Fort Schwarzdämmerung, Schattenwälder, Reich der Vampire
Lucius spähte zu seinem neusten Gefäß hinüber, da er dessen Magenknurren vernahm. Als Vampir war es ihm nicht entgangen. Das Geräusch des blubbernden Magens und es war auch denkbar, dass der junge Sylva nach diesen Torturen des Tages und Lucius Durststillung wirklich etwas zu essen brauchte. Für einen Vampir war das jedoch nur bedingt nachvollziehbar. Erst Recht für solche wie Lucius, die Zeit ihres Lebens Vampir sind und nie ein Mensch waren. Hunger ist ihm fremd. Durst das kennt er, aber das Intervall zu trinken, ist bedeutend weiter als bei anderen Wesen, sodass Lucius kaum ein Gefühl für solche Bedürfnisse entwickeln konnte. In den großen Burgen gab es dafür Personal (meist Menschen, die als Bedienstete gehalten wurden), die für die Gefäße kochten und ihre sonstige Versorgung sicherten. Diesen Luxus war er gewöhnt, doch nun würde er sich selbst damit rum ärgern müssen, weswegen der junge Prinz missmutig das Gesicht verzog. Doch seine miese Stimmung war nur von kurzer Dauer.
Denn gerade nachdem Kommandat Adrian gefragt hatte, was sie herführte, plapperte sein Wildfang los. Adrian drehte sich von Lucius ab und sah das fremdartige Wesen an. Adrian holte mit der Hand aus und war dabei Sylva eine zu klatschen, ehe Lucius kurz vor Sylvas Gesicht den Arm von Adrian aufhielt. "Na na na. Er ist immer noch mein Gefäß und du willst ihn mir doch nicht zerstören. Er hat so ein schönes Gesicht", Lucius drehte sich zu Sylva "und doch ein so loses Mundwerk. Ich werde ihn nachher schon maßregeln."
"Das will ich schwer hoffen. Dein Haus ist ja bekannt für seine Vorliebe für 'besondere' Gefäße." Lucius winkte dabei ab, damit das Thema nicht weiter aufgekocht wurde.
"Aber die Frage ist dennoch von Belang. Haben deine Wachen eine Wesen wie ihn in den letzten Tagen gesehen?"
"Du meinst einen Vulthera?"
"Ehh ja", fragte Lucius verwundert, "Woher kannst du den Namen so gut einordnen?"
"Wir hatten vor 2 Wochen tatsächlich eines von diesen Dingern im Wald unweit von hier aufgegriffen." Lucius hörte Sylva knurren und warf ihm einen bösen Blick zu, der sagte 'ein Wort und ich trink nochmal von dir'. Der Vulthera zügelte sich daraufhin, wenn auch sichtlich schwer.
"Es war ein weibliches Exemplar. Die Jungs wollten sich ein bisschen mit ihr vergnügen. Doch es war ein so launisches Ding, das glaubst du nicht. Hat alle gebissen und um sich geschlagen." Lucius Augen weiteten sich, da er gerade selbst kaum glauben konnte, was er hörte. Sie wollten ihren Spaß? Doch ehe er die Männer dafür verurteilen konnte, setzte der Kommandant fort.
"Na ja da wir mit ihr augenscheinlich nichts anfangen konnten und sie sich hier auch nur gegen uns stellte, haben wir sie dann verkauft." Lucius hatte während des Gesprächs die ganze Zeit ein Auge auf Sylva und er riß sich zusammen doch mit diesen Worten schien bei ihm eine Sicherung zu platzen. Lucius öffente seine Hand und wirkte einen schwachen Beruhigungszauber, der Sylva an Ort und Stelle sitzen ließ und sein Sprechen unterband. Er könnte nicht riskieren, dass der Vulthera diese Spur aus purem Zorn kaputt machte.
Lucius spürte Adrians Skepsis und er schien wohl fragen zu wollen, wieso sich ein so ranghoher Prinz für eine Streunerin wie diese Vulthera interessierte. Daher spielte er mit und sagte: "Hmm ja verständlich. Manche Lebewesen sind einfach zu störrisch. Wobei ich dieses WIlde ja mag. Sag Adrian, an wen habt ihr sie verkauft?"
"Habt ihr etwa Lust auf noch eins von den Dingern?"
"Vielleicht", grinste Lucius süffisant.
"Nun gut vor ein paar Tagen war hier eine Unterhändlerin eines kleinen Hauses, das einen Gefäßhandel betriebt. Er hat sie uns abgekauft. War ganz interessiert an diesem fremdartigen Wesen."
"Von welchem Haus war er?"
"Lucius in solchen Politischen Sachen seid ihr bedeutend bewanderter als ich. Ich bin nur ein Krieger." Adrian raunte und kratzte sich am Kopf, ehe ihm die Idee kam und er aufstand. Anschließend kam er mit einem Pergament wieder und studierte dieses. "Wir führen eine Besucherliste. Da müsste der Unterhändlerin draufstehen.", säuselte er und musterte die Liste. Dann zeigte er Lucius den Eintrag.
