The Waves of Fate [Rheira&Tristale]

    • Arien Darkbloom & Jade Rhea Summer

      Während Arien - welcher oft mit dem Flugzeug geflogen war und der allgemeinen Aufregung des Fliegens nicht viel abgewinnen konnte - den halben Flug verschlafen hatte, war Jade förmlich am Fenster des Flugzeuges geklebt und hatte begeistert beobachtet wie sie gestartet und wieder abgehoben waren.
      Sie fühlte sich noch immer unglaublich schlecht, dass sie einfach heimlich diese Reise angetreten war. Die Rothaarige wusste, dass ihr wahrscheinlich untertrieben die Hölle auf Erden blühte, wenn sie zurückkehrte, aber sie hätte es sonst ihr Leben lang bereut. Faith hatte so begeistert geklungen und die Freude dieses sonnigen Gemüts war förmlich ansteckend gewesen. Zudem war die Aussicht einige Tage mit Hawke verbringen zu können.....Ihr Magen hatte förmlich gekribbelt.
      Natürlich war all das kindische Schwärmereien, da für sie der Schwarzhaarige nach wie vor ein echter Märchenheld war, aber sie hatte einen Freund und damit ging sie doch gedanklich fremd.
      Jade empfand sich als den schlimmsten Menschen überhaupt und sie fühlte sich elend. Jemand wie Hawke würde nie Interesse an so einem furchtbaren Menschen wie ihr haben und das durfte er auch nicht. Sie hatte einen Freund und sie liebte ihn....sie liebte ihn,oder?
      Der komplette Flug war eine wahre Achterbahn der Gefühle. Eine Mischung aus purer Euphorie überschattet mit Selbsthass.
      Und doch konnte es Jade nicht erwarten in London zu sein.
      Dies würde ihr erstes richtiges Abenteuer werden! Ihr erster Besuch im Ausland!

      Sowohl London als auch der Campus verspürten einen Charme, wie ihn nur eine so historisch trächtige Stadt wie London besitzen konnte. Trotz der Moderne schwebte immer noch die Eleganz der viktorianischen Zeit über die Hauptstadt. Sie hatten am ersten Tag frei bekommen, nachdem die Universität freundlich empfangen hatte und ihnen ihre Zimmer zugewiesen hatte. Eine richtige Führung würden sie am Folgetag erhalten, jetzt sollten sie sich erst einmal ausruhen, etwas essen und den Reisestress abschütteln.
      Die ersten organisatorischen Gespräche hatte Arien geführt. Mit seinem fließenden Englisch und aufgrund seines Rufs wurde dies nun einmal erwartet und Arien wusste, dass er zumindest auf dem Unigelände noch den Schein wahren musste.
      Das er allerdings ausgerechnet sein Zimmer teilen musste, damit hatte er nicht gerechnet.
      Er wollte es zwar nicht zeigen, aber es war ihm ähnlich wie Hawke deutlich anzusehen, dass er alles andere als begeistert darüber war, nicht einmal in seinem Zimmer er selbst sein zu dürfen. Dies bedeutete, dass Arien konstant in der Stadt sein würde, wenn er sie keinen Unterricht hatten.
      Arien konnte beim besten Willen nicht nachvollziehen, weshalb gerade er, der selbst in der Uni ein Privatzimmer besaß, ausgerechnet hier an so einer Eliteuniversität - so schimpfte sie sich jedenfalls- kein eigenes Zimmer bekam. Hatte das Geld nicht gereicht, oder was? Arien spielte mit dem Gedanken sich vielleicht ein Hotel zu nehmen...
      Als Hawke, welcher die komplette Zeit abgesehen von einer paar Sätzen an Jade kein Wort mit ihnen allen gewechselt hatte, plötzlich mit ihm sprach, musste sich Arien so unglaublich verkneifen, jetzt keinen blöden Spruch los zu lassen, dass es sich fast einfühlte wie ein Schlag in die Magengrube. Alles in ihm schrie danach, sein wahres Ich zu präsentieren und doch schluckte er jedes sarkastische Kommentar brav hinunter und nickte.
      "Stimmt. Es ist ein schönes Zimmer."
      Danach kehrte wieder Stille ein. Wow....mal sehen, wer hier wen als erstes umbrachte...

      Jade wiederum konnte ihr Glück gar nicht fassen, als sie das Zimmer mit Faith betrat. Es war wunderschön! Groß, geräumig und mit diesem eleganten Charme, welchen schon der ganze Ort verspürt hatte. Jade fühlte sich fast ein wenig wie in Hogwarts. Leider gab es hier keine Häuserzuteilung und sie würden auch nicht zaubern, aber für sie lag hier Magie in der Luft. Das sie mit Faith auch so eine liebe Mitbewohnerin hatte und nicht allein sein musste, gab ihr noch einmal ein wenig mehr Zuversicht. Faith würde mit ihr sogar einen Stadtbummel machen! Sie konnte nicht anders als die hübsche Hellhaarige mit großen Augen anzusehen. "Wirklich? Ich würde mich sehr freuen!"


      ღ For my lovely Warlock ღ

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    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith wirbelte durch das Zimmer wie ein kleiner Sturm. Während sie ihre Kleidung aus dem riesigen Koffer zog, schüttelte sie immer wieder einzelne Stücke aus, strich sie glatt und legte sie ordentlich in die Schränke. Zwischendurch schob sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr, nur damit sie im nächsten Moment wieder herausfiel. Im Bad beugte sie sich kurz über die kleine Schublade, die ihr zugeteilt war, und sortierte ihre Kosmetiksachen hinein, auch wenn der Platz einfach viel zu wenig war, den sie hatte. Aber alles musste irgendwie seinen Platz finden, damit sie so schnell wie möglich los konnte. Ihre Bewegungen waren flink, fast schon tänzelnd, und jedes Mal, wenn ihr Handy vibrierte, zuckte ihr Kopf sofort in dessen Richtung. Sie war eindeutig im Entdecker‑Modus. Und während sie nun endlich ihren leeren Koffer unter ihr Bett schob, hielt sie plötzlich inne, starrte auf ihr Handy und ihre Augen wurden groß. "Oh! Wie findest du das hier?", sie drehte sich halb zu Jade um, streckte ihr das Handy fast zu nah ins Gesicht und grinste breit. Auf dem Display: eine kleine Boutique, süß, verspielt, mit Klamotten, Schmuck, Taschen. Alles, was Faiths Herz höher schlagen ließ. Ihre Augen funkelten. "Da muss ich unbedingt rein.". Sie zog das Handy wieder zu sich, tippte sofort weiter, die Unterlippe leicht zwischen den Zähnen eingeklemmt, während sie eine Nachricht in die Gruppe schrieb. "Ich frag mal, wie es bei den Jungs aussieht. Ich hab langsam echt Hunger... und später in eine Bar reinsetzen wäre doch auch was.". Faith hob kurz den Blick, schmunzelte und zuckte mit den Schultern, als würde sie sich selbst rechtfertigen. "Wenn wir schon gemeinsam in London sind, dann können wir die Stadt doch auch zusammen erkunden.". Während sie die Nachricht abschickte, sah man ihr deutlich an, dass sie die Reaktion der beiden Jungs bereits erahnte. Hawkes skeptischer Blick und Ariens genervtes Stirnrunzeln. Sie hatte es auf der Hinreise schon bemerkt. Die sollen sich nicht so anstellen, ein bisschen Spaß hat noch keinem geschadet.

      Hawke Li-Winslow
      Hawke räumte die große Sporttasche aus, als würde er damit gleichzeitig versuchen, das schlechte Gewissen aus seinem Kopf zu sortieren. Ein Shirt nach dem anderen landete im Schrank. Schwarz, Dunkelgrau, dunkelblau, dass man ihn nur mit gutem Willen nicht für schwarz hielt. Ein Farbspektrum, das so aussah, als hätte jemand die Sättigung seines Lebens heruntergedreht.
      Er hängte gerade noch eine weitere Lederjacke in den Schrank, rückte es zurecht und blieb kurz mit der Hand am Bügel hängen. Seine Finger trommelten unruhig dagegen, bevor er sie zurückzog und legte dann ein paar persönliche Dinge in die unterste Schublade.
      Gerade als er die Schublade zuschob, vibrierte sein Handy. Er hatte sich schon gedacht das sie so schnell antworten würde, aber als er auf sein Handy blickte, war es doch keine Nachricht von Mia. Stattdessen eine Nachricht in der neuen Gruppe.
      Er fuhr sich mit zwei Fingern über die Stirn, als müsste er einen beginnenden Kopfschmerz wegdrücken. Was auch immer ich in meinem früheren Leben verbrochen habe... das hier ist wohl die Strafe.
      Nicht nur, dass er sich ein Zimmer mit Arien teilen musste, dem Typen, dem das Glück und das Geld offenbar in regelmäßigen Abständen persönlich in den Hintern geschoben wurden. Nein, jetzt durfte er sich auch noch mit der anderen reichen Göre rumschlagen. Sie wirkte zumindest ein bisschen freundlicher als Arien. Vielleicht. Eventuell. Er war sich noch nicht sicher, ob das echte Fröhlichkeit war oder dieses aufgesetzte Lächeln, das Anwaltstöchter im Schlaf trainierten. Wenigstens war Jade dabei, jemand, den er schon kannte.
      Er seufzte leise, tippte mit dem Daumen gegen die Handyhülle und hob den Blick zu Arien, der irgendwo im Zimmer beschäftigt war. "Faith und Jade wollen wohl in die Stadt und fragen, ob wir mitwollen.".


      Es ging alles schneller, als es Hawke lieb war. Eben noch im Zimmer, und im nächsten Moment schon mitten in London. Umgeben von Stimmen, Lichtern und diesem Gefühl, dass er hier eigentlich gar nicht sein sollte, weil ihn sein schlechtes Gewissen noch immer viel zu sehr plagte. Die Mädels liefen ein Stück voraus, redeten, lachten, zeigten auf Gebäude, die er nur halb wahrnahm. Dabei war die Stadt eigentlich schön. Die alten Fassaden, die engen Gassen, die warm beleuchteten Cafés, alles wirkte einladend und gemütlich. Aber Hawke konnte sich im Moment noch nicht wirklich darauf einlassen. "Sieht so aus, als hätten sie schon einen Plan", murmelte er mit einem schiefen Lächeln zu Arien.
      Faith drehte sich in diesem Moment zu ihnen um. Sie liebte Städte, das sah man ihr an. Ihre Augen wanderten neugierig über die Schaufenster, die bunten Schilder, die kleinen Lichterketten über den Straßen. Immer wieder sah sie zurück, um sicherzugehen, dass die Jungs nicht verloren gingen. Arien wirkte wie immer gelassen, aber Hawke...
      Er sah aus, als würde er jeden Moment überlegen, ob er einfach umdreht und verschwindet. Faith lächelte warm und winkte, "Kommt ihr? Wir wollen uns die Altstadt anschauen!".
      Sie gingen weiter, und die Stadt öffnete sich vor ihnen. Kopfsteinpflaster, kleine Boutiquen, Straßenmusik, der Duft von Kaffee und Gebäck, der aus offenen Türen strömte. Der Wind war kühl, aber angenehm, gerade so frisch, dass man die Jacke ein Stück enger zog, ohne das man frieren musste und die Sonne schaffte es immer wieder durch die Wolken, warf kurze, helle Flecken auf das Kopfsteinpflaster, bevor sie wieder verschwand.

      Der frühe Nachmittag verflog schneller, als es irgendjemandem bewusst wurde. London hatte diese Art, Zeit zu verschlucken, zwischen den Geräuschen der Straßen, dem stetigen Fluss der Menschen und den kleinen Momenten, die man unterwegs aufschnappte. Sie hatten die Stadt ohne festen Plan erkundet. Ein bisschen hier stehen geblieben, ein bisschen dort. Vor einem alten Buchladen, dessen Schaufenster vollgestopft war mit vergilbten Ausgaben und handgeschriebenen Preisschildern. Vor einer Bäckerei, aus der der Duft von warmen Scones und frischem Brot strömte. Vor einem Straßenmusiker, der mit einer Gitarre eine melancholische Melodie spielte, die sich zwischen den vorbeilaufenden Menschen verlor.
      Als die Gruppe schließlich über eine der Brücken ging, die sich über die Themse spannten, blieb Faith kurz stehen und lehnte sich über das Geländer. Das Wasser war dunkel und die Lichter der Stadt spiegelten sich darin wie kleine, vibrierende Punkte. Hawke stellte sich neben sie, ohne ein Wort zu sagen. Die Luft war inzwischen merklich kühler geworden, und die Dämmerung hatte sich fast unbemerkt in ein frühes Abendgrau verwandelt.
      Hawke zückte sein Handy, hielt es kurz hoch und machte ein Foto, damit er es später an Mia senden konnte, er wusste wie sehr sie sich freuen würde, wenn er sie wenigstens auf diese Weise auf seine Reise mitnahm.
      Dann steckte er das Handy wieder ein, atmete tief durch und als er den Blick nach rechts wandte, fiel ihm ein beleuchtetes Schild ins Auge. Eine Bar, warmes Licht, offene Tür, und durch die Fenster konnte man sehen, dass dort auch Essen serviert wurde. Sein Magen erinnerte ihn sofort daran, dass er seit dem Weg in die Stadt nichts gegessen hatte und die Anderen vermutlich auch nicht. "Da drüben gibt's was zu essen", sagte er und blickte in die Runde.
    • Arien Darkbloom & Jade Rhea Summer

      Wenn man Faith beschreiben müsste, konnte man sie wohl mit einem Wirbelsturm vergleichen. Sie riss die Leute quasi mit sich, ob diese es nun wollten oder nicht. Während Jade diese Art erfrischend fand, vielleicht auch ein wenig einschüchternd, hatte sie das Gefühl das in ihrer neuen Mitbewohnerin für ihre Zeit in London einfach ein unglaubliches Feuer steckte. Arien wiederum hätte die Zeit gerne mit Faith verbracht, allerdings ohne Anhängsel, bei welchen er seine Fassade aufrecht erhalten musste und Hawke? Dieser trottete hinter ihnen her, als hätte er gerade dem Abgrund seiner ganzen Existenz ins Auge geblickt. Ihre Reiseführerin hatte sie alle so schnell eingepackt, dass sie sich kaum ein Augenblinzeln später gemeinsam in der Innenstadt Londons wiederfanden und durch die historienträchtigen Straßen liefen. Wie Jade es aus ihren Büchern katte, roch die Stadt nach Regen, überall lag ein Zauber in der Luft und es war fast ein wenig schade, dass sie sich nicht in der Vergangenheit befanden. Hier in diesen Straßen in alten viktorianischen Gewändern entlang zu schreiten, stellte sich die Rothaarige absolut magisch vor. Die Vorstellung der gelockten Haare, der engen Coursagen und den weiten Röcke ...
      Jade blickte in ein Schaufenster zu ihrem Spiegelbild und malte sich aus, wie sie in dem Jahrhundert wohl darin ausgesehen hätte. Alles war so aufregend, so neu und voller Eindrücke das Jade gar nicht wusste wohin sie als erstes schauen sollte. Faith war wie die Verkörperung des Sonnenlichts. Sie strahlte selbst in den grauen biederen Seitengassen, dass man praktisch keine Laternen brauchte. Die Rothaarige konnte nicht anders als ihr hinterher zu stolpern und von all der Energie mitgerissen zu werden. Gemeinsam mit Faith blickte sie in die verschiedenen Geschäfte, analysierte die Bäckereien und staunte über die Straßenmusiker. All das war wie ein Traum.
      Die Jungs wiederum waren ihnen schweigend hinterher gelaufen. Auch wenn der Hellhaarige versuchte seine Farce aufrecht zu erhalten, geduldig und mit einer freundlichen Mine den Damen zu folgen, konnte er es nicht verhindern an jedem Pub ein klein wenig langsamer vorbei zu laufen und die ausgeschriebenen Schilder zu betrachten.
      Wie wurde er nur seine Anhängsel los, damit er sich all diese Locations in Ruhe ansehen konnte? Er musste sich abends wohl herausschleichen. In den Pubs welche sogar tagsüber offen hatten, saßen schon allerhand unterschiedlicher Leute. Es erklang Gesang offensichtlich alter Lieder, das Geräusch von klirrenden Gläsern und Gelächter erfüllte diese Orte. Arien wollte dort nicht etwas trinken, er wollte dieses Feeling erleben. Wollte die Einheimischen kennenlernen, die Getränkegeheimnisse der Barkeeper ergründen. Er wollte in der Dunkelheit durch die Gassen Londons schlendern, mit dem ein oder anderen attraktiven Menschen tanzen und diese Stadt von ihrer echten Seite kennenlernen.
      Nun das musste wohl warten. Gelassen lief er den anderen also nach, bis sie an einer Brücke stehen blieben. Jade zeigte Faith eine Ente, welche dort entlang schwamm und kleine Babys im Schlepptau hatte, während Hawke offenbar eine Bar für ihr aktuelles Mittagessen auserkoren hatte.
      "Guter Plan. Bin dabei." stimmte Arien dem anderen Mann in der Runde zu und sah zu den Mädchen, welche wohl noch Energie für 100 hatten. Dafür das Jade so ein zierliches Ding war, konnte sie überraschend gut mit ihrem Wirbelwind Faith mithalten. Jade in ihrem übergroßen Hoodie blickte von den Enten auf und wanderte mit ihrem Blick zuerst zu Arien, blieb aber sofort bei Hawke hängen.
      Arien grinste leicht und lehnte sich flüsternd zu dem anderen.
      "Du bist dir darüber im Klaren, dass sie total auf dich steht, oder?"


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith hätte problemlos den ganzen Tag durch London laufen können. Die Stadt lebte, funkelte und sie saugte alles davon auf. Jade war dabei die perfekte Begleitung: ruhig, aber aufmerksam, und immer bereit, sich von Faiths Energie mitreißen zu lassen.
      Immer wieder zeigte Jade aufgeregt auf irgendetwas: ein Schaufenster voller bunter Cupcakes, eine kleine Bäckerei, aus der der Duft von warmem Brot strömte, ein altes Gebäude mit kunstvollen Verzierungen, ein Straßenkünstler, der mit Kreide ein riesiges Mandala auf den Boden zeichnete.Faith lachte, kommentierte, zog Jade weiter, blieb wieder stehen. Es war ein ständiges Hin und Her, das sich aber leicht und frei anfühlte. Sie liebte solche Tage.Keine Verpflichtungen.Nur laufen, schauen und staunen. Als sie an der Brücke ankamen, zeigte Jade begeistert auf eine Ente, die mit ihren winzigen Küken über das dunkle Wasser glitt. Faith beugte sich über das Geländer, lächelte breit und machte ein kleines Geräusch, das irgendwo zwischen 'Awww' und 'Oh mein Gott, wie süß' lag.
      Dann hörte sie Hawkes Stimme hinter sich und Faith drehte sich sofort um.Essen?Ja.Bitte.
      Sie folgte seinem Blick – direkt auf einen Laden auf der anderen Seite der Brücke, warm beleuchtet, einladend, und ihr Magen reagierte schneller als ihr Kopf.
      "Perfekt!", rief sie sofort und war praktisch schon auf dem Weg, bevor die anderen überhaupt reagieren konnten.

      Hawke Li-Winslow
      Für Hawke sah der Tag völlig anders aus.Er wollte sich freuen.Wirklich.Und manchmal gelang es ihm sogar. Ein altes Gebäude, das ihn beeindruckte, ein Straßenmusiker, der gut war, ein kleiner Laden, der Erinnerungen weckte.Aber jedes Mal, wenn er sich dabei ertappte, wie er sich über etwas freute, kam das schlechte Gewissen zurück. Seine Mutter.Seine Schwester.Mia.
      Er machte immer wieder Fotos. Von Gebäuden, vom Fluss, von Kleinigkeiten, die Mia gefallen könnten. Er würde später die besten aussuchen und ihr schicken. Vielleicht sie anrufen, wenn er zurück im Zimmer war und Arien nicht in Hörweite.Er brauchte niemanden, der mithörte, wie er mit seiner kleinen Schwester sprach.
      Als sie an der Brücke standen, sah er die Ente mit den Küken nur am Rand wahr. Sein Magen erinnerte ihn daran, dass er seit Stunden nichts gegessen hatte. Und als er den Kopf drehte, fiel sein Blick auf ein Restaurant auf der anderen Seite der Brücke und berichtete der restlichen Truppe von seinem Fund.
      Er hatte mit Zustimmung gerechnet.Oder Ablehnung.Aber nicht damit, dass Arien sich zu ihm lehnen würde und meinte, Jade würde auf ihn abfahren.
      Hawkes Augenbrauen wanderten nach oben.Er drehte den Kopf und traf sofort Jades Blick.Sie sah ihn an. Direkt. Hawke blinzelte einmal, zweimal, dann sah er zu Arien. "Sie hat einen Freund", antwortete er knapp. Dann deutete er wieder in Richtung Restaurant. "Komm, ich hab Hunger. Faith rennt sowieso schon wieder vor.".


      Das Restaurant war klein, warm und gemütlich. Dunkles Holz, gedämpftes Licht, der Geruch von gebratenen Zwiebeln, frischem Brot und etwas, das nach Kräutern roch.Ein Kellner begrüßte sie mit einem freundlichen "Hi, welcome!" und führte sie zu einem Tisch am Fenster, von dem aus man die Brücke und das Wasser sehen konnte.
      Faith ließ sich sofort auf einen der Stühle fallen, als hätte sie den ganzen Tag darauf gewartet. "Oh mein Gott, ich sterbe vor Hunger", verkündete sie dramatisch und griff nach der Speisekarte, die bereits schon auf dem Tisch lag.
      Hawke setzte sich auf die andere Seite des Tisches und warf Jade einen flüchtigen Blick zu. Sie saß ihm direkt gegenüber.
      "Ich hab noch nie ein klassisches Londoner Gericht gegessen", murmelte Faith, mehr zu sich selbst als zu irgendwem. Ihre Finger tippen auf die Bilder – Fish & Chips, Bangers and Mash, Sunday Roast. Die ganzen Bilder sahen echt gut aus. Der gleiche Gedanke zog sich auch durch Hawkes Kopf. Er blätterte weiter, ohne wirklich zu lesen, der Duft von gebratenen Zwiebeln macht es schwer, sich zu konzentrieren.
      Es dauerte nicht lange, bis die Kellnerin neben dem Tisch auftauchte, mit Block und Stift in der Hand, und einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Faith richtete sich ein Stück auf, die Karte noch halb geöffnet vor sich und ließ sich kurz beraten, hörte aufmerksam zu, nickte, überlegte und zeigte schließlich auf das Gericht, das ihr am meisten ins Auge gefallen war. Shepherd’s Pie. und auch Hawke hatte sich von den Empfehlungen der Bedienung berieseln lassen und bestellte sich ein Pie & Mash.
      Die Kellnerin notierte alle Bestellungen, bedankte sich und verschwindete wieder zwischen den Tischen.
      Faith lehnte sich zurück, griff nach der alkoholischen Getränkekarte, die noch auf dem Tisch lag, schlug sie auf und blätterte, während ihr Blick über bunte Namen und kleine Beschreibungen wanderten. Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht. Für einen kurzen Moment blickte sie zu Arien auf, dann wieder auf die Karte. "Die haben sogar Cocktails." ihre Stimme klang erfreut, als hätte sie gerade eine kleine Entdeckung gemacht, die den Abend noch besser machen konnte, aber auch etwas misstrauisch.
      "Meinst du, die können hier was?", fragte Hawke und griff nach der anderen Getränkekarte und studierte die aufgelisteten Drinks.
      "In letzter Zeit hab ich ziemlich gute Cocktails bekommen, ich weiß nicht ob die da mithalten können.", kam es von Faith und konnte sich ein wissendes Grinsen nicht zurückhalten.