How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Silverius 'Silver' Magnus

      Während der Unsterbliche Neona folgte, sich die Worte im Kopf zusammen legte und sorgfältig darüber nachdachte, was er ihr überhaupt erzählen konnte, sollte, wie er dieses Gespräch überhaupt anfangen sollte, wirkte er vollkommen neben der Spur.
      Er lauschte dem Gespräch zwischen der Diebin und Taron nur mit halbem Ohr – wenn überhaupt – und war froh, als sie endlich die Treppe hinauf steigen konnte und geradezu erleichtert, als sie endlich alleine waren.
      Mit einem tiefen Seufzer ließ sich Silver auf das Bett sinken und vergrub das Gesicht in den Händen. All die Worte, die er sich Minuten zuvor noch zurecht gelegt hatte, schienen mit einem Mal fort und er wusste nicht mehr, was er eigentlich sagen wollte. Nein, wie er es sagen wollte.
      Sollte er sie anflehen jetzt sofort die Stadt zu verlassen? Aber was, wenn sie auf dem Weg der Kutsche begegneten? Er fühlte sich wie ein Beutetier, dass in die Ecke gedrängt wurde.
      „... Neona.“, schaffte er es letztendlich den Namen der Rothaarigen auszusprechen, als müsse er ihre Aufmerksamkeit überhaupt noch auf ihn lenken. Zumindest schien es seine Zunge ein wenig zu lösen und er konnte sich auf das hier und jetzt konzentrieren, statt in seinen Sorgen zu ertrinken.
      „Diese Hexe... wenn es die ist, von der ich glaube, dass sie es ist... du darfst ihr auf gar keinen Fall begegnen, hörst du?“, seine Stimme war flehend, als er letztendlich zu ihr aufblickte und man konnte die Angst in seinen Augen sehen.
      Es war nicht die Angst vor seinem eigenen Wohl oder gar seinem Tod, nein, es war viel schlimmer. Der Blick des Untoten wanderte zu Neonas Mal... wenn die Hexe des roten Blutmondes erfuhr, dass sie existierte, würde sie sie ihm weg nehmen. Auf die grausamste Art und Weise, die dieser Hexe einfallen würde.
      „... vor allem darf sie aber nicht wissen, dass wir uns kennen... oder dass du mich berühren kannst.“, fügte er hinzu, hoffend, dass die Diebin auf ihn hören würde.
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    • Neona

      Pure Sorgen machten sich in ihr breite, desto mehr sich der Ausdruck in Silvers Augen versdunkelte. Sie wusste nicht einmal, ob er seine Umgebung noch richtig wahrnahm, so tief wer in seinen eigenen Gedanken gefangen zu sein schien. Doch da war noch etwas viel entsetzlicheres in seinem Gesicht zu erkennen. Reine und blanke Angst. Wüsste sie es nicht besser, würde Neona sie als Todesangst verstehen, aber war der Tod nicht genau das, was sich der Untote wünschte? Was war es also dann, das ihn so aus der Fassung brachte?
      Am liebsten hätte sie ihn an den Schultern gepackt und die Antworten aus ihm herausgeschüttelt, stattdessen übte sie sich in Geduld während Silver angestrengt nach den richtigen Worten zu suchen schien. Als er dann endlich zu reden begann, wollte sie ihren Ohren nicht trauen. "Wie bitte?! Aber..." Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte widersprechen. Wollte ihre Hoffnungen verdeutlichen. Ihre Hoffnung darauf, durch diese Hexe eine Lösung finden zu können. Doch... Das seltsame Zittern in seiner Stimme und der flehende Ausdruck in seinen gelbbraunen Augen brachten sie vorzeitig zum Schweigen. Er hatte wirklich Angst vor dieser Hexe. Sie war ihm also wahrscheinlich wirklich bekannt. Zugleich konnte es nicht die Hexe aus dem Wald der Wunder sein, warum sollte er Neona sonst zu eben dieser Hexe bringen, wenn er vor dieser Blutmond-Version so viel Furcht empfand.
      Was mochte in der Vergangenheit wohl zwischen den beiden vorgefallen sein? Und warum beharrte er besonders darauf, dass die Dieben niemals auf die Hexe traf? Nachdenklich zog sie ihre Stirn in Falten. Warum durfte sie nicht erfahren, dass Neona Silver berühren konnte? Wusste sie also von seinem Fluch? Sie riss die Augen auf, als sie glaubte langsam zu verstehen. "Diese... Hexe des Roten Blutmondes, richtig?" Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu, blickte auf seine bekümmert dreinschauende Gestalt auf dem Bett hinunter. "Ist sie zufällig diejenige, die für deine Unsterblichkeit verantwortlich ist?" Nachdem Silver sogar Landron hatte umbringen wollen, nur weil er seine Fähigkeiten gesehen hatte, war sich Neona sicher, dass er kaum jemanden von seinem Fluch berichtet hatte. Bisher hatte sie sogar angenommen, dass neben ihr nur die Hexe aus dem Wald der Wunder bescheid wusste. Doch sie hatte etwas übersehen: Der Ursprung seines Fluches. Sie hatte ihn nie danach gefragt, einerseits da sie sich nur für die Lösung ihres eigenen Fluches interessierte, andererseits weil er ihr sicher nicht freiwillig geantwortet hätte. Doch nun... Diese Hexe schien über ihn und seine tödlichen Berührungen Bescheid zu wissen und die Angst in seinen Augen sprach Bände. "Hat sie dich verflucht?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Der Unsterbliche zuckte zusammen, als Neona ihre Stimme erhob und ihm offensichtlich widersprechen wollte. Hatte er sich nicht gut genug ausgedrückt? Konnte sie in seiner Stimme nicht hören, wie wichtig das war? Nicht nur für ihn. Aus eigener Erfahrung wusste Silver nur zu gut, dass diese Hexe der Diebin nicht helfen würde... zumindest nicht, wenn sie wüsste, dass die Rothaarige etwas mit ihm zu tun hatte. Und wenn nicht? Selbst dann war er sich nicht sicher, ob sie für die Hilfe der Blutmond Hexe nicht mehr zahlen müsste, als sie bereit zu zahlen war.
      Vielleicht hatte sich das auch verändert. In einer Zeit, in der der Name dieser Hexe Freude und nicht Furcht auslöste, eine Zeit in der Hexen offenbar geschätzt und als hohe Gäste empfangen wurden... doch all das ließ Silver nicht besser fühlen. Ob hundert, zweihundert oder gar mehr Jahrhunderte... wie lange würde es brauchen um den Hass einer Hexe auf die Menschen zu tilgen?
      Er nickte langsam, als Neona den Namen der Hexe aussprach, schluckte schwer, als die Diebin den Nagel auf den Kopf traf und erraten hatte, was er ungern laut aussprechen wollte.
      „Ja... ja. Sie hat mich verflucht. Die Hexe des roten Blutmondes ist Schuld daran, dass ich nicht sterben kann... und auch wenn so viel Zeit vergangen ist: sie wird mir nicht helfen, Neona. Ich habe es versucht. Sie angefleht mir diesen Fluch zu nehmen, darum gebettelt es irgendwie wieder gut machen zu können... doch sie hat mir deutlich gemacht, dass sie das niemals tun würde. Und wenn sie herausfindet, dass du... dein Fluch mich töten könnte. Dass du in der Lage bist mich zu berühren... so wie ich kennen, wird sie dir diesen Fluch nicht einfach nehmen, selbst wenn sie es könnte.“, fügte er hinzu und der Ausdruck in seinen Augen war flehend.
      Er wollte deutlich machen, wie wichtig das war, dass hier nicht nur seine einzige Chance auf den Tod auf dem Spiel stand, denn er machte sich nicht allzu große Hoffnungen, dass die Diebin um seiner Willen auf die Hilfe einer anderen Hexe verzichten würde. Warum sollte sie auch? Er konnte nicht darauf hoffen, dass sie auch dafür zu nett war.
      „Also... bitte.“, erhob er sich letztendlich vom Bett und ging ein paar Schritte auf sie zu, behielt jedoch einen anständigen Abstand zwischen den Beiden.
      „Sie darf uns nicht gemeinsam sehen. Nicht wissen, dass wir uns kennen. Ich... vielleicht wäre es das beste, wenn ich mich einfach in dieses Zimmer verschanze, bis sie wieder weg ist...“, murmelte er vor sich hin, wuschelte sich mit der Hand durchs Haar. Offensichtlich wusste er nicht so recht, wie er am besten mit dieser Situation umgehen sollte.
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    • Neona

      Sie hatte also recht... Die Hexe des roten Blutmondes war also die Ursache für die Verzweiflung des Untoten, für sein unerträglich langes Leben und für all den Tod, der durch seine Berührung verursacht wurde. Sie schloss für ein paar Sekunden die Augen und stieß lange den Atem aus. Müsste dann nicht aber gerade diese Hexe genau bescheid wissen, wie man den Fluch löste? Sie sollte wahrscheinlich besser als jeder andere verstehen, wie man Silvers Leben beenden und Neonas verlängern konnte. Aber der Ausdruck in den Augen des Blondschopfes war eindeutig und der Ton in seiner Stimme ließ auch keine Zweifel zu. "Wenn ich dich frage, was damals vorgefallen ist, wirst du mir wahrscheinlich nicht antworten wollen, richtig?", vermutete sie. Egal was zwischen den beiden passiert sein mochte, es konnte nichts gutes gewesen sein. Auch wenn Unsterblichkeit sicherlich ein Traum vieler Menschen war... das was man Silver auferlegt hatte war eindeutig ein Fluch, wahrscheinlich grausamer als der Schmerz in ihrer verfärbten Hand jemals werden könnte. Ob die Hexe den Untoten hasste? Warum sonst, sollte sie ihm solch eine Grausamkeit antun? Sollte das stimmen, glaubte Neona auch die Furcht in seiner Stimme zu verstehen. Er hatte Angst, dass ihm die letzte Möglichkeit auf seinen eigenen Tod entzogen wurde, schließlich war die Diebin eventuell seine einzige Chance. Sollte sie sterben, wäre eben diese Chance für immer vertan. Dennoch war sie etwas überrascht, als er sich beinahe flehend vor sie stellte und blickte verwundert zu ihm auf.
      Nun, zu seinem Glück wünschte Neona sich nichts mehr, als zu überleben, also nickte sie schließlich langsam. "Verstanden. Ich werde Abstand halten."
      Zwar hoffte sie immer noch ein wenig darauf, dass sich die Meinung dieser Hexe geändert hatte und man eventuell doch zu ihr durchdringen könnte, doch das Risiko wäre zu hoch. "Wenn es dir lieber ist, kannst du gerne im Gasthaus bleiben. Bei dieser Feststimmung sollte innerhalb eines Tages genug Geld zusammen bekommen und zwei Pferde organisieren. Ich weiß nicht, wie lange die Hexe hier bleiben wird, doch zur Not können wir einfach mitten in der Nacht aufbrechen, ohne aufzufallen." Sie fuhr sich einmal langsam durch das struppige Haar und stieß ein leises Seufzen aus. Da hatte sie gehofft endlich mal einer Hexe begegnen zu können... Nun ja, mit etwas Glück verzögerte sich dieses Vergnügen einfach noch ein wenig, bis sie die Hexe im Wald der Wunder erreicht hätten. Schade war es trotzdem.
      "Magst du mir vielleicht dennoch eine Beschreibung dieser Hexe geben? Solange ich Abstand halte und sie mein Fluchmal nicht sehen kann, sollte es keine Probleme geben, oder? Vielleicht ist es am Ende ja doch jemand ganz anderes."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Leise und langsam stieß der Unsterbliche den Atem aus, als er gefragt wurde, ob er Neona erzählen würde, was damals vorgefallen war. Wenn er ehrlich war, erzählte er es nicht gerne, um es kurz zu halten: er war einfach ein Idiot gewesen. Eigentlich hatte er keine großen Probleme es zu erzählen, auch wenn es unangenehm und schlicht und einfach peinlich war, doch er befürchtete, dass die Diebin... nun, was wohl? Entschied, dass er diese Strafe verdiente?
      „Ich... ich könnte es dir erzählen, wenn... du versprichst, mich nicht dafür zu verurteilen. Wenn du...“, etwas zögernd streckte er die Hand nach ihrer aus, griff nach dem Handgelenk mit dem Fluchmal, „... mir versprechen kannst, weiterhin mein Tod zu bleiben.“
      Wahrscheinlich wäre es klüger gewesen das Angebot der Rothaarigen anzunehmen und ihr einfach zuzustimmen, dass er es ihr nicht erzählen würde. Doch wenn er wollte, dass sie ihm in dieser Angelegenheit vertraute und sich nicht hinter seinem Rücken der Hexe näherte... sollte er dann nicht auch lernen ihr zu vertrauen? Und seine Geschichte zu teilen schien ihm da eine gute Möglichkeit dafür zu sein.
      Er nickte, als sie nach einer Beschreibung fragte. Er mag vielleicht viele Jahrhunderte alt sein, viele Gesichter und Personen hatte er bereits in seinem Leben vergessen, doch das Antlitz der Blutmond Hexe würde er niemals vergessen.
      „... weiße Haare, rote Augen. Sie ist... eine wunderschöne Frau, wie wahrscheinlich die meisten Hexen.“, war ihm anzuhören, wie ungern er sie als wunderschön bezeichnete, „Womöglich kleidet sie sich noch immer in rot und trägt einen Hexen Hut. Vielleicht hat sie sich diesen Zeiten aber auch angepasst und trägt andere Kleidung... das kann ich natürlich nicht so genau sagen.“
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    • Neona

      Sie weitete verwundert die Augen, als Silver nicht direkt dicht machte. Nein, er schien sogar tatsächlich bereit seine Geschichte zu erzählen. Vertraute er ihr also wirklich mehr als erwartet, oder lag es nur daran, dass sie sein einziger Weg zu seinem Tod war? Letztendlich war ihr der Grund egal, die Neugierde in ihrer Brust freute sich auf jeden Fall auf seine Reaktion. Dennoch zuckte sie kurz zusammen, als sich seine Finger plötzlich um ihr Handgelenk legten, aber sie machte keine Anstalten sich zu entziehen. Stattdessen stieß sie ein belustigtes Schnauben aus. "Ich glaube das muss ich dir nicht versprechen", meinte sie. "Du bist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit mit der ich mein Leben retten kann. Es ist egal, was ich über deine Handlungen aus der Vergangenheit denke, ich brauche dich jetzt mehr als jeden anderen, um mein eigenes Leben zu retten. Außerdem..." Sie kratzte sich mit der freien Hand den Hinterkopf. "Diese Sache muss schon unglaublich viele Jahre in der Vergangenheit liegen. Egal was du getan haben magst, die Jahrzehnte - nein Jahrhunderte - des Leidens, die du wahrscheinlich ertragen hast..." Sein schweißgebadetes Gesicht der letzten Nacht tauchte in ihren Erinnerungen auf. Diese Albträume hatten sicherlich einen fürchterlichen Ursprung. "Was auch immer in der Vergangenheit vorgefallen sein mag, ich kann mir nicht vorstellen, dass du dafür diesen Fluch verdient hast. Zudem habe ich nicht vor, dich für Taten zu verurteilen die schon viele Jahre in der Vergangenheit liege." Sie setzte ein feines Lächeln auf. "Ich habe sicherlich schon freundlichere Menschen in meinem Leben kennen gelernt, aber du bist trotzdem ein ziemlich guter Kerl und hast mir in den letzten Tagen mehr als einmal den Arsch gerettet. Um es also kurz zu machen: ich werde dich nicht verurteilen, versprochen."
      Als er ihr eine kurze Beschreibung der Hexe lieferte, nickte sie verstehend. "In Ordnung. Ich Werde versuchen unbemerkt einen Blick auf sie zu erhaschen. Vielleicht ist es doch jemand komplett anderes." Kurz senkten sich die Augen auf ihr Fluchmal. "Vielleicht sollte ich mir zu diesem Zweck einen deiner Handschuhe nehmen. Wer weiß, ob sie den Fluch sonst erkennen würde." Bisher war es ihr zwar auch so gelungen ihre geschwärzte Handfläche vor den meisten Augen verborgen zu halten und hoffte dass die meisten das Mal mit Dreck verwechselten, doch befürchtete sie das die geübten Augen einer Hexe tiefer blicken könnten.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Verwundert weiteten sich die Augen des Untoten, als die Diebin auf seine Worte mit einem amüsierten Schnauben reagierte. Er hatte damit gerechnet, dass sie sich sonst irgendetwas ausdachte, was er gemacht haben könnte, oder gar vor ihm zurück wich... es vielleicht gar nicht hören wollte, doch das? Dass sie ihm einfach deutlich machte, dass sie ihn nicht dafür verurteilen würde, egal was es war? Damit hätte der Unsterbliche niemals im Leben gerechnet, auch wenn sie recht hatte. Es waren so viele Jahrhunderte seitdem vergangen. Die Taten aus seiner Jugend hatten beim besten Willen nichts mehr mit dem Mann, der er heute war, zu tun und doch wusste er, dass es mindestens eine Person gab, die ihm niemals verzeihen würde. Wieso also sollte nicht auch andere ihn dafür verurteilen?
      „Nun... da hast du wahrscheinlich recht.“, rieb er sich etwas peinlich berührt den Hinterkopf, da er die Diebin vollkommen falsch eingeschätzt hatte, doch gleichzeitig lockerte die lässige Reaktion den Knoten in seinem Hals ein wenig und er fühlte sich, als könne er nun lockerer über das Thema sprechen. Silver wünschte sich, er hätte das Bier mitgenommen.
      „... Danke.“, fügte er noch mit einem Nicken hinzu und blickte von Neonas Hand zu der seinen, als sie den Vorschlag unterbreitete ihr Fluchmal vor der Hexe zu verstecken. Daran hatte er nicht gedacht.
      „... du hast recht. Es wäre besser, wenn sie das Mal nicht sieht.“, stimmte er ihr mit einem Nicken zu, „Du bekommst den Handschuh morgen... spätestens nach dem Essen.“, versprach er ihr, da er sich ansonsten unwohl unter den Menschen in der Taverne fühlen würde.
      Letztendlich ließ er von ihrem Handgelenk ab und machte es sich ein weiteres Mal auf dem Bett bequem, bevor er auch Neona mit einer Geste anbot sich neben ihn zu setzten, bevor er mit seiner Geschichte beginnen würde.
      „Nun... ich kann dir nicht genau sagen, wann das war, doch sicherlich sind schon viele Jahrhunderte vergangen, seit ich dieser Hexe begegnet bin und von ihr verflucht wurde. Meine Heimat existiert nicht mehr, meine Familie... womöglich auch nicht. Damals war ich ein dummer, naiver Junge. Ich glaubte die Welt würde mir gehören. Meine Familie war reich, von Adel und als Erbe sah ich meine Zukunft bereits gefestigt und... ich... nun, sagen wir mal, ich war ein wenig zu sehr von den weiblichen Reizen angetan.“, räusperte er sich kurz, da es ihm peinlich war, an sein damaliges Ich zu denken, „Damals... noch bevor sie diesen Titel bekam, bin ich ihr begegnet: der Hexe des roten Blutmondes. Natürlich hatte sie einen normalen Namen und ich wusste nicht, dass sie eine Hexe war. Sie war schön, naiv und einfach mit schönen Worten um den Finger zu wickeln. Wir waren... ein Paar. Bis sie mir langweilig wurde ich und stattdessen anderen Frauen hinterhergejagt bin und... nunja... du kannst dir vorstellen, dass sie diese Trennung nicht gut aufgenommen hatte... nein, nicht die Trennung, womöglich eher die Tatsache, dass ich sie einfach betrog. Von Liebe konnte man auch nie sprechen und so arrogant wie ich damals war, habe ich ihr diese Tatsache natürlich ins Gesicht geworfen. Daher... hat sie mich verflucht. Auf dass ich nie wieder die Wärme einer anderen Person verspüre... auf dass ich für immer und ewig einsam auf der Welt wandern soll.“, knetet er die Finger, während er sprach und auch sein Blick war in sein Innerstes gerichtet, während er an damals dachte, daran wie seine jämmerliche Existenz wie sie nun war begonnen hatte.
      Zuerst hatte er nicht daran geglaubt, dass er tatsächlich verflucht wurde. Nachdem er den ersten Schock überstanden hatte, hatte er geglaubt etwas gutes aus diesem Fluch machen zu können, immerhin hatte man ihm Unsterblichkeit geschenkt, nicht wahr?
      Nun wünschte er sich, er hätte sie schon damals um Vergebung gebeten. Vielleicht hätte er damals an ihr Herz appellieren können... jetzt? Jetzt war es schon lange zu spät.
      „... ich wünschte wirklich, dass ich mich irre, und morgen eine andere Hexe die Stadt betritt.“, fügte er mit einem tiefen Seufzen hinzu. Aber hoffen... nun, das tat er schon lange nicht mehr.
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    • Neona

      Desto länger sie mit ihm unterwegs war, desto mehr machte Silver deutlich, dass er im Inneren noch immer ein ganz normaler Mensch mit Ängsten und Sorgen war. Seine Handlungen vom vorangegangenen Abend mochten an dieser Sichtweise etwas gekratzt haben, aber wenn man sein Alter und seine mörderischen "Fähigkeiten" bedachte... Neona war erleichtert darüber, dass er dennoch so nahbar geblieben war. Vielleicht fühlte sie sich auch deswegen in seiner Gegenwart so sicher, obwohl sie nun schon mehrfach die lebensraubenden Auswirkungen seiner Berührung gesehen hatte.
      "Du musst mir dafür nicht danken. Und sollte es dir zu unangenehm sein, musst du es mir auch nicht erzählen." Das mochte sie zwar behaupten, doch innerlich spürte sie zunehmende Neugierde in ihr wachsen. Was mochte nur vorgefallen sein, dass dieser sonst so stoisch erscheinende Mann solch ein kummervolles Gesicht zur Schau stellte. Waren seine Handlungen wirklich so gravierend gewesen.
      "Zur Not kann ich auch einen der alten Lederhandschuhe tragen, die wir aus deinem alten Herrenhaus mitgenommen haben", überlegte Neona nun. "Selbst wenn die Löcher haben sollten, solange es mein Mal überdeckt sollten sie reichen. Oder hast du weggeworfen?"
      Als er sich schließlich schweigend zurück aufs Bett setzte folgte sie ihm geduldig mit den Augen, bevor sie seiner Einladung folgte und sich neben ihn aufs Bett platzierte. Dann lauschte sie einfach seiner Geschichte, merkte, dass es ihm schwer fiel und war ihm deswegen umso dankbarer für seine Offenheit ihr gegenüber. Sie schämte sich dafür, bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wirklich an seine Familie gedacht zu haben, die er nach all diesen Jahrhunderten verloren haben musste... Was wenn er zu Anfang sogar aus Versehen ein Familienmitglied berührt hatte? Sofort glitten ihre Gedanken zu Kobi... Was würde Neona tun, sollte er unbedacht durch ihre Hand sterben? Würde sie danach selbst weiter leben wollen? Zugleich war Silver eben dazu gezwungen. Er durfte nicht einmal sterben. Sie schüttelte leicht den Kopf, zwang sich dazu diese Gedanken auszusperren und weiter seinen Worten zu lauschen. Doch desto mehr sie zu hören bekam, desto wütender wurde sie. Sie ballte die Hände auf ihren Schoß zu Fäusten, presste die Zähne aufeinander, bis ihr Kiefer schmerzte und schloss zuletzt nur noch leise grummelnd die Augen. Sie wollte nicht glauben, was sie da gerade zu Ohren bekommen hatte. "Und du hattest Angst davor, dass ich dich verurteilen könnte?", stieß sie zwischen schmalen Lippen hervor und schüttelte den Kopf. "Was für ein Blödsinn." Erst als ihre Fingernägel schmerzhaft in ihre Handflächen gruben, zwang sie sich dazu ihre Fäuste zu lockern und einmal lange auszuatmen. Sie musste ruhig bleiben. "Diese Hexe des roten Blutmondes." Sie sprach den Namen mit all der Abneigung aus, die sie im Moment aufbringen konnte. "Selbst wenn sie den Schlüssel zu unser beider Fluch hätte, würde ich ihr nicht begegnen wollen." Dem warmen Zorn in ihrer Brust nicht mehr entgehen könnend sprang sie von der Matratze auf und wanderte einer gefangenen Raubkatze gleich, den Raum ab. "Soll das heißen, dass dir dieses elende Weib aus Eifersucht und Liebeskummer einen Fluch auferlegt hat, der dich in ein Leben der Einsamkeit zwingt?" Sie erinnerte sich daran, dass Silver berichtet hatte, die Hexe mehrfach um die Auflösung des Fluches angefleht zu haben. Und trotzdem saß er nun vor ihr. Verbittert, unsterblich und unfähig die Wärme eines anderen Lebewesens zu spüren. "Und da hatte ich gedacht, Männer die ihre Angebetete aus Eifersucht töten wären fürchterlich, aber das..." Sie schüttelte angeregt den Kopf, wanderte immer wieder zur Tür, dann zurück zum Bett. Hin und her. "Zudem musst du damals noch unfassbar jung gewesen sein", zeterte sie weiter. "Selbst wenn dein Verhalten nicht sonderlich weise gewesen sein mag, selbst wenn du sie verletzt haben magst, diese Strafe hast du nicht verdient. Niemand hat diese Strafe verdient." Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass er ihr von seinen schrecklichen Taten der Vergangenheit berichtete. Dass er ihr offenbarte auch damals schon getötet zu haben. Sie hatte erwartet, dass er jemanden aus dem Leben der Hexe geraubt hatte. Doch ein elender Seitensprung?! "Was für ein elendes Miststück!" Sie musste sich zügeln nicht noch lauter zu werden, sonst könnte man ihre Stimme über die Flure donnern hören, also zwang sie sich dazu einmal tief durchzuatmen und machte schließlich von dem Bett halt. "Silver..." - war das eigentlich das erste Mal, dass sie ihn direkt beim Namen ansprach? - "Ich kann nicht behaupten, dass es die feine Art ist, deine Liebste auf diese Weise zu hintergehen, aber das hier hast du nicht verdient. Ich wette Landron wäre schon hunderten Flüchen zum Opfer gefallen, wenn seine Liebschaften ähnliche Ansichten wie diese elende Hexe vertreten würden." Sie schüttelte leicht den Kopf. "Wenn ich ehrlich bin, kenne ich wahrscheinlich mehr Männer, die durch Seitensprünge auf sich aufmerksam gemacht haben, als ehrliche Ehemänner." Das mochte eventuell auch an den Kreisen liegen, in denen sie verkehrte, aber auch unter dem Adel waren solche Dinge nicht selten. "Und auch Frauen sind davon nicht befreit." Nur mit dem Unterschied, dass seine untreue Frau nicht selten mit dem Tod bestraft wurde... "Niemand kann dich dazu zwingen, einen anderen Menschen zu lieben und ihm auf ewig treu zu bleiben." Das mochte ein Gedanke sein, den nicht jeder in dieser Welt mit ihr teilte, aber es waren ein paar der Worte, die sie sich auf ewig von ihren Eltern merken wollte. "Diese Hexe hatte nicht das recht, dich auf diese Weise zu bestrafen." Sie schnalzte einmal zornig mit der Zunge. "Ich kann nicht fassen, dass ich mich vor ein paar Minuten noch auf ihr Ankommen gefreut habe... Sie hat diesen festlichen Empfang nicht verdient."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Leise schüttelte Silver den Kopf, als Neona ihm anbot, ihr doch nicht vom Ursprung seines Fluches zu berichten, wenn es ihm unangenehm war. Das war es, wirklich, doch hatte er das Gefühl, dass nun, wo er damit angefangen hatte, er da auch irgendwie durch musste.
      Vor allem wenn es ihm dabei half Neona von der Hexe des roten Blutmondes fern zu halten. Er würde allestun, um seine letzte Chance auf den Tod nicht zu verlieren und seine unangenehme Vergangenheit preis zu geben erschien ihm da wie ein eher kleiner Preis.
      „... mh? Nun... die Handschuhe habe ich tatsächlich noch... aber wahrscheinlich solltest du sie vorher waschen.“, musste Silver zugeben und zog das löchrige Paar aus seinen Hosentaschen. Mag sein, dass sie für ihn nicht mehr zu gebrauchen waren, dennoch fühlte er sich besser, wenn er ein zweites Paar bei sich trug. Somit händige der Unsterbliche diese der Diebin aus, bevor er letztendlich einen tiefen Atemzug nahm um seine Geschichte vom Besten zu geben... doch mit der darauffolgenden Reaktion hatte er beim besten Willen nicht gerechnet und konnte Neona daher für einige Momente nur mit großen Augen anstarren, überrascht und verwundert darüber, dass sie offensichtlich ganz auf seiner Seite war.
      Er hätte erwartet, dass sie als Frau hätte besser verstehen können, wie schlimm sein Verhalten gegenüber der Hexe gewesen war. Existierte das Konzept der Jungfräulichkeit überhaupt noch? Zumindest hatte es einige Länder gegeben, in denen er ausgelacht worden wäre, hätte er angefangen darüber zu reden, dass eine Frau vor der Hochzeit keine Erfahrungen haben durfte.
      Er hatte somit zu seiner Zeit das Leben der Hexe deutlich erschwert... auch wenn er wusste, dass sie aus ganz anderen Gründen wütend auf ihn war, auch wenn das sicherlich ein Teil davon war.
      Aber wenn die Diebin auf seiner Seite war, dann war das doch sowieso besser für ihn, nicht wahr?
      „Eifersucht... war es nicht... aber Liebeskummer trifft es wahrscheinlich ganz gut.“, kommentierte er und knetete weiterhin seine Finger, unsicher, wie er auf den Hass der Rothaarigen reagieren sollte.
      Er selber hasste die Hexe nicht... zumindest nicht mehr. Er hatte lange genug Zeit gehabt sich damit abzufinden und wollte nur noch, dass dieser Fluch endlich ein Ende nahm. Er lebte schon viel zu lange um zu hassen. In seinen Augen war diese Gefühlsregung nur noch anstrengend geworden.
      Neona dagegen... wirkte voller Leben, wie sie hin und her schritt und in seinem Namen wütend wurde.
      Bei dem Anblick legte sich ein leichtes Lächeln auf die Lippen des Unsterblichen.
      „... danke. Ich bin froh, dass du der Meinung bist, dass ich das nicht verdient habe. Ja, ich war jung... aber das macht meine Tat auch nicht besser. Mit neunzehn sollte man das doch eigentlich schon besser wissen, meinst du nicht?“, gab er ein tiefes Seufzen von sich und rieb sich dabei den Hinterkopf, wollte aber auch nicht mehr an sein Ich von damals nachdenken.
      Auch wenn er theoretisch, zumindest körperlich, noch immer neunzehn war.
      „... ich glaube da wartete unten ein gutes Essen auf uns, nicht wahr? Ich hoffe nur, dass es noch warm ist.“, erhob er sich letztendlich mit einem Lächeln vom Bett, einem echten Lächeln, wie er es nur sehr selten trug und legte Neona sachte die Hand auf den Rücken, damit sie wieder nach unten gehen konnten.
      Es war nicht das erste Mal, dass Silver von den Ursprüngen seines Fluches berichtete hatte. Manch eine hatte eine ähnliche Reaktion wie Neona, andere hatten ihn verurteilt, doch er glaubte nicht, dass jemand jemals für ihn wütend geworden war.
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    • Neona

      "Das sollte kein Problem sein", entgegnete Neona mit einem dankenden Nicken, als er ihr die zerschlissenen alten Handschuhe überreichte. Vielleicht sollte sie bei Gelegenheit noch ein zweites Paar organisieren. Einerseits da sie in Zukunft mehr denn je ihr Fluchmal verbergen musste, andererseits um eine Sicherheit für Silver zu haben, sollte das aktuelle Paar beschädigt werden.

      Während die junge Diebin weiter vor Zorn zu kochen schien, wirkte der Untote fast etwas verwirrt und verwundert. Hatte er wirklich damit gerechnet, dass sie ihn verurteilen würde. Nun... sollte Neona eines Tages erfahren, dass Kobi mit einem Mädchen so umgesprungen war, würde sie ihn wahrscheinlich windelweich prügeln und ihn danach dazu zwingen, sich aufrichtig zu entschuldigen. Aber niemals würde sie auf die Idee kommen, dass jemand deswegen einen Fluch verdiente, der einen zu einem endlosen Leben in Einsamkeit verdonnerte. Wie konnte diese elende Hexe nur glauben, dass ihr Handeln gerechtfertigt war?!
      "Natürlich waren deine Taten dumm und unverantwortlich", kommentierte sie, als er behauptete es besser hätte wissen sollen. Ja, mit neunzehn hätte er es durchaus besser wissen können, dennoch stimmten die Verhältnisse in diesem Fall einfach nicht. "Ich will gar nicht wissen, wie lange du nun schon mit diesem Fluch herumwandelst. Ich kann verstehen, dass sie gelitten hat und traurig war. Ich kann verstehen, dass sie zornig war und sich rächen wollte... aber das." Sie schüttelte aufgebracht den Kopf. "Das ist einfach nur grausam!" Tatsächlich war es in Adelshäusern bis heute noch unfassbar wichtig, dass die Frau bis zur Hochzeitsnach noch Jungfrau war, aber unter dem einfachen Volk war das lange nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahrzehnten und Jahrhunderten. Silver selbst war Adliger gewesen, weswegen er sich dem Ausmaß seines Handelns für die Hexe hatte bewusst sein müssen und doch... "Zudem... hoffe ich doch, dass du dich ihr niemals aufgezwungen hast. Sie hat sich freiwillig hingegeben und ist das Risiko eingegangen, obwohl ihr nicht verheiratet wart... Sie hatte im Gegenzug zu vielen anderen Frauen auf den Straßen eine Wahl." Wahrscheinlich war es pures Glück, dass Neona ihre Jungfräulichkeit noch nicht ungewollt verloren hatte, schließlich war es ab und an schon recht brenzlich gewesen. "Deine Handlungen waren alles andere als vernünftig, aber der Fluch dieser Hexe ist einfach nur unverhältnismäßig grausam... Eigentlich wäre sie mittlerweile dir eine Entschuldigung schuldig. Besonders da du heute eindeutig ein anderer Mensch bist und deine Strafe sicher schon vor Jahrhunderten 'abgesessen' hast." Sie bemühte sich darum ihre Hände nicht erneut zu festen Fäusten zu ballen, besonders um ihre Handinnenflächen zu schonen und stapfte stattdessen immer noch zornig im Zimmer umher.
      Bis sie schließlich von dem Untoten aufgehalten und an das warme Essen im Erdgeschoss erinnert wurde. Die Vorfreude auf die leckere Mahlzeit ließ die Wut in ihrer Brust etwas abklingen, bevor sie zustimmend nickte. "Du hast recht. Wir sollten zurückkehren, bevor es kalt wird." Neben der Aussicht auf ein leckeres Essen war da aber auch noch dieses seltsame Lächeln Silvers, dass sie kurz aus ihren zornigen Gedanken riss. Hatten seine Augen schon immer so geglänzt, wenn er ihr ein Lächeln präsentierte? Sie kam nicht dazu lange darüber nachzudenken, als sie auch schon sanft aus dem Raum geschoben wurde.
      Unten angekommen wurden sie direkt von einer leicht schmollenden Karana empfangen. "Ich habe schon befürchtet, dass ihr gar nicht mehr auftaucht", beschwerte sie sich, die Hände in die Hüften gestemmt. "Du weißt genau, wie sehr Paps es hasst, wenn man sein Essen verkommen lässt."
      "Tut mir leid, Karana", beeilte sich Neona um eine Entschuldigung. "Das Auspacken hat etwas länger gedauert, aber du weißt, dass ich mir nie eine Mahlzeit hier entgehen lassen würde."
      Ein, zwei Sekunden lang, wurde sie noch aus prüfenden braunen Augen begutachtete, bevor die kleine Frau sie zum Tisch scheuchte. "Dann beeilt euch lieber. Noch ist es warm."
      "Danke." Neona schenkte der Frau noch eine flüchtige Umarmung, bevor sie zu ihrem Tisch eilte. Bär schien dort bereits gemütlich am schlemmen zu sein, während die Augen der Dieben weiter wurden, als sie den noch dampfenden Schweinebraten mit Röstkartoffeln erblickte. "Das sieht fantastisch aus", tönte sie begeistert und setzte sich umgehend vor ihren Teller. Wann war wohl das letzte Mal gewesen, dass sie frisches Fleisch hatte zu sich nehmen können und kein altes zähes Trockenfleisch. War es vielleicht der Hase gewesen, den sie vor etwa einem Monat in einer ihrer Schlingfallen finden konnte? Allerdings würde eben dieser sicherlich kein Vergleich zu dem Festschmaus aus Tarons Küche darstellen können. "Guten Appetit", meinte sie an Silver gerichtet, bevor sie sich auch schon hungrig auf ihr leckeres Abendbrot stürzte.

    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Mhm.“, zögerte der Unsterbliche keine Sekunde um ihre Worte mit einem Nicken zu bestätigen. Sein Verhalten war wirklich dumm und unverantwortlich gewesen, das leugnete er auch nicht. Wenn er ehrlich war, war dieses Ich so lange her, dass es ihm manchmal schwer fiel zu glauben, dass das wirklich er gewesen war. Es könnte genauso gut in einem anderen Leben passiert sein und er musste dieses Verhalten noch immer ausbaden.
      „Selbstverständlich nicht!“, fügte er fast schon erschrocken hinzu, als die Diebin erwähnte, dass sie hoffte, dass er sich ihr nie aufgezwungen hatte und hob dabei schützend die Hände. Er mag sie belogen und betrogen haben, aber nie hatte er etwas getan, was sie nicht wollte, und Silver warf selber unglaublich froh, dass er nicht so schlimm gewesen war.
      Arrogant und selbstverliebt? Ja. Ein Frauenheld? Ja. Jemand der sich Frauen aufzwang? Zu seinem Glück nicht. Er wüsste nicht, ob er sich das selbst jemals hätte verzeihen können, wenn er so etwas schreckliches getan hätte. In seinem Fall hätte er fast gesagt, dass dieser Fluch gerechtfertigt war... aber auch nur fast. Gab es wirklich jemanden der es verdient hatte bis in alle Ewigkeit zu leben, leidend und einsam? Da er es am eigenen Leib spürte, konnte er sich das beim besten Willen nicht vorstellen. Irgendwann musste doch genug sein... oder?
      „Dennoch... würde ich es nicht unbedingt eine Wahl nennen.“, nahm das schiefe Lächeln des Untoten einen traurigen Ton an, „Ist es eine Wahl, wenn man falschen Tatsachen gegenüber steht? War es deine Wahl, ein nichtsnutziges, altes Stück Pergament zu ersteigern, wenn man dir weiß macht, dass es sich dabei um eine Schatzkarte handelt? Oder würde man den Händler dafür verurteilen und einen Betrüger schimpfen? Sie trifft keine Schuld, wirklich.“, konnte er nicht anders, als die Hexe zumindest bis zu einem bestimmten Punkt zu verteidigen, vor allem wenn er an die junge Frau dachte, die sie damals war, bevor sie zu der Hexe geworden war, als die er sie nun kannte. Er nahm die Schuld an, aus vollem Herzen. Aber auch deswegen war er der Überzeugung, dass er genug gelitten, genug bestraft worden war. Er verdiente endlich den Tod, nicht wahr?
      „Und nur weil es andere schlechter haben... ist ihr Leid nicht klein zu reden.“, mögen jene Frauen auf der Straße wahrscheinlich anderer Meinung sein, aber war nicht alles eine Frage der Perspektive?
      „Nun... ich brauche keine Entschuldigung.“, rieb er sich den Nacken, er hatte noch nie daran gedacht eine Entschuldigung von der Hexe des roten Blutmondes zu verlangen. Alles was er wollte, war der Tod. Früher mag er noch gehofft haben, dass der Fluch von ihm gelöst werden könnte und er ein gewöhnliches Leben leben konnte, selbst wenige Jahre würde er nehmen, doch mittlerweile hatte er nicht mehr die Kraft dazu. Der Tod war alles, was er nur wollte.
      „.... der Tod würde mir reichen. Dennoch, Danke.“, fügte er mit einem Lächeln hinzu, bevor sie sich wieder auf den Weg in den Schrankraum machten und Bär hob fragend eine Augenbraue, da Silver wie ausgewechselt wirkte.
      Zwar hielt das Lächeln nicht mehr lange, dennoch konnte man noch einen Schatten erahnen und er wirkte nicht mehr ganz so... abweisend. Vor allem die Furcht war ihm jedoch aus den Gesichtszügen gewichen, auch wenn er wusste, dass die Hexe wohl morgen eintreffen würde.
      Doch Neona hatte verstanden, wie wichtig es war, sich von dieser fern zu halten... zumindest hoffte er das sehr. Und er würde sich einfach in sein Zimmer einsperren, bis sie wieder fort war... oder sie sich Nachts mit den Pferden hinaus schleichen konnten.
      „Guten Appetit.“, nickte der Unsterbliche ihr zu und konzentrierte sich nun ebenfalls auf das Essen.
      „.... Glück gehabt, ich dachte schon ich müsste euch wieder runter zerren, bevor der alte Mann wütend wird. Oder eure Portionen mit essen.“, kommentierte Bär mit einem Grinsen und obwohl ihm die Neugierde anzusehen war, wusste er es besser, als junge Leute zu fragen, wieso das auspacken so lange gedauert hatte.
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    • Neona

      Hatte er nicht von ihr behauptet zu nett zu sein? Dabei schien er selbst nicht einmal zornig genug zu werden, um auch nur ein angemessenes Maß an Abneigung gegenüber der Hexe zu verspüren. Zu Neonas ehrlichen Überraschung, nahm er sie nun auch noch in Schutz. Leider waren seine Argumente recht vernünftig, weswegen sie zunächst nur ein unwilliges Grummeln zustande brachte. "Okay, ich verstehe. Sie hatte keine wirkliche Wahl. Du hast sie hinters Licht geführt und dich wie der größte Arsch auf dem Planeten aufgeführt, und? Rechtfertigt dass diese Form der Strafe?" Sie schüttelte den Kopf. "Sie hätte dich schon vor Ewigkeiten von diesem Fluch befreien sollen. Entsprechend werde ich also kein bisschen Mitleid mit ihr haben", verkündete sie mit hoch erhobenen Zeigefinger. "Und auch wenn du anders empfinden magst, werde ich auch auf wütend auf sie sein." Es war schon fast ironisch, dass der Fluch dieser Hexe der einzige Grund war, warum Silver und Neona sich überhaupt begegnet waren. Eigentlich müsste sie eben diesem Umstand sogar dankbar sein, immerhin würde sie ansonsten keinen Ausweg aus ihrem eigenen Fluch finden können... und doch konnte sie nur Zorn für die Handlungen dieser Hexe empfinden. Selbst wenn sie damals einen "vernünftigen" Grund gehabt haben mochte, rechtfertigte ihr Leid nicht annähernd die Qualen, die Silver seither hatte durchmachen müssen.
      Sie unterdrückte ein Seufzen, als er auch eine Entschuldigung als unnötig befand und sich stattdessen einfach nur den Tod wünschte. Noch immer lösten eben diese Worte in ihr ein mulmiges Gefühl aus, da es nach wie vor nicht in ihren Kopf wollte, wie jemand nur so dringend sterben wollen konnte. Gleichzeitig hatte der Untote mehr als nur einmal klar gemacht, dass er sich nichts sehnlicher erhoffte und auch wenn sie es wohl nie würde nachempfinden können, hatte sie mittlerweile verstanden. "Okay, zum Glück ist das ja auch das Ziel unserer Reise. Ich werde mich morgen darum bemühen zügig genügend Geld heranzuschaffen, so das wir noch am Abend die Pferde holen und aufbrechen können. Dann können wir besagte Reise schnellstmöglich wieder fortsetzen."
      Als sie wenige Minuten später endlich das erste Stück Schweinebraten zwischen ihre Zähne schieben konnte, waren die düsteren Gedanken von zuvor restlos verschwunden. Die herzhaft gewürzte Mahlzeit versüßte ihr direkt wieder den Abend. "Hättest du mein Essen auch nur angerührt, würde ich dir umgehend meine Klinge in den Nacken rammen", verkündete Neona neckisch an Bär gewandt und zog ihren Teller gleichzeitig schützend näher an sich heran. "Oder ich hätte dich dazu gezwungen, mir eine neue Mahlzeit samt Bier auszugeben." Sie grinste belustigt und hob direkt ihren noch halb gefüllten Krug an die Lippen. Der Herbe Biergeschmack mischte sich perfekt mit dem saften Fleisch und den herzhaften Röstkartoffeln und vervollständigte das Festmahl direkt noch ein bisschen mehr. Obwohl sich Neona daher alle Mühe machte, ihr Essen langsam zu genießen, hatte sie ihren Teller schneller leergeputzt als ihr lieb war, doch ihr gut gefüllter Magen ließ sie auf eine zweite Portion verzichten. Außerdem löste das Sättigungsgefühl noch etwas ganz anderes in ihr aus. Ein langgezogenes Gähnen stahl sich über ihre Lippen, während ihre schweren Augenlieder ihre zunehmende Müdigkeit deutlich machten. "Ich sollte mich ins Zimmer zurückziehen", stellte sie fest und erhob sich von ihrem Platz. "Ihr beiden könnt euch ja gerne noch etwas unterhalten, aber ich sollte wohl ein Bett aufsuchen." Sie wendete sich an Silver. "Dein Zimmerschlüssel." Sie reichte ihm den zweiten Schlüssel, den Taron bereitgelegt hatte. "Ich wünsche euch eine gute Nacht." Sie schenkte Bär und dem Untoten noch ein freundliches Lächeln und entfernte sich dann vom Tisch. Essen und Bier waren bereits bezahlt, weswegen ihr Weg direkt zu ihrem Zimmer führte. Ob es die Aufregung von zuvor war, die sie so erschöpft hatte? Die Anstrengungen der vergangene Tage... oder raubte der Fluch ihr doch mehr und mehr Kraft und Ausdauer? Selbst um über diese Fragen nachzudenken fehlte ihr die Energie. Zuletzt wusste sie nicht einmal mehr genau, wie sie es in ihr Zimmer und aufs Bett geschafft hatte. Doch kaum würde sie von der weichen Matratze empfangen, sank sie auch schon in einen tiefen Schlaf.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Ein belustigtes Schmunzeln legte sich auf die Lippen des Unsterblichen, als er das Grummeln der Diebin vernahm und fast hatte er den Antrieb ihr durchs Haar zu wuscheln, tat es jedoch nicht.
      „Nein. Nein, tut es nicht.“, musste er ihr mit einem Nicken zustimmen, dennoch war es dem Untoten wichtig, dass Neona verstand, dass er nicht der Gute in dieser Geschichte war. So wenig er diesen Fluch auch verdient hatte, so war es doch eine Tatsache, dass er der Hexe weh getan hatte. Genug, um einen ewig währenden Hass hervor zu rufen. In den Augen einiger mag dies lächerlich sein, doch Silver lebte schon viel zu lange mit diesem Fluch, um einer dieser Augen zu sein.
      Einst hatte er sie sicherlich dafür gehasst. Mittlerweile war er schlicht und einfach zu müde dafür. In seinen Augen hatte das nichts mit Freundlichkeit zu tun.
      Würde er die Hexe töten, wenn er die Gelegenheit dazu bekam? Wenn es seinen Fluch löste: ja. Wenn nicht? Würde er darüber nachdenken müssen.
      „Ich will auch nicht, dass du Mitleid mit ihr hast.“, erwiderte Silver mit einem schiefen Lächeln, kam er wirklich so rüber?
      „Ich will nur nicht... so aussehen lassen, als hätte ich diese Strafe nicht wenigstens ein bisschen verdient.“, er lebte schon viel zu lange und hatte viel zu viel erlebt um noch zu glauben, dass was er getan hatte ja gar nicht so schlimm war. Er hatte Frauen hinters Licht geführt, ihnen das blaue vom Himmel gelogen und mit ihnen geschlafen, bis sie ihm langweilig wurden und sie dann weggeworfen, als hätten sie ihm nie etwas bedeutet. Er war kein guter Mensch gewesen. Ob er wohl jetzt einer war? Silver würde diese Frage mit einem entschiedenen Nein beantworten.
      Aber er war auch der Meinung, dass wirklich gute Menschen eine Seltenheit waren. Eine, die in dieser Welt nicht lange überlebten.
      „Klingt gut.“, kommentierte er mit einem Nicken und konnte es kaum erwarten die Stadt zu verlassen.
      Doch davor musste er wohl eines der schrecklichsten Dinge überhaupt überleben,
      Silver konnte es kaum glauben, als er von der Diebin mit Bär am Tisch alleine gelassen wurde, er starrte ihr hinterher, als hätte sie ihn gerade verraten, bevor er dem übergroßen Kerl einen alles andere als freundlichen Blick zuwarf.
      Wie konnte sie ihn nur mit einem Kerl, der wirkte als würde er ihm jeden Moment freundschaftlich auf den Rücken klopfen – immerhin schien er sowas schon einmal versucht zu haben, bevor Neona ihn weg gezogen hatte – und der vor allem so ekelhaft fröhlich wirkte?
      Das Grinsen, das er durch seinen Blick erntete, gefiel ihm so überhaupt nicht.
      „Also...“, rückte Bär ein Stückchen näher, was Silver dazu veranlasste sofort die verlorene Distanz wieder zwischen die Beiden zu bringen... wahrscheinlich sogar mehr und er war froh einen Tisch zwischen ihnen zu haben.
      „Ihr scheint ja ganz schon gute Partner zu sein, wenn sie deine Angst vor Hexen lindern konnte.“, ließ sich Bär jedoch nicht davon abbringen eine Konversation zu beginnen, wodurch sich dieser nur einen weiteren, missmutigen Blick einfing.
      „Wie habt ihr euch kennen gelernt?“
      „... ich habe wirklich kein Interesse daran mit ihnen ein Gespräch zu führen.“, antwortete Silver dagegen kühl und begann sich auf sein Essen zu konzentrieren.
      „... ihnen? Kommst wohl aus gutem Hause, was?“, zog Bär eine Augenbraue hoch, als er gesiezt wurde. Das geschah in seinen Kreisen eigentlich nicht oft.
      „Bist du überhaupt ein Dieb?“, zuckte Silver fast schon zusammen, hatte er sich wirklich so schnell verraten? Sein Dasein als Adeliger mag schon sehr lange zurück liegen, aber dieser Bär hatte irgendwie etwas an sich, was ihn dazu brachte... den übergroßen Hünen zumindest ein wenig zu respektieren.
      „... ich bin ein Dieb, wenn ich es sein muss.“, waren diese Worte nicht einmal gelogen. Er hatte oft genug nicht mehr als sein eigenes Hemd besessen und in schlimmen Zeiten scheute er sich nicht davor zu stehlen... nicht mehr.
      „Wenn du es sein musst... was? Okay, ich will nicht zu neugierig sein, aber lass mich noch eine Frage stellen: ist Rotkäppchen sicher?“, war nun der Unsterbliche, der einen alles andere als freundlichen Blick abbekam und er wusste sofort, dass dieser Mann in der Lage wäre ihm das Genick zu brechen, wenn er nur wollte.
      Er sah von seinem Essen auf, zögerte nicht dem einschüchternden Blick zu begegnen.
      „... zur Zeit ist sie an Niemandes Seite so sicher, wie an meiner.“, wählte er seine Worte mit Bedacht. Immerhin war Silver womöglich der Einzige, der Neona vor ihrem Fluch retten konnte. Und der einzige, den sie nicht an ihre Verfolger verlieren konnte, denn er konnte nicht sterben.
      Für einige Minuten starrten sich die Beiden nur bedrohlich an, bevor Bär wieder ein breites Grinsen aufsetzte und lauthals zu Lachen begann, als wäre nie etwas gewesen.
      „Verstehe, verstehe, dann ist ja gut!“, klopfte er sich lachend auf das Bein und trank mit großen Schlucken aus seinem Becher.
      „Karana Schätzchen, der alte Mann hier hat Durst!“, machte er sich mit leerem Becher auf sich aufmerksam, bevor Silver seine letzten Bissen zu sich nahm und sich ebenfalls für die Nacht verabschiedete. Und diesmal würde ihn Niemand wecken.
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    • Neona

      Es war schon fast amüsant, wie sehr er darauf beharrte, seine eigene Schuld in den Vordergrund zu schieben. Ob er überhaupt bemerkte, dass er damit die Hexe in gewisser Weise in Schutz nahm? Selbst wenn er für seine Handlungen eine Strafe verdient hatte, war diese Methode einfach nur sadistisch, zudem... "Ich würde es tatsächlich sogar etwas mehr verstehen, wenn dieser Fluch nur dich getroffen hätte. Aber soll ich fragen, wie viele Menschen schon durch eine unbedachte Berührung deinerseits gestorben sind? Zu Anfang hast du sicherlich nicht einmal gewusst, was die genauen Konsequenzen des Fluches waren... Diese Hexe hat nicht nur dich verflucht, sondern auch Unbeteiligte in die Sache mit hineingezogen." Egal wie verbittert und traurig vor Liebeskummer man sein mochte, niemand sollte das Recht haben, dafür Unschuldige leiden zu lassen. Neona erinnerte sich an die unendlich schrecklichen - wenn auch erstickten - schreie, der Männer, die durch Silvers Berührung gestorben waren... Das konnte kein friedlicher Tod gewesen sein. Auch wenn in dieser Situation der Untote mit vollem Bewusstsein gehandelt hatte, war es in der Vergangenheit sicherlich zu ungewollten Toten gekommen. Die Hexe mochte nur indirekt beteiligt gewesen sein und dennoch würde Neona ihr nicht für diesen tödlichen Fluch verzeihen. "Außerdem gibt es sicherlich einen guten Grund dafür, dass ich mich so dringend von ihr fern halten soll, nicht? Du hast Angst, dass sie mich töten könnte..." Sie schüttelte den Kopf. "Ich kenne sie nicht und kann sie daher nicht wirklich hassen, aber verachten werde ich sie durchaus." Ihr Blick legte sich lange auf den Untoten. "Und ich habe nie behauptet, dass du unschuldig warst und keine Strafe verdient hast. Ganz ehrlich, ich an ihrer Stelle hätte dir wahrscheinlich so heftig in die Weichteile getreten, auf das du nie wieder eine andere Frau ausnutzen kannst", berichtete sie mit einem Schulterzucken. "Aber ein Fluch diesen Ausmaßes, der zusätzliche Opfer fordert...? Das ist einfach nur lächerlich."

      Der Gedanke, dass sie Silver dort unten praktisch mit dem herzlichen und manchmal etwas aufdringlichen Bär alleine gelassen hatte, schaffte es nicht einmal mehr in ihren müden Schädel. Nur der Traumlose Schlaf konnte eben diesen gefangen nehmen.
      Am nächsten Morgen wurde sie allerdings mit unendlichen Schmerzen geweckt. Es fühlte sich an, als würden sengende Flammen ihre Hand und den Arm umfangen, während sie sich sicher war, dass das Fluchmal sich erneut ausbreitete. Mittlerweile glaubte sie sich auch sicher sein zu können: Silvers Gegenwart hatte eben diese qualvolle Pein zumindest unterdrücken können... Kaum war sie eine Nacht durch eine Zimmerwand von ihm getrennt machte sich dieser elende Fluch wieder bemerkbar. Das konnte kein Zufall mehr sein.
      Sie presste Minuten lang verkrampft die Zähne aufeinander, darum bemüht kein schmerzhaftes Stöhnen ertönen zu lassen. Krallte die Finger in die Bettdecke und zählte die Sekunden, bis die Schmerzen verebbten. Wie erwartet wurden die Anfälle von mal zu mal länger und schmerzhafter, außerdem hatte das schwarze Mal nun damit begonnen, sich ihr Handgelenk hinaufzuwinden.
      Als die Schmerzen endlich ein Ende gefunden hatten, erhob sie sich seufzend von ihrem Bett und schlurfte zum Waschzuber. Das kalte Wasser war genau das richtige für ihre Schweißgetränke Haut und half ihr dabei wieder auf andere Gedanken zu kommen. Sie hatte eigentlich gut und lange geschlafen, aber diese Krämpfe saugten immer etwas an ihrer Kraft, dennoch verzichtete sie darauf, sich noch etwas hinzulegen. Sie durfte keine Zeit verschwenden. Selbst Silvers Nähe könnte diesen Fluch nicht auf ewig unterdrücken, ihr blieb also keine Zeit. Nachdem sie sich selbst gereinigt hatte, kümmerte sie sich um die alten Handschuhe, die sie vom Untoten geliehen hatte und streifte sich diese noch im feuchten Zustand probeweise über. Wie erwartet waren sie zu groß, aber solange die Hexe in der Nähe war, würde sie sie tagen müssen. Für den Moment ließ sie sie allerdings in ihrer Tasche verschwinden und machte sich aufbruchsbereit. Es war noch früh im Morgen, nur wenige Sonnenstrahlen hatten sich über den Horizont gekämpft und das Innere des Gasthauses war noch reichlich ruhig. Dennoch begegnete sie im Erdgeschoss wenig überraschend Taron, welcher sich bereits aufs Tagesgeschäft vorbereite.
      "So früh schon auf?", fragte der alte Mann mit tiefer Stimme.
      "Habe einiges vor", verkündete sie mit leichtem Lächeln. "Sollte mein Begleiter von gestern nach mir fragen, sag ihm, dass ich bereits aufgebrochen bin und noch vor der Dämmerung versuche zurück zu sein."
      "Ich dachte ihr arbeitet zusammen?" Tarons buschige Augenbraue wanderte verwundert in die Höhe.
      "Ich habe ihm für heute eine Pause versprochen", behauptete Neona frei heraus. "Er ist noch neu im Geschäft und ich habe ihn die letzten paar Tage gut schuften lassen. Er soll sich etwas Ruhe gönnen." Mit diesen Worten ließ sie das Gasthaus hinter sich und machte sich auf den Weg zu den geschäftigen Hauptstraßen der Stadt. Wie erhofft waren eben diese trotz der frühen Stunde schon gut belebt. Eine allgemeine Aufregung lag in der Luft, während sich jeder auf die Ankunft der Hexe vorzubereiten schien. Mehr Marktstände denn je wurden auf den Handelsstraßen aufgereiht, während dutzende Menschen aus Nachbarstädten und -dörfen angereist waren. Alles in allem war dies ein wares Fest für die diebischen Finger der jungen Frau. Es sollte wirklich ein leichtes sein, heute das restliche Geld noch aufzutreiben, damit sie noch diese Nacht wieder aufbrechen konnten.
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „... besser du fragst nicht.“, verdüsterten sich die Augen des Unsterblichen, als Neona nach der Anzahl seiner Opfer, jener Menschen die durch seine Berührungen gestorben waren, fragte. Nicht, dass das eine Frage war, die er hätte beantworten können, es waren mittlerweile viel zu viele und an irgendeinem Punkt hatte er einfach aufgehört zu zählen, aufgehört überhaupt groß darüber nachzudenken... was die Diebin wohl dazu sagen würde, wenn er ihr sagen würde, dass es ihm mittlerweile nicht mehr so viel ausmachte?
      Wie an den Verfolgern der Rothaarigen deutlich gewesen war, scheute er sich nicht davor diese Fähigkeit zu seinem Nutzen zu nutzen. Nicht, dass er das gerne tat. Er dachte einfach nicht mehr darüber nach.
      Dennoch hatte er diese Opfer und Toten niemals als jene der Hexe gesehen. Sicher, Neona hatte recht, hätte die Hexe des roten Blutmondes ihn niemals verflucht, wären all diese Leute noch am Leben, dennoch hatte diese ihm mehr als nur einmal deutlich gemacht, dass diese Leute nicht hätten sterben müssen, wenn sich Silver von den Menschen fern gehalten hätten... was für ein wahrlich grausamer Witz. Er empfand es als fast schon witzig, als er darüber nachdachte, dass selbst, als er sich tatsächlich von den Menschen zurückgezogen und einfach nur geschlafen hatten, diese ihn aufgesucht hatten.
      Man könnte argumentieren, dass er sich einfach einen falschen Schlafplatz ausgesucht hatte.
      Der Untote würde erwidern, dass man ihn früher oder später sowieso gefunden hätte. Selbst wenn man sie warnte, hielten sich Menschen nie lange fern... sie waren einfach zu neugierig.
      Wofür er wohl dankbar sein sollte, denn ohne diese Gerüchte, hätte die Diebin ihn wahrscheinlich nie gefunden.
      „... dich töten? Nein.“, zog sich ein Mundwinkel des Unsterblichen in die Höhe, ein schiefes Lächeln das seine Augen nicht erreichte, „Wahrscheinlich würde sie sich etwas schlimmeres ausdenken, als den Tod. Deswegen darf sie auch niemals erfahren, dass wir uns kennen...“, wandte er den Blick letztendlich zur Seite und ihm war deutlich anzusehen, dass dunkle Erinnerungen ihn wieder zu übermannen begannen, ehe er sie mit einem Kopfschütteln vertrieb.
      „Tu das. Wie du vielleicht merkst, bin ich nicht mehr dazu in der Lage.“, fügte er mit einem amüsierten Lächeln hinzu.
      „In die Weichteile treten... was? Alles wäre besser gewesen, als dieser Fluch...“, murmelte er vor sich hin, ehe Silver sich mit einem Seufzen durchs Haar fuhr. Es brachte auch nichts über die Vergangenheit nachzudenken. Er konnte diese sowieso nicht mehr ändern.
      Er hatte es versucht. Doch anscheinend gab es keine Magie, die einen wieder zurück in die Vergangenheit versetzte. Auch wenn viele Bücher das einen Glauben lassen wollen.
      Woher er das wusste? Er hatte eine Hexe direkt gefragt.

      Während Neona am frühen Morgen den Schmerzen des Fluchs ausgesetzt war, merkte der Unsterbliche dies nicht einmal und blieb in seinem Zimmer liegen. Die Vorhänge waren zugezogen und nur ein dünner Lichtstrahl schaffte es in das Zimmer, in welchem der darin tanzende Staub zu sehen war, doch den schlafenden Untoten erreichte er nicht.
      Es war ein leichtes für Silver einfach weiter zu schlafen und da die Tür abgeschlossen war, würde ihn wahrscheinlich an diesem Tag niemand stören.

      Außerhalb dieses kleinen, stickigen Zimmers waren die Straßen der Stadt reich belebt mit zahlreichen Leuten, von einheimischen bis hin zu schaulustigen Besuchern und sogar Händler aus weit entfernten Städten hatten die Mühen einer langen Reise auf sich genommen und boten ihre Waren mit lauter Stimme an. Was sich diese Menschen wohl vom Besuch der Hexe erhofften? Wer weiß? Vielleicht mag es Glück verheißen eine Hexe mit eigenen Augen zu sehen. Die meisten waren sicherlich neugierig. Manch einer erhoffte sich vielleicht sogar ein Gespräch unter vier Augen.
      Doch die Hexe ließ noch einige Stunden auf sich warten, während neugierige Köpfe immer wieder zu den Stadttoren blickten oder sogar vor diesen herum lungerten, um die Kutsche als erstes mit eigenen Augen sehen zu können, bevor es endlich soweit war und eine Wache an den Toren mit dem lauten Laut einer Trompete die Ankunft verkündete und die große Menschenmasse vor den Toren sachte, aber bestimmt von den Soldaten der Stadt geteilt wurden, damit die Kutsche in die Stadt hinein fahren konnte.
      Die Kutsche war ein prachtvoller Wagen, gehalten in rot und Goldtönen mit Rädern aus schwarzem Ebenholz, gezogen von prachtvollen, schwarzen Pferden und obwohl sie viele den Nacken verrenkten um einen Blick in das Innere der Kutsche zu werfen, blieben diese Versuche erfolglos, da die Fenster mit roten Vorhängen zugezogen waren.
      Erst nachdem diese ein paar Minuten lang gemächlich über die Hauptstraße gefahren war, blieb sie letztendlich stehen und das Raunen der Menschenmenge wurde lauter, die Gespräche und das Getuschel erfüllten die Straßen, als die Tür der Kutsche sich letztendlich öffnete und eine junge Frau mit langem, weißen Haar und blutroten Augen, gekleidet in einem schulterlosen, roten Kleid trat mit einem Lächeln aus dem Wagen und erhob ihre Hand, die Menschen mit einem winken grüßend. Zahlreiche Stimmen riefen ihren Namen, die rote Hexe des Mondes, versuchten mit Händen und Füßen auf sich aufmerksam zu machen, während die Soldaten sicher stellten, dass niemand auf die Straße rannte.
      Mit einem freundlichen, fast schon sanften Lächeln drehte sich die Hexe wieder um und machte sich darauf den Rest des Weges zum Rathaus zu Fuß zu gehen.
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    • Neona

      Die Morgenstunden zogen schnell ins Land und sie brachten viel Erfolg mit sich. Die gute Stimmung in der Stadt, schien die Bewohner von der diebischen Gefahr in ihrer Mitte abzulenken, weswegen sie schneller denn je einen Geldbeutel nach dem anderen zu Tage förderte. Die Sonne war ihrem Zenit schon reichlich nahe gekommen, als Neona sich mit einem Lächeln in eine der etwas weniger belebten und ruhigeren Seitengassen zurückzog. Soweit sie ihre bisherige Beute überblicken konnte, sollte sie schon einen Großteil des gewünschten Endbetrages zusammen haben, mit etwas Glück reichte es sogar schon fast. Nur noch ein paar wenige Stunden mehr und sie sollte sich die Pferde mühelos leisten können. Zugleich wäre es vernünftig eine Pause einzulegen. Nicht nur, weil die Hexe jeden Moment auftauchen könnte, sondern auch weil sich sicherlich langsam herumgesprochen hatte, dass Diebe auf den Straßen unterwegs waren. Besonders da Neona sicherlich nicht die einzige diebische Elster unter all diesen Menschen war. Gute Stimmung hin oder her, solange Menschen wussten, dass unter ihnen Diebe unterwegs waren, würden sie deutlich wachsamer sein, außerdem würden die Stadtwachen sicher bald intensiver durch die Straßen patrouillieren. Aus eben diesen Gründen trieb sich Neona ungern lange in einer Stadt herum und beschränkte ihre diebischen Stadtrundgänge auf wenige Stunden pro Tag, heute war allerdings eine Ausnahme. Silver hatte mehr als deutlich gemacht, auf keinen Fall in einer Stadt zu verbleiben, die eventuell die Hexe beherbergte, die seinen Fluch zu verantworten hatte. Nach seinem gestrigen Bericht konnte sie das auch besser denn je verstehen. Sie wollte noch immer nicht ganz begreifen, wie er dieser Hexe gegenüber keinen Hass empfinden konnte, aber vielleicht waren seine Gefühle über all die Jahre einfach nur abgestumpft? Eventuell hatte er an einem Punkt sogar Hass empfunden und fest gestellt, dass es ihn nicht weiter brachte... Sie versuchte die leidigen Gedanken mit einem Kopfschütteln zu verbannen. Die junge Frau hatte auf jeden Fall weiterhin vor, diese Hexe für ihr Verhalten zu verachten. Wenn auch indirekt, hatte sie den Tod so vieler Menschen zu verantworten... Verdammt! Selbst als er versucht hatte sich von alles und jedem in diesem verrottenden Herrenhaus abzuschotten hatten Menschen zu ihm und wahrscheinlich auch ihren Tod gefunden. Neona hätte auch Teil dieser sein sollen... Selbst wenn der Untote aus irgendeinem Grund über diesen Umstand hinwegsehen konnte, die junge Diebin würde es sicherlich nicht tun.
      Als sie schließlich aus dem Schatten der Gasse hervortrat, beschloss sie trotz der düsteren Gedanken in ihrem Kopf die gute Stimmung zumindest ein wenig zu genießen. Schließlich waren all die Hauptstraßen unfassbar schön gestaltet worden. Bunte Laken umspannten diverse Fenstersimse und verkleideten die diversen Brücken über den Fluss, welcher die Stadt in zwei Hälften teilte. Zentralmarkt und Rathaus wurden mit farbenfrohen Blumen verziert und bunte Girlanden spannten von einem Hausdach zum nächsten. Die freudige Aufregung in der Luft tat ihr Übriges, außerdem konnte sie immer wieder Gespräche belauschen, die sich um die erhofft baldige Ankunft der Hexe drehten.
      Die Mittagsstunde war bereits erreicht, als endlich laute Trompeten die Ankunft des ersehnten Gastes verkündeten. Neona verkniff es sich zu den Stadttoren zu laufen und reite sich stattdessen unter die dutzenden schaulustigen Menschen am Straßenrand der Hauptstraße unweit des Marktplatzes ein. Sie wusste nicht genau, ob sie die Hexe hier zu Gesicht bekommen würde, oder ihr überhaupt nah kommen könnte, dennoch streifte sie vorsorglich die alten Handschuhe aus ihrer Tasche über. "Etwas schlimmeres als den Tod, hm...", wiederholte sie leise Silvers Worte vom letzten Abend. Sollte er damit recht haben, war das nur noch ein weiterer Teil der Neonas Verachtung fütterte. Gleichzeitig fragte sie sich ein wenig, was Silvers düsterer Blick gestern bedeutet hatte. Warum glaubte sie nur, dass da bereits jemand vor ihr gewesen war, der oder die diese "schlimmer als der Tod"-Sache hatte erleben müssen?
      Die immer lauter und aufgeregteren Stimmen in ihrer Umgebung vertrieben diese Gedanken vorerst aus ihrem Schädel und brachten sie dazu den Blick zu heben. Es fühlte sich beinahe wie Schicksal an, als die prunkvolle Kutsche genau auf ihrer Höhe halt machte. Zumindest sollte sie damit einfach bestätigen können, ob es sich wirklich um die Hexe des Roten Blutmondes handelte oder nicht. Zugleich zog sich Neona sicherheitshalber etwas weiter in den Menschenmassen zurück und überprüfte, ob die Handschuhe ihr als wirklich ausreichend versteckten. Dann endlich schälte sich eine Gestalt aus dem Inneren der Kutsche und blutrote Augen leuchteten in einem zierlichen Gesicht auf, umrahmt von langen und weichen weißem Haar.
      Silver hatte recht, sie ist wirklich wunderschön.
      Doch offenkundig spiegelte sich diese Schönheit nicht in ihrem Charakter wider... Die Diebin beobachtete, wie die jung wirkende Hexe elegant an all den jubelnden Menschen vorbeischritt und sie mit einem feinen Lächeln bedachte. Auch die Personen direkt neben ihr gaben sich nun alle Mühe sich der Hexe zu nähern, oder sich zumindest Aufmerksamkeit zu verschaffen. Als Resultat, bekam sie links einen Ellenbogen gegen die Schulter gerammt, spürte wie mehrere Füße ihre Zehen malträtierten und vermochte dank der zunehmenden Enge kaum noch sich zu bewegen. Doch ihre Hände waren noch immer frei genug, um die gänzlich abgelenkten Passanten etwas um ihr Vermögen zu erleichtern, während sie sich alle Mühe gab langsam aber sicher dem menschlichen Schraubstock zu entfliehen. Sie hatte die Hexe gesehen und bestätigen können, wer sie war. Das Geld was sie bei ihrem Rückzug gewinnen konnte, sollte außerdem endlich genügen. Ihr Job hier war also getan. Vielleicht sollte sie direkt zum Gasthaus zurückkehren, das restliche Geld aus ihrem Zimmer holen und Silver von der Hexe berichten. Danach müsste sie nur noch die Pferde organisieren, auf dass sie kurz vor Torschluss die Stadt hinter sich lassen könnten.


    • Mit einem feinen Lächeln auf den Lippen schritt die Hexe gemächlich, fast schon langsam die Straße entlang, hob hin und wieder die Hand um die Schaulustigen zu begrüßen und der freudige Ausbruch, als ein junger Mann glaubte, sie hätte ihn mit ihrer Geste gemeint, ließ sie schmunzeln.
      Die rote Hexe des Mondes genoss die Aufmerksamkeit deutlich, spielte mit den Gedanken ihre Kräfte zu demonstrieren, um die Menschen noch mehr zu begeistern, als sie plötzlich stehen blieb.
      Die roten Augen der Hexe verengten sich, sie schien etwas suchen, als sie ihren Blick ein weiteres Mal über die Menge schweifen ließ, doch dieses Mal blieben ihre Augen an ein und dem selben Punkt hängen.
      Sie hätte schwören können, dass sie einen Funken von Silvers Fluch wahrnahm, suchte mit den Augen nach dem jungen Mann, doch verwundert musste sie feststellen, dass sie das gewohnte hell brauen Haare in der Menge nicht ausmachen konnte.
      Die leeren, toten Augen fehlten. Jeder Blick der ihr begegnete war gefüllt mit Aufregung und Hoffnung. Kein Hass, keine Angst, keine Resignation... oder welche Gefühle auch immer der Unsterbliche ihr mittlerweile entgegen brachte.
      Sicher hatte sie ihn seit mindestens hundert Jahren nicht mehr gesehen.
      Stattdessen bohrten sich die Augen der Hexe für einige Momente in den Rücken einer jungen Frau, die sich langsam aus der Menge schälte. Es hätte auch ein Mann sein können, doch weder die roten Haare, noch die Statur wollte zum Gesuchten Unsterblichen passen. Kurzerhand schüttelte die Hexe den Kopf, wandte sich von dem Anblick wieder ab und schritt stattdessen gemächlich weiter.
      Wenn Silver hier war, würde sie ihm schon früh genug begegnen, da war sie sich sicher. Ob es nun das Schicksal war, oder die Hexe selber ihre Finger darin hatte, früher oder später trafen sie sich doch, immer und immer wieder.
      Ein kleines, alles andere als freundliche Lächeln schlich sich für einen Moment auf die Lippen der Hexe bei dem Gedanken, bevor sie sich wieder darauf konzentrierte die Menge zu bespaßen und mit einer Bewegung des Handgelenks erhoben sich glänzende Luftblasen in die Luft. Von der Sonne getroffen erstrahlten sie in zahlreichen Farben, wirkten wie Eis oder Kristall. Beweis genug, dass sie eine Hexe war, nicht wahr?
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    • Neona

      Vielleicht war sie voreingenommen, aber sie glaubte Hochmut im breiten Lächeln der Hexe zu erkennen, wie sie da mit gerecktem Kinn durch die Straße flanierte und den Massen ein höfisches Winken zukommen ließ. Diese Frau genoss den Trubel um sie herum. Sie genoss es von den Menschen um sie herum geliebt und verehrt zu werden. Normalerweise hätte Neona damit kein Problem gehabt. War es denn nicht völlig normal diese Form der Aufmerksamkeit zu genießen? Nun ja, sie selbst würde es verabscheuen im Mittelpunkt all dieser Augen zu stehen, aber sie wusste, dass es genügend Menschen gab, die davon träumten einmal so bejubelt zu werden, wie diese Hexe. Das was Neona daran so störte, war dieser seltsame Ausdruck in den roten Augen der wunderschönen Frau. Sie wusste, dass sie macht über diese Menschen hatte. Sie wusste, dass sie nur mit den Fingern schnippen musste und jeder würde ihr zu Füßen liegen... In diesem Moment sah Neona in der Hexe das Abbild des ihr so verhassten Adels, der die Menschen am Hungertuch nagen ließ. Kombiniert mit dem Wissen, dass die Hexe der Ursprung für Silvers Fluch war, steig ihre Abneigung also nur noch ins Unermessliche. Um so dringender wollte sie den jubelnden Massen entkommen und schlängelte sich immer weiter voran, allerdings nicht ohne einen kurzen Blick zurück zu werfen. Umgehend erstarrte sie, als sie glaubte den roten Augen der Hexe zu begegnen, welche an Ort und Stelle verharrt war. Warum schaute sie genau in dieses Richtung? Warum wirkte es so, als würde sie etwas... nein jemanden suchen? Neonas Augen huschten zu ihrer linken Hand. under dem Handschuh war kein Anzeichen des Mals zu sehen und doch... Was wenn die Hexe es spüren konnte? Sie biss die Zähne zusammen und bemühte sich noch intensiver um einen schnellen weg aus den Menschen heraus. Selbst als sie dem erdrückenden Massen entkommen war, erlaubte sie sich noch keinen Blick zurück, sondern hastete stattdessen in eine abgelegene Gasse, nahe der Hauptstraße. Erst hier schienen die Jubelrufe auf eine erträgliche Lautstärke zu sinken und erst hier glaubte sie den suchenden Augen der Hexe entfliehen zu können. Zunächst realisierte sie nicht einmal, dass sie die Luft angehalten haben musste, was sie nun dazu zwang hastige Atemzüge zu machen... Es fühlte sich an, als wäre sie mehrere Stunden vor ihren Verfolgern davon gelaufen, dabei war es nur eine kurze Begegnung mit einer verdammten Hexe...
      Sie schüttelte den Kopf und zwang sich dazu, tiefe lange Atemzüge zu nehmen. Sollten diese roten Augen wirklich nach ihr gesucht haben, war es nur ein Grund mehr, diese Stadt so schnell wie möglich hinter ihnen zu lassen. Mit diesem gefestigten Entschluss in der Brust, setzte Neona ihren Weg durch die Gassen der Stadt fort. Sie mied jegliche größere Straßen und nahm auch diverse Umwege in Kauf um eventuelle Verfolger abzuschütteln, bevor sie schließlich wieder am Gasthaus eintraf. Wie erwartet, war es zu dieser "frühen" Stunde noch kaum besucht, weswegen Karana Zeit genug hatte sie mit einem breiten Grinsen zu begrüßen. Die junge Diebin würgte sie allerdings mit einem kurzen Kopfnicken ab, schnellte die Treppen nach oben, um wenige Momente später an Silvers Zimmertür zu klopfen. "Ich bin es, Neona. Ich... habe die Hexe gesehen." Sie zog einmal die Luft ein, spürte wie ein seltsames Gefühl der Erschöpfung über ihr einschlug, jetzt da sie sich sicher fühlte. "Kannst du mich reinlassen?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      Zunächst ließ das Klopfen den Unsterblichen nicht einmal zusammen zucken. Wie ein atmender Toter, ein Stein, blieb er weiterhin im Bett liegen, sich keinen Millimeter bewegend.
      Erst als er das Wort Hexehörte, schnellte er mit einem Mal aus seinem tiefen Schlaf auf und schnappte panisch nach Luft, als wäre die Angst vor diesen Wesen so tief in seinem Unterbewusstsein verankert, dass alleine bei dem Wort alle seine Alarmsignale ertönten.
      Er brauchte ein paar Momente, ehe er realisierte, wieso er plötzlich aufgewacht war, nur langsam sickerten die Worte in sein Bewusstsein, ehe sich der Braunhaarige ruckartig in Richtung der Tür wandte, dabei mit einem Poltern aus dem Bett fiel, bevor er endlich – mit zerzausten Haaren und schiefer, zerknautschter Kleidung – an der Tür war.
      „... und? Ist sie es?“, erkundigte er sich erst, nachdem Neona herein geschritten und er die Tür hinter sich wieder geschlossen hatte. Als müsste er fürchten, dass die Hexe ihn hören könnte.
      Vielleicht könnte sie das auch, wenn sie es wollte. In den Augen des Unsterblichen hatte die Macht einer Hexe keine Grenzen. Wenn es eine gab, dann kannte er diese nicht.
      Mit großen Schritten wanderte er zum Fenster, zog kurz den Vorhang zur Seite um nach draußen zu blicken und zog diese noch fester zusammen, als er keinem roten Augenpaar begegnete.
      Er wirkte geradezu paranoid. Aber die Tatsache, dass eine Hexe tatsächlich hier war... sein gesamter Körper schrie danach weg zu rennen. Dabei war er in diesem unscheinbaren Zimmer wahrscheinlich am sichersten.
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    • Neona

      Zunächst herrschte Stille im Raum hinter der Tür und Neona spielte mit dem Gedanken ihre Knöchel erneut gegen das alte Holz zu schlagen, als plötzliches Poltern sie überrascht und besorgt den Kopf heben ließ. War er da gerade aus dem Bett gefallen? Vom Stuhl gekippt? Bevor sie ihren Mund öffnen konnte, um Silver nach seinen Wohlbefinden zu fragen, riss sein zerzaustes Selbst auch schon die Tür auf. Sein Erscheinungsbild machte deutlich, dass er sich den ganzen Tag über nicht aus dem Bett geschält haben musste... Er hatte sich in diesem Zimmer verschanzt als hinge sein Leben davon ab. Welch eine Ironie, wenn man doch bedachte, dass er eben genau das loswerden wollte. Sein Leben. Dass ein unsterblicher Mann, der sich seinen eigenen Tod erhoffte, solch deutliche Panik wegen einer Hexe zeigte, ließ in Neona das ungute Gefühl von zuvor erneut erwachen. Sie zwang sich dazu den Kloß im Hals hinunterzuschlucken und setzte stattdessen ein mildes Lächeln auf, in der Hoffnung ihr Gegenüber damit zumindest ein wenig beruhigen zu können. "Du siehst fürchterlich aus", kommentierte sie neckend und schob sich an ihm vorbei in den Raum. "Selbst dein hübsches Gesicht kann das nicht mehr ausgleichen."
      Sie beobachtete seine nervösen Bewegungen, die Art wie er die Tür hinter ihr sorgfältig wieder schloss. Sie musste kein Genie sein, um die deutliche Paranoia und Angst in seinen Handlungen zu erkennen. "Ich befürchte ja", meinte sie ruhig und ließ sich auf einen Holzstuhl am Rande des Raumes sinken. "Sie entsprach genau deiner Beschreibung." Sie beobachtete ihn dabei, wie er vorsichtig durch das Fenster lugte, nur um die Vorhänge ruckartig wieder zu zuziehen. Sie konnte immer weniger verstehen, wie er keinen Hass gegenüber dieser Hexe empfinden konnte, nachdem allein die Erwähnung ihrer Existenz solch panische Angst in ihm auszulösen vermochte... Nun, wenn Silver sich dazu entschieden hatte, lieber Angst als Abneigung zu empfinden, dann würde Neona einfach das passende Gegenstück zu ihm bilden müssen. "Sie ist mit einer unfassbaren Selbstgefälligkeit über die Straßen gelaufen, als müsse man sie einer Göttin gleich in den Himmel preisen", grummelte die Diebin abfällig. "Sie hat die Kutsche extra einige Meter vor dem Rathaus stoppen lassen, um sich im Jubel der Menschen baden zu können." Sie erhob sich wieder von ihrem Sitzplatz und schritt langsam auf ihren beinahe zitternden Begleiter zu, legte vorsichtig ihre Hand auf ihre Schulter. "Wir können heute noch die Stadt verlassen. Sobald die Sonne untergeht können wir die Pferde holen und direkt von da aus losreiten. Wenn wir kurz vor Torschluss verschwinden, wird es schwierig werden uns zu verfolgen und wenn wir die Nacht durchreiten haben wir in kürzester Zeit reichlich Abstand zwischen dich und diese elende Hexe gebracht, okay?"
      Ob sie ihm sagen sollte, dass die roten Augen der Frau scheinbar nach ihr gesucht hatten? Sollte Neona ihm berichten, dass sie befürchtete, dass ihr Fluch die Hexe auf sie aufmerksam gemacht hatte? Nach kurzem überlegen presste sie die Lippen entschlossen zusammen. Silver schien auch ohne dieses Wissen schon halb in Panik zu verfallen, sie wollte ihm nicht noch mehr Angst bereiten. Also klopfte sie ihm einfach nur zweimal beruhigend auf die Schulter und kleisterte sich ein aufmunterndes Lächeln ins Gesicht. "Mach dir keine Sorgen, so ein aufgetakeltes Weib wie sie, würde sich niemals in diese Gassen verirren. Mal abgesehen davon, dass sie nicht einmal weiß, dass du hier bist. Wir werden verschwunden sein, bevor dies jemals erfahren könnte. Bis dahin solltest du dich noch etwas ausruhen und vielleicht etwas damit" - sie deutet auf sein zerzaustes Haar und die zerknitterte Kleidung - "tun." Langsam entfernte sie sich wieder von ihm und schritt zurück zur Tür. "Ich wette du hast heute noch nichts gegessen, richtig? Ich werde Taron darum bitten dir etwas zusammenzustellen. Du solltest bei Kräften sein, bevor wir aufbrechen."