My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Nachdem Mona eine schnelle Dusche bei Noel genommen und die beiden sich entschlossen hatten Pizza zu bestellten, wirkte die Stimmung schon wieder etwas besser. Was sich jedoch änderte als Mona eine Nachricht von einer Kommilitonin bekam. Freudestrahlend hielt sei Noel ihr Handy vors Gesicht. „Marlene hat gerade geschrieben, dass es am Samstag eine Karaokeparty geben soll…gehst du mit mir hin?“ fragte sie viel zu begeistert von ihrem Vorschlag. Das Noel, vor allem nach gestern definitiv keine Lust hatte, schon wieder Gast einer Studentenparty zu sein, war wohl offensichtlich. „Auf gar keinen Fall!“ brummte er genervt auf und nahm sich ein weiteres Stück seiner Pizza. Der Käse zog sich ein Stück bis es von den anderen Teilen getrennt worden war. „Och komm schon Noel, das wird witzig.“ grinste sie den Älteren an. „Und du kannst deinen…“ - „Untersteh dich oder du kannst morgen zu Fuß zur Uni.“ brummte er auf. Er hatte sich bereiterklärt das Energiebündel morgen zur Uni zu fahren, warum genau konnte er sich auch nicht mehr erklären, er war wohl einfach zu nett…

      „Man, warum denn nicht?“ sie setzte eine enttäusch-traurige Maske auf, vielleicht hatte sie auch einfach nur Hoffnung, dass ihr bettelnder Blick bei dem Künstler was verändern würde. „Erstens, weil ich einfach keine Lust habe. Zweitens, weil ich Samstag arbeiten muss und drittens…habe ich schon erwähnt, dass ich keine Lust habe?“ gab er schnippisch zurück. Mona seufzte traurig auf, ließ es aber dabei bleiben. „Holst du mich dann wenigstens ab?“ fragte sie mit einem flehenden Ausdruck in den Augen, den schon jeden Kerl weich gemacht hatte…naja fast jeden. Das genervte seufzen des Franzosen sprach auf jeden fall nicht unbedingt dafür. „Aber nur wenn du spätestens um zwölf fertig bist.“ das schien Mona genug zu sein. Zufrieden lächelnd nahm sich sich ebenfalls noch ein Stück der Pizza.
    • Die Woche bis zur Karaokeparty zog sich elendig lang. Jay versuchte das beste daraus zu machen und hielt sich beschäftigt, indem er sich bei seinen Aufgaben deutlich mehr Mühe gab und hier und da mal später in der Bar blieb, um ein paar Überstunden bezahlt zu bekommen. Aber jedes Mal, wenn er dort war, hingen seine Gedanken sich an Noel auf. Was absolut schrecklich war. Er wollte den pinkhaarigen Typen nicht wiedersehen, One Night Stands sollten einfach bleiben, was sie waren. Und dieser ganz besonders. Es fiel Jay schon schwer genug, abends mit ruhigem Gewissen einzuschlafen, wenn er sich Sorgen machen musste, im Schlaf heimgesucht zu werden.
      Hin und wieder schlich sich der Gedanke bei ihm ein, ob er das alles vielleicht auch nüchtern getan hätte, was an Halloween passiert war. Aber das war Schwachsinn, er stand noch nie auf Männer. Sowas würde einem wohl auffallen, oder nicht? Aber wie weit konnte Alkohol einen wirklich manipulieren?

      Es machte ihn fertig und das fiel langsam auch den anderen auf. Cyrus hatte es irgendwie geschafft, Eliot zu überreden, eine Art Männerabend in seinem Elternhaus zu veranstalten, solange die sich in ihrem Thermenurlaub entspannten. Also war Jay wohl oder übel am Freitag Abend eingespannt und musste mal wieder eine Schicht tauschen. Er hatte echt Glück, dass fast alle seiner Kollegen auch Studenten waren, die sich etwas dazu verdienen wollten. Da konnten sie Schichten hin und her tauschen, wie sie wollten, solange immer irgendjemand an der Bar stand.

      Eliot hatte Cal eingeladen, den Typ, der Jay und allen anderen an Halloween die Getränke gemischt hatte und wohl irgendwie Teilschuld an allem trug. Nicht, dass er ihm das übel nahm, aber er ließ sich auf keinen Fall mehr etwas von ihm mischen.
      Sie waren also zu viert auf der Dachterasse von Eliots verrückt großem Haus. Dass hier keine Parties stattfanden, lag auch nur daran, dass seine Eltern ihn vermutlich enterben würden. Aber Cyrus hatte für sie alle wohl versprochen, dass sie sich zusammen reißen würden, es bei zwei oder drei Bier und ein bisschen Schwimmen im Pool bleiben würde. Damit konnte Jay sich auch definitiv anfreunden, er brauchte dringend Ablenkung. Es war dunkel, nur die Lichter im Pool beleuchteten die Terasse. Die Jungs saßen am Rand, ließen ihre Beine ins Wasser fallen und aus irgendeinem Grund hatten sie noch nicht versucht, sich gegenseitig zu ertränken, sondern sprachen bloß über den Karaokeabend und ihre Prüfungen, die ihnen langsam Feuer unter dem Arsch machten. Wobei Cy und er selbst noch ‚Glück‘ haben, hauptsächlich Projekte abgeben zu müssen.

      Als sie doch langsam alle ins warme Wasser rutschten, weil es draußen zu kalt wurde, zog Jay sich endlich sein Shirt aus und schmiss es auf eine der Liegen hinter sich. Bevor er aber seine geplante Arschbombe auf seinen besten Freund durchführen konnte, wurde er abgelenkt.
      „Hey, was war das nochmal an Halloween? Du bist eingeschlafen? Alleine?“, rief Eliot aus dem Wasser.
      Jay blieb stehen. „Ja. Wieso?“, fragte er skeptisch. Warum brachte er denn die Geschichte jetzt wieder auf?
      Eliot hob einen Arm und winkte Jay, sich umzudrehen. Dieser kam der Anweisung ganz langsam nach, bis er mit dem Rücken zum Pool stand und von mindestens zwei Stimmen bejubelt wurde.
      „Er weiß es nichtmal!“, rief Cal laut lachend.
      „Kannst du dich nicht erinnern oder so? Irgendjemand hat dir den Rücken aufgeschlitzt“, kam es von Eliot.
      „Hä?!“ Jay versuchte vergeblich einen Blick über die Schulter zu werfen und tastete sich dann mit der eigenen Hand am Rücken ab, konnte aber nichts spüren.
      „Er übertreibt, sind nur ein paar Striche“, beruhigte Cy ihn kurzerhand, als er die leichte Panik in Jays Bewegungen bemerkte. Dieser konnte sich durchaus daran erinnern, wie und wann das zustande gekommen war. Er hatte bloß nicht damit gerechnet, dass man zwei Tage später immer noch die Spuren sehen könnte. So krass hatte sich das an Halloween auch nicht angefühlt, oder war seine Schmerzgrenze wegen dem Alkohol so niedrig?

      Jay drehte sich wieder herum und sprang ins Wasser, um die analysierenden Blicke loszuwerden.
      „Okay, komm schon. Wer war‘s? Wie schlimm war der Fehler, dass du nichts davon erzählst?“, fragte Cyrus, überraschend entspannt über die Tatsache, dass Jay in erster Linie überhaupt etwas verheimlicht hatte. Er selbst fühlte sich seltsam erwischt.
      „Äh, ich weiß es nicht mehr. Echt. Ich hab ein komplettes Black Out“, redete Jay sich heraus und lächelte schuldbewusst. Caleb stieß daraufhin ein übertrieben frustriertes Geräusch aus und fing sich von Jayden eine Handvoll Wasser im Gesicht ein. „Beschwer dich nicht, du bist Schuld dran. Du darfst nie wieder Bartender spielen“, lachte Jay.
      Er hatte Glück, dass die Jungs das Thema ziemlich schnell aufgaben und einfach anfingen, Cal für seine furchtbaren Drinks auseinanderzunehmen. Trotzdem war Jays Ablenkung damit… irgendwie ziemlich den Bach runter. Er trug also immernoch Souvenirs von dem Abend mit sich herum, super.
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    • Die Woche war stressig. Die Woche war richtig stressig, Noel wusste nicht was er das letzte mal so eine stressige Woche gehabt hatte. Nach der Halloweenparty hatte er alle Hände voll zu tun. Die Zeit, die er wegen dieser komischen Studentenfeier verloren hatte, musste er zwischen seinen normalen Schichten am Theater und den kleinen Aufträgen hier und da nachholen. Am Samstag stand ein großes Shooting an, für das er noch mindestens drei MakeUp-Looks probe schminken musste, die eine Perücke war auch noch nicht ganz fertig und die Maske die er dafür angefertigt hatte, musste er dreimal neu machen, weil sie einfach nicht mit ihm arbeiten wollte und zum allen übel machte ihn die Sache mit Jayden ungewöhnlich fertig. Jeden Abend fiel er tot ins Bett nur um wenige Stunden später wieder auf den Beinen zu sein. Eins schwor er sich, wenn das Chaos durchgestanden war, nahm er sich erstmal ein paar Tage frei um wieder runter zu fahren. Seinen Schlafmangel und die viele Arbeit sah man dem jungen Mann definitiv mehr als an und obwohl er privat eigentlich drauf verzichtete sich zu schminken, hatte er anfangen die tiefen Augenringe abzudecken. Musste ja nicht gleich jeder sehen, wie viel Stress er hatte.

      Der Samstag kam viel zu schnell und damit auch neuer Stress. Sein Wecker klingelte ihm pünktlich um fünf aus den Federn. Sein Körper arbeitete wie ferngesteuert. Seine Ausrüstung hatte er am Vortag schon verpackt und den größten Teil ins Auto geschafft. Eine schnelle Dusche und einen Kaffee später saß er hinter dem Lenkrad und fuhr zum besagten Shootingort. Wie genau er dort angekommen war, wusste er nicht, das einzige was er wusste war, dass er den Weg zurück gelegt hatte und das er kein Unfall gebaut hatte.

      Der Franzose war bis zum äußersten gereizt. Er machte seine Arbeit wie immer fantastisch, hatte sich jedoch während des gesamten Shootings mit zwei Models und einem Fotografen angelegt…der Stress tat ihm echt nicht gut…


      Zur selben Zeit machte sich Mona gerade mit ihrer Mädelsgruppe für die Karaokeparty fertig. Alle fünf Mädels in schicken, wenn auch etwas kurzen Kleidern. Mona steckte gerade ihre Haare hoch als Marlene ihr ein Sektglas hinhielt, irgendwas von ‚vorglühen‘ hatte sie erwähnt. Wie man mit Sekt vorglühen wollte, war Mona ein Rätsel. Nicht das sie super viel Alkohol trank, aber wenn sie mal trank, konnte das gut und gerne auch mal ein wenig ausarten, dafür vertrug sie jedoch auch recht viel. Gegen kurz vor Acht Uhr Abends machten sich die Mädels auf dem Weg zu der Adresse, die Eliot den Leuten die eingeladen waren, mitgeteilt hatte. Mona kannte die Bar, sie war typisch für Studentenfeiern und das ein oder andere nette zusammen sitzen, mit Noel war sie jedoch noch nie hier, was wohl nicht an ihr lag. Beim reingehen hatte sie direkt bekannte Gesichter entdeckt. Im Gegensatz zu ihren anderen Freundinnen kannte sie nicht nur die Leute aus ihrem eigenen Studiengang, wie gesagt, sie war bei allen eigentlich recht beliebt. Marlene verabschiedete sich direkt um sich an irgendeinem anderen Studenten ran zu werfen. Auch die anderen Mädels verschwanden recht schnell und ließen sie alleine. Jeder andere wäre wohl sauer geworden, aber Mona wusste wie die Mädels waren und auch wenn es ‚ihre Gruppe‘ war, außerhalb der Uni machten sie nicht viel zusammen.

      Nachdem sie das ein oder andere kurze Gespräch mit dem ein oder anderen Kommilitonen geführt hatte, machte sie sich auf dem Weg zur Bar, sie brauchte definitiv was stärkeres als Sekt. „Hey.“ sie lächelte den Barkeeper hinter dem Tresen freundlich an. „Machst du mir einen Sunrise?“ fragte sie sympathisch. Die Lippen in einem sanften rostroten Ton bemalt, der sowohl perfekt zu ihrer Haarfarbe als auch zu dem kleinen Schwarzen harmonierte, welches sie trug. Sonst war ihr MakeUp, im Gegensatz zu den anderen Mädels, recht dezent. Sie wollte elegant wirken und nicht einfach zu haben, vor allem weil sie wusste das Cyrus hier irgendwo sein würde und nach der Halloweenparty freute sie sich nur noch mehr drauf ihn wiederzusehen.
    • Mona. Jay erkannte sie sofort. So verschwommen seine Sicht in der Halloween Nacht auch gewesen sein mochte, er erinnerte sich an diese langen, roten Haare und das puppenhafte Gesicht. Unmöglich, dass Cyrus von jemand anderem gesprochen hatte. Und noch unmöglicher sollte es sein, dass er tatsächlich für eine einzige Sekunde diese Frau mit Noel verwechselt hatte. Er war vielleicht ein ungewöhnlich… hübscher Mann, aber die einzige Ähnlichkeit war definitiv das Piratenkostüm gewesen. Im Nachhinein war Jay sich fast noch sicher, dass er Drogen genommen haben musste. Das entschuldigte zwar nicht wirklich viel… Ja. Und es machte auch diesen Moment gerade nicht besser.

      "Kommt sofort", antwortete er und musste feststellen, dass seine Worte weitaus weniger charmant klangen, als sonst, und er einen Kloß im Hals sitzen hatte. Das lag vermutlich nicht an dem Gedanken an Tequila, den er definitiv erstmal satt hatte.
      Er drehte der Rothaarigen einen Moment den Rücken zu, um den Cocktail zusammenzustellen. Dass er überhaupt hier arbeiten durfte, ohne ausgebildeter Bartender zu sein, war eigentlich ein wunder, sprach aber auch für die Qualität der Karaokebar. Eigentlich kamen die Leute ohnehin hierher, um sich volllaufen zu lassen und dann irgendwas vor sich hin zu gröhlen. Da kam es selten dazu, dass Jay mal einen Blick auf die Cocktail Liste werfen musste. Trotzdem wäre das wohl ein ganz akzeptabler Plan B, falls das mit dem Architekten nichts wurde.
      Er stellte Mona den Sunrise an die Theke, der eine deutlich verschwommenere Farbabstufung hatte, als er sollte, aber solange das Zeug schmeckte, war es ja eigentlich auch egal.

      "Hey, mein Freund sitzt da hinten an Tisch 6", sagte er anschließend und stützte sich kurz vor dem Mädchen an der Theke ab. Er zeigte in die Richtung, wo seine Freunde saßen, sich einen Shot nach dem anderen in den Hals leerten und lauthals verkündeten, welche Songs sie auf keinen Fall singen würden. Jay schmunzelte kurz und schüttelte den Kopf. Keine Chance, dass diese Schönheit sich ein zweites Mal von ihm abfüllen ließ. "Ähm… jedenfalls soll ich ihm mitteilen, wenn du da bist. Ich geb dir fünf Minuten Vorsprung, falls du lieber abhauen oder dich sonst irgendwie verstecken willst" Er lächelte einmal breit und stellte sich wieder auf. Nicht nur wollte er Mona einen Gefallen tun, sondern auch sich selbst. Bestenfalls hatte sie Cyrus so satt, dass er und Jay sie nie wieder sehen würden und somit die letzte Erinnerung an die Nacht mit Noel ebenfalls verschwunden war.
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    • Als Jayden ihr den Tequila hinstellte, lächelte sie ihn dankend an. Als er jedoch Cyrus erwähnte entgleiste ihr kurz alles aus dem Gesicht. Schnell zählte sie eins und eins zusammen und kam auf den unweigerlichen Entschluss, dass sie gerade mit Noels kleinem Ausrutscher redete. Die junge Schönheit hatte sich jedoch relativ schnell wieder gefangen. „Du bist Cyrus bester Freund.“ es war keine Frage, eher eine Feststellung. Kein ‚kann es sein dass du Cyrus bester Freund bist?, sondern ein ‚ich weiß, dass du Cyrus bester Freund bist!‘. Und damit hatte sie wohl verraten, dass Noel nicht dicht gehalten hatte. Immerhin war Mona seine beste Freundin und Noel war dieses kleine Geheimnis auch nicht so wichtig wie Jayden, er hatte immerhin keinen Beliebtheitsstatus zu verlieren.

      Und so stand sie nun hier. Starrte Jayden unentwegt in die Augen, so als ob sie ihm mitten in die Seele schauen wollte. Sie hatte schöne Augen. Sie erinnerten an einen dicht bewachsenen Wand im Sommer. Ein warmes und entspannendes Grün, ein krasser Kontrast zu den kalten blauen Augen ihres besten Freundes. So Gegenteilig wie die beiden Persönlichkeiten wohl waren.

      Hinter ihr hörte sie ein Wirrwarr von Stimmen. Irgendwo dazwischen war Marlens schrille Stimme zu hören, die irgendeinen Popsong mitsang. Mona wusste zum ersten mal nicht was sie tun oder sagen sollte. Kurz hatte sie überlegt ihren Drink Jayden einfach ins Gesicht zu kippen, warum genau wusste sie nicht. Vielleicht aus dem einfachen Grund, dass sie ihren besten Freund einen Gefallen tun wollte, sie ließ es jedoch bleiben. Vielleicht sollte sie sich einfach umdrehen, zu Cyrus gehen und den Abend genießen, immerhin hatte sie sich die letzten Tage schon auf heute gefreut und außerdem hatte sie von Noel eine Deadline bekommen, bis dahin sollte sie die Zeit ausnutzen. Und trotzdem stand sie wie angewurzelt an dem alten Holztresen.
    • Jaydens ganzer Körper fror für einen Moment ein. Oh Gott, er hatte sich bei der Kleinen schon einen Namen gemacht. Was hatte Noel erzählt? Der starre Blick, den die Rothaarige auf ihn richtete, machte Jay nervös. Er wirkte seltsam… feindselig. Was zur Hölle hatte er erzählt? Er konnte zwar damit leben, dass diese Frau ihn irgendwie als Bösewicht betrachtete, wieso auch immer, aber nicht damit, dass sie etwas wusste, dass sie einfach so ausplaudern und zum Gespräch des Abends machen konnte.

      "Der Cocktail ist aufs Haus", murmelte Jay unsicher. Irgendwie musste er sich hier raus retten. Bestechung würde auch nur einen Moment lang funktionieren, wenn überhaupt. Er kannte Mona überhaupt nicht. War sie gesprächig? Verschlossen? Racheversessen? Ganz nett?

      Jay lehnte sich erneut zu ihr nach vorne, den Blick weiterhin alarmiert auf sie gerichtet. Er versuchte herauszufinden, was ihren Schock auslöste. "Ich weiß nicht, was du weißt, aber ich hoffe, es bleibt etwas, das nur wir wissen, wenn du verstehst"
      Er hatte nicht vor, in Rätseln zu sprechen, aber besser wusste er sich gerade nicht auszudrücken. Das war alles etwas überfordernd. Aber er hatte an Halloween definitiv nicht die Konsequenzen seiner Handlungen bedacht. Man musste immer damit rechnen, dass sich alles herumsprach. Keiner war vor Gerüchten sicher. Keiner war vor dem Wissensnetz von Studenten sicher.
      Und jetzt gerade konnte er sich nichts schlimmeres vorstellen, als Opfer dieses Netzes zu werden, warum auch immer.

      "Hör zu, das hat nichts mit irgendeinem Ruf zu tun. Aber es muss ja nicht gleich jeder alles wissen, oder?" Er lächelte leicht. Brachte sein Gerede überhaupt irgendetwas? Er wusste noch nicht einmal, was sie von Cyrus hielt. Was, wenn sie ihn absolut hasste und irgendwie seinen Tag versauen wollte, indem sie von seinem besten Freund und ihrem besten Freund und deren heißer Halloween Nacht erzählte?
      Und selbst, wenn das nicht der Fall war, konnte sie schon all ihren Freundinnen davon berichtet haben. Jay spürte, wie sein Herz sank.
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    • Mona schaute ihn noch einen Moment lang an, bevor sie Jayden ein Lächeln zu war. „Honey, wir sind beste Freunde. Ich weiß alles.“ meinte sie so, alsob das bereits klar gewesen wäre. Bevor ihr Blick kurz nach unten wanderte und sich auf ihre Lippen ein fast schon dreckiges Lächeln schlich, welches jedoch nur wenige Sekunden hielt. „Naja, fast alles.“ lachte sie leise und nahm dann ein Schluck aus ihrem Glas. „Mhm…“ Kurz überlege sie, wie begeistert sie von dem Cocktail war, bis sie wohl entschlossen hatte, dass er es für die Nacht wohl tun würde.

      „Ich bin nur ein wenig enttäuscht, dass du mich für jemanden hältst, der unfreiwillig Leute outet. Sehe ich echt danach aus?“ fragte sie mit einem fast schon beleidigen Unterton, das belustige Grinsen auf ihren geschminkten Lippen, sprach jedoch eine andere Sprache. Über die Jahre, die sie schon mit Noel befreundet war, hatte sie sich vielleicht die ein oder andere Charaktereigenschaft des älteren zu eigen gemacht.

      „Jayden…du heißt doch Jayden oder? Ich habe keine Interesse daran, deinen Namen in den Dreck zu ziehen. Was du der Meinung bist, betrunken zu machen, ist deine Sache, nur dumm dass du dir gerade…“ sie hielt kurz inne. ‚Den schlecht-gelauntesten und Menschen-hassensten Typen überhaupt‘ „…naja du weist schon wen, ausgesucht hast. Viel Glück damit.“ Mona zwinkerte ihm Lächelnd zu und ging dann von der Bar weg. Nach wenigen Schritten drehte sich sich nochmal zu Jayden um. „Ouh und danke für den Drink.“ zur Bestätigung ihrer Worte hielt sie das Glas ein wenig hoch, drehte sich dann wieder um und machte sich auf den Weg zu Cyrus. Immerhin war dieser, der Grund warum sie eigentlich hier war.

      Sie hatte definitiv die rosa-rote Brille auf, für die Noel sie immer liebevoll mobbte. Aber was sollte sie sagen? Sie war immerhin nicht so ein herzloser und eiskalter Anti-Romantiker wie ihr Freund und außerdem, wie konnte sie nach der Halloween Nacht keine Schmetterlinge im Bauch haben? Vor allem nicht, als sie über zehn Ecken erfahren hatte, dass Cyrus sie wiedersehen wollte. Sie war jedoch, dann nicht die Person die sich in einem Kreis voller Kerlen niederließ.

      Mit ihrem Getränk in der Hand ging sie an den besagten Tisch 6 vorbei, warf Cyrus ein sanftes Lächeln zu, bevor sie an der Gruppe vorbei ging und sich zwei Tische weiter zu einer kleinen vierköpfigen Gruppe setzte.

      Wie gesagt, Mona kannte die meisten Leute.

      Das einzige Mädchen in der Runde teilte mit ihr zwei Studien-Gänge, sie hatte einen ähnlich schlecht gelaunten Blick drauf, wie Noel und war, sehr untypisch für diese Bar, komplett in schwarz gekleidet. Der Typ, der aussah als wäre er gerade aus einer 80er Jahre Serien entsprungen, studierte an der Hochschule für Musik, das wusste sie auch. Der junge Mann, der sich gerade in den dunklen Polster breit machte, als wäre das hier sein Wohnzimmer, war Theo. Jeder kannte Theo. So auffälliger wie dieser rumlief, war das auch ein Wunder. Dunkelrot gefärbte Haare, schwarze Stoffhose und darauf ein Hemd das geradezu nach ‚80er Jahre Wannebe-Rockstar‘ schrie. Darauf, lange Ohrringe die bei jeder Bewegung seines Kopfes mitschwangen. Das beste an seinem Outfit, was man im Moment nur leider nicht sah, waren die Schuhe. Schwarze Halbschuhe die auf einem fast acht Zentimeter höhen Plateau aus Durchsichten Plastik festgemacht worden waren. Der einzige, der halbwegs normal aussah war Nick. Nick kannte sie schon länger. Er war der Sohn, des Besitzers ihrer Stammbar. Nicht dass Mona relativ oft in eine Bar ging, aber wenn man nicht gerade in die typischen Studentenbars wollte und hin und wieder auch mal nicht auf gutes Abendprogramm verzichten wollte, ging man ins ‘Rodeo‘. Soweit sie wusste, studierte Nick irgendwas mit Maschinenbau, oder Informatik, irgendwie sowas. Theo war der einzige aus der Runde, der nicht studierte, aber das war kein Problem. Der verrückte Vogel hatte sich mit seiner sympathischen und offenen Art schon in jede Bar geschlichen. Vor allem aber, war das kleine vierer Gespann dafür bekannt, dass sie hin und wieder an diversen Veranstaltungen und in etlichen Bar der Umgebung Livemusik spielten und das machten die vier wirklich verflucht gut.

      Sie begrüßte alle kurz und wurde direkt von Theo angestrahlt als hätten die beiden sich ewig nicht mehr gesehen. „Hey, Mona! Gott, du siehst toll aus. Das Kleid steht dir hervorragend, da stiehlst du mir ja schon fast die Show.“ lachte er auf und zwinkerte ihr frech zu. Theo hatte wohl schon ordentlich einen sitzen, was wohl bei der Menge an Shotgläsern und Longdrinks die sich auf dem Tisch angesammelt hatten, kein Wunder war.
    • „Warte- Es geht nicht ums Outen. Ich bin nicht schwul. Oder bi oder was es sonst noch gibt“, flüsterte Jay ihr eindringlich zu. Dieser Gedanke sollte sich garnicht erst in irgendwelchen Köpfen ausbreiten, vor allem wenn sie doch noch länger Zeit mit Cyrus verbringen sollte. „Das ist genau der Grund, warum ich nicht will, dass das rauskommt“ Er seufzte frustriert und stellte sich wieder auf. Er konnte nicht ewig hier stehen, und Mona von irgendwas abhalten, er hatte noch zu arbeiten.

      Als sie ihm plötzlich viel Glück wünschte, verharrte er noch einen Moment. „Was? Das brauch ich nicht. Ich hab nicht vor, Noel je wiederzusehen“, meinte er noch nachdrücklich, bevor er ihr zusah, wie sie verschwand und ihre Masche an Tisch 6 abzog, die Cyrus kurz darauf fast seinen Shot ausspucken ließ. Von außen zuzusehen, wie er leicht schwankend aufstand, war jetzt schon ein überwältigender Moment der Fremdscham. So hatte Jay sich wohl an Halloween verhalten.
      Was das allerdings hieß, war, dass Mona auf seinen besten Freund stand. Eine unpraktische Situation. Hoffentlich war sie betrunken immernoch so überzeugt davon, nichts von Jays Ausrutscher zu erzählen.

      Er ging weitaus unruhiger zurück an die Arbeit, als zuvor. Irgendwie hatte er das Gefühl, sich an keine einzige Cocktail Mischung mehr zu erinnern und er ging etwa zwei Mal pro Stunde zur Toilette, um sich kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen und irgendwie seine Gedanken wieder auf eine Linie zu bringen. Er hatte sich weniger Sorgen machen müssen, als er noch nicht wusste, dass Mona alles wusste. Hatte nicht auch Noel irgendwas davon geplappert, dass man Menschen nicht outete? Tja, da hielt er sich ja hervorragend dran.


      Cyrus hatte dafür die Zeit seines Lebens. Er folgte Mona zu dem Tisch voller Rockstars und musste sich für einen Moment wirklich gut zureden, weil er leicht eingeschüchtert war. So ganz egal war ihm dann doch nicht alles, die Typen sahen verdammt cool aus und er hatte vor Aufregung zu viele Drinks intus um noch wirklich cool zu sein.
      Außerdem hatte er keinen Plan, wie man die Sache anging, wenn man jemanden ein zweites Mal ins Bett kriegen wollte. Er konnte nicht direkt fragen. Aber erfahrungsgemäß war er unglaublich schlecht darin, auf Frauen zuzugehen.

      „Hey“, sagte er möglichst cool, als er neben der Rothaarigen stand und nickte ihr zu. Glücklicherweise für ihn hatte er wenig Self-Awareness. „Rauchst du?“, fragte er knapp und enthüllte eine Packung Zigaretten in seiner Hand. Der erste Schritt war ja mal, sie von der Gruppe wegzulocken und was besseres fiel ihm eben nicht ein.
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    • Der Auftritt von Cyrus brachte Mona leise zum kichern, jedoch nicht nur sie, auch der Rest der Gruppe schien wohl die Aufmachung des Studenten ein wenig amüsant zu finden. Auch wenn sie es alle recht gut versuchten zu verstecken, naja alle bis auf den 80er Jahre Typen - Asher - der hatte es aber allgemein nicht so mit Diskretion. Bei dem lauten auflachen verteilte er fast schon den Schluck Old Fashion über den Tisch, den er gerade getrunken hatte. Theo grinste amüsiert in sein Glas und Sunny - die andere junge Studentin am Tisch - warf Mona ein schon fast belustigen Blick zu. Nick war wohl der einzige der noch ein wenig anstand besaß und Cyrus einfach nur entschuldigend zulächelte bevor er ein Schluck von seinem Mojito nahm.

      Auf die Frage ob Mona rauchen würde, schüttelte sie lächelnd den Kopf. „Nein, tue ich nicht.“ setzte sie noch dahinter, bevor sich Theo neben ihr bewegte und dann ein wenig umständlich aus der Sofanische kletterte. „Aber ich.“ grinste er Cyrus frech an. „Feuer habe ich selbst.“ er nahm dem Studenten, ungehobelt wie Theo nun mal war, die Zigarettenpackung aus der Hand, legte ihm einen Arm um die Schulter und führte ihn von seinem Tisch weg, aber selbstverständlich nicht ohne sich nochmal umzudrehen und Mona zu zuzwinkern. Nun konnte die junge Schönheit sich ein lachen wirklich nicht mehr verkneifen, auch wenn sie Cyrus wirklich zu mögen schien, so einfach würde sie es ihn wohl nicht machen. Sie würde Theo wohl erstem seinen Spaß lassen und sich dann mit dem Studenten einen ruhigeren Tisch suchen.

      Theo war nicht wirklich groß, aber auch nicht sonderlich klein. Asher überragte ihn jedoch mindestens um einen halben Kopf und auch die meisten anderen Typen waren häufig größer als er. Mit den zusätzlichen acht Zentimeter seiner Schuhe, hatte er das Problem jedoch meistens gut gelöst. Nun konnte man besagte Schuhe auch definitiv besser sehen. In dem durchsichtigen Plateau schwamm bei jedem Schritt eine Flüssigkeit mit, die stark an eine Lavalampe erinnerte. Wenn der junge Mann eins konnte, dann war es definitiv auffallen.

      Draußen angekommen ließ er Cyrus los, öffnete die Zigarettenpackung und nahm sich einer der Kippen raus, bevor er mit dem Filter zweimal auf die Packung klopfte und sich dann Ding dann zwischen die Lippen schob. Als wäre es seine eigene Packung hielt er sie Cyrus mit einem auffordernden Blick zu. „Mona also?“ grinste Theo, als er das silberne Feuerzeug aufschnappen ließ.
    • Das ging mal absolut nach hinten los. Cyrus warf Mona einen letzten leicht verzweifelten Blick zu, bevor er sich wohl oder übel aus der Bar geleiten ließ. Er hatte keinen Plan, was gerade los war.
      Draußen nahm er eine Zigarette aus seiner eigenen Packung an, als wäre es die seines Gegenübers, weil der mit seiner selbstbewussten Ausstrahlung irgendwie ziemlich überzeugend war. Sobald Cyrus es realisierte, steckte er die Packung wieder in seine Hosentasche. Die gehörte ja doch noch ihm.
      „Äh… ja“, erwiderte Cyrus, der versuchte möglichst über seine Worte nachzudenken, bevor er sie aussprach. Er wusste ja nicht, in welchem Verhältnis der Typ zu Mona stand und er wollte ungern irgendetwas respektloses sagen und sich alle Chancen vermasseln. Es kam ihm seltsamerweise wie ein kleiner Weltuntergang vor, nicht nochmal mit ihr schlafen zu können. Oder vielleicht war es auch die Tatsache, sie einfach nicht mehr wiederzusehen. Was auch immer.
      „Ihr… kennt euch also? Von der Uni?“, fragte er langsam nach und lieh sich das Feuerzeug für einen Moment aus. Mit einer Hand schützte er das Feuer vor der leichten Brise, die schon eine etwas stürmischere Nacht ankündigte, und zündete sich die Kippe an.
      Cyrus hatte keine Ahnung von Bands, er kannte die Leute nicht, mit denen Mona am Tisch gesessen war. Er ging auch selten in schickere Bars, eigentlich tat es für ihn jede Location, wo er ein paar Drinks aufs Haus bekommen konnte. Partys waren sowieso eher sein Ding.


      Jay dagegen hatte ganz genau gesehen, wer seinen besten Freund eben gestohlen hatte. Mona war mit diesen Typen befreundet? Jay wollte vor Eifersucht in Flammen aufgehen. Die nächsten Minuten hielt er den Blick immer wieder auf die Tür gerichtet, um zu sehen, ob Cyrus diese Kennenlernen auch wirklich nicht vermasselte, damit er Jay jede Chance nahm, sich noch mal vorzustellen.
      Er spielte schon Instrumente, seit er klein war. Wenn er nicht die Verantwortung aufgedrückt bekommen hätte, der älteste unter seinen Geschwistern zu sein und frühestmöglich viel Geld zu verdienen, dann hätte er sich der Musik am liebsten komplett hingegeben. Natürlich kannte er die Band, er war immer gerne zu kleineren Live Auftritten gegangen, auch wenn es immer ein unangenehmes Ziehen in seiner Brust auslöste.
      Zwischen E-Gitarre, Klavier und Schlagzeug hatte Jay sich schon immer am wohlsten gefühlt, aber manchmal konnte man sich seine Zukunft nicht aussuchen. Zum Glück hatte er ein mäßiges Zeichentalent und genügend Kreativität, die ihn durchs Studium brachten. Landschaftsarchitekt und Musiker waren doch nicht allzu weit voneinander entfernt, oder?
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    • „Kann ich nachvollziehen, sie ist wirklich verflucht heiß.“ meinte Theo mit einem Hauch eines dreckigen Grinsen, was wohl mehr aussagte als es tausend Worte getan hätten. Als er den Zigarettenrauch aus einer Lunge entließ, legte er den Kopf ein wenig in den Nacken. Die gefärbte Mähne von roten Haaren folgte der Bewegung, so wie die Ohrringe die dem ganzen Look einen fast schon leicht femininen Touch gaben. Durch das schwummrige Licht kam der lila-holografierende Kajal auf seiner unteren Wasserlinie gut zur Geltung, so wie der Highlighter auf den Wangenknochen des jungen Mannes. Wie man als Kerl so Confidence mit so auffälligen MakeUp sein konnte, war wohl für viele unverständlich. Es passte jedoch einfach zu Theos gesamten Style.

      „Nein…ich studiere nicht.“ sein Blick war immer noch gen Himmel gerichtet. „Nicht mehr.“ korrigierte er sich selbst. Das Bernstein seiner Augen verfolgten ein vorbeifliegendes Flugzeug. „Aber so eine Schönheit fällt nun mal auf und ich bin unteranderem Barkeeper im Rodeo, da fallen hübsche Frauen nur noch mehr auf.“ grinste er Cyrus an und nahm einen weiteren Zug von der Zigarette. „Gutgemeinter Rat Cyrus, verscherze es dir mit ihr nicht.“ seine Stimme hatte einen ernsteren Ton angenommen. Woher Theo den Namen des anderen kannte ließ er offen. Mit einer fast schon eingeübten und flüssigen Bewegung aschte er die Kippe in dem Aschenbecher, der auf einem hohen, runden Tisch stand, ab. Selbst die Nägel des Musikers passten zu dessen gesamten Aufzug. Halblang, mandelförmig und selbstverständlich lackiert, so als ob sich dunkele Rauchschwaden von dem Nagelbett nach vorne ziehen würden.
    • Ah… also hatte er mit ihr geschlafen? Oder stand er nur auf sie? In beiden Fällen wurde es Cyrus gerade ein wenig unangenehm. Auch, wenn er sich gerne unglücklich ausdrückte und die Frauen bei ihm ein und aus gingen, mochte er es nicht, wenn sie wie Objekte behandelt wurden. Und wenn zwei Typen rauchend vor der Bar standen und sich darüber unterhielten, und vielleicht noch verglichen, wie geil irgendeine Frau im Bett gewesen war, war er raus.
      "Falls da was zwischen euch läuft… misch ich mich nicht ein", murmelte er, um seinen Stand klarzumachen. Auch wenn es ihn ziemlich frustrierte. Aber er würde ebenso wenig jemals mit einer etwas anfangen, mit der Jay etwas hatte, oder Eliot oder Cal oder sonst jemand in seinem Bekanntenkreis, denn glücklicherweise war der Campus ziemlich groß und sie mussten nicht anfangen, sich ihre Dates zu teilen. Unabsichtlich konnte sowas ja schonmal passieren, aber er würde sich bestimmt nicht an eine ranwerfen, die mit irgendjemandem zusammen war oder etwas… anderes am Laufen hatte.

      Als Theo ihm dann aber riet, es sich mit Mona nicht zu verscherzen, war er kurz verwirrt. "Wieso?", fragte er. Verscherzen konnte man sich doch nur etwas, das etwas ernster war, als ein One Night Stand. Und er wollte schließlich nur mit ihr schlafen.
      Aber dann riss er die Augen auf und hob die Hand, als würde er Theo signalisieren, dass er kurz nachdenken musste. "Was- steht sie auf mich?", schoss er heraus. "Also, richtig? Ich dachte, das war einfach ne einmalige Sache" Man konnte die Rädchen in seinem Gehirn förmlich hören, wie sie sich immer schneller drehten und vermutlich bald einen Kurzschluss androhten.
      Er musste gerade ernsthaft selbst überlegen, ob das für ihn eine einmalige Sache war, nachdem er ja gerade dabei war, sie zu einer… zweimaligen zu machen. Sonst wollten die Mädels ja auch nicht mehr von ihm, als eine Nacht. Das war definitiv neu.

      "Aber, da läuft doch nichts zwischen euch, oder?", musste er dennoch erneut sicherstellen, bevor er den kleinen Funken Freude und gleichzeitige Überforderung zuließ.
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    • Theo lachte leis auf. „Oh Gott, nein. Wir hatten eine ganz Weile…einvernehmlichen Sex, wenn du verstehst was ich meine.“ meinte er grinsend. „Ich bin nicht so der Beziehungstyp.“ erklärte Theo darauf abwinkend. „Ich habe nur von dir gehört Cyrus, und von dem was ich gehört habe, kann ich mir glaube ich ein ganz gutes Bild von dir machen. Vor allem wie du mit Frauen um gehst.“ schaute er ihn wieder etwas ernster an. „Wie gesagt, verscherz es dir einfach nicht mit ihr. Es ist nicht die feine englische Art mit den Gefühlen von Frauen zu spielen.“ Theo nahm die letzten zwei Züge von der Zigarette und drückte diese dann im Aschenbecher aus, bevor er in die Hände klatschte. „So, es wird Zeit für den nächsten Drink!“ dafür, dass er eben noch so ernst war, hatte sich seine Stimmung ganz schön rapide geändert. „Danke für die Zigarette, falls du irgendwelche Tipps brauchst, melde dich gerne. Wie gesagt, Mona und ich kennen uns echt ganz gut.“ meinte er mit einem frechen zwinkern und ließ Cyrus dann alleine vor der Bar stehen.

      Seinen Weg führte Theo direkt zum Bartresen, wo er sich auf die Theke abstürzte und Jayden mit einem schon fast flirtenden Blick zu grinste. „Hey. Machst du mir irgendwas, was du gut kannst?“ Theo hatte schon festgestellt, dass der junge Student wohl nicht ganz so gut ausgebildet hinter der Bar war, was für einen Studenten, der das wohl ‚nur‘ als Nebenjob machte auch nicht unüblich war. Er arbeitete schließlich selbst hinter einer Bar und kannte die Abläufe im Schlaf. Es war jedoch nicht so, das Theo ein besonderen gehässiger Mensch war und die Leute die Dinge schlechter konnte als er selbst, dann unnötig Steine in den Weg stellen wollte. Eher versuchte er es diesen Leuten dann so einfach wie möglich zu machen.
    • Wie er mit Frauen umging? Was sollte das denn heißen? Cyrus fühlte sich definitiv nicht schuldig, weil er Spaß haben wollte. Im Gegensatz zu Theo sagte er nicht von sich selbst, kein Beziehungsmensch zu sein. Es war eher so, als wollten Beziehungen ihn nicht. Er hatte es ja hin und wieder versucht, aber er war nunmal nicht grade ein Romantiker… Oder sonderlich gut drin, über irgendetwas zu reden. Dann wurde er eben als egoistisch abgestempelt und es war schneller vorbei, als es begonnen hatte.
      Er spielte nicht absichtlich mit irgendjemandes Gefühlen. Aber das brauchte er Theo nicht auf die Nase zu binden.
      Cyrus lächelte, als der andere ihm Tipps anbot. Mal sehen, ob er die brauchen würde. Aber erstmal würde er versuchen, an sie ranzukommen, ohne irgendwelche Insider von ihrem Ex Lover zu bekommen. Wenn sie ohnehin auf ihn stand, sollte das ja nicht allzu schwer werden.
      Er blieb noch etwas länger draußen an der frischen Luft. Er musste erstmal auf die neuen Informationen klarkommen. Insgeheim freute er sich ziemlich, dass Mona auf ihn stand. Sie sah unheimlich gut aus und war wahnsinnig nett gewesen, flirtiv aber irgendwie auch locker. Es war einfach gewesen, mit ihr zu reden, was Cyrus so kaum kannte. Irgendwie hatte er nicht so das Gefühl gehabt, sich besonders bemühen zu müssen, um sie zum Lachen zu bringen.


      Jays Herz machte einen kleinen Sprung, als Theo sich auf einmal vor ihm an die Bar lehnte. Er hatte gesehen, wie er zurück gekommen war und dann plötzlich immer weiter auf ihn zuging, bis er dann vor ihm gestanden hatte. Dabei hatte er garnicht darauf geachtet, ob Cyrus hinter ihm war.
      "Whisky Sour?", fragte Jay lächelnd, um seine Unsicherheit zu überspielen. Der Typ vor ihm tat genau das, was er selbst gerne tun würde. Es war fast zum Weinen. So neidisch war er noch nie auf irgendjemanden gewesen. Er drehte sich herum, bereitete das Getränk zu und zupfte möglichst unbemerkt sein schwarzes Hemd ein bisschen zurecht. Er hatte sich heute extra ein wenig mehr an die Kleiderordnung gehalten, dafür etwas Gel in die Haare geschmiert und so immer noch die Hoffnung, für sein Aussehen mit Geld belohnt zu werden. Wenn er aber weiter Getränke aufs Haus vergab, hatte er am Ende noch weniger, als womit er reingekommen war. Der Grund für das ordentliche und eher zugeknöpfte Auftreten war allerdings, um auf keinen Fall Noels Blick zu fangen, falls er doch noch kommen sollte.
      Gerade bereute er die Outfit Entscheidung. Er hatte noch nie weniger nach einem Musikliebhaber ausgesehen, als jetzt gerade.

      Jay stellte Theo den Whisky auf die Theke. "Habt ihr demnächst eigentlich wieder einen Auftritt?", fragte er möglichst beiläufig. "Ich hab euch ein paar Mal spielen gesehen, ihr seid echt gut" Er lächelte.
      "Oh, ja, sorry, falls Cyrus seltsam war", fügte Jay schnell hinzu und deutete zur Tür. "Bis zu 3 Shots ist er eigentlich ganz normal"

      Die ganzen Connections machten ihn langsam wahnsinnig. Jetzt musste er auch noch Angst haben, dass eine hammer Band von seinen Bettgeschichten hörte. Das war alles zum kotzen.
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    • „Da habe ich wohl einen kleinen Fan gefunden.“ lachte er leise auf. „Freut mich, das dir unsere Musik gefällt. Wir spielen nächste Woche Freitag im Rodeo classic Rock, wenn du magst, wir würden uns freuen.“ lächelte er und nahm einen Schluck aus seinem Glas. Ob das jetzt eine persönliche Einladung war, oder ob er jeden sagte, dass er sich freuen würde, wenn er vorbei kam, ließ Theo offen. Der Whiskey war nicht schlecht, auf jeden fall nicht so verwässert wie der Drink den er davor hatte. „Mach dir wegen Cyrus keine Sorgen, er war brav wie ein Lämmchen.“ grinste er und setzte sich dann auf einen der Barhocker. „Ich weiß nur noch nicht so ganz was ich von ihm halten soll. Weißt du, man bekommt Sachen mit wenn man hier und dort arbeitet, vor allem wenn fast jeder aus dieser Stadt der Meinung ist man wäre mit ihm befreundet.“ Theo spielte mit dem kleinen Glas mit gesalzenen Erdnüssen, welches auf dem Bartresenen stand. Er hatte diese penetrante Angewohnheit immer irgendwas tun zu müssen, still sitzen war nahezu unmöglich.


      An Tisch 6, führten die anderen gerade ein angeregtes Gespräch über irgendwas, was genau das Thema war, konnte keiner der anwesend wohl genau sagen, sie schien jedoch alle sehr involviert. Als Cyrus zurück an den Tisch kam, lächelte Mona ihn freundlich an und machte auf der Couch neben sich ein wenig Platz. „Ich hoffe Theo war nicht zu gemein.“ fragte sie mit einem leichten Hauch von Besorgnis. „Er kann manchmal…naja du weißt schon.“ - „das hat dich sonst nie gestört, Mona.“ lachte Asher leicht lallend auf. Der Rocker hatte wohl ein wenig tief ins Glas geschaut, so viele Shots wie er intus hatte, war das wohl auch kein Wunder. Für den Spruch kassierte er jedoch trotzdem ein Tritt gegens Schienbein. „Hör nicht auf ihn, er ist ein Idiot.“ meinte die Rothaarige ernst und stand dann auf. „Ich glaube, dass war unser Stichwort, lass uns die Musiker hier mal alleine lassen.“ Mona rutschte aus der Sitznische und steuerte ohne sich von den anderen zu verabschieden einen leeren Tisch an.
    • Jay lachte leicht und sah kurz peinlich berührt auf seine Füße. Normalerweise war er wirklich nicht schüchtern, aber das war eine absolute Ausnahmesituation und er fühlte sich heute nicht gerade wie die beste Version seiner Selbst, also war es leicht überwältigend, Theo sich gegenüber zu haben.
      „Ich komme auf jeden Fall“, antwortete er und ließ damit jedes Fünkchen Coolness aus seinem Körper weichen. Nichtsdestotrotz ignorierte Jay seinen Job mal für eine Weile, da war immerhin noch eine Kollegin an der Arbeit, und er musste diese paar Minuten sinnvoll nutzen. „Ich hab selbst mal in ner Band gespielt, aber wir haben uns aufgelöst, als ich mit dem Studium begonnen hab“, versuchte er möglichst nebenbei zu sagen. Irgendetwas in ihm hatte wohl immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, einen Karrierewechsel zu machen. Aber es war völlig sinnlos; es dauerte Jahre, als Musiker erfolgreich zu werden, wenn es überhaupt je dazu kam, und seine Eltern würden ihn steinigen, wenn er etwas ‚Nutzloses‘ tat. Trotzdem wollte er diese Connection. Gerade mehr als alles andere auf der Welt.

      Jay horchte auf, als Theo seine gemischten Gefühle gegenüber Cyrus ansprach. Nachdem dieser mit Mona befreundet war, konnte Jay das nachvollziehen. „Du meinst bestimmt den Ruf, den wir alle hinter uns herziehen“, erwiderte er. Am liebsten würde er sich einfach neben Theo auf einen Hocker setzen, aber das wäre dann vielleicht etwas zu gewagt. Im Stehen konnte er zumindest so tun, als würde er bedienen.
      „Ich wohne seit vier Jahren mit ihm zusammen und ich kann dir sagen: Er ist einfach nur unfähig. Er meint‘s nicht böse. Ich hab aber auch keine Ahnung, was er von Mona will. Er ist total besessen gewesen nach Halloween“ Jay zuckte mit den Schultern.


      Besagter Rotschopf hatte endlich wieder seine Nerven gesammelt und war zurück an den Tisch der Band gekommen. Dass Mona ihn ein wenig in Schutz nahm, erweichte fast sein Herz.
      „Keine Sorge, wir haben uns nur unterhalten“, erwiderte er und warf Mona ein Lächeln zu. Gerade wollte er sich einen Sessel an den Tisch ziehen, da er seinen Versuch, Mona wegzulocken, aufgegeben hatte, da schien sie die anderen selbst loswerden zu wollen. Sie schnappten sich einen leeren Tisch in einer Raumecke, der mit einem kleinen, dunkelbraunen Ledersofa und zwei Sesseln ausgestattet war. Cyrus ließ sich dankbar in die Ecke auf der Couch fallen. Allerdings setzte er sich etwas auf und versuchte, den Alkohol nicht zu sehr sprechen zu lassen, als er redete.
      „Musiker, hast du gesagt. Sind die vier in einer Band?“, fragte Cyrus und beschloss, einfach mal ein wenig mit Mona zu reden. Die Sache zwischen ihr und Theo blieb Cyrus ein Rätsel. Sie hatte casual Sex mit einem Musiker und stand dann auf ihn? Nicht, dass Cyrus selbst so wenig von sich halten würde, aber er hatte schon noch ein ganz gutes Realitäsgefühl. Für mehr als eine Nacht reichte sein Entertainment normalerweise nicht, aber Mona schien noch nicht aufzugeben, also würde er es auch nicht tun.
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    • „Mega! Ich habe in der Schule in der Schulband gespielt…naja sagen wir ich wurde dazu gezwungen.“ lachte er auf. „Ich war als Jugendlicher ein ganz schöner Chaot. Irgendwann haben Sunny, Ash und ich dann unsere kleine Interessengemeinschaft gegründet und Nick wurde irgendwann adoptiert, seitdem spielen wir zusammen.“ erklärte er seine Karriere im schnell durchlauf. „Ich habe mal Musik studiert aber…naja was soll ich sagen, Autorität liegt mir nicht besonders.“ winkte er ab.

      Als Jayden den besagten Ruf andeutete nickte er leicht. „Jeder trägt einen bestimmten Ruf mit sich rum. die meisten Menschen sind der Meinung dass ich grundsätzlich was von jedem will und mit jedem ins Bett springe, was soll ich machen.“ lachte er leise auf. „Ich bin einfach an sich sehr offen und kommunikativ. Auch wenn ich diese ganzen Stereotypen nicht ganz verstehe, im Grunde habe ich gar nicht genug Zeit um mit so vielen Leuten Sex zu haben.“ lachte er bei dem Gedanken leise auf.


      Mona hatte es sich in der Zeit auf der Ledercouch bequem gemacht und seufzte leise zufrieden auf.
      „Allerdings, komisch das du von denen noch nicht gehört hast. Sie spielen regelmäßig im Rodeo.“ meinte sie lächelnd. „Naja Asher kann manchmal echt ein Arsch sein…Theo auch und Sunny sieht immer so aus, als würde sie jemanden umbringen wollen, aber sie sind alle echt nett. Nick müsstest du aber eigentlich kennen. Er studiert Maschinenbau…oder Informatik oder irgendwie sowas, auch bei uns an der Uni…naja Sunny auch aber die sieht man nicht so oft.“ lachte sie leise.

      Die Eiswürfel in ihrem Glas hatten langsam angefangen sich aufzulösen und verwässerten ihren Cocktail ein wenig. „Theo und ich kennen uns jetzt schon…keine Ahnung so zwei/drei Jahre…er ist sehr kommunikativ, ich bin sehr kommunikativ, da findet man sich einfach, weißt du.“ grinste sie, als wäre das, dass logischste auf der Welt.
    • „Oh Mann, das klingt nach einem Traum“, entkam es Jay. Musik studieren, das wär mal was. Und seine eigene Band für Auftritte zu haben, das war der reinste Luxus. Warum hatte Jay sich nochmal so viel von seinen Eltern einreden lassen? Das vergaß er irgendwie gerade komplett.
      … Nur, das er es nicht tat. Er wollte seine Familie finanziell unterstützen können. Fast fühlte er sich schlecht, der ganzen Musik Sache wieder so hinterher zu träumen.

      Jay lachte, als Theo von seinem eigenem Ruf erzählte. Es war aber an allem irgendwie ein wahrer Kern, nicht?
      Was aus seinem eigenen Ruf werden konnte, wenn alles schief ging, wollte er sich gerade garnicht ausmalen. Der heutige Abend konnte über einiges bestimmen. Hoffentlich blieb Mona halbwegs nüchtern.
      „Klar, das kenn ich. Manchmal hör ich über drei Ecken eine Geschichte über mich selbst und irgendeine Party, auf der ich nie war, weil ich gearbeitet hab. Aber das interessiert keinen, solange die Gerüchte spannend bleiben“, erwiderte er. Tatsächlich war das schon mehrmals vorgekommen. So ritt man sich wohl in die Scheiße, wenn man sich fast auf jeder Feier blicken ließ und dann seltsamerweise auch noch oft genug im Mittelpunkt landete. Das lag großteils an seiner Freundesgruppe. Jay wollte garnicht wissen, welche Fotos und Videos von ihm für immer im Internet zu finden sein würden. Er konnte nur hoffen, dass man später bei Job Interviews keinen Background Check an ihm durchführte.

      „Hey, erzähl mir was über Mona“, meinte er dann auf einmal. Wenn er sich schon so gut mit Theo verstand, sollte er die Gelegenheit wohl nutzen. „Wie ist so drauf? Ist sie nett?“ Was Jay eher fragen wollte, war, ob sie ‚normal‘ war. Ob sie leicht wahnsinnig war oder vielleicht keine Kontrolle über sich selbst und die Dinge hatte, die sie so aussprach. Und ob sie sich öfters mit kaltherzigen, zynischen Männern abgab oder sich das auf einen einzelnen beschränkte. Und am besten noch: Wollte sie auch nur mit Cyrus schlafen oder hatte sie Pläne, die mehr… Gespräche involvierten?


      Cyrus war allerdings gerade knietief ins Gespräch verwickelt. „Oh, das würde Jay eher kennen. Er ist der Rock-Fan. Ich war da nie mit, eher Eliot oder… sonst irgendwer“ Er lächelte entschuldigend. „Der studiert übrigens auch Informatik, also… die kennen sich bestimmt“

      Und das war‘s dann wieder mit dem Gespräch. Nachdem Cyrus sich mit Theo unterhalten hatte, war er nun irgendwie sehr viel unentspannter als noch an Halloween, aber er wollte sich auch nicht gleich wieder betrinken. Allerdings war er sich nicht sicher, ob er nüchtern oder betrunken einen schlechteren Eindruck machte.
      Manchmal konnte man sich ja doch fragen, wie es möglich war, dass ein so selbstbewusster, offener Mensch absolut keinen Schimmer hatte, wie man sich mit Menschen unterhielt. Aber… beim Feiern musste man selten Gespräche mit Fremden führen. Küssen zu können reichte da oftmals schon, um Kontakte zu knüpfen. Deshalb war Cyrus auch furchtbar im Daten. Und das hier… fühlte sich nun irgendwie mehr nach Date als Feiern an.

      „Ich sollte anscheinend öfter ins Rodeo gehen, dann wärst du mir bestimmt auch früher aufgefallen“, sagte er schließlich und lächelte. Gerettet. Er stützte sich an der Armlehne auf und legte den Kopf in seine Hand, den Blick ließ er über Monas Gesicht wandern. Sie war richtig hübsch. Er war wohl mit dem Kopf im Sand gesteckt. Oder eher in einem Haufen Partys und Alkohol, der seine Sicht verschwimmen ließ.
      „War wohl Schicksal, dass wir auf derselben Halloween Party waren“ Zu viel? Naja, nicht wirklich, diese Nacht musste auch im Nachhinein entsprechend gewürdigt werden.
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    • „Es ist der Wahnsinn! Ich liebe es auf der Bühne zu stehen. Das Licht, die Stimmung, die Aufmerksamkeit, das ist alles großartig.“ schwärmte er. „Generell Musik zu spielen ist der Wahnsinn. Ich habe super lange im Orchester gespielt, bis ich das Studium abgebrochen habe. Meine Eltern sind beide Musiker, weist du. Wahrscheinlich wurde die Leidenschaft einfach vererbt.“ lachte Theo leise auf.

      Als Jay das Gespräch auf Mona lenkte schaute er ihn leicht verwirrt an. „Gibt es einen Grund warum du übe sie reden möchtest? Ich meine du willst doch nichts von ihr, oder? Perse ist es mir egal, aber kommt nicht so gut, wenn dein bester Freund auch auf sie scharf ist.“ meinte Theo ernst und legte den Kopf ein wenig schief. „das hatte ich einmal…naja bei mir hat’s wohl noch gut geendet aber trotzdem.“ bei der Erinnerung musste er leise lachen.


      Mona nickte begeistert. „Unbedingt! Einmal im Monat gibt es da so eine Art Talente-Abend. Der ist mega cool! Ich glaube diesen Monat war das eine Drag-Queen Show. Im Grunde wird die Bühne dann für New-Comer Künstler geöffnet und jeder hat eine gewisse Zeit um zu zeigen was er drauf hat.“ strahlte sie. „Nächsten Monat ist glaube ich Poetry-Slam Night. Wenn du magst können wir ja zusammen hin…also ich geh so oder so hin aber du kannst gerne mit. Ich wollte eigentlich Noel fragen, aber er sagt eh nein und am Ende zwinge ich ihn doch…er wird es dir sicher danken.“ lachte sie leise. Das grün ihrer Augen funkelte ein wenig, wenn sie von Dingen erzählte, die sie begeisterte.

      „Schicksal?“ fragte sie ein wenig verwirrt. „Ich wusste ja das du da bist.“ Mona schaute ihn an, als ob das alles auf der Hand lag. „naja, du hast die Party ja organisiert, jeder wusste das du da bist…und ich bin auch eigentlich immer da. Ich hätte es jetzt eigentlich nicht unbedingt Schicksal genannt. Du warst wohl auf den letzten Partys einfach nur zu sehr mit anderen Mädels beschäftigt, als das du mich bemerkt hättest.“ meinte sie immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihre Worte klangen nicht anklagend. Es war eine simpler und einfache Tatsachenfeststellung.
    • "Oh Gott, nein", erwiderte Jay sogleich. Wenn überhaupt machte sie ihm ein wenig Angst. "Ich frage nur… für Cyrus" Wie das gute beste Freunde nunmal so taten… Ja. Er würde auf keinen Fall mit irgendjemandem schlafen, auf den sein bester Freund stand. Bro-Code und sowas. Da waren sie sich ziemlich einig.
      "Kann ja sein, dass was draus wird", sagte Jay und zuckte gespielt gleichgültig mit den Schultern. Nur, dass es sein größter Alptraum wäre. Es war ihm noch nie passiert, dass er unfreiwillig One Night Stand immer und immer wieder getroffen hatte aber wenn er am Ende als Trauzeuge zu Cyrus Hochzeit ging und auf der anderen Seite vom Altar Noel an Monas Seite sehen musste, würde er explodieren. Zufälle kamen wirklich immer in den ungünstigsten Momenten.


      Das Flirten klappte für Cyrus allerdings mal so überhaupt nicht. Zumindest lud Mona ihn ein, zu einer Poetry… zu irgendeinem Event zu gehen. Mehr oder weniger. Jedenfalls schien Cyrus damit diesem Noel aus der Klemme zu helfen. Wobei er ja jetzt gerne wissen würde, was dieses Poetry Ding war.
      Aber so ungeniert, wie sie erwiderte, dass Cyrus zu beschäftigt mit anderen Frauen gewesen war, musste er echt daran zweifeln, dass sie irgendetwas von ihm wollte, das über Sex hinausging. Vielleicht suchte Mona ja auch nur aktiv nach irgendjemandem, mit dem sie das fortsetzen konnte, das sie mit Theo beendet hatte. Womit Cyrus ja absolut leben konnte, aber dann bräuchte er sich hier weitaus weniger Mühe geben, oder nicht?
      Cyrus lächelte peinlich berührt. Er wusste nicht wirklich, wie er darauf antworten sollte. "Tja, da… hast du wohl recht", sagte er schließlich. Wem wollte er schon etwas vormachen. "Aber wenn du mich früher angesprochen hättest, hätte ich dich definitiv nicht abgewiesen", setzte er dran. Vielleicht half es ja, wenn er einfach etwas ehrlicher war.
      "Aber, kann ich dich mal fragen, warum du mich überhaupt angesprochen hast? Aus… irgendeinem bestimmten Grund oder einfach weil du dir in den Kopf gesetzt hast, mit mir zu schlafen? Wofür ich übrigens… noch immer äußerst dankbar bin" Er setzte ein kleines, dreckiges Lächeln auf. Er konnte einfach nicht ernst bleiben, vor allem nicht, wenn er sich anhörte, wie ein unsicheres kleines Mädchen. Aber er wollte nunmal wissen, womit er es hier zu tun hatte.
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