The Art of Failing at Murder [Dark & Nao]

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    • Alin

      Alin waren seine nassen Füße durch den Schock fast nicht mehr aufgefallen. Er sah nach unten, er stand immernoch in einer Pfütze. "Eh… wenigstens weiß ich jetzt, dass ich Handtücher noch auf die Liste schreiben muss", meinte er und fiel beinahe um, als er sich die Socken auszog und sie aus dem Zimmer warf. Sie hatten außer den Vorhängen vermutlich nicht genügend Stoff, der das ganze Wasser aufsaugen konnte, also… Mussten sie eben warten, bis die Fliesen trockneten. Es konnte schlimmer sein. Nur, dass das Wasser völlig verdreckt gewesen war, machte ihm gerade zu schaffen, weil er sich viel zu sehr bewusst war, dass dieser Dreck nun an seinen Füßen haftete. Er hatte noch nie so dringend duschen wollen, aber damit musste er jetzt garnecht erst anfangen. Den restlichen Tag würde er sich nur immer ekliger und ekliger fühlen, bis es nicht mehr aushaltbar war. Aber dann zu duschen, frische Kleidung anzuziehen und das Gefühl, einer sauberen Umgebung… das war unbezahlbar.

      Sie verbrachten den restlichen Tag damit, Staub aus allen Zimmer zu entfernen, die begehbar sein sollten. Das hieß… Erdgeschoss, erster und zweiter Stock, den dritten ließen sie einfach mal bleiben, weil sie sonst nie fertig werden würden. Alin hatte gestaunt, als er in die Bibliothek getreten war, und auch die Bäder waren eines schöner als das andere. Die Chance auf ein Arbeitszimmer würde er in dieser Ökonomie wohl auch nicht mehr haben. Aber ohne die dicke Staubschicht, und ein wenig aufgeräumt, sah das Anwesen schon fast majestätisch aus. Es hatte auf jeden Fall Potenzial und Alin war motiviert, so viel davon herauszuholen, wie er konnte. Auf seiner Einkaufsliste standen zwischen Putzmitteln, kleineren Elektrogeräten, Bettwäsche, Vorhängen, Schleifmaschine und diversen Wandfarben noch dutzende andere Dinge. Geschirr brauchten sie nicht, weil Alin noch einiges an altem Silbergeschirr in der Küche entdeckt hatte. Die Frage war nur… Ob Dorian das schonmal angefasst hatte, um nachzusehen, ob es echtes Silber war. Alin wollte ihn nicht unbedingt als Versuchskaninchen benutzen, aber selber konnte er es nicht erkennen und es gab nur einen Weg, um es herauszufinden. Aber derweilen war es wohl egal. Der Vampir musste es ja sowieso nicht benutzen.
      Neben der Einkaufsliste führte Alin auch eine To-Do-Liste. Es brauchte einen Installateur für das Warmwasser, und jemanden, der sich ansah, wie umständlich es wäre Elektrizität und Heizungen nachträglich einzubauen, sollte alles nicht vorhanden sein… und vor allem wieviel das Ganze kostete. Dann jemanden, der eine neue Küche einbauen und anschließen konnte, was aber auch erst mit Elektrizität funktionieren würde. Allerdings war Alin sich relativ sicher, dass das Nötigste bei den damaligen Renovierungen gemacht worden sein musste. Und er hatte ein ganz gutes Bauchgefühl. Meistens.
      "Okay, es wird gleich dunkel, also fahren wir los. Wir sollten uns beeilen, bevor alle Geschäfte schließen", sagte er und versuchte noch, sich in dem alten, verschwommenen Spiegel irgendwie präsentabel zu machen. Dann warf er einen Blick auf Dorian. Ugh. "Warte. Ich leih dir… eine meiner Cargos und Jacken", murmelte er. So konnten sie unmöglich zusammen rausgehen ohne für Irre gehalten zu werden.
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    • Dorian

      Man konnte kaum behaupten, dass Dorian mit der Zeit besser im putzen wurde, aber er gab sich auf jeden Fall Mühe, auch wenn man mit Mühe alleine kein ganzes Anwesen sauber bekam, zählte das vielleicht auch schon.
      Seine Finger fühlten ich nach dem ganzen putzen seltsam schrumpeligen an. Wäre er nicht schon der Meinung, dass er Alins Nerven heute schon genug auf die Probe gestellt hatte, hätte er dem jungen Mann wohl gefragt ob seine, vom Wasser, verschrumpelte Haut so gesund aussah, aber er ließ es lieber bleiben, vielleicht war das auch besser so. Außerdem war er definitiv viel zu geschafft um viel zu reden. Sein Körper fühlte sich von der körperlichen Arbeit schwer und müde an. So hatte er sich lange nicht mehr gefühlt, hatte er sich überhaupt schon mal so gefühlt? Dorian hatte das Gefühl seine Knochen würden ihm weh tun.

      Als Alin sich in dem Spiegel versuchte einigermaßen herzurichten, gönnte sich der Vampir selbst eine kurze Pause in dem er sich in den alten Sessel nieder ließ. Und sie wollten jetzt noch einkaufen? In Gedanken seufzte Dorian leise. Eigentlich wäre er gerade wohl erst aus dem Bett aufgestanden. Er nutzte eigentlich kaum die hellen Stunden des Tages, warum auch, immerhin konnte er die Zeit draußen eh nicht wirkten nutzen, auch wenn er im allgemeinen eher selten das Haus verließ. Am Abend hatte er wenigstens die Wahl.

      Die Cargo sah noch seltsamer an ihm aus als die vorherige Jogginghose. Seine langen, weißlichen Haare passten kaum zu dem Stil der Klamotten und auch allgemein sah er eher so aus, als hätte er irgendjemanden die Kleidung geklaut - im Grunde war das ja auch nicht zu einhundert Prozent falsch, es waren schließlich nicht seine eigenen Klamotten. Auch wenn er sich weder in der Hose noch in der Jacke wohl fühlte, war ihm nun wenigstens ein wenig wärmer und das machte das Unwohlsein schon fast ein wenig besser.
    • Alin

      Dorian sah toter aus, als er vermutlich sollte. Er war ja nicht gerade lebendig, aber er sah noch kleiner aus, als heute Morgen. Alin war kurz davor, ihm anzubieten, hierzubleiben, bevor er sich selbst erinnerte, warum er das alles tat und dass Dorian nicht sein bester Freund sondern irgendein Vampir war, den er kaum kannte. Er konnte sich ruhig mal etwas für sein eigenes Haus verausgaben, nicht? Da sprach doch nichts dagegen.
      Das mulmige Gefühl, das in Alin aufkam, unterdrückte er mal vorsichtig. Dorian würde schon nicht… sterben von so ein bisschen Arbeit.
      "Okay, sieht gut aus, oder… zumindest etwas normaler. Gehen wir", beurteilte Alin Dorians neues Outfit und winkte ihn hinter sich her. Sein Auto hatte er bereits ausgeräumt, und nun sah es nicht mehr so sehr wie sein… Hauptwohnsitz aus. Er öffnete sogar noch die Tür zum Beifahrersitz, weil er irgendwie befürchtete, dass Dorian sie kraftmäßig nicht öffnen könnte. Was… problematisch wäre. Schließlich nahm Alin ihn mit, damit er beim Tragen der Einkäufe helfen würde. Dass er ihm die Türe öffnete war wohl nur, um die Wahrheit nicht herauszufinden. Er klammerte sich an den Gedanken, dass Dorian ihm jetzt gleich eine größere Hilfe sein würde, als beim Putzen.
      Da fiel Alin etwas auf. Er schnallte sich an und wartete noch kurz, bis er den Zündschlüssel drehte. "Du… hast doch sicher in der Stadt ab und zu Autos fahren sehen?", fragte er skeptisch. Bestimmt. Dorian konnte nicht Jahrhunderte in diesem Haus verbracht haben ohne jemals rauszugehen.
      Trotzdem warnte Alin vorsichtshalber vor: "Mach dir keine Sorgen, ich fahre gut" Auch wenn Dorian vermutlich kein Verständnis von guten und schlechten Autofahrern hatte. Alin hatte jedoch mehr Übung als die meisten in seinem Alter, weil sein Vater ihn gerne durch die halbe Weltgeschichte schickte, um irgendwelche Vampire aufzuspüren, die ihn wieder ins Krankenhaus verfrachten konnten.
      Er startete den Wagen und fuhr los, während er innerlich betete, dass es später nicht wieder zu regnen begann und er sich erneut den matschigen Hügel raufquälen müssen würde.
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    • Dorian

      Wenn Alin sagte, dass sein Outfit ‚gut‘ aussah, dann würde er ihm das wohl glauben müssen. Er könnte das schließlich nicht bezeugen. Klar könnte er die Klamotten an sich im Spiegel sehen, sich selbst jedoch nicht und dann macht das schon fast keinen Sinn, vor allem wenn die Klamotten so gar nicht seinem eigentlichen Stil entsprachen.
      Wie ein braver Hund der stumm und artig seinem Besitzer folge leistet, trottete Dorian dem Vampirjäger zu dessen Auto. Es war kühl draußen, nicht wirklich kalt, aber der vergangene Regen hatte eine angenehme Kühle hinterlassen. Das war Dorian im allgemein auch lieber als Hitze, vor allem weil er Hitze im generellen nicht sonderlich gut vertrug, kalt war ihm stattdessen eher selten. Auch wenn er sich freute das Haus mal wieder zu verlassen - das hatte er in den letzten Tagen und Wochen definitiv viel zu selten getan - taten ihm jetzt schon die Glieder von der ‚harten‘ Arbeit weh. Wenn es nach ihm gehen würde, wären sie vielleicht erst morgen einkaufen gegangen, aber er wollte Alin nicht widersprechen, nicht nachdem er faktisch fast alleine sein halbes Anwesen gereinigt hatte.

      ‚Du hast doch sicher in der Stadt ab und zu Autos fahren sehen?‘, bei der Frage zog der Vampir kurz - etwas verwirrt - eine Augenbraue hoch. Auch wenn das Innere von Alins Auto nichts mehr mit dem zutun hatte, was er noch kannte, war das hier nicht der erste Wagen in dem er saß. „Ich konnte sogar mal fahren…also vermutlich jetzt nicht mehr, aber meine Eltern hatten genug Automobile.“ erklärte er leise. Seine Stimme klang ungefähr genau so fertig wie er selbst aussah. „Ich war ungefähr um die 140 als Carl Benz das Patent für das erste Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor angemeldet hatte.“ erklärte er in ruhiger Stimme. Auch wenn Dorian optisch wie Mitte zwanzig aussah, war er weit über Hundert Jahre alt, immerhin war er ein Vampir. „Benz war übrigens auch ein Vampir.“ hing er noch dran. „Also vermutlich gebissen und nicht geboren, aber er war ein Vampir. Wir haben uns, glaube ich mal kurz unterhalten…das ist aber schon ewig her.“ führte er seine kleine Geschichtsstunde weiter aus. Was ihm auffiel war, dass die Sitzpolster in den letzten hundert Jahren definitiv an Komfort zugenommen hatten. Er hatte die Entwicklung der Autos mehr oder weniger miterlebt, selbst hatte er sich nie sonderlich viel für Autos interessiert, er mochte eher die Geschichten hinter den Erfindern als hinter den Erfindungen, aber von dem was er noch in Erinnerung hatte, war der Sitzkomfort damals eine schiere Katastrophe gewesen.
    • Alin

      „Was du nicht sagst“, murmelte Alin, als er losfuhr. „Autos sind dir also nicht neu, aber das Wort Staubsauger hast du nie gehört, huh? Praktisch“ Er war sich nicht ganz sicher, ob er Dorian das Unwissen über die ganzen elektrischen Geräte, die er aufgezählt hatte, jetzt noch glauben wollte, gemessen daran, dass sowohl Auto als auch Staubsauger am Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurden. Aber die Haushaltsgeräte waren dann wohl einfach dem Personal überlassen worden. Warum musste man sich damit schon auskennen, wenn jemand anderer alles für einen erledigen konnte?
      „Ich hoffe du bist lernwillig, ich bin nämlich nicht dein persönlicher Butler“, stellte Alin schnell mit einem Seitenblick klar. Dann schaltete er das Radio ein.

      Bis sie in der Stadt unten angekommen waren, war es bereits finster, aber das hatte der Herbst so an sich. Eigentlich ein Glück, im Sommer hätten sie es wohl nie rechtzeitig geschafft, bevor die Geschäfte schlossen.
      Alin war am Vorabend schon in Dunkelheit hier angekommen, somit hatte er die kleine Stadt offiziell noch nicht bei Tageslicht gesehen und konnte bisher nur beurteilen, dass sie… nicht exakt einladend wirkte. Kaum jemand war auf der Straße unterwegs. Die Häuser waren alt und standen sehr vereinzelt auf den Straßen, dazwischen kleine Geschäfte, wo Alin bei der Hälfte nicht sagen könnte, was genau deren Angebot war. Aber auch Gerümpel könnte ihnen früher oder später helfen, wenn sie vielleicht ein Schnäppchen fanden. Ansprüche durften sie bei ihrem Budget jedenfalls nicht haben. Alin war sich auch noch nicht sicher, ob es eine gute Idee war, einem Vampir mehr oder weniger sein Geld zu leihen. Würde er es je zurückgezahlt bekommen? Sie würden sehen.
      Alin parkte neben einem kleinen Supermarkt, vermutlich dem einzigen, der hier Teil einer Kette und nicht irgendetwas privat Betriebenes war, und zog sein Handy aus der Hosentasche, wo er die Liste führte.
      „Also als erstes… Sorry, aber ich muss dringend Essen kaufen. Danach holen wir hier die Putzsachen und Zeug wie… Klopapier. Küchenrolle. Putztücher. Fensterreiniger. Badreiniger. Desinfektionsmittel. Waschmittel. Ein äh… Waschbrett, auch wenn ich bezweifle, dass es sowas hier gibt. Dann… Oh, Schwämme. Geschirrspülmittel, vertrau mir da einfach. Natron. Stahlwolle. Uhm… okay, alles andere schnappen wir spontan im Vorbeilaufen“ Er öffnete seinen Gurt. „Bereit?“, fragte er. Irgendwie hoffte er, dass Dorian zumindest die Fleischtheke überstehen würde, wenn sie nur ganz schnell daran vorbeiliefen.
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    • Dorian

      „Ich hatte seit einigen Jahrzehnten keinen persönlichen Butler mehr, ich denke wir werden kein Problem damit haben.“ Dorian hatte sein Kopf an die Fensterscheibe gelehnt und schaute dabei zu wie die - zugegebenermaßen recht trostlose - Landschaft an sie vorbei zog, oder eher wie sie an der Landschaft vorbei zogen. Er war schrecklich müde, immerhin hatte er die Zeit nicht zum schlafen nutzen können, sondern wurde als erstes von einem Vampirjäger geweckt, der bei ihm eingebrochen war und dann hatte besagter Vampirjärger ihn auch noch dazu ‚gezwungen‘ zu putzen. Im Grunde war das Ganze gar keine so schlecht Idee gewesen, es war zwar anstrengend und Dorian hatte das Gefühl sich keinen Meter mehr bewegen zu können, aber das Haus hatte lange nicht mehr so gut ausgehen und allen anschien nach, hatte Alin gerade erst angefangen.
      Er war ganz froh, als der Jüngere das Radio an machte, er hatte gerade auch echt keine Kraft sich noch weiter zu unterhalten, das einkaufen gleich würde wahrscheinlich noch zerrend genug werden.

      Die Fahrt war viel zu schnell wieder vorbei. Was eigentlich schade war, Dorian war damals immer gerne Auto gefahren, egal ob als Fahrer selbst oder Passagier. Er war auch immer gerne mit Kutschen unterwegs gewesen, er war generell allgemein gerne unterwegs gewesen, das hatte sich aber irgendwann geändert als seine Eltern in faktisch vor die Tür - oder in diesem Falle vor dem alten Anwesen - gesetzt hatten.

      Als Alin dann zu aufzählen begann was er vor hatte zu kaufen, kroch in Dorian der Wunsch hoch abzuhauen. Das klang nicht nach einem ‚kurzen Einkaufstrip‘, das klang nach einer ganzen Weltreise und die Kraft dafür hatte er sicherlich nicht mehr, trotzdem nickte er leicht. Vielleicht konnte das ja doch ganz witzig werden und er bräuchte so oder so mal wieder was zu essen. Nicht das er im allgemein viel aß, aber gelegentlich machte das schon Sinn, vor allem da er nicht regelmäßig trank und trotzdem irgendwie zu Nährstoffen kommen musste, auch wenn sein Körper die Nährstoffe aus Nahrung nicht mal ansatzweise so gut verwerten konnte. Trotz der Zustimmung, die er Alin gerade gegeben hatte, blieb er noch einen kurzen Moment sitzen, nachdem der Besitzer des Wagens ausgestiegen war, einfach um noch kurz einige Sekunden haben zu können um sich auf das bevorstehende Chaos vorbereiten zu können. Länger als wenige Sekunden gab er sich jedoch selbst nicht, ehe er ebenfalls aus dem Auto stieg. Glücklicherweise schien der Parkplatz nicht all zu überfüllt zu sein, vielleicht hatten sie ja Glück und in dem Laden war kaum was los…
    • Alin

      Alin wartete auf Dorian, bevor sie gemeinsam in den Supermarkt gingen. Langsam. Sehr langsam. Er wollte Dorian nicht überfordern, also zwang er sich, sich an dessen äußerst vorsichtiges Tempo anzupassen. Mit der zu großen Kleidung sah er irgendwie ziemlich verloren aus, aber die Cargohose war das einzige Teil gewesen, dass Alin mit einem inneren Gummizug besaß, damit die Hose ihm wenigstens nicht runterrutschen würde. Dann hätten sie ein neues Level an armselig erreicht. Vielleicht wäre es ja garnicht so schlecht, auch mal Kleidung einzukaufen, nur für den Fall, dass etwaige Arbeitgeber ein Problem mit dem Vampir-Cosplay hätten, vor allem in einer Kleinstadt, in der die allgemeine Angst vor mythischen Kreaturen sicher recht hoch war.

      Sie betraten den Supermarkt und es war seltsam leer. Auch die Lichter schienen mal getauscht werden zu müssen, da jedes zweite unangenehm flackerte. Allgemein war Alin noch nicht sehr begeistert von der Atmosphäre auf dieser Insel. Aber damit musste er jetzt leben lernen. Im Vorbeigehen grüßte er zögerlich den älteren Kassierer, der jedoch kein Wort erwiderte und sie beide nur anstarrte. Alin heftete sich irritiert an Dorians Seite.
      „Uh… okay… fangen wir einfach mal mit den Lebensmitteln nach der Reihe an, ich brauche eh nicht sehr viel, weil man bei dir nicht kochen kann“, meinte er leise, schnappte sich einen der Einkaufswagen und schob ihn klackernd vor sich her. Er warf haufenweise fertiges Essen aus Dosen und Tüten in den Wagen, für die er bestenfalls noch eine Mikrowelle besorgen würde. Und dann ging es ans Brot, an Sandwiches, die er in seiner Kühltruhe lagern konnte, und diverse Aufschnitte und Aufstriche. Das war so ziemlich alles, woran er denken konnte, was er ohne Küche essen konnte. Gemüse und Obst nahm er in Maßen mit, weil es eh nicht lange halten würde und er der einzige war, der das essen würde. Zumindest war er sich da relativ sicher. Dorian konnte das mit dem Gemüseanbau unmöglich ernst gemeint haben.
      Alin schielte zu ihm. Auch wenn er… nicht aussah, als würde er oft Scherze machen.
      An den Kühlregalen mit dem Fleisch ging er in eiligem Tempo vorbei. Erstens, weil er selbst nicht angetan davon war, und zweitens, weil er Dorian noch zum Tragen der Einkäufe brauchte.
      „Es fehlen nur noch die Putzmittel“, kündigte Alin an.
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    • Dorian

      Dorian hasste den kleinen, städtischen Supermarkt. Er war bis jetzt nur ein einziges Mal hier gewesen, er wusste gar nicht mehr warum eigentlich. Die Atmosphäre erinnerte ihn an einen Stephen King Roman, welchen er sich mal ausgeliehen und nie wieder zurück gegeben hatte. Der Roman war wirklich gut gewesen, auch wenn er danach Wochen lang Mühe hatte einzuschlafen. Das selbe mulmige Gefühl, was er damals beim lesen gehabt hatte, hatte er jetzt auch.
      Er nahm das Flackern der Lichter unnatürlich laut war, das Geräusch welches die quietschenden Räder des Einkaufswagens auf den dreckigen Fließen machte ebenfalls. Das unangenehm hell-weiße Licht tat ihm in den Augen weh. Er wollte hier weg und das am besten schnell.

      Dorian achtete gar nicht so wirklich drauf was Alin alles in den Wagen warf, das meiste würde er vermutlich eh nicht vertragen. Fertigessen hatte er bis jetzt auch nur wenige Male probiert und es hatte ihm immer schwer im Magen gelegen. Selbst Obst und Gemüse vertrug er nicht in Massen, aber wenn er nur ab und zu mal was aß, ging das eigentlich ganz gut. Im Grunde brauchte er das ja auch nicht, aber im Grunde brauchte er frisches Fleisch und vor allem Blut.

      „…Können wir Paprika mitnehmen?“ fragte er Alin leise, als ob er Angst hätte, das hinter dem nächsten Regal eine Figur aus einem Horrorroman auftauchen würde. In diesem Setting war der Gedanke gar nicht mal so weit hergeholt, das war auf jeden fall Dorians Meinung, und wenn er sich gelegentlich mal anschaute welche Gestalten in der Stadt so unterwegs waren, könnte das ebenfalls gut sein. Allein der Kassierer gab ihm das Gefühl, nicht alleine mit ihm in einem Raum sein zu wollen, außerdem war der Supermarkt sicher der perfekte Ort um jemanden umzubringen.
      Dorian hielt dem Jüngeren mit einem fragenden Blick eine dunkelrote Paprika hin. Er hätte gerade genau so gut seine Mutter fragen können, ob sie ihm was Süßes kaufen könnte, der bittende Blick aus roten Augen wäre sicher der gleiche gewesen.

      Als sie das Kühlregel erreicht hatten, hatte der Vampir die Paprika immer noch in der Hand. Kurz blieb Dorian stehen, schaute das verpackte Fleisch an, als ob er gerade das ekelhafteste anschauen würde, was er bis dato in seinem Leben gesehen hatte. Da lag nicht nur Ekel sondern auch eine Tiefe Abneigung in seinem Blick und dann veränderte sich der Ausdruck in seinen Augen ein wenig. So als ob der Blick des Fleisches ihn nicht nur anwiderte sondern auch Erinnerung hochbrachte, welche er eigentlich vergessen wollte. Ihm wurde ein wenig schwindelig, er hatte das Gefühl sich übergeben zu müssen…übergeben zu wollen…
      Als er Alin Stimme, etwas weiter vorne hörte, riss er sich von dem Anblick los und trottete ihm, in dem selben langsamen Tempo, welches er schon die ganze Zeit hatte, hinter her.
    • Alin

      „Oh… klar“, meinte Alin leise, als Dorian ihm den Paprika entgegen hielt. Wieso fragte er überhaupt? Aber da der Vampir so unsicher und ängstlich wirkte, brachte Alin es garnicht über sich, ihm zu sagen, dass er sich einfach nehmen sollte, was er wollte. Warum Dorian sich so verhielt, war Alin allerdings ebenfalls ein Rätsel. Vampire hatten doch üblicherweise eine übermenschliche Stärke und Schnelligkeit. Er dürfte sich eigentlich vor so gut wie garnichts fürchten. Alin hätte bei seiner Statur sowieso nicht die geringste Chance im Nahkampf, wenn er sich nichts schlaues überlegte. Die einzige Erklärung, die Alin für sich fand, war, dass der Nährstoffmangel ihn nicht nur allgemein seine Energie kostete, sondern auch seine physische Kraft. Nur wusste der Dunkelhaarige nicht, ob er sich darüber freuen sollte. Klar, Dorian konnte ihm so wohl nicht allzu viel anhaben. Ein Kampf zwischen ihnen beide würde wohl ablaufen wie zwischen zwei Kindergartenkindern, die regelmäßig ins Leere schlugen und dann nur noch am Boden herumrollten. Auf der anderen Seite verstand er sich mit dem Vampir jetzt ganz okay, was er von dem Kassierer eben nicht behaupten konnte, oder von sonst einer der zwielichtigen Gestalten in dieser Stadt. Alin würde es alles andere als wundern, wenn sich noch mehr Wesen versteckt hier herumtrieben und sich als Menschen ausgaben. Die Stadt schien der perfekte Ort dafür zu sein. Da wäre es nicht schlecht, wenn Dorian sie beide verteidigen könnte, aber… das konnten sie wohl vergessen.

      Alin warf dem Blonden weiterhin besorgte Seitenblicke zu, sah regelmäßig nach, ob er ihm noch folgte, und fühlte sich gerade mehr wie ein Aufpasser, als er sollte, obwohl er sich selbst unglaublich unwohl fühlte. Bestimmt war ein Gruselfaktor einfach, dass Abend war. Im Dunkeln war alles immer etwas unheimlicher, vor allem wenn die Gegend so leer schien und der Supermarkt etwas postapokalyptisches an sich hatte.
      Bei den Putzmittel beeilte sich Alin besonders. Er schmiss alles in den Wagen, das in seinen Augen gut aussah, und war dann schnurstracks auf dem Weg zur Kasse. Als er alles aufs Fließband räumte, vermied er, den Blick zu heben, weil er die Augen des Kassierers auf sich spürte. Je weniger Interaktion, desto besser. Alin lief es kalt den Rücken herunter, als er nach einer Tüte fragen musste. Warum beäugte dieser Mann sie beide so seltsam? Weil er sie zuvor noch nicht gesehen hatte? Vermutlich kannte man in dieser Stadt schnell jeden. Alin redete sich krampfhaft ein, dass das der Grund war. Jedoch wollte er keine Sekunde länger bleiben als notwendig, wenn sein Bauchgefühl schonmal anschlug. Er drehte sich noch einmal skeptisch um, als die den Supermarkt verließen und fuhr den Einkaufswagen zu seinem Auto. Dann begann er alles in 2 Tüten zu räumen, das Essen und die Putzmittel ordentlich getrennt.
      „Der Kerl war super unheimlich“, murmelte Alin nach einer Weile. „Und der ganze Laden sieht überholt aus. Die flackernden, summenden Neonröhren? Mich würde nicht überraschen, wenn da bald mal was explodiert“
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    • Dorian

      Dorian war froh, als sie endlich an der Kasse waren und Alin alles, bis auf die Paprika die Dorian die ganze Zeit - als wäre sie das kostbarste was er je gehabt hatte - in der Hand gehalten hatte, auf das Band legte. Der Blick des Kassierers jagte ihm einen kalten, unangenehmen Schauer über den Rücken. Bildete er sich das nur ein, oder machte sich gerade ein seltsamer Geruch in seiner Nase breit? Etwas was an verdorbenes Fleisch erinnerte. Dorian schaute sich jedoch nicht um, woher dieser Geruch kam, zu groß war die Angst etwas zu entdecken was er nicht entdecken wollte. Konnte Alin das ebenfalls riechen? Vermutlich nicht, die Note war so dezent, das sie zwischen den ganzen Lebensmitteln kaum auffiel. Das er den Geruch überhaupt wahrnehmen konnte, lag vermutlich daran, dass er ein Vampir war und übermenschliche Sinne gehörten eben dazu. Einer der wenigen Dinge, die nicht durch seine Blutdiät verringert wurden.

      Der Vampir war froh, als sie mit den zwei schweren Tüten endlich den Laden verlassen konnten. Die kalte Luft klatschte ihm so aggressiv ins Gesicht, dass Dorian schon wieder leicht schwindelig wurde. Erst jetzt merkte er wie unangenehm warm es in dem Supermarkt eigentlich gewesen war und auch der seltsame Geruch, der nicht nur vorne bei dem Kassierer zu sein schien, fiel ihm jetzt erst auf, als er ihn nicht mehr riechen konnte. Es roch nicht direkt nach Tod, aber das war der erste Gedanke der dem Vampir in den Kopf kam. Vielleicht war die Vorstellung, dass irgendwas oder irgendwer in dem Laden gestorben sei, doch gar nicht so weit hergeholt. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr hatte er das Bedürfnis sich übergeben zu müssen. War der Kassierer überhaupt ein Mensch gewesen? Sein Gedankenchaos ließ ihn Sterne sehen. Der Geruch, der stechende, Angst einflößende Blick, das mulmige Gefühl, all das knalle auf einmal auf Dorian nieder als würden all diese Eindrücke versuchen ihn in die Knie zu zwängen. Dann auch noch sein sowieso nicht ganz so guter Allgemeinzustand, bei welchem wohl jede Kleinigkeit ihn dazu bringen könnte, plötzlich zusammen zu klappen.
    • Alin

      Alin war es zwar gewohnt, Selbstgespräche zu führen, und Dorian kam ihm nicht wie die gesprächigste Kreatur vor, aber es wunderte ihn doch ein wenig, als er nichtmal auf die Sache mit dem gruseligen Kassierer eine Antwort bekam. Das mussten sie doch beide bemerkt haben. Er sah von seiner Tätigkeit auf. Dorians gesenkter, verwaschener Blick läutete sogleich seine Alarmglocken.
      „Alles okay?“, fragte er skeptisch und richtete sich auf. Der Vampir konnte zwar nicht blasser aussehen, als er es ohnehin schon war, aber er schien gerade recht unsicher auf den Beinen zu sein. Wenn er noch ein wenig mehr schwankte, konnte er sich gleich auf den Boden setzen.
      „Brauchst du irgendetw-“ Alin konnte seinen Satz nicht mehr beenden. Dorian schwankte dermaßen, dass ihm nur schwarz vor Augen sein konnte, und bevor er sich versah, klappten dem Vampir die Beine unter dem Körper weg. Alins erste Reaktion war, die Arme zu öffnen, obwohl der Ruck des Gewichts einer leblosen Person ihn fast mit in die Tiefe riss. Und dann hatte er den Vampir plötzlich bewusstlos in seinen Armen liegen.

      „Dorian?“, fragte er gestresst. Verdammt, er war schwerer, als er aussah. Alin ging langsam in die Knie, bevor er wirklich noch ebenfalls umfiel.
      Dass sie sich gegenüber gestanden hatten, war nicht gerade von Vorteil, weil Alin Dorians Gesicht nicht sehen konnte. Er versuchte den Vampir mit aller Kraft zur Seite zu drehen, ohne ihn loszulassen, damit er ihn nicht auf den dreckigen Boden fallen lassen musste. Dann hob er den Blick und scannte die Umgebung. Toll. Garnichts. Die Straße war völlig leer, die Laternen gaben kaum Licht her und die einzige Person, die wohl in der Nähe war, war der gruselige Kerl an der Kasse. Alin stieß frustriert Luft aus. Dann klatschte er Dorian einige Male leicht an die Wange.
      „Hey! Aufwachen“, meinte er etwas verzweifelt. Mann, was tat man denn, wenn ein Vampir ohnmächtig wurde?! Ihn umbringen, war die Antwort! Aber Alin überlegte nur krampfhaft, was das Problem war. Hatten sie zu viel gemacht? War ihm einfach die Energie ausgegangen? Oder war es die Fleischtheke vorhin gewesen? Oder hatte er zu lange nichts gegessen, nichts getrunken, beides? Vielleicht war es eine Kombination aus allem. Dabei hatten sie noch nichtmal alles besorgt, was auf Alins Liste stand. Er seufzte erneut. Sein Blick scannte nervös Dorians Gesicht.
      „Beim letzten Mal warst du ein paar Sekunden weg, was ist jetzt anders?“, murmelte er verzweifelt. Er legte dem Vampir seine kalte Hand auf die Stirn. „Hallooo… aufwacheeeen… bitteee“, säuselte er leise.

      Okay, in ein Krankenhaus konnten sie kaum. Die Rettung rufen brachte auch nichts. Wenn jemand ohnmächtig wurde, war es außerdem selten lebensgefährlich. Und welcher Vollidiot würde ohnehin versuchen, einem Vampir das Leben zu retten?
      Alin fiel nur noch eine Sache ein, die… streng genommen wohl eher ein Experiment wäre. Dorian war ein seltsamer Fall und niemand versuchte, ohnmächtigen Vampiren zu helfen, zumindest nicht in Alins Familie. Jedoch hatte er auch keine weiteren Vampirkontakte, die er fragen könnte, ohne selbst zu sterben, also…
      Alin legte dem Vampir vorsichtig zwei Finger auf die Lippen und schob sie auseinander. Er hatte einen einmaligen Blick auf die blitzend weißen Reißzähne. Sowas machte man normalerweise auch nur einmal, dann war die Hand ab.
      Er wollte sich für diese dumme Idee am liebsten selbst schlagen, und doch zog er seinen Autoschlüssel wieder aus seiner Jackentasche. Dorian lag friedlich auf seinen Knien, während sie hier am unheimlichsten Parkplatz der Welt gestrandet waren, und Alin seine Arme über den Blonden hob. Mit der linken Hand öffnete er das billige Taschenmesser, das an dem Schlüssel hing. Er hatte es vor ein paar Jahren bei einer Schießbude gewonnen und bisher hatte es ihm nichts gebracht, als ihm heute Morgen den rechten Handballen aufzuschlitzen, als er in seinem Rucksack nach dem Desinfektionsmittel gesucht hatte. Und jetzt… wollte er sich damit schon wieder selbst verletzen, als es einmal sinnvoll zu benutzen.

      Nachdem seine rechte Hand schon beschädigt war, beschloss er, nicht noch den linken Arm dazuzunehmen. Er hielt das Messer relativ weit oben an seinen Unterarm an. Dann überlegte er noch zehn Sekunden. Was machte er hier? Sich den Arm aufschlitzen? Weil? Sein Blick glitt über den hilflosen Vampir in seinen Armen und er wurde immer wütender auf sich selbst und sein verdammtes Mitleid. Dann drückte er etwas fester an und verpasste sich eine etwa ein Zentimeter-tiefe Wunde, die sofort brannte. Er biss die Zähne zusammen. Wenn das jetzt nicht einmal etwas brachte, wäre er für immer sauer auf Dorian und sein schlechtes Ohnmachtstiming. Er hielt dem Vampir seinen Arm gegen die Lippen gepresst und ließ das Taschenmesser fallen.
      „Mhhm, lecker“, murmelte er. „Gourmet Vampirjäger-Blut. Das hat was, oder? Genug, dass du sofort aufwachen und ins Auto steigen willst? Yup, ich denke auch“ Alin hob den Kopf und sah über die Straße. „Und ich rede schon wieder mit mir selbst“, flüsterte er.
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    • Dorian

      Dorian wusste nicht was passiert war. Plötzlich wurde alles schwarz und er befand sich in endlos schierer Dunkelheit. Er kannte das schon. Jedesmal wenn er Blut roch oder sah wurde plötzlich alles schwarz um ihm herum. Normalerweise dauerte dieser Zustand nur wenige Augenblicke an. Normalerweise. Er spürte seinen Körper nicht mehr. Er wusste das er einen hatte - ganz offensichtlich hatte er einen - aber er spürte ihn nicht. Er spürte weder seine Finger noch seine Arme oder irgendeins seiner anderen Gliedmaßen. Das einzige was er spürte war sein Blut, wie es wild und stürmisch durch seine Adern jagte, als wäre es auf der Flucht. Er hatte das Gefühl, das Pochen seines Herzen unnatürlich laut wahrnehmen zu können…obwohl, war das überhaupt sein Herzschlag? Er kam ihm so fremd vor.
      Er wollte das alles hier nicht mehr. Dieser ganze Zustand machte ihm Angst. Es war nicht so, dass er nicht schon mal ohnmächtig wurde, wurde er und das wahrscheinlich häufiger als ihm lieb war, aber irgendwas daran war jetzt anders. Diese ganze Situation fühlte sich einfach anders an als sonst, anders als heute Morgen, als er wegen Alins blutende Hand kurz ohnmächtig wurde.
      Und dann hörte er etwas. Ganz leise, als wäre das Geräusch unwahrscheinlich weit weg, als wäre es in Watte gepackt worden. Das Geräusch kannte er, oder besser gesagt die Stimme kannte er. Er konnte sie nur nich zuordnen oder verstehen. Sie sagte Dinge in einer Sprache die ihm geläufig war, die er jedoch gerade nicht verstehen konnte.

      Gebannt versuchte er zuzuhören, zu verstehen was die Stimme sagte, aber er schaffte es nicht. Die Worte waren einfach zu weit weg. Er wollte gerade aufgeben und sich seinem Zustand einfach hingeben als er etwas anderes wahrnahm. Ein Geschmack. Jedenfalls war es als erstes ein Geschmack. Leicht süßlich mit einer metallenen Note als würde man auf Eisen beißen. Er wusste nicht was das war, aber er kannte diesen Geschmack und dann wurde daraus ein Gefühl. Als hätte man ihn plötzlich an einer zwölf Volt Batterie angeschlossen und Strom durch jede Faser seines Körpers gejagt.

      Plötzlich schoss eine Energie durch seine Adern, welche ihn sofort dazu brachte seine Augen zu öffnen…und dann wäre ihm glatt schon wieder schwarz vor Augen geworden.
      Alins Arm hing über ihn, auf der Haut ein tiefer Schnitt aus dem rötliche Flüssigkeit sickerte. Die selbe rötliche Flüssigkeit welche Dorian gerade dazu gebracht hatte seine Augen zu öffnen. Der panische Blick aus roten Augen starrte erst Alin an, dann dessen Arm und dann wieder den Vampirjäger.
      Es war nicht so, das Dorian keinerlei Instinkte hatte, die hatte er sehr wohl, auch wenn ihn das ganze Vampirtypische Verhalten anwiderte, konnte er nichts gegen seine körperlichen Reaktionen tun. Zum Beispiel das fletschen seiner Reiszähne. Diese Reaktion passierte fast wie von allein und erschrak den Vampir vielleicht sogar ein wenig mehr als es seinen Gegenüber tat. Hektisch und immer noch voller Panik rutschte Dorian von Alin weg, bewegte sich einige Meter rückwärts über den dreckigen Boden nur um Abstand zwischen ihnen beiden zu bringen. Um Abstand zwischen ihm und dem Blut zu bringen. Hastig fuhr er sich mit dem Handrücken über die Lippen, wischte kleine Reste von Alins Blut ab und starrte die roten Flecken auf seiner hellen Haut paralysiert an. Er wurde nicht ohnmächtig, nicht schon wieder, und das verwirrte ihn schon fast noch mehr als der Fakt das Alin ihm Blut gegeben hatte.

      „…Ich…ich wollte dir nicht weh tun…“ murmelte er leise, fast schon den Tränen nah. Das er Alin nicht verletzt hatte, wusste er nicht. Auch wenn er die saubere Schnittwunde an der Hand des Menschens gesehen hatte, war sein erster Gedanke, dass er ihn wohlmöglich gebissen hatte. „…es tut mir leid…“ Seine Stimme hatte was herzzerreißendes an sich. Als ob er sich gerade die Schuld für alles schlechte auf der Welt selbst gab.
    • Alin

      Alin erschrak etwas, als er unter sich wieder eine Bewegung wahrnahm. Er hatte sich an die unbequeme Position, das Gewicht auf seinen Beinen, die unheimliche Straße sowie das Brennen an seinem Arm schon so sehr gewöhnt, dass es fsst etwas friedliches an sich hatte. So da zu sitzen… einem Vampir mutwillig das eigene Blut einzuflößen… Zumindest war es eine Erfahrung, die in seiner Blutlinie bestimmt noch keiner vor ihm gemacht hatte. Insgeheim hatte er die Vorstellung sogar etwas witzig gefunden, sein Vater könnte hiervon erfahren. Aber Dorian brachte ihn glücklicherweise wieder zu Verstand. Alins Fokus lag nun wieder auf dem Vampir, der erschrocken von ihm wegkroch.
      „Hey, wir wär‘s mit nem Danke?“, sagte er und betrachtete dann kurz seinen Arm. Das Blut hatte sich bereits in seine Kleidung gesaugt und troff ihm an den Fingern herunter. War der Schnitt zu tief gewesen? Naja, war ja auch das erste Mal, dass er das getan hatte. Vielleicht sollte er das langsam verbinden…

      Alin sah erneut auf, diesmal verwirrt. Was redete Dorian da? Er hatte ihn nicht- Achso. „Das ist ein Schnitt“, sagte er stumpf und hielt dem Blonden seinen blutigen Arm entgegen, den man locker als Requisite für einen Horrofilm nutzen könnte. „Falls du keine Messer als Zähne hast, kannst das wohl kaum du gewesen sein, hm?“ Okay, vielleicht sollte er mit dem armen Kerl mehr Klartext sprechen. Aber eins nach dem anderen. Alin stand langsam auf, seine Beine kribbelten taub.
      „Steigen wir erst ins Auto, okay? Ich meine, hier war bisher niemand, aber man muss ja nicht noch länger riskieren, dass jemand sehen könnte, wie du mein Blut trinkst. Könnte… Fragen aufwerfen“, sagte er und nickte in Richtung Auto. Er schloss schnell den Kofferraum, den Einkaufswagen ließ er einfach stehen. Doch er hatte irgendwie das Gefühl, Dorian nochmal beruhigen zu müssen. „Du hast mich nicht gebissen, ich wollte nur, dass du aufwachst und wir hier verschwinden können“, versicherte er erneut. „Steig ein bevor du wieder ohnmächtig wirst, sonst muss ich dich liegen lassen“
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    • Dorian

      Dorians Beine zitterten als er sich langsam aufrichtete. Er hatte Alin nicht verletzt. Dieser Gedanke beruhigte ihn ein wenig, nicht viel aber immerhin ein klein wenig. Trotzdem verstand er nicht, warum der Vampirjäger ihm überhaupt sein Blut gegeben hatte. Selbst wenn man den ganz offensichtlichen Grund, das Dorian ein Vampir war und Alin ein Vampirjäger, außen vor ließ, machte das für ihn trotzdem kein Sinn. Hätte er sich für Alin verletzt?…vermutlich schon, aber wenn er ein Mensch gewesen wäre und Alin ein Vampir, hätte er sich das wahrscheinlich zwei mal überlegt, was aber wahrscheinlich eher an dem Fakt lag, dass er bei dem Anblick seines eigen Blutes wohlmöglich ebenfalls in Ohnmacht gefallen wäre und damit wäre ihnen beiden nicht sonderlich geholfen. Glücklicherweise war Alin kein Vampir und er musste sich nicht verletzt.

      Langsam ging er zu dem Auto, öffnete die Beifahrertür und ließ sich vorsichtig auf den Sitz sinken. In dem Auto lag der metallene Geruch von Blut. Irrte er sich, oder nahm er den Geruch stärker war als sonst? Allgemein fühlte er sich gerade auch anders. Irgendwie stärker, voller Energie, was kein Wunder war, wenn man bedacht, das er gerade Blut getrunken hatte. Trotzdem fühlte es sich anders an als sonst. Fühlte es sich so an, wenn man frisches Blut trank? Er hatte jetzt seit einigen Jahrzehnten nur Blutkonserven zu sich genommen. Die Wirkung war anders. Normalerweise musste er einige Liter injizieren bekommen um überhaupt irgendwas zu merken, dieses mal reichte schon eine minimale Menge damit er Dinge spürte und wahrnahm die er in hundert Jahren nicht mehr wahrgenommen hatte. Das machte ihm Angst. Er würde sicher nicht süchtig nach diesem Gefühl werden, dafür ekelte er sich viel zu viel vor Blut, aber warum wurde er nicht ohnmächtig so wie sonst? Es fühlte sich nicht gut an, das langsam trocknende Blut auf seiner Hand, geschweige denn Alins Arm anzuschauen oder den beißenden Blut Geruch im Auto zu riechen, aber ihm wurde nicht schwarz vor Augen, allerhöchstens ein wenig unwohl und schlecht, er hatte jedoch nicht das Gefühl sich übergeben zu wollen.

      „Warum hast du das getan?“ fragte er leise, den Blick auf seine Finger gerichtet. „Du hättest mich da einfach liegen lassen können.“ Das hätte wohl jeder andere gemacht. Er hätte Dorian einfach seinem Schicksal überlassen, ins Anwesen zurück fahren können und das Haus für sich alleine haben können. Das wäre so viel einfacher gewesen, als sich selbst zu schneiden um einen Vampir möglicherweise das Leben zu retten.
    • Alin

      Das war eine gute Frage. Warum hatte er das getan?
      Alin startete schweigend das Auto und konzentrierte sich erstmal darauf, sich endlich aus dem Staub zu machen. Dieser Parkplatz gab ihm ein ungutes Gefühl. Was… unvorteilhaft war, weil das wohl bald sein Hauptziel sein Einkaufen werden würde. Aber mit der Zeit gewöhnte man sich bestimmt an alles.

      Woran er sich noch nicht gewöhnt hatte, war sein schmerzender, blutender Arm und der Vampir neben ihm, der im Selbstmitleid badete. Sie waren beide die absolut tiefste Enttäuschung ihrer Spezies, was?
      "Ich weiß nicht", antwortete Alin vage. Die Stille erdrückte ihn ein wenig. Eigentlich wollte er sich garnicht so sehr damit befassen, was er getan und nicht getan hatte und aus welchem Grund. Er ignorierte mit jedem Atemzug, den er tätigte, alle Glaubenssätze seiner Familie. Darüber nachzudenken, wieso er etwas tat, änderte nichts daran, wie falsch es in ihren Augen war.
      "Ich hatte Mitleid mit dir", sagte er dann.
      Besser würde die Erklärung wohl nicht werden. Er war kein Mensch, der andere irgendwo im Stich ließ. Er war auch niemanden, der andere absichtlich verletzte, wenn er es vermeiden konnte. Und dummerweise war er wohl auch jemand, der zu schnell dabei war, seine eigene Gesundheit, sein eigenes Leben für andere aufs Spiel zu sitzen. Und das, obwohl er kaum etwas zu bieten hatte. Im besten Falle wäre er ein einfaches Bauernopfer. Dass er Dorian nicht zurückgelassen hatte, lag jedoch auch daran, dass er ein furchtbar schlechtes Gewissen hätte. Er hatte ihn immerhin mit in die Stadt genommen. Ohne ihn zurück in die Villa zu kommen, so praktisch es auch wäre, hätte er nicht übers Herz gebracht. Das Haus gehörte nicht ihm und Stehlen war falsch. Mord war falsch. Beihilfe zum Mord war ebenfalls falsch. Er beneidete normale Menschen, die sich ganz einfach an diese alltäglichen Grundsätze halten konnte, ohne dass ihnen jemand ein Fehlverhalten vorwarf. Ihnen sagte, wie unfähig und verweichlicht sie waren. Dass seine Familie Mord für richtig hielt, egal ob es nun um Vampire ging, würde er nie verstehen. Und vielleicht hätte er es auch schon viel früher aufgeben sollen.
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    • Dorian


      Dorian nickte leicht. Er hallte also Mitleid mit ihm. Das hätte Dorian wahrscheinlich auch gehabt. Immerhin hatte Alin ihn nicht dort liegen gelassen, es gab zwar durchaus traurigere Arten diese Welt zu verlassen, aber trotzdem wollte er ungern von dem gruseligen Kassierer in einen noch gruseligeren Keller gesperrt werden. In seinem Kopf hatte sich jetzt das schon Bild gefestigt, dass mit dem Typen irgendwas nicht ganz stimmte und das er definitiv irgendwelche seltsamen Geheimnisse hatte. Wahrscheinlich stellte er Lampenschirme aus menschlicher Haut her oder sowas…

      „Danke.“ murmelte er leise. Er war Alin wirklich dankbar. Wahrscheinlich war er noch nie einer Person dankbarer als dem Vampirjäger in diesem Moment. Alleine hätte er das sicher nicht geschafft, auch wenn er sich immer noch nicht so ganz sicher war, ob er Alins Lösungsansatz so gut finden sollte. Der Geschmack von Blut hatte er immer noch im Mund. Und trotzdem war diesmal irgendwas anders. Es war nicht so, dass es ihn nicht trotzdem anwidern würde - das tat es - aber nicht so schlimm wie sonst. Er ekelte sich nicht vor sich selbst oder vor dem Geschmack, welchen er jetzt wohl für die nächsten Stunden noch im Mund haben würde. Vielleicht lag das am dem Geschmack selbst, es schmeckt anders, süßlicher, nicht so wie das Blut, welches seine Eltern ihn damals gezwungen hatte zu trinken. Vielleicht lag es daran, dass Alin ihm sein Blut freiwillig gegeben hatte und er den ganzen Schmerz und die Angst nicht schmecken konnte. Vielleicht lag das aber auch nur daran, dass er ohne vielleicht nicht mehr aufgewacht wäre…wer wusste das schon?
      Bevor er noch weiter in die Spirale seiner Gedanken abdriftete versuchte er die ganze Situation erstmal ein wenig in den Hintergrund zu rücken.

      „Vielleicht sollten wir für heute aufhören…der Tag war lang…“ normalerweise würde sein Tag jetzt erst richtig anfangen, aber dank Alin war er nun auch schon einige Stunden wach und so langsam wurde er echt müde. Die Aufregung, die harte Arbeit und der kleine Supermarkt-Zwischenfall hatten ihren Preis.
    • Alin

      „Keine Sorge, ich bin auch durch“, antwortete Alin und schaltete erneut das Radio an. Leise summte es im Hintergrund irgendeinen alten Lorde Song, der ein wundervolles Rauschen über seine Gedanken legte. Die Nacht zog an ihnen vorbei und Alin wurde im Laufe der Fahrt immer müder, je ruhiger die Stimmung wurde. Der Tag war semi-erfolgreich gewesen. Bei all dem Kraftaufwand würde Alin die langsam erdrückende Müdigkeit nicht weiter seltsam vorkommen, jedoch war da immer noch sein Arm, der nicht aufhörte zu bluten und bei jeder Bewegung des Lenkrads schmerzte. Er hatte es mit dem Schnitt unbeabsichtigt übertrieben, wie es schien, vor allem wenn er die geringe Menge an Blut bedachte, die Dorian getrunken hatte. Interessant war, dass der Vampir dennoch deutlich besser bei Sinnen zu sein schien als den ganzen Tag zuvor. Was wohl eine normale Ernährung bei ihm bewirken könnten… Aber Alin sollte lieber froh sein, dass Dorian kein Interesse daran hatte, Menschen zu überfallen. Alleine nach seinem schockierten Blick vorhin, als er dachte Alin selbst verletzt zu haben, war er überzeugt. Dieser Vampir würde ihm wohl kaum etwas tun. Damit konnte er heute Nacht sicher etwas ruhiger schlafen, und vor allem: mal wieder in einem Bett. Zwar waren sie mit seiner Liste nicht weit gekommen und Alin würde sich in seinen Schlafsack wickeln, um die dreckigen Laken nicht berühren zu können, aber glücklicherweise hatte er schon begonnen, seinen Amazon Warenkorb zu füllen.

      Als sie zurück bei der Villa ankamen, stellte Alin sein Auto ab und drückte Dorian wohl oder übel die schwerere Einkaufstasche in die Hand, weil er seinen rechten Arm nicht belasten wollte. Und dann… Duschen. Endlich. Das Wasser war zwar kalt und Alin war nachher völlig durchgefroren, aber zumindest hatte er sich mit seinem kleinen Reiseduschgel zu guter letzt den ganzen Staub vom Körper und aus den Haaren waschen können.
      Von Dorian hatte er sich recht schnell verabschiedet, Alin wollte bloß noch ins Bett, so früh es auch sein musste. An der Bettkante sitzend stellte er seine kleine solarbetriebene Lampe auf, desinfizierte und verband seine Schnittwunde und aß nebenher noch eines der abgepackten Sandwiches, die er vorhin gekauft hatte. Es war still, doch er war völlig in Gedanken versunken. Der Tag hatte ihn doch mehr Energie gekostet, als gedacht. Sich selbst zu verletzen, um einem Vampir zu helfen… Das war weiter gegangen, als er sich selbst zugetraut hätte. Und was war mit diesem Kerl im Supermarkt? Allgemein war Alin noch nicht überzeugt von der kleinen Stadt. Bei Tageslicht sollte er wohl nochmal hinunter fahren und sich umsehen, vielleicht mit jemandem reden. Das würde sicher helfen.

      Satt und fertig verbunden schaltete Alin die Lampe aus und kuschelte sich in seinen Schlafsack. Er hatte noch Jogginghose und einen Pullover an, dessen Kapuze er über den Kopf zog, da es Abends doch ziemlich kalt hier wurde. Heizung und Warmwasser waren definitiv der erste Schritt, sobald er morgen aufwachte.
      Alin schloss die Augen.
      Klack.
      Er öffnete sie wieder. Was war das für ein Geräusch? Außer Dunkelheit sah er nichts, doch er redete sich ein, es sich eingebildet zu haben.
      Klack. Da war es schon wieder. Als würde jemand ein Kieselsteinchen von der Decke fallen lassen. Alin kniff die Augen fest zu. Das waren sicher bloß Mäuse, die Holzfasern aus der Denke plumpsen ließen, oder so. Nicht, dass das auch nur annähernd so ein Geräusch machen würde. Ugh.
      Er vergrub den Kopf im Schlafsack und zippte ihn zu, soweit es ging. Hatte er Angst? Ein wenig. Aber eigentlich konnte nichts passieren. Ein wenig Ungeziefer würde ihm schon nichts anhaben. Auch wenn er… plötzlich eine Gänsehaut am Körper spürte. Sein Bauchgefühl gab ihm jedoch kein Warnsignal. Vielleicht, weil es einfach nur logisch war, dass ihm hier nichts passieren konnte. Er war alleine. Vor Ratten und Mäusen hatte er keine Angst. Alles war gut.
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    • Dorian

      Er konnte sich die Fahrt über kein bisschen konzentrieren, gut, dass er das im Grunde auch nicht musste. Der dezente Geruch nach Blut schien in dem Wagen noch stärker ausgeprägt zu sein, als vorhin, was kein Wunder war, immerhin waren sie gerade noch draußen gewesen. Glücklicherweise schien Alin auch keine Interesse an einem Gespräch zu haben, also konnte sich Dorian einfach dem leisen Rauschen des Radios hingeben und verträumt aus dem Fenster schauen, versuchend den Geruch so gut es ging zu ignorieren.
      Der Vampir war froh, als sie das Anwesen endlich wieder erreicht hatten und sie nun für die Nacht getrennt Wege gehen konnte. Eigentlich war Dorian gar nicht so wirklich müde. Er war fertig und geschafft von der Arbeit und er Aufregung aber nicht wirklich müde, trotz dessen und vor allem gegen seinen eigentlich Rhythmus machte er sich trotzdem soweit fertig damit er rein theoretisch schlafen gehen könnte.

      So lag Dorian also eine knappe halbe Stunde später in seinem Schlafzimmer. Es war ungewohnt so viel Bewegung im Haus zu hören. Zu hören die das Wasser lief und die Dielen knarzten. Es fühlte sich ein wenig an wie früher, als er noch in einem belehnten Haus gewohnt hatte. Als er noch nicht alleine war und in dem ganzen Haus Bewegung herrschte. Seine Mutter, die immer viel zu früh wach war und an machen Tagen schon am frühen Abend angefangen hatte Vorbereitungen für die nächsten Stunden zu treffen. Sein Vater, welcher sich für die Jagt vorbereitet hatte. Onkeln, Tanten, mehrere Generationen, welche sich regelmäßig für diverse Treffen jeglicher Art bei ihnen im Haus eingefunden hatte. Auch wenn er die Menschen meistens nicht vermisste, oder die Partys, die Gespräche in denen es meistens um sein Versagen ging, vermisste er das Gefühl nicht alleine zu sein. Am Anfang hatte er es genoss niemanden um sich rum zu haben, welche ihn fertig machte, aber mit der Zeit wurde man auf Dauer ganz schön einsam.

      Er konnte nicht schlafen. Nicht das er damit nicht gerechnet hatte, aber irgendwie hatte er gehofft sich wenigstens ein wenig ausruhen zu können, aber er konnte nicht und dass nicht mal nur wegen seines eigentlichen Schlafrhythmuses. Er hatte Hunger…oder Durst, je nach dem. Er konnte kaum richtig denken. Er hatte das Gefühl sein Magen würde sich selbst verschlingen, wenn er nicht was dagegen unternehmen würde. Und zu allem übel hatte er immer noch den Geruch von Alins Blut in der Nase. Er hörte Alins Puls so deutlich als würde der Mensch neben ihm liegen. Hörte wie dessen Herz Blut durch jede Vene und Arterie seines Körpers Blut pumpte.
      Er musste hier weg und zwar schnell!

      Etwas zu hektisch hechtete er aus seinem Schlafzimmer, ließ die Tür einfach offen stehen ehe er aus dem nächst besten, nicht ganz zugenageltem Fenster förmlich floh. Draußen war es kühler geworden. Die Nacht war wolkenbedeckt und trüb. In keinem Haus der kleinen Hafenstadt brannte mehr Licht und selbst nur jede zweite Straßenlampe gab einen warmen Schein ab, was aber wahrscheinlich eher an den Lampen selbst und nicht an der Uhrzeit lag. Er hatte noch nie solchen Hunger gehabt. Das Gefühl von Hunger kannte er kaum. Er wusste, wie es sich anfühlte wenn er wieder was zu sich nehmen musste. Er wusste wie schwach er sich dann anfühlte, aber Hunger war ein ganz anderes Gefühl. Eine Mischung aus Schmerzen und Verlangen.


      Dorian wusste nicht wie lange er unterwegs gewesen war. Wie lange er in seiner Fledermaus-Gestalt über die dunklen Häuser geflogen war, aber irgendwann war er wieder in dem Anwesen angekommen, auch wusste er nicht mehr so richtig wie und vor allem wusste er nicht woher der seltsame Geschmack in seinem Mund kam als er auf dem Fußboden im Flur des Anwesen aufwachte. Der Boden unter ihm war an einigen Stellen Blut verschmiert, genau so wie seine Hände und sein Mund. Wie paralysiert starrte er auf seine Finger, dann auf den dreckigen Boden, ehe er erschrocken zurück zuckte und dabei eine alte, verstaubte Vase umstieß, welche als solches kaum noch zu erkennen war. Das Glas klirrte mit einem lauten Scheppern auf die Fließen, umgab Dorian als hätte jede Scheibe zu dem beigetragen was mit ihm passiert war. Er wollte schreien, weinen, sein Gesicht in seinen Händen vergraben und sich zusammen rollen, er tat jedoch nichts von all dem. Er starrte einfach nur mit einem Gefühl als würde er sich übergeben müssen oder in Ohnmacht fallen auf seine blumigen Hände. Dorian wusste nicht was gestern Abend passiert war. Er wusste, dass er nicht schlafen konnte, weil er Alins Blut so entsetzlich laut in seinen Ohren gehört hatte und das er wahnsinnigen Hunger hatte. Dann war er raus gegangen…und irgendwann hörten diese Erinnerungen einfach auf…
    • Alin

      Ein sanftes Klirren ließ Alin am nächsten Morgen langsam die Augen aufschlagen. Erst hatte er keinerlei Orientierung, dann wurde ihm langsam wieder bewusst, wo er war. Er hatte erschreckend gut geschlafen, trotz der Kälte und der unangenehmen Geräusche.
      Alin öffnete seinen Schlafsack und setzte sich auf. War es nicht etwas früh? Die Sonne schien kaum und es war immernoch furchtbar kalt. Alin unterdrückte ein Zittern und zog sich seine Jacke über. Was war das eben, das ihn aufgeweckt hatte? Es war so weit weg gewesen…

      Er war noch zu schlaftrunken um sich viele Gedanken oder Sorgen zu machen, also tapste er nur langsam durch den langen Gang und die Treppen hinunter. War es von unten gekommen? Ein Wunder, dass man durch diese massiven Türen überhaupt etwas hörte. Er gähnte am Weg ins Erdgeschoss vier Mal, dann erreichte er die letzte Stufe und stürzte beinahe. Plötzlich war er völlig klar. Kein bisschen Müdigkeit war übrig, als er am anderen Ende des Gangs Dorian bei der Tür am Boden sitzen sah. Um ihn Scherben, Blut und… ein totes Tier. War das…eine Katze?
      Alin blieb auf seiner Stufe wie eingefroren stehen. Vielleicht war er zu… optimistisch gewesen. Zu leichtgläubig. Zu unvorsichtig und überzeugt, dass Dorian harmlos war. Allerdings… wieso hatte er eine Katze getötet, wenn Alin nur einige Meter weiter im anderen Zimmer geschlafen hatte? Dorian war zwar gerade recht wie weg und Alins Sicht war vom Schock etwas verschwommen, aber er könnte schwören, dass Dorian ebenso verängstigend von der Situation aussah, wie er selbst. Ohnmächtig war er allerdings nicht.
      "W-was… ist passiert?", fragte er also, weiterhin mit zwanzig Meter Sicherheitsabstand. Er beschloss, nach einem einfachen Prinzip zu handeln: der Unschuld eines Angeklagten bis zum Urteil.
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    • Dorian

      Der Vampir zuckte zusammen als er Alins Stimme hörte. Sein Kopf schnellte hoch, seine Halswirbel knackten unangenehm. Fast hätte er sich seinen Kopf an dem Stein hinter sich angeschlagen. „Ich…ich weiß es nicht…“ murmelte er leise, die Stimme immer noch voller Panik.
      Das war eine Lüge, er wusste genau was passiert war. Er konnte es sich jedenfalls denken. Der Hunger, das Verlangen nach Blut, der unstillbare Gedanken seine Zähne in irgendwas lebendigen zu versenken, Alins Herzpochen und der Geruch des getrockneten Blutes…
      „ich…ich wollte das nicht.“ Tränen füllen sich in seinen Augen, seine Sicht wurde verschwommen bis er sich nicht mehr zurück halten konnte. Dorian wusste nicht was mit ihm passiert war. Er kannte dieses Verhalten nicht von ihm. Er war gegen Gewalt, gegen Tod, er hatte noch nie ein Wesen umgebracht, allein das zusehen bereitete ihn Unbehagen. Er wusste nicht Mals wie er es geschafft hatte die Katze umzubringen ohne dabei selbst in Ohnmacht zu fallen, so wie es ihm alleine schon bei dem Anblick von Blut normalerweise der Fall war. Auch wusste er nicht warum er nich ohnmächtig wurde, immerhin sah er hier nicht nur Blut, sondern schmeckte es auch. Allein der Gedanke ekelte ihn an. Er machte sich noch ein wenig kleiner. Alin würde ihn jetzt sicher umbringen. Er hatte das verdient, immerhin hatte er ein wehrloses Tier kaltblütig umgebracht um es als Nahrung und Befriedigung seiner blutigen Gelüste zu benutzen. Er hatte sich noch nie in seinem Leben so sehr vor sich selbst geekelt…
      „…es tut mir leid…“ murmelte er leise, immer und immer wieder. Er wusste nicht bei wem er sich entschuldigte, bei Alin oder der toten Katze. Er roch das fremden Blut an seinem Körper, wie es in Alins Klamotten, welche er immer noch trug, sickerte, sich dort festbiss. Er spürte das getrocknete Blut auf seiner Haut, hatte das Gefühl sie würde an den Stellen entsetzlich jucken, hatte das Bedürfnis die infizierte Haut abzuschneiden nur um das Gefühl los zu sein. Er hatte das alles doch nie gewollt…