Arisa blieb vor Migi stehen und musterte ihn von oben bis unten. Einen Moment lang sagte sie nichts. Er sah tatsächlich erbärmlich aus. Zerzauste Haare, müdes Gesicht, dieser Stock in der Hand und dazu die völlig verkrampfte Haltung, als würde jeder einzelne Schritt seine Beine persönlich beleidigen. Und trotzdem hatte er offenbar noch genug Energie, um sie schon am frühen Morgen zu nerven. „Du siehst aus, als hätte dich ein Bus überfahren“, stellte sie trocken fest. Als er sie dann auch noch fragte, ob sie ihm bis zum Klassenraum helfen könne, hob sie lediglich eine Augenbraue. „Nein.“ Die Antwort kam ohne jedes Zögern. Sie schulterte ihre Tasche etwas höher und setzte sich in Bewegung. „Du kannst laufen. Sehr langsam zwar, aber du kannst laufen.“ Nach ein paar Schritten sah sie kurz über die Schulter. „Außerdem habe ich keine Lust, dich durch die ganze Schule zu schleppen.“
Arisa ging weiter, ohne auf ihn zu warten, verlangsamte ihr Tempo aber unbewusst ein wenig. Sie konnte schließlich schlecht mit ansehen, wie er sich gleich auf dem ersten Meter auf die Nase legte. „Und bevor du wieder irgendwelche dummen Sprüche machst: Ich mache mich nicht über dich lustig“, fügte sie hinzu. „Na gut. Vielleicht ein bisschen.“ Ein kleines Grinsen huschte über ihr Gesicht, bevor sie wieder nach vorne sah.
Während sie Richtung Schulgebäude gingen, fielen ihr die neugierigen Blicke einiger Schüler auf. Kein Wunder. Migi sah aus, als wäre er über Nacht um mehrere Jahrzehnte gealtert. Arisa konnte sich bereits vorstellen, wie er später die Geschichte seines Trainings ausschmücken würde. Wahrscheinlich würde aus einem anstrengenden Tanztraining innerhalb weniger Minuten eine epische Schlacht gegen einen übermächtigen Meister werden. Bei Migi war schließlich alles eine Nummer größer.
Trotzdem musste sie zugeben, dass er sich offenbar wirklich angestrengt hatte. Je länger sie darüber nachdachte, desto absurder wurde die ganze Situation. In der Schule war er einfach nur der nervige Junge, der sie regelmäßig zur Weißglut brachte. Und außerhalb dieser Mauern war er plötzlich ihr Tanzpartner.
Vor dem Klassenraum blieb Arisa stehen und sah ihn noch einmal an. „Komm. Sonst verpasst du noch den Unterricht.“ Sie deutete mit einem kurzen Kopfnicken auf die Tür. „Und wenn deine Beine wirklich so kaputt sind, wie du behauptest, solltest du dir vielleicht überlegen, ob du nicht, bei was auch immer du gestern getan hast, nicht ein bisschen vorsichtiger bist.“ Sie verdrhete genervt die Augen. „Ich habe nämlich keine Lust, morgen wieder einen wandelnden Zombie neben mir stehen zu haben.“ Auch wenn Arisa an harten Training gewöhnt war, musste sie sich gestehen, dass auch für sie das Training gestern anstrengend war und sie hier und da ein bissch ein Ziehen im Körper bemerkte.
Nach dem Unterricht machte Arisa sich direkt auf den Weg zu Aurora 7. Schon auf dem Weg dorthin dachte sie an den vergangenen Tag zurück. Das Laufen hatte ihr zwar nicht besonders viel ausgemacht, doch bei Migi hatte es offensichtlich seine Spuren hinterlassen. Allein sein Anblick am Morgen hatte gezeigt, wie sehr Sagawa ihn an seine Grenzen gebracht hatte. Und trotzdem wusste Arisa, dass sie heute wieder laufen mussten. Sagawa würde ihnen diese Stunde Ausdauertraining vermutlich nicht einfach schenken. Als sie die Agentur betrat, zog sie sich um und wurde wenig später gemeinsam mit Migi zum Eingangsbereich gebracht. Dort wartete Sagawa bereits mit seiner Stoppuhr und einem Tablet. „Gestern seid ihr fünfzehn Kilometer gelaufen“, begann er ohne Begrüßung. „Heute machen wir dasselbe. Aber diesmal gibt es eine Änderung.“ Arisa sah zu ihm. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Sagawa hielt das Tablet hoch. Darauf war eine Karte mit einer markierten Strecke zu sehen, die deutlich komplizierter aussah als die vom Vortag. „Ihr lauft heute nicht einfach nebeneinander her. Alle zwei Kilometer bekommt ihr eine neue Vorgabe. Einer von euch übernimmt die Führung, der andere muss sich exakt an dessen Tempo halten. Danach wird gewechselt.“ Arisa verstand sofort, worauf er hinauswollte. Es ging nicht mehr nur um Ausdauer. Er wollte sehen, ob sie auch außerhalb der Tanzhalle aufeinander reagieren konnten.
Der erste Abschnitt begann ruhig. Arisa hielt ein gleichmäßiges Tempo und bemerkte schnell, dass Migi heute zwar noch steif wirkte, aber nicht mehr ganz so erbärmlich aussah wie am Morgen. Offenbar hatte er sich zumindest ein wenig erholt. Nach zwei Kilometern wechselte die Führung. Nun musste Migi das Tempo bestimmen. Arisa hätte beinahe die Augen verdreht, als Sagawa ihnen zusätzlich mitteilte, dass sie an jeder größeren Kreuzung für fünf Sekunden stehen bleiben und anschließend gleichzeitig wieder loslaufen mussten. „Ihr müsst lernen, aufeinander zu reagieren“, erklärte er. „Auf der Bühne könnt ihr auch nicht einfach weitermachen, wenn euer Partner hinter euch zurückbleibt.“ Arisa sagte nichts dazu. Sie wusste, dass er recht hatte, auch wenn sie seine Methoden weiterhin für unnötig brutal hielt.
Eine weitere Änderung wartete nach der Hälfte der Strecke. Sagawa hatte einen kleinen Umschlag an einer markierten Stelle hinterlegen lassen. Darin befand sich jeweils eine kurze Aufgabe. Diesmal mussten sie den nächsten Abschnitt laufen, ohne miteinander zu sprechen. Nur über Blicke und Handzeichen sollten sie bestimmen, wann sie das Tempo erhöhten oder reduzierten. Arisa fand die Idee überraschend sinnvoll. Sie war es gewohnt, sich auf der Bühne über kleinste Bewegungen und Blicke mit anderen Tänzern abzustimmen. Für Migi hingegen dürfte es wesentlich schwieriger werden. Sie lief weiter und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Immer wieder gab sie ihm kleine Zeichen, wenn eine Steigung kam oder sie das Tempo verändern wollte.
Arisa ging weiter, ohne auf ihn zu warten, verlangsamte ihr Tempo aber unbewusst ein wenig. Sie konnte schließlich schlecht mit ansehen, wie er sich gleich auf dem ersten Meter auf die Nase legte. „Und bevor du wieder irgendwelche dummen Sprüche machst: Ich mache mich nicht über dich lustig“, fügte sie hinzu. „Na gut. Vielleicht ein bisschen.“ Ein kleines Grinsen huschte über ihr Gesicht, bevor sie wieder nach vorne sah.
Während sie Richtung Schulgebäude gingen, fielen ihr die neugierigen Blicke einiger Schüler auf. Kein Wunder. Migi sah aus, als wäre er über Nacht um mehrere Jahrzehnte gealtert. Arisa konnte sich bereits vorstellen, wie er später die Geschichte seines Trainings ausschmücken würde. Wahrscheinlich würde aus einem anstrengenden Tanztraining innerhalb weniger Minuten eine epische Schlacht gegen einen übermächtigen Meister werden. Bei Migi war schließlich alles eine Nummer größer.
Trotzdem musste sie zugeben, dass er sich offenbar wirklich angestrengt hatte. Je länger sie darüber nachdachte, desto absurder wurde die ganze Situation. In der Schule war er einfach nur der nervige Junge, der sie regelmäßig zur Weißglut brachte. Und außerhalb dieser Mauern war er plötzlich ihr Tanzpartner.
Vor dem Klassenraum blieb Arisa stehen und sah ihn noch einmal an. „Komm. Sonst verpasst du noch den Unterricht.“ Sie deutete mit einem kurzen Kopfnicken auf die Tür. „Und wenn deine Beine wirklich so kaputt sind, wie du behauptest, solltest du dir vielleicht überlegen, ob du nicht, bei was auch immer du gestern getan hast, nicht ein bisschen vorsichtiger bist.“ Sie verdrhete genervt die Augen. „Ich habe nämlich keine Lust, morgen wieder einen wandelnden Zombie neben mir stehen zu haben.“ Auch wenn Arisa an harten Training gewöhnt war, musste sie sich gestehen, dass auch für sie das Training gestern anstrengend war und sie hier und da ein bissch ein Ziehen im Körper bemerkte.
Nach dem Unterricht machte Arisa sich direkt auf den Weg zu Aurora 7. Schon auf dem Weg dorthin dachte sie an den vergangenen Tag zurück. Das Laufen hatte ihr zwar nicht besonders viel ausgemacht, doch bei Migi hatte es offensichtlich seine Spuren hinterlassen. Allein sein Anblick am Morgen hatte gezeigt, wie sehr Sagawa ihn an seine Grenzen gebracht hatte. Und trotzdem wusste Arisa, dass sie heute wieder laufen mussten. Sagawa würde ihnen diese Stunde Ausdauertraining vermutlich nicht einfach schenken. Als sie die Agentur betrat, zog sie sich um und wurde wenig später gemeinsam mit Migi zum Eingangsbereich gebracht. Dort wartete Sagawa bereits mit seiner Stoppuhr und einem Tablet. „Gestern seid ihr fünfzehn Kilometer gelaufen“, begann er ohne Begrüßung. „Heute machen wir dasselbe. Aber diesmal gibt es eine Änderung.“ Arisa sah zu ihm. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Sagawa hielt das Tablet hoch. Darauf war eine Karte mit einer markierten Strecke zu sehen, die deutlich komplizierter aussah als die vom Vortag. „Ihr lauft heute nicht einfach nebeneinander her. Alle zwei Kilometer bekommt ihr eine neue Vorgabe. Einer von euch übernimmt die Führung, der andere muss sich exakt an dessen Tempo halten. Danach wird gewechselt.“ Arisa verstand sofort, worauf er hinauswollte. Es ging nicht mehr nur um Ausdauer. Er wollte sehen, ob sie auch außerhalb der Tanzhalle aufeinander reagieren konnten.
Der erste Abschnitt begann ruhig. Arisa hielt ein gleichmäßiges Tempo und bemerkte schnell, dass Migi heute zwar noch steif wirkte, aber nicht mehr ganz so erbärmlich aussah wie am Morgen. Offenbar hatte er sich zumindest ein wenig erholt. Nach zwei Kilometern wechselte die Führung. Nun musste Migi das Tempo bestimmen. Arisa hätte beinahe die Augen verdreht, als Sagawa ihnen zusätzlich mitteilte, dass sie an jeder größeren Kreuzung für fünf Sekunden stehen bleiben und anschließend gleichzeitig wieder loslaufen mussten. „Ihr müsst lernen, aufeinander zu reagieren“, erklärte er. „Auf der Bühne könnt ihr auch nicht einfach weitermachen, wenn euer Partner hinter euch zurückbleibt.“ Arisa sagte nichts dazu. Sie wusste, dass er recht hatte, auch wenn sie seine Methoden weiterhin für unnötig brutal hielt.
Eine weitere Änderung wartete nach der Hälfte der Strecke. Sagawa hatte einen kleinen Umschlag an einer markierten Stelle hinterlegen lassen. Darin befand sich jeweils eine kurze Aufgabe. Diesmal mussten sie den nächsten Abschnitt laufen, ohne miteinander zu sprechen. Nur über Blicke und Handzeichen sollten sie bestimmen, wann sie das Tempo erhöhten oder reduzierten. Arisa fand die Idee überraschend sinnvoll. Sie war es gewohnt, sich auf der Bühne über kleinste Bewegungen und Blicke mit anderen Tänzern abzustimmen. Für Migi hingegen dürfte es wesentlich schwieriger werden. Sie lief weiter und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Immer wieder gab sie ihm kleine Zeichen, wenn eine Steigung kam oder sie das Tempo verändern wollte.