My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

      Vorstellung

      @Nao.nline


      Noel hasste Halloween.
      Er hasste Halloween wirklich.
      Er hasste Halloween jedoch nicht weil es einfach Halloween war. Er liebte den Herbst, er liebte die allgemeine Stimmung, er liebte dieses düstere was Halloween an sich hatte, aber er hasste einfach alles für was Halloween stand. Die billigen Verkleidungen, die noch billigeren Süßigkeiten, die schlechte Musik und vor allem hasste er die Halloweenpartys. Eine Gruppe von betrunkenen Menschen in schlechten Plastikkostümen die nur eine billige Ausrede brauchten um massenweise an Alkohol in sich rein zu kippen. Wie Mona, seine beste Freundin, ihn dazu überreden konnte ihre Begleitung für genau so eine Party zu sein, konnte er sich immer noch nicht so ganz erklären, aber nach dem die beiden jungen Erwachsenen fast den halben Tag damit verbracht hatten passende Outfits zusammen zu stellen - Mona hatte die Outfits zusammen gestellt und Noel hat dieses dann gezwungenermaßen angezogen - und sich fertig zu machen, standen sie nun hier. Aus dem Haus, welches sich vor ihnen erstreckte hallte laute Bassmusik. Irgendwelche Halloween-Partyklassiker, wie hätte man es auch anders erwarten können.

      Die beiden jungen Erwachsenen hatten sich dazu entschlossen improvisierte Piratenkostüme zu tragen - also Mona hatte für sie beide entschieden - und die Outfits dann mit dem nötigen MakeUp noch ein wenig aufzuwerten. Eins musste Noel jedoch gestehen, sie sahen gut aus. Das MakeUp war genau richtig, genau an den richtigen Stellen und so verteilet dass es weder zu aufgeladen noch zu wenig für eine Halloweenparty wirkte.

      „Jetzt schau nicht so, du siehst toll aus.“ schnurrte ihm Mona entgegen. Objektiv betrachtet sahen sie wirklich toll aus, auch wenn sich Noel unter den Lagen von Kleidung und der verwuschelten Perücke ein wenig weibisch fühlte, vor allem wenn man das MakeUp in seinem Gesicht noch mit dazu zählte. Sein Blick glitt mit einem Ausdruck von Abscheu zu dem Haus. am liebsten würde er einfach um drehen, sich auf sein Sofa schmeißen und irgendeinen schlechteren Splatter-Horrorstreifen anmachen, irgendwas makaberes mit viel Blut… dafür hatte er jedoch die falsche Begleitung, Mona hatte nämlich ganz offensichtlich andere Pläne und ehe Noel sich versah wurde er von dem Energiebündel auch schon Richtung Haus gezogen.

      Die Bezeichnung ‚Haus‘, hatte das Gebäude eigentlich kaum verdient. Es war wohl eher eine Art Anwesen, ob darin wirklich normalerweise Leute wohnten, er konnte sich das nicht so wirklich vorstellen. Vielleicht war das Gebäude auch einfach nur gemietet, er kannte niemanden der in so einem prunkvollen Haus wohnte, er kannte aber auch relativ wenig Leute.
      Der Geruch der ihm entgegen schlug als seine beste Freundin die Tür öffnete, raubte ihm kurz den Atem. Eine Mischung aus Schweiß, Alkohol und Süßzeug. Es war widerlich. Musik aus schwerer Boxen übertönte mehr schlecht als recht das Stimme Wirrwarr und ließ ihn erschaudern. Er wollte hier weg und zwar sofort! Noels Blick glitt schon fast hilfesuchend zu Mona, die wohl jemanden in der Menge erkannt hatte und prompt von seiner Seite verschwunden war. „na fantastisch…“ seufzte Noel genervt auf. Der junge Mann stand wie bestellt und nicht abgeholt in dem offenen Flur, links von ihm die Küche, rechts von ihm eine geschlossene Tür und vor ihm ein Chaos aus Menschen und er versuchte dem Drang zu wiederstehenauf dem Absatz kehrt zu machen und zu verschwinden.
    • Halloween musste dieses Jahr ja unbedingt auf einen Wochentag fallen. Jay hatte es nur mit Mühe geschafft, sich aus seiner Schicht heute Abend herauszureden, denn er wollte auf keinen Fall die größte Party des Jahres verpassen, besonders wenn sein bester Freund sie schmiss. Die 'größte Party des Jahres' hatte dieser sie jedenfalls selbst benannt und wenn Jay nicht auftauchte, durfte er sich bis zur nächsten 'größten Party' Beschwerden anhören. Aber das ging schon irgendwie klar, zum Glück sprang ein Kollege für ihn ein und durfte sich statt ihm mit der Kostümparty im Restaurant herumschlagen. Das einzig gute an der Sache: er hatte sich dafür bereits eine Verkleidung beschafft, die konnte er also auch einfach zu Cyrus Party tragen. 'Sexy Police Officer' klang doch auch ganz gut, wenn er seine Prioritäten von Trinkgeld auf ein Date ummünzen wollte.

      Als Jay an der Location ankam, die Cyrus ihm geschickt hatte, musste er einen Moment innehalten und sichergehen, dass er überhaupt am richtigen Ort war. Hatte der Kerl, der sich in jeder zweiten Mittagspause über das teure Kantinen-Essen beschwerte, plötzlich im Lotto gewonnen? Hatte Jay irgendetwas verpasst?
      Er war relativ früh dran, daher stand die Party irgendwie noch in den Startlöchern und es war nicht schwer, den Rotschopf zu finden, der sich anscheinend den Wünschen seiner Fans untergeordnet und ein Spiderman Kostüm bestellt hatte. Und dem Geruch nach zu urteilen, hatte er schon vorgeglüht. "Oh, was ist das?", waren Jays erste Worte während er die Nase rümpfte. "Tequila?"
      "Richtig getippt", gab sein Freund deutlich begeistert zurück. "Aber es gibt ne breite Auswahl da hinten, also tob dich aus" Cyrus zeigte zur gegenüberliegenden Seite des gigantischen Wohnzimmers, wo ein Tisch von dutzenden Getränke Optionen überfüllt war. Die Leute trudelten hinter ihnen nur so ins Haus und fast konnte man sich Sorgen machen, dass hier doch nicht alle reinpassten. Fast.
      "Ich hab das Gefühl, dass das nicht nur Studenten sind", kommentierte Jay. Da schienen irgendwie alle Altersklassen dabei zu sein. War nicht eine einfache Studentenfeier geplant gewesen? Nicht, dass er sich beschweren wollte. Er musste hier ja am Ende nicht aufräumen. Aber… wahrscheinlich würde er es trotzdem tun, so wie immer.
      "Yup, ich hab die Einladung einfach mal überall gepostet. Irgendwann haben dann die Reposts angefangen und… Hey, ich halte jedenfalls mein Wort", erwiderte Cyrus, zuckte mit den Schultern und grinste so breit, dass Jay sowieso nur mitlachen konnte. Was soll's, Halloween war nur einmal im Jahr. Zu Weihnachten schmiss sowieso wieder die Studienleitung eine Party.

      Irgendwann war die ganze Truppe an Leuten da, mit denen sie gerechnet hatten, und ein Haufen Fremder, die auch ihren Spaß zu haben schienen. Jedenfalls gab es irgendwann Grund zur Sorge, dass ihnen der Alkohol ausging, also wurde Nachschub geholt. Das bekam Jay allerdings auch nur so halb mit. Zu dem Zeitpunkt hatte er vier… sechs… vielleicht sieben… Getränke intus, von denen er bei der letzteren Hälfte keine Ahnung hatte, was drin war. Allerdings musste es stark gewesen sein, weil er sich etwa gegen Mitternacht seiner Exfreundin gegenüber fand. Der letzten. Nach der er Beziehungen abgeschworen hatte. Tja, das schrie nach einem Shot.
      Auf dem Weg zum Getränkestand hatte er nicht damit gerechnet, den attraktivsten Piraten seines Lebens zu treffen. "Wow! Da hat sich wer ins Zeug gelegt. Hast du nen Make-up Artist angeheuert?", sprach er ihn an und vergaß dabei völlig, weshalb er rübergekommen war. Er griff dann willkürlich nach einer Flasche Wasser, da sein Unterbewusstsein ihm offenbar einen Gefallen tun wollte.
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    • Nachdem sich Noel irgendwie aus seiner Starre gelöst hatte, schlug er den Weg Richtung Küche ein, irgendwo hier musste es doch was zu trinken geben. Er brauchte definitiv Alkohol. Nachdem er sich durch eine Horde Betrunkener Studenten gekämpft hatte, die alle sehr verdächtig nach Haschisch rochen, kam er ‚leicht genervt‘ in der Küche an. Er seufzte leise auf, hier war ein wenig weniger los, jedenfalls weniger als in dem überfüllen Wohnzimmer. Etwas enttäuscht musste er feststellen, dass es in der Küche wohl alles gab, außer alkoholische Getränke, dafür jedoch eine aufgebrezelte Hexe die sich gerade von einem Vampir die Zunge in den Rachen schieben ließ…immerhin schienen die beiden ihren Spaß zu haben.

      Die braune Perücke hing ihm störend ins Gesicht, das Oberteil rutschte ihm immer wieder von der Schulter und so langsam merkte er, dass das Kunstblut in seinem Gesicht anfing ekelig fest zu trocknen. Er wusste von Anfang an, dass das hier eine schlechte Idee war…
      Als er sich nach fünf quälend langen Minuten durch die Menschentraube durchgekämpfte hatte, hatte er endlich den Getränkestand erreicht.

      Er fühlte sich widerlich. Noel wollte gar nicht wissen wie viel fremder Schweiß gerade an seinem Körper klebte, dabei hatte er schon fast penibel genau darauf geachtet, dass ihn keiner berührte. Er hasste unfreiwillige Berührungen…zwar nicht so sehr wie er große Menschenmassen und Partys hasste, aber es kam nah dran.

      Vor ihm erstreckte sich eine Auswahl an allerlei Getränken, vor allem hochprozentiges, aber selbstverständlich gab es - wie bei jeder Party auch - die obligatorischen Wasserflaschen, dafür waren ihm hier jedoch zu viele Menschen. Schnell griff er nach der angebrochenen Flasche Tequila, kippte schnell zwei Shot runter bevor er sich dran machte, sich erwas zu mixen. Obwohl ‚mixen‘ war wohl etwas zu hoch gegriffen, er nahm sich einen der Plastikbecher, befühlte ihn mit Cola und kippte den Rest mit Rum auf.

      Als er seinen Becher gerade in die Lippen setzten wollte kam ihm der Geruch von Alkohol plötzlich viel zu präsent entgegen. Selbst wenn er gewollt hätte, er hätte wohl keine der Sorten differenzieren können, das was er jedoch klar und deutlich wusste war, wer auch immer ihm da ins Ohr sprach, er war zu nah, viel zu nah. Etwas perplex drehte er sich um. Vor ihm standen kurze Shorts und ein enganliegende dunkelblaues Shirt. Das Kostüm sollte wohl einen Polizisten dar stellen, der junge Mann vor ihm sah jedoch eher aus wie ein Stripper. Die Worte brauchten einige Sekunden bevor sie in Noels Verstanden gelangen, er hatte eigentlich gehofft, dass seine natürliche Abwehrhaltung ihn vor jeglicher Art von Konversation beschützte…war wohl nicht der Fall.

      Er nahm einen tiefen Schluck aus dem pinken Plastikbecher bevor seinen besten desinteressierten Blick aufsetzte und kurz mit der Zunge schnalzte. Das darauffolgenden „Nein.“ klang wohl noch schärfer als er es eigentlich beabsichtigt hatte. Damit sollte seine Message jedoch klar sein. Noel machte auf dem Absatz kehrt und ging, als ob das Haus ihm gehören würde, aus dem überdimensionalen Wohnzimmer raus Richtung Garten.

      Für Ende Oktober war es immer noch angenehm draußen. Nicht mehr wirklich warm aber auch nicht kalt, vor allem nicht wenn man gefühlt drei lagen Stoff und Stiefel trug. Hier war es jedoch um einiges leere, was Noel begrüßte.
    • Jay war eindeutig zu betrunken, um sich einen Kopf über diese Reaktion zu machen. Da hatte wohl einfach jemand einen schlechten Tag. Im Gegensatz zu ihm — die Flasche Wasser wurde schnell mit einem weiteren alkoholischen Getränk ausgetauscht, das ihm einer seiner Freunde in die Hand drückte und damit war es um seinen klaren Verstand ziemlich geschehen. Keine halbe Stunde später taumelte er Cyrus entgegen, der sich mit einer Pirat…in unterhielt. Also nicht der unfreundliche Kerl von vorhin. Mit verschwommener Sicht war das nicht mehr so einfach zu sagen, aber sie war heiß, vermutlich, und dafür kassierte sein Freund ein wackeliges High Five, bevor Jay sich entschuldigte, um mal kurz nach draußen zu gehen und mit der kühlen Luft vielleicht so weit auszunüchtern, dass er Menschen wieder differenzieren konnte.

      Stattdessen hatte er bei seiner Ankunft im Garten aber das Gefühl, dass er Drogen genommen hatte, weil er entweder doppelt sah oder mit The Flash zu tun hatte.
      „Du nochmal! Hat Cyrus wieder irgendeinen bescheuerten Kommentar gemacht?“ Jay kam grinsend und leicht schwankend auf die Person im Piratenkostüm zu. „Sag mal, wie bist du so schnell hier rausgekommen?“ Gerade als er die Worte aussprach, verlor er ein wenig das Gleichgewicht und packte in einer kleinen Panikwelle den Arm der Piratin. Den recht starken Arm der Piratin. Na, zumindest war seine Reaktionsfähigkeit im Notfall noch in Ordnung. Er gab das Stehen allerdings lieber gleich auf und ließ sich ins Gras fallen. „Sorry“, entschuldigte er sich breit lächelnd mit einem Blick nach oben. Mit dem Flirten hatte er es gerade echt nicht so. War ja auch eine ziemliche Herausforderung, wenn man sich nicht mehr auf den eigenen Füßen halten konnte.
      Aus jetziger Perspektive hatte er auch nicht allzu viele gute Sprüche drauf, die funktionieren würden. Also schoss er ein: „Schicke Schuhe“ hinterher, sobald sein Blick auf die Stiefel fiel, die unter den Lagen an Stoff hervorblitzten. Jay stützte sich auf seine Arme und lehnte sich etwas zurück. „Ich wette, das hat dir heute noch keiner gesagt“, lachte er.
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    • Mona lachte den betrunkenen Freund von Cyrus freundlich an, da hatte wohl jemand ein einig tief ins Glas geschaut. Sie hatte aber gut reden, Cyrus versorgte sie gefühlt am laufenden Band ebenfalls mit Alkohol.
      Den Namen des jungen Mannes, hatte sie gar nicht mehr mitbekommen, oder sie hatte ihn schon wieder vergessen, so oder so, es war ihr egal. Mona hatte im Moment eh nur Augen für den jungen Mann der ihr so bereitwillig seine Aufmerksamkeit schenkte, aus diesem Grund grinste sie schon fast ein wenig erleichtert als Jay sie wieder verließ.


      Noel genoss in der Zeit die Ruhe im Garten. Der laute Bass störte diese zwar ein wenig, aber es war immer noch erträglicher als in dem Haus selbst. Sein Glas hatte er recht schnell geleert und bereute es gerade nicht gleich die ganze Flasche mit raus genommen zu haben, er würde jetzt definitiv nicht wieder rein gehen.

      Er atmete zufrieden die kühle Nachtluft ein und wollte gerade die Augen schließen als seine Ruhe gestört wurde. Der Stripper-Polizist von eben kam zu ihm getorkelt, anders konnte man seine Gangart wirklich nicht nennen. Als der Typ ihn dann auch noch anquatschte brummte er unzufrieden auf, konnte man ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Und dann Frage er ihn auch noch aus. „Keine Ahnung wer Cyrus ist und ich bin ehrlich, ich habe auch keine Interesse dieses Cyrus kennen zu lernen.“ brummte er genervt auf. Eigentlich wollte Noel sich gerade von er Polizisten weg drehen als sich dieser an seinem Arm festhielt und sich dann sehr ungalant auf den Rasen plumpsen ließ. Wäre er von der Anwesenheit des anderen nicht so genervt hätte er sicher gelacht…obwohl ein schadenfreudiges Grinsen konnte er sich dann doch nicht verkneifen. Das sah aber auch zu amüsant aus. Das darauffolgende entschuldigende Lächeln des anderen ließ hin kurz innehalten. Es wirkte ehrlich, nicht so ekelhaft aufgesetzt wie bei den meisten Menschen, aber wie aufgesetzt konnte schon das Lächeln eines betrunkenen sein?

      Bei den Kompliment verdrehte er kurz die Augen. Einen schlechteren Anmachspruch hätte der jüngere echt nicht raushauten können oder? Und trotzdem hatte er irgendwas, vielleicht lag es auch einfach an der Menge des Selbstbewusstseins mit dem Jay die Worte ausgesprochen hatte. „Ich muss dich enttäuschen, die Worte habe ich heute tatsächlich schon gehört.“ grinste Noel schon fast ein wenig selbstgefällig. Das war nichtmal gelogen, Mona hatte ihm heute morgen tatsächlich schon ähnliche Worte gesagt, es war zwar nicht der genau gleiche Wortlaut aber das musste Jay ja nicht unbedingt wissen. Sein Blick glitt kurz zu seinen Stiefeln. Sie waren wirklich toll, die Stiefel waren fast Kniehoch mit einer schönen Schnürrung. Er hatte sie ursprünglich mal für ein Fotoshooting gekauft, danach aber eher seltener getragen, wann trug man denn auch bitte als Kerl kniehohe Stiefel?
    • Cyrus hatte nie einen besonderen Plan oder Ansprüche, wenn er sich an irgendein Mädchen ranmachte, aber es kam erschreckend selten vor, dass er den ersten Schritt machte. Was gut war, denn auf die Art waren die Mädels meist erstmal von seinem Aussehen und irgendeiner Vorstellung geblendet und konnten ignorieren, was er im Gespräch so von sich gab. Er war nicht dumm, er war nur unfassbar schlecht darin, mit Frauen zu reden. Aber aus Gründen, für die er echt dankbar sein musste, funktionierte es meist sogar, einfach zwei Stunden lang von irgendeinem Fußballspiel zu erzählen, solange die Frau nur zuerst ein Auge auf ihn geworfen hatte. Das war wohl der große Vorteil von Studentenparties, keiner suchte nach irgendetwas ernsthaftem.

      Und heute hatte er wohl einen Glückstreffer. Noch dazu war es eine heiße Piratin, die kein Problem damit zu haben schien, mit Cyrus Alkoholspiegel mitzuhalten. Und außerdem war sie optisch erstaunlich genau sein Typ, weshalb er sich sogar ein bisschen Mühe gab, es nicht zu vermasseln.


      Jay musste sich unterdessen fragen, ob Cyrus kleine Freundin ein ernsthaftes Rauchproblem hatte oder hier deutlich mehr Piraten herumliefen, als er erwartet hatte. Dass er mit dem Mann vom Getränketisch sprach, der ihn vor etwa einer halben Stunde abblitzen hatte lassen, fiel ihm schon garnicht mehr ein. Das war ihm aber gerade auch relativ egal, er kam sowieso nicht mehr so schnell hier weg und wer auch immer da auf ihn herab grinste, schien es wert zu sein, noch ein paar weitere Komplimente zu suchen, die er wunderbar zunichte machen konnte. Jay mochte kleine Herausforderungen schon immer, auch wenn er dieser vermutlich gerade nicht gewappnet war, so am Boden festsitzend und unfähig, seine Worte beim Sprechen nicht zusammenzuziehen. Irgendwie musste er den Piraten auf sein Level herunterbringen.

      „Ahja… Und was hast du noch nicht gehört? Ich mag dein Lächeln, hat was teuflisches“, erwiderte er kurzerhand und blinzelte ihm entgegen. „Der Hut würde dir wahrscheinlich auch ohne Kostüm stehen“
      Zu viel? Er lächelte noch einmal, dann seufzte er und ließ sich etwas nach vorne über seine Knie fallen.
      „Mach‘s mir nicht so schwer, setz dich hin“, beschwerte er sich und klopfte neben sich ins Gras. Die ganze Zeit nach oben zu sehen machte den Schwindel nicht besser, aber er wollte auch nicht gleich wieder sitzen gelassen werden. Es wäre nur fair, zumindest auf Augenhöhe zu sein.

      „Brauchst du ne Unterlage?“ Während er fragte, knöpfte er bereits sein Hemd auf, voll und ganz bereit die Oktobernacht in kurzen Shorts durchzustehen. Dank dem Alkohol war ihm allerdings sowieso zu heiß.
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    • Obwohl Noel eigentlich vorgehabt hatte, den anderen ein zweites Mal abblitzen zu lassen, seufzte er leise auf und blieb sitzen. Was sprach da gegen ein wenig Spaß zu haben? Der junge Mann, der vor ihm im Gras hockte schien offensichtlich Interesse an ihm zu haben, was vielleicht auch nur an dessen Alkoholspiegel lag, aber selbst wenn, warum so eine Situation nicht nutzen? Immerhin war es auch schon wieder viel zu lange her, dass überhaupt irgendwer Interesse an dem Künstler gezeigt hatte, was wohl eher an Noel selbst lag und nicht an all den anderen. Er hatte schließlich im Normalfall kein Gesichtsausdruck der sonderlich zur Konversation anregte. Vielleicht war es auch einfach der Alkohol der aus Noel sprach und sein Gehirn überzeugte, sich auf das kleine Spielchen einzulassen.

      Als Jayden sein Lächeln komplimentierte, zog sich ein wirkliches Lächeln auf seine Lippen, nicht dieses selbstgefällige schon fast unsympathische Grinsen mit dem er die meisten Leute von sich weg lockte, sondern ein echt Lächeln. Die Art von Lächeln, die schon fast ein wenig schüchtern wirkte.

      Als Jay ihn aufforderte sich zu ihm ins Gras zu setzten verschwand das Lächeln jedoch wieder. Hatte er dafür genug Alkohol intus? Einige Komplimente eines fremden, betrunkenen - wenn auch echt heißen - Typen annehmen war eine Sache, aber sich zu ihm ins Gras zu setzten und mit ihm Konversation führen, eine ganz andere. Als der Student jedoch schon drauf und dran war das dünne Hemd auszuziehen stand Noel auf. „Ist ja gut, ist ja gut. Gott, zieh dich wieder an.“ er seufzte leise auf, tastete einmal kurz über die Grünfläche bevor er sich neben Jayden fallen ließ.

      Das Gras unter ihm war trocken, es hatte die letzten Tage nicht geregnet und für Herbst war es die Woche erstaunlich warm gewesen. „Zufrieden?“ brummte er leise auf. In dem Garten waren in regelmäßigen Abständen Solarkugeln verteilt, die die Fläche in ein angenehm warmes Licht tauchten. Noel stützte sich mit seinen Händen nach hinten ab, sein Blick gen Himmel gerichtet. Es war eine klare Nacht, wenn der Garten nicht so krass beleuchtete wäre, hätte man sicher mehr Sterne sehen können. Die Musik aus dem Haus drang wie in Watte gepackt zu den beiden jungen Erwachsenen rüber. Ray Parker Jr. sang gerade Ghostbusters und einige betrunkenen Gäste grölten den Text mehr schlecht als recht mit.
    • „Sehr“, erwiderte Jay grinsend und versuchte sich ein besseres Bild von dem Piraten zu machen, jetzt da er näher an ihm dran war. Das war ganz offensichtlich nicht die Kleine, mit der Cyrus eben gesprochen hatte. Und trotzdem war Jay aus irgendeinem Grund schon im Flirtmodus und hatte nicht den Drang, seinen Sitznachbarn allein zu lassen. Auch wenn dieser von seinen Kommentaren bisher eher genervt als irgendetwas anderes wirkte… Nur das kleine Lächeln, das Jay erhaschen durfte, motivierte ihn, nicht aufzugeben. Was auch immer er erreichen wollte. In dem Zustand konnte er nicht weiter voraus planen als die nächsten zehn Sekunden.

      „Du wirkst nicht wie der typische Halloween-Party-Gast, wenn ich das sagen darf. Hat dich wer in das Outfit reingezwungen? Wer auch immer das war, hat einen Preis verdient. Steht dir richtig gut“
      Das Grinsen war Jay nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen. Mit einem Mann zu flirten — der ehrlicherweise rein optisch gerade mit einer Frau zu verwechseln wäre, zumindest aus Jays getrübter Sicht — war wie eine Challenge, die ihn unglaublich reizte. Durch das kleine Ziel, das er sich setzte, nämlich den Piraten mit guter Laune anzustecken, fühlte er sich sogar etwas klarer im Kopf. Ein Alkomat würde wahrscheinlich das Gegenteil behaupten.

      „Zu dem Gesichtsausdruck hätte Graf Dracula aber vielleicht besser gepasst“, lachte Jay.
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    • Bei dem flirtenden Ton verdrehte Noel die Augen, konnte das leichte Grinsen welches seine Lippen umspielte jedoch nicht unterdrücken. Vielleicht sollte er sich wirklich auf das kleine Spielchen einlassen, was hatte er schon groß zu verlieren? Immerhin müsste er so oder so noch einige Zeit hier verbringen, warum diese Zeit dann nicht mit einem jungen, gut aussehenden Mann verbringen der ihm am laufenden Band das Ego streichelte? Man konnte seine Zeit definitiv schlechter verschwenden, dachte er sich.

      „Meine beste Freundin war der Meinung mich mitschleppen zu müssen…Ich korrigiere sie war der Meinung mich erpressen zu müssen…“ erklärte er knapp und zog sein Blick von den vereinzelten hellen Punkten am Himmel. „Ich werde ihr ausrichten, dass dir ihre Arbeit gefällt.“ meinte Noel während er den anderen musterte. Ohne das knappe Outfit war er sicher noch attraktiver. Er hatte nie etwas für solche Kostüme übrig gehabt, allgemein hatte er generell nichts für irgendwelche billigen Kostüme übrig.

      „Wir hatten keine Vampirzähne mehr, sonst wäre das sicher auch eine Idee gesehen.“ kommentierte er Jays Spruch, obwohl seine Stimmlage eher so klang als würde er eine Dokumentation kommentieren anstatt einen Witz zu machen. Er war einfach nicht geübt in sowas. Sarkasmus und Ironie konnte er am laufenden Band, zum teil so gut, dass die meisten manchmal nicht wusste, ob das was er sagte ernst gemeint war oder nicht, aber Witze reißen war definitiv nicht kein Spezialgebiet.

      „Was war deine Intention hinter deinem…Outfit?“ obwohl man das, was Jayden da trug wohl kaum ‚Outfit‘ nennen konnte, eher Stoffreste.
    • Sein Lächeln war wirklich attraktiv. Jay hatte vorhin nicht gelogen, wenn er es auch nur ganz kurz gesehen hatte, neben dem eher diabolischen Grinsen. Und da war es schon wieder, das ehrliche Grinsen, das sich geradezu aus ihm herauszwingen musste. Jay konnte nicht anders als begeistert mitzulächeln.

      „Deine beste Freundin…“, murmelte Jay, dem bei den Worten ein Groschen fiel. „Ah, die flirtet gerade wie verrückt mit meinem Freund da drin. Cyrus“, klärte er den jungen Mann auf. „Hey, die scheint deutlich mehr Spaß zu haben, als du. Was hält dich auf?“, fragte er grinsend.
      Alleine vom Zuhören zu urteilen würde Jay raten dass es ihm einfach an einem generellen Maß von Freude im Leben fehlte, oder so. Vielleicht war er sowas wie Scrooge in jung. Aber dann hatte Jay ja noch Zeit, um ihn vor dem Schicksal zu bewahren. Vielleicht reichte ein spaßiger Abend ja dafür?

      „Die Intention war zuerst mehr Trinkgeld zu kriegen. Dann, mein Date für die Nacht anzulocken“, erwiderte er und stützte sich nach hinten. Er warf dem Piraten seinen besten Schlafzimmerblick zu. „Hat‘s funktioniert?“
      Sobald er die Worte ausgesprochen hatte, fragte er sich, ob er eigentlich noch alle Tassen im Schrank hatte. Mit jemandem aus Spaß zu flirten, war eine Sache. Die Person indirekt zu fragen, ob sie mit einem ins Bett ging, nochmal eine ganz andere. Zumal Jay die Intention garnicht gehabt hatte, bis er eben einfach eine geniale Chance für einen Flirt entdeckt hatte. Aber die Konsequenzen hatte er nicht ganz durchdacht.
      Jetzt gab es aber auch kein Zurück mehr von der Aussage. Außerdem war er so stockbetrunken… Die Idee kam ihm garnicht so furchtbar vor. Was vielleicht ein guter Grund wäre, mal eine Zeit lang das Trinken aufzugeben.
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    • Noel schaute seinen Gesprächspartner etwas perplex an. Hatte er ihn gerade wirklich gefragt, ob sie miteinander schlafen wollen, oder spielte sein angetrunkenes Gehirn ihm da bloß einen Streich? Ihm war ja klar, dass seine letze Verabredung dieser Art lange her war, aber dass er so untervögelt war, war ihm nicht klar.

      Noel müsste lügen, wenn er sagen würde, dass diese unverblümte und direkte Art ihn nicht mal ein kleinwenig anmachte. Er hatte schon immer etwas für Typen übrig, die wussten was sie wollten und einfach direkt fragten. Allgemein hatte er wohl an sich etwas für unverblümte Direktheit übrig, vielleicht weil er selbst einfach sehr direkt war. Er überlegte kurz. Konnte er das machen? Immerhin hatte Jayden ihn ja gerade gefragt und so eine Gelegenheit würde wohl in nächster Zeit nicht wieder so schnell kommen, also warum eigentlich nicht?

      Kurzerhand richtete Noel sich auf, ließ einmal der Reihe nach seine Rückenwirbel aufknacken - er sollte dringend mal wieder einen Termin bei seinem Physiotherapeuten machen - und klopfte sich den Dreck von der Hose. „Ich trinke meinen Kaffee morgens übrigens schwarz. keine Milch, kein Zucker, kein komisches Süßstoffzeug, einfach ganz standardmäßig schwarz. Verstanden?“ meinte er als er sich in Bewegung gesetzt hatte. Das Jay ihm wohl nicht folgte bemerkte er erst, als er schon zwei/drei Schritte zurück gelegt hatte. Noel blieb nochmal stehen, seufzte leise auf und warf dem jüngeren einen kurzen Blick über seine Schulter zu. „Kommst du jetzt, oder war das Angebot nicht ernst gemeint?“
    • Das ging schnell. Nichtmal ein genervtes Augenrollen? Jay blieb etwas verwirrt am Boden zurück, als… Wie hieß der Kerl eigentlich?… aufstand und zielstrebig zurück zum Haus ging.
      „Verstanden“, erwiderte Jay kurzerhand auf die Erklärung zu den Kaffeewünschen und fragte sich, ob er gerade einer Gehirnwäsche unterzogen worden war oder wieso er antwortete, als hätte er dem Mann gerade seine Seele verkauft. Der anspruchsvolle Tonfall ließ ihn jedenfalls die Beine in die Hand nehmen. Er rappelte sich etwas unbeholfen auf und versuchte sich in der drehenden Welt zu orientieren, die sich ihm dadurch offenbarte. Sobald er einigermaßen geradeaus laufen konnte, folgte er seinem Piraten. „Total ernst“, sagte er. Ab sofort war es wohl total ernst gemeint gewesen.

      Er lief ihm ein paar Schritte hinterher und versuchte am Weg in Nichts und Niemanden reinzulaufen, bis er sich drin endlich an die Spitze kämpfte und seine Hand ergreifen konnte, um ihn durch die Menschenmenge hindurch zu navigieren. Wobei ihm diese Aufgabe wohl eher nicht zukommen hätte sollen.
      Entgegen jedem Gesetz der Physik schaffte er es allerdings sogar die Treppe hoch, wo auf jeder zweiten Stufe irgendwelche trinkenden, knutschenden Studenten saßen, denen man wie im Spießrutenlauf ausweichen musste. In dieser Villa musste es doch haufenweise Schlafzimmer geben, sonst hätte Cyrus sie kaum ausgesucht. Obwohl es ein Badezimmer oder… eine Abstellkammer wohl auch tun würden. Aber alles, das einen Gleichgewichtssinn erforderte, stand auf der Prioritätenliste auf jeden Fall unter einem freien Bett oder Sofa.

      Jay riss einfach wahlweise die erste Tür auf, die ihm ins Auge sprang und erwischte tatsächlich ein Gästezimmer— nur, dass es alles andere als frei war. Er stand kurz im Türrahmen, bevor er ein schnelles „Sorry!“ hineinrief und die Tür wieder zuknallte. Nicht, dass die drei da drin auch nur ansatzweise abzulenken gewesen waren. Gut für sie.

      Er grinste den Mann hinter sich schief an und versuchte die gegenüberliegende Tür — und hatte Erfolg. Und ehe er sich versah, fiel die Türe hinter ihnen wieder in die Angeln und er hatte keine Sekunde gebraucht, um sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Er nahm dem Piraten seinen Hut ab und strich mit der anderen Hand unter der Perücke seinen Nacken entlang. „Vielleicht wird deine Nacht doch noch besser, als die von deiner Freundin“, raunte Jay. Viel Selbstbewusstsein für jemanden, der keine Ahnung hatte, was er tat.
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    • Noel schmunzelte bei der Bestätigung. Als ob Jayden ihm gerade bereitwillig seine Seele überlassen hatte und oh Gott er würde das hier genießen, das stand definitiv fest.
      Ihre Schritte klangen dumpf als sie über den Rasen Richtung Haus zurück gingen. Mussten sie da wirklich wieder rein? Anscheinend…

      Die fremde Hand die nach seiner eignen griff ließ ihn kurz zusammen zucken. War das okay? Noel war sich da nicht so ganz sicher. Er hatte aber nicht das Bedürfnis sofort seine Hand wegzuziehen, also schien es wohl okay zu sein, auf jeden fall okayer als bei anderen Menschen, die der Meinung waren ihn berühren zu müssen. Es sollte wohl auch okay sein, wenn man mal bedachte was sie im Grunde waren zu tun. Die Menschen die ihn anrempelten, als Jay ihn durch das Haus manövrierte warf er schon fast angewiderte Blicke zu. Vielleicht hätte Noel selbst doch besser die Führung übernommen, er hätte sie aber wohl direkt zu sich Nachhause geführt und nicht in die obere Etage.

      Wie die beiden es die Treppe hinauf geschafft hatten, war sich Noel nicht ganz sicher. Er hätte eher damit gerechnet, dass sie zusammen runter stürzten würde, so sehr wie Jayden zum Teil am schwanken war. Oben angekommen mussten sie jetzt wohl nur noch einen freien Raum finden, vorzugsweise einen Raum in dem noch keine anderen Personen ihre Triebe ausgelassen hatten. Als Jay die erste mögliche Tür aufriss und Noel einen kurzen Blick auf drei ineinander geschlungenen Körper erhaschen konnte, brummte er leise auf. Das war wohl ein Anblick, den er nicht unbedingt hätte sehen müssen, wenn er ehrlich war. Das schiefe Grinsen des Studenten machte die unangenehm Situation jedoch wieder relativ gut wett, war aber auch gemein, wie konnte es legal sein so ein attraktives Grinsen zu haben?

      Die nächste Tür schien wohl ihre zu sein und ehe Noel sich versah, stand er mit dem Rücken an der Innenseite der Tür gelehnt. Das erste was ihm auffiel war, dass das Zimmer recht schön eingerichtet war. Minimalistisch aber schön. Das zweite was ihm auffiel war das sanfte ziehen an seinen Haaren. Sanft aber bestimmt löste er Jays Hand aus der Kunsthaarperücke bevor er das Ding absetzte und einfach achtlos auf den Boden fallen ließ. Die kurzen, hell rosa Haare die darunter zum Vorschein kamen, harmonierten augenscheinlich nicht ganz so gut zu dem Kostüm wie es die braune Perücke getan hatte, passte aber definitiv besser zu dem Besitzer, auch wenn das rosa eher ein kleiner Farbunfall war als eine gewollte Haarfarbe. „Ganz schön viel Selbstbewusstsein für jemanden in so kurzen Shorts.“ neckte er seinen gegenüber frech grinsend.
    • „Pink“, sagte Jay überrascht, als die Perücke zu Boden fiel. „Wieso überrascht mich das fast nicht?“ Er neigte den Kopf leicht zur Seite und musterte das Gesicht, das ihm nun dank der fehlenden Accessoires klarer erschien. Besonders die blauen Augen fielen ihm hier im unnatürlichen Licht erstmals auf. Was irgendwie ein Stichwort war. Er riss sich von dem Anblick los, drehte sich um und knipste eine der Lampen neben dem Bett an, die einen gemütlicheres, und vor allem weniger grelles Licht verströmten. Dann kam er zurück und stieß die Hand neben Noel an die Wand, direkt unter dem Lichtschalter. Das Gesicht nur wenig von dem des Älteren entfernt, streckte Jay einen Finger nach oben und schaltete das Licht aus. Seine Augen gewöhnten sich deutlich langsamer an den Helligkeitswechsel als sonst.
      „Du müsstest mich ohne Shorts sehen“, gab er zurück. Fake it ‘til you make it. Überzeugend war Jay aber schon immer aber eigentlich war er tatsächlich ziemlich optimistisch, dass es keine allzu große Herausforderung sein dürfte, sich bei seinem eigenen Geschlecht zurecht zu finden. Seine eigene Anatomie kannte er doch hervorragend.
      Aber Reden konnte ja jeder.

      Er ließ die Hand wieder von der Wand rutschen. Warum er sich so aufspielte, wusste er ehrlicherweise selbst nicht. Vermutlich, weil ihm der Respekt, den er vor Noel hatte, ein wenig zu einschüchternd und ungewohnt war. Der andere war zwar nicht allzu schwer zu überreden gewesen, aber er schien jedenfalls zu wissen, was er wollte. Sollte Jay sich irgendwie geschmeichelt fühlen, dass er ihn so schnell um den Finger gewickelt hatte oder sollte er sich lieber Sorgen machen, dass er selbst so problemlos rumzukriegen war? Besser, er begann garnicht erst, darüber nachzudenken.

      Jay strich seinem Gegenüber mit der Hand durch die kurzen Haare und merkte sofort, wie verlockend das war. Keine Gefahr, sich zu verheddern. Dann küsste er ihn zielsicher.
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    • „War ein Unfall.“ kommentierte er seine Haarfarbe. War ja nicht mal eine Lüge. Er hatte vor wenigen Tagen noch an einer Echthaarperücke gearbeitet, die er für ein Shooting pink färben musste. Von der Aktion blieb ein wenig Farbe übrig und nach einigen Gläsern Wein und zwei Folgen seiner Lieblingsserie waren seine Haare plötzlich pink, wie auch immer das passieren konnte.

      Noels Blick verfolgte den Jüngeren wie er die kleine Nachttischlampe anknipste und dann wieder zurück zu ihm an der Tür kam, währenddessen schloss er selbst die Tür hinter sich so unauffällig wie möglich ab. Er hatte echt keine Lust drauf gestört zu werden. Es gab einfach Dinge, die brauchte er in seinem Leben nicht. Er dachte zwar immer, dass Sex mit Fremden auf schlechten Halloweenpartys ebenfalls dazu gehört, aber was soll’s? So schnell konnte man sich wohl irren.

      Das Selbstbewusstsein des Studenten ließ ihm schmunzeln. Noel fand es erschreckend sympathisch wie Jayden sich ihm gegenüber dar stellte. Wie er sich aufspielte und doch schon fast eingeschüchtert wirkte. Noel würde es genießen dem Jüngeren seine großspurige Art aus dem Gesicht zu wischen, nicht das er dafür besonders viel bräuchte.

      Noel würde sich nicht unbedingt als dominant bezeichnen, devot war er jedoch definitiv auch nicht. Er wusste schlicht und ergreifend was er wollte und wie er bekam was er wollte.

      Die stechend blauen Augen des Künstlers fraßen sich fast schon in die Seele des jungen Stunden ihm gegenüber. Die fremde Hand strich sanft durch die Rose Strähnen und ließ Noel kurz die Augen schließen. Nur einmal kurz das Gefühl genießen. Das war definitiv viel zu lange her. Die Lippen die sich daraufhin auf seine eignen drückten, überraschten ihn kurz. Darauf war er definitiv nicht so ganz vorbereitet, aber gut, sollte ihn nicht stören. Noels Hand fand wie von alleine ihren Weg in die Haare seines Gegenübers und drückte den dazugehörigen Kopf sanft ein wenig näher an sich. Das erste was ihm bei dem Kuss in den Kopf schoss war, wie gut der jüngere küssen konnte und wie sehr er die nächsten Stunden wohl genießen würde.
    • Jays Hände wanderten von Noels Haaren hinunter zu den vielen Lagen Stoff. Gab‘s da irgendwo einen Zip? Knöpfe? Bitte keine tausend Knöpfe. Gerade war Jayden dieser besten Freundin nur noch halb so dankbar für die Kostümwahl, auch wenn er das Ausziehen eigentlich gemeistert hatte.
      Aber die Suche nach irgendeinem Stück Haut unter dem Stoff wurde schnell unterbrochen, als die Küsse an Intensität zunahmen. Multitasking ging vielleicht nüchtern, aber jetzt hatte er auch noch den Nachteil, das sein Gegenüber ihn auf eine ihm völlig fremde, mitreißende Weise anmachte. Jay merkte sofort, dass Noels sanfte aber bestimmte Art ihn reizte, die Kontrolle einfach gleich abzugeben. Spätestens in dem Moment hatte er auch keine Zweifel mehr, was das hier anging. Eigentlich hatte er keinen einzigen Gedanken mehr im Kopf.

      Nach ein paar atemloseren Küssen vergaß er bereits so halb, wer da überhaupt vor ihm stand und er musste sich schon aktiv daran erinnern, dass er keine Frau küsste. Auch wenn ihm der Gedanke hin und wieder von selbst in den Kopf schoss, wenn er mit den Händen über eine flache Brust strich. Ein unerwartet wenig befremdliches Gefühl. Aber dann fiel ihm natürlich auf, dass er da eher nicht zum Ziel kommen würde. Irgendwann suchten seine Hände sich automatisch den Weg nach unten und dann fand er dankbarerweise endlich eine Möglichkeit, dieses verdammte Kostüm loszuwerden. Er löste sich kurz aus dem Kuss, da das Schwierigkeitslevel etwas höher war als erhofft. Die Gürtel waren das Problem.

      „Sorry, ist mein erstes Mal mit einem Piraten“, murmelte er und lachte dann leise über seinen eigenen Scherz. Sobald er die Gürtel aus dem Weg geräumt hatte, die Oberteil und Unterteil des Outfits zu verbinden schienen, machte alles gleich mehr Sinn und er konnte sich wieder den Küssen widmen während seine Fingerspitzen sich seitlich zwischen Stoff und Haut stahlen.
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    • Das leise Geräusch welches Noel von sich gab, erinnerte schon fast an ein kichern. Jeden anderen Typen hätte er wohl ausgelacht, wenn diese so ungeschickt mit seinen Klamotten zukämpfen hätten, Jayden wiederum machte das schon fast noch sympathischer…und ja der Gedanke störte Noel irgendwie. Vielleicht stieg die Sympathie aber auch nur exponentiell zu den küssen die, die beiden Männern tauschten, denn das konnte sein Gegenüber wirklich verflucht gut.

      Als er nach einer gefühlten Ewigkeit endlich fremde Finger auf seiner nackten Haut spürte, seufzte er leise auf. Hatte sich das schon immer so gut angefühlt? Er war sich sicher, dass er diese Frage mit nein beantworten würde. Wahrscheinlich sprach da einfach nur der Alkohol aus ihm raus…die beiden Tequila Shots…genau das musste es sein…und den Becher hatte er auch ungewöhnlich schnell geleert…

      Nach weiteren, wenigen Minuten in denen sie sich küssten und Jaydens Finger sich mehr schlecht als recht durch die Stofflagen kämpfte, brummte er schon fast genervt auf, löste den Kuss in dem er einfach seinen Kopf leicht zur Seite drehte und machte sich nun selbst daran die Lagen langsam aber sicher auf den Boden zu verfrachten. Das konnte sich ja keiner mit ansehen. Wie viele verschiedenen Stoffe Mona und er in seinem Kostüm integriert hatten, überraschte selbst ihn, kein Wunder, dass Jayden damit überfordert war.

      Als Noel nun eine annehmbare Anzahl an Klamotten trug, legte er dem Jüngeren seine Hand in den Nacken und dirigierte ihn bestimmt wieder zurück zu sich. Nun konnten sie dort weitermachen wo sie aufgehört hatten.
    • „Ist das… selbst genäht? Oder einfach nur arschteuer gewesen?“, fragte Jay leise und etwas beeindruckt, als Noel Schicht für Schicht das Kostüm loswurde. Zusammen mit dem Makeup und der Perücke konnte er wohl glatt am Broadway auftreten. Eigentlich brauchte er auf seine Frage aber auch nicht unbedingt eine Antwort, der Alkohol machte ihn einfach leicht ablenkbar. Er ließ sich dankbar zurück in die Küsse hineinziehen und verstummen lassen. Außerdem hatte er jetzt freien Zugang, um seine Hände über den Rücken des anderen gleiten zu lassen, bis sie sich in dessen Unterhose hinein stahlen.

      Okay, genug, er konnte selbst nicht länger mit diesem dämlichen Outfit hier stehen wenn er ein wenig nackte Haut auf seiner spüren wollte. Glücklicherweise war dieses Polizistenkostüm quasi dafür gemacht worden, schnell ausziehbar zu sein. Er hatte absolut keine Hemmungen mehr, was das anging, zumindest trug er selbst nicht einen Käfig aus Kleidung, und riss sich das Oberteil beinahe vom Körper. Für gewöhnlich war das der Moment, in dem die Frauen beschlossen, keinen Schlaf mehr zu brauchen. Nach zweimal Blinzeln stand Jay entblößt vor Noel, presste sich leicht an ihn und küsste ihn erneut, als müsste er die verlorene Minute wettmachen, die diese Auszieh-Manöver gekostet hatten. Er war selbst ein wenig überrascht davon, wie sehr er an seinen Lippen hing.

      Nachdem sie immer noch an der Tür standen und Jay nicht grundlos nach einem Schlafzimmer gesucht hatte, begann er den Künstler einfach mit sich nach hinten zu ziehen, um demnächst mal beim Bett anzukommen. Kurz vorher machte er halt, unsicher, was jetzt eigentlich die beste Art war, sich da breit zu machen. Hatte Noel irgendeinen Plan? Konnte er selbst noch irgendwie verstecken, dass er selbst keinen hatte? Aber, naja, wie anders war das hier schon wirklich, von allem das er sonst tat?

      Er drehte sie beide kurzerhand herum, ging über zu ein paar sanften Nackenküssen, die sich im weiteren Verlauf über Noels Oberkörper verteilten, bis Jay am Boden kniete und sich mit Hand und Mund enthusiastisch über Noels Körpermitte hermachte. Dass ihn der Gedanke garnicht abschreckte, hätte er vor diesem Abend wohl auch nicht gedacht. Nein, im Gegenteil, er hatte richtig Lust darauf, alles auszuprobieren, das irgendwie ging. Seine Fähigkeiten konnte er zwar nicht einschätzen, aber es gab ja für alles ein erstes Mal.
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    • Ohne dieses alberne Kostüm war der junge Mann vor ihm definitiv deutlich attraktiver, wie viel Kleidung doch ausmachen konnte. Noel kam jedoch nicht sonderlich weit den Körper vor sich zu begutachten, da wurde er auch schon in den nächsten stürmischen Kuss gezogen. Das Verlangen des anderen ließ ihn leise aufkeuchen. Die Hände die so ungeniert über seinen Rücken wanderten, zogen eine sanfte Gänsehaut mit sich mit. Im Gegensatz zu dem leichten Gefühl von Ekel, welches im Normalfall die Berührungen von anderen Menschen bei ihm auslösten, war das schon fast angenehm. Jaydens Hände waren warm, nicht so ekelig verschwitzt warm, dass es einem schüttelte sobald man jemanden die Hand gab, sondern einfach nur warm und angenehm.

      Als Jay den Älteren zum Bett manövrierte, ließ Noel sich einfach führen, überließ dem Stundeten fürs erste die Führung und schaute wie weit er wohl gehen würde. Die leichte Planlosigkeit bekam er jedoch trotz dessen mit, dass er sich daraufhin ein kurzes selbstgefälliges Schmunzeln nicht verkneifen konnte war wohl absehbar gewesen. Und trotzdem, Jay hatte ihn in den wenigen Minuten wohl deutlich besser von sich als Person überzeugte, als es viele anderen Menschen in Noels Leben getan hatten.

      Die Lippen die nun anfingen sanfte Küsse auf den Hals des Künstlers zu verteilen, radierten das Grinsen fast schon blitzartig aus. Wie von alleine legte Noel seinen Kopf leicht zur Seite, um dem Jüngeren ein kleinwenig mehr Platz zu machen. Als die Lippen dann nicht nur über seinen Hals wanderten, sondern ihre Weg weiter runter über sein Schlüsselbein Richtung Brust zogen, seufzte er zufrieden auf. Küssen konnte Jayden wirklich hervorragend, der Gedanke war Noel eben schon gekommen, und dieser bestätigte sich nun nur nochmals. Als sein gegenüber sich plötzlich vor ihm kniete, wusste Noel für eine Millisekunde nicht so ganz was er tun, geschweige denn wie er reagierten sollte. Das war definitiv nicht Noels erster Blowjob, aber dann doch der erste den er von einem Kerl bekam, der erstens: betrunken und zweitens: definitiv hetero war…obwohl war Jay wirklich hetero? So willig wie er sich Noel hingab?

      Bei dem Enthusiasmus, des anderen, lösten sich jedoch alle Zweifel und Gedanken, die sich in dem Kopf des Älteren zusammen gesammelt hatten in Luft auf. Die Technik war nicht sonderlich gut, nicht schlecht aber eben auch nicht wirklich gut, aber allein die Leidenschaft des anderen machte die mittelmäßige Technik definitiv sehr gut wieder wett. So gut, das Noel nicht anders konnte, als seinen Kopf in den Nacken zu legen, das blau seiner Augen hinter seinen Lidern zu verstecken und zufrieden aufzuseufzen. Seine Finger fanden wie von alleine ihren Weg in die dicken, dunklen Strähnen. Er zog nicht an den Haare oder drückte den dazugehörigen Kopf weiter runter, seine Hand lag einfach locker in den Strähnen und fuhr schon fast liebevoll durch die Haare des Jüngeren.

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    • Die Hand, die sich sanft durch seine Haare bewegte, löste in Jay schon fast eine neue Stimmung aus. Es hatte etwas bestätigendes, sicheres. Nicht wirklich Gefühle, nach denen Jay üblicherweise bei einem One Night Stand suchte. Sonst war er definitiv selbstsicher genug, um sich keine Gedanken zu machen. Trotzdem nahm er sie dankend an. Und änderte beinahe im selben Moment sein Tempo von ‚begeistert, was ausprobieren zu können‘ zu ‚bemüht, es richtig zu machen‘. Wenn er sich richtig darauf einließ und aufhörte, irgendetwas beweisen zu wollen, konnte der Fremde, den Jay ursprünglich eigentlich nur verwechselt hatte, ihm vielleicht noch irgendetwas beibringen.

      Er warf einen Blick nach oben und ließ dann beide Hände über die Brust des Älteren gleiten, bevor er aufstand. Für einen Moment hielt er inne und fixierte sich auf die warme Haut, die er unter seinen Finger spürte. Fuck, warum machte ein Männerkörper ihn aus dem Nichts so heiß?

      Er verteilte wieder ein paar Küsse über Noels Schulter, Schlüsselbein und Nacken. Dann flüsterte er ihm ins Ohr: „Okay, ich weiß dass du es willst, also mach alles mit mir, das dir einfällt“ Er grinste leicht, mehr aufgrund der Tatsache, dass er gerade das — für ihn — absolut Undenkbare ausgesprochen hatte, als dem hammer Flirt den er gerade rausgehauen hatte.
      Es passte überhaupt nicht zu ihm, er hatte keine Ahnung, was in ihn gefahren war. Okay, etliche Shots und Mischgetränke waren in ihn gefahren. Aber das war nicht das erste Mal. Nur war er das erste Mal im richtigen Moment auf einen Piraten getroffen, wie es aussah.
      Dass dieser durchschaut hatte, dass Jay sich nicht allzu oft in dieser Situation wiederfand, musste er sowieso endlich akzeptieren. Er war nicht der beste Schauspieler, nur die Selbstsicherheit hatte er nicht erst erfinden müssen. Aber nachdem Jay immernoch in diesem Zimmer stand, war auch die bewiesenermaßen noch da.
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