Between Fangs and Claws [Kürbis vs Dämon]

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    • Mit einem Schulterzucken ließ sich Cal auf einer der Bänke nieder.
      "Du hast nie gefragt," gab er schlicht zurück.
      Das Grinsen wich aus seinem Gesicht und wurde ersetzt durch einen Ausdruck der Ernsthaftigkeit, den er nur selten trug. Cal war viel lieber locker und entspannt unterwegs. Ernst lag ihm einfach nicht - was nicht hieß, dass er das nicht konnte.
      "Karten auf den Tisch: ich hab dich nicht angelogen. Alles, was ich gesagt habe, habe ich auch so gemeint."
      Er hielt sich mit Details zurück - was hatte er gesagt? Wann hatte er es gesagt? Wann und wo waren sie sich vorher schon einmal begegnet? - weil er ganz genau wusste, dass die Vampire, die da Löcher in seinen Rasen standen, durchaus hätten zuhören können. Bestimmte Teile zu verschweigen war gesünder, sowohl für ihn als auch für Ilya.
      Cal lehnte sich zurück und breitete die Arme auf der Rückenlehne der Bank aus. Er ließ den Blick durch den Park schweifen, der vollkommen leer war. Normalerweise tummelten sich hier selbst um diese Zeit noch ein paar Wölfe, aber nicht heute Nacht.
      "Also: was wollen deine Leute von uns?"


    • Ilya

      Sie ging nicht weiter auf seinen Kommentar ein. Er hatte sie nicht angelogen, das stimmte. Dass sie nicht nachgefragt hatte stimmte auch. Am Ende hätte es ja doch nichts geändert. Nur das kleine stechende Unwohlsein, dass er sehr viel mehr über sie wusste, als sie über ihn, das nagte sie jetzt. Aber dafür war sie nicht hier. Zumindest nicht heute.
      "Die Chinesischen Wesen versuchen Drogen unter die Menschen zu mischen. Wir wissen noch nicht genau ob es nur dreckiges Kokain ist, aber es ist potent." Ilya lehnte sich ein wenig zurück, ließ ihren Blick über ihn gleiten. Verdammt, selbst in den Alltagsklamotten sah er immer noch gut aus. Schlimm. Diese Wölfe. Vor allem weil hier insgesamt alles gar nicht so schlimm roch, wie sie erwartet hatte.
      "Ein paar unabhängige Vampire sind wohl schon betroffen gewesen." Ihr Miene blieb neutral, auch wenn das was sie hier sagte ziemlich harter Tobak war.
      "Wir wissen nicht, wie es bei euch aussieht, aber Vampire haben normalerweise keine Nebenwirkungen von gewöhnlichen Drogen. Bis lang ist auch noch nicht sicher, ob es ein gezielter Angriff ist oder einfach nur ein Zufall. Aber das kann so nicht bleiben. Der Rat will, dass die Wölfe und Vampire zusammenarbeiten bevor der Schaden zu groß wird."


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    • China und Drogen. Toll. Das war normalerweise genau der Kram, mit dem sich sein Onkel beschäftigte. Cal wusste nichts von China, er wusste kaum was über Drogen. Das Rudel handelte nicht in Drogen, abgesehen von Gras, aber das war ja gerade auf dem besten Weg, ein legitimes Business zu werden. Das Rudel beschäftigte sich viel eher mit allem, was Gewalt beinhaltete. Mochte man kaum glauben, wenn man in den friedlichen Vierteln des Territoriums unterwegs war und Welpen offen auf der Straße herumspielen sah. Waffenhandel, Söldnerarbeit, gelegentlich das ein oder andere Geschäft mit nicht ganz legal erworbener Kunst. Drogen standen ganz unten auf der Liste, wenn überhaupt. Drogen waren nichts, womit sich Cal auskannte. Allerdings kannte er sich mit etwas anderem aus: wie er sein Rudel beschützen konnte.
      "Warum sollten mich Vampire, die ein bisschen high sind, interessieren? Meine Leute haben mit eurem Drogengeschäft nichts zu tun. Soweit ich weiß, ist das der Deal, den wir haben: wir mischen uns nicht in eure Drogengeschäfte ein, ihr haltet euch aus unseren Waffendeals raus. Solange China also nicht plötzlich anfängt, Maschinengewehre in die Stadt zu schaffen," was sie nicht konnten, weil der gesamte Hafen von beiden Seiten strikt kontrolliert wurde, "ist das kein Problem für uns."
      "Sei nett, hör dir ihr Angebot an, mach dein eigenes," hörte er die Stimme seines Onkels. Okay, das konnte er. Das war nicht so schwer.
      "Was genau stellt sich dein Rat denn vor, was wir tun sollen?"


    • Ilya

      Ilya ließ sich noch ein Stück tiefer in den Sitz sinken, überschlug elegant die Beine, während ihr Blick auf Calder ruhte. Ihre Stimme blieb ruhig, nüchtern, fast schon beiläufig, als wäre das hier bloß ein kleines Geschäftstreffen. War es ja auch im Endeffekt. Nur mit mehr auf dem Spiel als ein einfacher Deal zwischen Investoren.
      "Der Rat will Zusammenarbeit, Calder. Nicht nur hier und da mal ein freundliches Nicken, sondern echten Austausch. Informationen, Kontrollen, klare Absprachen. Wir haben uns bisher gut daran gehalten, unsere Geschäfte sauber zu trennen. Euer Revier, unsere Viertel. Aber das hier... das betrifft uns alle. Oder wird es früher oder später." Sie hob eine Hand, als wolle sie betonen, dass sie selbst das nicht erfunden hatte. Aber nach gestern Abend? Da musste er eigentlich schon wissen, dass sie ihn nicht anlügen würde. Nicht hier, nicht in dieser Situation und schon gar nicht über etwas, was ihre beiden Seiten so extrem betraf.
      "Die Kontrollen an den Grenzposten, die Wareneinfuhr, selbst die kleineren Händler in den neutralen Zonen… das alles muss enger überwacht werden. Ohne euch kommen wir da nicht weit. Und ehrlich gesagt-" Sie ließ die Hand wieder sinken, seufzte leise. Ihre Miene, bisher kühl und makellos, bekam einen feinen Riss.
      "Ein Vampir ist gestorben, Calder." Sie sprach es ohne Umschweife aus, ohne Zögern. Zögern half hier nicht weiter. Und Verschweigen was passiert war auch nicht. "Nicht weil man ihm das Herz ausgerissen hat, nicht weil ihm jemand den Kopf abgetrennt hat. Sondern weil er so im Rausch war, dass er nicht bemerkt hat, als er von einem Haus stürzte." Einen Moment lang schwieg sie, bevor ihre Augen sich wieder direkt auf seine hefteten. "Ob er gefallen ist oder gestoßen wurde, spielt am Ende keine Rolle. Vampire sterben nicht von einem einfachen Sturz. Und Vampire werden auch nicht so high, dass sie nicht mehr landen können."

      Ein bitteres Lächeln zuckte um ihre Lippen. "Wir haben ein echtes Problem, Calder. Und diesmal geht es nicht nur um Politik."


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    • "Ein Vampir ist gestorben, Calder."
      Shit. Warum hatte er davon nichts gewusst? Hatte sein Onkel davon gewusst?! Sollten sie eigentlich. Es mochte zwar nicht so erscheinen, aber wenn ein Vampir starb, dann betraf es das Rudel, denn es gab nur eine Fraktion in der Stadt, die vom Tod eines Blutsaugers profitieren würde: die Wölfe. Normalerweise waren die Vampire auch schnell darin, sie zu beschuldigen. Interessant, dass sie es dieses Mal nicht getan hatten. Sie mussten wissen, dass das Rudel nichts mit China am Hut hatte. Hm.
      "Wir haben ein echtes Problem, Calder. Und diesmal geht es nicht nur um Politik."
      Da hatte sie Recht. Wenn jemand Vampire umbrachte - oder zumindest deren Tod in Kauf nahm, um Profit zu schlagen - dann ging es nicht mehr um Sesselfurzer, die ihre Macht etablieren wollten. Dann ging es um Leben. Und wer Vampire tötete, schreckte nicht davor zurück, Wölfe in Gefahr zu bringen, auf die ein oder andere Art.
      Er lehnte sich vor und stützte sich mit den Ellenbogen auf die Knie. Eine Haarsträhne fiel aus seinem Zopf; er strich sie sich schnell hinters Ohr.
      "Informationen, Kontrollen, klare Absprachen," wiederholte er ihre Worte. "Wir haben keine Infos über die Chinesen, das kann ich dir direkt sagen. Unser Revier ist frei von Drogen, das kontrollieren wir. Absprachen... wir haben ja gerade eine. Ehrlich, ich versteh nicht, was genau wir machen sollen, Ilya."
      Es fühlte sich seltsam an, ihren Namen zu benutzen. Irgendwie... angenehm.
      "Euer Problem sind dreckige Drogen von unbekannter Quelle. Sowas kann man nicht mit Waffengewalt beenden."
      "Hör dir ihr Angebot an, mach dein eigenes."
      "Wenn ihr einen der Dealer findet, können wir versuchen, sein Zeug zu verfolgen."
      Sein Rudel war nicht nur für ihre Waffen bekannt. Sie waren auch herausragende Tracker. Egal ob mit der Nase am Boden oder durch digitale Kanäle, seine Wölfe fanden immer wonach sie suchten, sobald sie die Spur aufgenommen hatten. Immer. Cal selbst hatte eine nicht zu verachtende Erfolgsquote.
      "Dafür müssten wir aber in euer Revier. Wir müssten uns frei bewegen können, weil wir nicht vorhersehen können, wohin uns die Spur führt. Ich kann außerdem anbieten, verstärkt in der neutralen Zone zu patrouillieren, damit ihr eure Kräfte zusammenziehen könnt für irgendwelche internen Untersuchungen. Das Zeug muss ja irgendwie in die Stadt kommen."


    • Ilya
      Ilya hob eine schmale Braue, während Calder sprach. Ihr Name auf seiner Zunge war fremd, aber nicht unangenehm, und der Ernst in seiner Stimme war wie ein frischer Windzug inmitten all der abgestandenen Politik, die sie gewohnt war.
      "Frei bewegen." Sie wiederholte die Worte langsam. Fast als würde sie sie auf der Zunge zergehen lassen, um ihren Geschmack zu prüfen. Eigentlich war sie eher am überlegen, wie viel sie hier zugestehen konnte ohne den Kopf direkt abgerissen zu bekommen. Dass die Lage ernst war, wussten sie mittlerweile alle. Also konnte man ihr doch kaum verübeln, wenn sie mit offenen Karten spielte, oder? Ilya nickte sacht, legte aber eine Hand auf die Armlehne, als wolle sie damit etwas abstützen.
      "Das ist machbar." Ihre Stimme blieb kühl, aber ein geübtes Ohr hätte das winzige Flackern von Zurückhaltung hören können. "Das Problem ist vermutlich eher die Logistik dahinter, als die bloße Zustimmung. Dafür habe ich zu wenig Zugang." Sie lehnte sich einen Hauch vor, das kalte Lächeln diesmal spürbar weicher, ehrlicher. Wenn ihr Vater hier gesessen hätte wäre die ganze Situation vermutlich eine ganz andere. Mehr Informationen, ja, aber genauso auch mehr posiere, mehr Machtimposanz. Das war hier nicht gewünscht und nicht hilfreich. Das hatte man gewusst. Deshalb war sie hier. Also würde sie eben genau das machen, was man von ihr verlangte.
      "Wenn du wirklich einen dieser Dealer finden kannst, Calder, dann könnte das hier größer sein als alles, worüber wir in den letzten Jahrzehnten verhandelt haben. Und wenn wir Glück haben, gibt es nur ein paar Köpfe, die wir abschlagen müssen."
      Ein leiser Seufzer, der kurz ihre mühsam aufrecht erhaltene Maske verrutschte. "Wir haben ein paar Vampire, die dran sind. Ich denke es macht mehr Sinn wenn wir ein Team bilden. Wenn das irgendwie geht. Nicht alle sind so gut...auf euch zu sprechen. Und ich erwarte auch nicht, dass es bei euch anders aussieht."


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    • Cal lachte leise, schüttelte den Kopf. Er lehnte sich wieder zurück, entspannter, als es diese Situation vielleicht erforderte.
      "Teams bilden, ja klar. Ich weiß genau, wie das endet. Deine Leute wollen den Ton angeben, weil wir uns auf ihrem Boden bewegen, woraufhin meine Leute zu mir kommen und sich beschweren, dass man ihnen eine Leine angelegt hat und sie ihren Job nicht tun können. Woraufhin ich mich bei dir beschweren komme, woraufhin du deine Leute anscheißen musst, die dann wiederum keinen Bock darauf haben, mit meinen Leuten zusammenzuarbeiten."
      Die wenigen Male, die es zu Zusammenarbeiten zwischen ihren beiden Seiten gekommen war, hatten alle so geendet, nur mit anderen Namen im Spiel. Dieses Mal würde nicht anders werden. Worst case scenario: irgendjemand wurde in Einzelteile zerlegt. Und das konnten sie nun wirklich nicht haben.
      "Wenn meine Leute einfach machen könnten, dann würden wir einen dieser Dealer ruckzuck finden. Wenn du Leute hast, die einfach nur zugucken können, spricht nichts dagegen, einfach loszulegen. Wenn nicht... keine Ahnung. Ich würd's ja selbst machen, aber das wird dein werter Herr Papa wahrscheinlich noch weniger zulassen, nehme ich an."
      Er zuckte mit den Schultern, ließ den Blick durch den Park zu Ilyas Babysittern wandern. Die standen da wie die Men in Black. Sah unbequem aus. Und wer trug schon Sonnenbrillen in der Nacht?
      "Ich mach das übrigens nicht kostenlos, das weißt du hoffentlich? Das ist euer Problem, das ich da für euch lösen soll. Dafür will ich was."


    • Ilya
      Ilya atmete einmal langsam durch, während Calder sprach. Natürlich hatte er recht. Ihre Leute würden sich nicht führen lassen, schon gar nicht von Wölfen, die jünger waren als selbst die jüngsten Vampire in ihrem Gefolge. Auch von ihr ließen sie sich nicht so viel sagen, wie man es erwarten würde. Reinblütig hin oder her. Ihr Name trug zwar Gewicht, aber nicht genug, um jahrhundertealte Egos zu brechen. Zumindest nicht ohne ein bisschen vampirische Hilfe.
      "Ich weiß." seufzte sie schließlich während sie ihren Blick nochmal über ihn gleiten ließ. Wäre schöner gewesen jetzt in der Nacht auf der Terasse von gestern zu sitzen und nicht hier, beobachtet von unzähligen Augen. Ein flüchtiges, kaum sichtbares Zucken zuckte um ihre Lippen, aber es war nicht wirklich ein Lächeln, eher eine resignierte Regung. "Wenn meine Leute mir zu hören, dann nur weil sie es wollen und nicht weil sie es müssen. Ich kann ein bisschen spielen, aber das wird nicht genug sein um ein kooperierendes Team auf die Beine zu stellen. Und ich bin auch nicht so blöd um zu verlangen, dass deine Leute unter uns arbeiten."
      Ihre Augen glitten kurz zu den Babysittern, die wie Schatten am Rand standen. Stocksteif wie immer, als seien sie direkt aus einem schlechten Film gefallen. Manch einer war es vielleicht auch. Oder manch einer war zumindest die Grundlage einer der schlechten Filme. "Was ich dir zusichern kann, ist, dass wir zumindest versuchen werden, euch nicht im Weg zu stehen. Aber ich kann dir keine Versprechen geben, was die Unabhängigen betrifft, die sich in letzter Zeit in unseren Vierteln herumtreiben." Sie hob die Schultern, leicht, fast beiläufig. "Sie haben ihre eigenen Regeln und der Rat hat bis lang keine Anstalten gemacht das einzudämmen."
      Als er schließlich eine Art Entschädigung ansprach, konnte Ilya nicht verhindern, dass sie leise schnaubte. Ein Hauch Amüsement huschte über ihre Züge, so kurz, dass man es leicht hätte übersehen können wenn man nicht genau hinsah. "Natürlich nicht kostenlos." Sie verschränkte die Finger locker auf dem Schoß. "Niemand erwartet Wohltaten. Aber das hier..." Ihre Stimme wurde wieder ernster. "Das hier wird früher oder später ohnehin zu euch rüberschwappen. Wenn wir es nicht gemeinsam eindämmen, stehen wir alle in ein paar Monaten knietief in Scheiße. Wir können auch darauf warten."


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    • Verhandeln mit einer Geschäftsfrau. Von wegen einfach, Linden, dachte Cal. Aber es half ja alles nichts.
      "Das weißt du nicht," gab Cal schlicht zurück. "Wie gesagt: wir haben keine Probleme mit Drogen, weil wir keine Drogen im Revier haben. Ihr habt uns jetzt gewarnt, dass da was im Busch ist, also können wir Ausschau halten. Sobald sich was rührt, verteidigen wir uns und euer Problem ist weiterhin nur euer Problem. Ich weiß nicht, wie ihr Vampire das so handhabt, aber das Rudel agiert für gewöhnlich als Einheit. Egal, wie jung und unerfahren die betroffene Person ist."
      Ging er damit zu weit? Vielleicht. Ilya hatte ihm das gestern Nacht im Vertrauen gesagt, und es jetzt gegen sie zu verwenden fühlte sich nicht unbedingt toll an. Aber Cal musste seine persönlichen Gefühle herunterschlucken. Er war der Rudelführer, wenn auch nur in Teilen, und das Rudel ging vor.
      "Versteh mich nicht falsch, mein Angebot, dass wir euch helfen, ist immer noch auf dem Tisch. Aber versuch nicht, mich mit 'das Problem jetzt zu lösen, löst es für euch in der Zukunft' zu kaufen. Ich will Land. Das Rudel ist gewachsen, wir brauchen mehr Platz. Ich will die Nordseite der neutralen Zone - da wo wir gestern waren. Da lebt eh kein Vampir und eure Geschäfte könnt ihr da auch nicht unterbringen. Die Nordseite für unsere uneingeschränkte Hilfe beim Finden und Vernichten der Quelle für euer Drogenproblem."
      Das hatte er doch ganz gut dargestellt. Kein Zögern, kein Zweifeln, klare Worte, Selbstvertrauen. So wie es sein sollte. Oder?


    • Ilya
      Ilya blieb still, während Calder sprach. Sie hatte gewusst, dass es darauf hinauslaufen würde. Natürlich hatte sie das. Und trotzdem verspürte sie ein vertraute, brennende Stechen unter ihrer Haut, während er ruhig seine Bedingungen formulierte. Es waren Bedingungen, die sie unmöglich aus dem Stand erfüllen konnte. Nicht, weil sie nicht wollte. Sondern weil ihr verdammter Rat ihr nie die Macht gegeben hatte, die sie für solche Entscheidungen gebraucht hätte. Davon abgesehen war das Gebiet, was er beanspruchte nicht gerade klein und nicht umsonst als neutrale Zone ausgeschrieben. Irgendwo musste es die geben und wenn die nördliche weg fiel gab es noch weniger Berührungspunkte zwischen den Seiten. Deals würden sich verschieben müssen, oder durch die Hände der Wölfe wandern. Nichts, was sie hier direkt versprechen konnte oder würde.
      Langsam, fast mechanisch, hob sie eine Hand und fuhr sich mit den Fingerspitzen über die Schläfe. Als könne sie so das grollende Unbehagen glätten, das in ihr wuchs. "Du verlangst etwas, das ich dir nicht geben kann." Ihre Stimme war immer noch ruhig, immer noch gefasst, doch jetzt schwang ein anderer Unterton mit. Sie wusste, dass er hier ganz normale Ansprüche stellte. Er wollte den nördlichen Teil, sie verhandelte, er würde davon vielleicht einen guten Abschnitt bekommen und sie bekam ihre Hilfe. So würde es normalerweise laufen. Wenn sie dazu berechtigt wäre solche Deals auch tatsächlich zu machen.
      "Wenn es nach mir ginge, Calder, würde ich dir das verdammte Land sofort geben." Sie ignorierte die Tatsache, dass sie hier gerade keine Fassade aufrecht erhielt. "Aber wie du dir vielleicht denken kannst, hab ich keine Berechtigung dazu." Sie atmete leise durch. Ihre Schultern strafften sich wieder, die Maske glitt zurück an ihren Platz. Die perfekte, eiskalte Fassade. Wie als hätte sie einen Schalter umgelegt. "Ich nehme das mit zurück. Ich lege es vor." Ein kleines, spöttisches Lächeln zuckte um ihre Lippen. "Und vielleicht entscheiden sie sich in ein paar Monaten. Wenn überhaupt." Sie verbot es sich selbst, die Augen zu verdrehen. Schließlich würde die gesamte Verhandlungsbasis in ein paar Monaten vermutlich ganz anders aussehen. Aber so oder so. Die Drogen würden rüber schwappen, das war eigentlich schon sicher, so schnell wie es sich unter den Menschen ausbreitete. Und wenn die Wölfe nicht kooperierten würden die Vampire eben mit anderen Mitteln spielen. Wo keine Kontrolle, da auch keine Augen. Und es war ja nicht nur das. Die Waffengeschäfte, die seine Seite für sich beanspruchte? Da hatte China sicherlich schon bald seine Hände im Spiel. Früher oder später würden die Wölfe die Quittung bekommen dafür, etwas zu verlangen was sie ihnen nicht versprechen konnte. War das ihr Problem? Eigentlich nicht.
      "Aber ich hoffe, du hast Geduld, Calder. Meine Seite spielt nicht in Tagen oder Wochen. Sie spielt in Jahrhunderten."


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    • Natürlich konnte sie ihm nichts versprechen, das wusste er. Sie hatte es ihm doch selbst gesagt, dass sie nur hier war, weil ein Telefonat zu unpersönlich gewesen wäre. Er erwartete auch gar keine Antwort.
      Er stand auf und streckte sich, ließ seinen Nacken knacken.
      "Wenn dann noch welche von euch übrig sind," meinte er. "Das Rudel wächst. Die Vampire fallen offensichtlich nur von Dächern."
      Er wandte sich ihr zu, suchte ihren Blick. Ihre Augen waren eigentlich ganz hübsch. Extrem ungewöhnlich, klar, aber irgendwie... sie stand ihr.
      "Sag deinem Rat Bescheid. Sag deinem Senat Bescheid. Ich kann warten."
      Er wandte sich zum Gehen, stoppte aber, bevor er den Pavillon verließ.
      "Oh und noch was: sag deinen Eltern, dass ich nur mit dir verhandle. Der Stock in deinem Arsch ist nicht ganz so groß, mit dir kann man ja richtig reden."
      Er schenkte ihr ein Lächeln - ein ehrliches Lächeln - dann hüpfte er die drei Holzstufen hinunter, schob die Hände in die Hosentaschen, und schlenderte davon. Normalerweise würde er einem Vampir nicht den Rücken zuwenden, erst recht nicht vieren. Aber das hier war sein Land und sein Rudel stand bereit, jeden Aggressor in Fetzen zu reißen. Er war so sicher, wie er nur sein konnte.


    • Ilya
      Ilya erhob sich langsamer, als es nötig gewesen wäre. Sie strich sich das Kleid glatt, hob das Kinn und neigte leicht den Kopf in Calder Ridleys Richtung. "Danke für die Verhandlung, Calder," sagte sie mit perfekt geschulter Stimme. Es lag weder Zorn noch Spott darin, aber eine eiskalte, höfliche Distanz, die sich für jemanden wie sie gebührte. Es war ihr in Fleisch und Blut übergegangen, das Dasein als Eisprinzessin. Nicht, dass sie sich Illusionen machte. Er war schon gegangen, ohne ein weiteres Wort zu erwarten. Aber sie war eine Crowley, und Crowleys legten Wert auf ordentliche Etikette, egal wie nutzlos es war.
      Mit fließenden Schritten verließ sie den Pavillon, die hohen Absätze leise auf dem Gras. Miklas öffnete ihr ohne Worte die Limousinentür, sein Blick glitt nur einmal kurz über sie, als wolle er prüfen, ob sie noch vollständig war, oder ob man ihr schon Läuse in die Haare geseztt hatte. Ilya ignorierte es. Sie ließ sich in den Sitz fallen, die makellose Haltung nur eine Sekunde lang loslassend, als der Wagen sich in Bewegung setzte. Ihr Kopf lehnte gegen das kühle Fenster, während die Lichter der Nacht an ihr vorbeizogen.
      Der Gedanke an den Rat, an den Senat, an all die endlosen Gesichter, die sie gleich würden prüfen und zerpflücken wollen, ließ sie innerlich stöhnen. Vielleicht konnte sie den Bericht ja einem einzigen Vampir abladen. Miklas würde reichen. Oder ihre Mutter. Irgendwer, der verstand, dass es keinen Unterschied machte, ob sie sich jetzt sofort über jedes Detail hermachten oder nicht.
      Und so war es fast eine Erleichterung, als sie sich später in dem dunklen Büro wiederfand, in dem nur ihr Vater wartete. Keine Zuschauer. Keine Zuhörer. Nur die beiden. Er schenkte sich mit ruhiger Hand einen Whiskey ein, stellte das Glas neben sich ab, dann nahm er eine dunkle Karaffe und goss ihr einen schweren Rotwein ein. Oder, genauer gesagt, Blutwein, dick und samtig. Ilya nahm das Glas ohne ein Wort, spürte, wie der Hunger an ihr zerrte. Zwei Tage hatte sie nichts nahrhaftes getrunken. Weder Zeit noch Lust gehabt. Aber das war schon viel Zeit. Jemand wie sie konnte Jahre ohne Blut überleben, aber das bedeutete nicht, dass sie es gerne tat. Einmal hatte sie eine Woche lang gehungert und war fast verrückt geworden. Dennoch schob sie das Bedürfnis nach hinten um erst einmal zu reden.
      Nüchtern, gefasst, ließ sie die Verhandlung Revue passieren. Sie sprach nur die Fakten aus. Das, was Calder gesagt hatte, was er wollte, was er angeboten hatte. Sie ließ aus, dass er gelächelt hatte, dass sie sein Lächeln gemocht hatte. Dass seine lockere Art ihr einen Moment das Gefühl gegeben hatte, keine Maske tragen zu müssen. Das war nicht wichtig. Nicht hier. Als ihr Vater schließlich das Glas hob, einen Schluck nahm und sie mit diesem eiskalten Blick fixierte, kam die Frage "Und? Deine Meinung, Tochter?"
      Ilya lehnte sich zurück, das Glas in beiden Händen. Ein langsames, schmales Lächeln zog sich über ihre blutverschmierten Lippen, während der erste Schluck schwere Wärme in ihr auslöste. "Lassen wir die Wölfe spüren, was passiert, wenn sie denken, dass sie davon wegkommen." Ihre Stimme war leise, fast schmeichelnd. "Wir briefen die Vampire. Wer die Finger nicht von dem Zeug lassen kann, der ist es halt selber schuld."
      Der Wein schmeckte plötzlich doppelt so gut. "Mal schauen, ob die Wölfe in ein paar Monaten nicht doch auf einmal kooperieren wollen."


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    • Cal stand am Fenster im Arbeitszimmer seines Onkels, die Hände tief in den Taschen seiner Cargohosen vergraben. Es hatte angefangen zu regnen. Die Tropfen trommelten leise gegen die Scheibe, verzerrten das Bild der Aussicht. Die Erinnerung an das Treffen mit Ilya war noch frisch, die Worte hallten in seinem Kopf nach. Er hatte sich bemüht, ruhig und souverän zu wirken, doch innerlich war er unsicher gewesen. Das wurmte ihn. Gerade, weil es letzte Nacht noch so einfach gewesen war, mit ihr zu reden. Noch mehr Beweis dafür, dass Politik nie seine Stärke gewesen war.
      Sein Onkel trat ein.
      "Du hast dich gut geschlagen", sagte er mit fester Stimme.
      Cal schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht. Ich habe versucht, das Rudel zu schützen, aber ich bin kein Diplomat."
      Der ältere Mann legte ihm beschwichtigend eine Hand auf die Schulter. "Du hast das getan, was du für richtig hieltest. Mehr kann niemand von dir verlangen. Wir haben keine Kriegserklärung bekommen und die Grenzpatrouille melden auch nichts. Alles in allem ist es doch gut gelaufen."
      "Du glaubst nicht, ich hab meine Hand zu früh gespielt? Oder zu hart Nein gesagt?"
      Jetzt schüttelte Linden den Kopf.
      "Ich hätte es genauso gemacht. Die Drogen sind nicht unser Problem, und wenn es anfängt Vampire zu regnen, geht uns das auch nichts an. Unsere Hilfe in der Sache gegen das Land anzubieten war ein guter Schachzug."
      "Wenn du das sagst..."
      Cal spielte an seiner Halskette herum. Er hatte das nagende Gefühl, die falsche Entscheidung getroffen zu haben.

      Die folgenden Wochen verliefen zunächst ruhig – zu ruhig. Es war das trügerische Schweigen vor einem Sturm. Der Alltag des Rudels kehrte zurück: Patrouillen, das Training der Jungwölfe, Vollmondvorbereitungen. Cal war ständig unterwegs, sprach mit Wächtern, stärkte Bindungen, hielt die Gemeinschaft zusammen wie Leim zwischen spröden Brettern. Er kümmerte sich um die Streuner - die zweibeinigen, wie auch seine vierbeinigen - und verbrachte seine Abende auf Dustys Dachterrasse. Es hatte sich nichts geändert. Das Problem der Vampire blieb ein Problem der Vampire.
      Doch dann kamen die ersten Gerüchte. Fremde Gestalten in den Randzonen des Territoriums. Gespräche in Sprachen, die nicht zu den üblichen Eindringlingen gehörten. Spuren von Magie – alt, schwer, fremd. Cal ließ zusätzliche Wachen aufstellen, schärfte die Sinne seiner Leute. Er hoffte, die Schatten würden sich verziehen. Doch sie taten es nicht.
      Was mit Einzelfällen begann – ein verschwundener Kurier, ein leergefegter Lagerraum – wuchs zu einem Muster. Die wahrscheinlich chinesischen Akteure, organisiert und skrupellos, mischten sich in die Angelegenheiten Rudels ein ohne je ihr Gesicht zu zeigen. Es war, als würden sie gezielt schwache Punkte ausnutzen – Spaltungen verstärken, Misstrauen säen. Cal erinnerte sich nur zu gut an Ilyas Warnung, und es nagte an ihm, wie sehr sie recht gehabt hatte.
      Dann kam die Nachricht, die ihm den Boden unter den Füßen wegzog.

      Er saß auf der Terrasse seines Onkels, kämmte das Fell eines Streuners, der ihm gestern erst zugelaufen war. Die Mischlingshündin war keine zwei Jahre alt, ihre langes Fell vollkommen zerzaust und verfilzt. Er hatte sie schon gebadet, um die Flöhe und Zecken loszuwerden - gerade Flöhe durfte man nicht zu lange im Revier behalten, sowas explodierte immer gleich zu einer Epidemie - jetzt versuchte er, ihr Fell zu retten. Stundenlanges Kämmen war immer besser als ein Haarschnitt, gerade bei langem Fell. Die Zwillinge dösten in Wolfsform auf dem Rasen. Der Vollmond stand bevor, da fiel es den jüngeren Wölfen schwer, lange auf zwei Beinen unterwegs zu sein. Cal selbst hatte manchmal Probleme damit, weil sein Blut so stark war.
      Violet stürmte über die Wiese zu ihnen. Die Hündin in Cals Armen sprang auf und versteckte sich hinter ihm vor Schreck. Ihm gefiel Violets Gesichtsausdruck nicht.
      "Was ist los?" fragte er.
      "Die Jungwölfe."
      Sofort stellten sich Cal alle Haare auf. Silas und Robin waren sofort auf den Füßen.
      "Was ist passiert?!"
      "Ich weiß es nicht, ich war nicht dabei. Ash hat mich hergeschickt, dey hatte Babysitting Dienst."
      "Mir egal. Was ist passiert?!"
      "Sie wurden angegriffen."
      Jetzt war Cal auch auf den Füßen.
      "Wo?! Wann?!"
      "Ich zeig's dir."

      Sie waren in ihrem Revier. Nahe an der neutralen Zone, aber doch in ihrem Revier. Es war eine der Bars, die das Rudel unterhielt, in denen sich die Jungwölfe auf sicherem Boden betrinken konnten, wenn ihnen danach war. Nach dem Treffen mit Ilya hatte Cal dafür gesorgt, dass kein Jungwolf außerhalb trank und dass die Babysitter immer aufmerksam waren. Und jetzt das.
      Zwei Jungwölfe waren angegriffen worden. Aster schwer verletzt, und Ember... Cal wagte nicht, das Wort zu denken.
      Es war beinahe Vollmond, der Druck in seinem Inneren loderte wie Feuer unter seiner Haut. Kontrolle war ein brüchiger Damm in dieser Zeit, und in diesem Moment riss er.
      Ein Brüllen entfuhr ihm – roh, tierhaft –, und der nächstbeste Tisch zersplitterte unter seinem Faustschlag. Die Wachen vor der Tür hielten den Atem an. Cal hingegen atmete schwer, Schweiß perlte auf seiner Stirn, seine Krallen bohrten sich in seine Handflächen. Dann zwang er sich zur Ruhe. So konnte es nicht weitergehen. Es war an der Zeit, das Undenkbare zu tun.

      Noch in gleichen Stunde ließ er den Rat einberufen.
      Die Ältesten versammelten sich in seinem Garten, ihre Gesichter von Ernst und Sorge gezeichnet. Einige waren misstrauisch, andere wütend – doch alle wussten, dass der Moment entscheidend war.
      "Der Feind ist unter uns", begann er. "Er nimmt uns die Jüngsten, untergräbt unsere Stärke, unsere Einheit. Ich habe gezögert, aber das tue ich nicht länger. Wir müssen uns mit den Vampiren zusammentun. Nicht, weil wir es wollen – sondern weil wir es müssen."
      Ein Schweigen folgte. Schwer, wie ein drohender Sturm. Dann, nach und nach, zustimmende Nicken. Kein Jubel. Keine Freude. Aber Einigkeit – geboren aus Not.
      Cal wusste, dies war ein Wendepunkt. Vielleicht auch der Anfang vom Ende. Doch er würde sein Rudel nicht kampflos verlieren. Sie verließen sich auf ihn, ihren Anführer. Es war Zeit, der Rolle gerecht zu werden.


    • Ilya

      Die Wochen verliefen sich im Sand. So wie es nun mal war, wenn Tage vergingen wie Atemzüge und nichts so wirklich passierte, was sie zu interessieren hatte. Während ihr Vater alle Hände voll zu tun hatte die unabhängigen Vampire unter Kontrolle zu bekommen, hatte Ilya das gemacht, was sie am besten konnte. Trinken und schlafen. Nach dem Treffen mit Calder hatte sie einfach eine Woche lang die Augen zu gemacht. Sollten sich doch andere um den ganzen Scheiss kümmern. Wenn Calder irgendwann doch mal seinen hübschen Arsch bewegen würde, konnte sie immer noch aufwachen.
      Nach der Woche Schönheitsschlaf und einer guten Flasche Blut ging es ihr zwar nicht besser, aber sie war zumindest etwas erholter. Vom Kopf her, versteht sich. Ilya ließ sich nur kurz von Miklas und Erin, einer 200 Jahre alten Vampirin, die ihre Mutter aus Italien mitgebracht hatte, auf den neuesten Stand bringen, bevor sie sich wieder Dingen widmete, die man von ihr erwartete.
      Eine Ratssitzung nach der anderen ging vorüber, Blut wurde getrunken und lange Abende wurden mit Alkohol überbrückt. Zwischendurch schlief sie mal wieder ein paar Tage. Langweilig, wenn sonst nichts passierte. Aber so war ihr Leben eben. Langweilig und berechenbar, bis es irgendwann nicht mehr so war.

      “Natürlich schickt er mich. Ist sich selbst zu fein.” Ilya öffnete irritiert die Tür der Limousine. Man hatte sie zum Tatort gefahren für genau einen Grund. Hypnose. Das, was sie tatsächlich ein bisschen gefährlicher machte als den normalen Vampir. Anscheinend hatte ein neutraler einen Menschen umgebracht und wurde dabei von der Polizei und ein paar Passanten gesehen. Zwar hatten ihre Leute jene direkt festgehalten, aber das war einfach nicht, wie das Leben hier funktionierte. Kurz strich sie ihr schwarzes Kleid glatt, die Hände so kalt wie ihr Lächeln als sie die armen Wesen vor ihr knien sah. “Beim nächsten Mal könnt ihr ruhig ein bisschen netter mit ihnen umgehen. Ich kann Erinnerungen verdrehen oder löschen aber jetzt muss ich was bauen, das die Wunden erklärt.” Beschwerte sie sich bei den zuständigen, was ihr nur gerollte Augen bescherte. Ach man. Scheiß drauf.
      Die Tat war schnell verrichtet und immerhin drückte jemand ihr zum Dank eine Art Capri-Sonne mit Blut gefüllt in die Hand. Fast hätte sie sogar Danke gesagt, bis sie den Geschmack im Mund hatte und die Miene verzog. Ewh. AB Positiv.


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    • Cal hatte sich kaum hingesetzt, da krachte seine Faust auch schon gegen das Geländer der Veranda. Das Holz splitterte, doch es war nicht genug. Nichts war genug, um das brennende Gefühl in seiner Brust loszuwerden. Wut, Schuld, Angst – alles kochte hoch, wie Lava kurz vorm Ausbruch. Er fühlte, wie sich seine Fingergelenke verschoben, wie sich seine Nägel zu Krallen verlängerten. Seine Zähne schmerzten im Kiefer, bereit, zu reißen.
      Sein Onkel stand nur einen Schritt entfernt, bleich, aber ruhig.
      "Reiß dich zusammen, Cal."
      "Sie haben Ember getötet", knurrte Cal, halb Mensch, halb Tier. Seine Stimme vibrierte vor Zorn. "Sie sind in unser Revier eingebrochen. Und ich habe zugelassen, dass wir die Augen verschließen!"
      "Du hast getan, was du konntest."
      "Offenbar nicht genug."
      Ein tiefes Grollen entrang sich seiner Brust. Seine Augen hatten sich schon lange verdunkelt. Seine Muskeln zuckten unter der Haut, kurz davor, zu bersten. Noch ein Schritt – und er wäre voll verwandelt.
      "Ich kann sie nicht schützen, Linden. Nicht, wenn wir allein stehen."
      Linden blieb ruhig, griff dann plötzlich zu. Seine Hand packte Cals Schulter, zog ihn nah heran, fast Stirn an Stirn.
      "Du bist ihr Schutz. Gerade weil du zweifelst. Weil du fühlst. Weil du jeden Tag kämpfst, auch gegen dich selbst. Lass das Biest los – und du bist verloren."
      Es dauerte. Ein Atemzug. Zwei. Dann sackte Cal zusammen. Seine Augen hellten sich langsam wieder auf. Die Krallen zogen sich zurück, ließen Blut in seinen Handflächen zurück. Er zitterte. Nicht vor Kälte. Nicht vor Angst. Sondern vor angestautem Zorn, den er nirgendwohin werfen konnte.
      Sein Blut war stark genug, dass er tatsächlich manchmal gegen seine Instinkte ankämpfen musste. Jeden Tag spürte er den Drang, diese Form einfach aufzugeben und als Wolf zu leben - ausschließlich als Wolf. Aber das konnte er nicht. Er konnte seine Pflichten nicht einfach so vernachlässigen.
      Er verbrachte den Rest des Tages schweigend, bevor er spätabends wieder ins Arbeitszimmer zurückkehrte. Der Laptop war noch offen, die Verbindung sicher. Er setzte sich, atmete tief durch und begann zu schreiben. Er las die Zeilen mehrmals, bevor er sie schickte. Es war keine Bitte. Keine Entschuldigung. Es war der Anfang einer Allianz, ob sie nun beiden Seiten schmeckte oder nicht. Und was ihm noch viel weniger schmeckte war die Tatsache, dass er jetzt Eingeständnisse machen musste: er überließ den Vampiren die Wahl des Treffpunktes und den Zeitpunkt.


    • Ilya

      Sie laß die Zeilen mehrmals. Es war keine Überraschung, dass er sich gemeldet hatte. Der Grund stand zwar nicht drin, aber nicht vieles konnte Calder dazu bewegt haben von sich aus die Vampire zu kontaktieren. Es musste was ordentliches passiert sein. Etwas schlechtes. Ilya fühlte keinen Sieg oder Hohn, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ohne Grund gestorben war, bedenklich hoch war. Selbst, wenn sie ihm gerne ins Gesicht sagen würde, dass sie ihn eben genau davor gewarnt hatte.
      Calder, so konnte sie sich allerdings denken, war niemand der etwas ohne Grund tat. Was auch bedeutete, dass er schon genug unter seinen Entscheidungen litt. Da musste sie nicht extra noch Salz in die Wunde streuen. Aber Ilya war nicht der Rat. Und Ilya sprach auch nicht für alle Vampire, auch wenn sie am Ende dazu auserkoren wurde.

      Eine ganze Woche später stand sie diesmal auf neutralem Terrain. Irgendwo in der Nähe der Bar, wo sie sich zum ersten Mal trafen. Es war früh am Abend. Die Sonne zog ihre letzten Strahlen gerade mit sich als Ilya auf einem der Stühle saß und ein Glas mit Whiskey in ihren Fingern drehte. Noch hatte sie sich nicht entschieden, was sie überhaupt sagen sollte, was der nächste Schritt war. Aber hey, immerhin hatte man ihr diesmal mehr Zugeständnisse gemacht. Denn auch wenn man hier gelassener a die Sache ran ging, als der Vampirin lieb war, so war die Lage doch noch angespannter als zuvor.
      Ilya seufzte als sie letztendlich auf stand um die Wölfe zu begrüßen. Das schwarze Samtkleid und die hohen Schuhe machten es nicht gerade einfacher sich zu bewegen, aber sie war ja auch nicht hier um zu kämpfen, sondern um zu verhandeln.


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    • Ein ganzer Strang an Flüchen entwich Cal, als er die Antwort auf seine Nachricht erhielt und das Datum, plus die Uhrzeit sah. Aber eine andere Wahl hatte er nicht und er würde den Teufel tun und noch mehr Zeit verstreichen lassen. Das Rudel konnte auch nur so lange zurückgehalten werden, bevor auch sie Blut verlangten.
      Also stieg er am Abend des Vollmondes aus seinem SUV - fluchte erneut - und betrat die kleine Bar. An jedem anderen Tag hätte er sie wohl als schnucklig bezeichnet, aber heute Nacht war ihm das alles vollkommen egal. Seine Jungs blieben draußen - Linden bestand darauf, dass immer mindestens zwei Wölfe ihn begleiteten, wenn er das Revier verließ. Er bedeutete den beiden mit einer knappen Geste, gefälligst draußen zu bleiben und die Augen offenzuhalten.
      Er warf die Tür zur Bar auf und marschierte auf direktem Weg zur Theke, wo er sich ungebremst hinsetzte. Ihm war nicht nach irgendwelchen Höflichkeitsfloskeln. Er hatte eine Woche Zeit gehabt, sich in seine Wut rein zu steigern. Er wollte Köpfe rollen sehen, wollte Knochen unter seinen Zähnen brechen spüren. Er wollte die Straßen mit Blut bemalen.
      "Ilya," grüßte er knapp.
      Er bestellte sich ein Bier.


    • Ilya

      “Calder.” Grüßte sie ihn zurück. Sie konnte seine Wut und Zorn förmlich riechen. Es sprudelte förmlich aus ihm raus. So wie er sich bewegte, so wie er quasi schon in die Bar stürmte. Oh, da war eindeutig was passiert. Aber anders als jeder andere Vampir, der vielleicht darauf angesprungen wäre, nickte sie ihm nur zu und wartete darauf, dass das Bier ankam, bevor sie begann.
      “Eine Schande, dass wir uns unter solchen Umständen wieder sehen.” Das war keine Floskel, auch wenn sie vielleicht so klang. Sie hätte ihn wirklich lieber auf der Terrasse wieder getroffen oder so. Aber das Leben war nun mal unfair. “Es scheint, als hättest du deine Meinung geändert.” Sie fragte nicht nach dem Grund. Wenn er das teilen wollte konnte er das tun, aber so viel Interesse hatte sie an dem Ganzen auch nicht mehr. Nicht, nachdem er ihr nicht vertraut hatte und nun die Konsequenzen sah. Genau so, wie sie es ihm vor einiger Zeit gesagt hatte.


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    • Calder nahm einen kräftigen Schluck von seinem Bier und Ilya plapperte drauf los. Dämliche Vampire und ihre Politik.
      "Spar dir das Gelaber," knurrte er. "Du hattest Recht, ich lag falsch, bla bla bla. Jetzt gib mir die Zugeständnisse, meine Jungs durch euer Revier streifen zu lassen, damit ich diese Arschlöcher finden und zerfetzen kann."
      So, wie Calder gerade drauf war, würde er auch bis nach China schwimmen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Sie hatten sein Rudel angegriffen. Sie hatten seine Kinder angegriffen. Dafür würde Blut fließen und Calder würde jedes Hindernis, das ihn von seiner Beute fernhielt, niederreißen.
      Er atmete tief durch, bevor er noch seine Bierflasche zerdrückte. War ihm in den letzten Tagen öfter passiert. Einen Wolf wollte man nicht wütend sehen, einen Rudelführer noch viel weniger. Das ganze auch noch an einem Vollmond... Cal war ein entspannter Kerl, hatte sich im Griff durch und durch, doch gerade hing sein ganzes Selbst an einem seidenen Faden, der stamm über einer Kerzenflamme gespannt war. Er saß hier zwar als Mann neben Ilya, aber er war mehr Wolf als alles andere. Aktuell war er wohl alles, was die Vampire von einem Wolf erwarteten: kaum gezügelte Emotionen, immer auf einen Kampf aus, mehr Tier als Mensch.


    • Ilya

      Hm. Heute war er aber echt bissig. Also im Wahrsten Sinne des Wortes. Sie hatte schon erwartet, dass er nicht so entspannt war, wie beim letzten Mal, wo sie sich gesehen hatten. Aber das er so aufgekratzt war? Verübeln konnte sie es ihm nicht. Aber das hieß auch nicht, dass Ilya so mit sich reden ließ.
      “Wenn sich das Problem mit ein paar abgetrennten Köpfen erledigen lassen würde, dann hätten wir das schon längst gemacht.” Ilya’s Stimme blieb kühl, unbeeindruckt, obwohl die Stimmung eindeutig zu kippen drohte.
      “Also reiß dich zusammen und rede ordentlich mit mir. Oder wir können uns gleich an die Kehlen gehen und den Chinesen ein leichtes Spiel machen.”
      Ob das wohl seine Wirkung gezeigt hatte? Ilya’s leicht rosane Augen musterten Calder. Sie hatte wirklich keine Lust hier gleich den Kopf zu verlieren. Und das Problem ließ sich wirklich nicht so einfach lösen. Schliesslich hatten die Vampire nicht still gestanden.
      “Informationsaustausch. Ein Team. Wir beide leiten es. Anders legen wir uns nur Steine in den Weg.”


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