The Art of Survival [Codren feat. Pumi]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Dankbar nahm Isaac die Flasche entgegen und nahm einen großen Schluck. Danach streckte er die Beine aus und saß einfach nur da, müde wie er war.
      "Lass mich raten: du fühlst dich gerade ziemlich klebrig und eklig. Ich weiß, dass ich das tue. Und ja, ich weiß, du kannst nicht duschen."
      "Mhm", machte Isaac nur, nicht willens, mehr zu sagen. Kai würde schon von sich aus weiterreden und das tat er auch, nachdem er Isaacs Hand genommen hatte.
      "Weißt du noch, wie ich dir im Krankenhaus gesagt habe, dass du mir vertrauen musst?"
      Diesmal wartete er auf eine Antwort und Isaac sah ihn schließlich an zum Zeichen, dass er ihm zuhörte.
      "Ich kann dir helfen, zu baden, wenn du mich lässt. Keine Sorge, deine schicken Kronjuwelen kannst du ruhig verstecken, aber du musst mich an dich ranlassen, während du nicht viel mehr als ein Handtuch anhast. Und es wird Wasser im Spiel sein."
      Isaac schnaubte, nicht im geringsten überzeugt davon, worauf Kai hier heraus wollte.
      "Gruselig, ich weiß, selbst für jemanden, der mich wahrscheinlich auf mehr Arten außer Gefecht setzen kann, als ich kenne. Das ist der Part mit dem Vertrauen. Du wirst nicht triefend nass sein und du wirst kein Wasser hören. Aber wir beide wissen, dass es nötig ist. Regelmäßig. Du kannst es natürlich auch gern selbst machen, ich will dir ja gar nicht vorschreiben, wie du was zu machen hast. Aber meine Hilfe ist da. Keine Fragen, keine Vorwürfe, keine Vorträge. Und wir können jederzeit aufhören. Und danach kannst du dich in frischen Klamotten ins Bett kuscheln und so lange schlafen, wie du willst. Selbst, wenn du's nicht schaffst, kannst du das."
      Das zumindest war verlockend: Die Aussicht, im Bett zu schlafen. Isaac hätte auch kein Problem gehabt, an Ort und Stelle einfach einzuschlafen, aber er tat Kai den Gefallen, ihm zuzuhören. Außerdem hatte er ihn mit der Aussicht auf das Bett neugierig auf den Rest gemacht.
      "Wie stellst du dir das vor? Ich habe keine Badewanne, du auch nicht. Das Krankenhaus auch nicht, soweit ich weiß, und ein Hotel ist zu teuer. Mein Onkel ist vielleicht reich, aber ich bin es nicht."
      Er blinzelte.
      "Soll ich mich in einen Putzeimer setzen, den du mir auffüllst?"
    • Isaac verwarf den Gedanken nicht sofort, das schonmal ein gutes Zeichen. Ein sehr gutes Zeichen sogar.
      "Du kennst Putzeimer, die groß genug dafür wären?" fragte Kai im Scherz, schüttelte dann aber den Kopf. "Nee. Also, ein Eimer wird schon im Spiel sein, aber kein Teil von dir muss da rein. Ich dachte mehr an die Art, wie Leute Japan das machen. Katzenwäsche delux, sozusagen. Alles, was du machen musst, ist im viel zu warmen Badezimmer zu sitzen. Wir setzen dir die Kopfhörer auf, damit du das Wasser nicht hörst und den Rest regeln wir mir aggressivem Schrubben. Das ist auch super für die Poren, also Win-Win. Naja, nicht unbedingt für meine Haare, aber da ist ja eh schon Hopfen und Malz verloren. Die wasch ich danach einfach ordentlich aus, dann geht das schon. Bei der Luftfeuchtigkeit draußen kann ich da eh nicht viel machen."
      Für einen langen Moment saßen sie noch da, dann bekam Kai mal wieder Hummeln im Hintern. Er sprang auf und räumte alles an Putzmitteln, was sie heute benutzt hatten in eine Ecke auf der Arbeitsplatte in der Küche, dann warf er sich seine Tasche über und reichte Isaac die Hand, um ihm auf die Füße zu helfen.
      "Na komm, du großer Rottweiler. Feierabend. Mittag? Feiermittag? Ist das überhaupt ein Wort?"
      Kai machte noch schnell die Fenster auf, dann nahm er Isaac wieder mit rüber zu sich. Er würde Isaac nicht sofort ins Badezimmer zwingen. Der Mann hatte sich eine Pause verdient. Das hatte Zeit. Außerdem hatte Kai Hunger, also holte er die Reste von gestern aus dem Kühlschrank und jagte sie durch die Mikrowelle für sie beide. Er musste unbedingt daran denken, sich später noch das Handgelenk zu tapen. Das doofe Gelenk zwickte so sehr, dass Kai da wirklich was gegen tun sollte.
      "Wir sollten eine Playlist machen," beschloss Kai. "Zum aufräumen. Eine für dich, nicht für mich. Ich hab meine sieben. Wenn wir's richtig anstellen, dann können wir dich pavloven und jedes Mal, wenn du die Playlist anmachst, hast du einfach den Instinkt, aufzuräumen. Funktioniert besser als mal glauben mag. Ich stand mal mitten im Supermarkt und mich überkam die Lust, Fenster zu putzen, nur weil ein Song von meiner Fenster-putz-Playlist gelaufen ist."


    • Die Idee könnte sogar funktionieren. Zwar wusste Isaac noch nicht so recht, wie er sich das vorstellen sollte - sie beide, nackt oder zumindest fast nackt in einem kleinen Sauna-Bad - aber Kai schien überzeugt genug. Und wenn Kai das schon war, der auch ihren Schlachtplan zusammengestellt hatte, dann konnte auch Isaac sich auch davon überzeugen. Irgendwie.
      Müde zuckte er mit den Schultern.
      "Ja. Können wir versuchen. Wenn die Kopfhörer wasserdicht sind."
      Denn ohne würde Isaac sich sicher nicht in die Nähe eines laufenden Hahns wagen. Nicht, wenn Kai dabei war.
      Kai sprang davon sogleich wieder auf, beflügelt von ihrem neuen Plan, und hetzte erneut durch die Wohnung. In Windeseile hatte er die Putzmittel weggeräumt und stand wieder vor Isaac, um ihm die Hand zu reichen. Isaac ergriff sie und ließ sich hochziehen, ohne wäre er nämlich einfach sitzengeblieben. Sitzengeblieben und hätte geschlafen.
      "Na komm, du großer Rottweiler. Feierabend. Mittag? Feiermittag? Ist das überhaupt ein Wort?"
      Isaac gab nur einen unverbindlichen Ton von sich.
      Sie gingen den viel längeren, unendlichen, strapazierenden Weg zurück zu Kais Wohnung, wo Isaac sofort die Couch ansteuerte und sich darauf fallen ließ. Er war geschafft; in gerade mal zwei Stunden hatte er so viel geleistet wie in drei Monaten noch nicht und das setzte sich deutlich auf seinen Knochen ab. Alles fühlte sich schwer an, sein Gehirn war umwölkt. Er wollte nur noch schlafen und das für weitere drei Monate.
      Kai war derweil nicht aufzuhalten und wärmte ihnen das Chinesisch vom Vortag auf. Damit bewaffnet kam er zu Isaac auf die Couch und Isaac musste wohl oder übel seine langen Beine einklappen, wenn er nicht unhöflich erscheinen wollte. Ächzend setzte er sich auf und nahm eine der beiden Schüsseln entgegen.
      "Wir sollten eine Playlist machen. Zum aufräumen. Eine für dich, nicht für mich. Ich hab meine sieben. Wenn wir's richtig anstellen, dann können wir dich pavloven und jedes Mal, wenn du die Playlist anmachst, hast du einfach den Instinkt, aufzuräumen. Funktioniert besser als mal glauben mag. Ich stand mal mitten im Supermarkt und mich überkam die Lust, Fenster zu putzen, nur weil ein Song von meiner Fenster-putz-Playlist gelaufen ist."
      Isaac schnaubte. Was für ein Bild.
      "Ich will mich gar nicht pavloven. Nicht zum Aufräumen. Wie wär's mit einer Regen-Playlist, die mir den Instinkt gibt, das alles gut ist? Geht das auch?"
      Isaac bezweifelte es, aber fairerweise war er auch nicht wirklich in der Stimmung, irgendwas zu befürworten. Heute war ein schlechter Tag, ganz sicher, und da sollte er keine Entscheidungen treffen. Oder irgendetwas tun.
      Er aß ein paar Bissen, hauptsächlich, um Kai zufrieden zu stellen, dann stellte er seine Schüssel wieder weg und legte sich zurück auf die Couch. Kai versuchte zwar, ihn ins Bett zu verfrachten, wenn er schon schlafen wollte, aber diesmal ließ Isaac den Gedanken gar nicht erst zu. Den ganzen, weiten Weg hinüber bis zum Schlafzimmer machen? Nein, ganz sicher nicht. Nie im Leben. Und da Kai ihn tatsächlich nur bewegen konnte, wenn Isaac das auch so wollte, blieb er wohl auf der Couch liegen. Keine zwei Minuten später war er eingeschlafen.
      Vier Stunden später wachte er von einem Schlaf auf, der so tief gewesen war, dass ihm jetzt alles weh tat. Er fühlte sich scheußlich und Kais Kissen hatte er auch vollgesabbert; schnell wischte er sich über den Mundwinkel und drehte sich stöhnend auf den Rücken. Alles tat ihm weh und eigentlich wollte er gleich weiterschlafen. Aber er musste aufs Klo und damit zwang er sich ächzend in die Höhe.
    • "Warum denn nicht? Das macht es einfacher, anzufangen. Aber okay, wenn du nicht willst, dann eben nur eine Regen-Playlist. Das ist ein bisschen schwieriger als eine Putzen-Playlist, aber gehen tut das. Ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass Musik deine Stimmung beeinflussen kann."
      Kai futterte seine Schüssel leer und dachte über mögliche Kandidaten für eine solche Playlist nach. Er hatte keine Ahnung, was Isaac so für Musik hörte, daher konnte er nur vom allgemeinen Vibe ausgehen. Er selbst hatte zwei Playlists für Regentage: Eine, die ihn vergessen ließ, wie furchtbar das Wetter war, und eine, die sich in die Atmosphäre lehnte. Die lief im Herbst oft einfach rauf und runter. Kai würde einfach seine Happy-Rain-Playlist in die für Isaac werfen und dann entsprechend ergänzen oder rauswerfen.
      Er wollte Isaac gerade davon erzählen als er bemerkte, dass der Mann eingeschlafen war. Kai lächelte sanft. Dann eben später.
      So leise wie möglich räumte Kai das Geschirr weg. Er selbst war nicht besonders müde, aber mit Isaac auf seiner Couch konnte er hier nicht viel machen. Zuerst beschäftigte er sich damit, Isaacs Wäsche zusammenzulegen. Dann brachte er sie rüber in dessen Wohnung, wo er bei der Gelegenheit auch gleich spülte. Dann brachte er den Müll raus. Und als er dann sah, dass Isaac noch immer schlief, entschied sich Kai dazu, schnell einkaufen zu gehen. Er ließ Isaac eine Notiz da, dass er gleich wieder da sei - aber die war gar nicht nötig, denn Isaac sabberte noch immer eines der Couchkissen voll, als Kai zurückkam. Der Mann schlief wie ein Stein.
      Kai packte sich seine Kopfhörer auf die Ohren, warf eine seiner Playlists an und verstaute seine Einkäufe. Er musste unbedingt erfahren, ob Isaac irgendein Comfort Food hatte, dann könnte er das einfach ansammeln, um immer was für den Mann dazuhaben.
      Um der Langeweile zu entgehen, setzte sich Kai irgendwann auf den Boden und begann, an einem neuen Bild zu arbeiten. Aktuell hatte er keine Aufträge oder Bilder für andere, die er fertig kriegen wollte, also malte er einfach drauf los. Er hatte noch keine wirklich Ahnung, wohin ihn die Reise führen würde, während er mit Farbe spielte und dabei leise vor sich hin summte.


    • Isaac schlurfte ins Badezimmer, erleichterte sich und kämpfte dann mit sich selbst und der Spülung. Er war noch so müde und ausgelaugt, er konnte einfach nicht den entscheidenden Schritt unternehmen. 1... 2... 3... Los. Nein, okay, doch nicht. 1... 2... 3... Los. Nein. Nochmal. Wie abgeschaltet stand er vor dem Klo und starrte die Spüle an, in der Hoffnung, dass sie irgendwie von selbst anspringen möge und dabei das Rauschen von Wasser wegließ. Die Waschmaschine schaute ihm dabei aus großen goggly eyes zu. 1... 2... 3... Komm schon. Fuck. Isaac drückte sich die Handballen in die Augen, bis es wehtat.
      Fünf Minuten später stand er immernoch da und war keinen Deut weiser, nur, dass er bei Kai war und das Klo nicht einfach so lassen konnte und sich langsam die Beine in den Bauch stand. Da schaffte er es dann doch endlich, die Spülung zu bestätigen, und erschauderte am ganzen Körper, als er trotz Hände auf den Ohren das Rauschen hörte. Sein Herz machte einen unangenehmen Satz und sein Blick zuckte durch den Raum. Die Haare auf seinem Nacken stellten sich auf.
      Okay, geschafft, bloß raus hier. Er flüchtete und vergab sich dabei selbst, die Hände nicht gewaschen zu haben.
      Kai war bei seiner Rückkehr aufgetaucht, oder vielleicht hatte er schon die ganze Zeit dort gesessen und Isaac hatte ihn nur nicht gesehen. Er saß vor einer weißen Leinwand auf dem Boden, hatte große Kopfhörer auf und kleisterte die blanke Fläche mit Farbe ein, während er zu der unsichtbaren Musik summte. Isaac schlurfte zurück zur Couch, setzte sich und beobachtete ihn dann dabei, wie er mit scheins willkürlichen Strichen der Farbe Leben einhauchte. Hätte er nicht schon gesehen, was Kai für ein künstlerisches Talent war, hätte er hier sicher keinen Sinn und Ordnung gefunden. So packte ihn die Faszination darüber, mit welcher Hingabe Kai sich dem entstehenden Gemälde widmete. In den ganzen Minuten, in denen Isaac ihn so beobachtete, wie er auf dem Boden saß und malte, machte er nicht einmal eine Pause. So eine Leidenschaft für eine Sache war bemerkenswert.
      Wenn er ehrlich war, hätte Isaac ihm stundenlang dabei zusehen können. Es hatte etwas meditatives an sich, den Pinselstrichen zu folgen, ohne sie selbst durchzuführen, und manchmal bewegte Kai seinen Kopf oder gleich den ganzen Körper zu der Musik in seinen Kopfhörern. Es war ein friedliches Bild, in dem Isaac sich für einige Minuten verlor. Dann kam er sich langsam komisch vor, so wie er hier saß und Kai anstarrte, ohne dass er es überhaupt bemerkte, und er lehnte sich nach vorne, um ihn mit dem Fuß anzustupsen. Da bemerkte Kai überhaupt erst, dass er wach war, und zog sich die Kopfhörer vom Ohr.
      "Was wird das, wenn's fertig ist?"
    • Kai ließ sich treiben. Als Kind hatte er gern einfach in der Brandung gelegen und das getan, manchmal auch weiter draußen auf seinem Surfbrett, wenn er einfach mal nicht er sein wollte. Hier hatte er keine Brandung und sein Surfbrett stand die meiste Zeit unbenutzt in seinem Schlafzimmer, also musste er sich anders behelfen. Glücklicherweise hatten Pinsel und Musik eine ähnlich Wirkung auf ihn.
      In seinem Kopf waren keine Gedanken, keine Listen, kein Freund mitten in einer Krise. Da waren nur seine Farben, seine Leinwand, und die Musik in seinen Ohren.
      Bis ihn irgendetwas anstupste. Kai fuhr zusammen und riss sich die Kopfhörer von den Ohren, nur um sich einem sehr wachen Isaac gegenüberzusehen. Sofort grinste Kai.
      "Was wird das, wenn's fertig ist?" fragte Isaac und nickte zu seiner Leinwand hin.
      Kai betrachtete sein aktuelles Werk. Bisher war es nicht viel mehr als ein Farbverlauf von verschiedenen Orangetönen bis hinunter in ein ordentliches, kräftiges Blau.
      "Ich hab keine Ahnung," antwortete er ehrlich.
      Das hätte wirklich alles sein können. Es konnte noch zu allem werden. Das war das Schöne daran, wenn Kai einfach drauflos malte: die Möglichkeiten waren grenzenlos.
      "Hatte wohl einfach Lust auf Orange und Blau."
      Er dippte seinen Pinsel zurück in die Farbe und machte ein paar weitere Streiche.
      "Und du? Gut geschlafen? Sah zumindest ziemlich erholsam aus. Abgesehen von der Tatsache, dass du dich auf meine Couch falten musstest."


    • "Ich hab keine Ahnung."
      Isaac blinzelte, dann sah er hinab auf den Farbverlauf, der so in etwa nach allem aussah, nur nicht nach keine Ahnung.
      "Wie, keine Ahnung? Musst du nicht wissen, was du da malen willst, wenn du anfängst?"
      Er konnte sich sowas wirklich nicht vorstellen. Das wäre ja so, als ob sein Sergeant ihm auftragen würde, zu schießen. Worauf denn schießen? Mit was denn schießen? Wie lang denn schießen? Ohne das alles konnte man doch nichts damit anfangen.
      "Und du? Gut geschlafen? Sah zumindest ziemlich erholsam aus. Abgesehen von der Tatsache, dass du dich auf meiner Couch falten musstest."
      "Ja. War ziemlich gut. Müde bin ich trotzdem noch."
      Was nicht sonderlich überraschend war. Wenn Isaac sich nicht gerade vor dem Regen verstecken musste, war er tendenziell müde. Alles war anstrengend, alles forderte zu viel Energie, die er nicht hatte. So viel schlafen konnte man gar nicht, um da nicht müde zu sein.
      Schuldbewusst sah er zu dem vollgesabberten Kissen zurück. Hoffentlich hatte Kai das nicht gesehen.
      "Können wir das mit dem, uh... mit der Dusche versuchen? Ich weiß zwar nicht, ob ich das schaffe, aber ich fühl mich echt... widerlich."
      Er hatte schließlich den Nachtschweiß noch am Körper kleben, er hatte den Schweiß vom Aufräumen darüber, er hatte sich nicht die Hände gewaschen von dem ganzen Müll und er hatte sie sich nicht nach seinen Badezimmer-Gängen gewaschen. Dr. Harver hatte in gewisser Weise recht, wie er schweren Herzens zugeben musste: Er stellte durchaus ein Gesundheitsrisiko für sich selbst dar. Wenn er also wählen sollte zwischen duschen, obwohl vielleicht nicht fähig, und weiter ekelhaft sein, dann fiel seine Wahl entsprechend eindeutig aus. Es war eh schon ein Wunder, dass Kai bislang keine einzige Bemerkung dazu beigetragen hatte. Der Mann war wirklich ein Engel.
    • "Ja. War ziemlich gut. Müde bin ich trotzdem noch."
      Ja, das machte Sinn. Isaac stand seit über einer Woche unter konstantem Stress, das schlauchte. Und Kai würde ihn noch eine kleine Weile länger so fertigmachen müssen, damit sie eine Basis hatten, um ihm ein stressfreieres Leben zu verschaffen. Kai würde sich nicht dafür entschuldigen - es musste getan werden. Aber er würde Isaac nicht dafür verurteilen, darauf zu reagieren.
      "Können wir das mit dem, uh... mit der Dusche versuchen? Ich weiß zwar nicht, ob ich das schaffe, aber ich fühl mich echt... widerlich."
      Kai machte einen finalen Pinselstrich und legte den Pinsel beiseite.
      "Klar," meinte er schlicht und streckte sich kurz, dann stand er auf.
      Das, was sie als nächstes tun würde, würde alles von Isaac abverlangen, das wusste Kai. Aber sie mussten es tun. Isaac musste da durch.
      "Aber bevor wir das machen, sollten wir ein paar Spielregeln festlegen. Für deine und meine Sicherheit. Ich bin kein professioneller Psychotherapeut und ich will deinen Zustand nicht schlimmer machen, weißt du?"
      Kai legte seine Kopfhörer weg und trat an Isaac heran. Er ergriff Isaacs Hände - beide - und drückte sie leicht.
      "Sobald es dir zu viel wird, sagst du mir das. Dann hören wir auf. Ich muss darauf vertrauen, dass du dich selbst nicht weiter pushst, als du kannst, nur weil du glaubst, du müsstest mir, deiner Ärztin, oder dir selbst irgendwas beweisen, okay? Du redest ständig darüber, wie lächerlich und schwach es sei, sich vor Wasser zu fürchten. Das ist vollkommen egal. Dein Körper kennt diese Logik nicht. Dein Körper sieht und hört Wasser und gerät in Panik. Das ist die Realität mit der wir hier arbeiten, okay? Gründe sind egal. Was andere darüber denken, ist egal. Was du darüber denkst, ist egal. Wenn du merkst, dass es schlimm wird, sag mir das. Pinky Promise!"
      Kai hielt seinen kleinen Finger in die Höhe und wartete darauf, dass Isaac seinen drum herum schloss.
      "Okay. Schritt eins: Kopfhörer. Ich muss ein bisschen mit Wasser hantieren, bevor wir loslegen können."
      Kai verschwand im Badezimmer, sobald er wusste, das Isaac okay war. Er sorgte dafür, dass das ganze Bad praktisch einer Sauna glich, indem er heißes Wasser laufen ließ und die Heizung hochdrehte. Mit dem Wasser füllte er auch drei verschiedene Eimer, in jedem landete ein großer, weicher Waschlappen. Sobald alles vorbereitet war, ging er zu Isaac zurück. Kais Haare waren ein absolutes Desaster dank der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze im Badezimmer.
      Kai gestikulierte Isaac, die Kopfhörer abzunehmen und drückte ihm ein Handtuch in die Hand.
      "Klamotten aus, Handtuch an, dein Popo auf dem Hocker im Badezimmer. Du darfst dir meine langweiligen Fliesen angucken, aber nicht die Wassereimer. Ich hab sie für den Moment abgedeckt, keine Sorge. Und für ausgleichende Gerechtigkeit, werd ich auch nicht mehr als ein Handtuch tragen."
      Kai zwinkerte Isaac schelmisch zu, dann tänzelte er ins Badezimmer, um seine eigenen Klamotten durch ein Handtuch zu ersetzen.


    • "Aber bevor wir das machen, sollten wir ein paar Spielregeln festlegen. Für deine und meine Sicherheit. Ich bin kein professioneller Psychotherapeut und ich will deinen Zustand nicht schlimmer machen, weißt du?”
      Kai nahm das alles sehr ernst. Es freute Isaac, weil er nicht versuchen musste, selbst den Ernst der Lage zu vermitteln, aber es störte ihn auch durch seine Absurdität. Spielregeln fürs Duschen. Das war doch zum Heulen.
      Kai ergriff seine Hände und Isaac verzog leicht das Gesicht. Er machte Kai schmutzig.
      “Sobald es dir zu viel wird, sagst du mir das. Dann hören wir auf.”
      “Ja. Mach ich.”
      Das konnte er, so viel Selbstvertrauen hatte er. Und er musste auch keine Angst darum haben, dass Kai ihn nicht ernst nehmen würde. Er hatte schon oft genug bewiesen, dass er nichts hiervon so lächerlich fand wie Isaac.
      “Ich muss darauf vertrauen, dass du dich selbst nicht weiter pushst, als du kannst, nur weil du glaubst, du müsstest mir, deiner Ärztin, oder dir selbst irgendwas beweisen, okay?”
      Isaac sah ein bisschen betreten drein; er fühlte sich ertappt.
      “Mach ich nicht. Versprochen.”
      “Du redest ständig darüber, wie lächerlich und schwach es sei, sich vor Wasser zu fürchten. Das ist vollkommen egal. Dein Körper kennt diese Logik nicht. Dein Körper sieht und hört Wasser und gerät in Panik. Das ist die Realität mit der wir hier arbeiten, okay? Gründe sind egal. Was andere darüber denken, ist egal. Was du darüber denkst, ist egal. Wenn du merkst, dass es schlimm wird, sag mir das. Pinky Promise!”
      Isaac wurde dieses Gespräch sehr schnell sehr unangenehm. Kai nahm einfach kein Blatt vor den Mund und ließ ihm gar nicht erst die Möglichkeit, seine Beschwerden einzubringen. Es war fast so, als wolle er Isaacs Körper besser kennen als er selbst - und Isaac glaubte ihm das auch noch.
      Er sah auf Kais kleinen Finger hinab, den er ihm auffordernd hinhielt, dann wickelte er seinen eigenen herum. Dabei vermied er schüchtern Augenkontakt.
      “Pinky Promise.”
      “Okay. Schritt eins: Kopfhörer. Ich muss ein bisschen mit Wasser hantieren, bevor wir loslegen können.”
      Erleichtert, dass der schlimme Pep Talk vorbei war, trat Isaac aus dem Weg. Pflichtbewusst nahm er sich die Kopfhörer und setzte sie auf, musste Kai aber zusätzlich einen Daumen nach oben geben, bis der Mann auch wirklich verschwand. Seine Ohren wurden mit Pop beschallt, einfach alles aktuelle, was im Radio lief. Isaac hatte nie einen anderen Geschmack entwickelt, schließlich hatte man im Dienst keinen Zugriff auf Musik. Das war ihm aber auch nur recht, denn alle Songs waren scheppernd genug, um sämtliche Geräusche auszublenden. Damit saß er auf der Couch und wartete einfach nur.
      Irgendwann kam Kai zurück und drückte ihm ein Handtuch in die Hand.
      “Klamotten aus, Handtuch an, dein Popo auf dem Hocker im Badezimmer. Du darfst dir meine langweiligen Fliesen angucken, aber nicht die Wassereimer. Ich hab sie für den Moment abgedeckt, keine Sorge. Und für ausgleichende Gerechtigkeit, werd ich auch nicht mehr als ein Handtuch tragen.”
      Isaac wollte schon sagen, dass es durchaus okay für ihn war, Wasser anzuschauen, aber da zwinkerte Kai ihm zu und radierte damit alle Gedanken auf einmal aus. Isaac blinzelte und sein Gehirn holte nur langsam damit auf, was das bedeutete. Kai würde auch nackt sein.
      Oh man. Nicht darüber nachdenken. Unter den Klamotten waren sie schließlich alle nackt. Nicht darüber nachdenken. Er ging ins Schlafzimmer und dachte so angestrengt nicht darüber nach, dass es ihm doch im Kopf geisterte.
      Nur noch mit Handtuch und Kopfhörern bedeckt, ging er rüber. Das Handtuch hatte er fest um seine Hüfte geknotet, direkt unter dem kitschigen “Semper Fi”-Tattoo, das er mit dem Zeichen seiner Einheit auf seiner Flanke tätowiert hatte. Gott, war er damals dumm gewesen. Er würde sich das bei Gelegenheit weglasern müssen.
      Als er die Tür öffnete, drang ihm ein feuchter Schwall heißer Luft entgegen. Isaac verzog das Gesicht, wedelte mit der Hand durch den Dampf und schob sich dann ins Innere, bevor er Kais Beschwerde noch über die Musik hören konnte. Alles war heiß und stickig, die Luft so schwer, dass man sie hätte trinken, aber nicht atmen können. Das musste man Kai schon lassen: Er hatte hinbekommen, was er versprochen hatte. Nur wusste Isaac nicht, ob er das nicht schon bereute.
      Er sah den Hocker zuerst, bevor er Kai entdeckte, und bei seinem Anblick wurde ihm der Hals ganz trocken. Dunkle, geschmeidige Haut, die von der Hitze feucht glänzte, attraktive Muskeln, die sich in einer schlanken Taille versteckten, runde, kräftige Schultern. Das Handtuch saß tief genug, um suggestiv zu werden. Haare, die kraus und in alle Richtungen abstanden, aber irgendwie verlieh es Kai einen solch verwegenen Look, dass es alles nur noch besser machte. Isaac gaffte und ging nur langsam zum Hocker hinüber. Fuck! Das war viel schlimmer als nackt sein. Wieso hatte Isaac sich auch auf so ein billiges Porno-Szenario eingelassen?
      Er setzte sich und rückte sein Handtuch zurecht. Pflichtbewusst starrte er die Fliesen an und hatte keine Ahnung, was in seinem Rücken vor sich ging. Die Musik beschallte seine Ohren und er versuchte an keine nackten Kais zu denken oder an die dunkle, weiche Haut seiner Brust. Das gelang ihm erst dann ganz gut, als er Wasser auf seinem Rücken spürte und er allein von der Vorstellung, es ausversehen hören zu können, nervös wurde. Eine Gänsehaut schoss über seinen Körper und unruhig fummelte er an seiner Prothese herum.
    • Himmel, Arsch, und Zwirn! Kai hatte ja schon erahnen können, was da für angeblich untrainierte Muskeln unter den T-Shirts lungerten, aber was Isaac ihm da gerade präsentierte.... vielleicht sollte Kai anfangen Statuen aus Marmor zu machen? Nur damit er eine Ausrede dafür hatte, Isaac öfter Shirt-los anstarren zu können? Michelangelo's David's würde erröten!
      Themenwechsel!
      Isaac setzte sich und starrte pflichtbewusst geradeaus. Kai hatte ja gewusst, dass man dem Mann nur sagen musste, was er zu tun hatte, und schon funktionierte es.
      Kai kniete sich hinter ihn - er hatte sich ein altes Kissen mitgenommen, um das Schlimmste zu verhindern - und griff sich den Waschlappen aus dem ersten Eimer. Er wrang ihn vorsichtig aus und achtete dabei ganz genau auf Isaac. Der hörte nichts - perfekt! Er legte dem Mann eine Hand auf die Schulter -die wohlgeformte, muskulöse Schulter, die dazu einlud, hineinzubei- HALT STOP. Konzentration, Kai!
      Kai legte dem Mann eine Hand auf die Schulter und mit der anderen begann er, kleine, vorsichtige Kreise auf Isaacs Rücken zu ziehen. Der Mann verspannte sich sofort, aber Kai hörte nicht auf, machte nur vorsichtig weiter, bis Isaac sich daran gewöhnt hatte und realisierte, dass da tatsächlich nicht viel fließendes Wasser im Spiel war. Sobald er sich ein bisschen entspannte, wurde Kai mutiger und machte größere Kreise. So arbeitete er sich über Isaacs gesamten Rücken. Dann zückte er Duschgel und rieb den Rücken des Mannes damit ein. Es schäumte ordentlich, aber nichts lief oder tropfte irgendwo hin - genau wie von Kai geplant. Mit Waschlappen Nummer zwei wischte er dann alles ab und Waschlappen Nummer drei erledigte alles, was noch übrig war. Den Prozess wiederholte Kai mit Isaacs Nacken, dann mit seinen Armen. Dann kam er um den Man herum und fragte mit einem einfachen Tippen gegen Isaacs Knie - wie konnte ein Mann attraktive Knie haben?! KNIE!? - ob er die Erlaubnis hatte, Isaacs Beine anzufassen. Das war irgendwie immer nochmal eine Stufe intimer als sowas wie Arme und Rücken. An Isaacs Oberkörper - für den Kai so einige Adjektive parat hatte - wollte er sich erst als letztes wagen.


    • Nach der ersten Berührung wurde es gleich einfacher. Isaac hörte nichts und was auch immer Kai im Hintergrund mit den Eimern anstellte - das interessierte ihn auch gar nicht. Damit begriff er auch, wieso der Mann so darauf bestanden hatte, die Eimer nicht anzuschauen. Wenn Isaac sich nicht vorstellen musste, wie das Wasser tröpfelte, musste er auch nicht unbewusst danach suchen. Stattdessen konnte er ganz der Melodie lauschen.
      Der Waschlappen war angenehm auf seiner Haut und so, so wohltuend, wie Isaac bald bemerkte. Es war wie eine Erneuerung seines Körpers, all die Schichten an Schmutz, die er wieder angesammelt hatte, weggeschrubbt durch Hitze und einen nassen Lappen. Er konnte es sich bildlich vorstellen, wie sich der ganze Schweiß unter Kais akribischem Schrubben löste und das fühlte sich für seinen Kopf genauso gut an wie für seinen Körper. Gelöst schloss er die Augen, zum ersten Mal seit Wochen im Einklang mit sich. Das hier war toll, ein wahrer Segen. Die ganze Welt sah gleich viel besser aus.
      Kai arbeitete sich nach oben zu seinem Nacken vor und dann seine Arme herunter, gemütlich und ohne Eile. Isaac ließ ihn alles machen, ohne noch einmal darüber nachzudenken, bis er das Tippen an seinem Knie spürte. Da öffnete er die Augen und sah direkt in Kais dunkle Augen vor sich. Der Mann kniete vor seinen Beinen.
      Isaac starrte ihn erstmal nur an, unfähig zu begreifen, was er von ihm haben wollte. Kai sah aufmerksam zu ihm auf, sah hinter langen Wimpern empor, das Gesicht eingerahmt von einer Mähne aus Haaren, die dunkle Haut nass, das Handtuch...
      Er wollte seine Beine waschen. Natürlich. Isaac richtete sich auf und lehnte sich etwas nach hinten, weg von ihm. Versuchte nicht zu starren, als Kai eine Hand an sein Bein legte. Seine Haut kribbelte.
      Sein Handtuch begann sich aufzurichten.
      Oh nein.
      Nein.
      Nein.
      Neinneinneinnein, nein. N e i n. Vergiss es. Nein. Nope. Denk nicht mal dran. Denk nicht mal dran. Denknichtmaldran!
      Entsetzt sah er dabei zu, wie sich eine eindeutige Form unter dem Handtuch abhob.
      Süße Katzenbaby. Süße, dumme Katzenbabys. Der Welpe in dem Video, der von der Couch fällt. Ein Soldat - der Sergeant. Der Sergeant beim Morgen-Appell. Kai als Sergeant, in Uniform und mit verschwitzter -
      Nein! Regen! Furchtbarer Regen! Grauenvoller Regen und Tod und Blut und Waffen! Regengeräusche! Ganz viel Regengeräusche!
      Sein Handtuch bewegte sich weiter.
      Fuck!
      "Sorry..."
      Gedemütigt versuchte er irgendwie die Situation in den Griff zu kriegen, ohne dabei seine eigene Stimme hören zu können.
      "Ist, uh, sehr warm..."
    • Isaac machte ihm stumm Platz und Kai machte sich an die Arbeit. Er ging nicht weiter als Isaacs Knie - so intim wollte er in dieser Situation dann doch nicht werden. Außerdem war es umständlich, ständig hinter Isaac zu watscheln, um den Waschlappen auszuwringen und dann wieder vor zu kommen, um weiter zu wischeln, also wollte sich Kai nicht zu lange damit aufhalten.
      "Sorry", meinte Isaac ein bisschen zu laut, als Kai gerade neben ihm in der Hocke saß und sich mit dem Shampoolappen abmühte. "Ist, uh, sehr warm..."
      Kai hatte keine Ahnung, wofür sich Isaac entschuldigte, aber er wollte auch nicht, dass Isaac die Kopfhörer entfernte und sich weiteren Stressern aussetzte, nur weil er eine Frage nicht verstand. Stattdessen kramte Kai in einer Schublade unter seinem Waschbecken herum, bis er einen kleinen Handventilator fand. Er drückte ihn Isaac in die Hand, dann machte er sich daran, Isaacs Schienbein vom Shampoo zu befreien. Sobald er damit fertig war, ging er zur anderen Seite und- WOW! Okay! Dafür entschuldigte sich Isaac also!
      Kai gab sein Bestes, das Handtuch zu ignorieren. Seine Aufmerksamkeit lag sowieso woanders, kein Grund sich damit auseinander zu setzen. War ja auch nur ein natürlicher Prozess, sowas passierte eben manchmal.
      Sollte Kai das als Kompliment nehmen? Nein, sicher nicht. Das hatte garantiert nichts mit ihm zu tun, nein. Das wäre ja seltsam. Oder?
      Kai wrang Waschlappen Nummer drei aus. Es war nur noch Isaacs Oberkörper übrig. Kein großes Ding. Das war ja nur der Rücken von vorne. Nichts seltsames da.
      Kai kniete neben Isaac, Waschlappen Nummer eins in der Hand. Er erregte Isaacs Aufmerksamkeit, deutete auf den Lappen, dann auf Isaacs Brust. Wieder fragte er stumm nach Erlaubnis.


    • Isaac kam sich unheimlich dämlich vor, wie er da saß, mit einer Hand versuchte, sein Handtuch flach zu halten, mit der anderen einen viel zu kleinen Handventilator hielt und sich von Kai waschen ließ. Gott, war das peinlich. Er hatte so sehr über das Waschen nachgedacht und darüber, ob er damit zurechtkommen würde, dass er sich nicht mit anderen Problemen beschäftigt hatte. Wie konnte er auch so naiv sein zu glauben, er würde es mit einem fast nackten, schwitzenden Mann in einem Raum aushalten? Und dann auch noch jemand wie Kai?
      Besagter Jemand schien bemüht darum, das Problem nicht zu bemerken, aber das machte es nicht wirklich besser. Er tippte Isaac wieder an, um diesmal seine Brust zu waschen, und Isaac nickte nur. Er streckte seinen Oberkörper, damit es keine Kollisionen gab, und schaute dann ganz gezielt die Wand an der Seite an. Ja, eine schöne Wand, eine tolle Wand. Gott, war das dämlich.
      Plötzlich konnte es ihm nicht schnell genug vorbei sein. Der Schweiß kam nur noch teilweise von den heißen Dämpfen und ansonsten von seinem eigenen Stress. Ob Kai ihn dafür verurteilen würde, gerade dafür? Das wäre das schlimmste. Gerade bei dem Mann, der noch keinen einzigen Kommentar über seinen Gestank gemacht hatte, wäre es ganz besonders schlimm, wegen so etwas die Freundschaft zu verlieren. Wieso hatte er auch nicht nachdenken können!
      Kai beugte sich wieder hinter ihn, um den Waschlappen ins Wasser zu tauchen, und da Isaac die Routine mittlerweile gut genug kannte, wusste er auch, dass Kai fertig war. Er drehte sich zu ihm um und deutete schüchtern auf den Waschlappen.
      "Kann ich...?"
      Kai gab ihn ihm und Isaac wartete voll brennender Scham, bis er ihm außerdem Privatsphäre ließ, ehe er das Handtuch fallen ließ und sich auch zwischen den Beinen wusch. Gott, schlimm war das, wirklich schlimm. Er kniff sich so fest in den Nasenrücken, bis es wehtat. Dumm.
      Den Waschlappen wusch er nicht wieder aus; Kai hatte sich eine solche Mühe gegeben und die wollte er ihm nicht durch Gedankenlosigkeit wieder zerstören. Er legte ihn ordentlich auf dem Eimerrand ab, dann wickelte er sich das Handtuch wieder um und flüchtete nach draußen zu seinen Klamotten. Frische Kleidung auf gewaschenem Körper tragen, darauf konnte er sich jetzt konzentrieren und nicht, was ihm im Bad passiert war. Furchtbar.
    • Kai gab sich größte Mühe, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Er hatte seiner Mutter oft genug geholfen und in den Jahren danach auch genug anderen Leuten, um sich von sowas nicht beirren zu lassen. Klar, es war eine Überraschung gewesen, aber eigentlich nur, weil er im Augenblick nicht daran gedacht hatte. Dann war es eben passiert, was war schon dabei? Konnte ihm ja genauso gut passieren.
      Als er fertig mit Isaacs Oberkörper war, fasste der sogar den Mut, sich selbst am Saubermachen zu versuchen. Kail lächelte bloß und reichte Isaac den Waschlappen, bevor er demonstrativ aufstand und sich abwandte. Sein Spülkasten könnte einen neuen Anstrich gebrauchen, fiel ihm dabei auf.
      Sobald Isaac fertig war, stürmte er aus dem Badezimmer. Naja, vielleicht waren sie doch noch nicht an dem Level von friedlicher Körperhygiene angekommen. Aber er hatte es komplett von Anfang bis Ende durchgestanden und das war ein enormer Fortschritt!
      Kai machte sich daran, so leise wie möglich aufzuräumen. Er kippte die Eimer aus und warf die Waschlappen in die Waschmaschine. Dann sprang er selbst in Windeseile unter die Dusche. Keine fünf Minuten später war er schon wieder fertig und riss das Fenster auf, um die ganze angestaute Hitze und Luftfeuchtigkeit wieder loswerden zu können.
      Es folgte der schlimmste Teil: Haare kämmen. Kai schaffte es ungefähr bis zur Hälfte seines Schädels, bevor er sich mit der Bürste in einem fetten Knoten verhedderte - Autsch! Er schaffte es mit viel Gefluche, die Bürste zu lösen. Schlussendlich hatte er sich aber durch alles durchgearbeitet, was seine Haare hoffentlich ein bisschen ordentlicher aussehen ließ. Er musste sie trotzdem nochmal abtrocknen, weil durch das Kämmen nochmal gefühlt sieben Liter Wasser herausgekommen waren - und er konnte ja schlecht vor Isaac tropfen.
      Mit einem Handtuch um den Hüften und einem weiteren, mit dem er vorsichtig die Spitzen seiner Haare bearbeitete, kehrte er in sein Wohnzimmer zurück, um nach Isaac zu sehen.
      "Alles okay?" fragte er den Mann.


    • Kai brauchte noch länger im Bad und in der Zwischenzeit kühlte Isaac aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Er schaffte es, seine untere Hälfte in den Griff zu kriegen, und dann bekam er es auch noch hin, sich selbst einzureden, dass alles in Ordnung war. Es war einfach zu heiß dort drin gewesen, ja. Zu heiß und zu feucht; wer wurde da nicht schon… naja, sowas eben. Und wenn Kai dann auch noch vor ihm kniete, mit unfassbar hübschen Augen, die Haare in einem wilden Chaos um sein Gesicht, in das man gut reingreifen konnte, reingreifen und…
      Genau deswegen war es so gut, dass Kai so lange brauchte. Isaac brauchte nämlich auch so lange.
      Schließlich hatte er sich angezogen, hatte sich im Griff und zufällig eine Decke gefunden, die überraschend flauschig war. Normalerweise wäre er nicht sauber genug für sowas gewesen - er wollte sie schließlich nicht beschmutzen - aber diesmal war alles an ihm gewaschen und mit einem Anflug von kindlicher Freude nahm er die Decke und verzog sich damit ins Wohnzimmer. Dort saß er dann, halb in die Decke gewickelt, als Kai letztlich aus dem Bad herauskam, ein Handtuch um die Hüfte, das andere an den Haaren. Isaac war erleichtert, dass er bei seinem Anblick nicht wieder die Kontrolle verlor. Es war letztlich doch das Bad gewesen, doch, ganz sicher.
      “Alles okay?”, fragte Kai.
      “Alles okay. Ich fühl mich gut.”
      Er lächelte knapp und streichelte mit seiner richtigen Hand die Flauschdecke.
      “Hat alles geklappt. Und sorry für… uhm… nimm das einfach nicht persönlich. War nur alles… intensiv.”
    • "Alles okay. Ich fühl mich gut. Hat alles geklappt. Und sorry für... uhm... nimm das einfach nicht persönlich. War nur alles… intensiv."
      "Hm? Oh, okay. Kein Ding."
      Kai zuckte mit den Schultern. Es war wirklich kein großes Ding, wie er jetzt im Nachhinein bemerkte. Naja, eigentlich hatte er das schon in dem Augenblick bemerkt, in dem es ihm aufgefallen war. Aber in dem Moment war er einfach überrascht gewesen. Jetzt, mit geordneten Gedanken, war das viel klarer.
      "Ist ja nichts, was ich nicht schon gesehen hätte," scherzte Kai mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. "Such 'nen Film aus, wenn du nicht zu müde bist. Ich geh mir was anziehen."
      Kai verschwand den Flur hinunter in sein Schlafzimmer und buddelte sich durch seine Klamotten, bis er ein paar bequeme Haaremshosen fand. Er schlüpfte hinein und warf sich noch ein Tanktop über.
      Zurück im Wohnzimmer ließ er sich bewaffnet mit einer frischen Rolle Tape, einer Schere und einer Bürste auf die Couch neben Isaac fallen.
      "Und? Was gucken wir?" fragte er, während er begann, das Tape zurecht zu schneiden.
      Kai beschäftigte sich damit, die Stücke zu schneiden, die Ecken abzurunden und dann sein Handgelenk zusammenzukleben. Es fühlte sich sofort besser an und würde sich über die nächsten Tage nur noch weiter verbessern. Sobald das getan war nahm er den epischen Kampf gegen seine eigenen Haare auf. Sie jetzt durchzubürsten würde sie zwar nicht viel besser aussehen lassen - nur eine andere Art von furchtbar - aber es musste gemacht werden, gerade nach dem Wetter der letzten Woche. Vielleicht sollte er ein zweites Bild malen, wie er sich mit einem Haardrachen auseinander setzte? Das wär' doch mal was.


    • Kai nahm das alles nicht so ernst, wie Isaac befürchtet hatte, und das erleichterte ihn dann doch. Er ließ sich gegen die Lehne sinken und suchte pflichtbewusst nach einem Film.
      "Und? Was gucken wir?"
      Kai kam zurück und setzte sich mit Tape neben ihn. Isaac sah kurz hinüber um zu sehen, wie er es zurecht schnitt. Wegen seinem Handgelenk, ja natürlich. Dieses ganze Kunststück hätte er mit dem Handgelenk wirklich nicht machen sollen, so beeindruckend es auch gewesen war.
      "Matrix." Isaac zögerte. "Das hat keinen Regen, oder?"
      Sicher war er sich da selbst nicht, aber er ging das Risiko ein. So gewaschen wie er war mit der frischen Decke, fühlte er sich wie neugeboren, als könne er alles schaffen. Da war ihm auch das Risiko nicht mehr so hoch wie sonst.
      Im Übrigen war er sowieso noch müde, trotz des vierstündigen Mittagschlafs, den er hinter sich hatte. Er setzte sich ein wenig zurecht, beide Füße auf dem Boden, die Beine leicht auseinander gestellt, die Decke um seinen Oberkörper gewickelt. Nach fünf Minuten legte er den Kopf auf der Lehne ab und nach weiteren zwanzig war er auch wieder eingeschlafen, den Nacken unangenehm überstreckt. Es machte ihm alles nichts; mit der Anstrengung des Tages hätte er genauso gut auf dem Boden schlafen können.
      So bekam er aber zumindest nicht mit, dass es tatsächlich ein paar Wassergeräusche im Film gab.
    • Kai hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass Isaac den gesamten Film wachbleiben würde. Als er das leise Schnarchen neben sich hörte, lächelte er daher nur.
      Kai schaltete den Fernseher aus und räumte ein bisschen auf, bevor er Isaac vorsichtig aus seiner sitzenden Position in eine liegende beförderte. Das Sofa war zwar deutlich zu klein für den Mann, aber liegen war immer noch besser als sitzen, wenn er so die nächsten acht Stunden verbringen würde.
      Kai deckte den Mann zu, dann ging er selbst ins Bett. Alles in allem war der Tag ein deutlicher Erfolg gewesen.

      Am nächsten Tag war Drill Sergeant Kai wieder am Werk: Er stellte eine weitere Maschine Wäsche bei sich an und stellte Isaac dann dazu ab, den Müll rauszubringen. Während Isaac außer Haus war, füllte Kai die Gläser und Schüsseln in der Spüle mit Wasser zum Einweichen. Als Isaac wieder da war, waren keine Geräusche von Wasser mehr zu hören.
      "Jetzt, wo dein Sofa sauber ist, kannst du da super deine Wäsche zusammenlegen. Ist auch gut für deine Feinmotorik - kannst also vor deinem Physiotherapeuten damit angeben, dass du tatsächlich deine Hausaufgaben gemacht hast. Und vor deiner Psychologin, dass du dich an deine Physio-Anweisungen gehalten hast. Drei Fliegen, eine Klatsche. Hopp Hopp."
      Während Isaac brav faltete, räumte Kai derweil den Kleiderschrank auf, damit Isaac überhaupt was davon hatte. Sobald das erledigt war, packte er Isaac die Kopfhörer auf den Kopf und drückte ihm den Staubsauger in die Hand. Der Lärm war genug, dass Kai schnell spülen konnte.
      Und das war es eigentlich auch schon. Das Geschirr war sauber, die Wäsche auch. Kai schrubbte hier und da ein paar Flecken auf dem Boden mit seinen Feuchttüchern weg, nachdem Isaac fertig war mit saugen. Jetzt mussten nur noch die Kisten ausgepackt werden.
      Kai betrachtete den Haufen, den sie an der Wand geparkt hatten. Aber das war ein Problem für wann anders.
      Stattdessen schlenderte Kai zur Eingangstür rüber - die neue kam in einer Stunde - und zückte sein Smartphone.
      "Aller liebste Dr. von und zu Harver," sagte er in die Kamera. "Die Früchte unserer Arbeit!"
      Er drehte die Kamera und machte einen schnellen Rundgang durch das Apartment - wobei er sich einen kleinen Zoom auf Isaacs errötendes Gesicht nicht verkneifen konnte.
      "Und ja, Isaac hat mitgemacht. Ich hab nur die Koordination und das Spülen übernommen. Wäsche waschen wir gerade noch. Und das da," er deutete auf die Tür, die er gerade filmte, "wird gleich repariert."
      Kai beendete das Video und schickte es an Isaac, damit dieser damit vor seiner Therapeutin angeben konnte.
      "So," meinte er. "Das sollte sie fürs erste zufriedenstellen. Willst du noch ein, zwei Kisten auspacken oder machen wir Feierabend für heute und warten noch auf deine Tür und die Wäsche?"


    • Am zweiten Tag war Isaac sogar noch erschöpfter als am ersten. 12 Stunden Schlaf hatten nicht ausgereicht, um seine Müdigkeit zu lindern - er hätte gut und gern nochmal drei Stunden schlafen können. Nur stellte Kai erbarmungslos seine Waschmaschine an und stellte Isaac damit vor die Wahl: Entweder Müll rausbringen oder seine mentale Verfassung aufs Spiel setzen. Isaac stöhnte lange und gequält.
      Also war er zumindest von Kais Couch auf seine gewechselt, die jetzt, von dem Müll befreit, gar nicht mal so ungemütlich war. Er hätte direkt weiterschlafen können, saß aber nur da, die Ellbogen auf den Knien aufgestützt, und ließ den Kopf hängen.
      "Jetzt, wo dein Sofa sauber ist, kannst du da super deine Wäsche zusammenlegen", sagte Kai fröhlich von der Küche aus. Isaac hoffte für einen Moment, dass der Mann ihn vergessen würde, wenn er sich nicht rührte. Wie diese einen Raubtiere - Schlangen vielleicht. Isaac wusste es nicht.
      Kai war aber wohl keine Schlange.
      "Ist auch gut für deine Feinmotorik - kannst also vor deinem Physiotherapeuten damit angeben, dass du tatsächlich deine Hausaufgaben gemacht hast. Und vor deiner Psychologin, dass du dich an deine Physio-Anweisungen gehalten hast. Drei Fliegen, eine Klatsche. Hopp Hopp."
      Isaac brummte nur freudlos. Er blieb sitzen, während Kai in seinem Schlafzimmer verschwand, dann wurde er sich gewahr, dass Kai wahrscheinlich einfach weiter aufräumen würde, wenn Isaac es nicht zustande bekam. Er würde das ganze Apartment für ihn aufräumen - und Isaac würde wie ein Idiot rumsitzen und ihm dabei zusehen. Entweder, er bekam also seinen faulen, unfähigen Arsch hoch, oder er war der schlimmste Freund in der Geschichte aller Freunde, der jemanden wie Kai einfach schamlos ausnutzte. Seine Wahl.
      "Oh mein Gott", flüsterte er. Dann stemmte er sich hoch, ein Kraftakt unermesslicher Ausmaße, ein Triathlon mit nur zwei Armen, ein Kletterzug zum Mond und wieder zurück, und machte sich an die Wäsche. Und im Anschluss daran an unenthusiastisches Saugen. Und dann - dann waren sie eigentlich fertig. Abgesehen von den Kisten und den Ecken hinter den Kisten, die sie nicht erreicht hatten, waren sie fertig.
      Das Apartment sah aus wie bei seinem Einzug. Ein Zeitsprung, drei Monate in die Vergangenheit.
      Isaac stand mit den Händen in den Hüften hinter seiner Couch und sah sich um. Das Fenster stand offen, das Spinnennetz entfernt, und eine sanfte Brise strömte herein, der Geruch von klarer, frischer Luft. Sie hatten es geschafft - fast geschafft. Aber zumindest war Isaac jetzt wieder dort, wo er angefangen hatte.
      "Aller liebste Dr. von und zu Harver", sagte Kai hinter ihm und Isaac drehte sich um. "Die Früchte unserer Arbeit!"
      Kai hatte sein Handy in der Hand und drehte es in der offensichtlichen Geste einer Kamera. Isaac stöhnte und schirmte sein Gesicht mit seiner Hand ab. Er wollte nicht gesehen werden wie... wie auch immer er gerade aussah. Irgendwann zwischen dem gestrigen Duschen und jetzt hatte er sein Selbstbild verloren. Es war aber sicherlich nicht gut genug, um in einem Video zu verewigen.
      "Und ja, Isaac hat mitgemacht. Ich hab nur die Koordination und das Spülen übernommen. Wäsche waschen wir gerade noch. Und das da wird gleich repariert."
      Er nahm das Handy wieder runter und wandte sich Isaac gutmütig zu.
      "So. Das sollte sie fürs erste zufriedenstellen. Willst du noch ein, zwei Kisten auspacken oder machen wir -
      "Feierabend."
      "- Feierabend für heute und -
      "Nur Feierabend!"
      " - warten noch auf deine Tür und die Wäsche?"
      "Achso. Ja."
      Das war das einfachste von allem. Währenddessen konnte er sitzen und gar nichts tun. Seine Knochen waren schwer und seine Muskeln völlig verausgabt. Wenn er gekonnt hätte, hätte er gleich wieder geschlafen.
      Sie warteten die Tür ab, holten die Wäsche und dann half Kai zumindest beim Zusammenlegen, bevor sie sie in den Kleiderschrank beförderten. Mehr mutete Isaac sich nicht zu - er befand sich schon jetzt an der Grenze seiner Kräfte. Mit einer gewissen Wehmut, jetzt nicht mehr in Kais extravaganter Wohnung zu schlafen, verabschiedete er sich an der Tür von ihm. Als er aber erstmal im Bett lag und die gewaschene Bettwäsche über seine Schultern zog, war dieser Gedanke auch schnell wieder vergessen. Er schlief ein und schlief sieben weitere Stunden lang.

      "Ich weiß ganz genau, wieso ich nicht ausgepackt hab. Was soll ich mit dem ganzen Zeug?", sagte er missmutig, als Kai am nächsten Tag wieder bei ihm war. Er war zwar zurück am Anfang dieser drei Monate, aber das hieß nicht, dass es diesmal leichter ging. Im Gegenteil, Isaac war schon wieder dazu geneigt aufzugeben, wenn er daran dachte, wie seine Wohnung wieder werden würde. Denn er glaubte wirklich nicht daran, dass er diesen Grad an Sauberkeit aufrecht erhalten konnte - auch, wenn er an diesem Morgen sein Bett gemacht hatte. Alte Gewohnheit eben, die sein Sergeant ihm eingeprügelt hatte.
      "Das meiste ist noch von meiner Zeit im College. Ich brauch das Zeug nicht."
      Außerdem fürchtete er sich davor, dass Kai seine Buchreihe Unter dem Sternenhimmel finden würde. Das war einfach peinlich; er sollte Sci-Fi lesen und keine schnulzigen Romanzen.
      Unter Kais Kommando widmete er sich aber doch einer Kiste, öffnete sie und zog willkürlich ein paar Sachen heraus. Alte Deko-Stücke, Band Merch, Baseball-Ausrüstung. Das hatte er ewig nicht mehr gespielt.
      Ganz unten fand er seinen Schmuck und nach kurzem Zögern zog er die kleine Schatulle heraus. Er öffnete sie zu ein paar eleganten Silberringen, einer feinen Kette, Ohrringen. Das war nun wirklich lange her, aber er nahm ein paar der Ringe und steckte sie sich an die Hand. Sie passten noch, auch wenn sie sich komisch anfühlten. Er hatte zu lange darauf achten müssen, dass seine Hände frei blieben.
      Er stand auf, drehte sich zu Kai um und zeigte ihm seine Hand.
      "Hey, was hältst du davon?"
      Zum Vergleich hob er die andere, wackelte mit den eisernen Fingern und schaute zwischen menschlicher und stählerner Hand hin und her.
      "Das ist komisch, glaub ich."
    • Kai saß im Lotussitz auf einem ausgelutschen Kissen, das er aus seiner Wohnung mitgebracht hatte, auf dem Boden neben Isaac. Zwischen ihnen stand eine der vielen Umzugskisten, die der Mann noch auszupacken hatte.
      "Ich weiß ganz genau, wieso ich nicht ausgepackt hab. Was soll ich mit dem ganzen Zeug?"
      "Keine Ahnung. Du hast es doch eingepackt."
      Kai zog einen Baseball aus der Kiste. Er warf ihn ein paarmal hin und her, dann legte er ihn beiseite.
      "Das meiste ist noch von meiner Zeit im College. Ich brauch das Zeug nicht."
      "Dann sortier's und werd's los. Spenden, verkaufen, Müll."
      Isaac zog einen Wackelkopf von irgendeiner Band aus der Kiste. Zumindest nahm Kai an, dass der Wackelkopf von einer Band stammte; die Figur hielt eine Gitarre in der Hand. Kai fand den Handschuh, der zu dem Baseball gehörte. Und dann die restlichen Wackelköpfe der Band.
      "Hey, was hältst du davon? Das ist komisch, glaub ich."
      "Hm?"
      Kai betrachtete Isaac mit seinen Ringen. Das war...
      "Komisch? Ich würde das eher heiß nennen."
      Kai beugte sich über die Kiste und betrachtete den Rest, den Isaac in einer kleinen Box hatte. Da waren ein paar richtig coole Stücke drin!
      Er schnappte sich ein paar der Ohrringe und hielt sie probeweise an Isaac. Er hatte ja gewusst, dass das Ohrlöcher waren!
      "Gehen die noch durch?" fragte er. "Wenn ja, dann bist du gesetzlich dazu verpflichtet, welche zu tragen. Und wenn die nicht mehr durchgehen, dann müssen wir das sofort ändern!"