My Idol, My Nemesis [Taru x Yumia]

    • Yusa stieg aus dem Wagen, sobald die Tür geöffnet wurde, und für einen kurzen Moment traf sie das vertraute Gemisch aus Meeresluft, Kabelgeruch, Stimmengewirr und hektischer Vorbereitung. Drehtag. Schon von weitem hörte sie ihren Namen, sah Staff, Kameraleute, Tänzer, Assistenten. Alles lief bereits.
      Sie setzte ihr professionelles Lächeln auf, verneigte sich leicht in mehrere Richtungen und ließ sich zur Maske führen.
      Ein paar der Tänzer begrüßten sie sofort. Höfliche Worte, kurze Komplimente, routinierte Freundlichkeit. Einer von ihnen trat dabei etwas selbstsicherer vor als die anderen. Kaito. Sie erinnerte sich an den Namen aus der Besetzungsliste. Er redete locker, fast zu locker, doch Yusa blieb wie immer höflich, nickte, antwortete freundlich, ohne sich länger aufzuhalten. Arbeit war Arbeit. Nähe bedeutete hier nichts weiter als Choreografie. Innerlich war sie froh, als sie schließlich den Maskenwagen erreichte.
      Am Eingang bemerkte sie Migi, der etwas abseits wartete, fast so, als wolle er nicht im Weg stehen, aber gleichzeitig alles beobachten. Für einen kurzen Moment musste sie tatsächlich ein wenig schmunzeln. Selbst hier hatte er es geschafft, früher da zu sein.
      „Guten Morgen“, sagte sie freundlich. „Du bist ja schon im Einsatz.“ Dann wurde sie auch schon hineingebeten. Im Wagen setzte sofort die Routine ein. Haare wurden überprüft, Make-up angepasst, Haut vorbereitet. Jemand erklärte noch einmal den Ablauf des Shootings. Strandaufnahmen zuerst. Sommermode. Danach die Videosequenzen.
      Als schließlich der Kleiderständer hereingerollt wurde und der Bikini für das erste Shooting sichtbar wurde, hielt Yusa innerlich ganz kurz den Atem an. Natürlich hatte sie gewusst, was kommen würde. Natürlich hatte sie die Unterlagen gesehen. Trotzdem war der Moment, in dem das Outfit real vor ihr hing, immer derselbe kleine Stich. Zu viel Haut. Zu viel Blick auf ihren Körper.
      Sie wusste, dass Fans es lieben würden. Die Agentur sowieso. Marketing, Verkäufe, Reichweite. Rational verstand sie alles. Aber mögen tat sie es nicht.
      Für sie selbst sah sie im Spiegel immer noch die kleinen Dinge, die nicht perfekt wirkten. Nicht dünn genug. Nicht elegant genug. Zu gewöhnlich. Die Kamera würde jede Bewegung festhalten, jede Linie, jeden Winkel. Sie schloss kurz die Augen, atmete langsam ein. Arbeit. Als sie sie wieder öffnete, war das Idol-Lächeln zurück.
      „Alles klar“, sagte sie ruhig zu den Stylisten. „Wir können anfangen.“
      Während sie vorbereitet wurde, wanderte ihr Blick noch einmal kurz zur Tür des Wagens, hinter der Migi wartete. Nervig, laut, überdreht. Aber gleichzeitig… irgendwie beruhigend, dass wenigstens eine bekannte Konstante hier war, zwischen all den fremden Blicken, Kameras und Erwartungen. Heute würde ein langer Tag werden.
      Als ihre Stylistin fertig mit ihrer Arbeit war und Arisa ihr Bikini angezogen hatte, wickelte sie sich in ein Handtuch ein, sodass sie nicht gleich freizügig ins Freie trat. Als sie die Tür öffnete, musste sie kurz ihre Augen vor der Helligkeit zusammen kneifen bis ihre Augen sich daran gewöhnt haben. Ihr Griff um das Handtuch wurde fester, als sie die Tänzer sah. Nicht viel weiter entfernt erblickte sie den Direktor. "Was genau ist der Plan? Hat sich etwas geändert?", wandte sie sich an Migi. Soweit sie darüber informiert war wurden sie die verschiedenen Szenen Filmen während sie sang und tanzte und dann das Fotoshooting machen, um das Album zu promoten.
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    • Migi

      Schon fast ungeduldig stand er vor dem Wagen, in dem Yusa gerade zurehtgewerkelt wurde. Trotzdem blieb er äußerlich ruhig. Das änderte sich aber, als die Tür auf ging, und Yusa hervor kam. Fast wäre er aufgesprungen, aber seine Erwartungen wurden von einem Handtuch verborgen. Mist. Aber vielleicht ist es auch besser so. Die Leute gafften schon so. Aber da ging es wohl eh um Professionalität.
      Und genauso behandelte Yusa ihn dann auh. Ohne Umschweife fragte sie direkt nach dem Ablauf. IHN! Als wäre er hier für irgendwas verantwortlich. Vermutlich, weil er dem Direktor beim Essen was zum Lied geträllert hatte.
      Abgesehen davon war er ja auch schon länger hier und hatte sicher einiges mitbekommen. Und bevor wer vom Set kam, gab sie ihm die Chance.
      "Ähm..., ja, ich denke der Plan schaut so aus wie vorgesehen. Sie wollen mit dir zuerst das Shooting machen. Da der Videodreh später anstrengend werden könnte, sollten erstmal die Fotos für die Zeitschriften herhalten. Danach gibts ne Mittagspause, und danach dann bis zum Abend der Videodreh. Da heute gutes Wetter ist, soll die letzte Szene dann zum Sonnenuntergang stattfinden. Richtung Meer gefilmt. So mit rotem Himmel. Sonnenuntergangsstimmung für einen schönen Tag halt."
      Yusa hörte aufmerksam zu, während sie bereits zum Strand gingen. Migi grinste und kicherte: "Heheheee, ich darf sogar helfen. Ich darf einen Lichtspiegel halten, und störende Schatten beseitigen, die sich zwischen dir und Linse aufhalten wollen." Er war stolz auf diese Arbeit. So konnte er dabei helfen, Yusa noch besser im Licht stehen zulassen.
      Außerdem waren da die Tänzer noch nicht dabei. Die würden erst am Abend nach dem Dreh noch auf die Abschlussbilder mit drauf kommen.

      Dann erreichten sie auch den Strandabschnitt für die Fotoaufnahmen. Der Direktor klatschte in die Hände. "Okay Leute, unser Fotovögelchen ist soeben eingetroffen. Wir sind prima im Zeitplsan, also lasst uns beginnen. Wo ist mein Stuhl? VERDAMMT Ich sagte doch, der soll da hin! Und außerdem ...."
      Migi seufzte genervt. Der Direktor spielte sich ja ganz schön auf und stauchten erstmal jeden zusammen. Und wieso nennt er Yusa ein Fotovogel? Der Typ verdiente nen Arschtritt, der 100 Fotos aus allen Winkeln wert war! Yusa war kein Fotovogel, sondern eine Fotogene Göttin. Alles andere war Beleidigung und Abwertung!
      Assistenten kamen und dirigierten Yusa bereits. Migi drückte man einen Spiegel, oder eher Reflektor genannt, in die Hand. Zwei weitere Assitenten waren ebenfalls damit bewaffnet.
      Ein Teil vom Strand war abgesperrt, aber nicht alles. Man konnte immer noch am Meer entlang gehen. Das sollte wohl auch die Natürlichkeit der Aufnahme füllen, wenn mal ein paar Gäste im Hintergrund auf die Linse kämen.
      Dann endlich ließ Yusa das Habdtuch fallen, und Migi wäre fast der Reflektor durchgebrannt. Sie sah fantastisch aus. Aber er war ja auch ein Profi. Stabil wie ein Baum im Sturm, Eisern wie eine Jungfrau in der Folterkammer, ein Fels in einer machtvollen Brandung, blieb er gelassen und machte seine Arbeit. Innerlich hüpfte er umher wie ein Kind, das gerade das beste Geburtstagsgeschenk erhalten hatte, und im Wohnzimmer auf und ab hüpfte.
      Und diese innerliche Hibbeligkeit würde ihm gleich zum Verhängnis werden.
      Die ersten Aufnahmen waren erstmal kein Problem. Ein paar Bilder zum Aufwärmen, einfache Posen, Lächeln für die Linse, und Anweisungen vom Direktor.
      Dann gab es noch ein paar Werbeprodukte, darunter eine Sonnenmilch, für die Yusa ihre Arme einrieb und diese zwinkend bewarb.
      Bei 20 Grad Tagestemperatur und nahezu Windstille war es doch recht Warm. Dazu noch der ein oder andere Extrascheinwerfer, der sicher auch mal ne leichte Schweisschicht bedeuten könnte.
      Positionsänderung ein Stück weiter mittig zum Strand. Der Direktor forderete nun die etwas aufregenderen Aufnahmen. Vorbeugen um etwas Oberweite in die Linse zu halten, und dem Leser fröhlich zuzuzwinkern. Irgendwer nannte es Sexy Beach Yusa. Hoffentlich hatte derjenige sich nicht versprochen.
      Der Direktor gab grinsend Anweisungen. "Ok, Yusa. Stell dich da hin, beuge dich etwas vor und stütze deine Hände auf die Knie. Und dann zeig mir ein Lächeln, das den Sommer einläd, auf über 30 Grad zu wandern."
      Migi wäre fast durchgedreht. Hatte der Typ immer noch nicht genug? Der hatte doch wieder was vor. War das so überhaupt abgemacht?
      Yusa blieb professionell, wie er merkte. Und seine Position war wohl mehr schlecht als im recht. Er stand ja fast hinter ihr, und jetzt starrte er kurz auf ihren Bikinipo, den er etwas zu sehr beleuchtete. Hier machte das wohl auch keinen Sinn? Dann, weil er ja ein Gentleman ist, drehte er den Blick fort Richtung Meer, um bei der Konzentration zu bleiben.
      Dann bemerkte Migi etwas. Irgendwer, der nicht zum Team gehörte, schlenderte durch den gesperrten Bereich und etwas funkelte unter einer Jacke hervor. Ein Objektiv. Das sah aus wie eines mit guter Zoomtechnik. Da wollte sich wohl jemand mit freizügigen unerlaubten Bildern eindecken, und diese dann einfach im Netz hochladen. Yusa vorgebeugt im Bikini. Ein Stromschlag ging durch sein Gehirn, und schaltete das Denken runter, und die Koordination von Armen und Beinen aus dem Gleichgewicht. Anstatt dem Team oder dem Direktor darauf hinzuweisen, wandte er sich direkt an Yusa, wenn auch ungewollt außerplanmäßig und der Art und Weise.
      "VORSICHT YUSA, DA IST SO NEN VOYEUR, DER AUFNAHMEN VON ...uuuhhAAAHHH!!"
      Da geschah es. Er stolperte über seine eigenen Füße, weil ein Bein nicht mit kam in der Drehung, das andere schon vorprechen wollte, um Yusa mit dem Reflektor abzuschirmen, den Migi dann auch noch los ließ, weil er sich gleich aufstützen wollte. Der Fall nach vorn endete in einer Katastrophe. Zunächste knallte er mit dem Kopf voran gegen Yusas Rücken, was diese naztürlich in der vorgebeugten Pose nach vorn fallen lassen würde. Dann grabbschte er auch noch ihr Höschen an den Seitenbändern an. Dann fielen beide nach vorn in den Sand.
      Yusa landete mit dem Gesicht voran direkt im Sand. Schminke und etwas Schweis würden reichlich SAnd im Gesicht kleben lassen. Außerdem wurde ihr überraschter Aufschrei mit einer Ladung Sand in den Mund belohnt.
      Und Migi? Der landete auch auf dem Bauch, und hatte Yuas Bikinihöschen fast vollständig runtergezogen, und starrte für eine Sekunde auf ihren fast blanken Hintern .... während die Kamera ein KLICKklickKLICK Geräusch machte, weil der Fotograf vor Schreck auf den Auflöser drückte.
      Der Direktor ging ab wie ein Zäpfchen.
      Zwei Leute stürmten bereits auf den Voyeur zu, der versuchte zu flüchten. Auch er hatte sicher spannende Aufnahmen gemacht.
      Assistenten rannten zu Yusa, und zogen sie förmlich aus dem Sand, fingen sofort an ihr Gesicht zu pinseln, eine weitere kam schon mit einer Decke herbei, um Yusa vor lüsternen Blicken zu schützen.
      Migi durfte sich eine Flut an Beschimpfungen übergießen lassen, und einigen Neidsprüchen des Direktors, das er gern mit ihm getauscht hätte, wenn er vorher gewusst hätte, wie unprofessionell das ganze hier enden sollte.
      Zum Glück waren die wichtigsten Aufnahmen im Kasten.
      Gelächter und Spott vom Rest des Teams. Vorallerm die Tänzer lachten und äußerten sich abwertent über das Fehlverhalten von Migi. Dieser hatte sich zwar direkt bei Yusa entschuldigt, aber da sie mit Sandhusten beschäftigt war, kam zunächst ja auch keine Antwort.
      Man hatte ihn erstmal am Rande vom Set auf eine Bank verdonnert, wo er 30 Minuten sitzen und über seine Taten nachdenken sollte.
      Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Ausgerechnet er hatte Yusas Shooting sabotiert und sie auch noch entehrt. Und das nur, weil er heimliche Aufnahmen verhindern wollte.
      Immerhin als schwacher trost, der Typ wurde erwischt. Man fand weitere Bilder. Der hatte sich fausdick im Set aufgehalten und hier und da Yusa abgelichtet. Sogar beim Umkleiden. Als dann der Direktor zu viel Einsicht der Bilder forderte, bekam dieser auch nen Einlauf von den Damen am Set.
      Dann hatten sich alle in der Wolle, und nach 10 Minuten Streitigkeiten wurde es dann auch wieder professioneller am Set.
      Der Direktor bat darum, das man sich doch darüber jetzt nicht zu sehr aufregen sollte. Es lag ja noch das Musikvideo nach dem Mttagessen an.
      Migi frasgte sich, was Yusa jetzt wohl dachte.
      Wenn er das Arisa erzählen würde, die würde ihn auslachen. Einen Perversen würde sie ihn nennen, der anderen Mädchen das Höschen runterzeiht für intimste Einsichten. In der Schule dürfte er unten durch sein, wenn das die Runde macht.
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    • Der Aufprall kam so plötzlich, dass Arisa für einen Moment gar nicht realisierte, was überhaupt passiert war.
      Erst der Stoß gegen ihren Rücken. Dann das Wegkippen ihres Gleichgewichts. Der Sand, der ihr entgegenschoss. Ihr Körper, der nach vorne fiel.
      Und dann: Chaos.
      Der Geschmack von Sand in ihrem Mund, das Kratzen auf der Haut, das dumpfe Rauschen in ihren Ohren. Für einen kurzen Moment war alles nur ein verschwommener, unangenehmer Reiz.
      Als sie wieder halbwegs klar denken konnte, wurde sie bereits hochgezogen. Stimmen um sie herum, Hände, die an ihr zogen, sie abklopften, ihr Gesicht säuberten. Jemand legte ihr sofort etwas über die Schultern.
      Sie hustete leicht, spuckte Sand aus und blinzelte gegen das Licht.
      Innerlich…war sie einfach nur fertig.
      Und dann kam es.
      Diese Welle aus Genervtheit, die sie nur zu gut kannte.Nicht nur in der Schule.Nicht nur jeden verdammten Morgen.
      Jetzt auch hier.
      Sie presste innerlich die Zähne zusammen. Natürlich musste er es sein. Natürlich konnte er sich nicht einmal hier zusammenreißen. Nicht einmal bei etwas, das ihr wichtig war. Etwas, wofür sie arbeitete, sich vorbereitete, sich mental zwang.
      Sie schloss für einen Sekundenbruchteil die Augen, während jemand vorsichtig ihr Make-up ausbesserte.
      Reiß dich zusammen.
      Als sie sie fragten, ob alles in Ordnung sei, nickte sie sofort. „Mir geht es gut“, sagte sie ruhig, auch wenn ihre Stimme noch leicht rau war. „Wir können weitermachen.“
      Professionell. Immer professionell.
      Doch innerlich brodelte es.
      Sie war enttäuscht.
      Tief enttäuscht.
      Er hatte nicht einmal die paar Stunden durchgehalten, ohne alles durcheinanderzubringen. Und jetzt musste sie das ausbaden. Vor dem gesamten Team. Vor Kameras. Vor Leuten, die nur darauf warteten, dass sie einen Fehler machte.
      Ihr Blick glitt kurz zu Migi.
      Er saß abseits, zusammengesunken, fertig gemacht von den anderen… und vermutlich auch von sich selbst.
      Für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Und sie hätte ihn am liebsten angefahren.
      Hätte ihm gesagt, wie unfassbar dumm das gewesen war. Hätte ihn genauso angekeift, wie sie es in der Schule getan hätte. Aber sie konnte nicht.
      Nicht hier.
      Nicht als Yusa.
      Also schluckte sie alles runter.
      Die Wut.
      Die Enttäuschung.
      Den Impuls, ihm einfach die Meinung zu sagen.
      Stattdessen wandte sie den Blick ab und setzte ihr Lächeln wieder auf, als wäre nichts passiert.
      „Wir machen weiter“, sagte sie noch einmal, diesmal fester.
      Die Crew fing sich langsam wieder. Der Direktor brüllte weniger, die Assistenten arbeiteten routiniert weiter, als wäre nichts gewesen. Die restlichen Aufnahmen wurden schneller durchgezogen, effizienter, kontrollierter. Arisa bewegte sich durch die Posen, als wäre nichts passiert. Lächeln. Haltung. Blick. Perfekt.

      Als die Mittagspause endlich ausgerufen wurde, war sie innerlich komplett leer.
      Im Zelt setzte sie sich für einen Moment abseits hin, ein Handtuch um die Schultern gelegt, eine Wasserflasche in der Hand. Sie trank langsam und atmete tief durch.
      Noch die Hälfte des Tages.
      Der schwierigere Teil.
      Das Musikvideo.
      Und sie wusste jetzt schon, dass sie einfach nur froh sein würde, wenn diese Woche vorbei war. Eine Woche mit Migi hatte schon gereicht, um ihre Nerven zu strapazieren. Sie wollte einfach nur wieder Ruhe.
      Ihr Blick wanderte kurz zu Kaito, der mit den anderen lachte, als wäre nichts gewesen. Arisa richtete sich leicht auf.
      Egal, wie unangenehm es wurde. Egal, wie sehr sie sich innerlich dagegen sträubte.
      Sie würde es durchziehen. Sie war Yusa.
      Und dieser Tag… war noch lange nicht vorbei. Sie wartete sehnsüchtig auf die lange Mittagspause.
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    • Die Mittagspause war sogesehen erstmal eine gute Ablenkung und Erholung von dem ganzen Stress hier. Wenigstens war der erste Teil im Kasten. Yusa hatte alles wie ein Profi weggesteckt, und weiter gemacht.
      Allerdings erntete Migi immer noch unangenehme Blicke, und durfte auch die ein oder andere Aussage hören, die man über so einen Trottel äußerte.
      Aber er wäre ja nur noch heute hier, und dann sei man ihn los. Sabotage am Meisterwerk.
      Hoffentlich würde er das Video nicht versauen. Ein paar Fotos sind schnell neu gemacht, aber ne ganze Aufnahme würde den Zeitrahmen und das Budget sprengen.
      Tja, Migi vermutete schon, das er ganz am Rande vom Set Bereich stehen sollte. Möglichst immer weit weg und nicht im Bild.
      Und sicher wird darüber auch noch was in der Zeitschrift aufkreuzen. Immerhin hatte er ja über eine Show den Preis gewonnen. Und ein Interview dürfte es wohl dazu auch noch geben. Vermutlich im selben Heft. Herzlichen Dank auch, oh holdes Glück.
      Kaito und seine Truppe sahen ihn, gackerten wieder rum und nannten ihn einen Perversen Idioten. Migi versuchte das bestmöglichst zu ignorieren.
      Während er sich ein wenig leichtere Kost gönnte, und Salat aufschaufelte, beobachtete er noch, wie Kaito mit seiner Gruppe bei Yusa vorbei kam.
      Im ersten Moment sah alles ganz normal aus. Ein paar Sätze wurden gewechselt, dann griff Kaito Yusa mit einer Hand an die Schulter. Migi bemerkte ihr Zucken, da er wohl sehr kraftvoll zugriff. Migi hörte ihn noch sagen, das er sich bereits freute, in der Schlussszene Yusa in seinen starken Armen halten zu dürfen. Er hatte wohl vor, Yusa danach am Abend zur Abschlusspartynoch auf andere Weise im Arm zu halten. Ekelhaft. Migi hätte fast gekotzt.
      Ob es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, bei Yusa am Tisch zu sitzen? Er wollte sich nochmals entschuldigen für seinen groben Fehler. Nicht auszudenken, wenn sie deshalb schief singen würde. Nein, Yusa war ein Profi.
      "Ablenkung. Mal sehen was es hier noch so gibt .... hmm, Muscheln? *Schnüffelschnüffel* Wüäähh. Ich glaub die sind von schlechter Qualität. Ich nehm lieber das Hähnchen zum Salat."
      Was Migi nicht wusste, und auch sonst keiner bemerkt hatte, war die Tatsache, das die Muscheln längst verdorben waren. Da hatte in der Küche wohl keiner aufgepasst, als das Essen zubereitet wurde.
      Und so kam es dann später auch, kurz nach der Mittagspause, wo sich alle noch eine Auszeit zur Verdauung gönnten.
      Die ersten bereiteten sich natürlich schon wieder vor. Der Direktor sprach gerade noch mal mit Yusa, als plötzlich jemand vom Set herbeistürmte und panisch Alarm rief.
      "Herr Direktor ... es ist furchtbar. Wir haben ein Problem.", rief der Assistent.
      "Was denn nun schon wieder? Hat Mr. Murai wieder Mist gebaut?" Alle lachten kurz, aber der Assistent blieb panisch.
      "Nein, Sir. Aber es geht um den Tänzer Kaito. Er hatte wohl etwas Verdorbenes gegessen. Seine Lieblingsmuscheln. Jetzt geht es ihm schlecht. Er hat sich schon mehrfach übergeben und ... untenrum auch besudeln. Er ist kreidebleich und wird gleich ins Krankenhaus verlegt. Das bedeutet, unser geplanter Ablauf ist gefährdet."
      Der Direktor wurde nun auch kreidebleich und schwitze. "WAAAS? Kaito fällt aus? So ein Unglück. Das darf nicht wahr sein! Die ganze Choreografie ist auf den Text ausgelegt, und das Drehbuch zum Video auch. Wo kriegen wir jetzt noch Ersatz her, der mit Yusa tanzt? Kann einer von den anderen einspringen?"
      Die Leute tuschelten, und die Tänzer selbst sagten: "Nein, wir haben nur unsere Tanzschritte geübt. Die Momente, wo Kaito mit Yusa tanzt, und den Abschluss haben wir nicht drauf. Und es ist unmöglich, das jetzt noch zu üben. Das kostet Zeit."
      Der Direktor hatte schon ein nasses Taschentuch, so oft wie er sich die Stirn tupfte.
      "So ein Ärgernis. Das wird die ganze Planung über den Haufen werfen. Alles war perfekt vorbereitet, und die Köche servieren uns Müll zum Mittag. Das wird noch Kosequenzen haben. Wir müssen das Drehbuch umschreiben. Oh Gott, dafür ist keine Zeit. In 20 Minuten beginnt der Dreh beim Parkplatz. Ist wenigstens der Jeep da?"
      Migi hatte aufmerksam zugehört. Innerlich lachte er, als er hörte, das dieser arrogante Kaito vom Set musste, weil er wohl von den üblen Muschel gegessen hatte - als Einziger. Sein saurer Mundgeruch hatte wohl die Verderbnis überdeckt.
      Aber was Migi nicht gefiel, war die Tatsache, das Yusas Video jetzt nicht wie geplant erstellt werden konnte. Und die Zeit saß allen im Nacken.
      Migi ballte die Fäuste, trat einen Schritt vor und sagte: "Ich mach es."
      Wildes gerede und Diskutieren ging einfach weiter. Dann rief er lauter. "ICH MACHE ES! Ich kann einspringen."
      Stille. Totenstille. Dann lachte jemand. "HAHAHA, DUU? Willst du Yusa im Video auch noch das Höschen runterziehen?" Gelächter.
      Der Direkte wurde zornig. "Junge, das hier ist kein Spielplatz für Schulkinder. Hier arbeiten nur Profis. Und da kann nicht einfach jeder kommen und den wichtigsten Tanzpart übernehmen."
      "Aber so hören sie doch. Ich kann den Tanz. Ich bin nicht umsonst Yusas größter Fan. Ich habe schon sehr oft daheim beim Videostream mitgetanzt. Und außerdem war ich jetzt eine Woche dabei. Ich durfte Yusa treffen, mit ihr reden und ihr bei der Arbeit zusehen. So auch bei ihrem Tanztraining. Und weil ich mich gefreut habe, bei dem Video dabei am Set sein zu dürfen, wollte ich zumindestens gleich beim ersten Stream zuhause mittanzen. Deshalb habe ich die Choreografie zuhause selbst geübt. Und damit ihr mir das glaubt ..."
      Migi trat einen Schritt vor, drücke auf sein Handy und Musik spielte ab. Die vom Training. Er hatte sie aufgenommen. Dann machte er die Tanzschritte, die Kaito machen sollte, zusammen mit Yusa, und auch seinen Extrapart, der sich von den anderen Backgroundtänzern unterscheiden sollte. Und das absolut perfekt.
      Wieder Stille. Dann klatschte der Direkte mit voller Wucht einmal in die Hände. Dabei hielt er nach das verschwitzte Taschentuch, das sich jetzt mit einem Flatsch ein wenig verteilte durch den Druck.
      "WUNDERBAR! Ja absolut PERFEKT! Es ist ein Wunder geschehen.", trällerte er.
      Irgendwer gab Einwand. "Direktor. Sie wollen dieser Anfänger im Video haben? Das ist doch nicht ihr ernst. Haben sie vergessen, was der Trottel mit Yusa angestellt hat?"
      Der Direktor dreht sich dem Manne zu, der das äußerte. "Sind sie blind? Er hat hier gerade einen perfekten Tanz hingelegt. Alles war korrekt bis ins kleinste Detail. Er ist unsere einzigste Chance, das hier noch sauber im Zeitplan hinzulegen. Ich habe das jetzt so entschieden. Und wer jetzt noch Wiederworte setzt, der fliegt selbst vom Set! MASKE! Kümmert euch um Herrn Murai. In 20 Minuten steht er fertig am Parkplatz, oder ich raste hier aus!"
      Migi war innerlich gestorben und wiedergeboren wurden. Er durfte tatsächlich im Video dabei sein, als Tänzer. Und dann auch noch als Haupttänzer. Er durfte mit Yusa zusammen VOR den anderen tanzen. Immer baim Refrain und .... und ... und ganz zum Schluss würde er Yusa selbst im Arm haben und sie fast bis zum Boden neigen, wie man es häufig bein Tanzpaaren sieht, und dann würden alle in die Kamera lächeln und Schnitt! Danach wird er vermutlich einen Herzinfarkt bekommen und friedlich in den Himmel aufsteigen. Aber das wäre es wert.
      Dann wurde er auch schon weggeschleift.



      20 Minuten später
      Der Direktor hatte noch mit Yusa gesprochen. Sie sollte das ganze einfach professionell wie immer umsetzen. Keine Wiederworte. Yusa nahm es wohl so oder so hin. Viele Leute waren noch geschockt von dem, was der Direktor sagte. Die Meisten hatten das ja nicht gesehen, und waren verwirrt, als Migimoto dann fertig gestylt zum Parkplatz kam. Auch die anderen Tänzer hatten ihren Unmut geäußert, aber der Direktor würde jedem seine Karriere beenden, der jetzt klein bei gab. Vor Wut hatte er sogar seine Flüstertüte zerquetscht. Danach war Ruhe.
      "Gut, wenn wir dann alle fertig wären, kann es ja losgehen.", sagte er und wedelte mit den Händen.
      Er würde jetzt mit Yusa in den Jeep steigen.
      Dann würde die Kamera herabschwenken bis zum Wagen. Die Musik bereits abspielend. Migi musste nur die Handbremse lösen, so das der Wagen einen Meter rollte, als würde er gerade einparken, den Motor abstellen, und Yusa lächelnd ansehen, und aussteigen, hinten um den Jeep rum und die Tasche nehmen.
      Yusa würde unterdessen aussteigen, ihre Sonnenbrille zurechtzupfen, zum Meer blicken und beginnen, die erste Strophe zu singen. Migi käme dann wieder an ihre Seite und während sie losgehen zur Promenade, kommen die Backgroundtänzer dazu, mit denen Migi dann zum Refrain zusammen tanzt, während Yusa singt.
      Danach wäre der erste Teil im Kasten. Hoffte der Direktor zumindestens.
      Danach würde das Set zum Strand wandern, und sich für die zweite Strophe vorbereiten, und dem Höhepunkt der Liedmitte.


      Migi war aufgeregt, aber er würde das jetzt zur Wiedergutmachung durchziehen. Was würde wohl Arisa dazu sagen, wenn er ihr das Musikvideo zeigt? Innerlicht lachte er und es schien ihn zu motivieren.
      Und dann ging es los, und Migi schaffte es tatsächlich, alles fehlerfrei umzusetzen. Gut, das sein Gesicht etwas abgepudert war. Aber die roten Ohren waren nicht zu übersehen, als er Yusa ansehen sollte.
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    • Arisa spürte den warmen Sand unter ihren Füßen, als sich das Set langsam Richtung Strand verlagerte. Für einen Moment ließ sie das Stimmengewirr hinter sich, während ihr Blick hinaus aufs Meer wanderte.
      Die Wellen bewegten sich ruhig und gleichmäßig, schimmerten im Sonnenlicht wie flüssiges Glas. Das Rauschen war sanft, fast beruhigend, und der Horizont zog sich endlos in die Ferne. Eine leichte Brise strich über ihre Haut, ließ einzelne Haarsträhnen tanzen und nahm für einen kurzen Augenblick die Schwere des Tages mit sich.
      Sie atmete tief ein. Solche Momente waren selten. Zu selten. Doch wie immer hielt es nicht lange an.
      Arisa blinzelte kurz, sammelte sich und richtete ihren Blick wieder nach vorn. Arbeit wartete. Immer.
      Ihr Blick fiel auf Migi, der etwas abseits stand, noch immer mit dieser Mischung aus Aufregung und übertriebener Ernsthaftigkeit. Für einen Moment musterte sie ihn still. Er hatte nicht versagt. Ganz im Gegenteil. Langsam ging sie ein paar Schritte auf ihn zu, blieb vor ihm stehen und lächelte, dieses warme, freundliche Lächeln, das man von Yusa kannte.
      „Du hast das vorhin wirklich gut gemacht,“ sagte sie ruhig, ihre Stimme sanft und ehrlich. „Ich weiß, die Situation war… nicht gerade einfach. Aber du hast schnell reagiert und dich gut angepasst.“
      Sie legte den Kopf leicht schief, als würde sie ihre Worte bewusst etwas weicher machen.
      „Danke, wirklich. Das hat uns sehr geholfen.“
      Ein kleines, aufrichtiges Nicken folgte, bevor sie sich wieder leicht zurückzog. Es war kein distanziertes Lob eher das einer Person, die ihre Rolle ernst nahm und wusste, wie wichtig solche Worte sein konnten.


      Die nächste Szene wurde vorbereitet. Die Positionen standen fest. Kamera eingerichtet und die Musik bereit.
      Arisa nahm ihre Markierung ein, während sie sich innerlich bereits auf das Kommende einstellte.
      Nähe. Sie wusste, was jetzt kam.
      "Und… Action!“
      Die Musik setzte ein, und mit ihr verschwand alles andere. Schritte, Drehungen, Bewegungen, ihr Körper folgte dem Rhythmus wie von selbst. Jeder Übergang saß, jede Pose floss in die nächste.
      Dann trat Migi näher. Seine Hand fand ihre. Noch eine Drehung. Und dann zog er sie näher zu sich. Arisa spürte, wie sich innerlich etwas in ihr sträubte. Nicht, weil sie so etwas nicht kannte. Körperliche Nähe gehörte zu ihrem Beruf. Sie hatte schon oft mit anderen Tänzern gearbeitet, war geführt worden, hatte geführt, hatte Nähe gezeigt, die für Außenstehende vielleicht mehr bedeutete, als sie tatsächlich war.
      Aber das hier war anders.
      Es war Migi.
      Die Nervensäge aus der Schule. Der, der sie ständig aufzog, provozierte, sie aus der Fassung bringen wollte. Natürlich waren sie sich schon oft nahe gewesen, aber immer anders. Immer im Streit. Im Ärgern. Im Chaos. Nicht so. Nicht ruhig. Nicht konzentriert. Nicht… ernst.
      Sein Gesicht war plötzlich so nah. Kein dämliches Grinsen. Kein frecher Kommentar. Nur Fokus.
      Und genau das machte es so ungewohnt.
      Für einen kurzen Moment wollte ein Teil von ihr zurückweichen. Doch ihr Körper tat es nicht. Im Gegenteil. Jede Bewegung saß perfekt.Jede Haltung war sauber.
      Als wäre sie genau für diesen Moment gemacht. Und das irritierte sie mehr, als es sollte.
      Sie hielt den Blick, wie es die Szene verlangte. Ein sanftes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, warm, einladend, genau richtig.
      Yusa.
      Nicht Arisa.
      Innerlich Widerstand.Äußerlich Perfektion.
      Die Musik führte sie weiter, ließ die Nähe wieder auflösen, schuf Abstand zwischen ihnen. Und erst da merkte sie, dass sie unbewusst etwas tiefer eingeatmet hatte.
      „Cut!“
      Die Stimmen kehrten zurück. Bewegung. Hektik. Alltag.
      Arisa trat einen Schritt zurück, ließ ihre Schultern ganz leicht sinken und wandte den Blick noch einmal kurz zum Meer.
      Nur für einen Moment.
      Dann richtete sie sich wieder auf, das freundliche Lächeln kehrte zurück auf ihr Gesicht. „Weiter geht’s,“ sagte sie leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Der Tag war noch lange nicht vorbei. Und sie würde ihn zu Ende bringen, wie immer.

      Der restliche Tag verging schneller, als Arisa es erwartet hatte.
      Nach der Szene am Strand folgten weitere Aufnahmen. Wechselnde Positionen, andere Blickwinkel, kleinere Korrekturen. Die Sonne stand inzwischen höher, das Licht wurde intensiver, wärmer, genau so, wie es für die späteren Szenen geplant war. Arisa bewegte sich routiniert durch jede Einstellung.
      Singen.
      Lächeln.
      Drehen.
      Wiederholen.
      Zwischen den Takes wurde nachgepudert, Haare gerichtet, Details angepasst. Der Sand klebte stellenweise noch an ihrer Haut, doch sie ignorierte es. Das gehörte dazu.
      Und auch Migi…funktionierte. Zu ihrer eigenen, stillen Überraschung. Er war konzentriert, hielt sich an Anweisungen, brachte keine spontanen Aktionen mehr ein. Seine Bewegungen waren nicht perfekt, aber konstant genug, um den Ablauf nicht zu stören.
      Ein paar Mal musste eine Szene wiederholt werden, weil Timing oder Winkel nicht ganz passten, aber das war normal. Nicht wegen ihm. Das fiel ihr auf. Und sie merkte, wie sich ihre anfängliche Anspannung langsam legte.

      Am späten Nachmittag folgte die letzte große Szene.
      Der Himmel färbte sich langsam in warme Orange- und Rottöne. Die Sonne näherte sich dem Horizont, tauchte das Meer in ein weiches, goldenes Licht. Die Abschlusssequenz. Alle waren stiller als zuvor. Konzentrierter. Die Musik setzte ein.
      Arisa sang, während sie sich durch die letzte Choreografie bewegte. Die Tänzer um sie herum, die Bewegungen abgestimmt, getragen von der ruhigen, fast verträumten Stimmung des Sonnenuntergangs.
      Und dann…Der letzte Moment.
      Migi trat wieder näher. Seine Hand an ihrer Taille, ihre Bewegung nach hinten geführt, langsam, kontrolliert. Die typische Schluss-Pose. Diesmal war sie vorbereitet. Innerlich war da immer noch ein leichtes Sträuben. Ein Rest von Irritation, der sich nicht ganz abschütteln ließ. Aber es war leiser geworden. Überlagert von Routine. Von Kontrolle. Von der Rolle, die sie perfekt beherrschte.
      Ihr Blick traf die Kamera.
      Ein sanftes, warmes Lächeln.
      Die Sonne im Hintergrund.
      Ein Bild, wie gemacht für das Ende.

      „Und… Cut! Perfekt!“ Applaus brach aus. Erleichterung machte sich breit. Stimmen wurden lauter, einige lachten, andere klatschten. Der Direktor wirkte endlich zufrieden.

      Am Abend wurde alles etwas ruhiger. Das Equipment wurde teilweise abgebaut, andere Dinge für den nächsten Tag vorbereitet. Und wie angekündigt gab es noch ein gemeinsames Abendessen am Strand, einfacher als im Restaurant, aber dennoch hochwertig. Lichterketten wurden aufgehängt, ein kleiner Bereich hergerichtet. Der Geruch von gegrilltem Essen lag in der Luft, vermischte sich mit der frischen Meeresbrise.
      Arisa saß mit etwas Abstand, ein Glas Wasser in der Hand, während Gespräche um sie herum liefen. Der Direktor erhob schließlich die Stimme.
      „Ich muss sagen, trotz der Schwierigkeiten… das war heute eine hervorragende Leistung,“ begann er. „Yusa, wie immer professionell. Und…“ sein Blick wanderte zu Migi, „…auch du hast deine Aufgabe überraschend gut erfüllt.“
      Einige nickten zustimmend, wenn auch nicht alle begeistert. Arisa hob leicht den Blick. Für einen Moment sah sie Migi an. Dann stellte sie ihr Glas ab und wandte sich ihm direkt zu.
      Ihr Lächeln war warm.
      „Ich schließe mich dem an,“ sagte sie ruhig. „Du hast heute wirklich viel durchgemacht… und trotzdem nicht aufgegeben.“ Sie legte die Hände locker in den Schoß, ihre Haltung entspannt, offen.
      „Es war bestimmt nicht einfach, plötzlich einzuspringen. Aber du hast dich gut angepasst und dir Mühe gegeben. Das hat man gesehen.“
      Ein kleines, sanftes Lächeln folgte.
      „Also… danke. Wirklich.“

      Ihre Stimme war freundlich, weich, genau so, wie man es von ihr erwartete. Aber diesmal lag ein Hauch mehr Ehrlichkeit darin. Nicht nur Idol-Höflichkeit.
      Dann lehnte sie sich leicht zurück, blickte kurz hinaus aufs dunkler werdende Meer. Die Lichter spiegelten sich im Wasser.
      Der Tag war geschafft.
      Anstrengend. Chaotisch. Ungeplant. Aber… erfolgreich. Und auch wenn sie es sich selbst nur ungern eingestand, Migi hatte seinen Teil dazu beigetragen.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Er hatte es wirklich durchgezogen. Auch wenn er zugeben musste, das er hinter der Kamera doch etwas steif war, und das es daheim hinterm Bildschirm auch nicht so extra professionell aussehen musste, und er deshalb durchaus noch Ecken und Kanten hatte, die man glattschleifen musste. Sein Vorteil war halt gewesen, das er im Grunde alle Tänze von Yusa hätte nachmachen können. Vielleicht, weil er ihr so etwas näher kommen konnte. Das er jetzt aber so nah heran kam, das er sie sogar anfassen konnte, damit hätte er nie im Leben gerechnet. Alles nur dank des Gewinnspiels.
      Wenn er Arisa davon berichten würde, würde sie vor ihm niederknien. Jawohl!
      Vermutlich würde sie es aber ignorieren oder als "Spiel dich nicht so auf" abstempeln und weiter ihre finstere Auramauer um sich hochziehen.
      Leider konnte er jetzt noch nicht groß damit angeben.
      Für die Schule musste er das ganze auch noch zurechtbasteln, damit er dadurch noch ne gute Note bekäme. Umsonst durfte er ja nicht dabei gewesen sein.
      Außerdem musste er erstmal abwarten, bis die Zeitschriften gedruckt waren, und die TV Sender Yusas Video abspielten, Werbung machten, für neuste Sommermode und dergleichen. Und dann würde es im Internet abgehen. Und die Klassenkameraden werden ihm zu Füßen liegen und Autogramme fordern.
      So stellte er es sich jedenfalls vor. Zumindestens könnte er alles über den Dreh erzählen. Über manche Dinge durfte er ja nicht sprechen.
      Und mit dem Geld was er bekommt, wird er sich extra um Yusa zu finanzieren, irgendwas an den dazugehörenden Artikeln kaufen. Was tut man nicht alles für sein vergöttertes, geliebtes Idol.
      Der Abend war zumindestens ruhiger als der ganze Drehtag. Selbst diese Tänzertruppe musste Migi letztenendes anerkennend loben. Auch wenn noch paar Dinge seine Ohren erreichten, das er es nicht verdient hätte, so nah an Yusa gewesen zu sein. Einfallspinsel. Ihr werdet schon sehen. In den Medien wird man positiv über ihn berichten. Und dann bleibt euch die Galle im Hals hängen.
      Der Direktor lobte dann die Crew und den erfolgreichen Tag, weil sie das Ganze doch noch in den Kasten bekommen hatten. Selbst Yusa bedanke sich, und das war der schönste Teil am Abend. Ein ehrliches Danke von Yusa. Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf.
      "Ach was. Für den ...Unfall, war das ein nötiger Ausgleich. Aber das hätte wohl jeder getan.", grinste er, und dachte sich **aber total vergeigt!** Wer außer Migi hätte Yusa retten können? Genau. Keiner!
      Wenig später suchte er Yusa nochmal kurz auf, bevor er Heim fahren würde, und fragte nach zwei Autogrammen. Ja, er fragte extra nach zwei von ihr. Die bekam er dann auch. Mit einem Kleinkindgrinsen verabschiedete er sich dann, und dankte, das er ein wenig Einsicht in ihre harte Arbeit bekommen konnte. Jetzt würde er sie noch mehr anfeuern als zuvor.

      Der nächste Morgen. Ein neuer Schultag.
      Der Abend war schneller rum als gedacht. Und dann musste Migi am nächsten Tag auch schon wieder zur Schule. Dabei hatte er die Nacht kaum geschlafen, obwohl der Tag anstrengend gewesen war. Er machte sich sein Frühstück, sein Bento und verließ das Haus, während sein Alter wieder nen Rausch ausschnarchte. Wird Zeit, das er auszieht. Der Alkoholgeruch in der Bude wurde auch immer intensiver.
      In der Schule angekommen wartete er wieder am Tor. Ein paar Schüler grüßen ihn, fragten, ob er seine Gewinnwoche schon rum hatte, kümmerten sich aber dann weiter nicht um ihn. Diese Trottel. Nächste Woche wollen sie ein Autogramm und tausend Fragen stellen. Er konnte es riechen. Dann wird er es allen unter die Nase reiben. Aber erstmal ist da Arisa. Sie erreichte auch gerade wieder die Schule.
      "Einen wuuuunderschönen guuuuuten Mooooren, Ariiiiiisaaaa!", trällerte er mit einer fröhlichen Sonnenscheinnote gegen ihre finstere Gruftnote entgegen.
      "Dein bester Schulfreund und Klassenkamerad ist wieder daaaa!" Er schulterte die Tasche und schloss sich ihrem Weg zum Haupteingang an.
      "Du ahnst ja gar nicht, was ich alles durchmachen musste, am letzten Tag. Da war diese Filmcrew. Ein fieser Direktor, ein nerviger Typ, der sich ne Fischvergiftung holte, und ein Spanner, der es gewagt hatte, Yusa aufzunehmen. Aber dank mir konnte man verhindern, gewisse Aufnahmen im Internet zu finden. Das war vielleicht eine Aktion. Hehe, das würde dir wohl nicht passieren. Bei deiner guten Laune wirde jede Aufnahme unscharf. Dazu müsstest du dir erstmal paar Scheiben von Yusa abschneiden. Von der kannst du einiges lernen. HAA! Ich habs! Ich werde dich in den Sommerferien an den Strand zerren. Dann kommt mal etwas Sonne in deine Kellerlandschaft."
      Bei den Schuhschränken fiel es ihm wieder ein. Er stellte sich vor Arisa und hielt ihr etwas hin. Das kam ihr doch bekannt vor. Es war eine der Autogrammkarten, die sie selbst als Yusa für ihn ausgefüllt hatte.
      "Hier, das schenk ich dir. Ein persönliches Autogramm von Yusa. Halte es in Ehren. Es wird bald mal einiges Wert sein. Hab ihr extra zwei abgeluchst. Demnächst werden in der Klasse eh alle über Yusa reden, weil ich im Video bin. Und dann hast du etwas, was sonst keiner hat. Und das aus erster Hand, hehe."
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Arisa war schon genervt, bevor sie überhaupt das Schultor erreicht hatte. Der gestrige Tag hing ihr noch in den Knochen. Zu viele Menschen, zu viele Gespräche, zu viele Blicke. Vom frühen Morgen am Strand bis zum Abendessen hatte sie praktisch dauerhaft funktionieren müssen. Lächeln, reden, performen, professionell bleiben. Entsprechend unausgeruht fühlte sie sich nun, und Migis viel zu laute Stimme am Morgen machte es nicht besser.
      „Einen wuuuunderschönen guuuuuten Mooooren, Ariiiiiisaaaa!“
      Allein sein Tonfall ließ ihre Augenlider schwerer werden. Sie sah ihn mit müdem Blick an, während er sich wie ein aufgedrehter Hund neben sie heftete und sofort anfing zu reden. Natürlich über Yusa. Über den Dreh. Über den Direktor. Über den Tänzer mit der Fischvergiftung. Über den Spanner am Strand. Über alles, was sie bereits selbst erlebt hatte.
      Und trotzdem erzählte er es ihr voller Begeisterung, als würde er ihr eine völlig neue Welt eröffnen.
      Arisa sagte nichts dazu. Seine Worte wanderten in ein Ohr hinein und direkt wieder hinaus. Sie hatte nicht die Energie, sich schon am Morgen mit ihm zu streiten. Außerdem war sie zu beschäftigt damit, einfach wach zu bleiben.
      Als sie die Schuhschränke erreichten, stellte Migi sich plötzlich vor sie und hielt ihr etwas hin.
      Eine Autogrammkarte. Ihr eigener Schriftzug. Arisa hielt unwillkürlich inne und blickte auf die Karte. Damit hatte sie eigentlich rechnen können. Deshalb hatte er zwei Autogramme gewollt. Trotzdem überraschte es sie ein wenig. Migi beschwerte sich ständig über sie, nannte sie finster, schlecht gelaunt oder nervig. Und trotzdem hatte er daran gedacht, ihr eines der Autogramme zu geben. Sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Für sie selbst hatte dieses Autogramm keinen wirklichen Wert. Wenn sie wollte, konnte sie ihren Namen jederzeit irgendwo hinschreiben. Aber für andere bedeutete es offenbar etwas Besonderes. Dieser Gedanke fühlte sich bis heute seltsam an.
      Wortlos nahm sie die Karte entgegen und betrachtete sie kurz. „So groß wird die Sache auch wieder nicht“, meinte sie dann trocken und steckte die Karte in ihre Tasche. „Die Klasse interessiert sich vielleicht einen Tag dafür und dann redet wieder jeder über irgendwas anderes.“ Sie ging weiter Richtung Klassenraum. Insgeheim verstand sie bis heute nicht wirklich, warum Menschen überhaupt so Fans von ihr waren. Und ganz nachvollziehen konnte sie Migis Wahnsinn nach ihren Idol Charakter auch nicht. Was jedoch nicht hieß, dass sie jede Unterstützung nicht wertschätzte. "Mehr als dir ein paar Fragen zu stellen werden sie auch nicht, also komm von deinem hohen Ross runter", warf sie ihm nur kopfschüttelnd einen Blick zu.
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