. Draußen verriet das leise, feuchte Knirschen von Halmen, dass der Morgen seine Arme weit ausgebreitet hatte.
      Ich stand barfuß im taunassen Gras des Gartens, den Oberkörper leicht aufgerichtet und die Beine schulterbreit ins kühle Grün gestemmt. Die Kälte der Erdtropfen kroch von den Fußsohlen aufwärts und weckte jede einzelnen Faser meines Körpers, die in der Enge des Raumes eingerostet schien. Meine Blickrichtung war starr nach Osten gewandt, direkt in das feurige Scheibenlicht der aufgehenden Sonne. Ich hielt die Augen sanft geschlossen und ließ mir die ersten, warmen Strahlen über die Haut fahren, saugte die Frische des Herbstmorgens gierig in die Lungen und spürte, wie der Wind mir stetig durch das Haar strich.
      Neben mir trat mein Wallach einen Schritt näher. Die dicken Hufe sanken tief in den weichen, feuchten Boden des Beetsaums. Das große Tier hob den mächtigen Schopf, senkte die Nüstern vorsichtig ab und schnupperte leise an meiner Schulter und meinem Hals. Der warme, feuchte Atem des Pferdes dampfte in der kühlen Morgenluft und bildete kleine, weiße Wolken vor unseren Gesichtern. Ich hob nicht einmal die Hand, um ihn wegzustoßen; das vertraute Gewicht seines Kopfes an meinem Rücken war die einzige Stütze, die ich in diesem Augenblick brauchte und zuließ.
      Meine Rippen spürte ich noch immer bei jedem tieferen Atemzug. Es war ein dumpfer, ehrlicher Schmerz, der mich daran erinnerte, wie knapp ich dem Abgrund entronnen war. Doch das ständige, fiebrige Stechen war vollends gewichen. Die frischen Verbände, die sie mir gestern Abend mit so geübter, ruhiger Hand angelegt hatte, hielten den Brustkorb stabil, und das Gefühl der Kälte an den Füßen gab meinem Gleichgewichtssinn seine alte Schärfe zurück.
      Der Weg ins Dorf, den sie tags zuvor beiläufig erwähnt hatte, schwebte noch immer greifbar in der kühlen Luft. Ich spürte das feste Holz der Dielen nicht mehr unter mir, sondern den freien, offenen Grund der Welt. Mein Körper war bereit für den ersten Schritt über die Grenze dieses Zufluchtsortes hinaus.
      Ich atmete tief ein, öffnete langsam die Augen und blickte über das im Morgentau glitzernde Dach der Hütte hinweg in den tiefen, erwachenden Forst. Der Wind trug den Duft von feuchter Mooserde und Fichtennadeln heran, und an der Seite meines Pferdes stehend, mitten im Sonnenlicht, war der Abschied von der hilflosen Reglosigkeit der vergangenen Woche endgültig besiegelt.
    • Als ich erwachte, war das erste Licht des Morgens bereits durch die schmalen Ritzen der Holzläden gedrungen und zeichnete blasse Streifen auf den Boden der Hütte. Einen Augenblick blieb ich noch reglos liegen und lauschte der Stille, die nur vom leisen Rascheln der Bäume und dem vereinzelten Schnauben des Wallachs draußen unterbrochen wurde. Dann erinnerte ich mich an den vergangenen Abend, an die gereinigte Ausrüstung, an Leonards Dank und vor allem an das kleine Ledersäckchen mit dem gelblichen Pulver. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über mein Gesicht. Das Feuerschauspiel wollte ich mir heute unbedingt ansehen. Doch ehe ich mich darum kümmerte, gab es anderes zu tun. Ich schlüpfte in meine Kleidung, band mir die Haare zusammen und trat aus der Hütte.
      Die kühle Morgenluft schlug mir sogleich entgegen und ließ mich fröstelnd die Schultern anheben. Der Garten lag noch feucht unter dem Tau, und die Kräuter, die ich am Vortag gegossen hatte, glänzten im ersten Sonnenlicht. Erst als ich einige Schritte gegangen war, bemerkte ich Leonard und blieb stehen. Er stand barfuß im nassen Gras, neben seinem Wallach, und wirkte auf den ersten Blick beinahe so, als wäre er niemals schwer verletzt gewesen. Nur sein vorsichtiger Atem und die leichte Spannung in seiner Haltung verrieten mir, dass sein Körper noch nicht wieder vollkommen genesen war. Ich musterte ihn eine Weile, ehe ich näher kam. „Ihr solltet nicht barfuß im kalten Gras stehen“, sagte ich ruhig und blieb vor ihm stehen. Mein Blick glitt kurz zu seinen Füßen und dann zu seinem Gesicht. „Und schon gar nicht so früh am Morgen.“ Ich seufzte leise, ehe ich mich dem Pferd zuwandte, das mich neugierig beschnupperte. Vorsichtig strich ich über seinen Hals. Dann wandte ich mich wieder Leonard zu. „Wie fühlt Ihr Euch?“ Ohne seine Antwort abzuwarten, trat ich näher und deutete auf seine Brust. „Nein, sagt es mir nicht einfach. Ich sehe es mir selbst an.“ Behutsam kontrollierte ich den Verband und prüfte, ob sich irgendwo neue Blutspuren oder eine Schwellung gebildet hatten. Nichts davon war zu erkennen. Die Wunde sah noch immer besser aus als am Vorabend, und auch sein Gesicht wirkte nicht mehr so blass wie in den ersten Tagen. Dennoch legte ich die Stirn leicht in Falten.
      Ich löste mich wieder von ihm und ging zurück zur Hütte, um einen kleinen Krug Wasser zu holen. Dabei fiel mein Blick auf die Ausrüstung, die wir am Abend zuvor sorgfältig gereinigt hatten. Alles lag ordentlich an seinem Platz, und neben dem Ledersäckchen befand sich auch das Werkzeug, das Leonard mir gezeigt hatte. Für einen Moment dachte ich an die seltsamen violetten und grünen Flammen zurück. Die Erinnerung daran ließ meine Neugier erneut erwachen. Ich trat wieder hinaus und reichte ihm den Krug. „Trinkt erst einmal. Danach könnt Ihr Euch anziehen.“ Mein Blick fiel auf seine nackten Füße, und ich fügte trocken hinzu: „Und zieht Euch etwas an die Füße. Sonst verbringt Ihr den Abend wieder in meinem Bett und ich darf Euch erneut verarzten.“
      Bevor ich mich um das Dorf oder das seltsame Pulver kümmern konnte, gab es noch genug zu tun. Der Tau lag schwer auf den Blättern, und einige der Kräuter hatten sich unter der Kühle der Nacht zur Erde geneigt. Ich ging zwischen den schmalen Beeten hindurch, hob vorsichtig die jungen Triebe an und richtete jene wieder auf, die unter dem Gewicht der feuchten Blätter beinahe auf dem Boden lagen. Mit einer kleinen Schere schnitt ich verwelkte Blüten und abgestorbene Stängel ab und legte sie in einen Korb, den ich später zum Trocknen neben dem Herd ausbreiten wollte. Bei manchen Pflanzen genügte es, nur die äußeren Blätter zu entfernen, während andere bereits dringend zurückgeschnitten werden mussten, ehe sie zu viel Kraft verloren.
      Die Arbeit war mir vertraut und beruhigte meine Gedanken. Ich musste nicht darüber nachdenken, was im Dorf geschehen mochte, oder welche Blicke Leonard dort auf sich ziehen würde. Meine Hände wussten von allein, was zu tun war. Ich lockerte mit den Fingern die feuchte Erde um die Wurzeln der kleineren Kräuter und zog vorsichtig das Unkraut heraus, das sich über Nacht wieder zwischen ihnen ausgebreitet hatte. Die jungen Pflanzen für Salben und Aufgüsse lagen mir besonders am Herzen, denn manche davon brauchten noch einige Wochen, ehe ich sie ernten konnte. Andere hingegen waren bereits weit genug, sodass ich ein paar Blätter abnahm und sie zum Trocknen auf ein Tuch legte. Dabei achtete ich darauf, niemals mehr zu nehmen, als ich tatsächlich brauchte.
      Der Garten war klein, doch er versorgte mich mit vielem, was ich zum Leben benötigte. Kräuter für Tee, Pflanzen für Salben, einige Gewürze und manches, dessen Wirkung ich selbst erst durch die Bücher des alten Mannes kennengelernt hatte.
      Während ich arbeitete, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass Leonard noch immer draußen stand. Ich sah kurz zu ihm hinüber, sagte jedoch nichts. Wenn er glaubte, mir beim Gärtnern zusehen zu müssen, sollte er das meinetwegen tun, solange er dabei nicht auf die Idee kam, mir zu helfen.
      Schließlich richtete ich mich auf, strich mir etwas Erde von den Händen und betrachtete die Beete noch einmal prüfend. Für den Augenblick war alles in Ordnung. Ich stellte den Korb mit den abgeschnittenen Kräutern an die Hütte, nahm den kleinen Wassereimer und begann, die Pflanzen zu gießen, die bereits unter der ersten Morgensonne standen. Das Wasser glitt in schmalen Rinnsalen über die dunkle Erde und verschwand zwischen den Wurzeln. Erst als auch das erledigt war, stellte ich den Eimer beiseite und atmete tief durch. Der Morgen war noch jung, und doch hatte ich bereits einen guten Teil meiner gewöhnlichen Arbeit verrichtet.
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    • Ein schmales, schiefes Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als sie mich so unvermittelt auf die kalten, feuchten Halme ansprach. Ich nahm den Wasserkrug mit beiden Händen entgegen und spürte die eiskalte Glätte des Tons an meinen Fingern.
      „Das kalte Gras hebt die Müdigkeit aus den Knochen besser auf als jede Kräutertinktur“, entgegnete ich leise, doch in meiner Stimme lag kein Spott, sondern die ruhige Gewissheit eines Mannes, der nach einer Ewigkeit der Dämmerung wieder das spüren wollte, was ihn an die Welt da draußen band. Ich setzte den Krug an und trank. Das kühle Bachwasser lief erfrischend durch meinen Hals, spülte den bitteren Geschmack der nächtlichen Salben fort und hinterließ eine klare, wache Schärfe im Geist.
      Ihre geübten, kühlen Finger an meinem Brustkorb hatten mir einmal mehr bewiesen, dass sie keinen Schritt von ihrer Rolle als Heilerin abweichen würde. Doch während sie den Verband prüfte, blieb mein Blick an ihren wachsamen Augen hängen. Da war kein Blut, kein frisches Reißen der Narben, nur die sture Festigkeit von neu zusammenwachsendem Fleisch unter dem Gewebe. Dass sie mich sogleich wieder zurechtwies und mir drohte, mich bei einer Erkältung erneut verarzten zu müssen, nahm ich mit einem stummen Nicken hin.
      „Ich werde Eure Warnung beherzigen“, raunte ich hinter dem Krug hervor und stellte das Gefäß schließlich auf das breite Holzfensterbrett der Hütte ab. „Ich habe keineswegs vor, mir den morgigen Tag wegen einer klammen Sohle zu verderben.“
      Ich kehrte für einen kurzen Augenblick in das schummrige Innere der Hütte zurück. Der Raum roch frisch nach dem Luftzug des Morgenwinds und dem feinen, harzigen Duft des gepflegten Leders. Ich streifte mir die Stiefel über, zog die feste Tunika an und schnallte den breiten Gürtel um meine Hüften – nicht zu stramm, um der gebrochenen Rippe Platz zu lassen, aber fest genug, um dem Oberkörper den gewohnten Halt zu geben. Als die Stiefelschäfte um meine Waden schlossen und das Leder vertraut nachgab, fühlte ich mich wieder wie ein Mann, der seinen eigenen Weg wählen konnte.
      Zurück im Garten blieb ich nahe der Hüttenwand stehen. Mein Wallach hatte sich ein paar Schritte zurückgezogen und rupfte nun mit gleichmäßigem, klappendem Geräusch das feuchte Gras am Zaunrand.
      Ich lehnte mich vorsichtig mit der Schulter gegen die dicken Holzbalken der Wand und beobachtete sie schweigend bei ihrer Arbeit. Es war eine eigentümliche Ruhe, die von ihren Bewegungen ausging. Wie sie die zarten Triebe vorsichtig aufrichtete, die welken Blätter mit der kleinen Schere trennte und die feuchte Erde um die Wurzeln lockerte – all das geschah mit einer selbstverständlichen Hingabe, die keinen Raum für Zweifel ließ. Hier, zwischen den geordneten Beeten und den duftenden Salbeibüschen, war sie vollkommen in ihrem Element. Sie brauchte keine Gesellschaft, die ihr Anweisungen gab, und keine Zeugen für ihr Tun. Der Forst und dieser kleine Flecken Erde waren ihre Welt, eine Welt, in der jede Pflanze ihren eigenen Platz und Wert besaß.
      Ich griff unwillkürlich nach dem kleinen Ledersäckchen mit dem Schwefelpulver, das ich beim Herausgehen aus der Hütte mitgenommen und in die Tasche gesteckt hatte. Das feine Pulver darin fühlte sich trocken und leicht zwischen meinen Fingern an. Ich wusste, dass der Schein der violetten und grünen Flammen noch immer in ihren Gedanken nachhallte, auch wenn sie sich mit ganzer Aufmerksamkeit ihren Pflänzchen widmete. Es war eine faszinierende Eigenschaft: Sie besaß die pragmatische Schärfe einer Einsiedlerin, aber unter der Oberfläche brannte eine aufrichtige, fast unberührte Neugier auf die Dinge, die jenseits ihres Waldes lagen.
      Als sie schließlich den Wassereimer beiseitestellte, sich aufrichtete und tief durchatmete, trat ich einen halben Schritt aus dem Schatten des Dachvorsprungs hervor. Die Sonne stand nun hoch genug, um die Wipfel der alten Fichten in ein goldrotes Licht zu tauchen, und vertrieb die letzte Klammheit aus der Luft.
      „Die Beete stehen gut da“, sagte ich ruhig, und meine Stimme klang nun viel kräftiger als in den vergangenen Tagen. „Man sieht, wie viel Kraft dieser Boden unter Euren Händen behalten hat.“
      Ich machte eine kleine Pause und wies mit einem leichtem Kopfnicken hinüber zu dem Pfad, der sich tief im dichten Grün verlor – jenem schmalen Weg, der hinab in die Täler und zu den Ansiedlungen der Menschen führte.
      „Wenn Ihr noch immer beabsichtigt, heute ins Dorf zu gehen“, fuhr ich fort und sah sie direkt an, „dann bin ich bereit. Die Beine tragen mich, die Verbände sitzen fest, und mein Wallach kann tragen, was immer Ihr auf dem Markt zu beschaffen gedenkt. Ich werde an Eurer Seite gehen, ohne Euch zur Last zu fallen.“
      Ein leiser Hauch von Ernst stahl sich in meine Worte. Das Dorf bedeutete für sie eine Welt voller Blicke, Munkeleien und fremder Menschen; für mich bedeutete es die Rückkehr in die Welt der Lebenden. Doch an ihrer Seite wirkte dieser Schritt nicht wie eine Gefahr, sondern wie der natürliche Lauf der Dinge.
      Ich wartete gelassen an der Wand gelehnt, während der Morgentau auf den Kräutern langsam in der Wärme der Sonnenstrahlen verdunstete und der Tag seinen eigentlichen Anfang nahm.
    • Ich hielt einen Augenblick inne, als Leonard meinte, er sei bereit, und ließ den Blick über ihn wandern. Er stand zwar deutlich sicherer als noch vor einigen Tagen, und auch seine Haltung war kräftiger geworden, doch ganz wohl war mir bei dem Gedanken, ihn bereits heute mit ins Dorf zu nehmen, noch immer nicht. Eine gebrochene Rippe heilte nicht bloß deshalb schneller, weil der Verletzte beschlossen hatte, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. „Ich weiß nicht, ob es wirklich klug ist, Euch heute schon mitzunehmen“, sagte ich schließlich und verschränkte leicht die Hände vor dem Körper. „Ihr seid erst seit kurzer Zeit wieder auf den Beinen.“ Ich sah zu seinem Wallach hinüber, der noch immer gemächlich am Zaun graste, und dachte einen Moment darüber nach. Der Weg bis ins Dorf war nicht kurz, und wenn Leonard unterwegs Schmerzen bekam oder die Wunde wieder aufriss, würden wir mehr Schwierigkeiten haben als zuvor. Andererseits konnte ich ihn schlecht für immer in meiner Hütte behalten, und irgendwann musste ich ohnehin nach Hyskelt. „Vielleicht wäre es besser, wenn Ihr zumindest reitet“, schlug ich schließlich vor. „Der Wallach kann Euch tragen, und Ihr müsst Euren Körper nicht unnötig belasten.“ Mein Ton war ruhig, doch mein Blick verriet, dass ich darüber nicht mit mir handeln lassen würde. „Ihr könnt mir beim Gehen Gesellschaft leisten, wenn wir angekommen sind. Den Weg dorthin müsst Ihr deswegen nicht unbedingt zu Fuß bewältigen.“
      Ich trat zu dem Pferd hinüber und strich ihm kurz über den Hals. Es schnaubte leise und senkte den Kopf wieder zum Gras. „Außerdem“, fügte ich hinzu, während ich mich wieder Leonard zuwandte, „habt Ihr gestern schon genug bewiesen, dass Ihr wieder etwas tun könnt. Heute müsst Ihr mir nicht gleich beweisen, dass Ihr alles wieder vermögt.“ Ich nahm den Wassereimer auf und stellte ihn an seinen Platz zurück, ehe ich noch einmal zu ihm sah. „Wenn Ihr auf dem Wallach reitet und mir versprecht, nicht plötzlich abzusteigen, um irgendwelche schweren Dinge zu tragen, können wir es versuchen.“ Ein kleiner Moment verging, ehe ich den Blick abwandte und mich wieder meinen Vorbereitungen widmete. Ganz überzeugt war ich noch immer nicht, doch wenigstens würde ich ihn so nicht nach wenigen Stunden wieder in meine Hütte schleppen müssen.
      Während ich die Tasche für den Weg zurechtlegte und noch einmal prüfte, ob ich genügend Kräuter und Verbandzeug bei mir hatte, sowie den Pelz des Fuchses und das Fleisch.
      Ich band die Tasche fest zusammen und trat schließlich wieder zu Leonard. „Es wird wohl Zeit“, sagte ich leise. „Je früher wir aufbrechen, desto eher sind wir wieder zurück.“ Mein Blick glitt noch einmal prüfend über ihn. „Und wenn Ihr unterwegs Schmerzen bekommt, sagt Ihr es mir. Ich werde es merken, wenn Ihr es verschweigt.“ Damit griff ich nach dem Halfter des Wallachs und führte ihn ein Stück vom Zaun fort, damit Leonard leichter aufsteigen konnte. unerquicklich
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    • Ein knappes, tiefes Nicken begleitete meine Worte, und ein leises Schmunzeln legte sich auf meine Lippen, als ich ihren entschlossenen Ton vernahm. Der Blick, mit dem sie mich bedachte, ließ in der Tat keinen Raum für lange Debatten – und in ihrer Sorge lag eine Pragmatik, die ich vollkommen respektierte.
      „Es gibt wahrlich Schlechteres, als den Weg auf dem Rücken meines Wallachs zu verbringen“, entgegnete ich ruhig und meine Stimme klang fest und getragen. „Die Aussicht, die Sonne von da oben aus zu genießen, während das Tier die Arbeit für meine Rippen erledigt, hat durchaus ihren Reiz. Ich werde mich an Eure Anweisungen halten.“
      Ich trat langsam an die Seite meines Pferdes, als sie ihn mir am Halfter entgegenführte. Die Nähe des großen Tiers war mir vertraut, sein warmer Atem dampfte sanft in der kühlen Morgenluft.
      „Sobald wir die Tore von Hyskelt erreichen, werde ich absteigen und den Weg durch die Gassen zu Fuß an Eurer Seite zurücklegen“, fügte ich leise hinzu und sah sie direkt an. „Ein Mann der Zunft, der hoch zu Ross durch ein Dorf zieht, zieht nur unnötige Blicke auf sich. Aber bis dahin füge ich mich Eurer Weisheit. Ich habe nicht vor, mich unterwegs auf den Boden zu werfen, um mich als Lastträger zu beweisen.“
      Ich griff nach den Riemen und dem Mähnenkamm, atmete einmal tief und bedacht aus, um den Brustkorb zu entspannen, und schwang mich mit einer flüssigen, kontrollierten Bewegung auf den unbesattelten Rücken des Wallachs.
      Ein kurzer, scharfer Schmerz zuckte durch meine rechte Flanke, als sich die Muskulatur anspannte, doch die fest gewickelten Binden hielten den Knochen stabil. Ich fing den Reiz ab, ohne das Gesicht zu verziehen oder den Atem stocken zu lassen. Der Wallach nahm mein Gewicht stoisch auf, machte keinen einzigen unruhigen Schritt und schnaubte nur leise, als wollte er bestätigen, dass alles in bester Ordnung war. Von hier oben wirkte die Welt sogleich noch ein Stück weit freier. Das goldene Licht des Morgenrot fällte breite Bahnen durch die Baumkronen, und der kühle Wind strich angenehm über mein Gesicht.
      Ich nahm die Zügel locker in die rechte Hand, achtete darauf, die Flanke nicht zu belasten, und blickte auf sie hinab.
      „Ich bin bereit, wenn Ihr es seid“, sagte ich ruhig. „Und Ihr habt mein Wort: Sollte die Wunde melden, dass sie genug hat, werde ich es Euch sagen. Ich habe nicht vor, den Rückweg auf Euren Schultern zu verbringen.“
      Als sie voranging und den schmalen Pfad einschlug, folgte der Wallach ihr Schritt für Schritt in gewohntem, ruhigem Rhythmus. Die Hufe sanken leise in den feuchten Waldboden, das Holz der Tragetaschen knarrte leise im Takt der Bewegung, und das dichte Grün des Forsts umgab uns wie ein schützender Mantel.
      Der Ausflug nach Hyskelt hatte begonnen. Die vergangenen Tage der Reglosigkeit in der kühlen Hütte lagen hinter uns, und vor uns erstreckte sich der Weg hinab in die Welt der Menschen – geführt von der Frau, die mein Leben gerettet hatte, und getragen von dem Tier, das mich seit Jahren treu begleitete. Ich saß aufrecht im Licht der Sonne, spürte die Kraft des Pferdes unter mir und blickte mit gelassener Aufmerksamkeit auf die Wege, die vor uns lagen.
    • Ich ging vor dem Wallach den schmalen Pfad entlang und hielt das Halfter locker in der Hand, während Leonard hinter mir saß. Der Wald war an diesem Morgen stiller als gewöhnlich. Zwischen den hohen Fichten lag noch der feuchte Duft der Nacht, und die ersten Sonnenstrahlen fanden nur stellenweise ihren Weg durch das dichte Geäst. Auf den Farnen und niedrigen Sträuchern glitzerten die letzten Tautropfen, während unter meinen Stiefeln das feuchte Laub leise nachgab. Hin und wieder hörte ich das gleichmäßige Auftreten der Hufe hinter mir und das leise Schnauben des Wallachs. Es war ein vertrautes Geräusch, und dennoch fühlte sich der Weg heute anders an. Seit Tagen hatte ich mich kaum weiter als bis zu meinen Fallen und den umliegenden Wald bewegt, und nun führte mich derselbe Pfad wieder hinab zu den Menschen. Ich mochte die Einsamkeit des Waldes. Hier musste ich niemandem erklären, wer ich war oder weshalb ich lieber für mich blieb. Die Bäume verlangten keine Antworten, und auch die Tiere störten sich nicht daran, wenn ich schwieg.
      Je weiter wir jedoch kamen, desto häufiger hörte ich in der Ferne die ersten Geräusche des Dorfes. Stimmen, das Knarren eines Wagens, irgendwo das Schlagen einer Tür. Schließlich lichtete sich der Wald, und zwischen den Bäumen kamen die ersten Häuser von Hyskelt zum Vorschein. Ich blieb kurz stehen und sah hinüber. Es waren nur wenige Menschen auf den Straßen unterwegs, doch das genügte bereits. Kaum hatten sie mich und den Reiter hinter mir bemerkt, veränderte sich ihre Haltung. Einige sahen hastig zu uns herüber, andere wandten den Blick ab. Zwei Frauen, die uns entgegenkamen, beschleunigten ihre Schritte merklich, sobald sie mich erkannten. Ich tat, als bemerkte ich es nicht. Mein Blick blieb geradeaus gerichtet, und ich ging in demselben ruhigen Tempo weiter. Ich hatte gelernt, mich von solchen Dingen nicht beirren zu lassen. Vielleicht fragten sie sich, weshalb ich mit einem fremden Jäger unterwegs war. Vielleicht hatten sie bereits erkannt, wer Leonard war. Beides ging mich im Augenblick nichts an. Ich wollte lediglich meine Besorgungen erledigen und wieder nach Hause zurückkehren.
      Als wir die ersten Häuser hinter uns ließen, bog ich in die vertraute Straße zum Metzger ab. Vor dem Laden blieb ich stehen und führte den Wallach zu dem einfachen Pfosten neben der Tür. Ich band die Zügel sorgfältig fest und strich dem Tier noch einmal über den Hals. Leonard stieg langsam ab und folgte mir zur Tür. Ich öffnete sie und trat in den Laden, während er dicht hinter mir eintrat.
      Sogleich empfing mich der schwere Geruch nach Rauch, Blut und frischem Fleisch. Hinter der hölzernen Theke stand der Metzger, ein breitschultriger Mann mit grauem Bart und dem gewohnt finsteren Gesicht. Er hob den Kopf, und sein Blick fiel zunächst auf mich. Dann bemerkte er Leonard. Für einen Moment sagte er nichts. Seine Augen und kehrten schließlich zu mir zurück.
      „Und wer ist das?“, fragte er mürrisch.
      „Ein Reisender“, antwortete ich knapp. Der Metzger musterte Leonard noch einen Augenblick.
      „Ein sehr großer Reisender.“
      „Ja.“ Mehr wollte ich dazu nicht sagen. Er schnaubte leise und schob das Messer auf dem Schneidebrett ein Stück von sich. Nicht weit, aber doch so, dass ich bemerkte, dass er dem Fremden nicht recht traute.
      „Na schön“, brummte er schließlich.
      „Was willst du?“
      Ich stellte meinen Korb auf die Theke und schlug das Tuch zurück. Darunter lagen der Hase, das Eichhörnchen und einige sauber abgezogene Felle, die ich aus meinen Fallen mitgebracht hatte. Sein Blick fiel auf die Ausbeute, und er nahm zuerst den Hasen an sich.
      „Lange nicht gesehen“, sagte er, während er das Tier in der Hand wog.
      „Ich hatte zu tun.“
      „Das sehe ich.“ Er betrachtete den Hasen von allen Seiten.
      „Drei Kupfer.“ Ich schüttelte den Kopf.
      „Vier.“ Sein Blick hob sich langsam zu mir. „Drei.“
      „Vier.“
      Er legte den Hasen auf die Waage und sah auf das Gewicht.
      „Er ist nicht besonders groß.“
      „Er ist frisch.“
      „Das sind meine anderen auch.“
      „Dann verkauft Ihr eben die anderen.“
      Für einen kurzen Augenblick war es still. Leonard sagte nichts, und ich bemerkte aus dem Augenwinkel, dass der Metzger ihn erneut musterte, ehe er sich wieder dem Fleisch zuwandte. Er griff nach dem Eichhörnchen.
      „Für das hier einen Kupfer.“
      „Zwei.“
      „Eins.“
      „Es ist ein gutes Tier.“
      „Es ist ein Eichhörnchen.“
      „Und dennoch könnt Ihr es verkaufen.“ Er brummte missmutig.
      „Vier für beides.“
      „Fünf.“
      „Vier.“
      Ich verschränkte die Hände vor mir. „Fünf, und Ihr bekommt die Felle dazu.“ Er sah zu den sauber gegerbten Fellen hinüber und verzog das Gesicht.
      „Die nehme ich nicht.“
      „Warum?“
      „Weil ich kein Gerber bin.“
      „Ihr könnt sie weiterverkaufen.“
      „Dann soll ich also für dein Fleisch und deine Felle auch noch den Händler spielen?“ Sein Blick wurde noch finsterer.
      „Du bist heute besonders schwierig.“
      „Ihr habt mit dem Handeln angefangen.“
      Er schnaubte, nahm eines der Felle hoch und prüfte es zwischen Daumen und Zeigefinger. „Die sind ordentlich.“
      „Ich weiß.“
      „Vier Kupfer für das Fleisch. Die Felle nehme ich trotzdem nicht an, kann dir jedoch sagen wo du sie für einen guten Preis verkaufen kannst.“
      Ich schüttelte den Kopf.
      „Fünf.“
      „Vier.“
      „Fünf.“
      „Vier.“ Ich blieb ruhig stehen. Er sah mich an, ich sah ihn an. Schließlich griff er nach dem Geldbeutel unter der Theke und ließ fünf Kupferstücke auf das Holz fallen. „Fünf. Und jetzt verschwinde mir nicht wieder für drei Monate.“ Ich nahm die Münzen und ließ sie in meinen Beutel gleiten.
      „Ich komme, wenn ich etwas zu verkaufen habe.“
      „Das sehe ich.“
      Er wandte sich wieder seinem Fleisch zu, doch ich bemerkte, dass sein Blick noch einmal kurz zu Leonard wanderte. Offenbar war ihm der fremde Jäger noch immer nicht ganz geheuer. Ich legte das Tuch über den nun leeren Korb und nahm ihn wieder an mich.
      „Ich brauche außerdem noch etwas Verbandszeug und saubere Tücher.“ Der Metzger hob eine Braue.
      „Seit wann verkauft der Metzger Verbandszeug?“
      „Ihr habt doch immer welche für kleinere Verletzungen.“
      „Für mich selbst.“
      „Dann gebt mir welche von diesen.“ Ich deutete auf ein Bündel sauberer Tücher hinter ihm. Er sah mich mürrisch an, nahm schließlich eines davon und warf es mir über die Theke. „Das kostet extra.“ Ich legte die entsprechenden Münzen auf das Holz. „Natürlich.“ Er nahm das Geld, ohne sich zu bedanken, und schob mir noch zwei weitere Tücher zu.
      „Damit Ihr nicht morgen wiederkommt.“ Ich nahm sie entgegen und nickte.
      „Danke.“
      „Schon gut. Geht zur der Dorfälteste, ich habe gehört sie sucht Fell für ihre Enkel.“
      Ich wandte mich zur Tür, während Leonard mir folgte. Draußen wartete der Wallach geduldig am Pfosten, und ich trat zu ihm, um die Zügel zu lösen. Ich warf noch einen kurzen Blick zurück zum Laden. Der Metzger stand noch immer hinter seiner Theke und sah durch die offene Tür zu uns hinaus. Sein Gesicht war ebenso mürrisch wie immer, und ich vermochte noch immer nicht zu sagen, ob er mich mochte oder lediglich duldete. Vielleicht war es auch gleichgültig. Wichtig war nur, dass ich mein Geld erhalten hatte. Nun mussten wir zur Doreltesten. Eine viel zu sanfte und nette alte Dame, mit einem schrecklich arroganten und egoistischen Enkel, der mich bei jedem Dorfbesuch aufzusuchen schien und immer wieder davon redete, dass er mir den Gefallen tun würde mich als Frau zu nehmen, da ich sonst verbittert und alleine sterben würde. Unter dem Vorwand er würde es tun, weil er so gutmütig sei.
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    • Während sie den Wallach führte und der Weg uns unaufhaltsam näher an die Siedlung heranbrachte, begannen meine Augen – geschult durch Jahre auf den Pfaden und den harten Alltag der Zunft – die Umgebung mit gewohnter Präzision zu zerlegen. Es war ein tief verankerter Instinkt, den ein Krieger niemals vollends ablegt.
      Ich musterte die Bauart der ersten Gehöfte am Dorfrand. Die Dächer waren mit rechtem Stroh gedeckt, die Wände aus einfachen, lehmverputzten Flechtwerkfächern gefügt, die kaum einen ernsthaften Pfeilhagel abhalten würden. Palisaden oder Schutzwälle gab es schlichtweg keine; lediglich ein verfallener Holzzaun zog sich um ein paar Gärten. Eine Verteidigungsanlage war hier praktisch nicht existent. Das Potenzial der Bewohner wirkte überschaubar: Vornehmlich sah ich gebückte Alte, die auf den Bänken vor den Schwellen saßen, und ein paar verstreute Kinder, die mit Holzstöcken im Staub spielten. Die Männer im kräftigen Alter schienen auf den Feldern zu sein oder fehlten gänzlich. Die Anordnung der Reithäuser war verschachtelt und eng, was zwar Windschutz bot, aber im Falle eines Angriffs oder Feuers eine tödliche Falle darstellen konnte. Hyskelt war ein friedliches, wehrloses Nest, das völlig auf das Wohlwollen des Forstes und das Ausbleiben großer Gefahren angewiesen war.
      Als wir schließlich den kühlen, rauchgeschwängerten Verkaufsraum des Metzgers betraten, blieb ich dicht hinter ihr stehen. Während sie in das feilschen mit dem mürrischen Mann trat, ließ ich meinen Blick ruhig durch den Laden gleiten. Ich sah mir die an den Haken aufgehängten Schinken an, prüfend schätzte ich das Gewicht der halben Rinderhälften und überflog die Kreidetafel mit den Preisen.
      Eine stille, aber deutliche Verwunderung stieg in mir auf. Die Verkaufspreise, die dieser Mann für das Fleisch verlangte, waren unangemessen hoch – weit höher als in den Marktstädten weiter südlich. Im krassen Gegensatz dazu standen die jämmerlichen Spottpreise, die er ihr für das frische Wild bot. Drei oder vier Kupfer für einen sauberen Hasen und ein Eichhörnchen waren kein ehrliches Handeln, das war unverfrorener Wucher. Er nutzte ihre Einsamkeit und die Tatsache aus, dass sie keine schnelle Alternative im Dorf hatte. Es brannte mir auf der Zunge, ein Wort einzulegen, doch es stand mir nicht zu, mich in ihre Angelegenheiten einzumischen oder Unruhe in diesen Ort zu tragen. Ich bewahrte eine völlig neutrale Miene, zügelte meine Haltung und bemühte mich nach Kräften, trotz meiner Statur nicht zu bedrohlich zu wirken. Meine Augen blieben ruhig, meine Hände ruhten entspannt auf den Hüften.
      Erst als wir den muffigen Laden verließen und wieder im frischen Morgenwind vor dem Wallach standen, trat ich einen Schritt näher an sie heran. Während sie die Zügel löste, beugte ich mich leicht zu ihr hinab und sprach mit gedämpfter, leiser Stimme, die nur für ihre Ohren bestimmt war.
      „Das ist ein ganz schrecklicher Typ“, raunte ich trocken und schüttelte ungläubig den Kopf. „Seine Preise lagen weit unter dem, was man auf jedem ehrlichen Markt als fair betrachten würde. Er zieht Euch gewaltig über den Tisch.“ Ich sah kurz zurück zur Tür des Metzgers und dann wieder zu ihr down. „Wenn Ihr mich das nächste Mal lassen wollt, übernehme ich das Handeln für Euch. Ein paar einfache Kniffe reichen meistens aus, damit solche Vögel ihren Ton ändern.“
      Ich wartete nicht auf ein Zugeständnis, sondern fügte mich sogleich wieder ihrer Führung. Als sie sich auf den Weg zur Dorfältesten machte, folgte ich ihr mit ruhigen, gleichmäßigen Schritten. Mein Wallach trottete artig an den Zügeln hinter uns her. Der Weg führte tiefer in den Kern von Hyskelt hinein, und die Blicke der Dorfbewohner begleiteten uns weiter wie ein stummer Schleier aus Neugier und Argwohn. Doch ich hielt meinen Blick aufmerksam nach vorne gerichtet, bereit, die nächste Begegnung mit derselben stoischen Gelassenheit aufzunehmen.
    • Ich sah Leonard kurz von der Seite an, als er mir zuflüsterte, der Metzger sei ein schrecklicher Kerl. Ein leises, beinahe ungläubiges Ausatmen entwich mir, und ich zog den Beutel mit den Münzen etwas fester an mich. „Er ist immer so“, erwiderte ich leise. „Wenn Ihr Euch mit ihm angelegt hättet, hätte ich am Ende wahrscheinlich noch weniger bekommen.“ Ich warf einen letzten Blick zurück zu dem Laden. „Außerdem kenne ich ihn. Man muss nur wissen, wann man nachgeben kann.“ Mehr sagte ich dazu nicht und setzte meinen Weg fort. Die Bemerkung, dass Leonard künftig für mich handeln wollte, ließ ich unbeantwortet. Vielleicht war er tatsächlich besser darin, mit solchen Leuten umzugehen, doch ich wusste nicht, ob ich wollte, dass er sich wegen meiner Angelegenheiten mit den Dorfbewohnern anlegte.
      Wir gingen weiter durch die schmalen Gassen von Hyskelt, wobei ich den Wallach wieder am Halfter führte. Leonard ging neben mir, und obwohl ich die Blicke der Menschen längst gewohnt war, bemerkte ich sie heute deutlicher als sonst. Immer wieder wanderten Augen zu uns, blieben an dem fremden Jäger hängen und kehrten dann zu mir zurück. Ich bemühte mich, es nicht zu beachten. Dennoch war mir bewusst, dass wir ein ungewöhnliches Bild abgaben. Ich, die sonst allein durch das Dorf ging, nun mit einem großen Mann an meiner Seite und einem Pferd hinter uns.
      Als wir uns dem Haus der Dorfältesten näherten, erkannte ich bereits das niedrige, mit dunklem Holz verkleidete Gebäude am Ende der Gasse. Ich wollte gerade den letzten Wegabschnitt einschlagen, als mir plötzlich jemand den Weg versperrte. Ich blieb stehen. Vor mir stand ein junger Mann, vielleicht ein paar Jahre älter als ich, mit schwarzem Haar und braunen Augen. Er war größer als ich, doch neben Leonard wirkte er beinahe schmächtig. Ich kannte ihn nur zu gut. Schon bevor er den Mund öffnete, wusste ich, dass mir dieses Gespräch nicht gefallen würde. „Na endlich“, sagte er und musterte mich mit einem selbstgefälligen Grinsen. „Wo bist du denn so lange gewesen?“ Ich erwiderte seinen Blick kühl. „Unterwegs.“ Sein Blick wanderte an mir vorbei zu Leonard.
      „Und wer ist der da?“
      „Das geht dich nichts an.“ Mein Ton war ruhig, doch bereits deutlich schärfer als zuvor. Er hob eine Augenbraue und grinste noch breiter. „Ach? Jetzt hast du also einen neuen an deiner Seite.“ Ich sagte nichts. „Wundert mich eigentlich nicht“, fuhr er fort. „Ich hab doch immer gewusst, dass du so eine Frau bist.“ Meine Finger schlossen sich langsam um den Griff des Korbes.
      „Was für eine Frau soll ich denn sein?“ Er zuckte mit den Schultern, als wäre seine Antwort selbstverständlich. „Na, eine, der ein Mann allein nicht reicht.“ Sein Blick glitt wieder zu Leonard. „Anscheinend war ich dir nicht genug.“ Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg. Nicht aus Scham, sondern aus Zorn. „Du hast mir nie etwas gegeben, außer deiner eigenen Einbildung.“ Sein Grinsen verschwand für einen Augenblick, doch er fing sich schnell wieder. „Ich hab dir Aufmerksamkeit gegeben. Mehr als genug. Und das nur, weil ich dir einen Gefallen tun wollte. Du warst schließlich allein. Keiner wollte dich, also dachte ich, ich könnte mich deiner erbarmen.“ Ich sah ihn an und konnte kaum glauben, dass er diese Worte tatsächlich aussprach. „Erbarmen“, wiederholte ich leise. Meine Stimme war nun gefährlich ruhig.
      „Du nennst das Erbarmen?“
      „Was denn sonst?“ Er verschränkte die Arme. „Du solltest froh sein, dass sich überhaupt jemand mit dir abgegeben hat.“ Ich merkte, wie meine Geduld endgültig schwand. Leonard musste mich vermutlich noch nie derart genervt gesehen haben. Selbst in den vergangenen Tagen hatte ich mich selten aus der Ruhe bringen lassen, doch dieser Mann schien genau zu wissen, welche Worte er wählen musste, um mich gegen mich selbst aufzubringen.
      „Du solltest besser aufhören“, sagte ich leise.
      „Oder?“ Er trat einen halben Schritt näher. „Was willst du tun?“ Ich hätte mich umdrehen und gehen können. Das wäre vernünftig gewesen. Doch dann kam er auf den alten Mann zu sprechen. „Ist ja immerhin gut, dass der Alte nicht mehr lebt“, sagte er mit einem schiefen Lächeln. „So muss er wenigstens nicht mehr mit ansehen, wie du dich an jeden dahergelaufenen Mann heranmachst. Der hätte sich vermutlich geschämt.“
      Etwas in mir riss. Ehe ich darüber nachdenken konnte, schnellte meine Hand vor und packte ihn am Kragen, zog sein Gesicht gefährlich nahe zu meinem eigenen. „Du wagst es nicht“, fauchte ich. Meine Finger verkrampften sich im Stoff seines Hemdes, während meine andere Hand sich fest zur Faust ballte. „Du hast kein Recht, über ihn zu reden.“ Er starrte mich für einen Moment überrascht an. Ich war so wütend, dass meine Stimme zitterte. „Du weißt überhaupt nichts über ihn. Gar nichts.“ Meine Faust spannte sich noch fester, und für einen kurzen Augenblick wollte ich tatsächlich zuschlagen. Ich wollte ihm diesen selbstgefälligen Ausdruck aus dem Gesicht schlagen und ihn für jedes einzelne Wort bezahlen lassen. Doch dann wanderte mein Blick zur Seite. Zu Leonard. Erst jetzt erinnerte ich mich daran, wo ich war. An die Menschen, die uns bereits beobachteten. An den Jäger, der verletzt neben mir stand. Und daran, dass ich nicht die geringste Lust hatte, durch einen Streit im Dorf noch mehr Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Ich atmete einmal scharf ein und zwang mich, meine Finger zu lösen, die er inzwischen selbst gepackt hatte. „Verschwinde“, sagte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. „Bevor ich etwas tue, das ich später bereuen könnte.“ Der junge Mann richtete seinen Kragen und sah mich fassungslos an.
      Doch ehe er erneut etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür des Hauses hinter ihm. „Was geht denn hier vor?“ Die Stimme der Dorfältesten war alt, aber noch immer klar und erstaunlich kräftig. Eine kleine, gebeugte Frau trat auf die Schwelle und sah zunächst mich, dann den jungen Mann und schließlich Leonard an. Ihre Augen verengten sich.
      „Du schon wieder.“ Der junge Mann öffnete den Mund.
      „Aber Großmutter, sie hat mich-“
      „Ich habe gesehen, was ich sehen musste“, unterbrach sie ihn scharf.
      „Und nun geh.“
      „Aber-“
      „Sofort.“
      Der junge Mann verzog das Gesicht, murmelte etwas Unverständliches und warf mir noch einen beleidigten Blick zu, ehe er sich widerwillig entfernte. Ich blieb noch einen Augenblick stehen und versuchte, die Wut in mir niederzuringen. Die Dorfälteste sah mich prüfend an, doch statt nachzufragen, seufzte sie nur leise. „Komm herein, Kind.“ Dann wandte sie sich an Leonard. Ihr Blick blieb einen Moment an seiner Größe hängen, ehe sie freundlich hinzufügte: „Ihr natürlich auch. Wenn Ihr schon gemeinsam hier erscheint, könnt Ihr ebenso gut eintreten.“ Ich zögerte kurz, nahm dann den Wallach wieder am Halfter und führte ihn zur Seite, ehe ich Leonard einen knappen Blick zuwarf. „Kommt“, sagte ich leise. „Bevor noch jemand auf die Idee kommt, uns aufzuhalten.“ Mit diesen Worten folgte ich der alten Frau ins Haus, während hinter uns die Tür langsam ins Schloss fiel.
      Sie zeigte auf zwei Sitze in der Ecke des großen Raumes und setzte sich selbst in ein Sessel. "Entschuldigt bitte Karl, du kennst ihn ja. Er hat sein Temperament und versucht nur deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Er hing schon seit kleines Kind an dir", lächelte die Dame schwach. Es war immer das Gleiche. Immer entschuldigte sie sein Verhalten. Er hätte wohl mein Haus abbrennen können, und sie hätte mich gebeten, dass ich ihm verzeihen sollte und er mich doch nur gern hatte. Ich biss die Zähne zusammen, presste meine Lippen aufeinander und nickte nur stumm. Ich hatte weder die Zeit noch die Energie mit ihr zu diskutieren. Vor allem wollte ich nicht der Grund sein, dass es ihr aufgrund von zu viel Aufregung schlecht wurde. Zumal konnte ich es mir nicht leisten jeden Dorfbewohner gegen mich selbst zu hetzen.
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    • Meine Hände hatten sich zu harten, knochigen Fäusten geballt, die Fingerknöchel so fest gegeneinander gepresst, dass das Leder meiner Handschuhe leise knarrte. Die Wut, die in mir aufgestiegen war, als dieser Kerl – Karl – seine vergiften Worte gegen sie schleuderte, war keine flüchtige Hitze gewesen. Es war die kalte, scharfe Dünung eines Zorns, den ich in langen Dienstjahren gegenüber Ehrlosen kultiviert hatte. Jedes seiner selbstgefälligen Worte, jedes unehrliche Grinsen hatte förmlich danach geschrien, mit dem harten Knorpel meiner Knöchel zurechtgerückt zu werden. Eine einzige Handbewegung hätte gereicht, um den Burschen wie einen nassen Sack in den Straßenstaub zu befördern. Meine Sehnen waren gespannt wie eine Bogensehne kurz vor dem Lösen, und ich hatte die halbe Drehung meiner Schulter bereits im Geist vollzogen.
      Doch ich hatte mich zurückgehalten. Nicht, weil der Bursche es nicht verdient gehabt hätte, sondern weil ich der Gast an ihrer Seite war – eine stumme Last, die sie ohnehin schon durch die Blicke und das Gemunkel dieses Dorfes trug. Ein Schlag von mir hätte die Fackeln der Dorfgemeinschaft entzündet, und sie wäre es gewesen, die den Qualm am Ende hätte ausbaden müssen. Als sie den Kragen des Burschen gepackt und ihm ihre ganze Unterdrückte Entrüstung ins Gesicht geschleudert hatte, war mein Blick starr auf den Nacken des Kerls gerichtet gewesen. Ich war bereit gewesen, einzugreifen, sollte er es wagen, eine Hand gegen sie zu erheben. Wenn er auch nur einen Fingerspitzenbreit zu weit gegangen wäre, hätte ihn kein Machtwort seiner Großmutter vor meinem Zugriff bewahrt.
      Nun stand ich im Inneren der niedrigen Stube der Dorfältesten. Der schwere, eichene Türflügel war hinter uns ins Schloss gefallen und hatte den Lärm der Gasse und das stumme Glotzen der Schaulustigen ausgesperrt. Der Raum roch nach trockenem Holz, altem Pergament, getrocknetem Kamillentee und dem süßlichen Dunst von Bienenwachskerzen. Die Decke war so niedrig gezimmert, dass ich den Kopf leicht neigen musste, um nicht an die dicken Eichenbalken zu stoßen, die das Reetdach trugen.
      Ich nahm den Platz ein, den die alte Frau uns zugewiesen hatte. Die Holzbank knarrte ächzend unter meinem Gewicht und der Wucht meiner Rüstungsteile, als ich mich vorsichtig niederließ. Ich schob die Schultern zurück, um die Rippe zu entlasten, und stützte die Unterarme auf die Oberschenkel. Meine Fäuste blieben noch immer fest geballt, die Knöchel weiß hervortretend. Die Muskeln in meinem Kiefer arbeiteten merklich, während ich das milde, verharmlosende Lächeln der Greisin beobachtete.
      Es war eine alte, tiefe Hässlichkeit, die in solchen Nachsichtigkeiten lag. Er hat sein Temperament. Er versucht nur deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Worte der Dorfältesten klangen wie das leise Plätschern eines müden Baches – sanft, versöhnlich und vollkommen taub für das Gifte, das ihr Enkel so eben versprüht hatte. Es war die klassische Blindheit der Alten gegenüber dem Eigengewächs, das Verschließen der Augen vor der schleichenden Verrottung des eigenen Blutes. Für sie war Karl vermutlich noch immer der kleine Knabe, der mit Holzschwertern durch die Kräuterbeete gerannt war; dass aus ihm ein eitel-gehässiger Geier geworden war, der die Einsamkeit einer Waise als Einladung für seine Dreistigkeiten begriff, wollte oder konnte sie nicht sehen.
      Ich sagte keinen einzigen Ton. Meine Lippen waren zu einer schmalen, blassen Linie zusammengepresst, und mein Blick lag hart und unverwandt auf dem niedrigen Tischchen zwischen uns. Als Gast in diesem Haus gebot es die Höflichkeit, das Wort dem Hausherrn und meiner Begleiterin zu überlassen, doch die Luft in meiner Brust brannte vor unterdrückter Härte. Die Art und Weise, wie die Alte die Demütigung einfach hinweglächelte, ließ mir die Galle hochsteigen. Es war dasselbe Spiel, das ich in Dutzenden von Lehnsgütern und kleinen Städten gesehen hatte: Die Schwachen und Freien wurden abgedrängt, während die Verhätschelten narrenfrei durch die Gassen ziehen durften, geschützt vom Mantel der Verwandtschaft.
      Ich schielte kurz von der Seite zu ihr hinüber. Ich sah die stumme Starre in ihren Zügen, das angespannte Beben ihrer Kiefermuskeln und das gequälte Nicken, mit dem sie die Entschuldigung der Alten hinunterschluckte. Es schnürte mir die Kehle zu. Sie, die im Wald mit einer bemerkenswerten Kraft und einer unerschütterlichen Ruhe lebte, die keinen Menschen brauchte, um ihre Welt im Lot zu halten, musste sich hier fügen, weil ein einziger falscher Schritt das dünne Eis brechen würde, auf dem sie im Dorf wandelte. Sie kämpfte diesen Kampf nicht mit Waffen, sondern mit Zähneknirschen und Stillschweigen. Und das erforderte eine Disziplin, die manchem Söldner gefehlt hätte.
      Mein Körper blieb starr wie aus Eichenholz geschnitzt. Ich zwang mich dazu, die geballten Fäuste langsam zu öffnen, Finger für Finger, um das Leder der Handschuhe zu entspannen und keine Unruhe auszustrahlen. Die verbliebene Hitze des Zorns verkeyte sich in eine kalte, wachsame Aufmerksamkeit. Ich wusste nun, mit welchen Geistern man es in Hyskelt zu tun hatte. Dieser Karl war nicht bloß ein lästiger Störer; er war das Bild von verletztem Stolz und unbeholfener Machtgier, eine Mischung, die gefährlich werden konnte, wenn man ihr den Rücken kehrte.
      Die Dorfälteste rückte sich in ihrem Sessel zurecht und fasselte etwas von den kalten Nächten und den Fellen, die sie für die kleinen Kinder des Hauses benötigte. Ich hörte ihren Worten nur beiläufig zu. Mein Blick wanderte durch die kleine Stube, prüfte das Fenster, das zur Gasse hinausführte, die Dicke der Tür und die Schatten, die das diffuse Licht durch die Scheiben warf. Ich verhielt mich vollkommen ruhig, atmete flach durch die Nase und ließ die Stille für mich sprechen.
      Es war eine schwere, fast greifbare Stille, die von meiner Seite der Bank ausging. Auch ohne Worte, allein durch die schiere Präsenz meiner Gestalt und den harten Ausstoss meines Atems, sollte der Alten klar sein, dass nicht jeder in diesem Raum bereit war, die Missetaten ihres Enkels mit mütterlicher Milde zu übersehen. Ich war hier, um aufzupassen. Und sollte Karl draußen vor der Tür auf die Idee kommen, noch einmal den Weg zu versperren oder Grenzen zu überschreiten, würde er feststellen müssen, dass der Wald nicht nur aus weichem Moos und stummen Bäumen bestand, sondern auch Gefahren barg, denen kein süßliches Lächeln seiner Großmutter gewachsen war.
      Ich blieb aufrecht sitzen, die Hände nun flach auf den Knien ruhend, und wartete ab, wie der Handel mit den Fellen seinen Lauf nehmen würde – stumm, wachsam und unbeugsam an ihrer Seite.
    • Ich nahm auf dem mir zugewiesenen Platz Platz und legte die Felle vorsichtig auf den niedrigen Tisch vor uns. Die Dorfälteste betrachtete sie eine Weile, strich mit den knochigen Fingern über das dichte Fell eines Kaninchens und zog die Lippen zu einem nachdenklichen Lächeln. „Nun, Kind“, begann sie schließlich, „du weißt ja, die Nächte werden kälter, und meine Enkel frieren gar leicht. Sie sind noch so klein und können die Kälte nicht leiden.“ Ich nickte langsam. „Ich weiß.“ Sie nahm eines der Felle hoch, hielt es gegen das Licht und besah die makellose Haut darunter.
      „Du könntest mir die Felle doch ein wenig günstiger überlassen. Nur dieses eine Mal.“
      Ich schwieg zunächst und strich eine kleine Falte aus dem Fell.
      „Sie sind gut erhalten“, sagte ich schließlich ruhig. „Keine Löcher, keine kahlen Stellen. Ich habe sie sorgfältig behandelt.“
      „Das sehe ich wohl“, erwiderte sie und lächelte milde.
      „Aber bedenke doch, Zelena, ich bin eine alte Frau. Und die Kinder brauchen es. Du kennst sie doch seit Jahren. Im Grunde bist du beinahe Familie.“
      Bei den letzten Worten hob ich den Blick. Früher hätte ich vielleicht nachgegeben, allein schon, um keinen Streit zu beginnen. Doch heute lag mir Karls Gesicht noch allzu deutlich vor Augen, ebenso seine Worte und die Art, wie er über den alten Mann gesprochen hatte. Etwas in mir war noch immer gereizt, und so vermochte ich ihr Lächeln diesmal nicht mit der gewohnten Nachsicht zu erwidern. „Familie hin oder her“, sagte ich leise, „ich kann sie nicht unter ihrem Wert verkaufen.“ Die Alte sah mich einen Augenblick lang an.
      „Unter ihrem Wert? Kind, es geht doch nur um ein paar Felle.“
      „Ein paar Felle, die ich gefangen, gehäutet und vorbereitet habe.“ Meine Stimme blieb ruhig, doch ich wich ihrem Blick nicht aus. „Und sie sind schön. Dafür möchte ich einen angemessenen Preis.“ Die Dorfälteste seufzte und lehnte sich in ihrem Sessel zurück. „Du bist heute aber eigensinnig.“ Ich sagte nichts darauf. Vielleicht bemerkte sie nun doch, dass ich nicht in der Stimmung war, mich mit schönen Worten überreden zu lassen. Ihr Blick wanderte kurz zu Leonard, der schweigend neben mir saß, ehe sie wieder die Felle betrachtete. „Gut. Was verlangst du?“ Ich nannte ihr meinen Preis. Die Alte riss leicht die Augen auf.
      „Das ist zu viel.“
      „Nein.“ Ich strich erneut über das weiche Fell. „Es ist ein guter Preis.“
      „Aber meine Enkel“, begann sie wieder, diesmal mit etwas mehr Nachdruck.
      „Sie sind doch noch klein.“
      „Das weiß ich.“
      „Und du willst doch nicht, dass sie frieren.“ Ich atmete langsam aus.
      „Nein. Aber ich möchte auch nicht, dass meine Arbeit nichts wert ist.“
      Für einen Moment herrschte Schweigen. Die Alte sah mich missmutig an, als hätte sie gehofft, ich würde unter ihrem Blick doch noch nachgeben. Schließlich brummte sie etwas Unverständliches vor sich hin, griff nach ihrem Geldbeutel und zählte die verlangten Münzen ab.
      „Du hast gut gehandelt“, murmelte sie dabei. „Viel zu gut für ein Mädchen, das allein im Wald lebt.“
      Ich nahm die Münzen entgegen und ließ sie in meiner Tasche verschwinden. „Danke.“ Ihr Gesicht blieb grimmig, und ich merkte wohl, dass ich sie mit meiner Hartnäckigkeit nicht gerade besänftigt hatte. Daher nahm ich eines der kleineren Felle wieder auf und sagte nach kurzem Zögern: „Wenn ich das nächste Mal komme, bringe ich Euch meine Salbe mit.“ Sie blickte auf.
      „Deine Salbe?“ Ich nickte.
      „Die für die Gelenke. Sie hilft gegen die Schmerzen. Ich kann Euch etwas davon abfüllen.“ Ihr mürrischer Ausdruck wurde ein wenig weicher.
      „Das würdest du tun?“
      „Ja.“
      Die Alte schnaubte leise, doch diesmal lag darin weniger Ärger. „Nun, dann bist du vielleicht doch nicht ganz so hartherzig, wie du heute tust.“ Ich senkte den Blick auf die Felle und ließ ein kaum merkliches Lächeln über meine Lippen huschen. „Vielleicht.“ Sie schob die Felle schließlich zu sich herüber und legte sie ordentlich zusammen. Dann wandte sie sich an Leonard. „Und Ihr seid also der Reisender, von dem man erzählt?“ Ich hob unwillkürlich den Blick zu ihm. Die Alte schien ihre schlechte Laune bereits wieder vergessen zu haben und musterte ihn nun mit jener neugierigen Offenheit, die ältere Menschen bisweilen an den Tag legten. „Wie lange seid Ihr schon in Hyskelt? Und woher kommt Ihr eigentlich?“
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    • Die Art und Weise, wie die Dorfälteste versuchte, aus der mütterlichen Gutmütigkeit Kapital zu schlagen, ließ die Muskeln in meinem Kiefer noch einmal spürbar anspannen. Es war ein subtileres, aber nicht minder dreistes Spiel als das ihres Enkels. Zuerst die Masche der emotionalen Erpressung mit den frierenden Kindern, dann die heuchlerische Behauptung, man sei ja beinahe Familie – doch als es darum ging, den gerechten Lohn für ehrliche, harte Arbeit zu zahlen, schrumpfte diese vorgebliche Familie rasch auf den Wert von ein paar knappen Münzen zusammen.

      Dass Zelena standhielt, verlangte mir tiefen Respekt ab. Ich beobachtete aus dem Augenwinkel, wie stoisch und ruhig sie ihren Preis einforderte. Sie wich dem erpresserischen Blick der Greisin keinen Zoll aus. Doch je länger ich diese Szene mit ansah, desto mehr wurmte es mich im innersten Kern meines Wesens. Diese Menschen hier im Dorf behandelten sie nicht ansatzweise so, wie es ihr gebührte. Sie sahen in ihr nur die einsame Frau aus dem Wald, ein leichtes Ziel für Feilschen, Beleidigungen und Ausnutzung – unwissend oder schlichtweg blind dafür, was für eine unbeugsame Kraft, was für eine Heilerin und Überlebende sie tatsächlich war. Nach allem, was sie getan hatte, nachdem sie mir das Leben gerettet und mich tagelang verpflegt hatte, saß sie hier und musste sich von einer Greisin als „hartherzig“ bezeichnen lassen, nur weil sie für ihr eigenes Überleben einstand. Ich musste mich eisern beherrschen, um keine Miene zu verziehen, keinen tiefen Groll vernehmbar auszuatmen und nicht einfach meine Hand auf den Tisch zu schlagen, um diesen Heucheleien ein Ende zu setzen. Ich blieb starr wie ein Meißelstrich im Stein, während sich mein Inneres vor Unmut aufbäumte.
      Als die Dorfälteste schließlich ihre Aufmerksamkeit vollkommen von den Fellen abwandte und ihre neugierigen Augen auf mich richtete, lag eine fast greifbare Spannung in der stickigen Luft des Raumes. Wie lange seid Ihr schon in Hyskelt? Und woher kommt Ihr eigentlich?

      Ihre Fragen hallten durch die kleine Stube. Ich rührte mich zunächst nicht. Ein leises, tiefes Schnauben entwich meiner Brust – nicht laut genug, um als direkte Beleidigung zu gelten, aber unverhohlen genug, um klarzumachen, dass ich kein einfacher Fremder war, den man bei einem Becher Kräutertee aushorchen konnte. Ich setzte mich ein Stück aufrechter hin, wodurch meine Schultern fast die dunklen Deckenbalken berührten, und sah der Alten direkt in die verblaßten, wachsamen Augen.

      Ich hatte nicht vor, meiner Gastgeberin Schwierigkeiten zu machen, indem ich meinen vollen Stand und meine Herkunft wie auf einem Flugblatt austrug. Die Zunft lehrte uns, dass Namen und Orte in fremden Dörfern leicht zu Nahrung für Gerüchte wurden. Aber ich gedachte dieser alten Frau auch keine glatte Antwort auf dem Silbertablett zu servieren.
      Meine Stimme erhob sich, tief, sonor und frei von jeder Hast. Sie füllte den niedrigen Raum vollkommen aus, getragen von einem ruhigen, fast getriebenen Takt:

      „Wo Eisen auf das Dunkel trifft,
      wo kein Versprechen ewig hält,
      folgt man der Spur, die niemand sicht,
      am schmalen Saum der Schattenwelt.
      Kein Pflug hält mich, kein festes Dach,
      mein Pfad gehört dem Wind allein.
      Ich wache, wenn die Furcht erwacht –
      wer bin ich wohl im Abendschein?“

      Es war ein alter Reim, verfasst in jenen Tagen, als die Grenzlande noch von den Männern der Wacht gesichert wurden. Ein Spruch, den vor allem die Alten noch aus ihrer Jugend oder aus den Erzählungen an den Feuerstellen kennen mochten. Er gab der Greisin genau die Antwort, nach der sie verlangte, ohne dass das Wort Jäger oder Zunft auch nur ein einziges Mal meine Lippen passierte. Es beschrieb die Pflicht, das Handwerk und das Leben auf den Straßen zwischen den Welten.

      Auf ihre zweite Frage – das Woher – gab ich schlichtweg keine Antwort. Mein Mund schloss sich nach dem letzten Vers augenblicklich wieder zu einer festen, undurchdringlichen Linie. Ich sah sie nur stumm und unverwandt an. Meine Herkunft, die Städte, durch die ich geritten war, und das Blut, das an den Grenzen vergossen worden war, gingen weder sie noch irgendeinen anderen Bewohner von Hyskelt etwas an. Es reichte vollkommen aus, dass sie wusste, welche Art von Mann vor ihr saß – und dass dieser Mann an der Seite der Frau verweilte, die sie soeben noch um den Lohn ihrer Hände Arbeit hatte feilschen wollen.
      Ich sparte mir jede weitere Erklärung, blieb unbewegt auf der Holzbank sitzen und überließ es der Alten, den Reim in ihrem Kopf zu entwirren oder das Schweigen zu akzeptieren.
    • Ich verstand zunächst nicht recht, was der Jäger mit seinen Worten meinte. Der Reim war mir gänzlich unbekannt, und so saß ich einen Augenblick still da und versuchte, aus den einzelnen Zeilen irgendeinen Sinn zu ziehen. Eisen, Dunkel, Spuren, Schattenwelt. Es klang beinahe wie eine jener alten Geschichten, die der alte Mann früher bisweilen erzählt hatte, wenn draußen der Regen gegen die Fenster schlug und das Feuer im Herd nur noch schwach glomm. Doch ich vermochte nicht zu sagen, ob Leonard mir damit tatsächlich etwas hatte sagen wollen oder ob es lediglich seine Art gewesen war, der Frage der Dorfältesten auszuweichen.
      Ich wandte den Blick zu der alten Frau und bemerkte, dass sie ihn offenbar verstanden hatte. Ihr Gesicht hatte sich verändert. Das milde, etwas neugierige Lächeln war verschwunden, und für einen kurzen Augenblick lag etwas in ihren Zügen, das ich nicht zu deuten vermochte. Es war weder Furcht noch Verwunderung, jedenfalls nicht etwas, das ich eindeutig hätte benennen können. Ihre Augen ruhten prüfend auf Leonard, ehe sie langsam nickte. Ich sah von ihr zu ihm und wieder zurück, doch keiner der beiden schien geneigt, mir zu erklären, was gerade zwischen ihnen vorgegangen war. Da ich indes ohnehin alles erledigt hatte, was mich hierhergeführt hatte, erhob ich mich schließlich. „Dann wären wir wohl fertig“, sagte ich leise und nahm die leere Tasche an mich. Die Dorfälteste nickte und schob die Felle näher zu sich. „Ja, Kind. Hab Dank.“ Ich erwiderte ihr ein kurzes Nicken, ehe ich mich zu Leonard wandte.
      Gemeinsam verließen wir die niedrige Stube, und kaum war die Tür hinter uns ins Schloss gefallen, atmete ich die frische Luft tief ein. Es war beinahe, als würde sich etwas von meiner Brust lösen, das ich während der letzten Zeit unbewusst dort festgehalten hatte. Ich war froh, Karl nicht mehr zu sehen. Allein der Gedanke, ihm auf der Straße noch einmal zu begegnen, ließ meine Laune sinken. Vielleicht war genau das der Grund gewesen, weshalb ich Dörfer nie sonderlich gern aufsuchte. Ich hatte nie viel mit den Menschen hier gesprochen. Wenn ich nach Hyskelt kam, wechselte ich einige Worte mit dem Metzger, wenn es um den Preis meiner Beute ging, oder mit jemandem, der meine Kräuter und Salben benötigte. Mehr hatte es selten gegeben. Ich war gekommen, hatte verkauft, was ich bei mir trug, hatte meinen Lohn genommen und war wieder gegangen. Vielleicht hatte ich mir diese Art vom alten Mann abgeschaut. Er war ebenfalls kein besonders gesprächiger Mensch gewesen und hatte nur selten mehr Worte verloren, als unbedingt notwendig waren. Vielleicht hatten die Leute deshalb sein Bild irgendwann auf mich übertragen. Die stille Frau aus dem Wald. Die, die kam, ihre Waren verkaufte und wieder verschwand. Es störte mich nicht sonderlich. Im Wald wusste ich wenigstens, woran ich war.
      Ich wandte mich an Leonard. „Möchtest du noch etwas sehen oder erledigen?“ Ich sah kurz zu ihm hinauf und fügte hinzu: „Wir müssen nicht gleich zurück.“
      Ehe er mir antworten konnte, trug der Wind einen warmen, vertrauten Duft zu uns herüber. Frisch gebackenes Brot. Ich blieb unwillkürlich stehen und hob leicht den Kopf. Der Duft kam aus der Richtung der kleinen Bäckerei am Ende der Straße. „Möchtest du beim Bäcker vorbeischauen?“, fragte ich. „Ich habe zwar noch Brot zu Hause, aber es ist nur einfaches Brot.“ Ich strich mir eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht. Etwas mit mehr Geschmack wäre vielleicht nicht schlecht. Gutes Essen hebt die Stimmung, und wenn man krank ist, hilft es dem Körper vielleicht ebenfalls, wieder zu Kräften zu kommen. Mein Blick wanderte kurz zu seiner noch nicht vollkommen verheilten Seite.
      Während ich noch sprach, hörte ich plötzlich ein leises Lachen und das dumpfe Geräusch eines Balles, der über den unebenen Boden rollte. Ich wandte den Kopf, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie ein kleines Kind hinter einer Hausecke hervorkam. Der Ball sprang über einen Stein, änderte seine Richtung und traf mich unvermittelt gegen das Bein. Ich zuckte leicht zusammen und sah hinunter. Das Kind blieb augenblicklich stehen. Es war ein kleines Mädchen mit zerzaustem Haar, das den Blick auf den Boden senkte, als erwarte es bereits, von mir ausgeschimpft zu werden. Ich kannte diesen Blick nur zu gut. Langsam ging ich in die Knie, damit ich nicht so weit über ihr stand, und hob den Ball auf. Das Mädchen machte einen vorsichtigen Schritt auf mich zu, blieb dann aber wieder stehen. Ich lächelte sie freundlich an und hielt ihr den Ball entgegen.
      „Hier“, sagte ich sanft. „Du hast ihn nur zu weit geschossen.“ Sie sah erst auf den Ball, dann auf mich.
      „Entschuldigung“, murmelte sie.
      „Es ist schon gut“, erwiderte ich. „Pass beim nächsten Mal nur ein wenig besser auf.“
      Ich reichte ihr den Ball, und erst als ihre kleinen Finger danach griffen, lächelte sie zaghaft zurück.
      „Danke.“
      „Gern.“
      Das Mädchen nahm den Ball an sich, drückte ihn an die Brust und lief dann hastig zu den anderen Kindern zurück, während ich ihr zum Abschied winkte. Ich blieb noch einen Augenblick in der Hocke, sah ihr nach und erhob mich schließlich wieder. Dabei fiel mein Blick auf Leonard. „Also“, fragte ich ruhig, „wollen wir zum Bäcker?“
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    • Mein Blick lag still und schondungslos auf der alten Frau, als die Worte des Reims in der engen Stube verhallten. Ich gab ihr weder durch ein Nicken noch durch irgendeine kleinste Regung in den Gesichtszügen zu verstehen, was hinter ihren musternden Augen vor sich ging. Es war eine stumme Übereinkunft der Alten, ein Wiedererkennen alter Zeichen, das keiner weiteren Worte bedurfte. Ich verharre starr wie ein Denkmal, bis die Verhandlung endgültig vorüber war und der Wechsel der Münzen den Abschied einläutete.
      Als wir schließlich die Schwelle überschritten und die schwerfällige Holztür hinter uns ins Schloss fiel, strömte die kühle, unverfälschte Dorflandluft in meine Lungen. Ein tiefes, lautloses Ausatmen entspannte meine Schultern. Die Enge dieses Hauses und die feilschende Bitterkeit der Greisin hatten sich wie ein grauvoller Schleier auf mein Gemüt gelegt. Es tat gut, wieder den offenen Himmel über sich zu wissen, selbst wenn die staubigen Wege von Hyskelt noch immer von denselben Leuten bevölkert waren.
      Ich nahm den vertrauten Duft von frischem Brot wahr, der durch die Gassen zog, und beobachtete ruhig, wie die kleine Szene mit dem Mädchen und dem entlaufenen Ball verlief. Die Sanftmut, mit der man hier dem Kind begegnete, stand in so starkem Kontrast zu der Härte, die man der Frau aus dem Wald sonst entgegenbrachte. Es festigte nur meinen Entschluss, dass dieser Tag nicht ohne eine kleine Wiedergutmachung enden durfte. Mein Geldbeutel an der Seite war durch die Verträge der letzten Wochen und die verbliebenen Vorräte aus meiner Reise gut gefüllt. Die Mühsal der Pflege, die Schnittwunden, die Salben und die Mahlzeiten, die mir das Leben gerettet hatten – all das ließ sich nicht in Münzen aufwiegen, aber ich konnte dafür sorgen, dass die Vorratskammern gefüllt waren und vielleicht sogar etwas Süßes den Weg zurück in die Hütte fand.
      „Ich würde gerne zuerst zum Schmied“, entgegnete ich mit ruhiger, fester Stimme, als die kleine Szene vorüber war. „Und danach zum Bäcker.“
      Ich schlug den Weg in die kleine Seitengasse ein, aus der das rhythmische, dumpfe Klingen von Hammer auf Amboss drang. Je näher wir der offenen Werkstatt kamen, desto dichter wurde der Geruch von verbrannter Kohle, glühendem Eisen und heißem Öl. Der Schmied, ein breitgebauter Mann mit rußgeschwärzten Armen und einer ledernen Schürze, blickte auf, als wir vor seinen Stand traten.
      Anders als der Metzger oder die Dorfälteste lag in den Augen dieses Mannes kein geringschätziges Abschätzen. Er nickte mit einer ehrlichen, wenn auch wortkamen Freundlichkeit, die zeigte, dass er das Handwerk und die Mühe jener achtete, die das Raue des Waldes trotzen. Seine Haltung gegenüber meiner Begleiterin war von einem ruhigen Respekt geprägt – er wusste vermutlich besser als die meisten hier, was es bedeutete, Werkzeuge durch harte Arbeit zu beanspruchen und zu schätzen.
      Ich trat an die Auslage heran und nahm die Waren mit geübtem Blick ins Visier. „Ich brauche einen feinkörnigen Schleifstein für Klingenstahl“, sagte ich sachlich zum Schmied und wies auf das Sortiment an den Regalen. „Dazu eine Dose von der grauen Polierpaste, ein Dutzend feste Eisennieten für Lederzeug... und jenes Jagdmesser dort.“ Ich zeigte auf eine schlichte, aber hervorragend ausbalancierte Klinge mit geschwärztem Holzgriff, deren Schneide sauber geschliffen war und deren Scheide aus festem, vernähtem Leder bestand.
      Der Schmied benannte seinen Preis. Es war ein ehrliches Angebot für solide Arbeit. Ohne auch nur den Ansatz eines Feilschens zu machen oder die Stirn zu runzeln, griff ich in meinen Beutel, zählte die geforderten Silber- und Kupfermünzen passgenau auf den Ambossrand und schob sie ihm hin. Der Mann nickte zufrieden über die reibungslose Transaktionsart, verpackte das Messer nebst Schleifstein, Paste und Nieten zügig in ein derbes Leinentuch und reichte es mir über den Tresen. Ich verstaut das Paket sicher unter meinem Arm.
      Von der Schmiede aus lenkten wir unsere Schritte zurück in Richtung des warmen, süßlichen Duftes, der uns bereits zuvor in die Nase gestiegen war. Die Bäckerei lag am Rande des kleinen Marktplatzes. Das Knacken des Holzes im dichten Steinofen war bereits von draußen zu hören.
      Beim Betreten der kleinen Bäckerei schlug uns die wohlige Wärme des Ofens entgegen. Auch hier war die Atmosphäre vollkommen anders als in der Stube der Ältesten. Der Bäcker, ein älterer Mann mit mehlbestäubter Schürze, blickte auf und grüßte uns mit einem ehrlichen, freundlichen Nicken. Es war erfrischend zu sehen, dass es in diesem Dorf zumindest ein paar Seelen gab, die ohne Falsch und Ausflüchte ihr Tagewerk verrichteten.
      Ich sah mich im Verkaufsraum um. Auf den Holzborden lagen aufgereihte Laibe von dunklem Roggen- und Dinkelbrot, daneben standen Säcke mit frisch gemahlenem Mehl. In einer kleinen Holzschale nahe dem Fenstersims lagen einige goldbraun gebackene, glänzende Honigküchlein, die intensiv nach wildem Honig, Anis und gebackenem Teig dufteten.
      „Einen großen Laib vom dunklen Brot“, wies ich den Bäcker an, während ich vortrat. „Dazu drei Sack von dem feinen Mehl. Und die drei Honigküchlein dort drüben.“
      Der Bäcker nickte emsig, packte den schweren Brotlaib in sauberes Tuch und hob die Mehlsäcke nacheinander auf den Holzsteg. Die Küchlein wickelte er sorgfältig in ein kleineres Blatt getrockneten Pergaments, damit der klebrige Honigguss nicht zerfloss. Auch hier griff ich ohne zu zögern in meinen Beutel und zahlte den geforderten Betrag auf den Heller genau.
      Ich nahm das verpackte Brot und die Küchlein entgegen, während ich die Mehlsäcke so ordnete, dass sie leicht zu tragen waren. Mit dem warmen Paket in den Händen und dem süßen Duft der Küchlein, der aus dem Pergament stieg, traten wir schließlich wieder hinaus auf die von der Nachmittagssonne beschienenen Straßen von Hyskelt.

      "so... Nun bräuchte es nur noch Hafer oder anderes Futter für mein Pferd dann wäre es das für mich... Gibt es etwas das ihr noch braucht?"