How to break a curse [Marien&Royal]

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    • Bei Neona...

      Verwundert riss das Narbengesicht die Augen auf, als er nur noch lose Haarsträhnen in der Hand hielt und stolperte ein paar Schritte zurück, vom plötzlichen Verlust des Widerstandes, auf welchen ein stechender Schmerz in seinem Arm folgte, doch dieses Mal hielt er den Schmerzensschrei zurück und biss sich auf die Zunge, seine Augen brannten voller Hass, als er die freie Hand auf die neue Wunde auf seinen Arm drückte, um die Blutung zu stoppen.
      Es juckte ihm in den Fingern der jungen Frau vor seinen Augen einfach den Hals umzudrehen, dabei zu zu sehen wie langsam das Leben aus ihren Augen verschwand und wie sie begann zu bereuen sich gegen ihn gewehrt zu haben. Sie hätte ihm doch nur das Artefakt geben müssen, was um alles in der Welt war nur so schwer daran?!
      Im Gegensatz zu Neona hatte dieser Mann keinerlei Skrupel was das Töten anging, wahrscheinlich gehörte es sogar zu seinem Beruf. Doch die Rothaarige durfte er nicht töten... zumindest noch nicht.
      So stand er nur vor ihr, die vor Hass brennenden Augen auf sie gerichtet, von ihrem Gesicht zur Klingen in ihren Händen wandernd, während er überlegte, wie er sie schnellst möglichst wieder außer Gefecht setzte... und sich rächen könnte.
      „Hmpf. Das gerade war nur Glück, kapiert?! Sei ein braves kleines Mädchen und leg die Waffe weg... dann muss niemand sterben.“, grinste er noch immer überheblich, sein Stolz erlaubte es nicht zu glauben, dass ausgerechnet eine junge Frau in der Lage sein sollte ihn zu töten.
      Was für eine unsinnige Welt wäre das denn?
      Und dennoch schien er es nicht darauf ankommen lassen zu wollen. Oder womöglich wollte er sie nur verhöhnen. Wahrscheinlich traf beides zu.

      „... er hat recht. Leg den Dolch weg und niemand muss sterben.“, gesellte sich eine weitere Stimme hinzu und ein junger Mann gesellte sich zu den Beiden dazu. Er trug ähnliche Kleidung wie das Narbengesicht und war mindestens genauso gut bewaffnet, war jedoch deutlich dünner gebaut und wirkte nicht ganz so stark, dafür war sein Gesicht umso verschlagener.
      „... du willst doch Leben, nicht wahr?“, lockte er Neona mit einem schiefen Grinsen, wohl wissen, dass sie durchaus Leben wollte. Nun, wer wollte das auch nicht?
      „Hättest du einfach wie vereinbart das Artefakt zum Lord gebracht wäre alles so viel einfacher gewesen...“, seufzte der Blonde und schüttelte dabei bedauernd den Kopf.
      „Natürlich kennen wir einen Weg den Fluch zu lösen...“, warf er seinem Kollegen einen Blick zu, um sicher zu gehen, dass er verstand bei dieser Lüge mitzuspielen, „... wir haben dir nur nichts über den Fluch gesagt, weil wir dir keine Angst machen wollten. Außerdem....“, hob der junge Mann daraufhin eine Haarlocke hoch, die er mit einem Stück Schnur zusammen gebunden hatte. Es waren Silvers Haare.
      „Was auch immer du dir von diesem Mann erhofft hast: gib auf. Er ist tot. Du hättest den armen Kerl niemals da rein ziehen sollen, findest du nicht auch? Wir... nein, der Lord ist deine einzige Chance.“
      Harun schien seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen nicht besonders erfreut über diesen Verlauf des Geschehens zu sein, gab einen genervten Laut von sich, fügte sich jedoch in den Moment und hielt weiterhin die Hand auf seine Wunde gepresst.
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    • Neona

      Anscheinend war ihr Angreifer besonnener als sie zunächst erwartet hatte. Sie sah, wie er die Klinge in ihren Händen ins Auge fasste und einen unbedachten Angriff vermied. Bei seinen Worten brachte sie allerdings nur ein abfälliges Schnauben hervor. Selbst ein Blinder würde erkennen, dass seine Worte nicht der Wahrheit entsprachen. Neona kannte diese Spielchen... Wie viele ihrer Diebeskollegen waren schon wegen solcher Deals umgekommen? Viele von ihnen waren praktisch wie vom Erdboden verschluckt wurden. Bisher war sie selbst schlau genug gewesen, in keines von ihnen verwickelt zu werden, aber es gab offenbar für alles ein erstes Mal. Dabei hätte sie sich denken sollen, dass das Angebot für diesen Auftrag zu gut gewesen war, um wahr zu sein.
      Gerade wollte sie dem Narbengesicht einen weiteren bissigen Kommentar entgegenwerfen, in der Hoffnung, dass sein gesteigerter Zorn ihn unvorsichtig werden ließ. Eine neue unerwartete Stimme ließ sie allerdings erschrocken umfahren. Ihre Klinge war immer noch auf das Narbengesicht gerichtet, während ihre Augen verwundert den Neuankömmling begutachteten. Im Gegensatz zum Narbengesicht glaubte sie nicht, ihn schon einmal gesehen zu haben, allerdings machte sein Auftreten in Kombination mit der "Uniform" deutlich, dass beide zum selben Team gehörten.
      "Eben weil ich leben will, habe ich nicht vor jemanden wie euch zu vertrauen", knurrte sie und ließ die Spitze ihres Dolches von einem Mann zum anderen zucken. "Und bitte versucht mich nicht für dumm zu verkaufen. Wenn ihr wirklich wüsstet, wie man den Fluch brechen kann, dann hätte euer 'Lord'" - sie sprach das Wort so abfällig wie möglich aus - "sicherlich nicht eine dreckige Straßendiebin für den Job engagiert, sondern einen seiner ausgebildeten Männer geschickt. Jemand wie ich ist allerdings kein großes Opfer." Sie verachtete sich selbst für die leise Stimme in ihrem Hinterkopf die säuselte: Und wenn er doch die Wahrheit sagt? Sie schüttelte ihren Kopf heftig von links nach rechts. Dieser Fluch war so mächtig gewesen, dass er sogar Silvers tödliche Berührung neutralisieren konnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Auftraggeber ein Heilmittel dafür kannte, war verschwindend gering. Ähnlich wie ihre Chancen heil aus dieser Situation zu kommen. Aber als wäre all das hier nicht schon schlimm genug, hielt der Neuankömmling nun auch noch triumphierend eine Haarlocke in die Höhe. Der helle Braunton, der schon fast an blond grenzte kam ihr erschreckend bekannt vor...
      "D-du kannst nicht beweisen, dass das wirklich seine Haare sind." Warum musste ihre Stimme genau jetzt brüchig werden? Und warum machte sie sich plötzlich solche Sorgen um den Untoten? Dabei hatte er ihr doch immer wieder versichert, dass man ihn nicht töten könnte... zumindest nicht für lang. Aber was, wenn dieser Kerl recht hatte? Es musste immerhin einen Grund geben, warum er so sehr darauf beharrte Silver getötet zu haben. Wie lange dauerte es, bevor der Untote erneut erwachte? Sein Angreifer wusste wahrscheinlich nicht, dass er unsterblich war und hatte einfach eine Strähne seiner Haare entfernt und war dann direkt hierher gekommen... Doch selbst wenn das bedeuten sollte, dass Silver schon bald wieder gesund und munter wäre, änderte es nichts daran, dass Neona ihn in diese Sache hineingezogen hatte, ohne ihn auch nur vorzuwarnen. "Selbst wenn du recht haben solltest, habe ich noch lange keinen Grund euch zu helfen. Wenn ich sterbe, werdet ihr nie wieder eine Chance erhalten das Artefakt zu finden. Auch wenn es meinen Tod bedeuten würde, wäre es zumindest eine gute Revanche für all den Ärger, den mir euer Lord bereitet hat."
    • Bei Neona...

      „... du erkennst sein Haar nicht?“, hob der Blonde verwundert eine Augenbraue und konnte kaum glauben, dass Neona es nicht sofort erkannte.
      „Ich dachte das würdest du, immerhin habt ihr euch ein Zimmer geteilt...“, murmelte er nachdenklich mit Blick auf die Strähne, da er gehofft hatte, dass dieser Beweise reichen würde und ließ dabei durchblicken, dass sie die beiden schon länger beobachteten.
      „... wenn du einen Beweis brauchst, ich kann dir gerne die Leiche zeigen.“, legte sich ein breites Lächeln auf die Lippen des Mörders, das einen gewissen Stolz durchblicken ließ.
      Seine Mundwinkel wanderten jedoch ziemlich schnell wieder nach unten und der Blick des Blonden verdunkelte sich, als die Rothaarige deutlich machte, dass Silvers Tod nichts an ihrer Entscheidung ändern würde. Sie glaubte ihnen nicht.
      Für ein paar Stille Momente hielt der Kerl weiterhin die Haarlocke erhoben, darauf wartend, dass Neona ihre Entscheidung noch einmal überdenken und sich umentscheiden würde. Aber das tat sie nicht. Das konnte er deutlich in ihren Augen erkennen.
      Ein tiefes Seufzen rollten über seine Lippen, als er die Strähne wieder einpackte.
      „Wirklich schade... und ich dachte wir könnten das auf die einfach Art und Weise regeln.“, zog der Blonde nun ein Messer und machte mit einem Nicken seinem Kollegen klar, dass sie gemeinsam angreifen würde. Wie schwer könnte es schon werden die Rothaarige zu zweit zu überwältigen?
      Doch dazu kam es gar nicht erst.
      Denn mit einem Mal baute sich ein Schatten hinter dem Blonden auf und bevor er überhaupt realisieren konnte, was gerade geschah, griff eine Hand nach ihm, legte sich um seinen Hals.
      Kaum hatte die Hand die nackte Haut berührt, krampfte der Blonde zusammen, ließ seine Waffe fallen und sein Gesichtsausdruck war von einem höllischen Schmerz erfüllt, ein Schrei – gleich einem sterbenden Tier – wurde von einer weiteren, behandschuhten Hand erstickt. Als würde er das nicht zum ersten Mal tun.
      Ausgehend vom Hals verfärbte sich die Haut schwarz, breitete sich in Sekunden schnelle über seinen ganzen Körper aus, bevor sich dieser auflöste und nur noch die Kleidung und Ausrüstung des Mannes in Staub und Asche übrig blieben.
      Harun konnte das Geschehen nur mit vor Schock geweiteten Augen anstarren, er begann sogar zu zittern und ging einen Schritt zurück.
      „Du... du solltest doch tot sein...“, kam über seine Lippen, während Silver nur ein Seufzen von sich gab und die Hand ausschüttelte, als wäre der Tod des Blonden nur eine nervige Angelegenheit gewesen, bevor er sich den Handschuh wieder überzog und seinen leeren Blick an das Narbengesicht wand.
      Der Unsterbliche wirkte nicht mehr wie der Mann, dem Neona im Anwesen begegnet war. Die von Hunger eingefallenen Wangen fehlten, auch der Rest seines Körpers hatte wieder an Fülle gewonnen. Er wirkte nicht im geringsten, als hätte er Jahrzehnte gehungert und gedurstet.
      Vor allem fehlte keine einzige Strähne.
      Instinktiv drehte sich der Riese um und wollte fliehen, immerhin hatte er gerade ein Monster gesehen.
      Doch er kam nicht weit, als ein Schatten von den Dächern sprang, auf dem Rücken des Fliehenden landete und ihm eine Kopfnuss verpasste, damit dieser sein Bewusstsein verlor.
      „Ahhh... da macht man sich schon die Mühe sich zu überlegen wie man die holde Maid in Nöten rettet und dann kommt jemand und stiehlt einem die Show...“, füllte ein bedauerndes Seufzen die Luft und der Schatten schüttelte den Kopf, bevor sich dieser erhob und die Kapuze seines Mantels zurück zog, um blaue Augen, kurze blonde Haare und ein Lächeln, das einen geradezu anflehte einem zu vertrauen, zum Vorschein kam.
      Ladron Pears.
      Ein Diebeskollege von Neona, der ihr nicht fremd war. Sie hatten bereits das ein oder andere Ding miteinander gedreht, Informationen ausgetauscht oder musste es über sich ergehen lassen, dass der Blonde mit ihr flirtete, wann immer er die Chance dazu bekam.
      Ob sie ihm wohl mittlerweile verziehen hatte, dass er beim letzten Mal bei Nacht mit dem Diebesgut abgehauen war? Er hoffte es zumindest.
      „Lang nicht mehr gesehen, Rotkäppchen! Woah, hast du eine neue Frisur? Bist ja noch hübscher geworden! Und... ein neuer Freund?“, näherte er sich den Beiden, bei jedem einzelnen Schritt bereit anzuhalten, sollte einer der Beiden anstalten machen ihn anzugreifen... doch seine Augen leuchteten vor Neugier. Wer wusste schon, wie viel er mitbekommen hatte? Wie lange Ladron wohl schon auf dem Dach gelauert hatte?
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    • Neona

      Ihr Verdacht festigte sich. Man hatte sie schon über längere Zeit beobachtet... Wahrscheinlich sollte sie sich darüber freuen, dass man sie nicht schon im Zimmer des Gasthauses überfallen hatte. Oder sollte das Ekelpaket von gestern Abend die Vorhut gewesen sein? Auf jeden Fall schämte sie sich ein wenig darüber, dass ihr diese Verfolger so lange nicht aufgefallen waren. Dabei hatte sie sich doch so viel Mühe gegeben, sich im Verborgenen zu bewegen... Scheinbar war sie doch nicht so gut, wie sie es immer gedacht hatte. Wahrscheinlich war es reines Glück gewesen, dass sie das Artefakt verstecken konnte, bevor diese elenden Mistkerle Wind davon kriegen konnten. Gleichzeitig war sie sich nun absolut sicher: Diese Sache war deutlich größer als zuvor gedacht. Das alte Medaillon war um einiges wichtiger und wertvoller als ihr zunächst bewusst gewesen war... Sollte sie all das hier überleben, könnte sie mit dem Teil vielleicht sogar einen Weg finden sich eine gute Zukunft aufzubauen. Gleichzeitig stand diese Zukunft auch auf wackeligen Beinen, schließlich glaubte sie nicht, dass sie ihre mörderischen Verfolger so schnell los werden würde. Eventuell müsste sie mit ihrem kleinen Bruder zusammen sogar das Land verlassen...
      All das waren Probleme mit denen sie sich aber erst befassen konnte, nachdem sie diesen Fluch losgeworden war, genauso wie die Prügelknaben vor sich. Ihr ganzer Körper spannte sich an, als sowohl Blondschopf als auch Narbengesicht sich für den Angriff vorbereiteten. Kaum eine Sekunde später zeichnete allerdings eine Mischung aus Erleichterung, Überraschung und Verwirrung ihre Mimik. Er hatte sich verändert, sehr sogar, dennoch erkannte Neona ihren unsterblichen Begleiter sofort. Er war also doch noch am Leben. Hatte seine Wiedererweckung nach dem Tod etwa solche... verjüngende Effekte auf ihn? War sein Gesicht zuvor noch von Durst und Hunger gezeichnet, schien er nun das blühende Leben zu verkörpern. Für den Blondschopf bedeute der Untote allerdings das exakte Gegenteil. Sie musste die Augen schließen, als sie verstand, was da gerade passierte und auch wenn der Schrei des Blondschopfes gedämpft sein mochte, konnte sie nur erahnen welche Schmerzen gerade durch seinen Körper schießen mussten. Ein Körper der Momente später nur noch aus dunkler Asche bestand... Sie hatte gehofft nie sehen zu müssen, wie Silver einen Menschen tötete. Sie wusste nicht was sie sagen sollte, wusste nicht wie sie reagieren sollte. Sollte sie entsetzt sein? Ängstlich? Oder doch dankbar, da er sie aus einer potentiell tödlichen Situation gerettet hatte? Vielleicht müsste sie sich sogar eher bei ihm entschuldigen, immerhin war sie der Grund dafür, dass diese Situation überhaupt zustande gekommen war.
      All diese sich überschlagenden Gedanken führten letztendlich dazu, dass sie gar nichts mehr sagen konnte. Stattdessen starrte sie Silver einfach nur weiter fassungslos an. Das Narbengesicht hingegen schien genau zu wissen, wie er reagieren musste und wollte soeben das Weite suchen, als auch ehr unsanft aufgehalten wurde. Als wäre der Tag nicht schon chaotisch genug gewesen, schien sich nun auch noch eine weitere Person einmischen zu wollen. Zumindest musste sie sich nicht lange fragen, wer der seltsame Kapuzenträger war. Schon alleine die Stimme, die nun durch die Gasse hallte war der jungen Frau mehr als bekannt. Die strahlend blauen Augen, die ihr wenig später entgegenstrahlten waren ihr auch absolut vertraut.
      "Ladron... Was beim Namen der Götter machst du hier?" Hatte sie heute nicht schon genug Überraschungen erleben müssen? Was machte dieser Schürzenjäger nun auch noch hier? Er mochte zwar kein schlechter Kerl sein und in der Vergangenheit hatte er sich mehr als einmal als ein nützlicher Partner erwiesen, aber er war gleichzeitig auch unglaublich lästig. Neona konnte nicht verstehen, warum er sich gerade ein Mädchen wie sie ausgesucht hatte, um seine billigen Flirtstrategien zu erproben... Vielleicht versuchte er in ihrer Abwesenheit aber auch das Gleiche bei jeder anderen Frau, auch wenn die junge Diebin bezweifelte, dass er damit je Erfolg haben könnte. "Wenn du glaubst, dass ich dir nach diesem billigen Auftritt verzeihen werde, dann bist du falsch gewickelt." Es war keine Seltenheit, dass Diebe bei einer gemeinsamen Mission alleine mit den Schätzen verschwanden. Allerdings hatte Neona geglaubt Ladron vertrauen zu können, nachdem sie schon öfter miteinander gearbeitet hatten. Der Umstand, dass er eben dieses Vertrauen so kalt hintergangen hatte, hatte sie mehr gekrängt als sie zugeben wollte. "Außerdem ist er nicht wirklich ein... 'Freund'", meinte sie nun mit einem Blick zu Silver. "Er ist eine Art Partner für eine gemeinsame Mission."
    • Silverius 'Silver' Magnus & Landron Pears

      Der Unsterbliche wusste nicht so recht, mit welcher Reaktion er gerechnet hatte. Angst vielleicht? Komplette Furcht in den Augen der Rothaarigen? Dankbarkeit war es sicherlich nicht, immerhin war es nicht das erste Mal, dass er vor den Augen eines anderen ein Menschenleben auslöschte. Und wenn er ehrlich war, hatte er es auch gar nicht für sie getan. Er hatte verdammt schlechte Laune, die Kopfschmerzen plagten ihn noch immer und er war sich nicht so recht sicher, wie oder wodurch er gestorben war, aber er wusste, dass der blonde Mann seine Finger im Spiel hatte.
      Also hatte er sein Leben ausgelöscht, ohne groß darüber nachzudenken. Und dabei Neona aus dieser ausweglos wirkenden Situation geholfen.
      Silver konnte ihren Blick auf sich spüren, traute sich aber nicht so recht von seinen Händen aufzublicken, während er sicher ging, dass der Handschuh wieder anständig saß. Eigentlich sollte es ihm egal sein, was die Rothaarige über ihn dachte. Immerhin waren sie nur eine Zweckgebundene Gemeinschaft, nicht mehr, nicht weniger. Und dennoch fürchtete er sich davor, was er in ihren Augen sehen könnte.
      Zu seinem Glück – oder vielleicht auch zu seinem Pech, denn kaum hatte das Kapuzengesicht den Mund aufgemacht, war Silver auch schon genervt von diesem – wurden sie beide abgelenkt und mussten sich nicht mehr mit dem, was gerade passiert war auseinander setzten.
      Der Untote blickte auf, zog die Augenbrauen zusammen als er den Blick des Blonden erblickte und die Neugier in seinen Augen gefiel ihm ganz und gar nicht.

      „Awwww... komm schon! Das ist doch ewig her!“, machte der blonde Dieb eine wegwerfende Handbewegung, in der Hoffnung die Rothaarige würde seinen Verrat schnell abtun, immerhin schien es hier um größeres zu gehen und wenn etwas für ihn dabei heraussprang, war Ladron mehr als nur erpicht darauf teil dieser Mission zu werden.
      Er überbrückte die letzten Schritte an Distanz zwischen den Beiden und ließ seine Hand durch ihr nun kürzeres Haar fahren.
      „Deine armen Haare, dabei sind sie doch gerade erst wieder länger geworden... wie wärs? Soll ich dir die Strähnen als Wiedergutmachung zurecht schneiden? Ist ziemlich uneben geworden. Nicht, dass das deine Schönheit mindern würde, Rotkäppchen.“, schlug er mit einem breiten Grinsen vor und rückte ihr sogar noch einen Schritt näher.

      „... ich nehme an du kennst den Kerl?“, erhob nun auch endlich Silver seine Stimme, die genauso wie der Rest seines Körpers nun deutlich erholter wirkte. Seine Hand lag noch immer um sein Handgelenk, als würde er überlegen ob er den Handschuh wieder abstreifen und den Blonden Dieb berühren sollte.
      „Mhm, ich bin ihr heimlicher Verehrer!“, grinste der Blonde breit, geradezu stolz darauf. Auch wenn nichts an dieser Aussage heimlich war.
      „Und du? Bist du ein Magier?“, erkundigte er sich neugierig und machte damit deutlich, dass er mitangesehen hatte wie der andere Mann zu Asche zerfiel.
      Silver gab keine Antwort. Sein Blick verdunkelte sich nur.
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    • Neona

      Die ganze Situation war viel zu durcheinander, als dass Neona einen klaren Gedanken fassen konnte. Zuerst wurde sie aus dem nichts attackiert, um wenig später mit ansehen zu müssen, wie ein Mensch zu Asche zerfiel. Und jetzt stand auch noch diese Nervensäge eines Diebes viel zu nah vor ihrem Gesicht.
      "Halte deine Finger fern von mir, Ladron", zischte sie unwillig und stieß die Hand des Blondschopfes beiseite. Gleichzeitig frustrierte sie es, dass sein Angebot seltsam verlockend klang. Ihre Haare waren noch nie sonderlich schön frisiert oder geordnet gewesen, doch nachdem sie diese nun noch weiter gestutzt hatte, mussten sie schrecklicher als je zuvor aussehen. Gleichzeitig wusste sie, dass Ladrons geschickte Finger selbst aus diesem elenden Vogelnest etwas Ansehnliches zaubern könnten. Zugeben würde sie das allerdings sicher nicht, stattdessen wendete sie sich an Silver. "Er ist ein alter Bekannter und Diebeskollege", erklärte sie ihm, bevor sie über Ladrons Worte abfällig ausschnaubte. Heimlicher Verehrer? Eher eine anhängliche Nervensäge. Seitdem er sie das letzte Mal hintergangen hatte, hatte sie sich außerdem geschworen mehr Abstand zu ihm zu halten. Ja, sie war auch irgendwie selbst Schuld gewesen. Wie hatte sie nur so naiv sein können, um dem Schürzenjäger so sehr zu vertrauen? Wahrscheinlich hatte er genau darauf gewartet. Hatte sie umgarnt, sich bei mehreren gemeinsamen Missionen als vertrauenswürdig bewiesen, um sie im richtigen Zeitpunkt zu hintergehen... Sie hätte es besser wissen müssen. Letztendlich war sie ihm deswegen nicht einmal wirklich böse. Er war ein Dieb, genauso wie sie und auch Neona hatte in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal mit gezinkten Karten gespielt. Wenn sie auf jemanden sauer war, dann auf sich selbst... Doch sie würde aus ihren Fehlern lernen und ihr Vertrauen nie wieder so leichtfertig verschenken.
      Sie machte mehrere Schritte zur Seite, um deutlichen Abstand zwischen sich und den Blondschopf zu bringen, bevor sie unwillig ihre Stirn runzelte. Offenkundig hatte er das Schauspiel in der Gasse länger beobachten können, als ihr lieb war... Aber solange er nur glaubte, dass Silver ein "einfacher" Magier war, sollte ihr das Recht sein. "Das hier ist eine Nummer zu groß für dich, Ladron", erklärte sie nun mit dunklem Unterton. "Außerdem wirst du keinen Vorteil gewinnen, wenn du dich in unserer Nähe aufhältst. Das hier ist keine Mission, bei der man Geld verdienen kann." Sie kannte den von Neugier durchdrängten Blick in den strahlend blauen Augen und wusste, dass sie den Kerl so schnell wie möglich vertreiben musste, bevor auch er in all diesen Ärger mit hineingezogen wurde. Sie konnte nicht behaupten, ihn sonderlich gern zu haben, aber sie könnte sich dennoch nie verzeihen, sollte er wegen ihr verletzt werden... oder schlimmeres. "Ich habe keine Ahnung, was du in dieser Stadt zu suchen hast, aber ich empfehle dir, deine eigenen Angelegenheiten zu erledigen und dich ansonsten von uns fern zuhalten."
    • Silverius 'Silver' Magnus & Ladron Pears

      „Komm schon, sei nicht so streng zu mir, ich wollte doch nur nett sein.“, schien der blonde Dieb etwas über die Zurückweisung der Rothaaringe zu schmollen und rieb sich die Stelle an seiner Hand, an der sie ihn zurückgestoßen hatte, als würde die Stelle schmerzen.
      Schnell jedoch legte sich wieder ein verschmitztes Lächeln auf seine Lippen. So sehr konnte es ihn also nicht verletzt haben.
      „Mhm. Landron Pears, einer der besten Diebe in der Gegend, Mister... wie war ihr Name noch gleich?“, verbeugte sich der Blonde in einer spielerischen Geste, als er als Bekannter und Diebeskollege vorgestellt wurde.
      „Aber das tut nun wirklich weh, Rotkäppchen. Sind wir nicht Freunde?“, grinste er, dabei vollkommen die Tatsache vergessend, dass Freunde sich nicht gegenseitig bestahlen. Oder vielleicht war das einfach ein Teil der Freundschaft zwischen Dieben für ihn.
      „... mh? Nicht? Was springt denn dann für dich dabei raus?“, hob der Blonde fragend eine Augenbraue, als es hieß, dass es kein Geld zu verdienen gab.
      „Du bist doch sonst keine Wohltäterin... komm schon, mir kannst du es doch verraten.“, überbrückte er die Distanz zwischen den Beiden wieder und stieß ihr mit dem Ellenbogen in die Seite, „Was springt für dich dabei raus? Es muss doch etwas großes sein, wenn...“, sein Blick glitt zu Silver, der sich noch immer weigerte sich vorzustellen, „... du mit einem Magier unterwegs bist.“
      Immerhin geschah es nicht jeden Tag, dass man einem Magier begegnete.
      Auch wenn Magie langsam seinen Weg in die Gesellschaft fand und vor allem die großen Städte mit Magiesteinen versorgt wurden, so war es dennoch selten einen waschechten Magier mit eigenen Augen zu sehen. Und diese waren genauso selten wie wertvoll.
      Die Empfehlung sich fern zu halten schlug der Dieb sogleich gegen den Wind.
      „... sie hat recht. Es geht dich gar nichts an. Verschwinde.“, mischte sich nun auch endlich Silver ein, bevor er sich bückte um die Kleidung und Ausrüstung des Toten aufzuheben, eingewickelt in den Mantel hatte er offensichtlich vor die Sachen mitzunehmen.
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    • Neona

      "Wenn du 'nett' sein willst, dann halte dich einfach von mir fern. Das ist alles was ich mir im Moment von dir wünsche", entgegnete Neona abfällig und entfernte sich einen weiteren Schritt.
      Tatsächlich hatte es da mal eine Zeit gegeben, in der Neona den Blondschopf als eine Art Freund betrachtet hatte, doch diesen Titel hatte er gekonnt verspielt. "Einen 'Freund' wie dich brauche ich nicht", stellte sie daher düster klar.
      Natürlich wollte er nicht ablassen. Sie bildete sich sogar ein, dass Ladrons Neugier nur noch mehr stieg, desto mehr sie versuchte ihn loszuwerden. Eigentlich hatte dieser Kerl bei solchen Sachen sonst auch einen recht guten Riecher, aber dieses Mal mischte er sich in Dinge ein, die im schlimmsten Fall seinen Tod bedeuten könnten und ihm ansonsten keinen Nutzen einbrachten. Vielleicht genoss er es aber auch einfach zu sehr, Neona zu ärgern... Um genau diesen Verdacht zu festigen, schob er sich nun auch wieder eng neben sie und entlockte der jungen Frau ein unwilliges Grummeln, als er seinen Ellenbogen in ihre Seite stieß. "Glaub mir, wenn ich nicht praktisch dazu gezwungen wäre, würde ich meine Zeit auch mit gewinnbringenderen Unternehmungen verbringen", erklärte sie. Sie weigerte sich, tiefer ins Detail zu gehen. Nicht nur, dass Ladron sie als Folge mit mehr Fragen löchern würde, es könnte ihn zudem auch nur weiter in Gefahr bringen. "Sagen wir einfach, dass ich ein paar Schwierigkeiten habe, die ich mit seiner Hilfe eventuell aus der Welt schaffen kann. Du kannst hier also keinen lukrativen Deal für dich herausschlagen, sondern dir maximal Ärger mit diesen Kerlen einfangen." Sie nickte kurz zu dem Staubhaufen, dessen Kleidung gerade in Silvers Besitz überging, wie auch zu dem bewusstlosen Narbengesicht. Ladron musste ihm heftig zugesetzt haben, da er sich in den vergangenen Minuten kein bisschen bewegt hatte. "Es wäre also wirklich das Beste, wenn du auf uns hörst und verschwindest." Kurz versuchte sie einen ähnlich düsteren Ton wie Silver anzuschlagen, allerdings schien der Untote deutlich geübter darin zu sein.
      "Was machen wir eigentlich mit ihm?" Wieder huschten ihre Augen zum bewusstlosen Hünen. Wenn möglich würde sie gerne darauf verzichten einen weiteren Menschen in Staub zerfallen zu sehen... Aber wenn sie ihn einfach gehen ließen, könnte er den beiden bald erneut auflauern. Sie stieß ein langgezogenes Seufzen aus, stieß Ladron etwas grob von sich und näherte sich Silver. "Es ist besser, wenn wir die Stadt heute noch verlassen", raunte sie dann leise, auf dass die blonde Nervensäge nichts mitbekam. "Das mag zwar heißen, dass wir auf den Rest deines Lohns verzichten müssen, aber solange das Narbengesicht bewusstlos ist haben wir eine gute Chance unsere Verfolger abzuschütteln." Sie wusste nicht genau, ob neben dem Hünen und seinem nun verstorbenen Kollegen noch weitere Handlanger in der Stadt waren. Doch sie hegte ernste Zweifel daran, immerhin wäre ansonsten schon lange Verstärkung angerückt. Wenn sie sich also beeilten und unbemerkt die Stadt verließen, dürfte es für ihren Auftraggeber schwer werden, Neonas Spur so schnell wieder aufzunehmen. Besonders da sie ab jetzt deutlich vorsichtiger Vorgehen würde. "Sobald wir hier raus sind... werde ich dir auch erklären, warum diese Männer hinter uns her sind." Sie war ihm schon seit geraumer Zeit eine Erklärung schuldig. Eigentlich hätte sie ihn auch vorwarnen müssen.
    • Landron Pears

      „Wie kaltherzig von dir...“, schmollte Landron mit vor der Brust verschränkten Armen, als man ihm an den Kopf warf, dass man einen Freund wie ihn nicht brauchte. Ob er nun von ihr ablassen würde? Selbstverständlich nicht!
      „Komm schon Rotkäppchen, ich will doch nur helfen... sieh es als Wiedergutmachung für letztes Mal, okay?“, versuchte er es weiterhin mit einem charmanten Lächeln – auch wenn er ganz sicher nicht einfach nur helfen wollte, aber das würde er natürlich nicht laut aussprechen – aber natürlich wurde er nur weiterhin ignoriert, was ihm ein tiefes Seufzen entlockte und mit verschränkten Armen beobachtete er Neona und den Fremden, wie sie sich untereinander unterhielten.
      Da er wusste, dass die Rothaarige es merken würde, wenn er einen Schritt näher kam um zu lauschen, blieb er wo er war und lenkte seinen Blick letztendlich auf den Bewusstlosen Schlägertypen... vielleicht konnte er ja diesem ein paar Informationen entlocken?

      Silverius 'Silver' Magnus

      Silvers Augen huschten von Neona zu dem bewusstlosen Hünen hinüber und wieder zurück, als er gefragt wurde, was man mit ihm machen sollte. In seinen Augen war es klar, einfach und logisch: er würde ihn einfach berühren und damit das Problem aus der Welt schaffen.
      Er mag kein Freund davon zu sein Menschen zu berühren und ihnen das Leben zu rauben, scheute sich aber auch nicht davor es zu tun, wenn er einen guten Grund dafür hatte, wie man an den staubigen Kleidern in seinen Armen bezeugen konnte.
      Daher wunderte es ihn ein wenig, dass Neona überhaupt fragte und ein leichtes, amüsiertes Lächeln legte sich auf seine Lippen, als ihm bewusst wurde, dass die Rothaarige den Hünen verschonen wollte. Wieder kamen ihm zwei Worte in den Sinn. Zu nett.
      Oder war er einfach zu kalt geworden?
      „Verstehe... also sind diese Männer auf deinen Mist gewachsen?“, war es mehr eine Feststellung als eine Frage, als Neona meinte ihm eine Erklärung zu schulden. Sicherlich wäre es deutlich von Vorteil gewesen, wenn sie es ihm früher gesagt hätte, dann wäre er vielleichtetwas vorsichtiger gewesen... okay, nein, wäre er nicht, aber dann hätte er wenigstens gewusst, dass die Rothaarige womöglich in Schwierigkeiten steckte.
      Und er brauchte sie. Bei dem Gedanken, was er tun würde wenn sie sterben oder verschwinden würde, sein letzter Ausweg aus diesem Leben, ballte er die Hand zur Faust.
      Dann würde er endgültig den Verstand verlieren. Und das war sicherlich schlimmer für den Rest der Welt, als für ihn.
      „Sicherlich hast du Recht, wir sollten verschwinden, trotzdem... meinst du nicht, dass wir ihn aus dem Weg schaffen sollten?“, wies er mit der Schulter in Richtung des bewusstlosen Mannes, bevor er sich verschwörerisch noch ein weniger tiefer zu Neona bückte, „Und wenn wir schon dabei sind...“, ließ er den Rest des Satzes unausgesprochen, warf dem Blonden Dieb jedoch einen vielsagenden Blick zu.
      Er hatte gesehen wie Silver den Mann in Staub und Asche verwandelt hatte. Aus Erfahrung wusste er nur zu gut, dass man solche Probleme lieber gleich aus dem Weg schaffte.
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    • Neona

      "Wenn du wirklich wieder etwas gut machen willst, dann solltest du uns einfach in Frieden lassen", verlange Neona knurrend und wendete sich dann vehement von dem Blondschopf ab.
      Es war für sie zu einer leichten Übung geworden, das weinerliche Quengeln Landrons zu ignorieren. Nerven tat es sie dennoch. Warum musste dieser Kerl nur immer so aufdringlich sein? Warum war er nur immer so neugierig? Natürlich musste ein guter Dieb neugierig sein, aber dieser elende Schürzenjäger übertrieb es für Neonas Verhältnisse ein wenig. Zumindest hielt er Abstand, als die junge Diebin sich flüsternd mit Silver zu unterhalten begann. Wahrscheinlich aber auch nur, weil er wusste, dass sie es sofort bemerken würde, sollte er sich auch nur um einen halben Schritt nähern.
      "Ja ist es", gab sie nun etwas betrübt auf Silvers Frage zu. "Ich hätte dich viel früher warnen sollen." Auch wenn ihr untoter Begleiter nie für lange Zeit sterben konnte und offenkundig immer wieder auferstand, konnte sich Neona nicht vorstellen, dass er den Todesschmerz sonderlich genoss. Sie hatte ihn in diese Lage gebracht und ihn wortwörtlich in seinen - wenn auch nur kurzfristigen - Tod laufen lassen. Wahrscheinlich sollte sie dankbar dafür sein, dass Silver eben nicht wirklich sterben konnte... Was wenn jemand anderes sie bis hierher begleitet hätte? Kurz huschten ihre Augen zu Landron und ihr Entschluss eben diesen von dem ganzen Chaos fern zuhalten festigte sich umgehend noch ein wenig mehr.
      Silver schien allerdings ganz andere Pläne mit dem blonden Dieb zu haben, was Neona erschrocken die Luft einsaugen ließ. "Nein! Auf keinen Fall. Er mag ein elender Betrüger und eine aufdringliche Nervensäge sein, aber ich würde dir niemals verzeihen, solltest du ihn töten, nur weil er die Auswirkungen deines Fluches gesehen hat. Außerdem... wenn unser beider Ziel am Ende dieser Reise erreichen, dürfte es nie wieder ein Problem für dich werden, ob jemand über deinen Fluch bescheid weiß oder nicht. Lass ihn also bitte gehen." Wer hätte gedacht, dass sie sich irgendwann einmal so schützend vor diesen blonden Mistkerl werfen würde, nachdem er zuletzt ihr Vertrauen so hintergangen hatte? Doch den Tod hatte er deswegen noch lange nicht verdient... der bewusstlose Hüne hingegen. Neona wusste selbst, dass es am Besten wäre, ihn aus dem Weg zu schaffen. Selbst wenn sie ihn irgendwo fesseln und zurücklassen würden, würde er sich irgendwann befreien und Verstärkung organisieren... Schlimmer noch, er wusste nun auch über Silver bescheid. Sie schloss die Augen und stieß einmal lang die Luft aus. "Bei dem Angreifer hast du allerdings wohl recht, er... wir sollten ihn wirklich unschädlich machen." Sie presste die Zähne aufeinander. War es feige nicht töten zu wollen? Dieser Kerl hatte sicherlich schon dutzende Leben beendet und Neona hätte wahrscheinlich ein weiteres werden können und dennoch wollte sie sein Blut einfach nicht an den Fingern kleben haben... Vielleicht war sie doch naiver als gedacht.
    • Landron Pears

      Der blonde Dieb erwiderte das Knurren der Rothaarigen nur mit einem charmanten, aber nichts sagenden Lächeln und beobachtete, wie sie an die Seite des anderen Mannes trat, bevor er seinen Blick nachdenklich zu dem Hünen schweifen ließ.
      Eigentlich wäre das gar kein schlechtes Geschäft, wenn Neona ihm verzeihen würde, er den Diebstahl wieder gut machen könnte, indem er sich in diese Sachen einfach nicht einmischte.
      Immerhin war sie eine geschickte Diebin und eine überaus zuverlässige Partnerin. Landron zweifelte stark, dass sie jemals jemanden hintergangen hatte, sie scheute sich ja sogar davor Unschuldige zu töten oder zu verletzten, auch wenn sie Zeugen und damit ein Risiko waren.
      Ein amüsiertes Lächeln legte sich auf die Lippen des Blonden, als er an den Jungen dachte, der die beiden zufällig dabei erwischt hatte, wie sie aus einem Fenster geklettert waren.
      Natürlich hatte Landron sofort sein Messer gezückt, Neona dagegen hatte ihn daran gehindert und mit dem Jungen nur geredet.
      Sie hatten wahrlich Glück, dass dieser sie nicht verraten hatte.
      Wie konnte so jemand es übers Herz bringen jemanden zu hintergehen?
      Oder mit anderen Worten: Es wäre nur zu seinem Vorteil wenn das Rotkäppchen sich darauf einlassen würde wieder mit ihm zu arbeiten.
      Aber ob sie dazu bereit wäre, selbst wenn er sich aus der Sache heraus halten würde?
      Außerdem... der Blick des Diebes schweifte zu den Beiden rüber, zu dem Mann den er für einen Magier hielt.
      Als sich die Blicke der beiden trafen lief ihm ein Schauer über den Rücken. Die Art und Weise wie der Braunhaarige ihn anstarrte gefiel Landron ganz und gar nicht.
      Wenn er wüsste, dass Neona ihm gerade den Hintern rettete, würde er jede Münze zurück zahlen, die er ihr gestohlen hatte.
      So aber nutzte er die Chance den bewusstlosen Hünen zu bestehlen, sobald Silver den Blick wieder abwandte.

      Silverius 'Silver' Magnus

      "... das hättest du."
      Stimmte der Unsterbliche ihr mit einem Nicken zu, schien aber auch nicht weiter darauf herum reiten zu wollen. Ihm konnte ziemlich egal sein warum sie verfolgt wurde, aber vielleicht war es besser sich in Zukunft nicht all zu oft zu trennen.
      Als Neona ihm geradezu verbieten wollte den blonden Dieb aus dem Weg zu schaffen, zog er die Augenbrauen zusammen und starrte die Rothaarige an, als würde er darüber nachdenken, ob er es verkraften konnte, dass sie ihm das niemals verzeihen würde.
      Allein die Tatsache, dass es einen Zeugen gab, behagte ihm nicht. Er fühlte sich unwohl dabei den Jüngling einfach auf den Straßen wandern zu lassen... Doch er schien keine andere Wahl in dieser Angelegenheit zu haben und ließ ein tiefes Seufzen von sich, während er sich mit der Hand durchs Haar fuhr.
      "Okay... ich fass ihn nicht an.", wortwörtlich.
      Als sie ihm jedoch erlaubte den Schlägertypen unschädlich zu machen, legte sich ein siegessicheres Lächeln auf seine Lippen, als hätte er etwas gewonnen.
      "Gut. Ich bin froh, dass wir uns in dieser Hinsicht verstehen.", nickte er und reichte der rothaarigen Diebin die Sachen des Toten, damit er seine Hände frei hatte und streifte den Handschuh ab, während er auf den Hünen zuging.
      Dass Landron sich ihm in den Weg stellte, damit hatte er jedoch nicht gerechnet. Und ihm war anzusehen, wie sehr es ihn nervte.
      "Woah! Was hast du vor, Kumpel? Ich glaube nicht, dass Rotkäppchen sich besonders darüber freuen würde, wenn du den Trick nochmal machst. Der Kerl ist doch bewusstlos, reicht das nicht? Nicht wahr, Rotkäppchen?", schenkte der Dieb Neona ein weiteres Lächeln. Er konnte sich diese Informationen doch nicht entgehen lassen!
      "... Rotkäppchen hat sich darauf eingelassen, dass der Kerl weg muss. Außerdem... solltest du doch gehen.", waren Silvers Worte deutlich und Landron wandte hilfesuchend seinen Blick auf Neona.
      "Komm schon... es wird ja wohl weniger tödliche Methoden geben... oder?"
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    • Neona

      Auch wenn Silver nicht wirklich nachtragend wirkte, würde Neona wohl noch eine ganze Weile mit den Schuldgefühlen zu kämpfen haben. Zu Anfang konnte sie ihre Verschwiegenheit vielleicht noch mit ihrem immensem Misstrauen dem Braunhaarigen gegenüber erklären, doch nach den ersten paar Tagen, spätestens als sie diese Stadt betreten hatten... Sie hätte ahnen sollen, dass ein Angriff früher oder später kommen würde und sie hätte ihn dringend warnen müssen. Sie wusste noch nicht, ob sie dazu bereit war, ihm alle Details zu offenbaren, aber er sollte zumindest grundlegend wissen, wer es da auf sie abgesehen hatte.
      Als sich der Untote schließlich ihrer Bitte beugte, atmete sie ehrleichtert die bis eben angehaltene Luft aus. Sie wusste nicht genau, wie sie ihn hätte aufhalten können, hätte er sich fest dazu entschlossen Landron ebenfalls zu einem Staubhaufen zu verwandeln. Vielleicht hätte sie ihn lang genug aufhalten können, bis der Blondschopf das Weite suchen konnte... Im schlimmsten Fall hätte sie jedoch gegen Silver kämpfen müssen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für ihre gemeinsame Weiterreise. Gleichzeitig war sie zunehmend schockiert darüber, wie einfach es dem Untoten zu fallen schien, ein Menschenleben auszulöschen. Auch wenn es nicht so wirkte, als würde er das ganze gern tun, waren seine Reaktionen... unfassbar kalt. War das das Resultat seines unendlich langen Lebens. Hatte er schon so viel Tod gesehen, dass er nun keine Emotionen mehr diesem gegenüber empfand? War es allein sein eigener Tod, der ihn noch interessierte? Wenn Neona nicht der Schlüssel zu eben diesen wäre, würde es ihn auch nur im entferntesten interessieren, sollte sie sterben...?
      Sie schüttelte mild den Kopf. Sie sollte sich über solche Dinge keine Gedanken machen. Außerdem: hatte sie nicht von Anfang an gewusst, wie leichtfertig dieser Mann mit dem Leben seiner Mitmenschen umging? Schließlich hatte er sie bei ihrer ersten Begegnung unbedacht berührt. Ohne ihren eigenen Fluch wäre sie nun auch ein trostloses Häufchen Staub. Sie glaubte nicht, dass Silver Freude am Töten hatte, aber er schien zugleich auch kein Problem damit zu haben und sie hatte kein Recht, ihn dafür zu verurteilen. Am Ende nutzte sie ihn immerhin auch nur für ihre eigenen Zwecke aus. Trotzdem verkrampfte sich ihr Magen, bei dem Gedanken was in wenigen Momenten mit dem bewusstlosen Hünen geschehen würde. Steif krallte sie ihre Finger in die Kleidung des Verstorbenen, spürte wie sich dessen Ascheüberreste auf ihrer Haut verteilten, während sie beobachtete, wie Silver sich einen Handschuh auszog. Dann schließlich wendete sie den Blick ab. Sie mochte den Tod dieses Mannes nicht verhindern können, aber wenn möglich wollte sie es zumindest nicht mit ansehen müssen. Als sie Landrons Stimme vernahm wendete sich ihr Kopf allerdings wieder abrupt in die Richtung der beiden Männer.
      Sie wusste nicht genau, warum der blonde Dieb sich so dringend einmischen musste. Normalerweise schien er auch kein Problem damit zu haben Unschuldige zu töten, solange er damit seine eigene Haut retten konnte, auch wenn Neona dass nie in ihrem Beisein gestattet hatte. Der Umstand, dass er sich also nun vor Silver stellte musste bedeuten, dass er sich noch irgendetwas Brauchbares vom Narbengesicht erhoffte. Glaubte er etwa, weitere Informationen aus ihm herausquetschen zu können? Leider war eben dies nur noch ein weiteres Argument dafür, den Hünen aus dem Weg zu räumen. Dennoch kratzten Landrons Worte schmerzhaft an ihrem Gewissen.
      "Das hier ist zu groß für dich, Landron", meinte Neona schließlich, klemmte sich die verstaubten Klamotten unter einen Arm, um die Freigewordene Hand auf die Schulter des Diebes zu platzieren. Versuchte ihn an eben dieser aus dem Weg zu schieben. Ihr gefiel der Gedanke nicht, dass eine falsche Bewegung reichen könnte, damit er mit Silvers nackter Hand in Berührung kam. Vielleicht würde der Untote sogar aus Ungeduld einfach nach dem Blondschopf greifen und die Sache so beschleunigen. Sie durfte das nicht zulassen. "Du hast Recht, normalerweise wäre ich auch dagegen ihn zu töten, aber..." Sie presste die Zähne frustriert aufeinander. "Es ist einfach zu gefährlich, ihn leben zu lassen. Und für dich wird es auch mit jeder Minute, die du in unserer Nähe verbringst gefährlicher. Also: Halt. Dich. Raus." Während sie diese Worte sprach fixierte sie eingehend seine Augen. "Hier gibt es nichts für dich zu holen, außer maximal der Tod. Glaub mir."
    • "Zu groß...", starrte der Blonde Neona ungläubig an und konnte sich keinen Reim daraus machen, wieso die pazifistische Diebin zuließ dass ein Leben ausgelöscht wurde, wenn es doch nicht unbedingt sein musste... verdammt, die beiden mussten wirklich tief in der Scheiße stecken, wenn Rotkäppchen sich dazu herabließ den Tod eines bewusstlosen Mannes zu erlauben, auch wenn sie nicht selber Hand daran anlegte. Mit diesen Gedanken verschränkte Landron die Arme vor der Brust und ließ sich zurück ziehen.
      Dennoch... sein Blick wanderte zu Silver, der ein genervtes Seufzen von sich gab, bevor er die Distanz zwischen dem Hünen und sich überbrückte, sich zu diesem hinunter kniete und mit der freien Hand das Gesicht des Narbengesichts packte.
      Der darauffolgende Schmerz musste gewaltig sein, denn der bewusstlose Hüne riss sogleich die Augen auf und der blonde Dieb war sich sicher, dass er geschrien hätte, wenn Silver in weiser Voraussicht nicht den Mund des Mannes gepackt hätte.
      Was darauf folgte geschah schnell, ausgehen vom Gesicht verfärbte sich die Haut des Verdammten schwarz, nur um daraufhin in Asche und Staub zu vergehen.
      Ein Schauer lief über Landrons Rücken, von nahem war der Anblick ja noch schrecklicher.
      Der Dieb war sich sicher, dass es sich bei Silver um einen mächtigen Magier handeln musste, wenn von seinen Opfern nicht einmal die Knochen übrig blieben, wie hätte er auch ahnen sollen, dass Silver sich diese Macht niemals gewünscht hatte und sie mit großen Nachteilen einherkam?
      Geschweige denn, dass er diese nicht kontrollieren konnte?
      Ruhig, als wäre nicht gerade ein Mensch durch seine Hand gestorben, erhob sich der Unsterbliche wieder, sammelte Kleidung und Ausrüstung des Toten auf und verwischte die verbleibende Asche und den Staub mit dem Fuß, so dass sie nicht von dem sonstigen Dreck der Gasse zu unterscheiden war. Methodisch, kalkuliert.
      Sicherlich machte dieser Magier das nicht zum ersten Mal... und Landron begann zu verstehen, dass diese Sache vielleicht doch etwas zu groß für ihn war.
      Die Frage war nur: hatte dieser etwas gegen Neona in der Hand, oder arbeiteten sie tatsächlich auf der selben Seite?
      Fast schon schützend legte der Blonde seine Hand auf die Schulter der Rothaarigen und beugte sich zu ihr hinunter, so dass nur sie die folgenden Worte hören konnte.
      "Hey Rotkäppchen... wenn du Hilfe brauchst, musst du nur ein Wort sagen, okay?", konnte er sich nicht nehmen ihr zuzuzwinkern, bevor Silver an sie herangetreten war.
      "... gehen wir.", gab er an Neona gewandt von sich und warf dem Blonden noch einmal einen warnenden Blick zu. Er hatte keinen Grund darin zu vertrauen, dass der Dieb seine Existenz nicht weiter tragen würde, erst recht da auch Neona keinen Vertrauen in ihn zu haben schien.
      Dennoch. Er hatte ihr versprochen ihn nicht anzufassen und daran wird er sich auch halten. Damit musste er das Risiko wohl eingehen.
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    • Neona

      Zum Glück zeigte Landron endlich Einsicht. Sie wusste nicht, ob er einfach das stumme Drohen in Silvers Haltung wahrgenommen oder wirklich ihrer Bitte folge leistete, auf jeden Fall machte der blonde Dieb endlich einen Schritt zur Seite und gab den Weg zum bewusstlosen Hünen frei. Neonas folgende Erleichterung wurde allerdings schon bald von Unbehagen ersetzt. Der Tod durch Silvers Hand schien schnell zu erfolgen, aber dafür umso schmerzhafter. Das Narbengesicht mochte bewusstlos gewesen sein und doch war die junge Frau sich sicher, dass er die gesamte Gasse zusammengeschrien hätte, läge da keine Hand über seinem Mund. Kaum einen Augenblick später war von dem halben Riesen nichts mehr übrig, außer einem feinen Aschehaufen und den verdreckten Kleidern, die er am Leib getragen hatte. Wie zuvor sammelte der Untote auch diese Klamotten gelassen auf und verwischte mit dem Schuh die letzten Überreste seines Opfers. Alleine der Gedanke, dass dieser Haufen Dreck einmal ein Mensch gewesen war, sorgte dafür, dass sich ihre Innereien verkrampften... Sie hätte wegsehen können. Hätte die Augen schließen können... Aber wenn sie schon feige genug war, sich selbst im Hintergrund zu halten, während Silver zum Henker mutierte, wollte sie zumindest nicht die Augen abwenden. Letztendlich war der Tod dieses Mannes auch ihre Schuld. Sie war nicht nett genug, um zu behaupten, dass das Narbengesicht etwas besseres verdient hätte. Sie glaubte sogar behaupten zu können, dass Narbengesicht früher oder später wahrscheinlich sowieso umgebracht worden wäre... Zudem konnte man ihr Handeln gut und gerne als Selbstverteidigung verzeichnen. Selbst ihr Gewissen meldete sich nicht so laut wie sie erwartet hatte... Ihr gefiel nur nicht, dass sie damit theoretisch frisches Blut an den Fingern kleben hatte. Wäre es wirklich in Ordnung, wenn jemand wie sie sich ein normales Leben mit ihrem Bruder wünschte? Wäre es okay, nach all dem einfach friedlich weiterzuleben? Was wenn Kobi irgendwann von all dem erfuhr?
      Sie schüttelte leicht den Kopf. Ärgerte sich darüber, immer und immer wieder in dieser unendlichen Spirale dunkler Gedanken gefangen zu sein. Wahrscheinlich müsste sie Landron sogar dafür danken, dass er sie fürs erste aus eben dieser herauszog. Was hatten diese Worte zu bedeuten? Warum flüsterte er sie so geheimnisvoll in ihr Ohr? Er glaubte doch nicht etwa...? Ihre Augen huschten zu Silver. Glaubte Landron etwa, dass sie von dem Braunhaarigen in all das hineingezogen wurde? Dass sie von ihm unter Druck gesetzt wurde? Beinahe hätte sie ein amüsiertes Lachen ausgestoßen. "Ich brauche deine Hilfe nicht. Mein aktueller Partner ist für mich Hilfe genug." Sie legte besondere Betonung auf das Wort Partner, um zu verdeutlichen, dass Silver genau das war. Ein Partner und keine Bedrohung, zumindest nicht für sie. "Wenn du dich einfach nicht mehr blicken lässt, wärst du mir schon Hilfe genug", fügte sie etwas zynisch noch hinzu, bevor sie ebenfalls auf Silver zuschritt. "Okay, lass uns gehen." Sie schenkte Landron keinen einzigen Blick mehr, als sie den Rückweg aus der Gasse hin zum Markplatz antrat. "Ich denke nicht, dass es eine gute Idee wäre, dich zurück zu dem Möbelhändler zu schicken", überlegte sie dabei laut. "Dein ganzes... Auftreten und Erscheinungsbild hat sich sichtlich verändert, außerdem weiß ich nicht wie viele Augen uns noch verfolgen. Zum Glück habe ich bereits einiges an Geld zusammensammeln können. Wir sollten diese Stadt also noch heute verlassen und uns in der nächsten eine neue Geldquelle suchen."
    • Landron Pears

      Der blonde Dieb fühlte sich von den Worten der Rothaarigen vor den Kopf gestoßen und konnte nichts anderes tun, als den Beiden hinterher zu sehen, während sie die Gasse verließen.
      Partner... was? Ob dem Kerl mehr zu trauen war als ihm? Irgendwie bezweifelte Landron dies... der Kerl wirkte in seinen Augen, als würde alles tun um sein Ziel zu erreichen, welches auch immer das war.
      Dennoch folgte er den Beiden nicht. Neona würde es sowieso früher oder später bemerken und auch wenn er dem Narbengesicht nun keine Informationen mehr entlocken konnte, so hatte dieser etwas recht interessantes bei sich getragen.
      "Zeit einen alten Bekannten aufzusuchen..."

      Silverius 'Silver' Magnus

      "Mh? Achja... da hast du wohl recht.", pflichtete der Unsterblich ihr bei und rieb sich dabei den Nacken. Erst als sie es aussprach, wurde ihm bewusst dass er sich deutlich verändert haben musste, als wäre er nicht mehr der ausgehungerte Zombie aus dem verfallenen Anwesen.
      Aber selbst wenn man ihm das nicht gesagt hätte, er zweifelte daran, dass man ihm seinen restlichen Lohn aushändigen würde, nachdem er so lange Zeit weg geblieben war.
      "Mhm, lass uns verschwinden.", nickte er daraufhin und die beiden begaben sich zurück zur Gaststätte, um ihre Sachen zusammen zu packen.
      Da Silver selber nichts besaß, überließ er diese Aufgabe Neona, während er selber die Hinterlassenschaften der Toten nach nützlichen Dingen durchwühlte.
      "... was ist das?", unterbrach er letztendlich die geschäftliche Stille, als er mit gerunzelter Stirn einige Dinge heraus kramte, die er nicht kannte.
      Kristalle oder Edelsteine - so genau konnte er das nicht sagen - die von innen heraus ein leichtes leuchten von sich zu geben schienen, wobei auch einer dieser Steine nicht mehr zu leuchten schien.
      Ein handlicher, gebogener Gegenstand den er nicht als Schusswaffe erkannte, da es zu seiner Zeit noch keine gegeben hatte und ein weiterer leuchtender Edelstein, der jedoch ein rotes glühen von sich gab und eine innere Wärme ausstrahlte, wenn man es in den Händen hielt.
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    • Neona

      Während sie gemeinsam mit Silver die Gasse hinter sich ließ, stellte sie mit ehrlichen Erstaunen fest, dass Landron ihnen nicht zu folgen schien. Zumindest vorerst nicht. Dennoch würde sie in den kommenden Tagen deutlich vorsichtiger sein. Nicht nur wegen dem lästigen Blondschopf, sondern auch aufgrund ihrer mörderischen Verfolger. Sie war bisher zu leichtsinnig gewesen... Das durfte kein weiteres Mal vorkommen.
      Als sie schließlich die Gasse hinter sich gelassen und den Markt überquert hatten, führte ihr Weg zurück ins Gasthaus. Dort angekommen, löste Neona den prall gefüllten Geldbeutel von ihrem Bauch und verstaute ihn in ihrer Reisetasche. Zudem entledigte sie sich dem alten Lumpen, den sie bisher als "Decke" verwendet hatte und faltete dafür die neu ergatterten Stoffdecken fein säuberlich zusammen. Schlau wie sie war, hatte sie eine kleinere Reisetasche auf dem Markt ersteigert und füllte eben diese nun mit etwa der Hälfte des gekauften Trockenfleisches und einer der Decken, wie auch der wenigen Wechselkleidung, die sie bereits Tage zuvor für Silver gekauft hatte. Ihre eigene Tasche wurde zudem noch mit einem Laib Brot bereichert, ihrem Wasserschlauch und ihrem eigenen Wechselhemd, welches sie im Gasthaus zurückgelassen hatte.
      Viel zu vertieft in ihre eigene Arbeit, hatte sie nicht einmal mitbekommen, dass Silver derweil die Kleidung seiner Opfer auseinandernahm und richtete sich verdutzt auf, als seine Stimme plötzlich erklang. "Was meinst du?", wollte sie wissen und schritt auf ihn zu, musterte wenig später die Objekte in seinen Händen. Sie stutze kurz, als sie die beiden Magiesteine entdeckte. Sie hatte zuvor schon gewusst, dass ihr Auftraggeber unendlich vermögend sein musste, aber wenn er seine Handlanger mit diesen teuren Steinen ausstatten konnte, musste er förmlich in Goldmünzen schwimmen können... "Das sind Magiesteine", meinte sie schließlich und griff sich den verglühten Stein. "Dieser hier muss aufgebraucht wurden sein, sonst würde er noch leuchten." Sie war keine Expertin in diesen Dingen, aber sie hatte schon den ein oder anderen Magiestein gestohlen und weiterverkauft. Allerdings waren diese Teile so kostbar, dass man ihnen einerseits nicht sonderlich häufig über den Weg lief und sie andererseits viel Ärger mit sich bringen konnten. "Ich kann dir leider nicht sagen, wofür der gut gewesen ist, aber es gibt Magiesteine für alles mögliche." Dass sie das überhaupt erklären mochte unterstrich ein weiteres Mal wie lange der Untote im Land der Träume verbracht haben musste. "Aber dieser rote Stein ist mit Heat-Magie gefüllt." Ein Lächeln formte sich auf ihren Lippen. "Umso kälter die Umgebung, desto mehr Wärme produziert er, dass könnte zukünftige Nächte im Freien für uns deutlich vereinfachen." Normalerweise würde sie auf den Nutzen des Steines verzichten und ihn beim nächsten Händler abladen, da sie aber befürchtete die nächsten Tage und Wochen öfter denn je auf ein Dach über den Kopf verzichten zu müssen, wollte sie auf die wertvolle Wärme des Steines ungern verzichten. So könnten sie auch weiterhin auf ein verräterisches Feuer verzichten. Zuletzt wanderten ihre Augen zu der Schusswaffe in seinen Fingern. "Ich kann dir leider nicht sagen, wie das Teil genau heißt", verkündete sie mit einem Schulterzucken. "Ein alter Kollege von mir hat die Dinger immer liebe 'schneller Tod' genannt. Sie werden mit Magie betrieben und können einen Schuss kräftiger als jeder Bogen aussenden. Sie verbrauchen ziemlich viel Magie, soweit ich weiß, aber sind dadurch auch unfassbar tödlich." Sie biss die Zähne zusammen, als sie sich vorstellte, dass eben dieses Teil dafür genutzt worden war, um den Untoten anzugreifen. Ein mildes Seufzen entwisch ihren Lippen, als sie sich schließlich auf einem der Betten niedersetzte. "Es tut mir leid... Ich hätte dir viel früher von unseren potentiellen Verfolgern berichten sollen..." Sie hob die Augen in seine Richtung. Dass sich sein Aussehen derartig verändert hatte, bedeutete, dass er wirklich gestorben war, richtig? "Hätte ich dich vorgewarnt, hättest du all dem Ärger sicher entgehen können." Wieder stieß sie lange die Luft aus und rieb sich einmal erschöpft durch das Gesicht, zuckte zusammen als ihre Finger auf die wunde Haut trafen, welche vielleicht eine Stunde zuvor kräftig gegen eine Hauswand gepresst worden war. Bis eben war sie sich der kleinen Verletzung nicht einmal bewusst gewesen. Das Narbengesicht war wirklich nicht gerade zimperlich gewesen... "Diese Kerle wollen das Amulett", fing sie schließlich an zu berichten. "Das Amulett, dass mir diesen Fluch beschert hat", erklärend hob sie verfluchte Hand in die Höhe. "Ich bin mir sicher, dass sie mich - eine elende Straßendiebin - für den Diebstahl engagiert haben, damit ich den Fluch auf mich nehme. Ich weiß nicht genau, warum dieses Teil überhaupt durch solch einen Fluch geschützt worden war, aber es muss für diese Leute verdammt wichtig und wertvoll sein. Und da ich es ihnen nie übergeben habe..." Sie zuckte einmal wie beiläufig mit den Schultern. "Ich wusste, dass sie früher oder später auftauchen würde, ich hatte nur nicht erwartet, dass sie so früh aufkreuzen würden." Sie senkte einmal tief das Haupt vor Silver. "Tut mir leid, dass ich dir erst jetzt davon erzähle. Du hättest zumindest wissen sollen, dass jemand hinter mir her ist und welche Gefahren damit verbunden sind."
    • Silverius 'Silver' Magnus

      „Magie... steine?“, echote der Unsterbliche und wirkte ehrlich überrascht und erstaunt, Gefühlsregungen die mit der Zeit eine Seltenheit für ihn geworden waren, doch zu hören, dass Steine existierte, die offenbar Magie inne hielten... und noch dazu von gewöhnlichen Leuten benutzt wurden? Er fühlte sich, als wäre er nicht nur zu einer anderen Zeit, sondern geradezu in einer anderen Welt aufgewacht, auch als Neona ihm erklärte, dass der rötliche Stein mit Heat-Magie gefüllt war... Heat-Magie? Also gab es noch andere Arten von Magie?
      „... du bist aber keine Hexe, oder?“, warf er einen misstrauischen Blick in die Richtung der rothaarigen. Warum sonst sollte sie wissen, wie diese Form der Magie hieß? War das mittlerweile etwa Allgemein wissen? Silver konnte das schwer glauben. Solange er denken konnte war Magie immerzu gefürchtet und jene, die sich damit auskannten, wurden in manchen Zeiten zwar geschätzt oder gefürchtet, aber dennoch gemieden.
      Es hatte ihn bereits gewundert, als Neona ihm gesagt hatte, dass Hexen nicht mehr verfolgt wurden, aber nun wollte sie tatsächlich, dass er glaubte, dass Magiesteineexistierten?
      Nun, er hatte sie direkt vor sich, sogar auf der Hand liegend und konnte die davon ausgehende Wärme spüren... dennoch schien sich etwas in seinem Inneren dagegen zu sträuben diese Tatsache einfach anzunehmen.
      Nicht, dass sich etwas dadurch an der Realität änderte, nicht wahr?
      Ein tiefer Seufzer folgte, wie von einem alten Mann, dem man gerade erzählt hatte, dass nicht mehr alles so war wie früher.
      „Mhmm... schneller Tod, wie? Das erklärt die Kopfschmerzen...“, und wieso er weder eine Klinge gespürt hatte, noch eine sich nähernde Gestalt. Silver nahm an, dass man mit diesem schnellen Todaus einer gewissen Entfernung heraus töten konnte... und dann wurde diese auch noch mit Magie betrieben?
      „Zu schade, dass mich diese Magie nicht töten kann.“, konnte sich der Unsterbliche das Grinsen nicht verkneifen und schaffte es die Pistole zu öffnen. Offenbar war sie geladen, denn ein weiterer, weiß leuchtender Magiestein lag darin.
      In den Taschen des Umhangs fand er noch drei weitere dieser Steine... also insgesamt vier Schuss, wenn man den matten Stein ausschloss und Silver war sich absolut sicher, dass dieser Stein ihn getötet hat.
      „Mh? Ja... das hättest du wohl.“, blickte der Braunhaarige von der Waffe auf und wirkte etwas überrascht, dass sich die Diebin dafür bei ihm entschuldigen würde. Nicht, dass er sonderlich in Gefahr gesteckt hatte, immerhin konnte er nicht sterben, nicht wahr?
      Und da man es nicht auf ihn abgesehen hatte, hatte der Unsterbliche auch keinen Grund sich vor diesen Leuten zu fürchten. Eine Entschuldigung war in seinen Augen vollkommen unnötig.
      „Ach was. Diese Kerle hätten mir früher oder später sowieso Ärger gemacht, ob ich nun von ihnen gewusst hätte oder nicht. Ich bin nur froh, dass ich diesem Arschloch gefolgt bin, immerhin brauche ich dich lebend.“, fügte er unverblümt hinzu.
      Als Neona dann begann über das Amulett zu sprechen, blickte er doch wieder auf.
      „... wieso gibst du ihnen das Amulett dann nicht einfach?“, wollte Silver wissen.
      Immerhin hätten sie dann keine Verfolger mehr und könnten ihre Reise ohne Probleme fortsetzen und wenn er ehrlich war, dann war dem Unsterblichen vollkommen egal, ob das Amulett in die Hände von Neonas Auftraggeber fällt oder nicht. Wozu sich diesen ganzen Ärger machen?
      „Hör auf damit. Heb deinen Kopf wieder hoch, das ist ja... unangenehm.“, machte der Braunhaarige ein Gesicht, als hätte er in eine saure Zitrone gebissen. In seinen Augen war er der letzte, vor dem man sein Haupt senken sollte. Er half ihr ja nicht aus der Freundlichkeit seines Herzens heraus, sondern schlicht und einfach, weil er was von ihr wollte.
      Es war eine Zweckgemeinschaft, mehr nicht. Sicherlich hatte sie ihre Gründe gehabt ihm nicht vorher davon zu erzählen, oder... hatte es schlicht und einfach vergessen.
      „Sieh dir lieber das mal an.“, fischte er zwei Geldbeutel aus der Kleidung der Toten heraus und hielt diese der Diebin entgegen. In jedem Beutel waren um die zwanzig Silberstücke zu finden. Wer auch immer dieser Auftraggeber war, er stattete seine Angestellten überaus großzügig aus.
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    • Neona

      Zuerst versuchte sie es noch zu unterdrücken, doch der zunehmende Unglaube in Silvers Augen zwang letztendlich ein helles Lachen über ihre Lippen. "Tut mir leid, dass ich Euch so sehr mit den neuen Errungenschaften der Menschheit überfordere, alter Mann", kicherte sie amüsiert. Wie würde er sie wohl anschauen, wenn er ihr eröffnete, dass man mithilfe besonderer Magiesteine über weite Entfernungen kommunizieren konnte? Tatsächlich hatte sie kurz sogar Angst davor gehabt, dass Silver eben solch einen Kontaktstein in den Sachen ihrer Angreifer finden würde, schließlich würde das bedeuten, dass weitere Verfolger auf eine Benachrichtigung warteten und ihnen früher als gewollt auf die Schliche kommen würden. Letztendlich waren diese Steine allerdings auch unfassbar selten und teuer, vielleicht war das sogar ihrem reichen Auftragsgeber zu viel. "Und wenn ich tatsächlich eine Hexe wäre, würde ich dann solche elenden Probleme hiermit haben?", wollte Neona nun noch immer leicht belustigt wissen und hielt Silver ihre verfluchten Hand entgegen. Plötzlich wünschte sie sich mehr denn je, tatsächlich eine Hexe zu sein, schließlich konnte sie sich vorstellen, dass sie mit Magie unendlich viel Geld verdienen könnte, ohne hinterlistig die Geldbörsen von Passanten zu leeren. Alleine "einfache" Magier, welche als deutlich schwächer als Hexen galten verdienten in diesem Königreichen einen großen Batzen Geld und waren auch für die Kommerzialisierung von Magiesteinen verantwortlich. Für Silver, welcher praktisch aus einer anderen Zeit stammte, musste das wohl alles unfassbar neu und unwirklich erscheinen. Eine Wahrheit, die sich unübersehbar in seiner Mimik abzeichnete und Neona direkt ein weiteres heiteres Lachen entlockte. "Dabei hatte ich gedacht, es wäre praktisch unmöglich einen uralten Untoten zu überraschen."
      Sobald der Braunhaarige allerdings erwähnte, dass man tatsächlich mit der magischen Schusswaffe auf ihn geschossen haben musste, erstickte ihr Lachen recht schnell. Stattdessen presste sie frustriert die Lippen aufeinander. Seine Worte machten ihr deutlich, dass er durchaus den schmerz des Todes spüren konnte und auch wenn Silver ihr nicht wirklich die Schuld für das Geschehene geben wollte, fühlte sie sich schlecht dafür. "Es mag stimmen, dass sie dir früher oder später aufgelauert wären, aber du wärst zumindest vorbereitet gewesen." Auch wenn die Stimmung mittlerweile wieder ein gutes Stück gesunken war, verzog sie die Lippen zu einem feinen Lächeln, als er deutlich machte, dass er sie lebend brauchte. seine Worte machten deutlich, dass ihm nichts an ihr persönlich lag, doch seltsamer Weise beruhigte sie das. Sie waren eine reine Zweckgemeinschaft und wussten genau, was sie sich vom jeweils anderen erhofften und wünschten. Auch wenn seine Wünsche recht seltsam sein mochten, waren sie einfach zu verstehen und sie sorgten dafür, dass er ihr Leben verteidigen würde. Ein simples und einfaches Geschäft, ohne lästige Gefühle. Außerdem machte ihrer beider Abhängigkeit voneinander einen Verrat recht unwahrscheinlich.
      "Nun, zunächst hatte ich noch gehofft, dass ich mithilfe des Amuletts eine Heilung für diesen Fluch finden könnte", begann sie nun seine Frage zu beantworten. "Allerdings habe ich schnell verstanden, dass der Fluch nur ein Schutz für das Amulett war." Sie stieß einmal lang die Luft aus und rieb über die schwarze Haut in ihrer Handfläche. Das heiße Kribbeln kündigte in der Regel einen baldigen Krampf an... wahrscheinlich sollte sie sich glücklich schätzen die letzten zwei Tage weitestgehend davon verschont gewesen zu sein. Sie fragte sich erneut, ob das etwas mit Silvers Anwesenheit zu tun hatte. Schließlich wurde sie normalerweise mindestens einmal pro Tag von diesen unerträglichen Schmerzen eingeholt. "Irgendwann fing ich an zu verstehen, dass man mich eben deswegen angeheuert hatte. Eine dreckige Diebin von der Straße, die beinahe jeden Job annahm, wenn das Geld stimmte. Außerdem war es seltsam, dass sie für diesen großen Coup eine einzelne Person engagieren würden." Sie hob die Augen in Silvers Richtung. "Auf diese Weise konnten sie sicher gehen, dass ich durch den Fluch sterben würde und kein weiteres gesprächiges Maul gestopft werden muss. Ich bin mir sicher: der einzige Grund, warum diese Kerle mich noch nicht beseitigt haben, ist das Amulett, dass sie finden wollen. Ich weiß nach wie vor nicht, was es mit diesem seltsamen Artefakt auf sich hat, aber es muss unfassbar wichtig und mächtig sein. Sobald ich ihnen das Ding aushändige, wird man mich töten." Der heutige Tag hatte diesen Verdacht nur noch verhärtet. "Sie haben dich sofort versucht zu töten, nur weil du mit mir zusammen unterwegs warst. Vielleicht haben sie befürchtet, dass ich dir vom Amulett berichtet habe und wollten dich eben deswegen beseitigen." Wenn sie darüber nachdachte, hatte auch der Graf - der ursprüngliche Besitzer des Amuletts - jegliche Mittel in Bewegung gesetzt, dass seltsame Artefakt unter Verschluss zu halten. Leider wusste Neona deswegen auch schon, dass sie noch reichlich vielen Problemen begegnen würde, selbst wenn es ihr gelang, diesen Fluch abzuschütteln. Ihr Auftraggeber würde nicht von ihr ablassen und der Graf würde sicher auch schon verzweifelt nach dem entwendeten Artefakt suchen. Sobald all das hier überstanden war, musste sie dringend einen Weg finden, all ihren Verfolgern zu entgehen, selbst wenn das bedeutete, dass sie zusammen mit ihrem Bruder das Königreich verlassen müsste.
      Bei seiner Reaktion auf ihre Verbeugung hob sie einmal kurz verdutzt den Kopf. War es so falsch, dass sie sich bei ihm entschuldigte? Er wirkte beinahe... angewidert. Nun, sie hatte auf jeden Fall nicht vor, die Situation unangenehmer für ihn zu machen und folgte seinem Willen und erhob sich als nächstes vom Bett, als er ihr zwei Geldbeutel entgegenhielt. Beinahe hätte sie Freudensprünge gemacht, kaum da sie das angenehme Gewicht von Geld in ihrer Hand spürte, die Anzahl der Silbermünzen zauberte ihr zudem noch ein breites Grinsen aufs Gesicht. "Das ist fantastisch. Zusammen mit der Anzahlung vom Möbelhändler und den Resten meiner Beute vom Markt sollten wir jetzt bei knapp 60 Silberstücken sein", rechnete Neona grob zusammen. "Das heißt nur noch etwa 10 Silberstücken. Das bekomme ich an ein bis zwei guten Marktagen sofort zusammen." Zufrieden summend ließ sie die neue Beute in ihre Reisetasche wandern und hielt schließlich die zweite Reisetasche in Silvers Richtung. "Theoretisch können wir aber auch einen der Magiesteine für die Schusswaffe verkaufen, dass würde uns deutlich mehr und schneller Geld einbringen, aber auch Aufsehen erregen." Aufsehen, dass ihre Verfolger direkt wieder auf die Tagesordnung rufen würde. "Vielleicht können wir auch mehr mit damit anfangen, wenn wir das Ding für unsere Zwecke nutzen. Also pack es fürs erste einfach mit ein." Nachdem sie dem Braunhaarigen die Reisetasche übergeben hatte, schulterte sie ihre eigene und machte dem Untoten deutlich, dass sie bereit war. "Wollen wir?"
    • Silverius 'Silver' Magnus

      "Daran wirst du dich wohl gewöhnen müssen. Dieser alte Mann hat wohl länger geschlafen als erwartet.", gab er mit einem schiefen Grinsen zurück und rieb sich dabei den Nacken. Wie viele Jahrzehnte die Menschheit wohl gebraucht hatte um eine solche Technologie zu entwickeln? War das Absicht gewesen? Oder doch nur einer dieser Zufälle, die hin und wieder passierten und die Menschheit weiter brachte? Und vor allem: ob Hexer und Hexen ihre Finger im Spiel hatten?
      Bei dem Gedanken lief ihm ein Schauer über den Rücken und das Lächeln verschwand.
      Sie mögen zwar auf dem Weg zu einer Hexe sein, um um ihre Hilfe zu bitten, dennoch waren ihm diese Wesen - er weigerte sich schlicht diese als Menschen zu bezeichnen - waren ihm nicht geheuer.
      "Nun... du könntest eine schlechte Hexe sein.", konnte er es nicht nehmen lassen und das Grinsen kehrte zurück. Aber sie machte es ihm auch zu einfach, nicht wahr? Gleichzeitig war er jedoch auch unglaublich froh, dass sie keine Hexe zu sein schien, sonst müsste er in Zukunft deutlich vorsichtiger beim Umgang mit ihr sein... obwohl, verdammte Scheiße nochmal, was könnte sie ihm schon noch antun, selbst wenn sie eine wäre? Er hatte ja sowieso nichts mehr zu verlieren.
      "Oh? Nun, es ist deutlich einfacher als man denken mag.", kommentierte er die Aussage, dass es überraschend einfach war ihn zu überraschen. Natürlich war es das. Immerhin hatte er so viel verschlafen, wäre es nicht traurig wenn ihm nicht ein oder zwei neue Dinge begegnen würden? Da bekam man ja fast schon Lust diese Welt ein letztes Mal kennen zu lernen. Aber nur fast.
      Als sie dann erwähnte, dass er wenigstens hätte vorbereitet sein können, starrte er sie für einen Moment an, als könnte sie nicht falscher liegen, bevor er die Schusswaffe hoch hob.
      "Kann man darauf vorbereitet sein?", nahm er nicht an, dass diese Waffen weit verbreitet waren, wenn sie nicht einmal dessen Bezeichnung wusste.
      Neona wäre sicherlich entsetzt wenn sie wüsste, wie wenig er sich davor fürchtete zu sterben, wie leichtsinnig er mit seinem eigenen Leben umging. Fast weckte das in ihm die Lust sich selbst absichtlich in eine riskante Position zu bringen, nur um zu sehen wie sie reagieren würde. Aber auch nur fast.
      Stattdessen erlaubte er es sich ihre Hand in die seinen zu nehmen, als sie über das Fluchmal strich und begann diese zu massieren, während sie über das Amulett berichtete. Er wusste zwar nichts von dem Kribbeln, doch war es ein ungewöhnlich angenehmes Gefühl einen anderen Menschen zu berühren.
      "Mhmmm... verstehe... dann solltest du es ihnen lieber nicht aushändigen.", stellte er fest, auch wenn sie das offensichtlich schon längst wusste und blickt letztendlich von ihrem Handrücken auf, traf ihrem Blick und glaubte darin all ihre Probleme und Sorgen der letzten Tage, womöglich Wochen, sehen zu können.
      "Wir sollten uns in Zukunft besser nicht trennen.", fügte er hinzu, was mehr wie ein Befehl, als ein Vorschlag klang, "Trägst du das Amulett bei dir?"

      Sobald der Unsterbliche das Grinsen der Diebin sah, als sie die Silbermünzen erblickte, zauberte das auch ihm ein breites Grinsen ins Gesicht, immerhin waren sie damit ihrem gemeinsamen Ziel deutlich näher, nicht wahr?
      "Mhm, das hatte ich sowieso vor.", ließ er sie wissen und verstaute Waffe samt Magiesteinen in der Tasche, die ihm gereicht wurde, hielt den Magiestein mit der Heat-Magie jedoch in ihre Richtung.
      "Behalte ihn. Du brauchst die Wärme dringender als ich.", fügte er hinzu, bevor er die Reisetasche mit einem Nicken schulterte und Neona aus dem Gasthaus folgte.

      Sie schafften es gerade noch rechtzeitig an die Stadttore, bevor die Wachen anfangen würden für den Abend einen strengeren Blick auf die ein- und ausgehenden Leute zu werfen und schafften es ein ganzes Stück zu wandern, bevor sie beschlossen für die Nacht Schluss zu machen und Silver begann etwas Holz für ein Feuer zu sammeln.
      "Achja... unsere Verfolger hatten etwas Wurst und Käse dabei.", schlug er etwas für das Abendessen vor.
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    • Neona

      "Ich habe einmal gehört, dass alte Männer insgesamt mehr schlafen", stellte sie belustigt fest. "Wahrscheinlich sollte ich froh sein, dass du nicht aller fünf Stunden ein Nickerchen brauchst." Es war seltsam sich so scherzhaft mit ihm zu unterhalten, nachdem sie noch vor wenigen Stunden hatte mit ansehen müssen, wie sich zwei Menschen vor ihren Augen in Asche verwandelten. Tatsächlich war es sogar seltsam, dass sie keine Angst vor ihm verspürte. Selbst wenn sie gegen seine Berührungen immun war, sollte sie sich nicht trotzdem vor einem Mann fürchten, der ohne mit der Wimper zu zucken Menschen tötete? Hätte sie ihn nicht aufgehalten, hätte Silver auch ohne Zögern Landron vom Antlitz der Erde radiert... Aber vielleicht war es genau das: er hatte sich von ihr aufhalten lassen. Und er hatte auf ihre Zustimmung gewartet, bevor er Narbengesicht getötet hatte. Er wirkte skrupellos und kaltblütig, aber er tötete offenkundig nicht willkürlich und hatte auch keinen Spaß daran. Dennoch hatte sie heute verstehen müssen, dass dieser Mann ohne Zögern den Tod über seine Mitmenschen bringen konnte...
      "Selbst als eine schlechte Hexe könnte ich wahrscheinlich mehr verdienen, als mit meinen Taschendiebstählen", stellte sie schulterzuckend fest und lächelte erneut, als er zugab leichter überrascht werden zu können, als man denken mochte. Irgendwie freute sie sich schon auf all die entsetzten Gesichtsausdrücke, die er ihr in der Zukunft noch würde bieten können. Zumindest würde das ihre Weiterreise ein klein wenig interessanter gestalten.
      Als er ihr nun erneut die Waffe entgegenhielt zuckte sie mit den Schultern. "Du hast recht, selbst ich wäre wahrscheinlich nicht darauf gefasst gewesen." Sobald sie die Gefahr der Schusswaffe erkannt hatte, wäre sie wahrscheinlich schon tot gewesen. Schneller Tod. Ein wirklich passender Name.
      Sie zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich warme Finger nach ihrer Hand griffen. Gerade wollte sie sich darüber beschweren, dass er sie nicht vorgewarnt hatte, dann stellte sie mit Verwunderung fest, dass die Hitze etwas zu verebben schien und das schmerzhafte Pulsieren, dass soeben einzusetzen begann schien sich auch fürs Erste zu verabschieden. Staunend betrachtete sie seine Hand auf ihrer. Hatte er wirklich einen lindernden Effekt auf ihren Fluch?
      Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, nahm er das Gespräch wieder auf. "Nun, ich kann leider schlecht Geldbörsen von Marktbesuchern entwenden, wenn ein untoter Schönling hinter mir herwandert. Du fällst auf." Gleichzeitig hatte er allerdings recht. Sie sollten sich nicht mehr so einfach trennen, auch wenn sie sich durchaus angenehmere Dinge vorstellen konnte. Auch wenn sie immer mal wieder mit Kollegen einen größeren Diebstahl in die Wege geleitet hatte, waren diese Partnerschaften meist nur von kurzer Dauer gewesen - Stunden, maximal wenige Tage. Sie war es aber eindeutig nicht gewohnt, jemanden konstant in ihrer Nähe zu wissen. Schließlich arbeite sie vorzugsweise allein. Es war schon seltsam genug, mit Silver diese lange Reise bestreiten zu müssen, ihn nun auch noch run um die Uhr in ihrer Nähe zu wissen... Es war seltsam. "Aber es sollte schon genug sein, wenn du einfach in Sichtweite bleibst, richtig?"
      Als er sie nach dem Amulett fragte, schüttelte sie den Kopf. "Nein, ich habe es versteckt." Wenn sie darüber nachdachte, war es seltsam, dass keiner ihrer Angreifer zuerst ihre Reisetasche untersucht oder ihren Körper abgetastet hatte. Wussten sie etwa, dass sie das Amulett an einen geheimen Ort verstaut hatte?
      Sie nickte zufrieden, als Silver beschloss, die Waffe bei sich zu behalten. Sie hoffte zwar, dass sie das Ding nie gebrauchen würden, aber sie war lieber auf der sicheren Seite. Als er ihr allerdings den Heat-Stein überreichte zwinkerte sie verwundert. "...Danke." Die Wärme, die sich umgehend in ihrer Hand breit machte, ließ den Magiestein fast lebendig wirken. "Aber solltest du frieren, sag mir bitte bescheid. Glaub ja nicht, dass ich die Kälte nicht ertragen kann, nur weil ich eine Frau bin." Das mochte sie zwar sagen, zugleich hasste sie die kalten Nächte im Freien. Selbst nach all den Jahren konnte sie sich einfach nicht gänzlich an eben diese gewöhnen, vor allem da sie ihr regelmäßig den Schlaf und Energie raubten, was sie nur noch mehr frieren ließ.

      Zum Glück konnten sie die Stadtmauen problemlos hinter sich bringen und ihre Weiterreise antreten. Aus ihrer Begegnung mit ihren Verfolgern geprägt, schlug sie vor dieses Mal die öffentlichen Wege gänzlich zu meiden, auch wenn dies einen anstrengenderen Pfad durch Sumpflandschaften und Wälder bedeutete. Letztendlich beschlossen sie in einer Waldlichtung für die Nacht Rast zumachen. Während Neona ein paar Steine für eine Feuerstelle zusammensammelte, kümmerte sich Silver um das nötige Holz, bevor er ihr eine angenehme Überraschung verkündete. "Wurst und Käse?!" Selbst ihm Dämmerlicht mussten ihre Augen vor Begeisterung glänzen. Tatsächlich waren beide Lebensmittel durchaus erschwinglich für sie, aber sie waren teurer als einfaches Brot, Gemüse, Trockenfleisch und Fisch. Wenn sich für Neona die Chance bot, Geld zu sparen, nutzte sie diese um jeden Preis. Vor allem bei ihrer Ernährung war das ein einfaches Unterfangen. Das letzte Mal das sie tatsächlich Wurst und etwas Käse auf dem markt erstanden hatte, war zu Kobis Geburtstag gewesen und das war nun auch schon wieder fast ein Jahr her. "Vielleicht bist du wirklich mein Glücksbringer." Sie lächelte zufrieden zu Silver auf und bedeutete ihm sich zu setzen, bevor sie ihm ein Stück Brot entgegenhielt. "Das könnte das beste Abendbrot werden, dass ich jemals im Freien genießen durfte."