I should hate you but I can't [yuyuumyn & Concorde]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • I should hate you but I can't [yuyuumyn & Concorde]

      Vorstellung

      @yuyuumyn

      __________________

      Diego streckte sich müde und starrte auf das Tablet in seiner Hand. Es blinkte ein grüner Brief in der oberen Ecke der geöffneten App. "Hmm. Kaum hier und schon eine Nachricht?", überlegte er vor sich her und sah prüfend auf die Uhr. Es war 9 Uhr und er hatte erst vor einer halben Stunde mit seiner Schicht angefangen. Es war eine ungewöhnlich Zeit für Neuigkeiten. Doch Diego wollte nicht weiter darüber rätseln, was sich hinter dem Symbol verbarg und öffnete die Nachricht. Wie erwartet bekam Diego einen neuen Klienten. Einen neuen Kunden. Doch hier pflegte man den begriff "Klienten", da - so hatte es Diego schon merken dürfen - es sich um sehr spezielle Menschen handelt. Die meisten sind relativ reich und lassen das die Leute hier spüren. Diego war als Trainer einer der wenigen, der zumindest einen Teil ihrer Achtung und Wertschätzung erhielt. Vor allem, wenn es sich um junge Menschen oder Leute aus der Finanzszene handelte. Doch dann waren da noch die Grannies - wie die Trainer sie hier nannten. Ältere Damen, die oft verwitwet sind oder deren Männer nur noch vor sich her existieren. Sie suchen hier nach dem 2. Frühling und Typen wie Diego waren genau ihr Beuteschema. Umso mehr umklammerte er das Tablet und hoffte, dass sich seine Kartei, die sich einer gewissen Beliebtheit erfreute nicht nochmals um eine Granny reicher wurde. In jeglicher Beziehung waren diese Frauen eine Belastung für Diego: sie trainierten kaum doer gar nicht, wollten die ganze Zeit bespaßt werden und hatten kaum Erfolge vorzuweisen. Er seufzte innerlich, da ihm die Zeit verriet, es könnte nur eine ältere Dame sein. Innerlich spürte er schon, wie sie von ihrer letzten Weltumseglung mit der Oasis of the Seas berichtet und vom Gold getoppten Kaviar und handverlesenen Pralinen aus Brügge schwärmt. Doch ehe Diego das Gesicht weiter verziehen konnte, weckte ihn ein Schlag die Schulter.

      "Hey, Diego", sprach eine Stimme und er drehte sich um. Es war der Studioleiter, der Diego ein süffisantes Lächeln zuwarf. "Arbeit wartet auf dich.", schnalzte er fröhlich und Diego versuchte seine Genervtheit zu verbergen. "Sag mir nicht, dass die nächste Klientin wieder viermal so alt ist wie ich. Meine Kartei besteht bald nur noch aus ..."
      "Hey hey! Ich versteh dich! Pass auf, Diego. Du machst hier einen super Job. Seit dem halben Jahr, das du da bist, hast du die größte Kartei von allen Coaches ausgebaut und deswegen"
      "Beförderst du mich?"
      "Was? Nein! Wo denkst du hin? Wir sind hier eine kleine Kette. Kein großer Betrieb. Wir bleiben doch familiär." Diego verzog sein kurzzeitig freudiges Gesicht.
      "Nein, Diego. Ich werde aber deine Kartei entlasten. Wir kriegen so nen neuen Sportstudenten. Der kriegt die eh ... älteren Da..."
      "Du meinst die Grannies?"
      "Eh ja genau! Auch wenn ich den Begriff nicht angemessen finde, aber ja." Der Studioinhaber legte seinen Arm auf Diegos Schulter und schob ihn sanft während er redete Richtung Eingang. "Und dafür kriegst du einen unserer neuen Kunden, der nen wahnsinniges Abo abgeschlossen hat!"
      Diego rollte die Augen. "Oh wow. Jetzt darf ich den reichen Managern den Arsch küssen oder was?"
      "Hey benimm dich! Davon hängt schließlich deine Provision ab!" Der überschwängliche Mut seines Chef nervte ihn schon seit einer Weile. Das System in diesem Premium-Studio war einfach: Jeder Coach hat eine Kartei mit Klienten. Diese zahlen Beiträge in Abhängigkeit ihres Gehalts, welches den Trainern als Provision gut geschrieben wird. Das heißt, wenn ein Trainer besonders wohlhabende Kunden hat, dann verdient er auch mehr. Damit wollte ihn sein Chef nun wohl ködern.
      "Sieh es als Mini-Beförderung an, Diego. Wir reden nochmal, wenn du deinen Gehaltsscheck in den Händen hältst. Und nun kümmer dich, um deinen neuen Klienten."

      "Das will ich für dich hoffen", raunte Diego und öffnete den Anmeldebogen auf seinem Tablet. Am Eingang entdeckte er bereits seinen neuen Kunden, den er noch von hinten sah. Längeres blondes Haar, zierliche Statur und der wirkte irgendwie ziemlich jung. Er ging zielstrebig auf den jungen Mann zu. "Guten Morgen", sagte er und schaute auf den Anmeldebogen, ehe er einen Namen las, der ihm unglaublich bekannt vorkam. 'Collin Walsh?', dachte er sich, 'Das kann nicht wahr sein. Niemals ist es dieser Collin ...' In diesem Moment drehte sich sein Klient um, und Diego versteinerte für einen Augenblick. Er bekam kurz rote Wangen. Für eine Sekunde verharrte er, ehe er spürte, dass er reagieren musste, ehe es seinem Gegenüber auffiel. "Guten Morgen Mr. Walsh.", wiederholte Diego nun gefasster seinen Satz. Er wusste gar nicht, wo er anfangen sollte. 'Heilige Scheiße!', dachte er sich nur, 'das ist der Collin aus deiner Schulzeit! Er hat sich echt krass verändert!' Äußerlich ließ sich der geübte Realtiy-TV-Star nichts anmerken, war er es doch aus dem Fernsehen gewohnt den harten Typen zu spielen. Doch innerlich drehte sich sein Gefühlskrausell munter.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Concorde ()

    • Endlich hatte es Collin gewagt und sich bei dem Premium-Fitnessstudio in seiner Stadt angemeldet, um einen Ausgleich zu seinem sehr stressigen Job zu finden.
      Zwar mochte er seine Position im oberen Management eines führenden Bankenkonzern sehr, aber wenn er nicht irgendwann frühzeitig an einem Burnout erkranken wollte, sollte er dringend anfangen etwas für sich zu tun...vor allem, wenn sein eigener CEO deswegen bereits schon auf ihn zugekommen ist...

      Aber selbst im Fitnessstudio, hatte er nur seine wichtigen Aufgaben, als Head of Risk Management im Kopf. Er musste sich klar machen, dass der Konzern nicht sofort untergehen wird, nur weil er nun eine gesunde Work-Life Balance anstrebte.
      Andererseits hatte er auch immer das Gefühl sich beweisen zu müssen, da es viele Kollegen gab, die ihn aufgrund seines doch noch jüngeren Alters in seiner hohen Position einfach nicht ernst nahmen. Vermutlich, weil sie sie eifersüchtig waren, da sie selbst nur einfache Positionen im Konzern hatten und sich nicht mehr wirklich hocharbeiten konnten.

      Collin entwich ein gestresstes Seufzen und er strich ein paar seiner langen blonden Haare aus dem Gesicht. Es nützte nichts, sich selbst weiter verrückt zu machen. Auch wenn sein Perfektionismus ihm etwas anderes erzählen wollte.

      Bevor er weiter an die Arbeit denken konnte, hörte er eine Stimme hinter sich, welche ihm einen 'Guten Morgen' wünschte. Das musste dann wohl sein Personalcoach sein.
      Collin drehte sich mit einem freundlichen Lächeln um, welches allerdings direkt wieder verschwand, als er recht schnell realisierte, wer da gerade eigentlich vor ihm stand.
      'Nein...nein, nein, nein, nein...das kann nicht sein....nicht nachdem ich es erst vor kurzem mehr oder weniger geschafft habe, mit ihm abzuschließen und ihn hinter mir zu lassen.' - doch egal, wie sehr Collin es versuchte zu leugnen und den Typen vor sich als eine Fata Morgana abzustempeln...es war Diego nach all den Jahren wieder vor ihm stand. Der Typ, der ohne es zu wissen, ihm in der Schulzeit mehr als nur einmal das Herz gebrochen hat...oder wohl eher Tango auf seinem Herz getanzt hat.

      Alle negativen Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit mit seinen ehemaligen besten Freund, kochten alle auf einmal wieder in Collin hoch. Am liebsten wollte er auf dem Absatz kehrt machen, wieder aus dem Premium-Fitnessstudiio fliehen und nie mehr wieder kommen...doch er wusste auch, das er nicht sein ganzes Leben lang von seinen Emotionen davon laufen konnte...

      "Diego...", antworte er schließlich und sein Blick fiel auf seinen trainierten Körper und auf seine muskulösen Arme, bevor er schnell wieder in sein Gesicht blickte. "...ich nehme an, dass du bist mein Personalcoach bist?", fragte er und versuchte seine Stimme so neutral wie möglich zu halten, obwohl seine Gefühle innerlich verrückt spielen.
      Er konnte spüren, wie alte Gefühle drohten wieder aufzukeimen und er musste diese so schnell wie möglich wieder im Keim ersticken...nach all dem was passiert ist, sollte er Diego mit Leib und Seele hassen. Er konnte sich nicht erlauben noch einmal zog von ihm verletzt und alleine gelassen zu werden...nie wieder.
    • Diego kam nicht umhin seinen alten, besten Freund und neuen Klienten zu mustern. Der hagere Collin hat sich zu einem sehr hübschen Mann mit blonden langen haaren und den noch immer prägnanten blauen Augen entwickelt. Theoretisch wäre Diego total glücklich über so einen Klienten gewesen. Jung und dazu auch noch hübsch das wäre eine schöne Trainingssession geworden. Doch da es sich hierbei um eine Person handelte, mit der er seit mehr als 10 Jahren keinen Kontakt mehr hatte und in der Highschool auch kaum Kontakt hatte, fiel es ihm jetzt schwierig wie er reagieren sollte. Er Schluckte kurz, ehe er sich mit einem verlegenen Lächeln am Kopf kratzte. "Collin", brachte er krächzend hervor und versuchte sich zu sammeln, "schön dich hier zu sehen und irgendwie ... ungewohnt, dass wir uns so wiedersehen." Diego sah kurz auf sein Tablet, um sich zu fangen und seine ganzen wilden Gedanken, die ihm gerade durch den Kopf schossen zu ordnen. Er atmete einmal tief durch und sah dann wieder zu dem Blonden. "Sieht wohl so aus als wäre ich dein Personal Coach, ja." Das konnte Collin jetzt passen oder nicht, aber etwas daran ändern würde es sowieso nicht. Auch wenn es Diego lieber gewesen wäre, doch er würde einen Klienten nicht ablehnen; zu sehr brauchte er seine Provision und würde versuchen das Ganze so professionell wie möglich anzugehen. Doch in Diego Kopf stellten sich viele Fragen und er war irgendwie auch neugierig über Collin. Gleichzeitig graute es ihm, im Fragebogen nachzuschauen, was Collin beruflich macht. Er würde sich wohl eingestehen müssen, dass ein ehemaliger Klassenkamerad mittlerweile eine guten Job hatte, während er - der früher in der Highschool so gefeiert war - nur in einem Fitnessstudio arbeitete und sich für reiche Typen wie ihn verdingte. Diego biss sich auf die Lippe, um sich zu mahnen, professionell zu bleiben.

      "Hmm na gut. Dann lass uns loslegen. Du hast sicherlich wie die meisten hier nur begrenzte Zeit", erklärte Diego und deutete Collin an ihm zu folgen. Er ging mit Collin zu seinem Büro, das mehr oder minder einer von mehreren Glascontainern war, die in der Mitte des Studios standen. Hier hatte er seinen Arbeitsplatz, an dem er die Klienten in Ruhe beraten konnte, ihre Trainingspläne am Rechner erstellte, Daten einpflegte und ab und zu mit den Kunden etwas Smalltalk betrieb. Er öffnete die Tür und ließ Collin sich setzen. "Willst du etwas trinken?", fragte Diego, der noch immer etwas überfordert von der Situation war. Er griff daher zu seinem Shaker auf dem Tisch und trank etwas von seinem Proteinshake. Er öffnete proforma eine Flasche Wasser und schenkte beiden schonmal ein. Schaden könnte das bei dieser komischen Situation nicht. Collin sah sich musternd um und entdeckte wohl den NFL Pokal auf dem seine Augen hängen blieben. In Diegos Büro standen ein paar Dinge aus seiner Vergangenheit: einige NFL-Pokale und Medaillen aus seiner aktiven Football-Zeit, ein Foto vom Studienabschluss und einige Bilder von Castings der letzten Reality-TV-Formate. Der Studiochef mochte Trainer, die eine - wie er es nannte - Personality haben. Leute mit Ecken und Kanten. Diego hatte davon auf jeden Fall genug, wenn er ehrlich zu sich selbst war.

      Der Trainer setzte sich nun auch hin und legte die Arme auf den Tisch. "Also? Weswegen bist du hier?", fragte er den Blonden und spürte die Eigenart der Frage und präzisierte sie bald darauf. "Was sind deine Ziele? Wobei kann ich dir helfen? Was erwartest du von mir?" Es waren Diegos Standardfragen und doch klangen sie in dem Zusammenhang, in dem ihre Freundschaft endete total ungewohnt und schwierig.
    • Collin nickte nur stumm, als Diego ihm sagte, dass es schön sei, ihn hier zu sehen, konnte diese Aussage allerdings nicht wirklich erwidern oder zurückgeben.
      Seine Gedanken drehten sich viel zu sehr um die Vergangenheit. Um die gemeinsame High School-Zeit und wie er von ihm alleine gelassen wurde, nur um seinen eigenen Ruf nicht zu schädigen, sollten sie zusammen gesehen werden. Er hatte ihm auch nie geholfen, als er mal wieder von den anderen Mitschülern gemobbt wurde. Nein, er hat es einfach toleriert!
      Am liebsten wollte Collin Diego in dem Moment fragen, ob er noch mit seinen ach so tollen neuen Freunden im Kontakt stand oder mit einer dieser hohlen Cheerleaderinnen in einer Beziehung war. Aber er biss sich auf die Zunge und verkniff es sich so einen Spruch.

      Das konnte doch wohl nicht wirklich wahr sein...Diego, der Diego, ist sein neuer Personalcoach...er hat sich doch nur bei diesem Premium-Fitnessstudio angemeldet, um einen Ausgleich zu seinem stressigen Arbeitsalltag zu finden...und nicht, um mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden. Aber gut....vielleicht sollte er es erstmal mit Diego versuchen und das als eine Art Therapie sehen. Auch wenn die Tatsache, dass Diego noch viel attraktiver geworden ist, ihm das alles hier nicht unbedingt leichter machte.
      Aber im Notfall konnte er sich immer noch wieder abmelden und versuchen woanders einen anderen Ausgleich zu finden.

      Er folgte Diego schweigend in sein Büro, welches sich in einem Glascontainer in der Mitte des Studios befand und blickte sich ein wenig neugierig um, bis sein Blick bei einem NFL-Pokal hängen blieb, welchen er dann etwas genauer musterte. Er wollte etwas fragen, entschied sich dann aber dagegen und sah sich die anderen Dinge in seinem Büro an. Alles hier drin schrie förmlich nach Diego und trug förmlich sine Unterschrift.
      Collin zwang sich seinen Blick wieder abzuwenden und setzte sich auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch. "Hm, wie bitte?", fragte er, da er ihm nicht genau zugehört hatte und ließ seinen Blick auf das Glas Wasser schweifen.
      "Achso...ja, Wasser reicht mir, danke.", sagte er, griff nach dem Glas und hielt es einfach in den Händen ohne was davon zu trinken. Die kühle Oberfläche des Glasses half ihm, seine Nerven wieder ein wenig zu beruhigen.

      Sein Blick wanderte nun wieder zu Diego und er dachte kurz über seine Worte nach, bevor er antwortete: "Grundsätzlich habe ich mich hier angemeldet, weil ich einen Ausgleich zu meinen Job brauche. Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mir, abgesehen davon, dass ich etwas fitter werden will, bislang keine Ziele gesetzt."
      Und was er von Diego erwartete? - eine verdammte scheiß Entschuldigung, weil er ihm immer und immer wieder auf dem Herz rum getrampelt ist! - aber das konnte und wollte wir ihm nicht sagen, da er dann offenbaren müsste, was er für ihn empfunden hat und ihn all die Jahre nicht vergessen konnte.

      Er schüttelte leicht seinen Kopf, um diese Gedanken wieder loszuwerden und blickte Diego wieder ins Gesicht. "Was würdest du mir vorschlagen?"
    • Diego sah wie Collin das Glas mit beiden Händen nahm und das Gespräch über nur hielt. Er wirkte etwas abwesend oder nachdenklich, was Diego ins Grübeln brachte. Worüber er sich wohl Gedanken machte? Diego dachte an die Zeit in der Highschool. Es war eine wunderbare Zeit gewesen, so einfach und unbeschwert. Er hatte viele neue Leute kennengelernt und mit manchen ist er bis heute befreundet. Die anderen sind weggezogen oder der Kontakt verlief sich. Doch alles in allem war es eine super Zeit gewesen und Collin? Nun wenn Diego ehrlich war hatte er seinen ehemaligen besten Freund seit der Highschool ignoriert. Er wollte nicht mehr viel mir ihm zu tun haben, auch wenn sie sich sicherlich weiterhin blendend verstanden hätten. Doch Collin war ein absoluter Streber geworden und Diego musste zugeben, dass Lernen und Schule nie so richtig seins war. So trennten sich ihre Wege, was Diego heutzutage bedauert, denn nun sitzt sein ehemaliger bester Freund vor ihm und er weiß nichts über ihn. Erst die Worte des Blonden ließen ihn wieder aufhorchen.

      "Einen Ausgleich?", hakte er nach um seine Gedanken zu ordnen, ehe er sich das ins Tablet tippte. "Okay ... allgemeine Fitness." Erneut tippte er, ehe er aufsah und schwach lächelte. "Das sollten wir hinkriegen." Erst als Collin ihm die Frage stellte, was er vorschlug, kam er ins Grübeln. "Hmm. Das hängt eigentlich von deinen Zielen ab. Deine allgemeine körperliche Fitness zu steigern ist gut. Wenn du viel sitzt, sollten wir etwas für deinen Rücken tun. Wir könnten einen allgemeinen Check machen und schauen, wie es um deinen Körper steht", grübelte Diego und musterte ihn dabei. "Du könntest natürlich auch etwas für deine Muskulatur machen. Rückentraining mit Schwimmen vielleicht." Der Trainer tippte etwas an seinem Tablet, ehe er zu seinem ehemaligen Freund aufsah.

      Er spürte, dass seine eigenen Gedanken sich nur um die Sache damals in der Highschool drehen. 'So kann ich nicht arbeiten', ärgerte er sich und sah dann Collin fixierend an. "Hey hör mal. Das ist jetzt irgendwie eine ... komische Situation. Aber wir werden beide versuchen müssen, damit klarzukommen. Freundschaften ändern sich und du ... ich meine du hast doch alles geschafft wie es aussieht? Ansonsten könntest du das" Diego sah auf seiner App nach "Platin-Abo. Dir ja nicht leisten, oder?" Diego nahm einen Schluck Wasser und spürte die Anspannung im Raum. Doch er war kein Freund davon lange über den heißen Brei zu reden. Das Thema sollte damit doch abgehakt sein. Schließlich hatte er ja schon seine Quittung bekommen. Vor einem Jahr hätte er sich nicht als Fitness-Trainer in einem Studio gesehen, sondern eher als Playboy bei der nächsten Sendung auf Mykonos. Auch wenn er sich schwer tat mit diesem Label, das ihm die Fernseh-Produktionsfirma angeheftet hatte. Er seufzte. "Scheiß drauf", nuschelte er und lehnte sich im Stuhl zurück. Er wollte sich nicht beschweren und dennoch fühlte er sich vom Leben betrogen. Als ob es ihm seine Aktion, die er damals mit Collin abgezogen hatte, heimzahlen wollte. Natürlich empfand er die Strafe für sich viel härter als die gegenüber Collin damals. Der war glücklich alleine lernen zu können. Diego wäre da nur fehl am Platz gewesen und Collin stünde heute sicherlich nicht da, wo er jetzt ist wenn er mit Diego hätte lernen müssen oder sowas, da war sich der Trainer sicher.
    • Collin hielt noch immer das Wasserglas in seinen Händen und hörte Diego schweigend zu, als dieser über allgemeine körperliche Fitness, einen allgemeinen Check und über Rückentraining durch Schwimmen sprach. Er konnte sich eigentlich ganz gut vorstellen seine Fitness durchs Schwimmen wieder ein wenig zu steigern.
      Er nickte immer wieder leicht um zu signalisieren, dass er ihm zuhörte und umfasste das Wasserglas nur noch ein wenig fester. Diese ganze Situation war wirklich mehr als unangenehm...

      Er führte das Glas zum Mund wollte gerade einen Schluck vom Wasser nehmen, als er dann aber Diegos nächsten Worte hörte und inne hielt. Collin blickte seinen ehemaligen besten Freund ungläubig an. Was hatte Diego da gerade gesagt? Hatte er sich gerade verhört...oder?
      "Freundschaften ändern sich?", wiederholte er die Aussage in einem gefährlich leisen Ton.

      Er stellte sein Wasserglas wieder auf dem Tisch ab und blickte Diego fassungslos und fast schon wütend in die Augen. "Willst du mich gerade eigentlich komplett verarschen, Diego? Unsere Freundschaft hat sich nicht verändert. DU hast unsere Freundschaft beendet. DU hast mich ignoriert! DU hast mich alleine gelassen, weil ich dir zu peinlich war und du neue Freunde gefunden hast! DU hast es geduldet, dass sie mich jeden einzelnen Tag fertig machen und DU hast einfach NICHTS unternommen! NICHTS! Und glaubst du wirklich nur, weil ich mir dieses Platin-Abo leisten kann, dass dies unsere Vergangenheit in irgendeiner Weise rechtfertigt?! Das es rechtfertigt, wie sehr du mich verletzt hast?! Das du auf meinen Herzen rum getrampelt bist?! HUH?!", fauchte er ihn an.
      So aus seiner Haut zu fahren und ganz klar seine Meinung zu äußern hätte Collin damals in der High School garantiert nicht getan...aber genauso wie Diego sich verändert hat, habe auch Collin sich verändert. Er war nicht mehr der kleine schüchterne Junge.

      Er lehnte sich zurück, atmete tief durch und versuchte wieder ein wenig runter zu kommen, bevor er Diego wieder ernst in die Augen blickte. "Und noch etwas: nur, weil ich gutes Geld verdiene, heißt es nicht, dass ich vergessen habe was du getan hast und das werde ich vermutlich auch niemals. Vielleicht wäre es besser, wenn mir ein anderer Personalcoach zugeteilt wird."
    • Diego hörte schnaubend Collins Vortrag zu. Er war sichtlich erstaunt, dass aus dem kleinen Jungen ein solches ... Energiebündel geworden ist und nickte schwach. Er war beeindruckt von dem, was er da gerade erlebt hatte und spürte tief in sich - wenn er ehrlich war - eine tiefe Kränkung, da Collin nicht nur einen wunden Punkt getroffen hatte sondern Recht hatte. Das wusste Diego auch, doch er würde hier nicht um Sühne betteln oder gar Collin Recht geben. Daneben war sein Äußeres viel zu sehr abgestumpft. Die Jahre im Reality-TV waren förmlich keine Meisterleistungen gewesen, jedoch hatten sie ihn abgehärtet. Drama gehörte dort zur Tagesordnung, ob es nun gespielt oder echt war. Und Diego war zu seinem Leidwesen immer darin eingebettet, auch wenn er es nur selten hervorgerufen hatte, passte er dem Cast immer zu gut in diese Rolle. Und auch nun kam er sich so vor als wolle Collin, ihn in diese Ecke rücken. Sicherlich zu Recht, doch Diego machte - wie man so schön sagt - dicht und schüttelte den Kopf. Am liebsten würde er jetzt aufstehen und sich den Boxsack draußen vor dem Büro vorknöpfen und seinen Frust freien Lauf lassen, doch diese Genugtuung würde er seinem Gegenüber nicht erweisen. Stattdessen biss er sich auf die Zunge und versuchte sich zu beruhigen. 'Bringt doch nichts sich jetzt darüber aufzuregen', sagte er zu sich selbst. Und dann fiel Diego ein Wort ein, das sein ehemaliger Freund zum Ende erwähnt hatte, das ihn aufhorchen ließ. "Dein Herz? Huh?", fragte er den Blonden und legte den Kopf schief. Er sah Collin dabei musternd an und fragte sich, was er damit genau meinte. 'Wieso denn sein Herz? Maximal mit seinen Gefühlen? Aber sein Herz?', schoß es ihm durch den Kopf. Hatte er ihm eine Freundin oder so ausgespannt? Könnte sein. Diego erinnerte sich gar nicht mehr an alle seine Freundinnen in der High-School. Ehe Diego darauf eingehen konnte, machte das Tablet vor ihnen ein Geräusch.

      Gleichzeitig lehnte sich Collin im Stuhl zurück und deutete an, dass er ja auch einen anderen Coach kriegen könnte. Diego schnaufte mit einem Grinsen. "Das hättest du wohl gerne. Aber wie gut, dass die App soweit ist. Wir werden jetzt deine überschüssige Energie in etwas Training umsetzen. Komm mit, ich muss dir schließlich einen Plan zurechtstellen und will deine kurze Zeit nicht überbeanspruchen", Diego schnappte sich dabei seinen Shaker, trank lässig daraus während er an Collin vorbei ging und blieb dann in der geöffneten Türe stehen. Er deutete auf die Sporttasche neben Collin. "Wie gut, dass du vorbereitet bist. Wir werden dich aber zuerst ausmessen." Diego war innerlich erleichtert über den Weckruf aus dem Tablet, da er so die unangenehme Situation umgehen konnte und sich nicht weiter mit diesen alten Thema beschäftigen musste und noch wichtiger: Er musste so nicht auf Collins Argument eingehen, er könne sich ja einen anderen Coach aussuchen. Diego brauchte die Provision und er würde es nicht darauf anlegen, sich diese entgegen zu lassen.
    • Collin's linke Augenbraue begann vor Wut zu zucken. Ein klaren Zeichen dafür, dass ihm wohl bald die Sicherung komplett durchbrennen würde. Solche eine Wut empfand er wirklich nur, wenn man ihn komplett zur Weißglut brachte.
      Und genau das schaffte Diego allein mit seiner unnahbaren Art und das ihm NICHTS von damals leid zu tun schien, da dieser nicht einmal auch nur das kleinste Zeichen von Reue zeigte. Collin wusste nicht, ob ihn das verletzte oder nur noch wütender machte.

      Und natürlich verstand dieser Vollidiot auch nicht, was Collin mit seinem Herzen gemeint hat. Das er ausgerechnet DAS hinterfragte und ihn dabei so aufmerksam musterte war ja Mal wieder typisch. Da konnte er genauso gut mit einem Esel sprechen. Das Tier würde ihn wahrscheinlich noch besser versehen, als Diego.
      Aber er würde ihm nicht sagen, was er mit dieser Aussage gemeint hat. Er würde ihm niemals gestehen, was er damals für ihn empfunden hat. Er hatte sich geschworen, sich nie wieder von Diego verletzten zu lassen.
      Außerdem ist er mittlerweile bereits selbst in einer Beziehung gewesen...oder ist es immer noch?...es war jedenfalls kompliziert und er konnte seine Gefühle nicht noch einmal an Diego verschwenden.

      "Überschüssige Energie?" - hatte ihm dieser Arsch überhaupt richtig zugehört?! Wollte er ihn eigentlich komplett verarschen?!
      Collin wollte seinen Mund erneut aufreißen, um gleich weiter darauf zu bestehen, dass er einen anderen Trainer haben wollte, aber Diego ließ ihm gar nicht erst die Chance dazu, da dieser gleich weiter darüber sprach, ihm einen Plan zurecht zu stellen und ihn abzumessen.

      Stur blieb er auf seinem Platz sitzen und beobachtete, wie Diego aufstand und in der Tür seines Büros stehen blieb. "Wozu muss ich bitte abgemessen werden? Ich habe nicht vor abzunehmen oder extreme Muskeln aufzubauen.", sagte er und verschränkte seine Arme vor der Brust.
    • Diego sah seinen alten Schulfreund fragend an. Sollte er das jetzt tatsächlich hinterfragen? Nun dieses Eskalation würde er wohl nicht beschwören wollen, ermahnte er sich selbst. Schließlich hing zu viel an dieser Provision und er wollte nicht, dass Collin noch tatsächlich ging (wie er es schon einmal angedroht hatte). Also winkte er Trainer ab und nickte. "Gut alles klar. Dann machen wir das nicht. Ich erspare mir die Erläuterungen, weswegen das theoretisch wichtig wäre und wieso wir das machen." Diego drehte sich wieder um, ging auf Collin zu und legte das Tablet wieder auf den Schreibtisch, eher er seinen alten Freund ansah. Er sah an diesem, wie dessen Ader am Kopf pulsierte und eine gewisse Röte sich in diesem Gesicht abzeichnete. Würde man Wut ausstrahlen wie Energie wäre es im Raum gleich 5 Grad wärmer geworden. Diego rollte die Augen, weil er wusste, dass das hier nicht mehr eine seiner Reality-Shows war, in denen Frauen gerne Szenen spielten, um die Quoten hochzutreiben und alles am Ende gar nicht so schlimm gemeint war. Collin war wirklich wütend, spürte er und wurde selbst für einen Moment rot vor Scham, denn es war nie seine Absicht so weit zu gehen und nun brachte ihn dieser Typ auch noch dazu sich schlecht zu fühlen. Diego lehnte sich gegen den Schreibtisch und schnaufte. "Du hast ja Recht, Collin. Ich war echt ein mega Arschlosch zu dir", murmelte er und sah auf den Boden zu seinen Füßen, ehe er den Kopf wieder aufrichtete, Collin jedoch noch nicht in die Augen sah.

      Für einen Moment musste er sich fassen. Vor seinem Augen spielten sich dutzende Szenen ab, wie er Collin hatte abblitzen lassen oder dumm da stehen lassen. Er erinnerte sich sogar an den Abschlussball. Er schluckte schwer. "Du bist zurecht wütend auf mich und das kann ich auch nicht wieder gutmachen, Collin ... auch wenn ich es gern würde. Aus meiner heutigen Sicht betrachtet war das damals alles so ... egoistisch von mir und ja ... so bin ich eben manchmal. Aber ich wollte dir nie wehtun. Deine Wut zeigt mir, wie sehr ich dich damit verletzt habe." Diego sah nun Collin in die Augen. "Ich wollte dich eigentlich am Abschlussball ansprechen. Du warst alleine da und ich wollte mich zumindest entschuldigen, wohlwissend die Entschuldigung würde nicht reichen. Doch ich ..." Diegos Stimme stoppte, da er kurz nach Luft ringen musste. Wenn er daran dachte, wie gemein er zu seinem einst besten Freund war, schnürte es ihm die Luft ab. "Also ich wollte mich damals entschuldigen, doch ich war ein Angsthase. Ich hatte Angst. Angst vor genau diesem Moment. Zugegeben zu müssen, dass ich so viele Fehler gemacht habe. Ich wollte diese Situation, die wir jetzt haben, um jeden Preis vermeiden und so war ich an diesem Abend zu feige, dich anzusprechen und mich zu entschuldigen." Diego fuhr sich durch die Haare und richtete sich dann auf. Er spürte, wie seine Wangen glühten. Er spürte die Reue, die er wollte und ärgerte sich über sich. Seinen Stolz hatte er gerade für einen Moment heruntergeschluckt, was ihm schwer fiel. Doch noch schwerer fiel ihm, einzusehen, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er drehte Collin den Rücken zu und ging zu der Wand mit den Trophäen. Er starrte auf die Footballauszeichnungen und sehnte sich nach dem Anfang dieses Fehler zurück. Könnte er ihn doch nur rückgängig machen. Er war so naiv gewesen, damals so viel auf die Meinung der anderen Typen aus der Mannschaft zu geben. Heute würde er seinem jüngeren Ich raten, stark zu bleiben. Denn Freundschaften wie die, die er früher mit Collin hatte, findet man nur sehr selten. So hat Diego zwar auch heute noch Freunde, doch nichts kam an die alte Freundschaft mit Collin ran. Er hatte diese einzigartige Beziehung bewusst und grob zerstört. Diego schluckte und wagte es nicht Collin anzusehen.
    • Nun saß Collin völlig perplex da und starrte seinen ehemaligen besten Freund schweigend an. Er hat wirklich mit allem gerechnet...aber nicht damit, dass sich Diego bei ihm entschuldigt.
      Mit jedem Wort das Diego sprach, weiteten sich Collin's Augen zunehmend und er selbst brachte in dem Moment kein einziges Wort heraus.
      Diego...hat sich wirklich bei ihm entschuldigt und seine Fehler eingesehen...

      Er beobachtete seinen besten Freund genau, als dieser sich weiter erklärte und seine Augen blieben einen Moment bei seine Wangen hängen, welche vor Scharm wie Weihnachtsbaumkugeln leuchteten.
      Nachdem Diego seinen letzten Satz gesprochen hatte, herrschte wieder eine erdrückende Stille zwischen den beiden ehemaligen besten Freunden.
      Collin war damit beschäftigt Diego's Worte zu verarbeiten und seine eigenen Gedanken zu sortieren. Was wäre wohl passiert, wenn Diego ihn schon damals beim Abschlussball angesprochen hätte? Hätte er Diego verziehen? Wären sie wieder beste Freunde geworden?

      Als Diego ihm den Rücken zu drehte, nutzte er den Moment, um sich mit dem Handrücken schnell über seine Augen zu wischen.
      Er wollte keine Schwäche zeigen...aber diese Situation war einfach viel zu viel für ihn...selbst nachdem so viel Zeit vergangen ist, konnte er seine Gefühle für Diego nicht leugnen.
      Noch heute morgen dachte er, es würde ein ganz normaler Tag werden...doch schlussendlich ist er wieder auf Diego, in welchen er damals so hoffnungslos verliebt gewesen ist, getroffen und welcher sich außerdem auch noch für alles was passiert ist bei ihm entschuldigt hat.

      Collin atmete zittrig ein, während sich seine innerliche Wut langsam aber sicher wieder linderte und seine angespannten Schultern sich wieder entspannten.
      Er wollte Diego nichts einfach so verzeihen...aber er konnte und wollte nicht weiter diese erdrückende Last mit sich herum tragen. Sie waren beide keine Teenager mehr...und es nützten Collin nichts, weiterhin nachtragend zu sein.

      Langsam wandte sich Collin Diego zu, welcher ihn immer noch nicht anblickte. Seine eigenen Augen waren noch immer wässrig, aber er bemühte sich, seine ganzen Gefühle vorerst herunterzuschlucken.
      "Diego.", begann er und atmete noch einmal tief ein, er seinen nächsten Satz sprach. "Ich...ich nehme deine Entschuldigung an. Aber sie ändert nichts daran, dass du mich verletzt hast und es mir schwer fallen wird, dir zu vertrauen. Wir sollten...einfach schauen was die nächsten Trainingseinheiten ergeben. Je nachdem werde ich einen anderen Trainer anfordern oder meine Mitgliedschaft wieder kündigen."
    • Eine Stille war zwischen beiden eingetreten und sie war so unangenehm, dass Collin sie brach und etwas sagte. Er nahm also die Entschuldigung an, doch natürlich ändere sie nichts an den Verletzungen, die Diego seinem alten Freund angerichtet hatte. Diego hatte sich gefasst und nickte, ehe er sich zu Collin umdrehte. "Klar", nickte er nur und schnappte sich das Tablet. 'Bloß nicht weiter darüber nachdenken', mahnte sich Diego und bekam wieder einen kühlen Kopf. Seine Röte war aus seinem Gesicht verschwunden und er ging mit Collin aus dem Büro in den Hauptraum des Gyms. Er musterte Collin während er das Tablet wieder startete. "Allgemeine Fitness wolltest du machen", erinnerte er sich an den Punkt bis vor diesen emotionalen Gesprächs und räusperte sich kurz, ehe er Collin auffordernd ansah. Anschließend gab er ihm eine kurze Tour das große und gut ausgestattete Studio, das neben dem normalen Übungsbereich mit Geräten, Hanteln und Matten über zwei Pools (einen Innen und einen Außen), mehreren Saunas, einer Massageabteilung und weiteren Nettigkeiten punkten konnte.

      Die beiden endeten auf dem großen weitläufigen Balkon des hippen Studios, wo eine Bar stand und viele Sitzecken aufgebaut waren. Hier konnte man nach dem Sport entspannt etwas trinken und den Ausblick über die Stadt genießen. Es war ein schöner Ort, wenn abends die Sonne am Horizont in der Wolkenkratzerskyline unterging. Diego schaute auf sein Tablett, um Collins Zeit nicht übermäßig zu beanspruchen und einen Haken an diesen Termin zu machen. Er brauchte danach wirklich eine Pause. Auszeit von all dem, was gerade in den letzten 30 Minuten vorgefallen war. "Ich habe dir nebenbei mal einen Plan gestrickt für ein paar Fitnessübungen.", erklärte Diego und kam mit dem Tablet zu Collin. "Wir würden morgen mit einem Rückentraining starten. Keine Panik danach kriegst du eine Massage von einer unserer Massage-Expertinnen", grinste Diego und fuhr mit dem Finger über den Plan. "Deine Termine zieht sich die App automatisch aus deinem Kalender und ich kann dir dann die Trainingsstunden so legen, wie sie dir passen. Da du sonst keinen Sport machst, habe ich dir pro Woche drei Termine mit etwa 90 Minuten eingeplant. Das können wir aber jederzeit anpassen." Er schaute auf den generierten Plan und sah jede Menge Termine von Collin. "Oh wow krass. Ich dachte immer ich hatte viele Termine, aber bei dir ist ja richtig viel los. Das sind ja ..." Diego zählte die Stunden "zum Teil 14 Stunden am Tag. Schläfst du überhaupt, Collin? Jetzt ernsthaft? Das ist ne riesige Workload. Was machst du?" Verwundert sah Diego seinen alten Schulfreund an und wusste, dass dieser schon immer strebsam war, aber dass er so ein Workaholic war, hätte er nie gedacht. Prüfend sah er nochmals auf den Kalender und versicherte sich, dass die ganzen bunten Felder, die den Kalender füllten tatsächlich alles Termine von Collin waren.
    • Collin folgte Diego schweigend durch das Fitnessstudio. Keiner von beiden sprach das Thema, die gemeinsame Vergangenheit und Diego's Entschuldigung, nochmal einmal an. Doch das war wahrscheinlich auch wirklich besser so...es sind wirklich mehr als genug Emotionen wieder aufgekocht. Zumindest war dies bei Collin der Fall.

      Auf dem Balkon angekommen, ließ Collin seinen Blick über den Horizont und die Stadt wandern. Es war ein wirklich atemberaubender Ausblick. Das Fitnessstudio hatte wirklich nicht grundlos einen stolzen Mitgliedsbeitrag und Collin war sich jetzt schon bereits sicher, dass er die zwei Pools am meisten nutzen wollte.
      Als Diego wieder das Wort ergriff, blickte Collin zu ihm zurück und nickte leicht, als dieser von seinen nächsten Trainingsstunden erzählte und das sich die App die Termine automatisch aus seinem Kalender zieht. Das war wirklich mehr als praktisch.

      Als Diego dann aber kommentierte, dass Collin ja wirklich viele Termine und zum Teil 14 Stunden am Tag arbeitete, strich er sich ein wenig verlegen ein paar seiner blonden langen Haare aus dem Gesicht.
      "Ach...dass passt schon. Ich komme auch mit wenig Schlaf gut zurecht und schaffe sogar manchmal sechs Stunden Schlaf zu bekommen.", antwortete er ihn, bevor er ihm auch die Frage beantwortete, was er beruflich machte: "Nun ich arbeite im oberen Management in einem der führenden Bankenkonzerns. Ich erspare dir die Details, da das Thema ziemlich trocken ist...gerade für dich."

      Schnell merkte Collin das seine letzten Worte vielleicht ein wenig falsch rüber kamen, weshalb er sich sofort korrigierte. "Es tut mir leid, ich wollte damit nur sagen, weil du...nun einen ganz anderen Weg eingeschlagen hast und du dich noch nie für solche Dinge interessiert hast...die Pokale in deinem Büro sprechen Bände.", sage er und hielt dann Inne.

      "Sag Mal...warum arbeitest du eigentlich hier im Fitnessstudio?", fragte er und musterte seinem ehemaligen besten Freund ein wenig genauer auf irgendeine Sportverletzung die erklären könnte, warum er nicht mehr als Football-Spieler tätig ist.
      "Du hattest doch damals ein Sportstipendium, oder?...wie...also nun...wie war deine Zeit nach der High School?", fragte er aus ehrlicher Neugier. Immerhin hat er alle die Jahre bis jetzt nichts von Diego gehört gehabt.
    • Diegos Augen weiteten sich bei dem, was Collin sagte. "Nur 6 Stunden Schlaf? Als dein Personal Coach kann ich das nicht gutheißen", schüttelte er den Kopf, ersparte sich jedoch die Belehrungen, da die bereits bei sein anderen beschäftigten Klienten nie funktioniert haben. Diego musste mit dem arbeiten, was Collin möglich machen konnte und viel Schlaf war für die meisten Leute in dieser Gehaltsklasse ein Luxus, den sie sich definitiv nicht leisten konnten. Kurz darauf bestätigt sein ehemaliger Freund auch Diegos Theorie, indem er erklärte im oberen Management eines Bankkonzerns zu arbeiten. Diego machte große Augen und freut sich für Collin, dass er es so weit gebracht hatte. Vor allem im Gegensatz zu ihm. Doch er konnte nicht lange darüber nachdenken, da der letzte Halbsatz von Collin, ihn fragen eine Augenbraue heben ließ. "Was soll das denn heißen? ich weiß sehr wohl was Banken so machen. Sie arbeiten mit Zahlen und Geld und so weiter", raunte Diego, obwohl er tatsächlich nicht so richtig wusste, wie eine Bank ihr Geld machte. Doch das würde er vor seinem alten Streber-Freund ja nicht zugeben.

      Zugleich korrigierte sich dieser auch. "Hmm ja ich mochte Sport und du eben ... Mathe und Zahlen und so", kommentierte er Collins Entschuldigung. Kurz darauf fragte ihn dieser jedoch, was aus seiner Sportkarriere geworden ist. "Hmmmm ... lange Story, Collin. Am Ende konnte ich so aber nicht weiter machen. Die Karriere im Profi-Sport ist eine auf der Überholspur und für mich und meinen Körper war das eine Nummer zu krass. Du musst Risiken eingehen. Risiken, die es mir nicht wert waren. Ich habe genug Sportler kennengelernt, die nach ihrer Karriere ein Wrack sind. Körperlich und geistig." Der Braunhaarige fuhr sich durch die Haare, da dies nur ein Teil der Wahrheit war. Aber er hatte mit der NFL vereinbart, dass beide Seiten Stillschweigen über die Situation vereinbaren und Diego wollte alte Wunden in seiner Seele nicht erneut aufreißen. Dennoch kratzte Collin weiter an der verwachsenen Wunde in seinem Inneren.
      "Ja aber mit Ausscheiden aus der NFL wurde auch das Stipendium aufgelöst und wie du weißt ist ein Studium sauteuer. Ich hätte Geld gebraucht, dass ich nicht hatte." Diego sah auf den Boden und seufzte dann. "Im Anschluss ging es dann ins Fernsehen. Die kamen schon relativ schnell und ich brauchte Geld. Man hatte sich ja einen Lebensstil aufgebaut und du weißt Kalifornien ist nicht günstig." Er zuckte mit den Schultern. "Na ja dann war ich auf jeden Fall eine ganze Weile in diesen Realtiy-TV-Formaten: Are you my one, Couple Island, Ex in Mexico, Meet your crush" Er erkannte bei der Aufzählung wie Collins Gesicht immer mehr fragender aussah und winkte ab. "Egal. Alles Abgründe der Gesellschaft. In diesen Formaten wird dir eine Rolle zugeteilt und die musst du dann spielen. Mit der Nummer bin ich durch." Er sah auf die Skyline von Los Angeles und seufzte. "Und irgendwann hast du da auch alles durch und dann gehst du entweder in die Realitiy-TV-Formate wo du nackt bist oder hörst auf. Ich habe mich für Letzteres entschieden."

      Die Sonne strahlte auf die beiden und der große Trainer spürte die angenehme Sonne auf seiner Haut. "Und nachdem ich auch dankend OnlyFans abgelehnt habe, dachte ich mir zurück zu deinen Wurzeln: dem Sport. Ich hatte ja auch mal Sportmedizin am College studiert. Vielleicht geht es da irgendwann für mich weiter, wenn ich die Ersparnisse zusammen habe" Collin grinste gespielt. Er wusste auch nicht, wieso er gerade so redselig gegenüber Collin war, doch sein Inneres sagte ihm es war eine Art Buße. Er wollte zumindest ab jetzt ehrlich und offen zu seinem alten Freund sein. Sich nicht mehr vor ihm verschließen wie früher. Er kratzte sich aber am Kopf, da ihm bei der Erzählung selbst klar wurde, dass das alles wie ein Absturz klang. Na ja zumindest musste er nicht in eine Suchttherapie wie viele andere Stars, aber sein Leben hätte deutlich besser verlaufen können.
    • Collin strich sich erneut ein wenig verlegen durch sein blondes Haar, als Diego seinen Schlafrhythmus nicht wirklich gut hieß.
      "Ich weiß, ich weiß.", sagte und lehnte sich dann an das Geländer des Balkons. "Ich versuche mich zu bessern. Versprochen.", sagte er, hörte dann aber seinem besten Freund aufmerksam zu, als dieser von seiner Zeit nach der High School erzählte.

      Er erzählte davon, dass die Karriere im Profi-Sport eine Karriere auf der Überholspur ist und das man bereit sein musste gewisse Risiken einzugehen, welche Diego aber nicht eingehen wollte.
      Während Diego sprach, musterte Collin genau die Mimik und die Körpersprache seines ehemaligen besten Freundes.
      Er wusste selbst nicht genau warum...aber er hatte das Gefühl, dass Diego ihm etwas verschwieg oder besser gesagt, dass Diego ihm nicht alles erzählte.

      Collin konnte sich gut an die Kindheit und die tiefgründige Freundschaft erinnern, welche die beiden einst teilten. Auch damals schon hat Collin es Diego direkt angesehen, wenn irgendwas nicht stimmte oder ihn etwas bedrückte. Diego war für Collin einfach wie ein offenes Buch.
      Scheinbar hat sich das nach all den Jahren und trotz der Funkstille zwischen den beiden nicht verändert.
      Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber entschied sich dann doch erstmal wieder dagegen und hörte ihm stattdessen einfach weiter zu.

      Als Diego ihm dann von den verschiedenen Fernseh-Formaten erzählte, blinzelte Collin ihn überrascht an. Diego war im Fernsehen? Und das mehrmals? Er hat noch nie auch nur von einer dieser Sendungen gehört. Aber es war deutlich, dass es sich bei allen um Dating-Formate handelte.
      Diego sprach weiter und Collin's Augen weiteten sich noch mehr, als er sich nun unwillkürlich vorstellte, wie Diego komplett nackt an einem Strand entlang spazierte und die Sonne auf seine Haut und muskulösen Körper schien.

      Collin konnte deutlich spüren, wie sein Gesicht und seine Ohren langsam immer weiter erröteten, bis er deswegen seinen Blick schnell abwandte und diesen wieder über die Stadt wandern ließ.
      Das waren wirklich keine angebrachten Gedanken die er von Diego haben sollte...also ganz und gar nicht. Sie sahen sich zum ersten Mal nach so vielen Jahren wieder und er stellte sich direkt einen nackten Diego vor? Die Erwähnung von OnlyFans machten seine Gedanken nicht gerade besser und er tat alles um Diego in diesem Moment nicht direkt anzuschauen.

      Erst als dieser darüber sprach möglicherweise irgendwann sein Sportmedizin-Studium fortzusetzen, blickte er seinen ehemaligen besten Freund wieder an.
      "Verstehe...Und du kannst dir den Lebensstil, den du dir aufgebaut hast, mit einem Job hier im Fitnessstudio noch immer leisten?", fragte er, hielt dann aber einen Moment inne als ihm bewusst wurde, das dies eine ziemlich unhöfliche Frage ist und ihm Diego's Finanzen rein gar nichts angingen.
      "Natürlich musst du mir das nicht beantworten.", fügte er schnell hinzu und sagte dann noch leiser: "Wir sind ja immerhin keine Freunde mehr."
    • Diego spürte den musternden Blick auf sich und fragte sich, was Collin sich dabei dachte. Verabscheute er ihn? Hielt er es für gerecht? Hatte er Mitleid mit ihm? Er wollte das auf jeden Fall alles nicht. Er war ein erwachsener Mann und brauchte keinerlei Einschätzung seiner Lage. Er wusste selber, dass sein Leben nicht ganz optimal verlaufen ist, doch es brachte nichts sich über die Fehler der Vergangenheit Gedanken zu machen. Diego versuchte im Hier und Jetzt zu leben. Er schürzte die Lippen, da er dennoch - wenn er ehrlich zu sich selbst war - schon an Collins Meinung interessiert war und das trotzt all der Zeit? Vielleicht auch wegen all der Zeit? Collin kannte den alten Diego und er würde wohl gerne wissen, was sein Freund von ihm dachte. Obwohl er sich denken könnte, was Collin sich dachte. Es war das Richtige, was er jetzt hatte. Dieses Leben hatte er verdient. Vermutlich war das die Erklärung für all das. Seine Mutter hatte ihm immer gesagt: Gott richtet über uns und alle müssen irgendwann die Buße für ihre schlimmen Taten tun. Das war dann wohl Diegos Buße.

      Collins überraschende und zugleich sehr private Frage ließ Diego aufhorchen. "Nun ja", zögerte er, "das Gehalt hier ist bei weitem nicht so generös wie das eines NFL-Stars oder eines Fernseh-Stars." Der Braunhaarige kratzte sich verlegen am Kopf und dachte an die Schulden, die er sogar noch hatte. So gesehen war er noch schlechter dran. "Aber das passt schon. Ich wollte eh nicht mehr in Santa Barbara bei diesen ganzen Proleten wohnen.", log er ohne es sich anmerken zu lassen. Natürlich vermisste er sein Strandhaus in Santa Barbara, von wo aus er direkt ins Meer gehen konnte. Doch ohne die Einnahme aus dem Sport bzw. dem Fernsehen war das alles nicht mehr drinnen. "Ich wollte wieder da wohnen, wo das echte Leben ist. Normale Menschen ohne diese ganze Show drumherum. Central-Alameda ist einfach nah an den Menschen und meinen mexikanischen Wurzeln." Erst im nächsten Moment hätte sich der Trainer für seine Aussage facepalmen können. Central-Alameda war eines der vielen berüchtigten und gefärhlichen Viertel der Stadt, in denen es immer wieder zu Bandenkriegen oder Einbrüchen kam. Diego hoffte, dass Collin dies einfach überhört hatte oder soweit vom problematischen Leben in Los Angeles entfernt war, dass er mit dem Namen nichts anfangen konnte.

      Ungeduldig sah er umher und fragte sich, ob er irgendwie von diesem für ihn unbeliebtem Thema ablenken könne. "Und wie lebst du so?", fragte er dann eher gedankenverloren als zielstrebig und stellte fest, dass er damit nicht wirklich effektiv vom Thema abgelenkt hatte. Nervös drehte er sein Tablet, das mit einer doppelseitigen Hülle umgeben war. In diesem Moment rutschte ein kleiner Zettel aus der Hülle und flog direkt vor Collins Füße. Es fiel dem Braunhaarigen erst auf als sein alter Freund diesen bemerkte und aufhob und ihm überreichte. Dabei fiel dessen Blick doch kurz auf den Zettel. Diegos Augen weiteten sich und er nahm den Zettel mit einem hastigen Griff an sich. Es war nämlich eine zerknüllte Visitenkarte eines Schuldenberaters. Er knautschte mit den Zähnen und spürte Collins Blick auf sich. "Ich hatte einige Prozesse am Laufen wegen dieser ganzen Sache mit der NFL und später den Medien. Es gab einige üble Artikel über mich und Anwälte sind nun mal teuer", murmelte er und steckte den Zettel fest in die Tasche seiner Sportshorts. Er war froh, dass er selten rot wurde und es dieses Mal immerhin nicht wurde. Ihm reichte eigentlich schon die Szene von vorhin und jetzt muss, er sich gefühlt wieder vor Collin rechtfertigen.
    • Collin weitete seine Augen, als Diego verkündete, dass er nun in Central-Alameda wohnen würde. Zwar war Collin die meiste Zeit mit seiner Arbeit oder seinem Golden Retriever beschäftigt, doch auch an ihm gingen die Nachrichten nicht vorbei.
      Es ist keine Seltenheit das man von verschiedenen Bandenkriegen oder Einbrüchen hörte. Collin wollte sich gar nicht erst ausmalen, was noch alles in diesem berüchtigten Viertel der Stadt passierte, von dem nicht im Fernsehen berichtet wurde.
      Die Vorstellung und das Wissen das Diego dort wohnte, jagte ihm einen eiskalten Schauer über den Rücken.

      Er wollte gar nicht auf Diego's Gegenfrage eingehen und sich voll und ganz weiter auf seinen ehemaligen besten Freund konzentrieren. Genau in dem Moment fiel ihm aus der doppelseitigen Hülle von Diego's Tablet's ein kleiner Zettel vor die Füße.
      Ohne groß darüber nachzudenken, hatte Collin den Zettel auch schon aufgehoben und hielt diesen Diego wieder entgegen. Dabei kam er nicht darum, einen genaueren Blick auf den Zettel zu werfen. War das etwa...eine Visitenkarte eines Schuldenberaters?

      Als Diego den Zettel hastig entgegen nahm und sich ziemlich knapp erklärte, sah Collin ihn schon fast sprachlos an. Er konnte kaum glauben was er da hörte und ohne das ihm es selbst bewusst wurde, machte sich eine große Fürsorge gegenüber Diego in ihm breit. Genauso wie es damals schon immer gewesen ist, als sie noch Kinder gewesen sind.

      Was ihm noch mehr beunruhigte war die Aussage, dass er einige Prozesse wegen der ganzen Sachen mit der NFL am Laufen hatte. Er wusste doch, das Diego ihm eben etwas verschwiegen hatte! Und was waren das für Prozesse später wegen den Medien?

      Nachdem Collin seine Gedanken gesammelt hatte, atmete er tief ein und blickte Diego ernst in die Augen. "Diego.", begann er mit einer Autorität, die deutlich machte, dass er nicht ohne Grund im oberen Management eines großen Bankkonzerns arbeite.
      "Als erstes: Was genau sind das für Prozesse? Hast du einen Anwalt, der dich unterstützt?", fragte er und hatte eigentlich noch so viel mehr Fragen, mit denen er ihn aber erstmal nicht überfordern wollte und sich daher noch etwas aufsparte.

      "Und zweitens: mir gefällt es überhaupt nicht, dass du in Central-Alamenda wohnst. Außerdem bezweifle ich stark, dass es dir dort wirklich gefällt und du da freiwillig wohnst. Da ist es viel, viel VIEL zu gefährlich.", sagte er ernst und weiterhin mit Sorge, welche sich in seinen Augen widerspiegelte.
      Und dann...bevor Collin über seine nächsten Worte überhaupt selbst richtig nachgedacht hatte sagte er bereits: "Ich habe ein großes Apartment in Santa Monica mit einem freien Zimmer in das du einziehen kannst."
    • Diego spürte die skeptischen Blicke seines ehemaligen Schulfreunds, war aber froh, dass dieser ihn für Erste nicht weiter zu seinen Lebensumständen ausfragte. Es war ihm so schon unangenehm genug, dass er Collin in dieser Lebenslage wieder begegnen musste, die nicht gerade eine Glanzzeit des ehemaligen NFL-Spielers darstellt. Zu allem Übel geriet dann dem Blonden auch noch die kleine Visitenkarte des Schuldnerberaters in die Hände, was Diego in Erklärungsnot brachte. Er pustete die Wangen auf und stöhnte genervt, als Collin sich sichtlich besorgt und doch sehr streng nach dem Stand dieser Prozesse erkundigte. Der Braunhaarige runzelte die Stirn, ehe er einen verstimmten Gesichtsausdruck aufsetzte und mit der Hand abwinkte. "Das ist alles halb so wild. Die Prozesse sind soweit gelaufen. Es bleiben nur die Folgekosten für den Anwalt und so.", murmelte der Halb-Mexikaner und sah in die Luft, damit er Collins strengen Blick nicht weiter ertragen musste. Er hatte beinahe das Gefühl, sich seinen Eltern rechtfertigen zu müssen. Diego würde Collin jetzt sicherlich nicht in diese Shit-Show einbinden, die damals lief. Er war mit all dem durch. Dem Profi-Sport und der Verlogenheit, die hinter den Fassaden der schönen Clublogos herrschte. Er verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich werde das schon hinkriegen. Der Berater hat mir geholfen und ich zahle das alles nach und nach ab. Doch dafür muss ich hier gut arbeiten."

      Diego dachte, dass damit das Thema abgeschlossen war, ehe sein Gegenüber jedoch sein Wohnviertel ansprach. "Hey?! So schlimm ist es gar nicht! Es gibt dort auch gute Ecken und das Streetfood ist legendär." Diego versuchte vom Thema abzulenken, spürte jedoch den energischen Blick des Blonden und wurde für einen kurzen Moment rot, ehe er den Kopf schüttelte. "Nein nein nein. Ich ziehe doch nicht bei dir ein. Das ist wirklich nett, aber ich kriege das schon hin, Collin.", sprach er mit ausdrücklicher Stimme und sah zum Horizont der Stadt. "Santa Monica", grübelte er vor sich her, "schön dort. Dann hast du es wirklich geschafft." Diego sah wieder zu Collin. "Da würde ich nur auffallen wie ein bunter Hund. Das Getratsche dieser ganzen 'Stars'." Ugh, dachte er sich innerlich, er kannte so viele von denen und wollte diesen nur ungern über den Weg laufen. Geschweige denn erklären, wieso er bei Collin einzog oder damals so hastig aus Santa Barabara verschwand. Diego biss sich auf die Unterlippe. "Wirklich sehr hilfsbereit von dir, aber das ist ein Problem, das ich selbst lösen werden muss."

      Er wäre natürlich neugierig gewesen, wie sein ehemals bester Freund wohnte, doch er würde es nicht weiter thematisieren und war froh, wenn er Collin von diesem Gedanken abbringen kann. Diego wollte gerade das Thema wechseln als sein Handy vibrierte. Normalerweise stand es auf 'Nicht Stören', damit er die Termine mit seinen Klienten ungestört verbringen konnte, doch wenn eine Mitteilung durchkam, dann war es etwas Wichtiges. Er sah, dass seine Vermieterin anrief. "Du entschuldigst mich kurz? Ist dringend, ich bin gleich wieder bei dir.", entschuldigte er sich und hob ab während er wenige Meter von Collin entfernt stehen blieb. Er musste nicht weit gehen. Die Frau, die seine Vermieterin war, war eigentlich auch nur eine Mieterin der Bruchbude, die sie an ihn untervermietete und sie sprach nur spanisch, sodass Diego das Gespräch gefahrlos annehmen konnte.
      "Hola Camila", begrüßte er sie und hörte die aufgeregte, zitternde Stimme am anderen Ende. "¿Qué pasó?", fragte er verunsichert, nachdem er die ersten Zeilen von Camila, seiner 'Vermieterin' gehört hatte.
      "¡Eso no suena nada bien! ¡Iré inmediatamente! ¡Nos vemos pronto!", sprach er ins Handy und legte dann hastig auf, ehe er auf Collin zuging.

      "Tut mir leid, aber ich habe zuhause einen Notfall. Wir sind für heute durch. Nächster Termin ist morgen Mittag. Trink noch einen Green Smoothie! Ich muss leider." Mit den schnellen Worten verabschiedete sich Diego und verließ hastig das Studio. In diesem Moment vibrierten die Handy von Diego und Collin mit einer Push-Mitteilung:

      ### Los Angeles Times: Großbrand in Central-Alameda. Erste Teile des Viertels abgesperrt. Große Rauchschwaden lassen den LAX Airport bis auf weiteres keine Flüge durchführen. Anwohner in der Nähe: Bitte Fenster schließen und ruhig verhalten. Das Los Angeles Fire Department informiert in Kürze. ###

      "Shit", fluchte Diego nachdem er die Push-Mitteilung gesehen hatte. Er schwang sich auf sein Fahrrad und radelte zu seiner Wohnung in Central-Alameda. Alle Gedanken drehten sich. Er fühlte sich übel, aber er musste jetzt durchhalten!
    • Komplett verwirrt blickte Collin dem ehemaligen NFL-Spieler hinterher. Doch noch bevor er sich fragen konnte was überhaupt los war, erhielt er bereits eine Push-Mitteilung auf seinem Handy.
      Als er die Push-Mitteilung auf dem Display seines iPhones sah, weitete er entsetzt seine Augen und die Farbe wich ihm aus seinem sowieso schon immer ziemlich blassen Gesicht. Es brauchte in dem Moment wirklich nicht viel um eins und eins zusammen zu zählen.

      Wie erstarrt blickte Collin auf sein Handy und blickte dann langsam in die Richtung in die Diego verschwunden war.
      Sein Magen zog sich zusammen und nur noch größere Sorge um seinen ehemaligen besten Freund breitete sich in ihm aus. Erst der mysteriöse Anruf, dann Diego's plötzliches verschwinden und jetzt...diese Push-Mitteilung.
      Ganz zu schweigen von den Dingen, die er gerade über sein aktuelles Leben erfahren hat.

      Gestresst biss er sich auf seine Unterlippe und wog innerlich seine verschiedenen Optionen ab. Was sollte er tun? Sollte er Diego hinterher und nachschauen, ob alles in Ordnung bei ihm war? Oder sollte er vielleicht einfach nichts tun? Immerhin waren sie keine Freunde mehr und Collin war ihm nichts schuldig. Erst Recht nicht wenn man darüber nachdachte, wie Diego ihn in der High School behandelt hat.
      Collin würde es Diego niemals erzählen...aber er musste das erlittene emotionale Trauma therapeutisch behandeln lassen. Doch selbst unter therapeutischer Behandlung konnte er Diego nie vergessen, was seinem Therapeuten damals noch mehr graue Haare beschert hat.

      "Ich sollte dich hassen...aber ich kann es einfach nicht.."

      Er umfasste sein Handy ein wenig fester und atmete tief ein. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Er wusste was er nun tun würde.
      Egal was damals alles zwischen den beiden vorgefallen ist...er konnte seine wahren Gefühle einfach nicht abstellen...er empfand noch immer etwas für diesen verdammten Idioten...und genau wie damals war es mehr als einfach nur Freundschaft...

      Ohne nun weiter darüber nachzudenken, wählte er die Nummer seiner Assistentin und wartete leicht ungeduldig darauf, dass sie den Anruf entgegen nahm.
      Als sie das tat, sprach er direkt und der Ton in seiner Stimme machte deutlich, dass irgendwas nicht stimmte.
      "Ich melde mich für heute Abwesend. Bitte sag alle meine Termine ab. Ich werde mich morgen aus dem Home Office wieder anmelden."
      Er konnte deutlich hören, dass seine Sekretärin sich Sorgen machte, aber Collin hatte keine Zeit um ihr zu erklären was los war.

      Noch während er mit ihr sprach hatte er sich bereits auf den Weg zur Tiefgarage gemacht. Er hoffte sehr, dass er einfach komplett übertrieb und sein innerlicher Dämon ihn mit verschiedenen Szenarien in seinem Kopf einfach nur foltern wollte.
      Aber erst der Anruf, dann Diego's Verschwinden und dann die Push-Mitteilung? Das alles klang nicht wirklich nach einem einfach Zufall...

      Nachdem er aufgelegt hatte stieg er, noch immer in seinen Sportklamotten auf die Fahrerseite seines schwarzen Porsche und startete den Motor. Als er aus der Tiefgarage gefahren war, fuhr er mit noch immer ziemlichen Bauchschmerzen in die Richtung von Central-Alameda.
    • Graue und schwarze Wolken zogen bedrohlich aus Central-Alameda über Los Angeles' Skyline. Diego hatte seine Straße erreicht, doch er kam gar nicht bis zur Wohnung. Die Straße war mit gelbem Band abgesperrt. Polizei und Feuerwehr standen an der Straßeneinfahrt und vor ihnen eine Menge aufgebrachter Leute. Kinder, Eltern, Ältere und Arbeiter. Alle sprachen wild durcheinander und das einzige, was man verstand war das Spanisch, das alle sprachen. Diego schmiss sein Fahrrad besorgt zur Seite und ging geradezu auf Camila, die ihn mit Tränen in dem Arm schloss. Es war eine alte Costa Ricanerin, die Diego gerade mal bis zum Bauch bin. Er strich ihr über die grauen Haare und sie betete auf Spanisch während sie sich in ihn drückte. "Was ist hier los, Camila?", fragte er noch völlig schockiert und sah in die Straße in der ein dutzend Häuser brennen.
      "Ich weiß es nicht genau", antwortete sie auf Spanisch und sah in die Straße, "Die Feuerwehr hat uns aus unseren Häusern geholt und gesagt. Wir sollen bis auf Weiteres hier bleiben."
      Diego sah zu der Polizei, die sich mit einem Megafon an die Menge wandte: "Bitte bleiben Sie ruhig! Sie dürfen erst wieder in ihrer Häuser, wenn die Feuergefahr gebannt ist." Diego fluchte. "Das verstehen die nicht", raunte er. Die meisten Menschen hier sprachen kein einziges Wort Englisch und dies schien auch die Feuerwehr zu spüren. Eine Frau nahm dem Polizisten das Megafon ab und wiederholte seine Worte auf Spanisch. Erst jetzt nickte die Menge und stellte dann gleich neue Fragen auf Spanisch. Camila löste sich von Diego und sah zur Feuerwehr. Die Menge war sichtlich beunruhigt und fragte immer wieder, was der Grund für das Feuer war. Diego spähte an der Menschenmenge vorbei und sah immer noch an einigen Häusern Flammen aus den Fenstern.
      Brände waren zwar in Kalifornien nicht Neues, jedoch gab es nur selten ein so großes Feuer mitten in der Downtown. Viel eher waren es sonst Waldbrände, die die Stadt gefährdeten. Doch Diego driftete ab und schüttelte den Kopf. Er wand sich an Camila und forderte sie auf zu ihren Verwandten im Osten der Stadt zu fahren. Sie sah ihn mit Tränen in den Augen an. "Und was wird aus dir?", fragte sie ihn. Er zuckte mit den Schultern. "Keinen Plan, aber mir wird schon was einfallen." Sie runzelte die Stirn, doch sie war alt und wusste, dass es nichts brachte hier weiter sich die Beine in den Bauch zu stehen und willigte wenngleich mit widerwilliger Mine ein.

      Bald darauf wurde Camila von ihrer Tochter abgeholt. Diego winkte ihr und sah ihre Traurigkeit. Das Haus war das Einzige, was sie hier besaß. Wenn es in den Flammen aufgegangen sein sollte, hätte sie nichts. Und er? Na ja er hatte sowieso nie viel hab und Gut gehabt. So gut gefiel es ihm hier nicht. Die wichtigsten Sachen hatte Diego zum Glück auf seinem Handy und sein halber Kleiderschrank, der aus Sportklamotten bestand, war an seiner Arbeit. Er würde also erstmal weiter arbeiten können. Wenngleich ihm angesichts der Flammen sehr übel wurde. Er setzte sich an den Straßenrand und schaute weiter in die lodernden Feuer der Nachbarschaft. Langsam verdünnisierten sich auch die Menschen, die vor der Absperrung von Feuerwehr und Polizei gegen die Sperrung protestierten. Sie sahen ein, dass es keinen Sinn hatte. Diego seufzte, ehe ein lautes Motorengeräusch ihn aufhorchen ließ. In die Straße fuhr ein schwarzer Porsche ein. Er raunte. "Hat mir gerade noch gefehlt. Reiche, die sich das Elend anschauen wollen", murmelte er zornig und richtete sich auf, um auf den Porsche zu zugehen. Er kam dem Wagen entgegen. Als dieser stehen blieb, ging er ans Fenster, das sich in diesem Moment öffnete. Diego wollte gerade pöbeln als er Collin im Wagen sah. Seine Augen weiteten sich. "Was? Was? Was? machst du denn hier?", stotterte er vor sich her und spürte Collins Blick auf ihm und dann an ihm vorbei in Richtung Feuer.
    • Endlich bog Collin mit seinem schwarzen Porsche in die richtige Straße ein und entdeckte Diego, welcher am Straßenrand saß.
      Beim Anblick der lodernden Flammen zog sich sein Magen noch stärker zusammen und unwillkürlich umklammerte er das Lenkrad noch fester. Das konnte doch alles nicht wahr sein...

      Nachdem er sein Auto gestoppt und den Motor ausgeschaltet hatte, sah er, wie Diego bereits auf ihn zukam. Er ließ die Fensterscheibe herunter und blickte in Diegos überraschte Augen, als dieser stotternd fragte, was er hier machte.
      Er antwortete ihm nicht sofort, sondern blickte stattdessen nochmal an ihm vorbei in die Richtung des Feuers. So viele Häuser die in Flammen standen...so viele Existenzen die vernichtet wurden...
      Collin konnte spüren, wie ihm nur noch schlechter wurde, als er die ganzen Menschen sah, welche wahrscheinlich gerade alle ihr Zuhause verloren. Wie ist es nur zu all dem gekommen? Er ging nicht wirklich davon aus, dass sich das Feuer einfach wie durch Zauberhand selbst entfacht hat...

      Er atmete einmal tief ein, um seine eigenen Nerven zu beruhigen und stieg aus seinem Auto aus. Ohne ein weiteres Wort legte er seine Arme um Diego's Hals und drückte ihn tröstend an sich, vorbei er sich selbst dabei aber ein klein wenig auf seine Zehenspitzen stellen musste.
      Er war sich sicher, dass sein ehemaliger bester Freund versuchen würde die ganze Situation runter zu spielen...aber er kannte Diego, zumindestens den alten Diego, einfach lang genug um sich denken zu können, was gerade wirklich in ihm vorging.

      "Hey...ich bin froh zu sehen, dass es dir gut geht...", begann er, während sein Blick wieder über die Flammen wanderte.
      "Bist du...auch betroffen? Was ist mit deinem Zuhause?", fragte er vorsichtig, obwohl er sich die Antwort eigentlich selbst schon denken konnte. Die brennenden Häuser und die Tatsache, dass Diego bis eben noch am Straßenrand gesessen hat sprachen Bände.
      Als Collin dann aber bewusst wurde, dass er Diego gerade umarmte löste er sich schnell wieder von ihm und räusperte sich. "Entschuldige bitte...ich weiß auch nicht wo das gerade her kam.", sagte er und konnte nicht verhindern, dass sich seine Wangen ein wenig rosa färbten.

      Er trat wieder einen Schritt von Diego zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust während er noch immer auf dessen Antwort wartete, sich selbst aber weiter nicht erklärte, warum er hier war. Aus seiner Sicht ist es ziemlich offensichtlich, dass er sich nach Diego's wohlergehen erkunden wollte.
    • Benutzer online 1

      1 Besucher