My Idol, My Nemesis [Taru x Yumia]

    • Arisa blieb vor Migi stehen und musterte ihn von oben bis unten. Einen Moment lang sagte sie nichts. Er sah tatsächlich erbärmlich aus. Zerzauste Haare, müdes Gesicht, dieser Stock in der Hand und dazu die völlig verkrampfte Haltung, als würde jeder einzelne Schritt seine Beine persönlich beleidigen. Und trotzdem hatte er offenbar noch genug Energie, um sie schon am frühen Morgen zu nerven. „Du siehst aus, als hätte dich ein Bus überfahren“, stellte sie trocken fest. Als er sie dann auch noch fragte, ob sie ihm bis zum Klassenraum helfen könne, hob sie lediglich eine Augenbraue. „Nein.“ Die Antwort kam ohne jedes Zögern. Sie schulterte ihre Tasche etwas höher und setzte sich in Bewegung. „Du kannst laufen. Sehr langsam zwar, aber du kannst laufen.“ Nach ein paar Schritten sah sie kurz über die Schulter. „Außerdem habe ich keine Lust, dich durch die ganze Schule zu schleppen.“
      Arisa ging weiter, ohne auf ihn zu warten, verlangsamte ihr Tempo aber unbewusst ein wenig. Sie konnte schließlich schlecht mit ansehen, wie er sich gleich auf dem ersten Meter auf die Nase legte. „Und bevor du wieder irgendwelche dummen Sprüche machst: Ich mache mich nicht über dich lustig“, fügte sie hinzu. „Na gut. Vielleicht ein bisschen.“ Ein kleines Grinsen huschte über ihr Gesicht, bevor sie wieder nach vorne sah.
      Während sie Richtung Schulgebäude gingen, fielen ihr die neugierigen Blicke einiger Schüler auf. Kein Wunder. Migi sah aus, als wäre er über Nacht um mehrere Jahrzehnte gealtert. Arisa konnte sich bereits vorstellen, wie er später die Geschichte seines Trainings ausschmücken würde. Wahrscheinlich würde aus einem anstrengenden Tanztraining innerhalb weniger Minuten eine epische Schlacht gegen einen übermächtigen Meister werden. Bei Migi war schließlich alles eine Nummer größer.
      Trotzdem musste sie zugeben, dass er sich offenbar wirklich angestrengt hatte. Je länger sie darüber nachdachte, desto absurder wurde die ganze Situation. In der Schule war er einfach nur der nervige Junge, der sie regelmäßig zur Weißglut brachte. Und außerhalb dieser Mauern war er plötzlich ihr Tanzpartner.
      Vor dem Klassenraum blieb Arisa stehen und sah ihn noch einmal an. „Komm. Sonst verpasst du noch den Unterricht.“ Sie deutete mit einem kurzen Kopfnicken auf die Tür. „Und wenn deine Beine wirklich so kaputt sind, wie du behauptest, solltest du dir vielleicht überlegen, ob du nicht, bei was auch immer du gestern getan hast, nicht ein bisschen vorsichtiger bist.“ Sie verdrhete genervt die Augen. „Ich habe nämlich keine Lust, morgen wieder einen wandelnden Zombie neben mir stehen zu haben.“ Auch wenn Arisa an harten Training gewöhnt war, musste sie sich gestehen, dass auch für sie das Training gestern anstrengend war und sie hier und da ein bissch ein Ziehen im Körper bemerkte.

      Nach dem Unterricht machte Arisa sich direkt auf den Weg zu Aurora 7. Schon auf dem Weg dorthin dachte sie an den vergangenen Tag zurück. Das Laufen hatte ihr zwar nicht besonders viel ausgemacht, doch bei Migi hatte es offensichtlich seine Spuren hinterlassen. Allein sein Anblick am Morgen hatte gezeigt, wie sehr Sagawa ihn an seine Grenzen gebracht hatte. Und trotzdem wusste Arisa, dass sie heute wieder laufen mussten. Sagawa würde ihnen diese Stunde Ausdauertraining vermutlich nicht einfach schenken. Als sie die Agentur betrat, zog sie sich um und wurde wenig später gemeinsam mit Migi zum Eingangsbereich gebracht. Dort wartete Sagawa bereits mit seiner Stoppuhr und einem Tablet. „Gestern seid ihr fünfzehn Kilometer gelaufen“, begann er ohne Begrüßung. „Heute machen wir dasselbe. Aber diesmal gibt es eine Änderung.“ Arisa sah zu ihm. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Sagawa hielt das Tablet hoch. Darauf war eine Karte mit einer markierten Strecke zu sehen, die deutlich komplizierter aussah als die vom Vortag. „Ihr lauft heute nicht einfach nebeneinander her. Alle zwei Kilometer bekommt ihr eine neue Vorgabe. Einer von euch übernimmt die Führung, der andere muss sich exakt an dessen Tempo halten. Danach wird gewechselt.“ Arisa verstand sofort, worauf er hinauswollte. Es ging nicht mehr nur um Ausdauer. Er wollte sehen, ob sie auch außerhalb der Tanzhalle aufeinander reagieren konnten.
      Der erste Abschnitt begann ruhig. Arisa hielt ein gleichmäßiges Tempo und bemerkte schnell, dass Migi heute zwar noch steif wirkte, aber nicht mehr ganz so erbärmlich aussah wie am Morgen. Offenbar hatte er sich zumindest ein wenig erholt. Nach zwei Kilometern wechselte die Führung. Nun musste Migi das Tempo bestimmen. Arisa hätte beinahe die Augen verdreht, als Sagawa ihnen zusätzlich mitteilte, dass sie an jeder größeren Kreuzung für fünf Sekunden stehen bleiben und anschließend gleichzeitig wieder loslaufen mussten. „Ihr müsst lernen, aufeinander zu reagieren“, erklärte er. „Auf der Bühne könnt ihr auch nicht einfach weitermachen, wenn euer Partner hinter euch zurückbleibt.“ Arisa sagte nichts dazu. Sie wusste, dass er recht hatte, auch wenn sie seine Methoden weiterhin für unnötig brutal hielt.
      Eine weitere Änderung wartete nach der Hälfte der Strecke. Sagawa hatte einen kleinen Umschlag an einer markierten Stelle hinterlegen lassen. Darin befand sich jeweils eine kurze Aufgabe. Diesmal mussten sie den nächsten Abschnitt laufen, ohne miteinander zu sprechen. Nur über Blicke und Handzeichen sollten sie bestimmen, wann sie das Tempo erhöhten oder reduzierten. Arisa fand die Idee überraschend sinnvoll. Sie war es gewohnt, sich auf der Bühne über kleinste Bewegungen und Blicke mit anderen Tänzern abzustimmen. Für Migi hingegen dürfte es wesentlich schwieriger werden. Sie lief weiter und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Immer wieder gab sie ihm kleine Zeichen, wenn eine Steigung kam oder sie das Tempo verändern wollte.
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    • Die Schule am Morgen war die Hölle gewesen. Jede Bewegung brannte sich in sein Gedächnis, und von Arisa hatte er auch wenig Hilfe erhalten. Diese eiskalte Egoistin. Grinste auch noch. Als wenn er es nicht bemerkt hätte. Sie wartete immer ein Stück, nur um sich an seinem Leid zu laben. Aber das würde ihn noch leid tun.
      "Paahh, du nennst mich Zombie? Schau dich mal an. Der Einzige der groß mit dir interagiert das bin ich. Sonst hängst du wohl nur in deinem finsteren Loch und beschwörst Dämonen, oder sowas. Oder du nörgelst laut rum, und verschreckst alle. Nimm dir mal ein Beispiel an Yusa! Lächel doch mal lieber so, anstatt über jemanden.", grinste er zurück.
      "Die ist zwar auch Solo unterwegs, aber im Gegensatz zu dir Herbssturm, wirkt sie wie ein angenehmer Frühlingstag. Sei einfach mal netter."
      Und dann hatte sie ihm die Tür vor der Nase zugezogen. Natürlich war Migi gestolpert und hatte alle Muskeln auf einen Schlag ruckartig bewegt, die irgendwas mit Schmerzen und Muskelkater zu tun hatten. Das war wohl ihre Meinung zu seiner Meinung. Das häufchen Elendmigi blieb einen Moment am Boden liegen und zuckte, ehe Klassenkameraden ihn irgendwie wieder zusammenbauten, und zum Tisch begleiteten.
      Danach war erstmal Funkstille.
      Und dann endete der Schultag wie gewohnt früher. Auch hier half Arisa nicht. Sie schien es besonders eilig zu haben, während Migi vom Hof humpelte wie ein Zombie.

      Migi brauchte etwas länger. Er war zunächst heim gefahren, und hatte sich umgezogen. Unter der warmen Dusche konnte er sich etwas beweglich machen. Er warf noch ne Schmerztablette ein und starrte in den Spiegel. "Wie schafft sie das nur?", fragte er sich. Damit meinte er Yusa. Vermutlich weil sie es gewohnt wäre.
      Irgendwann tauchte auch er bei Aurora 7 auf und grüßte knapp. Inzwischen bewegte er sich wieder flüssiger, auch wenn es hier und da mal zog und piekste.
      Herr Sagawa interessierte sich nicht für seinen Zustand, oder ein höfliches Hallo, sondern polterte direkt mit den nächsten Aufgaben über beide herein.
      Und die hatten es in sich.
      Tempo anpassen, reagieren, schweigen und Handsprache. Und das alles während der 15 km Laufstrecke. Herr Sagawa hatte den Weg so gelegt, das sie am Ende wieder hier am Gebäude ankämen.
      Und dann kam auch schon das Startsignal. Beide liefen los. Yusa begann mit der Führung. Migi folgte, auch wenn er abundzu mal zischelte. Aber das Laufen schien den Muskelkater beiseite zu schieben. Dann wechselten sie, und an jeder Kreuzung mussten sie stehen bleiben, bis fünf zählen, und zeitgleich starten. Es waren bestimmt 7 große Kreuzungen darunter. Erst beim Dritten Versuch klappte es aber auch bei Migi. Ein Abschnitt verlief schweigend, und mit einem Handgefuchtel, versuchte er zu kommunizieren ... und versagte. Yusa richtete das Ganze dann, und Migi merkte sich Handzeichen und Bedeutung.
      Sechs Kilometer hatten sie bereits geschaft. Was für ein Irrsinn. Und schon lauerte der nächste Umschlag auf die Beiden. Und Bänder.
      "Bänder? Was soll der Scheiss?", fauchte Migi. Yusa las die Anweisungen. Migi glaubte, sich verhört zu haben.
      "Was sollen wir? Wir sollen die nächsten 2 km einen Dreibeinlauf machen? Spinnt der denn total? Da sind Treppen. Und ein steiler Abschüssiger und recht egner Weg. Außerdem ist das eine belebte Straße. Da sind lauter Fußgänger."
      Aber Sagawa hatte sich sicherlich dabei was gedacht. Zusammen durch alle Hindernisse. Stabil bleiben, allem ausweichen, was im Wege stand. Eine Einheit werden. Na Prima. Und Migi war jetzt auch noch Führer.
      Yusa sagte trocken, das sie keine Wahl hätten, und nicht noch mehr Zeit verplempern sollten. Sie stellte ihren Fuß neben seinen, und dann band sie die Bänder um die füße.
      Sie waren zum Glück fast gleich groß. Allerdings hatte sie längere Beine. Innerlich kribbelte es Migi, da er Yusa jetzt auch noch um die Hüfte umarmen durfte. Jeder Fan hätte an seine Stelle treten, und ihn dabei wegtreten wollen, nur um mit Yusa laufen zu können. Irgendwie motivierte es ihn.
      "Also gut. Dann sind wir jetzt zusammen."
      Klang das blöd. Er stammelte kurz, verbesserte sich und meinte natürlich, das sie zusammengebunden waren. Und dann ..... flogen beide nach vorn, weil Migi mit dem falschen Fuß startete, zeitgleich Yusa sein anderes Bein vorzog, selbst in Straucheln geriet. Was für den einen Rechts war, war für den anderen nun Links. Also einigten sie sich auf eine Zahl. Eins für Mitte und Zwei für Außen. Und dann mit anfänglichen Schwierigkeiten liefen sie los. Und das Schlimme war, sie mussten nicht nur die Zeit im Auge behalten, sondern auch mindestens zwei Kilometer so durchhalten, auf schnellstem Wege.
      Und Migi war sich sicher. Beim nächsten Abschnitt, wäre Yusa wieder die Führung. Und die würde die verlorene Zeit bestimmt wieder reinholen wollen.
      Es war furchtbar anstrengend gewesen. Vorallem die Treppen. Gemeinsam hoch ohne zu stolpern. Einen steilen Weg bergab und dann kamen die Fußgängermassen. Um die Mittagszeit waren viele unterwegs. Mittagspausen usw. Und sie mussten auf einer Strecke von 400 m mittendurch - im Eiltempo.
      Oft genug versuchte jeder in seine Richtug auszuweichen. Auch hier einigte man sich auf ein gemeinsames Kommando von Migi. Da reichte aber das gewöhnliche Links und Rechts.
      Und endlich erreichten sie das nächste Ziel. 8 km waren damit vom Tisch, also mehr als die Hälfte. Aber es war äußerst anstrengend gewesen. "Endlich am Ziel ...", keuchte er. Eigentlich schade, das er sich jetzt schon wieder von Yusa trennen musste. Zumindest was den Dreibeinstatus betraf. Verdammt. Er hätte es aufnehmen sollen. Jetzt war es zu spät, und er sah sich erschöpft um.
      Zum Glück gab es hier Trinkbrunnen, und Migi saugte förmlich das Wasser heraus. Yusa nahm auch kurz ein paar Schluck, widmete sich dann aber der nächsten Anweisung.
      "Und, was ist es diesesmal? Soll jeder einmal Huckepack? Dann bring ich ihn um!"
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    • Es war ihr weiterhin unangenehm in Körperkontakt mit Migi zu kommen, schließlich hatten sie ihre eigenartige Beziehung zueinander auf der Schule. Sie sah weiterhin Migi als einen nervigen Bengel, der über seine eigene Füße stolperte und aus einen unerklärlichen Grund verrückt in Yusa verknallt. Überhaupt in seiner Nähe zu sein irritierte sie. Sie ekelte sich leicht dagegen. Doch hier hatte sie keine andere Wahl, wenn sie diese lästige Aufgabe bewältigen wollte. Sie musste sich also zusammen reißen, während sie weiterhin die bekannte Yusa spielte.
      Yusa nahm den nächsten Umschlag entgegen und öffnete ihn, während sie noch ein wenig außer Atem war. Ihre Augen wanderten über die Anweisungen und wurden für einen Moment größer. Nach all den bisherigen Aufgaben hatte sie eigentlich geglaubt, dass Sagawa sie kaum noch überraschen konnte.
      „Oh...“, murmelte sie und las die Aufgabe ein zweites Mal. Ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
      „Wir sollen die nächsten zwei Kilometer mit verbundenen Augen zurücklegen. Einer führt und der andere muss sich vollkommen auf ihn verlassen.“ Sie sah kurz zu Migi und hielt ihm den Umschlag hin, damit auch er die Anweisung lesen konnte.
      „Das klingt zumindest interessanter als der Dreibeinlauf.“ Yusa nahm das beiliegende Tuch heraus und betrachtete es neugierig. Trotz der Erschöpfung wirkte sie noch immer erstaunlich motiviert. Sie war zwar müde, aber gerade solche Aufgaben weckten ihren Ehrgeiz.
      „Wir schaffen das schon“, sagte sie zuversichtlich. „Wir müssen nur gut aufeinander achten.“ Sie hielt Migi das Tuch entgegen. „Wenn du möchtest, kann ich zuerst die Augen verbinden lassen. Dann kannst du mich führen.“ Kurz darauf betrachtete sie die Strecke vor ihnen. Einige Passanten waren unterwegs, dazu kamen Kreuzungen und verschiedene Hindernisse. Einfach würde es definitiv nicht werden.
      „Und wenn wir merken, dass es so nicht funktioniert, wechseln wir einfach.“ Yusa lächelte aufmunternd.
      „Nach acht Kilometern geben wir jetzt bestimmt nicht auf. Außerdem sind es nur noch sieben.“
      Sie hob eine Hand und streckte die Finger aus, als würde sie die verbleibende Strecke noch einmal für sich zusammenzählen.
      „Sieben Kilometer. Das klingt doch gar nicht mehr so schlimm.“
      Ein kurzes, fröhliches Lachen entwich ihr.
      „Also... bereit für die nächste Runde?“ Yusa wartete kurz ab, bevor sie das Tuch entgegennahm und sich damit die Augen verband. Sie überprüfte noch einmal, ob wirklich kein Licht durchkam, und streckte anschließend vorsichtig eine Hand nach vorne aus.
      „Okay, dann kann es losgehen.“
      Sie setzte einen ersten vorsichtigen Schritt und blieb direkt danach wieder stehen.
      „Ich glaube, ich brauche am Anfang ein bisschen Hilfe. Sag mir einfach rechtzeitig, wenn etwas kommt.“
      Ihre Stimme klang weiterhin fröhlich, auch wenn sie sich ohne Sicht deutlich unsicherer fühlte. Sie bewegte sich langsam vorwärts und tastete mit einem Fuß vorsichtig nach dem nächsten sicheren Schritt. Am liebsten würde sie nicht seine Hand nehmen, vor allem weil sie womöglich sehr verschwitzt war.
      „Und bitte nicht vergessen, dass ich nichts sehen kann“, fügte sie lachend hinzu. „Ich möchte nicht schon nach zehn Metern im nächsten Busch landen.“ Nach einigen weiteren Schritten begann sie, sich etwas mehr auf die Führung zu verlassen. Ihre Schritte wurden sicherer, und sie versuchte, das Tempo langsam zu erhöhen.
      „So geht es doch schon ganz gut.“
      Sie musste kurz lachen, als sie beinahe über eine kleine Unebenheit stolperte, sich aber rechtzeitig wieder fing.
      „Fast.“
      Yusa atmete tief durch und konzentrierte sich wieder. Sie wollte die Aufgabe nicht unnötig schwer machen und achtete deshalb besonders auf jede Berührung und jedes Zeichen.
      „Wenn wir so weitermachen, sind die zwei Kilometer bestimmt schneller vorbei, als wir denken.“
      Nach einer Weile blieb sie kurz stehen und hob das Kinn ein wenig.
      „Warte... ich glaube, wir werden gerade schneller.“
      Sie setzte wieder einen Schritt nach vorne und vertraute darauf, dass sie sicher durch die nächste Strecke geführt werden würde. Trotz der Müdigkeit war ihr Ehrgeiz wieder geweckt. Sie wollte die Aufgabe unbedingt schaffen und vor allem wollte sie zeigen, dass sie sich auf ihren Partner verlassen konnte. Es war eigenartig Migi so viel zu vertrauen, in Anbetracht dessen, dass sie sich immer stritten und sie ihm heute nicht in der Schule geholfen hatte.
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    • Migi hätte fast gelacht, wenn jetzt tatsächlich drin gestanden hätte, das sie sich huckepack hätten nehmen sollten. Aber es kam anders.
      "Was sollen wir? Sollen wir Blinde Kuh spielen? Das ist doch lächerlich. Wozu das überhaupt? Wir tanzen doch nicht blind?", beschwerte sich Migi.
      Natürlich fand Yusa das wesentlich spannender als Migi. Vermutlich wusste se irgendwie mehr damit anzufangen, als er.
      Naja, sie musste ja im Wechsel laufen. Aber dieser ganze Mist hat doch eh schon so viel Zeit gefressen. Der Druck wird immer stärker es noch rechtzeitig, oder zumindestens nicht all zu spät zum Ziel zu schaffen.
      "Na, meinetwegen. Wir müssen es ja eh tun. Also nach deinem Vorschlag. Ich übernehme die erste Hälfte."
      Kurz darauf ging es dann auch los, wenn auch mit einem kurzen Stolpern von Yusa. "Bleib locker. Ich sag dir schon wenn es uneben wird."
      Aber so einfach war das nicht. Plötzlich nicht nur nichts sehen, sondern auch noch nur nach Gefühl und Führung zu gehen, oder gar zu laufen, war äußerst ungewohnt. Außerdem war das Yusa. Wenn Migi dafür sorgte, das sie sich verletzte, könnte das großen Schaden für sie bedeuten. Darum packte er ihre Hand fester. "Geh vorwärts, und dann erhöhe ich das Tempo.", meinte er. Yusa schien zu vertrauen und meinte sogar, das es mittlerweile ganz gut funktioniert.
      Es wurde etwas abschüssiger, und das Tempo zog an. Yusa bemerkte das und stoppte kurz. "Was ist? Ja, wir werden schneller. Es geht etwas bergab, ud außerdem waren wir schon ganz gut im Rhythmus. Das lief sich schon fast von alleine, hehe. Es macht sogar schon richtig Spaß. Im Gegensatz zu heute Morgen, wo eine ziemlich grobe Person mich mit meinem Muskelkater förmlich alleine ließ. GRRRR, sie hat mich auch noch absichtlich gedrängt. Beobachtet, wie ich mich Schritt für Schritt gequält hatte. Das wird sie noch bereuen. Genau, hehe. Ich werd ihr morgen ein Getränk ausgeben, eines mit Kohlensäure. Ihres werde ich natürlich gut durchschütteln. Hehehe.", erzählte er eben mal Yusa ( Arisa - husthuust ) den Plan.
      Dann hatten sie die Hälfte Wrgstrecke rum. "So, wir tauschen jetzt." Migi übernahm das Tuch und verband sich die Augen, damit sich Yusa erstmal wieder an das Licht gewöhnen konnte. Dann hielt er ihr einfach die Hand hin, mit einem 100 Prozent Vertrauen.
      "Yusa, mein Schicksal in deinen Händen. Führe mich nicht nur mit deinen Liedern durchs Leben. Und ganz anders als mein mürrischer Klassengrobian werde ich bei dir wohl nicht links liegen gelassen.", grinste er.
      Yusa machte wieder einen auf fröhlich und professionell. Migi sah ansonsten ja nichts. Er hörte nur die Stimme und fühlte ihre Hand. Und als sie los liefen, stolperte er direkt mal über seine eigenen Füße und riss Yusa zu Boden. Die Passanten in der Nähe guckten komisch, fragten sich, was zwei junge Menschen in Sportkleidung da eigentlich trieben? Wieso verbanden die sich die Augen?
      Yusa lag halb auf dem Boden, und Migi .... mit dem Gesicht fast in ihrem Schritt. Man hörte noch das Gemurmel der Leute. ..... ist bestimmt nen Pärchen ..... - ..... sieh nicht hin, mein Kind. Geh einfach weiter .... - ..... diese Jungend heutzutage ( von einer älteren Dame mit Taschenhund der kläffte und kläffte ) ....
      "V...verzeihung .... wo bin ich denn hingefallen?" Dann grabbschte er ihre Oberschenkel an. Yusa erschrak. Daraufhin erschrak Migi auch. "WAAHH, ... Verzeihung, das ist keine Absicht."
      Irgendwie rappelte er sich wieder auf und stand erstmal unter Strom. Wie ein Roboter rauschte die Hand wieder nach vorn. "N-nochmal von vorn."
      Und irgendwie schafften sie es dann wohl auch noch beim zweiten Kilometer. Was für eine Folter. Aber die Führung von Yusa war sehr gut gewesen. Sagawa wollte wohl das Vertrauen stärken. Und damit Migi nicht nochmal hinfiel, achtete sie auf jeden Kiesel.


      8 Km waren geschafft. Sie erreichten ein Zeil in der Nähe von Parkanlagen und Spielplätzen. Kinderlärm ertönte in der Nähe. Hier war sogar ein Kindergarten. Vor einer Bank blieben sie stehen. Dort hatte jemand einen weiteren Umschlag abgelegt. Migi legte erstmal die Binde ab, und setzte sich auf die Bank. Ganz schön anstrengend. Aber es hatte ihm Spaß gemacht. Von seinem Idol blind durch die Welt geführt zu werden. Er hätte sich vor Freude in den Boden bohren können.
      Die Zeit passte leider vorn und hinten nicht mehr. Aber das war Migi nun eh egal. Er schnaufte einen Moment, blinzelte die Helligkeit fort und nahm dann den Umschlag.
      "Mal sehen, was der Typ jetzt geplant hat.", knurrte er und las die Anweisungen. Die Beine brannte, die Lungen keuchten. Aber das war Herrn Sagawa wohl nicht genug. Die Arme fehlten.
      "WAS SOLLEN WIR?", keifte Migi plötzlich los. "Hääääää?"
      Er sah sich um, dann zu Yusa. "Yusa, wir gehen jetzt auf den Spielplatz dort drüben.Und dann sollen wir uns mit den Armen am Klettergerüst entlang hangeln. Und dabei sollen wir den Lied Text zitieren. Wenn wir vorher den Boden berühren, bevor das Lied zitiert wurde, müssen wir 20 Klimmzüge nachsetzen, und dürfen erst dann weiter laufen. Der Typ ist doch bekloppt. Ich schaff höchstens 5. Und wie soll ich mich so lange hangelnd fortbewegen, und dabei noch singen? ...... ziehen wir das wirklich durch?"
      Migi spürte schon jetzt seine Arme nicht mehr.
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    • Yusa betrachtete den Umschlag und anschließend den Spielplatz. Für einen Moment sagte sie nichts. Nach den vergangenen Kilometern hätte sie sich durchaus eine normale Laufpause gewünscht, doch Sagawa schien unter „Pause“ etwas vollkommen anderes zu verstehen. Bei Migis empörter Reaktion musste sie sich ein kleines Lächeln verkneifen. „Ich glaube kaum, dass wir eine Wahl haben“, meinte sie schließlich freundlich, während sie den Umschlag wieder in seine Hand zurücklegte. „Wenn wir jetzt anfangen zu diskutieren, verlieren wir nur noch mehr Zeit.“ Sie ging bereits ein paar Schritte in Richtung des Klettergerüsts, blieb dann aber stehen und sah über die Schulter zu ihm. „Und fünf Klimmzüge sind besser als gar keine. Du wirst schon sehen, vielleicht überraschen dich deine Arme ja noch.“ Ganz davon abgesehen war sie selbst gespannt, wie Sagawa diese Übung gedacht hatte. Es ging ihm offensichtlich längst nicht mehr darum, sie einfach nur fit zu machen. Er wollte, dass sie unter widrigen Umständen miteinander funktionierten, dass sie sich aufeinander verlassen konnten und selbst dann konzentriert blieben, wenn ihr Körper längst nach einer Pause verlangte. Für ihre bevorstehende Zusammenarbeit vor Kameras war das durchaus sinnvoll. Trotzdem hätte sie sich eine weniger brutale Methode gewünscht.
      Am Klettergerüst angekommen, legte Yusa eine Hand an die Stange und prüfte kurz deren Abstand. „Wir machen es gemeinsam“, sagte sie. „Wenn einer von uns abrutscht, stoppen wir beide. Kein unnötiges Risiko.“ Sie sah Migi dabei ernst an. „Und du musst nicht versuchen, schneller zu sein als ich.“ Das war vermutlich eine der wichtigsten Regeln, wenn sie tatsächlich als Duo funktionieren sollten. Sie nahm die erste Stange und zog sich hinauf, während sie gleichzeitig die ersten Zeilen des Liedtextes vortrug. Nach den vielen Kilometern spürte auch sie das Brennen in ihren Armen, doch sie ließ es sich nicht anmerken. Stattdessen konzentrierte sie sich auf ihren Rhythmus. Ein Griff, ein Satz, der nächste Griff, der nächste Satz. Nach wenigen Metern merkte sie allerdings, dass die Übung noch einen weiteren Haken hatte: Die Stangen waren nicht alle auf derselben Höhe. Einige verlangten einen größeren Schritt, andere einen kurzen Sprung. Genau dort würde die eigentliche Schwierigkeit liegen.
      Yusa hielt kurz inne und sah zu Migi. „Warte. Wir sollten das nicht einfach blind durchziehen.“ Sie deutete auf die nächsten Stangen. „Wir teilen es auf. Ich gebe dir jeweils vor, wann du die nächste Hand bewegen sollst. Wenn du merkst, dass deine Arme nachlassen, sagst du es sofort.“ Sie wusste bereits, dass er vermutlich versuchen würde, sich irgendwie durchzubeißen. Genau deshalb wollte sie verhindern, dass er sich dabei verletzte. Schließlich konnte sie es sich nicht leisten, ihren neuen Tanzpartner wenige Tage vor dem wichtigen Auftritt mit einem kaputten Arm zu verlieren.
      Gerade als sie erneut ansetzen wollte, hörte sie plötzlich ein bekanntes Geräusch. Das kurze Knacken eines Kameraverschlusses. Yusa erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde. Ihr Blick wanderte über den Spielplatz. Zwischen zwei Bäumen stand eine Mutter mit ihrem Kind, das Handy allerdings auffällig in ihre Richtung gehalten. Vielleicht war es nur Zufall. Vielleicht hatte sie gerade tatsächlich erkannt, wer hier vor ihr stand. Yusa spürte, wie ihre professionelle Gelassenheit augenblicklich wieder einsetzte. Sie konnte sich keine Aufnahme in Sportkleidung leisten, die später irgendwo im Netz auftauchte und Fragen darüber aufwarf, warum sie mitten am Nachmittag mit einem unbekannten Jungen auf einem Spielplatz herumturnte.
      „Wir müssen weiter“, sagte sie leise. Diesmal lag ein deutlich ernsterer Ton in ihrer Stimme. Sie zog sich vom Gerüst zurück und sah kurz auf ihr eigenes Handy. Das Display hatte durch den Sturz vom Vortag noch immer einen Sprung, funktionierte aber wieder. Die Uhrzeit ließ sie kurz die Stirn runzeln. Sie hatten bereits mehr Zeit verloren, als Sagawa vorgesehen hatte. „Wenn wir hier noch lange stehen, wartet am Ende nicht nur Sagawa auf uns, sondern auch die nächste Trainingseinheit.“ Ein kurzer Blick zu Migi. „Also los. Wir erledigen die Aufgabe so sauber wie möglich und verschwinden dann.“
      Sie nahm erneut die erste Stange. Diesmal wartete sie nicht darauf, dass jemand den Start vorgab. „Erster Griff. Dann der nächste. Und den Text nicht vergessen.“ Ein kleines, aufmunterndes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Komm. Wir haben noch sieben Kilometer vor uns.“
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    • Yusa übernahm schnell das Kommando, und auch wenn Migi hier und da mal jammerte oder eine andere Meinung hatte, was diese Aufgabe betraf, brauchte Yusa nicht viel Energie, um ihn dazu zu überreden. Letztenendes hatte sie ja recht. Sie mussten es tun und daher führte kein Weg dran vorbei.
      Dann standen sie vor dem Gerüst. War ja klar das es ein paar Sprossen waren, und dann auch noch ein kleiner Bogen. Nicht nur von Stange zu Stange, sondern dabei auch noch ein Stück höher.
      "Natürlich machen wir es zusammen. Und mach dir keine Sorgen, ich veranstallte hier kein Rennen gegen dich." Er tat es Yusa gleich, hing sich an eine der Stangen und begann mit dem Text. Dann ging es eine Stange weiter, der nächste Satz. Und sie sagten es laut genug. Könnte ja sein, das hier jemand spionierte. Aber etwas anderes schien wohl eher anzufallen. Yusa bemerkte es.
      Sie waren gerade dabei eine der schwereren Stellen zu meistern, als Yusa still wurde, und sich um sah. "Was ist los?", fragte Migi, während er baumelte und seine Arme brannten wie eine vertrocknete Knabber Chili auf der Zunge.
      Offenbar gab es hier Spione. Aber es waren wohl eher gewöhnliche Leute, und eine Dame machte ein Foto. Gleiche Sportkleidung, ein laut gesprochener Text, das klang nach Idole. Vermutlich nur ein Foto um herauszufinden, wer das war, oder .... sie wusste es, und würde es medial teilen. Migi war unbekannt. Aber Yusa nicht. Und wenn er mit ihr auf einem Spielplatz turnte, was würden wohl die Fans von Yusa denken, und die Medien? Witterte man schon einen Skandal?
      Yusa ließ keine Zeit für Diskussionen, und trieb Migi sofort erneut an, die Aufgabe schnell zu erledigen. Aufeinmal hatte sie es doch eilig. Migi seufzte und machte mit. Irgendwie mit zerknirschten Zähnen schafften sie es dann, das Gerüst gemeinsam zu meistern. Auch wenn ihnen danach die Arme leblos am Körper runterhingen.
      "Verdammt, ich spüre nichts mehr. Alles kribbelt ...", jammerte Migi. Und dann kam langsam wieder Leben und Kraft in die Arme, diese zu bewegen, wenn auch schwerfällig.
      Der Rest der Laufstrecke war dann einfach nur noch laufen. Keine weiteren Sonderaufgaben, und irgendwann erreichten sie wieder den Startbereich bei Aurora 7.

      Herr Sagawa war unzufrieden. "Das nennt ihr Leistung? Denkt daran. Als Duo seit ihr nur so gut wie der schlechtetse von euch. Und das dürfte definitif auf Sie zutreffen, Mr. Murai." Migi stand stramm. "J-jawohl! Selbstverständlich habe ich alles versemmelt.", gab er an, aber Sagawa winkte ab.
      "Was höre ich da? Nicht Sie haben das versemmelt. Ihr seit doch ein Team? Also habt ihr beide versagt. Wenn das auf der Bühne passiert, geht ihr auch beide unter. Also sorgt dafür, das jeder von euch der Beste ist, klar?" "J-jawohl."
      Herr Sagawa knurrte, wurde aber wieder ruhiger. "Was das Trainig heute betraf, so habt ihr sich bemerkt, das ich euch etwas mehr harmonieren lassen wollte. Wenn ihr YoRo Rush bezwingen, und von der Bühne schubsen wollt, müsste ihr eins werden. Gleiche Ausdauer, gleiche Power. Das Timing muss stimmen. Jede Bewegung sitzen und ihr müsst euch blind aufeinander verlassen, und wie mit dem Linial gezogen im gleichen Abstand zum Bühnenrand tanzen. Und glaubt mir, bis zum Auftritt habe ich euch so weich geklopft und neu geformt, das ihr glaubt im Himmel zu schweben. ABMARSCH ins Gebäude. Zeit für die nächste Einheit."
      Dasselbew Spiel wie am Vortag. Nur das jetzt schon der nächste Liedabschnitt dazu kam. Der Erste war bekannt und wurde nun wiederholt und verfeinert. Der Zweite kam hinzu, und jedesmal wenn etwas nicht passte, fing Sagawa beim ersten wieder an. Immerhin hatte die Sporteinheit seinen Muskelkater schwinden lassen, so das er sich jetzt frei bewegen konnte. Auch wenn er glaubte, heute nochmal ganz neue Muskeln im Körper gefunden zu haben. Und er fand heraus, wie weit er seine Sehen überdehnen konnte.
      Irgendwann war dann auch dieser Tag vorbei und Migi kroch förmlich nachhause, und lag dann auf dem Bett und schnaufte. Er biss ins Kissen und knurrte Sagawas Namen, schwor den Sack fertig zu machen. Immerhin war er Migimoto Murai, Yusas größter Fan. Und nun auch ihr Gehilfe? Ihr Retter? Ihr Kollege?
      Was auch immer. Jedenfalls würde er mitziehen und sie nicht im Stich lassen. Was sind dann schon ein paar Auftritte, und am Ende ein Duell gegen YR. Sind die erstmal weg vom Fenster kann Yusa wieder Solo durchstarten, und dürfte noch mehr erfolg haben. Migi würde selbstverständlich dann wieder zum heiligen Fan mutieren, und das Internet unsicher machen.


      Der nächste Schultag

      Migi sah heute schon viel frischer aus, auch wenn er lief, als hätte er 10 Stunden auf einem Pferd gesessen. Fehlten nur noch die Sporen mit dem typischen Scheppern beim gehen, ein Cowboyhut und ne Knarre. Dann wäre es perfekt gewesen.
      Als Arisa kam stampfte er demonstrativ an ihr vorbei.
      "G...guten Morgen, Arisa.", sagte er etwas tieftöniger, fast schon trotziger Ton. "Heute werde ich dich nicht um Hilfe bitten. Und hätte vermutlich auch keine bekommen. Aber wie du siehst, kann ich wunderbasr selber laufen. Trotz des harten Trainings. Hehe. Solltest du auch mal probieren. Ehrlich. Würde dir sicher gut tun."
      Und dann stiefelte er fort und kam wenig später mit zwei Getränkedosen in die Klasse. Er wollte seinen Plan in die Tat umsetzen, ganz wie er es Yusa am Vortag schon zufällig erzählt hatte. "Ariiiiisaaaaaa...", rief er übertrieben freundlich, als hätte er einen Goldtopf am Ende des Regenbogens gefunden, und wollte ihr jetzt davon erzählen. Die Klasse reagierte nur stumpf, aus Gewohnheit. Manche eher waren genervt und andere reagierten gar nicht mehr.
      "Heute habe ich gute Laune." - jetzt aufeinmal -, erklärte er, stellte zwei Dosen des gleichen Getränks auf Arisas Tisch, eine zu Arisa, eine näher zu sich. Natürlich hatte er die von Arisa komplett durchgeschüttelt. Zudem war es die berüchtigte Spritzbombe unter den kohlensäurehaltigen Getränken. Es gab schon genug Trolle, die diese Dosen öffneten, nach dem sie aus dem Automaten kamen. Man sollte sie erstmal ein paar Minuten ruhen lassen. Und Migi? Der hatte auf dem Weg zu Klasse so richtig den Schüttelmeister gemacht. Wenn Arisa gleich auf macht, dürfte sie zum klebrigen begossenen Klassenpudel mutieren.
      "Hier bitte. Wir sind doch gute Klassenkameraden, oder? Geht aufs Haus.", grinste er, drehte sich zu seinem Tisch, mit dem Rück zu Arisa, stellte seine Tasche ab, und rückte den Stuhl zurecht, so das er sich mit den Armen auf der Lehne abstützen konnte und zu Arisa grinste.
      Er freute sich innerlich schon, wenn Arisa sich gleich zum Gespött der Klasse machte. Als kleine Rache für ihr grobes Verhalten gestern.
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    • Arisa hatte Migi schon von Weitem kommen sehen und musste sich unwillkürlich ein kleines Grinsen verkneifen. Er lief tatsächlich besser als gestern, auch wenn seine Bewegungen noch immer aussahen, als hätte man ihm über Nacht sämtliche Gelenke durch rostige Scharniere ersetzt. Offenbar hatte das Training seinen Muskelkater zumindest so weit gelöst, dass er wieder aufrecht gehen konnte. Für Migi schien das bereits ein Grund zu sein, sich selbst für unbesiegbar zu halten.
      Als er demonstrativ an ihr vorbeistampfte und sie mit einem auffällig tieferen Ton begrüßte, hob Arisa nur leicht eine Augenbraue. Sie wusste noch genau, wie er gestern darüber gejammert hatte, dass sie ihm nicht geholfen hatte. Dass er jetzt unbedingt beweisen wollte, dass er auch alleine laufen konnte, überraschte sie nicht.
      „Du klingst, als würdest du dich gerade selbst davon überzeugen wollen“, meinte sie trocken und musterte seinen Cowboygang kurz. „Aber schön. Wenn du schon wieder laufen kannst, hast du gestern wenigstens nicht alles falsch gemacht.“
      Mehr Lob bekam er von ihr nicht. Schon gar nicht vor der ganzen Klasse.
      Als er später mit den beiden Getränkedosen auftauchte und sie mit diesem übertrieben freundlichen „Ariiiiisaaaaaa“ rief, wusste Arisa sofort, dass etwas faul war. Bei Migi war gute Laune ohnehin selten ein Grund zur Freude. Meistens bedeutete sie, dass jemand anderes gleich darunter leiden musste. Sie sah auf die Dose, die er vor ihr abstellte, dann zu Migi und wieder zurück zur Dose. Ein vollkommen harmloses Getränk. Zumindest äußerlich. Innerlich musste sie beinahe lachen.
      Natürlich wusste sie, was er vorhatte. Schließlich hatte er Yusa am Vortag ganz begeistert von seinem kleinen Racheplan erzählt. Damals hatte sie als Yusa nur freundlich gelächelt und so getan, als wäre das eine ziemlich harmlose Idee. Jetzt, als Arisa, musste sie lediglich darauf achten, nicht zu offensichtlich zu zeigen, dass sie ihm bereits einen Schritt voraus war.
      Sie nahm die Dose nicht einmal in die Hand. Stattdessen betrachtete sie Migi, der sich bereits an seinem Stuhl positioniert hatte und viel zu auffällig darauf wartete, dass etwas passierte.
      „Das ist suspekt.“
      Ihr Blick wanderte noch einmal zur Dose.
      „Du? Freiwillig nett zu mir? Einfach so? Ohne dass du irgendetwas dafür erwartest?“ Sie lehnte sich ein wenig zurück. „Das klingt ungefähr so glaubwürdig wie ein Lehrer, der sagt, wir hätten heute eine Überraschung und es gäbe keine Prüfung.“
      Ein paar Schüler in der Nähe bekamen das mit und kicherten leise. Arisa ließ den Blick jedoch weiterhin auf Migi ruhen.
      Dann schob sie die Dose mit einem Finger ein kleines Stück von sich weg.
      „Und außerdem bist du viel zu zufrieden mit dir selbst. Das macht es noch verdächtiger.“
      Sie verschränkte die Arme und wartete ab. Dabei fiel ihr etwas auf, das sie fast noch amüsanter fand. Migi hatte sich zwar Mühe gegeben, seinen Plan möglichst heimtückisch aufzuziehen, aber er hatte dabei einen entscheidenden Fehler gemacht. Er konnte einfach nicht normal gucken, wenn er jemanden hereinlegen wollte. Sein Gesicht verriet ihn beinahe stärker als die geschüttelte Dose.
      Arisa deutete mit dem Kinn auf die Dose.
      „Weißt du was? Du machst sie auf.“
      Sie hielt kurz inne und fügte dann vollkommen trocken hinzu:
      „Aber nicht meine.“
      Damit ließ sie die Dose demonstrativ stehen und nahm stattdessen ihr Heft aus der Tasche, als wäre die Sache für sie erledigt. Innerlich musste sie sich allerdings ziemlich zusammenreißen, um nicht zu grinsen. Sie war gespannt, wie Migi jetzt versuchen würde, aus dieser Situation herauszukommen. Und vor allem darauf, wie lange er es schaffen würde, so zu tun, als wäre seine angeblich gute Tat wirklich nur eine freundliche Geste gewesen.
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    • Migis Plan war nicht aufgegangen. Arisa hatte wohl einen zu verdächtigen Abschnitt in seiner geheuchelten Freundlichkeit vermutet, und die Dose quasi dankend abgelehnt und von sich geschoben. Mürrisch blickte er auf die Dose. Schade. Das wäre sicher lustig gewesen, und er hätte Yusa was darüber berichten können.
      "Man, was bist du nur für eine trübe Tasse. Da ist man mal nett und freundlich, und dir passt es nicht. Kein Wunder, das so wenige hier mit dir abhängen. Man hat ja gar keinen Spaß."
      Wobei es wohl eher sein Spaß gewesen wäre. Er öffnete seine Dose und trank ein paar Schluck. Er würde Arisas einfach stehen lassen. Vielleicht trank sie später. Wenn dann der erwartete Effekt nicht mehr eintrat, würde sie sicher Vertrauen sammeln. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Es gibt andere Tage.
      Er dreht sich wieder um zu seinem Tisch.
      "Wie du willst. Bleib du nur in deinem Mauerwerk verkrochen."
      Was tat Arisa eigentlich in ihrer Freizeit? Nicht viele führen regelmäßige Konversationen mit ihr durch. Wenn dann waren es nur schulische Angelegenheiten. Hatte sie überhaupt Freunde hier in der Klasse? Er seufzte. Kann ja eigentlich egal sein. Und bald wären sie eh mit der Schule fertig. Dann lauerte das Erwachsenen Leben.
      Und aktuell dachte Migi, wenn er dann weiterhin für Yusa arbeiten könnte ....
      Aktuell war sie mit ihm im Training für einen Sonderauftritt. Oder mehrere. Paar Konkurrenten beseitigen, die anderen gerade das Geschäft vermiesen. Neue Lieder wirds also erstmal nicht geben. Ihre Auftritte reduziert. Und auch heute würde es wieder ein hartes Training geben. Hoffentlich durften sie heute mal einfach nur Laufen, ohne irgendwelche Spielchen.
      "Hee, Arisa, wenn du am Samstag nichts vor hast, wieso gehen wir nicht mal in die Karaoke Bar? Wir könnten Lieder von Yusa singen. Ich wette das würde dir helfen mal etwas lockerer zu werden. hehehe."


      Aurora 7
      Leider hatte Migi auch heute mal wieder Pech. Püntklich war er ja, und auch Yusa hatte wieder pünktlich die Bühne betreten, und grüßte mit einem sahnigen Lächeln. Alleine dafür war es das schon wert, sich von diesem Manager foltern zu lassen. Was auch immer heute lauerte, er würde nicht brechen.
      Allerdings erwartete sie beide eine Überraschung. Mr. Sagawa knallte mit der Hand auf eine ausgerollte Karte, die an der Wand hing.
      "SHOWTIME!", rief er dabei, und der **PATSCH** ließ Migi zusammenzucken.
      "Heute werden wir den Ablauf etwas ändern. Wie gewohnt werdet ihr erstmal ein paar Kilometer laufen, aber nur drei. Außerdem werdet ihr eure bisherige Bestzeit überbieten, um 5 Minuten. Das wird euren Lungen und Muskeln alles abverlangen. Aber es wird nötig sein. Und dann ...."
      Er knallte erneut mit der Hand auf die Karte. Er erklärte, das es dort in einem Park ene provisorische Bühne gab. Einige Investoren werden dort pünktlich aufmarschieren. Die sind wichtig für Aurora 7. Allerdings wollen sie professionelles sehen. Sagawa erklärte, das die Idole hier so gut wären, das sie sogar eine 1A Performance auf die Bühne legen, selbst wenn sie mitten im Körpertraining wären. Selbstverständlich hatte er Yusa und Migimoto damit gemeint. Sie mussten also rechtzeitig dasein, und dann ihr Lied singen und zur Übungsmusik tanzen. Und später sollten sich die Investoren das fertige Lieb auf der Live Bühne beim großen Auftritt ansehen und entscheiden, ob Aurora 7 es wert wäre.
      "Ich will das ihr euren Auftritt dort zum erstenmal vor Publikum perfekt umsetzt. Ihr kennt den Text, eure Bewegungen. So wie ihr die Herzen der Zuschauer und Fans gwinnen müsst, so müsst ihr jetzt auch die Investoren überzeugen. Habt ihr das verstanden? Wenn ihr hier versagt, dann versagt ihr auch gegen Yoro Rush! Danach lauft ihr euren Weg zuende ab. Dann habe ich ein weitere Programm für heute. Ich werde euch durch die Mangel nehmen."
      Sagawa kündigte viel an heute. Er hatte wohl jemanden besorgt, der die beiden durchkneten sollte. Und verbiegen. Gerade Migi schluckte bei dem Gedanken, herauszufinden, was seine Sehen reißen würden. Die beiden Männer die Sagawa vorstelle, sahen aus wie massive Eichenschränke. Fehlte noch Suit, Sonnenbrille und nen Kabel am Ohr. Die waren über 2 m groß unnd voller Muskeln. Ausländische ..... Migi nannte sie Körperbrecher ...., die garantiert keine halben Sachen machen würden.
      Er flüsterte zu Yusa. "Du, Yusa, ist das normal? Oder macht der das nur für uns? Die sehen gefährlich aus. Kann ich Aurora 7 verklagen, wenn ich auseinandergerisse werde?"
      Zum Glück war es das mit den Überraschungen. Migi vermutete, nei er wusste es: Noch heute Nacht wäre er ein neuer Mensch.
      Das Lampenfieber, das er verspürte, weil er zum Erstenmal mit Yusa alleine ihr Lied präsentierte, und neben ein paar wichtigen Leuten sich auch Zivilisten im Park wären, die zusahen, hatte er schon ganz vergessen. Es würde ihm infallen wenn sie den Park erreichen würden.
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    • Yusa hatte Migis missglückten Versuch, Arisa mit der Dose eine Freude zu machen, nicht mitbekommen. Zumindest nicht in allen Einzelheiten. Sie war in Gedanken bereits bei dem Training, das sie an diesem Tag erwartete, und ging im Kopf die Choreografie für ihren nächsten Auftritt durch. Es gab einige Stellen, die noch nicht so sauber saßen, wie sie es sich wünschte. Gerade die Übergänge mussten flüssiger werden, wenn sie die Investoren überzeugen wollten. Sie konnte es sich nicht leisten, sich auf ihrem bisherigen Erfolg auszuruhen. In ihrer Branche reichte es schließlich nicht, einmal zu glänzen. Man musste dafür sorgen, dass die Leute auch beim nächsten Mal noch hinsahen.
      Als sie schließlich das Trainingsgebäude betrat, begrüßte sie Sagawa wie gewohnt mit einem freundlichen Lächeln. „Guten Morgen, Herr Sagawa.“ Sie stellte ihre Tasche ab und strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr, während sie auf seine Anweisungen wartete. Dass der Mann offenbar schon am frühen Morgen vor Energie strotzte, hätte sie eigentlich darauf vorbereiten müssen, dass der Tag alles andere als gewöhnlich werden würde.
      Der laute Schlag gegen die Karte ließ sie dennoch zusammenzucken. Ihre Augen wanderten zu der Wand, an der die Karte befestigt war, und sie hörte Sagawa aufmerksam zu. Drei Kilometer. Das allein war machbar. Die zusätzliche Forderung, ihre bisherige Bestzeit um fünf Minuten zu unterbieten, ließ sie jedoch unwillkürlich die Stirn runzeln. Fünf Minuten waren keine Kleinigkeit, besonders nicht, wenn sie anschließend noch singen und tanzen sollten. Sie wusste, wie viel Atemkontrolle ihre Choreografie verlangte. Eine falsche Einteilung ihrer Kräfte konnte dazu führen, dass sie mitten im Lied außer Atem geriet, und genau das durfte nicht passieren.
      Als Sagawa schließlich erklärte, dass sie ihren Song vor den Investoren auf einer provisorischen Bühne präsentieren sollten, richtete sie sich ein wenig auf. Die Anspannung wich nicht, aber sie bekam eine Richtung. Das war eine echte Gelegenheit. Vielleicht sogar eine, die darüber entscheiden konnte, wie Aurora 7 sich in den kommenden Wochen entwickeln würde. Sie wollte nicht nur gut sein. Sie wollte zeigen, dass sie auf einer Bühne stehen konnte, ohne sich von den Umständen aus dem Konzept bringen zu lassen.
      „Verstanden“, antwortete sie ruhig und mit einem kurzen Nicken. Ihre Stimme klang gefasst, auch wenn sie innerlich bereits verschiedene Möglichkeiten durchging, wie sie ihre Kräfte einteilen musste. Sie würde sich nicht von der ungewohnten Situation einschüchtern lassen. Wenn die Investoren sehen wollten, dass sie selbst unter Belastung eine überzeugende Performance abliefern konnten, dann würde sie ihnen genau das zeigen.
      Erst als Sagawa die beiden Männer vorstellte, die sie später offenbar körperlich an ihre Grenzen bringen sollten, verlor Yusa für einen Moment ihre sonst so sichere Miene. Ihr Blick wanderte von dem einen zum anderen. Beide waren so breit gebaut, dass sie sich fragte, ob sie überhaupt durch eine normale Tür passten. Die Bezeichnung, die Migi ihnen vermutlich innerlich gegeben hatte, wäre ihr wahrscheinlich ebenfalls eingefallen, wenn sie sich nicht so sehr darum bemüht hätte, sich nichts anmerken zu lassen.
      Als Migi sich zu ihr beugte und leise seine Frage stellte, musste sie sich ein Lächeln verkneifen. Sie drehte den Kopf ein wenig zu ihm und senkte ebenfalls die Stimme. „Wenn ich dir sage, dass das ganz normal ist, glaubst du mir dann?“
      Sie ließ ihm einen kurzen Moment, bevor sie den Kopf schüttelte und leise hinzufügte: „Nein, natürlich ist das nicht normal. Zumindest hoffe ich das. Und wenn du wirklich auseinandergerissen wirst, werde ich versuchen, vor Gericht zu bestätigen, dass du dich tapfer gewehrt hast.“
      Ein amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen. Sie konnte es sich nicht verkneifen, ihn ein wenig aufzuziehen, doch dann wurde ihr Gesichtsausdruck wieder ernster. „Aber mal im Ernst, Migi. Wir müssen heute vor allem aufeinander achten. Wenn wir nach dem Lauf völlig fertig auf der Bühne stehen, bringt es nichts, wenn einer von uns versucht, den anderen mit Gewalt durch die Nummer zu ziehen. Wir kennen das Lied. Wir kennen die Bewegungen. Wir müssen uns nur aufeinander verlassen können.“
      Sie meinte es ernst. Auf der Bühne konnte schon eine kleine Unsicherheit ausreichen, um den Rhythmus zu verlieren. Wenn einer von ihnen aus dem Takt geriet, musste der andere flexibel genug sein, um darauf zu reagieren, ohne dass das Publikum etwas davon bemerkte. Yusa hatte gelernt, dass Professionalität nicht bedeutete, niemals Fehler zu machen. Es bedeutete, sich von einem Fehler nicht die gesamte Performance ruinieren zu lassen.
      Während Sagawa noch letzte Anweisungen gab, band sie ihre Haare fester zusammen und kontrollierte die Schnürsenkel ihrer Sportschuhe. Anschließend nahm sie ihre Wasserflasche aus der Tasche und trank ein paar Schlucke. Sie würde während des Laufens nicht zu schnell loslegen. So verlockend es auch war, sofort ein hohes Tempo anzuschlagen, sie brauchten ihre Kräfte später noch. Gleichzeitig durfte sie nicht so viel Zeit verlieren, dass sie bereits erschöpft an der Bühne ankamen, weil sie das Tempo auf den letzten Metern steigern mussten.
      „Übrigens“, sagte sie und sah Migi von der Seite an, „wenn du heute Abend noch in der Lage bist, dich zu bewegen, können wir uns eine Belohnung gönnen. Irgendetwas zu essen, das nicht aus einem Proteinriegel besteht. Ich kenne da einen Laden, der ziemlich gute Ramen macht.“ Eigentlich wollte sie so wenig Zeit wie möglich mit ihm verbringen, doch es stand zu viel aufs Spiel, sodass sie ihn irgendwie motivieren musste. Und da sie sein Lieblingsidol war, erschien es ihr eine gute Idee zu sein.
      Sie lächelte kurz. „Das heißt natürlich nur, wenn du nach dieser Behandlung noch sprechen kannst.“
      Bevor er ihr vermutlich etwas erwidern konnte, rief Sagawa sie zum Start. Yusa stellte sich neben Migi auf, schüttelte einmal die Arme aus und atmete tief durch. Für einen kurzen Augenblick schloss sie die Augen. Sie dachte nicht an die Investoren, nicht an Aurora 7 und auch nicht an die Konkurrenz. Sie konzentrierte sich nur auf ihren Atem und auf das gleichmäßige Schlagen ihres Herzens.
      Dann öffnete sie die Augen und sah zu Migi hinüber. „Nicht übertreiben, ja? Wir kommen gemeinsam ins Ziel.“
      Auf Sagawas Zeichen setzten sie sich in Bewegung.
      Die ersten Minuten hielt Yusa ihr Tempo bewusst zurück. Sie spürte, wie ihre Muskeln sich langsam aufwärmten, und passte ihren Atem an ihre Schritte an. Der Morgen war kühl genug, dass sie den Wind auf ihrem Gesicht wahrnahm, doch schon bald sammelte sich Wärme unter ihrem Trainingsshirt. Neben ihr lief Migi, und obwohl sie nicht ständig zu ihm hinübersah, behielt sie ihn aus dem Augenwinkel im Blick. Sie wusste nicht, wie viel er sich von Sagawas Ankündigungen bereits hatte einschüchtern lassen, aber sie wollte auch nicht den Fehler machen, ihn zu unterschätzen.
      Nach der ersten Runde erhöhte sie das Tempo ein wenig. Nicht abrupt, sondern schrittweise. Sie konnte hören, wie ihre Schritte auf dem Boden aufsetzten, und zwang sich, nicht auf die Uhr zu schauen. Es hätte sie nur nervös gemacht. Stattdessen zählte sie ihre Atemzüge und erinnerte sich an die Stellen des Liedes, an denen sie besonders viel Luft benötigen würde. Die schnelleren Passagen, die Drehung vor dem Refrain, der anschließende Sprung. All das musste später noch funktionieren.
      Als sie schließlich die drei Kilometer hinter sich hatten, brannten ihre Lungen, und ihre Beine fühlten sich schwer an. Trotzdem verlangsamte Yusa ihre Schritte erst, als Sagawa es erlaubte. Sie beugte sich leicht nach vorn, stützte die Hände auf die Oberschenkel und atmete tief durch. Ihr Herz schlug kräftig gegen ihren Brustkorb. Ein paar Sekunden lang konzentrierte sie sich ausschließlich darauf, wieder zu einem ruhigeren Atemrhythmus zu finden.
      Dann richtete sie sich auf und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Sie war erschöpft, aber nicht am Ende. Das war ein Unterschied, an dem sie sich festhalten konnte.
      „Na schön“, murmelte sie mehr zu sich selbst als zu jemand anderem. „Das war erst der Anfang.“
      Sie griff nach ihrer Flasche, nahm einen kleinen Schluck und spülte den Mund aus, bevor sie das Wasser hinunterschluckte. Anschließend sah sie zu Migi und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Noch bei uns? Oder soll ich vorsichtshalber schon mal den Krankenwagen rufen?“
      Es war als Scherz gemeint, doch ihre Augen suchten kurz sein Gesicht ab, um einzuschätzen, wie es ihm wirklich ging. Sie wollte nicht, dass er sich aus falschem Ehrgeiz überforderte. Gleichzeitig wusste sie, dass es wenig brachte, ihm das vor Sagawa zu sagen. Der Trainer würde ohnehin darauf bestehen, dass sie weitermachten, solange keiner von ihnen ernsthaft zusammenbrach.
      Und tatsächlich ließ er ihnen kaum Zeit zum Durchatmen. Sie sollten sich umziehen, ihre Sachen für den Auftritt vorbereiten und sich mit der Musik vertraut machen, die sie im Park erwartete. Yusa zog sich ein frisches Oberteil an, kontrollierte ihr Mikrofon und ging die Choreografie im Kopf durch. Dabei kam ihr eine Idee.
      „Herr Sagawa?“, fragte sie, als sie einen kurzen Moment Gelegenheit dazu hatte. „Können wir vor dem Auftritt wenigstens einmal den Anfang und den Übergang in den Refrain durchgehen? Nur ohne Musik, damit wir uns auf die Einsätze einigen können. Wenn wir schon direkt nach dem Lauf auftreten, möchte ich sicher sein, dass wir uns nicht gegenseitig aus dem Rhythmus bringen.“
      Sie erwartete nicht unbedingt, dass er begeistert sein würde. Sagawa schien der Meinung zu sein, dass Druck die besten Ergebnisse hervorbrachte. Trotzdem wollte sie es versuchen. Eine kurze Abstimmung konnte ihnen helfen, später souveräner zu wirken, und kostete kaum Zeit.
      Während sie auf seine Antwort wartete, dachte sie an die Investoren. Vielleicht waren sie strenger, als Sagawa vermuten ließ. Vielleicht interessierten sie sich nicht nur für ihre Stimmen und ihre Tanzschritte, sondern auch dafür, wie sie mit unerwarteten Situationen umgingen. Yusa wollte nicht einfach eine perfekte Choreografie abliefern. Sie wollte, dass die Menschen vor der Bühne etwas von ihrer Begeisterung spürten.
      Als sie wenig später ihre Tasche schulterte und sich mit Migi auf den Weg zum Park machte, lag ihr Blick auf der Straße vor ihnen. Sie konnte bereits die provisorische Bühne erkennen, und dahinter sammelten sich einige Menschen. Nicht alle schienen zu den Investoren zu gehören. Einige waren vermutlich einfach neugierig geworden, weil hier eine kleine Veranstaltung vorbereitet wurde.
      Yusa blieb für einen kurzen Moment stehen. Das Lampenfieber, das sie beim Training erfolgreich verdrängt hatte, meldete sich nun doch zurück. Sie spürte es in ihren Fingerspitzen und in dem leichten Druck, der sich in ihrer Brust ausbreitete. Sie würde vor Fremden auftreten, ohne die gewohnte Bühne, ohne die vertrauten Abläufe und ohne die Möglichkeit, sich hinter einer perfekt geplanten Veranstaltung zu verstecken.
      Sie atmete tief ein und langsam wieder aus.
      „Okay“, sagte sie leise, diesmal mehr zu sich selbst. Dann wandte sie sich Migi zu. „Wir machen das jetzt einfach. Und falls irgendetwas schiefgeht, sehen wir uns an und machen weiter. Kein panischer Blick zum Trainer, keine Entschuldigung mitten im Lied. Einverstanden?“
      Sie hielt ihm die Hand hin, nicht feierlich oder übertrieben, sondern wie vor einem gemeinsamen Versprechen. Für sie waren sie in diesem Moment nicht bloß zwei Idole, die Sagawa unter Druck setzte. Sie waren ein Team, zumindest für diesen Auftritt. Und wenn sie schon gemeinsam durch den Tag mussten, dann wollte sie wenigstens dafür sorgen, dass sie sich aufeinander verlassen konnten.
      Als die ersten Investoren eintrafen und sich vor der Bühne versammelten, richtete Yusa die Schultern auf. Sie lächelte, obwohl ihr Herz schneller schlug, und stellte sich an ihre Position. Die Musik würde bald beginnen. Noch hatte sie die Gelegenheit, sich ein letztes Mal auf ihren Atem zu konzentrieren.
      Diesmal schloss sie die Augen nicht. Sie sah geradeaus, hob leicht das Kinn und wartete auf den Einsatz.
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    • Migi schaute etwas genervt, als Yusa sich quasi darüber lustigt machte, wenn er von diesen "Schränken" auseinandergenommen wird. Vielleicht sollte er diese beiden mal Arisa vorstellen. Das wäre sicher lustig, ihr gequieke zu hören, wenn sie verdreht wird. Er würde dazu Chips einwerfen und genüsslich lachen. Danach wäre Arisa sicher wie neu geboren. Er verwarf den Gedanken. Am Ende hätte er das Nachsehen. Die verbalen Kampelein zwischen ihnen würden aufhören. Das wäre doch langweilig. Sie war seit ihrer Kindheit die Einzige, die immer wieder konterte, und ihm standgehalten hatte. Lobenswert.
      Und es war ihm noch nicht gelungen, sie zu brechen. Er hatte eher das Gefühl, sie war stärker geworden. Und das stachelte ihn an. Genauso wie mit Yusa. Der größte Fan durfte jetzt nicht zurückfallen. Er war kein Profi, wurde aber professionell zurechtgequetscht. Und er durfte Yusa persönlich dabei helfen, nicht in der Versenkung zu landen, nur weil ein Dou es schaffte, die Standards der Idole aufzumischen. Und eben dieses Dou musste nur von der Platte gefegt werden, und dann war seine Aufgabeerfüllt, und Yusa würde wieder ganz oben im Rampenlicht glänzen. Er hatte ein Ziel das ihn ebenso motivierte wie Yusa, die ihm anbot, mit ihm etwas essen zu gehen. Das war ja schon fast ein Date. Aber das war verboten! Das ein Idol mal mit wem in der Kiste landete oder rumknutschte, das war bekannt. Fans wünschten sich dann auch so viel Glück, und gierten ihrem Idol um so mehr nach. Aber eine Beziehung war nicht drin. Dann ließ man das Idol fallen, trat auf dem "Glücklichen" herum, usw.
      Migi würde alles was er mit Yusa zusammen getan hatte, später positiv für ihre Karriere nutzen, und sie noch besser als Fan unterstützen zu können.
      "Essen gehen? Das klingt super! Ich spüre gerade eine enorme Welle der Energie in mir brodeln. Fegen wir die Investoren aus dem Park! Und dann werden sie angekrochen kommen. Hehehe."
      Sagawa rief zu Start, und Yusa hatte das vermutlich eh überhört. Zudem sprach sie nun, das sie gemeinsam ins Ziel kämen. Migi hatte auch nicht vor, das zu einem Rennen verkommen zulassen. Wenn dann höchstens, um Sagawa den Mund zu stopfen. Lob und Gesang sollten über sie fließen.
      Der Lauf begann, und obwohl sie es nicht übertrieben, kamen sie doch gut voran. Zumindest konnte Migi das behaupten.
      Schon kräftig aus der Puste bekam er von Yusa einen Spruch auf die Schultern gelegt.
      Er richtete sich auf und atmete tuef ein, und aus. "Keine Sorge, ich bin Mr. Universum persönlich! So jemand braucht keinen Krankenwagen! Das bisschen Laufen. Wir haben gut trainiert. Und den Rest stecken wir auch weg."
      "WEITER MACHEN!", brüllte Sagawa. "Während eures Auftritts gibts auch keine Pause. Erst wenn der vorbei ist!"
      Sie machten weiter. Dann übten sie kurz, auch wenn Sagawa das nicht ganz gut hieß. Dabei ließ er sie aber nicht still stehen. Und dann kam der große Moment. Zum Erstenmal würden sie öffentlich als Dou auftreten. Migi Offiziell als Kurz Idol, wie er es nannte.
      Die Bühne war nichts Besonderes. Ein Gestell mit Platten, groß genug um ein wenig zu Tanzen. Eine Musikanlage und Lautsprechertürme. Und ein paar Mitarbeiter, die darauf achteten, das die Technik funktionierte. Über eine Treppe stiegen sie auf die Bühne, und Yusa machte Migi nochmal etwas Mut. Innerlich schlotterten ihm die Knie. Obwohl er es schon vom Strand Video kannte. Aber hier war er nicht bloß letzte Rettung, sondern Verantwortlich, das es funktionierte. Und er wollte Yusa nicht im Stich lassen.
      "Ich pack das ...., nein, wir packen das. Wir sind ein Team.", grinste er breit und nahm ihre Hand, drückte fest zu. Aber nicht so, das es weh tun würde.
      Dann standen sie auf der Bühne. Sagawa war in den Zuschauerreihen. Er begrüßte noch ein paar Investoren, wies auf einen Platz. Er würde alles mit Adleraugen verfolgen, und später sicherlich Tadel austeilen.
      Ein kurzes Klatchen einiger Zuschauer, nachdem Sagawa laut rief, das sie anfangen können. Zwei Scheinwerfer strahlten sie an.
      Yusa sollte, weil sie bekannter war, kurz eine Vorstellung setzen. So wurde schonmal der Name bekannt, unter dem sie auftreten werden.
      Dann riefen beide zusammen: "WIR SIND MY:U!"
      Dann wurde die Musik abgespielt und beide fingen an, das umzusetzen, was sie gelernt hatten in der kurzen Zeit.
      Wie oft hatte Migi schon nachgetanzt, und mitgetanzt, wenn er das Nachtanzen drauf hatte? Und jetzt hatte er von Anfangan selbst gelernt.
      Beide fingen zuerst gemeinsam an zu singen. Das sollte Migi auch etwas unterstützen. Danach folgten erst ein paar Zeilen von Yusa, dann gab Migi quasi die Antwort, abwechselnd standen beide einen Schritt weiter vorn, als der andere, wenn sie sangen. Beim Refrain dann auf gleicher Höhe.
      Einmal wäre Migi fast gestolpert, weil er einen Schritt zu früh gedacht hatte, aber er fing sich, auch wenn der Schritt dann nicht mehr stimmte, aber Yusa hatte es bemerkt, und sich direkt angepasst. Alles sah perfekt aus. Nur Sagawa wusste, das es ein Fehler war. Stand einfach stocksteif mit verschränkten Armen vor der Brust da, spähte durch die Sonnenbrille und beobachtete. Sein Gesicht eine ausdruckslose Mine voller Konzentration.
      Die Investoren murmelten bereits untereinander. Irgendwer fing an zu telefonieren. Ein weiterer wühlte einen Taschenrechner raus, tippelte darauf herum. Gefühlt die halbe Investorentruppe war nicht mehr mit dem Lied beschäftigt. Für Außenstehende sah das sicher seltsam aus, unhöflich, negativ. Aber in Wahrheit schaffte dieses Treiben es, auf Sagawas Mundwinkeln eine Art Zucken zu verursachen, das er gerade noch daran hindern konnte, zu lächeln. Das roch nach Verträgen und Investments. Das Geld würde vom Himmel regnen. MY:U würde schon morgen in den Nachrichten stehen. Und dann wird auch Yoru Rush! davon erfahren. Der Kampf beginnt.
      Wer wird am Ende die Fans überzeugen? Und wenn sich ganz am Ende, bevor Yusa wieder Solo weiter macht, herausstellt, das ein unprofessioneller Fan Yusa half, das wird einschlagen wie eine Atombombe. Sowas gab es vorher noch nie.

      Dann war das Lied vorbei, und beide standen mit dem Blick nach vorn auf der Bühne, und atmeten schwer. Die Zuschauer klatschten. Ein paar Kinder hatten mitgetanzt. Jugendliche filmten mit ihren Handys. Das dürfte jetzt schon in den Netzwerken für Aufsehen erregen. Außerdem war da noch ein Kamerateam aufgekreuzt, das hier im Park eigentlich was anderes berichten wollte. Das würde wohl heute noch in den Abendnachrichten landen. Idole überfallen Park mit Live Bühne beim Bericht über die Sauberkeit im Park, oder so.
      Ein paar Hände schüttelten die von Sagawa, dann ein paar Blicke zu Migi und Yusa, dann stiefelten die Investoren auch schon wieder davon. Wenn auch nur die Hälfte überzeugt wäre, war alles perfekt.
      Migi und Yusa verbeugten sich ebenfalls. Dann knurrte Sagawa: "Schluss jetzt. Ihr sollt den Rest eurer täglichen Laufstrecke noch erledigen, schon vergessen? Ich erwarte euch pünktlich 5 Minuten früher als euer bestes Ergebnisd der letzten Tage, zur Nachbesprechung. Danach bekommt ihr die versprochene Verwöhnkur, und habt den Rest des Tages frei. LOS!"
      Migi stöhnte auf. "Verdammt, der vergisst aber auch gar nichts."
      Diesesmal gaben sie alles. Egal, ob sie am Ende kriechen würden. Oder eher humpeln, so wie Migi, der auf den letzten 300 m schlapp machte, und Yusa einen Arm über die Schulter legte und ihn auch noch halb mit schleppen durfte.
      Der Migizombie fiel danach wie ein nasser Sack in den Stuhl im Besprechungsraum. Beide keuchten ihren Lungen raus. Das war kein Laufen, das war Mord! Der Teufel persönlich hatte ihnen mit Glut am Hintern Antrieb gemacht. Aber sie hatten die Zeit eingehalten.
      Sagawa kam gleich auf den Punkt.
      "Mr. Murai. Sie haben einen groben Fehltritt verursacht. Einzig die professionalität von Yusa hat das ganze abgefangen. Die Investoren haben davon nichts bemerkt. Wir ändern die Schritte dort auf euer Missgeschick um. Spätestens wenn Fans schon anfangen, nachzutanzen, würde es auffallen. Wir lernen das bis zum großen Live Auftritt. Ansonsten bleibt mir nur eines zu sagen: Herzlichen Glückwunsch! 7 Investoren sind an Bord. Drei davon sind die ganz großen Fische im Geldgebernetz. Das wird ordentlich Werbung geben. Das bedeutet aber auch, das sie viel erwarten. Sie wollen Geld verdienen. Das Dreifache an Gewinn. Ihr müsst also viermal mehr einspielen, als sie investieren, verstanden? Noch Fragen?"
      Migi hatte keine, er war nur fertig.
      Er bekam nicht mal mit, ob Yusa noch was ansprach. Und dann kamen die Schränke. Und Migi lernte heute, wie verflucht heftig man seinen Körper verdrehen und zerren konnte.
      Danach fühlte er sich leicht wie ein Engel der über Wolken hüpfte. Zumindestens die ersten 10 Minuten, nachdem er fertig war. Danach konnte er zählen, wie viele Sehen und Knochen gemeinsam Walzer tanzten.
      Und wieder saß er wie ein nasser Sack auf einer Bank und beobachtete förmlich wie seine Seele empor stieg.
      Dann kam Yusa zu ihm, die irgendwie völlig frisch und erholt wirkte. Wo war ihre Folter gewesen? Verdammt, er war hier das Weichei. Das musste er schnell los werden.
      Aber da war doch was gewesen? Er war noch nicht tot. Vor Gericht musste er auch niemanden zerren. Er lebte, sein Körper war ganz. Der Magen aber, war leer.
      Und kaum fragte Yusa, wie er sich fühlte, knurrte der Magen wie ein Löwe und ein Bär im Brüllwettbewerb.
      Migi rieb sich verlegen am Hinterkopf. "Hehehe, sieht wohl so aus, als bräuchte mein Magen auch eine Investition."
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Yusa musste bei Migis Bemerkung über seinen Magen leicht lächeln. Nach dem anstrengenden Training und dem Auftritt konnte sie gut verstehen, dass er inzwischen großen Hunger hatte. Schließlich hatte der Tag ihnen einiges abverlangt. „Dann sollten wir wohl wirklich etwas essen gehen“, stimmte sie zu. „Ich kenne einen kleinen Ramen-Laden ganz in der Nähe. Das Essen dort ist ziemlich gut.“
      Gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Yusa war selbst erschöpft, auch wenn sie sich bemühte, es sich nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Der Auftritt vor den Investoren war ein wichtiger Schritt für MY:U gewesen, und noch immer konnte sie kaum glauben, dass tatsächlich sieben von ihnen bereit waren, in ihre Gruppe zu investieren. Natürlich bedeutete das auch eine Menge Arbeit und Verantwortung, doch sie wollte sich davon nicht die Freude nehmen lassen.
      „Ich finde, wir können wirklich stolz auf uns sein“, sagte sie nach einer Weile und sah zu Migi hinüber. „Es war nicht alles perfekt, aber wir haben es gemeinsam geschafft. Und als wir auf der Bühne standen und unseren Namen verkündet haben, hat es sich für mich zum ersten Mal richtig real angefühlt.“ Ein kleines, aufrichtiges Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Ich bin froh, dass wir das zusammen machen.“ Es hinterließ einen bitteren Nachgeschmack das zu sagen, in Anbetracht dessen, dass sie Arisa war, sie jedoch die Rolle als Yusa ausführen musste. Sie musste bei Migi penibel darauf achten, dass er nicht erkannte, dass Yusa und Arisa die gleiche Person war.
      Im Ramen-Laden angekommen, suchte sie sich mit ihm einen freien Tisch. Sie nahm die Speisekarte zur Hand und betrachtete die verschiedenen Gerichte, bis sie sich schließlich für eine Miso-Ramen mit zusätzlichem Ei entschied. Dazu bestellte sie ein Glas Wasser. Anschließend legte sie die Karte beiseite und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Migi.
      „Wie hast du dich eigentlich auf der Bühne gefühlt?“, fragte sie interessiert. „Du hast dich nach deinem kleinen Stolperer schnell wieder gefangen. Ich war kurz überrascht, aber du hast dich nicht aus dem Konzept bringen lassen.“ Sie wollte ihm damit keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, sie hoffte, dass er selbst nicht zu streng mit sich war. Ihre zukünfitge Auftritte hingen auch von ihm ab. „Sagawa hat die Bewegung danach sogar angepasst. Vielleicht können wir sie beim nächsten Training noch ein bisschen verbessern.“
      Als das Essen schließlich kam, bedankte Yusa sich bei der Bedienung und griff zu ihren Stäbchen. Der Duft der warmen Brühe ließ sie erst richtig merken, wie hungrig sie inzwischen war. Sie probierte einen Bissen und lächelte zufrieden.
      „Das tut gerade wirklich gut“, meinte sie leise. Dann hob sie den Blick wieder zu Migi. „Und ich hoffe, du weißt, dass du heute nicht nur für dich selbst gut warst. Wir haben das als MY:U geschafft. Ich möchte, dass wir uns auch daran erinnern, wenn das Training wieder anstrengend wird oder etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Arisa verspürte nicht unbedingt die Lust aufmunternte Worte zu ihm zu sagen, aber sie musste ihn bei guter Laune halten.
      Sie nahm noch einen Schluck Wasser und ließ den Blick kurz durch das kleine Restaurant wandern. Für einen Moment konnte sie den ganzen Druck des Tages vergessen. Keine Investoren, keine strengen Anweisungen von Sagawa und keine endlosen Trainingseinheiten. Nur eine warme Mahlzeit und etwas Zeit, die sie miteinander verbringen konnten.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Der Sommer rückte näher. Das Schuljahr ging erstaunlich schneller vorüber, eben auch deshalb, weil er in den letzten Wochen viel mehr erlebt hatte, als nur Schule, Arisa ärgern, und mit Yusas neuen Liedern im Zimmer zu tanzen, und irgendwo Online die Fangemeinde aufzumischen, und sich als den Größten Fan zu präsentieren. Fas sein ganzes Taschengeld hatte er schon in Downloads oder direkte Käufe für allerlei Dinge die Yusa betrafen getätigt. Sie hatte schon Ende Mai und nächste Woche ging es schon in den Juni. Das bedeutete wohl auch, das MY:U wohl noch vor den Sommerferien so einiges auf die Bühne legen müsste. Und vermutlich auch in den Sommerferien. Daran hatte Migi noch nicht gedacht. Aber für Yusa würde er die Ferien Opfern. Soviel war sicher.
      Zudem gab es in Sendai ja auch den Strand. Für den Sommer wurde ja schon einiges vorgelegt, inklusive dem Musikvideo.
      Außerdem fand er immer wieder seltsame Kommentare zu seiner Person. Schließlich kannte man ihn ja nicht, wie die Tänzer, die in der Regel irgendwie immer irgendwo auf Videos bei Idolen dabei waren. Natürlich gab es auch immer mal Neulinge. Aber die hatten gleich ne Bio und man bekam Infos. Nur Migimoto stand als Schüler und Gewinnspielgewinner dabei. Neid schafft Flüche. Ja, man hatte Yusa vermutlich sogar deswegen auch mal beschimpft, das sie sich auf so einen einlässt und mittanzen lässt. Gerade Konkurrenten waren da sehr laut und stempelten das als unprofessionell ab. Dabei sein ja, mit machen nein! Und Migi musste aufpassen, das er es im Internet nicht übertrieb. Eher vermied er es sogar. Auch wenn seine Fingerspitzen darauf brannten, die Tasten zu bedienen und Buchstabenhorden über eine Webseite flitzen zu lassen. Aber er hatte jetzt eine andere Methode gefunden. Er stand selbst mit auf der Bühne. Und so konnte er als Fan Yusa zu einer sicherern Zukunft unterstützen. HA! Und dann war ER, nein Yusa die EINZIGE, die davon sprechen konnte. Und kein Konkurrent konnte das dann von sich behaupten. Das machte Yusa dann nochmal einzigartig. Vorallem wenn sie Yoro Rush! von der Bühne singen werden.
      "Ntürlich können wir stolz darauf sein. Und ich erst, die als größter Fan dabei helfen zu können. Und die Anfängerfehler bekommen wir auch noch weg. Alleine schon, um du weißt schon wen, fertig zu machen. Und diesem Sagawa den Mund zu stopfen, hehehe."
      Im Ramenladen bestellte Migi sich gleich eine große Portion, entschied sich auch für Miso. Verlangte aber zwei Eier. Yusa fragte dann, wie er sich gefühlt hatte. Im Grunde sein Zweiter auftritt, aber keine Notsituation, sondern Pflicht.
      "Seltsam. Irgendwie aufgeregt, aber irgendwie auch erhaben. Alle starrten zu mir. Ich hätte nackt am Strand rumlaufen können, und es war schon etwas peinlich. Aber es hat Spaß gemacht. Und wenn man erstmal angefangen hat, dann gehts fast von alleine."
      Auch das mit dem Stolperer sind ja noch Anfängerfehler. Außerdem hatte Sagawa ihnen kaum Zeit gelassen. Er zog ein Tempo vor, das an Raserei erinnerete. Das lag unter anderem daran, weil Yoro Rush! ja bereits voll Aktiv war, und täglich mehr Schlagzeilen machte, und anderen Sendezeiten oder Interviews nahmen. Zeitschriften berichteten lieber über das neue Dou, anstatt den Bekannten ihre Bühne zu geben. Täglich verschlangen sie ein paar, wenn man es so wollte. Vorallem bei Auftritten, Showas, wo mehrere Idole sangen, einzeln oder selbst Gruppe, Yoro Rush pulverte alle von der Bühne. Manche, die immer ganz vorn standen, wurden regelrecht zerschmettert. Einige zerbrachen daran. In den letzten Wochen gab es drei dauerhafte Rücktritte. Mit Yusa sollte das nicht passieren. Migi würde das nicht überleben.
      Das Essen kam, und Migi schlang einen großen Batzen schlürfend runter. "Fantastisch. Das Essen schmeckt wirklich gut. Ich sollte Arisa mal herzwingen, damit die mal Farbe bekommt. Danach hüptf sie sicher auch summend durch die Gegend,hihihiiii."
      Am Ende der Schüssel konnte Migi nicht anders, und rumeplte einen Bauer aus dem Magen. Er entschuldigte sich natürlich mit etwas gerötetem Kopf.
      "Ich denke, hier sollte ich öfters mal essen gehen.", grinste er dann frech.
      Und dann verlangte er die Rechnung, und zwar komplett. Er zahlte auch für Yusa mit. Er nannte es einfach als Dankeschön. Diesen Laden musste er bewerben, aber so, das nicht zu viele Fans her kamen. Yusa hätte da mal gegessen und es für gut befunden. Das müsste reichen. Damit währe gewährleistet, das sie während ihrer MY:U Zeit wohl immer herkommen könnten, und der Laden nicht zu macht. Warum auch immer er das tun sollte.
      "Und was machen wir jetzt noch? Oder beenden wir den Tag? AHHRR, verdammt! Ich muss noch lernen. Ich bekomme den Lernstoff immer mit. Und nächste Woche gibts ne Klassenarbeit. Egal, ich mach das später noch. Heute wird gefeiert."
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