How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... danke aber auch. Weil das die größte meiner Sorgen ist.“, schnaufte der Unsterbliche, beleidigt darüber, dass die Rothaarige sein Aussehen kommentierte, bevor sie seine Frage beantwortete und kaum hatte sie dieses verhasste Wort über sich gebracht, diesesja.... zuckte er auch schon wieder zusammen.
      „Na toll... war ja irgendwie klar.“, machte er ein Gesicht wie jemand, der in seinem Leben nichts außer Pech hatte. Wie sonst sollte man das auch nennen? Endlich hatte er einen Weg aus diesem verdammten Albtraum heraus gefunden – sein Blick wanderte automatisch zu der Diebin auf dem Holzstuhl – musste er natürlichwieder die Wege mit dieser Hexe kreuzen.
      Er hatte gehofft ihr nicht mehr begegnen zu müssen. Keinen Schritt in die selben Dörfer und Städte wie sie zu treten, aber es war schwer jemandem aus dem Weg zu gehen, den man seit mindestens hundert Jahren aus den Augen verloren hatte. Er hatte aber auch nicht erwartet jemals wieder aufstehen und... nun, seine Ruine von einem Anwesen zu verlassen.
      Hätten sie diese Reise nicht einfach hinter sich bringen können, ohne auch nur den Namen dieser Hexe zu vernehmen? Er wusste zwar nicht, wieso sich ihr Titel verändert hatte, womöglich einfach nur eine Eigenart von Zeit, aber in seinen Augen war dieser Titel viel zu.... harmlos.
      Wenigstens das Wort Blutmond hätte bleiben müssen. Aber es war nicht seine Entscheidung gewesen.
      „Sie ist... einfach über die Straßen gewandert...?“, wiederholte Silver und ließ sich auf sein Bett fallen. Die halb heruntergefallene Decke erzählte noch die Geschichte davon, wie er aus dem Bett gefallen war, aber das kümmerte ihn im Moment wenig.
      „Moment... sie ist mit einer Kutsche gekommen?“, blinzelte der Braunhaarige sie verwirrt an, als hätte Neona ihm gerade erzählt, dass der roten Hexe des Mondes ein zweiter Kopf gewachsen wäre.
      In seinen Augen war es eigenartig. Weil sie es nie zuvor getan hatte. Hexe hatten ja bekanntlich eigene Arten der Fortbewegung. Wozu auch eine Kutsche nehmen, wenn man einfach an einem anderen Ort auftauchen oder fliegen konnte?
      Leicht zuckte Silver zusammen, als Neonas Hand ihn aus seinen Gedanken riss und er blickte auf. In seinen sonst so leeren Augen war deutlich der Ausdruck von Sorge, gemischt mit Angst zu erkennen.
      „Können wir... nicht gleich gehen...?“, fragte der Unsterbliche vorsichtig, schluckte schwer und legte die Hand um das Handgelenk der Rothaarigen, als bräuchte er in diesem Moment ihre Wärme. Ein eigenartiges Gefühl. Immerhin hatte er diesen Luxus bisher nicht besessen, einfach nach einem Menschen zu greifen, wenn er halt brauchte.
      „... vielleicht hast du ja Recht und hier wird sie nicht nach mir suche, aber... was wenn doch...? Ist sie... du sagst sie ist über die Straße stolziert, kurz vor dem... Rathaus? Hat sie was im Rathaus zu suchen? Ist sie beschäftigt?“, runzelte er die Stirn und hasste es abgrundtief so wenig Informationen zu haben.
      Aber er konnte nicht hinaus gehen und sich selber eine Übersicht verschaffen... und das Geld um jemanden dafür zu bezahlen hatte er auch nicht.
      Mit einem tiefen Seufzer fuhr sich Silver durchs Haar, nachdem Neona schon wieder sein Aussehen kommentierte.
      „... ist das so wichtig? Ist doch egal wie ich aussehe, solange die Kleidung alles verdeckt...“, murmelte er, ließ Neona's Handgelenk wieder los, als sie sich von ihm entfernte und begann trotz seiner Worte seine Kleidung zurecht zu rücken und ein paar Falten glatt zu streichen.
      Sein Blick fiel wieder zum geschlossenen Fenster... so klein die Wahrscheinlichkeit auch war, die Anwesenheit dieser Hexe machte den Unsterblichen unruhig. Und es wäre nicht das erste Mal, dass sie sich unerwarteterweise gegenüber stehen würden.
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    • Neona

      Sie musterte ihn verwirrt bei seinen Fragen. "Wie... soll sie sonst in die Stadt gekommen sein?" Fragend legte sie den Kopf schief. Warum war er so verblüfft über ihren Bericht. Nutzten Hexen normalerweise keine Kutschen? Zugegeben, trotz ihrer Lebenslangen Neugierde Hexen gegenüber war Neonas Wissen über sie reichlich begrenzt. Nutzten sie normalerweise also einen anderen Weg des Transports?
      Noch mehr als über diese Fragen, war sie aber von seiner zunehmend panischen wirkenden Reaktion entsetzt. Offenkundig hatte sie Silvers tiefgreifende Furcht unterschätzt. Desto länger sie den verängstigten Mann vor sich betrachtete, desto unwirklicher schien die Version des Unsterblichen in der er ohne Bedenken das Leben von seinen Feinden nahm. In ihr festigte sich der Glauben, dass außer dem Fluch an sich, noch deutlich mehr zwischen der Hexe und Silver schief gegangen sein musste. Wie oft waren sie sich wohl seither begegnet? Was war zwischen ihnen geschehen? Trotz der steigenden Neugierde in ihrer Magengrube zügelte Neona ihre Zunge und hockte sich schließlich vor das Häufchen Elend vor ihr, um ihm besser in die Augen blicken zu können. "Wenn wir sofort aufbrechen, würden wir zu viele Beobachter haben. Die Bewohner mögen im Moment zwar mehr mit der Hexe als allem anderen beschäftigt sein, aber die Stadtmauern sind wegen ihres Eintreffens besser bewacht als sonst. Wir wissen außerdem nicht, wie nah unsere Verfolger uns mittlerweile wieder gekommen sein könnten und in dem aktuellen Trubel würde ich sie nicht bemerken, selbst wenn ich nach ihnen suchen würde." Sie legte sanft ihre freie Hand über seine Finger an ihrem Handgelenk. Es glich blanker Ironie, dass dieser Mann vor ihr schon mehrere Jahrhunderte alt sein sollte, im Moment erinnerte sie ihn nur erneut an ihren kleinen Bruder, der von düsteren Albträumen geplagt wurde... nur mit dem Unterschied dass Silvers Albtraum aus Fleisch und Blut bestand und zu allem Überfluss eine verdammt mächtige Hexe war. "Selbst wenn wir den Nachtwachen auffallen sollten, wird es schwer uns in der Dunkelheit der Nacht zu verfolgen." Sie richtete sich langsam wieder auf und versuchte sich an einem neuen schmalen Lächeln. "Wenn es dir lieber ist, kann ich die Pferde auch jetzt schon organisieren, damit du später so wenig Zeit wie möglich auf den Straßen verbringen musst. Nebenbei kann ich die Chance direkt nutzen und mich weiter über die Hexe umhören, herausfinden was ihr Anliegen in dieser Stadt ist und wo sie untergebracht wurde." Mit etwas Glück konnte sie eben diese Informationen und die Pferde an der gleichen Stelle abholen, schließlich war Kikorin immer mit allen Abläufen in seiner Stadt gut vertraut. Allerdings war sich Neona jetzt schon sicher, dass er sie für diese Informationen noch einmal extra zur Kasse beten würde...
      Sie schmunzelte, als er trotz seiner eigenen Proteste Haare und Kleidung zu richten begann. "Dann hast du hoffentlich nichts dagegen, wenn ich dich in Zukunft wieder Vogelscheuche nenne", stichelte sie, in der Hoffnung die Stimmung etwas zu lockern. "Außerdem hat mein Vater damals schon immer gesagt 'wenn der Körper geordnet ist, so fällt es dem Geist auch leichter'." Sie ließ geflissentlich den Umstand aus, dass ihr Vater sie damit nicht nur wegen ihres körperlichen Äußeren, sondern auch wegen des ständigen Chaos in ihrem Zimmer und Arbeitsplatz ermahnt hatte.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... mh? Naja.... ein Besen...?“, gab Silver mindestens genauso verwirrt zurück und hob dabei fragend die Arme, unsicher ob er der Eigenartige in dieser Situation war oder nicht. Nutzen Hexen heutzutage doch lieber Kutschen? Immerhin schien Magie einen Weg in die Hände von Menschen gekommen zu sein, die keine Hexen waren, er wäre also nicht zu sehr überrascht, wenn sich die ein oder andere Sache geändert hätte.
      Der Unsterbliche schluckte nervös, als Neona sich vor ihm in die Hocke begab, seine Augen folgten jeder ihrer Bewegungen und obwohl ihre Worte durchaus Sinn ergaben, gefielen sie ihm überhaupt nicht. Warum? Weil er hier weg wollte. Schlicht und einfach. Nicht nur, weil er Angst um sich selbst hatte, sondern weil er sich bereits vorstellen konnte, welche Spielchen die Hexe mit Neona spielen würde, wenn sie erst von ihrer Existenz erfuhr.
      Wenn sie wüsste, dass Neona womöglich sein Ausweg aus ihrem Fluch wäre. Aber natürlich würde sie Neoan's Leben nicht einfach so beenden, nein, nein, wo wäre da der Spaß? Sicherlich würde sie Neona benutzen um Silver nur noch mehr zu quälen.
      Bei dem Gedanken alleine zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen und es überraschte ihn selbst, dass er offenbar noch ein schlagendes Herz besaß. Man vergaß es schnell, wenn man es zu ignorieren versuchte.
      „Ich... verstehe....“, gab er letztendlich gequält von sich, gefolgt von einem tiefen Seufzer. Ihm mag es nicht gefallen, wenn es nach ihm ginge wäre er wahrscheinlich Hals über Kopf geflohen, aber die Worte der Rothaarigen machten natürlich Sinn. Zu viel Sinn für seinen Geschmack.
      „Das... ist eine hervorragende Idee. Sollte die Hexe irgendetwas komisches tun... müssen wir aber sofort gehen, okay? Es... war bisher nie ein gutes Zeichen, wenn sie eine Stadt besuchte.“, gab Silver mit einem tiefen Seufzer von sich, während er doch tatsächlich Kleidung und Haar richtete.
      Ein amüsiertes Schmunzeln schaffte es dann doch auf sein Gesicht, als sie ihm drohte ihm wieder den Spitznamen Vogelscheuche zu verpassen.
      „Mit diesem Gesicht? Ich muss doch bitten.“, ließ er sich mit einem Grinsen auf den Scherz ein.
      „Mhmm... vielleicht hat dein Vater ja doch irgendwie recht...“, fühlte sich der Untote tatsächlich schon etwas besser, sobald seine Kleidung nicht mehr so aus dem Wind aussah, wie er sich eigentlich fühlte.
      „... ich würde dich zwar gerne begleiten... aber wenn wir der Hexe doch noch begegnen und sie uns gemeinsam sieht... würde das nicht gut ausgehen.“, gab Silver letztendlich mit einem tiefen Seufzer von sich und fuhr sich noch einmal durchs Haar. Er hasste es nichts tun zu können, auch wenn er es eigentlich gewohnt sein sollte.
      Doch an diese Hilflosigkeit... würde er sich wohl nie so richtig gewöhnen können.
      „... kann ich dir sonst irgendwie helfen?“, hob er eine Augenbraue.
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    • Neona

      Erleichterung machte sich in ihr breit, als Silver sich schließlich etwas zu beruhigen begann. Sie konnte ihm zwar ansehen, dass er nicht glücklich über ihre Worte war und wahrscheinlich noch immer auf schnellsten Weg die Stadt verlassen wollte, aber er schien sich ansonsten ihren Worten zu fügen und sich zu beherrschen. Dennoch machte sie sich bereits milde Sorgen darüber, ihn hier in dem Zimmer mit sich und seinen furchtvollen Gedanken allein zu lassen und beschloss Informationen und Pferde so schnell wie möglich zu organisieren, um ihn weiter beruhigen zu können.
      Warum fühlte es sich im Moment nur so an, als wäre sie die ältere und müsste sich um den Untoten kümmern, wie um ihren kleinen Bruder? Der Gedanke sendete ein kurzes Schmunzeln über ihre Lippen, bevor sie wieder zum Ernst der Lage zurückkehrte. "In Ordnung. Sobald ich Pferde und Informationen habe, werde ich dich umgehend informieren und wir entscheiden dann, ob wir bis zum Abend warten können oder nicht, okay?" Sie unterdrückte das Bedürfnis ihm beschwichtigend den Kopf zu tätscheln und entschloss sich dafür ein sanftes lächeln aufzusetzen, welches sich wenig später in ein kurzes heiteres Lachen verwandelte. "Tatsächlich ist es schwer dieses hübsche Gesicht als eine Vogelscheuche zu bezeichnen", gab sie amüsiert zu. "Das wollte ich dich im Übrigen sowieso schon lange fragen: hat dein verändertes Aussehen etwas damit zutun, dass du von einem meiner Verfolger getötet wurdest? Ist das das ursprüngliche Aussehen, dass du hattest, als du verflucht wurdest?" Sie wusste nicht, ob das gerade der richtige Zeitpunkt war diese Fragen zu stellen, doch sie schwirrten ihr nun schon seit zwei Tagen immer wieder durch den Kopf, ohne dass sie den richtigen Moment und die Zeit gefunden hatte, sie auszusprechen.
      Sie schmunzelte erneut, als Silver sich förmlich dafür zu entschuldigen schien, sie nicht begleiten zu können. "Mach dir deswegen keinen Kopf. Ich habe mich beinahe mein ganzes Leben alleine herumschlagen müssen und es ist auch nicht das erste Mal, dass ich mit irgendwelchen Verfolgern zu tun habe. Nun da ich weiß, dass sie uns auf den Fersen sind, weiß ich auch besser auf mich zu achten, abgesehen davon sollte der Trubel auf den Straßen und die dadurch entstehenden dutzenden Zeugen Abschreckung genug für eventuelle Angreifer sein." Tatsächlich machte ihr sogar die Hexe etwas mehr Sorgen als eventuelle Verfolger in der Stadt. Ihr wollte es noch immer nicht passen, dass diese roten Augen zuvor in ihre Richtung gestarrt hatten, aber Neona sollte es einfach gelingen diese gruselige Frau zu umgehen. Vielleicht war es auch wirklich reiner Zufall gewesen, dass die Hexe zu ihr geschaut hatte, vielleicht hatte sie wirklich ein bekanntes Gesicht erkannt. Auf jeden Fall würde die junge Diebin Silver vorerst nichts davon berichten, nicht bevor sie die Stadt verlassen hatten, ansonsten würde der Kerl wahrscheinlich jetzt sofort das Weite suchen wollen. "Du hilfst mir am besten, wenn du etwas vernünftiges isst und Kraft tankst. Außerdem könnte es hilfreich sein, wenn du dir die Prüfungen des Waldes der Wunder noch einmal genau vor Augen hältst und einen Plan zusammenstellst. Das könnte uns später einiges an Zeit sparen." Außerdem würde es ihn hoffentlich auf ein paar andere Gedanken bringen. Kurz musterte sie den Untoten noch, zufrieden darüber, dass er endlich zur Ruhe gekommen zu sein schien und machte sich dann zur Zimmertür auf. "Wenn ich sie darum bitte, wird Karana dir sicherlich etwas zu Essen hier aufs Zimmer bringen, dann musst du nicht selber runter gehen." Die alte Holztür gab ein leises Quietschen von sich, als sie sie langsam aufstieß. "Was sagst du dazu?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche behielt das Grinsen auf seinen Zügen, als auch Neona ihm beipflichtete, dass es mit diesem Gesicht schwer war ihn als Vogelscheuche zu bezeichnen und er fuhr sich durchs Haar, als wollte er damit sein Gesicht noch einmal besser zur Schau stellen, bevor die Rothaarige sich einem anderen Thema widmete.
      „... mh? Ah... ja. Sobald ich sterbe... setzt sich mein Körper wieder zu dem Zeitpunkt zurück, als ich... verflucht wurde. Ich bin in den vielen hundert Jahren kein einziges Mal gealtert, keine grauen Haare, keine Falten... nicht einmal Narben bleiben zurück.“, erklärte er mit einem Seufzer und betrachtete dabei seine eigene Hand, als hätte er Probleme darin diese als seine eigene zu bezeichnen.
      „Naja... fast.“, griff er nach einer längeren Haarsträhne und brachte diese über seine Schultern, um sie zwischen Daumen und Zeigefinger zu betrachten, „... das ist neu. Vielleicht hat es irgendetwas damit zu tun, dass ich so lange geschlafen habe... aber eigentlich war mein Haar noch nie so lang.“, erklärte er und entschied sich in diesem Moment, seine neue Frisur doch zu behalten.
      Es war das erste, dass sich seit vielen hunderten von Jahren an ihm geändert hatte. Es wäre schade, diese Strähnen wieder zu trennen... ob sie wohl nachwachsen würden, wenn er es doch täte und starb? Ausprobieren wollte er es jedenfalls nicht.
      „... okay. Pass... trotzdem auf dich auf, okay?“, fügte er etwas unbeholfen hinzu, es war ihm deutlich anzusehen dass er nicht so recht wusste, was er in solchen Momenten sagen sollte. Viel zu lange war es her, dass er sich auf jemanden verlassen hatte... ob nun gezwungen oder nicht.
      Die Prüfungen des Waldes... was? Vielleicht sollte er das tun. Und Silver hoffte wirklich, dass sich nichts an diesen geändert hatte. Sonst würde er wieder von vorne anfangen müssen und wer wusste, ob sie bis dahin diese Zeit haben würden?
      Ein Grund mehr, der Hexe möglichst aus dem Weg zu gehen: sie hatten nicht genug Zeit, um sich mit ihr auseinander zu setzten.
      „... klingt gut. Sag ihr einfach, sie kann das Essen vor der Tür abstellen, ich hol es mir selbst.“, fügte er hinzu und legte sich wieder mit dem Rücken auf das Bett, die Arme am Hinterkopf verschränkt erinnerte er sich wieder zurück an diesen verdammten Wald, der ihn mehr als nur einmal getötet hatte. Aber hatte Silver aufgegeben? Natürlich nicht.
      Er hatte Rätsel gelöst, musste lebenden Ranken und Gewächs ausweichen... nur damit ihm sein Wunsch sowieso verwehrt wurde.
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    • Neona

      Ihr Verdacht bestätigte sich. Zumindest erklärte das auch sein junges Äußeres... Ob das auch der Grund dafür war, dass er schon mehrmals meinte, sie solle ihn einfach sterben lassen, wenn er sich verletzen sollte? Doch nur weil Narben und Wunden komplett verschwanden... bedeutete das sicherlich nicht, dass es weniger schmerzte, oder? Sie erinnerte sich an die eindeutigen Albträume, die Silver geplagt hatten und seine Erzählung über die Menschen, die ihn in der Vergangenheit offenkundig gequält und gefoltert hatten. Selbst wenn seine äußerlichen Narben verschwinden mochten, diese innerlichen würden wohl nie vollständig heilen. Sie verkniff sich irgendetwas auf seine Worte zu antworten, bis er die Veränderungen seiner Haarlänge ansprach. Also selbst seine Haare schrumpfen sonst auf die ursprüngliche Länge zurück? Dieser Fluch schien wirklich sehr umfassend zu sein. "Nun, ich weiß natürlich nicht, wie deine Haare zuvor ausgesehen haben, aber solange sie nicht gerade vollkommen verworren sind steht dir diese Frisur recht gut", kommentierte sie mit einem leichten Lächeln.
      Es war schon fast... niedlich, wie er sich offenkundige Sorgen zu machen schien. Sie wusste zwar, dass das nur daran lag, dass sie wahrscheinlich der einzige Weg für sein erhofftes Lebensende war, dennoch fühlte sie sich ein wenig gerührt. "Keine Sorge, ich werde auf mich Acht geben und so schnell wie möglich zurückkommen, versprochen."
      Ein erleichtertes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als er zustimmte, etwas essen zu wollen. "In Ordnung, ich werde ihr bescheid geben. Aber wehe ich sehe einen unangetasteten Teller vor der Tür stehen, wenn ich zurück komme", fügte die junge Diebin noch mit einem mahnend erhobenen Zeigefinger an. "Bis bald." Dann endlich ließ sie die Zimmertür hinter sich ins Schloss fallen und wanderte schnellen Schrittes zunächst in ihr eigenes Zimmer, wo sie die ergatterte Beute aus der letzten Stadt zusammensammelte, bevor sie wenig später die Treppe zur Gaststube hinunter eilte. Karana versprach ihr, Silver schon bald etwas Leckeres ans Zimmer zu stellen, weswegen Neona beruhigt ihren Weg durch die Stadt antreten konnte.
      Normaler Weise würde sie Abkürzungen durch diverse Gassen und Seitenstraßen wählen, um schneller an ihr Ziel gelangen zu können. Dieses Mal wählte sie stattdessen den längeren und anstrengenden Weg durch die belebten Straßen Ambrosas. Auch wenn sie Silver nicht länger warten lassen wollte als nötig, würde das im Augenblick einfach der sicherste Weg sein. Selbst wenn es Neona schwer fallen könnte eventuelle Verfolger unter all den Menschen um sie herum auszumachen, würde es diesen im Gegenzug ebenfalls zunehmend unmöglich werden, ihre unscheinbare und zierliche Gestalt im Auge zu behalten. Besonders da die geübte Diebin es gelernt hatte sich schnell und unbemerkt durch Menschentrauben zu manövrieren, ohne auch nur ihr Gesicht zu zeigen. Ganz davon zu schweigen, dass sie diese Chance nutzen konnte, um weitere Taler von dem ein oder anderen Passanten einzusammeln. Da sich dennoch bemühte so schnell wie möglich voranzukommen, war sie am Ende doch etwas aus der Puste als Kikorins Ställe nahe der Stadtmauern endlich in Sicht kamen. Wer die grünende Weidefläche und die breiten angrenzenden Ställe, mit den gut gepflegten Pferden und einzelnen Schafen das erste Mal zu Gesicht bekam, würde wahrscheinlich nicht erahnen können, dass hier kriminelle - Diebe wie auch Auftragskiller - ein und aus wanderten. Dennoch hatte sich dieser Ort beinahe zu einer Art Informationsgilde verwandelt, in welcher man nicht nur besagte Informationen, sondern auch einige Waffen und Pferde ergattern konnte. Der Dolch, dessen Präsenz an Neonas Steiß ihr ein Gefühl der Sicherheit schenkte, stammte ebenfalls aus den umtriebigen Fingern des intelligenten Geschäftsmannes. Und auch bei diversen Aufträgen der Vergangenheit, hatte Neona zunächst an seine Tür geklopft. Doch auch wenn sie schon dutzende Male den erdigen Pfad zum Stallhaus abgewandert war, fühlte es sich irgendwie seltsam an, den Weg unter der warmen Nachmittagssonne zu betreten. Bisher hatte sie sich nur spät Abends oder mitten in der Nacht hieraus gewagt. Das war auch einer der Gründe dafür, dass sie die Pferde nicht vor dem Abend hatte organisieren wollen.
      "Neona?" Bevor sie ihre Gedanken weiter verfolgen konnte, ließ sie die plötzliche Stimme in ihrem Rücken erstarren und kurz später hastig umfahren. Umgehend begegnete sie hellen grünen und überrascht dreinblickenden Augen, eingebettet in ein von der Sonne gebräuntes Gesicht, welches von dunklen Locken eingerahmt wurde. Die schmalen Lippen wandelten sich bei ihrer überraschten Reaktion in ein feines Lächeln. "Sag nicht, es ist mir gelungen mich an die kleine Meisterdiebin von Daburin anzuschleichen", stichelte der noch recht junge Mann - maximal dreißig Jahre alt - amüsiert und schmierte sich die erdigen Finger an der alten Stoffhose ab. "Was verschafft mir denn die Ehre dein Gesicht endlich einmal bei Tageslicht zu begutachten, hm?", wollte er wissen und kam auf mich zu.
      Kikorin mochte nur wenige Zentimeter größer sein als ich, aber sein breiter Körperbau und die deutlich zu erkennenden Muskeln unter seinem locker sitzenden Leinenhemd zeugten von der harten Arbeit auf dem Hof. Neona hatte schon einmal mit eigenen Augen beobachten können, wie er dank besagter Muskelmasse einen deutlich größeren Widersacher vor die Tür gesetzt hatte, nachdem der sich geweigert hatte den geforderten Preis für Kikorins Dienste zu zahlen.
      "Ich brauche zwei Pferde und Informationen zur Hexe des roten Mondes."
      Ihr Gegenüber hob fragend eine Augenbraue. "Meinst du die rote Hexe des Mondes? Außerdem beantwortet das noch nicht meine Frage."
      Neona stieß ein genervtes Seufzen aus. "Ja... die." Seitdem sie über die düstere Vergangenheit der Hexe und Silver bescheid wusste konnte ihr ihr Name kaum egaler sein. "Und ich bezahle dich nicht dafür, mir Fragen zu stellen. Es ist dringend."
      Kikorins Augen verengten sich forschend, bevor er sich geschlagen gab. "Du hast recht." Mit einer Handbewegung gab er der jungen Frau zu bedeuten, ihm zum Innenhof seines Anwesens zu folgen. "Dann lass uns das Geschäftliche doch drinnen besprechen." Auf dem Weg begegneten sie noch ein paar wenigen Stallburschen, von denen Neona aber nur zwei bekannt erschienen. Der Umstand, dass immer wieder neue Jungs auf dem Hof zu sehen waren, während andere zu verschwinden schienen, hatte Kikorin den düsteren Ruf eingebracht ein Menschenhändler zu sein. Ein Gerücht, dass der Braunhaarige manchmal sogar zu befeuern schien, vielleicht weil er damit gegenüber seinen Geschäftspartnern einschüchternder wirken wollte. Vielleicht aber auch, weil er nicht zugeben wollte, wie weich sein Herz doch manchmal sein konnte. So wusste Neona sehr genau, dass er besagte Jungs tatsächlich vor diversen Menschenhändlern gerettet und ihnen einen neuen Lebensweg eröffnet hatte. Einer von ihnen hatte durch Kikorins Hilfe sogar einen gut bezahlten Job in einer Schmiede nicht unweit ihrer Heimat anfangen können.
      "Was willst du also genau wissen?", wollte der kleingewachsene informant wenige Minuten später wissen, nachdem sie seinen kleinen "Geschäftsraum" am hinteren Ende der Stallungen erreicht hatten.
      "Warum ist die Hexe hier und was gedenkt sie in der Stadt zu tun?" Parallel zu ihrer Frage schob Neona ihm ein Silberstück entgegen.
      "Wow, ziemlich großzügig heute", stellte Kikorin erstaunt fest und drehte das glänzende Geldstück kontrollierend zwischen den Fingern hin und her.
      Sie zuckte einfach nur mit den Schultern. Normalerweise hätte sie eine längere Verhandlung in Kauf genommen, um einen möglichst niedrigen Preis zu erzielen. Im Moment wollte sie allerdings einfach nur Zeit einsparen. "Antworte mir einfach."
      Er ließ das Geldstück wieder sinken und seine durchdringenden Augen legten sich eindringlich auf ihr Gesicht, als würde er darin den Grund für ihr Verhalten herauslesen können. Zum Glück verkniff er sich weitere Fragen. "Genaues weiß ich leider auch nicht. Aber im Zentrum soll schon bald irgendein Ball oder Fest stattfinden zu dem die rote Hexe des Mondes eingeladen worden ist. Auf diesem Weg scheint sie noch ein paar der größeren Städte zu besuchen und unser Bürgermeister wird sie sicherlich so lange wie möglich an seiner Seite halten wollen." Er zuckte mit den Schultern. "Wer will schon nicht eine mächtige Hexe zu seinem Bekanntenkreis zählen?"
      Nun, Neona wusste sehr genau, dass sie zumindest diese Hexe niemals würde kennen lernen wollen. Aber das war etwas, dass Kikorin nicht wissen musste. "Sind irgendwelche Veranstaltungen in der Stadt geplant, während sie da ist?"
      Ihr Gegenüber zuckte kurz mit den Schultern. "Nichts genaues auf jede Fall. Ich gehe davon aus das der Stadtherr sie auf sein Gutshaus einladen und ihr ein Festmahl darbieten wird."
      Sollte das stimmen, wäre das die beste Ausgangslage für Silver und sie. Immerhin befand sich das Anwesen genau in der entgegengesetzten Richtung zu den Stadttoren, die sie heute Nacht verlassen wollten. "Danke."
      Sie konnte in Kikorins Augen erkennen, dass er liebend gerne selbst noch die ein oder andere Frage losgeworden wäre, stattdessen presste er kurz die Lippen zusammen, bevor er zum nächsten Tagespunkt überging. "Wegen den Pferden-"
      "Zwei Goldstücke für beide", unterbrach ihn Neona mit fester Stimme. "Kein Taler mehr." Auch wenn sie sich sicher war, dass dies ein absolut angemessener Preis war, wusste sie auch, dass Kikorin versuchen würde ihr mehr aus den Rippen zu leiern. So spiegelte sich auch nun der Ausdruck von Protest in seinen Augen wieder. "Versuch bitte nicht mit mir zu handeln", fuhr Neona ihn über den Mund, bevor er überhaupt etwas sagen konnte. "Wir wissen beide, dass ich dir eigentlich erst nur die Hälfte angeboten hätte, während du noch ein weiteres Goldstück verlangen willst. Nach mehreren Minuten hätten wir uns schließlich in der Mitte getroffen. Für diese Minuten habe ich im Moment keine Zeit. Also: zwei Goldstücke, oder ich suche mir einen anderen Händler."
      Kikorins bis eben noch zum Protest geöffneter Mund schloss sich langsam wieder. Sekundenlang starrte er die Diebin nur schweigend an, so das sie langsam zu befürchten begann, dass er sie wirklich einfach zu einem anderen Händler schicken würde. Doch dann brach er einfach nur in ein leises Lachen aus. "Es muss wirklich sehr dringend sein, was?" Er fuhr sich mit den rauen Fingern einmal durch die dunklen Locken und nickte dann langsam. "Also gut, zwei Pferde für zwei Goldtaler. Aber glaub ja nicht, dass ich das nächste Mal wieder so nachgiebig sein werde."
      Die Erleichterung über die geglückten Verhandlungen zauberten auch der jungen Diebin ein zartes Lächeln auf die Lippen. "Danke, Kikorin."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Hah... darauf wollte ich eigentlich nicht hinaus, aber danke.“, bedankte er sich für das Kompliment mit einem amüsierten Lächeln. Eigentlich war ihm mittlerweile so ziemlich egal, wie er aussah. Früher mochte er noch einmal versucht haben sich die Haare wachsen zu lassen, seine Frisur oder etwas anderes an sich selbst zu verändern, doch selbst wenn er sich ein Tattoo stechen ließ, verschwand dieses nach dem nächsten Tod einfach wieder, als hätte es es nie gewesen.
      Wenigstens war es etwas, dass eine Weile blieb. Seine Haare waren vor seinem langen Schlaf nie gewachsen. Keinen einzigen Millimeter. Alleine deswegen sollte er sich vielleicht freuen... bildete er sich das nur ein oder schien ihm heute nicht alles einfach nur egal zu sein?
      Vielleicht wollte er sich auch einfach nur von der Nähe der Hexe ablenken.
      „Okay, dann... pass auf dich auf.“, nickte er Neona zu, als sie sein Zimmer durch die Tür verließ und alleine diese Geste, diese Worte aus seinem Mund, fühlten sich so fremd an. Wie aus einer anderen Welt. Auch wenn er eigentlich nur seine Einzige Möglichkeit für den Tod nicht verlieren wollte... zumindest glaubte er das.
      Natürlich hörte er nicht einfach auf sich Sorgen zu machen und diesem trostlosen – wenn auch gemütlich eingerichteten – Zimmer gab es auch nicht viel zu tun oder groß etwas, mit dem er sich hätte ablenken können. Während er also mit dem Rücken auf dem Bett lag, kehrten seine Gedanken immer wieder zu der Hexe und Neona zurück... ob sie sich über den Weg laufen würden? Aber solange die Hexe des Blutmondes kein Interesse an ihr fand, sollte ihr eigentlich auch nichts passieren... und wer war Neona schon, wenn man von ihrem Fluch und ihrer Verbindung zu ihm absah? In den Augen der Hexe sicherlich nichts. Und was sollte sie schon an diesem Fluch interessieren? Abgesehen von der Tatsache, dass er seinem irgendwie ähnlich war... auf den seinen reagierte... verdammt, dieses Gedankenkarussell brachte ihn wirklich nicht weiter.
      Mit einem tiefen Seufzer erhob er sich wieder, betrachtete den Raum auf der Kante des Bettes sitzenden. Nicht, dass er hier weg konnte. Zumindest würde er das nicht tun, nicht solange seine Peinigerin dort draußen herum lief.
      Zumindest schien sie es immer wieder zu schaffen ihn zu finden, wenn sie das wollte. Und Silver wollte ihr keinen Grund dafür geben, geschweige denn ihr freiwillig über den Weg zu laufen.
      Ein weiterer Seufzer entwich seinen Lippen und er vergrub den Kopf in den Händen für einen Moment, versuchte seine Gedanken zu vertreiben, bevor er beschloss sich zu erheben und Sport zu treiben. Er musste einfach etwas tun,irgendetwas um einen freien Kopf zu bekommen, wenn er hier nicht verrückt werden wollte. Wenn auch manch einer behaupten würde, dass er sowieso schon verrückt war.

      Fast hätte er das leise Klopfen an der Tür nicht bemerkt, während er auf dem Boden lag und Liegestütze machte, hielt dann jedoch in seiner sportlichen Übung inne und lauschte. Er konnte Schritte hören, die sich wieder entfernten und so unsterblich er auch war, erinnerte ihn sein Körper in diesem Moment, dass dort draußen vor der Tür wahrscheinlich etwas zu essen auf ihn wartete.
      Also erhob er sich, wischte sich den Schweiß von der Stirn und wusch sich kurz am Waschzuber, bevor er einen Blick hinaus riskierte.
      Erst öffnete er die Tür nur einen Spaltbreit, ging sicher, dass niemand mehr da war, bevor er die Tür weiter öffnete und den Teller mit hinein nahm. Dieses Mal sperrte er die Tür auch wieder zu.
      Desto weniger Leute ihn hier sahen, desto besser, auch wenn Silver wusste, dass sein Verhalten alles andere als normal war und Leute umso mehr dazu animieren würde über ihn zu reden.
      Aber Neona hatte recht, wahrscheinlich würde die Blutmondhexe keinen Schritt in diese Taverne setzten, nicht, wenn sie sowieso mit anderen verabredet war.
      … was sie wohl vom Bürgermeister dieser Stadt wollte? Er konnte sich nicht vorstellen, dass es etwas gutes war.
      Gedankenverloren nahm der Untote den letzten Bissen seines Mahls zu sich und erwischte sich bei dem Gedanken, dass er sich einen Becher Bier dazu gewünscht hätte. Vielleicht hätte er Neona doch darum bitten sollen Karana darum zu bitten ihm ein ganzes Fass vor die Tür zu stellen. Dann hätte er wenigstens etwas gehabt, worin er seine Gedanken ertränkten könnte. Aber wahrscheinlich hatten sie das Geld dafür sowieso nicht übrig.
      Ein weiteres Mal wurde Silver von einem Klopfen an der Tür abgelenkt und nachdem er sich sicher war, dass es Neona war, erhob er sich und öffnete ihr die Tür.
      „... und? Wie ist es gelaufen?“, wollte er sogleich wissen ohne sie zu begrüßen.
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    • Neona

      Als Neona einige Minuten später zufrieden zwei Stuten durch die Straßen der Stadt führte, zeichnete die deutlich tiefer hängende Sonne lange Schatten auf ihren Weg. Wahrscheinlich wäre es schneller, eines der Tiere aufzusitzen, um den Weg in einem lockeren Trap fortzusetzen. Allerdings wäre das auch furchtbar auffällig. Eine Frau - auch wenn sie auf den ersten Blick eher wie ein Stallbursche wirken mochte - hoch oben auf dem Rücken eines gestriegelten Pferdes, welche zu allem Übel auch noch ein zweites Tier mit sich führte? Nein! Neona hatte bereits einen großen Teil ihres Lebens damit verbracht in der Menge unterzugehen und sich unauffällig zu verhalten. Egal wie eilig sie es auch haben mochte, heute war nicht der Tag, um diese Philosophie zu begraben. Dennoch bemühte sie sich um ein schnelles Schritttempo und nutzte jede Abkürzung die sich bot, um schnellstmöglich zurück zum Gasthaus zu gelangen. An eben diesem angekommen, stellte sie die Stuten in den Hauseigenen Stallungen für die Gäste ab, huschte durch die mittlerweile gutbesuchte Gaststube und erklomm schnellen Schrittes die Treppe nach oben.
      Sie hatte befürchtete vor Silvers Tür einen unberührten Essensteller vorzufinden, wurde allerdings positiv überrascht. Hatte er sich also weit genug beruhigen können, um wieder Appetit zu entwickeln? Sie hoffte es sehr und klopfte dreimal gegen das Holz. "Ich bins, Neona."
      Er mochte nicht ganz so aufgelöst und nervös sein, wie noch heute Mittag, aber der Umstand, dass er jegliche Form der Begrüßung unterschlug und sie direkt mit einer Frage konfrontierte, machte seine anhaltende Aufregung deutlich.
      "Gut, ich habe die Pferde organisieren können und auch die gewünschten Informationen zu deiner grausigen Ex", verkündete sie unumwunden während sie ihren Blick kurz suchend durch den Raum wandern ließ. Als sie dann den leeren Teller auf dem Tisch entdeckte, huschte kurz ein zufriedenes Lächeln über ihre Lippen. Gut, er hat wirklich alles gegessen. "Die Hexe scheint nur auf der Durchreise zu sein. In der Hauptstadt muss irgendeine große Festivität stattfinden, zu der sie eingeladen wurde. Auf ihrem Weg dahin soll sie wohl diverse größere Städte ansteuern." So wie sie sich heute gezeigt hatte, glaubte Neona sogar fest daran, dass sich die Hexe dabei vor allem in all der Aufmerksamkeit baden wollte, schließlich gäbe es auch dutzende diskretere Wege ihr Ziel zu erreichen. "Anscheinend wird der Stadtherr von Ambrosa ihr einen großen Empfang heute Abend bereiten wollen. Sein Anwesen befindet sich zu unserem Glück in der südlichen Hälfte der Stadt, auf der Anhöhe, die du sicher schon gesehen hast. Ich habe vor heute Nacht durch die Nordthore aufzubrechen. Also sollte genügend Abstand zwischen dir und dieser Furie liegen." Ein Gähnen unterbrach ihren Redefluss. Die Anstrengungen des Tages legten sich in Form leichter Kopfschmerzen auf ihre Schläfen. "Ich werde Karana darum bitten uns etwas frische Verpflegung für die Nacht zusammenzupacken, ansonsten sollten unsere restlichen Vorräte noch für ein paar Tage vorhalten." Sie merkte wie selbst das Reden langsam anstrengend wurde. Sie müsste dringend noch ein wenig Schlaf tanken, bevor sie sich für die kommende Nacht in den - nicht gerade bequemen - Sattel schwang. "Solltest du es noch nicht getan haben, solltest du noch etwas Schlaf tanken, bevor wir wieder die gesamte Nacht durchmachen."
    • Silverius "Silver" Magnus

      "Ex... was?", verschränkte der Untote bei diesem Wort die Arme vor der Brust und konnte sich das Grinsen schlicht und einfach nicht verkneifen. Dieses Wort klang in seinen Ohren einfach geradezu... harmlos und wollte daher nicht zu der Hexe passen. Auch wenn es der Wahrheit entsprach, nicht wahr? Wahrscheinlich war es ein gutes Zeichen, dass es ihn amüsierte.
      Er konnte die Erleichterung geradezu in seinem Körper spüren. Sie hatten die Pferde, mussten somit nur noch bis zum Abend warten... und konnten diese verfluchte Stadt endlich hinter sich lassen.
      Alleine die Tatsache, dass die Blutmondhexe hier aufgetaucht war, reichte vollkommen um nie wieder hier auftauchen zu wollen. Wenn alles gut ging würde er das auch nicht mehr können.
      Doch als er hörte, dass seine Ex auf einer Durchreise war und dann auch noch zu Festivitäten in der Hauptstadt eingeladen war... konnte er nicht anders, als verwundert eine Augenbraue zu heben, bevor er diese wieder zusammen zog.
      "Du sagtest zwar, dass Hexen nicht mehr gejagt werden... aber das? Haben die Menschen dieses Zeitalters überhaupt gar keine Furcht mehr vor diesen Wesen?", war Silver anzuhören wie sehr es ihm nicht behagte.
      Natürlich könnte es auch sein, dass die Blutmondhexe gut geworden war... doch diesen Gedanken verwarf er wieder so schnell wie er gekommen war. Unmöglich. Dafür würde es mindestens ein Jahrtausend brauchen, da war er sich sicher. Wenn überhaupt.
      "Bitte sag mir die Hauptstadt liegt in der entgegengesetzten Richtung.", rieb sich der Unsterblichen mit einem Seufzen den Nacken. Das letzte was er wollte, war es dieser Frau wieder über den Weg zu laufen.
      Grinsend beobachtete Silver dabei, wie die Rothaarige ihren Redefluss immer wieder mit einem Gähnen unterbrach und setzte sich wieder an den Rand seines Bettes, ehe er auf den Platz neben ihm klopfte, sie dazu einladend ebenfalls Platz zu nehmen.
      "Schlaf? Ich habe fast den ganzen Tag und womöglich das letzte Jahrhundert oder mehr nichts anderes gemacht. Du dagegen siehst aus, als würdest du jeden Moment im Stehen einschlafen. Wie wärs? Soll ich die Bitte stattdessen an Karana weiter leiten, während du dich ausruhst?", schlug er ihr amüsiert vor und da er sich sicher sein konnte, dass die Hexe gerade besseres zu tun hatte, sah er auch keinen Grund mehr sich nicht aus dem Zimmer zu trauen.
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    • Neona

      Er hatte sich deutlich beruhigt und wirkte um einiges entspannter, was der jungen Diebin ein feines Lächeln entlockte. Mittlerweile schien er sogar seinen Humor wieder gefunden zu haben. Kikorins Informationen waren das Silberstück also vollkommen wert gewesen. Gleichzeitig wirkte Silver aber auch etwas überrumpelt bei den Informationen, die Neona ihn überreichte. "Hm... Es gibt sicherlich noch Menschen, die Angst vor Hexen haben, für die meisten ist diese aber schon seit langer Zeit in Respekt umgeschwungen. Da ich bis heute noch nie einer Hexe begegnet war, kann ich nur wiederholen was ich von anderen gehört habe. So soll eine Hexe vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert eine komplette Stadt vor dem Untergang bewahrt haben und wurde danach als Heldin gefeiert. Vielleicht war das Anlass genug für andere Hexen sich aus ihren Verstecken zu trauen und ebenfalls ihre Künste für Menschen einzusetzen. Auch immer mehr einfache Magier haben sich aus dem Untergrund gewagt und arbeiten heute in Poststellen, um Ferngespräche zu ermöglichen." Neona rieb sich nachdenklich das Kinn. "Es hat seither auch nie bekannte Zwischenfälle gegeben, bei denen Hexen ihre Macht gegen andere eingesetzt haben, sicherlich auch aus Sorge, dass man sie wieder verfolgen und verbrennen könnte." Sie war damit aufgewachsen, dass Hexen den Menschen halfen und ihnen zur Seite standen. Als Neona also das erste Mal von der grausigen Vergangenheit erfahren hatte, konnte sie nicht nachvollziehen, warum Menschen überhaupt Hexen gejagt hatten. Silvers Frage ließ sie allerdings vermuten, dass Angst einen großen Faktor gebildet haben musste. Allerdings konnte sie nicht behaupten vor der Blutmondhexe Angst zu verspüren, dennoch steckte da eine tiefe Abneigung in ihr.
      "Entgegengesetzt Richtung nicht, aber es liegt auch nicht auf unserem Weg", versuchte Neona ihn zu vergewissern. "Der Wald der Wunder liegt weiter westlich hinter meiner Heimatstadt, während die Hexe wahrscheinlich den südlichen Pass, unterhalb des Rana-Gebirges zur Hauptstadt folgen wird, vor allem wenn sie noch weitere große Städte besuchen will." Je nachdem wie viele Pausen sie dabei einlegte, dürfte es noch eine gute Woche kosten, bevor die Hexe ihr Ziel erreichte. Mit etwas Glück, sollten Silver und Neona bis dahin die letzte größere Stadt auf ihrem Weg schon lange hinter sich gelassen haben und sich überwiegend durch abgelegene Länderrein vorkämpfen. Kein Ort, an dem man jemanden wie die Blutmondhexe erwarten würde.
      Natürlich war ihre Müdigkeit offensichtlich gewesen, dennoch schämte sie sich ein wenig dafür, auf diese Art und Weise darauf hingewiesen zu werden. Entsprechend wendete sie leicht grummelnd den Kopf ab. "Danke für das Angebot, aber ich habe mein eigenes Zimmer und Bett", meinte sie leise, nachdem er zunächst einladend auf dem Platz neben sich geklopft hatte. "Wenn du allerdings Karana tatsächlich um weitere Vorräte bitten könntest, wäre ich dir sehr verbunden", ergänzte sie und unterdrückte ein weiteres Gähnen. "Sollte ich bei Sonnenuntergang noch reisebereit vor deiner Tür stehen, wecke mich bitte." Er hatte recht. Am liebsten wäre sie direkt hier vor Ort noch im Stehen eingeschlafen, diese Blöße wollte sie sich allerdings niemals geben und wankte daher müde zur Tür. "Wenn du willst kannst du dich auch schon mit den Pferden vertraut machen. Es sind die beiden grauen Stuten in den kleinen Stallungen des Gasthauses." Das neue Gähnen war bereits über ihre Lippen, bevor sie ihren Mund wieder schließen konnte. Beschämt wendete sie sich ab. "Ich sollte wirklich dringend schlafen", stellte sie kleinlaut fest und öffnete bereits langsam die Zimmertür. "Bis später."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Eine Hexe... die eine Stadt rettet?“, konnte der Unsterbliche dies offensichtlich nicht glauben und lehnte verwundert den Kopf zur Seite. Wie er wohl reagiert hätte, wenn er dieses große Ereignis, dass offensichtlich die Art und Weise wie Hexen wahrgenommen werden, miterlebt hätte? Zu jener Zeit nicht nur geschlafen hätte? Wahrscheinlich genauso wie jetzt: er hätte es nicht glauben können. Selbst, wenn er es mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte er es schlicht und einfach nicht glauben können.
      „... weiß man, wie diese Hexe hieß? Oder ob sie noch lebt?“, erkundigte sich Silver fast schon neugierig. Ob er schon einmal ihren Namen gehört hatte? Ihr begegnet war? Oder war es gar eine junge Hexe gewesen, die noch nicht wie ihre Artgenossen von Menschen betrogen und verfolgt wurde, noch nicht von Hass zerfressen war? Er konnte nur Mutmaßen. Es war einfach nur unglaublich schwer sich vorzustellen, dass eine Hexe so etwas tun würde... aber in diesem Zeitalter schien es ja fast schon normal zu sein. Wie eigenartig.
      „Nun... sagen wir einfach, ich glaube dir. Trotzdem würde ich die Blutmond... die Mondhexe“, musste er sich selber verbessern, wie sie ja nun genannt werden wollte und musste sich dabei fast schon auf die Zunge beißen. Blutmondhexe passte in seinen Augen schlicht und einfach viel besser zu ihr, „nicht zu diesen... gutenHexen dazu zählen. Wenn alles gut läuft, werde ich nicht mehr da sein, du aber schon... also lass mich dir einen Tipp geben: was auch immer diese Furie vor hat kann nichts gutes sein. Wahrscheinlich wäre es sogar besser, dieses Land einfach zu verlassen...“, zumindest war es das, was Silver getan hätte. Einfach in ein anderes Land fliehen, wahrscheinlich einige Länder zwischen sich und der Weißhaarigen bringen.
      Er konnte sich zwar nur schwer vorstellen, was es der Hexe brachte sich plötzlich mit den Menschen gut zu stellen, aber eigentlich wollte er auch nicht mehr darüber nachdenken. Es war nicht mehr seine Sache. Wenn es überhaupt jemals seine Sache gewesen wäre.
      „... okay. Hoffen wir einfach mal, dass du Recht hast.“, verdüsterte sich der Blick des Untoten wieder, als ihm bewusst wurde, dass sie wohl mehr oder weniger parallele Wege nahmen. Es gefiel ihm nicht, natürlich nicht, aber welche Wahl hatten sie schon? Der Blonde warf einen Blick auf das Mal auf Neonas Hand. Hoffentlich genug.

      „... mh? Wir haben doch das gleiche Bett, wieso also so scheu?“, grinste Silver breit und amüsierte sich über das Grummeln der Rothaarigen, nickte dann jedoch, als sie sein Angebot annahm und erhob sich letztendlich von dem Bett.
      „Wir erledigt.“, streckte er sich kurz, als müsse er sich auf ein Rennen vorbereiten, dabei musste er ja nur eine Treppe hinunter steigen.
      Einerseits hatte er nicht wirklich vor sich mit den Pferden vertraut zu machen... mit Menschen konnte er ja noch mehr oder weniger umgehen, aber Tiere? Man wusste nie, was in ihren Köpfen vor ging und sie waren zu einem gewissen Punkt unberechenbar... er wollte diese Tiere nicht versehentlich töten. Alleine nach einer Ewigkeit wieder auf einem Pferd zu reiten, machte ihn ein wenige nervös... was, wenn es versehentlich unter ihm vergeht? Er nahm sich vor immer vor dem Aufsteigen seine Kleidung zu prüfen.
      Andererseits war es wahrscheinlich keine ganz so schlechte Idee. Nicht, damit ersich mit den Tieren vertraut machen konnte, sondern diese mit ihm. Damit sie nicht vor ihm erschraken oder scheuten.
      „Bis später.“, nickte er Neona zu, beobachtete wie sie sein Zimmer verließ, bevor er sich den leeren Teller schnappte und hinunter in den Schankraum trat... der für seinen Geschmack viel zu voll war. Und seinem Gesichtsausdruck war dies ebenfalls zu sehen.
      Auf dem Weg zum Tresen, den leeren Teller einfach dort abstellend, ließ er seinen Blick über den Raum schweifen.
      „... hey, Karana!“, rief er die junge Frau dann zu sich, als er sie beim ausschenken eines anderen Tisches sah.
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    • Neona

      "Die Hexe der weißen Lilie", berichtete Neona frei heraus. "So wurde beziehungsweise wird sie genannt. Tatsächlich soll es in der betroffenen Stadt noch eine Statue von ihr geben, würde sie auf dem Weg liegen, könnte ich sie dir sogar zeigen, allerdings würde das nur einen Umweg bedeuten. Ob sie noch lebt weiß keiner so wirklich." Nachdenklich legte die Diebin Daumen und Zeigefinger an ihr Kinn. "Sie soll sehr jung gewesen sein, als sie die Stadt gerettet hat, aber nachdem ich heute die Blutmondhexe gesehen habe, würde es mich nicht wundern, wenn die weiße Lilie damals auch schon sehr alt gewesen war. Knapp 5 Jahre nach ihrem Erscheinen soll sie aber wie vom Erdboden verschluckt worden sein. Das damalige Königshaus muss verzweifelt nach ihr gesucht haben, aber man ist nie fündig geworden. Bis heute gibt es noch Menschen, die eisern ihre Spur zu verfolgen suchen." Wenn sie ehrlich war, hatte es eine Zeit gegeben, in der auch Neona sich auf die Suche nach der mysteriösen Hexe hatte machen wollen. Und auch nachdem sie von diesem elenden Fluch befallen worden war, galt einer ihrer ersten Gedanken der weißen Lilie. Letztendlich war sie aber nicht naiv genug gewesen, eine Suche mit Erfolg abzuschließen, an welcher schon so viele vor ihr gescheitert waren. Ein weiteres Gähnen schien sich ihre Kehle hinauf zu kämpfen und unterbrach ihre Gedanken. "Wenn du mehr über die alte Geschichte hören willst, kann ich es dir gerne erzählen. Um ehrlich zu sein, habe ich damals alle Erzählungen, Nachrichten und Texte zu Hexen und Magiern verschlungen." Tatsächlich tat sie das auch heute noch. "Aber im Moment bin ich für lange Gespräche zu müde, also frag mich gerne noch einmal, nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben."
      Als er ihr den Rat gab, sich von der Blutmondhexe fern zu halten und am besten sogar das Land zu verlassen, stieß Neona ein kurzes Schnauben aus. "Das sie offensichtlich nicht zu den Guten gehört, habe ich schon lange bemerkt", stellte sie klar und rieb sich durchs müde Gesicht. "Trotzdem danke für den Hinweis, ich werde in Zukunft auf jeden Fall einen großen Bogen um das Weib machen." Das Land zu verlassen wäre allerdings nicht allzu einfach. Auch wenn in Tubalda momentan Frieden herrschen mochte, war das Verhältnis zu den meisten Nachbarländern angespannt. Es würde nicht leicht werden, sollte sie allein mit ihrem Bruder ein neues Leben in einem fremden Reich aufbauen wollen. Wäre sie dann immer noch in der Lage, all ihr hart erspartes Geld zu nutzen? Schließlich hatte sie noch nie die Grenze überschritten. Dennoch wollte sie Silvers Rat nicht einfach ignorieren, immerhin könnte sie sich nie ein neues Leben aufbauen, sollte sie wegen dieser elenden Hexe ihr Leben verlieren. Aber vielleicht reichte es schon sich in den abgelegenen Norden des Landes zu verkriechen? Der aufkommende und brummende Schmerz an ihren Schläfen machte deutlich, dass aktuell nicht der Moment war, solche Überlegungen zu führen und sie beschloss diese Gedanken auf den Tag zu verschieben, an dem sie endlich diesen verdammten Fluch losgeworden war.
      Bei seinem stichelnden Kommentar zogen sich ihre Augen zu engen Schlitzen zusammen. "Sag nur nicht, dass du es vermisst mich direkt in Sichtweite zu haben", konterte sie mit verschränken Armen. "Aber selbst wenn es grundlegend das gleiche Bett ist, werde ich mir nicht die Chance nehmen lassen, endlich mal wieder in meinem eigenen Zimmer und auf meinem eigenen Bett zu schlafen", verkündete sie entschlossen. "Wahrscheinlich wird das meine letzte Chance auf dieser ganzen Reise sein." Es störte sie nicht wirklich, sich einen Raum mit dem Untoten zu teilen, aber sie genoss es auch ungemein Zeit für sich zu haben, ihren eigenen Gedanken ungestört nachjagen zu können.
      Als er sich förmlich auf seinen "Auftrag" vorzubereiten schien, stahl sich ein schmales Grinsen auf ihre Lippen. "Schön, dass du die Sache ernst nimmst", meinte Neona belustigt. "Und danke." Wahrscheinlich ahnte er nicht einmal, wie erleichtert sie darüber war, nicht noch einmal die Treppen hinunter steigen zu müssen, sondern stattdessen direkt ins Bett fallen zu können. Eben diesem Bestreben ging sie nun umgehend nach, verließ sein Zimmer, wanderte in ihr eigenes und ließ sich ohne Umschweife auf das Bett fallen. Schlaf umfing sie innerhalb von Sekunden und selbst das Fluchmal schien ausnahmsweise einmal gnädig mit ihr zu sein und riss sie nicht aus ihrem verdienten Schlaf.

      "Seid ihr euch sicher, zu dieser späten Stunde noch die Stadt verlassen zu wollen." Einer der Stadtwachen musterte sie misstrauisch von oben bis unten, wobei sein Blick besonders lang an Neonas verschlissener Kleidung in Kombination mit dem Pferd auf dem sie saß zu haften schien. Die Rothaarige hatte mit Problemen dieser Art schon gerechnet und deutete auf Silver neben sich. "Mein Master und ich müssen schleunigst die nächste Stadt erreichen", begann sie zu erklären und gab sich dabei als unterwürfige Bedienstete. Auch wenn Silvers Kleidung nicht gerade Luxus sein mochte, war sie im Vergleich zu ihrer eigenen noch unverbraucht und könnte in der nächtlichen Dunkelheit sogar als edel angesehen werden. Glücklicher Weise tat das gesamte edle Auftreten des Untoten sein Übriges, vielleicht mochte das etwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben, doch wenn der Blondschof es darauf anlegte könnte man ihn schon aus der Ferne mit einem hochgestellten Adligen verwechseln. "Mein Master ist ein viel beschäftigte Mann. Ihr wollt doch sicher nicht noch mehr seiner Zeit in Anspruch nehmen, oder ist es einem neuerdings untersagt, die Stadt zu dieser Stunde zu verlassen."
      Trotz der Dunkelheit konnte sie deutliche Nervosität in den Gesichtern der Wachmänner erkennen, deren Blick nun immer wieder zwischen Silver und Neona hin und her wanderte. Kein bürgerlicher sollte sich jemals in die Angelegenheiten von Adligen einmischen, das war ein ungeschriebenes Gesetzt, dem auch ein Großteil der Stadtwachen unterlag. "Verzeiht uns", lenkte einer der Männer umgehend ein und neigte entschuldigend den Kopf. "Wir waren nur besorgt um Euer Wohlergehen. Natürlich dürft Ihr passieren."
      Neona reckte stolz das Kinn in die Höhe. "Dann macht endlich den Weg frei."
      Die Männer nickten hastig und traten zur Seite. Die Diebin ließ sich nicht lange bitten und steuerte ihre Stute durch das offene Tor. In wenigen Minuten würde man die schweren Holzflügel hinter ihnen schließen und es eventuellen Verfolgern schwer, wenn nicht gar unmöglich machen, ihnen zu folgen. Alles lief nach Plan. Selbst auf den Straßen, welche heute Mittag noch bis zum bersten gefüllt waren, hatten sie kaum eine Menschenseele angetroffen. Die einzigen die sich also an sie würden erinnern können, wären diese beiden Wachmänner. Dennoch sollten sie in der Nacht so viel Strecke wie möglich zwischen sich und Ambrosa bringen. Silver würde sich sicherlich auch wohler fühlen, sollte er der Blutmondhexe so fern wie möglich sein.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Hexe... der weißen Lilie...“, murmelte der Untote mit vor der Brust verschränkten Armen vor sich hin und lehnte den Kopf nachdenklich von einer Seite zur anderen, doch er konnte sich nicht daran erinnern diesen Namen schon einmal gehört, geschweige denn in den Mund genommen zu haben. Und an eine Hexe müsste er sich eigentlich erinnern können.
      Also kam er zu dem schlichten Entschluss, dass ihm diese Hexe vollkommen fremd war.
      Zu behaupten, er würde sich groß für diese Hexe interessieren, wäre eine schlichte Lüge.
      Ja, es war schwer zu glauben, dass eine Hexe etwas für die Menschen tun würde, geschweige denn eine ganze Stadt retten. Normalerweise taten Hexen das komplette Gegenteil: Städte zerstören.
      Dennoch war er nicht neugierig genug, um einer Statue hinterher zu jagen, wenn er doch ein viel wichtigeres Ziel vor Augen hatte: den Tod.
      Gäbe es einen Hinweis darauf, dass diese Hexe Neonas Fluch auf ihn legen könnte, geschweige denn dass sie noch lebte und wo sie zu finden wäre, hätte der Unsterbliche sicherlich mehr Interesse an ihr gezeigt. So jedoch...
      „Nicht nötig. Dort wo ich hingehen brauche ich dieses Wissen sowieso nicht.“, erwiderte er mit einem breiten Grinsen und konnte es sich nicht nehmen lassen über seinen Tod Witze zu machen. Immerhin bereitete ihm nichts mehr Freude als der Tod selber.
      „Mhmmm... vielleicht komme ich später darauf zu sprechen.“ Vielleicht. Immerhin würde es nicht schaden in Erfahrung zu bringen, wie diese Welt mit Hexen und Magiern umging, nicht wahr? Wie sagte man so schön: kenne deinen Feind.
      Und Silver würde in diesen Leuten womöglich nie mehr als Feinde sehen.
      Ein erheitertes Lachen löste sich von den Lippen des Untoten, als Neona ihm vorhielt womöglich zu vermissen sie in Sichtweite zu haben.
      „Wer weiß? Schon möglich, immerhin bist du mein einziger Ausweg aus diesem ganzen Schlamassel... und ich deiner, nicht wahr?“, grinste Silver breit und musste zugeben, dass sie den Nagel vielleicht genauer auf den Kopf getroffen hatte, als es ihm lieb gewesen wäre. Einerseits war es eine schreckliche Idee die Rothaarige in seiner Nähe zu haben, während die Blutmondhexe in der Stadt war, andererseits war es genauso unangenehm nicht zu wissen, wo sie war.
      Sie hatten ihre Verfolger zwar abgeschüttelt, aber wer wusste schon, wann es einen Ersatz gab? Niemals hätte der Dunkelblonde erwartet, sich jemals wieder Sorgen um eine andere Person machen zu müssen... wenn auch aus egoistischen Gründen.
      Letztendlich ließ er Neona gehen und verschwand in den Schankraum, bevor er sich noch weiter darüber Gedanken machen könnte.

      Silver war es gewohnt auf Pferden zu sitzen. Ob nun aus seinem alten Leben vor dem Fluch, in dem er voller Stolz und Selbstbewusstsein seine Reitkünste präsentierte, oder als Reisegefährte. Wie es aussah, waren Pferde trotz der vielen Unterschiede dieses Zeitalters noch ein gewohntes Reittier.
      Er wusste nicht, wie er damit umgegangen wäre, wenn das gewöhnliche Volk sich plötzlich mit Magie fortbewegen würde... wie sollte sowas überhaupt aussehen?
      Andererseits war er auch der festen Überzeugung gewesen, dass Hexen für immer die Feinde der Menschheit bleiben würden. Wie man sich irren konnte.
      Der Unsterbliche fasste die Zügel etwas fester, sein Herz schlug schneller vor Nervosität – ein weiteres Mal wurde er daran erinnert, überhaupt eines zu haben – als sie auf die Stadttore zu trabten. Immer wieder blickte er sich kurz über die Schulter, als müsse er wirklich befürchten, die Blutmondhexe könnte spüren, dass er dabei war die Stadt zu verlassen.
      Stattdessen war es eine misstrauische Stadtwache, die ihnen kurz im Weg stand und die Art und Weise, wie Neona diese Situation geschickt handhabte, ließ Silver eine Augenbraue heben.
      Aber nur kurz, bevor er sich sein charmantestes Lächeln aufsetze und seinen Rücken durchdrückte, als wäre er tatsächlich der junge Adelige von damals, der es nicht fassen konnte, dass es jemand wagen würde ihn aufzuhalten.
      Wofür hielt diese Stadtwache ihn bitte schön? Wofür hatte Silver sich früher gehalten?
      Das Lächeln wurde ein Stückchen selbstgefälliger, als die Wache die beiden durchließ und Silver ließ es sich nicht nehmen den beiden einen abfälligen Blick zuzuwerfen, als wären sie in seinen Augen wirklich weniger wert, als er selbst.
      Welch Glück, dass auch in diesem Zeitalter noch Geburt und Reichtum über allem anderen stand.
      Kaum waren Neona und Silver außer Reichweite, sackten die Schultern des Dunkelblonden jedoch wieder ein, als wäre er ein alter Mann, dem die Puste ausgegangen war.
      „Master... was?“, neckte er die Rothaarige mit einem Grinsen, während er sich kurz die Schulter massierte, „Vielleicht sollten wir diese Scharade öfter spielen?“
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    • Neona

      Dort wo ich hingehen brauche ich dieses Wissen sowieso nicht. Sie wusste selbst nicht genau warum, aber aus irgendeinem Grund lösten diese Worte ein schmerzhaftes Stechen in ihrer Brust aus. Hatte sie sich etwas schon so sehr an die Gegenwart des Untoten gewöhnt? Zugegeben, Silver war seit langem einer der angenehmsten Begleitungen, die Neona je gehabt hatte, dennoch... sie kannten sich gerade einmal eine Woche. Außerdem hatte sie von Anfang an gewusst, wie diese Reise enden würde. Warum musste sie jetzt also plötzlich anfangen, so über besagtes Ende zu empfinden? Sie schüttelte mild den Kopf hin und her. Sie musste dringend Abstand zu diesen Emotionen und auch zu Silver gewinnen. Warum hatte sie ihn nur so sehr über seine Vergangenheit befragen müssen? Warum hatte sie ihre Neugierde nicht besser im Zaum gehalten? Mit jedem Fünkchen mehr, dass sie über den Untoten erfahren hatte, hatte sie sich ihm näher gefühlt. Ein Umstand, der ihr wahrscheinlich in der Zukunft noch teuer zu stehlen kommen könnte.
      Sein offen heiteres Lachen unterbrach schließlich die düsteren Gedanken in ihrem Kopf. Zum Glück. "Du hast recht. Mit dem Unterschied, dass du mir nicht so einfach 'wegsterben' kannst", erwiderte sie mit einem feinen Schmunzeln, auch wenn sie die Situation mittlerweile deutlich weniger amüsant fand, als noch vor ein paar Minuten. "Dennoch ist es wahrscheinlich für uns beide besser, wenn wir uns nicht allzu lange aus den Augen verlieren." Sie war sich sicher, dass es nicht mehr lange dauern könnte, bis ihr rachsüchtiger Auftraggeber neue Männer an ihre Fersen heftete, wahrscheinlich war eben dies schon lange geschehen. Würde dieser elende Fluch nicht an ihr kleben, hätte sie bei einer Bedrohung dieser Art schon lange ihren Bruder geschnappt und einen langfristigen Weg gefunden unterzutauchen und schließlich das Weite zu suchen. Doch solange Silver und sie durch das Land zogen, würde man sie immer wieder aufspüren können, also mussten sie sich wohl oder übel auf weitere Angriffe einstellen. "Besonders in der nächsten Stadt sollten wir wachsam bleiben... sollten meine Verfolger bemerken, dass es sich um meine Heimat handelt..." Sie stockte kurz, während kurz das Gesicht ihres Bruders durch ihre Gedanken huschte. "Sagen wir es einmal so: Ich kann es mir nicht leisten, dass sie dort herumschnüffeln."

      Wie erhofft fügte sich Silver perfekt in die ihm zugeteilte Rolle. Scheinbar hatte er nach all den Jahren noch nicht vergessen, wie ein Adliger sich zu präsentieren hatte. Neona musste sich ein belustigtes Kichern verkneifen, als die Wachmänner umgehend ehrfürchtig das Haupt neigten und sie ohne weitere Proteste passieren ließen. Das lief sogar noch besser, als sie erwartet hatte.
      Als würde sich das adlige Auftreten schwer auf seine Schultern legen, sackte der Blondhaarige bald auch schon wieder zusammen, kaum dass sie die Stadttore hundert Meter hinter sich gelassen hatten. Ein kurzes belustigtes Schnauben huschte über ihren Lippen, als sie dieses Verhalten mit einem alten Mann gleichzusetzen begann, schließlich war Silver trotz seines Aussehens sicherlich der älteste Mensch, dem sie je begegnet war. Zumindest wenn man die Hexe des roten Blundmondes aus der Gleichung nahm, aber... galten Hexen eigentlich überhaupt zu den Menschen?
      Silvers neckender Kommentar verhinderte, dass sie dieser Frage weitere Beachtung schenken konnte und ließ sie nur milde schmunzeln. "Bilde dir nur nichts darauf ein, schließlich bist du sicher nicht der erste, der diesen Titel von mir aufgedrückt bekommen hat", stellte sie klar. "Es mag nicht häufig vorkommen, aber in der Vergangenheit habe ich bei gemeinsamen Missionen zusammen mit Landron ähnliche Taktiken angewendet. Aber wenn Euer Hochwohlgeboren darauf besteht, kann ich den werten Master auch in Zukunft weiterhin so betiteln." Soweit es auf dem schwankenden Pferderücken möglich war, setzte sie zu einer möglichst edlen Verbeugung an und schenkte Silver dabei ein höfliches Lächeln, als würde sie gänzlich in die Rolle einer Magd schlüpfen. Als sie den Kopf wieder hob, glomm der Schalk in ihren Augen. "Soll ich Euch in Zukunft auch die Füße massieren und Euch beim Baden helfen?" Sie wusste genau, dass sie hier eventuell gerade ihr eigenes Grab schaufelte, schließlich wäre sie eindeutig diejenige, die bei letzterem vor Scham im Boden versinken wollen würde. Dennoch wollte sie sich diesen kleinen Spaß im Moment nicht nehmen lassen, schließlich barg das Leben so schon genug düstere Abgründe.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Mhm. Ich kann dir nicht weg sterben, bei dir muss man jedoch aufpassen, dass die Zeit dich mir nicht weg schnappt. Dabei würde ich gerne sterben und du leben... welch Ironie, was? Wenn ich an so etwas wie Schicksal glauben würde, dann muss das wohl unseres sein. Also die Tatsache, dass wir uns überhaupt begegnet sind, meine ich.“, gab er mit einem breiten Grinsen zurück und konnte nicht anders als sich an der Ironie des Schicksals zu erfreuen. Er zweifelte keine einzige Sekunde daran, dass das Schicksal grausam sein musste. Womit sonst hätte er ein solches Leben verdient? Womit hatten all die Menschen, die wegen oder durch ihn hatten sterben müssen, ein solches Schicksal verdient? Ihm fiel nichts ein, also musste es ein grausamer Zufall sein.
      Oder ein Spiel, in dem er nichts weiter als eine Schachfigur war. Und er war es leid einer zu sein.
      Er mochte dieses Spiel namens Leben nicht, also wollte er es so schnell wie nur möglich verlassen.
      Wie Neona an ihrem Leben festhalten konnte, konnte er sich nach all den Jahrhunderten erzwungenen Lebens kaum mehr vorstellen, aber wahrscheinlich hatte auch er einst so gefühlt.
      Und er konnte sich ein wenige mit der Tatsache, dass sie niemals lange genug Leben würde, um dem überdrüssig zu werden, trösten.
      Wie eigenartig. Nein, wie amüsant, nicht wahr? Dass er sie dafür bedauerte weiterhin am Leben zu sein. Ein amüsiertes Schnauben entkam ihm bei dem Gedanken und er konnte nicht anders als festzustellen, dass er seinen gesunden Menschenverstand wohl schon lange verloren hatte.
      „Natürlich. Solange ich lebe, bleibe ich an deiner Seite.“, grinste der Untote breit, nahm die Zügel etwas fester in die Hand und wies sein Pferd an ein paar Schritte näher zu rücken, damit er der Diebin neckisch mit der Schulter gegen ihre stoßen konnte, als hätte er gerade beschlossen wirklich nicht mehr von ihrer Seite zu weichen.
      Manch einer möge diesen Satz als ein Zeichen tiefer Zuneigung interpretieren, immerhin sind nur wenige dazu bereit das Leben mit einem anderen zu teilen. Und damit meinte er natürlich das ganze. Doch da sein Leben nicht mehr lange dauern sollte, wenn alles gut ging, sah Silver darin nur einen weiteren Witz. Und die Pointe war seine bloße Existenz.
      Bei dem Wort Heimat zuckte der Unsterbliche zusammen und sein Pferd blieb einige Schritte zurück, während er mit einem nachdenklichen Gesicht zu Boden blickte, dabei beobachtend wie das Pferd eine Hufe vor die andere setzte, während seine Gedanken ganz wo anders waren.
      Alleine dieses Wort, Heimat, rief einen tiefen Schmerz in dem Unsterblichen hervor, den er zu vertreiben versuchte.
      Er hatte schon sehr lange keine Heimat mehr gehabt. Hatte sie durch seine eigenen Hände verloren – obwohl man eigentlich der Hexe die Schuld dafür geben sollte.
      Doch wie konnte er sich nicht selber die Schuld auf die Schultern laden, mit dem Gedanken, dass er es vielleicht hätte verhindern können, wenn er der Blutmondhexe etwas aufmerksamer gelauscht hätte? Wenn er kein absoluter Idiot gewesen wäre?
      Doch was war konnte nicht mehr geändert werden und so schüttelte Silver diese Gedanken hinfort und zog die Zügel wieder etwas fester, um an die Seite der Rothaarigen zurück zu kehren.
      „Natürlich. Wir werden sowieso nicht lange bleiben, nicht wahr?“, war er darauf erpicht diese Reise so schnell wie nur möglich fortzusetzen und zu Ende zu bringen. Vor allem nachdem er daran erinnert wurde, dass die Hexe die weit entfernt war.

      Während der Untote sich die Schultern abklopfte, als wären dieser von seiner straffen Haltung bereits versteift, wuchs das Grinsen in seinem Gesicht bei Neonas neckischem Verhalten und er hätte wohl ein lautes Lachen von sich gegeben, wenn er sich nicht stattdessen dazu entschieden hätte mitzuspielen.
      „Ohhh, da sag ich natürlich nicht nein! Aber sei sanft, ja? Ich wurde schon so lange nicht mehr berührt, am Ende sterbe ich wirklich noch an einem Herzinfarkt.“, zwinkerte er ihr neckisch zu und konnte sich gleichzeitig nicht vorstellen, wie die Diebin ihm wirklich beim Baden helfen sollte.
      Einerseits brauchte er diese Hilfe natürlich nicht, schon lange nicht mehr, auf der anderen Seite war es schwer sich vorzustellen von einer anderen Person berührt zu werden, so ganz ohne Kleidung. Die Hand war eine Sache... aber mit einer weiteren Person unbekleidet im selben Raum zu sein? Alleine beim dem Gedanken zuckte der Unsterbliche bereits zusammen, auch wenn er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Selbstverständlich würde es nie dazu kommen.
      Also wieso machte er sich dann solche Gedanken?
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    • Neona

      Sie machte gute Miene zum bösen Spiel. Umso mehr er verdeutlichte, dass diese Reise mit seinem Tod enden würde, desto schwerer fühlte sich ihre Brust. Sie wusste, dass sie weder ein Recht hatte so zu empfinden, noch durfte sie deswegen einen Rückzieher machen. Selbst wenn es ihr nicht gefallen wollte, dass er sein Leben gegen ihres tauschen würde, hatte sie nicht den Luxus darauf zu verzichten. Mal ganz davon abgesehen, dass er sich wie ein kleines Kind auf seinen eigenen Tod zu freuen schien. Ein Umstand, der ihr nur noch mehr missfiel... was musste er nur alles durchlebt haben, um so zu empfinden?
      Trotz ihrer düsteren Gedanken setzte sie ein Lächeln auf. "Vielleicht hast du recht und es ist wirklich Schicksal." Ob es auch ihr Schicksal gewesen war, über diesen elenden Fluch zu stolpern? Ob es ihr Schicksal war, von der Hellseherin zu ihm geschickt zu werden? So langsam machte sie sich auch Sorgen darüber, was besagtes Schicksal noch für sie bereit hielt. Tatsächlich war sie nicht wirklich der Mensch, der an solche Dinge glaubte. Sie hatte ihr Leben niemals versucht mit dem Schicksal zu vergleichen, doch seitdem sie Silver begegnet war, glaubte sie diese Gedanken etwas besser zu verstehen. Konnte es wirklich ein reiner Zufall sein, dass gerade sie sich begegnet waren? Vor allem da nun auch noch die Hexe des roten Blutmondes unverhofft die Bühne betreten hatte. Vielleicht hatte das Schicksal wirklich seine Finger im Spiel.
      Sie schüttelte amüsiert mit dem Kopf, als seine Schulter gegen ihre stieß. "Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Wahrscheinlich werde ich das schon bald bereuen", meinte sie neckisch und ließ ihr Pferd in einen schnelleren Trab wechseln, um dem Untoten gespielt davon zu laufen. Gleichzeitig wusste sie ganz genau, dass sie sich kaum über ihren unsterblichen Begleiter beschweren konnte. Schon innerhalb der ersten paar Tage ihrer Reise hatte sich erwiesen, dass erste Eindrücke täuschen konnten. So hatte sich der garstige Untote schon schnell als ein guter Kamerad entpuppt. Neona würde ihn sicher nie als einen guten Freund oder ähnliches betrachten - das würde das Ende ihrer Reise nur noch schmerzhafter machen - aber zumindest war seine Gegenwart alles andere als unangenehm. Besonders diese herzliche und amüsante Seite an ihm konnte sie ziemlich gut verkraften.
      "Nein, ich muss nur dringend eine Nachricht für jemanden hinterlassen", erklärte sie, als er erfragt, ob sie lange in ihrer Heimat bleiben würden. Bärs lauten Mundwerk war es zwar geschuldet, dass Silver Kobis Namen einem zu hören bekommen hatte, aber mit etwas Glück konnte er sich entweder nicht mehr daran erinnern, oder es interessierte ihn schlicht nicht. Auch wenn sie dem Untoten mittlerweile eine recht große Portion Vertrauen entgegen brachte, würde sie ihm nicht von ihrem Bruder erzählen können. Besonders nicht, während sie verfolgt wurde. Zu groß war ihre Angst, dass jemand über Kobi erfahren und ihn als Druckmittel missbrauchen könnte und diese Angst stieg mit jeder weiteren Person, die über ihren kleinen Bruder bescheid wusste. "Wir sollten dabei auch noch kurz unsere Vorräte etwas aufstocken und die Chance nutzen eine letzte Nacht in einem 'gemütlichen' Bett zu verbringen, schließlich wird das wahrscheinlich die letzte Stadt werden, die wir vor dem Wald der Wunder aufsuchen können." Theoretisch ließen sich auch noch weitere Ortschaften auf ihrem Weg finden, aber wenn sie sich richtig erinnerte, waren nahe des Waldes der Wunder kaum noch Siedlungen zu finden. Die Menschen hatten Angst von Flüchen heimgesucht oder von düsteren Kreaturen entführt zu werden. Wenn man bedachte wie viele Seelen der Wald bisher schon verschlungen haben sollte, war das wohl auch nicht weiter verwunderlich.

      Sie hätte damit rechnen müssen... Natürlich war sie nun diejenige, die leicht verlegen den Blick abwendete, in der Hoffnung, dass die Nacht den beschämten Ausdruck auf ihren Zügen verbergen könnte. "Das mit dem sanft sein habe ich leider nie gelernt", konterte sie dennoch. "Leider bin ich noch neu in diesem Gewerbe, aber ich bin mir sicher, dass mein elder und rücksichtsvoller Master mir wird verzeihen können." Hatte er behauptet an einem Herzinfarkt sterben zu können? Sollte er diesen Spaß gänzlich durchziehen wollen, würde sie diejenige sein, die vor lauter Scham zusammenbrechen würde. Eine Fußmassage könnte sie definitiv noch verkraften, aber ein gemeinsames Bad... Niemals! "Jetzt aber genug mit diesen Späßen, wir haben noch einen weiten Weg vor uns", versuchte sie das Thema beiseite zu schieben und versetzte ihr Pferd in einen leichten Galopp. Die Dunkelheit der Nacht verbot es, zu schnell zu reiten, da sie so potentielle Hindernisse zu einfach übersehen könnten, gleichzeitig gab es keine Zeit zu verlieren. "Mit etwas Glück sollten wir in zwei Tagen schon die nächsten Stadtmauern erkennen können."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Ach komm schon, manch einer würde sich freuen von so einem hübschen Unsterblichen verfolgt zu werden.“, lachte der Untote amüsiert, als Neona meinte, dass sie es noch bereuen würde. Nun, er hoffte dass es nie zu so etwas wie Reue kommen würde, dass seine Existenz in ihrem Leben nichts weiter als eine Fußnote werden würde.
      „Mhmmm... verstehe.“, nickte der Unsterbliche und obwohl er sich durchaus an den Namen erinnern konnte, der dem bärtigen Kerl über die Lippen gekommen ist, wusste er es doch besser, als sich noch tiefer in das Leben der Diebin einzumischen. Vielleicht war es auch bereits zu spät. Vielleicht sollte er ein wenig weniger scherzen, weniger Reden, zu einem wandelnden Toten werden, wie er es eigentlich schon immer gewesen war... ob es die Einsamkeit war, die ihn dazu brachte sich ganz anders zu verhalten?

      „... in diesem Gewerbe? Das lässt es ja nur noch verruchter klingen!“, konnte Silver nicht anders als seine Zügel fester zu packen und laut los zu lachen. Worin hatte er sich jetzt nun wieder verstrickt? Und dann wurde er auch noch weiterhin als Master bezeichnet, was in seinen Augen mehr als nur lächerlich war und auch ein wenig unangenehm, wenn er ehrlich war.
      Ein solches Leben hatte er schon lange hinter sich gelassen.
      „Natürlich, natürlich. Wir wollen ja nicht, dass ich wirklich noch an einem Herzinfarkt sterbe, nicht wahr? Könnte unsere Reise um ein paar Minuten verzögern.“, zwinkerte er ihr spielerisch zu, es machte ihm immer wieder Spaß seinen Tod – oder wohl eher seine Tode – klein zu reden. Als wären sie nichts mehr als eine Verzögerung von ein paar Minuten. Es war wohl seine Art nach all den Jahrhunderten mit dieser Sache umzugehen. Oder er hatte wirklich einfach nur den Verstand verloren.
      Dann ließ er es jedoch tatsächlich bleiben und konzentrierte sich auf den Weg. Wer hätte erwartet, dass es mehr als ein kurzer Aufenthalt werden würde?
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    • Neona

      Über die Jahre schien das Sterben für Silver schon beinahe zu einem Spaß geworden zu sein, ein Umstand der Neona nicht nur befremdlich vorkam, sondern auch ihre Laune noch etwas weiter trübte. Wie oft mochte er wohl in der Vergangenheit schon gestorben sein, um nun so unterkühlt auf dieses Thema zu reagieren. Sie wusste, dass es nichts bringen würde, weitere Gedanken daran zu verschwenden, weswegen sie auch darauf verzichtete etwas auf seine Worte zu erwidern. Sie hätte sowieso nicht gewusst, was sie hätte sagen sollen. Sie wusste nur, dass sie gut darauf verzichten könnte, Silver vor ihren Augen sterben zu sehen... auch wenn das am Ende ihrer Reise wohl kaum zu vermeiden wäre. Bis es soweit war, hoffte sie allerdings darauf, dass er auch ohne vorübergehende Tode ihr Ziel erreichen würde. Um eben diesem möglichst bald näher zu kommen, versetzte sie ihre Stute in einen lockeren Trab. Langsam genug, um potentielle Hindernisse in der Dunkelheit noch rechtszeitig erkennen zu können und schnell genug, um ihre Heimatstadt noch innerhalb der nächsten 48 Stunden zu erreichen.

      Sie hatten erst am nächsten Mittag eine längere Rast in einem Waldstück eingelegt und sich etwas ihres Proviants, wie auch ein paar wenige Stunden Schlaf gegönnt. Auch wenn Neona durch die lange Reise auf dem Pferderücken Schmerzen in jedem Winkel ihres Körpers - vor allem aber den Oberschenkeln - verspürte, zahlte sich die Mühe allemal aus. Nach einer weiteren durchgerittenen Nacht und einer erneuten kurzen Rast am Morgen, erreichten sie Miradora noch in den frühen Mittagsstunden. Die leicht maroden Stadtmauren ließen dabei schon vermuten, dass diese Stadt nicht mit den bisherigen zu vergleichen war. Weder hinsichtlich der Größe, noch des Reichtums. Trotzdem erwachten in Neonas Herz umgehend Heimatgefühle, kaum dass sie die moosige Zugbrücke erblickte, die sich über den Bachlauf vor den Stadttoren legte. Der Wachmann der ihnen beim überqueren des plätschernden Gewässers zunickte war - wie viele andere hier - ein alter Bekannter. In der Vergangenheit hatte er ihr schon mehrfach aus der Patsche geholfen nachdem man sie und ihre diebischen Finger erwischt hatte. Zur Belohnung hatte sie ihm seinen Lieblingstabak günstig "organisiert". An eben jenem schien er so eben mit seiner alten Pfeife gemütlich zu paffen und schenkte damit zum Glück auch Silver kaum bis keine Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich würde der unsterbliche Schönling früher oder später dennoch einige Augenpaare auf sich ziehen, weswegen Neona ihren Aufenthalt hier möglichst kurz halten wollte. Entsprechend leitete sie ihr Reittier direkt in Richtung Poststelle, nahe der Stadtmauern und bat Silver darum vor eben dieser auf die Pferde zu achten, während sie eine Nachricht verfassen würde. Da sie auch mit dem Postboten gut vertraut war, hoffte sie darauf, dass er ihre Nachricht an Kobi kostengünstig weiterleiten würde. Allerdings kam sie erst gar nicht dazu, ihn zu fragen.
      "Neona! Den Göttern sei Dank bist du da!" Der Botenjunge, welcher knapp ein Jahr älter als ihr kleiner Bruder sein mochte, rannte mit deutlicher Panik in den Augen auf sie zu, kaum dass sie die alte Holztür aufgestoßen hatte. Endris - das war der Name des Jungen - war bis vor einem Jahr selbst Teil des Waisenhauses gewesen, in welchem Neona und Kobi ihre Kindheit verbracht hatten. Damit war er einer der wenigen, die über ihren kleinen Bruder Bescheid wussten, weswegen in der jungen Diebin umgehend ein ungutes Gefühl aufkam, kaum dass sie den Ausdruck in den Augen des Braunhaarigen beobachtete. Bei seinen nächsten Worten gefror ihr allerdings gänzlich das Blut in den Adern. "Kobi... Er... er ist verschwunden!"
      "Was?!" Sie wusste dass ihre Stimme laut genug erschallte, um noch zehn Straßen weiter hörbar zu sein, aber sie konnte sich aktuell schwerlich beherrschen. "Woher weißt du das? Was ist passiert?!" Zu ihrem Glück war die Poststelle - wie üblich - kaum bis gar nicht besucht, weswegen sie sich zumindest um keine neugierigen Ohren sorgen müsste und Endris an Ort und Stelle um Rede bitten konnte. Selbst der alte Mann, der meist gähnend hinter dem Tresen verharrte und das Geschäft leitete, schien sich für heute verzogen zu haben.
      Es dauerte ein paar Momente, bevor der Postjunge sich genug beruhigt hatte, um eine Antwort zu liefern. Das Warten fühlte sich wie eine Ewigkeit für die junge Frau an, dennoch sah sie davon ab, Endirs weiter zu bedrängen und heftete ihre Augen stattdessen fest an seine Lippen, als er endlich zu reden begann. "Heute morgen... Du weißt ja, dass man die Kinder oft zum Arbeiten aufs Feld schickt..." Neona brachte ein hastiges Nicken zustande. "Kobi war heute Teil der Arbeitstruppe... Sie sind wie üblich noch vor dem Frühstück ausgerückt, aber er ist nie zum Essen zurück ins Heim gekommen..."
      Klater Schweiß breitete sich auf ihrem Körper aus. Die Felder von denen Endris redete, lagen außerhalb der Stadtmauern und waren entsprechend wenig bewacht. Neona glaubte nicht daran, dass ihr Bruder irgendeinem wilden Tier zum Opfer gefallen war, sondern... Sie wollte den Gedanken nicht beenden. "Hat man denn nicht nach ihm gesucht."
      Der Kopf des Postboten sank immer tiefer. "Du weißt wie viel Zeit und Geduld die Heimleitung für so etwas aufbringen will und kann... Natürlich haben die anderen Kinder sich widersetzt und sofort die Suche aufgenommen aber... Seitdem sind bereits Stunden vergangen!"
      Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Angst, Frust, Wut... Die Emotionen überschlugen sich in ihrem Kopf, während pure Panik ihre Glieder zum Zittern brachte. Was wenn sie zu naiv gewesen war? Was, wenn jemand aus ihrem Umfeld doch geplaudert hatte? Was wenn ihre Verfolger zuerst ihre Heimatstadt und dann ihren Bruder gefunden hatten? Was wenn...? Sie presste die Augen zusammen, drückte so fest ihre Zähne aufeinander, bis ein stechender Schmerz durch ihren Kiefer wanderte. Zumindest ließ besagter Schmerz sie endlich aus ihrer Starre erwachen. "Ich werde ihn finden", verkündete sie mit fester Stimme und stürmte aus der Poststelle und schwang mit einer flüssigen Bewegung auf den Rücken ihrer Stute. "Planänderung", ließ sie Silver flüchtig wissen. "Ich... Muss dringend jemanden suchen... Ich..." Es war nicht zu übersehen, dass sie aufgelöst, aufgeregt, ja beinahe Panisch war. "Du... Die Straße hinunter findet sich eine kleine Taverne inklusive Gästezimmer." Mit zitternden Fingern fischte sie den Geldbeutel aus ihrer Reisetasche. "Warte dort auf mich, ich..." Wie viel konnte sie ihm offenbaren? Sollte sie ihm von ihrem Bruder erzählen? Könnte er ihr helfen? Nein, bisher war es immer die beste Entscheidung gewesen, ihre Verwandtschaft aus ihren Angelegenheiten herauszuhalten, außerdem konnte sie auf eine Begegnung zwischen Silver und Kobi verzichten. Zu hoch war ihre Sorge, dass sich beide aus Versehen berühren könnten. Also schwieg sie und steuerte ihre Stute stattdessen hektisch Richtung Stadttore. Ignorierte jegliche Rufe in ihrem Rücken, egal ob sie nun von Endris oder Silver stammen mochten.

    • Silverius 'Silver' Magnus

      Mit einem Nicken nahm Silver die Zügel von Neonas Stute und entgegen, stellte sich etwas abseits vom Gebäude – weit genug, um Niemandem versehentlich im Weg zu stehen und etwas Abstand zu halten – und erwartete für die nächsten Minuten die Pferde zu hüten, bevor sie diese Stadt wieder hinter sich lassen und ihre Reise fortsetzen konnten, doch zu seiner puren Verwirrung kam es anders.
      „... Planänderung?“, verstand er nicht so recht, was Neona ihm sagen wollte und hob fragend eine Augenbraue. Geschickt fing der Untote den Geldbeutel der Rothaarigen auf, ein unaufmerksamer Moment, so dass sich Neona davon machen konnte, bevor Silver auch nur auf die Idee kommen konnte sie aufzuhalten, oder überhaupt richtig realisierte, was hier gerade geschah.
      „Was zum... Neona! Du kannst doch nicht einfach abhauen!“, schrie er ihr hinterher und machte einen Schritt auf sie zu, die Zügel seines eigenen Pferdes fester packend... verdammt nochmal, was sollte das bitteschön?! Glaubte sie wirklich, er würde sich wieder in eine Taverne verziehen, während sie was wusste er schon machte?! Er verlangte wenigstens eine richtige Erklärung, verdammt nochmal!
      Ein Junge war ebenfalls aus dem Gebäude gestürmt und rief der Rothaarigen nach, was Silver dazu brachte ihn zu mustern. Er überlegte schon, einfach diesen Jungen zu fragen, worum es da ging, doch als er den Kopf hob, bemerkte er, dass Neona bereits einiges an Distanz zwischen die Beiden gebracht hatte und er wollte sie auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren.
      Nicht, dass er glaubte, dass sie abhauen wollte. Wieso auch? Er brauchte sie. Die Angst, sie könnte eine andere Möglichkeit gefunden haben ihren Fluch los zu werden, eine, für die sie ihn nicht brauchte, schob er ganz weit nach hinten in seine Gedanken.
      Doch was, wenn sie wieder Verfolger an den Fersen hatten? Er konnte sie doch nicht einfach alleine lassen! Er konnte doch unmöglich seinen einzigen Ausweg aus dem Leben aus den Augen lassen!
      Also beschloss Silver etwas zu tun, was er ebenfalls schon sehr lange hinter sich hatte: anständig ein Pferd zu reiten und schwang sich direkt auf den Sattel.
      „... und wer sind sie, Mister?“, wandte sich der Junge plötzlich an den Untoten und dem Klang seiner Stimme zur folge machte ihn Silver nervös. Wieso auch nicht? Wenn er Neona mit diesem stechenden Blick nicht aus den Augen ließ?
      „... ein Freund.“, antwortete Silver nur kurz angebunden, ehe er dem Pferd in die Seiten stieß, sich im Sattel weit nach vorne beugte und dem Rothaar hinterher jagte.

      Es dauerte länger, als ihm lieb war, doch letztendlich holte der Unsterbliche auf. Ob sein Pferd mehr Kraft in den Beinen hatte, oder Silver schlicht und einfach erfahrener im reiten war: kurzerhand schnitt er Neona den Weg ab und zwang ihr Pferd damit zum Stillstand.
      „Was soll das?! Du kannst doch nicht einfach abhauen, was ist passiert?!“, verlangte er zu wissen und der Unsterblich wirkte zum wahrscheinlich ersten Mal wirklich wütend, verärgert. Nicht lethargisch, nicht amüsiert. Verärgert.
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    • Neona

      Wo sollte sie zuerst suchen? Wäre sie überhaupt in der Lage auf den Feldern Spuren zu finden? Was wenn man Kobi bereits so weit verschleppt hatte, dass sie ihn nicht mehr auffinden konnte? Was wenn sie schon bald erneut den Männern ihres Auftraggebers gegenüberstehen würde, nur dass diese nun ein vollkommen neues Druckmittel in Händen hielten? Sie konnte nicht zulassen, dass Kobi etwas zustieß und zugleich... Sie wusste, dass sein und ihr eigenes Leben praktisch verwirkt waren, sobald die Männer das Artefakt in Händen hielten. Aber wie sollte sie ihren Bruder sonst befreien? Was konnte sie tun, um ihn und auch ihr eigenes Leben zu retten? Den einzigen Vorteil den sie hatte, war Zeit. Kobi war heute Morgen verschwunden und jetzt war früher Mittag. Seine potenziellen Entführer hatten nur wenige Stunden, um ihren Bruder zu verschleppen und das in einer Gegend, die die junge Diebin so gut kannte wie kaum ein anderer. Sollte es sich tatsächlich um ihre Verfolger halten und sollten diese den Jungen als Druckmittel verwenden wollen, würden sie ihn wahrscheinlich noch nicht weit fortgebracht haben und ihn stattdessen in der Nähe gefangen halten. Die Frage war nur, ob Neona ihn finden und vor allem befreien konnte, bevor es zu Schlimmeren kam.
      Während ihr Kopf dieses "Schlimmere" in schmerzhaften Details durchspielte - und sie ihre Stute entsprechend weiter zur Eile antrieb - kam endlich das Stadttor in Sicht. Doch noch bevor sie durch dieses donnern konnte, baute sich Silver mit seinem eigenen Pferd vor ihr auf. Ihr Reittier bäumte sich vor Überraschung kurz unter ihr auf und sie musste sich am Sattel festkrallen, um nicht vom Pferderücken geschmissen zu werden. Wie hatte er sie nur so schnell einholen können? Zuerst überlegte sie einfach, ihn zu ignorieren, an ihm vorbei zu reiten, doch der ungewohnte Ärger in seiner Stimme und den goldenen Augen ließ sie innehalten. "Ich... habe nicht vor abzuhauen." Sie versuchte erst gar nicht die Angst und Sorge in ihrer Stimme zu verbergen, es würde ihr in der aktuellen Situation sowieso nicht gelingen. "Aber jemand... jemand der mir wichtiger ist, als alles andere... Ich muss ihn finden. Er..." Sollte sie ihm einfach sagen, was passiert war? Vielleicht würde er ihr sogar helfen? Aber was, wenn die Informationen in die falschen Ohren drangen? Erst als beißender Schmerz durch ihre Lippe jagte, realisierte sie, dass eben diese bis eben zwischen ihren Schneidezähnen eingeklemmt war. Doch selbst als sie glaubte Blut zu schmecken, gelang es ihr nicht, den Mund zu öffnen. Sie konnte Silvers Sorge verstehen und wusste, dass diese nicht per se ihr selbst, sondern seiner Chance auf seinen Tod galt. Gleichzeitig glaubte sie dennoch zu wissen, dass er sie eben deswegen niemals verraten würde, außerdem würde er im "Idealfall" am Ende dieser Reise nicht mehr am Leben sein, um irgendetwas erzählen zu können. Und doch fiel es ihr so unfassbar schwer, ihm die Situation zu erklären. Neben Bär hatte es schon einmal jemanden gegeben, der über Kobis Existenz erfahren hatte. Ein alter Kollege, dem sich Neona in ihrer damals noch kindlichen Naivität anvertraut hatte. Sie hatte ihre Entscheidung damals schnell bereuen gelernt und seither die Existenz ihres Bruders stets unter Verschluss gehalten. Aber war das in der aktuellen Situation noch vernünftig? War es dafür nicht sogar schon zu spät, jetzt wo sie befürchtete, dass ihre Verfolger Kobi bereits gefunden hatten?
      All diese Gedanken huschten innerhalb weniger Sekunden durch ihren mittlerweile schmerzenden Schädel. Zweifel und Angst mischten sich mit Hoffnung auf Hilfe. Dann endlich befreite Neona ihre Lippe aus der Gefangenschaft ihrer Schneidezähne und sie hob den Blick erneut zum verärgerten Silver. "M-mein..." Ein letztes Zögern klebte erneut ihren Mund zusammen, bevor sie endlich ein langgezogenes und zitterndes Seufzen ausstieß. "Es ist mein... kleiner Bruder... Er... ist verschwunden." Ihre Stimme war kaum noch zu vernehmen und die Panik und Angst darin ließen jedes einzelne Wort zittern. Selbst die Stute unter ihr schien diese deutliche Nervosität ihrer Reiterin zum Anlass zu nehmen, um ungeduldig auf der Stelle zu treten. "Was wenn diese Männer... Meine Verfolger..." Sie packte die Zügel fester. "Ich muss ihn finden! Bitte, Silver... lass mich passieren!"