My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Mona schaute ihren Gegenüber etwas perplex an, blinzelte dann zweimal bevor sie den Mund öffnete und wieder schloss. Sie war wohl zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich sprachlos. Es gab natürlich schon viele Situationen in denen sie nicht wusste, was sie sagen sollte, aber meistens konnte sie sich dann mit irgendeinem Spruch doch noch retten. Aber jetzt hier, auf dieser dunkelbraunen Ledercouch, Cyrus ihr gegenüber, hatte sie echt keine Ahnung wie sie auf das gesagte reagieren sollte.

      Es verstrichen sicher einige Sekunden, vielleicht war es auch eine ganze Minute bis Mona sich leise räusperte und dann wieder den Mund aufmachte. „Eigentlich…wollte ich dich kennen lernen.“ meinte sie schon fast ein wenig kleinlaut. „Das wir im Bett gelandet sind, lag wohl eher an der Menge von Alkohol die du in mich gekippt hast…“ das gesagte klang falsch in ihren Ohren. Als ob sie es gar nicht gesagt hatte, sondern irgendwer anderes, irgendein anderer Mensch der neben ihr stand und ihre Gedanken aussprach.

      „habe ich auf dich so gewirkt als würde ich mir auf jeder Party einen Typen suchen mit dem ich ins Bett gehe?“ fragte sich nachdenklich. Hatte sie vielleicht wirklich so gewirkt? Klar gab es das Gerücht, dass sie mit vielen Kerlen ins Bett hüpfte, was jedoch einzig und allein an der Tatsache lag, dass sie einfach mit jedem gut klar kam und sich auch mal mit männlichen Kommilitonen gut auf den Unifluren unterhielt. Oder weil sie einen männlichen besten Freund hatte. Oder einfach aus dem simplen Grund, das sie auch nur eine junge Frau mit einer funktionierenden Libido war…

      Das dreckige Grinsen auf den Lippen des Studenten gab ihr wohl den Rest. Fast schon etwas zu hektisch stand sie von dem Sofa auf, dabei stieß sie das Glas mit ihrem verwässerten Cocktail um, welcher sich prompt über den Tisch entleerte und ließ Cyrus alleine sitzen. Die Flüssigkeit hatte sich schnell ihren Weg über das Holz gebahnt und verteilte sich fröhlich auf Couch und Boden.

      Mit wütenden, großen Schritten ging sie zurück zur Bar. Mona war eigentlich kein Mensch der zu Aggression neigte, aber im Grunde hatte Cyrus sie indirekt als Hure betitelt und das war definitiv zu viel des guten. Was bildete sich der Typ eigentlich ein?! Ja okay, sie hatte Spaß an Sex, wer nicht? Und ja sie hatte sich von dem jungen Mann vielleicht ein ticken zu einfach ins Bett bekommen lassen und ja sie hatte ihn zuerst angesprochen aber sie stand auch schon länger auf den Studenten und das war außerdem alles kein Grund sie als billige Hure dar zustellen, der man für guten Sex danken musste.

      An der Bar angekommen drehte sie Theo mit einer fast schon zu schwungvollen Bewegung auf seinem Barhocker zu sich und presste ihre Lippen auf den des Sängers. Der folgende Kuss hatte nichts mit Liebe zu tun oder mit Leidenschaft. Sie spürte Cyrus stechenden Blick in ihrem Nacken und sie wollte ihm ganz simpel und einfach zeigen, was er gerade verloren hatte. Sie wollte ihm genau so weh tun, wie er ihr gerade weh getan hatte.

      Nach einigen Sekunden wildes Lippenaufeinander pressen löste Theo den ‚Kuss‘ Sanft aber bestimmt und schoeb Mona ein wenig an den Schultern festhaltend von sich weg. „Ehm…hey.“ lachte er leise etwas überfordert auf. Er wusste gar nichts richtig was gerade Sache war, im ersten Moment war er noch mit Jayden in ein Gespräch vertieft und ihm nächsten hatte er Monas Lippen auf seinen eigenen.
    • Jay hob die Arme vom Tresen und wich etwas zurück, als Mona angestürmt kam und sich an sein Gegenüber ranwarf. Was zur Hölle? Jay ging noch einen Schritt zur Seite, weil er sich seltsam beteiligt an der Situation fühlte, da sie eben noch über die Rothaarige gesprochen hatten. Er merkte garnicht, dass sein Mund leicht offen stand. Etwas verwirrt schweifte sein Blick über den Raum bis er bei Cyrus angekommen war, der… irgendwie nicht weniger verwirrt wirkte. Er starrte Mona an, als hätte er einen Geist gesehen, und bewegte sich keinen Millimeter. Glücklicherweise entdeckte Jay das umgekippte Glas und hatte damit eine schlechte Ausrede, sich kurz zu entschuldigen. Eine richtig schlechte Ausrede, gemessen an der Menge umgekippter Gläser in dieser Bar.
      Trotzdem hob er die kleine Klappe am Ende der Theke hoch, schnappte sich noch einen Lappen von der Bar und stapfte zu seinem Freund rüber. Dieser blinzelte ihn etwas dämlich an.

      Jay schmiss die Hände in die Luft. "Was zum Teufel hast du gesagt?", fragte er. Dann hockte er sich auf den Boden und ließ den Lappen den Whisky Sour aufsaugen. Der Boden würde morgen Früh sowieso überall kleben, das bisschen mehr war dann auch schon egal.
      Cyrus setzte sich etwas auf, er war also wohl aus der Starre gelöst. "Ich, äh, ich hab keine Ahnung. Ich hab sie gefragt, warum sie mich auf der Party angesprochen hat, dann meinte sie, ich würde sie quasi eine Hure nennen und weg war sie" Seine Stimme klang ein wenig rau. Ganz offensichtlich hatte er das Gespräch noch immer nicht verarbeitet.
      "Okay, nein, du lässt definitiv irgendetwas aus", erwiderte Jay ungläubig. "Aber es ist wahrscheinlich besser so, wenn sie sich bei jeder kleinen Krise direkt an einen ihrer Freunde schmeißt"
      "Nur, dass die was miteinander hatten"
      Jay sah auf, sagte nichts, legte den Lappen auf den Tisch und setzte sich neben Cyrus. Zusammen sahen sie hinüber zu dem seltsamen Paar an der Bar. "Tja, beschissen", sagte Jay irgendwann. Was anderes fiel ihm da auch nicht ein. Aber es war nicht das erste Mal, dass eine Frau wütend wegstampfte, nachdem sie mit Cy gesprochen hatte, also verstand er nicht so richtig, was ihn gerade so dermaßen schockte. Es konnte doch nicht sein ernst sein, dass er nach einem One Night Stand wirklich auf sie stand? Die beiden konnten doch nicht mehr als 10 Sätze miteinander gesprochen haben? Und offensichtlich war sie wahnsinnig? Genau das hatte Jay sich bei dem wilden Blick vorhin ja schon gedacht. Aber zumindest war die Chance jetzt kleiner, dass sie von ihm und Noel etwas erzählte.

      "Ich geh mich entschuldigen", sagte Cyrus auf einmal.
      Jays Kopf schwang herum und seine Erleichterung war mit einem Mal verschwunden. "Was?!", fragte er etwas zu energisch.
      Cyrus runzelte bei seiner Reaktion kurz die Stirn, stand aber trotzdem gleich auf. "Ich entschuldige mich bei ihr", wiederholte er.
      "Aber sie hat gerade Theo geküsst", murmelte Jay und versuchte noch irgendwie Cyrus davon abzubringen.
      "Theo heißt der? Aha. Ist mir egal, wir sind nicht zusammen oder sonst etwas. Sie kann machen, was sie will" Damit drehte er sich um und ließ nun Jay auf dem Sofa sitzen. Der… das gerade dringend brauchte. Kurz mal sitzen. So überfordert war er irgendwie noch nie gewesen. Das alles machte ihn total fertig. Dabei war er noch nie jemand gewesen, der leicht von der Rolle zu bringen war oder eine Pause brauchte. War das der Zeitpunkt, dem Alkohol abzuschwören?
      Nein, vermutlich nicht.


      Cyrus räusperte sich, bevor er bei der Bar ankam, um irgendwie seine Stimme zurückzuholen. Dass sie halb an dem Typen klebte, der ihm vor fünfzehn Minuten gepredigt hatte, es nicht zu vermasseln, machte das hier gerade nicht leichter. Generell war er nicht gut darin, sich zu entschuldigen. Meistens kamen die Worte einfach nicht so raus, wie er wollte.
      "Mona, ich hab das echt nicht so gemeint. Du hast mich falsch verstanden. Ich bin froh, dass du mich kennenlernen wolltest, und äh… Sorry, für die vielen Getränke an Halloween. Das war ne Gewohnheitssache" Cyrus Blick glitt nervös zwischen Monas und Theos Augen hin und her. Er hatte keine Ahnung, wann er sich das letzte Mal für etwas entschuldigt hatte. Es gab vieles, das ihm leid tat, aber es kam nunmal nie zu einem Gespräch, das eine Entschuldigung beinhalten würde. Aber jetzt gerade wollte er echt nicht wegen einem dämlichen Fehler aufgeben.
      "Ich bin übrigens richtig schlecht darin, mich auszudrücken, falls dir das noch nicht aufgefallen ist", fügte er mit einem kleinen, schuldbewussten Lächeln hinzu. Zumindest war er sich dessen bewusst. Besser machte es das aber meistens nicht.
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    • „Ach was wirklich? Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ meinte sie sarkastisch und verdrehte die Augen. Theo warf Cyrus im Gegenzug einen mehr als nur verwirrten Blick zu. Er war immer noch überfordert von der ganzen Situation. Immerhin war das, was mal zwischen ihnm und Mona war schon lange vorbei und das war auch gut so. Nicht das Mona, nicht eine unfassbar tolle Frau war und er die Zeit definitiv nicht missen wollen würde, aber jede gute Zeit war mal vorbei…und möglicherweise hatte er gerade auch eine wirklich gute Zeit mit einer anderen Person und zu aller Überraschung war Theo nicht die Art von Mensch die auf mehreren Hochzeiten tanzte, was Mona auch eigentlich wusste…also warum genau gerade der Kuss?

      „Cyrus, es geht nicht um die scheiß Getränke, es geht darum, dass du anscheinend der Meinung bist, ich wäre leicht zu haben und würde mit jedem Typen der mich fragt ins Bett hüpfen.“ sie war immer noch geladen. War sie jemals in ihrem Leben so sauer auf eine Person gewesen? ja wahrscheinlich schon…aber das tat nichts zur Sache!

      Bei dem kläglichen Versuch sich zu entschuldigen, lächelte Theo dem Studenten aufmunternd zu, auch wenn Cyrus das ganz schön schlecht machte. Der Sänger strich der jungen Frau beruhigend über den Oberarm, was wohl die richtige Wirkung hatte. Nachdem Mona einige Male tief durch geatmet hatte, entspannte sich die angespannte Muskulatur ein wenig.

      „Ich find es trotzdem nett, dass du dich entschuldigst…“ meinte sie in einem etwas ruhigeren Ton. „Trotzdem war das nicht in Ordnung.“ hing sie sofort hinten dran. Es war wohl im Endeffekt das sanfte, schuldbewusste Lächeln, welches Mona wieder einlullte, oder einfach der Faktum dass sie ein wenig in den anderen Studenten verschossen war oder der Alkohol der ihrer Blutbahn vor sich hin rauschte.

      „Du kannst mir einen Drink ausgeben und dann überlege ich mir, ob ich dir verzeihe.“ meinte sie so als ob sie ihm nicht schon längst verziehen hätte. Da war die rosa-rote Brille wieder.
    • "Okay…", murmelte Cyrus erst, um die Worte auf sich wirken zu lassen. Wie zum Teufel hatte sie das zwischen den Zeilen gelesen? Frauen musste mal einer verstehen. "Tut mir leid, dass das so rüberkam", sagte er dennoch. Er würde garnicht versuchen, dahinter zu kommen. Dass man ihn missverstand war er ja durchaus gewohnt.
      Aber auch, wenn Theo es bestimmt nur nett meinte und Mona besser kannte und wohl wusste, wie man sie beruhigte, wurde ihm das ganze Getatsche langsam zu viel. Er hatte definitiv keinen Bock auf einen Dreier.
      "Klar, was willst du?", fragte er also schnell und wollte den Prozess etwas beschleunigen, damit sie ein bisschen von Monas 'gutem Freund' wegkamen. Er warf einen Blick zur Bar, dann über die Schulter und blieb einen Moment an Jay hängen, der wie ein nasser Sack auf der Couch hing. Sollte er sich Sorgen machen? Jayden sah nichtmal in der Prüfungsphase so eingefallen aus. Cyrus überlegte einen Moment, beschloss dann aber, dass sein bester Freund in der Lage war, seinen emotionalen Zustand selbst einzuschätzen, und er die Situation mit Missverständnissen auch nicht noch schlimmer machen wollte, was auch immer der Typ grade durchmachte.
      Er winkte der anderen Bartenderin zu und ließ Mona bestellen, bezahlte mit großzügigem Trinkgeld und machte dann einen Versuch, von der Bar wegzukommen. Nur hatte Cyrus ein kleines bisschen schlechtes Gewissen, Jay von der Couch wegzujagen, wenn er offensichtlich eine kurze Pause brauchte. Von was auch immer.
      "Äh, wie wärs, wenn wir uns zu den anderen setzen?", fragte Cyrus und deutete in Richtung der restlichen Band.


      Jays Abend verging viel zu langsam. Er hatte keine Ahnung, wie lang er auf dem Sofa gesessen war, aber es musste eine Weile gewesen sein, weil seine Kollegin ihn leicht genervt am Arm gepackt und zurück an die Theke geschliffen hatte. Gegen 12 hatte er sich schon fast wieder unter Kontrolle, allerdings auch nicht genug, um für Trinkgeld zu flirten. Generell verlief die Zeit Elends langweilig. Dafür schien Cyrus ja alles wieder geregelt zu haben. Whohoo…
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    • Mona nickte bei dem Vorschlag leicht und setzte sich dann wieder zu den anderen an den Tisch.

      Nach drei weiteren Drinks schien sie die Sache schon so gut wie vergessen zu haben und kam aus dem flirten mit Cyrus gar nicht mehr raus. Die junge Studentin war eine wirklich sehr offenherzige und lustige Betrunkenen. Um kurz vor zwölf erzählte sie Cyrus in voller Brandbreite sie wie Noel kennengelernt hatte und was der junge Mann alles versucht hatte zu tun um damals von Mona weg zu kommen…anscheinend ohne Erfolg.


      Wie versprochen kam Noel um Zwölf in die Bar. Er sah fertig aus, er sah richtig fertig aus. Die tiefen Augenringe konnte selbst das MakeUp, welches er am Morgen aufgetragen hatte, nicht mehr verdecken. An seinem linken Unterarm und auf seinem Handrücken befanden sich noch halb weggewischte MakeUp-Reste. Während einer Auseinandersetzung mit einem der Models, wurde ein kleiner Behälter mit flüssigem Kunstblut umgekippt, welcher sich halb auf seinen Klamotten entleert hatte und dem jungen Mann einen schon fast makaberen Look gab. Unter Noels Fingernägeln hatte sich eine Mischung aus Narbenfluid und Liquid Latex festgefressen und an seinen Fingern waren noch Rest von Sekundenkleber, den er gebraucht hatte um eins der Kostüme notfallmäßig zu flicken.

      Er wollte einfach nur noch ins Bett und hätte er Mona nicht versprochen, dass er sie abholen würde, wäre er jetzt sicher schon längst zuhause. Als er die Bar betrat, schlug ihm der Geruch von Alkohol und der Lärm von schlecht nachgesungene Songs entgehen. Am liebsten hätte er auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre auf dem gleichen Weg wieder raus, wie er rein gekommen war. Zu seinem Glück hatte er die Rothaarige schnell gefunden.

      „Noel!“ strahlte Mona ihn lallend an und fiel ihr um den Hals. „Was machst du denn hier Noel?“ er seufzte leise auf. Er hatte echt keine Kraft, sich jetzt noch mit seiner betrunkenen Freundin rumzuschlagen. „Dich abholen, wie versprochen.“ brummte er leise auf. „Abholen?“ wiederholte sie enttäuscht. „Nein. ich will noch nicht gehen.“ - „Mona, ich habe echt keine Lust auf dieses Theater, ich hatte einen super anstrengenden Tag und will einfach nur noch ins Bett.“ Noel war selbst zu erledigt um wirklich genervt zu klingen. Er wollte doch einfach nur noch unter die Dusche und dann tot wie er war ins Bett fallen. Mona schien, trotz des Alkohols die Message verstanden zu haben und nickte dann. „Okay. Ich will mich nur noch von ein paar Leuten verabschieden, okay? Setzt dich doch so lange an die Bar.“ sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu, zog Cyrus dann leicht schwankend auf die Beine und torkelte davon.

      Noel verstand den Wink mit dem Zaunpfahl definitiv und wenn die Rothaarige nicht so betrunken wäre und er mehr Lebenswillen gehabt hätte, hätte er ihr sicher eine Ansage gemacht. Stattdessen ging er tatsächlich zur Bar rüber und ließ sich erschöpft auf eine der Barhocker nieder.
    • Nach einigen Drinks schien wieder alles in Ordnung zu sein und Mona klebte regelrecht an Cyrus. Das Flirten nahm garkein Ende mehr und sie schien ihn nun auch nicht mehr misszuverstehen, wenn er versuchte, ihr ein Kompliment zu machen. Es lief kurzgesagt ziemlich gut. Als allerdings irgendein Kerl in die Bar kam und sie abholen wollte, musste Cyrus realisieren, dass das mit dem Two Night Stand nichts mehr wurde.

      Die Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen, als Mona ihn für eine intensive Verabschiedung von den anderen wegzog. Sie endeten in dem kleinen Durchgang, der zu den Toiletten führte und Cyrus brauchte keine zwei Sekunden, um die Chance zu nutzen und sie zu küssen. Selbst wenn es dabei blieb, war er völlig zufrieden. Es war ein überragendes Gefühl, ihre Haare zwischen den Fingern zu spüren, ihre weiche Lippen auf seinen und ihren schmalen Körper an seinem. Cyrus drückte sie ein wenig an sich, beinahe reflexartig. Trotz der zahlreichen Drinks kam ihm aber noch früh genug in den Sinn, dass das zu nichts führen würde und er höchstens ein paar frustrierende Minuten allein hier stehen musste, bevor er sich zurück zu den anderen setzen konnte.
      Also ließ er sie los. Sie war ohnehin stockbesoffen und irgendwie wollte Cyrus lieber sehen, wie weit sie nüchtern gehen würde. „Dieses Poetry Ding steht noch, oder?“, murmelte er gegen ihre Lippen.


      Jay bekam davon absolut nichts mit. Nachdem er zwei Mädchen ihre Mochitos gemixt hatte, ließ er sich kurz über die Theke fallen. Er vergrub den Kopf zwischen den Armen. Seit wann war es eigentlich so anstrengend, lange wach zu sein? Allerdings bekam Jay seinen Adrenalinkick sogleich. Als er den Kopf zur Seite drehte, sah er die Wurzel allen Übels am anderen Ende der Bar auf einem Hocker sitzen. Und er sah beschissen aus. Zumindest insofern, dass er offensichtlich einen langen Tag gehabt hatte. In jeder anderen Hinsicht leider nicht. Jay war nüchtern und fühlte sich irgendwie verpflichtet dazu, den Pinkhaarigen einen Moment zu mustern, um herauszufinden, was er an ihm fand, wenn er betrunken war. Ein kleiner Anflug an Hass kam ihm allerdings dazwischen, als er realisierte, dass er ihn bedienen musste. Oder musste er das? Vielleicht konnte er einfach schnell abhauen. Gerade wollte er sich davonstehlen, da schnappte seine Kollegin ihn am Kragen. „Ich schwöre dir, wenn du mich nochmal allein lässt, klau ich dir dein ganzes Trinkgeld“, drohte sie ihm mit blitzenden Augen an.

      Jay seufzte. Er akzeptierte sein Schicksal recht schnell, er war ohnehin zu müde. Also ging er nach drüben zu Noel.
      „Willst du was trinken?“, fragte er monoton, als wäre es absolut selbstverständlich, kein Wort über ihr Verhältnis zu verlieren.
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    • Mona schaute ihren gegenüber kurz etwas verwirrt an, bevor sie Cyrus anstrahlte. „Ja auf jeden Fall! Ich würde mich freuen.“ meinte sie ein wenig zu motiviert, was wohl an dem Alkohol lag.


      Zur selben Zeit hatte Jayden, Noel gerade an seiner Bar entdeckt. Das der Student ganz offensichtlich damit gestuggelt hatte, zu ihm zu gehen war Noel mehr als nur bewusst. Er wollte kein Stress, keine unnötige Konfrontation oder irgendwas, was seinen Tag noch energieraubender machte las eh schon.

      „Ein Wasser wäre super.“ murmelte er und zwang sich, nicht zu sehr auf dem Barhocker zusammenzusinken. Noel hatte das Gefühl, dass sich seine Muskulatur langsam aber sich er verabschiedete und genau so dringenden Ruhe brauchte, wie er selbst. Das Noel mit dem verschütteten Kunstblut auf seinen Klamotten, gerade verdächtig stark danach aussah, als hätte er jemanden abgebracht, versuchte er zu ignorieren und genau so hoffte er, dass es alle anderen Leute auch taten. Seine modische Entscheidung, an diesem Abend noch der Polizei erklären zu müssen, stand definitiv nicht auf seiner To-Do-Liste.

      „Viel los, was?“ fragte er den Barkeeper und schimpfte sich prompt dafür aus. Warum er schon wieder, das Gespräch mit Jayden suchte, war ihm selbst ein Rätsel. Dieser Typ machte ihn einfach nur noch fertig und trotzdem hatte er irgendwie den Drang sich gerade mit ihm zu unterhalten. Was Jayden jedoch von Noel hielt, war ihm gerade zu ins Gesicht geschrieben. Und eigentlich Teile Noel diesen Gedanken doch auch…oder? Vielleicht war das auch einfach das letzte Fünkchen Verstand, welches sich schon in die Traumwelt verabschiedet hatte.

      Er sollte am besten einfach den Mund halten. Jayden sah nicht gerade danach aus, als würde er sich gerne mit Noel unterhalten wollen würden. Der junge Franzose würde nur wahrscheinlich noch einige Minuten an dessen Bar verweilen müssen, so wie er Mona kannte, konnte ein ‚noch kurz verabschieden‘ erschreckend lange dauern.
    • Jayden nickte kurz und füllte ein Glas mit Wasser auf, das er Noel hinstellte. Kam er eigentlich gerade von einem Auftragsmord zurück? Nein, viel eher hatte er einfach die Geduld verloren und gerade ein Messer in der Hand gehalten.
      Jay musterte sein Gegenüber kurz, bis er plötzlich angesprochen und aus seinen Gedanken gerissen wurde. „Es ist eine Party, also, ja, viel los“, antwortete er und konnte wohl den leicht überraschten Ton in seiner Stimme nicht verstecken, da Noel Konversation betreiben wollte. Das war genau, wovor Jay sich die ganze Woche gefürchtet hatte. Aber irgendwie fragte er sich gerade, wieso, jetzt, wo er ihm leibhaftig gegenüber saß. Es war nicht so, als würde Jay den Älteren hassen oder ihm irgendetwas verübeln, schließlich hatte er an Halloween nichts unfreiwilliges getan. Aber er konnte sich einfach nicht damit abfinden, dass Noel ihn überhaupt dazu gebracht hatte. Und dieser kalte Blick war noch nicht einmal etwas, das ihn davon abgebracht hätte; im Gegenteil, es hatte ihn angespornt.

      Jay holte tief Luft und seufzte, als würde seine Seele seinen Körper verlassen, dann ließ er sich einen Schritt seitlich gegenüber von Noel auf die Theke sinken. Er war zu müde, um nachzudenken. Es würde ihn schon nicht umbringen, einfach mit Noel zu reden, wenn dieser das wollte. Dass zwischen ihnen nichts laufen würde, hatte Jay ja wohl klar gemacht. „Ich hab dir doch gesagt, dass wir uns wiedersehen, wenn du auf irgendeiner Studentenparty auftauchst“, murmelte er. Warum tauchte er hier überhaupt so spät auf, sah aus, als wäre er gerade gestorben und wieder auferstanden, und setzte sich dann genau vor seine Nase? Das war doch volle Absicht, oder? Wollte er ihn irgendwie verarschen?

      Jay stützte den Kopf in seine Hand und blinzelte Noel an. „Stehst du auf mich oder was soll das?“ Ein angedeutetes Lächeln schlich sich unbewusst auf seine Lippen.
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    • Noel nahm einen großen fast schon gierigen Schluck aus dem Glas und seufzte leise auf. Das kühle Wasser tat echt gut. Er hatte zwar nicht das Gefühl, dass er nun mehr Energie oder Lebenswillen dadurch erlang hatte aber immer hin fühlte er sich nur noch zu siebenundneunzig Prozent tot.

      „Ich hab Mona versprochen sie abzuholen.“ erklärte er knapp. „Glaube mir, sonst wäre ich gar nicht erst hier, das Gegröle hätte ich meinen Ohren auch gerne erspart.“ meinte er schon fast ein wenig belustigt und deute mit dem Kopf zur Karaokeecke, wo gerade eine junge Studentin einen Britney Spears Song schlecht sang.

      Als Jayden ihn dann jedoch frage ob er auf ihn stehen würde, blinzelte Noel seinen gegenüber etwas verwirrt an. Er schien sich jedoch relativ schnell wieder gefangen zu haben. „Ich habs dir das letzte mal doch schon gesagt. Du bist attraktiv, aber das weißt du sicher selbst.“ meinte der Franzose schulterzuckend. Bei dem leichten Lächeln auf Jayden Lippen, musste Noel unweigerlich mit Lächeln, auch wenn sein Lächeln ganz schön fertig aussah.

      Er wusste nicht was in ihn gefahren war. Warum unterhielt er sich überhaupt gerade mit Jayden. Mit dem Typen der ihn das letzte mal so unglaublich sehr auf die Nerven gegangen war. Eins musste Noel sich jedoch eingestehen, es war wirklich verdammt einfach mit ihm Konversation zu führen. Viel einfacher als mit jedem anderen Menschen, mit dem er in der Vergangenheit in ein Gespräch verwickelt wurde. Es fühlte sich einfach natürlich an und das machte ihm eine Heiden Angst.
    • „Klar, weiß ich das. Aber das beantwortet nicht meine Frage“, hackte Jay weiter darauf herum. Er wusste selbst nicht, wieso. Er wusste ja schon, dass er nicht wegen ihm hier war. Vermutlich wollte er Noel einfach ein wenig nerven. Das hatte irgendwie den gegenteiligen Effekt und er durfte sich das niedliche Lächeln auf seinen Lippen wieder ansehen. Moment, was?
      Jay drehte den Kopf wieder von Noel weg. Irgendwas stimmte nicht mit ihm. Am besten sah er Noel einfach nicht mehr an.

      „Äh… ich hab jedenfalls schlechte Nachrichten. Mona und Cyrus verstehen sich fantastisch“, sagte er und ließ seinen Blick über den Raum gleiten in dem Versuch, die beiden zu finden, aber sie waren verschwunden. Oh, na toll. Hatte Cyrus es echt geschafft und seinen Two Night Stand Traum wahr werden lassen? Wie auch immer das passieren konnte.
      „Sag mal, hast du Mona gesehen? Ich befürchte irgendwie, dass sie weg sind“, murmelte er. Sogar betrunken konnte man es von hier aus zufuß zum Campus schaffen, also wäre das wohl das kleinste Problem.

      Er sah Noel wieder an, wie automatisch, um auf seine Antwort zu warten, wurde aber schon wieder von irgendeinem seltsamen Gefühl übermannt, das ihn den Blick abwenden ließ. Das konnte doch nicht wahr sein. Er kannte dieses Gefühl, das war der ausschlaggebende Punkt, an dem er begann, mit einem Mädchen zu flirten. Er hatte keine Ahnung, was Noel an sich hatte, das so etwas in ihm auslösen könnte. War es einfach die Tatsache, dass sie miteinander geschlafen hatten und er ihn dadurch mit anderen Augen sah? Das musste es sein, denn er hatte sich noch nie zu einem anderen Mann hingezogen gefühlt. Und er würde gerne verweigern, dass er es jetzt gerade tat… Aber das war richtig schwer, wenn Noels blaue Augen auf ihn gerichtet waren und sein ganzes Gesicht ihn aufforderte, geküsst zu werden. Wäre es sehr unfreundlich, sich mit dem Rücken zu ihm zu drehen?
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    • „Vielleicht habe ich auch einfach ein Ding für attraktive Kerle.“ das leichte Lächeln verzog sich zu einem Grinsen, welches jedoch sofort verschwand als er realisierte was er gesagt gesagt hatte. In Gedanken verpasste er sich eine Backpfeife. Hatte er gerade wirklich mit dem jungen Studenten vor ihm geflirtet?! Mit dem Typen, mit dem er vor nicht einmal Woche im Bett gelandet war, weil er ihn schlicht und ergreifend für ein Mädchen gehalten hatte? Anscheinend. Und das schlimmste an allem war, das es sich so natürlich wie atmen angefühlt hatte. Er hatte sich nicht zu den Worten zwingen müssen, so wie es sonst der Fall war, wenn Mona ihn mal wider zu irgendeiner Party mitgeschleppt hatte und er der Meinung war, die Möglichkeit ja nutzen zu können und sich eine heiße Abendbegleitung zu suchen.
      Das hier war anders. Noel hatte nicht den Drang dazu, den jüngeren mit nachhause zu nehmen, selbst wenn, wäre Zuhause wahrscheinlich nichts mehr mit ihm anzufangen gewesen.

      Noel schaute sich kurz um und brummte dann leise auf. „Anscheinend…naja ich werde das Glas wohl noch leer trinken und dann schauen ob ich sie finde, wenn nicht hat sie Glück gehabt.“ meinte er schulterzuckend. „Wie gesagt, ich trink noch zu Ende und dann gehe ich dir auch schon nicht mehr auf die Nerven.“ winkte er schnell ab.

      Ging er Jayden überhaupt auf die Nerven? Fühlte es sich einfach nur für Noel selbst so natürlich an mit Jay zu reden und der andere wünschte sich nichts sehnlicheres als, dass er endlich verschwinden würde?
      Wie dem auch sei, Noel wollte definitiv so langsam ins Bett und für dieses ganze Kopfzerbrechen hatte er echt keine Energie mehr…
    • Er hatte wohl doch die Antwort aus Noel rausbekommen, die er haben wollte. Stellte sich nur die Frage, warum Jay das unbedingt hatte hören wollen, denn er spürte, das es etwas mit ihm machte, und das nicht im negativen Sinn. Jay versuchte den Satz von sich abzuschütteln, aber dann meinte Noel, er würde ihm gleich nicht mehr auf die Nerven gehen und bevor er sich versah, war ihm schon etwas rausgerutscht. "Du gehst mir nicht auf die Nerven", erwiderte er wie selbstverständlich.
      "Äh… okay, warte hier. Ich seh mal nach, wo die beiden sein könnten", sagte er schnell darauf. Er musste kurz verschwinden. Mit einer Hand fuhr er sich am Weg zur Holzklappe im Tresen überfordert durch die Haare, wobei er versuchte, sein Gesicht ein wenig vor Noel zu verstecken. Er hatte das Gefühl, jeder könnte gerade seine Gedanken daran ablesen. Als er vor der Bar war, drehte er eine kurze Runde durch den Raum, ging zu Tisch 6 und fragte Eliot nach Cyrus, der aber schon mehr als vollgelaufen war, und kam am Ende seiner Tour ohnehin bei den Toiletten an, wo er glücklicherweise einen Seitenblick in den Gang machte. Da standen sie, ineinander geschlungen an der Wand. Jay seufzte. Warum musste es ausgerechnet Mona sein?

      Er lief zu den beiden rüber und tippte seinem Freund ungeniert auf die Schulter. Irgendwer musste das hier ja unterbrechen, bevor sie in einer Toilettenkabine vögelten. Oder besser, mitten am Gang. Danach sah es nämlich irgendwie aus.
      "Cyrus, lass sie los. Monas Abholdienst ist da und nervt mich an der Bar" Gelogen.
      Trotzdem wollte er, dass beide so schnell wie möglich verschwanden.
      Der Rothaarige ließ von Mona ab und begann sie Richtung Bar zu schieben. "Ist ja gut. War nur eine Verabschiedung", erwiderte er und winkte ab. Jay seufzte frustriert. Klar.
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    • Bei der plötzlichen Aussage des jüngeren starrte Noel ihn ein wenig perplex an. Hatte er sich gerade verhört? Wahrscheinlich, sonst würde Jayden wohl nicht so schnell zu sehen, dass er verschwinden könnte. Immer noch überrumpelt von dem gesagten, nickte der Franzose nur leicht und schaute Jay hinterher, bis er verschwunden war.

      Vielleicht hatte der Barkeeper einfach wieder ein wenig zu viel Alkohol intus, das war ja schon das letzte Mal, dass Problem gewesen. Aber ob er wirklich Alkohol trank wenn er eigentlich am arbeiten war? Das konnte sich Noel irgendwie nicht so ganz vorstellen. Jayden wirkte einfach nicht so.


      Als Jayden, Cyrus Von Mona löste seufzte sie enttäuscht auf. „Cyrus kann mich doch nachhause bringen oder nicht?“ grinste sie den Studenten an, sie hatte kaum Augen für Jayden. „Ja ja…das klingt gut. Sag Noel einfach er kann abhauen.“ Mona streichelte Cyrus zur Bestätigung sanft über den Unterarm. „Oder wie siehst du das?“ grinste sie ihn betrunken an.

      Bei der Bar angekommen, war Mona immer noch der Meinung, dass ihre Idee unschlagbar gut war. „Da bist du ja.“ murmelte Noel, das seine Augen beim sprechen jedoch eher auf Jayden gerichtet waren als auf Mona bekam er gar nicht wirklich mit.

      „Ich habe doch gesagt, ich muss mich noch verabschieden.“ ihr Lippenstift war verschmiert, das sah Noel sofort und auch die kleinen, feinen Reste der Farbe auf Cyrus Lippen sah er. ‚Verabschieden‘…wers glaubt. Schnell leerte er den Rest seines Glases und stand dann auf. „Wie viel bekommst du von mir.“ fragte er an Jayden gewandt und zog Sein Portmonee aus seiner Gesäßtasche.
    • Jay war kaum überrascht über Monas Vorschlag. Über Cyrus Zögern schon eher. Wahrscheinlich war er noch ein wenig gebrandmarkt von ihrer übertriebenen Reaktion vorhin. Trotzdem willigte der Rothaarige der Sache relativ schnell ein. War ja klar.
      Zurück an der Bar versuchte Jay zu vermeiden, dass seine Kollegin ihn verfluchte, und stellte sich wieder hinter den Tresen.
      "Das war nur Wasser… ist gratis", murmelte Jay auf Noels Frage, wurde aber sogleich von Cyrus übertönt.
      "Hey, du musst sie nicht nachhause bringen. Wir gehen zu mir" Er grinste leicht, dann wandte er den Blick zu Mona. "Schaffst du's zufuß zum Campus? Ich trag dich auch, wenn es sein muss"
      Fantastisch, also durfte Jay Mona morgen Früh auch noch in seiner Wohnung begrüßen. Sein entgleisendes Gesicht nach diesen Neuigkeiten sprach mehr als tausend Worte. Vielleicht sollte er einfach in der Bar bleiben bis morgen Früh und hier putzen. Das Sofa, auf dem er vorhin für fünf Minuten gesessen hatte, war eigentlich ganz bequem… Eigentlich hatte er demnächst Schicht Ende, aber die Bar schloss nunmal erst um 3 Uhr morgens. Bis dahin musste er irgendwie durchhalten, wenn er durch die dünnen Wände seines Apartment nicht jedes kleine Geräusch mitbekommen wollte.

      Cyrus ließ sich garnicht auf eine Diskussion mit Noel ein. "Wir gehen. Ich bring sie morgen Früh nachhause, keine Sorge", rief er noch über die Schulter. Irgendwie wirkte er weitaus nüchterner als das Mädchen auf seinem Arm.
      Jay sah einen Moment lang auf die Tür, die sich hinter den beiden schloss. Dann sah er Noel wieder an. "Wie wärs mit ner Rum Cola?", fragte er.
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    • Noel starrte erst etwas perplex seine betrunkene, beste Freundin an, dann den rothaarigen Typen und dann wieder Mona. Meinte sie das gerade wirklich ernst? War er etwa extra hier her gekommen nur damit ihm nun gesagt wurde, dass es vollkommen um sonst war? Er hätte schon längst im Bett liegen können verdammt!

      Resigniert seufzte er auf. Nicht mal wenn er die Energie für eine Diskussion gehabt hätte, hätte er sich wohl den mit beiden betrunkenen angelegt. Soll Mona doch tun was sie glücklich macht, sie war immerhin erwachsen…

      Auf die Frage ob Cyrus Mona tragen sollte, kicherte sie wie ein kleines Schulmädchen auf den schmiegte sich prompt näher an ihn. Das konnte ja was werden, dachte sich Noel. Erst schwärmt sie ihm die Ohren zu, wie toll dieser Cyrus nur war, jetzt hing sie ihm betrunken am Hals und in ein paar Wochen durfte er sich sicher anhören, was für ein Arsch er doch endgültig war…

      Noel schaute den beiden kurz hinterher bevor er sich wieder Jayden zu wand. Rum-Cola? Eigentlich sollte er heute nicht trinken, immerhin musste er noch nach Hause fahren…und eigentlich wollte er doch duschen um dann endlich ins Bett fallen zu können. „Warum eigentlich nicht.“ hatte er die Einladung gerade wirklich angekommen? Sein Verstand schien, die Antwort die gerade aus seinem Mund gekommen war noch nicht so ganz realisiert zu haben…er hatte tatsächlich zugesagt. Was war aus dem Plan geworden, so schnell wie möglich nachhause zu kommen…nun ja, der hatte sich wohl mit dem leichten Lächeln von Jayden in Luft aufgelöst, so wie das letzte Fünkchen logischen Menschenverstand, welches Noel wohl noch besaß.
    • Jay nickte und stellte Noel zwei Minuten später zwei Gläser Rum Cola vor die Nase. Er ging zur anderen Seite der Bar, kam heraus und setzte sich letztendlich doch neben den Älteren. Dann nahm er das Glas in die Hand. "Ich hab in zehn Minuten aus, du musst mich nicht verurteilen", sagte er zur Erklärung an Noel gerichtet und lächelte ihn kurz an, bevor sein Ausdruck vor Müdigkeit wieder etwas in sich zusammenfiel und er ein paar Schluck seines selbstgemischten Cocktails trank. Nüchtern würde er zuhause bestimmt nicht einschlafen können und bis 3 Uhr morgens würde er es hier drin so auch nicht aushalten. Die Lösung war mal wieder, sich anzusaufen.

      "Ist Mona immer so… verlässlich?", fragte Jay nebenbei. Ihre Stimmungsschwankungen waren kaum auszuhalten. Es war irgendwie verrückt, dass Cyrus das nicht störte aber letztlich verstand Jay auch die meisten Frauen nicht, die was von ihm wollten, also waren sie wohl ein perfektes Paar. Zu seinem eigenen Übel. Cyrus war zwar ein richtig guter Freund, aber er hatte auch seine Macken. So wie sie alle. Nur störten die einen eben weniger, wenn man nicht direkt in einer Beziehung mit dem Menschen sein musste.

      "Sie kommt mir ein bisschen labil vor", erklärte er. "Ich meine, vor etwa zwei Stunden hat sie Cyrus sitzen lassen und ist einem ihrer Freunde um den Hals gefallen und jetzt geht sie trotzdem mit ihm nachhause" So viel dazu, dass sie nicht leicht zu haben sei. Jayden runzelte die Stirn und schüttelte kurz den Kopf. Dann klickte plötzlich etwas bei ihm und ihm fiel auf, dass er das besser nicht gesagt hätte. Wenn jemand labil war, dann wohl er. Er hatte keine Ahnung, was mit ihm los war und seine Meinung zu bestimmten… Dingen änderte sich dermaßen schnell, dass er selbst kaum hinterher kam.

      Er wagte einen Seitenblick zu Noel. Konnten sie sich das bitte beide bloß denken und nicht schon wieder darüber reden? Er hatte doch selbst auch noch keine sinnvolle Erklärung gefunden.
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    • Noel lächelte ihn sanft an. „Keine Sorge, ich bin wohl die letzte Person die dich wegen irgendwas verurteilt…Ich meine sieh mich an, ich sehe aus als hätte ich einen Mord begangen.“ lachte er leise auf, selbst sein Lachen klang müde. „Ich finde es aber interessant, dass du der Meinung bist, dich vor mir rechtfertigen zu müssen. Hat das ein Grund?“ fragte Noel den jüngeren interessiert und nahm ebenfalls ein Schluck aus seinem Glas. Jayden hatte es mit der Rum-Cola-Mische wohl sehr großzügig gemeint.

      Auf die Frage, ob Mona ihn regelmäßig einfach sitzen ließ, nickte er gezwungenermaßen. „Leider. Frag dich mal, warum ich an Halloween alleine im Garten saß. Die Gute hat deinen Freund angesehen und war sofort weg, so schnell konnte ich gar nicht schalten.“ Die Art wie Noel die Worte von sich gab, klang zwar schon fast ein wenig sarkastisch, seine Stimmlage, hatte jedoch einen leicht bitteren Ton angenommen.

      „Wenn sie dir nur so vorkommt ist ja alles gut…dann scheint die Therapie ja zu helfen…“ schon wieder dieser bittere Ton. „Sie ist ‚ein Bisschen‘ labil…nennen wir es schwierige Jugend okay? Besser ist es.“ winkte er schnell ab. Wenn er gerade über eine Person nicht reden wollte, dann über Mona, er war immer noch ein wenig sauer auf sie. „Mit ‚einem ihrer Freunde‘ meinst du sicher Theo…ich habe ihn eben beim reinkommen gesehen.“ schlussfolgerte er und trank einen weiteren Schluck, eher um was zu tun zu haben und wenigen weil er Durst hatte. „Theo ist nett aber…naja du weißt schon…Theo halt.“ Wusste Jayden wie Theo war? Jeder wusste wie Theo war. Laut, auffällig, charmant, flirty, unfassbar sympathisch und definitiv ein Typ in den man sich viel zu schnell vergucken konnte.

      Nach einigen Sekunden, schien die Paradoxität der Worte selbst bei Noel angekommen zu sein, er hatte aber genau so wenig Lust wie Jayden, das Thema jetzt erneut aufzurollen, vor allem nicht in dieser Art von Umgebung.
    • „Oh, du hast also nicht wirklich jemanden umgebracht?“, fragte Jayden gespielt überrascht. „Gut, dann kann ich ja jetzt aufhören, mich zu rechtfertigen“ Er grinste leicht, bevor er wieder einen Schluck nahm. Am liebsten würde er gleich das ganze Glas runterkippen und einen Shot hinterher lehren, nachdem er merkte, dass das ungewollte Flirten wieder begann.

      Wie Noel von Mona sprach konnte man fast raushören wie gern er sie vorhin zur Schnecke gemacht hätte. Den Gedanken, dass Mona in Therapie war, fand er nun seltsam beruhigend. Wobei ihn das ja alles nichts anging, in spätestens zwei Wochen würde diese Affäre sowieso ihr Ende nehmen, auf die eine oder andere Art.
      Weniger angenehm empfand er die Neuigkeit, dass Noel die Band wohl auch schon persönlich kennengelernt hatte. Musste er denn absolut überall immer so präsent sein? Noch dazu schien er ihn ziemlich gut zu kennen.
      „Ich weiß nicht, was du meinst“, erwiderte Jay neutral, um ein paar Informationen aus Noel herauszulocken. „Er war sehr nett, ich hab vorhin kurz mit ihm gesprochen. Und der wirkte mindestens genauso überrascht über Monas Verhalten“ Er zuckte mit den Schultern. Nur, weil die beiden mal was miteinander hatten, hieß das ja nicht, dass man sich gegenseitig aus dem Nichts überfallen konnte. Jay würde wahnsinnig werden, wenn irgendeine seiner Exfreundinnen so etwas machen würde. Dafür wirkte Theo relativ gefasst, also vielleicht war das Ganze schon öfter passiert.

      „Ich geh nächste Woche auch zu dieser Talente Show im Rodeo“, hing er dran. Und bereute es sogleich. Warum musste Noel das wissen? „Theo hat mich eingeladen, aber ich bin andauernd dort“, korrigierte er sich ein wenig und machte es damit noch schlimmer. Andauernd war auch eine etwas übertriebene Aussage. Hin und wieder gönnte er sich eben einen Abend dort und beneidete die ganzen Leute ein wenig, die auftraten. Das war‘s.
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    • Je länger und je mehr sich Jayden rechtfertigte, desto breiter wurde das amüsante Grinsen auf Noels Lippen. „Du tust es schon wieder.“ lachte er leise. „Warum rechtfertigst du dich denn vor mir? Mache ich dich etwa nervös?“ Noel hatte sich ein wenig zu Jayden vorgebaut. das intensive Blau seiner Augen bohrte sich interessiert in die seines Gegenübers. „…mhm…“ machte er leise, bevor sich Noel wieder in seinen Stuhl fallen ließ und einen weiteren Schluck aus dem Glas mit der Rum-Cola-Mische nahm.

      „Theo ist auch wirklich nett.“ änderte er schnell das Thema. „Wir sind zusammen zur Schule gegangen…naja wir uns der Rest seiner Sippe.“ er deutete mit einer kurzen Bewegung seines Kopfes auf den Tisch hinter ihm, an welchem die Band saß und sich zu unterhalten schien. „Außer Nick, er kam erst deutlich später zu der Truppe, aber wenn man hier geboren und aufgewachsen ist, kennt man die üblichen Verdächtigen.“ winkte er schnell ab. „Mona und er hatten vor langer langer Zeit mal was…nichts ernstes aber immerhin. Irgendwann war das dann zu Ende und dann war gut. Sie ist nur manchmal der Meinung, wenn sie einen Typen eifersüchtig machen müsste, schmeißt sie sich einfach an einen ihrer Freunde ran. Der einzige Grund warum sie es bei mir nicht macht, ist einfach, weil ich meistens nicht dabei bin.“

      Als Jayden ihm dann erzählte, dass Theo ihn eingeladen hätte, lachte er leise amüsiert auf. „Du bist andauernd da? Gut zu wissen, dann weiß ich ja wo ich hin muss, wenn ich dich mal suchen sollte.“ zwinkerte er Jayden frech zu. Hatte er gerade wirklich angefangen mit dem Jüngeren zu flirten? Nach dem Debakel an Halloween? Noel lernte auch echt nicht aus seinen Fehlern. Zu seiner Verteidigung, Jay hatte ganz offensichtlich damit angefangen und leider fühlte sich die Gesellschaft des Studenten verflucht angenehm an.
    • Jay wusste nicht, wie er antworten sollte, also lächelte er unruhig, was definitiv nicht seine liebste Reaktion war. Noel machte ihn tatsächlich nervös. Jay war sich allerdings nicht mehr ganz sicher, was der Grund dafür war. War es, weil er Angst hatte, dass irgendjemand plötzlich seine Gedanken lesen könnte und herausfand, was zwischen ihnen passiert war? Oder war es eher, weil er mit jedem Blick, den er in Noels Augen wagte, ein wenig besser verstand, was ihn in der Nacht geritten hatte?
      Als der andere sich plötzlich ein wenig von seinem Stuhl hob und Jay deutlich näher kam, als er sich wohl fühlte, wurde die Nervosität intensiver. Bitte nicht, war alles, das er sich dachte. Es schien irgendwie immer mehr in Richtung der zweiten Option zu gehen.

      Jay konnte sein Lächeln nicht mehr aufrecht erhalten, sah weg und trank einen hastigen Schluck aus seinem Glas. Er war viel zu nüchtern und hatte dafür deutlich zu wenig Kontrolle über sich selbst und seine Gedanken.
      Jayden war noch nie so dankbar wie in dem Moment als Noel das Thema zurück auf den Punkt brachte. „Dass du nicht da bist, ist der einzige Grund?“, fragte Jay und zog eine Augenbraue hoch. Die Frage bereute er im nächsten Moment auch schon wieder. Aber zu seiner eigenen Verteidigung; wie umging man denn dieses Thema, wenn der einzige Grund, weshalb man sich kannte, ein One Night Stand war? Und dazu noch ein zum verzweifeln einprägsamer.
      „Sorry, sag einfach garnichts darauf“, murmelte er und stützte kurz die Stirn in seiner Handfläche auf, frustriert über sich selbst. Er wusste ja garnichts über Noel. Womöglich stand er auch auf Frauen. Und Jay kam direkt mal wieder rüber, wie ein Arsch, der Menschen in einen Topf warf.

      Er drehte sich wieder zu dem Älteren und ließ den Kopf auf seiner Hand ruhen. „Ich bin müde. Das ist bei mir fast äquivalent zu betrunken“, versuchte er zu erklären. Aber es stimmte nicht wirklich. In jedem körperlichen Zustand rutschten ihm manchmal riskante Aussagen raus, egal in welche Richtung die gingen. Extrovertiert und redefreudig zu sein bedeutete halt auch, manchmal unabsichtlich seinen Filter zuhause liegen zu lassen. Nicht so oft, wie Cyrus es tat, aber doch hin und wieder.

      „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass du mich absichtlich treffen willst“, erwiderte er dann, ehrlich ungläubig. „Waren deine eigenen Worte nicht ‚Ich hasse Menschen‘?“ Jay schmunzelte leicht. Zugegeben, Noel schien heute aus irgendeinem Grund viel besser aufgelegt als am letzten Morgen. Das passte gerade schlecht in Jaydens Bild von ihm, also glaubte er auch nichts davon. Vermutlich verarschte er ihn nur, weil er es witzig fand, sich über andere lustig zu machen.
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