Stubenkater wider Willen (Nim & Kiba)

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    • Stubenkater wider Willen (Nim & Kiba)

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      Stubentiger wider Willen

      Jack= @Kiba
      Valentina = @Nimue
      Vorstellung

      Laut gähnend saß ich in meinem Büro und arbeitete an meinem neusten Projekt. Ich sollte Werbung gestalten für ein neues Handy einer Marke. Eigentlich nichts besonderes. Und überaus langweilig. Ich nippte an meiner Tasse mit schwarzem Kaffee und ließ den Mauscursor über den Bildschirm gleiten. Ab und zu hörte man ein leises Klicken. Das Tippen der Tastatur hallte durch den Raum. Ich wartete immer noch auf die Antwort meines Chefchefs, Mister Bennett, bei dem ich meine Bewerbung abgegeben habe für die freie Stelle als Creativ Director. Ich habe wirklich hart dafür gearbeitet, habe mein Bestes gegeben und mich wirklich gut benommen in den letzten Tagen. Ich wollte beweisen, dass ich dazu in der Lage war. Und eigentlich würde doch vieles für mich sprechen. Ich war charmant und offen und hatte keine Probleme, mit Kunden zu sprechen und einen Preis auszuhandeln. Ich leistete immer gute Arbeit und bislang waren immer alle zufrieden mit mir. Dazu kam, dass ich mich hier bestens in der Firma auskannte. Man musste mich nicht groß einarbeiten, weil ich schon alles wusste. Nur kleine Sachen musste man mir vielleicht erklären. Welches Gegenargument sollte es also geben? Eben. Keines. Also müsste ich doch Chancen haben, den Job zu bekommen. Doch das Schicksal scheint anderes mit mir vor zu haben und beginnt wohl mich zu hassen.
      Bennett klopfte an meine Bürotür und ich bat ihn rein. Langsam setzte er sich auf den Stuhl mir gegenüber. Ich war aufgeregt. Komm schon mann. Sag mir endlich, dass mein Büro umziehen kann.
      "Jack? Hast du fünf Minuten? Ich denke, du weißt, warum ich hier bin. Ich muss dir sagen, dass du den Job nicht bekommen wirst."
      "Ja! Ich wusste doch, dass- Moment mal. Was? Wieso das denn? Wollen Sie mich verarschen? Wieso krieg ich den Job nicht? Ich hab mich hier abgerackert wie blöde und dann kommen Sie und sagen nee?", ich dachte, ich hör nicht richtig. Nein, ich muss mich verhört haben. Der verarscht mich doch wirklich. Fassungslos lehnte ich mich in meinen Stuhl nach hinten. Auch er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme.
      "Siehst du Jack? Das sind einer der Gründe. Wenn du die Beherrschung verlierst, und das kommt immer mal wieder vor, sprichst du in dem Ton mit deinem Gegenüber. Das können wir uns mit unseren Kunden nicht leisten. Du bleibst einfach nicht professionell damit. Ich habe sehr wohl gesehen, dass du hart an dir gearbeitet hast und ich schätze dich als Mitarbeiter wirklich sehr. Und das ist ein anderer Grund, weshalb ich dir diese Stelle nicht geben kann. Ich liebe deine Ergebnisse in der Arbeit. Ich möchte sie nicht missen. Zu solchen Tätigkeiten wirst du kaum Zeit finden. Ich habe jemand anderem diese Stelle gegeben. Sie wird morgen früh um Acht hier eintreffen. Bitte sei freundlich und heiße Miss Harris willkommen. Keine vulgären Sprüche, verstanden?! Ich warne dich Jack.", erzählte er und warnte mich extra nochmal davor, weiterhin Contenance zu bewahren. Muss ich mir noch überlegen. Eigentlich war Bennett ein sehr familiärer Mensch. Auch wir gehörten irgendwie zur Familie. Deshalb würde ee mich nicht so einfach rausschmeißen. Das wusste ich. So wie es sich anhörte, war das sicherlich irgend eine Brillenschlange mittleren Alters. Ich fasste es einfach nicht. Da wurde lieber eine Fremde genommen als jemand, der eingearbeitet war. Tze.
      "Hörst du Jack?!", fragte Mister Bennett nochmal und ich zuckte zusammen. Ich dachte, der Typ war schon längst weg.
      "Ja doch. Habs verstanden.", maulte ich ergeben. Da war ich ja mal gespannt, was mir morgen früh vor die Füße lief.
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      "Mehr Glitzer, Auntie! Da auf den Daumen muss viel mehr hin", kommandierte eine kleine, energische Stimme.
      Ich musste unwillkürlich lächeln, als ich vorsichtig den Pinsel des rosa Nagellacks ansetzte. Vor mir saß Mae auf einem Berg aus Kissen, eingekuschelt in eines meiner viel zu großen, alten Band-Shirts, das ihr wie ein Nachthemd fast bis zu den Knöcheln reichte. Ihre blonden Locken waren wild nach oben gesteckt, gehalten von einer viel zu großen, goldenen Spange von mir. Heute war unser offizieller "Princess-Treatment-Tag". Seit... nun ja, seit wir eben nur noch zu zweit waren, hatten wir diese intensiven Rollenspiele zu unserem festen Ritus gemacht. Solange ich in ihrer Nähe war, blühte Mae völlig auf. Sie war dann ein unglaublich träumerisches, fröhliches Kind, das mit einer riesigen Fantasie in ihre Welten eintauchte. Doch ich wusste auch, wie zerbrechlich diese Freude war. Ohne eine vertraute Bezugsperson in ihrer Nähe verwandelte sie sich schnell in ein zutiefst trauriges, ängstliches kleines Mädchen, das die Welt nicht mehr verstand. Genau deshalb graute mir so vor dem morgigen Tag, an dem sie das erste Mal länger im Kindergarten bleiben musste. "So, Eure königliche Hoheit. Die Maniküre-Arbeiten sind abgeschlossen", verkündete ich mit einer tiefen Verbeugung und pustete sanft auf ihre winzigen Fingerchen. Mae riss die Hände hoch, betrachtete das glitzernde Kunstwerk mit kritischem Blick und strahlte dann übers ganze Gesicht. "Wunderschön! Jetzt braucht die Königin noch ihr Make-up. Stillhalten, Auntie!", rief sie, schnappte sich ein Plastik-Tiara und drückte es mir mitten in meine blonden Wellen, bevor sie mit einem Puderpinsel wild durch mein Gesicht fuhr.
      Wir hatten nach Allem ein unglaublich enges, liebevolles Verhältnis. Mae klammerte sich an mich wie an ihren Fels in der Brandung, und ich tat alles für sie. Trotzdem erwischte ich mich immer wieder dabei, wie ich versuchte, zwischendurch klare Grenzen zu ziehen... ich musste schließlich ihre Tante, ihre Erzieherin und irgendwie auch ein Elternersatz sein, ohne sie mit Liebe zu erdrücken oder zu sehr zu verwöhnen. Gar nicht so einfach mit 28.
      Nachdem wir auch noch die königliche Teestunde mit unsichtbarem Kamillentee hinter uns gebracht hatten, kam der schwierigste Teil: das ins Bett gehen. Mae weigerte sich seit dem Unfall strikt, allein in ihrem Zimmer zu schlafen. Auch heute endete unsere Reise nicht in ihrem Bett, sondern in meinem. Sie krabbelte unter die Decke, rollte sich sofort zusammen und kuschelte sich so eng an meine Seite, als würde sie Angst haben, ich könnte verschwinden, wenn sie loslässt. Ich strich ihr über die blonden Locken, bis ihr Atem tief und gleichmäßig wurde. Erst als sie fest schlief, wagte ich es, mich ganz vorsichtig aus dem Bett zu stehlen. Ich setzte mich mit einer heißen Tasse Tee an den Küchentisch, umgeben von der plötzlichen, schweren Stille des Raums. Morgen um acht sollte ich als Creative Director die Grafikabteilung einer Webagentur übernehmen. Mister Bennett hatte mich abgeworben, weil er meine Arbeit schätzte und mir die so dringend benötigten Homeoffice-Tage vertraglich zusicherte. Nur so konnte ich den Spagat zwischen Karriere und Mae überhaupt meistern.
      Ich strich mir müde über die Augen. Was mich dort morgen erwartete oder wer mein Team war wusste ich nicht. Aber das war mir auch egal. Ich hatte gelernt, für uns beide stark zu sein.
      Ich ging zurück ins Schlafzimmer, legte mich wieder ganz dicht neben das warme, kleine Paket, das meine Nichte war, und schloss die Augen. "Das rocken wir morgen, kleine Prinzessin", flüsterte ich in die Dunkelheit.

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      Der nächste Morgen kam. Ich parkte meine Maschine gerade auf einen unserer Parkplätze und und setzte meinen Helm ab. Seufzend sah ich auf meine Uhr, die sich mit einem schwarzem Band um mein Handgelenk schlängelte. Kurz nach halb 8. Normalerweise war ich nicht so früh im Büro. Aber ich habe die Nacht echt schlecht geschlafen und nachdem ich gelangweilt im Bett lag und tatsächlich wach war, dachte ich, ich könnte auch schon ins Büro fahren. Vielleicht mach ich früher Feierabend, dann muss ich die blöde Kuh nicht ertragen. Pardon. Ich soll ja meine Klappe halten. Aber jemand, der mir meinen Job klaut, kann nicht nett sein. Ich ging rein und begrüßte alle im Büro, als Miles, unser Küken der Truppe, mir in der Küche entgegen kam. Grinsend trat er ein. Na super. Nicht mal morgens hatte man seine Ruhe. Dabei will ich einfach nur einen Kaffee.
      "Was willst du, Miles. Mir wieder mein Frühstück klauen? Bald besorg ich mir nen eigenen Kühlschrank und stell ihn mir ins Büro. Du frisst meine Sachen definitiv nicht mehr auf.", begrüßte ich ihn weniger erfreut, ihn zu sehen. Der Typ war vielleicht ganz süß. Aber ebenso eine hinterliste Schlange, die anderer Leute Essen auffraß.
      "Ach was. Du weißt doch, bin ein Meister darin. Auch du wirst dein Essen irgendwann mal stehen lassen. Heute kommt unsere neue Teamleiterin. Ich hab sie schonmal gesehen. Bin gespannt, was du sagst."
      "Achja? Mich interessiert sie nicht. Soll sie doch herkommen und hoffentlich geht sie auch so schnell wieder. Bei so nem bekloppten Haufen wie wir, hält sie doch nicht lange durch. Gerade dich wird sie am wenigsten aushalten.", murrte ich leise, während ich mich der Kaffeemaschine widmete, die mal wieder meckerte, dass Wasser fehlte. Und Bohnen. Und eigentlich auch mal gereinigt werden musste. Aargh, ich hasse den Tag jetzt schon!
      "Hey! Du bist doch der Spinner im Team. Als ob du die Finger von Frauen lassen kannst."
      "Die schon. Immerhin war das mein Job."
      "Tse. Du wirst schon sehen.", sang er und verschwand schnell, bevor ich ihn noch mit ner Tasse abwarf.
      Nach wertvollen Minuten meiner Zeit ging ich mit meinem schwarzen Kaffee in mein Büro und fing an zu arbeiten. Irgendwann hörte ich schon Bennett im Flur rumlaufen. Wahrscheinlich ist sie jetzt da. Er zeigte den neuen Leuten immer erst die Firma, bevor er den eigentlichen Job anfing. Jaaa. Überaus freundlich von ihm. Natürlich nahm er mein Büro zum Schluss. War ja klar. Obwohl ich zugeben musste, dass ich wirklich nichts versprechen konnte, mich zu benehmen. Manchmal war mein Mund einfach schneller als mein Hirn.
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      Der Wecker hatte mich gnadenlos um sechs Uhr aus dem Bett gerissen. Danach war alles ein einziger, filmreifer Sprint gewesen, der mich emotional an meine Grenzen brachte. Das Anziehen von Mae war noch der leichte Teil gewesen, doch als wir vor der Tür ihrer Kindergartengruppe standen, brach mir an diesen Morgen fast das Herz.
      Mae hatte meine Hand so fest umklammerte, dass ihre kleinen Knöchel weiß anliefen. Ihr sonst so träumerisches, fröhliches Gesicht war tränenüberströmt, die Augen weit vor Angst. "Bitte geh nicht, Auntie. Bleib hier", hatte sie geschluchzt und ihr Gesicht in meinem beigefarbenen Cardigan vergraben. Da war sie wieder... diese tiefe, panische Angst des verlassenen Kindes, das nach dem Unfall ihrer Eltern fürchtete, auch noch die letzte Bezugsperson zu verlieren. Es kostete mich unendliche Kraft, die Tränen zurückzuhalten, vor ihr in die Knie zu gehen und mit sanfter, brüchiger Stimme auf sie einzureden. Ich hatte ihr versprochen, dass ich sie als Allererste abholen würde, und ihr einen meiner glitzernden Ringe als 'Schutzstein' in die kleine Hand gedrückt. Als die Erzieherin sie schließlich sanft auf den Arm nahm und ich mich umdrehen musste, brannte mein Gesicht vor unterdrücktem Schmerz.
      Ihr Weinen hallte noch in meinen Ohren, als ich im Auto saß und das Lenkrad umklammerte. Ich tat das hier für sie, für unsere Zukunft. Ich musste funktionieren.
      Als ich um kurz vor acht das moderne Glasgebäude der Agentur betrat, wischte ich die letzten Spuren der Sorge aus meinem Gesicht. Ich atmete tief durch, straffte die Schultern und strich den feinen Strick meiner beigefarbenen Cardigan-Jacke glatt, deren goldene Knöpfe dezent im Licht der Eingangshalle glänzten. Die markanten Risse an den Knien meiner engen High-Waist-Jeans gaben mir genau das richtige Gefühl von Lässigkeit zurück. Die cremeweiße Umhängetasche in Stepp-Optik saß perfekt an meiner Seite, und die großen, weichen Wellen meines blonden Haares fielen mir elegant über die Schultern. Ein tiefer Atemzug, um den beerenfarbenen Ton auf meinen Lippen zu richten. Zeit, die Profi-Fassade hochzufahren. Auf den ersten Blick ahnte niemand, dass ich vor wenigen Minuten noch ein weinendes Kind festgehalten und meinen morgendlichen Haferbrei bezwungen hatte.
      Mister Bennett begrüßte mich überschwänglich und führte mich stolz durch die Gänge. Die Agentur war stylisch, die Arbeitsplätze modern. Doch je näher wir der Grafikabteilung kamen, desto deutlicher spürte ich die neugierigen und teilweise skeptischen Blicke der Mitarbeiter. Bennett plapperte unbeschwert weiter, während er mir die Teeküche und die verschiedenen Teams vorstellte, doch ich war mit den Gedanken immer noch halb bei Mae, während ich gleichzeitig versuchte, die neue Umgebung zu scannen. "Und hier, Valentina, kommen wir zum Büro unseres Senior-Grafikers", erklärte Bennett mit einer fast schon demonstrativ lauten Stimme und klopfte an die Tür, bevor er sie aufdrückte. "Er wird eine deiner wichtigsten Stützen im Team sein." Ich trat hinter Bennett in den Raum. Mein Blick fiel als Erstes auf den Mann, der dort am Schreibtisch saß und demonstrativ lässig an seiner Kaffeetasse nippte. Okay, ich musste zugeben: Der Typ passte optisch perfekt in das Bild eines kreativen, selbstbewussten Grafikers. Dunkle Haare, grüne Augen, eine stattliche Statur und dieser Blick, der irgendwo zwischen absolut gelangweilt und verdammt durchbohrend schwankte. Er sah aus wie jemand, der gewohnt war, dass man nach seiner Pfeife tanzte. Meine goldenen Creolen und die zarte Kette auf meinem Schlüsselbein fingen das Licht des Büros ein, als ich mich vollends zu ihm umdrehte.
      "Jack, da bist du ja", sagte Bennett und lächelte etwas angespannt. "Das ist Miss Harris. Valentina, das ist Jack. Ich erwarte, dass ihr euch gut einarbeitet."
      Ich wartete gar nicht erst darauf, dass Bennett die unangenehme Stille überbrückte. Nach dem emotionalen Terror im Kindergarten schüchterte mich ein schlecht gelaunter Mittzwanziger ganz sicher nicht ein. Ich trat einen Schritt vor, schenkte Jack mein professionellstes, absolut unerschütterliches Agentur-Lächeln und streckte ihm die Hand entgegen.
      "Freut mich, dich kennenzulernen", sagte ich, während meine Stimme fest und klar klang. "Mister Bennett hat mir schon erzählt, dass Sie hervorragende Arbeit leleisn. Ich bin gespannt auf Ihre neuesten Entwürfe für die Handy-Kampagne." Ich fixierte seine grünen Augen und wartete ab.
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      Es dauerte ein Weilchen, bis Bennett mit unserer neuen Mitarbeiterin an meinem Büro aufkreuzte. Schließlich konnte man es hören. Ich rollte mit den Augen. Dass er vor der Tür so laut sprach, um sich anzukündigen, war wirklich unnötig. Ich konnte sie eh hören. Sie kamen rein und hinter meinem Chef tauchte eine bildhübsche, junge Frau auf. Scheiße, war die heiß. Ihre blonden Locken fielen über ihre schmalen Schultern und ihre blauen Augen trotzten vor Selbstbewusstsein. Sie hatte eine schlanke Figur und eine perfekte Größe. Nicht zu klein, aber größer sollte sie auch nicht sein. Ich verstand jetzt, was Miles gestern meinte. Von der vermeintlichen alten Schabracke war nichts zu sehen. Wäre mir aber allemal lieber gewesen. Trotzdem behielt ich mein Pokerface bei und ließ mir nichts anmerken. Sie hat mir immernoch meinen Job geklaut.
      "Ich bin wie immer in meinem Büro und arbeite, Bennett.", antwortete ich und stand auf. Ich ging auf die beiden zu und ließ uns vorstellen. Valentina Harris. Soso. Passt aber zu ihr. Sie lächelte. Meine Lippen blieben jedoch neutral. Trotzdem erwiderte ich ihren Händedruck. Vielleicht auch etwas zu dolle.
      "Willkommen Miss Harris. Ich hätte sie zwar lieber auf meinem Schreibtisch, als in ihrem Büro, aber ich denke, wir könnten miteinander auskommen.", antwortete ich, wobei ich gleich einen mörderischen Blick von Bennett kassierte. Sorry Alter. Ich konnte nicht anders. Aber das werde ich sicher gleich zu hören bekommen. Nun setzte ich doch ein falsches Lächeln auf.
      "Ich kann Ihnen später gerne meine Entwürfe für das neue Gerät geben. Dann werden wir ja sehen, ob sie zufrieden sind oder nicht.", antwortete ich, ehe sich Bennett räusperte.
      "Wir, ähm... lassen Jack jetzt wohl besser weiter arbeiten. Ich zeige Ihnen ihr neues Büro. Es ist noch unbenutzt und sie können sich es so einrichten, wie ihnen lieb ist."
      Die Tür schloss sich hinter ihnen. Ich schnaufte leise. Na das konnte ja was werden. Ich nahm es Bennett immer noch übel, dass er lieber eine junge Frau nahm, als jemanden zu wählen, der sich in der Firma auskannte und der auch die Mitarbeiter in- und auswendig kannte. Ich wusste um ihre Stärken und könnte ihnen immer das perfekte Projekt geben, damit es ein Erfolg werden würde. Was war also das Problem? Wirklich nur, meine Ausdrucksweise. Pah. Ganz bestimmt.
      "Hey Jack!", flüsterte es an der Tür und ich sah auf. Jamie, eine kleine brünette Frau mit Brille holte mich aus meinen Gedanken.
      "Was sagst du zu ihr? Sie ist hübsch, oder? Auf mich hat sie einen sehr sympathischen Eindruck gemacht.", erzählte sie, während ich gelangweilt meinen Kopf in meine Hand legte. Jamie war nicht nur meine Kollegin, sondern auch eine gute Freundin von mir. Mit ihr konnte ich über alles reden, also naja fast alles. Sie wusste nämlich nicht, dass ich ein Gestaltwandler war. Niemand wusste das. Würde mir eh keiner glauben und außerdem ging es niemanden etwas an. War sowieso keine so tolle Fähigkeit. Wer würde schon gerne in einen Kater verwandelt werden? Ein Wolf wär viel cooler. Aber nichts für eine Stadt. Naja egal. Zurück zu Jamie.
      "Sie ist hübsch. Aber mehr als fürs Bett wär sie auch nicht. Eigentlich sollte ich jetzt da im Büro sitzen.", jammerte ich und sie lächelte.
      "Das hat sicherlich einen Grund. Vertrau mir.", kicherte sie und hörte Schritte.
      "Oh, ich verschwinde. Es kommt jemand."
      Ja... Bennett kommt. Um seinen Ärger Luft zu lassen. Puhhh, na dann los.

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      Ich spürte, wie er meine Hand etwas zu fest drückte, während seine grünen Augen mich einmal komplett von oben bis unten musterten. Nun ja, wirklich überrascht hat es mich nicht. Eigentlich hatte mich heute Morgen schon jeder im Gebäude mit neugierigen Blicken bedacht ... immerhin war ich ab heute die neue Vorgesetzte der Meisten hier.
      Ich war gerade dabei, seinen Händedruck mit genau derselben Intensität zu erwideren, als er den Mund aufmachte. Mister Bennetts Gesicht lief augenblicklich dunkelrot an und er warf Jack einen mörderischen Blick zu, bei dem die Luft im Raum förmlich einfror.
      Nachdem ich einen kurzen Augenblick verwundert blinzelte, hob ich anschließend amüsiert eine Augenbraue. "Interessanter Pitch. Ein Kompliment und eine Personalbeschwerde in einem Satz... beeindruckende Zeitersparnis." Ich musterte ihn noch einmal kurz und legte den Kopf leicht schief. "Was meinen Arbeitsplatz angeht, haben wir beide wohl eine unterschiedliche Vorstellung, wo ich sitzen sollte. Offenbar hat sich der Vorstand bereits für die realistischere Variante entschieden. Das erspart uns allen eine Menge Papierkram." Ich drückte seine Hand noch einmal fest, ehe ich mich aus seinem Griff wand. "Und wenn Ihre Entwürfe mit Ihrem Selbstvertrauen mithalten können, werden wir vermutlich ein ziemlich gutes Team."
      Ich spürte, wie sich Bennetts Schnappatmung neben mir minimal beruhigte, auch wenn er immer noch aussah, als würde er Jack gleich eigenhändig erwürgen wollen. Jacks arrogantes Grinsen wirkte für einen Moment ganz leicht eingefroren, während Bennett sich lautstark räusperte. Mein neuer Chef war sichtlich bemüht, die Situation zu retten und mich aus der Schusslinie zu bringen.
      Also verabschiedete ich mich absolut tiefenentspannt, schenkte diesen Kerl ein letztes, zuckersüßes Lächeln und folgte Bennett hinaus auf den Flur.
      Als sich die Bürotür hinter uns schloss, atmete Bennett tief aus und raufte sich verzweifelt die Haare. "Valentina, es tut mir unendlich leid! Ich habe dich gestern noch gewarnt, aber das... das war absolut inakzeptabel. Ich gehe sofort zurück und knöpfe mir diesen Jungen vor!"
      "Machen Sie sich keinen Kopf, Mister Bennett", beruhigte ich ihn und strich kurz über den feinen Strick meines beigefarbenen Cardigans. Ein Typ, der dachte, er könnte mich mit einem billigen Spruch aus dem Konzept bringen, hatte keine Ahnung, wer ich war. Wer jeden Abend ein trotziges Kleinkind bändigt, das seine Zähne nicht putzen will, lässt sich von einem ungezogenen Grafiker nicht einschüchtern. "Gehen Sie ruhig und schütteln Sie ihn ein bisschen durch. Ich finde den Weg zu meinem neuen Reich ab hier ganz allein."
      Bennett nickte dankbar, drehte auf dem Absatz um und marschierte mit schweren, wütenden Schritten zurück zu Jacks Tür.
      Ich sah ihm kurz nach, suchte dann die Tür mit der Aufschrift Creative Director und drückte sie auf. Das Büro war hell, modern und bot einen fantastischen Ausblick. Ich stellte meine cremeweiße Tasche auf den großen, noch völlig leeren Holzschreibtisch und strich über die Oberfläche. Auf dem Schreibtisch... Ich musste leise lachen. Jack mochte talentiert sein, aber er würde ganz schnell lernen, dass seine neue Chefin sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen ließ. Ich klappte mein Tablet auf und loggte mich ins System ein. Jetzt erst recht.
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      Sie konterte. Und das gar nicht mal so schlecht. Pfiffiges Mädchen. Ich grinste sie weiter an, während Bennett sich immer mehr bemühte, die Situation weiter zu entschärfen. Auch wenn ich sie immer noch nicht leiden konnte, gefiel sie mir auf eine Art und Weise. Oh Valentina. Wir werden noch Freude miteinander haben.
      Doch dann entschied mein Chef, nun zu gehen und somit waren beide recht schnell wieder aus meinem Büro raus. Allerdings dauerte es auch gar nicht lange, da kam Bennett allein wieder zurück. Miss Harris hatte er wohl schon im neuen Büro abgesetzt. Na da konnte das Donnerwetter ja kommen.
      "Jack Winston! Bist du denn völlig von Sinnen? Ich glaub es hackt. Was glaubst du, wer du bist, dass du so mit ihr redest? Ich glaube, du brauchst wohl Urlaub. Nur weil du den Job nicht gekriegt hast, brauchst du nicht wie ein Kleinkind die beleidigte Leberwurst zu spielen. Ich erwarte, dass du zu ihr gehst und dich entschuldigst. Hast du verstanden? Und dann zügelst du dich ein wenig, sonst kannst du dir bald eine andere Firma zum terrorisieren suchen. Ich hoffe, das ist dir jetzt klar." BAM! Das hat gesessen! Doch weiß ich, dass er das niemals durchsetzen würde. Ich arbeite hier seit ich mit meinem Studium hier angefangen habe und wir sind hier alle eine kleine Familie. Wir machen ja sogar Ausflüge zusammen. Und außerdem weiß ich zufällig, dass ich hier viel Geld einbringe. Er kann also nicht auf mich verzichten. Trotzdem sollte ich ihn nicht weiter reizen.
      "Ist ja gut, es tut mir leid."
      "Bei ihr sollst du dich entschuldigen!!"
      "Ja doch. Ich bin schon unterwegs.", sagte ich und hob beschwichtigend meine Hände. Dann stand ich auf, umrundete meinen Schreibtisch und ging an Bennett vorbei, um mein Büro zu verlassen. Dieser sah mir verärgert hinterher.

      Ich ging zum Büro, welches meins sein sollte und klopfte. Hab ich ne Lust, das jetzt durchzuziehen.... aber was solls. Was blieb mir sonst übrig?
      Nach einem Herein, trat ich durch die Tür und schloss sie hinter mir. Unaufgefordert setzte ich mich auf einen der Stühle und sah mich um.
      "Hübsches Büro.", fing ich an. Auch wenn da noch nicht so viel los war. Wie denn auch, sie hat es erst vor fünf Minuten bezogen.
      "Bennett schickt mich, um mich bei dir zu entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich es so offen gesagt habe. Ich hätte es wohl diskreter machen sollen. Vielleicht, wenn er nicht unbedingt dabei gewesen wäre. Und somit habe ich meinen Job nun getan. Und eigentlich tut es mir auch gar nicht leid, aber das wirst du ja schon mitbekommen haben. Trotzdem fang ich einen Neustart an. Wollen ja nicht ungehobelt sein. Hi, ich bin Jack und einer der Grafiker hier in der Firma. Ich heiße dich herzlich Willkommen im Team. Sie sind hier alle recht freundlich und freuen sich auf dich. Vorallem Jamie. Du wirst sie bald besser kennenlernen. Sie ist wirklich süß. Wenn du Fragen hast, kannst du dich immer an alle wenden, sie helfen dir.", erzählte ich und stand wieder auf.
      "Somit wäre mein Job getan. Ich kehre dann zu meinem Posten zurück, Ma'am!", sprach ich in Soldatensprache udn salutierte.
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      Ich hatte mich gerade erst in das neue System und die Betriebslaufwerke eingeloggt, um mich mit den Arbeitsabläufen vertraut zu machen und mich überall mit meinem Dienstzugang anzumelden, da sah ich von meinem Tablet auf.
      Mein unruhiger Blick glitt aus dem großen Fenster. Meine Gedanken waren sofort zu Mae gewandert. Hatte sie sich mittlerweile etwas beruhigt? War sie gut in ihrer Kindergartengruppe angekommen? Für einen kurzen Moment hatte ich sogar überlegt, ob es albern wäre, nur ein einziges Mal kurz dort anzurufen. Doch ich hatte mich dagegen entschieden. Ich musste daran glauben, dass Mae und ich diesen Tag auch so schaffen würden.
      Ich hatte mich gerade wieder meinen Aufgaben auf dem Bildschirm widmen wollen, als ein festes Klopfen an der Tür die Stille durchschnitt. Ich atmete noch einmal tief durch, zog den feinen Strick meines beigefarbenen Cardigans glatt und rief mit einer sachlichen, aber freundlichen Stimme: "Herein." Gleichzeitig erhob ich mich langsam und elegant von meinem Stuhl, um meinem Besuch auf Augenhöhe zu begegnen.
      Umso überraschter war ich, als plötzlich Jack durch die Tür trat. Ich ließ mir jedoch absolut nichts anmerken. Meine Miene blieb ruhig, während er sich unaufgefordert auf einen der Besucherstühle setzte und anfangen hatte, sein Programm abzuspulen. Er redete sich beinah um Kopf und Kragen. Ich hörte ihm bis zum Schluss einfach nur still zu.
      "Also gut." Ich verschränkte locker die Arme vor der Brust und musterte ihn einen Moment. "Die Entschuldigung war mangelhaft, die Ehrlichkeit überraschend und die Präsentation durchaus kreativ." Ein amüsiertes Lächeln spielte um meine Lippen. "Insgesamt würde ich sagen: solide sechs von zehn Punkten." Ich neigte leicht den Kopf, so dass meine blonden Locken seicht über meinen Rücken und meine Schultern fielen. "Wobei ich zugeben muss, dass Sie ein bemerkenswertes Talent besitzen. Sie schaffen es tatsächlich, gleichzeitig unhöflich, charmant und erstaunlich ehrlich zu sein." Mein Blick blieb ruhig auf ihm liegen. "Ob das eine besondere Begabung oder ein ernsthaftes Problem ist, habe ich noch nicht entschieden." Für einen Moment ließ ich die Worte wirken, bevor mein Lächeln etwas wärmer wurde. "Aber zum Glück muss ich das heute auch nicht." Ich richtete mich ein wenig auf. "Entschuldigung angenommen, konzentrieren wir uns am besten auf das, wofür wir hier sind." Mein Blick wanderte kurz zu seinem Salut. "Immerhin bin ich als Creative Directorin verpflichtet, kreatives Potenzial zu erkennen. Deshalb gebe ich Ihnen die Chance, die fehlenden vier Punkte zurückzugewinnen." Ich hob leicht eine Augenbraue. Bevor das noch zu einer Vorlage für den nächsten Unbedachten Spruch seinerseits wurde. "- Mit den Entwürfen, die Sie mir vorhin so selbstbewusst angekündigt haben." Das Lächeln auf meinen Gesicht wurde zu einen charmanten Schmunzeln. "Nach all dem bin ich nämlich ausgesprochen gespannt, ob Ihre Arbeit mit Ihrer großen Klappe mithalten kann. Mir ist völlig egal, ob Sie mich leiden können oder nicht. Ich bin nicht hier, um Ihre beste Freundin zu werden, sondern um diese Abteilung zu leiten. Mister Bennett hat mir erzählt, dass Sie verdammt gute Arbeit leisten ... und genau das ist das Einzige, was mich interessiert. Ein Neustart klingt also wunderbar. Aber ab jetzt gilt: Wir bleiben professionell." Mit diesen Worten schenkte ich ihm ein absolut faires, aber messerscharfes Lächeln zum Abschied."Lassen Sie mir die Daten einfach direkt nach der Mittagspause zukommen. Ich bin wirklich sehr gespannt darauf. Und jetzt: Wegtreten."